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Full text of "Archiv pro přírodovědecký výzkum Čech"

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THE UNIVERSITY 
OF ILLINOIS 
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ERLÁUTERUNGEN 


ZUR 


ZŘEÍ, UNOVA KA BS SUD 


(ŽELEZNÉ HORY, 


UND 


DER ANGRENZENDEN GEGENDEN 1M ÓSTLICHEN BOHMEN 


VON 


J. KREJČÍ uND R. HELMHACKER 


THE LIBRARY OF THF 1981. 
APR 23 1938 
UNIVERSITY OF ILLINOIS 
(ARCHIV DER NATURW. LANDESDURCHFORSCHUNG VON BOHMEN.) 


V. Band. Nro. 1. (Geolosische Abtheilung.) 


PRA 6. 
Commissions-Verlag von FR. 
1882. 


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| Ra Pe dll ie zu diesem Bande gehórige Karte erscheint im Laufe des Jahres 
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1883. 


ERLAUTERUNGEN 


KBOLOGIOURÉN KARTE DKO BLOBNUDDLNGKO 


(ŽELEZNÉ HORY) 


UND DER ANGRENZENDEN GEGENDEN IM OSTLICHEN BŮHMEN 


J. KREJČÍ up R. HELMHACKER 


1881. 


(ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTLICHEN LANDESDURCHFORSCHUNG VON BŮHMEN.) 


(V. BAND, NRO 1. GEOLOGISCHE ABTHEILUNG,) 


THE LIBRARY OF THE 
APR 23 1930 
UNÍIVERSIM OF il, puk 


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VORWORI. 


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Nach Vollendung unserer gemeinschaftlichen Aufnahmsarbeiten in der 
Mitte von Bóohmen, deren Resultat in der geologischen Karte der Um- 
gebungen von Prag und den sie begleitenden Erláuterungen niedergelegt 
sind, begannen wir im Jahre 1875 die detailirten Untersuchungen des 
bohmisch-máhrischen Plateau's, u. z. vor allem des nordlichen Randes der- 
selben, des sogenannten Eisengebirges, nachdem wir schon in den Jahren 
1873 und 1874 in einzelnen Parthieen desselben uns orientirt hatten. 


Die Aufgabe, die uns hiebei vor Augen schwebt, ist das Studium 
und die měglichst genaue geologische Aufnahme jenes grossen Urgebirgs- 
massivs, zu dem das bohmisch-máhrische Plateau und der Bóhmerwald 
gehort, wobei allerdings auch die stratigraphischen und tektonischen Ver- 
háltnisse der sich an das Urgebirge -.anschliessenden anderen Formationen, 
namentlich des Silurs und Carbons, der permischen und der Kreide- 
formation berůcksichtigt werden sollen. 


Leider blieb der Fortschritt unserer Arbeit weit hinter unserem 
© Wunsche zurůck, hauptsáchlich wegen der zu kurzen Zeit und wegen den 
zu geringen materiellen Hilfsmitteln, die uns jáhrlich zu Gebote standen, 
dann auch wegen der ungemeinen Mannigfaltigkeit und Abwechslung des 
geologischen Details. Wie die beiliegende geologische Karte zeigt, stellen 
wir aber dafůr ein ganz neues und gegen die frůheren, raschen, Cur- 
sorischen Aufnahmen ein úberraschend mannigfaltiges, geologisches Bild 
des untersuchten Terrains auf. 

Die bis jetzt (October 1881) vollendete Arbeit umfasst schon einen 
grossen Theil des ostlichen Bóohmens, námlich von Lysá, Neu-Bydžov und 
Kónigerátz im Norden bis Sedlčan und Humpolec im Sůden, und von der 


Moldau bei Kónigsaal und Verměřic im Westen bis an die máhrische Gránze 
im Osten. Die vorliegende Arbeit enthált blos die nordliche Zone dieses 
ausgedehnten Terrains (námlich die Blátter Časlau-Chrudim, Kóniggrátz- 
Elbe-Teinic-Pardubic, Hohenmauth-Leitomyšl der neuen Generalstabskarten 
im Maasstabe von 1:75000) und es wird sich, wie wir nun hoffen, an 
dieselbe die Veroffentlichung der anderen nordlicheren Zonen in moglichst 
rascher Folge anschliessen. 


Im November 1881. 


J. K. und KEE 


Orographische Einleitung. 


Das Eisengebirge umfasst jenen, weniger durch seine Hóhe und Aus- 
dehnung, als durch seine orographische Individualitát ausgezeichneten Gebirgswall 
am něrdlichen Saume des bohmisch-máhrischen Plateaus, welcher sich aus der 
Thalebene des Elbeflusses und aus dem Flachlande des óstlichen Bohmen, zwischen 
Elbe-Teinic in SO Richtung gegen Vojnoměstec erstreckt und ohne allmáhlige 
Vermittlung óstlich an der máhrisch-bohmischen Gránze mit dem Gránzgebirge 
sich vereinigt. Die Lánse desselben von WW nach 90 betrást, u. z. von Elbe- 
Teinic aus bis gegen Vojnoměstec, bis wohin námlich die Individualitát des Ge- 
birges noch ausgeprágt ist, etwa 65 Kmt. (16 Wegst). Die durchschnittliche 
Breite des Gebirgszuges betrágt etwa 15 Kmt. (3%/, Wegst.), obwohl dieselbe von 
NW gegen SO allmáhlich zunimmt. 


Das Eisengebirge bildet die Gránze zwischen dem Chrudimer Kreise im 
NO und dem Časlauer Kreise im SW. Die Endpunkte desselben liegen zwischen 
499 40" nordlicher geographischer Breite, wenn von Kreuzberg bei Vojnoměstec 
aus, wo es in das bohmisch-máhrische Gránzgebirge úbergeht, zu záhlen angefan- 
gen wird, bis etwa 509 5' n. B.: dann zwischen 339 bis 33“ 30" ostlicher Lánge 
von Ferro. 

Der bedeutendste Theil des Eisengebirges fállt auf das Blatt Zone 6, 
Colonne XIII, der neuen Gradkarte von Bóhmen im Maasstabe von 1 :75000 n. Gr. 
Dieses Blatt enthált die beiden Stádte Časlau und Chrudim, zwischen denen das 
Eisengebirge sich erstreckt. Im Blatte Zone 7, Colonne XIV [Polička-Saar (Žďár)] 
endet das Gebirge, indem es in das bohmisch-máhrische Gránzgebirge úbergeht. 
Ein ansehnlicher Theil desselben fállt noch in die SW Ecke des Blattes Zone 6, 
Colonne XIV (Leitomyšl-Hohenmauth) und ein geringer Theil in das NO-Eck des 
Blattes Zone 7, Col. XIII (Deutsch-Brod). Das NW Ende des Gebirges nimmt 

1* 


4 


im Blatte Zone 5 Colonne XIII (Elbe-Teinic, Neu-Bydžov-Kónigerátz) blos einen 
beschránkten Raum ein. | 

Hier sind nur die drei Blátter Časlau-Chrudim, Elbe-Teinic-Kónigerátz 
und Hohenmauth-Leitomyšl dem Texte beigegeben. 

Der vom Eisengebirge selbst eingenommene Raum důrfte, abgesehen von 
dem nicht genau bestimmten Abschluss desselben gegen die bohmisch-máhrische 
Gránze zu, in runder Ziffer etwa 800—900 [] Kmt. (15() Meilen) umfassen. 

Der Name des Gebirges, námlich Hisengebirge (Montes ferrei, Železné 
Hory) kómmt schon in alten Urkunden vor und růhrt offenbar von den ehedem 
in dieser Gegend betriebenen Eisensteinbergbau her, dessen Reste noch jetzt 
sůdlich von Heřmanměstec und am Fusse der Bergrůcken bei Vratkov und Žlebská 
Lhota angetroffen werden. 

Dieser Name gerieth allmáhlich in Vergessenheit, so dass in neuerer Zeit - 
fůr dieses doch so deutlich individualisirte Gebirge kein Collectivname sebraucht 
wird. Die Erneuerung der alten Benennung dieses Gebirges, die wir hier ein- 
fůhren, ist aber gewiss sowohl durch die Eigenthůmlichkeit des Gebirges selbst, 
als auch durch den historischen Werth des Namens gerechtfertigt. 


Das Břsengebirge tritt aus der flachen Gegend am rechten Ufer der Elbe 
bei Bělušic unweit Elbe-Teinic zuerst nur in flachen Hůsgeln von 250—260 m. 
Meereshóhe auf, und indem es erst in der Richtung von NW gegen SO allmáhlich 
an Hóhe zunimmt, schliesst es sich endlich an der bohmisch-máhrischen Gránze 
an die bis 725—800" hohen Gránzkuppen durch unmerklichen Úbergang an. 


Der Doubravkabach, der bei Ransko entsprinst, folet der Richtung des 
Gebireswalles, indem dieser Bach den steileren SW Abhane desselben begleitet 
und sich von diesem Abhange nur wenig u. z. hochstens bis auf 5"/, Kmt. ent- 
fernt.  Bei der Můndung der Doubravka in die Elbe durchbricht dieser Fluss 
das nordwestliche Ende des (rebirgswalles. 

An dem NO Gehinge des Eisengebirges entspringen die Ohebka (oder 
Chrudimka), so wie ihre Zuflůsse, námlich der Žejbrobach bei Chrast, der Holetínka- 
bach bei Žumberg und der Krouna- (oder Neuschlosser) Bach. 


Wie schon erwáhnt, nimmt mit zunehmender Hóhe in der Richtung von 
NW nach SO auch die Breite des Gebiroswalles zu. Bei Elbe-Teinic durchbricht 
die Elbe den Hůgelwall in der Breite von kaum 3 Km.; zwischen Kašparův Dolík 
und Chvaletic betrást die Breite mehr als 3 Km.; in der Richtung Semtěš-Choltic 
oder Licoměřic-Heřmanův Městec betráet die Breite aber schon 8 Klmt. und 
erweitert sich dann weiter zwischen Závratec-Chrudim schnell zu 17 Km., welche 
Breite auch der Gebirosmasse zwischen Libic, Nassaberg und Chrast zukoómmt. 
Zwischen Ždírec, Hlinsko und Skuč wáchst die Breite sogar bis zu 22 Km. an. 


5 


Das allmáhlige Ansteigen des Gebirgskammes von WW nach SO ergiebt 
sich aus folgenden Hóhenpunkten: 

Bei Bermnardov 265, Vedralka 300%, Bílá Skála bei Licoměřic 492", 
Stráň oder Železné hory bei Zbislavec 566"-, Bučina bei Kraskov 602, Kaňkové 
hory 560", Spálava bei Maleč 660", Vestec 666"-, die Hóhe bei Kladné 670" ; 
die folsenden Hóhen von 725—800" bei Svratka und Čikhaj gehoren aber schon 
dem bohmisch-máhrischen Gránzgebirge an. Der Anfang des Gebirges besitzt dem- 
nach an der Elbe nur Hůgelform, wáhrend in SO Verlauf desselben sich ansehnliche 
Bergrůcken und Hochfláchen entwickeln. 


Der Abfall des Gebirgswalles gegen SW, das ist gegen den Doubravka- 
bach und das Časlauer Flachland ist vom hěchsten Kamme an unvermittelt 
plótzlich und steil, wáhrend gegen das NO Flachland von Přelouč und Chrudim 
sanftere Abstufungen einen allmáhligen Úbergang vermitteln. Doch ist aber auch 
an dieser Seite die Individualitát des Gebirges gegenůber dem flacheren wellen- 
formigen oder terrassenartigen Terrain deutlich ausgeprást. 

Der von dem Doubravkabache begleitete steile SW Abhang des Gebirges 
wird nur von kurzen und wasserarmen Schluchten durchsetzt, so bei Semtěs, 
dann unterhalb der die Časlauer Gegend beherrschenden Burg Lichnice (Lichten- 
burg), wo zwei Schluchten, námlich die Lovětíner und die vom Goldbache (zlatý 
potok) bewásserte Třemošnicer Schlucht ausmůnden und sich beide durch steile 
Felsengruppen auszeichnen. Erst nach einem beinahe schluchtlosen Verlaufe des 
Gebirgsabfalles von mehreren Wegstunden kommen kurze, steil sich absenkende 
Thálchen bei Hoješín, Spálava, Kladrub wieder zum Vorschein. Lánger und mit 
mehr ausgesprochenem Thalcharakter sind die vom Gebiresrůcken herablaufenden 
Thalfurchen des NO Gebirgsabfalles. Solche zwei nicht tiefen, aber doch den 
verwickelten Bau des Gebirges theilweise entblóssenden Thálchen, sind das bei 
Stojic-Chrtník, welches bei Choltic ausmůndet, dann das schóne waldige Thal von 
Vápený Podol und Prachovic, welches unterhalb Kostelec bei Heřman-městec aus- 
miůndet; weiter das mit schrofferen Waldlehnen auftretende Thal von Citkov gegen 
Morašic; das felsige Thálchen von Deblov gegen die Ruine Rabstejnek und weiter 
noch das Thal von Šiškovic und Kuchánovic um die waldige Hůra herum, das bei 
Lhota můndet. Das bedeutendste Thal ist aber die von dem Ohebka- (oder Chru- 
dimka) Flůsschen bewásserte Terrainrinne, die in mannigfachen und vielfachen 
Krimmungen auf mehrere Wegstunden das Gebirge in der Mitte durchsetzt und 
malerisch abwechselnde felsige und waldige Thalbecken bildend endlich bei Sla- 
tiňan in das Chrudimer flache Land eintritt; besonders zeichnet sich dessen Ende 
bei der Mihle „Peklo“, dann unterhalb derselben bis Práčov durch malerische 
mit schónem Wald gezierte felsige Parthieen aus. 


Weiter čstlich folet die Žumberger Hauptschlucht. mit ihren drei oder 
vier Nebenschluchten, durch deren Vereinigung sie entsteht und unter Bitovan 
ins fAachere Hůgelland úbergeht. Die Schlucht von Prasetín gegen Chacholic, sowie 
die sich mit derselben verbindende Schlucht von Ranná-Leštinka nimmt in der 
Verengung und den rechtsseitigen senkrechten Uferwánden bei Podskalí bis Cha- 
Cholic einen eigenthůmlich reizenden Gebirgscharakter an. Die kůrzere Thal- 
schlucht von St. Anna bei Skuč gehórt nicht mehr dem eigentlichen Eisengebirge 
an; das lange Thal des Krounabaches (Neuschlosserbach) zwischen Krouna bis 
unter Richenburg gehórt aber noch dem Eisengebirge an, tiefer jedoch schon 
dem ostbohmischen Plateau. Die Thalschluchten bei Proseč liegen in ihren An- 
fángen schon im Systeme des bohmisch-máhrischen Gránzgebirges. 


Das Eisengebirge erscheint in doppelter Hinsicht deutlich individualisirt, 
und zwar namentlich im westlichen Theile, wo es aus dem Flachlande seines SW 
und NO Fusses rasch emporsteigt, und dann besonders an seinem SW Gehánge 
durch einen steilen Abfall sich auszeichnet; dann auch in anderer Hinsicht, da 
námlich auch der Gesteinscharakter desselben von den Gesteinen des Flachlandes 
sich wesentlich unterscheidet. Nur in der Náhe des bohmisch-máhrischen Gránz- 
gebirges verlieren sich diese beiden Merkmale um so mehr, je náher das Gebirge 
an die Gránze vorrůckt, wo endlich das Eisengebirge und das Gránzgebirge in 
einander úbergehen. 

Das Flachland am NÓ Fusse des Eisencebirces steigt gerade so wie der 
Gebireskamm allmáhlich in der Richtung von WW nach SO, also mit zunehmender 
Entfernang von der Elbeniederung gegen die Landesgránze an, trotzdem bleibt aber 
der Unterschied zwischen dem Eisengebirge und dem sanft welligen oder terassen- 
formigen Flachlande unverándert bestehen, wenn auch die Hóhe von 200“ an der 
Elbe bis 274" bei Heřman-městec, und 300" bei Luže, ja sogar bis 400" in der 
Terrainstufe bei Skuč ansteigt. 


Der SW Fuss des Gebirges wird durch eine 2 bis ber 10=* breite, lache 
Terrain-Depression begleitet, lángs deren tiefsten Stellen der Doubravkabach fliesst. 
Diese Depression hat theils die Gestalt einer Ebene, wie in VW, oder eines flachen 
Terrains mit unbedeutenden Hůgeln oder mit Hůgelstufen, wie es im 90 dieser 
Depression der Fall ist. Rechterseits wird diese Depression durch den steilen Rand 
des Eisengebirges begránzt, der sich ohne Vorstufen plótzlich erhebt, linkerseits 
aber geht sie durch allmáhlice Hůgelerhebungen in die welligen Hochfláchen des 
sidbohmischen Gneusgebietes iiber. Von Zaboř an der Elbe bis Libic ist diese 
Depression, abgesehen von einer Verengung zwischen Třemošnic und Jerišno, ganz 
deutlich ausgeprágt; von Libic an steigt sie stufenweise bis Ždirec an, und lásst 
sich dann nieder úber Kreuzberg und Vojnoměstec bis Polnička (Pelles) erkennen, 


T 


so dass in dieser Richtung das Eisengebirge von der sůdbohmischen Gneus- 
Hochfláche scharf abgesondert ist. Das Terrain steigt auch in dieser Depression 
allaáhlich von NW von der Elbe gegen SO an, wie der Gebirgskamm; denn bei 
Bernardov besitzt es die Hóhe von rund 210"“, bie Časlau 240=-; die hoheren dem 
Fusse des Eisengebirges sich anschmiegenden Stufen derselben erheben sich bei 
Ronov und Zavratec zu 280" steigen dann bei Bestvin zu 300"; bei Maleč 
erreicht die Depression schon die Hóhe von 400%; in der Ždirecer Thalfláche 
aber die Hóhe von 500" —550", 

Indem das Eisengebirge in derselben Richtung ebenfalls allmáhlich ansteigt, 
bleibt die relative Hóhe des Gebirges úber dem Doubravkabache im ganzen 
unverándert, nur bei Maleč wird sie merklich grósser, nimmt aber gegen die Grenze 
des Landes wieder ab. 

Der relative Hohenunterschied des Kammes des Eisengebirges ber der 
Časlau-Ždirecer Terraindepression betrágt bei Bernardov in runden Zahlen 70", 
bei Ronov (Časlau) 140"-, bei Bestvin 160", bei Maleč 260"-, bei Štěpánov wieder 
160" und bei Kreuzberg nur 80"“. 

Da in der Depression des Doubravkabaches, sowie auch im Chrudimer 
Flachland Alluvialbildungen vorherrschen, weiter aber in den flachen Hůgeln oder 
in den ebenen Terrainstufen die Kreideformation auftritt, und das orographisch 
so deutlich hervortretende Eisengebirge aber aus silurischen Schiefern und aus 
ebenso alten granitischen Gesteinen, theilweise aber auch aus laurentinischen 
Gneusen besteht, so ist auch in geologischer Hinsicht die Individualitát des 
Eisengebirges scharf ausgepráct. Die Gneuse des Eisengebirges, welche in SO 
desselben vorherrschen, vermitteln den Úbergang in das (Gneus-Gránzgebirge 
zwischen Bóhmen und Máhren, námlich in das Saarer Gebirge (Žďárské hory). 

Im folgenden Berichte sind die Resultate der Untersuchungen im Eisen- 
gebirge so eingetheilt, dass der erste allgemeinere Theil die gemeinschaftliche 
geologische Beschreibung dieses Gebirges; der zweite Theil aber die speciell von 
R. Helmhacker abcefassten Abschnitte ber die petrographische Beschaffenheit 
elniger Gesteine, dann úber das Vorkommen von beachtenswertheren Mineralien im 
Eisengebirge, welche nicht als Gesteinsgemengtheile vorkommen, und endlich als 
Anhang, die Beschreibung einiger Lagerstátten nutzbarer Mineralien umfasst. 


Poa ke L keV 


BESCHREIBUNG DER ALLGEMEINEN GEOLOGISCHEN VERHÁLTNISSE 


DES EISENGEBIRGES. 


Die geologischen Verháltnisse des Bisengebirges. 


Der Steilrand des Eisengebirges gegen die Časlauer Thalfláche, von der 
an gegen SW das sůdbohmische Gneusplateau beginnt, bildet eine scharfe Gránze 
des Gebirges. Auf dem Fusse des Šteilrandes liegen in der Richtung von NW 
nach SO die Ortschaften Zaboř, Podhořan, Třemošnic, Podhořic, Studenec, Kreuz- 
berg (Krucenburk) und Škrlovic. Am letzteren Orte ist aber der Úbergang des 
eigentlichen Eisengebirges in das bohmisch-máhrische Gránzgebirge (Saarer Gebirge, 
Žďárské hory) im geologischen Sinne schon entschieden, obwohl das orographische 
Merkmal des Eisengebirges, námlich sein Steilrand, sich bis hieher fortsetzt. Der 
angránzende Theil des siidbohmischen Gneusplateaus, SW vom Šteilabfalle des 
Eisengebirges, bildet die Basis oder den Liegendtheil des Eisengebirges und besteht 
aus laurentischen Gesteinen, die in der Thaldepression von Časlau, Bestvin, Libic, 
Kreuzberg bis nahe an Pelles (Polnička), also lánes des Laufes des Doubravka- 
baches bis zum Teiche Žďársko bei Pelles (dem Ouellbasin der Sázava) von flach 
liegenden terassenartigen Terrainstufen der Kreideformation, sowie von alluvialen 
Gebilden bedeckt werden. 

Das eigentliche Eisengebirge enthált im Liegenden, das unter dem eben 
angedeuteten Steilabfalle zu Tage tritt, gleichfalls laurentinische Gesteine. Dieselben 
lassen sich zwischen Elbe-Teinic bis Bestvin nur als ein enger Streifen verfolgen, 
von hier aus aber erweitern sie sich bedeutend, namentlich am Flisschen Ohebka, 
welches dieselben durchfurcht. Das óstliche Ende dieses Liegendzuges von lauren- 
tinischen Gneusen des Eisengebirges úbergeht in der Richtung der Verbindungs- 
linie Vojnoměstec-Proseč unmerklich in das bohmisch-máhrische Gránzgebirge, so 
dass sich hier eine scharfe Gránzlinie zwischen beiden Gebirgen nicht ziehen lásst, 
so deutlich auch das Eisengebirge in seinem WW Verlaufe individualisirt erscheint. 

Entweder unmittelbar auf dem laurentinischen Steilabfalle des Eisengebir- 
ges oder durch dazwischen eingeschaltete Granitstócke oder Granitmassive getrennt, 
folgen die untersilurischen (huronischen oder cambrischen) Gesteine, die gegen NO 
sich allmáhlich verfáchen und weiter nordlich unter dem flach gelesenen Plánerterrain 
des Kreidesystemes im Chrudimer Kreise verschwinden. Besonders bemerkenswerth 


„ erscheint das zwischen dem Laurentin und dem Silur eingezwánste Granitmassiv 


von Seč, Kamenic, Nassaberg, Žumberg, Skuč, da durch dasselbe der Zug des 
uuteren Silursystemes in zwei grosse Theile gespalten wird. Der Hauptzug des 


| Untersilurs zieht sich námlich von Elbe-Teinic bis Slatiňan, der davon durch 


12 


dieses Granitmassiv abgetrennte Theil aber bildet die grosse untersilurische (cam- 
brische) Schieferinsel zwischen Kreuzberg, Hlinsko, Skuč, Richenburg, die zwischen 
den Laurentingneus und zwischen das oberwáhnte Granitmassiv, sowie zwischen 
eine zweite aber nicht mehr zum eigentlichen Eisengebirge gehórende Granitmasse, 
námlich jene von Proseč, eingezwánst ist. 

Die Silurgebilde treten demnach im Eisengebirge in zwei getrennten 
Parthieen auf, und zwar als Hauptzug von Elbe-Teinic bis Slatiňan und dann als 
die Schieferinsel von Hlinsko-Skuč; beide werden durch das Nassaberger Granit- 
massiv von einander getrennt. Das Flachland des Kreidesystems zwischen Elbe- 
Teinic, Heřman-městec, Chrudim, Žumberg, Skuč, Richenburg, Proseč, sehmiest 
sich an die gegen NO flach abfallenitcn Lehnen des Eisengebirges an. 

Es enthált demnach die geologische Beschreibung des Eisengebirges folgende 
Parthieen: 1. Das anliegende Gneusgebiet des bohmisch-máhrischen Plateaus in der 
Richtung der Thaldepression des Doubravkabaches. 2. Das eigentliche Eisengebirge. 
3. Das Flachland des Kreidesystems NÓ vom Eisengebirge und 4. als Anhang 
die kurze Beschreibung der auf den Karten Elbe-Tejnic-Kónigerátz und Hohen- 
mauth-Leitomyšl noch befindlichen Gesteine, welche zwar nicht mehr an der 
Zusammensetzung des Eisengebirges theilnehmen, aber in den Rahmen des Karten- 
gebietes fallen. 


1. Das SW anliegende Gneusgebiet in der Richtung der Thal- 
depression des Doubravkabaches. 


In der Thaldepression des Doubravkabaches von Zaboř an bis gegen Pelles 
(Polnička) tritt vorherrschend Gneus auf und zwar verschiedene Varietáten .dieses 
Gesteines, nebstdem von untergeordneten Felsarten Amphibolitschiefer in con- 
cordanten Einlagerungen, dann Granite, Serpentine, Troktolite, Eklogite, Corsite, 
und auch Diorite als gang- oder stockfórmige remsh in abnormen Lagerungs- 
verháltnissen. 

Das Verfláchen der geschichteten Gesteine des Doubravkathales also der 
Gneuse und der untergeordneten Amphibolitschiefer, ist das námliche wie das 
der Schichten im Eisengebirge, indem das Streichen derselben parallel zur Rich- 
tung des Steilabfalles des Gebirges verláuft. Die Doubravka-Terrainfurche wáre 
demnach ein Lángenthal mit einem SW zum sůdbohmischen Gneusplateau sich 
allmáhlig, und einem zum Eisengebirge sich steil erhebenden NO Gehánge. Ob 
das breite Thal der Doubravka ein Erosions- oder ein Dislocationsthal ist, kann 
vorláufig bei dem Mangel jeder, eine genauere Ermittelung der Bildungsart der 
Depression ermoglichenden Entblóssung nicht nachgewiesen werden, da gerade 
die Thalsohle theils von Alluvien, theils von Schichten des Kreidesystems zum 
gróssten Theile bedeckt ist. Es sind úbrigens beide Entstehungsarten móglich, da 
die etwas leichter erodirbaren Gesteine des Thales sowohl fůr die Móglichkeit 
einer Erosion als auch einer Dislocation sprechen, fůr welchen letzteren Fall die 
tiefere Auswaschung durch die etwa in Folge eines Bruches erfolgte Lockerung 
des Gesteines hátte veranlasst werden kónnen. 


„A 


13 


Durchschnittlich geht das Streichen der Gneusschichten nach 10%,", das 
Verfláchen nach 4%/," mit 47'/,9 (aus 20 Beobachtungen); in einzelnen Gebieten 
aber weicht die Richtune des Verfláchens, sowie auch der Neigungswinkel der 
Schichten von dieser Mittelzahl bedeutend ab. Nur in der Náhe der boóhmisch- 
máhrischen Gránze bildet der sonst im Doubravkathale unverándert nach NO ver- 
fláchende Gneus auch antiklinale Biegungen, indem er dort nach der Gegenstunde 
verflácht. Das Verfláchen der laurentinischen Schichten in der flachen Kuppe 
Kamajka zwischen Neuhof (Nové dvory) und Chotusic betrágt 26“ nach 2",* (Mus- 
covitgneus); die Klippen im Dorfe Zbislav bei Bílý Podol (NO von Časlau) ver- 
fláchen nach 2'/,* mit 259—689; bei Starkoč nach 2'/,* mit 559 (Almandin fůhrender 
Biotiteneus); bei Mladotic (zwischen Mladotic und der St. Martinkirche, mit 449 
nach 4* (Amphiboleneus); W von Ronov am linken Doubravkaufer mit 309 nach 
41/,* (granatfihrender Muscovitglimmerschiefer); O von Mladotic mit 40“ nach 
5!/,», und náher gegen Mladotic zu mit 68“ nach 2*/,* (glimmerreicher Biotit- 
gneus); zwischen Ronov und Zvěstovic mit 329 nach 2" (Amphibolschiefer); „SO 
von Mladotic an der Wasserwehre nach 4';» mit 42“ (Granitgneus mit dicken 
Bánken); zwischen Libic und Lhotka mit 35% nach 6',*; von Lhotka N bei 
Malochlín mit 329 nach 6'/;" (lichter Biotitgneus, im Liegenden jedoch auch mit 
entgegengesetztem Einfallen); zwischen Vojnoměstec und Karlov (Libinsdorf) mit 
629, entgegengesetzt zur allgemein herrschenden Richtung des Verfláchens, also 
nach 17"/,* (schuppiger Gneus); am Bráuhaus bei Borová mit 75% bis 80%“ nach 
5'/,» bis 6"/,>, in Borová mit 589 nach 6'/,* (Biotitgneus); bei der Kirche von 
Borová mit 58? nach 6'/,* (Amphibolgneus), bei dem Dorfe Velké Losenice ober 
dem Friedhof mit 28“ nach 5'/,*, háufiger aber wie unter dem Friedhofe nach 
3%/,h mit 439 (Biotitamphibolgneusgranit); bei dem Kalkofen NON von Neudeck 
(in Máhren) mit 209 nach 20"/,*, also auch entgegengesetzt (Kalklager im kórnigen 
lichten Gneus). 

Der Gneus tritt als das herrschende Gestein der laurentinischen Formation 
in der Doubravka-Thalniederung erst von dem Hůgel Kamajka an, zwischen Cho- 
tusic und Neuhof in einzelnen flachen Kuppen auf, die aus dem Alluvium oder 
aus den flach gelagerten Schichten des Kreidesystems etwas hervorragen. Nordlich 
von Kamajka werden nur diese jingeren Gesteine, die hier das Gneusgebiet 
bedecken, angetroffen, wáhrend sůdlich vom Kamajka- Hůgel die Kuppen des 
Gneuses und von anderen laurentinischen im Gneuse untergeordnet eingela- 
gerten Gesteinen um so háufiger und in desto grósseren Parthieen, besonders in 
den Bachthálem vorkommen, je weiter man sich gegen SO entfernt. Ebenso ist 
das linke Ufer das Oisvkakaché welches aber nicht mehr in das Gebiet der 
Karte fállt, da wo es sanft ansteict, aus Gneus gebildet. Von Moravan an in der 
Richtung gegen S bildet der Gneus schon zusammenhángende Fláchen, da die 
úberlagernden Gebilde des Kreidesystems hier abgewaschen sind. 

Die Varietáten des in der Doubravkathal-Depression auftretenden Gneuses 


sind die folgenden: 


Muscovitgneus;  derselbe ist schuppig schiefrig und tritt nur im Kamajka- 
hůgel und am Hůgel Rambousek, N und SO von Časlau auf; in ganz unterge- 
ordneter Menge mit dem schuppig schiefrigen Biotiteneuse und mit ebenso unter- 


14 


geordneten Turmalin fihrenden Gneus wechsellagernd in ks klippigen Hůgeln 
von Zbislav. 

Biotitgneus; derselbe ist hier das gewohnlichste Gestein.  Bei Zbislav, wo 
er klippige Hůgel bildet, ist er kleinschuppig schiefrig, mit der Schieferung mach 
parallel laufenden biotitarmen mittelkórnigen Gneusschlieren. Hier fůhrt derselbe 
Almandin in grosser Menge in bis faustgrossen Stůcken; nebstdem ist gemeiner 
Granat auch an zahlreichen anderen Orten in diesem Gneuse háufig eingewachsen. 
Schuppig schiefrige důnnplattige Gneuse sind auch bei Lhotka unweit Malochlin 
zu finden, wo selbst auch lichte biotitarme Varietáten vorkommen. 

Sehr háufig ist der flasrige Biotiteneus, welcher durch Úbergánce mit 
der vorigen plattigen Varietát verbunden ist. Aus demselben bestehen die schroffen 
malerischen Schluchten an der Doubravka bei Chotěboř; die Karte zeigt úbrigens 
die grosse Verbreitung dieser Gneusart. Der flasrige Biotitgneus wird stellen- 
weise sehr glimmerreich und ist dann immer granatfihrend, so dass er dadurch 
ein Mittelelied zwischen Gneus und Glimmerschiefer darstellt. Diese Varietát 
findet sich namentlich in der Umgebung von Vilímov, wo sie stellenweise Auarz- 
linsen einschliesst, und SW von Borová ausserhalb des Kartengebietes, das ist am 
Gradkartenblatte Deutsch -Brod (Německý Brod). In der Richtung S von Mladotic 
und Třemošnic bis gegen Malejov etwa wird der Biotitgneus sehr grobbánkig, mit 
undeutlicher Schichtung und halb granitisch; er ist als Granitgneus auf der Karte 
ausgeschieden und bildet einige Klippen von granitartigem Habitus, die am W 
Fusse der Kaňková hora aus den Schichten des Kreidesystems hervorragen. Ganz 
untergeordnet und zwar nur S von Ronov im linken Doubravkaufer findet sich ein 
Muscovitelimmerschiefer-Gneus, also ein Mittelding zwischen Gneus und Glimmer- 
schiefer. 

In der Náhe des bohmisch-máhrischen Anáno oalirás scheint der gemeine 
fasrige Biotiteneus in einen schuppigen oder schuppig Úlasrigen licht gefárbten 
Gneusgranit, der das vorherrschende Gestein des Saarer Gebirges (Žďárské hory) 
(Gránzgneusgranit) bildet, zu úbergehen. Sámmtliche Hóhen des Gránzgebirges W 
und O von Škrlovic und Čikhaj (Máhren), so die Tisůvka, Žáková hora ete. bestehen 
aus diesem lichterauen ziemlich plattigen  Gneuseranit, welcher sowohl Biotit 
als Muscovit, jedoch beide in ziemlich untergeordneter und wechselnder Menge 
enthált, wodurch dann schuppige oder schuppie fasrige Varietáten entstehen. — 
Sámmtliche Gneusvarietáten des eigentiichen Eisengebirges úndern sich gegen die 
Landesgránze zu auch in diesen schuppigen oder schuppig flasrigen lichtgrauen 
Gneusgranit (Gránzgneusoranit) um. 

Dieser schuppige Muscovit-Biotiteneus, in welchem bald die eine oder die 
andere, immer untergeordnet auftretende Glimmerart etwas mehr in den Vorder- 
grund tritt, bildet auch máchtige Lagerstócke in gewohnlichem Biotitgneus, mit 
dem jedoch dann eine allmáhlige Verknůpfung stattfindet. Dieser Gneus bildet 
wie an der bohmisch-máhrischen Gránze so auch in Bóhmen selbst granitáhnliche 
Kuppen oder an Granit erinnernde Mauern, welche aus aufeinander geháuften 
Blócken bestehen. Wegen dieser Eigenschaft in platte Blócke, deren Plattung 
mit der Schieferung des Gneuses in keinem Zusammenhange steht, zu zerfallen, 
haben diese Gneuskuppen eine Ahnlichkeit mit Granitbildungen. Zu Mauern © 


15 


und Klippen angeháufte Blócke sind auch an dem Berge Blaník bei Louňovic 
ausserhalb unseres Kartengebietes anstehend, sonst aber auch an der Tisí skála 
zwischen Golčův Jenikov und Časlau, dann aber auch S von Uhelná Příbram, wo 
der schuppige Gneus jedoch ein Biotiteneus ist, háufig. Die stark Muscovit- 
háltigen schuppigen Gneuse dieser letzteren Kuppen enthalten durchwegs Tur- 
malin selbst in fingerdicken Krystallen. 


In der Umgebung von Gross-Losenic hart an der Gránze unseres Karten- 
gebietes ist der Biotitgneusgranit auch amphibolháltig, desshalb auf der Karte als 
Biotit-Amphibolgneusgranit ausgeschieden. 


Amphibolgneus von kórnig schiefriger Textur und deutlicher Schichtung 
mit stellenweise zahlreichen bis wallnussgerossen Granatkórnern findet sich suť 
entblósst in dem Thaleinschnitt der Doubravka S von Ronov. Eine kleinere Parthie 
ist bei Heřmaň a d. Doubravka zu finden. Derselbe enthált wie die mikroscopische 
Analyse zeigt, ansehnliche Mengen von Plagioklas. Durch Hinzutreten von Biotit 
úbergeht er in Biotiteneus, welcher indessen in demselben auch zwischengelagerte 
Schichten bildet. Der sehr deutlich geschichtete Amphibolsneus zeigt innerhalb 
gewisser, aus abwechselnden Lagen von weissen Gemengtheilen (Orthoklas, Plagio- 
klas, Auarz) bestehenden Streifen die mit dunklen Amphibolstreifen wechsellagern, 
plótzlich Biegungen und Knickungen, die auf locale Ver- Fig. 1. 
schiebungen innerhalb einer Lage in einer Schicht hin- 
deuten, wie es die fig. 1. zeigt. Schiefriger Amphibol- 
gneus, ebenfalls etwas weniges Biotit enthaltend, ist 
in Borová verbreitet und stellenweise sehr grobstánelic, 
also gestreckt. Unter der Kirche von Borová sind Pyrrho- 
tineinsprengungen an diesem Gesteine zu bemerken. 


Amphibolschiefer tritt im Gneuse als untergeordnetes geschichtetes Gestein 
in der Richtung Zehušic-Žleb-Hostačov auf; ob in einem zusammenhángenden 
Zuge, oder in einzelnen, langgezogenen lenticularen Schichtenzůgen, wie es wahr- 
scheinlicher ist, lásst sich nach dem Augenscheine nicht náher bestimmen, weil der 
Zusammenhang des Zehušicer und Žleber Vorkommens, wegen den ůberlagernden 
Alluvionen nicht nachgewiesen ist. Der Amphibolschiefer besteht nicht immer blos 
aus vorherrschendem Amphibol und untergeordnetem Auarz in deutlich eben- 
schiefriger Textur, sondern er zeigt auch kleine nesterfórmige Ausscheidungen von 
Ouarz oder von weissem Orthoklas wie bei Markovic (unweit Žleb), wodurch er 
den Úbergang in Amphibolgneus vermittelt, welche beiden Gesteine von einander 
úberhaupt durch keine schárferen Gránzen geschieden sind. 


In dem Amphibolgneuse, der im glimmerreichen Biotiteneus zwischen 
Kněžic und Zvěstovic auftritt, sind einzelne Schichten von Amphibolschiefer so 
-zahlreich eingelagert, dass hier die Entscheidung schwer zu treffen ist, ob das 
Gestein als Amphibolgneus oder als Amphibolschiefer zu bestimmen sei. Bei 
Markovic und an dem eben angefiihrten Orte finden sich im Amphibolschiefer 
© parallel zur Schieferung so zahlreiche Epidotschnůre, bis beinahe von der Dicke 
eines Fingers, dass derartige Amphibolite auch als Epidot-Amphibolitschiefer 
bezeichnet werden kónnten. 


16 


Bei Horka zwischen Časlau und Golčův Jenikov ist der deutlich ge- 
schichtete Amphibolit gestreckt. Bei Neudorf (Nová ves) SO von Vilímov wird aber 
der steil einfallende Amphibolit oder Amphibolgneus, in welchem Auarz nur in 
parallelen Lagerschnůren vorkómmt, durch bis 1% máchtige Gánge von Biotit- 
und Turmalinpegmatit durchsetzt. 


In recht bedeutender Menge findet sich Amphibolit und Amphiboliteneus 
im Thale des Závěrovkabaches; er erscheint auf der Karte des Eisengebirges 
Zone 6 Col. XIII nur mit einem kleinen Theile bei Hraběšín SSW von Krchleb, 
wo das Einfallen der Schichten, die Epidotlagen enthalten, im Mittel nach 19'/,* 
309 betrást. : 

Auch Lager von krystallinischem Kalk findet man in dem Gneuse, jedoch 
ziemlich selten; so bei Hostačov, námlich vom Dorfe am rechten Bachufer, und 
zwischen Pelles (Polnička) und Kalkofen bei Neudeck (in Máhren); das letztere 
Vorkommen ist eigentlich schon dem bohmisch-máhrischen Gránzgebirse angehórie. 
Bei Hostačov důrfte das Lager eine nicht bedeutende Máchtigkeit haben, da die 
Steinbriiche in demselben schon etliche Jahre gánzlich aufgelassen sind.*) Bei 
Neudeck aber, wo der Kalkbruch eine gróssere Tiefe hat, wechsellagern im Han- 
genden kórniger, lichterauer Gneus mit Kalkbánken, in denen bláulichgraue 
Streifen zum Vorschein kommen. Stellenweise ist das Lager als Cipollin ent- 
wickelt, da es Muscovitschuppen eingewachsen enthált. Die aufgeschlossene Máchtig- 
keit von 8" entspricht keineswegs der eigentlichen Máchtigkeit des Lagers, da 
dessen Liegendes nicht entblósst erscheint. 


Eruptivgesteine, wie Granit, Diorit, Corsit durchsetzen gang- oder stock- 
formig die laurentinischen Gneusschichten, jedoch trotz dem háufigen Vorkom- 
men doch nur in untergeordneter Weise. 


Lichtgrauer Gneusgranit findet sich nur im Gebiete des Gránzgneuses bei 
Pelles (Polnička); Granitpegmatit aus weissem Orthoklas, lichtrauchgrauem Guarz 
und Biotitbláttern bestehend, nur bei Ronov unter der Korečník-Můhle. 


Grauer Granit, ein Biotiteranit mit weissem Orthoklas, bildet im Bereiche 
des bohmisch-máhrischen Gebirges bei Račín einen ansehnlichen Stock im Gránz- 
gneuse; weniger bedeutende Gangstocke oder máchtigere Gánge werden S von 
Borová und W von Peršikov, bei Vestecká Lhota angetroffen. Das bedeutendere 
Massiv von grauem Granite von Hutě (W von Ransko) důrfte zum Rand des 
grósseren Granitmassives von Benátek gehóren, das von Kohoutov an unter der 
Ždirecer Kreideniederung bis hieher sich fortsetzt. Die Granitmasse, die auf 
der Karte als grauer Granit ausgeschieden ist, ist eigentlich ein Netzwerk 
von verschiedenen Gesteinen; so von grauem Gneusgeranit, dessen unvollkommen 
schiefrige Varietáten háufig an der Gránze der Eruptivgesteine auftreten; dann 
von grauem Granit, von Biotitamphibolgranit, von Amphibolgranit und Syenit, 
welche Granitvarietáten sich in mannigfacher Weise gegenseitig durchsetzen. 
Ausserdem treten hier aber auch Diorite als Gangdurchsetzungen auf, ja man 
trifft auch schwache Gánge von Corsit an, so dass bei dem so vielfachen Gesteins- 
wechsel sámmtliche Varietáten auf die Karte gesondert nicht aufgetragen werden 
konnten. 


17 


Rother Granit, das ist ein mittelkórniger Biotiteranit, in dem der fleisch- 
rothe Orthoklas die Fárbung bedingt, setzt in schwácheren Gangstócken (oder 
máchtigeren Gángen) den Gneus durch, so zwischen Mladotic und Pařížov, 
zwischen Malejov und Spačic, und es sind nur die máchtigeren dieser Vorkómm- 
nisse auf der Karte verzeichnet. Ein weniger máchtiges Massiv trifft man zwischen 
Bílek und Střižov (SO Chotěboř) an.. 


Der rothe Granit bildet dann auch einen Contactstock zwischen Diorit 
und Amphibolgranit einerseits und zwischen flasrigem Biotitgneus andererseits, 
und zwar O von Slavětín und Peršikov (bei Ransko). Zahlreiche Apophysen des 
rothen Granites durchsetzen den áussersten, spáter noch zu beschreibenden Ring, 
der die ebenfalls weiter unten erwáhnten Troktolit- und Corsitkránze um die 
Serpentinmasse der Waldkuppe von Ransko umhůllt. Nur erlaubt die Bewaldung 
nicht immer die richtige Erkennung und Deutung der Granitgánge in dem áusseren 
Diorit- und Amphibolgranitkranze. 


Merkwůrdig ist der porphyrartige rothe Gneusgranit, der hier gleichfalls 
als Contactstock auftritt (O Slavětín, O Peršikov) und den regellos kórnigen, 
mittelkórnigen rothen Granit zu vertreten scheint. Der ziemlich kórnige rothe 
Granit hat, weil er als Gránzbildung auftritt, eine gneusgranitartige Textur, 
nebstdem aber enthált er daumengrosse Orthoklase von weisser oder rothlicher 
Farbe porphyrartig ausgeschieden. 


Úberhaupt sind in der Gegend von Borová, nahe an dem Serpentinmassiv 
von Ransko die. Gneuse von zahlreichen, wenig máchtigen Lager- und echten 
Gángen oder von blossen Gangklůften und Gangtrimmern durchschwármt, wobei 
aber doch der Gneus so vorherrscht, dass diese Gánge ganz untergeordnet bleiben. 
Am Wege von Borová nach Vepřové sieht man an zahlreichen Stellen lagergang- 
artige Trimmer des Granites. 


Gneusgranite. Dieselben sind schon in der Gruppe der Gneuse angefiihrt 
worden, doch gehóren sie hierher. Das als Gránzeneusgranit benannte schuppige, 
undeutlich schiefrige Gestein des Saarer Gebirges (Žďárské hory) důrfte eruptiver 
Entstehung sein, demnach trotz der Lagerung in zum Gneuse parallelen Bánken, 
doch zum Granit gehóren. Diese Gránzgneusgranite greifen nur wenie in das 
eigentliche Eisengebirge ein und werden daher erst spáter in unseren náchstfoleen- 
den Publicationen, bei der Beschreibung des bohmisch-máhrischen Grinzgebirges 
erórtert werden. Ebenso sind die Biotitgneusgranite und Amphibolbiotitgneus- 
granite, die ebenfalls schon frůher bei den Gneusen aus der Ursache angefůhrt 
wurden, weil ihre Plattung und Schieferune parallel zur Schichtune jenes Gneuses 
streicht, mit dem sie in Contact treten, eruptiver Entstehung. Auch diese, namentlich 
bei Losenic verbreiteten Gesteine, berůhren den Rahmen des Eisengebirges nur 
wenig und werden daher erst bei der Beschreibung des Blattes Deutschbrod ein- 
gehender geschildert werden. Es konnte hier jedoch nicht unerwáhnt bleiben, 
-dass diese gneusartigen Gesteine trotz der an Schichten erinnernden bankweisen 
Absonderung dennoch eruptive Lager oder Decken sind und demnach der Granit- 
gruppe zugezáhlt werden můissen, trotz der parallel ausgeschiedenen Glimmer- 
schuppen oder Amphibolprismen. 


18 


Diorite gehůren in der Terraindepression des Doubravkabaches im mitt- 
leren Theile derselben zu den selteneren Erscheinungen, indem man nur W von 
Biskupic in der Bachschlucht einen Dioritgang entblósst findet. Dafůr treten sie 
aber in dem Massiv der Ranskokuppe als dusserster Kranz um den Corsitring 
auf. Hier sind dieselben von zahlreichen Gángen von Amphibolgranit, wohl auch 
von rothem Granit durchsetzt; aber wegen der Bewaldung, die eine náhere Erken- 
nung der Gesteinsgránzen nicht zulásst, konnte hier eine gesonderte Ausscheidung 
beider Gesteine in der Karte nicht vorgenommen worden, weshalb alles als Diorit 
verzeichnet erscheint. Éinzelne stockfórmige Gánge dioritischer Gesteine begleiten 
das Stockmassiv von Ransko, und eine solche Masse ist auch zwischen Borová 
und Peršikov eingezeichnet. 

Eines der merkwůrdigsten Gesteine im Gebiete des Eisengebirges ist der 
Corsit. Derselbe tritt im Doubravkathale in bedeutenden Massen auf. Ein bedeuten- 
der Gang des Corsits streicht von der heil. Kreuzkirche (S von Ronov) am rechten 

Fig. 2. Doubravkaufer von NNW nach S90, indem er unter- 
NO 1:10000.— Doubravka. sw halb von Mladotic die Doubravka durchsetzt und hinter 
dem bestandenen Mladoticer Maierhofe sich auskeilt. 
7 s i „, (Wg. 2.) Nordlich tritt in der Richtung des Gangstrei- 
Gnens —— Oorsit Amph.-Gn. chens eine kleinere Masse S von Ronov in den Schichten 
des Kreidesystems und sůdlich im angeschwemmten Lehm auf, námlich NO nahe bei 
Moravan zum Vorschein. Der Corsit ist kórnig, im sůdlichen Theile grosskórnig, 
so dass stellenweise bis beinahe handgrosse Stiicke von ziemlich reinem kórnigen 
Anorthit aus demselben herausgeschlagen werden kónnen. Bei der heil. Kreuz- 
kirche aber (S) ist derselbe schiefrig kórnig, wohl wegen der nahen Gránze 
mit Gneus. | 

In sehr bedeutender Menge findet sich der Corsit in der Gestalt eines 
bis 800—900 Schritt breiten Kranzes um die ganze Waldkuppe bei Ransko, in- 
dem dessen áusserer Kranztheil sich an dioritische Gesteine, der innere aber an 
olivinháltice Gesteine (Troktolite) anlehnt. (Gegen innen zu nimmt der Corsit 
Olivin auf und vermittelt so den Úbergang in Troktolit. OS vom Ransko, da wo 
derselbe in der Náhe des unteren Theiles des Řekateiches verwittert und halb 
aufgelóst erscheint, wird er deckenartig von erdigem Limonit bedeckt. Dieser 
Limonit ist offenbar durch die Zersetzung desselben entstanden, da er durch 
Adern und allmáhlige Veránderung des Gestelnes in denselben úbergeht. Die 
náheren, den Corsit betreffenden Bemerkungen, werden in der petrografischen 
Abtheilung erláutert; die das Erz betreffenden Angaben aber sind im Anhange 
enthalten. 

Innerhalb des Corsitkranzes liegt noch ein Kranz von 7roktolit, eines Olivin- 
gesteines (mit Anorthit, Bronzit und Diallag) von ziemlich wechselnder Zusammen- 
setzung, das gegen den Corsit zu in denselben úbergeht, gegen den SŠerpentin 
aber, der den Kern der Kuppe bildet, beinahe ganz in diesen sich umbildet. 
Auch auf dem Troktolite, u. z. auf einer schon in den Serpentin úbergehenden 
Varietát desselben, findet sich erdiger oder oolithischer Limonit in Deckenform, 
mit einzelnen schartigen Boden-Unebenheiten, die aus einem noch nicht zu Limonit 
umgewandelten Gesteine bestehen. Dies bezieht sich namentlich auf den S und 


o 


19 


- O Abhang der Ranskokuppe, wo auch Pyrrhotin- und Pyrit-háltige Diorite in Gang- 


| 


| 


form auftreten. 

Ein gaaz ahnliches Troktolitgestein findet sich in dem Mladoticer Corsit- 
gange gegeniiber der St. Martinkirche. 

Serpentin bildet den Kern der Waldkuppe bei Ransko und wird daselbst 
durch Troktolit umfasst, aus dessen Zersetzung er entstanden ist. Scharfe Gránzen 
zwischen Serpentin und Troktolit bestehen demnach nicht. Der mittlere Durch- 
messer des etwas ovalen Serpentinkernes der Kuppe důrfte 2 Km. betragen. Auch 
am Serpentin finden sich an gewissen Stellen Decken von erdigem Limonit, dessen 
Entstehung offenbar aus Serpentin herzuleiten ist. Der Anhang wird darůber das 
Náhere enthalten. 

Auch im Gneuse, also ausserhalb der Kuppe von Ransko, findet sich 
Serpentin in Form von schwachen Gángen, so am rechten Bachufer beim Bráu- 
hause in Borová, dann in Lagerstócken in Železné Horky und bei Bělá; jedoch 
liegen letztere Vorkómmnisse schon zu weit ausserhalb des Rahmens der Karte, 
und fallen auf das Kartengebiet von Deutschbrod. Ebenso ist auch der Corsiteang 
von Mladotic im Dorfe selbst u. z. knapp unterhalb der Můhle im rechten Ufer 
von einem kleinen, kaum 200 Schritte breiten Massiv von Serpentin begleitet. 

Ein echter Lagerstock von Serpentin im Biotitgneuse zwischen Eklocit 
im Liegenden und Amphibolschiefer im Hangenden eingebettet, findet sich zwischen 
Borek und Kraborovic, SÓ von Vilímov. Der zur Schichtung des Gneuses parallel 
plattenfórmig abgesonderte Serpentin, in der Máchtigkeit von 120—130" und 
einer bedeutend grósseren Lánge dem Štreichen nach, bildet ein sehr instructives 
Beispiel von der concordanten Einlagerung dieses Gesteines im Gneuse. 

Der Eklogit tritt hier nur als ein ganz untergeordnetes Gestein auf, 
indem es im Liegenden des eben erwáhnten Serpentines zwischen Borek und Kra- 
borovic (oder Zdanic) ein etwa 100 Schritte máchtiges Lager bildet. Dieses Eklo- 
gitlager hat eine ziemlich deutliche Schichtune und besteht aus bis wicken- 
grossen Granatkórnern und meist sehr feinkórnigem bis dichtem licht grasgrůnen 
Amphibol, stellenweise auch aus grasgrůnem kleinstengligem Amphibol. Das 
Gestein ist von bedeutender Festigkeit und wird an seinem klippigen Ausbisse 
von losen Blócken mit narbig abgewitterter Oberfláche begleitet. Das Liegende 
des Eklogites bildet flasriger Biotiteneus, wáhrend das Hangende aus Serpentin 
besteht. Das Verfláchen sowohl des Gneuses als des Eklogites betrágt 809 nach 2',". 

Die Thalniederung des Doubravkabaches ist von horizontalgeschichteten 
Gesteinen des Krečdesystems ganz oder zum Theil ausgefůllt, indem spátere Aus- 
waschungen die in diesem Terrain abgelagerten Schichten zerstórten. Im Gebiete 
der Elbeniederung finden sich nur Alluvien, welche theils das Kreidesystem, theils 
den von derselben durch spátere Abwaschung entblóssten laurentinischen Unter- 
grund bedecken. 

Am rechten Elbeufer in der Fortsetzung des Doubravkathales bilden 
Kreidegebilde die niedrige Terasse, welche von Lžovic gegen Jelen sich hinziehend 
am letzteren Orte den terassenartigen Charakter verliert. In dem eigentlichen 
Doubravkathale begleiten die Schichten dieser Formation den Steilabfall des Eisen- 
gebirges von Zaboř (Station Elbe-Teinic) úber Bernardov bis Horušic als ein nicht 

2*Ť 


20 


breiter Streifen. Von hier an erweitert sich dieser Štreifen bedeutend, und es 
treten auch einzelne flache Inseln der Kreidegesteine aus den jůngeren Anschwem- 
muncen hervor, oder kommen an den Aachen Ufern des Čáslavka- und Klenárka- 
baches zwischen Gneus und Lehm zu Tage, so namentlich in der Richtung der 
Bachthálchen von Cirkvic úber Třebešic, Časlau gegen Drobovic. Hauptsáchlich 
aber sind diese Gebilde am rechten Doubravkaufer verbreitet, wo sle in immer 
hoheren, ganz flachen Stufen ansteicen, je mehr sie sich dem Steilabfalle des 
Eisengebirges náhern. Am breitesten ist der Zug bei Žleb, denn da reicht er der 
Breite nach von Licoměřic bis Žleb, also auf 6 Km. ohne alle jingere Bedeckung, 
setzt sich aber noch linkerseits der Doubravka unter der Lehmbedeckune fort. 
Von Žleb-Ronov tritt in der weiteren SO Fortsetzung des Streifens des Kreide- 
systems abermals eine bedeutende Verengung seiner tafelartigen Fláchen ein, u. z. 
erreicht dieselbe am Fusse der Kankové Hory zwischen Bestvín und Třemošnic 
ihr Minimum von "/„ km. Mit nur geringer Breite setzen die flachen Štufen am 
Steilabfalle des Eisengebirges von Bestvín úber Rostein, Chuchle, Čečkovic, Lhota, 
Maleč, Lány, Lhůta, Kladrub fort, doch so, dass zwischen Maleč und Libic, wo 
der Hradišťberg einen weit erkennbaren Tafelbere bildet, abermals eine Aus- 
breitung stattfindet, die nach den tafelartigen Fláchen weithin  sichtbar ist. 
Nach einer abermaligen Verengune bei Štěpánov tritt eine tafelartige Erweiterung 
bis Bílek und Malochlín auf, von wo der Zug tiber Studenec, Kohoutov, Kreuz- 
bere, Vojnoměstec, Karlov und noch etwas. darůber sich ausdehnt und das Šteil- 
gehánce des Eisengebirges noch einigermassen andeutet, so dass er bei den Teichen, 
durch welche die in dieser Gegend entspringende Doubravka hindurchfliesst, sein 
Ende erreicht. 

Wie úberall in Bohmen, besteht das Kreidesystem auch hier aus cenomanen 
und turonen Schichten, das ist aus Ouadersandsteinen und Plánern. Die tieferen 
Sandsteine (Ouader) sind theils von den Plánern bedeckt, und treten nicht immer 
ganz deutlich zu Tage, besonders da, wo ihre Máchtigkeit gering ist; theils treten 
ste auch, wo námlich die jůngeren turonen Glieder weggeschwemmt sind, als 
zerbrockelte Sandsteine, das heisst als lockere Sande oder Schotter auf, und 
kónnen von flůchtigen Beobachtern leicht mit Alluvial- oder Diluvialgebilden ver- 
wechselt werden. 

Die tiefere Auaderstufe oder die Perucer Schichten, námlich das unčere 
Cenoman, eine limnische Bildung, trifft man als zerbrockelten Sandstein, also 
als Sand und Schotter in den tiefsten Lagen der Kreideschichten an, so bei Vrdy, 
Vinař, bei dem Ronover Teiche und in den Gehángen des Hostačovkathales und 
seiner Nebenthálchen von Žleb angefangen ber Biskupic, Kamenný Most gegen 
die Eisenbahn-Station Golčův Jenikov, bis in die Náhe der Stadt selbst, dann bei 
Hostačov und Zvěstovic. Hier bedecken Lehme die letzten Reste der zerfallenen 
Schichten, die sich noch auf ziemlichen Hóhen ausbreiten. Solche zerbrockelte 
und vor spáterer Abschwemmung geschůtzte Reste finden sich noch westlich von 
Golčův Jenikov zwischen Podmok und Nová ves, bei Ostružno, dann bei Maleč, 
am W Fusse des Berges Hradiště bei Libic, wo namentlich der Zusammenhang 
dieser losen Sande mit den wenig festen, den Fuss des Hradiště bildenden Sand- 
steinen gut erkennbar ist. Zwischen Podmok, Vlkaneč und Nová ves (W von 


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Golčův Jenikov) bestehen die allertiefsten, auf Gneus aufruhenden Lagen aus 
einem lichtgrauen, sandigen oder sandig glimmerigen Thone, der vordem gewiss die 


- Beschaffenheit eines sandigen Schieferthones hatte, und auf ihm liegen lose zer- 


bróckelte Gebilde, die offenbar nichts anderes sind, als zu Šchotter zerfallene 


- Gonglomerate und Sandsteine. Die Gerólle des Schotters bestehen aus bis apfel- 
- grossen, halbdurchsichtigen oder weissen Auarzstůcken. Die bedeutendste Máchtigkeit 


dieser theilweise spáter abgeschwemmten weissen Schottermassen betrást an den 
Bahneinschnitten bei Kozohled bis 4" 

Solche zerfallenen Reste der tiefsten cenomanen Schichten sind hier úberall 
von Lehm begleitet, so dass derselbe vielleicht als Vertreter der allertiefsten 
thonigen Lagen.zu betrachten ist. Der Lehm ist von gelbbráunlicher Farbe und 
lásst stellenweise seinen Ursprung noch erkennen, da er kleine lichte Guarz- 
gerólle enthált. 

Es gibt noch mancherlei solcher Lehme mit Ouarzceróllen auf den Gneusen 
zwischen Časlau und Roth-Janovic, und zwischen Golčův Jenikov und Habern, 
allein dieselben sind wegen ihrer verháltnissmássie geringen Máchtigkeit auf die 
Karte nicht aufgetragen worden. Dieselben důrften die allerletzten noch nach- 
weisbaren untersten Schichten der limnischen Stufe des Kreidesystemes darstellen. 

Dort, wo auf den Schottern der Perucer Stufe Lehmlagen ausgebreitet 
sind, verdanken dieselben ihren Ursprung den zerfallenen, mergelig sandigen 
Schichten der obercenomanen oder Korycaner Stufe. 

Bei Maleč fůhren die liegendsten Schichten, námlich die zu Thon und 
Letten zerfallenden Schieferthone, sowie die losen Sande auch Brocken von Limonit 
und versteinerte Strůnke, welche als Palmacites varians Gópp. bekannt sind. 

Die Fortsetzung der Sandsteine und ihres zu weissem Sand oder Schotter 
zerfallenen, abgeschwemmten Randes lásst sich úber Libic, Bezděkov, Lhotka 
Hořilová verfolgen; bei Podmoklan sind dieselben von Rasen und Ackererde beinahe 
ganz verdeckt, sie werden aber durch die reichlich aus denselben entspringenden 
Ouellen angedeutet. Erst wieder auf der Kuppe von Ransko finden sich ein- 
zelne schwache Lagen von lichtgrauem lettigem Thone, die als zufállig nicht 
weggeschwemmte letzte Reste der tiefsten zerfallenen Schieferthonschichten zu 
deuten sind. 

Das linke Ufer des Teiches Řeka, das ist der óstliche Fuss der Ransko- 
Kuppe besteht aus losen Sanden; der Rand der tafelartigen Kuppen, unter welchen 
der Zufluss des Řekateiches (Doubravka) sich windet, wird aber von Sandsteinen 
gebildet, die in den liegenden Schieferthonen W von Hluboká, Nester von zu 


 schwarzer Braunkohle umgewandelten Strůnken fiůihren. Auch SO von Vojnoměstec 


breiten sich derartige Sandsteine aus, und es wurde in denselben an der Strasse 
zwischen Vojnoměstec und Karlov, auf Nester von schwarzer Braunkohle geschůrít. 
Diese Sandsteine folgen nun dem Laufe der Strasse, von welcher sie W liegen, bis 
an die Ufer des Teiches Velké Žďársko, nur sind dieselben um so mehr zer- 
brockelt und zerfallen, je sůdlicher man sie antrifft. Die liegenden lettigen Schiefer- 
thone bilden úberhaupt eine schwache Lage. in der ganzen Teichniederung des 
Velké Žďársko, und da sie kein Wasser durchlassen, so sind sie die Ursache 
der hier máchtig entwickelten Torfbildune. 


Sůdlich vom Teiche Velké Žďársko treten noch einzelne letzten Reste von 
Letten (weissen Thonen) oder weissen Sanden auf, und sind offenbar die letzten 
Ausláufer der tiefsten cenomanen Schichten, die also beinahe bis Pelles (Polnička) 
sich erstrecken. 

Die náchst hóheren marinen obercenomanen Sandsteine oder Korycaner 
Schichten, bilden die Terasse von Lžovic, westlich am rechten Elbeufer; lángs 
des Doubravkathales aber ziehen sie sich als ein enger Štreifen von Zaboř 
(Station Elbe-Teinic) bis Kašparův Dolík, indem sie sich an den Šteilabfall des 
Eisengebirges anschmiegen, dann aber von turonen Schichten bedeckt, nur in ein- 
zelnen kleinen inselartigen Streifen zwischen dem laurentinischen Steilabfalle und 
der Plánerdecke, insofern sie bis zu demselben reicht, zum Vorschein kommen; 
so etwa WW von Semtěš, in Podhořan, zwischen Podhořan und Licoměřic. Hier 
úberall sind die Sandsteine leicht zerbrockelich, etwas grůnlich gefárbt, mit Aus- 
nahme des rechten Elbeufers, wo dieselben ein kalkiges Bindemittel und ziemlich 
zahlreiche Versteinerungen besitzen. Auch bei Žehusic finden sich diese Sandsteine 
am Fusse einer unbedeutenden Plánererhóhung. 

Ebenso treten diese Sandsteine in dem rechten Ufer des Časlavkabaches 
zwischen Drobovic und Časlau, sowie in der geringen Bodendepression von Filopov 
(bei Časlau) auf. In der Náhe von Gneuskuppen, wie bei der Kamajka (N von 
Časlau) oder bei Zbislav sind die Korycaner Schichten theils als kalkige Sand- 
steine oder Kalksteine, theils als mergelige Thone entwickelt, auf denen Reste von 
abgeschewmmten Pláner vorkommen; sie enthalten in den Spalten und sackartigen 
Vertiefungen des Gneusgrundes zahlreiche Versteinerungen, meist Ostreen. 

Von Vinice úber Vinař bis Žleb und von da, nach theilweiser Be- 
deckung von Lehm, erscheinen diese Schichten wieder bei Biskupic und Ronov, 
von wo sie sich unter die heil. Kreuzkirche bis Třemošnic fortsetzen und den 
Fuss der Pláner Terrainstufe bilden. Bei Ronov (heil. Kreuzkirche), sind die Sand- 
stejne wieder sehr kalkig und enthalten zahlreiche Versteinerungen von Exogyra 
columba, Cidaris vesicularis, Ostreen und andere. 

In der Hostačovkaschlucht, dann na Písku (Sand) NNO von Golčův Jenikov 
sind úber den zu Sand zerfallenen Perucer Schichten stellenweise auch noch Reste 
von grůnlichen wenig Zusammenhang besitzenden Korycaner Sandsteinen bei Žehub 
und Biskupic zu sehen. 

Einzelne abgerissene Fetzen von obercenomanen Schichten finden sich 
auch zwischen Sirakovic und Golčův Jenikov, dann zwischen dem Dorf Nasavrky 
und Klášter (bei Vilímov). Doch bestehen hier diese Schichten aus diinnplattigen 
sandigen glaukonitischen Plánermergeln, welche theils an die Malnicer Sandsteine 
(Glaukonitsandstein), theils an echte Pláner erinnern. Die echten Pláner enthalten 
nie Sandkórner bis zur Erbsengrósse, wie solche wenn auch nicht vorherrschend, 
in diesen glaukonitischen Mergelplatten vorkommen. 

Von Třemošnic bis Heřmáň finden sich diese Sandsteine am Fusse der 
Plánertafelfiáchen entweder gar nicht vor oder sind sie so wenig máchtig, dass 
ste sich der Beobachtung entziehen. Von Heřmaň an aber begleiten sie den Fuss 
des Plánerplateaus ber Maleč, Hranice, Libic, Štěpánov, Odranec, Podmoklan, 
Branišov, Bílek und lánes der Eisenbahn von Bílek nach Nová Ves, hinter welcher 


23 


© sie unter dem Alluvium verschwinden. Weiter erscheinen diese Sandsteine noch SO 
I von Vojnoměstec und umfassen die Plánerkuppe vom Teiche Řeka an bis gegen 
Radostín. *) 

Die zweite Stufe des Kreidesystems oder das unterste Turon, durchgehends 
aus Plánern bestehend, ist am meisten entblósst. Diese Štufe úberlagert von Sulovic 
an die Korycaner Sandsteine, stosst aber bis auf die wenigen oben schon erwáhnten 
Ausnahmen unmittelbar an den laurentinischen Steilabfall des Eisengebirges an, 
indem die Schichten des Pláners gegen denselben zu staffelfórmig sich erheben. 
Úber das linke Doubravkaufer setzen die Plánerschichten nur an wenigen Orten 
ber, so bei Žehusic und Bezděkov (bei Štěpánov), und zwar an beiden Orten nur 
als diůnne Plattenůberreste.  Auch am Rouzeníberge bei Nové Dvory (Neuhof, S 
von Heřmáň) bildet der Pláner von der Hauptmasse derselben abgesondert, eine 
kleine Insel. Úber Radostín setzen die Plánerschichten nicht weiter fort, obzwar 
die Reste des Untercenomans noch auf eine weitere SO Entfernung von 5 Kilom. 
sich erstrecken. 

Sámmtliche Plánerbánke sind horizontal gelagert, und wenn auch in der 
Terasse bei Kubíkové Duby ein Verfláchen der Bánke gegen das Eisengebirge, 
also nach NO, bei Kreuzberg aber vom Eisengebirge weg, also nach SW bemerkt 
wird, so ist diese Erscheinung doch sehr beschránkt und blos lokal und es kann 
daraus keineswegs ein Schluss auf eine nach der Kreidezeit erfolgte Hebung des 
Eisengebirges gezogen werden. Im ersten Falle ist es námlich eine blos lokale 
unbedeutende Abrutschune der Schichten; im zweiten Falle wiederholt sich das 
so oft nachgewiesene und durch Unterwaschungen veranlasste Einfallen von sonst 
horizontalen Schichten an steilen Gehángen. 

Die tieferen gelblichen, hóchst feinsandigen Mergel, welche als Pláner 
bezeichnet werden und stellenweise, so allenfalls in der Umgebung des Hradiště- 
Berges bei Libic Versteinerungen enthalten, bilden die Hauptmasse der turonen 
Gesteine. Nur die obersten Lagen, wie dieselben von Předhoř bis Kladruby, dann 
von Malochlín bis nahe gegen Ždírec sich ausbreiten, sind etwas fester und 
haben einen mehr sandigen Habitus. Sie enthalten wenn auch winzig kleine, so 
doch zahlreiche punktfórmige Kórnchen von Glaukonit. Diese oberturonen glau- 
konitisch sandigen Pláner werden hier wegen ihrer etwas bedeutenderen Festig- 
keit als Baustein verwendet. Der bedeutendste Steinbruch ist bei Horní Studenec 
und bei Ždírec in denselben eróffnet. Diese oberen Plánerbánke von sandig glau- 
konitischem Charakter sind etwa Vertreter der nur local auftretenden sogenannten 
Malnicer Schichten oder des unteren Mittelturon. Da die tieferen Plánerbánke, 
wenn sie etwas aufgelóst sind, ebenfalls wenig Wasser durchlassen, so finden sich 
auf denselben an entsprechenden Stellen, so bei Kreuzberg oder zwischen Zbislav 
und Dolní Bučice *) auch Anfánge einer Torfdecke, die aber auf den unterceno- 
manen Letten bei Radostín viel besser gedeiht. 

Die jungen Bildungen werden als Alluvionen, Lehm und Torf unterschieden. 

Altere Alluvionen sind Schotter u. z. weisse Ouarzschotter von nicht be- 
deutend grossem Korne. Dieselben finden sich auf dem Gehinge von Lžovic an 
der Elbe, das die Fortsetzung des Steilabfalles des Eisengebirges bildet. Dieselben 
stammen jedenfalls aus der Elbe, und es ist gar nicht nothig spátere Hebungen 


24 


derselben anzunehmen, da bei Elbe-Teinic durch die hervorragenden festeren 
schiefrigen Gesteine eine bedeutende Elbestauung stattgefunden haben musste, in 
Folge deren der ehemals hóhere Flusslauf in recenter Zeit solche Alluvial- 
schotter auch auf solchen hóheren Stellen abgesetzt hat. Das Material dieser 
Schotter stammt meistens von jenen unter- oder obercenomanen Šchichten her, in 
deren Náhe sie sich noch vorfinden. 

Ahnliche Schotterablagerungen trifft man auch im Haine Libuše bei Nové 
Dvory (Neuhof), dann bei St. Katharina und St. Nikolaus an u. z. auf turoner 
Unterlage; dann O von Třebešic und bei Kalabásek, sowie am Brslenkabache bei 
Časlau; an beiden letzteren Orten theilweise von Lehm bedeckt und den Pláner 
úberlagernd. Etwas áhnliches ist auch bei Starkoč W und Loučic zu beobachten. 
Auch hier gehóren diese Schotter zu Alluvialbildungen, da sie noch beinahe im 
Inundationsgebiete der Báche liegeu und als von SO angeschwemmte Schichten 
sich erkennen lassen, deren ursprůngliche Lagerstátten die cenomanen Sandsteine 
waren. Der Lehm ist spáter erst darauf geschwemmt worden. Die Máchtigkeit 
der Schotterbánke ist nicht bedeutend und betrágt nur Bruchtheile eines Meters 
oder nur wenige Meter. 

Die feinen weissen alluvialen Sande sind nichts anderes, als zerbróckelte 
und abgeschwemmte cenomane Sandsteine, in deren Náhe oder auf welchen sie 
sich noch vorfinden. Sie sind im Gebiete des obercenomanen Štreifens von Zaboř 
bis Zařičan, dann von St. Katharina bis Chotusic, verbreitet also so zu sagen 
noch innerhalb des Inundationsgebietes der aufgestauten Elbe. 

Im Žehusicer Parke findet sich auch Kalktuff als junge Bildung und ver- 
breitet sich von Dammerde úberlagert bis Zařičan; er enthált zahlreiche Geháuse 
von Sumpfschnecken. Gegen Vyčap zu werden diese Kalktuffe ganz locker und 
mergelig. 

So wie die fruchtbaren Alluvionen, dann die Sande und auch Schotter 
nahe an der Elbe vorherrschen, so ist wieder etwas entfernter von der einstigen 
Můndung des Doubravkabaches in die Elbe der Lehm sehr verbreitet, u. z. bildet 
er von Cirkvic an bis Golčův Jenikov eine ununterbrochene Decke, die meist am 
linken Doubravkaufer abgelagert ist, sich selten auch in einzelnen Parthien am 
rechten Ufer vorfindet, und aus der nur wenige Kuppen álterer Gesteine ein 
wenie hervorragen. Dieser Lehm findet sich auch noch sůdlicher, jedoch nur 
in weniger ausgedehnten Decken, so bei Nová Ves (Neues Dorf), Bezděkov und 
In unbedeutenden Mengen auch an anderen Orten. 

Der Lehm ist eigentlich nur dort zu finden, wo jetzt noch Gebilde des 
Kreidesystems vorkommen, die er, u. z. sowohl den Pláner als auch die ceno- 
manen, oft schon zu Gries zerfallenen Sandsteine bedeckt, oder wo einst Schichten 
des Kreidesystems abgelagert waren. Dieser Lehm důrfte demnach nicht als ein 
eigentliches Anschwemmungs-, sondern als ein Eluvialgebilde aufgefasst werden, 
dessen Bildune durch die Auflósung von thonigen Gebilden des Kreidesystems 
veranlasst wurde. Nur an tieferen Stellen ist der Lehm als ein wirklich ab- 
geschwemmtes und wieder abgesetztes alluviales Material, u. z. entweder auf 
geneigten Flichen (Geháncelehm) oder in Ebenen auf secundárer Lagerstátte zu 
finden. Derjenice Lehm, der Schotter, u. z. auf Plinern aufruhenden Schotter 


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25 


bedeckt, ist wirklich secundáres sedimentáres Gebilde, wáhrend andere Lehme 


„wirkliche Eluvien darstellen, die aber wohl auch etwas ihre Lage verándert haben 


konnten. — 

Das Gebiet der Teiche, wo der Doubravkabach und die Sázavaguellen sich 
ansammeln, also von Ransko bis Pelles (Polnička) enthált Torfdecken.  Dieselbén 
setzen einen nicht wasserdurchlássicen Grund voraus, u. z. entweder einen schon 
etwas aufcgelósten Pláner, wie es bei Ždírec, Kreuzberg und Zbislav der Fall ist; 
oder das Vorhandensein der tiefsten lettigen Schieferthonlage der untercenomanen 
Sandsteine, wie dies im Gebiete der Niederung des Teiches Velké Žďársko (S Vojno- 
městec) zu beobachten ist. 

Unter dem Stádtchen Kreuzbere, auf den Wiesen, hat der Torf nur eine 
ganz unbedeutende Máchtigkeit, indem daselbst unter "/„" Wiesenalluvialerde 
nur */;>- Torf, dann '," lettiger Schotter folgen, in welchem letzteren das Bach- 
bett ausgewaschen ist. Dieser Torf ist demnach auf der Karte nicht aufgetragen. 

Wohl aber ist die Radostíner Torfdecke an den Ufern des Teiches Velké 
Žďársko von Bedeutung, da sie daselbst in den oberen Ausláufern bei Panská 
Bída und Doubravník die Máchtigkeit von mehreren Metern besitzt und gestochen 
wird. Im dem Torfe finden sich nebst geringeren Kráuterstengeln auch Baum- 
strůnke der noch jetzt an moorigen Stellen wachsenden Sumpfkiefer (Pinus uligi- 
nosa) mit zu Fichtelit umgewandeltem Harz. Die seitlichen Ausláufer der Torf- 
decke gehen unter den Wiesengrůnden ziemlich hoch. Unter dem Žďárskoteiche 
zieht sich die Torfdecke bis gegen Polnička (Pelles) hin. 

Auch an einigen flachen Stellen des Gneusterrains finden sich schwache 
Torfdecken, so etwa bei Račín, Vepřík, Skřivánek (SO von Borová). 


2. Das eigentliche Eisengebirge. 


Der steile Rand des Eisengebirges ist aus denselben laurentinischen Ge- 
steinen zusammengesetzt, wie die dasselbe begleitende Doubravkathalniederung. 
Da die Gesteine des Steilrandes nach NO verfláchen, so bilden sie das Liegende 
des ganzen Gebirges, in dessen Hangendem dann die untersilurischen Gesteine 
folgen. Von Elbe-Teinic an bis zur Ruine Lichnic, bildet das Laurentin des 
Steilrandes einen verháltnissmássig nicht breiten Streifen, der von WW nach S0 
streicht und abgesehen von den jingeren granitischen Eruptivgesteinen, die sich 
eng an denselben anschliessen, nur die unbetráchtliche Breite von */„—1 Km. 
besitzt; mit Hinzufigune der Eruptivgesteine aber betrást die Breite 2'2—9 
Km. Sámmtliche, auf diesem laurentinischen liegenden Streifen aufgelagerten 
untersilurischen (oder cambrischen) Gesteine verfláchen auf der Strecke von Elbe- 
Teinic bis Lichnice gleichfalls nach NO und sind daher scheinbar concordant dem 


Laurentin aufcelagert. 


Anders verhált es sich jedoch in jenem SO Theile des Eisengebirges, 


- dessen Steilrand von Lichnice (Kaňkové Hory) bis Kreuzbere sich erstreckt. Hier 


nehmen die laurentinischen Gesteine eine bedeutendere Breite ein, indem sie 
sammt den in denselben eingelagerten Eruptivgesteinen jůngeren als laurentinischen 


26 


Ursprungs, sich gegen O sehr schnell ausbreiten, und die Umrisse eines Dreieckes 
annehmen, dessen Spitzen durch die Orte: Ruine Lichnice, Kreuzberg und Chrast 
angedeutet sind.  Wáhrend die Breite dieser Gneus-Granitmasse des Steilrandes 
der SO Fortsetzung des Eisengebirges von Lichnice bis zur Landesgránze bei 
Lichnice nur 33 Km. misst, nimmt sie zwischen Kreuzberg und Chrast bis auf 
etwa 25 Km. zu. 

Die Gránze zwischen Laurentin und Cambrien (Untersilur) láuft von Elbe- 
Teinic bis Lichnice (Zbislavec) von NW nach SO, von da an aber wendet sie 
sich in óstlicher Richtung úber Skoranov, Rtejn, bis gegen Škrovád, wo sie unter 
Gebilden des Kreidesystems sich verbirgt. 

In dieser Parthie des Silurs, die eine óstlich verlaufende sůdliche Gránze 
besitzt, ist die Lagerung gegenůber dem allerdings nicht in direktem Contact mit 
demselben auftretenden Laurentin eine discordante, was auf bedeutende Disloca- 
tionen hindeutet. 

Erst in der weiteren SO-Fortsetzuna des Eisengebirges treten unter- 
silurische Gesteine in der Schieferinsel Kreuzberg, Hlinsko, Skuč, Richenburg 
wieder auf; sie werden beinahe durchwegs von Granit umschlossen, wáhrend nur 
das mehr gegen O anstehende Laurentin die čstliche Begránzung bildet, und 
theils noch zum Eisengebirce, theils aber schon zum bohmisch-máhrischen Gránz- 
gebirge gehórt. 

Diese bedeutende Richtungsveránderung der Silurgránze von Lichnice 
(Zbislavec) nach Ost, sowie das Auftreten der Schieferinsel bei Hlinsko, die 
jedenfalls einmal mit der Silurmasse des NW Theiles des Eisengebirges zu einem 
Ganzen vereinigt war, wurde von dem Granitmassiv bewirkt, das jetzt zwischen 
beiden Silurgebieten (námlich dem des NW Eisengebirges und der Silurinsel) 
eingezwángt ist und dessen Mitte etwa das Stádtchen Nassaberg (Nasavrky) ein- 
nimmt. Die einst zusammenhůngenden Schichten des Silurs wurden durch das 
Hervortreten der Nassaberger Granitmasse auseinander getrieben und dabei in 
ihre gegenwůrtige dislocirte Lagerune gebracht, und zwar in der Silurinsel bei 
Hlinsko mit steil stehenden Schichten, in der anderen grósseren so dý mit 
antiklinalen und synklinalen Schichtenstellungen. 

Da nun zwischen Elbe-Teinic bis Lichnice das Untersilur SO mit einem 
NO Verfláchen streicht und scheinbar concordant auf dem Laurentin aufruht, 
zwischen Lichnice bis Škrovád aber die Silurschichten bei meist óstlichem Streichen 
vorwiegend nach S verfláchen und durch die Nassaberger (Granitmasse stark 
dislocirt sind, so muss zwischen dem normal gelagerten NO streichenden Silur 
und dem nach O streichenden eine Linie des Bruches oder wenigstens der Biegung 
vorhanden sein, von welcher an die dislocirende Kraft des emporgetriebenen 
Nassaberger Granitmassives seine Wirkung ausůbte. 

NW von dieser gewaltigen Bruch- oder Biegungslinie sind die Schichtei 
des Silurs normal gelagert, das ist von NW nach SO streichend, óstlich davon 
aber haben sie das Streichen von W nach O. 

Diese Bruchlinie, so sicher deren Vorhandensein auch behauptet werden 
kann, lásst sich aber doch nicht mit der wůnschenswerthen Schárfe in der Natur 
nachweisen, und zwar theils desshalb, weil im Silur des Eisengebirges tiefe und 


M SOE 


21 


ganz deutliche Entblóssungen nur stellenweise auftreten und demmnach die Beo- 
bachtung erschwert ist, und dann auch desswegen, weil zu diesem Úbelstande noch 
der Umstand hinzutritt, dass dieser Bruch eigentlich keine scharfe Bruch- oder Ver- 
werfungsspalte bildet, sondern einen Parallelzug von kleineren Dislocationen, durch 
welche der Úbergang der normalen in die stark dislocirte Lagerung vermittelt 
wird. Jedenfalls war die durch die Terrainverháltnisse erschwerte Beobachtung das 
grósste Hinderniss bei dem Studium dieses Terrains. Nichtsdestoweniger kann als 
vermuthliche Richtung dieses Bruches, zu dessen beiden Seiten die Lagerungs- 
verháltnisse so bedeutend verschieden sind, die Linie oder besser ein System von 
Verschiebungslinien in der Richtung Licoměřic-Zbislavec gegen Chotěnic angegeben 
werden. Bis zu dem Zuge dieser Bruch- oder Verschiebungslinien hat sich also 
die verschiebende Wirkung des Nassaberger Granitmassivs geáussert. 


In Folge davon hat auch das Laurentin NW von dieser Linie eine geringe 
Breite (Elbe-Teinic-Lichnice), wáhrend es Ó von dieser Linie eine bedeutende 
Breite und die Dreieckform (Lichnice, Kreuzberg, Chrast) erhált. 

Ausser dem Silur kommen im Eisengebirge nur ganz unbedeutende isolirte 
Reste jingerer Formationen vor. — 

Die nachfolgende Beschreibung des Eisengebirges enthált folgende Abschnitte : 
a) Das Laurentin des Šteilgehánges des Eisengebirges von Elbe-Teinic bis Lichnice 
und die Eruptivgesteine in demselben. b) Das Laurentin zwischen den beiden Silur- 
gebieten des Eisengebirges, námlich zwischen Zbislavec-Škrovád und der Silurinsel 
von Hlinsko, sammt den in demselben eingelagerten Eruptivgesteinen. c) Das 
Laurentin O von der Hlinsko-Silurinsel, das theilweise schon dem bóhmisch- 
máhrischen Gránzgebirge angehóort. ď) Das Silur von Elbe-Teinic bis zum Haupt- 
bruch (Zbislavec-Chotěnic). e) Das Silur vom Hauptbruch bis Slatiňan. /f) Die 
Silurinsel bei Hlinsko. g) Jůingere Formationen auf dem Laurentin und Silur des 
Eisengebirges. Die Eruptivgesteine sind trotz ihrer im Vergleich mit dem Laurentin 
jůngern Bildungszeit doch so innig mit den geschichteten áltesten Gesteinen 
verknůpft, dass es am zweckmássigsten erscheint, dieselben in Verbindung mit 
dem Laurentin zu beschreiben. 


a) Das Laurentin des Steilgehánges des Eisengebirges von Elbe-Teinic 
bis zur Bruchlinie und die in demselben auftretenden Eruptivgesteine. 


Das Steilgehánge des Eisengebirges gegen das Doubravkathal nimmt nur 
einen verháltnissmássig engen Streifen des Laurentins ein und hat von Elbe- 
Teinic bis Lichnice die Lánge von etwa 30 Kilometer. 

Es enthált hier Glimmerschiefer von mittlerem bis kleinem Korne und 
Amphibolschiefer, aber auch Gneus und obwohl untergeordnete, doch stellenweise 
ziemlich máchtige Massen von Eruptivgesteinen, namentlich Granit. 

Das Verfláchen der Schichten, wiewohl vorherrschend nach NO ist doch 
an verschiedenen Stellen etwas wechselnd. Am linken Elbeufer zwischen Zaboř bis 
Kojic betrágt es in den verschieden geschichteten Gesteinen 409 nach 1* im Mittel 
(schwankend von '„* bis 1%/,* mit 35—459); an der Vedralka geht das Verfláchen 


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nach 1; mit 55; in Šemtěš nach 2?/;"-; ober Podhořan nach 4'/5* mit 559 
(zwischen 2';—5';" mit 45—064? schwankend); unter Bílý Kámen 2*/,». mit 559; 
in der Třemošnicer Schlucht bei Hedwigsthal endlich geht das Verfláchen nach 
354" mit 45), 


Als der NW Anfang des Eisengebirges kann jene unbedeutende Kuppe S 
von Bělušic angesehen werden, welche sich von da gegen Lžovic und Elbe-Teinic 
bis zum rechten Elbeufer fortsetzt. Das Gestein derselben ist Biotitelimmerschiefer 
von ziemlich ebenfláchig schiefriger Textur mit Nestern von Auarz (blassem Rauch- 
guarz) und feinkórnigem Chlorit. Dieses Gestein wird jedoch von jůngeren Schichten 
vielfach verdeckt und nur nahe am Elbeufer zeigt sich deutlich, dass es von 
Amphibolschiefer unterteuft wird. Im den schroffen Uferwánden unterhalb Elbe- 
Tejnic sieht man gangfórmige Durchbriche von Gabbro, rothem Granit und W 
bei Elbe-Teinic auch von grauem Biotitgneusgranit. Der Glimmerschiefer erscheint 
stellenweise ganz áhnlich dem von Semtěš; er ist ebenfláchig und enthált lenti- 
culare Auarznester. In Klůften kommt sehr feinkórniger Chlorit vor. Das Ver- 
láchen geht nach etwa 2'/,» mit 52". 


Am linken Elbeufer sind durch den Eisenbahneinschnitt die anstehenden 
Felsen sehr deutlich entblósst und es zeigen sich hier die Gesteinsschichten mit 
dem schon oben angegebenen Verfláchen in einer úbersichtlichen Reihenfolge. 
Vorherrschend ist wieder der kleinkornige Biotitelimmerschiefer als der oberste 
Abschluss der unter den alluvialen Sanden bei Zaboř verdeckten laurentinischen 
Gneusgruppe. Die Glimmerschiefer herrschen von Zaboř bis Vinařic vor, indem 
sie nur unbedeutende Einlagerungen von Amphibolitschiefer und plattigen Biotit- 
Greus enthalten. Knapp ober Vinařic sieht man eine Verwerfung, an der cam- 
brische schwarze Phyllite der Etage A, discordant ber und unter Glimmer- 
schiefern u. z. von denselben durch Verwerfungsspalten getrennt, zu Tage treten. 
Dann sieht man wieder blos Glimmerschiefer oder Phyllitelimmerschiefer von 
dunkler Farbe bis gegen Kojic. Erwáhnenswerth ist es, dass gewisse Schichten 
důnne zahlreiche lenticalare Ouarzlinsen enthalten, welche sich besonders dort 
háufig zeigen, wo nahe durchsetzende Verwerfungen eine Lockerung veranlasst 
haben; an solchen Orten  kommen dann auch stellenweise Ouarzschnůre zum 
Vorschein. 


Im hangenden Theile der Schiefer zwischen Kojic und Vinařic veranlassen 
háufige Verwerfungen einen eigenthůmlichen Wechsel von Glimmerschiefern und 
schwarzen Phylliten der cambrischen Etage A, was aber wegen der nicht frischen 
Beschaffenheit der angewitterten Gesteine nicht immer leicht zu erkennen ist. 
Diese Verwerfungen sind eben nur an den steilen Felsenufern wahrnehmbar. 


Im weiteren SO Verlaufe des Glimmerschiefers schaltet sich demselben 
OSO von Zaboř auf kurze Entfernung důnnplattiger Amphibolgneus ein, dann důnn- 
plattiger biotitarmer schiefriger Gneus und důnnschiefriger Amphibolitschiefer mit 
deutlicher Streckung und in Glimmerschiefer úbergehend. Beide letztgenannten 
Gesteine streichen úber Bernardov, Kašparův Dolík, Vedralka bis Vápenice unvweit 
Semtěš weiter, wo der Gneus endet, der Amphibolschiefer aber noch nach mehr- 
fachen Unterbrechungen bis Závratec sich fortsetzt und sich endlich auskeilt, 


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29 


Eine Eigenthůmlichkeit des Laurentins, die auch hier ihre Bestátiguno 
findet, sind úberhaupt die so háufigen lenticulár sich ausbreitenden Schichten, 
so dass dieselben beinahe als charakteristisch fůr diese álteste der Formationen 
angesehen werden kónnen. Man bemerkt diese Eigenthiimlichkeit namentlich an 
dem ebenfláchigen und důnnschiefrigen Amphibolit, der vielfach sich auskeilend 
von neuem wieder ansetzt. 

Der zwischen Vinařic und Kašparův Dolík důnnplattige schiefrige Biotit- 
aneus geht zwischen Kašparův Dolík und Vedralka, wo er sich erweitert, in 
flasrigen Biotit-Muscovitgneus úber, dann weiter SO in flasrigem Biotiteneus, wird 
endlich aber WW von Vápenice wieder so grobschiefrig, dass eine Verwechslung 
mit Gneusgranit stattfinden kónnte. Nur die Richtung des Gneuszuges war Ursache, 
dass dieses Gestein nicht als Gneusgranit auf der Karte bezeichnet wurde. 

Die bedeutendste Máchtigkeit des Amphibolschiefers betrágt bei Vedralka 
etwa 400"-, die des Biotit-Muscovitgneuses VW von Vedralka kaum 1 Km., wáhrend 
der Glimmerschiefer bei Semtěš mit */, Km. seine grósste Máchtigkeit erreicht. 
Der Glimmerschiefer keilt sich úber Licoměřic gánzlich aus. 

Der stellenweise auch etwas gestreckte důnnplattige Biotitelimmerschiefer 
enthált meistentheils auch kleine Granatkórnchen, und Nester von halbdurch- 
sichtigem Ouarz. Zwischen Semtěš und Podhořan ist er důnnplattig, ebenschiefrig 
und etwas gestreckt; in den Brůchen daselbst lassen sich bis 1 (() m. grosse Platten 
desselben entblóssen, so das manche Stůcke als dicker (grober) Dachschiefer ver- 
wendbar wáren. 

Im Amphibolschiefer und Glimmerschiefer ist NW von Kašparův Dolík 
ein stockfórmiges Nest eines schiefrigen Epidotgesteines eingelagert. Die granulit- 
artige Gesteinsschichte nahe von Husí Hovno und Podhořan wird bei der speziellen 
Gesteinbeschreibung angefůhrt werden. 

SW von Licoměřic besteht der Steilrand des Eisengebirges aus důnn- 
plattigem Amphibolgneus, noch weiter S von Zbislavec aus flasrigem Biotitgneus, 
in dem bei Podhrad (Lichnice) und in der Třemošnicer Schlucht (Hedwiesthal) 
Flaserporphyroide (siehe Gesteinsbeschreibung) zum Vorschein kommen. Dieser 
sůdlichste Theil gehórt schon in das Gebiet des grossen Verschiebungsbruches. 
Am Gipfel der Železné Hory, S von Zbislavec, (in dem Waldriede Krkanka) W von 
Rudov streicht ein nicht máchtiges Lager von krystallinischem Kalke aus, das 
jedoch von zahlreichen obwohl nicht máchtigen Gingen von Granit, Amphibol- 
granit, Syenit und Diorit durchsetzt und zugleich verworfen wird.*) — 

In dem Zuge der Glimmerschiefer, Amphibolschiefer und der Gneuse des 
Steilrandes treten Eruptivgesteine auf, unter denen namentlich der Granit vorherrscht. 

Eine bedeutende Masse von rothem Granit von 10 Kilom. grósster Lánge, 
zwischen Bernardov und Vápenice unweit Semtěš, und von bis 2 Km. grósster 


Breite zwischen Kašparův Dolík und Zbraňoves, ist zwischen dem Laurentingneus 


(der bei Kašparův Dolík als Augengneus entwickelt ist) und der cambrischen Etage 
A eingezwánst. Der Granit ist offenbar jůnger als das Cambrien, da er theils 


- Apophysen in dasselbe aussendet, theils aber auch, wie am Puncte „na Oklikách“ 


(A 306"-), eine Scholle der cambrischen Schiefer einhůllt. Auch andere Zeichen 
deuten auf die jingere Entstehung des Granites; so die Umwandlung der regellos- 


Wichterh. 
ph ž phž 
235 335'5Km. 


Viadukt 


Vinařice 


1:10000, Imm, = 10m. 


sw 


| 150"gber A. Meere.. 


ž 


Bahnhof Zaboř (Station Elbe-Teintc) 
282 W. H. 
280 
Pamí A. phud ph 
210 334'5 Km. 


Brůcke 


8336 Km. 


Hp 


7 PP 7 
4 ho hh 
7 0 E, 
Z 
Zá hel Z 


2 


Z 
V, 


279 


W.H. 


Brůcke 


ph 


NO 


kórnigen Textur in eine gneusgranitische, aller- 
dings durch Vermittelung eines Úbergangsstreifens 
von grauem Granit an der Gránze mit cambri- 
schen Schichten, S von Zdechovic. Die Anlagerung 
der Biotitschuppen in paralleler Lage ist bedingt 
durch das Vorhandensein einer Gránze, an der 
sich der Granit mit verzógerter Geschwindigkeit 
unter Reibung (oder Druck) hinauf wálzte, so dass 
die parallele Anordnung der Biotitschuppen dar- 
aus erfolete. Der rothe Granit wird an seiner 
Gránze mit den cambrischen Schiefern von Guarz- 
porphyren begleitet, welche sich vom Puncte „na 
Oklikách“ úber Chvaletic, Zbraňoves bis gegen 
Vápenice verfolgen lassen. Es ist dies entweder 
eine untergeordnete Gránzbildung, oder eine andere 
Ausbildungsweise des Granitmagmas selbst. Nur 
zwischen Litošic und Vinice ist ein porphyrartiges 
etwas wenig roth geflecktes Gestein entblósst, von 
dem keine frischen Proben vorlagen und das nur 
der Analogie nach den Auarzporphyren zugezáhlt 
wird. (Šiehe (Gesteinsbeschreibune.) In diesem 
rothen Granit finden sich auch Stócke von Gabbro 
und Uralitdiorit, die demnach jůnger als der rothe 
Granit wáren. 

Syenit und rother Granit sowie Diorit durch- 
setzten in zahlreichen stockfórmigen Gángen den 
'Theil des Steilabfalles bei Závratec, welcher auf der 
Karte den speciellen Namen „Železné hory“ fůhrt. 
Es gehóren diese Gánge schon dem Gebiete des 
dislocirten Theiles des Eisengebirges an; sie ver- 
werfen das Kalklager am Gipfel der Železné hory 
(Krkánka) bedeutend und an zahlreichen Stellen. 

Von Zbislavec bis Rudov bildet Diorit, noch 
mehr Syenit und in bedeutenderer Menge grauer 
Granit die Gránze zwischen dem Laurentin und 
dem Cambrien. Es scheint dieser Theil schon dem 
hinter der Bruchlinie gelegenen Theile des Eisen- 
gebiryes anzugehoren. 

Merkwůrdig ist das Vorkommen von Gabdro 
in kurzen ŠStócken im laurentinischen Glimmer- 
schiefer bei Vinařic an der Elbe, sowie im rothen 
Granit bei Bernardov NO, Chvaletic W, Kašparův 
Dolík NO. Weniger máchtige echte Gánge oder 
Lagergánge durchsetzen den Glimmerschiefer des 
linken Elbeufers an zahlreichen Stellen. (Fig. 3.) 


ye“ + Bys 


koník « A ak 


31 


Dieselben bestehen aber nicht mehr aus Gabbro, sondern aus Uralit- oder Labradorit 
diorit, da der Diallac (Pyroxen) desselben eine Pseudomorphose in Amphibol (Uralit) 
erlitten hat. Auf der Karte sind diese Gánge als Diorit verzeichnet. Glimmer- 
schiefer, so wie auch der Gabbro des linken Elbeufers sind von Lagergángen 
und echten Gángen eines Biotiteneusgranites von grauer Farbe durchsetzt. Der 
Gneusoranit hat eine um so kleinkornigere Textur, je weniger máchtig er auftritt. 


An der Gránze mit den sedimentáren Gesteinen werden auch die Gabbros 
háufig schiefrig, so dass Verwechselungen mit Amphibolschiefer leicht móglich 
sind. An einem Orte OSO von Vinařic, wo Entblóssungen durch Steinbriche vor- 
kommen, sieht man in dem etwas schiefrigen Gabbro ganz geradlinige bis 3- 
máchtige Gneusgranitgánge mit bis handdicken, gerade verlaufenden Triůmmern, 
deren Biotitschůppchen parallel den Gránzfláchen gelagert sind. 


Das Gabbrogestein von regelloser Zerklůftung ist in der Stockmitte grob- 
korniger als am Rande, sonst aber in Klůften mit Amphibol, kleinen Plagioklas- 
krystallen oder mit feinkornigem Chlorit ausgefůllt. 


b) Das Laurentin zwischen den beiden Silurgebieten des Eisengebirges. 


In dieser Parthie des Eisengebirges besteht der Steilrand ebenfalls aus 
laurentinischen Gesteinen, aber nicht mehr aus den oberen Glimmerschiefern oder 
Amphibolitschiefern, sondern aus Gneusen.  Zwischen das Šilur und den Gneus 
schiebt sich úberdies das máchtige Nassaberger Granitmassiv ein, so dass in dem 
laurentinischen Dreieck Lichnice, Kreuzbere (Krucburg), Chrast die Gneuse und 
Granite, letztere von etwas jůngerer Entstehung als das Untersilur, in gleich 
grosser Menge verbreitet vorkommen. 


Die Gneuse bilden von Lichnice an den Steilrand des Eisengebirges bis 
nahe gegen Kreuzbere. 

Von Lichnice aus setzt der Gneuszug durch die Kaňkové Hory in der 
Breite von kaum 1',„ Km. gegen SO fort, wo er sich bis an die Ohebka (Chru- 
dimka) erweitert, indem dessen Breite hier etwa 7 Km. betrágt. 


Von Lichnice setzt der graue oder róthliche Gneus mit Biotit oder mit 
beiden Glimmern auch mit gestreckten Orthoklasaugen, und der Flaserporphyr 
durch die Třemošnicer Schlucht gegen die Kaňkové Hory fort, wo der biotitreiche 
Gneus fleischrothen Orthoklas enthált, trotzdem aber wegen Úberwiegens des 
Biotites vornehmlich in dem Gehánge gegen Třemošnic zu, eine dunkle Farbe 
annimmt. Stellenweise ist dieser dickbankige Biotitgneus dem Granitgneuse áhnlich, 
der an dem Fusse des Růckens sich befindet. Er zieht sich bis gegen Javorka 
und wird stellenweise theils guarzreich, theils biotitarm, ist aber immer róthlich 
gefárbt. Im dem flasrigen Gneuse findet sich daselbst ein gegen 8" máchtiges 
Lager von krystallinischen Kalkstein, der im Hangenden grau, im Liegenden weiss 


ist, und schwache eingelagerte Schichten von glimmerarmen guarzreichen Gneus 


enthált. Das NO verfláchende, oft verworfene Lager wird von biotitreichem plattigem 
Gneuse (Glimmerschiefergneus) bedeckt. 


32 


Von Javorka an bis zur Linie Unter-Studenec-Kamenic erweitert sich die 
Breite des Gneuszuges bedeutend und es herrscht in demselben úberall die fleisch- 
rothe Farbe vor; die sich durch diesen Gneus durchwindende Ohebka bildet 
anmuthige Thalschluchten. Der rothe Gneus dieses Terrains ist eigentlich ein 
schuppig flasriger  Biotit-Muscoviteneus mit wechselnder GAualitát der Glimmer. 
Stellenweise sind beide Glimmer im Gleichgewichte entwickelt, stellenweise, wie 
zwischen Vršov und Přemilov ist der Muscovit in úberwiegender Menge vorhanden; 
stellenweise hat er langgestreckte Flasern und es zeigt sich dann im Auerbruche 
eine fůr Schieferung parallel laufende unvollkommene Bánderung. Das Verfláchen 
dieses rothen gebánderten Gneuses geht zwischen Přemilov und Rušínov nach 
2" mit 409; nahe bei der Ruine Oheb nach 2';" mit 309. (Gegen S50, im Ge- 
hánge von Hostětinky gegen Maleč nach 2"/," mit 389, und der Gneus ist hier 
dem rothen Gneus von Lichnice áhnlich. In der Richtung gegen Slavíkov schalten 
sich dem rothen flasrigschuppigen Gneuse plattige lichtgraue schiefrige Biotit- 
gneuse ein, oder auch guarzarme Gneuse mit weissem Orthoklas und Biotit- 
schuppen, wie S von Kamenic. Bei Možděnic und Dřevíkov aber werden die 
Biotitgneuse schuppig fasrig, dinnplattig, an letzterem Orte auch róthlich grob- 
kórnig und nach 2'/," verfláchend. 

Bei Rvačov, wo im Gneuse schon Granitstócke auftreten, ist der Biotit- 
oneus eigenthůmlich entwickelt. Derselbe ist námlich mittelschuppig; die Biotit- 
schuppen erscheinen blass lauchgrůn, die Ouarzkórner aber milchig bláulich getrůbt 
und einem Cordierit áhnlich.“) 

In der NNO und SSW Umgebung von Stan stósst der Biotiteneus an 
cambrische Gesteine der Hlinsko-Silurinsel an, wobei an der Gránze selbst Amphi- 
bolitschiefer oder nahe an der Gránze auch Biotitelimmerschiefer mit lenticularen 
Ouarznestern auftreten. Doch ist wegen der bei Stan und Milesimov nicht immer 
deutlichen Entblóssung das Richtige schwer zu bestimmen, da áhnliche Glimmer- 
schiefer auch silurisch sein kónnten. Namentlich ist der Glimmerschiefer zwischen 
Vítanov bis Chlum entwickelt und gut entblósst; derselbe verbindet die Kreuz- 
berger Schieferinsel mit der von Hlinsko-Skuč, und er mag dem laurentinischen 
Alter angehóren, da er grosse Ahnlichkeit mit manchen Glimmerschiefern von Elbe- 
Teinic hat, ein allerdings nicht absolut fester Grund zu seiner Altersbestimmung. 

Im Hangenden des Gneuszuges folat das Nassaberger Granitmassiv, dessen 
Gránzen etwa folgende sind: Von Zbislavec iiber Rudov, Podhrad (Lichnice), Horní 
Počátky, Oheb (Ruine), Wichstein, Proseč, Prosička, Vršov, Bradlo, Chloumek, 
Křemenic, Polom, Kamenice Trhová, Svobodné Hamry, Rvačov, Jančour, Rovné, 
Unter- Studenec, lángs welcher Linie úberall der Granit mit dem (Gneus in 
Contact tritt. 

Mit dem Šilur hat das Granitmassiv folgende Gránzlinie gemeinschaftlich : 
von Zbislavec úber Rudov, Skoranov, Kraskov, nahe S bei Nutic, Rtejn, Lipina, 
Kuchánovice, Škrovády; von wo an bis Skuč, wo die óstliche Silurinsel auftritt, 
die Gránzlinie unter der Decke der Kreideformation sich verbirgt. 

Von Skuč an geht die Gránze des Granitmassives mit der Skuč-Hlinsko- 
Kreuzberger Silurinsel úber Žďárec, Ober-Prasetín, Mrákotín, Unter- und Ober- 
Babakov gegen Stan, wo die nicht vollkommene Entblóssung die Contact-V er- 


, 


33 


háltnisse zwischen Gneus, Granit und Schiefer weniger scharf hervortreten lásst, 


- dann aber von Jasné Pole (Schonfeld) úber Benátky nach Kreuzberg. 


Das Granitmassiv umschliesst nebstdem in sich selbst grosse Inseln und 
Schollen von Biotitgneus, wie auch von Biotitmuscovitgneus; so zwischen Rvačov, 
Srny, Stany, Milesimov und Jasné Pole, Komárov (W von Hlinsko), wo aber die 
Entblóssungen vieles zu wiinschen lassen. Hier sind auch Irrungen mit Gneus- 


- granit, der hier ebenfalls zum Vorschein kommt, moglich, namentlich dort, wo der 


Gneus in groben Bánken und mit unvollkommener Schieferung erscheint. Eine 
kleine Gneusscholle ist auch bei der Opletalmiihle umweit Skuč an der Gránze 
zwischen Granit und Schiefer eingeschlossen. Der Gneus zieht sich auch in 
Zungen in den Granit hinein, wie NNO von Rvačov. SO von Krásný ist auch eine 
Gneusscholle im Granit vorhanden. 

Bemerkenswerth ist die bedeutende an der Ohebka von rothem Granit, 


- sůdlich aber von Gneusgranit umschlossene grosse Scholle von Gneus O bei Bojanov. 
- Dieses Gestein kónnte als Gneusgranit gelten, wenn in demselben nicht Kalklager 


© auftreten wůrden, die von Chlum an (Wald Ochoz) in stufenfórmig gebrochenen 
© Lagertheilen bis gegen Vršov vertheilt sind, und ein ostliches Verfláchen besitzen. 
- Bei der Aufzáhlung der Mineralien wird dieses Kalklager wegen seinen interessanten 


3 
f 
: 


Mineralien, besonders erwáhnt werden. Auch in der Dehetníkschlucht bei Bojanov 


-jst noch etwas von den Lagerungsverháltnissen des Kalklagers zu beobachten. 


- Ganz áhnlich verhált es sich aber auch mit dem Kalklager von der Peklomůhle 


bei Kraskov (W), wo ein ganz áhnlicher Granitgneus noch mit dem Gneuse der 
Kaňková Hora im Zusammenhange steht. Sámmtliche Kalklager in diesen Granit- 
gneusen fiihren Skapolit. 

Die einzelnen Varietáten des Granites, in welchen derselbe in dem Nassa- 
berger Massiv erscheint, sind Gneusgranit, rother mittelkórniger, rother grob- 


- kórniger, grauer gemeiner Granit und noch andere Varietáten, die am betreffenden 


Orte angefůhrt werden. 

Der sehr verbreitete Gneusgramit ist zwischen mittel- bis grobkórnig und 
mehr oder weniger unvollkommen schiefrig. An gewissen Orten kónnte derselbe 
mit Graniteneus verwechselt werden. Der Orthoklas und Auarz sind weiss oder 
graulichweiss, der Biotit veranlasst eine unvollkommen schiefrige Textur und 
bedingt die mehr oder weniger graulichweisse bis graue Farbe, sowie die: etwas 
wechselnde Textur desselben, wenn er in geringerer oder grósserer Menge ein- 
gewachsen vorkómmt. Das Gestein bildet wie der Granit bei anfangender Ver- 
witterung grosse, sackáhnliche Blócke, die das Granitterrain bedecken. Die 
Erkennung des Gesteines als Gneusgranit ergiebt sich blos nach der Lagerung; 
sonst kann es an manchen Orten mit Graniteneus verwechselt werden. 

Ebenso zusammengesetzt ist der graue Granit. Derselbe besteht aus den- 
selben Gemengtheilen wie der Gneusgranit, allein dieselben haben ein echt grani- 


- tisches Gefige; er ist also regellos kórnig, die Farbe ándert sich vom weissgrauen 


bis zum grauen, je nach der Menge des DBiotites. Zwischen Gneusgranit und 


- grauem Granit gibt es Úbergánge, da beide nur unter verschiedenen Verháltnissen 


-erstarrte Granitmassen darstellen. Ein sicheres Erkennungsmerkmal des Granit- 


charakters des grauen Gneusgranites aber sind dessen Gránzverháltnisse mit Gneus 


3 


34 


oder mit rothem Granit. Besonders an den Gránzen mit rothem Granite enthalten 
die grauen Granite und Gneusgranite mit zunehmender Náhe zur Gránze, um so 
zahlreichere, kleine scharfkantige oder nur wenig rundliche Brocken von Diorit. 
Diese Erscheinung bemerkt man in dem gesammten Gebiete des Granitmassivs; 
beim Granitgneus aber fehlt sie gánzlich. 

Der rothe Gramit ist mittelkórnig, und der vorherrschende fleischrothe 
Orthoklas bedinet dessen Fárbuneg, da der rauchgraue Auarz, sowie der unter- 
geordnete Biotit (selten auch neben demselben etwas Muscovit) auf den Farbentou 
von keinem Einflusse sind. Im rothen Granit sind Epidotklůfte, besonders an 
den Gránzen desselben mit Diorit und anderen Gesteinen, wo derselbe háufig auch 
aplitisch erscheint, sehr háufige Erscheinungen. Der grobkornige rothe Gramt ist 
nur an gewissen Orten in beschránkterer Menge anzutreffen; derselbe besteht aus 
bis haselnusserossen fieischrothen Orthoklaskórnern, aus etwas kleineren licht rauch- 
grauen Auarzkórnern, die als Krystalle mit rauhen Fláchen aufzufassen sind und 
nur aus €anz wenig Biotitbláttchen. 

Der rothe Granit erleidet háufig an den Gránzen mit andern Gesteinen 
eine Umánderung, er wird námlich aplitisch oder kleiner kórnig, was als Contact- 
erscheinung zu deuten ist. Auch zeigt er sich an den Gránzen mit andern Ge- 
steinen bankfórmie abgesondert. Das Altersverháltniss zwischen rothem, mittel- 
kórnigem und grobkornigem, sowie zwischen grauem, gemeinem und Gneus-Granit 
lásst sich nicht immer sicher bestimmen; doch zeiot sich an gewissen gůnstig 
entblóssten Štellen, dass der rothe Granit im grauen Gánge bildet, so zwischen 
Dachov und Včelákov, wonach der graue Granit und Gneusgranit álter wáren, 
als die rothen Granite. Auch im Diorit bildet der rothe Granit Gánge, er sollte 
demnach auch jůnger sein als dieser. Indessen findet man auch im rothen Granit 
grauen Granit in Ganeform, was das Gegentheil in Betreff des Alters andeuten 
wůrde, wenn nicht solche scheinbar gangfórmigen grauen Granite nur als Schollen 
im rothen Granite zu deuten wáren. Es wáre also ein deutlicherer Aufschluss 
wůnschenswerth, um die Altersverháltnisse dieser Gesteine sicher zu erkennen. 

Bei der Einschicht „Na kopcích“ bei Studenec findet sich ein Gang (oder 
eine Scholle?) von grauem Granit im rothen. Es wáre auch mócglich, dass bald 
die eine bald die andere Granitvarietát die áltere oder jingere ist, da beide zu 
verháltnissmássic eleicher Zeit zum Vorschein kommen konnten. Es ist also nur 
eine subjective Ansicht, wenn man in solchen Fállen den rothen Granit nach 
manchen dies bestátigenden Beobachtungen fůr den verháltnissmássig jingeren hált, 
da in dieser Hinsicht nur ganz deutliche und unzweideutige Entblóssungen das 
sich darbietende Problem lósen kónnen. — Andere weniger háufie vorkommenden 
Granitvarietáten werden spáter noch hinzugefůst. 

Der Gneusgranit in der Umgebung von Včelákov bildet die bedeutendste 
Masse in der Mitte des Nassaberger Granitmassivs. Seine Gránze geht von Skuč 
ber Ober-Prasetín, Ober-Babákov, Srny, Svobodné Hamry, Kamenice Trhová, 
Vranov, Hodonín, Česká Lhotice, Ochoz, Drahotice, Podlejštan, Krupín, Čekov, 
Miřetín, Kvasín, Unter-Prasetín, Skuč. Das Gneusgranitmassiv, an der Oberfláche 
mit grossen Granitblócken besáet, enthált stellenweise Gánge von rothem Granit 
von untergeordneter Bedeutung, so bei Ober-Prasetín an der Gránze mit Silur- 


DD 


schiefer, bei Tisovec, Příkrakov, NO von Včelákov, SW von Unter-Babákov, NO 
bei Babákov und bei Svobodné Hamry. Es scheint, dass dieser Granit bei Ober- 
Prasetín auch eine Scholle von Silurschiefer einhůllt, was jedoch wegen mangel- 


- hafter Entblóssung nicht sicher constatirt werden kann. Die Gránzen gegen 
- gemeinen, grauen Gneus sind nicht genau wahrnehmbar; an gewissen Orten zeigt 
- der Granit eine bankfórmige Absonderung, so W von Skuč im Berge „V borkách“, 


wo die etwa 1% máchtigen Bánke nach 21*/,* mit 64“ verfláchen, áhnlich wie 
an der Gránze mit dem Silurphyllit. 

Bei Kameničky (NW von Trhová Kamenice) bildet der Gneusgranit nur 
eine Scholle im grauen Granit. Ebensolche grossere Inseln oder Schollen im 
grauen Granit oder zwischen grauem und rothem Granit oder im rothen Granit 
selbst findet man bei Seč und Hořelec, wo die grobe Schieferung nach */," mit 
409 einfállt, oder SW von Kovářov, dann auch bei Křižanovic, an der Ohebka, 
bei Milesimov und Všeradov (W ven Hlinsko). 

Der graue Granit, der ebenfalls eine sehr bedeutende Fláche einnimmt 
und in den Gneusgranit iúbergeht, tritt theils selbststándig auf, theils aber ist er 


-mit dem Gneusgranit vergesellschaftet, und enthált wie dieser an der Gránze mit 


rothem Granit, Bruchstůcke von Diorit. 

Die bedeutendste Masse des grauen Granites sieht man zwischen Trhová 
Kamenice, Vranov, Hodonín, Česká Lhotice, Drahotice, Peklomůhle, Lipkov, Po- 
lanka, Vršov, Unter-Bradlo, Chloumek (wo sie úber Křemenic und Polom eine 
Zunge im Gneus bildet) bis gegen Kamenice zu. Diese und die Včelákover Granit- 
parthie bilden 500—600"- hohe, flache, in der Gegend weithin sichtbare Kuppen. 
Zwischen Neudorf und Rohozná enthált dieser graue, dort auch etwas biotitreichere 
Granit, zahlreiche bis haselnussgrosse Granatkórner, wesshalb er auf der Karte 
als grauer Granatgranit ausgeschieden ist. 

Eine bedeutende Masse bildet auch der Štružinecer Granitstock, der sich 
von Jasné Pole (Schoónfeld) úber Benátky, Kohoutov lángs der Eisenbahn hinzieht 
und dadurch bemerkenswerth ist, dass er stellenweise kleine zu Amphibolschiefer 
metamorphosirte Fetzen der Kreuzberger Silurschiefer umschliesst. © Ansehnliche 
Stócke grauen Granites stehen W von Skuč bei Leštinka, Čejrov, Kvasín, Mo- 
krejšov an; dann zwischen Seč und Dolní Počátky bei Hořelec, und endlich zwischen 
Podhrad, Rudov und Zbislavic. Kleine gangstockartige Massen treten úberdies 
recht zahlreich auf. 

Der rothe Granit bildet einen 20 Kilom. langen und bis zu 5 Kilom. 
breiten Stock, der von O nach W streicht und dessen sůdliche Gránze Gneus- 
granit, grauer Granit und Gneus begleitet, wáhrend seine Nordgránze sich an 
schiefrigen Felsitporhyr anschliesst. Die Sůdgránze dieses Stockes von rothem 
Granit geht von Leštinka úber Kvasín, Dubová, Čekov, Krupín, Podlejštan, Dra- 
hotic an der Ohebka aufwárts bis Prosička, Proseč, Oheb, Horní Počátky, Kraskov, 
Althof (Staré dvory) bis gegen Rudov; die nordliche Gránze geht von da (Rudov)y 
anfangs etwas verdeckt ber Skoranov, Nutic, Hrbokov, Rtein, Petříkov, Licibořic, 
Práčov bis Vejsonín, von wo an bis Smrček der mittelkórnige Granit zu rothem, 


„grobkórnigem sich umwandelt. Diese Masse von rothem Granit ist der Sitz zahl- 


reicher Diorit-Gangstócke. 
3* 


36 


Es ist dieser Granit ein echtes Gránzgebilde, da er durch Vermittelung 
des schiefrigen Felsitporphyres oder auch unmittelbar an das Silur zwischen Rudov 
bis Škrovády sich anschliesst. An den Gránzen mit dem schiefricen Felsit oder 
mit dem Silur ist er bankfórmig abgelagert; die Bánke laufen parallel zur Contact- 
sránze und verfláchen sich von derselben weg. Je weiter von der Gránze, desto 
massiger wird der rothe Granit, bis er die bankfórmige Absonderung gánzlich ein- 
bůsst. Am deutlichsten ist dieses Verháltniss in der Schlucht unter Pračov ent- 
blósst, wo die etwas oft weniger als ein Meter máchtigen Bánke, nach 10*/,* mit 
859 verfláchen, also scheinbar als dem Silur (oder der Silurgránze) aufgelagert 
erscheinen. 


Weniger bedeutende Massen von rothem Granit erstrecken sich von Rvačov 
úber Milesimov, Dlouhý, Rovné und Oudav gegen Ober- und Unter-Studenec. Auch 
hier sind máchtige Dioritstócke entwickelt. 


N von Kreuzberg kómmt auch rother Granit vor. 


Erwáhnenswerth ist auch noch, dass rother Granit in einzelnen Gánsen 
oder Gangziigen vom S Ende der Kaňková Hora úber Zbohov, Hoješín, Podhořic 
im Steilgehánge des Eisengebirgces bis úber Rušínov, also auf 10 Kilom. Lánge 
und in verháltnissmássie geringer Breite im Gneuse auftritt. Angewitterte Fláchen 
desselben sind roth gefárbt durch kleine in Adern ausgeschiedene Haematit- 
Imprágnationen. Ebenso ist noch zu erwáhnen, dass auch bei Křemenic (SW von 
Trhová Kamenice) der rothe Granit die Gránze zwischen grauem Granit und 
Gneus zu bilden scheint. : 


Der rothe grobkórnige Granit bildet das ostliche Ende des zuerst erwáhnten 
rothen mittelkórnigen Granit-Gangstockes in der Umgebung von Žumberg. Zwischen 
Studená Voda und Smrček wird seine óstliche Fortsetzung von Ouadersandsteinen 
des Kreidesystems bedeckt. Gánge von Auarzporphyren durchsetzen diesen Granit. 
Auch zwischen Havlovic und Kostelec SO vom Žumberger Massiv bildet er einen 
Ganegstock. 

An andern Orten ist grobkorniger rother Granit selten ; er tritt in kleineren 
Stócken auf zwischen Křižanovic und Vedralka, S bei Bamářov, S von Bezděkov, 
úberall an den Gránzen zwischen Granit und Gneus, dann auch bei Rušínov (9) 
im Gneus. Merkwůrdig ist ein rother grobkórniger Gneuseranit, der nur zwischen 
Čekov und Krupín die Gránze zwischen rothem mittelkornigem Granit und grauem 
Gneusgranit andeutet. Ohne Kenntniss der Lagerungsverháltnisse můsste man 
dieses Gestein als einen groben rothen Gneus betrachten; indessen úbergeht es 
in rothen mittelkórnigen Granit und bildet dem Granit áhnliche Blócke; mithin 
ist es nur ein schiefrig ausgebildetes Contactgestein, das eine jingere Bildungs- 
zejt des rothen Granites gegenůber dem grauen Granite anzudeuten scheint. 

Als seltenere Granitvarietáten kommen Pegmatite vor, die aber nur in 
verháltnissmássig wenie máchticen Gángen erscheinen; so die Pegmatitgánge im 
Abfalle der Kaňková Hora gegen Třemošnic, die als Biotitpegmatite den Pegma- 
titen der Kořečníkmůhle bei Ronov ganz áhnlich sind; dann die Amphibol-Biotit- 
Pegmatite von etwas kleinerem Korne am Berge Krásný bei Chlum und in der 
Dehetníker Schlucht, die an allen diesen Orten reichlich Titanitkrystállchen fůhren, 


dí 


und das an den beiden letzteenannten Orten auftretende Kalklager vielfach 


© durchsetzen. 


Es ist vielleicht noch erwáhnenswerth der kleinkórnige graue Granit an 
der Gránze mit den Silurschiefern bei Ober-Babákov und bei Jasné Pole (Schón- 
feld). Auch die Gánge von kleinkórnigem Gneusgranit im Elbeufer bei Vinařic 
kónnte man hierher rechnen. 


Auch Porphyre finden sich an den Gránzen des Granites mit den Silur- 
schiefern; so Granitporphyr S von Babákov, der mit Dioriten und metamorphischen 
Schiefern vergesellschaftet, auftritt. 


Von bedeutender Ausdehnung ist der Štock von schiefrigem Felsttporphyr, 
Felsit und Felsitschtefer. Er enthált theilweise Pyritkrystállchen eingewachsen und 
ist desshalb an manchen Štellen durch Pyritzersetzungen bráunlich gefárbt. Seine 
Hauptmasse ist zwischen das Silur und den rothen Granit, námlich zwischen 
Lukavic und Rtein, eingezwánst. Die Bánke des Porphyres, dessen O Fortsetzung 
unter Auadersandsteinen des Kreidesystems sich verbirgt, verfláchen wie die Granit- 
bánke nach S oder SO. In der Svidnicer Thalschlucht fállt die Schieferung unter 
909 nach 9" ein. In dem Porphyrstocke treten verschiedene Porphyrvarietáten 
auf und auch rother Granit, da wo derselbe, wenn auch selten, mit dem Silur im 


- directen Contact ist. Durch Verwitterung bleichen die Gesteine entweder aus 


und sind dann von Tuffen nicht gut zu trennen, umsomehr als die bankfórmige 
Absonderung oft schwer von Schichtung unterschieden werden kann; oder sie 
fárben sich braun durch zersetzte Pyrite, welche sie ůúberall fein eingesprengt 


fůhren ; manchmal sind sie spárlich roth gefleckt durch Haematitimpraegnationen, 


wie bei Petřikovic. Aufgelóste Felsitschiefer, wie solche bei Pračov und Svidnic, 
dann an zahlreichen andern Stellen in dera Porphyrstocke und auch als Scholle 
bei Křižanovice vorkommen, sind mit aufgelósten Silurschiefern leicht zu ver- 
wechseln. In solchen aufgelósten Felsitporphyrschiefern kommt jener reichliche 
Pyrit vor, der in Lukavic bergmánnisch abgebaut wird, und ber den im Anhange 
das Náhere mitgetheilt wird. 


Auch der Diorit tritt in grossen Massen auf. Derselbe kommt nur selten 
im Gneuse vor, wie bei Dolní Vestec und Štiková (O von Chotěboř) oder bei 
Komárov (SW von Jasné Pole bei Hlinsko). Die Hauptablagerang der Dioritgánge 
oder Gangstocke findet man an den Gránzen von Granit mit Gneus oder da, wo 


* verschiedene Granitvarietáten mit einander in Contact treten. Seltener bildet er 


wohl auch Gánge in einer und derselben Granitvarietát. Die hier angedeuteten 
Gránzen von verschiedenen Gesteinen, námlich von Gneus und Granit, oder von 
verschiedenen Graniten můssen demnach als Dislocationsspalten von bedeutender 
Tiefe angesehen werden, aus denen die Eruptionen von Dioriten stattfanden. Es 
wáren demnach die Diorite in vielen Fállen jiinger als die beiden Gránzgesteine, 
obwohl dies nicht eine allgemeine Geltune hat, da die Bildung der verschiedenen 
Eruptivgesteine nicht zu gleichen Zeiten stattfand, und sich wohl auch einigemale 


wiederholte. Ein Dioritmassiv an der Gránze zwischen Gneus und rothem Granit, 


u. zw. einige Ausláufer aussendend, ist zwischen Štiková, Huť, Odranec (O Cho- 


těboř) eingelagert. Es ist móglich, dass dasselbe unter dem Terrain des Kreide- 


98 


systems von Sobinov-Ždírec gegen Nové Ransko sich fortsetzt. Rother Granit 
durchsetzt den Dioritstock N von Odranec. 

In der Richtung des Laufes der Ohebka von Seč bis Hradišť sieht man 
zahlreiche Dioritgánge theils im rothen Granit, theils an den Gránzen von ver- 
schiedenen Granitvarietáten. Der Diorit von Křižanovic wird bei der Gesteins- 
beschreibung náher beschrieben. Die meisten Diorite sind hier ganz deutlich 
mittelkórnig. 

Ein bedeutender Gangstock von Diorit erstreckt sich von Nassaberg nach 
Krupín, ein anderer úber Božov und den Hořičkahůgel unter dem Kreideterrain 
der Podskaler Thalschlucht bis gegen Chacholic, wo der Diorit von rothem Granit 
durchsetzt wird. Diese langen Gangstócke sind deutlich mittelkórnig, dguarz- 
fůhrend, in Klůften mit Epidot úberzogen und an gewissen Stellen auch schiefrig, 
so dass sie in Handstůcken mit Amphibolschiefer, der auch Epidotschnůre enthált, 
verwechselt werden kónnen. Das Gestein von Hořička und Skála wird im zweiten 
Theile speciell angefůhrt. Bemerkenswerth ist es, dass sich an den Gránzen mit 
Granit Úbergánge des Diorites in Granit, u. z. durch Syenit oder Amphibolgranit 
einstellen, wobei scharfe Gránzen nicht nachweisbar sind, da vielleicht durch 
Erweichung der Granitmasse das Dioritmagma an der Gránze mit derselben sich 
vermengt hat. 

In der Gegend von Stan, Rváčov sind Diorite an den nicht gut entblóssten 
Gesteinseránzen ebenfalls zu beobachten; ebenso auch S von Unter-Babakov, wo 
die Diorite háufig schiefrig sind. 

Im grauen Granite oder Gneusgranite sind die Diorite selten; so bei 
Rohozná, Benátky, Srny, in Včelákov, an welchem letzteren Orte der Diorit viel 
Pyrrhotin enthált. 

Merkwůrdie sind die Dioritstocke N von Seč und in Zbislavec; an beiden 
Orten werden dieselben von Syenit umfasst; am Zlatý Potok SO von Kraskov 
enthált dieser Syenit Epidotfels und Granatfels mit Magnetitnestern. 

An dem ersteren Orte wird das Vorkommen noch dadurch interessant, 
dass der Diorit daselbst die Contacthůlle eines Corsitstockes bildet. 

Feinkórnige bis aphanitische Diorite mit Epidot oder mit zahlreichen 
Pyritkórnern, durchsetzen den schiefrigen Felsitporphyr zwischen Petřikov, Šiškovic, 
Trpíšov, Vejsonín, bis Ó hinter Klein-Lukavic. Bei Trpíšov ist der Diorit als 
Epidotdiorit, bei Vejsonín, O von Klein-Lukavic als Pyritdiorit entwickelt. Da die 
zersetzten Diorite, welche auch stellenweise Neigung zur schiefrigen Textur zeigen, 
von den faulen schiefrigen Felsitporphyren nicht immer leicht zu unterscheiden 
sind, so ist die Ausscheidung beider Gesteine auf der Karte nicht ganz scharf 
und genau. 

Das merkwůrdigste Gestein des ganzen Gebietes ist der Corsit; derselbe 
ist theils mittel-theils grobkórnig, und meist nur in kurzen Gangstócken, vor- 
nehmlich an Gesteinsgránzen entwickelt. Merkwůrdig ist jener aus fůnf Stocken 
bestehende Zug von Corsit, von denen der erste beim Jágerhaus ON von Kraskov, 
der zweite von Diorit und Syenit begleitete, NW von Seč, der dritte und láneste 
in der Richtung von Vršov-Pradlo, der vierte W von Možděnic, der fiinfte endlich 
bei Kocourov auftritt. In der Richtung dieses Corsitzuges liegt die Ranskokuppe 


n" 


„39 


mit dem Serpentin-Olivin- und Corsitgestein; es důrfte demnach ein genetischer 
Zusammenhang zwischen diesem Corsitzuge und der Ranskokuppe bestehen. Der 
lángste Corsitstock zwischen Vršov und Polom ist im sůdlichen Theile von rothem 
Granit durchsetzt; er bildet die Gránze zwischen Granit und Gneus. 


Andere Corsitstócke treten noch bei Petrkov und Šrny zwischen Gneus- 
granit und Gneus, dann bei Jančour zwischen Gneus und rothem Granit, so wie 
O von Trhová Kamenice zwischen grauem Granit und Gneusgranit auf; doch 
konnte ein Theil dieser Stócke auch aus Diorit bestehen, da der Aufschluss hier 
zu undeutlich ist. Das grobkórnigste Corsitgestein und gewiss auch das am meisten 
typische ist das im Stocke von Částkov (S Žumberg) auftretende; es kommt daselbst 
nahe an der Gránze zwischen mittelkórnigem rothem Granit und grobkůrnigcem 
rothem Granit vor. 


c) Das Laurentin ostlich von der Skuč-Hlinsko-Kreuzberger Silurinsel. 


Dasselbe gehórt zum Theil schon dem bohmisch-máhrischen Gránzgebirge 
an, das geologisch betrachtet mit seinen Vorbergen bis an die Linie Proseč- 
Vojnoměstec reicht. 


Die Schichtenmassen des Gneuses haben nicht mehr das anhaltend gleich- 
mássice Verfláchen gegen NO, wie es im Eisengebirge der Fall ist, und schon 
dadurch wird die Zugehorigckeit zu einem andern Gebirgssysteme angedeutet. 
Nichts desto weniger muss auch dieses Gránzgneusgebiet hier in Betracht gezogen 
werden, weil es die Unterlage der silurischen Schieferinsel bildet, die jedenfalls 
noch dem System des Eisengebirges angehórt. Nur in dem nordlichen Theile, da 
wo sich das Kreidesystem anschliesst, ist in der Umgebung von Proseč rother . 
Granit entwickelt, der jedenfalls jůnger ist als der Gneus. Die Hauptmasse des 
Terrains bildet aber Gneus. Die Gránzen gegen W, wo Gneus oder Granit die 
Schieferinsel begránzen, gehen von der úberdeckenden Kreideformation, etwa von 
Heralec úber Kutřín, Miřetic, Otrádov, Krouna, Dědová, Plaňan, Hlinsko, Vítanov, 
Chlum bis Vojnoměstec, wo die Schieferinsel sich auskeilt. Das Verfláchen der 
Gneusschichten ist in sofern ein wechselndes, als es in der Náhe dieser oben 
angefůhrten Silurgránze ein meist westliches ist, im Gránzgebiete aber bei mannig- 
fachen Abwechslungen, jedoch meist nach NO ceht. 


Im Bereiche oder in der Náhe der Silureránze verfláchen die Gneusschichten 
in Krouna unter der kat. Kirche ganz nahe an der Silurgránze nach 21'/;» mit 
279, etwas čstlicher im Kalkbruch von Rychnov nach 17“/," mit 45", in Blatné 
bei Hlinsko nicht weit von der Gránze im Mittel mit 20%,» nach 24" (19*/," bis 
21%/,*), bei Vítanov nahe an der Gránze nach 23" mit 43%. Bei Kutřín (SO von 
Richenburg) bildet der Gneus hier als Augengneus entwickelt eine Scholle in 
rothem Granit und streicht nach 19"/,*: mit 509. Auf den beiden Kuppen des Berges 
Hradiště S von Hlinsko ist der Gneus ©anz deutlich antiklinal gefaltet und er 
verflácht als Gewólbe auf einer Seite nach 5“/," mit 189, auf der andern entgegen- 
gesetzt nach 15" mit 229; an den andern Seiten aber in andern Richtungen. 


40 
Endlich ist O von Vojnoměstec nahe an der Silurgránze das Verfláchen mit 17',": 
mit 269. Das Verfláchen geht also durchwegs unter das Silur. 

In der Klippe „Hápová skála“ SO von Rychnov an der Strasse, betrágt 
das Verfláchen 349 nach 2" (im Mittel aus vier Beobachtungen), und doch ist 
diese Klippe nur etwa 4 Km. von der Silurgránze im Liegenden entfernt. 

In dem Gebiete der gróssten Erhóhung des Gránzgebirges an der bohm.- 
máhr. Gránze ándert sich die Richtung des Verfláchens; u. zw. bei Svratka allen- 
falls mit 409 nach 2",*, obwohl an andern Orten ein entgegengesetztes Einfallen 
der Schichten nach 15" mit 30? beobachtet wird. Ebenso ist es auch bei Svra- 
touch, wo ein Verfláchen mit 269 nach 24" bemerkt wird. Unter der Kirche von 
Heralec verflácht der Gneus nach 17*/,* mit 40". 

Es ist demnach der Gneus oder Gneusgranit im Gebiete des Saarer oder 
bohmisch-máhrischen Gebirges vielfach gefaltet. Auf den hóchsten flachen Kuppen 
O von Heralec und Čikhaj, oder bei Kuchyň und Krejcar ist der echte Gneus 
aber flach, oder nur ganz wenig geneigt gelagert. 

Die verbreitetste Gneusvarietát, welche in diesem Theile des bohmisch- 
máhrischen Gránzgebirges vorkommt, ist die schuppige, lichtgraue, also der frůher 
schon erwáhnte Gránzgneus (Gneusgranit). Dieser Gneus fůhrt die beiden Glimmer, 
u. zw. entweder in rein ausgeschiedenen Schuppen oder in schuppigen Flasern, 
jedoch immer bedeutend gegen den Orthoklas zurůcktretend; er bildet das ganze 
Gebiet von Škrlovic (auch noch sůdlich davon), Čikhaj, Heralec, Milová und die 
hochsten Kuppen desselben, so namentlich die Tisůvka, Žáková hora, die Berge 
W von Heralec, dann die Gegend NO von Čachnov, O von Svratka. Stellenweise, 
wenn die Lagerung eine flache ist, bildet der Gneusgranit áhnliche, aus Bánken 
aufgebaute mauerfórmigce Klippen, wie der echte Granit. Besonders malerisch tritt 
diese Felsbildung bei Křižánek an „der Švarcava (Svratka) und an den Felsen 
„Devět skal“ (Perničky) in Máhren auf, indem daselbst aus bewaldeten Kuppen 
maueráhnliche Klippen hervorragen. Kleinere solche maueráhnliche Klippen finden 
sich auch O von Svratka an der Žáková hora und úberhaupt in diesem Gránz- 
gebiete. — 

Ein ganz eigenthůmlicher Gneus ist der grobflasrig gestreckte Gneus, der 
in der Umgebung von Chlumětín, Čachnov, Karlstein, Svratka und Svratouch auf- 
tritt.  Derselbe enthált breite, langgezogene flasrige Fláchen, die aus Schůppchen 
von Muscovit und DBiotit und aus vorwiegenden kleinkórnie aggrecirten lang 
verzogenen Orthoklasparthien mit dattelkornáhnlichen rauchgrauen Auarzkórnern 
bestehen. In diesem grobflasrig gestreckten Gestein sind stellenweise bis daumen- 
grosse Orthoklaskrystalle ausgeschieden. Es stellt demnach den Typus eines grob- 
flasrigen und stellenweise porphyrischen Gneuses vor. Der Bruch des lichten 
Gesteines zeigt nur unvollkommene schiefrige Textur; auch die Schichtung ist 
eine grobe. Dieser Gneus wird bei Svratouch von Nestern oder Adern eines durch- 
sichtigen Rauchguarzes durchsetzt und enthált auch dort porphyrartig ausgeschie- 
dene Orthoklase; er úbergeht dann durch Wechsellagerune aber auch allmáhlig 
in kurzflasrigen Gránzgneus. 

In der Umgegend von Set. Katharina und O von Rychnov kommt ein 
fleischrother, flasriger, gestreckter Gneus vor, dessen Flasern aus beiden Glimmern 


41 


bestehen. Am deutlichsten  zeigt ihn die isolirte Klippe „Hápová skála“ ge- 
nannt an der Strasse von Krouna nach St. Katharina SO von Rychnov. Dieser 
rothe Biotit-Muscoviteneus ist von demjenigen, der in den Ohebkaschluchten 
zwischen Oheb und Bradlo vorkómmt, nicht zu unterscheiden; auch er zeigt zur 
Schieferung parallel laufende Orthoklasstreifen. 

In der Richtung Heralec, Kuchyň, Hamry (S von Hlinsko) kommt glimmer- 
reicher Biotiteneus vor; zwischen Kuchyň und Krejcar erscheint er beinahe hori- 
zontal gelagert. Bei Rychnov aber kommt kleinkórniger Augengneus zum Vor- 
schein; námlich ein schuppig flasriger Biotitgneus mit ausgeschiedenen nicht 
grossen Orthoklaskrystallen. Die Menge des Biotites ist eine veránderliche. In 
diesem Gneuse treten mehrere linsenfórmige Kalklager auf, die durch weissen 
pegmatitartigen Granit in nicht máchtigen Gángen vielfach verworfen werden. 

Im Bereiche der Siluroránze, also auf der Linie Česká Rybná, Krouna, 
Hlinsko, Vojnoměstec findet sich vorwiegend Biotitgneus, meist mit fasriger Structur, 
aber doch in verschiedenen Varietáten. Nahe an der Silurgránze, allenfalls unter 
der kat. Kirche von Krouna, kommt ein Biotitgneus vor mit ziemlichem Glimmer- 
halte und mit sparsamener Augen von Orthoklas; er wechsellagert mit uneben 
schiefrigem eglimmerreichem Gneus, der einzelne Muscovitschuppen fihrt. Am 
sidlichen Ende von Krouna, also weiter von der Silurgránze ist der Gneus dem- 


- jenigen von Rychnov áhnlich, demnach ein Augengneus, und es sind in demselben 


glimmerschieferartige Gneuse mit Biotit, Muscovit (Fuchsit) und mit etwas Tur- 
malin, in einzelnen Schichten eingelagert. 

Bei Blatné und Hlinsko sind die oft wellie gebogenen schiefrig-flasrigen 
Gneuse nur biotithaltie. Seltener erscheinen auch glimmerarme Muscovitgneuse, 
so bei dem Jágerhause von Pláňov (ON Hlinsko), die in Biotitgneuse úbergehen. 

In diesem Gneusgebiete tritt eine bedeutendere Masse von rothem Granit 
auf; dieselbe wird zwischen Kutřín, Peralec und Proseč von Schichten der Kreide- 
formation bedeckt, zwischen Kutřín und Miřetín schliesst sie sich aber unmittelbar 
an die Silurinsel an und setzt sich von Česká Rybná úber Končevina weiter gegen 
Borová (SO St. Katharina) fort. Im Norden gránzt der rothe Granit an die Auader- 
sandsteine des unteren Cenomans, unter welchen er sich weiter erstreckt, worauf 
die nur einige Schritte breite Entblóssung in der Thalsohle S von Vranic (S Nové 
Hrady, Neuschloss) und die ebenfalls aus diesem Granit bestehende Schlucht S von 
Jarošov hindeuten. Im Westen gránzt der in einer langen breiten Zunge bis gegen 
Borová (zwischen St. Katharina und Polnička) reichende rothe Granit bei Konče- 
vina an rothen flasrigen Gneus, O von St. Katharina an Gneusgranit, im Osten 
aber an den grauen Granit. Der Gneusgranit von Katharina, welcher an der 
Skalka (A 694"-) besser entblósst ist, kónnte zu Irrungen Anlass geben und mit 
Gneus verwechselt werden kónnen. Es ist dies aber ein biotitreicher mehr als 
deutlich mittelkórniger Granit, welcher als Gránzgebilde unvollkommen schiefrig 
entwickelt ist. Ebenso ist der graue Granit óstlich von der Zunge des rothen 
Granites, dessen Masse bei der Glashiitte Marienwaid und Stein-Sedlíšť, Budislav 
im Norden, dann bei Pořič, O Lubna im Osten unter untercenomanen Guadern 


; verschwindet, ebenfalls, aber ganz unbedeutend schiefrig. Die Biotitschuppen, 


welche das untergeordnete Gemenge mit weissem Orthoklas und lichtem Auarz 


42 


bilden, sind námlich nur ganz wenig parallel gelagert. Nur an einem Orte ent- 
hált der Granit etwas Amphibol neben Biotit. Auf diesem grauen Granit kommen 
in Vertiefungen Torflager, in demselben aber auch Gánge von rothem Granit vor. 
Dieses Granitvorkommen im S des Gradkartenblattes Zone 6 Colonne XIV steht 
mit dem eigentlichen Eisengebirge schon beinahe in keinem Zusammenhange. Hier 
bei Borová, was jedoch schon ausserhalb der Karte liegt, ist der rothe mittel= bis 
kleinkórnige Granit stellenweise einem glimmerarmen Muscovit und Biotit fiihrenden 
Gneusgranit áhnlich. 


Von Miřetín an zeigt sich von dem Prosečer Granitmassiv eine kaum 
"/„ Kilom. breite mehr als 1'/, Myr. lange Abzweigung, welche sich zwischen dem 
Silur und dem Gneus als ein enger Gránzstreifen von Miřetín úber Krouna, 
Hlinsko bis gegen Vítanov verfolgen lásst. Erst von Vítanov bis Vojnoměstec 
kommt Gneus unmittelbar mit dem Silur, jedoch in discordanter Lagerung, in 
Berůhrung. 

Der rothe Granit in diesem Štreifen ist an den Gránzen mit dem Silur- 
schiefer oder dem Gneus stellenweise als Aplit-Granit entwickelt, welche Granit- 
varietát úberhaupt háufig an den Gránzen sich aus dem gewohnlichen Granite 
herausbildet. Ebenso ist auch grauer Granit zwischen Dědová und Krouna und 
bei Plaňan als Stellvertreter des rothen Granites entwickelt. Die Gránze des 
Gneuses mit dem ŠSilur erscheint demnach als eine tiefe Bruchspalte, aus der 
Granit als ein langer eingeschobener Gangstock hervortrat, indem er die beiden 
geschichteten Gesteine von einander trennte. 


Zwischen Hlinsko und Vítanov zersplittert sich die Granitmasse in ein- 
zelne Gangziige und in der unmittelbaren Gránze mit den Silurschiefern geht sie 
in einen schiefrigen Felsitporphyr ber. Das Vorkommen von diesem Porphyr 
unmittelbar an der Silurgránze wáre demnach ein neuer Beleg fůr die Umwandlung 
eines deutlich krystallinischen Eruptiv-Gesteines in ein weniger deutlich krystalli- 
nisches Gestein an den Gránzen mit álteren Schiefergesteinen. Es kann aber hier 
das Gestein auch mit gewissen Gneusen verwechselt werden, da es wenig Muscovit 
(Pyrophyllit?) enthált und Streckung zeigt. 

Ahnliche GOuarz- und Felsitporphyre findet man auch an der Gránze 
zwischen Silur und Gneus NO von Vojnoměstec, O von Kreuzberg. 


An den Contactstellen zwischen Hlinsko und Vítanov sind Amphibol- 
schlefer von kleinkórniger Textur ebenso háufig zu finden wie die gneusáhnlichen 
Porphyre. 

Amphibolschiefer kommt im Gebiete dieses bohmisch-máhrischen Gránz- 
gneuses selten vor; denn nur zwischen Krouna und Svratouch ist er nach den 
herumiiegenden Brocken nachweisbar. 


In dem Gránzzuge des Granites trifft man auch Diorite, so besonders 
zwischen Plaňan und Hlinsko an; maánche derselben sind recht grobkórnig. Ebenso 
ist in eben derselben Gránze ein kleiner Stock eines dem Corsit <anz áhnlichen 
Gesteines (SW von Kladné) eingelacert. 


43 


d) Das Silur von Elbe-Teinic bis zum Hauptbruch. 
(Zbislavec-Chotěnic.) 


Auf den laurentinischen Phyllit-Glimmerschiefern und den gewoóhnlichen 
Glimmerschiefern des Steilabhanges zwischen Elbe-Teinic und der Burgruine 
Lichnice ruhen, so weit eben an den wenigen besser entblóssten Stellen zu 
sehen ist, die Silurschichten in concordanter Lagerung. Das tiefste Silur im 
inneren Bóhmen bildet die cambrische Štufe, so auch hier. ") In dem Gebiete, 
von welchem dieser Abschnitt handelt, sind nur cambrische Gesteine vorhanden. 
Sie sind 9anz analog den Gesteinen der Etagen A und B im Hauptsilurbecken 
Bohmens, ja sie hángen wahrscheinlich mit denselben zusammen, und zwar in 
der Elbeniederung unter den Schichten der Perm- und Kreideformation, in der 
etwa 40 Kilom. betragenden Strecke zwischen Elbe-Teinic, Kolin, Kaunic. Unent- 


© schieden ist das Vorkommen der Etage C, die Barrande hinsichtlich der Fauna 


als die silurische Primordialzone bezeichnet, wáhrend áltere englische Geologen 
sie zum oberen Cambrien záhlen. 


Die Etage A. 


: Dieselbe besteht wie im centralbohmischen Becken aus schwarzen (graphi- 


tischen) Phylliten von ziemlich ebenschiefriger Textur; stellenweise sind dieselben 
mit Pyrit imprágnirt, besonders im Liegenden, so an der Elbe bei Vinařic an der 
Eisenbahn:; fig. 3. pag. 30. (Telegraphenstange 225 oder Bahnkilometer 335'0), 
dann zwischen Vápenice und Semtěš, sowie auch in der Schlucht von Licoměřic 
im Liegenden des Kalklagers. An den ersteren zwei Orten zeigen sich citronengelb 
angeflogene Klůfte, was offenbar von Pyritzersetzungen herrůhrt. Der Zug der 
Schichtenzone A erweitert sich bis bei Chvaletic úber 1 Kilom. und verengt sich 
dann wieder bis auf 200" bei Bumbalka. Das Liegende desselben ist entweder 
laurentinischer Glimmerschiefer, oder Granit, wo derselbe eingeschaltet ist, unmittel- 
bar an der Gránze theilweise auch Auarzporphyr. 

In den vorherrschenden schwarzen Phylliten kommen untergeordnet lenti- 
Culare Schichten von schwarzem Lydit vor, so namentlich zwischen Chvaletic und 
Zdechovic, bei Litošic, NW von Bumbalka, endlich an der Skála (Divadlo) SO 
von Licoměřic, da wo die Etage A an den Licoměřic- (Zbislavec-)Chotěnicer Ver- 
schiebungsbruch anlangt. Hier hat der bráunliche oder nur graue Lydit ein steiles 
Einfallen nach 4" und ist von einem zahlreichen Ouarzgeáder ganz durchsetzt, so 
wie mit Linearparallelismus zugleich gestreckt. Aber auch lenticulare, wenig 
máchtige Schichten (oder Lager) von weissem Ouarz zeigen sich in dem Phyllite; 
dieselben sind meist nur nach losen Blócken erkennbar, so SW von Litošic, N 
von Bumbalka; doch trifft man sie auch als echte lenticulare Lager im Schiefer 
eingelagert, so O von Licoměřic. 

Ein drittes Gestein, das noch mehr untergeordnet auftritt, ist krystallční- 


- scher Kalk. Derselbe bildet kurze aber máchtige Schichtencomplexe in Gestalt von 


Linsen; so bei Vápenka (NO von Semtěš) und zwar hier in so stark mit Pyrit 


44 


impraegnirten Schichten, dass sie auch als Alaunschiefer gelten kónnen. Dieselben 
enthalten Limonitnester und Rinden, so wie auch Schichten eines weissen oder 
orauen krystallinischen Kalksteines, der gleichfalls etwas Pyrit in Kórnchenform 
einschliesst. Das Kalklager selbst, von 5—6 Metern Máchtigkeit, ist vielfach 
verworfen. In demselben ist ein alter nun aufgelassener Steinbruch eróffnet, aber 
von Steingeschůtt ganz bedeckt *), so dass die Lagerungsverháltnisse des Gesteines 
nur undeutlich wahrgenommen werden kónne. Mehrere hundert Schritt davon 
NNO von der Barackengruppe (Husí Hovno) liegen Kalkbrocken am Waldsaume 
zerstreut, und es důrfte auch hier also ein Kalklager angedeutet sein. 

Ein máchtigeres, doch ebenso kurzes Lager ist in der Licoměřicer Wald- 
schlucht (v dolech) durch einen verlassenen, nun mit Wasser angefůllten Stein- 
bruch aufgeschlossen. Er verflácht sich gleichfalls gegen NO, obwohl wegen der 
Zerklůftung des Gesteines die Lagerung nicht ganz deutlich zu erkennen ist. 
Zwischen dem gewiss mehr als 10" máchtigen Kalklager und dem Liegenden ist 
der Phyllit mit Pyrit impraegnirt und enthált so wie der liegende Glimmerschiefer 
Ouarzausscheidungen; das Verfláchen der Schichten ist hier 2%/,» mit 459; an 
anderen Stellen daselbst aber ist der Phyllit so stark transversal geschiefert, dass 
dessen wahre Schichtung, die nach 1*/," mit 749 verflácht, nur nach den lichteren 
Streifen in demselben kenntlich ist, wáhrend das Verfláchen der Schieferung měist 
nach 6" mit 409 gerichtet ist. Diese Erscheinung der trausversalen Schieferung 
důrfte hier schon durch die Náhe des Verschiebungsbruches bedingt sein. 

Bemerkenswerth ist das Vorkommen von Diorit und Gabbrogángen in 
der Schichtenzone der Phyllite W von Chvaletic und Telčic. SW von Telčic aber 
tritt zwischen den Phylliten der Etage A und dem Granit ein Stock von Diorit- 
aphanit auf, an welchen sich in dem Gehánge gegen Telčic ein ganz eigenthůmliches 
Gebilde anschliesst. Es ist dies námlich eine Contactbreccie, deren Bruchstůcke bis 
zur Fausterósse aus Glimmerschiefer, Auarz, Dioritaphanit bestehen, wáhrend das 
Bindemittel ein grauer Felsit ist. Man kónnte bei der rundlichen Form der Bruch- 
stůcke, die erst an der angewitterten. Oberfláche gut zum Vorschein kommen, diese 
Contactbreccie fůr ein Conglomerat halten, indessen ist bei náherer Betrachtung 
eine Verwechslung nicht moglich. Gewisse Brocken der Breccie mógen auch durch 
Dioritaphanit verkittet sein. 

Bei Chvaletic (W) durchsetzt ein Limonitgang (Gangbreccie) die Schiefer; 
derselbe enthált hier auch Psilomelan. 

Wiewohl NW von Elbe-Teinic auf der Karte nur laurentinische Glimmer- 
schiefer verzeichnet sind, so kómmt doch S von Bělušic (etwas ůúber 1 Kilom.) 
Lydit und graphitischer Phyllit der Etage A in Bruchstůcken vor, also im Liegenden 
des Glimmerschiefers; es diirfte dies eine Dislocation, die aber von Schichten der 
Kreideformation verdeckt ist, andeuten. Der Fund von graphitischem Phyllit und 
Lydit hier, sowie eines dem Glimmerschieferphyllit áhnlichen Gesteines unterhalb 
Elbe-Teinic am rechten Elbeufer, weist úbrigens mit Sicherheit darauf hin, dass 
die Silur- (cambrische) Zone mit dem Glimmerschiefer bis an das rechte Elbeufer 
reicht. Am linken Elbeufer liegen die Phyllite der Etage A gleichfalls unter 
Glimmerschiefern, und sind also auch hier bedeutend dislocirt. Erst von Kojic an 
geht der Zug der cambrischen Phyllite regelmássig weiter. NW von Zdechovic 


45 


- kommen dann Phyllite, die einigermassen an Glimmerschieferphyllit erinnern, zum 
Vorschein, und es ist allerdings nicht sicher, ob sie der Etage A oder B zu- 
zuzáhlen selen. 

Auch N von Zbislavec ist das Ende der Schiefer-Etace A an dem Ver- 
schiebunesbruch schwierig zu bestimmen, weil daselbst die zerbrockelten Schiefer 
dieser Etage von denen der Schichtenzone Dd;, die hier an dieselben anstosst, 
schwer auseinander zu halten sind. 


Die Etage B und C. 


Dieselbe besteht aus Grauwacken und guarzigen Grauwackenconglome- 
raten, dann aus Grauwackenschiefern, die stellenweise zu phyllitáhnlichen Gesteinen 
umgewandelt sind. Zu diesen Gesteinen treten noch Chloritdioritaphanite, grobe 
Aphanitconglomerate, tufáhnliche Grauwacken und Grauwackenschiefer hinzu. Der 
Wechsel der grauwackenartigen Gesteine ist ein so manniefaltiger, dass bestimmte 
typische Formen derselben nicht leicht ausgewáhlt werden kónnen. 

Es ist auch schwierig, beide Etagen B und C auseinander zu halten, da 
sie nur nach dem Gesteinshabitus unterschieden werden kónnen. Die Lagerunes- 
verháltnisse, die sonst in solchen Fallen die Entscheidung ermóglichen, sind hier 
aus dreierlei Ursachen nicht hinreichend deutlich zu erkennen; u. zw. erstlich 

- wegen dem Chloritdioritaphanit, der zur Zeit der Bildung einer dieser Etagen 

- B oder C, also am Meeresgrunde hervordrang und die deutliche Aufeinanderfolge 
der Schichten verwischte; dann zweitens, weil die Dislocationen im Eisengebirge 
sehr bedeutend sind, und bei saigeren oder steilstehenden Schichten es schwierig 
wird die álteren von den jingeren Schichten zu unterscheiden, wenn dieselben 
nicht durch besondere schon im Voraus bekannte Merkmale characterisirt werden; 
endlich aber auch darum, weil die Entblóssung der Lagerungsverháltnisse so háufig 
zu mangelhaft ist, als dass sie gestattete, mit volligcer Klarheit die geologischen 
Verháltnisse zu entráthseln. 

Die Gesteine der Etage B und C scheinen eine sehr steil geschichtete 
Mulde zwischen der Etage A und der horizontalen Schichtenlagerung der Kreide- 
formation im Přeloučer Flachlande zu bilden; die Schichten, welche sich an die 
Etage A anschliessen, verfláchen námlich nach NO; in der Richtung Spitovic, 
Jankovic, Seník, Pelechov, Lipoltic, Ledeč, Stojic stehen sie aber saiger oder 
fallen steil, bald nach NO bald nach SW ein, und zwischen Spitovic, Kozašic, 
Brhloh, Tupes, Chrtník, Raškovic, Chotěnic fallen sie wieder allermeist nach NO 
ein, nur stellenweise wie bei Tupes steil nach SO oder stehen saiger, wie bel 
Lipoltic. — | 

Es ist demnach sehr schwer die genauere Altersfolge dieser Schichten 
anzugeben, und nur die Ahniichkeit des petrographischen Charakters gewisser 
Schichten mit den Gesteinen der Etage B bei Příbram oder mit denen der Etage 
C bei Jinec und Skrej, lásst darauf schliessen, dass auch die hiesigen Gesteine 
den oberwáhnten Etagen angehóren kónnten; es wird ůúbrigens diese Wahr- 
scheinlichkeit noch dadurch bekráftigt, dass im čstlichen Theile des Eisengebirges 
die Etage Dd, im Hangenden der cambrischen Zone mit ziemlich bestimmter 
Sicherheit nachgewiesen werden kann. 


46 


Zwischen Krakovan am rechten Elbeufer bis Chvaletic am linken Ufer 
zeigt sich keine Spur von Gesteinen dieser beiden Etagen, da dieselben hier unter 
dem Elbealluvium und unter den Schichten der Kreideformation verborgen liegen. 
Erst zwischen Chvaletic und Zdechovic zeigt sich, so viel die stellenweise ab- 
ceschwemmten Schichten des Kreidesystems zu sehen erlauben, úber den schwarzen 
phyllitáhnlichen Thonschiefern der Etage A dunkelgriner Chloritdioritaphanit an- 
stehend.  Derselbe lásst sich dann úiber Zdechovic, Morašic, Krasnic, Litošic, 
Lhotka, Sobolusk, Urbanic, Turkovic, Nový dvůr, Bukovina, Březinka, Holotín, 
Hošťalovic bis gegen Šloukovic und von Licomělic bis úber Vlastějov verfolgen. 

Dieser Chloritdioritaphanit hat die Gestalt eines sehr máchtigen Stockes, 
der auch echt sedimentáre Einlagerungen umschliesst; er zeigt eine gewisse, obwohl 
ganz undeutliche Schieferung oder Plattung, die aber doch so entwickelt ist, dass 
man erkennt, wie er hauptsáchlich gegen NO verflácht, oder auch steil einfállt. 
Bei Licomělic ONO, wo dies Verháltniss deutlicher ist, verfáchen die Bánke nach 
2) mit 75, an einem andern Orte W von Licomělic stehen sie saiger an und 
streichen nach 8*/,) Ebenso ist das NO Verfláchen auch bei Zdechovic úberall 
gut erkennbar. 

Trotz der Benennung des Gesteines als Aphanit ist seine Textur eigentlich 
eine porphyrartige, da mehr als millimeterlange Krystállchen von Plagioklas in 
dem Gesteine ausgeschieden sind, wodurch die Textur demnach eine nicht aphani- 
tische, sondern eine andesitáhnliche ist. | 

Stellenweise sind Epidotkórner oder Epidotamygdaloide, dann Chlorit, 
Ouarz und Calcitamygdaloide oder Nester ausgeschieden, wodurch das Gestein 
sich von dem gewohnlichen Aphanit unterscheidet und als Epidot-Chlorit-Diorit- 
Aphanit auf der geologischen Karte ausgeschieden ist. 

Indessen darf hier nicht ausser Acht gelassen werden, dass in platte 
Scherben zerfallende Aphanite, die auch gestreckte grobe Brocken geben, gewissen 
Aphanittuffen oder tuffigen Grauwackenschiefern hnlich sehen, namentlich wenn 
diese Gesteine nicht ganz gut entblósst oder schon etwas angegriffen sind. Die 
Gránzbestimmungen zwischen diesen Gesteinen ist desshalb an weniger entblóssten 
Stellen, wie insbesonders in der Umgebung von Hošťalovic und Licomělic nur 
beiláufig richtig. 

Der Aphanit mit seinen Varietáten, deren náhere Beschreibung spáter 
folgen wird, ruht bei Zdechovic, dann bei Morašic und zwischen Sobolusk bis 
Březinka unmittelbar auf den Phylliten der Etage A, u. zw. hochstwahrscheinlich 
in concordanter Auflagerung, obwohl dies durch keine unmittelbare Anschauung 
nachgewiesen werden kann. Zwischen Zdechovic und Morašic und von da bis 
Sobolusk aber bildet tuffige Grauwacke das Hangende der Phyllite der Etage A. 
Als tuffige Grauwacke sind auf der Karte verschiedenartige undeutlich bis deutlich 
schiefrige oder kórnige Gesteine ausgeschieden, deren Farben dunkelgrůne oder 
grůnliche sind, und die ausser wenig Auarz, Feldspath und dergl. auch Brocken 
oder verhárteten Schlamm von Aphanit enthalten, voň dem eben die grůne Fárbung 
des Gesteines herrůhrt. Štatt Feldspath fůhren die Grauwacken auch nur Kaolin 
in der Form von Orthoklasbrocken. Diese Grauwacken sind stellenweise auch als 
Conglomerate entwickelt, so zwischen Stojic und Rašovic, wo sie weisse bis nuss- 


) 
| 


| 


4 


ř grosse Auarzgerólle enthalten, stellenweise aber auch als schiefrig sandsteinartige 


hie und da von Auarzadern durchtrůmmerte, oder als grůnliche kleinkornige oder 
als schiefrige Grauwacken. Bei Turkovic ist die Grauwacke wieder lichtgrau, 
aus Auarzgerollen, Schieferbrocken, aufgelósten weissen oder noch fárbigen Aphanit- 
tgeschieben bestehend und hat trotz des groben Kornes eine ziemlich deutliche 
schiefrige Structur. An anderen Orten aber wird der Gehalt an Aphanitbrocken 
oder eruptivem Schlamm so bedeutend, dass sich aus denselben ein Úbergang in 
Diorit(aphanit)tuff entwickelt; wie man dies bei Litošic, Sobolusk, Sloukovic 
u. a. a. O. beobachten kann. Das Verfláchen der Schichten ist daselbst unter 459 
nach 4%; gerichtet. 


Die Gránzen sind demnach nur gegen den Aphanit zu etwas schárfer, 
gegen die anderen sedimentáren Gesteine aber sind sie weniger deutlich. 


Die unter einer Farbe auf der Karte als grůnliche tuffige Grauwacken 


ausgeschiedenen Gesteinen haben aber an verschiedenen Stellen ein verschiedenes 


Alter; jedenfalls sind dieselben jůnger als der Aphanit oder mindestens gleich- 
zeitige Bildungen mit demselben. Sie kommen sowohl im Liegenden des Aphanites 
als auch in dessen Hangendem und im Aphanite selbst vor. Oft sind dieselben so 
beschaffen, dass sie den Úbergang in die grosskórnigen Diorittuffconglomerate 
vermitteln. 


Das grosskórnige Diorittuffconglomerat besteht aus einer grůnen tuffigen, 
„verschieden fein- bis mittelkórnigen, etwas wenig schiefrigen Grundmasse mit sehr 
grossen, meist fausterossen Geróllen von Aphanitvarietáten und auch von guarzigen 
Grauwacken sowie von Lydit. Die Schichtung ist eine grobe, und nach der Lage 
der Gerólle immer wahrnehmbar; das Verfláchen geht meist gegen NO und ist 
recht steil. Dieses sehr charakteristische Gestein bildet theils einzelne Bánke ohne 
scharfe Gránzen in der tuffigen Grauwacke, háufiger aber Schichtenbánke unter 
dem Chloritdioritaphanit oder úber demselben, oder in diesem Aphanite selbst. 
Hierdurch wird offenbar die theilweise eleichzeitige Entstehung dieser Conglomerate 
mit dem Aphanit angedeutet, und zugleich die Annahme wahrscheinlich gemacht, 
dass alle diese Gesteine eigentlich nur einer Bildungsperiode angehóren. 


Eine máchtige Lagerstockmasse des Conglomerates ist von Krasnic ber 
Litošic bis gegen Rašovic unter den Aphanit und auch in demselben abgelagert; 
bei Lhotka liegt sie aber im Hangenden des Aphanitlagerstockes.  Endlich tritt 
eine solche Masse auch N von Kostelec als Insel in den Schichten der Kreide- 
formation auf, und zwar mit Schichten, die sich nach 13* mit 33“ auch nach 11*/, 
mit 639 verfiáchen. Die náheren Verbandverháltnisse sind hier nicht wahrnehmbar. 
In dem Conglomerate von důster grauen oder grůnen Farben ist das Bindemittel 
der Gerólle trotz seiner sedimentáren Entstehung und Zusammenschwemmung von 
Schlamm oder von zerbrockeltem Aphanit so eigenthůmlich, dass es unter dem 
Mikroscope von wirklich eruptiven Gesteinen kaum zu unterscheiden ist. Hier 
entscheiden alles die Lagerungsverháltnisse.  Auch feinkórnige bis kórnige Tuffe, 
die mit plattigem Aphanit oder mit gewissen dunkel grůnen Grauwackenschiefern 
um so leichter verwechselt werden kónnen, je mehr angewittert sie sind, kommen 
mit den Aphaniten bei Hošťalovic vor. 


48 


Das Altersverháltniss dieser Aphanite, Tuffe, Tuffconglomerate und tuffigen 
Grauwacken zu den guarzigen grůnlichen oder grauen Grauwacken und Grau- 
wackenschiefern, konnte hier nicht náher bestimmt werden. 

Sehr charakteristisch ist die lichtgelblichgraue oder blass róthlichoraue 
guarzige Grauwacke, welche theils als guarziges Grauwackenconglomerat, theils 
als grobkórnige bis mittelkórnige guarzige Grauwacke zu Tage tritt und auffallend 
an die áhnlichen Grauwacken der Barrande'schen Etage B bei Přibram erinnert, 
wesshalb. sie hier auch mit dem dieser Ahnlichkeit entsprechenden Wahrschein- 
lichkeitserund als analog dem mittelbohmischen B Conglomerate und der Grauwacke 
angefůhrt wird, trotzdem die Lagerungsverháltnisse derselben gegen die Schiefer- 
étage A hier nirgends deutlich aufeeschlossen sind. 

Unter sehr dislocirten und trotz aufmerksam vorgenommener Mappirung 
nicht náher deutbaren Verháltnissen, treten guarzige Grauwacken und Grauwacken- 
conelomerate an der Černá Skála, N von Hoštalovic, dann zwischen Březinka und 
Sloukovic und Vlastějov, in dem Aphanite oder nahe an demselben auf. Die 
Černá Skála besteht aus einer lichterauen bis lichtbraunen mittelkórniger-guar- 
zigen, festen Grauwacke (ohne Lyditgeroólle), die von den Příbramer Grauwacken 
B kaum zu unterscheiden ist. Die Schichtenbildung dieser Felsenkuppe ist £anz 
deutlich, da zwischen den aus weissen OAuarzgeróllen bestehenden Schichten 
fimgerdicke, guarzige, feinkórnige, undeutlich schiefrige Grauwackenlagen in- 
geschaltet sind. Hiebei sind aber die '/;—'/;"“ máchtigen Schichten verworren 
wellig gebogen und vielfach von 19" máchtigen milchweissen Auarzgángen sowie 
von Gangtrůmmern durchsetzt. Auf einem kleinem Raume wechselt das Verfláchen 

nach 24711. 08 T O MLC RO) 


Fig. 4. unter verschiedenen Winkeln. Fig. 4. zeigt die 

Černá Skáia, 1:1000, Imm — 1m. W Seitenansicht des hochsten Theiles der Černá 
So 9 Skála. Da der Felserat aus Aphaniten hervorragt, 
M NZ 7 5 so liegt die Vermuthung nahe, dass die hier 
S // TÁ = beobachteten Dislocationen durch das Eruptiv- 


dk gestein hervorgebracht wurden und dass dem- 
nach die Grauwacke (der Etage B) lter sei als der Aphanit, und entweder in der 
Tiefe mit den andern guarzigen Grauwacken zusammenhánge oder als Scholle in 
der Decke des Aphanites stecke. 

Die andern guarzigen Grauwacken und Conglomerate von Březinka bis 
Vlastějov sind theils nur nach grossen Blócken, die zerstreut herumliegen, bestimm- 
bar, theils sieht man sie auch in einzelnen Steinbrůchen anstehen, doch mit schwer 
wahrnehmbarer Schichtung; nur bei Hoštalovic bemerkt man ein deutliches Ver- 
fláchen nach N, 

Ein klares Bild der Lagerungsverháltnisse kann man also aus den ge- 
machten Beobachtungen nicht zusammenstellen, wohl hauptsáchlich desswegen, 
weil hier bei Vlastějov und in der Umgegend der Einfluss des grossen Schichten- 
bruches noch ein zu bedeutender ist, als dass er eine gróssere Parthie von un- 
gestórtem Felsenbau zur Beobachtung úbrig gelassen hátte. Ganz anders ist es 
zwischen Spitovic, Jankovic, Tupes, Lipoltice, Chrtník, Raškovic und Chotěnic, wo 
guarzige Grauwackenconglomerate von bedeutender Festigkeit einen zwar niedrigen 


| 
| 


49 


aber im Terrain scharf markirten Felsengrat bilden. Das Gestein dieses Grates 
besteht hauptsáchlich aus bis nussgrossen reinen halbdurchsichtigen Auarzgeróllen, 
so wie aus spárlicheren, schwarzen Lyditgeróllen, die durch ein guarziges Cement 
verbunden werden. Dieser Cement ist stellenweise rosenroth gefárbt, stellenweise 
kommen auch róthlich angeflogene Klifte oder Schichtfláchen vor; die Schichtung 
des Gesteines ist, wenn auch undeutlich, doch wahrnehmbar. Die NO Fláche 
der Schichten fállt unter die Schichten der Kreideformation, so dass deren Máchtig- 
keit nicht bestimmt werden kann. Diese guarzigen Grauwacken des Grates lassen 
sich auf die Lánge von 17 bis 18 Kilom. verfolgen; ihre horizontale Breite betrágt 
im Mittel nur /2—'/; Kilom., weil der gróssere Theil derselben unter der Kreide- 
formation liegt. Zur Zeit des Kreidemeeres ragten dieselben, als ein mauerartiges 
Riff, oder als eine Klippenreihe ber das Niveau des Meeres. Es hat beinahe 
den Anschein, als ob diese Grauwacken in dem steilen aber niedrigen Higelzuge 
Spitovic-Chotěnic nur den etwas steiler geneigten Rand eines Schichtenzuges dar- 
stellten, der sich unter der Fláche der Kreideformation, aus dem er bei Spitovic 
kuppenartig hervorragt, sanfter wellenfórmig ausbreitet. Das Verfláchen an der 
letzt erwáhnten Kuppe geht nach 2%/,—4" mit 50%. Einzelne isolirte Klippen 
treten auch weiter in der Ebene des Kreidesystems auf, so die Čertová skála 
(NW von Spitovic), dann bei Svinčan, und sind selbst bis 1', Kilom. von dem 
zusammenhángenden Grauwackenzuge gegen NO entfernt, was offenbar auf die 
weitere Verbreitung der Grauwacken unter der Kreideformation hinweist. 

Das Verfláchen der Grauwacken ist ein vorherrschend nordostliches: 
zwischen Kozašic und Zdechovic fallen die Schichten nach 2'/," mit 509 bis 4" 
mit 379 ein; eine hier háufiger roth gefárbte Zerkliftung verflácht nach 19" mit 
469; bei Tupes aber steil nach SW; in der Lipoltická skála gleich daneben, da 
wo feinkórnige Auarzite eingelagert sind, theils mit 86“ nach 13*/,*, theils nach 
22/,„h. mit 769; stellenweise stehen die in den Schichtungsfugen stark roth gefárbten 
Schichten auch ganz saiger. Zwischen Lipoltic und Chrtník im Harvaník-Růcken 
ist das Verfláchen NO mit 609; auch in der Chrtníker Schlucht ist trotz der 
Dislocation das Verfláchen ein NO, W von Svinčan nach 3'/;" mit 489. Bei Horní 
Raškovice, wo die in Klippen anstehenden Grauwacken durch bedeutende Stein- 
brůche aufgeschlossen sind, geht das Einfallen nach 2"/* mit 53%“ (Mittel aus 
4 Beobachtungen 1'/;b—3,) , 409—062").  Auch die kleine Grauwackenscholle, 
welche im Heřmanměstecer Parke aus den Korycaner (obercenomanen) Schichten 
der Kreideformation zum Vorschein kommt, scheint nach NO zu verfláchen. Ebenso 
ist bei Nové Dvory (O von Heřmanměstec) das Verfláchen im Mittel nach 3'/,*—4' 
mit 509—56“; in dieser Richtung liegen auch die platten Fláchen der Gerólle. Nur 
in Chocenic, wo Auarzgánge die Grauwacke vielfach durchsetzen, auch die durch 
den nahen grossen Schichtenbruch veranlasste Zerklůftune eine so bedeutende ist, 
dass sie die Schichtung ganz verdeckt, konnte die Richtune des Verfláchens nicht 
bestimmt werden. Hinter Chotěnic treten in der Fortsetzung der Streichungslinie 
der Grauwacke schon Schichten der Etage D zu Tage. 

In Betreff der allgemeinen Lagerung kann in dem Zuge der guarzigen 
Grauwackenconglomerate von Tupes úber Lipoltic im Kozí vrch zwischen Ledec 
und Chrtník und noch etwas weiter in der Richtung gegen Raškovic entweder eine 

4 


50 


steile antiklinale Schichtenstellung angenommen werden, da das Verfláchen in der — 
Lipoltická skála saiger und steil nach NO und SW gerichtet ist; oder aber eine © 
beinahe in der Richtung des Streichens gehende Verwerfung, was der wahrschein- 
lichere Fall ist. Fůr diese letztere Annahme sprechen folgende zwei Beobachtungen. © 
In dem Thalrisse von Tupes gegen den westlichen Lipolticer Teich Fig. 5, ist 
námlich eine solche Ver- 
Fig. 5. | werfung in den Grau- © 

Pá P 79 © wackenschichten B ange- 
> mym VW Fm deutet, obwohl sie wegen 
Z SPRL UE M nicht hinreichend deut- 
licher  Entblóssung nicht 
ganz sicher bestimmt werden kann und desswegen auf dem Durchschnitt nicht 
dargestellt ist. Die zweite Beobachtung bezieht sich auf die Chrtníker Schlucht, 
; | B wo die Grauwacken 
Fig. 6. durch den Diabas- 

N vom R stock durchsetzt 
werden (Figur 6), 
m JYA //— Bachlein Ausserdem aber in 
= bí ť A A2 2 z ihrer Lagerung noch 
| durch Nebenverwer- 
fungen gestort sind. Der Diabas ist mit Pyrit impraegnirt und von Adern eines 
spáthigen Calcites durchsetzt; er steht in den schroffen Wánden bei der Chrtníker 
Ságe deutlich entblósst an, und ist ofenbar jůnger als die guarzige Grauwacke; 

wahrscheinlich liegt er in der Richtung der erwáhnten Verwerfungskluft. 

Die guarzigen grob- bis grosskórnigen Grauwacken an den Klippen „Skály“ 
bei Raškovic lieferten einen, wenn auch ganz undeutlichen organischen Rest in 
der Form eines federkieldicken etwas plattgedrůckten Stengels, als Steinkern :; 
die Deutung desselben ist unmóglich, da die Erhaltung gar zu roh ist; man kónnte 
hiebei etwa nur an Fucoidenreste erinnert werden. 

SW von dem Grauwackenzuge, d. h. im Liegenden des guarzigen Grau- 
wackenconglomerates folgt constant ein verháltnissmassig enger Zug von grauen, 
oder graugrůnen, oder dunkelgraugrůnen, oder graulichblauen Grauwackenschiefern, 
welche stellenweise petrographisch den Grauwackenschiefern der silurischen Pri- 
mordialzone C von Jinec und Skrej zum Verwechseln áhnlich sind. (Ob dieselben 
hier wirklich als Vertreter der Etage C angesehen werden kónnen, ist eine Frage, 
deren Lósung noch nicht gelang. Wůrden dieselben der Etage C entsprechen, so 
můsste angenommen werden, dass der eben beschriebene Grauwackenzug B, unter 
dem diese Schichten liegen, úberkippt gelagert ist, so dass die jiingeren, den C- 
Schichten hnlichen Šchiefer, unter die álteren Grauwacken der Etage B ver- 
schoben wáren. Bei Lipoltic, wo das Einfallen der Schichten saiger ist, kann aber 
die Lagerung die beiden oben angefůhrten Deutungen zulassen. 

Aus der Schichtenlagerung ergiebt sich also keine Aufklárung des eigent- 
lichen Schichtenbaues. Nur eines ist vollig sicher, námlich dass diese den Schie- 
fern der silurischen Etage C so áhnlichen Grauwackenschiefer mit den guarzigen 
Grauwackenconglomeraten, die hier als Analogon der Etage B angenommen werden 


Báchlein 


| 


bl 
-der Bildungszeit nach aufs engste verbunden sind, indem sie mit denselben wechsel- 


ist. Man erkennt daselbst, dass diese Šchiefer ebenso durch Wechsellagerung, 
als auch durch allmáhlichen Úbergang aufs engste mit den graulichorůnen oder 
dunkelgraugrůnen kórnigen Grauwacken verbunden sind. Šámmtliche drei Gesteins- 
gruppen, die Zone der guarzigen Grauwackenconglomerate B, die den Schiefern 
C sehr áhnlichen Grauwackenschiefer, und die kórnmigen meist graugrinen Grau- 
„wacken, sind also miteinander auís engste verbunden, und gerade aus dieser 
Ursache lásst sich die Frage, ob die zwei letzteren Gesteine der Etage B oder 
C angehóren, vorláufie nicht lósen. Wůrde der Grauwackenzug B mit dem NO 
Verfláchen in natůrlicher Lage sich befinden, so můssten diese Gesteine, da sie 
das Liegende desselben bilden, eleichfalls der Etage B angehóren. 


Der den Schiefern der Etage C áhnliche Grauwackenschiefer vom Liegenden 
des Grauwackenzuges B, zeigt von Spitovic bis gegen Benešovic keine Eigenthůmlich- 
keit, nur dass er etwas phyllitartig wird und nach 2'/;* mit 35“ einfállt und stark 
transversal zerklůftet ist. Bei Benešovic und Seník aber, wo sich dieser Zug bis 
auf '/,„ Kilom. erweitert, wáhrend sonst seine Breite kaum "/, Kilom. betrágt, ist 
der Grauwackenschiefer beinahe in echten grauen Phyllit von schwach seiden- 


| artigem Glanze an den ebenen Schieferungsffáchen metamorphosirt. Die phyllit- 
"hnlichen Schiefer verfláchen nach 1'/;* mit 74“ und brechen in bis 2 meterlange 


und 1" breite recht důnne Platten. Innerhalb der Schiefer kommen 1'/,„" máchtige 
Bánke einer klein- bis feinkornigem Grauwacke (Grauwackensandstein) vor, wáhrend 
im Liegenden kórnige Grauwacke vorherrscht. In den Phylliten, deren Schieferung 
durch die transversalen Klůfte nicht stark beeintráchtigt wird, kommen stellenweise 
háufige lichtgraue Streifchen von feinkorniger Grauwacke vor. Auch bei Pelechov 
zeigen sich áhnliche Grauwackenschiefer von grůnlich grauer Farbe, jedoch in den 
kórnigen Grauwacken eingelagert und nach 1'/,* mit 849 verfláchend. Die Schichtung 
ist ganz undeutlich, dafůr aber die transversale Schieferung stark hervortretend. 
O von Lipoltic etwa 1000 Schritte davon, ist der Grauwackenschiefer schwarzgrau, 
und durch transversale Schieferung dickgriffelfórmig zerbrockelnd; die Schichtung 
und wahre Schieferung ist gánzlich verwischt; die transversale Schieferung zeigt 
das sůdliche Verfláchen nach 12*/,* mit 81“. 


Sehr instructiv sind auch die Verháltnisse in der Chrtníker Schlucht, 
genau N von Svojšic 1"/, Kilom. Hier sind die stellenweise bis zum Verwechseln 
den Schiefern der Etage C von Skrej áhnlichen Grauwackenschiefer im Liegenden 
des guarzigen Grauwackenzuges (fig. 6.) so stark transversal geschiefert, dass in 
denselben die wahre Richtung des Verfláchens der Schichten, die nach 4";» mit 
899 einfallen, verwischt ist. Die wahre Schichtung ist nur noch an den Bánken 
von kórniger Grauwacke, die mit den Schiefern wechsellagern, zu erkennen; aber 
auch diese Grauwacken-Bánke zeigen eine wiewohl nur undeutliche, falsche 
Schieferung. Das Verfláchen der transversalen Schieferung betrágt im Mittel 769 
nach 13',* (649 bis 859). Gegen das Liegende herrschen dann Grauwacken vor. 
Im Liegenden des guarzigen Grauwackenzuges von Chotěnic sind die Grauwacken- 
schiefer wieder manchen Schiefern der Etage C von Jinec áhnlich. 

4* 


D2 


s žnoná — <é ní < u vně 


Eine ganz áhnliche Farbe haben auch die Grauwackenschiefer von Morašic 
(OS von Heřmanměstec); es ist aber bei dem Umstande, als hier irgendwo die- 
grosse Verschiebungsspalte durchgeht, nicht móglich, die Identitát der Schiefer 
von beiden Localitáten zu constatiren, da auch andere metamorphische Schiefer 
ahnlich aussehen. 


4 

Im Liegenden dieses den Schiefern der silurischen Etage C hnlichen. 

Zuges finden sich die in der Zeichenerklárune als graugrůne kórnige Grauwacken 
bezeichneten Gesteine. 


Was die Verbreitung anbelangt, so sieht man die Grauwacke zum ersten 
male S von Trnavka aus den Schichten der Kreideformation hervorragen; dann 
aber nach einer Unterbrechung durch die Phyllitzunge deren Deutung als A oder 
B ungewiss ist, zieht sich der Grauwackenzug in der Breite zwischen Spitovic 
und Zdechovic úber Krasnic, Šeník, Pelechov, Lipoltic, Urbanic, Ledec, Svojšic, 
Stojic und ist noch nach einer Unterbrechung durch úberlagernde Schichten der 
Kreideformation in Kostelec und am Palácbere (SO von Heřmanměstec) nach- 
weisbar. Gegen NO wird der Grauwackenzug von den C šhnlichen Grauwacken- 
schiefern begránzt, und ist an der Gránze mit denselben durch Wechsellagerung 
verbunden. SW aber begránzen ihn Chlorit-Dioritaphanit und tuffige Grauwacken-. 
gesteine. Die Breite betrágt 1—1'/, Kilom., was auch seiner Máchtigkeit entsprechen 
důrfte, da das Verfláchen der Schichten ein sehr steiles ist. 


Was den Gesteinshabitus anbelangt, so herrschen verschiedenartige licht 
oder dunkel graugriůne kórnige Grauwacken vor, die mitsammen und mit Grau- 
wackenschiefern wechsellagern, und auch bedeutendere Einlagerungen von dunklen 
Grauwackenschiefern enthalten. Diese Grauwacken sind bei Urbanic (Vrtáčková 
skála, na široké cesté) mittelkórnie, blass graulicherůn, mit theilweise kaolinisirten 
Feldspáthen und bis fingerdicken Auarzadern reichlich durchsetzt. An andern 
Orten sind wieder gróssere Auarzbrocken in die kórnige Grauwacke eingestrent. 
Bei Ledec ist die Grauwacke graugrůn, kleinkórnig, guarzig, durch Ouarzklůfte 
durchsetzt, auch von Chloritklůften durchsetzt, oder sie wird sehr kleinkórnig, 
bis schiefrig kleinkórnig und einer Auarzitgrauwacke oder einem GAuarzitsandstein 
ahnlich. Bei Svojšic-Stojic sind in der klein- bis mittelkórnigen dunkel graugrůnen 
Grauwacke erbsen- bis nussgrosse weisse Ouarzgerólle háufie. Die Schichtung ist 
theils deutlich důnn, theils grob. Die grůne Farbe verdankt ihren Ursprung den 
nahen Aphaniten, die das Material zur Bildung dieser Grauwacken theilweise 
abgaben; darnach wůrden die Grauwacken jinger sein als die Aphanite, die jeden- 
falls cambrisch sind. 


Wenn Grauwackenschieferschichten in die Grauwacke eingelagert sind, so 
erscheinen dieselben meist transversal geschiefert. 


Das Verfláchen der Grauwacken und der eingelagerten Grauwackenschiefer 
ist durchwegs ein sehr steiles, ja oft stehen sie ganz saiger, sowohl nach NO 
als auch nach SW. SW von Kozašic etwa 2000 Schritte unter dem B-Zuge sind 
die grůnen, weissen, Guarzbrocken enthaltenden Grauwacken transversal zerklůftet; 
die Zerklůftung verfácht nach 19" mit 469; daselbst haben aber andere klein- 
kórnige Grauwacken, die etwas schiefrig erscheinen, das Verfláchen von 629 nach 


D3 


1*/,). Bei Zdechovic O kommen auch róthliche oder grauróthliche halbschiefrige 
"kórnige Grauwacken vor. ; 

Bedeutend steiler ist das Verfláchen bei Lipoltic, wo die Schichten in der 
Vrtáčková skála nach 2*/," mit 749 sich neigen. Zwischen Lhotka und Urbanic 
ist die guarzice gróbere oder sehr feinkórnice schiefrige Grauwacke mit 839 nach 
1*/," geneigt. In und bei Ledec aber verfláchen die Schichten, wenn sie nicht 
saiger stehen, bald nach 1';—2'/;" mit 86—88", bald unter demselben steilen 
Winkel nach SW. Die transversale Zerklůftune in den kórnigen Grauwacken 
(Grauwackensandsteinen), oft blos durch diůnne Ouarzklůftchen angedeutet, verflácht 
nach 10" mit 70". 

Bei Svojšic und Stojic ist das Verfláchen der oleichfalls griinen guarzigen 
oder schiefrigen, mitsammen wechsellagernden Grauwačken ebenfalls steil, nach 
1—3",» mit 70—899; stellenweise, wie unter der Svojšicer Ruine, stehen die 
wechsellagernden kórnigen Grauwacken und schiefricen Grauwacken saiger (Strei- 
chen 8'/,*) oder fallen steil verkehrt ein, das ist nach 15*/,* mit 899, Die trans- 
versale Zerklůftung oder Schieferung verflácht hier nach 24* mit 74. 

Schliesslich sind hier nur noch diejenigen Gesteine zu erwáhnen, deren 
Lagerungsverháltnisse in der Richtung der Zbislavec-Chotěnicer Bruchlinie derartig 
„verworren und beinahe unentwirrbar sind, dass eine náhere Erklárung derselben 
wegen der vielfachen Stórungen gar nicht zulássig ist. 

Das steile oder steil gefaltete Verfláchen der Schichten ándert sich hier 
stellenweise in ein sůdliches um, obzwar diese Verháltnisse nur local zu beobachten 
sind, indem hier die Schichtung und transversale Schieferung von einander kaum 
unterschieden werden kónnen. Es kommen hier sowohl tuffige als auch grůne 
Grauwacken und dunkle Grauwackenschiefer vor. Nur im Thale bei Kostelec ist 
das Verfláchen gut entblósst. Die grůnlichgrauen, lichterau cebánderten, fein- 
kórnigen Grauwacken und die festeren kórnigen guarzigen Grauwacken, welche 
hier durch Steinbriůche unter der Kirche entblósst sind, verfláchen nach Sůd, 
námlich nach 12" mit 12—13“. Die Máchtigkeit der einzelnen gebánderten 
Schichten ist tiefer unter dem Ausbiss zu bemerken, sie betrágt bis 1'," Unter 
dem Rasen aber sind die Schichten in holzscheitáhnliche grobe Stůcke zerklůftet, 
und werden guer von einer den Schichten parallel gehenden Streifung durchsetzt. 
Diese transversale Zerklůftung verflácht nach 20* mit 709; eine andere Zerklůftung 
aber verflácht saiger nach 16" 

Sůdlich von diesen klein- bis feinkórnigen Grauwacken folgen tuffige und 
andere grůne Grauwacken und schiefrigce Grauwacken, welche sich ber die Palác- 
kuppe bis Radlín verfolgen lassen, wo dieselben an der Bruchlinie, die dort irgendwo 
durchgeht, absetzen. Noch eine eigenthůmliche graue guarzige feste Grauwacke 
mit erbsengrossen Geróllstůcken von vorherrschendem Guarze, findet sich hier 
vor, jedoch nur im Bereiche der Zbislavec -Chotěnicer Bruchlinie, u. zw. unter 
solchen Verháltnissen, dass es nicht sicher nachweisbar ist, ob dieselbe noch der 
cambrischen, oder der primordialen Zone oder schon den Schichten der zweiten 
Silurfauna angehórt. An gewissen Orten, wie in dem Kostelec-Podoler Thal scheint 
es, als wůrde sie zur Zone d, angehóren; an andern Orten ist aber irgend eine 
Deutung der Lagerung gar nicht měglich. Diese dunkelgraue, feste, guarzige 


D4 


Grauwacke zeiet zwischen Jetonic und N von Sušic und Zdechovic, nur im. 
Kostelecer Thale eine deutliche Lagerung, mit dem Verfláchen von509 nach 12 — 
Ein- bis zweifingerdicke weisse Guarzklůfte durchsetzen hier die Grauwacke - 
háufig. Westlich davon lásst sich die Lagerung nicht nachweisen, da sie wahr- 
scheinlich sehr gestort ist. 

Úberhaupt sind die Lagerungsverháltnisse zwischen Zbislavec -Chotěnic 
wegen dem sich hieher ziehenden Hauptbruche des Schichtenbaues und wegen 
der mangelhaften Entblóssune schwer oder gar nicht zu deuten. So findet man 
zwischen Licoměřic und Zbislavec schwarze Phyllite, diegestort gelagert sind, 
und graue feinkórnige GAuarzite darin, welche der Etage d, und d;, angehóren 
důrften, anstossend an Phyllite der Etage A, und graue, feste, guarzige Grau- 
wacken, die eben frůher erwáhnt wurden und die oleichfalls gestórt gelagert 
sind, so dass es bei der hohen Umwandlung der Gesteine der Zonen A und d, 
sehr schwierig ist, dieselben auseinander zu halten, und der willkůrlichen Deutung 
derselben um so mehr freier Raum sgegeben ist, als in solchen Gesteinen die 
Bruchlinien keine scharfe und deutliche Begránzung zeigen. 

Im Bereiche der Bruchlinie bleibt also noch manches unaufgeklárt und 
wird es noch so lange bleiben, bis nicht andere gůnstigere Beobachtungen oder 
zufállice Entblóssungen die klare Darlegung der Lagerungsverháltnisse ermóglicht 
haben werden. 

Um wenigstens ein ideales Bild der Lagerungsverháltnisse dieses Theiles © 
des Eisengebirges zu geben, sei hier die Fig. 7 eingeschaltet. Bei Semtěš liegen 


Fig. 7. 
Idealer Durchschnitt durch das Eisengebirge von Semtěš gegen Lipoltice. 
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Lhotka Skála Podyrd 


Semtěš Vápenice 


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auf laurentinischen Glimmerschiefern schwarze Schiefer der Etage A, dariůber in 
wenig entblósster Lagerung Grauwackentuffe, Aphanite, Aphanitconglomerate, end- 
lich steil stehende Grauwacken mit Grauwackenschiefern, die der Etage C so 
áhnlich sind. Den Schluss bildet der Wall von Grauwacken B bei Lipoltic, deren 
Hangendes ganz von der Ebene der Kreideformation verdeckt wird. 


e) Das Silur vom Hauptbruch bis Slatiňan. 


Sůdlich und čstlich von der Bruchlinie, welche zwischen Zbislavec-Lico- 
měřic nach Chotěnic sich zieht und lángs deren Richtung die cambrische Schichten- 
zone mit der silurischen der Etage D unter verworrenen Lagerungsverháltnissen 
an einander stossen, kommen nur Gesteine dieser letzteren Etage u. zw. ihrer 
Unterabtheilungen dy, dz, dz vor. Dieselben werden im Norden von Gebilden des 
Kreidesystems bedeckt, das in einzelnen Buchten in das silurische Gebiete ein- 
dringt; im Sůden aber, zwischen Zbislavec, Rudov, Kraskov bis Rtejn, stossen sie 


. 


i 
| 


D5 


-am jiingeren Granit an, von da aber bis Škrovád werden sie von schiefrigem 


Felsitporphyr abnorm begránzt. 
Die Lagerungsverháltnisse sind hier schon einigermassen deutlicher als 


-im Gebiete der vordem beschriebenen cambrischen Zone, so dass hier eine Unter- 


- scheidung von verschiedenen Etagen auf Grund von gewichtigen Analogien mit 
- dem centralbohmischen Silur versucht werden kann. 


Im kurzen kónnen die Lagerungsverháltnisse folgenderweise angedeutet 
werden. Sůdlich von der Linie Míčov, N Prachovic, N Boukalka, N Vápenný 
Podol, N GCitkov, N Mladoňovice, Deblov, Teinic, Podhůra, Slatiňany verflůchen 
die von uns als Analogie der silurischen Etage D angesprochenen Schichten vor- 
herrschend nach Siůden. Nordlich von dieser Linie ist das Verfáchen derselben 
ein steil wellenformiges, bald nach Sůd bald nach XN einfallend; unter der Decke 
der Kreideformation aber scheint der Schichtenbau weniger steil zu sein und 
bildet antiklinale und synklinale Faltungen, die úberhaupt die geologischen Ver- 
háltnisse dieses Theiles des Eisengebirges charakterisiren. Die hier vorherrschen- 
den Gesteine sind: schwarze Thonschiefer, stellenweise ebenschiefrig, stellen- 
weise aber ziemlich parallel zart gefáltelt und wahrscheinlich der Etage d, 
angehorend. Diese Schiefer enthalten an sehr vielen Orten etwas verdrůckte und 
bráunlich angelaufene Hohlabdrůcke von Pyritwůrfeln; Pyrit aber selbst in Wůrfeln, 
wird nur an wenigen Orten, so bei Morašic, angetroffen. Ausser den antiklinalen 


-und synklinalen Hauptfalten des Schichtenbaues kommen noch secundáre gewunden 


wellenfórmige Faltungen vor, wodurch es in manchen Fallen schwierig wird, die 
Hauptrichtung des Verfláchens festzuhalten. In diesen Thonschiefern nun ist kry- 
stallinischer weisser, stellenweise ein wenig bláulicher oder graulich gefleckter 
Kalkstein eingelagert. Im Liegenden ist derselbe etwas schiefrig und blaulich- 
schwarzgrau, und graphitisch. In Klůften werden an solchen Stellen kleine hockerige 
Ouetschfáchen mit glánzendem Graphit- (Anthracit?) Úberzigen beobachtet. 
Dieser krystallinische Kalkstein (Podoler Kalk) enthált stellenweise Úri- 
noidenstielelieder; dieselben lassen sich aber nur in den graulichen Stellen, wenn 
dieselben angeschliffen sind, deutlich erkennen. Besser zeigen sich diese Crinoiden- 
reste in den liegenden schwarzen halbschiefrigen Kalksteinen knapp ober den 
schwarzen Thonschiefern in der Schlucht von Citkov, wo gewisse Handstůcke viele 
solche aus weissem spáthigen Calcit bestehende Crinoiden-Bruchstůcke enthalten. 
Das Vorkommen dieser Crinoidenreste und dann der Gesteinshabitus der 
nahen Grauwacken weisen offenbar darauf hin, dass das Kalksteinlager von Podol 
palaeozoisch ist. Im Cambrischen und in den Primordialschichten kommen zwar 
Crinoiden nicht vor, aber im Untersilur treten sie auf, obwohl seltener als im 
Obersilur. Auf der Grundlage dieses palaeontologischen Merkmales, so wie noch 
anderer Merkzeichen ist die Annahme die plausibelste, dass die Podoler Kalksteine 
und die sie begleitenden Schiefer dem Untersilur angehoren. An Devon kann 
schon desshalb nicht gedacht werden, weil der Zusammenhang des Gebirgszuges 
mit dem centralbohmischen Silurbecken bis beinahe zur Sicherheit wahrscheinlich 
ist. Die Crinoidenstielelieder und auch verschiedene schlecht erhaltene Basal- 
theile von Crinoidenkelchen lassen allerdings keine náhere Bestimmung zu; es ist 
selbst der Nahruneskanal in denselben nicht immer ersichtlich. Die besser er- 


56 


haltenen, durchwegs cylindrischen Stieleliederreste, zeigen entweder einen kreis- 
runden oder einen pentagonal sternfórmigen Nahrungskanal, so dass hier vielleicht 
zwei Arten vorkommen. Ausser Crinoidenstielgliedern sind noch důnne Mollusken- 
Schalen von undeutbarem Charakter und sehr spárlichem Vorkommen hier auf- 
gefunden worden. 

Bemerkenswerth ist es, dass die Thonschiefer im Liegenden des Kalklagers 
(nordlich) die schon erwáhnten negativen Pyriteindrůcke zeigen, im Hangenden 
aber (sůdlich) dieselben ganz fehlen. 

Sehr verbreitet ist fěinkórnicer Ouarzit von gelblicher, graulicher bis 
dunkelgrauer Farbe, der an die schwarzen Thonschiefer gebunden ist. Schon der 
petrographische Charakter des Gesteines lásst darin die Zone Dd, vermuthen. Zur 
beinahe vólligen Sicherheit wird diese Annahme aber noch dadurch, dass sich 
normal zur Schichtung, sowohl in den lichten als auch in den grauen Auarziten 
jene langen Róhrchen zeigen, welche unter dem Namen $Scolithus (Tigilites) trotz 
ihres problematischen Wesens doch fiir die Erkennung der Auarzitzone d, im 
centralbohmischen Becken so bezeichnend sind. Es sind diese Scolithusrohren an 


zahlreichen Štellen vorgefunden; so namentlich reichlich zwischen Deblov und 


Lipina, N von Podhůra, W von Mladoňovic bei Sušic, kurz beinahe durchwegs in 


dem Auarzitzuge, wenn auch nicht úberall sehr háufig. Durch dieses Vorkommen © 


wird fůr den Auarzit des Eisengebirges die Einreihung in die Zone d, mit beinahe 
volliger Sicherheit bestimmt, woraus nun folgt, dass die schwarzen Thonschiefer, 
welche das Kalklager von Podol einschliessen und unter den Guarziten liegen, 
der Zone Dd, angehóren můssen, trotzdlem dass ausser den wenig charakteristischen 
Crinoidenresten kein palaeontologisches Merkmal vorliegt. Es kónnten zwar diese 
schwarzen Thonschiefer auch als d; gedeutet werden, doch dem widersprechen die 
Lagerungsverháltnisse, da diese Thonschiefer unter den Auarziten ruhen. 

Die Auarzite sind dort, wo sie in den Sátteln der antiklinalen Faltungen 
vorkommen, meist lose zerfallen und zeigen demnach keine Schichtung, oder sie 
sind von einem Trimmerwerk von Auarzadern durchsetzt und wieder verkittet, so 
dass die Krkennune ihrer Schichtung ungemein schwierig wird. Da die Auarzite 
wegen ihrer Spródigkeit allen Biegungen nicht so folgen wie die liesenden Thon- 
schiefer, so treten sie in losen, angeháuften Blócken auf, namentlich an den Stellen 
der stárksten Schichtenfaltungen. Diejenigen schwarzen Thonschiefer, welche auf 
den Ouarziten d, aufruhen, scheinen, trotzdem sie von den Thonschiefern der Etage 
Dd, petrographisch nicht zu unterscheiden sind, Vertreter der Zone d; zu sein. 

An der Granitgránze sind sowohl die Thonschiefer der Zone d, als auch 
jene der Zone d; gánzlich in Ottrelitschiefer umegewandelt, indem sich derselbe 
durch allmáhligen Úbergang aus den schwarzen Thonschiefern entwickelt. 

Fůr den Fall, als die im vorhergehenden Capitel erwáhnte dunkelgraue, 
kórnig-guarzige Grauwacke in der Richtung der Zbislavec-Chotěnicer Bruchlinie, 
schon diesen Silurgebilden der Etage D angehóren nhl wůrde sie die láogoslh 
schichten der Zone d, bilden. 


DT 


Die Etage Dd,. 


| Dieselbe besteht aus schwarzen, auf den Schichtungsfiáchen oft schwach 
(parallel gefáltelten Thonschiefern und zeiet an vielen Orten verdrůckte Hohldrůcke 
-von verschwundenen Pyritwůrfeln. Sie verflácht nach beiden Seiten, das ist nach 
© Nound S, wie dies in dem unteren Theile der Ouertháler von radove und Podol 
„ gegen Kostelec, dann in den beiden Schluchten von Cíitkov gegen Morašic zu 
© beobachten ist. Ein ideales. Bild des Schichtenbaues dieser vorherrschenden 
Gesteine gibt die Fig. 8., welche die Verháltnisse der Citkover Schlucht darstellt, 


Fig. 8. 
Linkes Thalgehinge der Schlucht von Dolan-Citkov, 1:50000 
NNO Thalweg nach Nerozhodov Ss8W 


honsnd | Z ZES9Y 


ka a ds | d | 
Da die Schichten synklinale und antiklinale Wellen bilden, so muss es auch Stellen 
geben, wo dieselben beinahe horizontal liegen. Die Lagerungsverháltnisse sind aber 
- oft durch die stark hervortretende transversale Schieferung oder Zerklůftung ver- 
deckt. So zeigen die Schichten SW von Morašic, nahe an der Bruchlinie, die 
wahrscheinlich der Zone d, angehóren, ausser einer horizontalen Plattung noch 
folgende Richtungen, nach denen sie sich spalten: eine Spaltungsrichtung námlich 
nach 8" mit 44“, eine andere nach 14'/,» mit 30“ und eine weitere nach 2';* mit 
569. Welche von den vier Richtungen als Schichtung anzunehmen Wáre, lásst sich 
nicht entscheiden. Hier enthalten die Schiefer bis 1% breite Pyritwůrfel. An der 
Můndung des Prachovicer Thálchens in das Podoler Thal enthalten die schwarzen 
Thonschiefer im O Gehánge ein N verfláchendes graues Auarzitlager eingeschaltet, 
und zeigen nahe bei diesem Auarzitlager Schieferungsrichtungen mit den Ver- 
láchungsrichtungen nach 13" mit 55“, so wie nach 24" mit 709. Auch hier lásst 
es sich nicht entscheiden, was die eigentliche Schichtung und was transversale 
Schieferune ist, obwohl weiter sůdlich davon die Schichten schon nach N verfláchen. 
In demselben Thale, aber am W Gehánge desselben, geht das Verfláchen der 
Schichten deutlich nach Siden. N von Sušic zeigen dieselben Schiefer zwei Rich- 
tungen des Einfallens; die eine neigt sich nach 10'",* —11*/," mit 30%, die 
andere mit 909 nach bh.: ; die liegenden (also etwas N davon streichenden) grauen 
guarzigen Grauwacken, m Zugehorickeit zu B oder d, zweifelhaft ist, besitzen 
zwei Kluftrichtungen, die eine fállt nach 8';,* —11',* i 82—88", die andere 
nach 21" mit 30“ ein. Was hier in diesen beiden Fállen Schichtung und Schieferung 
oder transversale Zerklůftung ist, bleibt allerdings unentschieden. Auch unter dem 
Míčover Glockenthurme ist der Thonschiefer so stark gefaltet und durch eine so 
grosse Zahl von Spaltungsrichtungen durchsetzt, dass keine davon hervorgehoben 
werden kann, und man ůúber die Schichtung věllig im Unklaren bleibt. Die 
Spaltenrichtungen zeigen das Einfallen nach 16* , nach 14*, dann nach 10* mit 
68“ und 18'/," mit 909. Die letzten Fálle aus der Náhe des Bruches entnommen, 
zeigen den wechselvollen Charakter der Zerkliftung und Schichtung. 


D8 


In Folge dieser Zerklůftungen zerfallen die Thonschiefer an vielen Orten 
in Holzscheit- oder Griffel-áhnliche Bruchstůcke, besonders dort, wo sie unmittelbar 
zu Tage ausgehen. 

Es besteht allerdings eine Ahnlichkeit derselben mit den schwarzen 
Phylliten der Zone A, doch unterscheiden sie sich von denselben durch die 
Abwesenheit von Kieselschieferschichten, indem nur bei Šušic unbedeutende 
Andeutungen davon vorkommen, dann auch durch die schon frůher erwáhnten 
verdrůckten wůrfelfórmigen Hohlráume. Nichtsdestoweniger konnte in der Náhe 
des Schichtenbruches zwischen Zbislavec und Licoměřic die Scheidung der Gesteine 
nur so durchgefůhrt werden, dass die Gesteine mit Auarziten d, als Thonschiefer d,, 
die anderen schwarzen Phyllite mit Lyditen aber als Etage A ausgeschieden wurden. 

In der Náhe der Granitgránze und zwar im Gebiete des Bučina-Berges bei 
Podol, sowie W und O von demselben úbergeht der Thonschiefer in Ottrelitschiefer. 

Schwache unbedeutende Gánge von Minette durchsetzen die Schiefer d, 
nahe ONO von Tasovic und N von Citkov in den Waldgehángen des Kočičí Ocas. 
Die schwachen Minettegánge sind nur nach den losen Bruchstůcken erkennbar. 

W von Mladoňovic finden sich in der Zone der Schiefer eigenthůmliche 
undeutlich schiefrige, grůnlich graue Gesteine, die Diorittuffen nicht unáhnlich sind, 
aber wegen der geringen Frische keine weitere Bestimmung zulassen. Auf der 
Karte sind sie als schiefriger Felsitporhyr ausgeschieden. ONO von Deblov etwas 
úber */, Kilom. scheint eine Verwerfung die Schichten d, von den mauerartig 
aufragenden Auarziten d, zu trennen. In dem Thálchen, das sich von hier guer 
durch die Auarzite zieht, findet man Grauwacke in Bruchstůcken, welche an die 
im Tiefsten der Zone d, vorkommenden Gesteine erinnert, die das Liegende der 
Haematitlager der Zone d, im centralbohmischen Silurbecken bilden.  Wirklich 
trifft man hier auch Andeutungen solcher rothen Fárbungen und von erzigen Ge- 
steinen an, doch alles nur in einzelnen Brocken und nirgends anstehend. 

Eine der interessantesten Erscheinungen des ganzen Eisengebirges ist 
jedenfalls das sehr máchtige lenticulare Lager oder der Lagerstock des Kalksteines 
bei Podol, der in einer Lánse von 3*/, Kilom. zwischen Prachovic und Citkov 
sich erstreckt und seine grósste Máchtigkeit zwischen Prachovic und Boukalka 
mit mehr als 2, Kilom. entwickelt. Dieses Kalksteinlager keilt sich schnell an 
beiden Enden aus und verflácht durchwegs nach S, ebenso die dasselbe begleitenden 
Schiefer im Liegenden sowie im Hangenden, wobei sich erst weiter im Liegenden 
die bedeutenden Faltungen dieser Schiefer zeigen. 

In Prachovic verfáchen die Bánke des weissen mittelkrystallinischen, stellen- 
weise graulich gestreiften Kalksteines im Mittel nach 12"/,» mit 489; die parallele 
Zerklůftung stellenweise nach 18'/,* mit 47%. Bei Boukalka betrágt das Einfallen 
nach 12'/;„* 609; bei Vápenný Podol nach 14* mit 57". 

Am čstlichen Ende gegen CČitkov wird das Kalksteinlager bedeutend ver- 
worfen, und es erscheinen in der Verwerfungskluft zermalmte graphitische Schiefer 
mit einer schwachen eingelagerten Ouarzitschicht. *) Verwerfungen, und zwar oft 
recht bedeutende, sind úberhaupt in diesem Kalksteinlager háufig. Im den Ver- 
werfungskliůften treten Calcitkrystalle — "'/, R. o R., auch — 2 R oder grob- 
spáthige Kalksinter auf. In der Stockmitte ist der Kalkstein grobbánkig, gegen 


: 


das Hangende und Liegende zu aber mehr grau, kleinkórnig und 
unvollkommen schiefrig, so wie besonders bei Citkov etwas reicher 
an Crinoidstieloliedern, die an dieser Stelle obwohl nur áusserst 
selten, auch im Thonschiefer vorkommen. 

In Podol selbst enthált der Kalkstock eine, aber wegen 
des verschůtteten Einganges unzugángliche, ziemlich grosse Hóohle. 
Ein Durchschnitt durch die máchtige Anschwellune des Lager- 
stockes bei Boukalka stellt die Fig. 9. dar. Im Liegenden ver- 
fláchen die Thonschiefer nur bis zu eines gewissen Entfernung 
nach Sůden, dann aber sind sie vielfach gefaltet; im Haugenden 
des Lagers verfláchen die Schichten bis zum Granitgránze gleich- 
mássig nach S, stellenweise nur wenig steil. 

Im Hangenden Theile das Kalkstein- Fig. 10. 
lagers sind auch einige Minettegánge zu be- 1:200, Imm. — 2dm. 
merken, deren Máchtigkeit unter 1" bleibt. * | i 
In einem Šteinbruche S von Boukalka zeigen 
sich ihrer vier, wie in der Ansicht Fig. 10. 
dargestellt ist. Diese vier vom Kalksteine 
scharf getrennten Minettegánge verfláchen 
nach 22';,* mit 809—84". Die Textur des 
Pe boatetics ist eine ziemlich deutlich kórnig 
schuppige; die broncefárbigen nicht mehr frischen, ziemlich deut- 
lichen Schuppen des Biotites sind ziemlich parallel zu den Gang- 
ulmen. Einige Gánge an der Gránze mit dem Kalksteine enthalten 
scharfkantige Bruchstůcke von krystallinischem Kalkstein. Es ist 
dies die einzige Entblóssung von Minettegángen in diesem Gebiete. 

„ Da im mittel-bohmischen Silur die Minette das Alter der 
Zone d; besitzt, so muss sie allerdings auch áltere Schichten 
gangfórmig durchsetzen, was auf die hiesigen Verháltnisse an- 
gewendet dafůr spricht, dass das Podoler Kalksteinlager mit den 
Thonschiefern álter sein kann, als die Zone d;, und dass mithin 
dieser Kalkstein der Zone d, angehóren kann. 

An manchen Orten, wie besonders am rechten Thalgehánge 
bei der Vereinigung des Podoler Thales mit der Prachovicer 
Schlucht kommt in Schiefern grauer feinkórniger Auarzit vor, der 
also hler nur untergeordnet auftritt. 


Die Etage Dd,. 


Dieselbe besteht aus grauen, dunkelgrauen bis gelblich- 
grauen, feinkornigen Auarziten, oft von weissen Ouarzadern durch- 


59 


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schwármt, besonders an den Stellen, wo der Schichtenbau gewůlbeartio sich 


erhebt. 


Die friiher erwáhnten Scolithusrohrchen, senkrecht gegen die Schichtung 


eingewachsen, begleiten als ein sehr bezeichnendes Merkmal das Vorkommen dieser 


60 


Ouarzite. Im westlichen Theile des beschriebenen Terrains kommt der Auarzit 
in zwei getrennten Zůgen vor, im óstlichen Theile aber vereinigen sich diese beiden 
Zůge zu einer wellenfórmig gebogenen Decke. 

Zwischen Zbislavec und Jetonic finden sich nur losgerissene, nach den 
herumliegenden Blócken kenntliche Theile der Zone vor; die Lagerungsverháltnisse 
konnten daselbst aber wegen Mangel an tieferen £inschnitten nicht náher bestimmt 
werden. Von Sušic úber Tasovic bis Ouherčic zieht sich die Zone in der Gestalt 
eines bald breiten, bald verengten Štreifens, was von der Neigung der Schichten 
abhánst, von W nach O.  Meist ist das Verfláchen nicht gut kenntlich; nur in 
der Kostelecer Schlucht verfáchen die GAuarzitschichten verschieden stark nach 
Sůden. Bei Ouherčic und Dolan enthalten die Auarzite zahlreiche stecknadel- 
grosse Abdrůcke von Pyritwůrfeln. 

Von Ouherčic an lagern sich die GOuarzite wellenfórmig flach in Form 
einer Decke bis gegen Dubina und Morašic, und verfláchen weiter unter die 
Schichten des Kreidesystems. Das Verfláchen geht hier sowohl nach 5"/,„:—6", als 
auch nach 15'/,* mit 40—609; an den Stellen der stárksten Schichtenbiegungen 
sleht man háufig weisse Auarzadern. Durch einen Luftsattel oder unter der 
Decke der Kreideformation stehen die Ouarzite von Zbliznovic (/A459%. Smrt) mit 
der vorigen Auarzitdecke in Verbindung und sind gleichfalls wellenfórmig, oft 
aber ziemlich steil gelagert. Eine Schicht N von Zbliznovic fállt sogar nach 19* mit 
809, nicht weit davon nach 7" mit 80“ ein. Der zweite Zug der Auarziten scheint, 
obwohl keine gute Entblóssung denselben aufschliesst, sondern nur herumliegende 
Blócke ihn andeuten, doch gegen den Granit, also nach SW zu verfláchen. Dieser 
Zug zieht sich im S Gehánge des Bučinaberges bei Skoranov an dem Bučina- 
Jágerhause vorbei, und setzt hinter demselben SO an dem Granit ab. Das Gestein, 
in welches dieser Auarzitzug eingelagert ist, besteht beinahe durchgehends aus 
Ottrelitschiefern, die aus den Thonschiefern der Zonen d, und d, entstanden sind. 

Diese Metamorphose liess den Auarzit unverándert, obwohl derselbe'*doch 
etwas mehr krystallinisch erscheint, als die andern Auarzite der Zone d;. 

Durch einen Luftsattel důrfte die Zbliznovicer Decke mit dem Zuge von 
Deblov-Rabstýnek zusammenhángen, der sich O von Deblov in der Gestalt einer 
Felsenmauer, wahrscheinlich lángs einer Verwerfungskluft hinzieht und melist 
ziemlich steil nach SOS (Deblov N, 11* 76%—809), bei Rabstýnek aber weniger 
steil einfállt. 

Ein eigenes Auarzitlager, welches von dem bei Deblov-Rabstýnek anstehen- 
den durch schwarze Thonschiefer getrennt ist, u. zw. entweder mittels einer Ver- 
werfung oder eines Luftsattels tritt als eine niedrice Felsenmauer bei Mladoňovic- 
Lípa auf, mit dem Verfláchen gegen Lipina nach 12" mit 30“—50“, und bildet, 
indem es eine ganz deutliche Wólbung zeist, einen Theil einer antiklinalen Schi- 
chtung. Šehr deutlich sind in der Auarzitmauer gewisse Klůfte entwickelt; eine 
scharf markirte Kluftrichtung verflácht nach 5'/," mit 907, eine weniger deutliche 
nach ?/,". mit 25%. Die Zerklůftung verdankt ihre Entstehung wahrscheinlich einer 
Verwerfung, an der die Schichten weiter óstlich absetzen. Auch bei Teinic-Tiroler- 
Haus tritt ein Ouarzitstreifen auf, doch ist es unentschieden, ob derselbe ein 
eigenes Lager bildet, oder ob er mit dem Rabsteiner zusammenhánst. Gegen O zu 


61 


- aber vereinigen sich beide Ouarzitzůge von Deblov-Rabstýnek und Teinic in der 


Waldkuppe Hůra bei Slatiňan. Der Auarzit wechsellagert im NW Gehánge dieses 
Berges mit Thonschiefern und hat ein Verfláchen nach SO und S, bis er unter 
Schichten der Kreideformation lánes der Bogenlinie von Lhota, Slatiňan, Škrovády, 
Kuchanovice verschwindet.  Bei Slávková hůra geht das Verfláchen nach 3* mit 
65%, bei St. Anna ober Slatiňan nach 9" mit 60%. Auf den Kuppen Hůra und 
Podhůra wechselt das Verfláchen; die Guarzitschichten sind da stellenweise aber 
auch horizontal gelagert und stark mit Guarzadern durchnetzt, sie nehmen einen 
grossen Theil der Kuppen ein, indem sie die Decke der Schiefer d, bilden. 


Die westlichen durch antiklinale Schichtenstellungen von einander getrennten, 
stellenweise auch wellenfórmige Decken bildenden Auarzitzůge náhern sich einander 
gegen O so, dass sie sich endlich in der Hůra vereinigen, nachher aber bald unter 
den Schichten der Kreideformation verschwinden, wobei sie schwach von W gegen 
O einfallen. 


Die in den Auarziten háufig undeutliche Schichtung ist einer blossen 
Zerklůftung áhnlich ; in den liegenden Schiefern der Zone d, aber wird durch die 
hier herrschende Faltung der Schichten der Unterschied zwischen Schichtung und 
Zerklůftune verwischt, so dass aus diesen beiden Ursachen die hier zahlreich auf- 
tretenden Verwerfungsklůfte schwer erkennbar sind. 


Die Zone DU.. 


Dieselbe tritt meist nur als Ottrelitschiefer (Chloritoidschiefer) auf, und 
zwar im Hangenden des Auarzitzuges d, von Bučina, zwischen diesem und dem 
rothen Granit. Blos in Folge dieser Lagerungsverháltnisse, also blos wegen der 
Auflagerung auf Auarzit wird der Zug dieser Schiefer als das Analogon der Zone 
d, betrachtet. Die Gesteine desselben lassen sich úbrigens von den metamorphi- 
schen Gesteinen der Zone d, nicht unterscheiden. 


Bei dem Kraskover Jágerhaus (NO von Kraskov) kommt mit diesen Schie- 
fern auch ein Corsitstock in Berůhrung. An dieser Stelle ist auch die Umwandlung 
derselben in Ottrelitschiefer am deutlichsten. 


Um auch die Lage- 
rungsverháltnisse des ost- Fig. 11. 
lichen Theiles des Eisen- Idealer Durchschnitt durch das Risengebirge von NNW nach S50 uber Deblov. 
gebirges anzudeuten, ist NNW 1: 50000 S80 


: . * Mejtky Deblov Pohořalka 
ein  Durchschnitt senk- : 


recht zum Streichen úber x : —=M 
Deblov (Fig. 11) dar- 
gestellt, in welchem nur die schwarzen Schiefer d, und die Auarzite d, vorkommen. 


In den schiefrigen Felsitporhyren, an welchen in der S Gránze die Schichten 


der Etage D absetzen, finden sich auch Schollen dieser Schiefer. Es ist aber 


der Nachweis dieser Schollennatur nicht immer leicht, da auch die Felsitschiefer, 
wenn sie faul erscheinen, den zersetzten sedimentáren Schiefern hnlich sehen. 


62 


Solche Schollen wáren etwa, allerdings in einem verwitterten Zustande, wo also 
eine Irrung móglich ist, bei Pračov und bei Licibořic nachwěisbar. Das Verfláchen 
an derselben ist S; die Klůfte sind von Limoniten gefárbt. 


f) Die Silurinsel von Hlinsko. 


Dieselbe zieht sich auf die Lánge von 25 Kilom. zwischen Kreuzberg, 
Hlinsko, Skuč úber Richenburg; die grósste Breite derselben betrágt zwischen 
Mrákotín und Ranná etwas úber 5 Km. 

Die Schiefer sind hier zwischen dem Gneus des bohmisch-máhrischen 
Gránzgebirges und zwischen grauem, theilweise auch rothem Granit des Nassa- 
berger Massivs eingeschlossen und werden nordlich von Schichten des Kreide- 
systems úberlagert, wáhrend sie sich sůdlich bei Vojnoměstec auskeilen. 

In der Richtung Vojnoměstec, Chlum, Vítanov, Kouty liegen die Schichten 
discordant auf Gneus; weiter úber Hlinsko, Plaňan, Dědová, Krouna, Otrádov, 
Miřetín, Kutřín schiebt sich zwischen Gneus und Silurschiefer ein enger Štreifen 
von rothem Granit ein. Dieser liegende Gneus gehórt schon dem Gránzgebirge 
an. Um dieses Verháltniss der discordanten Lagerung der Silurschiefer gegen 

Gneus zu verdeutlichen, sei hier die 

Fig. 12. Fig. 12 beigefůgt, welche das Contact- 

verháltniss der nach 4';* mit 30? 

verfáchenden, vielfach durch Ver- 

werfungen gebrochenen Silurschiefer 

gegen den nach 17"/;* mit 206“ ver- 

fláchenden Gneus zeigt, wie es O 
von Vojnoměstec sich darbietet. 

Von Vojnoměstec bis Kreuzberg bilden die iúberlagernden Schichten der 
Kreideformation die Gránze der Schiefer; von Kreuzberg ůúber Kohoutov, Stan, 
Unter Holetín, Mrákotín, Skuč aber grauer Granit und grauer Gneusgranit und 
zwar als ein Eruptivgestein von spáterer Entstehung. Von Skuč úber Richenburg, 
Hněvětic, Peralec bildet die im óstlichen Boóhmen weithin sichtbare Terrainstufe 
des mittleren bóhmischen Kreidesystems, die Decke úber den Silurgesteinen, die 
dann nur im Thalgrunde unterhalb Richenburg bis gegen Doly noch entblósst sind. 

Die Gesteine dieser Schieferinsel sind theils graue, theils grůnliche echte 
Phyllite, mit oder ohne ausgeschiedene Auarznester, so namentlich zwischen Chlum 
und Vojnoměstec oder zwischen Mrákotín-Hlinsko-Kladné. An gewissen Orten zeigen 
diese Phyllite einen allmáhlichen Úbergang in Grauwackenschiefer, aus denen sie 
entstanden sind, so dass zwischen beiden keine scharfe Gránze besteht. Diese 
Mittelgesteine sind auf der Karte aber als Phyllit ausgeschieden. Sie wechsel- 
lagern mit dem Phyllit und bilden im rothen Granit zwischen Podměstí (Proseč) 
und Peralec eine Scholle mit gestórter Lagerung; sie verfláchen hier stellenweise 
nach 4" mit 72%. Diese von rothem Granit umfasste Phyllitscholle setzt unter 
Ouadersandsteinen also unterhalb Bor in der Richtung gegen Jarošov weiter 
fort, denn sonst kónnten in den zwei nur etliche Schritte langen Entblóssungen 


SW 1:10000 NO 
Můhle 


V OY JO. ET 


63 


im tiefsten der Thalschluchten S von Vranic oder NW Jarošov nicht ebenfalls 
zerbrockelte Phyllite zum Vorschein kommen. In der nordostlicheren Entblóssung 
-im Thalwege (S Vranic) stósst der Phyllit sogar an rothen Granit noch an. 

In Proseč selbst ist ebenfalls eine Scholle schiefriger Gesteine im rothen 
Granit eingeschlossen. Diese Gesteine, welche S90 von Proseč am Farský kopec 
besser zu Tage treten, sind wohl keine Phyllite, sondern sehr feinkórnige den 
Phylliten ihnliche Amphibolschiefer von dunkler Farbe, die hie und da einen 
Epidotstreifen einschliessen. Sie fallen vorherrschend sehr steil beinahe nach O ein 
(jedoch auch stellenweise nach WSW oder N). Vielleicht wáre der Name Amphi- 
bolphyllit fůr dieselben passender. Auf der Karte sind dieselben als schiefrige 
Amphibolite ausgeschieden. 

In diesen grauen bis schwarzen Phylliten und phyllitáhnlichen Thonschiefern 
oder umgewandelten Grauwackenschiefern kommen Grauwackenschiefer von grauer 
oder grůnlich schwarzer Farbe vor, ganz áhnlich den Schiefern C von Skrej und 
Jinec, des centralbohmischen Silurbeckens. Doch ist diese Ahnlichkeit fůr die 
Bestimmung des Alters derselben sehr ungenůgend, da neben denselben auch 
solche schwarze Schiefer vorkommen, die an die Etage A oder auch an Dd, 
erinnern. Es sind úberhaupt sámmtliche Schiefer hier so bedeutend umgeándert, 
dass nach ihrer petrographischen Beschaffenheit auf die Silur-Etage, der sie etwa 
angehóren, nicht geschlossen werden kann. Dieser Umstand ist in der Farben- 
erklárune berůcksichtigt worden und es erhielten demnach die Schiefern kein 
| Etagen- Zeichen. 

Das zweite vorherrschende Gestein ist graue Grauwacke. Sie nimmt den 
NO Theil der Silurinsel ein, wáhrend die schwarzen Schiefer die SW Hálfte 
zusammensetzen. Die graue mittelkórnige guarzige Grauwacke entspricht beiláufig 
derjenigen Varietát, die als grau-grůne Grauwacke im Eisengebirge bezeichnet 
wurde. Sie geht durch Verfeinerung des Kornes in gebánderte licht- und dunkel- 
graue feinfórmige Grauwacken ber, wie man dies unter der Kirche von Kostelec 
(S Heřmanův Městec) sieht; auch bei Richenburg finden sich solche Grauwacken 
unter den grauen kórnigen Gesteinen. 

Die grauen Grauwacken enthalten ausser Ouarz und wenig zersetzten 
Orthoklas nur spurenweise Glimmerschůppchen; sie sind wahrscheinlich von gleichem 
Alter mit den graugrůnen Grauwacken des Eisengebirges, nur sind sie hier lokale 
Bildungen, zu denen nicht der Dioritaphanit, wie im Eisengebirge, sondern schwarz- 
grauer Auarzporphyr das Materiale lieferte. Es treten námlich in der Umgebung 
von Richenburg bei Skuč, Lešan, mit der grauen Grauwacke auch schwarzgraue 
Ouarzporphyre als gleichzeitige Bildungen auf und an diese lehnt sich die Grau- 
wacke theils an, theils wird sie aber auch von den Porphyren durchsetzt. Diese 
Grauwacken kónnten demnach auch als schwarze Auarzporphyrtuffe bezeichnet 
werden. Die Trennung derselben von den Eruptivgesteinen, denen sie stellenweise 
zum Verwechseln áhnlich sind, gelingt mit Sicherheit nur dort, wo die Lagerungs- 
verháltnisse ganz deutlich sind, wo námlich die Schichtung den sedimentáren und 
die Gangbildung den eruptiven Charakter der Gesteine unzweifelhaft bezeichnet. 
Bei Lagergángen ist dann die Entscheidung schwer zu treffen. Gewóhnlich ist 
aber die Grauwacke (oder Porphyrtuff) etwas weniger frisch und enthált Spuren 


04 


von Glimmerbláttchen.  Zwischen Richenburg und Voldříš aber wird diese Grau- 
wacke theilweise schiefrig und graulichgriůn, so dass auch hier eine Ahnlichkeit 
mit der vorhin erwáhnten Grauwacke des Eisengebirges bemerkbar wird. 

Auch die guarzige Grauwacke (oder Porphyrtuff) tritt in verschiedenen 
Varietáten auf; namentlich sind sehr háufig phyllitáhnliche Grauwackenschiefer, 


- i... 


die durch allmáhlige Úbergánge mit der Grauwacke verbunden sind, in denselben © 


eingelagert. Diese Grauwackenschiefer sehen den Grauwackenschiefern der Etage 
B oder C der Umgebungen von Prag áhnlich. 

Zwischen den Schiefern und Grauwacken besteht keine schánlé Gránze, 
wie dies auf der Karte zwischen Žďárec und Voldříš angegeben ist, sondern der 
Úbergang ist ein so unmerklicher, dass diese Gránze nur als eine durchschnitt- 


lich mittlere anzusehen ist. Untergeordnet kommen in den Gesteinen der Schiefer- © 


parthie im SW Theile der Insel an den Gránzen mit Granit und Gneus verschiedene 


Contactmetamorphosen vor. 80 sind gewisse Schichten ganz einem kleinkórnigen © 


recht festen Biotitelimmerschiefer áhnlich, wie zwischen Mrakotín und Babákov; 
áhnliche Glimmerschiefer sind auch bei Stan und zwischen Vítanov und Chlum zu 
sehen, wo sie die Phyllite von Hlinsko mit denjenigen von Kreuzberg verbinden. 
Doch lásst sich, wie schon frůher angefůhrt wurde, das Alter dieser mit lenticu- 
laren Auarznestern versehenen Glimmerschiefer keineswegs sicher nachweisen, so 
das auch ihre Zugehórigkeit zum Laurentin nicht ausgeschlossen ist. 

Am Contacte mit Granit werden auch Amphibolschiefer angetroffen, so 
bei Vítanov, Stan, Unter-Babákov; doch bleibt es hier wegen mangelhafter Ent- 
blóssung unentschieden, ob diese Amphibolschiefer zum obersten Laurentin gehóren, 
oder ob sie umgewandelte cambrische Schiefer sind. Nahe an diesen Amphibolit- 
schiefern finden sich recht háufig in den Gránzschiefern auch bis 1" máchtige 
Lagerecánge von schiefrigem Felsitporphyr, wie derselbe bei Lukavic vorkommt, 
und auch von rothem Granit; deutlich sieht man dies aber nur am Eisenbahn- 
einschnitt. 

Diorite und Auarzporphyre siad ebenfalls háufige Gránzbildungen, so bei 
Plaňan, bei Babákov, Vojnoměstec und an andern Orten, doch sind die Ent- 
blóssungen ůúberall mangelhaft. 

Lángs der Gránze mit dem Granit sind die Phyllite oder stark gefáltelte 
schwarze Thonschiefer als sogenannter Fruchtschiefer entwickelt, so von Mrákotín 
an bis gegen Stan; aber auch etwas entlegener von der Gránze findet sich diese 
Gesteinsvarietát in Phylliten eingelagert, so namentlich bei Vojtěchov. 

Bei Kladné zeigen die Phyllite eine feine Fáltelung und ebenfláchige 
Schieferung und enthalten keine Auarzausscheidungen, dafůr aber fůhren sie Stau- 
rolith, so dass sie als Staurolithphyllite angefůhrt werden kónnen. Die schwarzen 
Thonschiefer bei Hlinsko aber sind Andalusit(Chiastolit)-Schiefer. Úbergánge werden 
úberall háufig angetroffen. 

Gewisse Schichten, besonders an den Gránzen, sind durch dichten sehwarz- 
grauen, mit kleineren weissen Auarzadern durchschwármten Lydit, ersetzt. Solche 
Lydite bilden lenticulare Schichten in ganzen Ziůgen, wie nahe der Gránze bei 
Dědová, wo ausser schwarzen Lyditen auch blaufleischrothe, manchem Felsit 
ahnliche Lydite vorkommen, die etwas gestreckte Glimmermembranen fůhren, so 


— 


65 


'namentlich bei Čertovina am Metkový kopec, bei Oflenda und bei Mrákotín. Die Lydite 
'bilden in Folge ihrer grósseren Festigkeit in dem Schieferterrain flache Kuppen. Auch 
„weiter von den Gránzen finden šich einzelne Schichten von Lydit vor, so bei Kladné, 
(Vojtěchov, SO von Holetín, jedoch in nur ganz untergeordneter Lagerung. 

S von Chlum (N von Kreuzberg) sind die Thonschiefer in Ottrelitschiefer 
| umgewandelt. 

Wenn Schollen von Schiefern im Granit eingeschlossen erscheinen, so sind 
| dieselben, insofern sie weit von děr Silurgránze auftreten, wie bei Stružinec, wo solche 
| grossen Schieferbrocken von grauem Granite umhůllt werden, in Amphibolit umge- 
'wandelt; nahe an der Šilurgránze aber, wie im rothen Granite W von Kreuzberg, 
(sind die zahlreichen Schieferschollen in dem Granite stark metamorphosirt und 

E n gefárbt. 

Bemerkenswerth ist es, dass in den Schiefern auch graue kleinkórnige Grau- 
Říh (vielleicht Borpiivtulřé) vorkommen, die jedoch keine scharfe Scheidung 
(zulassen, so bei Ober-Holetín. 

Bei Kladné, W im Štrassenbuge kommt in etwas gefalteten grauem Stau- 

"rolithphyllit eine '/„" máchtige Schicht von feinkórnigem Ouarzit vor. Ein áhnlicher 
 Ouarzit, als graue feste guarzige Grauwacke auf der Karte bezeichnet, findet sich 
-in grósseren Massen zwischen Kreuzberg und Vojnoměstec, stellenweise auch mit 
"grůnlichen Phylliten wechsellagernd. Diese feste guarzige Grauwacke ist in den 
"Klůften von Haematit roth gefárbt, der in derselben oft ganefórmige Nester bildet, 
und in denselben Anfiůge von Malachit und Lunit enthált. Das Vorkommen dieser 
feinkórnigen, festen,; dguarzigen Grauwacken (oder Auarzit) deutet das Alter der 
Kreuzberger Schieferzone an. Da námlich in der Etage A solche Guarzite oder 
Grauwacken nicht vorkommen, so kónnen die Schiefer-Gesteine trotz der bedeu- 
tenden Ahnlichkeit mit gewissen Schichten der cambrischen Etage A und trotz 
des auch bekannten Vorkommens von Lyditen in denselben, doch nur der Etage 
B zugetheilt werden, weil solche guarzitische Gesteine im centralbohmischen Becken 
nur in dieser Etage auftreten. 

In dem Gebiete der grauen guarzigen Grauwacken kommen ausser den 
schon vorerwáhnten Phyllit-Thonschiefern auch solche Grauwacken von feinem 
Korne vor, die an die Kostelecer Šchichten (S von Hefřmanměstec) erinnern, 
folglich auch móglicher Weise der cambrischen Etage B angehóren. Nebstdem 
sind auch feste oraue guarzige Grauwacken namentlich bei Richenburg und im 
Thale des Krounabaches, N von Richenburg neben grauen tuffigen Grauwacken 
háufig eingelagert, 

Lydit tritt hier nur selten auf; nur bei Kutřín findet er sich im Contact 
zwischen Grauwacke und Granit. 

In der Peralecer kleinen Schieferinsel ist auch ein Zug von grůnlichen 
kórnigen Grauwacken mit den Schiefern verbunden. 

Diese Merkmale deuten darauf hin, dass die Grauwackenschiefer, Thon- 
schiefer und Grauwacken, sowie die Phyllite hóchst wahrscheinlich den cambrischen 
Schichtenzonen angehóren, indem sie eine so grosse Ahnlichkeit mit den Gesteinen 
der mittelbohmischen Etage B haben, wobei jedoch keineswegs das Vorhandensein 
der Etage A und der Primordialzone C ausgeschlossen ist. 

5 


66 


jn 


Die sámmtlichen Schichten der grossen Schieferscholle stehen bei dem 
Streichen von N nach S beinahe am Kopfe, desshalb die Entscheidung, was das 
Liegende oder Hangende darstellt, schwer zu treffen ist. Es gilt freilich als Regel, 
dass gewóhnlich in einer Schichtenzone die gróberen Schichten die álteren, die 
weniger groben, also die schiefrigen, die jingeren sind. Dem zu Folge wáren die © 
Grauwacken von Skuč das vermuthliche Liegende, und die Schiefer von Hlinsko © 
das Hangende der hiesigen Schieferbildung. Allein da auch Abweichungen von © 
dieser Regel bekannt sind, indem allenfalls die mittelbohmischen Etagen A und.. 
B im Zusammenhange in den tieferen Schichten A aus Schiefern, also aus feineren © 
Gesteinen, in den hóheren Schichten B aus Grauwacken und Schiefern bestehen; 
und da es weiter nicht entschieden ist, ob in dieser Schieferinsel nur eine oder 
mehrere cambrische Etagen entwickelt sind, so ist auch der Hinweis auf die obige © 
Regel nicht maassgebend, und es bleibt also das Liegende und Hangende unsicher. 

Die Schichten streichen, wie erwáhnt, meist von N nach S und stehen 
am Kopfe; nur gegen die Gneusgránze nehmen sie ein sanfteres Verfláchen an 
und streichen an dieser Gránze selbst lángs der Contactlinie, so dass nur spátere 
Verschiebungen in den gehobenen Schichten die Richtung des Štreichens geándert 
haben konnten. | 

Wenn man das Verfláchen der mit Grauwackenschiefern und Thonschiefern 
wechsellagernden Grauwacken von Skuč ber Žďárec, Račic, Voldřetic verfolet, so 
ergiebt sich im Mittel das Verfláchen nach 7'/;" mit 809—909, und ebensoháufig 
auch das entgegensetzte Einfallen nach 19" mit 809—909. Sůdlicher von Ranná © 
neigen sich die Schichten im Mittel schon nach 3" mit 359 (2"/,"-—4* ) und sind 
vielfach gebogen oder antiklinal gewólbt, wie bei Vojtěchov an der Eisenbahn. 
Nebstdem stellt sich eine Zerklůftune ein, deren Verfláchen nach 1" mit 80“ geht. 

An solchen Orten enthalten die Schiefer zahlreiche Nester von halbdurch- 
sichtigem OAuarz, so wie armdicke Lagergánge von GAuarz mit scharfkantigen 
Schieferbruchstůcken. 

Bei Kladné, also noch náher an der Gneuseránze, von derselben nur 1", 
km. entfernt, wurde ein Verfláchen der Staurollitphylite nach 4"—5*" mit 209—329 
beobachtet. Ahnliche Verháltnisse bemerkt man auch an den festen, grauen, guar- 
zigen Grauwacken am Krounabache N von Richenburg, wo dieselben mit schwarzen, 
schiefrigen Grauwacken wechsellagern, und dadurch ihren Schichtenbau ganz deut- 
lich zeigen. Bei Dol und Lhota fallen die Schichten am linken Bachufer meist 
nach 5; —9" mit 659—909, am rechten Ufer meist nach 16*—18* mit 75. Bei 
Richenburg, westlich von der Kirche in der Schlucht haben die Schichten nahe 
am Ausbiss, also hóher im Schluchtgehánge, das Verflichen nach 21" mit 36" 
bis 389, wáhrend an der Sohle der Schlucht ihr Einfallen sich nach O wendet, 
und die Schichten also eine isokline Mulde bilden. Bei der Miihle NW von 
Kutřín in der Richenburger Schlucht, nur etwa "'„ km. von der durch Granit- 
gánge zahlreich durchsetzten Gránze, geht das Verfláchen nach 20%," mit 17", 
also der Richtung der Gesteinsgránze angepasst, obwohl noch bei Hněvětic die 
Schichten ganz saiger stehen. 

Bei Mrakotín ist das Einfallen des Glimmerschiefers nahe an der Granit- 
gránze noch nach 8" mit 809— 90“ gerichtet; bei Dolní Holetín wechselt es aber 


| 
| 


61 


„mach 9% mit 889 bis 909 oder entgegengesetzt nach 19"—20* mit eben demselben 
| steilen Winkel. Bei Stan, 2'/, Km. SW von Hlinsko, ist, ganz nahe an der Gneus- 
(gránze die Lagerung wieder so geándert, dass sich Schichtenneigungen nach 15 * 
| mit 85" zeigen. An solchen gestorten Stellen kommen auch amphibolháltige umge- 
(wandelte Schiefer vor. Bei Vítanov an der Eisenbahn wurde stellenweise das Ver- 
| fláchen nach 23" mit 439 beobachtet. 

NW von Kreuzbere haben die graulichgrůnen, phyllitáhnlichen Thonschiefer, 
Vin denen in gewissen Schichteň auch Amphibolnadeln im Gemenge erscheinen, 
(das wechselnde Verfláchen nach 10:*—14* mit 20—509, weil úberhaupt diese Silur- 
' schieferscholle durch bedeutende Zerklůftune im Grossen ganz zeřstůckt ist. Im 
' Kreuzberg selbst (N) verfiáchen die Schiefer, die hier durch "/„" máchtige aplit- 
' ahnliche Graniteángce durchsetzt werden, nach 8" mit 45"; sie befinden sich hier 
-schon ganz nahe an der Graniteránze. Dass auch in der kleinen Scholle im Granit 
| zwischen Peralec und Podměstí das Verfláchen und die Richtune desselben sich 
-sehr ándert, ist wahrscheinlich eine Folge der Guetschung derselben. Eine Be- 
| stimmung der Richtung des Einfallens ergab hier 4" mit 72. 
| In der Náhe der Granitgránze bemerkt man an manchen Orten, wo die 
| Entblóssuncen gůnstig sind, wie bei Maliny (SW Skuč), Kreuzberg und Stan, 
-dass die Schiefer von Granitgángen durchsetzt werden. Diese wenig máchtigen 
Graniteánge haben aber nicht die typische Zusammensetzune der bedeutenderen 
- Granitmassen, sondern sie sind theils aplitisch, theils etwas porphyrartig. 


g) Jůngere Gesteine auf dem Laurentin und Silur des Eisengebirges. 


Die jingeren auf dem alten laurentinischen oder silurischen Terrain des 
Eisengebirges abgelagerten Formationen nehmen nur einen sehr beschránkten Raum 
ein. Sie sind blos die noch ůúbrig gebliebenen, nicht weggeschwemmten Reste 
von Schichten, die nicht nur das Eisengebirge, sondern einen grossen Theil von 
Bóhmen bedeckt haben und wegen der schon fertig dastehenden Gestalt des Eisen- 
gebirges, besonders zur Zeit des Kreidesystems von den geneigten Fláchen des 
Gebirges leichter wieder weggeschwemmt werden konnten, als. es in dem mehr 
ebenen Flachlande der Fall war. 

Von jiůngeren Bildungen, die sich an geschůtzteren Stellen als Úber- 
deckung der álteren Gesteine erhalten haben, treten hier nur Reste des Perm- und 
Kreidesystems, so wie auch einige Alluvialbildungen auf. 


Das Permsystem. 


Dasselbe ist hier nur mit den allertiefsten Schichten des unteren Perm- 
systemes, u. zw. in seiner limnischen Ausbildung, als sogenanntes Rothliegendes, 
in der beckenartigen Vertiefung zwischen Seč und Rudov vertreten, Diese durch 
ihre ganz gůnstige und geschůtzte Lage vor gánzlicher Abschwemmune verschont 
gebliebenen Permschichten, die von dem náchsten Vorkommen gleichalteriger Ge- 
steine bei Bohmisch-Brod, Pecka, Rokytnic gleich weit, etwa 50—60 km entfernt 

B* 


68 


sind, geben Anhaltspunkte zu der Ansicht, die úbrigens. auch durch andere Be- 
obachtungen bestátigt wird, dass das Permsystem einst beinahe ganz Ostbohmen 
bedeckt haben mochte. 

Die hier beobachteten Reste der Permformation nur sind 9anz unbetráchtlich 
und auch meist von Ackererde bedeckt; doch verráth sich ihre Anwessenheit schon 
vom weiten durch die róthliche Fárbung des Bodens. Sie bestehen aus ziemlich 
consistenten, rothbraunen Arkosen, Sandsteinen und Conglomeraten, in wenig nach 
N geneigten Schichten; man trifft sie N von Seč (O von Žďárec) unterhalb der 
Wálder von Kraskov an, wo sie in einem kleinen Steinbruch gut entblósst sind. 
Diese Conglomerate sind in Betreff ihres Gesteinscharakters ganz áhnlich den 
bekannten Gesteinen dieser Formation am Fusse des Riesengebirges. Dieser per- 
mische Rest bildet nur eine kleine Parthie von 1 km Lánge und Breite; ein 
zweiter gróssere Rest unweit davon bei Počátek hat die Ausdehnung von 5 km 
und eine Breite von 2 km; der Granit und Syenit, der hier die Unterlage des 
Perms bildet, trennt zugleich beide Parthien von einander. 

Zwischen Počátky, Kraskov, Skoranov, Staré Dvory bis Rudov liegen die 
ganz flach gelagerten Permschichten theils auf rothem Granit, theils auf Gneus. 
Die Schichten sind hier bróckelig und weniger fest, und bestehen aus einem 
oroben GAuarzsandstein mit rothem thonig-elimmerigen Bindemittel, obwohl auch 
festere Conglomerate und sogar graue sandige wenig feste Schieferthone wie in 
Kraskov, wo sie mitten im Dorfe gegen S mit 15“ verfláchen zum Vorschein 
kommen. Lánes des NO Fusses der Kaňková Hora, an die sich die Permschichten 
anlehnen, findet man oberfláchlich zerstreut auch róothliche Hornstein- und Jaspis- 
knollen, die gewiss aus den zerbrockelten Permschichten herrůhren. Schon wegen 
dieser Knollen allein kónnen diese rothen Šchichten nicht als Vertreter des unteren 
Cenomanes, das manchmal auch róthlich gefárbt erscheint, indem es stellenweise 
durch Zusammenschwemmung von permischen Schichten entstand, angesehen werden ; 
úbrigens wirden dieser Annahme auch die Conglomerate widersprechen, da sie in 
der hier vorkommenden Weise nirgends in unserem Kreideterrain bekannt sind. 

Die hier vorkommenden Schichten gehóren offenbar zu der allertiefsten 
Schichtengruppe der bohmischen Permformation; ihre Máchtigkeit ist hier so gering, 
dass das an den tiefsten Stellen des Systems an sehr zahlreichen Orten ent- 
wickelte schwache Steinkohlenlager, oder statt dessen die bituminosen Schiefer 
(Brandschiefer), hier durchgehend fehlen. 


Das Kreidesystem. 


Abgesehen von dem ostlichen niedrigen Ausláufer des Eisengebirges am 
rechten Elbeufer zwischen Lžovic und Jelen, wo die Schiefer desselben von ober- 
cenomanen und unterturonen Schichten des Kreidesystems bedeckt werden, kom- 
men Schichten der rings um das Gebirge verbreiteten Kreideformation nur in 
geschůtzten Lagen des Gebirges selbst vor, dessen hóhere Parthieen zur Kreide- 
zeit vielleicht inselformig aus dem Meere hervorragten. 

Ein solcher Rest von obercenomanen Schichten (Korycaner Sch.), aus 
einém Kalksandstein mit vorherrschendem Kalkgehalte bestehend, nimmt die tiefe- 


69 


 ren Lagen O von Vinařic an rechtem Ufer der Elbe ein, und zieht sich von da 
| als ein nicht breiter Streifen auf die Lánge von 2 km: Die sandigen Kalksteine 
© enthalten stellenweise die fůr die obercenomane Stufe charakteristischen Versteine- 
, rungen, treten aber selten zu Tage, da sie meist unter Moorerde in Bodendepres- 
- sion verdeckt sind. Die Máchtigkeit derselben ist nur gering; die Lagerung der 
 Schichtenplatten ist horizontal. Nahe NO von Bernardov ist ein einziger Rest 


von obercenomanen meist zerfallenen Sandsteinen erhalten. 


In der Semtěšer Schlucht zwischen Semtěš und Vápenka trifft man einen 
kleinen Rest von Sandstein mit eisenschůssigem Bindemittel an; es ist měglich, 
dass derselbe einen Rest von untercenomanen Schichten darstellt; aber auch das 
ist móglich, dass er zu den losen Sanden gehórt, wie sie auf dem Eisengebirge 
hier háufig vorkommen und dass er erst spáter durch den aus der Zersetzung des 
| Alaunschiefers der Etage A entstehenden Limonit verkittet wurde. Es ist jedoch 
| das Vorkommen gar zu geringfůgig. 

Erst ziemlich weit gegen Osten u. zw. zwischen Libáň und Radochlín 
-sowie S von Malé Lukavice W von Žumberg (im Walde v Dubinách, pod Víš- 
"kama bei der Libáňer Ságe gut entblósst) trifft man schwache Decken von losen 
- feineren bis groben Sanden an, u. zw. auf einem mit Teichen bedeckten Plateau. 


ju weissen und gelben Sande werden von graulichweissen thonartigen Schichten, 


£ unmittelbar auf Granit ruhen, unterlagert. Sowohl die Thone als auch die 
- Bande, deren Gesammtmáchtigkeit eine ganz unbedeutende ist, stellen einen Rest 

der tiefsten Lagen von untercenomanen Schichten (Perucer Sch.) vor, die mit den 
 mur 2—3 km entlegenen analogen Schichten von Lukavic und Smrček einst im 
Zusammenhange waren. 


Ebensolche weisse Sand- und Schottermassen, meist aus Auarzgeróllen 
bestehend, im Liegenden aber aus weissen thonigen Schichten (das ist aus auf- 
gelósten sandigen Schieferthonen) zusammengesetzt, breiten sich flach auf den stark 
umgewandelten Grauwackenschiefern und schiefrigen Grauwacken der Schieferinsel 
von Hlinsko u. zw. am flachen Westgehánge bei Voldřetic aus. Sie sind gleich- 
falls zerfallene Reste des unteren Cenomanes, von dessen intactem Complexe bei 
Skutičko sie nur 3 Kilom. entfernt sind. Die durch die Eisenbahn entblóssten 

„Schichten, aus vorherrschenden weissen Geróllen von Auarz und auch aus dunklem 

 Lydit, sowie aus weissen, groben Sandlagen bestehend, die in einem weissen tho- 
migen Bindemittel stecken, stellen eher Schotter und Sandbánke als Schickten 
von Sandstein und Conglomerat vor, sind aber durch Lockerung aus denselben 
entstanden. Die Máchtigkeit dieser Schichten betrágt mehr als 3—4", auch důrfte 
im Liegenden weisser Thon verborgen sein. 


Eine sehr bedeutende Lánge von 6 km bei der Breite von nur 1 km 
besitzt der Rest der allertiefsten zerbróckelten untercenomanen Schichten, an der 
bohmisch-máhrischen Gránze, wo sie eine flache Vertiefung ausfůllen. W vom 
Byratka sind die allertiefsten Schieferthone der untercenomanen Schichten zu 
graulich weissem sandigen Thon zerfallen, und werden von einer ganz unbedeuten- 
den Decke von weissem Ouarzsand bedeckt, auf der sich dann Torf von ';" 
Máchtickeit ausbreitet. 


10 


In der Niederung am Svratkabache werden die Thone als guter Modellir- 


und Těpferthon benůtzt; die Máchtiskeit důrfte nach der Tiefe der Gruben zu. 


schliessen etwa 6" betragen. Gegen Krejcar und Kameničky zu steigt die Terrain- 
Depression etwas an und man findet daselbst nur lose Auarzschottermassen mit 
untergelagerten, weissen thonigcen Schichten, die aber nirgends deutlich entblósst 
sind. Dieser Rest von ganz gelockerten und zerfallenen untercenomanen Schichten 
zwischen Kameniček und Svratka ist von den náchst gelegenen zusammenhángen- 
den Gebilden der Kreideformation bei Vojnoměstec 7 km entfernt. 

Ganz kleine Reste von untercenomanen Sandsteinen und mit Limonit ver- 
kitteten Conglomeraten finden sich bei Čertovina unweit Hlinsko; Limonite aus 
ebendenselben tiefsten Schichten bei Voldříš (NW von Krouna). Diese gering- 
fůgigen Reste sind auf der Karte nicht dargestelit. 


Diluvium und Alluvium. 


Auf dem Ausláufer des Bisengebirges am rechten Elbeufer, sowie N von 
Elbeteinic, sind auf den Hohenfláchen Auarzkiese und Schotter verbreitet, die 
offenbar aus zerfallenen, zusammengeschwemmten cenomanen Sandsteinen, sowie 
aus Sanden bestehen, welche die Elbe aus den zerbróckelten Schichten des Perms 
des Riesengebirges zugeschwemmt hat. Diese Sande und Schotter sind eine alluviale 
Bildung, und gelansten in ihre jetzige Lage durch die ehedem bei Elbe-Teinic 
aufgestaute Elbe, bevor dieselbe ihr jetziges tieferes Flussbett in den Schiefern 
ausgewaschen hat. Man kónnte diese Alluvionen allenfalls auch als álteres AL- 
luvium bezeichnen, zum Unterschiede von dem im jetzigen Inundationsgebiete 
verbreiteten jiingeren Alluvium, das nach Durchwaschung der Felsenwehr von 
Elbe-Teinic sich in einer tieferen Lage absetzt. Dass áltere, auf der Plateau- 
terasse verbreitete Alluvien nicht an Ort und Štelle liegen gebliebene zerfallene 
cenomane Schichten, sondern angeschwemmte Sande und Schotter sind, wird da- 
durch bewiesen, dass sie auf turonen Plánern liegen und dass sie Bruchstůcke 
von eben denselben Plánern enthalten. 

Im Elbe-Alluvium finden sich auch Bruchstůcke von Psaronien; ein Hin- 
weis auf die Entstehung des Flusssandes und Schotters aus permischen Schichten. 
Auf dem Plateau des Eisengebirges zwischen Morašic, Krasnic und bei Litošic, 
dann bei Vedralka und WW von Vápenka finden sich lose weisse oder bráunliche 
Anháufungen von sehr feinem Guarzsand. Stellenweise, besonders gut sichtbar 
NW von Vápenka, bilden diese Sande langgezogene Wálle von meist 4 Metern 
Hohe. Es sind das ebenfalls Alluvien, nur ist deren Abstammung nicht immer 
sicher. Dort, wo sie sich in flachen Niederungen in der Náhe von Teichen finden, 


důrften sie den Boden von Wasseransammlungen darstellen, in welche sie als © 
Abschwemmung der letzten Reste der Kreideschichten vom Plateau des Eisen- © 


cebirges gelansten. Es ist jedoch auch měglich, dass diese feinen Sande als Flug- 


sand durch Wind vielleicht aus der Elbeniederung, wo cenomane zu Sand zerfallene 


Schichten vorkommen, heraufgeweht worden sind. 
Andere Alluvialbildungen im Eisengebirge finden sich im Gebiete von noch 
bestehenden Teichen. 


M le E 4. M m dě 2" 


11 


Lehm ist im Eisencebirge selten. Er kommt theils an Stellen vor, wo noch 
© Reste von Kreideschichten nachweisbar sind, als deren letztes Product der Auflósung 
-er hinterblieb, wie bei Voldřetic (SW von Skuč), bei Dolívka und NO von Hlinsko, 
wo bei Čertovina noch ganz unbedeutende Spuren von untercenomanen Sandsteinen 
 yorkommen, oder er findet sich als Gehánglehm an aus Granit oder Gneus be- 
| štehenden Bergen. 
| Einen solchen aus der Verwitterung dieser Gesteine entstandenen und 
E scnwemintén Lehm sieht man allenfalls bei Rudov, am rechten Ohebkaufer 
| bei Bojanov, bei Ober-Bradlo, Trhová Kamenice und Krouna; im Ganzen aber 
Cist der Lehm im Eisengebirge recht selten, weil eben Schichten des Kreidesy- 
„stems fehlen. 

vá In feuchten Thalniederungen trifft man auch Torf an, so W von Elbe-Teinic, 
-bei Březinka (SO von Podhořan), S von Dolan (SOS von Heřmanměstec), O von 
| Citkov, W von Mladonovic, zwischen Hrbokov und Deutsch-Lhotic, bei der Zlatník- 
| pe, zwischen Slatiňan und Chrudím. 

Ebenso sind die feuchten Thalschluchten im Gebiete der Thonschiefer dg, 

Fčiche mit Pyrit impraegnirt sind, so in den Schluchten des Geheges „Kočičí 
Ocas“ oder „pod kočkou“, SSO von Heřmanměstec durch Limonitfárbungen auf- 


 fillie und es tritt hie und da auch Rasenerz auf, namentlich im vermoorten Boden. 

Sehr bedeutend sind die Alluvionen, die aus durch Lehm verbundenen 

( Blsken bestehen, im Gebiete zwischen Chlum und Stan (SSW Hlinsko) verbreitet. 

© Erwáhnenswerth sind noch die Geróllmassen des Báchleins, welches den linksseitigen 
Zufluss des Okrouhlicer Baches bildet und der bei Svídnic in die Ohebka miindet. 
Unter Petříkov bei Pohořalka sind diese Schottermassen durch alte Šeifen auf- 
gewůhlt; der Zweck der Seifen ist unbekannt. 


9. Das Kreideflachland NO vom Eisengebirge. 


Den NO allmáhlich sich verflachenden Fuss des Eisengebirges beoránzt 
das Kreideflachland des Chrudímer und Kónigorátzer Kreises, welches nur ganz 
sanfte Wellenhůgel oder auch ebene Stufen bildet, wie dies der horizontalen 
© Schichtung entspricht. 

% Von Krakovan angefangen bis Trnavka lehnen sich an das alte Eisen- 
gebirge meist nur die Alluvionen der Elbe an, so dass aus ihnen nur an erhóhten 

3 Stellen der turone Pláner in flachen E unu hervorragt, wie dies bei Krakovan 
der Fall ist. Am linken Elbeufer aber umsáumt von Kojic an bis Jankovic ober- 
Ccenomaner Auadersandstein (Korycaner Stufe) den Fuss des Gebirges; zuerst bei 
Kojic als enger Streifen, dann zwischen Jankovic bei Lhota Přeloučská als ziemlich 
breite Fláche. N von den flach liegenden Ouaderschichten, die leicht zerbrockeln 
und demnach mit losem feinen Sande bedeckt sind. breiten sich nur Elbe- 
alluvien aus. 

Solche obercenomane Ouadersandsteine drincen theils als wirkliche Schichten, 
theils schon zu feinem Sand zerfallen, in die Thalbuchten des Eisengebirges ein, 50 
bei Zdechovic und Morašic. Innerhalb der Ouader kommen auch kalkig sandice 


12 


Schichten, meist als Uferbildungen, mit zahlreichen Versteinerungen zum Vor- 
schein. Solche Ufergebilde des Korycaner Kalkes dringen in Form von Zungen in 
das Terrain der álteren Gesteine ein, wie bei Telčic, wo sie schwach gegen N 
geneigt sind. ; 

In der meist mit feinem Sand bedeckten Ebene, unter der die Korycaner 
Ouader liegen, zeigen sich zwischen Zdechovic und Lhota Přeloučská flache, aus 
álteren Gesteinen des Eisengebirges bestehende Hůgel, und in deren Náhe Reste 
von turonen Plánern, wie zwischen Chvaletic und Zdechovic, so wie bei Spitovic. 

Von Jankovic bis Tupes bilden nur turone Pláner die Begránzung des 
Eisengebirges, indem der obercenomane Guader unter denselben sich verbiret. 
Nur bei Podvrd zeiot sich derselbe zwischen den Schichten der Zone B und dem 
Pláner. — 

Von Tupes bis Raškovic sind zwar ebenfalls turone Pláner úberall an der 
Gránze vorhanden, sie treten aber nur in den erhóohten Terrainstufen frei zu 
Tage, sonst sind sie aber mit máchtigen Lehmdecken bedeckt. Auch in den 
Buchten findet man noch Reste von Plánerschichten, wie in der Thalschlucht 
zwischen Chrtník und Švojšic. 

Von Raškovic an drinet die Kre'deformation tiefer in das Eisengebirge 
ein, indem sie úber Stojic, Vlastějov, Vyžic, Kostelec, Nové dvory bei Heřman- 
městec einer weite Thalbucht einnimmt, aus der nur in Thalschluchten, wie bei 
Vlastéjov und Kostelec oder an den Gipfeln der Erhohungen áltere Gesteine ent- 
blósst erscheinen. 

Hier sind auch zwischen den Korycaner Auadern und den Schiefern des 
Eisengebirges die untercenomanen Perucer Schichten eingeschaltet. Nahe der 
Gránze mit den Korycaner Sandstejinen zwischen Vlastějov und Kostelec sind die 
Perucer Schichten in ihrem Hangenden sandsteinartig, im Liegenden aber durch 
Zerfallen der graulichen Schieferthone thonig lettig, und von losen Sanden, Kies 
oder Schotter als dem Rest von aufgelósten Sandsteinbánken bedeckt. Diese lie- 
gendste Parthie zwischen Vyžic und Kostelec (S Heřmanměstec) enthált Knollen, 
Nester und platte důnne Lagen von Limonit oder mit Limonit verbundene Sande, 
und aus derselben wird durch Graben bis 6" tiefer grubenartigen Vertiefungen 
das Erz fůr den Hedwigsthaler Hochofen zeitweilig noch gewonnen, namentlich 
anf dem Riede „na jezerkách“. 

Úberhaupt ist bei Kostelec der Ausbiss der tiefsten Lagé der Perucer 
Schichten, welche oft auch róthlich gefárbt sind, durch herumliegende kleine Fund- 
stůcke von Limonit angedeutet. 

Die flach gelagerten obercenomanen Sandsteine von nicht bedeutender 
Haltbarkeit enthalten als gleichzeitice Bildungen kalkige Sandsteinschichten (Ko- 
rycaner Kalk) mit zahlreichen Versteinerungen. Die Lagerung der Schichten ist 
eine beinahe ganz flache, nur wenig nach N geneigte, und bei Heřmanměstec in 
einer bedeutenden Breite entwickelt. Erst W davon beginnen die turonen Pláner- 
schichten und bilden eine zusammenhangende Decke der cenomanen Sandsteine. 

Merkwůrdig ist bei Nové dvory (O von Heřmanměstec) eine Stelle, welche 
das gewesene Ufer des Kreidemeeres genau andeutet. Man sieht hier námlich Klippen 
einer festen guarzigen Grauwacke, um welche herum weisse, kalkige, etwas porós 


13 


luckige, mit fingerdicken Lagen weissen erdigen Kalkes durchsetzte Sandsteine der 
» Korycaner Stufe horizontal abgelagert sind. Die Klippen, sowie einzelne, zerstreute 
- grosse Grauwackenblócke sind an den Kanten abgerundet und die Blócke ellyp- 
I soidal abgeschliffen, gerade so wie an sandigen Kůsten, wo kleine Klippen von 
|- der Brandung der Wellen benagt und abgerundet werden. Ahnliche, jedoch nicht 
so deutliche Uferbildungen finden sich auch bei Tupes und Spitovic. 

Von Chotěnic bis zur Dolanmůhle und bei Holíčky herum bis Janovic 
nehmen die Korycaner sandigen Kalksteine eine ziemlich grosse Bucht ein, haben 
aber entweder keine oder nur eine unbedeutende Unterlage von Perucer Schichten. 
(In den krystallinischen, weissen sandigen Kalken kommen hier háuůg Cidarisstacheln 
Ť vor. An der Gránze mit den altsilurischen Gesteinen sind die Korycaner Kalk- 
- steinschichten ziemliche geneigt gelagert, so bei der Bačala-Můhle nach 8* mit 
269, nehmen aber in der Tiefe bald eine flache Lagerung an. 

Zwischen Janovic bis Sobětuchy bildet der Korycaner Auader eine breite 
Zone im Eisengebirge; bei Skupic wird er durch sandigen Kalkstein ersetzt; meist 
tritt er aber als zerfallener Sand (wie bei Lhotka) auf und trágt theilweise auch 
Pláner im Hangenden. 

Um die Hůra herum bis Slatiňan und bei Škrovád sind nur Lehme als 


© Beckung der Kreideformation angetroffen. In dem Thale der Ohebka bei Škrovád 


- aber sind an der Basis der Formation wieder Perucer Ouadersandsteine entblósst 
i und durch grosse Šteinbrůche aufgeschlossen.  Darůber bilden wieder Korycaner 
Ouader die Decke, und breiten sich von Kuchanovic bis Gross-Lukavic aus; NO 
von Kuchanovic treten dazwischen auch sandige Kalksteine auf, die hier wegen 
Mangel an anderen Kalken zeitweilig gebrannt werden. 

Weiter óstlich von Lukavic angefangen lassen sich an der Gránze der 
zum Eisengebirge gehorigen alten Gesteine in einem ununterbrochenen Zuge bis 
Proseč, bis zu den Gránzen unserer Karte die untercenomanen Schichten ver- 
folgen. Dieselben bilden einen Zug von Lukavic úber Bitovánky, Studená Voda, 
W Smrček, W Hlína, Kostelec, Skutičko, N Skuč ist das Thal von Richenburg- 
Luže, wo dieselben im linken Ufer bis Doly gehen, dann aber im rechteu Ufer 
- úber Zhoř, Hněvětic, Kutřín, Peralec, Zderaz, Bor bei Proseč O sich weiter 
- fortsetzen. 

Bei Bitovánky und Studená Voda bestehen diese Schichten nur aus zu 
Schotter zerfallenen Bánken, zwischen Smrček (W) und Hlína (S) aber lagern sie 
- ach und sind nur als die tiefsten thonigen Schichten in der mit Teichen bedeckten 


-— Ebene vorhanden. 


O von Hlína angefangen am Fusse der hier deutlich als eine Terrainterasse 
auftretenden Schichten der Kreideformation kommen am Fusse derselben u. zw. zu 
allertiefst rothbraune thonige Sandsteine (oder mergelige sandige Schiefer), so wie 
rothe (eisenschůssice) Sandsteine zum Vorschein. Diese tiefsten rothen Schichten 
ziehen sich, indem sie auf Granit aufruhen, am Fusse der erwáhnten Terasse úber 
Kostelec bis gegen Skutičko. Die tiefsten rothen untercenomanen Schichten stellen 
sich wegen den reichlichen Impraegnationen und auch wegen den ausgeschiedenen 
Nestern von Limonit als eine eisenerzfůhrende Schichte dar. Es ist nicht unměglich, 
dass abgeschwemmte permische Schichten, welche einst vor der Bedeckune des 


14 


Landes durch das Kreidemeer so sehr verbreitet waren, wenigstens theilweise diese 
rothen Fárbungen der Schichten bedingt haben. 

Erst. oberhalb dieser rothen Schichten folgen sandice graulichweisse Schie- 
ferthone mit eingelagerten dunkelgrauen Schieferthonen, die schwarze Braunkohlen- 
schmitze und Kohlennester fůhren, worauf erst die lichten, festeren, sogenannten 
Perucer (untercenomanen) Ouadersandsteine folgen. Die Máchtigkeit der einzelnen 
Abtheilungen ist wechselnd; meist fehlen die tiefsten rothen Schichten. Hier bei 
Kostelec wurde 10—20" als Máchtigkeit der Zone bestimmt. 

Der áusserste Rand der Kreideformation besteht aus zerfallenen Sandsteinen 
oder zu Thon aufgelósten Schieferthonen; weshalb dieselben am Fusse der Terasse 
von Kostelec bis Richenburg die bedeutende Breite von 1 Kilom. und darůber ein- 
nehmen. Bei Skutičko, wo die Perucer Schichten zu Tage ausgehen, dann bei Št. 
Anna in dem Roubovicer Thálchen (hier jedoch unter Plinerůberlagerung), wurde 
allerdings ohne Erfolg auf Kohle geschůrft, die hier in Nestern als eine schóne 
schwarze Braunkohle vorkommt und von bráunlich hyacinthrothem Šuccinit in 
bis kindskopfgrossen Knollen begleitet wird. 

In der Schlucht von Richenbure-Luže sind am Krounabache bei Doly, die 
bis 6" máchtigen Perucer Schichten sehr gut entblósst. Sie ruhen hier auf Grau- 
wacken, verfláchen sanft gegen N und bestehen aus sandigen, lichterauen Schiefer- 
thonen und aus nur wenigen Sandsteinen mit dunkelcefárbten Schieferthonschichten, 
welche die Vertreter der kohlenfůhrenden Schicht sind. 

Erst bei Peralec werden die Perucer Schichten máchtiger, indem die 
hangenden Auadersandsteine ansehnlich anwachsen. Auch hier sind die aller- 
tiefsten Schichten róthlich gefárbt wie bei Kostelec, jedoch nicht so verbreitet. 
Die liegenden sandigen Schieferthone enthalten auch hier bis fingerdicke Pláttchen 
von Limonit sowie Nester von schwarzer Braunkohle, in gewissen Lagen auch 
Krystalgruppen von Markasit. 

Im weiteren Verlaufe des Streichens gegen O erweitern sich die máchtigeren 
untercenomanen Auader bei Bor bedeutend und erlangen daselbst ihre máchtigste 
Entwickelung im Gebiete des ganzen Eisengebirges. 

Die hoheren obercenomanen (Korycaner), úber der Perucer Zone gelagerten 
Schichten, treten in dem seichten Thálchen von Bitovan deutlich zu Tage. Sie sind 
hier theils merglig, sandig, theils rein merelig oder sandsteinartig, durchgehends 
aber reich an Glaukonitkórnern. Der Zug der grůnlichgrauen feinkórnigen Sand- 
steine folgt der schwachen Neigune bei Studená Voda ber Smrček, Hlína in das 
Kostelecer Thal. Bei Smrček und Hlína sind reichliche Versteinerungen zu finden 
so namentlich: Ostrea carinata, Cardinm Hillanum, Exogyra columba, Ammonites 
cenomanensis, Cidarisstacheln u. s. w. Von Kostelec an úber Skutičko, Štěpánov, 
Zbožnov, Lhota, Doly, Brda, Zhoř, Hněvětic, Peralec, Zderaz ist der Korycaner 
Ouader nur in dem Gehánge der Terrainterasse anstehend zu finden. Bis Zhoř ist 
seine Máchtigkeit entweder eine gróssere, oder mindestens eine gleiche mit dem 
darunter liegenden Perucer Auadern; zwischen Peralec und Bor werden die unteren 
Ouader aber bedeutend máchtiger.  Zwischen Lukavic bis Hlína, von wo sich ein 
almáhliges Ansteigen der turonen Pláner úber den cenomanen Sandsteinen zeigt, 
bildet das Kreideplateau den Fuss des Eisengebirges oder bleibt doch annáhernd 


15 


-jm gleicher Hóhe mit demselben. Von Kostelec an bis Bor aber bilden die Pláner 
I eine hohe Terrainterasse, die ber die Granite und die silurische Schieferinsel 
- bei Skuč bedeutend sich erhebt und weithin sichtbar ist. Diese Plánerhochfláche 
L. wird von der malerischen Thalschlucht von Kostelec bis Chacholic, in deren Sohle 
Diorite erscheinen, dann von dem Thálchen von Roubovic und von der Schlucht 
des Krounabaches N von Richenbure durchschniten, in welcher letzteren an der 
Bachsohle Grauwacken zu Tage. treten. 

An tiefer gelegenen Orten entspringen aus den Perucer Schichten zahlreiche 
Ouellen ; allein auch gewisse Schichten des Pláners, namentlich die tieferen sammeln 
JA das Wasser an, wie bei Podlažic und bei dem Bade St. Anna N von Skuč. 
| Am rechten Ufer des Krounabaches zwischen Luže und Košumberk wird 

"der Pláner von Basalt durchbrochen, und zwar in zwei Hůgeln, auf deren einem 
die Kirche von Chloumek und auf dem anderen die Burgruine Košumberg steht. 
(Der an Olivin reiche Basalt ist stellenweise in Wacke umgeándert, und im frischen 
— Zustande ein Nephelinbasalt. '9) 

| Im Gebiete der Kreideebene finden sich háufig auf kalkigen Korycaner 
- Schichten, wo dieselben niedrig liegen, schwarze Moorerden, als Andeutung von 
© frůheren Versumpfungen, wie zwischen Jankovic und Mokošín (SW von Přelouč). 
Dieselbe torfige Moorerde breitet sich bei Lodenic (S von Přelouč) auch auf die 
tieferen Plánerschichten aus, die immer weicher und bedeutend mergeliger aus- 
-© gebildet sind, als die oberen Plánerschichten. 

Sonst sind als oberfláchliche Ablagerungen besonderes Lehme háufig, die 
meist aus der Zersetzung von Pláner entstanden sind (Elluvium). Dieselben ver- 
decken den Pláner oft gánzlich, so dass er nur an den Rándern oder in hóheren 

- Stufen der Terrainterassen sichtbar wird. Einzelne Lehmlager zeigen sich bei 
Brloh; eine grosse Fláche nehmen sie aber zwischen Poběžovic bis Jenikovic in 
der Umgebung von Choltic ein, wo aus denselben nur flachere Plánerhůgel sich 
erheben. 

Diese Lehmdecke dringt auch bei Stojic und Ledec in die flache Bucht 

- des Eisengebirges ein, da wo die Schichten der Kreideformation abgelagert sind, 

- oder es frůher waren, so dass der Lehm hier die letzten Spuren derselben an- 

| deuten měchte. 

| Eine bedeutende Lehmfláche dehnt sich zwischen Nové Dvory (O von 

- Heřmanměstec) bis zum linken Ohebkaufer (Chrudimka) bei Chrudim aus, aus der 

nur die ganz flachen Terrainwellen des Pláners bei Rozhovic, Markovic frei von 

- Lehmbedeckung sich erheben. Die Plánerterasse des rechten Ohebkaufers, an der 

ein Theil der Stadt Chrudim liegt, ist im Gegensatze zu dem tieferen linken Ufer 
lehmlos. Nur einzelne oder bedeutende Lehminseln bedecken die ausgedehnte Pláner- 
láche bei Zaječic, Chrast, Podlažic. *») 

Gegen die Elbe zu werden die Pláner der turonen Stufe zuerst von dilu- 
© vialem Kieslager von wenigen Metern Máchtigkeit oder vom Lehm bedeckt. Wo 
beide Úberlagerungen zum Vorschein kommen, bildet der Kies oder Schotter die 
tiefere Bank. 


W- 


ko 


4. Das ausserhalb des Eisengebirges liegende Terrain des Kreide- 
systems, auf den Bláttern Elbe-Teinic-Kóniggrátz und Hohenmauth- 
Leitomyšl. 


Die turonen Pláner sind nur in der Náhe des Eisengebirges u. zw. als 
unterste Turonstufe entwickelt; sie entsprechen etwa dem festen Baupláner vom 
Weissen Berge bei Prag. Diese unterste Stufe des Turons reicht jedoch nur an 
wenigen Stellen iiber das rechte Elbeufer hinůber, wo sie úbrigens von Alluvien 
bedeckt wird. Am weitesten gegen Norden gerůckt sind auf den bezeichneten 
Generalstabskarten diese unteren Pláner bei Elbe-Teinic und bei Přelouč. 

Die mittleren turonen Pláner, die sonst als sogenannte Isersandsteine oder. 
als festere kalkigere Pláner entwickelt erscheinen, treten hier, námlich am Grad- 
kartenblatte Zone 5, Colonne XIII durchwees nur als Pláner, jedoch von etwas 
mehr brockliger und desshalb leichter erweichender Beschaffenheit auf. Aus dieser 
Ursache ist die Gránze sowohl gegen die untere Abtheilung des Turons (Baupláner 
vom Weissen Berge) als auch gegen das Oberturon weniger deutlich. Die Gránze 
der einzelnen Turonstufen gegen einander wird nebstdem auch noch durch die 
ausgebreiteten Alluvialbildungen der Elbeniederung verwischt. 

Annáhernd geht die Gránze zwischen dem Mittelturon und dem Unterturon 
etwa úber Božec (N Elbe-Teinic) in gerader Richtung unter dem Elbealluvium N 
bei Přelouč vorbei, úber Popkovic, Dražkovic (S bei Pardubic) in der Richtung 
gegen Chrudim, wo die tieferen Lagen des Pláners am linken Ohebka (Chrudimka)- 
Ufer dem unteren, die hóheren Lagen des Plateaus des rechten Ohebkaufers dem 
mittleren Turon angehóren. 

Auch das obere Turon (oder die Teplicer Schichten) lásst sich hier petro- 
graphisch von dem mittleren Turon nicht unterscheiden; es nimmt den nordlichen 
Theil des PBlattes Kóniográtz-Elbe-Teinic-Pardubic ein. 

Der Verlauf der Gránze zwischen dem Oberturon und dem Mittelturon 
geht etwa vom Žehuňer Teiche angefangen entlang des Cidlinabaches úber Ziželic, 
Chlumec, Nové Město, Klamoš, Vápno, Bělá, Práv, Dobřenic, Vosic und von da 
in gerader Richtung etwa unter dem Elbealluvium gegen Vysoká (S von Kónig- 
grátz). Alles nordlich von dieser Linie gelegene Plánergebiet wáre als oberturonisch, 
alles sůdwárts davon aber als mittelturonisch anzunehmen, wenn auch die Gránz- 
angabe hier nur einen approximativen Werth hat. 

Die von Alluvialsand SO von Pardubic bedeckte, niedrige Plánerfiáche 
des Mittelturons, welche am Chrudimkaufer bei Pardubiček und Drožic am einer 
wallartigen Terasse entblósst ist, wird von einem mehre Meter máchtigen Gang 
von Nephelinbasalt durchsetzt. 

Der Basaltgang streicht SSO u. zw. von Hůrka bei Spojil vorbei in der 
Richtung gegen Černá, wo derselbe aber dann plótzlich nach W sich wendet. 
Offenbar ist dieser Gang ein Ausláufer von der Basaltmasse des Kuněticer Berges. 

Der Kuněticer Berg, der in der N Fortsetzung dieses eben erwáhnten Ba- 
saltganges am rechten Elbeufer sich erhebt, und unregelmássige Schollen des mitt- 
leren Pláners in sich einschliesst, wird nur von einem engen Ring des mittelturonen 


dí 


| Pláners umgeben, in so weit sich derselbe unmittelbar am Fusse des Berges úber 
j „die Alluvial oder Diluvialsande der Elbeniederung erhebt. 


M Die grob-pfeilerfórmig abgesonderte Basaltmasse der Kunětická Hora fiůhrt 
: in den Blasenráumen Drusen von deutlichen Natrolithkrystallen und von Calcit, 
© stellenweise ist sie auch etwas amygdaloidisch. Sowohl der aniiegende Pláner, als 
| auch derjenige, den der Basalt in Schollen einschliesst, ist in eine harte, klingende, 
. graue, wie verkieselt aussehende. Masse von ziemlich scharfkantigem Bruche um- 
© gewandelt. — 

| Beinahe das gesammte flache Terrain des Blattes Zone 5 Colonne XIII, 
- welche das rechte Elbeufer umfasst, besteht aus ebenen hůgeligen Terassen von 
© mittel- und oberturonem mergligem Pláner, deren Scheitelláchen meist von Dillu- 
| vium (Schotter) oder Lehm bedeckt sind, wáhrend an den ausgewaschenen Gehángen 
© der Terassen sich die Alluvien der Elbe, sowie ihrer Zuflůsse, oder der durch Ver- 
| witterung des Pláners entstandene und abgeschwemmte Lehm, anlagern. 


| Bedeutendere Entblóssungen des Pláners kommen S von Koniggrátz in 

- der Umgebung von Roudnička, O und S von Nechanic bei Přim und Bohárna, in 
der Umgebung von Neu-Bydžov bei Mlikosrb (S von Neu-Bydžov), NO von Chlumec 

-und bei Žiželic, N bei Elbe-Teinic, dann in der Umgebung von Vápno (SO Chlumec) 

vor. Kleinere Plánerterassen sind an ihren Gehángen etwas háufiger entblósst. 

Í- Die mittel- und oberturonen Pláner sind an den Plateaus meist von einer 
bis mehrere Meter máchtigen Lage von Auarzkies oder Schotter bedeckt, die als 
álteres Alluvium oder Diluvium aufzufassen ist. © 


Das Material des Auarzschotters, welches die Oberfláche des Pláners be- 
deckt, stammt vom Riesengebirge her, und zwar grósstentheils aus den zer- 
brockelten, guarzreichen Schichten des unteren Permsystems, worauf die hie und 

- da vorkommenden Araucaritesstrůnke (wie bei Lhota Uhlířská NNO von Elbe- 
Teinic) hindeuten. . 
Es finden sich zwar ebensolche Schotter auch in der alluvialen Ebene, 
- allein dieselben sind dann von der ursprůnelichen Lagerstátte herabgeschwemmte 
-© Schotter-Parthieen. Nicht selten sind solche Schotterlager durch die jetzt flies- 
- senden Gewásser in groben Kies und feineren Sand gesondert, so dass sich ein 
- grobes und feineres Alluvium unterscheiden lásst. 


: Úber den Schottern folet auf dem Kreideplateau, aber auch manchmal 

© unmittelbar auf dem Pláner, der Lehm. Doch finden sich Lehme eben so in tieferen 
-© Lagen als auch am Plánerplateau, wie dies bei den ziemlich bedeutenden Lehm- 

© lagen des rechten Elbeufers zwischen Kónigerátz und Bohdaneč der Fall ist; 
solche Lehmablagerungen sind tiefer herabgeschwemmte Lehmbánke, welche p 
das Plateau bedeckten. 

Auch hier sind, wie am rechten Elbeufer zwischen Konigerátz und Boh- 
daneč, dann am linken Ufer der Cidlina, die Lehme die Grundbedingung der 
Fruchtbarkeit dieser Gegend, in der namentlich der Anbau der Zuckerrůbe schwung- 
haft betrieben wird. 

Die jingsten Alluvien der Elbe sind theils grobe, theils feine Sande, die 
ihren Ursprung den álteren Alluvien des Plánerplateaus verdanken, aber in Bezug 


78 


auf Fruchtbarkeit weit zurůckstehen. Důrftige Kieferbestánde bezeichnen háufie 
den etwas sterilen Character dieser Fláchen. 

In versumpften Gebieten der Elbe werden auch Torflager angetrofften, wie 
zwischen Březhrad und Libišan, an welchem letzteren Orte der Torf gestochen wird. 

Das Gebiet des Gradkartenblattes Zone 6 Colonne XIV Hohenmauth und 
Leitomyšl wird nur in seinem SW Viertel mit silurischen Gebilden ausgefůllt, 
indem die nordliche Hálíte und das SO Viertel desselben dem Gebiete des Kreide- 
systems angehórt. Die auf diesem Blattgebiete verháltnissmássig weit ausgebrei- 
teten Schichten des Kreidesystems stehen aber mit dem Eisengebirge in gar 
keinem Zusammenhange, und nur die Vollstándigkeit der Beschreibung des bei- 
gelegten Kartengebietes erfordert es, dass die geologische Beschaffenheit dieses 
Gebietes hier im Kurzen dargestellt werde. 

Die Gránze der Kreideformation, welche vordem schon bis Peralec und 
Zderaz angegeben wurde, lásst sich von da S von Bor, O von Proseč nahe an der 
Glashůtte Marienthal úber Budislav, Pořič, W von Zrnětín úber das W Ende 
des langgezogenen Dorfes Lubna gegen Široký Důl (Breitenthal) verfolgen; doch 
liegt das letztere Dorf schon ausserhalb des Rahmens der Karte. Von Pořič bis 
gegen Široký Důl ist die Gránze zwischen grauem Granit und dem Kreidesystem 
orographisch durch eine enge Thalschlucht scharf angedeutet, indem ein Gehánge 
derselben, námlich das ostliche aus Ouadersandstein, und das andere, námlich das 
westliche, aus Granit besteht. 

Lánges der hier angegebenen Gránze treten untercenomanen Auadersand- 
steine auf, und zwar in ihrer gróssten Entblóssung zwischen Zderaz und Budislav. 
Die durchwegs mit Fóhrenwald bewachsenen lichten Ouadersandsteine erscheinen 
hier stellenweise als ruinenartige Gesteinsanháufungen; sie ziehen sich dann in 
dem Thale des Neuschlosser Baches ber Vranic und Roudná bachabwárts bis 
gegen Doubravic in das Richenburger Thal als ein breiter Streifen mit stellenweise 
steilen und mauerartigen an den Thalgehángen anstehenden Felsen weiter fort. 
Nur S von Vranic im Riede „v maštali“ und W von Budislav bei dem Weiler 
„na Borkách“ sieht man ober dem Guader eine schwache Plánerdecke, die zu 
unterst an der Gránze mit dem Ouader wohl noch den obercenomanen, sonst aber 
schon den unterturonen Schichten angehěrt. Im Riede „v pečené huse“ N von 
der Glashůtte Marienthal lásst der Auader zwei kleine Granitparthieen von rothem 
und grauem Granit zum Vorschein kommen; ebenso besteht die tief eingerissene 
Thalschlucht unter dem Weiler „na Borkách“ aus einem unter dem GAuader sicht- 
baren langgezogenen Granitstreifen. 

Von Budislav gegen Široký Důl erscheint der untercenomane Ouader nur 
als ein engerer Streifen, der sich nur bei dem Jágerhause SSW von Zrnětín an 
der Gabelung der Strasse von St. Kateřina gegen Lubna und Zrnětín etwas erweitert. 
An dieser Erweiterung nehmen-jedoch nur die allertiefsten lettig schieferthonartigen 
Schichten der untercenomanen Stufe Theil, die sonst an andern Orten Spuren von 
schwarzen Kreide-Braunkohlen fiihren. Hier trifft man auch zerstreute Blócke eines 
festen dguarzig groben Sandsteines mit kieseligem Bindemittel an, der in diesen 
tiefen cenománen Schichten so háufig kurze linsenfórmige oder blockfórmige Ein- 
lagerungen bildet. 


| 
| | 
| 79 
| Der untercenomane GAuader: bildet in seinen oberen Zonen nur grobe 
l Schichtenbánke; sonst besteht er aus mittelkórnigem, oberfláchlich etwas wenig 
„bróckligem, graulichem bis weissem Sandstein, an dessen von der Luft und vom 
| Regen angegriffener Oberfláche úberall grůbchenfórmige Vertiefungen ausgewaschen 
© sind. Dié tieferen Sandsteinschichten zeigen an den zahlreichen Entblóssungen W von 
| Budislav, kurze róthlichbraungefárbte, den Schichten parallel eingelagerte Streifen 
-oder Nester eines Eisensandsteins. Es ist dies nur die Wiederholung des in dieser 
| untercenomanen Stufe so háufig auftretenden nesterfórmigen Vorkommens von Li- 
| monit oder von mit Limonit impraegnirten Sandsteines. Man sieht aber auch Ver- 
| M penklule in dem Auadersandstein, die mit Limonit impraegnirt sind und aus 
 ebensolchem Eisensandsteine bestehen; ein deutlicher Fingerzeig, dass sámmtliche 
-solche erzige Nester, Štreifen und Impraegnationen einer spáteren Bildung an- 
gehoren, die wohl in den Sandsteinen, aber keineswegs in einem bestimmten Niveau 
desselben auftreten, wenn sie auch in den tiefsten Schichten am háufigsten zum 


| 


Vorschein kommen. 
| Die obercenomane (Korycaner) Stufe ist zwischen den untercenomanen 
Ouadern und den turonen Plánern als ein wenig fester, meist blass grůnlicher, 
gegen oben zu aber allmáhlie mergeliger Sandstein, nur noch im Gebiete des 
Thales, in welchem der Neuschlosser Bach láuft, dann aber bei Zderaz bis Bor 
- kenntlich. In dem Gebiete der máchtigsten Entwickelung des untercenomanen 
- Guaders zwischen Budislav bis Bor und bis Nové Hrady (Neuschloss), dann aber 
in dem Ouadergehánge von Budislav bis Široký důl ist das Ober-Cenoman ent- 
weder nur in einer áusserst unbedeutenden Máchtigkeit entwickelt oder aber ist 
diese Štufe gánzlich als Pláner ausgebildet und demnach von der turonen Ab- 
theilung des Kreidesystems nicht zu unterscheiden, und wo Versteinerungen fehlen, 
-auch nicht leicht zu trennen. 
dá Nur im úussersten NO Eck des Gradkartenblattes Zone 6 Colonne XIV 
- erscheinen abermals an der Sohle des tiefen Thales, welches von der stillen Adler 
- bewássert wird, obercenomane Sandsteine. Am Ufer der stillen Adler treten hier 
© námlich im Fusse des steilen linken Gehánges an etlichen unbedeutenden Stellen 
- rothlichgraue Granite als kleine Inseln im Gebiete der vorherrschenden Pláner- 
- schichten zu Tage, und auf diesen Graniten liegt ohne Vermittelung des unter- 
- čenomanen GAuaders sogleich der glaukonitische obercenomane Sandstein. Seine 
© Máchtigkeit ist unbedeutend; sie misst nur wenige Meter; im Hangenden iúbergeht 
-der Sandstein in die Mergel der Turonstufe. Sowohl das linke Ufer der stillen 
- Adler, wie auch das rechte zeigen unterhalb Hrádek, zwischen Luhy und Perna 
-an den entblóssten tiefsten Stelien der steilen Gehánge diese obercenomanen Sand- 
steine an einigen Punkten. 
Sammtliche Schichten, welche auf dem Ouader aufruhen, gehóren dem 
Turon an, das hier durchwegs als Pláner entwickelt erscheint. Das ganze Plateau 
„von Chrudim úber Hrochová Tejnice, Chrast, Hohenmauth, Leitomyšl bis Polička 
(letztere Stadt schon ausserhalb der Karte) besteht aus Plánern der Turonstufe. 
Im Westen, also etwa in der Gegend zwischen Chrudim und Luže hat das 
Plateau des Kreidesystemes eine flach wellige Oberfláche; von Luže gegen Ost und 
Sůdost, also in dem Gebiete der Stádte Hohenmauth, Leitomyšl, Polička bilden 


| 


> tro od 


80 


die turonen Schichten, nachdem sie durch zwei stufenfórmice Terassen aus dem. 


niedrigeren Flachlande sich hóher gehoben haben ein weithin sichtbares Plateau 
von 450 bis etwa 480% mittlerer Hohe, das einen eigenthůmlichen individuell 
orographischen Charakter besitzt. Bedeutendere wellenfórmig ausgebildete Hůgel 
werden vermisst, dafůr aber ist die Hochfláche durch tief eingewaschene meilen- 
lange enge Tháler mit steilen Gehángen und ziemlich wenig gekrimmten Lauf 
durchschnitten. Sámmtliche lange Thalfurchen laufen zu der tiefsten Terrain- 
depression des Loučnábaches, der in der Richtane von Leitomyšl gegen Hohen- 
mauth und Zámrsk breite Wiesengrůnde bewássert. Auf dem Plánerplateau zwischen 


Vraclav und Polička sieht man nur Felder und keine Důrfer; letztere sind mit 


wenigen Ausnahmen in den langen engen Thálern zerstreut und zwar so, dass 
besonders im Sůden, also zwischen Leitomyšl und Polička manche Dorfer in stunden- 
langen Háuserreihen in den Thalschluchten sich ausdehnen. Das Turonplateau 
hat eine sanfte kaum merkbare Neigune gegen die Loučnádepression; dieselbe 
zieht sich zwischen Leitomyšl (Hohenmauth) und Zámrsk gegen NW und hat im 
Mittel eine Hoóhenlage von 300" Von dieser Terraindepression der Loučná steist 
die Fláche sanft an, u. zw. einestheils nach NO bis zu den steil und parallel 
abfallenden Uferterassen des Thales der stillen Adler; anderntheils gegen SW, wo 
die Hochfláche durch zwei orographisch interessante sich weithin ziehende steile 
Stufen in das angránzende niedrigere Flachland absenkt. Das hóchste Ansteigen 
der ebenen Hochfláche des Pláners an den Steilgehángen der stillen Adler und an 
den zwei steilen vorgenannten Terrainstufen zwischen Luže (Vraclav) und Polička 
betrást an der Adler 400", bei Vraclav 360", bei Polička aber gegen 600. Es 
steiet die Fláche also gegen Polička bedeutender in die Hóhe als in der Richtung 
gegen Luže oder Vraclav. Sámmtliche Plánerschichten des Zuges der zwei steilen 


Terrainstufen der Richtung Luže-Polička verfláchen sanft gegen NO also gegen 


die Loučnániederune, wáhrend von der entgegencesetzten Seite, námlich von der 
stillen Adler eine ganz flache Neigung der Schichten gegen SW, demnach ebenfalls 
in der Richtung gegen die Loučná zu beobachten ist. Vereleicht man die Hóhen- 
unterschiede zwischen der Loučnániederung und den beiden entgegengesetzten 
Rándern der Hochfiáchen an der stillen Adler und in den Terrainstufen zwischen 
Luže-Polička miteinander, so ergibt sich, dass sich die turonen Schichten muldenartig 
beiderseits gegen die Loučnániederune unter der sanften Neigung von im Mittel 
etwas mehr als 1'/,"—1'/,„“ verffáchen. Die Richtung der Loučná deutet also die 
Richtung des Muldensohle an, und die beiden Steilránder, námlich das Adlerthal- 


gehánge und der Hochfláchenrand von Luže-Polička bilden die beiden, NO und | 


SW Muldenflůgel einer flachen Plánermulde. (Fig. 13.) 


n 


Die turonen Pláner sondern sich in diesem Terrain ganz deutlich in vler 


orographische Stufen, u. zw. von unten nach oben in der Weise, dass zu unterst 
das Unterturon auftritt, das etwa den Plánern vom weissen Berge bei Prag ent- 
spricht; dann folgt das untere Mittelturon (etwa den Malnicer Schichten analog), 
welches sonst selten selbststándig individualisirt erscheint, in dieser Gegend aber 
durch eine Terrainstufe auffallend deutlich orographisch ausgeprást ist; darůber 
folet das Mittelturon (vergleichbar mit den Iserschichten), und endlich das Ober- 
turon (mit den Teplicer Schichten vergleichbar). 


k Den Raum des niedrigeren Flach- 
landes zwischen Chrudim und Luže nimmt nur 
Mi Unterturon und theilweise das untere 

ittelturon ein; das Mittelturon und zum 
Theil auch dá Oberturon bildet aber die 
Hochfláche von Hohenmauth, Leitomyšl, die 
(durch ihre steilen Ránder so deutlich und 
weithin sichtbar sich úber das angránzende 
lachland hervorhebt. 

Das Unterturon, eine Analogie der 
Pláner vom Weissen Berge bei Prag, niramt 
in der Richtuně von Vorel, Chrast úber Luže 
bis Nové Hrady (Neusehlose) und Bor einen 
'bedeutenden Raum ein. Die in den Umge- 
bungen von Prag beobachtete Thatsache, dass 
die tieferen Schichten aus einem weicheren, 
leichter zerbrockelndem Mergel bestehen, der 
als Baustein ungeeignet ist, wáhrend die 
oberen Schichten den eigentlichen Baupláner 
Mefern, bestátigt sich auch hier. Die tieferen 
weicheren Schichten sind allenfalls bei Lu- 
kavic entblósst und sonst vom Ackenboden 
verdeckt, wáhrend die Baupláner, die hier 
etwas kalkiger erscheinen als die gleich- 
Bnru Gesteine bei Prag, durch zahlreiche 


Steinbrůche aufgeschlossen sind. Von Nové 
Hrady an folgt das untere Turon mit den 
zu Bausteinen verwendbaren Plánern der Rich- 
tung der markanten tieferen Terrainterasse, 
welche sich von Luže angefangen bis gegen 
Polička verfolgen lásst. Der "/„ bis 1"/, km 
breite Daum zwischen den untercenomanen 
Ouadern und der eben genannten tieferen 
Terrainterasse, auf welchem die Ortschaften : 
Mokrá Lhota, Nové Hrady, Nová Ves, Ja- 
rošov, O Budislav, W Pořič, W Lubná liegen, 
jehórt diesem Unterturon an. 

Auch im steilen Gehinge der stillen 
Adler zwischen Hrádek und Sudislav bilden 
die festeren Baupláner des Unterturons sen- 
krecht stehende klůftige Wánde. 
k M Das untere Mittelturon ist ein Schich- 
tenzug, welcher nur desshalb hier erwáhnt 
wird, weil er orographisch so deutlich zu 
Tage tritt. Es enthált durchwees důnnplat- 


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82 


tige, grauliche, als Bausteine unverwendbare Pláner, die stellenweise weichere, 
stellenweise etwas festere der Verwitterung mehr widerstehende Lagen fůhren. 
Namentlich die obersten Bánke, welche die Fláche der ersten Terrainterasse bilden, 
sind etwas kalkreicher und fester und gewiss auch die Ursache, welche die Bildung 
dieser Terasse veranlasste. Im westlichen Theile des Gradkartenblattes bildet diese 
Schichtenzone (die indessen kaum eine geologische Berechtigung hat), das Plateau 
des rechten Chrudimka-ufers von Chrudim an ber Tuněchod, Kočí, Hrochová. 
Tejnice, Chroustovic, Městec, Uhersko. 


Doch erst bei Rosic und Podlažic beginnen sich diese weicheren Pláner 
orographisch deutlich anzuzeigen, indem sie eine 35 bis 40" hohe Terrainstufe 
bilden, welche unvermittelt unter ziemlich bedeutendem Bóschungswinkel úber der 
Fláche des Unterturons sich erhebt. Der Verlauf der Boschung oděr des Abfalles. 
dieser ersten oder tieferen, auffallend deutlichen Terrainterasse zieht sich zwischen 
Bor und Zalužan (S Chroustovic) und geht úiber Podhůrka, Roubovic, Bělá, Radim, 
Losic, Jenšovic abermals nach Losic (O) ber Voletic, bildet die Terrainterasse 
Klapatka, setzt O von Bílý Koníček (Weissróssel) úber Doubravic, Leština (W), 
Rybníček (O von Mokrá Lhota), dann O von Nové Hrady úber Volšan, gegen 
Lubníček, Pořič, Zrnětín und W von Lubná fort, bis ausserhalb des Kartengebietes 
gegen Polička, wo die stufenfórmige Erhóhung des Plánerplateaus noch ganz 
deutlich ist. | 


Am Steilgehánge des Thales der stillen Adler zwischen Hrádek und Sudislav 
sind diese Schichten orographisch nicht ausgeprást, wohl aber erkennt man sie 
nach ihrer Auflagerung iiber den festeren Bauplánern. Die grauen diůnnplattigen 
Pláner sind aber nur in den oberen Lagen kalkig, in den tieferen Schichten aber 
so weich und so merglig, dass sie im Gehánge zerbróckeln und frisch gebrochen 
an der Luft in kurzer Zeit in ganz kleinen Gruss zerfallen, welcher nachher durch 
Frost, Sonnenschein und Regen so gelockert wird, dass er befeuchtet sich als 
eine lettig erdige Masse darstellt. Im Thalgehánge der stillen Adler werden diese 
Mergel seit vielen Jahren gegraben und in der Umgebung als mineralisches Dung- 
mittel auf sandigerem Boden mit Vortheil verwendet. 


Die Schichten dés Mittelturons sind den im Flussgebiete der Iser so gut 
charackterisirten sogenannten Iserschichten (Isersandsteinen) águivalent. Dieselben 
bilden eine zweite oder obere Terasse, deren relative Hóhe im Mittel 40" betrágt. 
Diese zweite oder hóhere Plánerterasse besteht in ihrem tieferen Theile aus grauen 
důnnplattigen, wohl auch mergligen und dann bróckeligen Plánern mit kugeligen 
Concretionen oder linsenfórmigen Schichtenlagen oder mit einzelnen ziemlich aus- 
gedehnten Lagen von kalkigem Pláner. Diese Einlagerungen erscheinen um so 
háufiger, je hoher man in der Terassenstufe hinaufgelangt. Der obere Terassenrand, 
sowie das ebene Plateau besteht dann fast durchgehends nur aus dem erwáhnten 
kalkigen Pláner, der in den Steinbrůchen oder an andern entblóssten Stellen ziemlich: 
dickplattig und durch senkrechte Klůfte abgesondert erscheint. Da der ziemlich 
steile Abfall der Stufe unbewachsen ist, kann man in demselben den Úbergang 
der tieferen důnnplattigen und mergligen Schichten durch Wechsellagerung in die 
oberen kalkigen Schichten verfolgen. 


83 


| 
: | Gerade so wie die tiefere Terassenstufe ihren Charakter dem Umstande 
JŠ verdankt, dass etliche festere kalkige Plánerschichten die ebene Fláche der Stufe 
l bilden, eben so ist die Plateaubildung der zweiten Terassenstufe auch nur eine 
: olge der grósseren Bestándigkeit der oberen Plánerkalkschichten. 
'$ In den eingelagerten Plánerkalkkugeln, sowie in den kalkigen festeren 
Plánern úberhaupt finden sich, wenn auch nicht in solcher Háufigkeit wie bei Lei- 
| tomyšl, Krebsscheeren der Gattuné Callianassa, 
ř Das háufigere Vorkommen dieser Krebsart ist fůr die kalkigen Iserpláner 
p fir die sandig kalkigen Pláner (Isersandsteine) charakteristisch. Aus dem 
festen Callianassen-Plánerkalk sind alle Gebáude der darauf zerstreuten Ortschaften 
| aufgebaut. Der frische Plánerkalk ist grau, der durch Atmosphaerilien aus- 
gelaugte aber gelblicherau, in kleine Guader brechend, sowie ziemlich fest und 
-haltbar, entgegen den zum Bau untauglichen tieferen, důnnplattigen Plánern. Diese 
i Plánerkalke fůhren stellenweise auch Markasitconcretionen. 
bo Im Gebiete der steilen etwa 110—120"- úber der stillen Adler erhóhten 
| Thalgehánge sind die Plánerschichten dieser Stufe unten důnnplattig und grau, 
gegen oben mehr kalkig und fest, als Bausteine verwendbar.  Wenn auch diese 
hóheren, im frischen Zustande lichterauen Plánerkalke, welche das Gebiet des 
Plateaurandes einnehmen, ein hohes Niveau in der Stufe des Mittelturons bilden, 
| so schliessen sie diese Adléta gegen oben doch nicht ab. In dem Gebiete 
-des Loučnábaches zwischen Zámrsk, Hohenmauth und Leitomyšl folgen úber diesen 
lichterauen Plánerkalken ebenso dickbánkige, weissgraue áusserst feinsandige Pláner- 
E welche einen ausserordentlichen Reichthum an Callianassa-Resten bergen. 
S sind das die echten sogenannten Isersandsteine, die den Gebilden bei Turnau 
M allem, selbst in der Bildung von steilen Kluftformen ganz áhnlich sind. Je 


her nun diese ŠSchichten liegen, desto zahlreicher sind in denselben die Callia- 
massen, so dass in dem Gebiete der Stadt Leitomyšl selbst, wo die hóchsten 
jg olícn dieser Stufe entblóst sind, diese Plánerbildungen als sandiger Callia- 
 massenkalkstein bezeichnet werden kónnten. Nirgends findet man eine bessere 
- Gelegenheit zur Beobachtung der Thatsache, dass die Callianassenreste um so 
- háufiger im Mittelturon auftreten, je hoher die Schichten sind, als eben hier. Der 
-steile Rand der Terrainterasse, welcher bei Neudorf (Zámrsk) und Janovičky die 
Alluvionen der Loučná untersetzt, und wo die Schichten neben der Neigung nach 
-NO auch schwach gegen N einfallen, zieht sich als ein deutliches von Weitem 
© sichtbares und erkennbares Terrainmerkmal mit seinem Rande úber Vraclav (Ka- 
© menecplatte), Vinary, Štěnec (0), Srbec (0), Domanice, Střemošnic, Doubravic (0), 
- Dvořišť, Libejcina, den oberen Theil von Leština, Podhořany, Příluka, Chotovic, 
Makov, den unteren Theil von Seč, Chotěnov, Mladočov, den unteren Theil von 
Desná, den mittleren Theil von Lubná bis Široký Důl. Selbst N von Polička und 
„S von Lesník etwa bei Hanov ist diese Terrainstufe bemerkbar. 
Wie schon mehrfach erwáhnt, bilden beide Stufen, námlich das Unter- und 
das Mittelturon im Thalgebiete der stillen Adler eine steile Uferwand. Eine Eigen- 
thůmlichkeit der oberen kalkigen Pláner besteht hier noch darin, dass sie stellen- 
weise mehr kalkig, stellenweisse wieder mehr mergelig und mit Fucoiden úhnlichen 
gegabelten Formen besprenkelt erscheinen, Hie und da aber schliessen sie Concre- 
6* 


84 ! i 


tionen eines festeren kleinkrystallinischen grauen kaum mergeligen Kalkes ein.. 
Die sonst flachen Schichten haben nur W bei Sv. Mikuláš (unweit Vraclav) also 
nahe an den Orten, wo sie unter dem Loučná-Alluvium verschwinden, eine Neigung © 
von 10—15“ nach ONO. | 


Die oberturonen Schichten, die ein Aeguivalent der Teplicer Pláner dar- © 
stellen, nehmen orographisch die tiefste Lage der Plánermulde ein, geologisch aber © 
bilden sie die hochste Schichtenlage derselben. Sie sind nur in dem Gebiete der 
Loučná-Niederung, welche die Muldensohle einnimmt, verbreitet. Bei Leitomyšl 
nehmen diese oberturonen Schichten nur eben die Niederung der beiden Ufer der“ 
Loučná ein; gegen Hohenmauth erweitert sich aber der von diesen Schichten ein- 
genommene Raum so, dass dieselben westlich bis an die Strasse von Leitomyšl 
úber Hohenmauth nach Zámrsk reichen, óstlich aber úber Bohňovic, Netřeby, 
Heřmanic in gerader Richtune gegen Choceň sich ausdehnen. In der Muldensohle 
zwischen Hohenmauth und Choceň sind sie durch Aluvien verdeckt; bei Hohen- 
mauth aber bilden sie wallartige oder kuppige Hůgel bis zur relativen Hóhe 
von 50" 

Diese oberturonen Pláner lassen sich schon durch ihre bláulichgraue Farbe 
und mergelige Béschaffenheit von den oberen Schichten des Mittelturons, die mehr 
kalkig, ziemlich fest und durch Callianassenreste ausgezeichnet sind, unterscheiden. © 
Nur die tiefsten Lagen des oberturonen Pláners, sind dicht, fest und klingend, 
nicht leicht brocklig, als Bausteine aber nur desshalb weniger benůtzt, weil die 
Schichtenbánke nicht die Máchtigkeit der unmittelbar darunter liegenden fein- 
kórnigen sandig-kalkigen Callianassenpláner besitzen. Diese tiefsten festen bláulich- 
orauen Bánke, deren Auflagerung auf dem Mittelturon SOS von Hohenmauth, bei 
Cerekvic, Lány unweit Leitomyšl deutlich zu sehen ist, enthalten keine Spur mehr- 
von Callianassen, dafůr aber háufige Reste des grossen Inoceramus Brongniarti.- 
So fest die tiefsten Bánke auch erscheinen, so gehen sie doch allmáhlig gegen 
oben zu in ganz důnnplattice mergelige Pláner ber, welche leicht zerbrockeln 
und in den obersten Lagen durch Feuchtigkeit lettig mergelig werden. 


Diese mergeligen, oberen Plánerschichten nehmen W von Choceň und NO 
von Zámrsk das Terrain am Rande der Karte ein und bilden die kuppigen Hůgel;. 
in ihrem dusseren Aussehen sind sie ganz denjenigen mergligen Plánern áhnlich, 
die sich zwischen dem Unterturon (Baupláner vom Weissen Berge) und dem Mittel- 
turon (Iserkalkpláner oder Isersandstein) in dem Gebiete des Gradkartenblattes 
Hohenmauth-Leitomyšl an zahlreichen Stellen entblósst vorfinden.  Allein in den 
genannten Hůgelkuppen scheinen dunkelgraue Anflůge von manganhaltigem Limonit 
in den Klůften dieses oberturonen Pláners ein gutes Unterscheidungsmerkmal 
gegen den tieferen Horizont des ganz áhnlichen Gesteines anzudeuten. 

Hoóhere Stufen des Kreidesystems kommen in diesem Gebiete nicht vor. 

Die hóheren Fláchen des Plánerterrains sind háufig mit Schotter oder Kies 
bedeckt. Die Schotterbánke wechseln bedeutend in ihrer Zusammensetzung, wesshalb 
auf diese lokalen Ausbildungen hier Růcksicht genommen wird. 


Aa 26 ao 


Zwischen Hohenmauth und Leitomyšl ruhen die Schotter auf Oberturon: 
Dieselben sind NO von Cerekvic sowohl aus GAuarz- als auch aus Plánerkalk- 


| i 
| 


l geschieben der mittelturonen Stufe (Iserkalk, Isersandstein) zusammengesetzt; die 
| oberen Lager aber bestehen aus feinkórnigem weissem Sand, in welchem nur selten 
„Streifen von weissem GAuarzkiese eingelagert sind. N von Srub, knapp ausserhalb 
(des Rahmens der Karte liegen úber den weichen oberturonen Plánern, Schotter- 
| bánke, die aus weissen Auarzgeróllen so wie aus Geschieben von blassgelblich- 
| grauem Iserkalkstein Bis, bestehen, zu denen sich noch Gerólle von 
j Gneus beimengen. | 

| Bei Nová Ves unweit Zámrsk und an allen Orten auf dem niedrigen 
| (no zwischen dem Loučná und Neuschlosser Bache in der Richtune Vostrov- 
„Moravany bestehen die Schotter aus feinem weissen Sande mit grósseren Geschieben 
-von Iserkalkpláner nebst etwas Auarzgeróllen. An ersterem Orte tritt auch noch 
Kieselschiefergeschiebe hinzu. An allen diesen Orten jedoch kommen Bánke vor, 
die nur aus Geschieben des festen kalkigen Pláners des Mittelturons bestehen 
A“ in Lehm oder sandigen Lehm eingebettet sind. 

Je weiter gegen Westen, desto mehr nimmt der Lehm besonders in den 
| oberen Schotterbánken úberhand; auch die Bánke des feinen Sandes werden lehmig, 
-so dass die bei Zámrsk noch deutlich schotterice Decke ihren sandig schotterigen 
Charakter einbůsst und in einen Lehm ůbergeht, in welchem Kies- und Pláner- 
ald blos untergeordnet auftreten. Derartige lehmige 
 Schotter, wie namentlich bei Dvakačovic sind dann schwierig auszuscheiden, weil 
-es schwer zu entscheiden ist, ob dieselben mit der Schotter- oder mit der Lehm- 

farbe anzudeuten wáren. 

Bei Topol, Kočí, Třibubny '*) sind die Lehmmassen gegeniůber den darin 
M zerstreut eingebetteten Kies- und Plánerkalkceschieben so vorherrschend, dass 
p Decke auf der geologischen Karte als Lehm ausgeschieden ist. 

Nur dort, wo solche mit Schotterbrocken gemengten Lehme auf einen 
eteren Horizont herabgeschwemmt worden sind, erscheinen sie rein und ungemischt. 

Dieses Verháltniss zeiet sich bei Třibubny (O bei Chrudim) deutlich. Auf der 
-m kommen also die mit Geschieben gemengten Lehmen, an den Lehmen 
aber, námlich in den tieferen Lagen, wie bei Kočí und Vorel die reineren, abge- 
schwemmten Lehmlager vor. 

Die lehmige Beschaffenheit der Schotter erklárt sich einfach aus ihrer 
Entstehung. Im óostlichen Theile, also bei Hohenmauth, wo die festen mittelturo- 
„mischen Kalkpláner theilweise zur Bildung der Schotterbánke beigetragen haben, 
-ist die Beschaffenheit derselben verháltnissmássig wenig lehmig. Im Westen aber 
(0 von Chrudim), wo nebstdem auch die dort ausegebreiteten weichen Pláner- 
Schichten in Geschiebeform zusammengeschwemmt erscheinen, erhielten sich nur 

je Ouarz- und Iserkalkcerólle in ihrer Form, die weichen Pláner zerfielen aber 
mit der Zeit zu Lehm, der dort demnach oa 

Nórdlich vom Loučnábache, hart an der nordlichen Gránze des Grad- 
kartenblattes enthalten die Geschiebeanháufungen deutliche Sand- und Schotter- 
bánke, und ganz sparsame Geschiebe des Iserkalkes. 

Die kalkigen Callianassenpláner des Mittelturons verwittern in ihren Schichten 
am Ausbisse gelbbraun, mit der Farbe der lehmigen Ackererde. Es kommt daselbst 
jedoch zu keinen Lehmblagerungen, ausser in der Náhe der Loučnádepression, 


56 


Die meisten Lehme der Niederung des Loučnábaches sind aus aufeelósten 
weichen Plánern des Oberturons entstanden. Sie bedecken entweder das Oberturon 
oder die Schotterbánke auf den Hůgelkuppen in dieser Niederung. Nur in einem 
Gebiete findet man auch am festen mittelturonen Plánerkalk eine máchtige Lehm- 
decke, und zwar an der sanften Abdachung zwischen Vraclav und Cerekvic. Hier- 
sind die Lehme die Reste der ausgelausten kalkigen Pláner und sind offenbar 
an dieser sanft geneigten Fliche herabgeschwemmt worden. Es ist úberhaupt keine 
seltene Erscheinung in Bóhmen, Lehme auf den gegen Ó geneigten Gehángen 
abcelagert zu finden, wenn die zur Lehmbildung gůnstigen Verháltnisse, so wie 
hier, zusammenwirken. 


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(ZWEITER THEIL. 


VON 


RUD. HELMHACKER. 


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Die petrographische Beschaffenheit einiger Gesteine des 
Eisengehbirges. 


| In diesem Abschnitte werden einige fůr eine náhere Untersuchung wichti- 
„geren Gesteine, namentlich Gesteine eruptiven Ursprungs, ihrer petrographischen 
» Beschaffenheit nach, beschrieben, nachdem die anderen gewohnlicheren Gesteine 
- schon bei der geologischen Beschreibung des Gebirges, mit ihren entsprechenden, 
- kurz angedeuteten Merkmalen berůcksichtigt werden. 


j Es zerfállt dieser Abschnitt in die Beschreibung der krystallinisch schief- 
Tigen, dann der krystallinisch massigen Gesteine, nebstdem ist auch ein klastisches 
| Gestein aufgenommen worden. 

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Namentlich ist es die Gruppe der Porphyre, Diorite und Corsite, welche 
hier ausfiihrlicher behandelt wird. 


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Krystallinisch schiefrige Gesteine. 


| Amphibolgneus. 


| Dieses Gestein findet sich besonders gut entblósst in der Doubravkathal- 
(schlucht zwischen Ronov (S) und Mladotic. Die ganz deutlichen Schichten, welche 
nach 4,* mit 429 verfláchen, also parallel mit dem Eisengebirge streichen, sind 
entweder ganz typischer Syeniteneus oder sie enthalten Biotit in accesorischer 
(oder so zunehmender Menge, dass sie dadurch in Biotitoneus úbergehen, mit 
„welchem sie dort auch wechsellagern. Doch ist der Amphibolgneus vorherrschend. 
Sowohl der Amphibolgneus, als auch der an weissen Orthoklas und Auarz reiche 
schiefrige Biotitgneus enthalten accesorisch Granat in grosser Menge. Die Granat- 
jÚ sind recht gross, meist mehr als nussgross. 


Der Syeniteneus zeigt ein kleines bis mittleres Korn und schiefrige Textur, 
„Wenn er keinen Biotit enthált; durch theilweise Vertretung des Amphiboles durch 
Biotit erscheinen die Gemengtheile deutlich mittelkórnig, aber wie flasrie, was 
beim schiefrigen  Biotitgneus oft der Fall ist, indem die schiefrige Textur als 
Schiefrig flaseriggestreckte ausgebildet ist. 

Ť Der Auarz und Orthoklas ist immer weiss, in kleinen Stůckchen durch- 
: ichtig, zuweilen ist auch gestreifter Plagioklas in dem weissen Gemenge sichtbar. 
Der Amphibol ist dunkelgrůn oder schwarzgrůn. 

Um zu bestimmen, ob in den weissen Kórnern Zwischen dem Amphibol, 
Orthoklas oder Plagioklas (Oligoklas) der vorherrschende Gemengtheil neben Auarz 
ist, wurden die weissen Kórnchen (die aber trotzdem durch Spuren noch anhán- 
genden Amphibols verunreinigt waren) auf den Si0,-Gehalt untersucht. Es gaben 
3 g. davon einen Gliihverlust von 649; und 66919, Si0,. Es ist also die Menge 
„des Orthoklases und Auarzes doch eine ziemlich ansehnliche, wenn auch der Pla- 
Sioklas in nicht ganz unbedeutenden Ouantitáten mit auftritt. 

i Ein Důnnschliff des Syeniteneuses, dessen lángste Amphibolaggregate 
1" Breite hatten, zeigte u. d. M. etwas kleiner geformte Aggregate der 
Weissen durchsichtigen Mineralien. Lappig zertheilte Prismen von dunkel bouteil- 
lengrůnen Amphibol, nur Spaltbarkeit und keine Faserung zeigend, halten das 
Gleichgewicht mit kleineren Aggregaten, die aus Kórnern bis 17" Grósse bestehen. 
Im polarisirten Lichte zeigen die durchsichtigen Kórner durchaus gleiche intensive 
Farben, wodurch der sonst satter fárbige Ouarz von dem weniger satt gefárbten 
Orthoklas nicht zu unterscheiden ist. Nur nach der Form der Kórner kónnen die 


92 


mehr abgerundet polygonalen auf Guarz, die lánglichen -auf Orthoklas bezocen 
werden. Ganz untergeordnet tritt hie und da auch ein grosses Plagioklaskorn mit. 
Zwillingsstreifung und eben so satter Firbung zum Vorschein. Auch etliche Biotit- 
guerschnitte von grinlichbrauner Farbe erscheinen in dem Gemenge. , 

Der Amphibol zeigt bedeutenden Pleochroismus. — Ein anderes Praeparat i 
des Syeniteneuses mit zahlreichen parallelen Biotitschuppen zwischen den Ampl 
bolsáulen und mit Granat, nur wenig schief zur Fláche der Schieferung geschnittem 
zeigte u. d. M. bis 3"" breite Gemengtheile. ; 

Der grasgrůne, etwas ins bouteillengrůne geneigte Amphibol bildet lappig 
zertheilte Prismen ohne Faseruneg; der Biotit bouteillengrůne Lappen, wenn der 
Schnitt ziemlich parallel zur Spaltungesffáche geht, sonst aber wenn derselbe im 
Schliff als langes Rechteck erscheint, zeigt er blassbraune Farbe. Beide Mineralien — 
sind stark pleochroitisch. | 

Das polarisirte Licht lásst in den weissen kórnigen Ageregaten mit bis 2" 
grossen Kórnern den Auarz vom Orthoklas der Fárbung nach nicht unterscheiden, 
weil dieselbe bei beiden Mineralien eleich stark ist. Ein bedeutender Theil der“ 
Feldspáthe, gewiss '/,„ der Menge des Auarzes und Orthoklases zusammen, zeigt 
ausgezeichnete Streifune, ist also Plagioklas; gewise GAuerschnitte zeigen flecken- 
weise in der Streifung noch eine senkrecht durchgehende zweite Farbenbinderung 
wodurch sie gegittert erscheinen. '*) 

Die Zwillinesstreifung des Plagioklases ist so deutlich, dass sie schon 
ohne Zuhilfenahme des polarisirten Lichtes hervortritt.  Flissigkeitseinschlůsse 
sind báufig in den Feldspáthen und im Guarz. 

Ganz selten ist nur hie und da ein Magnetitkórnchen im Amphibol ein- 
gewachsen. Von Granat fiel nichts in den Důnnschnitt. 1 

Eine andere Varietit des Syeniteneuses zeigt bis mittelkórniger Textur, 
schwarze, gut spaltbare bis 2%" lange Amphibolprismen und weisse Agegregate von 
Ouarz und Feldspath. Dazwischen sind winzig kleine hyacinthrothe, diamantelán- © 
zende Prismen, von denen die kleinsten bei der Lánge von 1"% die Breite von 
ab"" haben, welche der Form nach wahrscheinlich auf Rutil zu beziehen wáren. 

Das Mikroskop zeigt lappig vertheilte Prismen des Amphibols von bouteil- 
lengrůner Farbe, seltene Biotitflitter und im Amphibole Kórner von Magnetit als 
Aggregate von guadratischen Auerschnitten dieses Minerales. Die Guarz- und Feld- 
spathagegregate bestehen aus Kórnern von der mittleren Breite von ',„"“; die 
Ouarze und Orthoklase sind im polarisirten Lichte beide gleich lebhaft gefárbt, 
so das nur die Form derselben massgebend ist fiir das Auseinanderhalten beider 
Mineralien. Gestreifter, eleichfalls lebhaft cefárbter Oligoklas ist als unwesent- 
licher Gemengtheil sehr háufig im Gesteins-Gemenge sichtbar. © Die zu Rutil ver- j 
muthungsweise gestellten lánelichen Kórnchen sind nur ganz selten. 

Sowohl Auarz als auch beide Feldspáthe zeigen Flůssigkeitseinschlůsse, 
Was sonst als selbstverstándlich nicht angefůhrt wird. 


2 6 oo 


93 


Gneusgranulit. 


: In dem terassenformigen Abhange des Eisengebirges gegen die Čáslauer 
/Ebene ist zwischen Podhořan und Semtěš verherrschend mittelkórniger Glimmer- 
schiefer mit untergeordnetem, theilweise gestrecktem Amphibolit nach 3'/,»* bis 
1/,k mit 559—60* verfláchend abgelagert. In dem Glimmerschiefer ist zwischen 
Podhořan und Semtěš ein Lager von Gneusgranulit in der Máchtigkeit von 1" 
eingelagert. Dasselbe tritt inmitten der Schlucht die von Bumbalka zur Ebene herab- 
geht, dann etwas hóher nahe bei der Háusergruppe Husí Hovno (O von Semtěš) 
zum Vorschein, wo einige Gruben das Streichen dieser festeren Schichte andeuten. 
| Der Gmeusgranulit besitzt eine blassfleischrothe Farbe; im Guerbruche, 
also senkrecht gegen dessen Schichtung, zeigt er ein feines Korn von róthlichem 


Orthoklas in welchem theils kleine Kórnchen, oder kurze platte parallel gezogene 
Ouarzlamellen, die an der Gránze des mit dem freien Auge noch Sichtbaren stehen, 
eingewachsen sind. Der Guarz in untergeordneter Menge auftretend, hat rauch- 
graue Farbe. Lange papierdůnne Lagen von Guarz durchziehen das Gestein 
ausserdem in spárlicher Menge parallel zur schiefrigen Textur. Sonst weiset der 
Ouerbruch nichts mehr auf. Der schiefrige Druch parallel der Schichtung des 
Lagers zelet einen durch ganz kleine Muscovitschůppchen, die sich jedoch nicht 
ganz berůhren und zwischen sich noch die blassfieischrothe Farbe des Orthoklases 
hervortreten lassen, bedineten schimmernden Glanz. Diese Schieferungs-Brůche 
zeigen auch eine Anlage zur Streckung der Gemengtheile. Der Muscovit muss 
enmach nur als accesorischer Gemensgtheil betrachtet werden; das in die Gruppe 
es Gneuses gehórige Gestein enthált keinen Granat, obwohl andere deutlicher 
Eee Varietáten eines áhnlichen Gneuses, welche untergeordnet schlierenartige 

chichten im Biotiteneus von Starkoč bilden, Granatkorner enthalten. Das Auf- 
treten von Muscovit muss fůr ein Gestein, welches mit Granulit verglichen wird, 
(= ein ungewohntes bezeichnet werden. 

Ein Důnnschliff guer zur Schieferune des Gesteines, oder normal zur 
Richtung der Schichtung angefertist, zeiete bei Vergrósserung u. d. M. im Mittel 
2%" breite polygonale Auerschnitte von Orthoklas, die nach einer Richtung 
unvollkommen gelagert waren. Durch langgezogene Auarzlagen oder flache Auarz- 
„kórner von der Dicke etwa von 1"", die entweder aus einem Individuum bestehen, 
da sie im polarisirten Lichte nur einerlei Farbe zeigen, oder auch ein Aggregat 
vorstellen, ist die plane Paralleltextur angedeutet. Der Orthoklas herrscht bedeutend 
„úber den Auarz vor. Zwischen den Orthoklaskórnern erscheinen noch blassgrůnlich- 
$rane Stábchen von Muscovit von 55" Dické (Schnitte parallel zur krystallo- 
graphischen Achse) sowie ganz diinne, ebenso unvollkommen parallel zerstreute 
 Haematitguerschnitte wie auch ganz seltene Erzkórnchen, vielleicht dem Magnetit 
angehorig bis -;"" breit. 

: Ein Důnnschliff parallel zur Schieferune zeigt beinahe durchgángie regellos 
| ABgregirte Orthoklaskórner der eben angefůhrten mittleren Grósse von +£"", 
k la azwischen hie und da etwas Guarz und Muscovitláppchen bis zur Breite von 
: Auch kommen hyacinthroth durchscheinende Hámatitschuppen vor meist ein- 
zeln verthleilt und stellenweise Andeutungen hexagonaler Umrisse zeigend, dann 


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94 


findet sich auch in gewissen, zur Streckung des Gesteines parallelen Lagen Erz- 
(Masnetit)staub vertheilt. Die ganz kleinen, jedoch nicht die kleinsten Erzstaub- 
kórnchen haben die Breite von 3)45"%".  Zwillinge von Orthoklas, sowie gestreifte 
Plagioklase liessen sich nicht nachweisen. 


Porphyroid. 


Unter diesem Namen werden den Auarz- und Felsitporphyren áhnliche, 
jedoch schiefrice Gesteine bezeichnet, die demnach eine felsitische Grundmasse 
mit ausgeschiedenen parallel gelagerten Krystallen besitzen. Nur dasjenice Gestein, 
welches mit Gneus im Zusammenhange vorkommt, wird hierher gestellt, wáhrend 
andere ganz an Porphyroide erinnernde Gesteine bei Lukavic (S von Chrudím) 
zu den echten Auarz und Felsitporphyren gestellt werden, mit denen sie genetisch 
verbunden sind. | 

Das Porphyroidgestein unter der Burgruine Lichnice und Podhrad (Ruine 
Lichtenburg, O Ronov) bildet im Gneuse untergeordnete Schichten und úbergeht 
in echte Gneuse. Solche Úbergangesgesteine sind von Zbislavec (Stráně) angefangen 
bis úber Hostětinky im Zuge des steilen Abfalles des Eisengebirges gegen die 
Ebene von Čáslau sehr verbreitet. Auf der Karte erscheint jedoch der Porphyroid bei 
Lichnice wegen dem zu kleinen Maasstab der Karte nicht ausgeschieden, sondern 
als Gneus bezeichnet. 

Das deutlich schiefrige compacte Gestein hat eine dunkelgraue Farbe mit 
stelienweise hervortretenden gestreckten kleinen Flasern von róthlich oder weisslich 
gefárbtem Orthoklas, oder róthlich weissen Lagen. Die eingewachsenen Krystalle 
von rauchgrauem Auarz und blass fieischrothem Orthoklas sind meist klein, bis 
2“m Jang; nur selten sind centimeter lange Orthoklaskrystalle von weisslicher 
Farbe ausgeschieden. An dem ziemlich ebenen Bruche schimmern PBiotitschůppchen, 
welche gleichfalls eine Streckung des Gesteines andeuten. Die Grundmasse ist 
sehr feinkórnig, demnach nicht vóllig felsitisch, im Bruche splittrig. 

Ein ziemlich nahe parallel zur Schieferungsrichtung hergestelter Diinn- 
schliff zeigt eine kórnig ageregirte Orthoklaserundmasse, deren Individuen von 
polygonaler Form im Mittel 55%" Grósse erreichen. In der Grundmasse ziehen 
sich schlierenartige, ziemlich parallele, jedoch lappig vertheilte Zůge von Biotit- | 
ageregaten. Diese Biotitaggregate bestehen aus im Mittel „5"" breiten Biotit- 
schuppen von bráunlich bouteillengrůnem Biotit; die Schuppen sind einander 
stellenweise mehr genáhert, wáhrend sie sich wieder anderweitig von einander so 
entfernen, dass sie beinahe ohne Zusammenhang erscheinen. In dem kleinkórnigen 
Gemenge mit recht deutlich angezeigter planer Paralletextur sind háufie deutlich 
oder undeutlich hexagonal begránzte, im Mittel 4*“ breite Ouarzkórner aber auch 
láneliche solche Auarze anzutreffen. Nachher erscheinen Orthoklaskórner, manche 
auch als Zwillinge entwickelt, einige auch mit rissig paralleler Streifung '*) versehen. 
Plagioklase kommen in ausgeschiedenen Kórnern auch, jedoch verháltnissmássig 
selten vor. Stellenweise erscheint im Biotit auch ein schwarzes Erzkorn vereinzelnt 
eingewachsen. Flůssigkeitseinsch liisse sind in den eingewachsenen Krystallkórnern 
sehr háufig. 


——Ě = 


95 


Glimmerschiefer. 


i Dieses Gestein ist sehr verbreitet; insbesondere ist der kleinkornige Glim- 
| merschiefer mit vollkommen eben- und důnnschiefriger Textur im dem Steilabfalle 
"des Eisengebirges gegen die Čáslauer Ebene entwickelt, wo demselben Amphibolite 
| eingelasert sind. Der Biotit-Glimmerschiefer bricht stellenweise in bis Auadrat- 
(meter grosse Platten; die diůnnsten kleineren Scherben wůrden selbst einen dicken 
(Dachschiefer abgeben, da selbst 5" dicke Spaltungsstůcke zu erlangen sind. An 
"den Schieferungen, welche die Fláche der Biotitschuppen zeigen, ist eine undeut- 
liche Streckung bemerkbar; im Auerbruche zeist sich das sehr feinkórnige Auarz- 
(gemenge mit den parallel gelagerten Biotitschůppchen. Das Gestein úbergeht stellen- 
'weise in Amphibolitschiefer mit deutlicher Streckung. 

| Ein parallel zur vollkommen ebenen Schieferung hergestellter Důnnschlif 
„von Bumbalka bei Semtěs zeigte u. d. M. ein korniges Aggregat von £—+1"" breiten 
"Auarzkórnern und fetzenartigen, ebenso grossen Biotitschuppen von brauner Farbe, 
„welche die Tendenz zeigten, nach einer Richtung sich háufiger an einander zu 
„schliessen, als dies normal auf diese Richtung der Streckung der Fall wáre. Zwischen 
der Gemenge-Masse, sowohl im Auarz, als auch im Biotit sind strichweise entweder 
staubartice oder zu winzigen Aggregaten vereinigte Erzkórnchen reichlich ein- 
 gestreut. Die guadratischen Auerschnitte derselben deuten auf Magnetit. Bei der 
"gánzlichen Durchsichtigkeit des nicht getrůbten reinen Gemengtheiles námlich des 
Avarres und der starken Fárbung im polarisirten Lichte ist auf die Abwesenheit 
des Orthoklases als accesorischen Gemengtheiles zu schliessen. Die Erkennung von 
Řorthoklas neben Auarz hátte im polarisirten Lichte seine Schwierigkeiten, da 
 Orthoklas, wenn derselbe ganz frisch ist, vóllig gleich lebhaft sich fárbt wie der 
Fonarz. Oligoklas wurde natůrlicher Weise auch nicht angetroffen. 


So leicht sich diese Důnnschliffe parallel zur Schieferung auch anfertigen 
lassen, so misslingen diejenigen, welche man normal zur Schieferung anzufertigen 
bestrebt ist, so dass die Dicke der Biotitschuppen unbekannt bleibt. 


+ 
% 


Phyllit. 


Die náher untersuchten Phyllite (Glimmerschieferphyllite) stammen von 

Er Hlinsko-Skučer Schieferinsel und zwar von deren sůdlichem Theile her, welcher 

dem Gneuse und Granite genáhert ist. Diese Phyllite verfáchen hier (ONO Hlinsko, 

„S Skuč) vorherrschend nach NNO und enthalten stellenweise verkieselte Schichten, 
ie demnach zu Lydit umgewandelt sind. 


Die reinen Phyllite von lichtgrauer Farbe sind an der Sůdgránze der 
Ý chieferinsel etwas weniger háufig als die Staurolith fůhrenden Schiefer. 


vá Staurolithphyllit. 
Die meisten Abarten davon finden sich bei Kladné (von Hlinsko an der 


I insko-Krounaer Reichsstrasse 5:8 Kilom. ONO entfernt). Der Phyllit in der 
Behlucht, die von Vojtěchov sůdlich heraufgehend die Strasse, welche daselbst 


96- | 


: 


einen Bug macht, %, km NW von Kladné, úbersetzt, ist ganz deutlich eben- © 
fláchig geschichtet, mit wechselndem aber doch vorherrschend NNO Verfláchen. © 


Der lichtgraue beinahe sehr vollkommen spaltende Pbyllit hat auf der 


Schieferungsfláche entweder eine gedránet stehende parallele Linierung, oder oinělí 


deutliche nach einer Linie gerichtete schwache Runzelune. Hie und da bemerkt © 


man schwach bráunliche Fárbungen, welche von diinnen Háuten von Biotitschuppen © 
herrůhren. 


Die ganz ebenfláchigen, linirten Pbyllite zeigen sehr zahlreich ganz kleine 
schon dem blossen Auge oder erst bei Vergrósserung sichtbare schwarze Punkte, 
welche meist hóckerig hervorragen und die Grósse von "/;"% bis 345"%" besitzen. 
Die grósseren sind Staurolith, die kleineren Magnetit. Auch Granatkórnchen finden 
sich, jedoch nur ganz spárlich vor. Die runzlig geradlinig gefalteten Phyllite, oder 


die nur ebenschiefrigen, insbesondere '/„ km W oder NW von der obenerwáhnten 


Strassenbiegung in der Vojtěchover Schluchtdepression zeigen, abgesehen von den 
winzigen Magnetitpůinktchen entweder vereinzelnte Staurolithkrystállchen 4—5 auf 
der Fláche von 1[ Jem oder selbst stellenweise in grósseren Flecken so an einander 
geháufte Krystállchen, dass an gewissen Štellen deren bis 80—120 auf die Fláche 
1[ Jem. entfallen. Doch sind solche Stellen immerhin nicht háufig anzutreffen. 


Die Staurolithprismen aus dem Bruche W von der Strassenbiegung bei 


Kladné, dann auch N und S von der Strasse zeigen bei einer Lánge von bis 
2=m. die Breite von 4%“ Die Farbe ist bráunlichschwarz. Die herausgekratzten 
undurchsichtigen Krystállchen haben Glasglanz und zeigen die Form 

oo P.Po. woPo.0P. 


kl 


Einige zeigen trotz ihrer Kleinheit eine wenn auch nicht sehr deutliche Spalt- 


barkeit nach oP w, natůrlich erst unter dem Mikroskope. Die Krystállchen ritzen 
Guarz, haben demnach die Hárte von 7',. 


Wenn nicht alle, so erweisen sich doch die meisten Krystállchen als Zwil- © 
linge der eben angefůhrten einfachen Form nach */„P*/,. Die wenig glánzenden © 


Fláchen sind nicht gánzlich eben. Unter dem Mikroskop gemessene Kantenwinkel 
gaben: © P: wPw vorne: 113945' (statt 1159 177) oo P: o P o hinten 1139 12“: 
dann. 00 P: 00 P vorne: 1329 59" (statt: 1297207), oo P: oo P himien lon = 
Abweichung der gemessenen Werthe von den richtigen ist im Vergleich zur Un- 
ebenheit und Kleinheit der Fláchen eine nur unbedeutende zu nennen. 

Vor dem Lóthrohr bleibt das Mineral unverándert. 

Die Phyllite und Staurolithphyllite enthalten keine Ouarznester, auch nicht 
sichtbare důnne Guarzlagen im Guerbruche, so dass irgend ein Glimmer der Haupt- | 
gemengtheil derselben ist. "*) 


Důnnschliffe lassen sich nur nach der Richtung der Schieferung anfertigen. © 
Da zeigen nun Důnnschliffe bei Vergrósserung auserordentlich zahlreiche 


sich deckende Schuppen von Muscovit (Sericit), zwischen welchen einzelne Biotit- 
schuppen, oder ganze aus Schuppen bestehende Ageregate die lichte, schuppige 
Masse verdunkeln. Zwischen die parallelschuppige Masse, in welcher Ouarz oder 
cin anderer Gemengtheil entweder ganz fehlt oder in so untergeordneter Menge 
vorkómmt, dass derselbe durch die Schuppen verdeckt wird, findet sich ganz 
regellos Magnetitstaub eingestreut. Die Magnetitkórnchen von ganz unscheinbaren 


9 


Punkten angefangen, bis zur Grósse von 35" und noch darůber, zeigen meist 
guadratische Ouerschnitte. Man kann deren an Orten, die keinesfalls zu den 


Nur verháltnissmássig vereinzelnt finden sich braune durchsichtige Staurolithprismen 
in dem schuppigen Gemenge. Allein auch die Staurolithe sind nie rein, auch 
| o enthalten Magnetitstaub in Kórnchen bis zu 5g""“ Breite čin bovadhodní 


Andere Gemengtheile, ausser stellenweise aber recht selten, nur in gewissen 
'Důnnschliffen eingewachsenen rundlichen kleinen Kórnchen von Granat von kaum 
[Imerkbarer, blass rosenrother Farbe kónnen in dem Gemenge nicht nachgewiesen 
werden. — 
| Im polarisirten Lichte zeigen die einzelnen Muscovitschuppen, deren nicht 
(vertikalen Achsenrichtungen nicht orientirt sind, verschiedene Farben, wodurch 
jihre mittlere Grósse von „£—1;""“ bestimmt werden kann. Der Staurolith zeigt 
I Agoregatpolarisation; dieses Verhalten wůrde nicht so sehr Eigenschaft des Stau- 
! 'rolithes, als vielmehr der darin zerstreut eingewachsenen Muscovitschuppen sein. 
Als Belege dafůr, dass zur Zusammensetzung des Phyllites vornehmlich 
der Muscovit beitrágt, dient das Verhalten vor dem Lóthrohr. Der Phyllit bláttert 
sich námlich ganz unbedeutend auf, ist beinahe unschmelzbar und wird nach 
| Verlust der grauen Farbe silberweiss. 


Andalusitphyllit. 


An anderen Orten nahe der Granit- und Gneusgránze finden sich dié unter= 
I silurischen Grauwackenschiefer in Andalusitschiefer ungewandelt. Vornehmlich sind 
| diese Gesteine in den Eisenbahneinschnitten O und W von Hlinsko entblósst. Eine 
Probe des Gesteines in der Náhe des Bahnhofes von Hlinsko, nahe der Granit- 
gránze stellt einen dunkelerauen unvollkommen schiefrigen Phyllit (Thonschiefer- 
 Phyllit) vor, dessen Schieferungsfláchen kurze wellig gebogene Runzeln zeigen. 
Der Glanz ist an solchen Fláchen ein matt seidenartiger. In der scheinbar 
dichten Phyllitmasse, ohne alle noch so kleinen Auarzeinschlůsse, welche ziemliche 
Festigkeit besitzt, finden sich kleine Wůlstchen oder Hóckerchen, dann aber por- 
(phyrartig eingewachsene Andalusitkrystalle, welche in Bruchfláchen auftreten. Die 
Wůlstchen und Hóckerchen sind auch Andalusitkrystalle, deren Krystallfláchen 
'jedoch mit der Phyllitmasse, eigentlich sehr zarten parallelceháuften Biotit- 
(schůppchen bedeckt zum Vorschein kommen. Die stark glaselánzenden Andalusit- 
bruchfláchen oder wenn eine Spaltung nach w» P erfolgte, also Spaltungsffáchen 
(erweisen sich als ganz durchsichtig und blass rosenroth gefárbt, demnach nicht so 
' umgewandelt, wie es die meisten weissen undurchsichtigen Chiastolithe schon sind. 


3 Die Spaltung nach o P ist mehr als vollkommen, zufolge der ebenen 
Beschaffenheit der Fláchen und auch vermoge der irisirenden Farbentone im 
/ Inneren der Krystalle parallel den Spaltunesfláchen, welche letztere Eigenschaft 
(immer einen bedeutend vollkommenen Grad von Spaltbarkeit andeutet. Dann und © 
| wann aber tritt ein Andalusitguerbruch zum Vorschein; dann ist in dem guadra- 
| tischen Bruche das schwarze Schieferkreuz zu sehen, sahat diese Andalusite 
„zur Varietát Chiastolith gehóren. Trotz der frischen Beschaffenheit der Krystalle 
he Ť 


98 


erreichen sie doch nicht die Hárte des Andalusites (7—1',) sondern zeigen dej 
geringeren Hártegrad des Chiastolithes. 

Die Lánge der ausgeschiedenen Andalusitkrystalle betrágt selbst mehr alé 
10, die Breite bis zu "/;©% ; die meisten Krystalle sind jedoch kleiner. Spaltungs- 
fáchen zeigen unter dem Mikroskop gemessen einen an 909 sehr genáherten 
Neigungswinkel, der sich mit mehr Genauigkeit nicht bestimmen liess,» da eben 
die Spaltbarkeit keine sehr vollkommene ist. 

Der Fhyllit selbst schmilzt stellenweise an den Kanten etwas an, was auf. 
den Biotitgehalt desselben zurůckzufiůhren ist. | 


Důnnschliffe zeigen eine deutlich kórnige (schiefrige) Grundmasse mit aus- 
geschiedenen Krystallen von Andalusit. Dickere Andalusitdůnnschliffe zeigen noch. 
die blassrosenrothe Farbe, diůnnere Pláttchen sind durchsichtig. Meist ist die. 
Gránze zwischen Andalusit und Schiefergrundmasse eine scharfe, was um M 
deutlicher ist, als die opaken oder stárker fárbigen Gemengtheile derselben an. 
den Gránzen mit den durchsichtigen Krystallen zusammengedránet zu sein scheinen. 
Nur ganz selten zeicgt sich ein Úbergane der durchsichtigen Krystalle in die Grund- 
masse dadurch, dass nahe dem Rande graue Nebelflecke, mit opakem Staub 
darinnen, den Úbergang in die Grundmasse bedingen. Manchesmal zeigen die | 
Andalusitkrystale nahe den Rándern vereinzelnte opake schwarze Kórnchen ein- 
gewachsen; oder legt sich an den Rand der Krystalle etwas Pyrit an. 

Die Spaltbarkeit zeigt sich deutlich im Andalusite; wenn gewisse Krystalle 
durch Druck der Schiefermasse etwas verschoben sind, So zeigen sie viele paraleo 
Spaltklůften parallel oo P, welche durch wenige GAuerspáltchen (vielleicht > 
einem Pinakoide) netzfórmig verbunden sind. Dann zeigen sich von den Spalten-. 
ráumen aus die Krystalle weiss getrůbt, also wahrscheinlich durch Wasserauf- 
nahme umgewandelt. Im polarisirten Lichte erscheinen nur die Kerne zwischen. 
dem weissen schwachdurchscheinenden groben Netzwerk gefárbt, wáhrend eine. 
chromatische Wirkung auf die umgewandelten Netzleisten nicht zu erkennen U 

Senkrecht auf die Achse geschnittene Andalusite zeigen das dunkle Kreuz. 
mit der guadratisch prismatischen Mitte, welches aus einer blassgrauen feinkórnigen. 
Masse mit nur eingestreutem Erzstaub besteht, die nicht ganz scharf von der 
durchsichtigen Krystallmasse getrennt ist, wáhrend gegen die Schiefermasse die 
Trennung eine scharfe ist. Die Kanten der Andalusitprismen zeigen keine Margi- 
nalausfůllune, welche mit der mittleren durch die dinnen Kreuzarme verbunden. 
wáre; vielmehr verlieren sich diese Arme, welche von den Ecken des mittleren — 
guadratischen Prisma ausgehen, ehe sie den Kantenrand erreichen, in der Andalusit- 
masse. Das sonst dunkle Kreuz, welches aus Schiefermasse bestehend gedacht wird 
demnach auch die Bezeichnung des Schieferkreuzes fůhrt, besitzt jedoch nicht se 


Zusammensetzung derselben. Es besteht nur aus einer kleinkornigen, durch diese 
Aggregation graulich erscheinenden Masse, in welcher man Andalusit zu vermutbe 

Grund hat, mit eingestreutem Erzstaub, welcher wegen an gewissen Kórnchen sicht-. 
baren guadratischen Auerschnitten auch Magnetit (wenigstens zum Theil) sein 
kónnte. Gegen die Randbegránzung des Kreuzes wird der Erzstaub, in dem die 
Kórnchen etwa z45"" Breite haben, spárlicher, wodurch der nicht scharfe Úberganě 
in die Andalusitmasse vermittelt wird. Die vier Sectoren zwischen den Kreuzarmen. 


J9 


Die Grundmasse, also der Phyllit ist durchaus krystallinisch. Sie besteht 
Jlaus in einer Richtung oder wellenfórmig orientirten durchsichtigen Kórmchen, 
|welche sich so wie Andalusitmasse verhalten; dann Biotitschuppen, beide von 
ziemlich gleicher Grósse bis zur Breite von 1" und eingestreutem Staub eines 
opaken Kórpers, in welchem wenigstens theilweise Magnetit vermuthet werden 
kann. Es ist moglich, dass auch Muscovit oder Amphibol in zarten Stábchen in 
der Grundmasse, jedoch nur in ganz geringer Menge vorkommen, weil ein im 
fAndalusit aufgefundener Auerschnitt die Vermuthung auf eines dieser beiden 
„Mineralien lenkte. 

| In der Náhe der Andalusite ist die Biotitmasse etwas reichlicher in der 
/Schiefermasse angeháuft, auch nicht parallel der Schieferung gelagert, sondern 
scheinbar den Andalusit parallel zu seinen Begránzungesfiáchen umhůllend, als 
"wenn durch die sich ausdehnenden Andalusitkrystalle die Schiefermasse an die- 
Iselben angepresst worden wáre. Die in der Schiefermasse so háufigen braunen 
Biotitpláttchen fehlen in dem Achsenkreuz der Andalusitkrystalle beinahe ganz, 
denn nur hěchst spárlich findet sich ein ganz kleines Biotitpláttchen in denselben. 
| Eine Analyse und zwar eine mechanische wůrde nun den sicheren Auf- 
Ischluss geben, ob die opaken schwarzen Kórnchen, Magnetit oder Anthracit oder 
(beides, námlich im Gemenge sind; ebenso kónnte dadurch die muthmassliche 
(Andalusit-Natur des durchsichtigen u. d. M. kórnigen, sonst aber dichten Schiefer- 
|gemengtheiles nachgewiesen werden, welches letztere aber auch eine chemische 
Analyse hinreichend klar zu legen im Stande wáre. 

| Es finden sich aber in der schwarzen Schiefermasse noch bemerkenswerthe 
Eigenthůmlichkeiten, die erwáhnt werden miissen. Eine Eigenthůmlichkeit ist die, 
dass sich deutlich kórnige Aggregate von Andalusit mit noch eingeschlossenen 
(Biotitschuppen und schwarzem Staub, jedoch ohne sonderlich scharfe Scheidung 
von der Grundmasse vorfinden, welche Tendenz zeigen, guadratische Figuren (wenn 
(der Ouerschnitt senkrecht zur Achse geht) nachzuahmen und die sich auch so 
| mn als wáren sie die Grundmasse selbst, in welcher jedoch die fárbigen 
'Gemengtheile (Biotit, opaker Staub) von den grósseren durchsichtigen (Andalusit) 
| Gemengtheilen zurůckgedránot worden wáren. Es scheinen das in Bildung begriffene 
(Andalusitkrystalle zu sein. 

8 Dann finden sich kleine, hochstens getreidekornerosse ellypsoidale Auer- 
"schnitte, welche im Důnnschliffe bedeutend mehr durchscheinend sind als die 
Schiefermasse selbst. Dieselben bestehen aus einer Hůlle von etwas mehr ange- 
láuften Biotitschůppchen, werden also von einem dunkleren Hof umsáumt, innerhalb 
'welchem ein ellypsoidaler enger Kranz von Andalusitkórnern mit wenig Biotit und 
Wenig schwarzem Staub folet, welcher dann den grossen ellypsoidalen inneren 
Kern, der die Zusammensetzung des Andalusitachsenkreuzes hat (demnach aus 
Kleinkórnigen, licht graulich erscheinenden Ageregaten, mit zartem schwarzem 
Staub und hóchst spárlich winzigen Biotitschůppchen) einschliesst. Die etwas 
biotitreichere Hůlle, der durchsichtigere enge Kranz sowie die graue Kernmasse 


„* 
' 


" 


100 : | 


sind jedoch nicht scharf, sowohl von der Schiefergrundmasse als auch unter sich, 
getrennt. 


Wahrscheinlichkeit durchfůhrbar ist, so wáre der graue Kern die Analogie des 
noch nicht fertigen Achsenkreuzes, die durchsichticere Hůlle aber mochte dem noch 
nicht vóllige Individualisirung, das ist Spaltbarkeit und Krystallformbegránzung 


) 
| 
Wenn eine Deutung hier zulássig ist, welche nur mit einigem Grade von | 
besitzenden Andalusit selbst angehóren. 


Fruchtschiefer. ; 


Etwas weiter von der Graniteránze im Bogen zwischen Ranná und Vojtěchov, 
Horní Holetín, N Hlinsko, Vítanov, O Horní Babákov, Dolní Holetín, also zwischen 
zu Phyllit umgewandelten Grauwackenschiefern und den oben angefiihrten Staurolith-. 
und Andalusitphylliten, welche náher der Granit- und Gneusgránze liegen, folgen. 
diese metamorphischen Schiefer. Die typischesten Phyllite (Fruchtschiefer) sind in. 
der Schiefermasse ganz áhnlich dicht, dunkelgrau, gebogen parallel welligrunzlig,- 
wie die Andalusitschiefer von Hlinsko, jedoch erscheinen in denselben guer gegen. 
die Runzelung gestellt dunkelgraue dichte getreidekorngrosse Einschlůsse ein- 
gewachsen, an denen sich die Runzelung etwas bogig einengt. In Guerbrůchen 
sieht man, wie die durch scharfe Knickung hervorgebrachte, im Schieferbruche. 
wellig parallele runzelige Fáltelung sich an die Kórmer anschmiegt. 

Die dichten Kórner sind keineswegs homogen, da sie bei starker Vergro čsse- 
rung glitzernde Fláchen von Glimmern zeigen. V. d. L. sintert oder frittet die Masse : 
nur etwas, indem sie sich lichterau gestaltet. Nur dle anhaftenden hóchst zarten 
Biotitschůppchen schmelzen. Das Mineral ritzt Calcit, gegliiht aber erhoht sich seine 
Hárte. Abceschalter Staub der Kórner, welche an den allerdůnnsten Kanten schwach 
durchscheinend sind, zeigt sich zusammengesetzt aus durchsichticen Theilchen von 
undeutbarer Natur und aus Biotitschůppchen von brauner Farbe. Sehr zarter 
schwarzer Staub durchdrinst das Gemenge. Dadurch, dass nach dem Glihen das 
Mineral lichter geworden ist, scheint mit dem schwarzen Staube eine Veránderune 
vor sich gegangen zu sein; indessen finden sich aber auch noch in den geglihten 
Splittern schwarze Kórnchen, die durch Glůhen desshalb nicht gelitten haben, weil 
sie entweder aus Magnetit bestehen oder weil sie gut und vor Veránderung geschůtzt 
nmhůllt waren. 

Es ist jedenfalls hier der Ort, darauf hinzuweisen, dass čt in dem An“ 
dalusitschiefer ahnliche Kórnchen sich finden, wie sie zuletzt (bei dem Andalusit- 
schiefer) beschrieben wurden, es muss aber jedé náhere úrklárung, als wáren die 
Kórner etwa noch nicht ausgebildete oder in der Bildung gehemmte Andalusit- oder © 
Staurolithindividuen noch dahingestellt werden. '“) | 


Lydit. 

An den Gránzen zwischen den zu Phyllit umgewandelten untersten Silur- | 
grauwackenschiefern mit dem Granit, wie zwischen Krouna und Dědová oder nahe 
den Gránzen am Medkový kopec (Čertovina) und bei Mrakotín (alles O oder NO © 
von Hlinsko) finden sich zu Lydit verkieselte Phyllitschichten in Zůgen, das ist 
in Wechsellagerung mit schwarzem Phyllit, Auch einzelne Lyditschichten finden 


| 
| 
| 101 
sich zerstreut vor. Aus einer schicht- oder lagerartigen Phyllitverkieselung in 
| Lydit, ohne scharfe Gránzen, in dem schon oben angefihrten Strassenbuge, W 
Kladné, wurde eine Probe HA Gninaře 

Gewisse sehr deutlich eben schiefrige Lydite von Schiýžetlé Farbe 
zeigen an den Schieferungsfláchen noch den etwas seidenartigen Glanz des Phyl- 
Hites, obwohl sie aus dichtem Guarz bestehen. Andere zeigen auch GOuarzklůftchen 
M weisser Farbe, welche dieselben durchsetzen, wáhrend der Ouarz im eigent- 
lichen Phyllit in derartigen, sogenannten gleichzeitigen Bildungen (Schnůrchen, 
(Nesterchen) nicht nachweisbar ist. 
| Vor dem Lóthrohr stark geglůht werden diůnne Splitter lichtgrau, bis bei- 
(nahe weiss und an den Kanten durchscheinend. 
| Důnnschliffe, welche sich bei der Hárte des Gesteines in ausserordentlicher 
Důnne herstellen lassen, lósen sich u. d. M. ganz deutlich in die Gemengtheile auf. 
Schwache Vergrósserungen zeigen den ganz durchsichtigen Auarz von weisser Farbe, 
in welchem ausserordentlich viel schwarze Staubkórnchen in kaum záhlbarer Menge 
| eingestreut sind. Stellenweise, und zwar in unvollkommen parallelen Strichen finden 
sich Parthieen vor, welche weniger Staubtbeilchen enthalten, demnach lichter er- 
Funkce theilweise ist der Staub wieder so gedrángt, dass sich die schwarzen 


Půnktchen beinahe zu berůhren scheinen. Starke Vergrósserungen aber zeigen 
(zwischen den Štaubkórnchen doch noch Auarzmasse. Die Staubkórnchen kónnen 
"nur Anthracit sein; ihre Form ist eine rundlich unregelmássige und bei starken 
Vergrósserungen nicht scharf begránzte, so dass der Kern der grósseren An- 
thracitkórnchen von „3g—=g"" im Durchmesser schwarz opak, der Rand aber 
grauschwarz gefárbt erscheint. 

Winzige Guarzklůftchen von ganz reinem Guarz durchsetzen die Lydit- 
masse in verschiedenen Richtungen, es herrscht aber ein Richtungssystem solcher 
Schnůrchen vor, welche scharf begránzt sind. Nur zuweilen ist ein abgerissenes 
Bróckelchen von Lydit in solchen Klůftchen eingeschlossen ; dann und wann erscheint 
eine vereinzelnte Haematitschuppe nahe am Rande der Auarzklůftchen; es ist 
das vor der Ausfůllung der Klůftchen durch Auarz an den Wánden abgesetzter 
Haematit. Manche Gránzfáchen zwischen Auarzklůftchen und Lydit tragen einen 
schwarzen opaken důnnen Úberzug, námlich die vor der Bildung der Auarzklůftchen 
ausgeschiedenen Anthracitanfůge. Die diinnsten Auarzklůftchen besitzen die Breite 
von z3j5"", die breiteren im Praeparate bis 1"", obwohl in Handstůcken die Guarz- 
klůfte oft mehrere Millimeter breit sind. 


Ausser Ouarz und Anthracitstaub enthált die Lyditmasse ausserordentlich 
Selten auch tief braune Kórner, deren Deutung eine unsichere ist; dieselben werden 
fůr Staurolith gehalten wegen der Ahnlichkeit des Vorkommens dieses Minerales 
in den Phylliten, in denen der Lydit auch eingelagert ist. Doch sind diese Stauro- 
hth-áhnlichen Kórner gánzlich einschlussfrei. Die Verdrángung der Phyllitmasse 
durch Lydit wáre demnach eine vollstándige. Auch scheint das Vorkommen des 
Lydites den Umstand, dass die metamorphosirten Grauwackenschiefer, jetzt also 
Phyllite keinen Ouarz und auch keine Auarznester von Bedeutung einschliessen, zu 
erkláren, weil sich eben aller Auarz als Lydit gesondert abgeschieden haben důrfte. 


102 


Sehr bedeutende Vergrósserungen zeigen im Auarze eine ausserordentliche. 
Menge von Flůssigkeitseinschlůssen. Im polarisirten Lichte erweisen sich die mit 
Staub reich angefůllten Stellen aus ganz kleinen Guarzkórnchen zusammengesetzt; 
die an Staub weniger reichen dichten Auarzparthieen bestehen aus bis jmm grossen 
Ouarzkórnchen, die das Ageregat bilden.  Ebenso verhált es sich mit den Ouarz- 
klůftchen, die breiteren bestehen aus grósseren GAuarzkórnchen (bis „£== Breite), 
die feineren aus ganz zarten Auarzindividuen. 


Ebenso zeigt die Beleuchtung mit polarisirtem Lichte, dass nicht alle Ouarz- © 
klůftchen von gleichem Alter sind, da etliche davon andere durchsetzen; es ist 
der Lydit demnach nicht gleichzeitig rissig geworden. 


Ottrelitphyllit. ; 


Dieses Gestein findet sich im Liegenden und Hangenden des Auarzitzuges, 
der wahrscheinlich zur Untersilurzone Dd, gehórt und durch den SO-Abfall der j 
Bučina von NW nach 90 streicht. Diese Schiefer lassen sich durch die Bučina © 
und nach einer Unterbrechung an der Strasse von Vápenný Podol gegen Hrbokov © 
bis Rtein verfolgen. Die sůdliche Begránzung derselben geht úber Skoranov und | 
Kraskov (NW Seč). Die liegenden Ottrelitphyllite, also die NO vom GAuarzitzuge i 
gelegenen důrften der Zone Dd,; die SW vom Guarzitzuge bis zur Granitgránze © 
streichenden aber der Zone Dd; angehóren. Da beide Zonen Dd, und Dd, ur- i 
sprůnglich aus petrographisch nicht unterscheidbaren glimmerigen schwarzen Thon- i 
schiefern (Grauwackenschiefern) bestanden, so ist die Metamorphose derselben in | 
ein gleiches Ottrelitphyllitgestein erklárlich. Die Ottrelitschiefer sind Contact- © 
metamorphosen der schwarzen Thonschiefer mit Granit; die Metamorphose reicht 
bis 1 km weit, in horizontaler Richtung gemessen, von der Granitgránze in die © 
Thonschieferschichten hinein; der dazwischen eingelagerte feinkornige Auarzit aber 
ist unverándert erhalten, wenn von dessen Zerklůftung abgesehen wird. 

Der Ottrelitphyllit úbergeht in der Entfernung von mehr als 1 km von © 
der Granitgránze allmáhlig in den schwarzgrauen Thonschiefer. Besonders auffállig 
ist die Metamorphose dort, wo neben Granit noch andere Eruptivgesteine den 
Contact bilden, so etwa NO von Kraskov, wo der Corsitstock (von Kraskov) mit 
den geschichteten Gesteinen in Contact tritt; hier ist nun die Metamorphose eine 
ganz vollstándige. 

Eine weniger ausgedehnte Ottrelitphyllitparthie, oder wenigstens eines 
metamorphischen, diesem Phyllit áhnlichen Gesteines findet sich in der grossen 
Schieferscholle bei Kreutzbere (Krucenburk), námlich S vom O Theile des Dorfes © 
Chlum (N Kreuzberg), wo alte, wahrscheinlich cambrische Gesteine von ursprůng- 
licher Thonschieferausbildung eine áhnliche Metamorphore erlitten haben. 

Der Ottrelitphyllit zeigt noch ziemlich deutliche Schieferung, die durch 
eine schmutzig lichtgraue unvollkommen schiefrige phyllitische Grundmasse bedinst © 
wird, in welcher auch noch ebenfalls vorherrschend annáhernd parallel gelagert 
dunkelgrůne bis 1'4—1"" breite důnne Pláttchen von Chloritoid (Ottrelit) ein- 
gewachsen sind. Meist entfallen auf 1[j*“ der Gesteinsschieferfláche 40—50 solcher © 
Chloritoidschuppen, obwohl in gewissen Varietáten die Zahl um €in mehrfaches 
steigt. Die schuppig schiefrige Grundmasse lásst sich etwas schaben und zeigt. 


pb 
; % 


| 


schwachen matten Perlmuterelanz; die oP Fláchen des Chloritoides (Ottrelites) 
glinzen stárker. ; 

Diese Chloritoidpláttchen (Ottrelit) stecken in einer sehr feinkórnigen 
'Grundmasse, welche unter der Loupe stellenweise ausgezeichnete Spaltunesfláchen 
Izeigt und den Eindruck eines sehr feinkórnigen Muscovites hervorbrinst, was 
insofern einen Unterschied von dem Ottrelitschiefer von Belgien bedingt, als in 
(diesem letzteren Gesteine die Grundmasse von licht grauer Farbe, vollie dicht ist. **) 

Gewisse Ottrelitschiefer zeigen noch bis fingerdicke und lineal gestreckte, 
auch bogige schlierenáhnliche der Schieferung etwas parallel gelagerte Einschlůsse 
von dem ursprůnglichen, nur schwach gebleichten Thonschiefer, aus welchem die 
|Metamorphose hervorgegangen ist. Es setzt der Ottrelitschiefer von lichterer Farbe 
im Vergleich zur Farbe der eingeschlossenen noch nicht metamorphosirten Thon- 
schieferschlieren, von denselben ganz scharf ab, ein Fingerzeig, dass die Unwandlung 
/nicht gleichmássig in der ganzen Schiefermasse vor sich ging, sondern von Aussen 
nach Innen nach Art einer Verdrángunespseudomorphose stattfand, indem durch 
Vorrůcken der krystallinischen Ottrelitschiefermasse, die sich aus den Elementen 
des Thonschiefers mitgebildet haben mochte, der Thonschiefer aufeezehrt wurde. 
Die Schlieren von Thonschiefermasse wáren also nur noch ůúbrig gebliebene Kerne 
(Reste) der sedimentáren Schiefer. Wenn den Thonschieferrest zufállie ein Klůft- 
„chen durchsetzt, so besteht dasselbe aus Ottrelitschiefergrundmasse (sehr fein- 
'kórnigem Muscovit) mit Ottrelitschuppen. In dieser Art modificirt ist demnach 
der oben angefihrte allmáhlige Úbergang von Thonschiefer in Ottrelitschiefer zu 
verstehen und nicht etwa so zu deuten, als wenn die Thonschiefermasse selbst 
immer mehr und mehr metamorphosirt wáre, bis sie im hochsten Grade der Meta- 
morphose zu echtem Ottrelitschiefer umgewandelt wáre. 

Von der durch Verwitterung angegriffenen Oberfiáche aus fárben sich die 
Ottrelitschiefer blass rostbraun. Důnne Splitter der Grundmasse bleiben vor dem 
Lothróhr beinahe unverándert, ausser dass sie etwas blasser werden und dadurch 
ihre Muscovitnatur noch besser hervortreten lassen, welche Eigenschaften das bel- 
gische Gestein ebenfalls zeigt. 

Unter dem Mikroskope besteht die schuppig feinkornige Grundmasse aus 
nicht vóllig parallel, sondern sich stellenweise regellos kórnig anreihenden durch- 
sichtigen Agoregaten, welche an Muscovit erinnern. Einzelne, besser umrandete 
Individuen des muscovitáhnlichen Minerales besitzen die Breite von 1;"". Ganz 
vereinzelnt jedoch finden sich auch blass bráunliche Schuppen, welche vermuthungs- 
weise dem Biotit nahe gestellt werden kónnten.: 

ý Die unregelmássig polygonalen Chloritoidpláttchen zeigen blass graulich- 
grůne Farben und deutlichen Dichroismus. Nur die Schnitte senkrecht oder guer 
zur Fláche oP zeigen sich durch die oPfláchen eben und parallel begránzt; 
solche Stábe erscheinen dann 1%" dick, was also der Dicke der Chloritoidschuppen 
entsprechen wůrde. 

| Im polarisirten Lichte fárben sich die vermuthlichen Muscovitschuppen 
ziemlich satt, etwas intensiver aber noch gewisse Chloritoidguerschnitte. Die 
senkrecht oder beinahe senkrecht zu 0P geschnittenen Ottrelitblátter, die als dicke 


105 


104 


Stábe erscheinen, zeigen deutliche Zwillingsbildung der Zwillingsebene oP ent- | 
sprechend, wornach also die eine Stabhálfte eine andere Farbe zeigt als die andere. | 
Sowohl die Glimmergrundmasse als auch die Chloritoide enthalten in sich © 


ganz spárlich schwarze Magnetitstaubkórnchen. Sonstige LHinschlůsse sind aber 
nicht zu erkennen. 

Nur zufállig, weil námlich die Probe doch nicht aus dem vóllig frischen 
Schiefer geschliffen wurde, finden sich feine Klůftchen nach infiltrirtem Limonit; 
manchesmal auch noch daneben ein schwarzes Infiltrat einen Erze angehórig 
dessen Deutung unentschieden erscheint. 


Der Ottrelit zeigt keine Zerklůftung, und erscheint auch ziemlich homogen 


und bis auf die spárlichen Magnetitstaubkornchen frei von Einschlůssen. 


Krystallinisch massige Gesteine. 


Rother Granit. 


Der Granit mit fleischrothem Orthoklas, welcher mit dem grauen Granit 
im Eisengebirce so háufig zum Vorschein kommt, zeigt sich an den Gránze mit 
den Silurgesteinen immer etwas abweichend zusammengesetzt, als dies entfernter 
von der Gránze der Fall ist. 

Der Granit von Pračov (S Chrudím), welcher durch die Ohebkaschlucht 
durchschnitten wird, bildet das Hangende úber den umgewandelten Schieferschollen 
und den schiefrigen Felsiten; seine Bánke, in welche er abgesondert ist, fallen 


nach S ein. Ganz nahe der Gránze erscheint der Granit etwas aplitisch, indem 


der dritte námlich glimmerige Gemengtheil desselben sehr zurůcktritt. 

Eine Probe dieses aplitischen rothen Granites von kleinem Korne, in dem 
im Mittel die Gemengtheile die Grósse von 1""“ erreichen besteht aus durch- 
sichticem GAuarz und fleischrothem Orthoklas, welche beiden Gemengtheile sich 
das Gleichgewicht halten, und nur accesorisch zerstreuten ganz kleinen Schuppen 
von Biotit, sowie noch kleineren Kórnchen von Turmalin. | 

Unter dem Mikroskope ist der Guarz von Kórnerform ganz durchsichtig, 
wasserhell, lebhaft chromatisch im polarisirgen Lichte; der fleischrothe Orthoklas, 
dessen Gestalten prismatisch verlángert sind, zeigt sich nicht durchsichtig, Was 
einen grellen Unterschied neben demOuarze hervorbringt. Ausser den grósseren 


bis úber 1%" breiten Kórnern des Auarzes im Granitgemenge erscheinen im Ortho-- 


klas auch kleinere Auarzkórner von etwa '"" Breite eingewachsen. Einzelne 
schmutziggrůne Biotitguerschnitte und lángliche opake Turmalinaggregate sowie 
Magnetitkornchen von schwarzer Farbe sind nur ganz vereinzelnt eingewachsen. 


Eine zweite Probe zeigt etwas reichlichere kleinere Biotitaggregate, welche 


manchen Turmalinkórnchen nicht unáhnlich sehen, in dem fleischrothen Orthoklas- 
Ouarzgemenge. Unter dem Mikroskope erscheinen neben nur durchscheinendem 
Orthoklas zahlreiche Ouarzkórner unter 1" Breite und unfórmliche ebenfalls kleine 
(unter 17" Grósse) Aggregate von dunkel bouteillengrůnem Biotit; dann und wann 


| 


105 


! auch kurze schwarze Kórner von Magnetit. Gewisse Feldspáthe sind weiss getrůbt 
(und zeigen Aggregatpolarisation; ob dieselben dem Oligoklas angehóren, kann 
(nicht entschieden werden. 


Der rothe Granit von Rudov (O Ronov) bildet im grauen Granit einen 
| kleinen Stock mit nicht bestimmten Gránzen, weil dieselben durch Wald bedeckt 
| sind. Von der Rudover Můhle WS finden sich im Walde Blócke dieses eigen- 


| thůmlichen rothen Gránzgranites. 


| Dieser Granit macht den Eindruck eines biotitreichen Felsitporphyres oder 


mindestens kleinkórnigen Granitporphyres; denn in einer graulichfleischrothen, 
| beinahe wie dicht aussehenden, sehr feinkórnigen Grundmasse sind zahlreiche bis 
12- lange grůnlichschwarze Biotitschuppen regellos eingewachsen, neben welchen 
auch weisse kleine Orthoklas- und Oligoklaskrystalle, die jedoch erst unter der 
| Loupe deutlich hervortreten, dann ganz selten Ouarzkórner zum Vorschein kommen. 
| Gewisse Biotitschuppen wachsen bis zu 1%% breiten Lamellen an; auch kleine 
Amphibolaggregate sowie winzige Pyritkornchen, an einigen ist die asě O0, 00m 
sichtbar, erscheinen in dem Gemenge eingewachsen. 


nur blass kleinfleckige, mit Biotitguerschnitten darin. Das polarisirte Licht aber 
lóst alles ganz gut auf. Die frůher als scheinbar dichte Grundmasse angefůhrten 
Gemengtheile stellen eine kleinkórnige vorherrschend aus Orthoklas bestehende 
Masse vor, in welcher kleine Auarzkórnchen nur nach den lebhaften Farben, welche 
sle im polarisirten Lichte annehmen, erkennbar, in geringerer Menge eingewachsen 
erscheinen. Die Grósse der kleinen Kórner von Orthoklas und Auarz in dem 
Aggregate wechselt von NON Die háufigen schmutzig gelblichgrůnen oder 
braunen Biotite sind —39—+g""“ dick und meist nur i—1*" breit. 


| 
In Důnnschliffen erscheint die Granitmasse als eine weisse, durchsichtige 
| 
| 


Kleine, bis hochstens 1"* lange Feldspathguerschnitte erscheinen nicht 
zahlreich porphyrartig ausgeschieden; dieselben gehóren theils dem Orthoklas, 
theils dem Oligoklas an, letztere zeigen manchesmal auch unter beinahe rechten 
Winkeln sich kreuzende Zwillingslamellen. (Gróssere Ouarzkórnchen fielen in den 
Důnnschliff nicht. Einzelne grasgrůn gefárbte lappig zertheilte Prismen von fas- 
riger Zusammensetzung důrften Amphibol sein. Die wenigen Pyritkornchen erreichen 
selbst die Grósse von 1"m, 


Dieser rothe Granit kóonnte demnach ebenso gut auch Granitporphyr ge- 
nannt werden, da er ein Mittelding zwischen kleinkórnigem Granit und Granit- 
porphyr vorstellt. Wegen seiner genetischen Beziehungen zum rothen Granit sei 
„derselbe hier dem kleinkornigen Granite zugezáhlt. 


Grauer Granit. 


Graue Granite des Eisengebirges besitzen einen weiss gefárbten Orthoklas 
und Biotit im Gemenge; wegen der dadurch bedingten Farbe sind sie als graue 
ausgeschieden. Von diesem gemeinen Gesteine wurden nur zwei Proben náher 
untersucht, 


106 


Der graue Granit "/„ km W von Hutě (W Ransko), welcher da von. 
Dioritcángen auch spárlich von schwachen Corsitgángen durchsetzt wird, erinnert 
an den Gneusgranit (von Šeč); er scheint aber doch dem regellos kórnigen Gra-- 
nite náher zu stehen. Die Textur ist eine zwischen klein- und mittelkórnige;. 
Ouarz und Orthoklas von gleich rein weisser Farbe und bedeutender Durchsichtig- 
keit lassen sich im Bruche nicht sogleich von einander unterscheiden; der Biotit 
ist schwarz nur in důnnsten Pláttchen tiefbraun durchscheinend. Accesorisch 
kommt schwarzer Amphibol, -vom Biotit schwierig auseinander zu halten, dann 
honiggelber Titanit bis 1% lang, in den gemeinen Krystallformen, wie er sich 
auch in Syeniten vorfindet, eingewachsen vor. Die Auarze oder Orthoklase sind 
bis úber 2"" breit, die Biotite in Acgregaten kleiner. 

Unter dem Mikroskope herrschen die durchsichtigen Ouarze und die eben- 
falls durchsichtigen oder nur €ganz wenig matten Feldspáthe vor; sie bilden bis © 
2—2',"m lange und breite Anháufungen, wáhrend der Biotit meist lappig zertheilte 
Aggrecate, die aus kurzen Krystallguerschnitten derselben zusammengefůgt erschei- 
nen, bildet. Im gewoóhnlichen Lichte sind nur die ganz schwach matten oder durch 
Spaltungsffáchen rissigen Feldspáthe vom Auarze zu unterscheiden. Im polarisirten © 
Lichte aber zeigen die wasserhellen Orthoklase eben so lebhafte Farben wie der 
Ouarz, so dass beide Mineralien nur nach der Form auseinander gehalten werden 
kónnen. Einzelne bis 1I—1';"“ bis 2%% lange Auarz- oder Orthoklasindividuen 
finden sich háufig, andere im gewóhnlichen Lichte durchsichtige Aggregatanháu- 
fungen bis zur Lánge von 3%“ bestehen im polarisirten Lichte gesehen aber aus 
Ouarz und Orthoklaskornchen von etwa 17% Breite. Oligoklas ist wohl nur ver- 
einzelnt in kleineren Kórnern aber doch in ziemlicher Zahl anzutreffen; diese 
gestreiften Plagioklase zeigen im polarisirten Lichte ebenso satte Farben wie der 
Ouarz, ein Hinweis auf ihre Frische. Die zu lappig zertheilten Aogregaten grup- 
pirten Biotite zeigen bouteillengrůne Farben und den starken Dichroismus. Eben 
solche lappig zertheilte dunkelgrasgrůne Amphibole finden sich in spárlicherer 
Menge eingewachsen. 

Die bis 17“ breiten, scheinbar guadratischen Magnetitguerschnitte lieben 
es in den Biotit- oder Amphibolaggregaten eingewachsen vorzukommen. 

Titanit erscheint blass braun in dem Důnnschliffe; im pol. Lichte zeigt 
er keine grellen Farben. Einzelne Pyritkornchen, bis 1%% gross sind ganz selten. 

In derselben grauen Granitparthie, welche in der Náhe des Diorites des 
Ransko-er Waldes als Amphibolgranit entwickelt ist, finden sich 1 km SW von 
Nové Ransko mittel- bis kleinkórnige Biotit- und Amphibolgranitabarten vor, welche 
durch Dioritrůmmer durchsetzt werden. Eine ganz frische kleinkórnige Biotit- © 
granitvarietát von dunkelgrauer Farbe und nur unter der Loupe sichtbaren winzigen © 
Pyritkórnchen zeigte im Důnnschliffe ein scheinbar vorherrschendes Auarz-Feld- 
spathgemenge und Diotit, sowie Amphibol; beide letzteren Mineralien etwa in 
gleicher Menge. 

Der Auarz und der Feldspath sind durchsichtig im gewóhnlichen Lichte 
nicht gut von einander unterscheidbar. Die Biotitguerschnitte finden sich zerstreut, 
die Amphibole aber zu Aggregaten mit lappig zertheilten Rándern gehánít vor, 
erstere haben gelblichbouteillengrůne bis braune, letztere dunkel grasgrůne Farbe. 


107 


(Meist an die Amphibolaggregate gebunden, wenn auch zeitweilig in den durch- 
Jsichtigen weissen Gemengtheilen auch vorkommend, finden sich einzelne, bis , "" 
Ibreite guadratische Ouerschnitte von Magnetit vor. 

Das polarisirte Licht lóst die durchsichtigen Mineralageregate vollig auf; 
(bei der bedeutenden Frische derselben zeigen sowohl Orthoklas als auch Auarz 
satte Farben ; neben diesen beiden Mineralien kommt aber auch in ziemlich bedeu- 
"tender Hrsnké Plagioklas vor. Die Menge des Plagioklas scheint mit dem Amphibol 
zuzunehmen, so dass beide Mineralien einander im Gemenge bedingen. Die gróssten 
Ouarz-, oder Orthoklas-, oder Plagioklas-Individuen erreichen kaum ,"", die son- 
stigen Kórner in dem Aggrecate sind bedeutend kleiner. Die Biotitstábe erlangen bei 
einer Dicke von ;%"" bis 10fache Lánge, auch noch mehr. 

Wegen des Úbergewichtes, welches der sonst nur zu den accesorischen 
Gemengtheilen hinzugerechnete Ampůibol hier besitzt, bildet dieser kleinkórnige 
Granit das Bindeglied zwischen Biotit- und Amphibolgranit, es passen also beide 
Namen fůr denselben, oder auch der Name Biotitamphybolgranit allein. 


pm PT S BAY F 0 < ee a 


Gneusgranit. 


In beiden Elbeufern, bei Elbe-Teinic und dem gegeniberliegenden Vinařic 
werden sowohl kleinkórnige Glimmerschiefer als auch der Gabbro durch echte sowie 
auch Lagergánge von Granit durchsetzt, welcher in verháltnissmássig nicht bedeuten- 
der Máchtigkeit bis 20—530== wie dies im linken Ufer in den entblóssten Eisenbahn- 
einschnitten zu sehen ist, hier mehrmals zu Tage tritt. Die Fig. 3 versinnlicht das 
Vorkommen der Graniteánge. Es sind jedoch die Biotitschuppen des Granites ziemlich 
nahe den Gangbegránzunesfláchen parallel, so dass die Textur des Granites eine 
unvollkommen schiefrige wird, wesshalb der Name Gneusgranit gerechtfertigt er- 
scheint. Wůrden die Lagerungsverháltnisse des Gneusgranites nicht so deutliche 
sein, so wáre das Gestein gewiss als Gneus bezeichnet worden, allein als eruptives 
Gestein, welches bei bedeutenderer Máchtigkeit die Gneustextur etwas weniger 
deutlich zeigt, kann es nur als Granit bezeichnet werden, ausser man wůrde auch 
„eruptive, das ist ganefórmige Gneuse annehmen. '*) 


Im linken Elbeufer zeigen sich derartige Gneusgranitgánge zwischen Záboř 
und Vinařic knapp W vom Wůchterhaus Nr. 281, dann in Vinařic O vom Viaducte 
der Eisenbahn, dann nahe O und W vom Wáchterháuschen 280 zwischen Vinařic 
und Kojic. Ebenso verhált es sich auch unter Elbe-Teinic, im rechten Elbeufer, 
Wo jedoch die Zahl der Gneusgranitgánge nicht genau festzustellen ist. Das 
„Streichen der Gánge, die meist Lagergánge vorstellen, ist von SO nach NW. 
Bemerkenswerth ist noch, dass mit der Zunahme der Máchtigkeit der Gánge die 
Korngrosse oleichfalls zunimmt, indem die Textur zugleich zu einer unvollkom- 
(menen plan parallelen wird. 

| Der Gneusgranit */„ km Ó von Elbe-Teinic, als kurzer Gangstock den 
Amphibolschiefer durchbrechend und niedrige Kuppen bildend, ist unter allen hier 
beobachteten Gneusgraniten das kórnigste Gestein. Die Textur ist mittelkórnig, 
der Orthoklas uud Auarz weiss, die kleinschuppigen schwarzen Biotitaggregate 


108 


sind unvollkommen flasrie vertheilt, kurz das Ge- 
steln sieht einem unvollkommen schiefrigen kurz- 
flasrigen Gneus ziemlich áhnlich. Die Lánge der 
weissen Gemengtheile, die unvollkommen parallel 
gelagert sind, betrást bis 6m. 


Wichterh. 
281 


235 335:5 Km, 


Viadukt 


Unter dem Mikroskop zeigen sich in weis- 
sen durchsichtigen Aggregaten schuppige Anháu- © 
fungen von braunem bis grůnem Biotit, dazwischen. 
selten kleine Kórner von Ilmenit mit einer důnnen 
Leukoxen-(Titanomorphit)rinde umhůllt. Die Biotit- 
schuppen erlangen Dreiten bis 1"". Das durch- 
sichtige Aggregat besteht aus kleineren, im Mittel 
'/„“m breiten Ouarzaggregaten, in welchen kleinere, 
bis úber 17" lange Orthoklaskrystalle eingewachsen. 
sind. Auch ein parallel gestricheltes Orthoklaskorn 
(wie man es sonst Mikroklin nennt) wurde sicht- 
bar. Nur ganz vereinzelnt finden sich Plagioklas- 
krystalle; einerdavon zeigte sich als Zwilling nach 
dem Karlsbader Gesetz, dessen eine Hálfte im 
polarisirten Lichte einfárbig, die andere gebándert 
erschien. Auch solche Plagioklase, die nur flecken- 
weise Zwillingsbánder zeigen, finden sich; dieselben. 
lassen aber die Deutung, als wáren sie von Ortho- 
klas umwachsen, desshalb nicht zu, weil der nicht 
zwillingsartig gebánderte Theil nicht scharf von 
dem gebánderten getrennt ist, ausserdem aber 
auch dieselbe Grundfarbe zeigt wie die gebán- 
derte Parthie. 


Bei stárkeren Vergrósserungen werden auch 
Apatitnadeln in den Feldspáthen sichtbar. Stellen- 
weise zeigen sich graulich grasgrůne Flecken oder. 
Umrandungen des Biotites, welche aus spiessigen 
Nadeln bestehen und auf Amphibol hinweisen. 


Vinařice 


1:10000, Imm.= 10m, 


SW 
== Zabe Flie—> 


— ——— Wsenbuhn 


Bahnhof Zaboř (Station Elbe-Teinic) 
280 


Á : 
/ ZLÁ VÍÍ POD / W; 
HSM ý s 857 M 
dpd a 205 


ph 200 


834 Km, 


Der Gneusgranit zwischen Zaboř (Eisen- 
bahnstation Elbe-Teinic) und Vinařic, der in zwei 
Gángen im Glimmerschiefer an der Gránze mit 
dem Gabbro vorkommt (siehe Wáchterhaus Nr. 281 
auf Fig. 3 pag. 110), wurde in zwei Proben unter- 
sucht. Die eine Probe (etwa 100 Schritte) W vom. 
Wáchterhause Nr. 281 an der Bahn, war zwischen 
mittel- bis kleinkórnig, die andere kleinkórnig und 
aus dem etwa 20" máchtigen Gange entnommen. 
Bis auf die weniger grobe Textur ist dieser Gneus- 
granit dem frůher beschriebenen Gesteine von 


A 


Pře 


109 
| 

|Elbe-Teinic áhnlich. Die erste Probe wurde normal auf die plane Paralleltextur, 
14 zweite parallel derselben zu Důnnschliffen verwendet. 

Erstere zeigten aus grósseren DBiotitpláttchen zusammengesetzte, in einer 
(Richtung .orientirte Flasern in der aus Auarz- und Orthoklas-Krystallkórnern be- 
|stehenden weissen Masse. Accesorisch werden die flasrigen Biotit-Aggregate von 
wechselnder Breite von Amphibolnadeln, meist an den Rándern, begleitet. Die 
| Amphibolnadeln von 55 "" Breite und 10facher Lánge sind entweder einzeln oder 
in Gruppen geháuft zu finden. (Ganz spárlich sind auch Magnetitkornchen ein- 
| gewachsen; bedeutendere Vergrósserungen lassen u. d. M. Apatitnadeln erkennen. 

Die der Schiefertextur parallel geschnittene Diůnnschliffprobe in dem klein- 
kórnigen Gesteine zeigt vorherrschend die weissen durchsichtigen Aggregate von 
Ouarz mit den ganz wenig getrůbten Orthoklasen, in welchen die Biotite unregel- 
mássige, lappig zertheilte Háufchen und auch einzeln zerstreute Krystallguer- 
schnitte darstellen. Amphibol ist in grasgrůner Farbe in kleinen Háufchen ganz 
selten, dessoleichen auch feiner Magnetitstaub nur ganz sporadisch eingewachsen. 
Im polarisirten Lichte erweisen sich die ganz durchsichtigen Auarze als Aggregate 
von bis úber */„*“ grossen Kórnern von lebhaften Farben. Die Orthoklase in der 
Form von langen rechteckigen Auerschnitten auftretend, zeigen die Eigenthůmlich- 
 keit, dass ihr Kern matt, schwach fárbig, die áussere Schale von ziemlicher Důnne 
aber wasserhell, lebhaft fárbig im polarisirten Lichte, erscheint. Diese Erscheinune 

kann als Schalenbildung gedeutet werden. Gewisse gestreifte Feldspáthe kónnten 
entweder als Plagioklas gedeutet werden, wenn sie nicht vielleicht parallel an- 
gelagerte Orthoklase der eben erwáhnten Ausbildung vorstellen. 

Genau O von Vinařic etwa /„—1 km sind in einigen Gruben die Fort- 
setzungen der Gneuseranitgánge, welche in Vinařic und O von Vinařic im Elbe- 
ufergehánge ausbeissen, aufgedeckt. Von einem Gange von 3" Máchtigkeit, welcher 
unvollkommen schiefrigen Gabbro (Uralitdiorit) durchsetzt, sowie von einem arm- 
dicken, ganz geradlienig streichenden Gangtrumm wurden Proben entnommen. 
Beide Gesteine sind kleinkórnig schuppig; wenn die Lagerungsverháltnisse nicht 
so deutlich vorliegen wůrden, kónnte an unvollkommen schiefrigen Gneus gedacht 
werden. Das vorherrschende Auarz-Orthoklasgemencge ist blass graulichgelb; die 
einzigen Biotitschippchen bilden ganz kurze Flasern. 

Ein Důnnschliff des Gneusgranites aus dem 3" máchtigen Gange zeigt 
ganz áhnliche Texturverháltnisse, wie die ůúbrigen oben beschriebenen Gneus- 
granite, nur dass die Textur eine zartere ist. In der weissen Auarz-Orthoklas- 
Grundmasse ist schon in gewóhnlichem Lichte der Ouarz durch seine Durchsichtig- 
keit von dem getrůbten Orthoklas zu unterscheiden. Der getrůbte Orthoklas 
verleiht auch der Masse die gelbliche Farbe. Der Biotit bildet, weil der Schnitt zu 
keiner Texturrichtung parallel láuft, entweder bis 1'/,*“ lange, '/„"“ breite la- 

© serige Anháufungen, oder stark lappig zerschlitzte und lappig getrennte Háufchen, 
-Oder einzeln eingewachsene Krystallschuppen. Die kleinsten hexagonalen Schuppen 
des Biotites messen bei der Breite von 54" in der Dicke 345"". Ebenso breite 
Magnetitstaubkórnchen sind ganz selten. Im polarisirten Lichte bestehen die durch- 
sichticen Ouarze aus Aggregaten bis zu 4%% im Durchmesser; der feckig getrůbte 
Orthoklas, von etwas grósserer Breite als der Ouarz, zeigt nur in den weniger 


110 


trůben Theilen noch Farben. Manche Orthoklasprismen besitzen noch einen ganz 
engen Saum, also eine Schale von bedeutenderer Durchsichtigkeit. Bei der getriibten 
Beschaffenheit der Feldspáthe ist die Anwesenheit von Plagioklas nicht zu erfassen. 
Bei 100facher Vergrósserung kamen Apatitnadeln u. d. M. nicht zum Vorschein. 

Der Gneusgranit aus dem armdicken geraden Trumm in der Náhe des 


vorerwáhnten Ganges ist demselben ganz áhnlich, nur dass stellenweise der Biotit | 
etwas zurůcktritt. Ein Schnitt in unbestimmter Richtung zeigte unter dem Mikro- © 


skope eine ganz áhnliche Beschaffenheit, nur dass die entfernter stehenden Biotit- 
Aggregate etwas kleiner, die Feldspáthe bedeutend frischer und nur stellenweise 


weiss getrůbt erschienen. Die Auarze bis zum Durchmesser von 17" herrschen 
vor; der in geringerer Menge auftretende Orthoklas ist nur stellenweise, manches- 


a im Kerne getrůbt. Spárlich sind auch kurz rechteckige Oligoklase mit hóchst 
zarter Strichelung im polarisirten Lichte und dann und wann mit scharf begránztem 
trůbem Kerne sichtbar. Apatit bei 100facher Vergrósserune noch nicht nachweisbar. 


pyenit. 


Die neueren Untersuchungen des Šyenites lehren, dass Gesteine dieses 


Namens nur wenig bestimmte Gránzen haben, indem sie theilweise zu Amphibol- 
Granit, theilweise zu Diorit Verwandtschaften zeigen. Immer aber enthált der Syenit 
Oligoklas, manchesmal in solchen Mengen, dass eine Umdeutung des Syenitbegriffes 
angezeigt wáre. Wenn auch die mikroskopische Untersuchung die geringere Sta- 
bilitát der Gemengtheile darthut, so ist doch nach álterer Anschauungsart der 
Syenit durch sein deutlich korniges Gefige, den schwarzen Amphibol, den oft 
rothlichen Orthoklas und den charakteristischen Titanit wohl erkennbar. 

Auf der Karte sind nur wenige Syenitvorkommnisse ausgeschieden; ein 
Theil diůrfte unter der Farbe des Diorites insbesondere an den Gránzen mit Granit 
verdeckt sein, weil sich solche Gránzbildungen wegen des allmáhligen Verlaufes in 
Amphibolgranit und Diorit nicht scharf scheiden lassen. Insbesondere gilt dies 
Gesagte von der Umgebung von Nassabere. 

Eine bedeutendere Syenitparthie, ohne scharfe Begránzung, befindet sich 
zwischen Seč und Kraskov, an der Gránze zwischen Diorit und rothem Granit. 
Der Syenit von mittelkórniger Textur enthált 2—3"" und stellenweise noch 
gróssere Gemengtheile; einen weissen (Plagioklas), stellenweise aber wieder vor- 
herrschend róthlichen Feldspath (Orthoklas), dies besonders am Kopanina -Hůgel 
(NNW Seč, SOS Žďárec), und schwarzen Amphibol. (Ouarz ist nicht bemerkbar. 
Stellenweise, wo gróssere Feldspathanháufungen sich vorfinden, hat der Amphibol 
die Tendenz lange Stengel zu bilden. Kleine (millimetergrosse) Titanitkrystalle von 
honiggelber Farbe sind stellenweise reichlich anzutreffen. Die regellos kórnige 
Textur zeist an gewissen Orten, vornehmlich an der Granitgránze, eine Tendenz 
zur unvollkommen schiefrigen. 


SO von Kraskov 1 km, ist im rechten Ufer des seichten Zlatý potok 


ein Syenit entblósst, in welchem nicht nur Magnetitkórner sondern sogar hóchst 
grobkůrnige Ausscheidungen von Auarz, Epidot, Granat mit Magnetitnestern vor- 
kommen. Die Zerklůflung des Syenites trágt dann auch Epidot an sich, nebstdem 
Pyritkornchen, welche auch in dem kórnigen Gemenge vorkommen. Der Magnetit 


: bili 


Důnne Schliffe von einer unvollkommen schiefricen Probe (also einem 
|Gránzgestein), zeigen frische Orthoklase vorherrschend "in Krystallen bis zu 5"" 
Lánge und 2"" Dreite, sehr lappig zertheilte Amphibole, in welchen kleine Kórnchen 
list immer vorhanden, jedoch nicht gleich erkennbar. Es kommen hier mittelkórnige, 
und dunkelgraue kleinkórnige Varietáten vor, welche schlierenartig mitsammen ver- 
bunden sind, Titanit ist háufic. | 

| Ein Důnnschliff, jedoch nur von geringer Grósse, zeiot Amphibol in etwas 
lappig zertheilten bis 2'/,—3"" langen und ziemlich breiten Parthien, je nach der 
(Orientirung, von bráunlichbouteillengrůner bis graserůner Farbe und starkem Dich- 
roismus; etwa in gleich bedeutender Menge auch Feldspáthe in kleineren, aber 
deutlich begránzten rechteckigen Formen. Es ist schwierig zu entscheiden, ob auch 
Ouarz in dem Gemenge vorhanden ist, einestheils wegen der nicht bedeutenden 
Grósse des Práparates, dann aber wegen der vollstándicen Durchsichtigkeit der 
Feldspáthe, welche auch im polarisirten Lichte ebenso lebhaft sich fárben, wie es 
sonst fůr den Auarz charakteristisch ist. Im gewóhnlichen Lichte zeigen gewisse 
Feldspathrechtecke ganz deutlich die Zwillingsstreifung, um so mehr tritt die zarte 
gedránet stehende Bánderung im polarisirten Lichte zum Vorschein, wo erst recht 
(deutlich bemerkbar ist, dass sich Orthoklas und Plagioklas in ziemlich gleichen 
"Mengen im Gemenge vorfinden. Grosse, ebenfláchig contourirte Magnetitkórner 
enthált der Amphibol háuůg, die Breite der grósseren Magnetite misst bis 1',““. 
Blassroóthlichbrauner Titanit zeiet unregelmássige Formen und wenn auch wenig 
bedeutenden, so doch ganz deutlichen Dichroismus. 

Die nicht constatirbare Gegenwart von Auarz, welcher in Syeniten selten 
fehlt, důrfte sich in Proben mit nicht mehr ganz frischen Feldspáthen, wo der 
Ouarz in Důnnschliffen dann ganz deutlich zum Vorschein kommen wůrde, sicherer 
nachweisen lassen. Wegen der bedeutenden Oligoklasbeimengung náhert sich der 
Byenit dem Diorite; und wenn fůr denselben der Name eines orthoklasfihrenden 
Diorites gewáhlt werden wůrde, kónnte nichts eingewendet werden. Doch sind alle 
andern Eigenthůmlichkeiten des Gesteines derartige, dass sie noch nicht eine 
Trennung von Syenit rechtfertigen. 

Unter Zbyslavec (O Ronov), dann in der N und S Umgebung des Dorfes 
befinden sich kórnige Diorite, sowie auch an der Gránze mit dem rothen Granit 
Syenite und Syeniteranite. Sámmtliche drei Gesteine sind durch Úbergánge ver- 
knůpít und schwer auseinander zu halten. In kurzen Gangstócken durchsetzen 
die Syenite auch die Gneuse in der steilen Lehne (Železné hory) W von Zbyslavec. 

Die Textur ist mittelkórnie, zuweilen mit grobkórnigen Ausscheidungen 
und bis federkieldicken, beinahe fingerlangen schwarzen oder grůnlichschwarzen 
Amphibolsáulen im licht aschgrauen Orthoklas, in welchem auch grosse Auarz- 
kórner von weisser Farbe ausgeschieden sind. (Gewisse dguarzarme Šyenite an 
Gesteinsgránzen zeigen unvollkommen schiefrige Textur. Pyrit in Kórnchen ist 
Sstellenweise háufig, ebenso auch Epidotanflůge in dinnen Klůftchen. In manchen 
Handstůcken zeigen sich kleine rothe Punkte, welche unter dem Mikroskop undurch- 
sichtig erscheinen, etwas stárkeren Glanz besitzen und deren Deutung nicht gelang. "*) 

Diese dioritisch-syenitischen Gesteine sind auf der Karte mit der Farbe 
des Diorites, der eigentlich nur die Mitte einnimmt, gekennzeichnet. 


112 


von Magnetit nicht gar zu spárlich eingewachsen sind, dann untergeordnet Plagioklas 
und bis "= breite, fůr Ouarz beanspruchte Kórnchen. Wegen des vorherrschenden 
Orthoklases entferní sich das Gestein vom Diorit bedeutend, was auch aus der unvoll- 
kommen schiefrigen Textur ersichtlich ist, welche die Náhe der Granitgránze anzeigt. 
Der ganz geringe Ouarzgehalt' náhert vielmehr das Gestein dem Amphibolgranit. | 


Granitporphyv. 


Diese Gesteine sind nicht háufig, es sind das ebenfalls Gránzgesteine, wie 
die Auarz- und Felsitporphyre und werden bei den Auarzporphyren angefihrt 
werden. Hier sei nur derjenige Granitporphyr W von Dolní Holetín angefihrt, 
welcher zwischen zu Glimmerschieferphyllit umgewandelten Untersilur-Grauwacken- 
schiefern an der Gránze von Granit auftritt und dem unbedeutenden SW gerichteten 
Thálchen 1"/, km W von Dolní Holetín (N Hlinsko) entnommen ist. Die Lagerungs- 
verháltnisse zeigt die Fig. 14. 

Fig. 14. 


S 1:8000 Imm- 8m, - N 
VÁM zz 


OA 
: 


VA 27 


T 
l 


IM 


Diese Granitporphyre sehen theils feinkornigen Glimmerschiefern, theils 
Minetten áhnlich, wenn námlich in denselben die grósseren Krystalle stellenweise 
verschwinden und die Textur mehr schiefrig wird, oder dem kórnigen sich náhert; 
solche Gesteine durchsetzen in Gángen die Gránzschiefer in Holetín zahlreich, 
sind aber auf der Karte wegen der geringen Máchtickeit derselben nicht verzeichnet. 

Das Gestein W von Holetín von dem in dem Schnitte angefiihrten Orte 
ist auf den ersten Blick schwierig zu deuten. Es ist ein unvollkommen schief- 
riges Gestein. Die anscheinend dichte Grundmasse von graulicher Farbe, splittrigem 
Bruch ist eigentlich hóochst feinkórnig; darin sind ganz kurze, gestreckte, aus 
zarten Biotitschuppen bestehende Flasern (in GAuerschichten bis 19% lang und 
wenig breit), welche die unvollkommene zu den Gránzschiefen parallele Textur 
bedingen. Bis */,%“ grosse Ouarzkrystalle und 3"" lange Orthoklaskrystalle be- 
dingen die porphyrartige Textur. Ein eigentlicher Granitporphyr ist das Gestein 
nicht, da es unvollkommen schiefrig ist, ein schiefriger Porphyr gleichfalls nicht, 
weil die schiefrige Textur wieder zu unvollkommen erscheint. Eher ist es ein 
Úbergangsgestein zu schiefrigen Felsitporphyren (Auarzporphyren), námlich zu 
denjenigen Gesteinen, die tiefer unter diesem Namen angefiihrt werden. In der 
Grundmasse ist der Ouarz gánzlich durchsichtie, der Orthoklas trůbe. 

Důnnschliffe ziemlich parallel zur unvollkommen schiefrig flasrigen Textur 
zeigen in der Grundmasse ausser grossen Auarz- und Orthoklaskrystallen (Kórnern) 
noch kleine zahlreiche Auarzkórner von ";—"/„"“ Breite und ebensolche Ortho- 
klaskorner. Erstere sind vorherrschend wasserhell, letztere untergeordnet, trůb. 

Die Grundmasse erscheint im polarisirten Lichte vollig kórnig; wegen der 
lebhaften Farben scheint der vorherrschende Gemengtheil Auarz zu sein. Die 
Grósse der Kórner betrágt im Mittel „5—7%"", obwohl es auch gróssere und 


115 


Mrleinere darunter gibt. Biotitschuppen von brauner Farbe und der Breite von 
k—z2£"" sind zahlreich, entweder einzeln, oder zu haufenáhnlichen Aggregaten 
Flasern) verbunden. S luhkórachou von ohni sind ©anz selten. 

v Die Grundmasse wáre demnach eigentlich ein guarzreicher Biotitgranit 
on unvollkommen schiefrig flasrigem Gefige und bis auf den Biotit von hóchst 


2“ 
| 
BA 
. 
U 
| 
| 
4 


inkorniger Textur. 


Ouarzporphyr. 
Die Auarzporphyre treten im Eisengebirge in nicht gerade beschránkter 


kuntergeordnet. Es werden unter Ouarzporphyren hier diejenigen Felsitporphyre 
[verstanden, in denen Auarz neben Orthoklas entweder in úberwiegender, oder doch 
(in betráchtlicher Menge vorkómmt, wáhrend als Felsitporphyre Gesteine mit vor- 
|wiegenden Orthoklas- und nur ganz untergeordnet ausgeschiedenen Auarzkrystallen 
Ibezeichnet werden; zwischen beiden Porphyren wůrde es demnach keine auch nur 
Vannáhernd bestimmte Gránze geben. 

Die Auarzporphyre erscheinen mit Vorzug jeder andern Lagerung an der 

lěninze zwischen rothem Granit mit anderen Gesteinen in verháltnissmássig nicht 
Ibreiter Zone, meist als Gánge, wo námlich die Lagerungsverháltnisse durch Ent- 
'blossungen beobachtet werden kónnen. 
Ď Solcher Art ist das Vorkommen von Ouarzporphyren in einem engen Zuge 
ischen rothem Granit und schwarzen Untersilurphylliten W und SO von Chvaletic 
(W Přelouč, WSW Elbe-Teinic) auf die Lánge von gegen 4 km zu beobachten; 
"dann nach einer Unterbrechung zwischen Zdechovic und Morašic, noch weiter so 
"bis beinahe gegen Vápenka, auf die Lánge von 3 km im Verlaufe derselben 
IGránze. Zwischen rothem Granit und zu Ottrelitschiefer umgewandelten Schichten 
(der Silurzone Dd,, W von Rtein (NO Seč). Endlich in etwas weniges zum schief- 
Irigen geneigter Textur zwischen grauem Gneusgranit und zu Phyllit umgewandelten 
'umtersilurischen Grauwackenschiefern S von Dolní Babákov und lánes der Gránze 
in einzelnen Gángen durch Dolní Holetín, was aber wegen der Geringfůcickeit 
(des Vorkommens auf der Karte nicht verzeichnet erscheint und auch schon bei 
Sámmtliche hier aufgezáhlte Vorkommnisse 
(gehóren dem licht (oder hdohateis graulichbraun) gefárbtem Auarzporphyr an. 

Grauschwarze, sehr feste, duarzreiche Ouarzporphyre treten reichlich, 
S in nicht sehr máchtigen Gángen unter Richenburg und den Fichénkuracl 


Schluchten, nahe der von Kreideschichten bedeckten Gránze von Silurgrauwacken 
mit rothem Granit auf, ebenso auch S von Skuč gleichfalls nahe der Gránze mit 
(grauem Gneusgranit; nur 9anz vereinzelnt auch bei Lešan (SO Skuč). Es sind 
aber diese grauschwarzen Ouarzporphyre, welche in ebensolchen Grauwacken, die 
theilweise auch als Auarzporphyrtuffe aufzufassen wáren, vorkommen, nur dann 
(deutlich erkennbar, wenn die abnorme Lagerung derselben oder die durchgreifende 
Lagerung etwas jingerer Porphyrgánge — welche die aus zertrimmerten Porphy- 
(ren, demnach petrographisch gleich zusammengesetzten jedoch geschichteten Grau- 
wacken durchsetzen — eine solche Trennung beider Gesteine gestattet. Denn 
l 8 


114 


nicht mehr ganz frische Ouarzporphyre sind in Handstůcken oder bei nicht deut- © 


lichen Lagerungsverháltnissen von der kórnigen Grauwacke (Sumackor 
Ouarz-Porphyrtuff) nicht zu unterscheiden. ?“) 


Die Guarzporhyre sind demnach auf der Karte nicht nach den unměglici | 
verfolebaren Lagerungsverháltnissen PoPne sondern nur nach einzelnen © 


Anzeichen. 
Die Auarzporphyre von Rtein sind durch allmáhlige Úbergánge auch duní 


Felsit mit dem Felsitporphyr verbunden, welcher gleich nachher beschrieben * 


werden wird. 


Der Guarzporphyr bei Chvaletic stellt meist blass weisse oder ver- * 


bleichte Gesteine vor, wie sie sich am Ausbisse insbesondere W von Chvaletic 
finden und bei ganz flůchtiger Besichtigung manchen zersetzten Granulit nach- 
zuahmen scheinen. Im sůdlichen Ende von Chvaletic selbst aber tritt als Gránz= 
gangbildung zwischen rothem Granit und schwarzem Silurphyllit ein Gestein auf; 
welches fest und deutlich entwickelt ist. Die eingewachsenen Krystalle, welche 
ziemlich entfernt stehen, somit deutlich in der Grundmasse eingebettet erscheinen; 
sind vornehmlich Orthoklaskrystalle mit abgerundeten Ecken bis úber 1“*“ Lánge 
und Breite besitzend, blass róothlichgsrau und schwach durchscheinend; dann biš 
1/,em grosse Auarzkrystalle von lichtrauchgrauer Farbe und der hola 1m Krystall- 
form —+-R.— R mit mattrauher Oberfláche aber volliger Durchsichtigkeit. Die 
Zahl der kleineren Auarzkrystalle ist bedeutender als die Zahl der Orthoklase, 
allein die Masse des Orthoklases důrfte úberwiegen. 

Die Grundmasse ist grau, nicht felsitisch, sondern sehr feinkórnig splittrig, 
mit schwarzen, bis 1',*“% grossen nicht zahlreichen Flecken, welche feinkórnige 
Biotitaggregate vorstellen.  Dadurch ist dieser Auarzporphyr, weil derselbe keine 
rein felsitische Grundmasse besitzt, etwas dem Granitporphyr náher gerůckt; es 
ist aber die Verknůpfung mit Auarzporphyýr eine ausgeprágtere, so dass der letztere 


Name hier beibehalten ist. Das záhe feste ziemlich frische Gestein zeiet im Důnm- 
schliffe in der Grundmasse gánzlich durchsichtige, aber trotz deutlicher Krystall= © 
form (freilich mit abgerundeten Kanten) doch nur ovale oder sackfórmig ovale © 
Auarzguerschnitte, welche bei bedeutenderer Vergrósserung — was méěist immer. 
selbstverstándig ist — zahlreiche Flůssigkeitseinschlůsse zeigen. Die Ouarze sind © 


meist zersprungen, die wenigen Sprůnge in denselben nicht durch Erschůtterung 


bei der Formatisirung hervorgebracht, weil nach gewissen Spruneklůften Limonit 
in die Krystallmasse infiltrirt wurde. Meist sind die durch Klůfte durchsetzten © 


Ouarzindividuen nicht von einander verrůckt, da sie im polarisirten Lichte gánz- 


lich einfárbig erscheinen; dann und wann aber lásst sich auf diese Art eine un- 
bedeutende Verschiebung derselben gegen einander nachweisen. Wo die Móglichkeit © 


vorhanden war, gewisse orientirte Ouerschnitte auf die Ablenkung des polarisirten 
Lichtes zu průfen, erwiesen sie sich als linke Krystalle. Der Orthoklas ist beinahe 
ganz weiss, wolkig getrůbt, die weniger trůben Stellen zeigen Aggregatpolarisation; 


dadurch, dass die Feldspáthe so getrůbt sind, ist der Nachweis von Plagioklas | 


neben Orhokla: nicht móglich. 
Die Grundmasse enthált entweder ganz zerstreute, oder zu Gruppen oder 
selbst ganzen Haufen aggregirte, winzige Schůppchen von schwarzem Biotit, der 


115 


'wenig durchsichtig ist, da nur die důnnsten Pláttchen desselben schmutzig grůne 
!Farbe sowie auch Dichroismus zeigen. Durch dieselben erhált die Grundmasse 
(stellenweise einen graulichgrůnen Ton. Es scheinen die Biotitschuppen durch 
Iicscs Verhalten dem Lepidomelan nahe zu stehen. Die ganz vereinzelnten Biotit- 
'schuppen erreichen Lángen im Mittel von 35"" bei einer Dicke von —!3"". In 
|der Grundmasse zeigen sich auch ganz vereinzelnt guadratische Auerschnitte von 
Fram Breite, welche als Magnetit zu deuten versucht werden. 

Im polarisirten Lichte zeigt die ziemlich durchsichtige Grundmasse eine 
(so deutliche Aggregatpolarisation, dass derselben eigentlich der Name des deutlich 
(kleinkórnigen zukómmt, wodurch die Anlehnung dieses Auarzporphyres an Granit- 
(porphyr gleichfalls eine Stůtze findet. Die Kórner von Auarz sind in der Grund- 
masse durch ihre satten Farben von den etwas blasseren, aber vorwiegenden Ortho- 
klaskórnchen zu unterscheiden; 35—+;"“ breite Kórner in dem Gemengce gehěren 
keinesfalls zu den gróssten. Die Grundmasse dieses guarzporphyráhnlichen Granit- * 
porphyres wáre demnach eigentlich ein sehr feinkórniger Granit, welcher scheinbar 
dicht, die Felsiterundmasse nachahmt. Wegen der mit der Loupe jedoch nicht 
zerlegbaren Grundmasse und der Nachahmung von Auarzporphyr in dem Gesteine 
'sowie wegen der Úbergánge in echte Auarzporphyre wurde das Vorkommen hierher 
gestellt, obwohl die Anreihung zum Granitporphyr vielleicht eben so entsprechend 
(gewesen wáre. 

Der Auarzporphyr SOS von Morašic útoku ber 1 km) zeigt Ahnlich- 
keit zu demjenigen W von Chvaletic. An der Oberfláche erscheinen 1—2*= dicke 
Krusten von kreideweisser umgewandelter Felsiterundmasse, wáhrend das Innere 
licht bráunlich weiss erscheint. Die vorherrschenden Auarzkrystalle von 2—3*"= 
Breite neben ganz untergeordnetem Orthoklas bilden die ausgeschiedenen Krystalle 
in der dichten Grundmasse. 

Die mikroskopische Untersuchung ergab aus einem nur ganz kleinen Brocken, 
dass die ausgeschiedenen Auarze wasserhall erscheinen und die felsitische Grund- 
masse aus weissem kaum durchscheinendem, wegen der vorgeschrittenen Um- 
wandlung kaum Aggregatpolarisation zeigendem Orthoklas besteht, von welchem 
die 557" bis 7;"" breiten Ouarzkórnchen gut abstechen. Die Aufloósune der Felsit- 
EE noise ker dem Mikroskope gelingt also vollkommen. 


Der Auarzporphyr ist noch weiter sůdlich und zwar an der halbkreis- 
fórmigen Biegung der Strasse von Litošic nach Horka im Walde ganz eigen- 
thůmlich entwickelt. Entweder zeigt er sich gestreckt, beinahe wie Gneus (aber 
ohne Glimmer), die Auarze sind licht, die Orthoklase aber und die Grundmasse 
von theilweise zersetztem Aussehen blass fleischroth. Alle Klůften selbst kurze 
Adern sind mit rothem erdigem oder hóchst feinkórnigem Haematit erfůllt, der 
also als Impraegnationsmineral zu betrachten ist. Oder sind andere Proben massig, 
blass feischroth mit splittriger Felsitgrundmasse, halberdigen Orthoklasen und kaum 
Sichtbarem Ouarz, der in der Farbe der Grundmasse nicht gut absticht. Zudem 
scheint nicht alles die wůnschenswerthe Frische zu haben. 

Důnnschliffe zeigen wohl eine Grundmasse, welche Aggregatpolarisation 
zeigt, Kórnchen von Haematit enthált und auch zersetzte Orthoklase gleichfalls 

8* 


116 


mit Agoregatpolarisation aufweiset, jedoch in so fern ein befremdendes Aussehen 
besitzt, als der Guarz keine regelmássigen Kórner sondern deutlich kórnige Aggre- 
gate bildet. Es ist dleses nicht ganz frische Gestein demnach der Textur nach 
noch unentwirrbar und wůrde auch an nicht mehr frischen Aplit deuten. Es ist 
demnach nur vorláufig zum Auarzporphyr gestellt, da diese Einreihung nicht auf 
Grund ganz frischer Proben geschehen konnte. 


In den Schluchten von Richenbure ist der schwarzgraue Auarzporphyr 
bedeutend guarzreich; die Ouarzkórner von rundlichen Auerschnitten verdránsen 
die dunkle Grundmasse bedeutend. Eine Irrung mit den schwarzorauen Grauwacken 
hierselbst ist um so leichter moglich, als dieselben nur aus wiederverkittetem Ouarz- 


porphyrmateriale bestehen, so dass nur die schwieriger constatirbaren Lagerungs- 


verháltnisse und die bedeutende Frische und Festigkeit des Gesteines, wenn es 
in Blócken zufállig zu beobachten ist, die Erkennung ermoglicht. Unter dem 


Mikroskope wáre die Unterscheidung von der Grauwacke (Auarzporphyrtuff-Grau- 
wacke) nicht móglich, ausser vielleicht in gewissen Proben mit schon zersetztem 
Feldspath. Die Auarzporphyre enthalten jedoch nie Muscovitschůppchen wie die- 
Grauwacken. Ahnliche schwarzgraue Ouarzporphyre finden sich auch in der Um- 


gebung von Prag und zwar N an beiden Moldauufern bei Klecan und pod Morání. *") 
Doch sind dieselben hier vermóge der winzig kleinen ausgeschiedenen GAuarz- 
órnchen (Krystallen) mehr einem Felsit áhnlich, wáhrend bei Richenbure die 
gedránet eingewachsenen Auarzkórner bis 4%" Docs besitzen, gewóhnlich 
aber viel kleiner sind. 


In der dunkelgrauen Grundmasse stecken zahlreiche kleinwinzige Auarz- 
kórner, die wohl wasserhell sind, aber in der dunklen Grundmasse dunkel gefárbt 
erscheinen; manche zeigen ziemlich ebene Spaltunesffáchen; daneben nun sind 
stellenweise gróssere Ouarzkórner (Krystalle), die nur selten einen bláulichmilchigen 
Schein besitzen.  Orthoklaskrystalle von lánelicher Form sind nur spárlich ein- 


| 


| 


gewachsen, weiss, nicht durchsichtig, sonst noch ganz selten Pyritkórnchen. Der 


Ouarzporphyr ist fest, recht gut der Verwitterung trotzend. 


Unter dem Mikroskope zeigen sich nur die rundlicheckigen oder scharf- 
eckigen Auarzkórner so gedránet nahe, dass sich dieselben stellenweise berůhren 
die Grundmasse nimmt den dazwischen befindlichen Raum ein. Die Auarzkórner, 
vóllig wasserhell, im polarisirten Lichte lebhaft gefárbt, ohne Sprůnge, dominiren 
wie schon erwáhnt. Die Orthoklase sind recht untergeordnet, jedoch frisch; der 
Plagioklas nur in ganz wenigen, ebenfalls lebhaft gefárbten Kórnern zu bemerken, 
welche ohne Zwillingsstreifung von Guarz nicht zu unterscheiden wáren. Hóchst 
selten ist Amphibol von dem sich nur ein $"" langes Prisma fand; Pyrit in 545"% 
orossen und auch noch etwas grósseren Kórnern ist nur vereinzelnt anzutreffen. 


In der Grundmasse tritt der Biotit in vorwiegender Menge entweder in 
Haufen oder einzelnen braunen Krystallschuppen auf. Die gróssten Krystallpláttehen 
sind 4=m, dje vorwiegend mittleren 35""“ die allerkleinsten, einem Biotitschuppen- 
staub úhnlichen aber, die alles nur nicht den Auarz durchdringen, sind enger 
als $$g"". Dem Biotitstaub und den Biotitschůppchen verdankt die Grundmasse 
die Farbe. Die eigentliche Felsiterundmasse zeigt ganz deutliche Aggregatpolari- 


117 


j 


sation, Wo nicht viel Biotitstaub die durchsichtigen Gemengtheile derselben verdeckt. 
(Spěrlich ist in der Grundmasse vereinzelter Magnetitstaub nachweisbar. Auch hier 
Hóst sich die Felsitorundmasse vóllig in winzige Kórnchen auf. 


; 

Nach dem beim Auarzporphyr im Allgemeinen schon gesagten sind hier 
als Felsitporphyre Gesteine mit vorherrschenden (demnach nicht ausschliesslichen) 
Orthoklaskrystall-Ausscheidungen verstanden, was eigentlich gegen den Sinn der 
neueren Deutung des Felsitporphyres ist, welcher keinen ausgeschiedenen Auarz 
enthalten soll. Die eigenthimlichen Verháltnisse des Vorkommens und auch der 
Textur unterscheiden diese Gesteine jedoch von den Gránz-Auarzporphyren hin- 
sichend. Das Vorkommen derselben ist an den mehr als 1 Myriameter langen 
| und bis 2 km breiten Gránzstock zwischen rothem Granit im Sůden und schwarzen 
„Thonschiefern der Silur-Etagen Dd, und Dd;, im Norden gebunden, welcher von 
„Rtein ber Šiškovic, Trpíšov, Svídnic, Práčov, Vejsonín, bis úber Malé Lukavice 


Felsitporphyr. 


streicht. In diesem Stocke sind die Felsitporphyre nicht nur porphyrartig, sondern 
auch felsitisch und felsitisch schiefrig entwickelt; nebstdem treten aber auch Diorite 
Hund Dioritaphanite zum Vorschein, die wegen des áhnlichen Aussehens der ober- 
láchlichen Verwitterungszone sich auf der Karte schwierig trennen lassen. (Ganz 
vereinzelnt trifft man diese Porphyrgesteine auch in einem schmalen Zuge an der 
Gránze zwischen unterstem Untersilur und Gneus SW Hlinsko und gewiss auch 
jan andern Orten; wo dieselben des untergeordneten Auftretens wegen mit andern 
| Gesteinen zusammengefasst sind. 

Allein streng genommen wůrde der Name Felsitporphyr auf die porphyr- 
artig ausgebildete Gesteinsmasse des oben erwáhnten bedeutenden Gesteinsstockes 
(auch nicht passen, weil dieselben eine schiefrige Textur besitzen, die wenn auch 
. unvolikommen, doch so deutlich ist, dass der Name des Flaserporphyres oder des 
| Porphyroides der passendste fiir diese Gesteine wáre, wenn nicht ihr Eruptiv- 
„charakter bestiinde. Da nur geschichtete, also gneusartige Gesteine als Porphyroid 
| bezeichnet werden, so passt diese Bezeichnung auf die Eruptivgesteine nicht, in 
( denen die schiefrice Textur ledielich die Folge der Bildung von Bánken oder 
| Schlieren im grossartigen Maassstabe ist, demnach als Bewegungs- und Erstar- 
| rungserscheinung auftritt. Demnach wáre Eruptivporphyroid oder schiefriger Felsit- 
p-Phyr die passendste Bezeichnung; die letztere wird hier beibehalten. 

Die schiefrigen Felsitporphyre, welche aufallend an Porphyrtuffe 
* erinnern, sind durch allmáhlige Úbergánge mit Felsiten und diese wiederum mit 
| Felsitschiefern, ausserdem aber mit zersetztem Porphyr verbunden. 

1 Am besten enutblósst sind die schiefrigen Felsitporphyre in der Schlucht 
l von Svídnic gegen Škrovád (S Chrudim), wo das sůdliche Verfláchen ihrer schichten- 
| dhnlichen Bánke deutlich entblósst ist. 

bi: Eine Probe wurde NW von Velké Lukavice entnommen. Ganz nahe 
k X W von der Schwefelsáurefabrik, knapp an den ůúberlagernden turonen Kreide- 
i schichten ist ein unbedeutender Bruch in diesen, scheinbar nicht bedeutend ange- 
(am schiefrigen Felsitporphyren eroffnet. 


i 


118 


Das unvollkommen schiefrige Gestein zeigt in der blass gelblichgrauen 
felsitischen Grundmasse ziemlich parallel gelagerte, bis */,“* lange und weniger 
breite sehr gut spaltbare, jedoch nur an den Kanten durchscheinende, blass graulich- 
weisse deutliche Orthoklaskrystalle, deren Menge der Ouantitát der Felsiterundmasse 
entsprechen wůrde. Zwillingsbildungen nach dem Karlsbader Gesetze sind deutlich. 
Nur spárlich (auf 5—10 Orthoklase erst ein Korn) kommen mehrere Millimeter 
breite Auarzkrystalle auch eingewachsen vor. Unter der Loupe erweiset sich die 
Felsitgrundmasse als splittrig und hóchst feinkórnig bis dicht. 


Eine theilweise Analyse dieses Gesteins zur volligen Bestimmung desselben, 
trotzdem dass an dessen (schiefriger) Porphyrnatur kein Zweifel obwaltete, ergab 
mit '72g Substanz: 

Glihverlust 1:39 
S10, 7598 

Weil Auarz nur ganz untergeordnet ausgeschieden erscheint, so muss die 
felsitische Grundmasse wegen des bedeutenden Kieselsáure-Gehaltes, den die Ana- 
lyse nachgewiesen hat, bedeutend guarzreich sein, womit auch die hóchst fein- 


| 


; 
j 
i 
| 


kórnige Textur, welche sie unter der Loupe zeigt und die von der dichten der 


gewohnlichen Felsitporphyre abweicht, gut úbereinstimmt. 
Unter dem Mikroskope zeigt sich, dass die Grůndmasse mehr als die 


Hálfte von den ausgeschiedenen Krystallen ausmachen důrfte. Die ausgeschiedenen © 


Orthoklase sind beinahe gánzlich weiss, undurchsichtig, nur an noch durchscheinen- 
den Stellen schwache Aggregatpolarisation zeigend. Die Auarzkórner (Krystalle) 
sind theils ganz wasserheli, einige aber enthalten wenige, jedoch sehr grosse, 
schlauchformige Einschlůsse bis 1" und noch mehr Lánge, und 55"“ und darůber, 
an Breite. Ob diese Einschlůsse aus Glas, also isotroper Masse, oder aus schon ent- 
glaster Masse bestehen, kann nicht entschieden werden, da im polarisirten Lichte 


die darunter oder darůber befindliche GAuarzschicht den Indifferentismus gegen. 
polarisirtes Licht nicht erkennen lásst. Indessen zeigen stárkere Vergrósserungen. 


winzige Punkte in der Masse, die wohl den Eindruck einer Glasmasse hervorbringt, 
deren isotroper Charakter sich aber im polarisirten Lichte nicht bestátigen lásst. 
Stellenweise enthált die Einschlussmasse in den Schláuchen zarte Staubkórnchen 


von Magnetit, die trotz der Kleinheit von 3!5—z)9"" doch guadratische Auer- 


40 
schnitte zeigen. 

Die Grundmasse ist stellenweise hell, stellenweise getrůbt, wenn der Důnn- 
schliff nicht áusserst diinn erscheint. In diesem Zustande zeigt dieselbe Mikro- 
fluctuations-Textur in vollkommenem Grade. Die trůberen Parthieen behaupten eine 
Richtung und nur an den eingewachsenen Krystallen beugen sie plótzlich von 


derselben ab. Das polarisirte Licht lásst stárker gefárbte, als Guarz deutbare 


Kórnchen darin erkennen, welche úbrigens auch keine Trůbung zeigen. Erzkornchen 
von der Grósse von —5—+$g"" herab sind einzeln recht zahlreich eingewachsen; 
jedoch sind ihre immer ganz deutlich guadratischen Auerschnitte ebenfalls in einer 
Richtung, námlich die Fluctuation andeutend, eingestreut. Gewisse guadratische Auer- 
schnitte sind schwarz, opak, demnach Pyrit, seltener auch Magnetit, andere gróssere 
Kórnchen erscheinen im auffallenden Lichte róthlich im durchgehenden Lichte, 


119 


bei Abhaltune des auffallenden aber schwarz; die allermeisten von den kleinsten 
! VOuadraten sind aber auch im durchgehenden Lichte bráunlichroth. Gewisse gróssere 
|Pyrite zeigen róthiiche Flecken. Die rothen guadratischen Kórnchen kónnen nur 
| als Haematit u. zw. als Pseudomorphose nach Pyrit gedeutet werden. Es lassen 
sich wohl auch sehr selten hexagonale Schippchen von Haematit beobachten; wenn 
I'dieselben nicht zufállig, was bei der grossen Zahl von rothen Wůrfeln in der 
„Grundmasse měglich ist, centrale Schnitte im Wůrfel parallel zur Octaederfáche 
jvorstellen, so wůrden sie als ursprůnglicher Haematit zu deuten sein. Die erstere 
"Moglichkeit hat aber Wahrscheinlichkeit fůr sich. Wo Pyritguadrate geháuft 
'erscheinen, oder wo kaum merkliche Klůftchen das Gestein durchsetzen, zeigen 
sich graubraune Trůbungen von Limonit, welche jedoch in Orthoklase nicht háufig 
1 eindringen und nur dem nicht ganz frischen Gestein eigenthůmlich sind. Stellen- 
| weise ist auch der Richtung der Fluctuationsflaserung nach ein hell olgrůnes Mi- 
neral eingeschaltet; dasselbe scheint auch gewissen Klůftchen nachzufolgen. Obwohl 
die Deutung des Minerales als Epidot manches fůr sich hátte, wird dieselbe hier 
doch unterlassen, da es auch auf Pyrophyllitschuppen hinweisen kónnte. 

Wenn die Grundmasse aber ausserordentlich důnn geschliffen wird, dann 
. zeigt sie vollig deutliche kleinkórnice Textur unter dem Mikroskope; polarisirtes 
'Licht fárbt dann die Auarzmikrolithe lebhafter als den noch ziemlich frischen 
| Orthoklas. 
| Die Pyritkrystállchen und die Haematitpseudomorphosen (Staub) sind in 
| den Krystallen des Orthoklases und Guarzes weniger háutig als in der Grundmasse. 
| Eine andere Probe von demselben Orte bei Lukavic, welche noch sehr gut 
(spaltbaren, wenn auch nicht durchsichtigen Orthoklas neben wenig Guarz ein- 
| gewachsen enthielt, zeigte sich doch schon etwas weniger frisch als die vorher- 
| gegangene. Auch Plagioklas, mit deutlicher tiefer Zwillingsfurchung ist erkennbar. 
" Wenn die unter der Loupe hóchst feinkórnig sandsteinartig splittrige Grundmasse 
in der Richtung der unvollkommenen Schieferung bei schwacher Vergrósserung, 
bund seitlicher Beleuchtung besehen wird, so zeigt sie durch glimmeráhnliche, 
| parallel gelagerte Schippchen eine an hóchst feinkórnigen elimmerarmen Phyllit 
| erinnernde Textur. Das glimmeráhnliche Mineral in zarten Schůppchen bildet nur 
( flaserartige kleine Pláttchen in der Grundmasse. Stellenweise zeigen sich auch 
| dunkelgrůne aus zarten Schůppchen bestehende Fleckchen als Zeichen einer vor 
-sich gehenden Umwandlung. 

: Die glimmeráhnlichen Schippchen sind Pyrophyllit. 

| Der Důnnschliff zeigt aber entgegengesetzt dem eben erwáhnten Anscheine 
| die Orthoklase theilweise durchsichtig, also frischer (Plagioklas fiel keiner in den 
Schliff) und eine ganz deutlich kórnige Aggregatpolarisation zeigende Grundmasse, 
-deren Kórner sich stellenweise lebhaft fárben; darin derselbe Haematitstaub und 
| Weniger zahlreich auch Pyritstaub, beides nur in guadratischen Auerschnitten. 
| Jedoch zeigen sich, und darin besteht der nicht mehr frische Zustand, breite 
| wolkig schlierigce Fárbungen von gelbbráunlichem durchscheinenden Limonit der 
| also in ganz schwacher Impraegnation vielleicht zwischen den Pyrophyllitschůppchen, 
die dadurch verdeckt werden, auftritt; nur stellenweise sind weniger pellucide 
| bráunlichgraue Anháufungen zu finden. Auch zeigen sich ganz vereinzelnt kleine 


120 


rundlich polygonale Kórner von grůnlicher Farbe, die einem an Chlorit erinnernden 
Minerale zugehoren důrften. Gewisse in Ouerschnitten stabfórmige Formen, welche. 


das Aussehen von Muscovitguerschnitten haben, důrften dem Pyrophyllit angehóren. 

In den Gehángen der Ohebka zwischen Svídnic und Škrovád, also in 
der westlichen Fortsetzung des Gesteines von Lukavic zeigen sich sti sohlen at) 
gegen Sůd verfláchende Bánke eines blass fleischroth und auch in andern Tónen 
gefárbten unebenschiefrigen Gesteines, welches auf den ersten Blick den Namen 
irgend eines talkschieferáhnlichen Gesteines erhalten můsste. Allein das Gestein 
ist schiefriger Felsitporphyr. 


Der schiefrige Felsitporphyr von Škrovád zeigt im Bruche, parallel zur Rich- 


tune der Schiefrigkeit noch das Aussehen eines unvollkommen schiefrigen feinen tal- 
kigen Glimmerschiefers, was durch usserst zarte Pyrophyllitschůppchen in důnn 
flasriger Anháufung hervor gebracht wird. Unter der Loupe erscheinen noch ein- 
zelne Auarzkórnchen und wůrfelfóormice Hohlráume von brauner Fárbune nach 
verschwundenen Pyritwůrfeln von —<—+;"“ Kantenlánge. Im GAuerbruche zeigen 
sich die gebogenen Flasern der áusserst diůinnen Pyrophyllitlagen, dann aber eine 
blassfleischrothe Felsiterundmasse mit nicht mehr wahrnehmbaren Orthoklaskry- 
stallen, welche als nicht mehr ganz frisch, die Spaltbarkeit eingebůsst haben důrften. 
Ouarzkórner sind frisch, ebenso noch spárlich Pyritwůrfelchen, diese jedoch nur 
unter der Loupe sichtbar. An dem angeschliffenen Auerbruch lassen sich aber noch 
Spuren von wenig kenntlichen Orthoklaskrystallen wahrnehmen, sowie auch die 
sehr diůnnen, róthlich gefárbten Pyrophyllitflasern, welche nur als áusserst zarte 
Linien zum Vorschein kommen. 

Der in einem Umwandlungsstadium befindliche schiefrige Felsitporphyr vom 
linken Ohebkaufer, S Škrovád, (N Svídnice) mit vorherrschend felsitischer Grund- 
masse, besteht aus: 


S10, 7053 
Al; 0; —- Fe, O0, 17.59 
CaO Spur 
Mg0 '82 


Glůhverlust | 322 

Alkalien wurden unbestimmt gelassen. 

Ein ganz kleiner Důnnschliff senkrecht zur Richtung der Schieferung zeigte 
in der Grundmasse ein sehr feinkórniges Gefiige aus durchsichtigen oder nur 
durchscheinenden Kórnchen von Guarz und Orthoklas, welche im polarisirten 
Lichte Aggregatpolarisation zeigten. Eine Tendenz, wenn auch nur eine unbedeu- 
tende, zur Orientierung der kurzen Orthoklasmikrolithen parallel zur Ebene der 
unvollkommenen Schieferung zeigt sich auch hier. Die wahrnehmbaren Guarz- 
kornchen besitzen die Breite von —$5—7g"". In der Richtung der Schieferung 
zeigen sich róthliche Schnůre von mit Haematit gefárbtem Pyrophyllit, sowie auch 
blasse flaserige Fárbungen von Haematit, die keine scharfen Gránzen zeigen. Die 
Breite der durch Haematitimpraegnation roth gefárbten Pyrophyllitschnůre, wie sie 
sich im Ouerschnitte darstellen, variirt von "56—'/39"". In der Grundmasse zeigen 
sich auch gróssere Auarzkórner von vólliger Durchsichtigkeit auch schon in 
dickeren Diinnschliffen, sowie trůbe Orthoklaskórner. Frische Pyritkorner von 


j 
i 


121 


| schwarzer Farbe, sowie rothe, in Haematit ungewandelte Wůrfelchen des Pyrites 
I sind gleichfalls bemerkbar. 


In dem Gebiete dieses schiefrigen Felsitporphyres zwischen Rtein und 
Lukavic finden sich manniefaltige Varietáten desselben, manche enthalten auch ein 


I grůnes glimmeráhnliches Mineral, so dass auch Anklánge an Porphyrtuffe zum 
© Vorschein kommen. Es ist hier jedoch das Richtige der Bezeichnung mancher 
| Gesteine um so weniger zu treffen, als Entblóssungen von frischen Gesteinen nicht 
© háufig sind und die zersetzten Felsarten der Oberfláche der Porphyre, Porphyr- 
"schiefer und Diorite, welche hier vorkommen, nicht immer von einander zu 
| trennen sind. 


Ahnliche porphyrartige Felsitporphyre von lichter Farbe mit sehr zarten 


| Muscovit- und auch Biotitflasern finden sich an der Gránze zwischen Gneus und 
I Phylliten zwischen Hlinsko und Stany, sowie an andern Orten. Dieselben kónnten 
u jedoch sowohl mit Gneus als auch mit feinkórnigem Gneusgranit verwechselt werden“ 


Neben porphyrartigen Gesteinen findet sich in dem Gebiete zwischen Rtein 
und Lukavic auch Felsit; derselbe hat entweder blass gelblich fleischrothe, oder 
gelblichgraue oder graue Farben, massige oder schiefrige Textur, wodurch dann 
scheinbar phyllitartige Gesteine mit wirklichen Porphyren im Zusammenhange stehen. 


Ein Felsit vom Podjahodnicer Berge, ONO nahe von Malé Lukavice, von 
blassgrauer Farbe in Klůftchen gelblichbraun gefárbt auch mit zarten Pyrophyllit- 
schůppchen stellenweise úberzogen, zeigt sich im Bruche ausserordentlich splittrig 
und erscheint unter der Loupe hóchst feinkórnig beinahe wie sandsteinartig. Eine 
theilweise Analyse des Felsites, welcher, wie der bedeutende Glihverlust zeigt, 
nicht gánzlich frisch sein důrfte, ergab: 

BIO, 1861 
ALO, 18061 
Fe, O, Spur 
CaO | Spur 
MgO Spur 
Glůhverlust 2:45 
Die Analyse deutet auf einen sehr bedeutenden Auarzgehalt und auf wenig 


Alkalien, da sich die Summe dieser nachgewiesenen Bestandtheile ohne Alkalien 
schon ziemlich zu 100 náhert. 


In den Ufern des Ohebkabaches in Svídnic (S Chrudim) treten neben 


- schiefrigen Felsitporphyren Gánge von grauem klůftigen Felsit auf, die an gewissen 


Orten zerklůftet, mit weissen Aderchen von Calcit impraegnirt erscheinen und an 


-- andern Fundstellen wieder Tendenz zur schiefrigen Textur zeigen. 


E 


Das dichte Gestein von felsitischer Textur von Svídnice zeigte unter 


| - der Loupe spárliche, winzige grůne Fleckchen ohne scharfe Begránzung, auch leere 


mit Limonit úberkleidete und dann mit Calcit erfůllte Sprůnge. Eine theilweise 
Analyse mit '52g. Substanz gab: 
S10, 65.90 
Al, 0; 23.71 


Fe, 0,253 | 
Ca03 "4118 : 
MgO Spur 


Glůhverlust | 2:62 


Wiewohl der Si0,-Gehalt des Gesteines ein nicht bedeutender ist, kann. 


das Gestein weder als Diorit noch als guarzfreier Orthoklasporphyr gedeutet werden. 
Der nur ganz geringe Gehalt an CaO, welcher moglicher Weise auch theilweise 
einer Calcitimpraegnation zukommen kann, spricht gegen die Anwesenheit von viel 


Plagioklas. Da nebst Orthoklas noch Gemengtheile in geringerer Menge hinzukom- 


men, welche den Si0O,-Gehalt des Gesteines herabdrůcken, so kann trotzdem etwas 
Ouarz in diesem Gesteine vorhanden sein, dessen Einreihung zum Felsit demnach 
begrůndet erscheint. **) 

Důnnschliffe zeigen unter dem Mikroskope die kleinkórnige Grundmasse, 
welche in ausserordentlich důnnem Schliffe vornehmlich aus Stábchen von Ortho- 
klas besteht, die bei der Breite von ;5"" eine vielfache Lánge besitzen. Ob auch 
Ouarz in etwas auffallender gefárbten Kórnchen bei Anwendung von polarisirtem 
Lichte in der Grundmasse vorkommt, kann nicht mit Bestimmtheit, sondern nur 
mit Wahrscheinlichkeit behauptet werden. Diese Grundmasse enthált Magnetit- 
staub in guadratischen Kórnchen von im Mittel -5% Grósse in nicht besonderer 
Menge eingestreut, ausserdem aber noch winzige grůne Fleckchen, welche ein nicht 
ursprůngliches Mineral zu sein scheinen, da sie sich auch, uud zwar in grósserer 
Menge als in der Grundmasse, in der Náhe zahlreicher winziger Risse, welche das 
Gestein durchsetzen, angeháuft finden. Man bezeichnet solche Mineralien sonst 
als Chlorit, auch hier spricht manches dafůr, dass diese Fárbungen demselben 
angehóren kónnten; ganz bestimmte Kennzeichen oder Belege dafiir kónnen jedoch 
nicht gegeben werden. Bis 1%% breite Schnůre von Calcit, aus Kórnern mit deut- 
licher Zwillingstextur bestehend, und mit Limonitflecken an gewissen Stellen, ent- 
sprechen iufiltrirten Mineralien. 

Trotz der Bezeichnung des Gesteines als Felsit zeigt das Mikroskop doch 
wenige ausgeschiedene, lang rechteckige Krystalle von bis */„;*" Breite in der 
dichten (unter dem Mikroskop deutlich kornigen) Grundmasse. Diese Krystalle 
sind Orthoklas, welche zuweilen auch zwillingsartige Verwachsungen zeigen. 

In Folge der Einmengung von Mineralien im Felsite, welche keine oder 
wenig S10, enthalten, wie Magnetit, Calcit, das grůne chloritáhnliche Mineral, 
wird der Gesammtgehalt der SiO, im Gesteine bis zu etwa 669, wie die Analyse 
zeigt, herabgedrůckt. Da nun Orthoklas selbst etwa 64';9; SiO, enthált, so muss 
Ouarz doch in geringer Menge in der Grundmasse vorhanden sein, worauf manche 
im polarisirten Lichte in derselben lebhafter gefárbten Kórnchen hinweisen důrften. 


Diorit. 


Unter diesem Namen werden alle deutlich kornigen Abarten dieses so 
gemeinen und recht typisch im Eisengebirge auftretenden Gesteines bezeichnet, 
welche theils guarzfiihrend oder guarzfrei oder auch epidotháltig sind. Die dichten 


125 


V aphanitischen Varietáten sind sowohl der Textur, als auch, was noch mehr ins 
|| Gewicht fállt, genetisch von dem kórnigen Gesteine getrennt, wesshalb sie auch 
| eigens angefiihrt erscheinen. Es ist recht merkwůrdig, dass sobald ein Dioritmagma 
(in silurischen Gesteinen auftritt, dasselbe im Eisengebirge meist dicht oder bei- 
I mahe dicht, in krystallinischen anderen Gesteinen meist Eruptivgesteinen von etwas 

geringerem Alter (als das Untersilur) aber deutlich krystallinisch kórnig sich 
| ausbildet. Der Grund dafůr liegt nahe. Die Diorite des Silures sind meist gleich- 
£ Bildungen mit den tiefsten Schichten desselben (meist B auch C), desshalb 
das Dioritmagma, weil die Schichten B und C sedimentáren Ursprunges sind unter 
I! Wasser schnell erstarrte und sich zu Dioritaphanit ausbildete; wáhrend die Gang- 
' oder Gangstockmassen in anderen krystallinischen Gesteinen (meist Graniten) ohne 
| schnelle Abkůhlung, die deutlichst kórnige Textur annehmen konnten. Úbrigens 
treten auch deutlich kórnige dioritische Gesteine im Silure dort zum Vorschein, 
| wo sie gangfórmig gelagert erscheinen, was mit dem Auftreten in Graniten den 
| | Bildungs- und Erstarrungsumstánden nach zusammenfálit. 

Die Hauptmasse der kórnigen Diorite ist an das Nebengestein des rothen 
Granites gebunden. Diorite und rothe Granite scheinen mitsammen in einem nahen 
genetischen Verháltnisse zu stehen, weil sie so háufig vergesellschaftet angetroffen 
werden. Diorit bildet Gánge oder Gangstócke im rothen Granit; rother Granit 
durchsetzt auch den Diorit in Gangform. Leider kann etwas Bestimmtes úber das 
Verháltniss beider Gesteine zueinander zur Zeit desshalb noch nicht gegeben 
werden, weil es noch an hinreichenden und bestimmten Beobachtungen fehlt; die 
Angabe von gewissen Verháltnissen sich demnach theilweise nur als Vermuthung 
herausstellt, welcher oft die beobachteten Thatsachen als sichere Basis noch 
| abgehen. Ausser in rothen Graniten sind Diorite in andern theils laurentinischen 
( theils silurischen Gesteinen ebenfalls, jedoch nicht so háufig anzutreffen. 
| Beachtenswerth, aber keineswegs als Regel aufzustellen sind die Beobach- 
© tungen betreffs der Textur der Diorite. Wenig máchtige Dioriteánge sind in der 
Regel kleinkorniger ausgebildete als máchtigere Stócke. Gangfórmige Dioritlager- 
© státten sind in gewissen Fállen nur in der Gang(Stock)-Mitte regellos kornig, in der 
| Náhe des Nebengesteines parallel zur Begránzungsfáche schiefrig, mit oft angerei- 
© chertem Amphibol, so dass bei flichtigen Beobachtungen oder mangelnden Auf- 
I schlůssen, insbesondere in der Náhe von wirklich geschichteten Gesteinen das 
© Verkennen solcher schiefrigen Diorite der Gangstockulmen mit Amphiboliten 
- (Amphibolschiefern) měglich wáre. Es bestehen zwischen den schiefrigen Aus- 
| bildungen der Diorite an den Gangulmen und den granitisch kórnigen in der 

Gangstockmitte unmerkliche Úbergánge. Tiefer unten, bei den Uralit-Dioriten wird 
dieses besonders auffállige Verháltniss noch erwáhnt werden. 
Eine andere Erscheinung bei máchtigen Dioritstoócken ist die, dass in 
© Gewissen derselben in der Mitte Corsit erscheint, dass sie demnach eine Hůlle um 
das Anorthit-Amphibolgestein bilden, obwohl es auch Corsite gibt, die nicht immer 
eine solche Diorithůlle besitzen. Es wáre nun recht erwůnscht das Verháltniss 
- zwischen der Diorithůlle und den Corsitstockmitten zu kennen: ob námlich beide 
Gesteine dadurch allmáhlig in einander úbergehen, dass entweder neben Plagioklas 
auch Anorthit in zunehmender Menge hinzutritt, oder dass sich die Plagioklas- 


124 


masse (als Molekůl-Gemenge von Albit mit Anorthit betrachtet) durch allmáhligen | 
Růcktritt der Albit-Molekůle in Anorthit umándert, oder dass im zweiten Falle. 


Corsit und Diorit scharf getrennt sind und allenfalls nur durch Apophysen mit 
einander verbunden erscheinen. So erwůnscht es nun wáre, dieses Verháltniss klar- 
gestellt zu wissen, so sind die thatsáchlich beobachteten Verháltnisse doch so 
unzureichend und bald der einen allmáhligen, bald der andern scharfen Gránze 
zuneigend, dass sie derzeit noch keine bestimmiere Ansicht aufkommen lassen, 
die auf Grund beobachteter Thatsachen viel Wahrscheinlichkeit in sich hátte. 
Vielleicht sind beide Fálle móglich, weil man sich unter verschiedenen Ver- 
háltnissen versucht fůhlt bald der einen oder der andern Erklárungsweise das 


| 


Úbergewicht einzuráumen. Die neueren Gesichtspunkte in der Geologie werfen © 


immer solche Fragen auf, deren Lósung oft nur spáter gelingt, und die vorláufig 
nicht praeciser zu beantworten sind. 

So wie gewisse Diorite sich als Hůlle von Corsiten ergeben, so werden die- 
selben wiederum in gewissen Fállen von Syeniten umhůllt, welche letzteren, den 
Mantel mancher Dioritstócke bildend, dieselben wiederum mit den Graniten ver- 
binden. Die Syenite scheinen nun durch Úbergang aus dem Diorite sich dadurch 
herauszubilden, dass blass fleischrother oder anderer Orthoklas in ziemlicher und 
gegen die Nebengesteinsgránzen in zunehmender Menge zum Dioritgemenge hin- 
zutritt. Auch hier zeigen dann die Syenite (die oligoklasháltie sind) theilweise eine 
Tendenz zu planer Paralleltextur. Dieses Verháltniss zwischen Diorit und Gránz- 
Syenit scheint auch die Móglichkeit des Úberganges von Corsit in Gránzdiorit 
begreiflich zu machen, es fehlt jedoch fůr die Annahme des letzteren Falles noch eine 
unumstóssliche Beobachtung. Es ist dieses hier desshalb vorausgeschickt worden, weil 
auf der geologischen Karte diese Gránzverháltnisse nicht immer darstellbar sind und 
dass demnach manche Fálle, wo die Karte Dioritfarben zeigt, das Ende oder die 
Gránze solcher Ausscheidungenals Syenit zu deuten wáren; ebenso wáren theil- 
weise als Syenite verzeichnete Gesteine stellenweise mehr dem Diorit áhnlich, da 
eben eine scharfe Trennung unmoglich ist. 

Im Allgemeinen sind die Diorite dort háufiger, wo auch rothe Granite zum 
Vorschein kommen, demnach in WS Fortsetzung des Eisengebirges, besonders im 
Parallelkreise von Nassabere. Hier treten deutlich mittelkórnige Diorite in Gángen 
und Gangstocken von Kraskov an gezáhlt in der Richtung von West nach Ost bis 
úber Podskalí (WN Skuč) zum Vorschein, wo nur die Bedeckung durch Kreide- 
gebilde die weitere nordostliche Verfolgung derselben unměglich macht. Eine Auf- 
záhlung der einzelnen Lagerstátten kann desshalb schon nicht gegeben werden, 
weil gewiss nicht alle erkannt sind. 

Deutlich mittelkórnige Diorite finden sich bei Kraskov, Žďárec, N Seč hier 
mit Corsit verbunden, an der Ohebka in Bojanov und W Bojanov, bei Deutsch- 
Lhotic und Samářov, W Křižanovic, Slavic, Hradišť und Bohmisch-Lhotic, W 
Nassabere. Ein langer Gangstock zieht sich von Nassaberg úber Bratránov nach 
Krupín in der Linge von úber 3 km und in der Máchtigkeit von bis ?,„ km. Der 
bedeutendste Gangstock setzt aber S Podlejštan úber N Božkov, N Podbožovský 
mlýn ůúber den Hořičkaberg (S Smrček), N Louka in die Schlucht, welche von 
Chácholic gegen Kostelec (WNW Skuč) sich hinzieht. Hier wird jedoch der Gang- 


125 


|| stock durch úberlagerte cretaceische Schichten bis auf die Thalsohle ganz verdeckt. 
| Die Lánge des Stockes dem Streichen nach von S Podlejštan bis S Chlácholic 
k betrágt beinahe 1 Myriameter; gewiss setzt sich aber der Stock noch unter Kreide- 
| gebilden weiter fort. 
j i Mehr vereinzelnt finden sich kórnige Diorite theilweise auch an Gesteins- 
| gránzen O und W von Hlinsko, so bei Plaňan, Srny, Rváčov, Stany, Schónfeld 
| (Jasné pole). 
V Eine andere betráchtliche Masse mittolkůžnige Diorites bildet eine kranz- 
| Rormice Hůlle um den Corsitkranz, der wiederum Serpentin umhůllt bei Ransko. 
Der Durchmesser des umfassenden Dioritringes betrágt etwa 5 km. Seine innere 
|) Fláche berůhrt Corsit, sein áusserer Rand geht in Amphibolgranit úber und berůhrt 
| theils rothen, theils grauen Granit, theils schiefrig flasrigen Biotiteneus. Ein Theil 
Y des Dioritkranzes liegt unter jingeren Gebilden verdeckt. Seine sůdlichen Depen- 
| denzen bilden die einzelnen Gangstocke S Peršikov NW und SO Hutě (bei Ransko 
1 W). Eine sehr bedeutende Gangstockmasse, von rothem Granit und rothem Gneus 
eingefasst ist N Studenec (O Chotěboř), von Dolní Vestec ber Štiková, Huť, 
Žalost bis gegen Rovné ausgebreitet. Vielleicht hánet diese Masse unter Kreide- 
schichten mit dem Ranskoer Dioritmassiv zusammen oder steht mit demselben 
wenigstens in ursáchlichem Zusammenhange. Die Lánge des Štockes důrfte bis 
4 km, seine sichtbare Máchtigkeit der Anschwellung nach etwa 2 km betragen. 
Erwáhnenswerth ist noch der Stock mittelkórnigen Diorites bei Zbyslavec (WNW 
Ronov), der mit Syenit vergesellschaftet ist. Sámmtliche diese mittelkórnigen 
( Diorite sind theilweise auch guarzfůhrend. 
| Kleinkórnige Diorite enthalten bei Vejsonín (S Svídnice, S Chrudím) und 
S Malé Lukavice (N Žumberg) bedeutende Mengen von Pyritkórnern ausgeschieden, 
so dass sie als Pyritdiorite angefůhrt werden kónnten. Auf der Karte sind sie als 
© gewóhnliche Diorite eingetragen. 
V „ Epidotdiorite bilden Gánse SW Trpišov, O Práčov, (S Chrudím) in Felsit- 
porphyren und rothem Granit. Theilweise sind sie so kleinkórnig, dass sie den 
Úbergang zu Epidotdioritaphanit bedingen, mit welchem sie gleichzeitiger Ent- 
„ stehung sein důrften. 
An den Elbeufern bei Elbe-Teinic, vornehmlich aber linkerseits der Elbe 
( werden oberlaurentinische oder tief cambrische Gesteine durch Gánge durchsetzt, 
© welche nur als Diorit zu deuten sind. In denselben ist aber der Amphibol meist 
| "dunkelgrůn, wáhrend er in den vorerwáhnten Massen grůnlichschwarz gefárbt 
© erscheint. Am Contacte mit andern Gesteinen zeigen diese Diorite, welche auch 
"Biotit in sich aufnehmen, vornehmlich aber bei und in Vinařic plane Parallel- 
| textur. Nur in Handstůcken betrachtet kónnten dieselben auch mit unvollkommen 
schiefrigen Amphiboliten verwechselt werden. Trotz der Dioritnatur dieser Gesteine, 


| 
| 
| 


| -sie bestehen námiich aus Plagioklas und Amphibol, werden dieselben aber erst 
„ bei dem Gabbro spáter angefůhrt werden, da sie mit demselben in ursáchlichem 
- Zusammenhange stehen, indem sie eigentlich zu Diorit umgewandelte Gabbro- 
+ masse vorstellen. Der Amphibol derselben ist námlich Uralit und sie werden als 
« Uralit- oder Labrador-Diorit dem Gabbro angefůst, getrennt von den eigentlichen 
> Dioriten beschrieben werden, 


= 


NA 


126 


Im Allgemeinen sind die Diorite den Corsiten recht áhnlich, denn es 
besteht ja doch nur ein feiner Unterschied, die Natur des Plagioklases betreffend, 
welcher beide Gesteine von einander trennt. Die etwas gróber mittelkórnig zusammen- 
gesetzten Diorite besitzen wie der Corsit eine weisse erdige Verwitterungskruste 


an Stelle des Plagioklases; dennoch sind narbige und grubig-luckige Oberfáchen. 
von Dioritblocken mit vertieften Plagioklasauswaschungen und erhóhten Amphibol- 


narben verháltnissmássie selten gegenůber dieser Ausbildung der Verwitterungs- 
kruste beim Corsit, so dass in diesem mehr negativen Verhalten ein Erkennungs- 


zeichen fůr Diorit vorhanden wáre. Wáhrend bei Corsit die Amphibole mindestens. 


oberfáchlich immer grasgrůn, zuweilen auch im frischen Bruche ebenso, sonst 
aber meist dunkel grasgrůn gefárbt erscheinen, was theilweise Folge der Lockerung 
durch Zerfaserung ist, sind bei Diorit die Amphibole im frischen Bruche nur 
grůnlichschwarz, so dass sie hier immer nur als schwarz bezeichnet werden, an 
der angewitterten Oberfláche aber bedeutender dunkelgrůn als dies beim Corsit 
der Fall ist. Die schwarze Farbe des Amphiboles, herrůhrend von einer an FeO 
reicheren Varietát desselben ist fůr Diorit charakteristisch.  Ebenso verschieden 
ist das Verhalten des Diorit-Plagioklases gegenůber dem Anorthite des Corsites. 
Frische Bruchfláchen zeigen beim Dioritplagioklase die sehr gute Spaltbarkeit, 
einen vom Anorthite unterschiedlichen Glanz und falls die oPfláche ůúberhaupt 
wahrnehmbare Zwillingsriefung zeigt, so ist dieselbe immer ganz deutlich, scharf 
und ununterbrochen, was dem Anorthite nicht zukommt. 

Der Diorit des langen Gangstockes von Božov-Chácholic zeigt meist grob 
bis mittelkórnige Varietáten, zuweilen auch kleinkórnige; der Diorit ist demnach ein 
guarzfůhrender. Eine Probe des Gesteines vom Berge Hořička (bei Hlína W, 
Smrček S) zeigt die mittelkórnice bis grob-kórnige Textur deutlich, die Gemengthleile 
erreichen in der mittelkórnigen Varietát bis 3—4%" Preite; der Plagioklas herrscht 
etwas vor. Nur ganz spárlich und vereinzelnt sind in dem kórnigen Gemenge viel 
gróssere Ouarzkórner von weisser etwas ins bláuliche spielenden Farbe und milchig 
schielendem Glanze eingewachsen. Die Plagioklasspaltunesfláchen zeigen beinahe 
keine Zwillings-Streifung unter der Loupe, wesshalb das Gestein mit Syenit zu ver- 


wechseln wáre. Die Klifte und Ablósungen welche den Diorit durchsetzen, sind mit. 


Epidotdrusen, sogar mit langen, bis diinn fingerdicken Epidotsáulen bedeckt, welche 
stellenweise Krystallfláchen zeigen. Eine andere Gesteinsprobe W vom Hořička- 
hůgel, zwischen demselben und der Podbožover Můhle stammend, in fingerdicken 
Klůften und Ablósungen ebenfalls mit Epidot stellenweise úberdrust, oder nur 
einzelne Krystallgruppen tragend, besitzt etwas vorwiegenden schwarzen Amphibol 
und nebst Placgioklas etwas reichlichere aber doch nur accesorisch auftretende 
Ouarzkórner. Die Grósse der Gemengtheile betrágt im Mittel 2—3"". Hie und 
da ist ein Kpidotkornchen oder ein ganz unbedeutend kleines Pyritkórnchen, letzteres 
meist im Amphibol eingewachsen, zu beobachten. Die Plagioklase zeigen unter der 
Loupe keine warnehmbare Streifung. 

Aus dieser zweitgenannten Probe wurden nach Zertrimmerung derselben 
zu einem róschen Korne die reinsten Plagioklaskórnchen ausgesucht. "Trotz der 
Můhe des Auslesens derselben zeisten sie doch bei stárkerer Vergrósserung Spuren 
von Amphibolnádelchen und Epidotkornchen, die nicht zu entfernen waren, auf 


———— 


127 


| die Analyse aber nur ganz verschwindend einwirken konnten. Die theilweise Unter- 
| suehung des Dioritplagioklases mit "2gr Substanz und des Diorites selbst mit 


-1169 gab 


fůr den Plagioklas fůr den Diorit 
1 Si0, 57:09 47-99 
| Ca0 | 9.76 12:07 
| Mg0 Spur unbestimmt 


3 Glihverlust | 215 2-43 
o im Plagioklas noch einen Al; O;,-gehalt von mehr denn 259%,. Da der 
-in Spuren dem Plagioklase anhaftende Amphibol weniger Si0, und mehr CaO, 
; als der Plagioklas, der Epidot aber Si0, — 38, Ca0 — 259, enthált, so trachten 
I die Spuren beider Mineralien den SiO,-Gehalt der Analyse herabzudrůcken und 
den CaO-Gehalt zu erhóhen. Die ganz reine Plagioklassubstanz hátte demnach 
-um etwas unbedeutendes mehr Si0, und weniger CaO als die Analyse angibt.**) 
| Dieser Diorit bestinde demnach aus einem Gemenge von 569, Plagioklas, 
4396 Amphibol und etwa 1%, Magnetit, Epidot. 
Unter dem Mikroskop zeigt die Varietát vom Hořičkahůgel theilweise 
| wolkig getrůbte und fleckenweise ganz durchsichtige Plagioklase, welche Aggregate 
| zu je einigen Individuen, deren Grósse 1'/,"" bis */,"= betrágt, bilden, und die 
- dann die oben angefůhrten, mit freiem Auge sichtbaren weissen Kórner zusammen- 
| setzen. Die etwas weniger bedeutenden Amphibolaggregate — den Raum zwischen 
-den Plagioklasen einnehmend — bestehen trotz des Důnnschliffes, aus so bedeutend 
- stark gefárbter, weil sehr viel Ferromonoxyd enthaltender Mineralvarietát dass sie 
- beinahe gánzlich undurchsichtig, dunkelgrasgrůn bis tieflunkel bouteillengrůn gefárbt 
- erscheinen. In diesem Verhalten, der geringeren Pelluciditát liegt der Unterschied 
der Dioritamphibole von den graserůn durchsichtigen Corsitamphibolen. Nur die 
allerdůnnsten Splitter sind entweder grasgrůn oder bráunlich bouteillengrůn, je 
nach dem Schnitte derselben. Der Pleochroismus ist sehr bedeutend, die Spalt- 
barkeit gut sichtbar, das lángste beobachtete Amphibolprisma misst 3'/,""; kleinere 
Amphibolsáulen sind in den Plagioklasaggregaten nicht so háufig eingewachsen, 
als dies beim Corsit der Fall ist. Magnetit in ganz geringer Menge ist in dem 
Amphibol in Kórnchen eingewachsen zu finden. Der Plagioklas zeigt im polari- 
sirten Lichte nur unvollkommene Zvwillingsfárbung in Bándern und das nur in den 
gánzlich durchsichtigen Flecken desselben. Nach dem Auftreten von vielen blass 
einfárbigen Auerschnitten kónnte der Vermuthung Raum gegeben werden, dass 
ein ziemlicher Antheil des Feldspathes monoklin sei, das Gestein demnach zu 
Syenit zu stellen wáre. Dem widerspricht aber die oben angefiihrte Analyse des 
Plagioklases selbst. Es ist demnach bei Deutung von einfárbigen Feldspáthen 
neben gebánderten Vorsicht zu gebrauchen, da nicht alles was keine Zwilling- 
streifung im polarisirten Lichte zeigt, desshalb schon Orthoklas ist. Von GAuarz 
fiel kein Korn in den Schliff, weil dieses Mineral obwohl in grossen Kórnern ohne 
fremde Einschlůsse, doch nicht háufig, sondern nur untergeordnet auftritt. 
Einige Amphibolkórner sind stellenweise mit olgelbem bis zeisigeelbem 
Epidot eingefasst, auch im Plagioklas finden sich bis hóchstens '/„*" grosse Kórner 
úieses Minerales als unwesentlicher Gemengtheil, Vornehmlich liebt es der Epidot 


128 


sich in gewissen Klůften im Plagioklas anzusiedeln, in deren Náhe, wiewohl sehr 
selten, auch aus Schůppchen von Haematit bestehende Kerne anzutreffen sind. Wenn 
schon das Vorkommen der Epidotkrystallgruppen in den Klůften und Ablósungen 
dieses Diorites die spátere Bildung dieses Minerales aus den zersetzten Gemeng 
theilen des Diorites klar darthut, so bestátigt auch die Art des mikroskopischen 
Vorkommens die spátere Entstehung dieses so háufigen Minerales. 


Die etwas weniges kleinkórnigere frischere Varietát von Podbožov zeigt 


u. d. M. das gleiche Verhalten. Die Plagioklase sind frischer, im polarisirten. 


Lichte, obwohl nicht durchgehends deutlicher gebándert; der Amphibol beinahe 
undurchsichtig, tief dunkelgrasgrůn bis schmutzie bouteillengrůn. Im Amphibol 
sind kleine, im Mittel 35" messende Magnetitkórner eingewachsen. Epidot bildet 
entweder den Saum gewisser Amphibole, oder ist er in Klůftchen im Plagioklas 
angesiedelt, oder aber impraegnirt er, den Spaltunesfláchen nach eindringend, 
gewisse Parthieen des Feldspathes. Im Ganzen aber ist die Epidotmenge ganz 
gering. (Auarz, der am Bruche sichtbar ist, fiel nicht in den Důnnschliff. 


Sůdwestlich von Skála, NO von Kostelec, ONO von Hlína, ist in der 
Schlucht daselbst an der Bahn ein frischer Diorit des obbenannten langen Gang- 
stockes entblósst, in welchem, neben mittel- und grobkórnigen Abarten eine beinahe 
feinkórnige ganz tadellos frische Varietát von dunkelgrauer Farbe gangfórmige 
Ausscheidungen bildet. Die Ablósungen dieses Diorites sind nur schwach kreide- 
weiss gefárbt und tragen keine Epidotkrusten an sich. Im Bruche zeigt das stark 
glitzernde frische Gemenge keine unterscheidbaren Gemengtheile, ausser unter der 
Loupe durchsichtige und schwarze Spaltungsfláchen von starker Spiegeluag. 

Eine theilweise Untersuchung mit 1'2g dieses Gesteins ergab: 


S10, 4354 
ALOa2155 
Re 

Ca0 1229 

MgO 640 
Fe,0, 400 


Glihverlust 85 


Die Analyse bestimmte das FeO des Amphiboles nur als Fe, O, da eine 
Trennung nicht vorgenommen wurde; Alkalien, auf welche keine Růcksicht genom- 
men wurde, důrften nur in ganz geringer Menge etwas úber 19, vorhanden sein. 


Der Gehalt an Magnetit Fe, O, wurde derartig ermittelt, dass das gepulverte 
Mineral in der Kálte mit Chlorwasserstoffsáure behandelt wurde, welche Fe, O, lóst. 


Auffallend ist der niedrige Gehalt an SiO,, welcher fůr Corsit sprechen 
wůrde; doch wenn die SiO,menge auf magnetitfreie Substanz berechnet wird, 
ergibt sich Si0, = 45,9, allein auch das ist fůr Diorit niedrig genug zum 
Beweise, dass der Amphibol ein sehr eisenreicher und siliciumdioxydarmer ist, 
worauf seine bedeutend geringe Durchsichtigkeit im Důnnschliffe hindeutet. *“*) 


Wenn mit Benitzung der theilweisen Analyse des Plagioklases unter der 
Voraussetzung, dass derselbe auch in dieser Dioritvarietát dieselbe Zusammen- 


| 
| 129 
(| habe, die Mengenverháltnisse der Dioriteemengtheile und die genáherte 
|Zusammensetzung des Amphiboles selbst, berechnet werden, ergibt sich folgendes: 


M Das Gemenge von Amphibol und Plagioklas steht im Verháltnisse von di; 


Jda aber auch Magnetit hinzutritt, so kommen Amphibol, Plagioklas und Magnetit 
lim Verháltnisse von 74:22:4 im Gemenge zum Ausdrucke. 


| Der Amphibol hátte dann etwa folgende Zusammensetzung, wenn von 
dessen geringer Alkalimenge, die derselbe enthalten důrfte, abgesehen wird: 


Si0, 44%, 


| AL 0, 20 

Fe, O; 11:8 oder auf FeO umgerechnet be 107, 
| Ca0 14"/, 
| Ms0 8%, 


"Der Amphibol wáre demnach ein bedeutend thonerdehaltiger, eisenreicher.**) 


Wenn der Diorit fein zerrieben wird, so zeigen die staubfórmig zertheilten 
'Gemengtheile unter dem Mikroskope A atích durchsichtice Plagioklassplitter und 
graulich- bis rein bouteillengrůne Amphibolspaltungsstůckchen. Die satte Farbe 
der hóchst zarten, zu Staub zerriebenen Amphibole deutet schon die bedeutend 
geringe Pelluciditát der Krystallageregate an. 


In concertrirter HC1 gekocht gibt das feine Pulver des Gesteines nur Eisen- 
verbindungen (FeCl,, FeCl;) aber keine Zersetzungssalze des Plagioklases. Der 
Plagioklas ist demnach trotz der geringen Si0,-Menge des Diorites kein Anorthit, 
Im Důnnschliffe zeigen sich Leisten von Plistaklna von ziemlich gleichbleibender 
Grósse, der Lánge bis zu *;"", der Breite von ;$—1;"" In untergeordneter Menge, 
neben ebenfalls stabartigen nějak gleich grossen, "„—'/;"» langen, 35—2;"" 
breiten vorherrschenden Amphibolen derartig untermischt, dass die Krystallprismen, 
wenn auch nicht ganz, so doch annáhernd parallel vertheilt vorkommen, demnach 
eine Orientirung zeigen. Magnetitkorner meist von ziemlich gleicher Grosse von 
15%" etwa, sind in grosser Zahl dazwischen vertheilt und meist an den Amphibol 
gebunden, selten auch im Plagioklas eingewachsen. Die kleinsten Magnetitkórner 


von 35—5"" Grósse zeigen guadratische Formen. 


Nur stellenweise und ganz untergeordnet kommen porphyrartig ausgeschie- 
den bis “/„"" grosse Plagioklas- oder Amphibolkrystalle vor. 


Sehr selten sind 345"" breite Nadeln im Plagioklas, die wahrscheinlich 
zum Apatit zu stellen wáren. Auch hier sind die Amphibolstábchen wenig durch- 
sichtic, bei důnneren Schichten pleochroitisch, ebenso gefárbt wie schon oben ange- 
fůhrt wurde. Die meisten der Plagioklasleisten sind im polarisirten Lichte einfárbig, 
die zwillingsartigen Farbenbánder der Hemitropien sind oft bis 4fach wiederholt 
Sichtbar. Nur die spárlich eingewachsenen porphyrartig ausgeschiedenen Plagio- 
klase zeigen ganz deutliche Farbenbánder. Epidot und Auarz ist im Gemenge 
micht beobachtet. 


Eine andere untersuchte Dioritprobe stammt ', km westlich von Křiža- 
novic (WNW Nassabers) wo ein ziemlich máchtiger Gangstock (úber 100") neben 
9 


130 


andern Gůngen im rothen Granit zum Vorschein kommt. Der mittelkórnige Diorit 
mit 3—4"" groben Gemengtheilen ist ganz frisch und dem Diorit vom Hořička- 
hůgel úhnlich. Der Plagioklas hat einen Stich ins graulichviolette. Gewisse 
Spaltungsiláchen desselben zeigen deutlich eine zarte Streifung. Durch concentrirte 
Chlorwasserstoffsáure wird der Plagioklas nur ganz unbedeutend angegriffen. 


Eine theilweise Analyse des Gestéines mit 1'5g ergab: 


S10, 48:45 

A130; 18:66 

Das FeO des Gesteines gewogen als Fe, 057" 5'68 
CaO 1222 

MgO 758 

Glůhverlust "02 

BB O 202 


Der Magnetit wurde auf die Art bestimmt, dass das zerriebene Gestein 
mit HCI in der Kálte behandelt wurde. Ohne Anwesenheit des Magnetites wiůrde 
der Gehalt an Si0, zu 49%, steigen. Der bedeutende Rest von 5%, welcher 
zur Summe 100 fehlt, entfállt an die nicht bestimmten Alkalien. In dem Gemenge. 
lásst sich herausrechnen: ein Gehalt von Plagioklas 50,97, Amphibol 47*/,, Ma- 
gnetit 2*/,9/. 


Unter dem Mikroskop erscheint der schwarze Amphibol im Důnnschliff 
unrein grasgrin, zu lappigen Fetzen zertheilt, an denen eine unvollkommene Zer- 
faserung sichtbar ist. Winzige Magnetite sind eingestreut in der Amphibolmasse ; 
aber auch bis 1%" grosse Kórner dieses Minerales durch Anháufung der kleineren 
entstanden, sind háufig anzutreffen. Nur stellenweise lehnen sich an den Rand 
der Magnetite kleine Haematitpláttchen an, als Zeichen einer anfangenden Zer- 
setzung. Der Plagioklas mit nur wenig kleinen, eingewachsenen Amphibolkórnern 
ist ziemlich frisch, nur ganz gering trůbe gefleckt. Zwillingsstreifung zeigt er im 
polarisirten Lichte viel auffálliger als die Proben vom Hořičkahůgel oder von Pod- 
božovský mlýn. Sonst erinnert das Verhalten ganz an das schon oben beschriebene. 
Epidot und Auarz ist nicht nachweisbar. 


Bei Stan und Jasné pole (Schonfeld) durchsetzen dunkle kleinkórnige 
Diorite Glimmerschiefer, Gneuse und Granite in nicht bedeutend máchtigen Gángen. 
Eine Probe von Jasné pole (Schonfeld) von kleinkornigem Gefiige und schmutzig 
dunkelgrůner Farbe zeigte nur an der etwas angewitterten Oberfláche, wo die Plagio- 
klase kreideweiss gefárbt erschienen, kurze, 2—3=m lange, '/„—1%» breite Sáulchen 
von schwarzgrůnem Amphibol. 


Unter d. M. erscheinen die Amphibole verschieden grasgrůn gefárbt, unregel- 
mássig lappig und an den Rándern moosartig zertheilt, aus Fasern bestehend. Im 
durchsichtigen Plagioklas treten entweder kleine 120150" breite, bis 12m lange 
Stábchen von etwas blásser grasgrůnem Amphibol in grosser Anzahl zum Vorschein, 
welche stellenweise moosartige Aogregate bilden. Magnetitkórnchen oder Háufchen 
oder zusammenhángende Aggregate sind vornehmlich im Amphibol eingewachsen. 


Pyritkorner bis „m oross sind selten. Der Plagioklas aus Krystallkórnern bestehend 


131 


© zeiet nur theilweise die chromatische Zwillingsstreifung ganz deutlich, námlich ins- 
- besondere dort, wo die Krystallagoregate nicht bedeutend klein sind, denn durch 
- minimale Dimensionen wird bei Plagioklasen die Zwillingsstreifung sehr háufig 
- verdeckt. Ganz diůnne Nadeln von s5g"% Durchmesser, die im Plagioklase ein- 
- gewachsen sind, kónnten als Apatit gedeutet werden. ití ganz seltene schwarze 


- Stábchen von eben solcher Breite wie der Apatit kónnten vielleicht [lmenit sein. 


Auch sehr pyritreiche Diorite sind verbreitet im Eisengebirge. Dieselben 

stellen jedoch meist sehr kleinkornice Varietáten vor. An der Gránze zwischen 

| č. Granit und Guarzporphyr oder Felsit oder schiefrigem Felsitporphyr 

"kommen Gánge und Gangstocke dieses Gesteines in dem Felsitporphyrzuge Rtein- 

„Malé Lukavice vor. Zwei Proben sind entnommen von einem Gange zwischen 

| Born und Žumberg (etwas náher an Bitovan), dann von Vejsonín SW an der 
Reichstrasse von Chrudím nach Nassabere. 


P. 


faul, etwas ausgebleicht, in Klůften aber mit braunen Limonitůberzůgen oder An- 
še ligen úberzogen. Beide Proben sind ganz frisch. 


P: : Das Gestein von Bitovan S (Žumberg N) ist grůnlicherau, sehr klein- 
Ě "kórnig, beinahe feinkórnig, jedoch nicht aphanitisch; dle Zusammensetzung der 
| (Grundmasse ist nicht ersichtlich, ausser kleinen, etwa 1—2""“ grossen porphyr- 
: artig ausgeschiedenen Plagioklaskrystallen. Kleine, jedoch auch erbsengrosse Pyrit- 


i Die Pyritdiorite zeigen sich stellenweise unter Tage gánzlich zersetzt und 


kórner sind sehr zahlreich, mindestens fleckenweise eingewachsen; gewisse davon 
- besitzen erkennbare růrfelform 


Das Mikroskop lóst die Masse des Důnnschliffes vollkommen auf. In dem 
weissen durchsichtigen Plagioklas erscheinen ohne alle Regel zerstreut Amphibol- 
stábchen von ziemlich gleichbleibender Grósse von £g"" Breite und ';"" Lánge; 
selten sind die blass grasgrůnen Stábchen sehr breit. Štellenweise liegen einige 

- Amphibolstábchen geháuft, meist aber sind sie einzeln, ohne jede Orientierung 
zerstreut. Ebenso ungleichfórmig zerstreut und etwa in gleicher Menge vorkommend 
wie der Amphibol findet sich Magnetit, von zarten Punkten an, also staubformig 
bis zu Aggregaten von !""% Breite; meist aber herrschen die mittleren Gróssen 

von 34"" Breite vor. Sámmtliche Magnetitkůrner zeigen deutliche guadratische 

4 Formen. Im polarisirten Lichte zeigt auch der Plagioklas eine kleinkórnige, aus 

 ziemlich gleich grossen Prismen von 3%—;5"" Breite und bis 55"" Lánge bestehende 
regellos kórnige Zusammensetzung. Der Plagioklas erat bedeutend vor, Am- 

- phibol und Magnetit in untergeordneter Menge halten sich das Gleichgewicht. Nur 

- einzeln kommen gróssere Pyritkórner bis '/„"% Breite zum Vorschein. 


Der Plagioklas zeigt im polarisirten Lichte nur einerlei Farben, bei auf- 
© merksamer Beobachtung sieht man jedoch in den breiteren Stábchen desselben 
- vereinzelnte Zwillingsstriche. Er hat ganz das Aussehen von Orthoklas, was wahr- 
- scheinlich in der Kleinheit der Individuen desselben seinen Grund hat. 


A © Die Varietát WSW von Vejsoním, in einem Steinbruche in ganz frischem 
Ž © Zustande entblósst, gleicht ganz der Vorigen. Nur ist die Farbe im Bruche etwas 

- wenices lichter grau, weil mehr kleinere Krystállchen von Plagioklas, die sich von 
ý | 9* 


132 


der Grundmasse aber schlecht abheben, eingewachsen erscheinen. Das Mikroskop 
zeigt ausser grósseren und etwas háufigeren Pyritkórnern, was nur zufállig ist, ganz. 
die gleiche Textur und Zusammensetzung, wie sie vordem angefiihrt wurde. In der 
durchsichtigen Plagioklasgrundmasse lassen sich die porphyrartig eingewachsenen. 
orósseren Plagioklase wohl, aber doch nur bei einiger Aufmerksamkeit erkennen, 
weil in denselben weniger Amphibole eingewachsen vorkommen. Die kleinkórnige 
Plagioklas-Grundmasse zeigt ganz das Verhalten von Orthoklas ausser in einigen. 
Ouerschnitten, welche bei aufmerksamerer Beobachtung Andeutungen von Zwillings- 
bildung wahrnehmen lassen.  Allein die im polarisirten Lichte deutlich hervor- 
tretenden Plagioklasrechtecke der porphyrartig eingewachsenen Krystalle von */, "= 
Breite und bis 1',""“ Lánge zeigen durchwegs, wenn auch nur wenige, so doch 
deutliche, nie fehlende Zwillingsbánder von verschiedenen Farben. 


Es ist nun něthig den Grund anzugeben, warum die kleinkórnige Grund- - 
masse vom Verhalten des Orthoklases im polarisirten Lichte als Plagioklas gedeutet | 
wird. Es ist eine durch Analysen vielfach erhártete Thatsache, dass beinahe dichte. | 
oder sehr kleinkórnige Plagioklase keine Zwillinosstreifung im polarisirten Lichte © 
zeigen, sich also áhnlich wie Orthoklas verhalten, trotz dieses Verhaltens aber | 
doch die Plagioklasnatur besitzen, da chromatische Bánder in winzig ausgebildeten © 
Krystállchen meist verschwinden. Indessen zeigen in diesem Falle doch einige © 
Kórnchen Andeutungen von Zwillingsriefen. Es wáre eine Anomalie, dass die in © 
einer sehr feinkornigen Grundmasse ausgeschiedenen Feldspathkrystalle eine andere | 
Zusammensetzung hátten, wie die Grundmasse selbst, da sie ja doch nur unter © 
gůnstigeren Bedingungen aufgewachsene einzelne Krystalle der Grundmasse sind. | 
Es kann demnach die u. d. M. kleinkornig zusammengesetzte Grundmasse nicht © 
Orthoklas sein, wáhrend die ausgeschiedenen Krystalle, die durch herabsinkende 
Gróssenverháltnisse mit den kleinen Gemengtheilen der Grundmasse, also durch © 
Úbergang in dieselbe verbunden sind, aus Plagioklas bestehen. Endlich bestehen © 
Úbereánge des Gesteines in wirklich deutlichen kórnigen Diorit. Ausserdem aber © 
spricht das Vorkommen von zahlreichen Magnetitkórnern neben Amphibol gegen © 
Orthoklas. 


Eine Analyse zur Constatirung der Plagioklasnatur durchzufůhren ist bei 
dem Gewichte der Grůnde, die allein úberzeugend genug sind, nicht nothie. Úbrigens © 
wůrde die variirende Pyritmenge, theilweise auch der Magnetit bei der Inter- 
pretation derselben irrend hinderlich sein. 


Man bezeichnet wohl derartige Gesteine auch als Porphyrite, es ist aber 
in diesem Falle kein Grund vorhanden, dieselben nicht als Diorit zu bezeichnen, 
da sie ja in kórnige Varietáten desselben ůúbergehen. 


Bei starken Vergrósserungen zeigen die Plagioklase, gerade so wie bei den 
andern oberwáhnten Dioriten Flůssigkeitseinschliisse, obwohl dies nicht besonders © 
hervorgehoben wurde. — 


Epidotdiorite fůhren in ziemlich bedeutenden Mengen Epidot, nicht 
in Form eines unwesentlichen Gemengtheiles, wie dieses Mineral in den kórnigen © 
Dioriten vom Horčičkahůgel etc. erkannt wurde, sondern in einer solchen Mence, die © 
neben Plagioklas und Amphibol an der Gesteinszusammensetzung Theil nimmt. Epidot- 


133 


( diorite erscheinen háufig in der Umgebung von Trpišov, Práčov, (S Chrudím) in 
|Felsitporphyren, auch im Granit. : 
18 Im Ohebkaufer N Práčov durchsetzen Gánge dieses Gesteines faule, 
scheinbar schiefrige Gesteine in der Náhe der Granitgránze. Die faulen Gesteine 
sind entweder ausgelauste Diorittuffe oder Felsite von schiefriger Textur. Ein 
beiláufig 10" máchtiger Gang von Epidotdiorit durchsetzt dieselben etwa inmitten 
zwischen der Práčover Kirche und der Papiermiůhle bei Svídnic. Der Gang tritt 
(m Contacte zwischen faulen schiefrigen Gesteinen und zersetztem Felsitporphyr 
Jauf und erscheint ziemlich frisch. 
| Den Dioritgang bildet ein kleinkorniges und ein feinkorniges Gemenge. 
(In dem kleinkornigen Diorit, dessen Gemengtheile weisser Plagioklas, Amphibol, 
Epidot schon mit der Loupe deutlich, wegen ihrer Grósse von 1—1","“ sichtbar 
|sind, erscheinen ganz spárlich Pyritkórnchen eingestreut. Durch Calcit ist das 
| Gestein nicht oder nur in ganz unscheinbaren Mengen durchdrungen. 


Unter dem Mikroskope werden aber vier Gemengtheile im kórnigen Durch- 
leinander erkannt. Lange Rechtecke zu Aggrecaten verbunden aus Plagioklas 
bestehend, welcher nur stellenweise weisse wenig durchsichtige Flecken zeist; 
'dann regellose Kórner oder Sáulen, auch lappig zertheilte Aggregate meist von 
sichtbar fasriger Zusammensetzung dem Amphibol angehórend; unfórmliche Kórner 
von Epidot innwendig rissig, stellenweise aber sich andern Gemengtheilen etwas 
anschmeigend und endlich regellos dazwischen zerstreute vorwiegend guadra- 
tische Magnetitkorner, meist in der Náhe des Amphiboles oder in demselben, 
(bilden die Gemengtheile. Die Magnetitkoórner sind im Mittel 1""% gross. Pyrit- 
'kórner sind verháltnissmássig wenig háufig; ebenso untergeordnet erscheinen 
'schwarze undurchsichtige Stábchen, welche wegen ihrer Ausdehnung in einer 
"Richtung als Ilmenit zu deuten wáren. Sie besitzen die Breite von etwa 4. 
(Ganz vereinzelnt sind —45"" breite Nadeln, die fůr Apatit zu halten wáren. 


| Der Plagioklas zeigt meist deutliche, wenn auch nicht zahlreiche Zwillings- 

lamellen im polarisirten Lichte. Nur die etwas fleckigen zeigen diese Erscheinung 

nicht; obwohl es auch ganz reine Auerschnitte gibt, die einerlei Farben im pola- 

risirten Lichte besitzen, was bei der Breite der Zwillingslamellen erklárbar ist. — 

Der feinkórnige Epidotdiorit aus demselben Gange von graulichgrůner Farbe 

zeigt unter der Loupe ausser spárlich ausgeschiedenen Leistchen von Plagioklas nur 
bis „== lange Stábchen von Feldspath; alles andere ist unerkennbar. 


U. d. M. aber stellt sich dieser Diorit als regelloses Gewirre von bis £"" 
breiten Plagioklasstábchen mit Amphibolaggregaten dar, in welchen besonders 
háuig die im Mittel etwa '—;4"“ grossen úahlkušéken Magnetitkorner einge- 
wachsen sind. Im H dauláán Lichte zeigen die meisten, auch stellenweise trůben 
Stábchen des Plagioklases Zwillingsstreifung, oder doch Andeutungen derselben. 
Einige ganz durchsichtige bis 17" breite, scheinbar hexagonale Kórner mit starker 
Fárbung im polarisirten Lichte, scheinen auf Ouarz hinzudeuten. Der Epidot tritt 
nur untergeordnet in ganz kleinen Kórnchen zum Vorschein. In Sáuren entwickelt 
das Gestein ganz wenig Bláschen. Wahrscheinlich hat der Calcit den Sitz in den 
wenigen grósseren etwas getrůbten Plagioklasen. 


134 


Apatitnadeln sind wie vordem spárlich, meist im Plagioklas beobachte | 
worden. — | 

Beide Varietáten des Diorites zeigen als aufangende Zersetzung in de 
Náhe gewisser Magnetite Gruppen von hyacinthrothen hexagonalen Schuppen von 
Haematit. — Andere Dioritgesteine und zwar derjenige Diorit, dessen Plagioklas 
zum Theil aus Labradorit besteht und dessen Amphibol auch als Uralit bezeichnet © 
werden kónnte, sind unter den Gabbrogesteinen eingereicht. i 


Dioritaphanit. | 


Unter diesem Namen „Aphanit des Diorites“ sind verschiedene entweder 
dichte oder sehr feinkórnige, auch klein porphyrartige Gesteine, deren Textur auch 
-ebenso gut „andesitisch“ heissen konnte, bezeichnet, welche trotz der Verschieden- 
artigkeit der Textur doch nur Ausbildungsweisen einer Gesteinsmasse sind. Auch. 
amygdaloidische Texturen finden sich bei dem Gesteine. Die porphyrartigen (andesi- 
tischen) Gesteine gehóren streng genommen gar nicht zu den Aphaniten, sie sind aber 
desshalb von denselben nicht zu trennen, weil sie durch Úbergánge aufs engste 
mit denselben verknůpft sind. Die Dioritaphanite sind gleichzeitige Bildungen mit 
den tiefsten silurischen (cambrischen) Etagen. Wahrscheinlich verdanken sie ihre 
feinkórnige Textur der Erstarrung unter dem Wasser des Silurmeeres. $ 

Das Vorkommen derselben fállt in den Zug altsilurischer Gesteine zusammen. | 
Gang- und noch háufiger Lagerstócke ziehen sich von S Telčic (SO Elbe-Teinic) 
angefangen úber Zdechovic, Morašic, Krasnic, Lhota, Sobolusk, Turkovic, Bukovina, 
Licomělic bis Vlastějov, wo sie durch Kreideschichten bedeckt werden, also auf © 
die Streichungslánge von 2 Myriameter. Die grósste Breite des Lagerstockmassives, 
in horizontaler Richtung gemessen, ist bei Holetín-PBřezinka, und betrást dieselbe 
etwa 3 km. In diesem Hauptzuge treten diese kurz als Dioritaphanite bezeichneten 
Gesteine unter verschiedenen Structurverháltnissen auf, indem sie durch Úber- 
gánge mitsammen verbunden erscheinen. Diorittuffe und grosskórnige Diorittuft- 
conglomerate begleiten den Zug. Auch innerhalb des Porphyrmassives zwischen 
Bitovan (SO Chrudím) und Rtein (NO Seč) kommen derartige aphanitische Aus- 
bildungen des Diorites in Form von Gangstocken zum Vorschein. 


Bei Licomělic (W Heřmanměstec) finden sich Diorite, welche trotz ihren 
theilweise sichtbaren Gemengtheilen dennoch zu den Aphaniten gerechnet werden, 
weil sie durch Úbergánge mit denselben verbunden sind. Kleine Krystállchen 
von Plagioklas in einer sehr feinkornigen Grundmasse ausgeschieden, machen das 
Gestein porphyrartig (andesitisch). Gewisse solche Gesteine zeigen durch parallele 
Anordnung der ausgeschiedenen Plagioklaskrystállchen  unvollkommen schiefrige 
Textur, sowie auch eine an Schichtung erinnernde bankfórmige Absonderung. 


Dieses Gestein mit porphyrartiger Textur, das also strenge genommen nicht © 
als Aphanit zu benennen wáre, wenn es nicht aphanitische Úbergánge aufweisen j 
wůrde, wurde von secundárer Lagerstátte untersucht. i 
N von Kostelec (S Heřmanměstec) streicht in der flachen Bachufer= 
terasse ein orobschichtiger, grosskórniger Diorittuff aus. In dem Diorittuffe sind biš 


135 


faustgrosse Gerólle des Dioritaphanites von klein porphyrartiger Textur einge- 


| wachsen. Die Gerólle erscheinen stellenweise ganz frisch. 


Das Gestein besitzt schmutzie lichteraue Farbe im frischen Zustande, im 
angewitterten aber ist es licht grůnlichgrau mit bráunlicher Geróllrinde oder 


l Klůftchen von Limonitfárbungen durchsetzt. — Bis auf kleinere ausgeschiedene 


Kórnchen erscheint das graue Gestein beinahe dicht. 
Allein unter der Loupe oder bei aufmerksamer Betrachtune erkennt man 


ji in der dichten Grundmasse zahlreiche, bis 4"" lange, 2—3"" breite und */,=m 
© bis 1% dicke Krystalle von Plagioklas der Form 


oPo.wP. oP oP. Po, 
welche aber durchwegs als nach dem Karlsbader Zwillingsgesetze verwachsene 
Hemitropien sich darstellen. Ein Krystallindividuum hátte dann nur die halbe 
Dicke von etwa "/„""%. In den angewitterten Geróllstůcken sind die Krystállchen, 
die immer ganz gut auseebildet erscheinen, recht gut erkennbar, lassen sich auch 
durch Zufall oft herauslósen. In GAuerbrichen zeigen die Fláchen der sehr guten 
Spaltbarkeit oP, wenn dieselbe zum Vorschein kommt, starken Glasglanz und trotz 
der geringen Breite doch starke Zwillingsriefung, die mit der Loupe gut wahr- 
nehmbar ist. Mit der Loupe sieht man auch, dass die Fláchen der Krystállchen- 


- oberfáchlich matt, rauh und mit hochst zarten Chloritschiippchen bedeckt sind 


Ein herausgelóster Zwilling, dessen Fláchen oP und oo P o durch Spaltung rein 
entblósst waren, gab unter dem Mikroskop gemessen oPA oP 85? 54 aus 5 
Messungen. Die sanidináhnlichen Krystállchen sind demnach Plagioklase. 

In der dichten grauen Grundmasse mit den zahlreichen Plagioklaszwillingen 
ist ausser undeutlich wahrnehmbaren spárlichen Kórnchen von Magnetit und klein- 
winzigen, ebenso spárlichen schwarzbraun ausgekleideten zerfressenen Poren und 


"seltenen griůinen Kórnchen nichts weiter zu bemerken. 


Manche Aphanitgerólle sind blassgrůnlich ©anz dicht; es bestehen eben 
die Gerólle aus verschiedenen Aphanitvarietáten. 

Das frische graue, kleinporphyrartige Gestein gab, nachdem es frůher mit 
entwickelte Wasser ausgekocht wurde, mit Salzsáure keine Bláschen von CO,; es 


- enthált demnach in dem sogenannten frischen Zustande keinen Calcit. 


Das sp. Gewicht (mit 249g bestimmt) ist 27012. Ein 1:39 schweres Stůck- 


-chen, welches mit Wasser ausgekocht war, um die Menge der Luftblasen aus den 


Poren bestimmen zu kónnen, ergab 1%/, dem Volumen nach an Poren; es ist 
dies zu wenig; wahrscheinlich war das Stůckchen zu gross, um ganz vom Wasser 
durchdrungen werden zu kónnen. Kleinere Stůckchen gaben 2"/, (dem Volumen 
nach) an Poren. Zwei theilweise Untersuchungen verschiedener Bruchstůcke des 
frischen Gesteines gaben: 
S10, 62:43 63:06 
AL 0, 19:60 19:57 
Fe, 0, 5:35 531 
Ca0 6:40 
MgO 2:11 
Glůhverlust 1:61 155 


156 

Die Alkalien wurden nicht bestimmt; alles Fe als Fe,O, gewogen. m 
H Cl in der Kálte behandelt, lóst sich aus dem Gesteine so viel Fe auf, dass “ 
als Fe,O, berechnet 4079, ergibt. Ein bedeutender Theil davon stammt aus de 
Magnetit und Limonit, ein anderer Eisenantheil aus anderen zersetzbaren Mineralien 3 

Im Důnnschliffe des Gesteines bemerkt man gleichfalls die Poren, trotz 
welchen aber die Důnnschliffe doch haltbar sind. ; 

Drei Dinnschliffe aus diesem Gesteine zeigten selbst bei schwacher Ver- 
grósserung vorherrschend die schon oben beschriebenen Plagioklase in stabartigen 
Durchschnitten, von denen die gróssten etwa bis 4"" Lánge, die kleinsten nur + bis 
2"“m Breite und eine vielfache Lánge hátten. Diese Stábchen und Rechtecke kommen 
regellos eingewachsen, ziemlich geháuft vor, so dass die Grundmasse nur wenig, 
námlich den úbrie bleibenden Raum zwischen denselben ausfůllt. Die Plagioklase 
sind beinahe ganz frei von Einschlůssen, selten ist in denselben ein Magnetitkornchen 
oder spárlicher Chloritstaub zu bemerken; von der Grundmasse sind sie scharf ge- 
trennt. Ein weiteres Praeparat zeigte gewisse Rechtecke des Plagioklases mit einer. 
bis 5%" dicken Rinde von Chlorit umhůllt, welcher auch eine getrennte Spaltungs-. 
fláche ganz ausfůllt, sich aber mit Vorliebe in der Náhe der Plagioklase, besonders 
in Rissen ansiedelt. Im polarisirten Lichte zeigen die Rechtecke meist, wenn auch 
nur wenige breite, so doch deutliche Zwillingslamellen; nur diejenigen Schnitte, 
welche nicht die Form von Rechtecken, sondern die Form der Fláche o P w zeigen, 
demnach zu derselben parallel geschnitten erscheinen, zeigen keine Farbenbánder. 


sondern nur einfache Farben. Es sind das, weil die Krystalle nach oPo tafel- 


artig gestaltet sind, eben die gróssten GOuerschnitte, welche einfárbig erscheinen.. 

Die Grundmasse, der Menge nach untergeordnet ist ein regelloses Durch- 
einander von Plagioklasleistchen von der Breite von 345"“ mit Magnetitstaub, 
bis zur Breite von —+$5"", welcher guadratische Guerschnitte zeigt. Das polarisirte. 
Licht lóst das Gewirre recht schón auf; gewisse Leistchen zeigen sogar trotz ihrer 
Kleinheit doch zarte Zwillingsstreifung. Diese Grundmasse ist der eigentliche Aphanit. 

Manchesmal legt sich der Magnetitstaub um gewisse gróssere Plagioklas- 
kórner an, die er dann in Form eines schwarzen Ringes umhůllt. Nur ganz ver- 
einzelnt fnáen sich gróssere Magnetitkoórner; die mittlere Breite derselben betrást 
Imm,  Stellenweise besteht die Grundmasse nur aus Plagioklas und Magnetit, viel 
háufiger sind aber in derselben Chloritschůppchen entweder spárlich oder so háufig 
eingewachsen, dass sie ziemlich an Durchsichtigkeit einbůsst. Diesem Chloritstaub 
verdankt der Aphanit auch die graue Farbe. 

Der Dioritaphanit mit kleinporphyrartiger Textur besteht demnach vor- 
nehmlich aus Plagioklas, wenig Magnetit, wie die Analyse zeigt viel weniger als 
49, und Chlorit, ebenfalls nur in ganz geringer Menge. Orthoklas ist keiner 
vorhanden, trotz des ziemlich bedeutenden Si0,-gehaltes von bis 659. Der Plagio-* 
klas důrfte ein ziemlich saurer Oligoklas, oder wenn auf die Molekularmischung des- 
selben zurůckgegangen wird, ein solcher sein, dessen Albitgemenge (689, Si0,) 
einen grossen Úberschůss gegeniber der Anorthitmenge aus macht. 

Eigentlich enthált dieses zu den Dioriten gezogene Gestein keinen nach- 
weisbaren Amphibol, sondern nur Chlorit und doch wird es hier als Chlorit-Diorit 
bezeichnet, weil es statt des Amphiboles das Zersetzungsproduct desselben, den 


| 
| 
| 
jl 


| 137 


„Chlorit enthált. Gánzlich frische Gesteine wůrden Amphibol enthalten, worauf der 
ziemlich saure Plagioklas hinweiset, welcher háufie mit Amphibol vergesellschaftet 
„sich findet, wáhrend der Labradorit die Gegenwart des Augites in vielen Fállen 
bedingt. Bei den Geróllen, die also auf secundáre Lagerstátte durch Wasser erst 
Iverfůhrt wurden, porós sind und Einwirkungen des Wassers ausgesetzt waren, ist 
ja Ersatz des Amphiboles durch Chlorit erklárbar.  Merkwiirdig ist es aber 


jedenfalls, den Plagioklas noch so frisch zu finden. 

Betreff der Benennung des Gesteines als Porphyrit wurde schon frůher 
jerwáhnt, wie ungerechtfertigt eine solche Bezeichnung wáre. 
| Bei Bukovina an der Reichsstrasse von Čáslav nach Heřmanměstec, 
isowie in der gesammten Umgebung findet sich ein dichter, důster graugrůner 
'Aphanit, in welchem nur Punkte von Epidot bis hochstens MkoPShoksé unter- 
|scheidbar sind. Das Gestein ist regellos zerkliůftet, an gewissen Orten aber unvoll- 
(kommen schiefrig. Die Probe knapp sůdlich von Bukovina ist Epidotchlorit- 
dioritaphanit und zeigt u. d. Mikroskope in zwei verschiedenen Důnnschliffen 
folgende Zusammensetzung: 
| Ein fleckig regelloses Gemenge von weissem noch ziemlich durchsichtigem 
Plagioklas mit kurzen Stábchen von faserigem Amphibol und mit zahlreichen 
Chloritschuppen, welche die dunkelgrůne Farbe bedingen. In dieser Masse finden 
sich so zu sagen porphyrartig ausgeschiedene Kórner und selbst polygonal begránzte 
Formen von ganz reinem, innen rissigem Epidot, welcher keinerlei Einschlůsse 
enthált und beinahe schwefelgelb ins zeisiggrůne geneigt gefárbt, sowie durch- 
sichtig ist. Die kleinsten Epidotkórnchen besitzen die Breite von 55"". Dazwischen 
finden sich Magnetitkórnchen in Form von grobem Staub vertheilt u. zw. scheint 
derselbe eine, wenn auch etwas wellig gebogene Richtung beizubehalten, was also 
eine Tendenz zur Mikrofluctuationsstruktur andeuten wůrde. Die meist guadra- 
tischen Magnetitkornchen, welche vornehmlich an die grůnen Amphibol- und Chlorit- 
parthieen gebunden sind, haben die mittlere Grósse von „46"%. 

Im polarisirten Lichte lost sich die weisse Masse in ein regelloses Gemenge 
von im Mittel 5;5—+5g"" breiten Stábchen von Plagioklas auf, welche Zwillings- 
bildungen nicht hervortreten lassen. (Ganz spárlich sichtbare gróssere Rechtecke 
aber zeigen wenn auch blasse, so doch deutlich wahrnehmbare Farbenbánder. 

In dem Gemenge erscheinen ausserdem einzelne, grosse, weisse, kaum 
durchscheinende Aggregate, auf die das polarisirte Licht geringe Wirkung ausůbt; 
dieselben sind ausgeschiedener Calcit. 

Wenn ein Důnnschliff mit concentrirter Chlorwasserstofisáure einen halben 
Tag in der Kálte behandelt wird, so erscheint er stark unzusammenhángend mit 
grossen Hohlráumen von verschwundenem Calcit; ausserdem aber bleicht er etwas 
Wweniges aus, indem die Sáure einen Theil des Chlorites auflóst und nur die Štáb- 
chen des Amphiboles zurůcklásst, wodurch eben der Nachweis der sonst schwierig 
in der Chloritmasse erkennbaren Amphibo'sáulchen gegeben ist. 

Von Sobolusk (W HeřmanůvMěstec 1 Myrm) WN entfernt ist eine 
Kuppe, welche aus amygdaloidischem Chloritdioritaphanit besteht. Das Gestein 
ist licht graugrůn, unvollkommen schiefrig, in der Fláche der undeutlichen Schiefe- 
rung unter der Loupe zart runzelige Chloritlagen zeigend mit erbsen- bis hasel- 


138 


nussgrossen Amygdaloiden aus Auarz, oder Calcit bestehend. Die Amygdaloide von 
meist gestreckter Form sind zuweilen in der Mitte zerfressen, zersprungen; die 
Sprůnge mit Limonit bedeckt. Gewisse Mandeln bestehen aus einer dicken áusseren 
Ouarzlage, die unmittelbar den Aphanit berůhrt und aus einem Calcitkerne, der 
zuweilen zerfressen ist. Nicht selten lásst sich in den Ouarzmandeln auch Chlorit 
in Schuppen nachweisen zum Belege daťfůr, dass der Chlorit ein spáter im Gesteine 
gebildetes Mineral ist. j 

Das Mikroskop zeigt eine vorherrschende weisse kleinkornige Grundmasse, 
mit wenig Chloritlappen. Eine feine ziemlich parallel laufende Zerklůftung im 
Aphanite ist mit Limonit ausgefůllt, welcher bis auf unbestimmte nicht bedeutende 
Entfernungen die Grundmasse impraegnirt. Ebenso ist Chlorit in bedeutenderen 
Mengen solchen Klůftehen nach in der Grundmasse angesiedelt. Es hat den An- 
schein, als wenn hie und da noch ein Amphibolsáulchen in den Chloritlappen 
anzutreffen wáre, allein bei der gleichen Farbe der beiden Mineralien bedarf diese 
Mósglichkeit doch noch einer Bestáttigung. Der Magnetit ist gánzlich verschwunden, 
denn die sehr seltenen kleinwinzigen Staubkórnchen (£35—+55"") desselben, die ganz 
vereinzelnt noch zum Vorschein kommen, sind kaum erwáhnenswerth. 

Im polarisirten Lichte zeigen die Stábchen des Plagioklases bis zu 35 "" 
Breite, aus denen die Grundmasse besteht, noch schwache Farben; sogar Zwillings- 
streifung lásst sich bei manchen noch ganz deutlich unterscheiden. | 

Von Sobolusk 1%/, km nordlich liegt Lhotka; ganz nahe von Lhotka, © 
und zwar sůdlich, findet sich ein ebensolcher licht graugrůnlicher Chloritaphanit, © 
in welchem zahlreiche, ziemlich nahe stehende bis haselnussgrosse Amygdaloide von 
Epidot, ausserdem aber auch winzige Plagioklaskrystállchen (eigentlich Zwillinge © 
nach dem Karlsbader Gesetze) porphyrartig, jedoch scheinbar weniger háufig, ein- © 
gewachsen sind. Das Gestein hátte also eine kleinporphyrische und zugleich 
amygdaloidische Textur. 

Eine angeschliffene Fláche zeigt dieses Verháltniss ganz deutlich, da in der 
dichten dunkelgrauen (an einem andern Handstůcke) Aphaniterundmasse sowohl 
weniger háufice Plagioklaskrystallguerschnitte, als auch zahlreichere rundliche oder 
etwas verzogene Epidotmandeln zum Vorschein kommen. 

Da der Epidot in diesen Aphanitgesteinen so háufieg schon genannt wurde, 
so folgt hier der Nachweis darůber. Aus mehr als erbsengrossen Amygdaloiden 
wurde der Epidot moglichst rein ausgesucht und mit 42 g eine Analyse angestellt, 
welche ergab: 


S10, 40:73 
ALO, 31:64 
7,0 446 
FeO 90 
CaO 21:41 
MgO Spur 
Glůhverlust A0, 
Tons 


Trotzdem, dass die Mandeln des Epidotes, wie die mikroskopische Unter- 
suchung gleich nachweisen wird, nicht ganz homogen sind, stimmt die Analyse 


139 


i -doch ziemlich gut mit der Zusammensetzung děs reinen Epidotes, wesshalb die 
i | Gegenwart dieses Minerales dadurch sicher nachgewiesen erscheint. 

; Unter dem Mikroskope lóst sich das ganze Gemenge sehr deutlich auf. 
| Die Grundmasse von aphanitischer Textur besteht aus einem Gewirre von Plagio- 
L | klasstábchen, die im Mittel die Breite von „%"" besitzen und zwischen welchen 
© entweder nur Magnetitstaub reichlich, oder in solcher Menge eingewachsen ist, 
| dass die Stábchen in einer undurchsichtigen homogenen Magnetitmasse stecken. 
) "Gewisse Stellen zeigen ausserdem noch Chloritláppchen und Schuppen in der 
| | Grundmasse. 

i Scharf begránzt erscheinen in der Grundmasse lance einzelne Rechtecke 
© und Rechteckgruppen von der Breite 1r=—1me und vielfacher Lánge. Diese Pla- 
| gloklasrechtecke sind meist durchsichtig, weil frisch, nur zuweilen mit weissen, 

wenig durchscheinenden Flecken, welche den Anfang von Umwandlungen andeuten, 
| durchzogen. 
| 


Alles dieses jetzt erwáhnte stimmt, bis auf das weniger háufige Vorkommen 

-der grósseren ausceschiedenen Krystalle ganz mit dem porphyrartigem Chloritdiorit- 
aphanit der Gerólle im Diorittuffconglomerat von Kostelec iberein. 

i In dem eben erwáhnten Gesteine sind nun die grossen Epidotmandeln ein- 

| gewachsen und scharf von der Gesteinsmasse getrennt. Ausser einigen vereinzelnten 
"Calcitkórnchen oder Plagioklaskórnern oder einem Chloritlappen, letzteres jedoch 
nicht háufig, findet sich in dem Epidot von kleinkornicer Textur, der also Aggregat- 
polarisation zeigt oder ganz rein durchsichtig, inmen zerrissen erscheint, kein 
anderes Mineral eingewachsen. Meist sind aber die kleineren Amygdaloide ganz 
rein. Epidot in Kórnchen oder Schnůrchen durchzieht ausserdem noch gewisse 
Plagioklase. oder kommt in Punkten auch in der Grundmasse vor. 

Im polarisirten Lichte zeigen selbst gewisse Plagioklasleistchen der Aphanit- 
grundmasse Andeutungen von Zwillingsstreifen, die grósseren, ausgeschiedenen Kry- 
stalle aber satte Farben und bis auf die trůben weissen Flecke ganz deutliche 
Zwillingsbánder oft in ziemlicher Zahl. 
| Hie und da sich in der Grundmasse zeigende Schiippchen von Haematit, 

-die hyacinthroth durchscheinen, gehóren zu Seltenheiten. 

Das Gestein wáre also ebenfalls amygdaloidischer Chloritdioritaphanit. 

Bei Zdechovic (WS Přelouč) sind áhnliche Epidotchloritdioritaphanite 
vorhanden. Die Probe stammt vom westlichen Teichufer 1 km N von Zdechovic. 

| Das licht graulichgrůne Gestein zeigt in einer Richtung einen etwas deut- 
licheren Bruch, auf welchem unzusammenhángende Chloritschůppchen schimmern; 
kleine Epidotkórnchen finden sich eingesprengt im Gesteine. 

Ganz frisch ist der Aphanit nicht mehr, weil er lichtere Farben zeigt; 
allein die Textur ist doch noch deutlich unter dem Mikroskope. Das Gestein ist 
bis auf das beinahe gánzliche Zurůcktreten des Magnetites, der nur in ganz selten 
Ssichtbaren Kórnchen auftritt, etwas áhnlich dem Gestein von Bukovina. Die weissen 

 Plagioklase von ganz kleiner Form, wélche jedoch wegen der nicht mehr gánzlichen 
Frische im polarisirten Lichte nicht so deutlich auftreten, sind mit Chloritlappen 
stellenweise bedeutend verdeckt; nur wo der Chlorit zurůcktritt, lassen sie sich noch 
gut bemerken, Es scheint, dass auch noch spárliche Amphibole auftreten, allein 


140 


es ist nicht náher nachweisbar. Hie und da treten gróssere Plagioklas-Rechtecke 
bis */„"% und noch mehr breit auf. Diese grósseren Plagioklasstábe fárben sich 
im polarisirten Lichte nur ganz blass, zeigen auch nur stellenweise wohl blass 
gefárbte aber doch deutliche Zwillingsbánder. (Gewisse Krystalle sind guer zer- 
brochen, etwas voneinander verschoben und durch Chloritschuppen verkittet. — 
Epidotkórner und Aggregate kommen in Menge in dem Gesteinsgemenge vor; es 
enthalten die Plagioklase dieses Mineral wie auch den Chlorit, sowohl in Kórnchen 
als auch gewissen Fugen nach, also als Infiltration in sich eingeschlossen. 


Diabas. 


Dieses Gestein findet sich als Gangstock, welcher guarzige Grauwacken- 
conglomerate durchbricht nur an einem Orte, námlich mitten zwischen Chrtník 
und Ledec (WN Heřmanměstec 7 km). Der Gangstock von der Lánge 1'/, km 
und der gróssten Máchtigkeit von úber 100" ist in der Chrtníkschlucht entblósst 
fig. 6. Sámmtliche Diabasvarietáten sind etwas porós, weil sie im heissen Wasser 
Luftbláschen entwickeln; allein auch mit Calcit sind sie ziemlich impraegnirt, 
weil Brocken davon, die vorher im Wasser ausgekocht wurden, um alle Luft- © 
bláschen auszutreiben, in Sáuren stellenweise recht lebhaft brausen. Die Textur 
ist durchwegs mittelkórnig. 


Fig. 6. 
N 1: 5000, imm 25m. S 


Báchlein Báchlein 


Eine ganz reine Varietát zeigt in weissem vorherrschendem Plagioklas, 
welcher nur durchscheinend ist, bis 2:3%% breite kurze Sáulen von graulichbraunem 
Augit, ausserdem aber neben wenigen kleinen Pyritpunkten auch stellenweise 
schwarze Kórnchen. 

Unter dem Mikroskope herrschen auch die langen (bis 6**) Rechtecke 
des Plagioklases vor, welcher ziemlich rein und trotz stellenweise zum Vorschein 
kommender Trůbung im polarisirten Lichte doch deutliche Zwillingsstreifung zeigt. 
Die kurzen Sáulen des Augites sind blassbraun durchsichtig, rissig frei von Ein- 
schlůissen und mit einem sehr důnnen blassgrůnen Saum, ;5—+s"", von Chlorit 
umseben. Seltener dringt der Chlorit Klůftchen nach in die Augitmasse. Bedeuten- 
dere Anháufungen von Chloritschuppen, meist scharf vom Plagioklas getrennt, 
finden sich auch im Důnnschliffe, jedoch nur in ganz geringer Zahl; ebenso selten 
sind einzelne Chloritláppchen im Plagioklas. Ageregate von schwarzen Kórnern, bis 
jem breit, deuten auf titanháltigen Magnetit, weil sie mit dem weissen, Leukoxen 
genannten Titanat (Titanomorphit) umhůllt werden. 

Blassbráunliche dichte Aggregate durchsetzen die Ablósungen in dem 
Diabas. Unter d. M. bestehen sie aus einem Gewirre von Stábchen, welche der 


i 141 


| Lánge nach in der Mitte durch eine Linie getheilt sich als „5"" breite Zwillings- 


| stábchen darstellen, die der starken Fárbung nach, die sie im polarisirten Lichte 


Die Augitguerschnitte zeigen starke Farben im polarisirten Lichte. Einzelne, 
"dann und wann guadratische Pyritkornchen und spárliche Nadeln von —+4"" 
| Breite den Plagioklas nur stellenweise vereinzelnt durchsetzend, deuten auf Apatit. 
Das Gestein ist demnach ziemlich frisch und wohlerhalten. Eine andere Variettá 
-von ebenfalls mittelkorniger Textur zeigt in etwas vorherrschendem, blass lauch- 
griůnem durchscheinenden Plagioklas 2—2',"" breite Prismen von blass schmutzig 
| graulichbraunem spaltbaren Augit, nebst spárlichen schwarzen Kórnchen. 


| Unter dem Mikroskop zeiet der Důnnschliff Rechtecke von Plagioklas, 
die schwachen Rissen nach blass grůnlich oder sattgrůn wenn die Klůftchen bis 
25—3e"" breit erscheinen, durch infiltrirten Chlorit gefárbt sind, innen reine zer- 
klůftete Kórner von Augit von blass róthlich brauner Farbe mit einer diůnnen blassen 
| Chloritlage umhůllt, die nur selten irgend welchen Klůftchen nach ins Innere 
'eindrinst. Háufie sind scharf begránzte, aus Chlorit bestehende Aggregate zwischen 
dem Gemensge scheinbar wie eingeklemmt. Kleine Aggregate von diinnen Stábchen 
von Ilmenit, die einander genáhert erscheinen sind durch umhůllenden Leukoxen 
© verbunden. Lange Stábe von Ilmenit bis +“ dick und 4*" lang sind gebrochen 
(und mit Leukoxen, der eine schwache Hůlle bildet, verkittet. 


Pyritkórnchen erscheinen spárlich. 

In den Chloritausscheidungen ist manchesmal kórniger Magnetit und 
Pyritstaub zu treffen. | 

Eine dritte Varietát ist schmutzig grůn gefárbt; nur lange (bis 1“"), diůnne 
| Plagioklasleisten erscheinen deutlich sichtbar, sonst ist nur dichter Chlorit in 
- Kórnchenform noch dazwischen bemerkbar. 


| Das Mikroskop zeigt eine weiter gehende Umwandlung. Es cibt frische 
- Plagioklasleisten und solche, die durch Chlorit durchzogen oder gefleckt sind, in 
„der Masse. Die Augite sind den Klůften nach durch Chlorit erfillt, so dass dieser 
-ein Netzwerk bildet, innerhalb welchem noch frische Augite stecken; oder umhůlit 
-der Chlorit Augite so bedeutend, dass die Hůlle gegeniber dem frischen Augit- 
© kerne sehr vorherrscht. Nebstdem kommen auch selbststándige scharf begránzte 
Chloritaggregate von satt graserůner Farbe, vielleicht schon gánzlich umgewandelte 
- Augite, zum Vorschein. Mit dem Chlorit, oder unabhángicg von demselben erscheinen 
© gelblichbraune Flecken von Limonit, sowohl im Plagioklas als auch im Augit; in 
- ersterem Falle zeigt sich der schón grasgrůne Chlorit bráunlich gefleckt.  Nadeln 
oder Stábe von Ilmenit erscheinen durchwegs von Leukoxen eingefasst. Stellen- 
Wweise gruppiren sich die Ilmenitstábchen derartig, dass sie áhnliche winkelig ge- 
brochene und dreieckige Formen bilden, wie es an den dinnen Sylvanitůberzigen 
-von Offenbanya in Siebenbůrgen bekannt ist. 
Calcitkórner oder kurze dicke Klifte dieses Minerales sowie Nadeln von 
Apatit lassen sich gleichfalls nachweisen. Trotz der bedeutenden Veránderune, 
welche Wasser durch Absatz von Chlorit in dem Gesteine hervorbrachte, ist der 


2 > 


142 
: „o Plagioklas doch noch so frisch geblieben, dass. 
58 24 mancher davon im polarisirten Lichte lebhafte 
Ě „8 Farbenbánder zeigt. 
=) 
„< a 
„lov makak Gabbro. 
s 37 A> k] 
1 3 EE Dieses Gestein reiht sich unmittelbar an 
E =2 den Diabas an, weil es aus denselben Gemene- 
5 J" © theilen námlich aus Plagioklas (Labradorit) und 
= 2 ; Augit (Diallag) besteht. Es verhált sich aber in. 
Ř s8 5 gewisser Hinsicht etwas verschieden, was in 
3 < 78. Grund zur Trennung von dem Diabase ist. 
ěL s Der Gabbro ist háufiger im Eisengebirge 
k š als der Diabas selbst, er ist úberhaupt viel háu-- 
: P figer, als dies sonst von diesem nur zerstreut 
R auftretenden Gesteine angenommen wird. Nirgends 


Bahnhof Zaboř (Station Elbe-Teinic) 


aber sind die Gangstócke des Gabbros bedeutend. 
ausgedehnt. Die Hauptverbreitung des Gesteines © 
fállt mit dem Granitstocke zusammen, welcher 
sich von Bernardov (SO Elbe-Teinic) bis úber 
Morašic hinzieht. In dem Granitstocke und bis zu 
einer gewissen Entfernung von demselben finden 
sich die Gangstócke des Gabbros eingelacert, 
welche mit ihrer Streichungesrichtung der nach 
SO sgerichteten Achse des kleinen Granitmassivs 
parallel laufen. 

Es seien hier nur drei der kurzen Gang- 
stócke angefůhrt, welche sámmtlich in einer Linie 
von NW nach 90 setrennt von einander auftreten. 


282 W. H. 


Brůcke 


Der máchtigste Ganegstock ist unter Vi- 
nařic, am linken Elbeufer gegeniiber Elbe-Teinic, 
in der Lánge von 1", km und der Máchtigkeit 
von etwa 3*/, hundert Meter abgelagert. Derselbe 
reicht mit seinen NW Ausláufern bis unter Elbe- 
Teinic ins rechte Elbeufer hinein. (Gneusgranit 
durchbricht den Stock in weniger máchtigen Gán- 
gen. Wegen der Eigenthiimlichkeit der Lagerung 
sei das Profil des linken Elbeufers vom Zahořer 
Bahnhofe (Station Elbe-Teinic) bis Náhe gegen 
Kojic hier noch eingefiot Fig. 3 um das Ver- 
háltniss des unter Vinařic zum Vorschein kom- 
menden Gabbrostockes zu den  Nebengesteinen 
ersichtlich zu machen. An der Gránze gegen Neben- 
gesteine ist der Stock klein- bis mittelkornig, 


145 


. 
| vé unvollkommen schiefrig und mit manchem Amphibolitschiefer dann ver- 
- wechselbar; in'der Mitte der grobkórnigen Stockmasse aber zeigt er die regellose 
| grossblóckige Zerkliftung. Der zweite Gangstock SW von der Kuppe v Oklikách 
(806" A) ist im Walde genau O vom Bernardover Jágerhause, in dessen Náhe er 
einem Amphibolit gleicht, wie dies auf der Karte auch beibehalten ist. Seine 
Begránzung ist unvollkommenen Aufschlusses wegen nicht genau anzugeben; er ist 
jedoch sicher 2/„ km lang. 
ň Der dritte bedeutende Stock, welcher durch einen Gang rothen Granites 
| durchsotzt wird, befindet sich im Walde inmitten zwischen Kašparův dolík und 
Zbraňoves. Der grobkornige Stock gestattet keineswegs, wegen nicht úberall nach- 
E barer Begránzung desselben seine Máchtigkeit und Streichungserstreckune 
- sicher anzugeben; er besitzt aber eine ziemlich bedeutende Ausdehnung von gewiss 
-ber 1 km und eine Máchtigkeit von ber 200". 
Der Vinařicer Stock durchbricht Glimmerschiefer ; die beiden letztsenannten 
ind im rothen Granit eingelagert. 
k: Zahlreiche andere Gánge, welche mit dem Gabbro in genetischem Zusam- 
- menhange stehen, werden gleich nach der Beschreibung dieses Gesteines als Uralit- 
- oder Labradordiorite beschrieben werden. 


In Vinařic lassen sich vornehmlich drei Varietáten des Gabbro unter- 

scheiden, welche gegeneinander keine scharfen Gránzen bilden. In Mitten des 

| Btockes eine grobkórnige, in grossen polyedrischen Blócken regellos zerklůftete, 

- eine mittelkórnige recht deutlich gemenste, und eine kleinmittelkornige dunkle, mit 
„worwaltendem Diallag, der den andern feldspáthigen Gemengtheil verdeckt; diese 
letztere Varietát ist ganz unvollkommen schiefrie, insbesondere nahe an den Gránzen 
„des Stockes mit dem Nebengesteine. Die grobkórnige Gabbrovarietát zeigt Gemeng- 
theile, die bis úber 19“ Lánge erreichen. 


Der Placioklas besitzt auf der oPfláche sehr deutliche, wenn auch nicht 
zahlreiche Zwillinesstriche, seine Farbe ist licht, mit einem Stich ins graulich 
wiolette; sonst ist derselbe durchsichtie. Ausgesuchte Stůckchen des Plagioklases 
© zeigten 8 der Analyse, mit Vernachlássigung des Alkaligehaltes die Zusammen- 
setzung des Labradorites. Labradorit aus grobkórnigem Gabbro ganz nahe dem 
Wáchterhůuschen Nro 281 an der Eisenbahn gegenůber der nach Elbe -Teinic 
 fihrenden Holzbrůcke gab (aus 1 gr. verwendeter Substanz): 


S10, 5213 
ALO, 3051 
E: Mg0 '68 


Glůhverlust 98 

unbestimmte Alkalien | 350 

10000 
Trotz der scheinbaren Reinheit hatte der Plagioklas doch etwas Augit 
-© (Diallae) eingeschlossen, sonst wůrde sein MgO-halt kein so bedeutender sein. **) 
Der Diallag zeigt důster graugrůne Farbe, an der angewitterten Oberfláche 
ist er aber dunkelorůn, wáhrend der Plagioklas weiss, undurchsichtig erscheint- 


144 


Im Ouerbruche ist er matt glánzend, an der sehr guten Spaltungsfláche aber stark 
perlmutterartig glánzend und dunkelgrůn. Ganz důnne Splitter sind beinahe člgrůn. © 
etwas ins lauchgrůne geneigt. (Grosse Fláchen der Theilbarkeit zeigt der Diallag 
nicht, aber dafůr glánzen ausgedehnte, aber vielfach durch andere eingewachsene. 
Gemengtheile unterbrochene Fláchen zu gleicher Zeit, i 

Zuweilen finden sich in dem Gabbro bis nussgrosse Aggregate von Diallag- 
prismen und regellos dickfasrige Sáulchen, welche Amphibol sind, der mit dem © 
Namen Uralit hier angefůhrt werden wird. An den Gránzfláchen solcher Aggre- 
gate finden sich auch kleine Biotitschuppen in ganz geringer Menge, obzwar dieses 
Mineral zuweilen auch, ohne an diese Aggregate von Uralit gebunden zu sein 
sich vereinzelnt oder in Aggregaten vorfindet. Der Diallag bestimmt die im Grossen © 
distere Farbe des Gesteins, obwohl er keineswees im Úbergewichte auftritt. 

Nebst diesen beiden Gemengtheilen finden sich accesorisch noch bis 2" 
breite Kórner, wahrscheinlich von Magnetit und ebenso spárlich bis '/;,"" dicke 
Platten von Ilmenit. Pyrit ist kaum wahrzunehmen; Olivin nirgends bemerkbar. © 

Das ganze Gabbrogestein gab nach Vernachlássigung der Alkalien und 
Wágung des Fe als Fe, 0, statt als FeO, aus 1:2g zur Analyse genommenen Sub- 
stanz folgende Zusammensetzung: 


Si0, 51:87 | 
Al; 0; —- Fe, 0, 27217 

CaO 1267 

MgO | 636 


Glůhverlust | 1:04 


Hált man dem gegeniber die Zusammensetzune des Plagioklases, so ergibt 
sich fůr den Diallag unter Nichtberůcksichtigung der Alkalien und des Wasser- 
gehaltes die Zusammensetzung von etwa: 


SiO, 499 
Al, 0, -+ Fe, 0, 224 
Ca0 135 
Ms0 130 


Befremdend erscheint hier der hohe Gehalt fůr die Summe von 
Al, 0; — Fe, 0;; 
andere Diallage enthalten nur 10—199,; von diesen Gemengtheilen (wenn FeO als 
Fe, 0, umgerechnet wird). Die Erklárung muss dahingestellt bleiben. Eine Analyse 
konnte nicht durchgefůhrt werden, weil sich der Diallag rein nicht auslesen liess. 

Demnach wiůrde der Gabbro bestehen aus weniger denn 52%, Plagioklas, 
weniger als 48%, Diallag und einem geringen nicht náher angebbarem Reste von 
Ilmenit und Magnetit. 

In Sáuren entwickelt das im Wasser vorher ausgekochte Gestein stellen- 
weise lebhaft Blasen von CO,. 

Unter dem Mikroskope ist der Plagioklas durchsichtig, der Diallag aber 
lauchegrin bis ins bráunliche oder blass grasgrůne geneigt; oft ziemlich durch- 
sichtie nicht zersprungen, oder wie Augit nicht rissig erscheinend. Manche etwas 
rissigen aucitáhnlichen Kórner zeigen oft schwarze Inpraegnationen den Rissen 


| 145 


jnach, die vielleicht aus Psilomelan bestehen. Auch ganz durchsichtige, blass 
tróthlich bráunliche Fláchen dem Biotit, und zwar im Schnitte ziemlich parallel 
"zur Fláche oP angehórig, zeigen sich neben Diallag. Spárlich sind Magnetitkórner 
(eingewachsen so wie auch kleine vereinzelnte Pyritkoórnchen. Ein Ilmenitguerschnitt 
fiel nicht in den Důnnschliff. Im Plagioklas bemerkt man nur selten kurze Nadeln 
von Apatit in der Breite von 55"". Das Gestein ist ganz frisch bis auf die in Plagio- 
klasen so háufig sich oh děnilcní getrůbten Háuíchen, welche auch hier, jedoch 
nur spárlich, zum Vorschein kommen und theilweise vielleicht auf Calcit bezogen 
werden kónnen. Trotz der Frische des Gesteines finden sich gewisse Diallage mit 
Fleckchen von Limonit schwach umrandet, welcher auch in Klůftchen in dieselben 
eindringt. Solche Diallage zeigen aber eine graserůne Farbe u. d. M. und stellen 
ein Aggrogat von regellos zerstreuten Amphibolstábchen, von der mittleren Dreite 
von —5—%4"" vor, es ist das also Uralit. Ob die Uralitbildung aus dem Diallag 
eben durch das ácéů des Limonites bedinst war, oder ob umgekehrt der 
Limonit erst nach erfolgter Umwandlung des Diallages in ein Amphibolaggregat 
eindringen konnte, bleibt dahingestellt. Man sieht auch ziemlich scharf getrennt 
vom Diallag solche deutlicher grůnen Uralitaggregate; manchesmal zeigen gewisse 
Randlinien des Diallages einen důnnen grasgrůnen Saum von Uralit. Im Ganzen 
ist aber der Uralit nicht háufig. 


Der Plagioklas zeiet ganz reine Farben und deutliche Zwillingsstreifung, 
zuweilen auch Zwillingseitterung im polarisirten Lichte. 

Die fůr den Labradorit des Gabbro angegebenen Nádelchen von schwarzer 
Farbe, oder Táfelchen von brauner Farbe, auf welche sonst der violette Stich 
 desselben bezogen wird, konnten nicht nachgewiesen werden.  Wohl findet sich 
'ganz vereinzelnt hie und da ein schwarzes Nádelchen oder ein blassgrůnlicher 
Mikrolith (vielleicht Diallag) im Plagioklase, allein es ist dieses Vorkommen wegen 
(der Seltenheit nicht zu beachten. 


| Die mittelkórnige Varietát des Gabbro besteht aus bis úber „©“ langen 
und entsprechend weniger breiten Gemengtheilen. Einzelne, grob nadelfórmige 
Plagioklase von der Breite von 1',"“ erreichen selbst die Linge von ber *,©. 
Die Farbe des Plagioklases ist weiss mit einem Stich ins Violette, die Durchsich- 
tigkeit bedeutend, die Streifung ganz deutlich. In dieser Varietát kommen entweder 
graulichschwarzgrůne oder an den vollkommensten Spaltungsfláchen dunkelbráunliche 
| Diallage vor, welche letztere aber im GAuerbruche dunkelólgrůn gefárbt sind. Die 
erst genannte Abart bildet ziemlich feste záhe knollenartige Ausscheidungen in 
andern Gabbroarten, die zweite Varietát aber kommt als Gestein, in dem Vinařicer 
Stocke allmáhlig aus der grobkornigen sich entwickelnd vor. In Wasser ausgekochte 
Stůckchen brausen stellenweise ziemlich lebhaft in Sáuren. 

Von accesorischen Gemengtheilen kommen nur kleine Punkte eines schwarzen 
| Erzes (Magnetit, IImenit), dann kleine Kórnchen von Pyrit und Pyrrhotin sehr unter- 
| geordnet zum Vorschein. 
| Eigenthůmlich ist fůr den mittelkórnigen Gabbro die Erscheinung, dass 
auf ziemlich bedeutenden Bruchfláchen gewisse Diallagspaltungsfiáchen trotz ihrer 
| Unzusammengehorigkeit zugleich glánzen. Auf der angewitterten Oberfláche tritt 

10 


-- 


146 


aber der Diallag als dunkelgrůner Amphibol, der Plagioklas als weissliche matte 
undurchsichtige Masse auf. | 

Die Proben stammen von der Eisenbahn in Vinařic gegeniber dem Eisen- 
bahnviaducte (etwas weniges O von dem Fundorte der grobkórnigen Varietát). 

Eine davon zeigt genau das Verhalten des grobkornigen Gesteines, jedoch 
sind manche der zersprungenen Diallage von blass róthlichbrauner Farbe durch 
cin infiltrirtes schwarzes Mineral, wahrscheinlich Psilomelan wie mit einem Netz. 
durchzogen und mit einem grůnlichgrauem wolkigen Hof von „$—!"* Breite. 
umgeben. Die Deutung des Hofes gelang nicht. Sonst sind gewisse Diallage auch 
in das Amphibolaggregat, námlich den Uralit umgewandelt. Eine weitere Probe 
zeiet wohl noch schmutzig grůne Diallage, sowie blass róthlichbraune. Biotite, 
allein erstere nur mehr in Form von scharf begránzten Kernen; denn alles andere, 
was als Diallag zu deuten wáre, ist eigentlich schon Uralit. An den Gránzen mit 
dem Plagioklas zeiet sich der Uralit besonders stark zerfasert und theilweise 
moosartig zertheilt. Im Plagioklas finden sich nicht parallel gelagerte lange hexa- 
gonale Táfelchen, die vielleicht als Diallag zu deuten wáren, auch ganz spárlich 
auftretende Nádelchen von schwarzer Farbe kommen vor; von den Nádelchen wird 
bei dem Corsit von Ransko das Náhere noch erwáhnt werden. Die blassen Táfelchen 
sind kaum £5"" lang. Kbenso beherberget der Plagioklas entweder Einschlůsse; 
oder Einschlůssen áhnliche Pooren. Einzelne Nadeln von Uraiit 5%" und mehr 
breit und bis J"% lang und liegen zerstreut herum. Tief nn zersprungene 
Ouerschnitte in diesem Gabbro sind entweder als Augit oder Olivin zu deuten, was 
nicht zu entscheiden war. 

Die Probe mit den dunkelólgrůnen Spaltunesfáchen des Diallages besteht 
nur zum geringsten Theil aus Diallag ; der bedeutendste Theil ist regellos fasriger 
Uralit, dessen Stábchen bis 3%" Breite erreichen. Ob die kleinen guadratischen 
Magnetitkórnchen in solchen Uraliten ursprůnglich oder spáter gebildet worden sind; 
bleibt unentschieden. Diese Varietát stellt also nur mehr den Úbergang zu dem 
Uralit oder Labradordiorit vor, weil der Uralit vorherrscht. 

Es darf nicht unerwáhnt gelassen werden, dass trotz der Umwandlung des 
Diallages in Uralit der Plagioklas gar keine Einbusse an seiner Frische erlitten 
hat; Plagioklase des Gabbros und dieses Úbergangscesteines zeigen ein unvet- 
úndertes Verhalten u. d. M. 

Die dritte Varietát des Gabbro im Vinařicer Stocke mit vorherrschendem 
Diallae, grob schiefriger Textur, besitzt Gemengtheile in der Grósse von 2—3"" 
Nur der dunkelegriůine Gemengtheil herrscht vor, das Strichpulver des Gesteines 
ist lichterůnlich. Zuweilen, wie O knapp bei Vinařic enthált das Gestein auch 
Jotitschuppen.  Ausser Diallag bemerkt man unter der Loupe in dem Gesteine 
kleine Punkte von Magnetit (IImenit) in bedeutender Háufigkeit, etwas weniger 
zahlreich kommen noch kleinere Pyritkornchen zum Vorschein. 

Im Důnnschliffe zeigt sich der Plagioklas recht untergeordnet, er nimmt 
nur den zwischen dem grinen Minerale ibrio gelassenen Raum ein und zeigt 
nur in etwas bedeutenderen Stůckchen Zwillinesstreifung. Der Biotit ist in der 
blass rothlichbraunen Varietát gnzlich durchsichtig, im polarisirten Lichte satt 
fárbio; die schmutzie lauchgrůne Varietát des Diallages ist wenig durchscheinend, 


141 


© wahrscheinlich schon etwas umgewandelt. Einen bedeutenden Antheil an der Zu- 
[ sammensetzung des Gesteines nimmt aber der fasrige, an den Begránzungsfláchen 
zerfaserte Uralit ein, dessen Fasern im Ganzen ziemlich die Richtung der ganz 
unvollkommenen planen Parallelstructur besitzen. 

| Er umhůllt die dunklen Parthieen des vermeintlichen Diallages, welcher 
| aber bei náherer Betrachtung in radialfasrige Uralitagorecate umgewandelt erscheint. 
- Zahlreiche Erzpunkte und Kórnchen durchsetzen in reichlicher Menge die Minera- 
-lien des Důnnschliffes. 

Eigentlich wáre dlieses Gestein schon náher dem Uralitdiorit als dem 


ž 


- Gabbro zu stellen, dessen Reste von Diallag nur mehr geringe sind. 


Der Gabbro O vom Jágerhaus von Bernardov ist grobkórnig, die nicht 
breiten Plagioklasrechtecke des Gesteinsbruches. so wie das diallagáhnliche Mineral 
erreichen Lángen von */,““ und darůber. 
Důnnschliffe zeigen Plagioklase von frischer Beschaffenheit von lang recht- 
eckigen Schnitten, neben dem grůnen Mineral, im Gleichgewichte entwickelt. Der 
Diallag kommt háufig noch im Gesteine u. zw. in Form scharfbegránzter polygo- 
„naler Kórner, welche wenig durchscheinend, schmutzig lauchgrůn gefárbt sind und 
de feinen Risse des Diallages parallel zu einer Richtung durchsetzen, dabei aber 
© ganz unbedeutenden Dichroismus, zeigen.2“) Vielleicht ist der Diallag nicht mehr 
ganz frisch. Nur in um etwas weniger bedeutender Menge findet sich verworren 

© fasriger gras- grůner Amphibol in Ageregaten, welche moosartig zerschlitzte Be- 
gránzunesfláchen besitzen. Kórner von Ilmenit und Magnetit sind in ziemlicher 
Mense eingewachsen. 

Nebensáchlich ist das Vorkommen von Limonit in gewissen Rissen, die 
das Gestein durchsetzen. 

In dem Gabbrostocke von Vinařic finden sich aber gewisse mittelkórnige 
Gesteinsvarietáten, in welchen das diallagáhnliche Mineral eine dunkelgrůne Farbe 
besitzt und unter der Loupe nebst hóchst zart faseriger Zusammensetzung aber 
noch die Spaltbarkeit des Amphiboles zeigt. Die Plagioklase sind ganz frisch, 
ins Viollete spielend. Hie und da sind Kórner von Pyrrhotin sichtbar. Selten auch 
kleine Schuppen von Biotit. Dieses Gestein ist demnach nicht mehr Gabbro, son- 

- dern aus der Umwandlung desselben hervorgegangener Uralit- oder Labrador-Diorit. 


U Ú— 


„Da 


K E X 


J' 


Uralit-Diorit. 


Uralit- oder Labradorit-Diorit ist demnach ursprůnelich Gabbro gewesen, 
aus dem er durch Umwandlung des Diallages in Uralit hervorgegangen ist, wobei 
der Plagioklas von der Umwandlung nichts an seiner Frische eingebůsst hat. Es 
gibt keine scharfe Gránze zwischen Gabbro und diesem Uralit-Diorit, weil sich 
das ursprůngliche Mineral, der Diallag in solch' bedeutender Menge vorfinden kann, 

- dass die Zuweisung des Gesteines zum Gabbro oder zu dem Diorit unausfiihrbar 
erscheint. Insgesammt sind aber die Uralit-Diorite doch etwas weniges deutlicher 
grůnlich, also dem mittelkórnigen Corsit áhnlich, weil der dunkelbraune oder 
dunkelbraungrůne Ton des Gabbrodiallages sich in einen dunkelgraugrůnen um- 

© wandelt, wenn námlich die Umwandlung des Diallages in ein Uralit vollzogen ist. 
10* 


148 


Von Bernardov (SO Elbe-Teinic) nach NO, */, km ist an der Gránze 
von rothem Granit und Chloritdioritaphanit ein Stock von Uralitdiorit von mitt- 
lerem Korne in der Erstreckung von etwa 200“ eingelagert. Weiter NW treten 
in tiefsten untersilurischen Phylliten noch etliche wenig máchtige NW streichende 
Ginge dieses, jedoch nur kleinkornigen Gesteines auf. 

Das mittelkórnige Gestein von důster grůner Farbe hat Gemengtheile, 
deren Grósse gegen 2"" betrást; nur die gróssten Uralitsáulen und die lángsten 
Plagioklasrechtecke erreichen Lángen von 2", und 4%"". Im frischen Bruch ist 
beim Labradorit auch der Stich ins Viollete bemerkbar, wáhrend sich der dunkel- 
grůne Amphibol nicht deutlich begránzt zeigt. 

Die Zusammensetzung des Gesteines ist sehr áhnlich derjenigen des Gab- 
bros von Vinařic, denn 1 gr Substanz gab: 


S10, 49:60 

A078 

FeO, und etwas Fe, 0, bestimmt und gewogen als Fe,0, | 872 
CaO 1128 

MgO 769 


Glůhverlust 162 152 
Alkalien unbestimmt. . .. .- — 

Wird fůr die Zusammensetzung des Plagioklases diejenige des Labradorites 
von Vinařic pag. 143 angenommen, so wůrde das Gestein bestehen aus etwa 50%; 
Uralit (und Diallag), 489%, Labradorit und etwa 2%, Biotit, Magnetit, Ilmenit, 
Pyrit, Calcit. 

Darnach wůrde sich auch die Zusammensetzung des Uralites, wenn der 
Glihverlust, dann die Alkalien unbericksichtigt werden und das FeO als Fe, 0; 
in Rechnung gesetzt wird, wie folst, berechnen: 


SDIO, 473 

10000 

Fe,0, 171 7%*) (statt FeO, est ist aber der Fe, O,-Halt zu gross) 
CaO 109 
Mg0 151 


Im Důnnschliffe zeigen sich frische Plagioklasrechtecke mit lebhaften 
Farben im polarisirten Lichte; dann scharf begránzte oder noch háufger an den 
Rándern zerfranste Uralite von fasriger Textur meist ohne, wohl aber auch noch 
hie und da mit Diallagkernen, welche nur die zarte Spaltungs-Faserung und 
lebhaftere Farben im polarisirten Lichte zeigen. Hie und da zeigt sich accessorisch 
ein Rechteck oder ein Lappen róthlichbráunlichen Biotites, dann Magnetitkorner 
und Imenitstábe, sowie auch Pyritkórnchen. Das Aussehen des Uralit-Diorites 
erinnert ganz an den umgewandelten mittelkórnigen Gabbro von Vinařic. 

Zwischen Vinařic und Kojic durchsetzen (etliche 10 an der Zahl) echte 
und Lager-Gánge die Glimmerschiefer und silurischen Phyllite des linken Elbeufers. 
Der am weitesten VO von Vinařic entfernte Gang im Glimmerschiefer (am náchsten 
Kojic zwischen dem Bahnwáchterháuschen Nr. 279 und 280, von 279 flussabwárts 
úber 200" entfernt), etwa 3" máchtig, besteht aus einem ganz áhnlichen Uralit- 
Diorit, dessen Gemengtheile bis 2'/,"“ und darůber, an Grósse erreichen. 


149 


Das ganz frische Gestein zeigt stellenweise Diallagspaltungsfláchen, sonst 
aber sehr zartfasrigen Uralit und ins blassviollete spielenden Labrador. 

Die Zusammensetzung ist unter Nichtbeachtung der Alkalien mit 13 gr 
Substanz folgende: 


S10, 47-38 
A1;0; + Fe,O0, 3223 
C0.. 346 
MgO 69 


Glihverlust | 1'70 


Es úberwiegt demnach der grůne Diallag- und Uralitgemengtheil. 

Zwei Důnnschliffe zeigten stellenweise wolkig weiss getribten, sonst aber 
frischen Labradorit in langen rechteckigen Formen, auf welche polarisirtes Licht 
stark einwirkte. Die Zwillingslamellen sind sehr deutlich; hie und da eine Apatit- 
nadel von 35""% Breite eingewachsen enthaltend. Der eine Důnnschliff zeigt nur 
faserigen Uralit, der zum Theil an den Begránzungsfláchen zerfranst und mit lose 
zerstreuten Uralitstábchen begleitet ist, und keinen Dialla© sowie auch keinen 
Biotit; der andere Důnnschliff zeigt noch unbedeutende Reste von gelblich gras- 
- grůnem Diallag, der aber durch eine ganz důnne Lage von Uralit von grasgrůner 
Farbe umhůllt wird; nebstdem zahlreiche faserige Uralite mit Lappen und Recht- 
ecken von blassrothlichbráunlichem Biotit. Bei der Drehung des Objectes um 909 
úber dem Polarisator (ohne Analysator) ándert die Uralithůlle um den Diallag den 
Farbenton bedeutend, wáhrend sich der Diallag nur ganz unbedeutend in der 
Farbennuance ándert. 

Gewisse Magnetit- und Ilmenitkórner und Stábe stecken in einer Leukoxen- 
kruste. Pyritkornchen kommen auch zum Vorschein. 

Ahnliche Uralitdioriteánge finden sich auch S und SO von Telčic und 
3, km O von Chvaletic (SO Elbe-Teinic) in tiefen untersilurischen Phylliten. 
Ebenso an der Strasse von Bernardov nach Zbraňoves, móslich dass auch N von 
Vedralka (Franciscahain). 

Ein kleinkórniger, grob bankfórmiger Uralit-Diorit mit wenie zelligen Auarz- 
klůften durchsetzt und allseitig vom Pláner umgeben, wesshalb seine Lagerungs- 
verháltnisse unbekannt sind, befindet sich an dem Wege von Heřmanměstec nach 
Nákle, *, km S von Nákle. Im Bruche ist nur der dunkelgrůne Uralit sichtbar, 
welcher stellenweise zartfaserice Textur unter der Loupe zeigt. 


In Sáuren entwickelt das Gestein Pláschen von CO,. Eine theilweise 
Analyse unter Vernachlássigung der Alkalien mit 1:05 und 1:11 g Substanz ergab 


NOK BL A009 C one vě re 80 
ku kgstusáure loslichese BeCO> > <, ye LAD 
a i k B ha 1 7 ep 
: BEECO ae MPR 

CO rarhiné nach Abzug der CO, der še ange- 
fůhrten drei Carbonate. . . . KASKO Se 
Mo kostek sla falc dr aá a Va. šla Kána sand k 


PYPW s rn sz OE o nero otakál n vdova dajujak 2 


S70 lkkě PP dale 3 vá o AL 
MCO oka o MS VT 2 MONO S AS SRNÍ 

Das gróssten Theils als FeO in der Verbindune enthaltene Eisen ist hier 
als FeO, in Summe mit Al;O; angefihrt. 

Der Důnnschliff zeigt in grůnen Aggregaten von mehreren mm Lánge 
hóchstens 1% lange Plagioklasrechtecke oder ungestaltete Formen, die dann und 
wann auch Zwillingsstreichung im polarisirten Lichte zeigen. In den grůnen Aggre- 
gaten kommen auch unbedeutende Kórnchen von Plagioklas eingewachsen vor. 

Das grůne Aggregat mit lappig oder moosartig verzweisten Rándern besteht 
theils aus fasrigen Anháufungen von Uralit, theils aus lappigen Schuppen, welche 
wegen des bedeutenden Gliihverlustes, der demnach meist Wasser im Gesteine 
nachweiset, auf Chlorit hinweisen. Das grůne Aggregat wáre demnach ein Gemenge 
von Uralit mit Chlorit. 

In dem Gemenge finden sich gróssere Kórner von Magnetit und kórnige 
Anháufungen von Ilmenit in Leukoxenhůllen eingeschlossen. 


Corsit. 


Dieses Gestein, welches zu den sonst seltenen gehórt, ist im Gebiete der 
Karte des Eisengebirges sowie in der an das Eisengebirge anliegenden Gegend 
ziemlich verbreitet.““) Es bildet der Corsit daselbst meist Gangstocke insbesondere 
an den Gránzen des roth gefárbten Granites mit anderen, entweder laurentinischen 
oder silurischen Gesteinen. Die Gangstócke sind zumejist von keiner bedeu- 
tenden Lángenerstreckung, obwohl einige recht ansehnliche solche Stócke erkannt 
worden sind. 

Das schónst entwickelte grobkórnigste Gestein, in welchem die Gemeng- 
theile ausserordentlich deutlich zum Vorschein kommen ist in dem kurzen Gang- 
stocke "/„ km NO von Částkov, ebensoviel N von Prostějov, etwas mehr als 1 km 
S von Žumberg in grobkórnigem rothem Granit eingelagert. Der Corsit an seinen 
Rándern von kórnigem Diorittrůmmern eingefasst, bildet hier die kleine Kuppe 
(Hóhe 380%).  Diesem Gesteine schliesst sich, was den guten Erhaltungszustand 
der Gemengtheile und die deutlich kórnige Textur anbelanst, die Gesteinsmasse 
des Corsites an, welche, soviel eben in dem bewachsenen Terrain zu entnehmen 
ist, einen recht langen Gangstock bildet, indem sie sich im Contacte von rothem 
Gneus und grauem Granit oder rothem Granit mit grauem sůdlich von Polom 
úber Unter-Brádlo (O) an der Ohebka (Chrudímka), O Vršov bis SW gegen 
Polanka hinzieht. Wenn die nachgewiesenen anstehenden -„Corsitmassen wirklich 
nur einen zusammenhángenden Gangstock bilden, so káme demselben dem NNW 
Streichen nach die Lánge von 7 km zu; die grósste Máchtigkeit wůrde '/„ km 
betragen. Das sůdliche Gangstockende am rechten Ohebkabachgehánge, wo es 
durch rothen Granit durchsetzt wird, zeigt die oben angerůhmte grobkórnige und 
theilweise frische Zusammensetzung. 

Andere Gangstócke zeigen wohl noch ein ziemlich grobes Korn, sind jedoch 
im Veroleich zu den oberwáhnten nicht mehr so auffallend. Die Umrandung 


151 


-derselben mit deutlich kórnigem Diorit ist eine allgemein giltige Eigenthůmlichkeit 
(derselben. Diese anderen, wohl auch noch grobkórnigen Corsitvarietáten sind an fol- 
genden Orten zu finden: Ein rinefórmiges Stockmassiv inmitten aus Serpentin- und 
Olivingestein (Troktolit) bestehend mit einem lichten Durchmesser von 3 km und 
einer Ringbreite von '/„—1 km, von einem noch breiteren Dioritrine eingefasst, bildet 
"den Fuss des 665%—615“ hohen bewaldeten Kuppenhůgels, an dessen N-Fusse 
Ransko liegt. 

(M Ein nur wenig máchtiger Gang an dem Contacte von rothem Granit mit 
| Phyllit des Untersilurs streicht 1"/, km SW von Kladné (O Hlinsko). Zwei, 4 bis 

2 km lange, bis "/„, km máchtige Stócke streichen NS der eine unter Srny, der 
andere '„ km Ó von Petrkov an der Gránze zwischen Gneus und Gneusgranit 
oder rothem Granit (NW Hlinsko). Zwei unbedeutendere Gánge streichen 1'/, km 
WNW von Trhová Kamenice an der Gránze zwischen zwei Granitvarietáten. Knapp 
„S bei Jančour und *„ km W von Možděnic (SS0 und SW Trhová Kamenice) 
sind gleichfalls máchtigere Gánge bekannt; an ersterem Orte ein Contactgang 
zwischen rothem Granit und grauem Gneus, an letzterem ist die Entblóssung 
unzureichend zur Bestimmung der Lagerung. Je ein Gang-ŠStock ist */, km O 
bei Drahotic (NO Nassaberg) und 1 km NW Vršov (SO Seč), an ersterem Orte 
am Contact zwischen rothem Granit und Gneusgranit, an letzterem zwischen 
rothem Granit und rothem Gneus. S */, km von Kovářov ist ein schwacher Gang 
an der Gránze von rothem Granit mit einer Scholle von Gneusgranit in rothem 
Granit; 1 km SW von Hrbokov oder 1 km WW von Kovářov (Seč NW) ist ein 
bedeutender Gangstock von 2 km Lánge und '/;„ km Máchtigkeit im rothen Granit 
an der Gránze mit Gneusgranit. Bei Kraskov NO 1 km (Seč NW) ist ein unbedeu- 
tenderer Stock zwischen rothem Granit und zu Ottrelitschiefer umgewandelten 
untersilurischen Thonschiefern, eleichfalls in Begleitung mit Dioriten, wie bei 
Hrbokov eingelagert. Bei Mladotic schief guer úber die Doubravaschlucht streichend, 
ist ein etwa nur 100" —200" und noch weniger máchtiger Gang auf 2km Lánge 
an der Gránze zwischen Biotit-Gneus und Amphibolgneus gut entblósst (SS0 
Ronov an der Doubrava). In der sůdlichen Fortsetzung dieses Gangstockes "/„ km 
-NO Moravan (NNO Vilímov) ist ein Corsithůgel entblósst, die Gránze nicht je 

mehmbar. Móglich dass auch NW Zbyslavec (Ronov a. d. Doubrava NO) ein Corsit- 

Sang streicht. 

; Es ist měglich, dass manche dieser Corsitstocke, in welchen die minera- 

logische Natur des Plagioklases als Anorthit nicht náher untersucht wurde, welche 

also nur nach ihrer Ahnlichkeit mit andern Varietáten dem blossen Ansehen nach 
bestimmt wurden, dem Diorite náher stehen kónnten, wie etwa der Gang “; km 

ONO von Seč oder der unbedeutende Gang 1 km SW5 Bistřic bei Včelákov und 

andere, die demnach als Corsit áhnlich zu bezeichnen wáren. Dafůr aber kónnten 

wieder gewisse als Diorit ausgeschiedene Gesteine wie NO Blatno (bei Hlinsko) 
und andere bei náherer Untersuchung dem Corsite anheimfallen. *“) 

Es wurden nur die Corsite von vier Fundórtern námlich von Mladotic 
(8 Ronov), von Hrbokov (NO Seč), vom Kraskover Jágerhaus (NO Kraskov, NW 
Seč), sowie von Ransko und 1—1', km W Ransko, náher untersucht. Da der 

Charakter dieser Gesteine doch nur wenig veránderlich ist, wurden desshalb nur 
diese vier Fundortern eingehender studiert. 


— 872 T = 


—— —— u 6. 


Ve 


152 


Der Gang von Mladotice, welcher nach 22"3/, also parallel der Richtung 
des Eisengebirges streicht, setzt SSO vom abgetragenen Mladoticer Meierhofe an,- 
erlanst im W-Theile von Mladotic (und bei dem gewesenen Hofe), wo er úber die 
Doubravathalschlucht ins rechte Ufer úbersetzt, die grósste Máchtigkeit von etwa 


Fig. 2. 
NO 1: 10000 Doubravka SW 


4 Z 
Gneus Corsit Amph.-(Gn. 


200“ bei sehr steilem Einfallen nach O (Fig. 2). Im rechten Gehánce der Bach- 
schlucht verengt er sich bedeutend, indem er bei der heil. Kreuzkirche nur 507 © 
bis 60% Máchtigkeit hat. N von der Kreuzkirche, die auf obercenomanen Schichten © 
steht, wird der Gang von diesen Kreidecgebilden bedeckt und kommt in der Ver- 
lángerung seines Streichens an dem S Ende von Ronov (N Korečnický mlýn) noch 
eine entblósste Corsitmasse von geringem Umfange zum Vorschein. Der sůdliche 
máchtigere Gangstocktheil ist regellos kórnig, der nordliche verengte Theil aber, 
besonders nahe der Kreuzkirche (S) zeigt eine grobe plane Paralleltextur, durch © 
unvollkommen parallele Lagerung der Gemengtheile, zu den einander ziemlich 
genáherten, nicht mehr so steilen Gangbegránzungsffáchen. Mit diesem Gange in. 
irgend einem genetischen Zusammenhange stehen ein ganz kleines Serpentinmassiv 
knapp WW an der Mladoticer Můhle und ein Troktolitgestein, gleichfalls als kleines 
Massiv, gegenůber der St. Martinkirche (am linken Ufer); beide diese Gesteine sind 
am rechten Ufer des Doubravkabaches. Das Hangende des Ganges bildet grauer 
Biotiteneus, das Liegende granatfihrender Amphibolgneus. Der Durchschnitt ganz 
wenig N vom Šerpentinstock in der doppelten Doubravkabiegune von NNW nach 
SSO und wieder nach WW (Fig. 2) versinnlicht die Lagerung. Diorit-áhnliche 
Gesteine finden sich an den Gangberůhrunesfláchen mit dem Nebencestein nur in 
dem máchtigeren sůdlichen Theile in nicht bedeutender Menge, so dass beinahe 
der ganze Gang, mit Ausnahme der wenig ausgebreiteten Gránzlage von Diorit, 
aus Corsit besteht. 

In dem grobkórnigen Corsitgesteine herrscht Anorthit, nur S von der Kreuz- 
kirche, námlich in dem Gangetheile mit unvollkommener planen Paralleltextur und 
zwischen dem W Theil von Mladotic und dem gewesenen Mladoticer Meierhof, also 
S von Mladotic, úber den Amphibol vor; sonst scheinen beide Gemengtheile, Amphibol 
und Anorthit, sich das Gleichgewicht zu halten, wenn auch der dunkle Amphibol 
die Farbe des Gesteines bedinget. 

Die Beschaffenheit des Corsits an der Oberfláche, das ist in der Masse 
der am Gangstockausbiss liegenden wenig veránderten Blócke, wird bei Gelegen- 
heit der Beschreibung des Gesteines bei Hrbokov erwáhnt werden, so dass hier 
oleich die Beschaffenheit des frischen Gesteines angefihrt werden kann. 

Das ziemlich grobkórnice Gestein enthált S von Mladotic stellenweise an 
Anorthit reichere Ausscheidungen, wodurch seine dunkelgraugrůne Farbe zu einer 
lichten wird. Selbst sehr grosskórnig ausgebildete Ausscheidungen finden sich hier 
vor, welche aus grobkornigen zusammenhángenden Aggregaten von ziemlich frischem 


155 


Anorthit, aus denen man beinahe faustgrosse, fast amphibolfreie Handstůcke schlagen 
| kann, und aus kleineren bis kindsfaustgrossen Amphibolaggregaten, welche entweder 
| aus ganz reinem, oder nur untergeordnet mit Anorthitkórnern gemeugtem Amphibol 
bestehen. 
| Nahe am Ausbisse oder in den Klůftchen, welche unter dem Rasen das 
| Gestein durchsetzen, findet sich auf demselben stellenweise ein weisser undurch- 
sichtiger kreideáhnlicher, důnner erdiger, jedoch nicht abfárbender Úberzug von 
Kaolin als Zersetzungsprodukt des Anorthites, welcher an derartigen Stellen auch 
schwach weiss getrůbt ist. Der erdig kreideartige Úberzug besteht aus Schiůppchen 
-von krystallinischer Form wie der Kaolin und erscheint nur in ganz unbedeuten- 
-dem Grade mit Calcit impraegnirt, da er in Sáuren sehr wenig CO,- Bláschen 
entwickelt. 

Die grobkórnigen Anorthitageregate sind durchscheinend, kleinere Bruch- 
-stůcke durchsichtig, blassweiss, bis hóchstens beinahe 1[ Jem. grosse, meist aber 
etwas kleinere Spaltunosfláchen zeigend. An den nur ziemlich ebenen Spaltungs- 
fláchen von etwas ins Perlmutterartige geneigtem Glasglanz zeigt sich wohl auch 
die Zwillingsstreifung auf oP, jedoch nicht so háufig und so gut ausgeprágt, wie 
dies bei den andern Plagioklasen der Fall ist. Důnne durchsichtige Splitter schmel- 
„zen an den Kanten schwer an und werden dadurch weisslich trůbe. Das sp. G. 
betrást 2'7202 (mit 985 g. Substanz). Gewisse Kórner und Spaltungsformen 
zeigen schalige Zusammensetzung nach oP. An Spaltungsgestalten wurde unter 
| dem Mikroskope gemessen die Neiguneg von oP zu © P m mit 859 20" (aus 5 Mes- 
| sungen, statt 852 50" was innerhalb der Fehlergránzen liegt). 
| Eine Analyse des nicht bei 1009 getrockneten Anorthites, dessen Glůh- 
„verlust und Alkalien nicht bestimmt wurden ergab, nach Rob. Uhlig: 


S10, — 42-34 

ALO, | 3550 

CaO | 1870 

M O kopischo Feuchtigkeit, Glihverlust, unbestimmter Rest: 3:46 
100:00 


Ganz reine durchsichtige Anorthitbrocken bedecken sich in Šáuren mit 
 kaum irgend nennenswerthen Bláschen von CO,. 
| Der Amphibol solcher grosskůrnigen Ausscheidungen zeigt sich in zweierlei 
(Varietáten: selten in spáthigen Individuen; háufie in feinstenglie schuppig kórnigen 
| Aggregaten. 
! Die seltenen spáthigen Amphibole bilden bis 2“ lange und etwas weniger 
| breite Individuen ohne Terminationsfláchen mit stark vertikal gerieften oscillatorisch 
| unebenen © P-Fláchen. Die sehr ebenen Spaltungsfláchen, die den fůr das Am- 
| phibolprisma co P charakteristischen Winkel mitsammen bilden, zeigen nur Spuren 
| von vertikalen Strichen, nebstdem aber einen so starken Glanz, dass man bei dem 
| Vorhandensein von nur einer solchen Spaltunesrichtung die Spiegelung beinahe 
| als dem Diallag áhnlich bezeichnen kónnte. Die Oberfláchenfarbe ist schwarzgrůn 
| mit einem Stich ins Bráunliche; důnne Splitter sind schmutzig graugrůn durch- 
| scheinend, leicht zu einer Kugel von ebensolcher Farbe v. d. L. schmelzbar. Man- 
| chesmal dringen ganz dinne Úberziige von Kaolin zwischen die Spaltunesrisse ein, 


154 


was jedoch unwesentlich ist. Gewisse Amphibolprismen zeigen auf den Spaltungs- 
fůchen bedeutende vertikale Risse und Unterbrechungen, weil dieselben aus parallel 
verwachsenen kleineren Individuen in Form von zarten Stengeln aufeebaut sind; 
solche Amphibole sind schwárzlich lauchgrůn. Noch andere bestehen nur aus 
beinahe parallel verwachsenen dicken kurzen Fasern und dann ist die Spaltbarkeit 
bedeutend unterbrochen; die Farbe ist die gleiche. Diese Gruppenkrystalle ver- 
mitteln den Úbergang zu den immer im frischen Zustande schwárzlichorůn gefárbten 
schuppig kórnigen Acggregaten. 

Diese Aggregate, deren Kórner ziemlich parallel oder ganz regellos kórnig 
geháuíft sind, zeigen ebene hochstens 1[')""“ grosse, sonst immer kleinere Spaltungs- 
fláchen. Durch ziemlich parallele Anordnung der winzigen kurzen schuppigen 
Stengel entstehen grobfasrice Individuen. Es kommen die kórnigen Aggregate 
auch scharf abgesetzt an den Krystallindividuen von etwas anderer Farbe und 
ebenen Spaltunesfláchen vor. Die kleineren Anháufungen von schuppig kórnigen 
Aggregaten, welche Krystallkórner nachahmen, sind etwa hanfsamengross. 

Die nicht mehr gánzlich frischen Amphibole, also in Gesteinssplittern nahe 
der Tagesoberfláche entnommen, werden deutlicher grůn, allenfallsdunkel graserůn. 
Der Anorthit aber wird weiss, trůbe. 

Die Farbe des Corsites ist bedingt von der Aggregirung der Anorthit- und 
Amphibol-Gemenetheile.  Sind beide in groben Kórnern im Gleichgewichte ent- 
wickelt, so verdeckt der dunkle Amphibol die halb durchsichtigen Anorthitkórner. 
Bei vorherrschendem Anorthit bilden die kleineren kórnigschuppigen Amphibol- 
Aggregate nur Flecken in dem Anorthitaggregate. Es kónnen aber auch in kórnie- 


+ 


iy AC- 


| 
, 
d 
| 
| 
| 
| 


: 
p. 


schuppig-aggregirtem Amphibolen weisse scheinbar untergeordnete Anorthitkórner 


zum Vorschein kommen, dann hat das Gestein das Aussehen eines kleinkórnicen 
Gemenges. 


Unter dem Mikroskope zeigen die grobkornigen Anorthitausscheidungen 


bei geringen Vergrósserungen (von 60mal) ausser den Spaltungsfugen und der 


schaligen Zusammensetzung nach oP, und auch nach andern Fláchen noch Sprůnge | 


in anderen Richtungen, die zufállig sein kónnen. Dann aber nach gewissen Štri- 


chen grauliche Háufchen als Einschlůsse, die von einander mehr oder weniger. 


weit entfernt sind und im Mittel „"" messen, jedoch auch um das Vielfache 
grósser erscheinen. Die Durchsichtigkeit der Krystallageregate im Dinnschliffe 
ist eine vollkommene. Die kleineren Krystallindividuen, die zum Durchschnitte 
kommen, besitzen Breiten von mehr als "/,„"», wáhrend die grossen Individuen 
Dimensionen von 3—5"" aufweisen. 

Im polarisirten Lichte zeigen sehr viele Durchschnitte eine bedeutende Zahl 
von Farbenstreifen, gewisse aber nur hie und da einen Streifen, was von der 
Orientirung der Durchschnittes derselben abhánet. Bei manchen Individuen ist 
die Streifenzahl so bedeutend, dass man auf die Breite von „5% sieben verschie- 


dene Farbenlamellen, bei 220facher Vergrósserune aber sogar 24fárbige Zwillings- © 


lamellen in derselben Breite von $5"" abzáhlen kann. In der Mehrzahl der Indi- 


viduen kommen die Zwillingslamellen nich in so grosser Zahl zum Vorschein. 
Viele Individuen vielleicht !—+ aller beobachteten zeigen nur einfache, umd 


wegen der bedeutenden Frische des Anorthites demnach lebhafte Farben im polari- 


155 


Mirten Lichte. Es sind nicht gerade die kleinsten; es zeigte sogar ein 5""“ grosser 
ji rystallschnitt nur einen Farbenton. Diese Erscheinung růhrt davon her, dass 
»tweder wirklich Individuen ohne hemitrope Ausbildung zum Vorschein dále. 
der dass der zufállige Durchschnitt durch eine einzige dickere Zwillineslamelle 
Rh durchgeht, ohne eine anliegende zu treffen, oder dass beide Ursachen mitwirken. 
ITedenfalls ist die ziemlich bedeutende Zahl der nur einen Farbenton zeigenden 
"Auerschnitte bemerkenswerth; es zeigt dies deutlich, dass es nicht die Zwillings- 
 verwachsung allein ist, welche fůr Plagioklase charakteristisch ist, da es eben auch 
FDurchschnitte ohne Farbenbánder gibt (die nicht Orthoklas sind). Am seltensten 
/inden sich aber Ouerschnitte mit gitterartig (senkrecht, eigentlich nur nahezu 
senkrecht, je nach der Schnittrichtung) sich kreuzenden Farbenlamellen, welche von 
einer doppelten Zwillinesverwachsung nach co P w und oP herrůhren.**) Im pola- 
Irisirten Lichte zeigt sich die schalige Zusammensetzung vieler Individuen ganz 
“leutlich, ausser durch eine schwache oder bedeutende Anderung des Farbentones 
auch oftmals durch den Absatz der Zwillingslamellen an den Berůhrungsfáchen 


Ider Schalen | 
h Ein Důnnschliff aus einem mittelkórnigen Gemenge von Kórnern bis úber 
ilimeter Grósse, die aus kórnig schuppigem Amphibol und aus Individuen von 
[Anorthit bestehén, zeigte unter dem Mikroskope Anháufungen von vorwiegenden 
'Amphibolkórnern neben Anorthitaggregaten. Selten ist in den geháuften Amphibol- 
'Ageregaten ein Anorthitkorn zu finden, wáhrend in den Anorthitaggregaten Am- 
Vphibolkórner etwas háufiger sind. Die Amphibole mit deutlichem Pleochroismus 
izeigen meist grasgrůne (gelblich-, gelblichbráunlich- bis dunkelgrasgrůne) Farben, 
sind nicht EAoŠh nur wenig zerfasert; die kleineren Individuen von den Dimen- 
slonen '/+ uud +% "", die grósseren Prismen 1%% breit und £"" lang. Die Anor- 
(thite mit aneh bedeutender Durchsichtigkeit und děntitchér Spaltbarkeit sind 
etwas grósser wie die Amphibolindividuen. Mit den Amphibolen, aber nie im 
Anorthit, kommen im Mittel 55""“ grosse schwarze Magnetitkornchen (nicht Py- 
jrite, da die grell beleuchteten 'Bruekášialién unter der Loupe dieses Mineral nicht 
(zeigen) spárlich, meist vereinzelnt, seltener einige beisammen eingewachsen vor. 
Im polarisirten Lichte zeigt der Anorthit neben deutlich mit Farbenbándern 
(gezeichmeten Individuen auch einfárbige, letztere aber nicht vorherrschend. Der 
'Amphibol zeigt sich etwas zersprungen nur aus einfachen Krystallindividuen be- 
"stehend, die dann und wann auch geradlinig begránzt sind. — Zur deutlichen 
(Erkennung des Gemenges im Corsite reicht schon die Vergrósserung von 60mal hin. 
| Der Corsit, welcher nicht mehr vóllig frisch ist, allein im polarisirten 
 Lichte noch keine Farbenabschwáchung seiner Gemengtheile zum Vorschein kommen 
[lámst, zeiet gewissen Klůftchen nach und in Sprůngen des Amphiboles, sowie an 
(den Begránzunesfláchen von Amphibolkrystallen gegen einander oder gegen den 
'Anorthit, wohl auch im Anorthit selbst, kleine Aggregate von Epidot, welcher 
'im gewóhnlichen Lichte zeisigerůn und pleochroistisch, ziemlich stark chromatisch 
! aber im polarisirten Lichte erscheint. Er důrfte ein Zersetzungsprodukt eines, 
"oder beider Gemengtheile des Corsites sein. — 
Der Gangstock SW Hrbokov, welcher auf mehr als 2 km. Lánge dem 
0w Streichen nach, in der Měchtickeit bis 300—350= bekannt ist, wird nordlich 


i 


: 
Je 


156 


rothem Granit, von einer Scholle von grauem Gneusgranit, und dann vorherv- 

schend von grobkornigem Diorit begránzt. Es ist jedoch die Entblóssung keine 
derartige, um das Verháltniss des Contactes des Corsites mit Diorit angeben. 
zu kónnen, ob námlich der Diorit durch Úbergang mit dem Corsit vereint oder 
von demselben scharf geschieden sei. Es ist nur eine, noch durch keine Thatsache 
begrůndete Vermuthung das Erstere anzunehmen. 

Der Ausbiss des Stockes ist durch grosse Blócke gekennzeichnet, welche 
zahlreich im Walde und auf den iHutweiden herumliegen. Die grossen, theilweise 
bemoosten Blócke von dunkeler Farbe sind stark narbieg, Erhohungen von dunkel 
grasgrůnem, stellenweise rostig geflecktem Amphibol, sowie viele Millimeter tiefe 
Grůbchen, bis zu Erbsengrósse bedingen das grobnarbigce Aussehen der Oberfláche. 
Die Grůbchen růhren von ganz zersetztem und durch Wasser und Wind weg- 
gefihrtem Anorthit her, der gegenůber den hervorstehenden Narbenhóckern des 
wetterbestándigeren Amphiboles ein leicht zersetzbares Mineral ist. In einer Tiefe 
von 2—3""7 unter der Narbenkruste von Amphibol ist der Anorthit kreideweiss 
erdig, aus Kaolin bestehend und nur mit Calcitspuren impraecnirt, wáhrend in 
kaum *„ cm Tiefe unter der narbigen Oberfláche schon frischer spáthiger Anor- 
thit das Gemenge, mit dem nur etwas weniges dunkler grasgrůnem Amphibol, bildet. 

Klůfte im Gestein zeigen, wenn sie nahe unter der Gesteinsoberfláche 
entblósst sind, neben etwas kreideweiss gefárbtem Anorthit zuweilen ganz schwache 
flechtenartige Úberzůge von halberdigem Calcit, wohl auch Epidotkórner. 

In der grobkórniesten Varietát des Corsites besitzen die Anorthitkrystalle 
Lángen bis zu 1" und Breiten bis zu ";““; zuweilen kommen nur Kórner ohne 
deutliche Krystallform zum Vorschein. In den kleinkórnigsten Gesteinen haben 
die Anorthitaggregate nur wenige Millimeter im Durchmesser. Der Amphibol 
zeigt seltener prismatische, meist recgellos kórnige Gestalten, die aus zahlreichen 
Fasern aufgebaut sind, desshalb ihre Spaltunesfláchen nie eben erscheinen. In den 
grob zusammengesetzten Corsiten sind Amphibole dunkel grasgrůn, in den mittel- 
kórnigen etwas lichter graulich graserůn, jedoch kórnig ageregirt, desshalb nicht 
immer mit sichtbar guter Spaltbarkeit. 

Die Anorthitspaltungsfláchen lassen trotz ihrer deutlichen Grósse unter 
der Loupe nicht immer sogleich die Zwillingsstreifung erkennen, obwohl gewisse 
Fláchen dieselben recht gut zeigen. Es důrfte diese Erscheinung theilweise auf 
die nur gute Spaltbarkeit (und nicht sehr gute, wie bei den andern Plagioklasen) 
zurůckzufůhren sein. Obwohl die durchsichticen bis halbdurchsichtigen Anorthite 
weissliche Farben haben, zeigen sie doch in gewissen Gesteinen einen schwachen 
Stich ins Graulichviolette. In den mittelkórnigen Corsiten sind die Anorthitaggre- 
gate weiss, nur durchscheinend, weil sie kleinkornig zusammengesetzt sind. 

Gewisse Gesteine zeigen Pyritkórnchen in spárlicher Zahl, schon ohne 
Zuhilfenahme der Loupe. Dem blossen Anblick nach kann die Zusammensetzung 
zu gleichen Theilen aus Anorthit und Amphibol geschátzt werden, wenn auch der 
Amphibol den Farbenton im Grossen bedingt. 

Der rein ausgesuchte Anorthit, dessen spec. G. nicht bestimmt wurde, 
sowie das ganze Corsitgestein in der grobkórnigen Ausbildung, gleichfalls ohne © 


von rothem Granit, sůdlich aber in der Richtung von O nach W gleichfalls a 


i Sn o o 


157 


Bestimmung des spec. G. wurden ersteres mit 1:0 gr, letzteres mit 1:42 gr luft- 
ekono: Substanz analysirt. 


SE MĚ Anorthit Corsit. 

1 810, 4284 Si0, 46:59 

vč A1,0; 35.21 A1,0, —- Fe,0; 2812 

ně CaO 1707 CaO 1410 

Ro MsO Spur Ms0 799 

„ Gliůhverlust, Glůhverlust, © 94 

'unbestimmte zen 98 unbestimmte Alkalien | 226 

i 10000 100:00 

ha Die Menge der unbestimmten Alkalien im Corsite důrfte etwas weniges 


b edeutender sein als 2:26, weil statt Fe0 in der Analyse das wirklich gewogene 
Fe,O;, das im Amphibol nur in geringerer Menge vorhanden ist, eingesetzt wurde. 
0 Anorthit enthált auch Alkalien, denn das Verháltniss des O in Si0,, Al,0;, 
h a0 ist 4:19:3::89 statt 4:3:1, demnach bei CaO zu wenig. 

Wird aus den beiden aňetňkětám Analysen des Anorthites und des Corsites 
| (das Mengenverháltniss des Anorthites und Amphiboles in dem Gesteine berechnet, 
"so k bibé sich fůr die analysirte Felsart ein Gemenge von 65',9, Anorthit und 
: 59, Amphibol; der Magnetit bildet nur ganz geringe Bruchtheile eines Prozentes. 

ch fůr den Amphibol kann man die beiláufigce Zusammensetzung berechnen, er 


„důrfte aus S10, 53%, 
| ALO, (Fe,0;) 147; 
| Ca0 8, 
ji Ms0 23, 


(be stehen. ?*) Doch ist diese herausgerechnéte Zusammensetzung desshalb ver- 
|besserungsfáhig, weil fiir die Ableitune derselben der Gehalt an Alkalien vernach- 
| lássigt worden ist; und auch die als FeO in der Verbindung vorhandene Mono- 
0 ydstufe des mišehis unbekannt und nur als Sesguioxyd mit Al,O; summarisch 
| angefůhrt ist. Auch auf den Glůhverlust wurde keine Růcksicht genommen; 
(desshalb diese herausgerechneten Ziffern nur relativen Werth besitzen und mit 
WVorsicht zu gebrauchen sind. 
| Im Důnnschliff zeigen die Anorthite des grobkórnigen (aber nicht des 
igrobkórnigsten) Corsites, dessen Anorthit analysirt wurde, deutliche Anorthitkry- 
stalle, deren kleinsten bei der Breite von 1"" die Lánge von 3"*, die gróssten 
„bel der Breite von 4%% die Lůnge von 8%" besitzen. Dieselben sind rissig, meist 
jmach den Spaltungsrichtungen; durchsichtig, nur stellenweise scharf begránzt, 
(Weiss getrůbt und ganz rein, ausser ganz seltenen unbedeutend kleinen Kórnchen 
ron Amphibol, denen die Spur MgO0 der Analyse des Anorthites zuzuschreiben 
jist. Auch Schalenbildung zeigt sich. Ein beobachteter Krystall zeigte zu sechs 
(Fláchen (wahrscheinlich 00"P, oo P" o Po) eine Krystallschale, die dadurch deutlich 
je Var, dass eine schwach griůnlich grauliche Trůbung mit recht spárlich eingewachsenen 
T órnchen von Amphibol, deren bedeutendsten 3%"%" lang und <5*" breit sind, die 
KGránzfláche der Schale gegen den Kernkrystall herstellt. dně Zwillinge nach 
Vdem Karlsbader Gesetze gebildet, (Zwillingsebene 00 P © ), also mit einer Zwillings- 
(maht in der Mitte, sind nachweisbar. Merkwůrdiger Weise zeigt ein grosser solcher 


k 


158 


Zwillingskrystall mit der vorerwáhnten Schale von 1%" Dicke umhůllt nur in Kern- 
krystall und der Schale der zugehórigen Hálfte und zwar nur in der einen Zwillines- 
hálfte Farbenbánder triklinischer Feldspáthe, wáhrend die andere Zwillingshálfte 
bis auf drei kurze, gemeinsam verbundene, kaum ein Viertel der Krystalllánge ein- 
nehmende Leistchen ganz einfárbig erscheint. Die mittlere Hauptzwillineslamelle: 
lóst sich aber im polarisirten Lichte in drei Farbenbánder auf. Dieses Verhalten 
ist ein deutlicher Fingerzeig, dass die andere Zwillingshálfte die mit Ausnahme 
des kurzen interponirten Bandstreifens parallel zu o Po ganz einfárbig erscheint 
wegen dem erwáhnten Bandstreifen kein Orthoklas ist, und dass wirklicher Anorthit 
auch in beinahe nicht zwillingsartig gestreiften, demnach nicht polysynthetischen, 
also einfachen Krystallen vorkommen kann. Úbrigens wáre die Verwachsung von 
Anorthit mit Orthoklas in zwillingsartiger Form auch gar nicht moglich, ohne 
genetische Verháltnisse zu verletzen. 

Der Amphibol in unfórmlichen Krystallen oder kórnigen Aggregaten nimmt 
den Raum zwischen den Anorthitkrystallen ein. Die krystallinischen Aggregate 
scheinen etwas gegen den Anorthit zurůckzutreten. Eine grobe Zerfaserung ist 
auch hier fiir Amphibol charakteristisch, welcher verschiedene Nuancen der gřas- 
orůnen Farbe aufweiset. Im Amphibol sind sehr spárlich bis „."" grosse Magnetit- 
kórner vereinzelnt und noch spárlicher etliche, etwa eben so grosse Pyritkornchen 
eingewachsen. 

Ein anderer Důnnschliff stammt von einem Gestein, dessen Anorthitkorner 
von bis "/„[ Jem Grósse auf der Bruchfláche sehr kleinkornig aggregirt, die da- 
zwischen liegenden ausgedehnteren Amphibolaggregate schuppigkórnig und graulich- 
grasgrůn gefárbt erscheinen. 

Unter dem Mikroskope bildet Anorthit und Amphibol landkartenartig be- 
gránzte Fetzen, welche aus krystallinischen Aggregaten von Anorthit und Amphibol 
bestehen. In den Anorthitaggregaten finden sich lappige Formen von Amphibol 
oder auch kurze Stábchen regellos, jedoch nicht in bedeutender Menge eingewachsen; 
die kleinsten Amphibolstábchen im Anorthit sind 35"" lang und halb so breit. 
Dessgleichen erscheinen in den Amphibolaggregaten Anorthitkorner, ebenfalls in 
ansehnlicher Zahl eingestreut. Manche Amphibole sind fasrig, manche nicht, sie 
sind beinahe wie lappig zertheilt, jedoch deutliche Spaltunesfugen zeigend. Ganze 
Lappenparthien des Amphiboles enthalten ausser Anorthit keinen anderen Einschluss, 
wáhrend wieder an gewissen Stellen-Háufchen von entfernt stehenden Magnetit- 
kóornchen mit guadratischen Auerschnitten, von denen die mittleren $5"“ breit 
sind, zu beobachten sind. Fárbungen von Haematit begleiten die Magnetitkórnchen 
als Zeichen der aufangenden Zersetzune. 

Im polarisirten Lichte zerfallen die fetzenfórmig gruppirten Anorthit- 
aggregate deutlich in meist fárbig gestreifte, jedoch auch einfárbige Kórner, deren 
Mittelgrósse $"“ betrást. Die Krystallkorner des Amphiboles důrften im Mittel 
dieselbe Grósse haben. — 

Der Corsit oberhalb (NNO) des Kraskov-er Jágerhauses, an welchem 
die an dieser Stelle, námlich am nórdlichen Gangulm besonders deutlich zu 
Ottrelitschiefer metamorphosirten untersilurischen Grauwackenthonschiefer absetzen, 
bildet einen Gangstock, dessen sůdliche Begránzung vermuthunsweise Diorit oder, 


| 


| 


159 


-Syenit im Granite ist. Die sůdliche Entblóssung ist nicht deutlich. Die nicht 
hedeutende Máchtigkeit, jedenfalls aber zwischen 50—100" ist nicht genauer 
bestimmbar. 

M Das Gestein ist ganz ahnlich dem grobkornigen Corsit von Hrbokov, die 
Blócke oberfláchlich luckig narbig, die Anorthite kreideweiss, jedoch trotzdem schon 
wenige Millimeter unter der grubigen Rinde frisch. Im Diůnnschliff sind Anorthit- 
kórner und Amphibolsáulen theilweise ebenfláchig begránzt zu bemerken, der Anor- 

 thit scheinbar vorwiegend mit bis ![“% grossen Fláchen, der Amphibol mit etwas 
kleineren Fláchen zum Vorschein kommend. Die Anorthite und Amphibole verhalten 
sich sonst genau so, wie vordem erwáhnt wurde, jedoch mit dem Unterschiede, 
dass hier im polarisirten Lichte auch gitterfórmige Farben bemerkt wurden, was 
nur zufállig ist und gewiss auch bei den Schliffen von Hrbokov zum Vorschein 
gekommen wáre, wenn deren noch mehr vorgelegen hátten. Ausserdem ist hier 

im Anorthit auch Magnetit in Háufchen zu etlichen nicht sehr genáherten Kórnchen, 
der mittleren Grósse von 345"", beobachtet worden. Die Magnetitmenge in diesem 
Corsit diůrfte aber eine so unbedeutende sein, dass sie sich erst durch hundertstel 

„Prozente fiihlbar machen wůrde. Der nicht beobachtete Pyrit důrfte auch hier 

-kaum fehlen. — 


s In bedeutendster Menge kommt der Corsit als kranzformige Umhiůllung 
-des Serpentinmassivs im Ransker Walde (S Ransko) zum Vorschein. Die innere 
- Fláche des Corsitkranzes bildet theils Serpentin theils Troktolit, mit welchen 
Gesteinen der Corsit durch Úbergánge, welche dadurch vermittelt werden, dass 
Olivin zum Corsite bis zur Verdrángung der andern Gemengtheile desselben, 
-hinzutritt, verbunden ist. Die áussere Umhůllung des Corsitkranzes bildet ein 
Dioritring, dessen Verháltniss, wegen mangelnden deutlichen Aufschlůssen in dem 
durchaus bewaldeten Gebiete nicht náher klarzulegen ist.  Wenn ein allmáhliger 
Úbergang in Diorit vermuthet wird so hat diese Anschauung eben den Werth einer 
-durch anderweitige Erfahrungen móglichen Wahrscheinlichkeit, die jedoch noch 
-der Sicherstelluneg entbehrt. Der Corsit durchsetzt aber wie der Diorit die Granite 
und Syenitgranite der áusseren Ringfláche des Diorites in schwachen Gángen, wie 
© dies vereinzelnt und zwar bei Hutě (W Ransko) angetroffen wurde. 


Dieses Gestein des den Serpentin umhůllenden Ringes wird hier kurz nur 

Corsit von Ransko genannt werden. Blócke von kleinnarbig luckiger, mit Moos 
bewachsener Oberfláche, genau den Blócken von Hrbokov áhnlich deuten die An- 
wesenheit des Corsites an. Das Gefiige des Gesteins ist ein deutlich mittelkorniges, 
desshalb die Narben und luckigen Vertiefungen etwas kleiner als bei der Hrbokover 
Varietát ausgepráct sind. Bei etwas pyritreicheren Varietáten ist die narbige Rinde 
mehr rostig gsefárbt; auch Klůftchen zeigen den rostfarbigen Beschlag des Limonites. 

© Merkwůrdiger Weise findet man gerade an gewissen Blócken des an Anorthit rei- 
ke Corsites unter einer bemoosten Verwitterungsrinde von nur 1“ schon den 
- Ganz frischen Bruch des Anorthites und dunkel grasgrůnen Amphiboles. (Gewisse 
- Gesteine, insbesondere diejenigen mit iúberwiegendem Amphibol zeigen Pyrit- 
kórnchen bis zur Breite von '/„"*“, ja sogar +4"“ dicke, unterbrochene Klůftchen 
dieses Minerales. In den deutlich mittelkórnigen, bis beinahe grobkórnigen Gesteins- 


160 


abarten zeigt der Anorthit auch einen Štich ins Graulichviolette. Sonst stimmt 


alles mit dem schon bei dem Hrbokover Gesteine erwáhnten ůúberein, 


Zur Untersuchung wurden Proben knapp S von dem Hůttendorfe Ransko 


und 1 km W von Ransko, wo der Corsit mit Diorit zugleich zum Vorschein 
kommt, gesammelt. i 
Aus einem beinahe grobkórnigen Gemenge dieses Gesteines mit vorwie- 


gendem Anorthit wurde das sp. G. des schwach ins Graulichviolette stechenden, 


sonst halbdurchsichtigen Anorthites mit 27443 (aus 87 ©) bestimmt. Die Analyse © 


mit :85 £ lufttrockener Substanz unternommen, ergab: 


S10, 4421 
AL 0; 3590 
Ca0 1833 
MgO Spur 


Glůhverlust 05 
Unbestimmt "61 
10000 

Unter dem Unbestimmten sind entweder ganz geringe Mengen von Alka- 
lien, oder der analytische Fehler zu verstehen. Dieser Anorthit wáre demnach im 
Vergleich zu denjenigen, welche frůher mit ihrer Zusammensetzung angegeben 
worden sind, der reinste, da er auch sehr gut dem Verháltnisse 4:3:1, welches 
die Sauerstoffmengen der Si0,, Al, O0,, CaO geben, entspricht, indem sich dafir 
4:2:85:'89 herausrechnen lásst. 

Die zu Dinnschliffen verwendeten Proben zeigten unter dem Mikroskope 
meist vorherrschenden Anorthit und untergeordneten Amphibol, trotzdem dass sie 
dunkel gefárbt erscheinen, denn nur an einer Probe sieht man schon mit freiem 
Auge das Vorherrschen des Anorthites. Die weissen Anorthitparthieen von bis 
5—6"" Durchmesser, sowie die bis úber 2" grossen Amphibole lósen sich u. d. 
M. im polarisirten Lichte in kórnige Aggrecate auf; bei den Anorthiten messen 
die einzelnen Kórner der Lánge nach, die kleinsten bis unter */„"" die gróssten 
ber 12/;,==, Beim Anorthit ist die Schalenbildung weniger háufig, dafůr aber tritt 
die zwillingsartice Zusammensetzung an gewissen Dinnschliffen auch schon ohne 
Zuhilfenahme der Polarisation gut zum Vorschein, indem gewisse Zwillingslamellen 
bei schwacher Vergrósserung (etwa 60fach) in der Richtung oo P  scharf begránzte 
Nebelflecke zeigen, in welchen bei aufmerksamer Beobachtung hóchst zarte schwarze 
Stábchen eingewachsen zum Vorschein kommen. 

Kleine fetzenartige Parthieen, sowie auch im Mittel ";,"“ breite und ',"*% 
lange Amphibolstábe von lichtgrasgrůner Farbe finden sich im Anorthit ganz spár- 
lich vertheilt und sind die Ursache, warum die Anorthitanalyse Spuren von Mg0 
nachweiset. Seltene Magnetite im Amphibol von geradlienig begránzter lappiger 
Form oder fasrig an den Endfláchen zertheilten Kórner, sowie noch seltenere 
Kórnchen dieses Minerales im Anorthit sind beinahe ganz belanglos zu nennen, 
trotzdem dass sie sich stellenweise zu Háufchen gruppiren. Die Mittelgrósse der 
Magnetitkórner ist ';,"". Manche Amphibole zeigen vielleicht Schalenbildung, 
denn gewisse Důnnschliffe besitzen im polarisirten Lichte um bráunlichgrůne Am- 
pbibolprismen grasgrůne Sáume. 


161 


Im polarisirten Lichte sind die allermeisten Anorthite stark chromatisch 
'gebándert, etliche wenige auch gegittert und nur eine ganz unansehnliche Menge 
(zeiet einfache Farben ohne Zvwillingsbánder. 


kommen auch in winzig kleinen Gruppen zerstreut vor, aber nicht in allen Dánů“ 
schliffen. Dann schneiden sie sich unter beinahe rechten Winkeln oder unter 
spitzen Winkeln von 30—40* etwa, indem gewisse Štábchen immer zu diesen Rich- 
tungen parallel sind. Die Nebelflecke zeigen bei schwacher Vererósserune (60mal) 
kaum wahrnehmbare schwarze Půnktchen zwischen den Stábchen; die (Ouer- 
schnitte solcher Stábchen stehen schief oder normal zur Ebene des Schliffes, 
(indem nur die nahezu zur Schliffebene parallel laufenden stabartig erscheinen. 
(Die hěchst zarten Stábchen zeigen auch bei bedeutenden Vergrósserungen von 
1220mal, sowie die punktfórmigen Ouerschnitte der im Raume des Anorthites 
/ zerstreuten Nadeln, doch nur schwarze Farbe ohne Durchsichtigkeit. Erst bei 
55Ofacher Vergrósserung nehmen die Punkte polygonale nicht deutbare Umrisse 
an und sowohl Punkte als auch Nadeln scheinen mit tief a Farbe durch. 
Die Breite der Nadeln betrágt dann im Mittel etwa „g5g—156o"", die Lángce ist 
variabel bis 1%. Dieses Vorkommen der schwarzen (eigentlich býsůneh Nadeln 
| oder Stábchen erinnert an das Vorhandensein gleichartiger Gebilde von noch 
| nicht sicher gestellter mineralogischen Stellung im Labradorit, nur dass in diesem 
die Nadeln weniger zart erscheinen.  Erwáhnt muss noch werden, dass sich die 
Corsite von Ransko beim Schleifen zu Důnnschliffen nur ausnahmsweise bróckeln 
und sonst wie sámmtliche andern Vorkommnisse dieser VPPIANESKUPOEÍ in aus- 
| gedehnten angeschliffenen Fláchen haltbar erscheinen. 


In gewissen Corsiten und zwar vornehmlich in denjenigen, welche aus 
der Náhe der inneren Peripherie des Corsitringes im Ranskoer Walde stammen, 
(werden gelbbraune bróckelnde mit Limonit theilweise (unter der Mn terungs- 
rinde) gefárbte Kórnchen bis 2"*% Ausdehnung bemerkt, welche im frischen Bruche 
| důstere graubraune Farbe besitzen und aus Olivin bestehen. Der Amphibol tritt 
bei Zunahme dieses Minerales zurůck, so dass Olivin als Štellvertreter desselben 
| anzunehmen ist. Auch hier zeigt sich unter der Verwitterungskruste neben gelb- 
braun gefárbtem zersetztem Olivin ganz unveránderter Anorthit. Dieser Olivin- 
Corsit bildet das erste Úbergangselied in den Troktolit, welcher den Zwischenring 
bildet, der zwischen der Serpentinkuppe als Massiv der Ransker Waldkuppe und 
dem Corsitkranz eingeschaltet ist. Leider gestattet die mangelhafte Entblóssung 
nicht diesen allmáhligen Úbergane von Corsit in Troktolit, durch Austritt des 
 Amphiboles und endliche Verdrángung des Anorthites, deutlicher verfolgen zu 
kónnen, Unter dem Mikroskope zeigen kleinwinzige Brocken des Olivins (aus 
(einem anderen Handstůck), der táuschend an Serpentin erinnert, člerůne Farbe 
bei volliger Durchsichtigkeit und Frische. 


In dem Troktolite sind die Olivine nicht immer ganz frisch. 


| | Die schon erwáhnten zarten Stábchen, welche die Nebelflecken bilden, 


11 


162 


"T'roktolit. 


Unter diesem Namen kónnen olivinreiche Gesteine, die neben dem oft 


iberwuchernden Olivin noch Anorthit, Bronzit, Diallag oder nur eines dieser Mine- © 


ralien enthalten, bezeichnet werden. Die Umgránzung dieses Gesteinsbegriffes ist 
demnach keine genaue und wenn demselben allenfails auch ein anderer Name 
gegeben werden sollte, so wird dies von keinem Belange sein. Um dem Gestein 
einen kurzen und móoglichst passenden Namen zu geben, ist die Bezeichnung 
desselben als Troktolit zutreffend. 


Dieses Gestein bildet den zwischen dem Corsitringe und der Kuppe von 
Serpentin bei Ransko eingeschalteten Kranz, welcher beiderseits ohne scharfe 
Gránzen, nach aussen also in Corsit, nach innen in Serpentin sich allmáhlig 
umwandelt. Leider gestattet die nur unvollkommene Entblóssung der Gesteins- 
ausbisse in der Waldkuppe von Ransko nicht diese allmáhlige Umwandlung des 
Corsites in Troktolit durch Hinzutreten des Olivines, dann in Olivinfels, durch 
allmáhliges Zurůcktreten des Anorthites und Amphiboles und endlich in Serpentin, 
Schritt fůr Schritt zu verfolgen. 


Zwei Varietáten des Troktolites, der in mit Moos bewachsenen Blócken | 


im Walde vorkommt, welche hier untersucht wurden, stammen vom alten Wald- 


wege her, der vom Opočnohammer nach Peršikov fiihrt, vom Ransko-er Hochofen 


genau 2 km SW entfernt. 


Der Name Troktolit (Forellenstein) ist ganz passend fůr das Gestein, 


welches důstere, tief schmutzie rothbraune fleckige Farben besitzt; in der Tiefe, 
wo das Gestein gánzlich frisch anzutreffen wáre, důrfte die Farbe mehr ins Grůn- 
liche sich ándern. 

Die erste Varietát stammt aus jenem Theile des Troktolitkranzes, welcher 
etwas náher der Corsiteránze gerůckt ist. Das schmutzie braun gefárbte Gestein 
enthált róthliche Flecke und weisse schriftáhnliche Einsprengungen. Eine geschlit- 
fene Fláche zeigt das fleckige Aussehen deutlich. 


Im Důnnschliffe herrscht das Olivinmineral, eigentlich dessen Umwandlung 


bedeutend úber die andern Gemengtheile vor. 


Der Olivin ist jedoch nur mehr in kleinen Kórnchen von 1—,5*" Breite 


als Rest in einem netzfórmig sich verschlingenden Maschenwerk vorhanden, welches 
aus Serpentin, zu Šchniůren und Netzen angeháuften Kórnchen eines schwarzen 
Erzes, vielleicht Magnetit, dann kleinen ausgeschiedenen Nestern von nicht schup- 
pigem, sondern erdigem Haematit, aus Flecken und Schnůren von Limonit besteht. 


In dem zersetzten Olivin sind eingewachsen Erzkórner von guadratischem 
Ouerschnitt bis 1"% gross, vielleicht Magnetit oder Chromit, dann auch zerstreut 


auftretende Chloritschuppen bis zur Breite von 5, "*. 


Gróssere Kórner im Serpentin zeigen Spaltungsrisse in einer Richtung, 
ste důrften entweder dem Diallag oder Bronzit angehóren, was nicht sicher zu 
bestimmen ist. Die schriftartig verzogenen eingewachsenen Kórner von weisser 
Farbe sind zum gróssten Theil undurchsichtig getrůbt, demnach nicht mehr ganz 


163 


(tisch; dieselben werden aus dem Grunde fiir Anorthit gehalten, weil dieses Gestein 
(pe Úbergang mit Corsit verbunden ist. 


-n Eine zweite Probe dieses Gesteines náher den Serpentine entnommen, 
zeiet bei ebensolcher fleckiger Beschaffenheit der Oberfláche wieder vorherrschend 
7 zersetzten Olivin und das dem Diallag oder Bronzit áhnliche Mineral. Die frischen 
Olivinkórner als Rest des Minerales sind zersprungen, die Spriinge durch infiltrirten 
Limonit braun gefárbt, sonst aber stecken sie in dem Serpentinnetzwerk, in welchem 
die schwarzen Erzschnůre, die rothen und braunen Haematit- und Limonitanháu- 
fungen, dann die bis 1'/,*" langen Sáulen des augitáhnlichen, nicht náher deut- 
baren, wahrscheinlich auch nicht mehr frischen Minerales eingewachsen vorkommen. 
“ Chloritschuppen und guadratische schwarze Erzkórnchen kommen ausserdem noch 
7 m geringerer Menge zum Vorschein. 


Im beiden Fállen hat man es hier also nur mit einem schon hochgradig 
| umgewandelten Olivingestein zu thun. 


Klastische Gesteine. 


Von diesen wird nur eines derselben, námlich das als 


Diorittuff- Conglomerat 


auf der Karte ausgeschiedene hier erwáhnt. Das Gestein ist ein Tuffgestein des 
Chloritdioritaphanites, welcher kurz immer nur als Dioritaphanit bezeichnet wird. 
Es begleitet in máchtigen Schichtengliedern die kurzwee als Dioritaphanite bezeich- 
neten Gesteine und lásst sich parallel zur Richtung des Eisengebirges streichend von 
Krasnic, úber Litošic, Lhotka bis úber Urbanic, also in einem etwa 3/, Myrm. langem 
Zuge verfolgen. Es findet sich aber noch unter iúberlagernden jůngeren (Kreide- 
schichten) an andern Orten wie zwischen Přibylov bei Heřmanměstec und Kostelec, 
-Wo die Entblóssung das Gestein zu Tage kommen liess. Auch blosse hal 
tuffe finden sich vor; dieselben sind aber leicht, sowohl mit echten Aphaniten, 
welche nicht mehr ganz frisch sind, als auch mit aphanitischen Grauwackenschie- 
fen zu verwechseln. 


E Das tuffartige Bindemittel enthált mehr oder weniger bis faustgrosse Aphanit- 
gerólle, auch Ouarziterauwacke, Lydit, die sich theils berůhren, theils aber in 
spárlicherer Menge zum Vorschein kommen. Das Bindemittel, also der Aphanittuff 
hat je nach dessen Frische entweder eine graue Farbe und gewisse Ahnlichkeit 
mit frischem Aphanit, oder leckig grůneraue oder selbst blassgrůne Farbe, letztere 
im Zustande von schon weiter vorgeschrittener Zersetzung. Mehr zersetzte Grund- 
massen sind etwas porós oder kleinluckig, in den Hohlráumen bráunlich gefárbt. 
Die bráunlichen und stellenweise fleckenartig auftretenden anderen, meist graulichen 
11* 


164 


oder grůnlichen Farben růhren wahrscheinlich von zersetzten Mineralgemengtheilen 
her. Die etwas faulen Grundmassen sind matt, manchesmal mit erdigem Bruche. 

Dieses Trůmmergestein vom rechten Bachufer unter Kostelec, dessen Ge- 
rólle schon frůher (pag. 134) in der Gruppe der Chloritdioritaphanite eingereiht 
wurden, ist auch in der Grundmasse untersucht. Es wurde nur die anscheinend 
frischeste, graue sehr feinkórnige Masse, welche nur stellenweise kleine schmutzig 
orůnen Fleckchen zeigte, zu einem Diinnschliff hergerichtet, 

Die grůnlichen Stellen bestehen aus einer Anháufung von scharf begránzten 
Plagioklasrechtecken, deren gróssten die Breite von +" besitzen. Gewisse kleineren 
Rechtecke legen sich mit ihren Lángenseiten aneinander, jedoch so, dass sie an 
den Enden ůberragen, wodurch gewisse davon stufenfórmig vertieft sind. Die 
meisten Plagioklase zeigen im polarisirten Lichte wenig Zwillingsbánder; Schnitte, 
die angenáhert zu oo P © parallel gehen, also von breiter und von lang hexago- 
naler Form erscheinen, sind nur einfárbig. Die ziemlich lebhaften Farben im pola- 
risirten Lichte deuten auf wenig zersetzte Feldspathmasse hin, was auch die 
Durchsichtigkeit des Minerales bestátigt. 

Zwischen den Plagioklasrechtecken, welche wohl ein Gewirre bilden, in dem 
aber doch die Tendenz zu paralleler Anlagerung vieler Leisten ersichtlich ist, 
befindet sich das griůne Mineral, welches nach seiner Farbe und dem Dichroismušs, 
sowohl fůr Amphibol als auch fiir Chlorit gehalten werden kónnte. Es sprechen 
manche Grinde von Gewicht dafůr, es zu dem letzteren Minerale beizuzáhlen, wie 
dies auch bei der Deutung des Aphanites von Kostelec pag. 136 schon geschah. 

Die graue Masse im Tuffe besteht aus ebensolchen Plagioklasrechtecken, 
zwischen welche sich aber schwarzes Erz statt des Chlorites eindránet, stellenweise 
auch in Form von sehr zartem Štaub in die Plagioklase eindringt. Im ersteren 
Falle sind die Gránzen zwischen Erz und Plagioklas ganz scharf, wodurch der 
Unterschied der Farbe beider ein greller wird, was im letzteren Falle weniger 
auffallend ist. Nach der guadratischen Form der Staubkornchen zu urtheilen 
konnten dieselben auf Macgnetit bezogen werden. Zwischen den grůn und grau 
gefárbten Parthieen des Tuffes gibt es keine scharfen Gránzen, da in den mit 
Chloritstaub verbundenen Plagioklasen fleckenweise Gruppen von mit Magnetit 
getrennten Auerschnitten vorkommen. Flecken von Haematit sowie winzige Háufchen 
finden sich spárlich in der Grundmasse. 

Unter dem Mikroskope wáre der Tuff von dem frischen Aphanit auf keine 
Art zu unterscheiden; die Sicherstellung der Tuffnatur konnte nur nach den 
makroskopischen Verháltnissen stattfinden; ein neuerlicher Beleg, dass die Art 


der Bildung eines Gesteines unter dem Mikroskope nicht in allen Fállen zu 
ergrinden ist. 


II. 


Das Vorkommen von Mineralien im Eisengebirce. 


P An Mineralien ist das eigentliche Eisengebirge, sowie die sůdbohmische 
© Gneushochfláche, welche sich SW von dem Gebirge weiter ansteigend ausdehnt, 
-nicht reich. Nichtsdestoweniger sind manche Vorkommnisse, sowohl im Eisen- 
© gebirce, als in der siidbohmischen Gneushochfláche, insoweit sie auf der geolo- 
ischen Karte neben dem ersteren zur Darstellung gelangen konnte, erwáhnenswerth. 
- Natůrlicher Weise sind die Gemengtheile von Gesteinen nicht als Mineralien hier 
- aufgezáhlt, wenn sie nicht etwa unwesentlich in den Felsarten auftreter. 


| Die Mineralvorkommnisse kónnten je nach dem Vorkommen gruppirt 
werden in Mineralien aus der gescbichteten Gesteinen der Laurentin- und Silur- 
formation, aus Eruptivgesteinen und aus jingeren an's Eisengebirge sich anlehnenden 
© Schichten. 


| Mineralien der laurentinischen Gruppe des Eisengebirges. 
P? Es ist vornehmlich der Gneus, welcher wegen seiner Mineralien ein- 
M uossenden Lagerstátten in erster Reihe Beachtung verdient. Am reichsten sind 
| noch im Verháltniss zu andern Vorkommnissen solche Lagerstátten, die an die 
Náhe des krystallinischen Kalkes im Gneuse gebunden sind. In erster Reihe steht 
| das Mineralvorkommen bei Bojanov (Seč O, Nassaberg W), welches an die im 
| Gneuse vorkommenden Kalklagerstátten gebunden erscheint. 
É Der Gneus des rechten Ohebka(Chrudímka)-Ufers zwischen Bojanov und 
| Křižanovic ist zwisehen rothem und grauem Granit als máchtige Scholle ein- 
| gezwánet; seinen Textur ist eine derartige, dass er sowohl als Gneuseranit als 
-auch als Graniteneus aufgefasst werden konnte. Wegen des Vorkommens von 
Kalklagerstátten wurde hier die Benennung Granitgneus fůr den undeutlich schie- 
| frigen Biotiteneus, der nur dicke Bánke mit einem NO, jedoch auch SW oder W 
© Verfláchen bildet, angenommen. Wůrden die Kalldsbrstůstéh fehlen, so wáre die 
Entscheidung ob das Gestein Gneusgranit oder Granitgneus sei, eloviořiá zu treffen. 


| 


166 


Von Chlum (O Bojanov) angefangen finden sich in dem Granitgneuse. 
Kalklagerstátten von kurzer Ausdehnung dem Štreichen nach, in der Richtung 
von NO gegen SW auf die Lánge von 2 km. Sámmtliche kurze Kalklager stellen 
sich als stufenfórmig abgerissene in dieser Richtung hinter einander folgende oft 
weit entfernte Reste einer ursprůnelichen Lagerstátte dar; das Streichen derselben 
geht vorwiegend von NNW nach 980. Solcher einzelner Kalk-Lagerůberreste 
kennt man viel mehr als 6, die meisten sind aber nicht mehr erkennbar, da die 
darauf bestandenen Gruben schon seit Dezennien verlassen und mit Wald bewachsen 
sind. Nur ein einziger Bruch gestattet noch, sich úber das Vorkommen des Kalkes 
nur eine theilweise Vorstellung zu machen. W von Polanka, wo der Granitgneus. 
nach etwa 19: mit 609 verflácht, folot die Dehetníkschlucht mit dem entgegen- 
gesetzten Einfallen der Graniteneusbánke. Hier ist im rechten Gehánge im oberen 
Theile der Schlucht, nicht weit vom rechten Ufer des Báchleins ein Bruch auf 
krystallinischen Kalk noch theilweise offen, obwohl er schon lange verlassen dasteht. 
Diese Stelle in der Dehetníker Schlucht ist 750 Schritt W von Polanka, oder 
genau 1:6 km SSO von Bojanov oder */„ km vom bewaldeten Ende der Schlucht, 
bachaufwárts situirt. Im Dehetník bei Polanka also verfiáchen die Granit- 
gneusbánke etwa nach 2"/," mit 609 und dazwischen ist ein mehrere Decimeter 
máchtiges (kaum 1") Lager von mittelkrystallinischem Kalke aufgeschlossen. Der: 
Lagercharakter wird hier nur desshalb angenommen, um die parallele Lagerung. 
desselben mit den Granitgneusbánken anzudeuten; die Entblóssung ist keine der- 
artige, um mit volliger Sicherheit diese Behauptung aufrecht erhalten zu kónnen.““) 
Das sogenannte Lager ist nur auf kurze Entfernung dem Streichen nach bekannt, 
(rund 10"), inzwischen verworfen, durch weisse, zertrimmerte bis */„" máchtige 
Graniteánge durchsetzt; es setzt gegen S plótzlich an einem weissen nicht máchtigen © 
Granitgange ab und erscheint erst wieder in bedeutender Entfernng vorworfen in 
der linken Lehne. Der krystallinische weisse, in důnnen Scherben durchscheinende 
Kalk hat bis erbsengrosse Kórner und ist ziemlich rein, die Spaltungsfláchen 
zeigen oft zahlreiche Zwillingsstreifung nach —'/, R. 

Das Dehetníker Lager ist wegen der Verwerfungen, an denen der weisse 
Granit, der den Granitgneus in bis meter- und noch bedeutend máchtigeren Gángen 
und Trimmern durchsetzt, so hervorragend Theil nimmt, eine reiche Lagerstátte 
von sogenannten Contactmineralien, deren ursprůnglicher Sitz, weil dieselben theil- © 
weise nur von der Halde stammen nicht immer mit der wiinschenswerthen Sicher- 
heit bekannt ist. 

Im kórnigen Kalke sind Kliůfte, die in der Mitte offen erscheinen, bis zu 
8—4 auf beiden Seiten von dem Kluftrisse von kleinkórnigstahligem Amphibol 
(Actinolit) eingefasst, welcher vom kórnigen Kalk nicht ganz scharf getrennt ist. 
Der verworren kurzfasrige, stellenweise blass lauchorůn gefárbte Actinolit ist an 
den Kanten stark durchscheinend und wůrde, falls er etwas weniges kleinkórniger 
zusammencesetzt wáre, ein Mittelding zwischen kórnigstengligem Amphibol und 
zwischen dichtem Nephrit vorstellen. Nur ist-er nicht so záhe. Wo die Kluft 
frei ausgebildet ist, erscheinen kurze diinne Stengel von Amphibol in liegender 
Stellung auf derselben. Solche Klůfte sind aber meist mit jingeren Mineralien 
bedeckt, so allenfalls mit 


167 


Albit. Derselbe ist beinahe durchsichtieg, nur schwach graulich gefárbt 
J und nahezu mit den Fláchen oo P o angewachsen, indem er Drusen bildet, deren 
| Krystalle parallel orientirt sind. Die gróssten Krystalle, aus wenigen kleineren 
aufgebaut, haben ganz das Aussehen von Adularen und erreichen Lángen bis zu 
1 em bei einer Breite von mehr als 1%. Die Fláchencombinationen sind: 

oo'P. 00 P/. 0P. o Po oder o0/P. © P".0P. oP. 2P mw.. Po. oP3'. 
Parallel zu oP zeigt sich Schalenbildung bei gewissen kleineren Krystallen. Die 
1 Fláchen oo/P. ooFP“ zeigen schwache verticale Streifung, oP aber entweder flache 
( Zwillingsrinnen oder Zwillingsstreifung. Ohne diese Streifung kónnten die Gruppen 
L oder einfachen Krystalle leicht mit Adular verwechselt werden. 


/ 

Auf dem kleinkrystallinischen, grobfasrigen, blassgrůnlichen Amphibol 
| (Actinolit), welcher die Albitkrystalle trágt, sind kleine, hóchstens 1'/,"" dicke 
( kurze Sáulen von Apatit der Form o P. oP, als Gruppenkrystalle entwickelt, 
blass berggrůn gefárbt, beobachtet worden. 


Auf ebensolchen finger- bis zweifingerdicken Unterlagen von kórnig fein- 
 stengligem Amphibol oder einem Gemenge der kurzen Actinolitnadeln mit Calcit 
findet sich auch Pyroxen (Diopsid). 
M Der Diopsid bildet lichtgrůnliche oder graulichweisse, an den Kanten durch- 

scheinende grosskrystallinische Parthieen zugleich mit verworren bis radial diůnn- 
stengligem Amphibol (Actinolit), der den Raum zwischen den Pyroxenindividuen 
| einnimmt. Dazwischen stecken auch gróssere spáthige Calcite mit zarter Zwillings- 
riefung nach —'/„R und halber Durchsichtigkeit. Der Actinolit hat einen etwas 
bedeutenderen Glanz wie die grossspáthigen, weniger glánzenden Diopsidfláchen. 
Selbst lange Stengel bis úber Decimeterlange und mehr als Fingerbreite, welche 
deutliche Individualisirung zeigen, finden sich vor. 


| 
| 


Diese individualisirten Diopsidaggrecate lassen, wenn sie deutlich zum 
Vorschein kommen, eine recht gute Spaltungsrichtung nach oPo, die einen 
schwachen Perlmutterglanz zeigt, erkennen. Doch ercibt sich bei náherer Be- 
obachtung dieser Fláchen, dass sie weniger als Spaltungsrichtungen, vielmehr als 
weniger vollkommene Schalenbildung nach « Pow, theilweise aber auch als 
Zwillingszusammensetzungsfláche (oo Po fzu deuten ist. Diese Fláche zeigt sich 
nebstdem stark horizontal gestrichelt und zwar in Abstánden von etwa '/„""“ im 
„Mittel. „Dieser Strichelung nach ist das Mineral ebenfalls theilbar und erweiset 
sich diese Theilbarkeit als Folge der Schalenbildung nach oP. Weil ein jeder 
die Schalen, von der durchschnittlichen Dicke von '/, bis etwas úber 1"", trennende 
Strich eine, wiewohl geringe aber doch bemerkbare Dicke besitzt, so liegt dle 
M zmuthung nahe, ob nicht die Schalentextur nach oP etwa durch verwendete 
Ausserst důnne Pyroxenlamelien bedingt ist. Úbrigens ist die Schalenbildung nach 
oP beim Diopsid schon bekannt, demnach hier nicht zum erstenmale erwáhnt. **) 

Der Winkel oP und oP betrágt 1059 30" was dem Winkel C im mono- 
symetrischen Systeme von 749 30" (bei Pyroxen ist C — 74? 11") entspricht. Da 
die Fláchen oP und oP nur ganz wenig spiegeln, demnach nur unter dem 
Mikroskope gemessen werden konnten, so ergibt sich die durch die Messmethode 
bedingte geringe Differenz der Winkelangaben. 


ya 


——————— P S O, 


168 


An einem Individuum, welches nach der Fláche oP, die hier die Juxta- 


positionsfláche eines Zwillinges vorstellt, gespalten ist, von dér die schaligen Lam- 
mellen oP beiderseits abfallen, indem sie in dieser Fláche sich treffen, lásst sich der 
Winkel, den sie mitsammen einschliessen, mit 1499 bestimmen. Úm nun úber die 


Diopsidnatur des Minerales die vollige Úberzeugung zu gewinnen, wurde es vor © 


dem Lóthrohr versucht; dann dessen spec. Gew. mit 31992 (aus 1:11 G) bestimmt 
und endlich die unvollstándige Analyse desselben ermittelt, welche ergab: 


BIO, S01 15 
CaO 20:24 
Mg0 18:15 


Der zu 100 fehlende Rest von etwa 3%,9, důrfte den nicht bestimmten 
Glůhverlust, Fe- und vielleicht auch Spuren von Alverbindungen vorstellen. 

Der Diopsid zeigt verměge seiner lammellar-schaligen Zusammensetzung 
nach oP und auch, wiewohl etwas weniger deutlich, nach oo Po die vollkommene 
Spaltbarkeit nach coo P nur in solchen Individuen, welche weniger deutlich schalig 


sind. Es verhindert demnach die lammellar schalige Zusammensetzung die Hervor- 


bringung von Spaltungsfláchen nach coo P bedeutend. 


Einige Diopsidindividuen bestehen in gewissen Theilen ihrer Masse, meist 


am Rande aus grůnlichen oder auch weissen, feinen parallelen dicken Fasern von — 
(. . 0. . - Ů " 
etwas anderem, námlich stárkerem Glanze. Es ist dies eine anfangende Pseudo- 


morphose das Diopsides in Tremolit, die vom Rande gegen den Kern fortschreitet; 
die Tremolitnadeln behaupten die Richtung der Hauptachse des Diopsides. 


Es scheint der Diopsid in áhnlichen Klůften vorzukommen, wie der Albit, 
oder mindestens in aderfórmigen Nestern, námlich auf der kornigfaserigen Actinolit 
oder Tremolitunterlage. | 

Mit dem Diopsid, háufiger noch in Nestern im kórnigen Kalke, welcher 
an solchen Stellen auch mit dem Tremolit (Actinolitnádelchen) durchdrungen ist, 
oder auch knapp an der Gránze mit dem weissen Granit finden sich Nester von 
grobspáthigem 

Skapolith. Derselbe tritt demnach meist in Contactnestern in derben 
bis kopferossen Stůcken auf, welche von schwach gelblichgraugrůn gefárbtem kór- 
nigem Kalke bis in fingerdicken Lagen begleitet werden. Die grobkrystallinischen 
bis langgezogenen undeutlichen Sáulen des Skapolithes sind an den Spaltungsfláchen 
schwach rissig, der Durchscheinheit, dem Glanze nach, ganz dem Skapolit áhnlich 
und nicht mit kórnigem Orthoklas, welcher ebenfalls Nester bildet zu verwechsein. 
Die angewitterte Oberfláche des Skapolithes, ist in Bruchstůcken, welche lange an 
Luft lagen, etwas getrůbt, undurchsichtig. 


Der Skapolith ist hier keinesweos selten, trotzdem dass er in Bohmen zum 
erstenmale nachgewiesen worden ist. Vor dem Lóthrohr schmelzen kleine Splitter 
unter Aufscháumen zu einer durchsichtigen Perle. Die Hárte ist 5',; das specif. 
Gew. 26945 (mit "969g bestimmt). Im Wasser entwickelt das Mineral eine bedeu- 
tende Mence von Luftbláschen. 

Dieses Vorkommen des Skapolithes im kórnigen Kalke als Contactmineral 
stimmt mit dem Auftreten dieses Minerales an andern Orten úberein. 


169 


Orthoklas bildet Nester von krystallinischem Gefiige mit oder ohne 


! Skapolith als Gránzmineral. In denselben ist manchesmal auch lauchgrůner Talk 
v in Krystallen zu finden, wie derselbe spáter beschrieben werden wird. Ein Theil 


' Ouarz findet sich als Gránzmineral zwischen den durchsetzenden weissen 
M Granitgángen und dem kórnigen Kalk, oder zwischen Kalk und Granitgneus. Er 
|| ist derb, weiss und durchscheinend ; enthált auch Tafeln von blasslauchgrůnem Talk. 
| Rhodonit. In den krystallinischen weissen Orthoklasnestern wurden 
| als Seltenheit kleine mehr als mohngrosse Kórner dieses Minerales eingewachsen 
| jE den. 

| Granat (Grossular). Als Seltenheit auf dem verworren kurzfaserigen 
 Amphibol (Actinolit) in Begleitung mit den vorerwáhnten Mineralien, in dessen 
» Klůften er in kleinen gelblichbraungrůnen Krystallen oo 0 aufgewachsen ist. 

E pidot in grossspáthigem zwillingsartig gestreiftem Calcit, am Contacte 
W mit dem weissen Granit und dem kórnigen Kalk oder im Orthoklas oder Ska- 
„polith, wie wohl seltener eingewachsen, ist nur in guergebrochenen Krystallen von 
J 1—2"" Breite bekannt. Im Bruche muschlig, diamantartig glasglánzend, die Be- 
; gránzungen nur den Fláchen oP, — Poo, w Pow entsprechend. Die dunkelpista- 
1 Ciengrůne Farbe, der Glanz und das Verhalten vor dem Lóthrohr lassen dieses 
„ hier so seltene Mineral erkennen. 

| Im Skapolith findet sich Titanit in kleinen bis 1% langen und */, 
| breiten Krystallen eingewachsen, doch sind die kleinen Krystalle viel háufiger als 
© die grossen, welche ihrer Grósse nach an die Krystalle von Arendal erinnern. Die 
| braunen glánzenden Krystalle zejgen die Fláchen *;P2. oP. Poe. 

Im kórnigen Kalke fand sich, jedoch nur ein einziges Mal, demnach als 
| Seltenheit, ein eingewachsenes zerbrochenes Individuum von Columbit von den 
- Fláchen o P o deutlich, aber vielleicht auch von oo P begránzt, vor. Im Auer- 
bruche ist der beinahe eisenschwarze, ganz schwach bráunliche, halb metallisch 
glánzende undurchsichtice Columbit von kirschrothem Strich und von der Hárte 6. 
Vor dem Lóthrohr wird das Mineral nicht magnetisch, ist unschmelzbar und gibt 
eine sehr deutliche Manganreaction. Mehr Proben konnten nicht angestellt werden. 
Das als Columbit erkannte Mineral ist das erste Vorkommen in Bóhmen. 39) Wegen 
-des verháltnissmássig reichlichen Mitvorkommens von Titanit ist dessen Vorhanden- 
sein nicht aussergewohnlich. Ausser diesen Mineralien kommen in der Dehetníker 
„Schlucht noch andere vor, welche sich der genauen Bestimmung entziehen. 


So werden manche Skapolithe von Aderu eines dem edlen Serpentin 
áhnlichen durchscheinenden schwefelgelben Minerales durchzogen. Kórnige Amphi- 
bole und Kalke durchziehen an den Kanten stark durchscheinende Trůmmer, 
welche blass schmutziggrůnlich ebenfalls an edlen Serpentin erinnern, die sich 
aber fettig anfůhlen und durch den Fingernagel ritzen lassen, vielleicht deuten 
sie auf dichten Talk (Steatit) oder Kaolin (Steinmark), wiewohl sie auch an manche 
Pseudophyte (von Markirchen in den Vogesen) erinnern. Ohne genaue Unter- 
suchungen, zu welchen es an reinem Materiale gebricht, lassen sich derartige 
Mineralien nicht immer bestimmen. Das Mineral ist vor dem Lóthrohr schwer 


170 


schmelzbar, demnach vielleicht auch ein nicht homogenes Mineral, etwa Talk mit 
irgend einer andern Beimengung. 

In weissem kórnigen Kalke erscheinen Adern eines dichten gelblicherauen, © 
gewiss aus dem Kalkstein durch Impraegnation entstandenen Minerales, von Kalk 
nicht ganz scharf getrennt, in welchem kleine Kórner von blass honiggelber Farbe, 
mattem Glanze im dichten Bruche und geringer Hárte, eingewachsen erscheinen. 
Diese Kórner entziehen sich, ihrer geringen Menge wegen, der náheren Unter- 
suchung, machen aber den Eindruck, als wáren sie bei ihrer ganz geringen Hárte 
Pseudomorphosen vielleicht von Talk oder einem Thon nach Chondrodit oder Augit. 
Die Begrůndung wird spáter bei der Erwáhnung der Mineralien des Kalklagers 
von Rychnov bei Krouna folgen. 

Die alten bewachsenen Gruben auf Theile des Kalklagers im Walde Ochoz, 
500 Schritte W von Chlum, im Gehánge am rechten Ohebkaufer, důrften áhnliche 
Verháltnisse wie der Dehetníker Bruch gezeigt haben. Auch hier sind die Gánge 
des weissen Granites háufig, an denen die Lagertheile plótzlich absetzen. 

Ouarz als Contactbildung fůhrt hier eingewachsen důnne unrein licht 
orůnlicherau gefárbte hexagonale Tafeln von Talk, wie derselbe schon vordem, 
jedoch in kleineren dickeren Tafeln erwáhnt worden ist. Die bis 2«%“ Durchmesser 
besitzenden Tafeln sind eben oder etwas gebogen, auf der oP Fláche auch un- 
bedeutend runzlig. Der Talk ist wenig, aber deutlich optisch zweiachsig. 

Nester von Skapolith, umgeben von dem mit Tremolit durchzogenen gelblich- 
grůnen Kalke und mit serpentináhnlichen Kórnchen finden sich auch hier háufig. 

In eben einer solchen Scholle von Granitgneus der Třemošnicer Schlucht 
(in welcher das Eisenwerk Hedwigsthal liegt), deren linksseitige obere Nebenschlucht 
Peklo heisst,*“) ist nahe unter der Peklomiihle, etwa 500 Schritt darunter (W 
Kraskov) im rechten Gehánge ein kórniger Kalk bekannt, dessen Fortsetzung gegen 
NW am einen nicht bedeutend máchtigen Gang von rothem Granit plótzlich absetzt. 
Auch durch weniger bedeutende Granitgánge ist der in seiner Lagerung gestorte 
kórnige Kalk durchsetzt. Die Lagerstátte scheint ein Lager zu sein, wiewohl die 
Aufschlůsse noch geringen Zweifeln Raum lassen. In den Granitgingen sind auch 
mit Biotit umhůllte Kalk- und Skapolithnester anzutreffen. Das Verfláchen des Lagers, 
dessen Máchtigkeit bis zu 1'/;"“ ja sogar zu 3“ anschwillt, wechselt von 22" bis 
24"/,» mit 20—409. Es ist nur in der Mitte rein weiss, nur mit grůnlichen 
Streifen; "/„“ vom Hangenden und Liegenden aber grůnlich gefárbt durch Serpentin 
oder Actinolitimpraegnationen. Der kórnige Kalk wird durch fingerdicke Adern von 
verworren  kórnig-kurzfaserigem Actinolit von graulich-grůner Farbe oder mit 
Tremolit von lichterer Farbe durchsetzt. Sowohl in diesen Adern als auch am 
Contacte mit dem Nebengestein finden sich Skapolith; die Kliftchen erscheinen 
mit schwachen Úberzůgen eines serpentinarticen Minerales úberzogen. Im derben 
Skapolith sind auch kleine Titanitkrystalle eingewachsen. 

Das Vorkommen von Skapolith erinnert an die Mineralfundorter bei Bojanov. 

Im důnnplattigen Glim merschiefer und seinen Úbergángen in Amphibol- 
schiefer finden sich nur kleine Granatkórnchen in der Umgebung von Podhořan. In 
den Gneusglimmerschiefern W von Mrákotín (zwischen Skuč und Hlinsko auf der 
Karte als Glimmerschiefer aufgetragen) kommen gleichfalls kleine Granatkórner vor. 


171 


V Im OS Fusse der Železné hory sind meist zahlreiche Baue auf Gánge und 
| Trůmmer von Limonit zwischen Licoměřic bis Chvalovic (Žlebské Chv. NO 
- Ronov) im Betrieb gewesen. Bei Licoměřic entweder in faulem Glimmerschiefer 
- oder Phyllit-Glimmerschiefer oder Amphibolitschiefer, was nicht immer nach alten 
Pingen genau zu entnehmen ist; bei Chvalovic in einem faulen Gesteine, welches 
nicht mehr deutbar ist und das zersetzter Amphibolit oder Diorit sein kónnte, 
in Amphibolschiefer. Die Limonite důrften Ganotrůmmer oder Gangnester als 
“ Rasenláufer vorgestellt haben; ob dieselben vielleicht der Ausbiss von Magnetit- 
 trůmmern bilden, kann, weil der Bergbau zum Erliegen kam, nicht behauptet werden, 
7 wo nur Vermuthungen nach den an den Halden vorfindlichen Gesteinen gestattet 
© sind. Die am spátesten zum Erliegen gekommenen Stollenbaue sind knapp bei 
Chvalovic nahe úber der Gránze des schiefrigen Amphibolgneuses und Amphibol- 
schiefers úber der Kreidestufe, die sich an den Fuss des steilen Abhanges anlehnt. 


Bei Licoměřic finden sich auch Auarznester von kleinkrystallinischer Textur 
mit dem dichten Limonit, der hier nesterfórmig vorzukommen scheint. *“) 
In den laurentinischen Gesteinen, welche das Eisengebirge in der Náhe des 
„ bohmisch-máhrischen Gebirges zusammensetzen, finden sich nur wenige beachtens- 
| - werthe Mineralien; so allenfalls im S Theile des Dorfes Krouna (Hlinsko O), wo 
k nicht weit von den sůdlichsten Hůtten des Dorfes in einem Biotitgneuse mit aus- 
- geschiedenen weissen Orthoklasaugen Biotitglimmerschiefer wechsellagert, in dessen 
Wtottarmeren granulitáhnlichen Varietáten grůne Schuppen von Muscovit (Fuchsit) 
| und braunschwarze Tur ma linsáulchen vorkoramen. Das Verfláchen dieser Schichten 
© hier ist gegen 22" mit 30" gerichtet. 
| Zwischen Krouna und Rychnov, jedoch náher zu Rychnov kommen im 
kleinkórnigen Biotiteneus mit weissen Kórnern von Orthoklas (Augengneus), der 
nach 17%/," mit 459 verflácht, viele schwache, hóchstens etwa 1" máchtige Lager 
und lenticuláre Nester von kórnigem weissem Kalke vor, welcher vielfach verworfen 
ist und durch zahlreiche weisse aplitische oder kleinkornige, echte, wenig máchtige 
Graniteánge durchsetzt und ebenfalls verworfen wird. Nur wenig máchtige Gneus- 
schichten trennen stellenweise die Kalklager. 

In dem kórnigen Kalke kommt stellenweise ein schuppiges oder grůnliches 
dichtes durchscheinendes Mineral vor, welches als Talk zu deuten wáre theils in 
Nestern, theils in Klůftchen. Ebenso sind auch Klůfte im Gneus durch grůnliche 

- Steatitůberzůce gefárbt, wie auch in den Graniten manche Orthoklase grůnlich 
$ gefárbt sind, als wenn eine anfangende Pseudomorphose in Steatit vorliegen wůrde.**) 
Ausserdem finden sich bis beinahe erbensgrosse Kórner von blass honig- 
gelber und grauschwarzer Farbe, dichter Textur und der Hárte von 1—1'/, im 
kórnigen Kalke, welche als irgend eine Pseudomorphose nach Augit oder Chondrodit 
zu deuten wáren. Dieselben verlieren im Kólbchen Wasser, werden dabei schwarz, 
brennen sich unter Leuchten weiss ohne zu schmelzen und enthalten kein Al,0,. 
Winzige Psilomelandendrite sind im Kalke háufig. 
In dem kórnigen Kalklager, von 8" Máchtigkeit und NOVerfláchen, von 
Javorka im Eisengebirge (O Bestvín), dessen Liegendes weiss, das Hangende aber 
graphitisch, dunkel gefárbt ist, erscheinen im Liegenden gleichfalls Serpentinnester. 


172 


In dem unter Rychnov liegenden Biotit-Muscovitgneuszugse kommen in 
Ruda bei Pustá Kamenice (bei Čachnov NNO Svratka) in ganz untergeordneten 
Amphibolitschiefern Magnetitanháufungen und Nester vor. *“) 

Ebenso wird Magnetit in Einsprengungen im Amphibolitschiefer bei Stru- 
žinec (SW Hlinsko) angefůhrt, wo bei dem Hegerhause vor 20 Jahren noch Schůr- 
fungen bestanden. Es heisst auch das Hegerhaus „u Rudy“. 

In der Hodonínerschlucht, die oberhalb der Peklomůhle in die Ohebka- 
schlucht můndet, finden sich W von Nassaberg in der Náhe des Weges nach 
Bohmisch-Lhotic in der Thalschlucht in einer kleinen Gneusscholle, welche im 
grauen Granit oder Diorit eingeschlossen ist, kurze Gangtrimmer von Limonit 
von kaum bauwůrdiger Máchtigkeit. Die kurzen Nesterchen und Gangtrůmchen 
von dichtem Limonit in dem ganz faulen Gneuse scheinen auch nur Rasenláufer 
zu sein und moglicher Weise ebenfalls an der Gránze von schiefrigem Diorit oder 
Nestern von Amphibolit mit Granit vorzukommen. Sie důrften den in Dioriten 
eigenthůmlichen Pyriten, die sich gánzlich zersetzt haben, den Ursprung verdanken. 
Eine deutliche Entblóssune in dem vielfachen Wechsel von Gesteinen fehlt, desshalb 
náhere Angaben ber die Lagerungsverháltnisse unzulássig erscheinen um so mehr 
als der Stollen des Versuchsbaues verbrochen ist. 

In den Gesteinen im Liegenden des Eisengebirges also SW von demselben © 
ist vornehmlich Granat ein sehr gemeiner accesorischer Gemengtheil in manchen 
Gesteinen. 

In den schiefrigen Biotitgneusen, welche sich als niedrige Klippen aus der 
Kreideniederung von Zbislav SO gegen Loučic (ONO Časlau) hinziehen, erscheinen 
ganz untergeordnet biotitarme Parthieen, oder Schichten von Muscovitgneus, oder 
Turmalingneus ganz untergeordnet eingelagert. Die schiefrigen Biotitgneuse mit 
oder ohne kurze Auarz- oder weissen Orthoklasflasern fůhren in grosser Zahl bis 
eigrosse colombin- bis colombinrosenroth gefárbte Granatkórner (Almandine). Zu- 
weilen sind die Almandine schalig oder auch kórnig zusammengesetzt mit etwas 
Orthoklas durchwachsen, háufig aber mit einer důnnen Orthoklasrinde umhůllt. 

In dem ganzen Zuge Zbislav-Chotěboř sind Granate in Gneusen háufig, 
so dass eine Aufzáhlung der einzelnen Fundstátten zu weitláufig wáre. 

Reichlich sind bis nussgrosse colombinrothe Granate in dem Biotitgneus 
und dem schiefrigen Muscoviteneus S und SW von Ronov; noch zahlreicher treten 
bis mehr als wallnussgrosse Granatkórner aber im Amphibolgneus zwischen Ronov 
und Mladotic zum Vorschein. 

Ebenso finden sie sich auch im Granitgneus von Staré dvory bei Lichnice. 

Im Amphibolschiefer von Markovic (NW Žleb), sowie auch im Zuge dieses 
Schiefers (auch Amphibolgneus) von Kněžic gegen Moravan, dann bei Zvěstovic 
sind Epidot-Ausscheidungen in Kórnern und kurzen Sáulen so háufig, dass die 
Bezeichnung dieser Schiefer als Epidotamphibolschiefer cerechtfertiot wáre. Bei 
Markovic finden sich in denselben ausserdem noch gróssere nesterfórmige bis mehr 
als ingerdicke Ausscheidungen von weissem Orthoklas. 

In dem Biotit-Amphibolgneus von grobstengliger Textur, der nach 6%,* 
mit 58 verflácht, in der Umgebung von Borová sind winzige Pyrrhotinkórnchen 
bis zu erbsengrossen Aggregaten angeháuft; mit denselben treten ganz spárlich 


173 


| auch Chalkopyritkórnchen, die jedoch erst unter der Loupe. sichtbar sind, auf. 
| Vornehmlich in dem Hůgel S von Borová, auf dem die Kirche steht, zeigt das 
| Gestein die vorerwáhnten Impraegnationen. 

| Sůdlicher bis zur Sázava (bei Přibyslav) zeigen biotitreichere Gneuse 
wiederum zahlreiche Granatkórner. 

In dem Biotiteneus von grobflasriger Textur bei Svratka und Svratouch 
finden sich kurze Gangnester von durchsichtigem Rauchauarze. 

In der Umgebung von Golčův Jeníkov vornehmlich gegen Siden bis Le- 
štinka und Nové dvory finden sich oberfláchlich viele Brocken von wasserhellem 
1 Onarz (Bergkrystall) oder von blass rauchgrauem durchsichtigem Auarze, an denen 
noch theilweise blass fleischrothe Orthoklasbruchstiůcke oder spárliche gróssere 
Schuppen von Biotit haften. Diese durchsichtigen Auarze stammen sámmtlich aus 
schwachen Gángen von Pegmatit, die den biotitreichen Gneus durchsetzen oder in 
Nesterform auch ausgebildet sind. 
jb Ahnliche Rauchguarze finden sich aber auch an andern Orten wie nahe 
-der Sázava, allenfalls bei Kácov recht háufig, was jedoch schon weit aus unserem 
Gebiete fállt. 

Ouarze in lenticuláren Nestern sind in dem flasrigen Biotitgneuse oder 
om dem Glimmerschiefergneuse SW vom Eisengebirge in dem S90 bohmischen 
- Gneusplateau háufig. Die scharfkantigen Brocken gemeinen Auarzes, welche stellen- 
-Weise in den Feldern auf dem Gneusgrunde so háufig sind, stammen aus diesen 
E: Nestern. 


ZRD U ",, BŘE ZSE: oto m —— 


Auch Turmalin in recht ansehnlichen bis fingerdicken Krystallen bildet 
einen háufigen Gemengtheil des Gneuses vornehmlich, wenn er etwas Muscovit 
- enthált. Auffállig ist die Menge des Turmalines in jenen festen schuppigen Mus- 
-= coviteneusen, welche gróssere Kuppen von granitáhnlichem Aussehen bilden, wie 
© die Bláníkkuppen bei Louňovic u. s. w. Eine solche Kuppe aus schuppigem Mus- 
coviteneus, der áhnlich wie Granit in dicke Bánke zerfállt, ist die Tisí skála 
zwischen Časlau und Golčův Jeníkov, in welcher der Turmalin recht háufig ist. 

Indessen durchsetzen den Gneus SW vom Eisengebirce háufig auch Tur- 
malinpegmatite, deren Bruchstůcke sich an allen Feldwegen finden. 
| In dem Biotitgneus n. zw. in der flasrigen und biotitreichen Varietát des- 
- selben findet sich zwischen Borek und Kraborovic SO Vilímov, nahe sůdlich von 
© der Hauptstrasse ein Lagerstock von Serpentin, der úber 100“ Máchtigkeit besitzt, 
- steil nach 2%/," wie der Gneus beinahe saiger verdácht und deutlich bankfórmig 
p“ abgesondert ist. Die Bánke gehen parallel zur Schichtung des Gneuses. 

Das Liegende des Serpentinlagerstockes ist Eklogit, das Hangende bildet 
Amphibolschiefer. Accessorisch finden sich im Serpentin Kórner von zu Phaestin 
umgewandeltem Bronzit; die Kliifte desselben sind durch weisse Magnetitanflůge 
ausgefůllt. 

p a In den Biotitgneusen, die nach 5,—6', mit 80—175“ verfláchen, finden 
sich auch kleinere gangfórmige Nester von Serpentin: so bei der Brůcke (Bráu- 
haus) NW von Borová im rechten Bachufer, wo dieses Gestein mit eingewachsenen 
Kórnern von Bronzit und Pyrop auf viele Schritte Lánge zum Vorschein 
kommt, dann irgendwo im N Gehánge der Žáková hora (A 809" schon in Máhren) 


174 


S von Heralec in Form eines Stockes in den Wiesen des flacheren Gehánges. 
Dieser Šerpentin von schmutzig graugrůner Farbe und sehr feinkorniger Textur 
ist schon ausserhalb des geologisch colorirten Bereiches der Karte.““) 

Bei der Můhle von Stany (SW Hlinsko) kommen in Gneusen und schiclů 
rigen Felsitporphyren bis armdicke Auarznester mit kleinstengligen und verworren 
dickfasrigen Aggregaten von schwarzem Turmalin vor. 


s 


Mineralien der geschichteten Gesteine der silurischen Gesteine des 
Eisengebirges. 


In den Silurschichten des eigentlichen Eisengebirges, in welchem diese 
Gesteine bis gegen Slatiňan zu im Zusammenhange auftreten, finden sich ins- 
besondere zwischen Bumbalka und W Litošic in den schwarzen phyllitáhnlichen 
Thonschiefern der cambrischen Etage A lenticuláre Lager von weissem dichtem 
oder feinkórnigem Guarz von solcher Ausdehnung, dass sie selbst auf der Karte © 
aufgetragen werden kónnen. Lenticuláre Ouarznester von geringerer Grósse sind © 
aber, ebenso wie Trimmer und Schniire, sowohl in Grauwacken als auch Grau- 
wackenschiefern, Thonschiefern Ouarziten, so háufig, dass dieselben nicht besonders 
erwáhnt werden kónnen. In einem bedeutenden solchen nesterfórmigen Auarzlager — 
genau W, etwa 100—200 Schritte von Vápenka (bei Semtěš), welches wahrscheinlich 
in schwarzem cambrischen Thonschiefer A oder am Contact desselben mit Granit © 
eingelagert ist, finden sich Adern und kurze bis fingerdicke Nester von klein- © 
kórnigem derbem Arsenopyrit, welche unter dem Rasen etwas graulich an- 
gelaufen sind und in Klůftchen mit Anfliigen von blassgrůnlich gefárbtem Arsenit 
úberzogen erscheinen. 

In denselben Thonschiefern der Etage A sind Pyritimpraegnationen recht 
háufig; durch theilweise Zersetzung der Pyrite werden die schwarzen Phyllite 
brócklig, zu Alaunschiefer verwandelt, sind mit braunen oder citronengelben schwa- 
chen Krusten úberzogen wie O von Vinařic (Fig. 3, O von Vinařic bei Stange 225). 
Anháufungen von Pyritkórnern oder Krystallen in Form von kurzen Nestern oder 
den Schichten nach gehenden Impraegnationsschnůrchen wurden in diesen Gesteinen 
vielfach beschůrft und auch theilweise versuchsweise abgebaut: so in der Schlucht, 
welche N von Licoměřic ausmůndet, zwischen der Můndung derselben und den 
verlassenen Kalkgruben daselbst etwas tiefer unter denselben, im linken Gehánge 
genau NNO von Licoměřic etwa 550—600* entfernt. Die schwarzen Thonschiefer 
zeigen am Ausbisse braune Limonitfárbungen. Im Walde Stráček NW von dem 
Jágerhause bei Zbislavec ist in der Bachsohle Pyrit in Ouarznestern ebendesselben 
Thonschiefers A in Kórnern eingewachsen. Sonst sind andere Fundórter nicht 
erwáhnenswerth. 

Aber auch in den phyllitáhnlichen schwarzen Thonschiefern der Etage Ddy, 
welche durch die Citkover, Podol-Prachovic-Kostelecer, und andere Schluchten 
entblósst sind, zeigen sich Spuren von einstiger reichlicher Anwesenheit von ein- 
gewachsenen Pyritkrystallen der Form o 0 m. Es finden sich hier námlich in 
den Phylliten úberall zahlreiche einzelne oder geháufte Hohlráume nach verschwun- 


175 


selben doch auf die Wůrfelgestalt der einst da eingewachsen gewesenen Pyrite 

geschlossen werden kann. Die negativen verdrůckten Hohldrůcke sind bráunlich 
© angeflogen. Es ist nicht unměglich, dass unter dem Ausbisse dieser Thonschiefer 

die Pyrite wirklich noch eingewachsen anzutreffen wáren. 
J In dem kórnigen Kalke, welcher einen Lagerstock in den Phylliten Dd,; 
| bei Vápenný Podol-Prachovic bildet, erscheinen Klůfte durch spáthigen Calcit 
ausgefůllt oder auch mit Drusen der Form — ",R. o R úberkleidet. Im óstlichen 
| © Lagerende ist der Kalk durch eine mit zerriebenem graphitischen Phyllit ausgefůllte 
© Verwerfungskluft dislocirt, in deren Náhe im kórnigen Kalke Calcitdrusen der 
| 


[ denen Pyriten, aus denen trotz der eingedrůckten und deformirten Formen der- 
: 
| 


Form — 2R und auch Selenitkrystállchen vorkommen. 

Im kórnigen Kalke der Etage A in der Schlucht von Licoměřic sind in 
| Limonit umgewandelte Pyritkórnchen, oder oberfláchlich bráunliche Pyrite der Form 
| 


o p =- bis 17% Grosse, eingewachsen. 
, Aber auch echte Gánge von Mineralien durchsetzen die cambrischen 
- Gesteine. 
Durch Chvaletic (OS Elbe-Teinic) streicht ein máchtiger Limonitgang 
1 in Schichten der Etage A, von dem sich lose Brocken von dichtem reinen Limonit 
-am Wege vom oberen Theile des Dorfes gegen Zdechovic reichlich zerstreut vor- 
> finden. Aber 55o= WNW von der Mitte des Dorfes aus gemessen, kommt der 
-40—50 Schritte máchtige Gangausbiss im Wege gut entblósst zum Vorschein, in 
— dessen Streichungsrichtung Erzfundstufen gesammelt werden kónnen. Der Gang 
-- besteht aus einer faulen gebleichten Phyllitbreccie, welche durch Limonitschnůre 
-- durchsetzt und mit Limonit verbunden ist; im Gange findet sich auch ein gánzlich 
$ - aufgelóster, vielleicht granitischer Gang, der durch ein Limonitnetzwerk durchsetzt 
- wird. Das Erz ist stellenweise geodenartig, auch aus verschieden fárbigen in 
© einander geschachtelten Schalen zusammengesetzt. Das Nebengestein, ein ebenfalls 
-— fauler, am Ausbiss gebleichter und aufgelóster Thonschiefer mit steilem NNO Vex- 
fláchen zeigt Limonitimpraegnationen, sowie auch citronengelbe Anflůge, die auf 
zersetzte Pyritimpraegnationen hindeuten. Im Ausbisse sind kleine Nester von 
„Psilomelan, sowie auch Psilomelankrusten auf halb zu Lydit umgeánderten 
"Thonschiefern háufig. Ebenso finden sich im lettig aufgelósten Thonschiefer des 
-- Gangausbisses unter dem Rasen kleine Knollen von Diadochit mit traubiger 
-— Oberfláche. Das ganze Erzvorkommen erinnert ungemein an den Erzgang im W 
-— Abfall des Chlumberges bei Mezihoří. **) 
In den licht grůnlichorauen cambrischen Grauwacken oder schiefrigen 
- Grauwacken sind kurze Auarzgánge oder Klůfte háufig. 
| Ganz nahe bei Ledec (N) (SW Choltic) verffáchen die Grauwacken mit 
909 nach 1—1'/,*, sind aber transversal zerklůftet; das Verfláchen der transversalen 
Zerklůftung, welche in schiefrigen Einlagerungen eine falsche Schieferung hervor- 
bringt, ist aber nach 8%/,* mit 64% gerichtet. Klůftchen oder arm dicke Gang- 
trůmmer von weissem Guarz von krystallinisch zerfressenem Aussehen in den 
drusigen Hohlráumen, stellenweise nach verschwundenem Pyrit braun gefárbt mit 
bis handgrossen Nestertrimmern von feinkórnigem Chlorit, durchsetzen die 


RzS „O 


176 


Schichten in Menge, weil die bedeutende Dislocation hier die Bildung vom 
Spaltenráumen begiinstigte. Ouarz und Chlorit sind gleichzeitige Bildungen. Selten 
fand sich hier auch ein derbes beinahe nussgrosses Korn von Chalkopyrit, 
dessen Vorkommen so háufie an Auarz-Chlorit-Gánge gebunden ist. Dass das 
schmutzig grůne sehr feinkórnige Mineral wirklich Chlorit ist, zeigt dessen spec. 
Gew. von 2:9815 (mit 284g Substanz bei 299 C). ' Der lufttrockene Chlorit hat 
beinahe kein hygroskopisches Wasser enthalten, denn úber Schwefelsáure verlor 
derselbe hóchst unmerklich an Gewicht; das spec. Gew. bezieht sich auf das 
getrocknete Mineral. Die Schuppen des Chlorites von hexagonaler Form haben 
die Breite von 5—z54g". 

Úbrigens ist in kórnigen Grauwacken sehr feinkórniger (sogenannter dichter) 
Chlorit in Auarztrimmern und ebenso mit Limonitimpraegnationen von zersetztem 
Pyrit herrůhrend an unterschiedlichen Orten des Eisengebirges anzutreffen. 

Abgesehen von den in Šchiefern eingewachsenen Mineralien, wie dem. 
Ottrelit im S Abhange der Bučina der zusammenhángenden Silurgebilde im Eisen- 
gebirse, dem Staurolith, Andalusit, Granat in der Hlinsko-Skučer, im Granit 
eingehůllten Schieferinsel, und bei Nichtberůcksichtigung der zahlreich in Schiefern 
auftretenden Auarznester sind in der Schieferinsel bei Kreuzberg (Krucburg) noch. 
Mineralien bekannt. | 

In den grauen, grůnlichgrauen cambrischen Phylliten oder Glimmerschiefer- 
phylliten, also metamorphosirten ehemaligen Grauwackenschiefern, die nach 10*—14% 
mit 209—509 verfláchen, sind bei Kreuzberg kleinkórnige guarzige Grauwacken ein- 
gelagert. Dieselben erscheinen zwischen Stadt Kreuzberg und dem Kreuzberge 
(A 659=) durch zahlreiche seichte Gruben entblósst, in welchen auf kurze Gánge 
und Gangnetze oder Gang-Nester von kleinkórnigem (Eisenglanz) oder dichtem 
Haematit Tag-Baue gefihrt worden sind. Alle Klůftchen der graulichen fein- 
kórnigen Ouarzit-Grauwacke sind mit dichtem Haematit oder wenigstens schwachen 
Úberzigen dieses Minerales braun roth gefárbt. In den Hohlráumen des Haematites 
sind Malachite in tafelartigen Aggregaten als Pseudomorphosen nách irgend 
einem Mineral anzutreffen. *?)  Ausserdem finden sich auch schwache Úberzůge, 
důnne Rinden oder Aufliige oder auch hanfsamengrosse halbkuglige, sehr dinn 
concentrisch schalige Aggrecate einzeln oder vereinigt. Die Farbe des Malachites 
ist zwischen span- und smaragdgrůn. Mit dem Haematit findet sich auch Chalko- 
pyrit **).  Nebstdem zeigen die Klůfte der guarzigen Grauwacke einzelne kugel- 
fórmige, oder aus Halbkůgelchen bestehenden diinnen Krusten von schwárzlich 
smaragdgrůnem Lunnit. Die Krusten haben bis mehr als Millimeterdicke, die 
Kůgelchen sind grósser als eine kleine Erbse. Selbst die reinst ausgesuchten 
Lunnitkůgelchen von hóchst zart radialfasriger Textur, oder die klein traubig- 
nierenfórmigen Krusten erscheinen mit wenig Malachit verunreinigt. 

Die Hárte — 5'/,, das specif. Gewicht konnte, da sich selbst das allerreinst 
ausgesuchte Mineral als mit Malachit verunreingt ereab, nicht bestimmt werden 
In Essigsáure und auch theilweise im Ammoniak ist er lóslich. Manche Krusten sind 
mit einem schwachen Úberzuge von Haematit (mit Limonit gemengt) oberfláchlich 
braunroth gefárbt, ein Hinweis auf die jůngere Bildung mancher rothen Úberzůge, 
welche in der Regel álter sind als der Malachit und Lunnit. 


177 


p Eine Analyse mit T 14 g. Substanz ergab: 
jé Umgerechnet auf die bei 100%C 


H.O bei 1009C 74 getrocknete Substanz 
Glůhverlust 1091 PRIPĚTD "ro l OT rod POVORSVÉ 
CuO 68:46 DOE VOLTIOPTAO C, TELO TAGS O) 
Fe, 0;, P4L0; 374 2.10% PIBGONBN 00. 00 
P, 0; 1466 JL, 2 8, 10109 OVV AA 
As, 05 Spur ZDE roků S HOZGT BO (D8 
Unlóslich (Gangart) | 290 19007915., UHS.. „OTO Sh 
10141 10139 


Diese Analyse gibt auch folgendes: 
Glůhverlust 10:97 


CuO 6893 

109024200 
Pa 6:0 
As, 0; „Spur 


PRO atArt 291 
oder da das Eisensesguioxyd als Limonit vorhanden war, ergibt sich: 
Glihverlust des grůnen Minerales 1063 


CuO 6893 
01108 
As, 05 Spur 


Limonit | 234 

unlósliche Gangart., 291 
bi : Der Glůhverlust von 10'63 besteht aus H, O des Lunnites und Malachites 
sowie H;O, CO, des Malachites, welcher als untrennbare Verunreinigung mit dem 
unnit zum Vasek kommt. Da wegen Mangel an reinerem Material die Menge 
der CO, nicht direkt bestimmt werden konnte, um daraus das Mengenverháltniss 
A des Malachites bestimmen zu kónnen, musste bei der Berechnung der Analyse 
"9 Verháltniss des H+O und CO,, welche der Malachitbeimengung entsprechen 
růrden, etwa so gewáhlt werden, dass auf die P, O; Menge ein durch eine ganze 
| Z hl ausdrůckbares aeguivalentes Multiplum von A, O entfalle.*“) Es ergibt 
si sich dann als Verháltniss des O im H,O, (des Glihverlustes nach Abzug des 
1,0, CO, des Malachites) CuO und P, O; wie 610:1121:934 oder 327:6:5, 

vas der Lunnitformel entspricht. 

Das zur Analyse verwendete Lunnitmateriale wůrde darnach bestehen aus: 
jh  Lunnit 815, Malachit 13-22, Limonit 2:30, unlóslicher Gangart 2:87, zu- 
sar mmen 100: 009. 


F 


rten beitragen und welche theils kórnig oder porphyrartig ausgeschieden sind, 
12 


178 


wenn auch manche davon, wie die bis fingererossen blassfleischrothen Orthoklas- 
krystalle des Gneusgranites O von Slavětín Erwáhnung verdienen. 

In dem grauen Gneusgranite der Umgebung von Horní Babákov (NWN 
Hlinsko) vornehmlich an der Gránze mit den krystallinischen Schiefern der Hlinsko- 
Skučer silurischen Schieferinsel finden sich zentnerschwere weisse Ouarzblócke, als 
Trimmer von Gangnestern, auf der Oberfláche. In denselben sind grobkórnig 
bláttrige Aggregate von Muscovit eingewachsen, welche entweder áltere, oder 
mit dem Auarze gleichzeitige Bildungen vorstellen, da sich unvollkommene Krystall- 
aggregate im Auarze, wenn dieselben entfernt erscheinen, als Hohldrůcke abformen. 
Selbst kopferosse, kórnig schuppige, nur aus Muscovit bestehende Aggregate finden 
sich hier háufig lose herumliegen. 

Im SW Abfalle der Kaňková hora, oberhalb Kubíkové Duby und Třemoš- 
nice, werden schwache Pegmatiteánge in dem' groben Graniteneuse bemerkt, in 
welchen oft ziemlich bedeutende Muscovittafeln, wenn der Orthoklas blassfieisch- 
roth; noch háufiger aber, wenn die Gánge weissen Biotitpegmatit vorstellen, gróssere 
Biotittafeln eingewachsen erscheinen. 

Im Amphibol- und Biotit-Amphibolgneus, der nach 4'/,* mit 267 verflácht, 
erscheint S von Ronov, ganz nahe (etwa nur 200 Schritte SW, von der Můhle 
„na kořečníkách“ ein etliche Meter máchtiger zertrůmmefter Pegmatitgang, aus 
weissem grosskórnigem Orthoklas, blass rauchgrauem, sehr grobkornigem Auarz 
und wenig Biotitplatten zusammengesetzt. Am Wege von Ronov zur heiligen 
Kreuz-Kirche, knapp SO hinter der erwáhnten Můhle, důrfte der Gang wieder aus- 
beissen, aber er scheint hier ein Trumm, das beinahe nur aus Biotittafeln besteht 
zu bilden, denn der Orthoklas ist zu róothlichgrauem Kaolin verándert, der Ouarz 
unversehrt. Der Biotit (Meroxen) bildet bis thalergrosse und noch gróssere bis 
fingerdicke, unvollkommen hexagonale, ebene oder schwach gebogene Platten, die 
durchaus leicht unter der Strasse auszugraben sind. Die schwarzgrůnen Tafeln 
sind oberfláchlich und in feinen Klůftchen bráunlich roth, durch Thon gefárbt. 

In einem weissen grobkórnigen, beinahe an Pegmatit erinnernden Granite, 
welcher zahlreiche, wenn auch wenig máchtige Gánge und Trimmer am Berge 
Krásný, im Ochozwalde bei Chlum, in der Dehetníkschlucht bei Polanka bildet 
und die Ursache von Verwerfungen in den Kalklagern hierselbst vorstellt, sind 
kleine bis beinahe linsengrosse graubraune Krystalle von Titanit der Form 
2/,P2. oP. +P o háufig eingewachsen. 

Der Granit erinnert an Aplit und Pegmatit zugleich, da er arm an deut- 
lichen grósseren Biotitschuppen ist, statt welchen oft nur kurze lichterůne Am- 
phibolsáulchen den dritten Granitgemengtheil bilden. Der rein weisse Orthoklas 
herrscht bedeutend vor, der Ouarz ist nur ganz untergeordnet, blasseraulich, durch- 
sichtig. Ob der Amphibol ursprůnglich, oder vielleicht eine Pseudomorphose von 
fasrigem Actinolit nach irgend einem Minerale vorstellt, bleibt fraglich, obwohl 
das erstere, bei der Frische des Gesteines eine hohe Wahrscheinlichkeit besitzt. 
Stellenweise zeigen die Granitgemengtheile eine Tendenz zur Bildung von schrift- 
granitartigen Verwachsungen, was das Gestein wieder dem Pegmatit náher růckt. 

In diesem Granite mit fleckenweise blassgraulichem Orthoklase und seltenen 
grósseren Biotittafeln ist im Kalkbruche der Dehetníker Schlucht auch Apatit 


E -—— 
k oo 


179 


von schón blassgrůner Farbe, táuschend áhnlich dem DBeryll in der Form o P, 
ohne Endflache, von Rabenfederkieldicke eingewachsen vorgefunden worden. Das 
sehr seltene Mineral von der Hárte 5, ist in Sáuren lóslich. 

Auch im Biotitgneus, welcher glimmerreich erscheint (Glimmerschiefer- 
gneus) und zwischen Moravan und Spitic (N Vilímov) langgezogen lenticuláre 
Ouarznester eingeschaltet enthált, erscheinen in den Schluchten bei Bučovic ganz 
schwache Gánge von Pegmatit, die wenig Tur m alinsáulen, aber dafir nette bis 
mehr als 1" breite rhombische Prismen von Muscovitkrystallen eingewachsen 
enthalten. | 

Eines von den gemeinsten Mineralien auf Klůften im rothen Granit, welches 
vornehmlich dort zu finden ist, wo dioritische Gesteine den rothen Granit durch- 
setzen, ist dichter Epidot. Krusten bis zu Fingerdicke oder důnne Anflige sind 
vornehmlich in der Umgebung von Nassaberg, der Umgebung von Seč (Kraskov, 
Žďárec, Rudov, Kovářov) háufig. An die Aufzáhlung sámmtlicher Orte, wo der 
Epidot in rothem Granit vorkommt, kann hier nicht eingegangen werden. 

In Graniten finden sich auch Impraegnationen und ader- sowie nesterartige 
Ausscheidungen von dichtem Haematit, so allenfalls im Dorfe Včelákov selbst, 
wo jedoch ůúber das Verháltniss der Impraegnirung wegen unvollstándiger Ent- 
blosung keine náhere Angabe moglich ist; dann auch in dem Šteilabfalle des 
Eisengebirges zwischen Bestvín und Roušínov, wo vornehmlich der rothe Granit 
unter Hoješín, wenn derselbe etwas zersetzt erscheint, durch Impraegnationen oder 
Haematittrůmmer und Schnůre durchsetzt wird. 

Der Auarz- und Felsitporphyr fůhren kein nennenswerthes unwesentliches 
Mineral. Nur in den schiefrigen Felsitporphyren des máchtigen Rtein- 
Lukavicer Gangmassivs finden sich etliche Mineralien von Belang. Die grauen 
Felsite und Felsitschiefer des Svídnicer Thales enthalten stellenweise zahlreiche 
Impraegnationen von Pyrit, sowie bis 2%" breite Pyritwůrfel eingewachsen. Der 
oberfláchlich nicht mehr ganz frische Porphyr des rechten Thálchen-Ufers zwischen 
Petříkovic und Pohořalka (SW Slatiňan) ist am Wege, welcher von da, námlich 
*75—'76 km ONO von Petříkovic, nach Liboměric fůhrt, stellenweise rothbraun 
gefárbt und wird durch einen deutlichen, etliche wenige dm máchtigen, aus reinem 
dichten Haematit bestehenden Gang durchsetzt, dessen Ausbiss in den Wec fállt. 

Fingerdicke Haematitschnůre und Impraegnationen durchsetzen auch den 
schiefrigen Felsitporphyr von Bitovan. 

Der "56 km ONO von Malé Lukavice entfernte Hiůgel, genannt Podjahod- 
nický vrch (A331), der aus hóchst feinkórnigem Felsit besteht, fiihrt in Klůften, 
die durch Limonit bráunlich angeflogen sind ausser Schůppchen von Pyrophyllit 
auch, wiewohl seltener bis úber Centimeter breite, radial-stengligschuppige Aggre- 
gate dieses Minerales. Die stengligen Bláttchen sind perlmutterelánzend und blass 
gelblichbráunlich. 

In Velké Lukavice (Gross L.) selbst kommt kein schiefriger Felsitporphyr 
zum Vorschein, weil derselbe zur Gánze verfault, und in ein schiefriges, dem 
ersten Anblicke nach an Talkschiefer erinnerndes, nicht bedeutend festes Gestein 
umgewandelt ist, welches aus zarten, blass gelblichgrauen Schůppchen von Pyro- 
phylliit und GAuarzlagen oder gedehnten Auarzkoórnern besteht.  Dass die hochst 

12* 


| 


180 


zarten Schůppchen nicht Talk, sondern Pyrophyllit (ein Zersetzungsprodukt des 
verfaulten Orthoklases) sind, ergibt die Untersuchung, indem dieselben Al;0, 
enthalten und nach dem Verluste von :419/, H,O bei 1009 C, bezogen auf das 
lufttrockene Mineral, einen Gliůhverlust von 5:199% (aus '/,„ g) erleiden. Das Wasser 
entweicht schnell aus dem Minerale, wenn sich dasselbe auch nicht aufbláht, wie 
die bláttrigen Varietáten desselben (bei Talk wird das HO erst bei lange anhal- 
tendem Glůhen verjagt). Stellenweise zeigt der Pyrophyllitschiefer keine Auarz- 
kórner, stellenweise tritt das umgekehrte Verháltniss statt. In dem Pyrophyllit- 
schiefer selbst, oder in der Náhe der Auarznester, die darin oft zum Vorschein 
kommen, oder auch in den Auarznestern findet sich Pyrit in Krystallkórnern, oft 
bis zur gánzlichen Verdrángung der Schiefermasse gedrángt vor, meist aber.in 
einzelnen Kórnchen zerstreut. Die Form gewisser, deutlich krystallisirter Pyrite ist 


entweder 00 O o oder auch — E deren gróssten bis 1©% im Durchmesser breit 


sind. Sonst erscheinen auch Einsprengungen dieses Minerales. Alles Nábere darůber 
wird im III. Abschnitte folgen, der dem Bergbaue zu Lukavic gewidmet sein wird. 

Úbergánge von frischen schiefrigen Felsitporphyren in diese Pyrophyllit- 
schiefer finden sich bie Skrovád, indem sich in der Porphyrmasse důnne, parallel 
gelagerte Membranen von schuppiger Zusammensetzung zeigen. 

In schiefrigen ganz faulen graulich gebleichten Gesteinen, von denen es 
nicht sicher ist, ob sie eine Phyllitscholle oder schiefrige Felsite waren, NO bei 
Licibořic sind nahe der Granitgránze auch Baue auf Haematitimpraegnationen 
durch Pingen angedeutet. Eine Bedeutung důríte das Vorkommen nicht haben. 

Im Syenit von Kraskov (SO, von Ždárec NNO, von beiden Orten beinahe 
oleich weit etwa 1 km entfernt) finden sich im rechten Ufer des Zlatý potok in 
dessen nicht flachen Ufern bedeutende Nester eines Epidotgesteines, welches aus 
Ouarz, dichtem Epidot, braunem Granat in bis faustgrossen Gemengtheilen 
besteht. In dem Epidotgesteine erscheinen schwache weisse Calcitadern von faseriger 
Textur. Klůfte des Syenites úberzieht Epidot in áhnlicher Weise wie im rothen 
Granit; auch Pyritkrystállchen fůhren dieselben. In den Epidot- oder Epidot- 
guarznestern sind nun Impraegnationen von Magnetit háufg, stellenweise sind 
die Magnetitkorner so gedránst, dass sie derbe nesterartige oder gangartige Aus- 
scheidungen bilden ; theils sind sie an Epidot, theils an Granat gebunden. Zahlreiche 
kleine Pingen von da gewesenem Bergbaue **) deuten die Richtung des Streichens 
dieses magnetitfihrenden Epidot-Granatgesteines im Syenit an, welche sich stellen- 
weise von O nach W gehend, erkennen lásst. 

Der Titanit in diesem Syenit, welcher winzige Krystállchen bildet, der 
aber auch in DBiotit-Amphibolgranit von Hutě (b. Ransko) und an zahlreichen 
andern Orten in Syenit und Diorit vorkommt, ist schon bei den betreffenden 
Gesteinen jm Abschnitte I. genannt worden. 

Die im Diorite und zwar in der kórnigen Varietát desselben, gleich- 
giltig, ob er echter Diorit oder Uralit-Diorit sei, vorkommenden accessorischen 
Mineralien wie Magnetit, Pyrit, Pyrrhotin, Ouarz, werden hier nur dann erwáhnt, 
wenn sie in auffálligerer Menge vorkommen, denn das Vorkommen derselben ist 
in gewissen Fállen selbstverstándlich. 


181 


Im Diorite des Zuges Božov-Hořička (Hůgel) finden sich ausser beinahe 
durchsichtigen eingewachsenen Auarzkórnern bis mehr als Erbsengrósse von blass- 
bláulichmilchweisser Farbe, welche dadurch an Cordierit erinnern, noch Auarze 
in Krystalldrusen als Ausfůllung von Klůften. Ebendaselbst und zwar in den 
Hůgeln von der Podbožover Můhle bis zum Hořičkahůsgel sind in Klůften federkiel- 
bis beinahe fingerdicke Epidotkrystalle, meist nur mit vóllie entwickelten hori- 
zontalen Prismenfláchen, oder krystallinische Úberzůge sehr háufig. Der Epidot 
gehórt úberhaupt zu den háufigen Mineralien im oder auf kórnigem Diorit, so 
findet er sich in Kórnchen im Epidot von Trpíšov; im schwarzen, aus Blócken 
angeháuften kleine, niedrice Kuppen bildenden Diorit S von der gewesenen Kies- 
Pochmiůhle bei Malé Lukavice aber finden sich Amygdaloide von Erbsengrósse, 
welche aus radialfasrigem Epidot bestehen. Der ziemlich kleinkórnige Diorit fůhrt 
noch ausgeschiedene Amphibole auch Pyrit, selbst bis in nussgrossen Aggregaten, 
etwas seltener Pyrrhotinkórner.  Weitere Epidotfundorter im Diorit werden nicht 
aufgezáhlt. 

Ebenso háufig findet sich in eingesprengten Kórnern Pyrit. Besonders 
reich an solchen Einsprengungen, welche selbst in den kleinsten Brocken des Ge- 
steines nicht fehlen und bis nussgrosse Anháufungen bilden, ist der feinkórnige 
Diorit, welcher zwischen Vejsonín, S Malé Lukavice, dann ONO Malé Lukavice 
im Žumberger Thale, einen oder mehrere Gangstócke bildet. Bei der Můhle in 
Svídnic finden sich in Dioritaphanit und Felsit bis 2""* Kantenlánge messende Pyrit- 
wůrfel háufig. Es braucht nicht eigens erwáhnt zu werden, dass der Ausbiss des 
Dioritgangstockes braun gefárbt ist. 

Der Pyrrhotin, so háufig derselbe in Dioriten in kleinen Kórnchen 
auftritt, bildet in demselben doch nicht háufig kórnige Anháufuncen. Erwáhnens- 
- werth ist ein Gang von schwarzgrůnem mittelkórnigem Diorit mit etwas Olivin, 
welcher im Ransker Walde, in der Nikolaizeche nahe der Můndune des Stollens 
auftritt, in Kliůften stark braun gefárbt ist und in welchem Pyrrhotinkórnchen, 
Pyrit, seltener Chalkopyrit ja sogar Arsenopyritkórnchen bis hochstens 
hanfkorngrósse so reichlich eingewachsen sind, dass sie einen bedeutenden Bruch- 
theil der Gesteinsmasse ausmachen. 

Durch den westlichen Theil des Dorfes Včelákov streicht ein viele Meter 
máchtiger, kleinkórniger, mit Pyrit impraegnirter Dioritgang etwa von N nach £. 
Derselbe zeigt sich in einen mit Wasser ertránkten Tagbau und Schachteinbaue im 
Dorfe selbst, in der Náhe des durch Haematit gefárbten Granites. Aus dem Diorite 
wurden einst Pyrrhotin, dann andere Erze, Chalkopyrit ““) und Galenit ge- 
wonnen. Es kann úber die Art des Vorkommens, nachdem keine Anhaltspunkte mehr 
vorliegen, kein Urtheil abgegeben werden, wahrscheinlich waren es Nester und 
Impraegnationen. Der Pyrrhotin kam in bis faustgrossen, derben, etwas schalig aus- 
gebildeten Massen vor, welche als unverwendbar galten, da aus den Haldenstůcken 
Gartenmauern aufgefiihrt wurden. Dass auch Galenit hier gewonnen und daselbst 
verschmolzen wurde und wahrscheinlich das eigentlich werthvolle Mineral dieses 
Bergbaues vorstellte, von dem die Daten so důrftig sind, folgt daraus, dass im 
Wege nach starken Regen noch Bleitropfen als Reste der gewesenen Schmelzwerke 
aufzufinden waren. 


182 


An der Ohebka u. zw. im linken Ufer finden sich in kleinkornigen Dioriten, 
die mit Syeniten und Syenitgraniten die rothen auch grauen Granite hier durch- 
setzen, besonders zwischen Řeka und Mezisvětí S unter Křižanovic (NW Nassaberg) 
im Ufer selbst Pik rolitůberzůge (Serpentin) in důnnen Klůften. Da Pikrolit nur 
in Serpentinen zu treffen ist, so ist dieses Vorkommen bemerkenswerth. Bei Řeka 
findet sich in kórnigen Dioriten kleinkórniger Chlorit in kleinen Hohlungen 
und Klůftchen. 

In Zersetzung begriffene Diorite bei Ransko, sowie Diabas bei Chrtník 
fůhren in Klůften spáthigen Calcit háufic. 

Die aphanitische Ausbildung des Diorites der Chlorit-Epidot-Diorit fůhrt 
in Mandeln bis zu Nussgrósse dichten Epidot, wie S bei Lhota (W Choltic). 

Im Corsite sind nur die grósseren Ausscheidungen von Anorthit erwáh- 
nenswerth, wie sich solche neben grósseren Amphibolnestern bei Mladotic finden. 
Es lassen sich sogar Formatstůcke schlagen, welche beinahe durchwegs aus reinem 
weissen, durchscheinendem, grobkórnigem Anorthit bestehen. In allem anderen 
wird auf den Corsit pag. 150 verwiesen. 

Im Gabbro von Vinařic sind nebst dem schon erwáhnten Pyrrhotin auch 
kleinkornice Chlorite und Plagioklaskrystalle in Gangklůftchen háufig. 

Der Serpentin, welcher in einer unbedeutenden stockfórmigen Masse 
in Mladotic (einige Schritte NW der Můhle) licht- bis důstergraugrůn gefárbt, 
orobbankformig abgesondert, unter dem Rasen ziemlich zersetzt vorkómmt, enthált 
noch kleine Olivinkórnchen. Nebstem aber Bronzit in krystallinischen kleinen 
Kórnern und Chromit in winzigen Kórnchen eingewachsen. Der etwas zersetzte 
Serpentin unter dem Rasen fůhrt weisse Ma gnesitknoten und Úberzůge; frischere 
Gesteinsbánke sind durch fingerdicke Schnůre von spáthigem Calcit durchzogen, 
andere wieder durch Gymnit von schmutzig gelblichgrůner Farbe ausgefůllt. 
Der an den Kanten schwach durchscheinende, schimmernde, fettelánzende, ziemlich 
leicht  zerbrockelnde und unvollkommen muschlig brechende, mit zahlreichen 
schwarzen Psilomelanklůftchen durchtrůmmerte Gymnit hat, rein ausgesucht 
das sp. G. von 24400 (aus 125 ©). Er ist mit zahlreichen mikroskopischen 
Poren durchzogen, da er im Wasser bedeutende Mengen von Luftbláschen ent- 
wickelt. Das hier gefundene spec. Gew. ist gegenůber den sonst fůr Gymnit 
angegebenen Zahlen von 194—231 zu gross, was vielleicht auf den oberwáhnten 
Umstand, der nicht bei allen Gymniten sich einstellt, zurůckzufůhren sein důrfte; 
měglich dass dies auch auf andere Verunreinigungen, welche in amorphen Zer- 
setzungs-Mineralien so háufig vorkommen, bezogen werden kann. Manche der 
erwáhnten Calcitadern in etwas frischerem Serpentin enthalten in der Mitte eine, 
wenige mm dicke Lage von grůnlichgrauem Gymnit, der demnach erst nach erfolgter 
Calcitbildung die Adern ausfůllte. 

Unter dem Rasen ist stellenweise der Serpentin ganz in einen gymnitischen 
zersetzten Serpentin umgewandelt, in welchem kleine Nester von weissem Auarz, 
eines im zersetzten Serpentin so seltenen Minerales aufeefunden worden sind. An 
den Berůhrungsstellen mit den Auarznestern finden sich in dem zersetzten Serpentin 
griůine Schuppen, die man sonst als Chlorit zu bezeichnen pflegt, welche aber auch 
Pennin oder Talk sein kónnten. 


183 


Die aus schmutzig graubrauném, oberfláchlich etwas luckigem Serpentin 


- bestehende bewaldete Kuppe von Ransko, um welche ein Troktolit-, dann ein 


Corsitring die Serpentinbegránzung bilden, enthált trotz der Entstehung des Serpen- 
tines aus Olivin doch wenig fůr den Serpentin charakteristische Mineralien. Viel- 
leicht ist die Umwandlung des Serpentins schon eine zu bedeutende. Nur Klůftchen 
mit dichtem Magnesit und mit Pikrolit sowie Marmolit zeigen sich in demselben, 
wie an der Malá louka auf der Kuppe. Auch lanefaseriger Chrysotil soll im fri- 
scheren Serpentin unter der Erzdecke in der Nikolaizeche vorgekommen sein. 
Besonders bemerkenswerth fůr den Serpentin ist dessen Úberlagerung 
durch Decken von erdigem oder oolithischem Limonit, dessen Máchtigkeit etliche 


š Meter betrágt. Es sind diese ausgedehnten Limonitdecken ein Gegenstand sehr 


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regen Bergbaues gewesen und wird das Náhere darůber im III. Abschnitte folgen. 


Mineralien der jůngeren an das Eisengebirge sich anlehnenden 
Schichten. 


In der Insel von permischen Sandsteinen und Conglomeraten von theil- 
weise lockerem Zusammenhange sind bei Nouzov am NO Fusse der Kaňková hora 
(NW Seč) Nester von dichtem Auarz, Hornsteine námlich, von róthlichen oder 
bráunlichen Farben zu finden. Dieselben liegen zerstreut im Walde und stammen 
aus aufgelósten Schichten. 

In den Schichten des Kreidesystems, welche das Eisengebirge umfassen, 
finden sich Mineralien vornehmlich in den tiefstem limnischen Schichten der unter- 
cenomanen Stufe (Perucer Schieferthone). Wo diese tiefsten Schieferthonschichten, 
die zu Thon zercehen, allein oder mit zu Sand oder Kies zerfallenen Resten der 
úber ihnen lagernden Auadersandsteine (Perucer Auader) zu Tage treten, dort finden 
sich oberfláchlich kleine Nester von thonigem Limonit zerstreut. Diese Limonite 
bilden Knauer, dann Impraegnationen in dem Thon oder in eingelagerten Sand- 
steinlagen und důrften frůher Sphaerosiderit gewesen sein. In dem Rande der 
tiefsten Schichten des Kreidesystems, welche im Bogen von Načešic, Vlastějov etwa 
úber Vyžic nach Kostelec (SW Heřmanměstec) sich schleppen, sind derartige Erz- 
anháufungen durch bis 6" tiefe Scháchtchen (Duckeln) zahlreich aufgeschlossen 
und unter der nicht máchtigen weissgrauen Thonlage gegraben worden *'). 

In dem Gehánge zwischen Kostelec und Skutíčko (bei Skuč) sind diese 
tiefsten untercenomanen sandigen Schieferthone und durch Erze impraegnirte Sand- 
steinlagen, mit Haematit und Limonitknauern róthlich gefárbt, darůber folgen 
erst die weissen oder graulichen Schieferthone und Sandsteine, in welchen sich 
Schmitze, Lagen und Nester von schwarzem Lignit finden. Meist stellen die 
Lignitnester die Form von verdrůckten Baumstrůnken manchmal als Protopteris 
erkennbar vor, sind sehr rein, muschlig brechend, glánzend, demnach dem Gagat etwas 
áhnlich. Leider ist das Vorkommen dieser Nester von Braunkohle ohne jeden prak- 
tischen Werth. Zahlreiche Schirfungen auf diese schwachen Nester haben dieselben 
bei Skutíčko, Peralec, (O0SO Richenburg) in der sůdwestlichen Terasse des Okrou- 
hlíkberges bei Hlubokov (S Kreuzberg), 1"/, km SO von Vojnoměstec nachgewiesen. 


184 


Wo die Schichten des Kreidesystems jetzt gánzlich vorschwunden sind, finden sich in 
geschůtzten Lagen in Vertiefungen oder in Gesteinsklůften noch Reste der Limonite 
als Bindemittel von Sand- oder Geschiebkórnern, von Guarz oder Phyllit, wie dies 
den allertiefsten untercenomanen Schichten entspricht, vor. Solche Erznester und 
Knauer sind in der Čertovina (NO Hlínsko) auf Lyditen und Phylliten zu finden, 
indem daselbst jede andere Spur der gewesenen Úberlagerung durch Kreideschichten 
verschwunden ist. ó 

In der Náhe der aus Baumstrůnken bestehendén Kohlenschmitze fanden 
sich in den dunkel gefárbten Schieferthonen in Skutíčko, als daselbst vor Decennien 
noch geschůrft worden ist, halbdurchsichtige, dunkel honiggelbe bis bráunlich 
hyacinthrothe, ziemlich feste, muschlig brechende bis kindskopfegrosse Knollen von 
Succinit vor, welche nur oberfláchlich unter der sandigen Thonhůlle etwas 
matter gefárbt erscheinen. 

In den weissen Schieferthonen und Thonen — die ebenfalls fingerdicke 
Limonitpláttchen einschliessen — in welchen die Kohlennester in Peralec eingelagert 
sind, erscheinen bis nussgrosse Marka sitkrystallgruppen. Einzelne Fláchen der bis 
erbsengrosse Krystalle von der Form Poo.Po oP erscheinen durch kleinere Pyrit- 
krystalldrusen aus einzelnen parallel verwachsenen Krystallen der Form O úber- 
kleidet. — 

In dem tertiaeren Basalt und der Basaltwacke von Košumberg, welche noch 
auf die Karte des Eisengebirges fallen, finden sich bis haselnussgrosse O li vi nkórner. 

Die allerjůnesten tertiaeren, das ist die alluvialen Bildungen sind der 
Calcit als Kalktuff in Decken gelagert unter der Dammerde im Žehušicer Parke 
(NON Čáslau) und der Fichtelit zu erwáhnen. Letzteres Mineral findet sich in den 
Kliften der Wurzelstócke des nur wenig nachgedunkelten Holzes der Pinus uligi- 
nosa Neum. (Pinus obligua Suter) in dem Radostíner Torflager (S Vojnoměstec). 
Die erwáhnte Pinusart wáchst jetzt noch an diesen Stellen. Die meist den Jahres- 
ringen nachgehenden Klůfte des Wurzelstockes enthalten die diinnen lamellenartig 
krystallinischen Krusten des weissen bis graulichweissen Fichtelites. 

Die Sandanschwemmungen des Zlatý potok fůhren unter Kraskov Geschiebe 
von Rutil, Turmalin, Granat, Pyrop, deren urspriůngliche Lagerstátte nicht 
bekannt ist, obwohl sie nur aus der Thalweitung N von Seč stammen kónnen. 


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III. 


Das Vorkommen von einigen Lagerstátten nutzbarer Mineralien 
im Eisengebirce, 


Berebau wird im Eisengebirge, námlich in dessen SO-Fortsetzung nur in 
Lukavic, dann aber auch bei Ransko — hier orographisch schon in der Gneus- 
hochebene des ostlichen Bóhmen, jedoch sehr nahe dem Eisengebirge — gefiůhrt. 
An ersterem Orte ist es Pyrit, an letzterem Limonit, welche den Gegenstand des 
Berebaues bilden und schon desshalb eine náhere Beschreibung verdienen, weil 
die Kenntnisse úber beide Lagerstátten bisher mangelhaft waren. 


Der Pyrit (Kies)- Bergbau zu Lukavic. 


In der Umgebung von Lukavic herrschen schiefrige Felsitporphyre vor. 
Dieselben treten in Entblóssungen oder im Bachláufen vornehmlich an der Ohebka 
zu Tage, werden N von Velké Lukavice durch Schichten des Kreidesystems 
verdeckt und schliessen selbst Stócke von pyritfůhrendem Diorit ein. Stelienweise 
sind die schiefrigen Felsitporphyre, deren petrographische Beschreibung schon im 
II. Abschnitte pag. 117. gegeben wurde, als Felsite, theils als schiefrige Felsite 
entwickelt. Im Ohebkabacheinrisse zwischen Svídnic und Škrovád sind dieselben 
dadurch in halber Metamorphose begriffen, dass in denselben zarte schuppige Flasern 
von Pyrophyllit auftreten, wodurch die Schichten und Bánke daselbst noch mehr 
deutlich schiefrig werden. Das Verfláchen der Schichten und Bánke des Felsit- 
porphyres, sowohl des ganz frischen, wie er sich knapp N hinter der Lukavicer 
Fabrik zeigt, als auch des in anfangender Umwandlung durch Hinzutreten von 
zarten Pyrophyllitschůppchen befindlichen, wie er sich gut entblósst in der Bach- 
schlucht der Ohebka (SW von Velké Lukavice) zeist, ist ein vorherrschend 
ostliches nach 6*,>—8',» gerichtet zwischen 359—509 schwankendes. Stellen- 
weise ist das Verfláchen ein ziemlich steiles, von 50—75“ und das meist an den 
Gesteinsgránzen, sonst aber ein mittleres. 


188 


Sámmtliche hier vorkommende Gesteine sowohl Porphyre als,auch Diorite, © 
ebenso die an den Gránzen mit dem Granit allenfalls in den Eruptivgesteinen 
eingehůllten Schollen von geschichteten Schiefergesteinen sind mit Pyrit in unter- 
schiedlicher, aber nirgends (bis auf gewisse Diorite), in bauwůrdiger Menge im- 
praegnirt und an den Gesteinsgránzen und in Klůften, sowie an Stellen, wo sie 
etwas angegriffen erscheinen, vornehmlich am Ausbisse rostbraun gefárbt oder braun 
impraegnirt. Die Gesteine mit dem zersetzten Pyrit werden faul, kurzklůftig, brůchig 
und bróckelig; die durch Zersetzung des Pyrites gebildeten Eisensulphate aber, 
welche der Regen abspůlt, setzen an den grossen Geróllsteinen des Ohebkabaches 
von Práčov an abwárts Limonitháute ab, wesshalb das Bachbett aus oberfláchlich 
braun gefárbten Geróllsteinen besteht. 


Im Dorfe Gross-Lukavic ist kein schiefriger Felsitporphyr entblósst, weil 
derselbe hier in ein gánzlich umgewandeltes Gestein verándert ist. Es kommt 
hier námlich Pyrophyllitschiefer als Stock ohne scharfe Gránzen im Felsitporphyr 
zum Vorschein, welcher durch allmáhlige Úbergánge in denselben úbergeht. Der 
pyrophyllitháltice Felsitporphyr des Svídnicthales stellt ein solches Úbergangsglied 
in schiefrigen Felsitporphyr vor. Unter Lukavic waren also die Verháltnisse, welche 
die gánzliche Metamorphose des schiefrigen Felsitporphyres in Pyrophyllitschiefer 
durch Zuhůlfenahme von Wasser bedingten, die gůnstigsten. Der Umfang dieses 
zu Pyrophyllitschiefer verfaulten Porphyres, welcher als Stock keine scharfen 
Gránzen zeigt, ist kein bedeutender, seine Mitte důrfte im Dorfe selbst liegen. 
An den Pyrophyllitschiefer ist der Bergbau auf Pyrit gebunden; je mehr man sich 
von dem Pyrophyllitschiefer gegen den Felsitporphyr náhert, was nur in dem 
Úbergangsgesteine, in welchem Feldspáthe zunehmen geschieht, desto unregelmás- 
siger vertheilt sich der Pyritgehalt im Gesteine, bis er endlich bloss als Impraeg- 
nation erscheint. 

In den Schiefern von Lukavic ist nun die Pyritlagerstátte. Dieselbe streicht 
genau so wie die Schiefer, verflácht mit den Schiefern nach 6*/, bis 7"/, unter 65“ 
bis hochstens 759, im Mittel unter etwa 170". 


Die Schiefer von Lukavic kann man durch Bergbau aus der Tiefe frischer 
und unveránderter erhalten, als von der Tagesoberfláche. Dieselben sind ziemlich 
guarzie, jedoch nicht bedeutend fest, da der Auarz in denselben keine zusammen- 
hángenden Pláttchen oder Lagen, sondern nur kleinere oder gróssere Nester in 
der Richtung der Schichtung und Schieferung bildet. Der Auarz ist licht weiss 
und hochst feinkornig. 


Dem Anschein nach wůrde man die Schiefer sogleich als Talkschiefer 
bezeichnen; sie glánzen so perlmutterartig wie Talkschiefer, fárben ab, haben ein 
fettiges Anfůhlen und sind schwach gelblichgrau oder schmutzig weiss bis rein 
weiss wie Talkschiefer. Trotzdem sind sie nicht Talkschiefer, sondern ein zersetztes 
umgewandeltes Porphyr-Gestein, in welchem der Auarz unverándert, die andern 
Gemengtheile aber in Pyrophyllit zersetzt oder auch pseudomorphosirt worden 
sind, wesshalb das Gestein nicht so bedeutend fest erscheint. 

Die weissen Schůppchen, oder die schmutzig weissen, důnnen, an den 
Kanten kaum durchscheinenden, kurzen, gewundenen weichen Lagen, welche die 


189 


gedehnten Auarzkórner von einander trennen, sind Pyrophyllit, der Schiefer dem- 
-nach ein Pyrophyllitschiefer. 

Der Nachweis der Pyrophylitnatur des talkáhnlichen Minerales wurde 
"schon bei der Aufzáhlung der Mineralien des Eisengebirses im Abschnitte II. 
pag. 179. gegeben. 

Weil das Pyrophyllitgestein im Vergleich zum Felsitporphyr oder zum 
pyrophyllitháltigen schiefrigen Porphyr verháltnissmássic weniger fest ist, so 
beisst es nirgends zu Tage aus, und kommt nur in der schwachen Depression von 
Gross-Lukavic vor. 
| In diesem metamorphischen, guarzháltigen Schiefer (Pyrophyllitschiefer) 
kommen lenticuláre Nester von weissem Auarz und zwar in gewissen Schichten 
háufiger als in anderen vor und liegen dieselben demnach zur Schichtung parallel. 
| Im Pyrophyllitschiefer selbst oder in der Náhe der Auarznester, oder auch 
in den Auarznestern findet sich úberall Pyrit, entweder in kleinen Kórnchen ein- 
gesprengt oder in kleinen Krystallen der Form © 0m eingewachsen. Man wird selten 
ein ganz pyritfreies Schieferstůck, das aus der Grube stammt, finden. Es sind also 
nur einige Schichten reicher mit Pyrit durchwachsen. In diesen mit Pyrit reich- 
licher durchwachsenen Schichten finden sich parallel zur Schichtung und Schie- 
ferung reichere lenticuláre oder echte Lager von Pyrit, welche den Schiefer nicht 
selten ganz verdrángen und dann viele kurze Lager von unbedeutender, bis zu 
einer Máchtigkeit von selbst */, Meter ja beinahe selbst ein Meter bilden. Zumeist 
sind die kurzen Lager von geringerer Máchtigkeit háufiger, als die bedeutend 
máchtigen. Diese kurzen Lager bestehen entweder vorherrschend aus Pyrit mit nur 
ganz wenig eingeschlossener Schiefermasse, demnach aus reicher Impraegnation 
oder bei gánzlicher Verdrángung des Pyrophyllitschiefers durch derbes Erz in der 
Richtung der Schieferung (Schichtung) aus reinem grosskórnigen Pyrit, der unter 
gůnstigeren Verháltnissen eingewachsene, dann und wann selbst 1 cm grosse und 


noch gróssere Krystalformen —- E annimmt. 


Die kurzen lenticuláren Lager von Pyrit im pyritischen weissen Pyro- 
phyllitschiefer wiederholen sich úbereinander, demnach sowohl in der Richtung 
der Máchtigkeit der Schichten, als auch dem Streichen und Verfláchen nach. Dem 
Streichen nach ist die erzfůhrende Zone auf etwa 200 Meter bauwůrdig und reich- 
háltig bekannt; dem Verfláchen nach noch unbekannt, weil selbst die grósste jetzt 
erreichte saigere Tiefe von úber 160 Meter erzhaltie ist. Fig. 15, 16, 17, 18 ver- 
sinnlicht das Erzvorkommen der Schiefer; die drei ersten Streckenorter fie. 15, 
16, 17 mit der Erzfůllung der Lagerstátte sind aus tieferen Horizonten der Grube 
(7., 6., 5. Lauf); die Fig. 18. stellt ein Abbauort aus einem hoheren Horizonte 
(1. Lauf) vor. 

Es handelt sich um die Bezeichnung der Lagerstátte: Die Erze treten 
wohl als unbauwůrdige Imprágnation in Schichten von Schiefer auf, zwischen 
denen und in denen kůrzere oder lángere Lager von reichen Imprágnationen oder 
-selbst derbem Erz zum Vorschein kommen. Demnach ist die ganze Lagerstátte 
sowohl den Lagerungsverháltnissen als auch der Bildung nach ein Lager oder 
mehrere Lager. 


190 


zelnen kurzen also lenticuláren Lagern oder 
Nestern von Finger- bis Meterdicke besteht, 
kónnte folglich entweder als ein Lager, 
welches aus vielen Lenticulár-Bánken mit 
tauben (durch Pyrit nur imprágnirten) Zwi- 
schenmitteln besteht, oder falls man auf die 
bedeutendere Máchtigkeit der ganzen, solche 
 Lagerbánke fůhrenden Zone Růcksicht nimmt, 
auch als Lagerstock gedeutet werden. Die 
Bildung der Erzlagerstátte ist diejenige eines 
Lagers, denn die derben, oder als reiche Im- 
praegnation zwischen den Pyrophyllitschiefern 
eingelagerten Erzbánke sind mit dem Pyro- 
phyllitschiefer zu gleicher Zeit entstanden. 
Freilich ist der Pyrophyllitschiefer selbst 
kein ursprůngliches, sondern ein aus dem 
ursprůnelichen schiefrigen Felsitporphyr ent- 
standenes Gestein, in welchem sowohl die 
Pyrophyllitschuppen wie die Auarzkórner als 
2 die lenticuláren Auarznester Reste oder Zer- 
Derber Pyrit pon W Pyrophylit-Schtefer | Setzungsproducte der Gemengtheile des Por- 
phyres entstanden sind. Die Pyritanháufungen 


V604 „1 Centimeter — 1, Meter 


4 
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verdanken die Entstehung den ursprůnglich in den Porphyren in geringer Menge 
als eingewachsen vorhanden gewesenen Erzpartikelchen, welche also als regene- 
rirter Pyrit den Ort gewechselt und sich lagerartig neu, und in mehr angeháuften 
Parthieen wieder gebildet haben. 

In den oberen Horizonten des Bergbaues, so zwischen dem 1. und 2. Laufe 
(bis 40% Tiefe) ist das Verfláchen der Schichten und Lagerbánke nur 65%, wáhrend 
es zwischen dem 6—8. Laufe (110—165= Tiefe) 759 betrágt. In den oberen 
Horizonten sind die Lagerbánke einander ziemlich genáhert wie es die Fig. 18 
einer Abbaustrasse versinnlicht. Dieselben werden mit der ganzen Breite der Abbau- 
strasse, also in der ganzen Máchtigkeit von bedeutend ber 6" abgebaut. Es kónnte 
hier die Lagerstátte von mehr als 6" und noch bedeutend darůber als Lager- 
stock bezeichnet werden. — In den tieferen Láufen aber wird das gesammte 


Die Lagerstátte, welche aus ein- 


191 


Berg-Mittel, welches die Erzbánke fůhrt, máchtiger, ober die einzelnen bau- 
wůrdigen Bánke (Lagerbánke) entfernen sich mehr von einander; in Folge dessen 
werden die Zwischenmittel bedeutender und es kónnen demnach die einzelnen 
Lagerbánke nur fůr sich abgebaut werden, wie solche einzelnen Lagerbánke die 
Figuren 15, 16, 17 zeigen. Die Verengung des bauwůrdigen Theiles des Stockes 
betrágt vom 7—8. Lauf 1'/,", es ist also ein echtes Lager. Freilich treten dann 
mehrere, durch etwas máchtigere mit spárlicheren Pyritlinsen durchsetzie oder 
durch Pyrit impraegnirte, jedoch unbauwůrdige Zwischenmittel getrennte Lager zum 
Vorschein. GAuarznester mit oder ohne Pyritimpraegnation begleiten die lenticu- 
láren Lagerbánke oder Lagernester des Pyrites durchwegs. 


Die Erzlagen (Lagernester) keilen sich meist bald aus, nehmen auch oft 
plótzlich an Máchtigkeit zu oder zerstreuen sich in Impraegnationen. Háufie sind 
dieselben gewunden, oft stark gewunden, gerade so wie die schlůpfrigen nachgie- 
- bigen Pyrophyllitschieferschichten. 


Kurze Verwerfungen findei man nicht háufig, weil der sehr nachgiebige 
schlůpfrige Schiefer sich leichter unter dem Drucke windet, als dass er reisst; 
lángere, und zugleich bedeutende Verwerfunegsklůfte sind wohlbekannt und mit 
gar leicht schlůpfrigem, rutschendem, zermalmtem weissem Schiefer ausgefůllt. 
Dieselben haben auf die Erzlagerstátte keinen sonderlichen Einfluss. 


Die Bergbauverháltnisse. 


Das Lager ist durch eine Fláche von 6 einfachen Grubenmassen belehnt; 
durch einen von der Chrudimka aus dem Liegenden ins Hangende getriebenen 
Stollen von 1593 Meter Lánge, welcher 22%/, Meter Saigerteufe einbringt, und 
dann durch drei Scháchte aufgeschlossen. Alle drei Scháchte sind Saigerscháchte 
und im Hangenden des Lagers angelegt. 

Der Hauptrichtschacht ist als Bartholomei-Fórderschacht mitten im Dorfe 
Gross-Lukavic knapp nórdlich an der nach Bytovan fůhrenden Strasse in geringen 
lichten Dimensionen angelegt, durch 8 Láufe mit dem Lager verbunden und 165 
Meter tief. Am Schachte steht ein zweipferdiger Pferdegoppel fůr Tonnenforde- 
rung eingerichtet. 

Ueber 100 Meter sůdlich vom Fórderschacht ist der mit einem oberschlách- 
tigen Wasserrad versehene Kunstschacht, der auf den dritten Lauf, 66"/, Meter 
tief, herabgeht. Noch etwas weniges sůdlicher ist der auf den Štollenhorizont, 
223/, Meter, abgeteufte Wetterschacht. 

Der Stollen, welcher die Grube von Wássern lóst, ist nicht befahrbar, da 
derselbe so eng gewólbt ist, dass nur hagere Burschen durchschlůpfen kónnen. 

Die 8 Láufe, welche in Saigerabstánden von 20 Meter unter einander 
folgen, sind mit dem Forderschachte durch Auerschláge verbunden, der erste Lauf 
oder der Stollenhorizont ist unter dem Schachttagkranz 22*%/, Meter, der dritte 
66'/, Meter, der fůnfte 104'/, Meter, der siebente tiefst zugángliche 1384 Meter. 

Der achte Lauf 163 Meter tief, ist ertránkt. 


192 


Im Lager sind, je tiefer desto unregelmássigere Strecken getrieben, was 
das Vorkommen der Lagerstátte charakterisirt, indem die einzelnen bauwůrdigen 
Lagerbánke von einander entfernter stehen, die Aufschlussstrecken auch von einer 
vertaubten Lagerbank guerschlácig oder schief auf eine andere ansetzende Bank 
iibergehen, wodurch die Unregelmássigkeit bedingt wird. Durch Gesenke, in welchen 
Haspelforderung stattfindet, werden die Láufe unter einander verbunden. Der 
Aufschluss und die Ausrichtung des Lagers ist besonders in der Tiefe unvoll- 
kommen. 

Der Abbau ist ein Firstenstrassenbau; die Penis hatten in den 
oberen Bauen, wo das Lager máchtiger war, bedeutende Breite und sind die- 
selben sogleich nach dem Abbau versetzt worden, so dass keine Kastenzimmerung 
nothig war. 

Die Štrecken stehen trotz der Milde des Gesteins ausserordentlich gut, 
meist ganz ohne Zimmerung, ebenso die Firstenstrassen, was dem Mangel an 
eigentlichen zusitzenden Wássern zuzuschreiben sein důrfte; denn die Kunst besorgt 
nur die Hebung der in den oberen Horizonten sickernden Tagwásser. 

Auch bedeutende áltere verhaute Zechen stehen <anz gut ohne Verbruch. 
Bei einer bedeutenderen Wasserlássigkeit důrfte das Gestein aber, insbesondere 
an den schlůpfrigen Verwerfungsklůften ziemlich druckhaft erscheinen. 

Die Wasserhaltung besoret ein enges oberschláchtiges  Wasserrad von 
7:6 Meter Durchmesser, auf welches das Aufschlagwasser durch eine geneigte 
Holzrohre aus einer fůr die Fabrik bestimmten Wasserleitung von Radochlín 
(Libáň) zugeleitet wird. Der Kraftaufwand ist 3 Pferdekráfte. Die wenigen Wásser 
heben zwei Plungerpumpen, eine am dritten und die andere am zweiten Lauf bis 
auf die Stollensohle. Das Gestánge ist ein Drahtseil, mit einem Gewicht von 280 Kg 
belastet. Die Plunger sind ganz von Hartblei 11:85 cm im Durchmesser und von 
91:6 cm Hub. Die Steigróhren sind von Blei. Die Grubenwásser (Tagwásser) sind 
ziemlich sauer und wůrden Eisenbestandtheile bald unbenitzbar machen. 

Der Stand der Arbeiter ist im Jahre 1874 gewesen: etwa 43 Háuer und 
50 Fórderer. Die Háuer haben ein Geding von 32 i. 0. W. fůr 40 Tonnen 
(— 44 Kubikmeter) erziges Hauwerk; die Fórderer, welche selbst die Haspel- 
forderung besorgen, per 40 t. 15 A. Die Háuer verdienen sich in der 8stiůndigen 
Schicht 41 bis 45 kr. 0. W. Die Fórderer 36 bis 37 kr. 0. W. 

Die Schachtfórderung geschieht in Tonnen von 11 Kubikmeter (9'/, Kubik- 

Fuss) Inhalt. 
Die jáhrliche Fórderung an Erzhauwerk betrug: 


18601... . . . 860 Kubikmeter 

1862547 40J0. mano0 ; 1860910. ovhióln555 Kubikimot65 
1863303 1685 ě 1870x, opia uj0a : 
1864118 sedlo: 880 4 187kyf „128 1dlkaw 188 i 

1965 jg dotiný  Vápddl0 e BTD 5 

1806 1x9 dB ž 1813, bula k Seas 5 
BB k dy dšpaješa EU BLA P 1874 SEPA 6 b 

1868 , Ráda Cd A 1875 (halb. Jahr) 600 h 


Ein Kubikmeter gefórdertes Erzhauwerk gibt etwa 23 t. Erz. 


193 


Das gefórderte Hauwerk wird gewaschen, indem es im fliessenden Wasser 
mit Schaufeln durchgearbeitet wird; kleineres Erz wird auf die allereinfachste 
Art geschlemmt. 


Da das Erz nur in etwa hanfkorngrosser Zerkleinerung, die durch horizontal 


sich bewegende Můhlsteine erzielt wird, zum Verbrennen zu schwefliger Sáure 
bestimmt ist, welche in Schwefelsáurekammern geleitet wird, so ist dasselbe nicht 


rein von der Bergart zu scheiden oder aufzubereiten; es ist dies aber dem Ver- 


brennungsprozesse nicht hinderlich. 


Es kann auf die Bergart und den Waschverlust */; abgerechnet werden. 

Geschichtliches. Die Erzlagerstátte wurde zu Anfang des 18. Jahr- 
hundertes durch Zufall (beim Brunnengraben) erschůrft und von Prager Gescháfts- 
leuten bebaut. Doch scheint der aus dem Bergbau gezogene Nutzen kein sonder- 
Jicher gewesen zu sein, da dieselben um einen kleinen Abfindungsbetrag den Bergbau 
im Jahre 1732 an den Erben sámmtlicher Graf Schonfeld'schen Gůter, Firsten 
Johann Adam Auersperg úberliessen, dessen Nachkommenschaft jetzt noch den 
Bau besitzt. 

Seitdem der Bergbau im fůrstlichen Besitze ist, wurde aus dem Pyrit 
Schwefel u. z. bis zum Jahre 1808 gewonnen; aus den Bránden aber durch Ab- 
wittern derselben Eisenvitriol, dann rauchende (bohmische) Schwefelsáure “*) und 
Caput mortuum (Engelroth) erzeugt. Um das Holz der Wálder zu verwenden, 
wurden móglichst viele Holz verzehrende neue Industrien an die neu entstandene 
Fabrik angereiht, so eine Salpetersiederei und Salpetersáurefabrik. Lukavic war 
neben Altsattel die einzige Fabrik in Bohmen, welche Schwefelsáure und Salpeter- 
sáure erzeugte und in Handel brachte. Kremnitz und Felsóobánya in Ungarn erzeugten 
wohl auch diese Sáuren, jedoch nur zum Verbrauch der eigenen Miůnzámter. 


Die Kiese, sowie auch die Rostrůckstánde wurden theilweise auch an die 
Silberhůtten Jung-Vožic und Ratibořic im Táborer Kreise abgegeben. 


Die Fórderung geschah bis 1760 durch den jetzigen Wetterschacht mittelst 
Haspeln, in welchem Jahre der jetzige Bartholomei-Schacht abgeteuft und auf 
Pferdefórderung eingerichtet wurde. Derselbe wurde im Jahre 1809 auf seine gegen- 
wártige Tiefe 163 Meter niedergebracht und spáter noch der Štollen angelegt. In 
der ersten Zeit muss aber der Bergbau, insbesondere etwas nach der Mitte des 
vorigen Jahrhundertes Mangel an Arbeitern gehabt haben, da die fůrstlichen Patri- 


| monialgerichte Diebe und Frevler zur Grubenarbeit, die ihnen mit 4 kr. Wiener 


Wáhrung per Schicht vergůtet wurde, verurtheilten. 
Seit dem jetzicen Jahrhundert ist der Bersbau mehr in den Hintergrund 


| getreten und war derselbe nur als Mittel, um die chemische Fabrik zu erhalten, 


angesehen worden. In der That vermehrte sich die Erzeugung der chemischen 
Producte und die Verschiedenartigkeit derselben (ausser den schon angefůhrten 


wurden noch Adler-Vitriol, Kupfervitriol, Salzsáure, Superphosphat und andere 
Producte gewonnen). 


Seit 1868 wird kein Schwefel mehr erzeust, sondern das Erzklein im 


© Gerstenhoferischen Schiůttofen gánzlich todt gebrannt und auf englische Schwefel- 


© sáure verarbeitet. 


13 


194 


Auch jetzt noch ist der Fabriksbetrieb -die Hauptsache, obwohl er nicht 
mehr als Mittel der Holzverwerthung angesehen werden kann, und der Bergbau 
auch nur ein Mittel zum Zwecke “*) der Erzeugung von chemischen Producten ist. 


Die Limonit-Tagbaue von Ransko. 


Wie schon frůher oft bemerkt wurde, besteht die bewaldete Kuppe, an 
deren NW Fusse das Hůttendorf Ransko liegt, aus einem runden Šerpentinmassiv, 
welches von Innen nach Aussen durch einen Ring von Troktolit, dieser durch 
Corsit umhůllt wird, der mit Diorit und Amphibolgranit oder Gneus in Beriůhrung 
tritt. Das kreisformige Serpentinmassiv besitzt den mittleren Durchmesser von 
etwa 2"/, km. Vom Troktolit derselbe nicht scharf getrennt, ebenso ůúbergeht 
der Troktolit durch das Zwischengestein des olivinháltigen Corsites in echten 
olivinfreien Corsit, obwohl wegen der Bewaldung die Gránzen nicht úberall mit 
der wůnschenswerthen Schárfe kenntlich sind. Den čstlichen Fuss der Ransko- 
Kuppe bedecken untercenomane Sandsteine. Der Corsit- und Troktolitkranz sind 
durch zahlreiche Blócke im Walde angedeutet. 


An vielen Orten sowohl am Corsit, Troktolit, als auch am Šerpentin, der 
dessen Mitte einnimmt, findet man entweder horizontale oder sehr schwach geneigte 
Lagerstátten, das ist Decken von Limonit, der aus der Zersetzung des Corsites 
oder Serpentins hervorgegangen ist und im Liegenden durch Úbergánge mit beiden 
Gesteinen verbunden ist, in Ausláufern und Klůften in dieselben eingreift, sowie 
auch noch unzersetzte Kerne derselben einhůllt. 


Weil sich die Umwandlung des Diorites oder Šerpentins in Limonit gerade 
nur an Stellen zeigt, die eine sanfte Neigung besitzen, oder aber ebene Ráume 
mit schwacher Vertiefung auf der Hóhe der Serpentinkuppe bilden, so liegt die 
Vermuthung nahe, dass blos Gewásser die Zersetzung der Gesteine bewirkt oder 
doch unterstůtzt haben mógen. 


Es findet diese Vermuthune nicht nur darin eine besondere Stůtze, dass 
sich in der Náhe solcher Limonitdecken auf der Serpentinkuppe noch schwache 
Reste von zu sandigen Letten umgewandelten untercenomanen Schieferthonen 
(Perucer Schichten) vorfinden, sondern sie ist auch durch die Art der měglichen 
Umbildung des Serpentines in Limonit, wobei Wasser jedenfalls zur Wegfůhrung 
der Magnesia- und Siliciumverbindungen, die durch Zersetzung frei wurden, noth- 
wendiger Weise mitwirken, leicht begreiflich. 


SS0 und SO von Ransko vom Hochofen aus gemessen in den Entfernungen 
von 550—600* , dann 850—880= , 1100—1200= befinden sich am zersetzten, 
ursprůnslich wahrscheinlich olivinháltigen Corsite drei Tagbaue von Limonit; die 
zwei ersteren sind die sogenannten Ransko-Zechen. Dieselben liegen, und zwar die 
ersten zwei (Ransko und Pelles-Zeche) zwischen dem Damme des Řekateiches und 
dem Dorfe Ransko, die letzte oder dritte (Gabrielagrube) am Ende des Řeka- 
teiches an dessen linkem Ufer. Die zwei ersten Tagbaue auf der Limonitdecke 
sind beinahe erschopft, die zweite Zeche ist jetzt als Grubenbau im Betriebe. 


195 


Die Neigung des Lagers in dieser sogenannten Ransko-Grube ist sanft 
gegen den Teich, also gegen NO. Das Erzlager hat eine Máchtigkeit von 2 bis 3 m, 
welche aber bis zu 9 m sich ermáchtist. Das Hangende von 2 bis 9 m Tiefe 
besteht aus Letten, in welchem grosse Knauer von mehr oder weniger frischem 
Corsit, augenscheinlich die letzten Reste von zerstorten und vom sanftea Gehánge 
herabgelansten Corsitmassen liegen. 

Der Limonit ist entweder ochrie oder halbfest, auch ziemlich fest mit Rinden 
- von dichtem, festerem Erze, wohl auch mit Geoden durchsetzt. Gegen das Liegende 
zu wird das erdige Erz schwach grůnlich (etwa wie Seladonit), mit schwachen 
Adern von Calcit durchzogen, was den Úbergang in festeren oder brockligen auf- 
gelósten Corsit vermittelt. Solche, den Úbergang bildende faule Gesteine sind mit 
Erzadern durchfliochten, durch ein grůnes chloritáhnliches Mineral grůn gefárbt, 
einem Diorittuff nicht unáhnlich, zugleich brócklig und kalkreich, schmutzig 
dunkelgrůn, rothbraun angelaufen, mit erdigen Kernen. 

Sůd-oóstlich 350—380“ weit von der Ransko'er Grube ist am linken Teich- 
ufer die dritte Zeche, Gabrielagrube, mit einem unter áhnlichen Verháltnissen auf 
zersetztem Corsit auftretenden Limonitlager, welches durch stellenweise 9" máchtigen 
Lehm mit grossen frischen oder faulen Corsitblócken úberlagert wird. 

Die Erze sind am flachen Fusse, also náher gegen das Teichufer máchticer, 
wáhrend sie dem sanften Gehánge aufwárts schwácher werden, bis sie sich auskeilen. 

Auf der Hóhe der Kuppe, die aus Serpentin besteht und Ebenheiten zeigt, 
befinden sich zwei Gruben, die Josefigrube und die Nikolaigrube, beide nahe an 
der Strasse, welche von Ransko nach Borová fůhrt. Erstere SSÓ von Hochofen 
Ransko 2150“ , wenige Schritte S vom der Biegung der Strasse von S nach WSW, 
- letztere S vom Hochofen 2450" oder genau W von N Ende von Hlubokov 1330". 
Beide besitzen gegen 3 m ochrige Limonite, die von gelben bis gelbbraunen 
thonigen Sanden von 2 m und darůber Máchtigkeit bedeckt werden. Im Hangenden 
sind Brocken und lose eincgebettete Stůcke von wenig zersetztem Serpentin. Im 
Liegenden des Ockers halbzersetzter Serpentin. In der Nikolaigrube zeigt sich im 
Liegenden ein Gestein, welches noch nicht gánzlich ausgeprágter Serpentin ist, 
demnach ein weit in Umwandlung begriffener Troktolit, weil die Nikolaigrube 
gerade so wie die vorerwáhnten nahe am Rande liegt und zwar schon im Bereiche 
des Troktolitkranzes, wáhrend die hier vorher erwáhnten Gruben noch randlicher, 
auf dem Olivin-Corsit sich befinden. : 

Nur die Josefizeche befindet sich im wirklichen Serpentin mit Marmolit- 
und Pikrolitklůftchen und Magnesitschnůrchen. 

Die sandig lettige Decke des Erzlagers stellt die letzten Reste von unter- 
cenomanen zerfallenen Schieferthonen vor, welche durch Erz ochrigeelb gefárbt sind. 

Die 5 hier angefůhrten Decken von ochrigem Limonit, welcher nur unter 
- einer restlichen untercenomanen Decke mit oder ohne gróssere Gesteinsknauer als 
wirkliche lagerartige (Contactlagerstátten) Bildungen auftreten, besitzen bei einer 
Breite von 50—150" eine 2 bis 2", fache Lánge; sie bilden demnach Ellipsoide. 

Die bedeutendste Limonitablagerung als Decke auf faulem Troktolit (bei- 
nahe durchwegs aus Olivin zusammengesetzt) und nicht auf echtem Serpentin, weil 
ste sich auch am Rande der Serpentinparthie befindet, liegt mitten zwischen Ransko 

13* 


196 


und Borová, vom Ranskoer Hochofen gegen SW 2"/; km entfernt. Die Hauptrichtung 
dieser O von der Ransko-Borová-er Strasse sich ausbreitenden Limonitdecke ist 
WSW; die Lánge des Tagabraumes betrágt genau */, km, die grósste Breite 
bedeutend mehr als 150"“. 

Der Bau, welcher sich an der Gránze des Ransko'er und des Borová'er 
Waldes befindet, fůhrt den Namen der Borová-Grube. 

Die Máchtigkeit des braunen meist ochrigen Erzes betrást bis 12" , also 
weniger als dessen nicht festes lettie sandiges Hangende mit den Brocken von 
zersetztem Serpentin. Im Liegenden úbergeht das Erz in Serpentin oder auf- 
gelósten Troktolit. Das Lager wird durch einen beinahe 1 km langen Stollen, der 
aber nur 13'/, m, unterteuft, vom Wasser gelóst. Der Stollen ist mit dem Mundloch 
in serpentináhnlichem Troktolit angelegt und im máchtigsten Lagertheile ist der- 
selbe in Erz getrieben, so dass in dessen Sohle noch 3 bis 4 m Erz ansteht. 

Frůher wurde in dem Lager Grubenbau getrieben, desshalb die Fláche 
Pinge an Pinge und darin auch Wassertůmpel zeigt. Jetzt werden die Erzlagerreste 
mittelst Tagbau gewonnen. 

Ausnahmsweise zeigt sich an einigen Orten im Lager ein oolitischer 
thoniger Limonit mit bis hanfkorn- und erbsengrosseu, entfernt von einander 
stehenden kugelrunden Ooliten. 

In dem Lager ragten aus dessen Liegendem taube, das ist nicht ganz in 
Erz umgewandelte Parthien von Šerpentin oder zersetztem Troktolit in das Erz 
hinein; dieselben stehen jetzt als Klippen in dem beinahe ganz erschopften Tagbaue, 
dessen Sohle uneben erscheint, da die Umwandlung des Serpentines oder faulen 
Troktolites unterschiedlich tief stattfand. Eine scharfe  Gránze zwischen ochrigem 
Erze und dem Liegend-Serpentin gibt es nicht, weil sowohl allmáhlige Úbergánge 
als auch Durchtrimmerungen, die erzig sind, stattfinden. *“) 

In dem Serpentin bemerkt man stellenweise noch Úbergánge von Diorit 
oder Corsit oder Troktolit in Serpentin. Ein solches Úbergangsgestein enthált in 
geringer Menge Arsenopyrit accessorisch eingesprenst. Im nicht ganz frischen 
Diorit oder olivinháltigen Corsit in der Náhe des Stollenmundloches streicht ein 
festerer mittelkórniger Dioritgang mit zahlreichen kleinen eingewachsenen Kórnchen 
von Pyrrhotin, spárlichem Pyrit und noch spárlicheren Chalkopyritkórnchen. 


k o E 


Anmerkungen. 


1) Auch bei Biskupic unweit Ronov wird ein Kalklager angegeben. Ohne Autopsie. 

$) Es muss auf die eingehenden Arbeiten und zwar: Krejčí, Studien im Gebiete 
der bohmischen Kreideformation; Frič, Palaeontologische Untersuchungen der einzelnen 
Schichten der bohmischen Kreideformation (Archiv d. naturw. Landesdurchforschune v. 
Boóhmen 1869 Bd. 1. 1878 Band 4 Nr. 1) verwiesen werden. 

+) Auf der Karte nicht besonders dargestellt, wegen der nicht bedeutenden 
Máchtigkeit. 

9%) Die Brůche auf den stellenweise serpentinisirten Kalk, der am Contacte mit 


- den durchsetzenden Eruptivgángen gemenst, demnach unrein ist, sind seit 1840 nicht 


mehr im Betriebe. Die Lagerungsverháltnisse sind desshalb nicht mehr deutlich. 

S) Sowohl Biotit, als auch der cordieritáhnliche Ouarz wurden untersucht. 

7) In England schiebt man zwischen das Laurentin und die cambrische Gruppe 
noch eigenthůmliche Stufen ein, welche den Namen der Etagen, von unten nach oben 
gerechnet: Dimetian, Arvonian, Pebidian kurz Pre-Cambrian erhielten. (Hicks, on a new 
Group of Pre-Cambrian Rocks in Pembrockshire p. 285—295; Hicks, on the Pre-Cam- 
brian Rocks in Caernarvonshire and Anglesea p. 295—309 ete. (Auarterly Journal of 


- the Geological Society London 1879 Vol. 35 Part 2, H. Hicks, on the Metamorphic and 
- Overlying Rocks in the Neighbourhood of Loch Maree, Ross-shire, Ib. 1878 Vol. 34 Part. 


4, p. 811—819). 

Wollte man diese Gebilde auch bei uns in Bóhmen nachgewiesen haben, so 
můssten máanche unter der Etage A liegenden Amphibolschiefer, Glimmerschiefer dazu 
gerechnet werden, deren Verknůpfung mit dem Laurentin aber eine engere ist. Es důrfen 
úberhaupt geologische Verháltnisse eines Landes nicht sogleich auch in ein anderes úber- 
tragen werden, weil die Bildung von Schichten und Formationsstufen nicht nach unseren 
theoretischen Eintheilungen, sondern nach andern Gesetzen, deren Auffindune Zweck des 
Studiums ist, vor sich gingen. 

8) Im Jahre 1831 wurde der Bruch verlassen. 

9) Zwischen Nutic und Citkov wurden in den Klůften, welche das čstliche Kalk- 
steinlagerende verwerfen und die durch den zermalmten schwarzen Thonschiefer ausgefůllt 
werden, von unternehmungslustigen aber wenig unterrichteten Leuten auf Graphit geschůrft. 


19) Bořický, Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Bóhmens p. 92; 


© Archiv d. naturw. Landesdurchforschung Bóohmens 1874 Bd. II, Abth. II., Theil II. 


11) Úber das Eisengebirge findet sich schon eine áltere Beschreibung unter dem 
Titel: Ferd. Andrian, Geologische Studien aus dem Chrudímer und Cáslauer Kreise im 


© Jahrbuch der geologischen Reichsanstalt Wien 1863 Band 13 p 183—208. | Dieselbe 


2) Diese Nummer wurde bei der Redaction des Textes úbersehen und kann daher hier 
nicht berůcksichtiget werden. 


198 


konnte aber nicht benůtzt werden. Noch áltere, wenn-auch ganz kurze, dabei aber richtige 
Andeutungen úber das Eisengebirge finden sich von Zippe in Sommers Topographie 
Bóhmens 1847 Band 5 u. 11 (Chrudímer und Čáslauer Kreis) und Reuss, Kurze Úber- 
sicht der geognostischen Verháltnisse Bóohmens Prag 1854. Zippe hat eine besondere 
Gabe gehabt, in kurzen Worten die Verháltnisse klar zu legen. Wenn sich auch manches 
wáhrend der Zeit in der Terminologie geňndert hat, so bleibt die meist richtig auf- 
gefasste Thatsache doch bestehen. 


12) In der náchsten Náhe der Kirche von Třibuben befinden sich auf dem wenig 
ausgedehnten Lehmplateau drei bedeutende Wálle aus uralter Zeit ganz nahe neben 
einander. 


13) Diese Eigenthůmlichkeit der Gitterung ist nicht als Mikroklin zu deuten, 
welcher Feldspath keineswegs eine ganz gut fixirte Mineralspecies ist, da er noch ver- 
schieden gedeutet wird; sondern sie <ehórt zwei Zwillingsgesetzen des Plagioklases, 


námlich dem háufigen nach oo Po und dem weniger gemeinen, nach oP an.  Wenn die 
Gitterung, abgesehen von der kritischen Berechtigung der Mikroklin-Species, als Mikroklin 
gedeutet werden wollte, so můsste sie den ganzen Auerschnitt umfassen und nicht in 
einem gebinderten Plagioklase fleckenweise auftreten. Ein Fingerzeig, mit der Deutung 
solcher Gittererscheinungen als Mikroklin vorsichtig zu sein. 


14) Diese Formentwickelung des Orthoklases wird als Mikroklin bezeichnet. Ob 
diese Bezeichnung auch zukůnftig beibehalten werden wird, muss, da die Berechtigung 
der Aufstellung der Feldspathart Mikroklin noch in Discussion begriffen ist, dahingestellt 
bleiben. (Gegen die Mikroklinnatur des gestreiften Feldspathes erklárt sich Michel-Lévy, 
welcher denselben fůr Orthoklas hált (Identité probable du microcline et de Vorthose; 
Bulletin de la societé mineralogigue de France 1879 Nr. 5 p. 135—139). 


'5) Ahnliche Staurolith-Phyllite finden sich auch in den Pyrenáen bei Bagněres, 
wo dieselben gleichfalls wie bei Hlinsko in Andalusitschiefer úbergehen, wenn der glimmer- 
reichere Phyllit sich zu einem dunklen Thonschiefer-Phyllit umwandelt. 


19) Wenn man die kurze Mittheilung Rosenbusch's úber die Phaenomene, welche 
den Contact des Granites mit Thonschiefern zu besleiten pflegen, insbesondere bei Barr- 
Andlau in den Vogesen im Neuen Jahrbuch f. Miner., Geologie u. Palaentologie Stuttgart 
1875 p. 849—851 durchliest, findet man in derselben eine solche Ahnlichkeit mit den 
Verháltnissen in der untersilurischen Schieferinsel von Hlinsko-Skuč, dass sich die Ver- 
muthung aufdránst, als wenn diese Phaenomene ůberall die gleichen wáren. 


17) Ottrelit ist nur ein Varietátsname fůr Chloritoid; derselbe enthált bedeutende 
Antheile von Mn, gibt demnach diese leicht kenntliche Reaktion vor dem Lóthrohr. Unser 
Ottrelit enthált aber kein Mn oder nur ganz unbedeutende Spuren, so dass derselbe mit 
der Varietát Vénasguit, welche manganfrei ist, zusammenfálit. (Note sur la Vénasguite; 
Damour Bulletin de la Société miner. de France 1879, II T, 6, p 167). Es wird jedoch 
hier im Texte meist nur der Name Ottrelit neben Chloritoid gebraucht, obwohl, wenn 
schon Varietátsnamen gebraucht werden sollen, die Bezeichnung Vénasguit (wegen der 
Abwesenheit von Mn) passender wáre. 


Etwas verschieden wie der bohmische Ottrelitschiefer verhált sich das Gestein 
des Berges Elias bei Vavdhos, Chalcidice. (F. Becke, Gesteine der Halbinsel Chalcidice, 
| Tschermak, Mineral. u. petrograph. Mittheilungen 1878 Wien, Bd I. p. 269 ete.) 


15) Manche solche Gneusgranite wurden auch fůr wirklichen Gneus gehalten, dem 
also eine eruptive Entstehung nicht abgesprochen werden kann. Allein die Bezeichnung 
als Gneus geht doch etwas zu weit fůr ein Eruptivgestein, in welchem Biotit als Ge- 
mengtheil sich parallel zu den Contactláchen mit dem durchbrochenen Gesteine gelagert 
hat. Die Granitnatur solcher eruptiven schiefrigen Gesteine muss betont werden. Zutreffend 
ist der Aufsatz von Herm. Credner: Der rothe Gneus des sáchsischen Erzgebirges, seine 


S — 


199 


Verbandverháltnisse und genetischen Beziehungen zu der archáisehen Schichtenreihe in 
Zeitschrift d. deutsch. geol. Gesellsch. Berlin 1877 Bd. 29 p. 757—793. Es erscheint hier 
nachgewiesen, dess der Begriff Gneus zu weit gefasst wird und auf granitische Gesteine 
mit durchgreifender Lagerung ausgedehnt wird, wáhrend der echte Gneus geschichtet ist. 


19) Es lag zu wenig Untersuchungsmaterial vor, so dass úber das rothe Mineral, 
das dem Rutil, oder auch dem Haematit, vielleicht auch Haematitpseudomorphosen nach 
Pyrit áhnlich sieht, keine náhere bestimmtere Angabe gemacht werden konnte. 


20) Zippe, welcher ein feines Gefůhl fůr Erkennung von Gesteinen hatte, nannte 
diese Ouarzporphyre, zur Zeit, wo die besten Hilfsmittel nur in der besten Úbung bestanden 
(also vor etwa 40—50 Jahren), mit dem Namen „schwarzer Granit.“ Ohne die besseren 
Hilfsmittel der neuen Mineralogie wůrde es mancher Petrograph, dem die geologischen 
Verháltnisse ebenso unklar wáren, wie vor einem halben Jahrhunderte, kaum besser 
bestimmen kónnen. Wenn das Gestein, das Zippe damals meinte, jetzt Ouarzporphyr heisst, 
so ándert dies nichts an den bedeutenden Verdiensten Zippes, der das Richtige zu treffen 
wusste. 


*1) J. Krejčí und R. Helmhacker Erláuterungen zur geologischen Karte der Um- 
gebung von Prase. Archiv fůr naturw. Durchforsch. v. Bóhmen Bd. IV. Nr. 2 geol. Abthl. 
p. 76 und pag. 187. 


22) In Justus Roth Beitráge zur Petrographie der plutonischen Gesteine Berlin 
1869, 1879 (Abhandl. d. k. Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1869, 1879) finden 
sich Felsitporphyranalysen angefůhrt, deren Si0,-Gehalt selbst bis 65—59'/,9/, herabsinkt, 
also noch geringer ist als in dem Felsite von Svídnice. Unter Félsitporphyr fasst Roth 
aber guarzháltige Gesteine nach dem álteren Eintheilungsprincip zusammen. 


25) Dieser Plagioklas stůnde zwischen Oligoklas und Labradorit in der Mitte. 
Mineralogen, welche den Andesin nicht anerkennen, sondern zu dem Oligoklas ziehen, 
wůrden den Plagioklas zu Oligoklas stellen.  Wenn aber die Andesinvarietát anerkannt 


- wird, so wáre der Plasioklas wirklicher Andesin. Das ándert aber nichts am Charakter 


des Diorites, welcher nur aus irgend einem Plagioklas und Amphibol besteht. Freilich 


© nennt man den Plagioklas am háufigsten Oligoklas. Es liegt aber an der Trennung der 


Plagioklasvarietáten, die keine scharfen Gránzen besitzen, wenig. Spáter, beim Gabbro 
werden sogar Diorite (Uralit-Diorite) angefůhrt werden, deren Plagioklas ein Labradorit ist. 


24) Indessen fůhrt auch Roth I. c. Anmerkung ??) in seinen beiden Zusammen- 
stellungen von Dioritanalysen (nicht Corsiten) Kieselsáuregehalte von 449—419/, also 
noch weniger als im Diorite von Skála an. 


25) Solchen Berechnungen ist indessen umsoweniger Vertrauen zu schenken, je 
veránderter das Gestein und je zahlreicher die Gemenstheile desselben sind und je weniger 
factische Unterlagen eine solche Berechnung besitzt. Bei zwei Gemengtheilen ist eine 
solche Berechnung noch halbwegs wahrscheinlich, da zwei Gleichungen mit zwei Unbe- 
kannten aufzulósen sind (der 3te Gemenstheil, námlich der Magnetit, wurde eigens bestimmt) ; 
bei mehr Gemenstheilen aber ist dem Einbildungsvermogen freier Raum gegeben, denn es 
erscheinen mehr Unbekannte als gegebene Gleichungen. Die Methode befolgt demnach nicht 
mehr den fůr wissenschaftliche Forschungen nothigen Gang. 

Es werden in den folgenden Zeilen p. 132 die Grůnde, wesshalb eine klein- 
kórnige, keine Zwillinesstreifung im polarisirten Lichte zeigende, sich also áhnlich dem 
Orthoklas verhaltende Aggrecatmasse, doch Plagioklas ist, desshalb angefůhrt, weil durch 
die Nichtbeachtung anderer Verháltnisse leicht Fehler entstehen. Da bei der Volum- 
verminderung von Plagioklasen die Zwillingslamellen sich nicht in gleichem Massstabe ver- 
jůngen, demnach viel weniger schnell in der Breite abnehmen, als es den kleinen Indi- 
viduen der Plagioklase entsprechen wůrde, so můssen dieselben ganz verschwinden, wenn 


die Grósse der Plagioklase bis zur Breite der Zwillingslamellen sich verkleinert hat. Die 


200 


Streifung ist fůr Plagioklase sehr charakteristisch, kommt aber nicht *“ausnahmslos vor; 
wesshalb das Fehlen derselben noch nicht -die Plagioklasnatur der Feldspáthe ausschliesst. 
Eigentlich ist also nicht die Streifung ohne Ausnahme, das Charakteristische fůr Plagioklas 
oder das Fehlen derselben ein Erkennungszeichen fůr Orthoklas, sondern nur die chemische 
Zusammensetzung, wo die Krystallform nicht nachweisbar ist. Ein Plagioklas von der che- 


mischen Zusammensetzune und den anderen damit verbundenen Eigenthůmlichkeiten bleibt © 


Plagioklas, mag er eine Streifung oder keine Streifung zeigen. Die Zwillingsstreifung ist fůr 
winzige und auch gróssere Plagioklaskrystalle ein sehr beguemes und schnelles, aber nicht 
ausschliesslich an Plagioklasen vorkommendes Merkzeichen, welches čfters fehlt, als man 
anzunehmen geneigt war. Bei Beschreibung des Corsites wird mehrfach erwáhnt werden, 
dass der Plagioklas (Anorthit) keine Streifung besitzt. 


26) Eine ganz áhnliche Zusammensetzung zeigt der Labradorit des Gabbros von 
Iron Mountain, Laramie Hill U.S, nach Wiedemann; nur enthált er etwas FeO, wahr- 
scheinlich als mechanische Verunreinigune. Die Alkalien sind hier K2O und Na,O im 
Verháltniss von 19,:39/. (Zirkel Microscopical Petrography pag. 109 in Report of the 
Geol. Exploration of the Forthieth Parallel Vol. VI.) 


27) Fůr den Diallag wird als charakteristiseh der geringe Grad von Dichroismus 
angegeben. Es ist dies richtig, allein nicht von allgemeiner Geltung; die allermeisten 
Diallage verhalten sich so. Es kam mir ein Diallag von Salzbures unter die Hand, welcher 
in důnner Platte gespalten, in der dichroscopischen Loupe ebenso starke Farbendifferenzen 
zeigte, wie manche Amphibole. Ein neuer Belee dafůr, dass bei Bestimmung von Mine- 
ralien in Důnnschliffen Vorsicht geboten ist. 


28) Die herausgerechnete theilweise Analyse des Amphiboles (Uralites) hat wie 
alle berechneten Analysen nur geringen Werth, weil die accessorischen Gemengtheile weder 
der Menge noch der Zusammensetzung nach bekanmt sind. So ist der herausgerechnete 
Gehalt von Fe,O0,, abgesehen davon, dass ein bedeutender Theil als FeO in der Ver- 
bindung vorhanden ist, desshalb zu gross, weil der auf den Fe-Gehalt der Analyse Einfluss 
besitzende Magnetit im Gemenge des Gesteines der Menge nach nicht bekannt ist. Solche 
Analysen, welche die Rechnung ercibt, sind desshalb nur mit Vorsicht aufzunehmen und 
darf man dieselben nur als genáherte Werthe betrachten. 


29) Der Corsit auf Corsica, wo derselbe zuerst in der merkwůrdigen sphaeroidalen 
Textur schon vor mehr als 50 Jahren bekannt geworden ist, bildet im Amphibolgranit, der 
aus Orthoklas, Oligoklas, Sphen, Amphibol, welcher letztere theilweise in Chlorit umgewandelt 
ist, besteht (wohl auch Auarz?) drei Stócke in der geogr. Breite von 419 43'/,' und der 
óstlichen Lánge von Paris 69 45“/,". Die kurzen, nahe an einander liegenden Stůcke, von 
denen der nordliche und sůdliche bis 4"/„ km. lang und 2"/, km. breit sind, der mittlere 
aber unbedeutend ist, liegen NO von Sarthene 1'/, Myriam., innerhalb eines Dreieckes, 
welches durch die drei Ortschaften Serre, Levie und St. Lucia di Tallano (Campo longo) 
gebildet wird. Das Neueste ber dieses Vorkommen jedoch in der gróssten Kůrze ab- 
gefasst ist in Hollande, Géologie de la Corse (Annales des Sciences géologigues par M. 
Hébert « A. Milne Edwards Paris 1877, Tome 9) zu finden. Das Vorkommen des Cor- 
sites in amphibolhaltigen kórnigen Gesteinen wůrde auffallend an das Vorkommen in 
Bóhmen erinnern, wo bei Ransko, Hrbokov ete. auch Syenit und Amphibolgranitgesteine 
vorkommen. 


Es důrften Corsite aber nicht so selten sein, als nach den wenigen Daten, welche 
úber dieselben vorliegen, zu urtheilen wáre; die meisten důrften noch unter dem Namen 
Diorit versteckt sein, worůber nur die wirkliche Analyse des Plagioklases Aufschluss 
geben kann. Bekannt sind Corsite vom Konžavoskoi kamen im Nord-Ural, Poudičre in 
Frankreich, Yamaska mountain in Canada. Bóhmen ist recht reich an diesen sonst so 
seltenen Gesteinen. Ein Corsit in der Umgebung von Prag bei Klokočná (bei Mnichovice) 
wurde schon frůher beschrieben. (Archiv der naturw. Landesdurchforschung v. Bóhmen 
IV. Bd. No. 2. Geol. Abtheil pas. 226.) 


no 


201 


30) Es ist auf Reisen bei Inangriffnahme der Kórperkráfte, dann bei der Zer- 
streuung der Gedanken nicht immer měglich den Anorthit von anderen Plagioklasen 
sogleich zu erkennen, da das nur mit der Erfassung von' Thatsachen im gróssten Mass- 
stabe angewóhnte Auge nicht mehr an das Winzige der Gesteinsuntersuchung accomodirt 
ist. Storend wirkt auch die ungewohnte Beleuchtune oder die zu weit gehende Zersetzung. 
Nichtsdestoweniger lásst sich der Anorthit von anderen Plagioklasen dem blossen Ansehen 
nach, als auch nach der Art der Verwitterung im Arbeitszimmer bei gewohnter Accomo- 
dation des Auges an nahe liegende Gegenstánde und weniger Zerstreuung durch geo- 
logische Verháltnisse im Grossen, erkennen. 


31) Wie dies auch bei Labradorit schon háufig nachgewiesen worden ist, Bei 
Diorit wurde das Vorhandensein von gegittertem Plagioklas (Andesin) auch nachgewiesen. 
Es ist demnach bei der bekannten Zusammensetzung solcher gitterfórmig doppelt hemi- 
tropen Feldspáthe nicht an Mikroklin zu denken, zu dem mán solche Feldspáthe manchmal 
voreilig ohne die Zusammensetzung derselben zu kennen, stellt. Es ist richtig, dass die 
optischen Eigenschaften recht charakteristisch sind fůr die Bestimmung der Mineralien 
unter dem Mikroskope, sie sind aber doch nur ein Theil der Mineral-Kennzeichen, denn 
zu" EKrkennung eines Minerales gehůren alle seine Merkmale; in allererster Reihe ist es 
die chemische Zusammensetzung, welche in den schwierigsten Fállen das einzige und auch 
sicherste Kennzeichen bleibt. 


32) Wie schon vorher angefůhrt, ist die herausgerechnete Analyse immer mit 
Vorsicht aufzunehmen. Weil hier aus zwei Gleichungen je eine Unbekannte aufzusuchen 
war, so ist die herausgerechnete Analyse des Amphiboles ziemlich nahe seiner wirklichen 
Zusammensetzune. 


33) Die Aufschlůsse můssten zahlreicher sein, um sich mit Sicherheit fůr den 
lager- oder gangartigen Charakter der Lagerstátte aussprechen zu kónnen. Die Bezeichnung 
als Lager scheint den Verháltnissen, wie sie sich darstellten, angemessener zu sein, 
wesshalb sie gewáhlt wůrde. Leider gestatten die anderen verfallenen zahlreichen Gruben 
keine Untersuchung der Lagerungsverháltnisse. 


34) (Tschermak, Úber Pyroxen uud Amphibol, Tsch. Mineralocische Mittheilungen 
1871 p. 22 1te Folge). 


35) Spáter wurde auch im Granit des Isergebirges dieses Mineral (Niobit) von 
Janovský aufgefunden (Berichte der deutschen chem. Gesellsch. 1880, XIII, p 139 ete.) 
und da das Vorkommen etwas reichlicher ist, auch amalysirt. 


99) Die Třemošnicer Schlucht entsteht durch Vereinigung der linksseitigen Peklo- 
schlucht und der rechtsseitigen Starodvorská rokle (Althofer Schlucht). 


87) Verschmolzen wurden die Erze im Hochofen von Hedwigsthal in der Tře- 
mošnicer Schlucht. 


8) Auf Talk ist nur dem Ansehen nach geschlossen worden, eine eingehendere 
Untersuchung liegt nicht vor. Keinesfalls ist aber das Mineral Serpentin, schon wegen 
der geringen Hárte von 2. 

39) Ohne Autopsie. 

40) Ebenso findet sich noch ausserhalb des Bereiches der Karte am rechten 
Sázavaufer zwischen Ronov und Pořič (náher an Pořič) oberhalb Přibislav im Gneuse, 
dessen Verfláchen nach 3'/, mit 529 gerichtet ist, und der durch Muscovitgranitgánge 
durchsetzt wird, ein mehrere (10—15) Schritt máchtiges Lager von Olivin, mit stengligem 
Talk, viel kleinen Bronzitkdrnern und Pikrolit. Zwischen dem Schloss Přibislav und der 
Spiritusbrennerei (also O von Přibislav) ist an der Strasse im flasrigen glimmerreichen 
Biotiteneus mit lenticuláren Schichten von lichtem grobkórnigem Gmeus alles nach 4'/,» 
mit 659 verfláchend, in welchem ein 1',"“ máchtiges Lager von dichtem Orthoklas 


(Haelleflint) von licht grauer Farbe eingeschaltet ist. 


202 


41) Welcher auch in ganz áhnlichen Gesteinen mit ebenso bedeutender Máchtigkeit 
zum Vorschein kommt. Helmhacker, Geognostische Beschreibung eines Theils der Gegend 
zwischen Benešov und Sázava 1874 (Archiv d. naturw. Landesdurchforschung v. Bóhmen 
II. Bd II. Abth. I. Theil). 


42) Den Nachweis ob Baryt?, erlauben diese Pseudomorphosen wegen ihres 
spárlichen Vorkommens nicht zu fůhren. 


43) Der Chalkopyrit (dessen Vorkommen sich aber nicht auf Autopsie grůndet) 
ist hier gewiss das ursprůngliche Mineral, aus dessen Zersetzung die andern sauren 
Kupfermineralien als wie Malachit und Lunnit hervorgegangen sind, 


44) Dieses ist eine willkůhrliche Deutung, weil eben die CO,-Menge nicht 
bestimmt werden konnte; wird aber die Rechnung durchgefůhrt, so stimmt der Rest des 
Kupferphosphates ganz mit Lunnit und nicht mit Ehlit, fůr welchen sonst dieses Mineral 
gehalten wird, úberein.  Ehlit hat úbrigens auch eine geringere, schwankende Hárte von 
1"/4, 2, 7; der Ehlit (frůher Prasim = Lunnit von Libethen genannt) hat nur die Hárte von 
o ergeben. 

Da nun diese etwas willkůhrliche Deutung des Glůhverlustes, die aber allein in 
diesem Falle zu der Formel des Lunnites fůhrt, —— auf andere Art gedeutet kommt 
die Ehlitformel nicht zum Vorschein, — doch nicht einwurfsfrei ist, indem derselben 
wohl Wahrscheinlichkeit, aber nicht durch einen Beleg bewiesene věllige Sicherheit zu 
Grunde liegt, so wáre eine erneuerte Analyse mit direkter Bestimmung der CO, erwůnscht, 
zu der aber als Hauptbedingung hinreichendes Material vorhanden sein můsste, da durch 
das Ergebniss derselben entweder diese hier aufgestellte, mit nicht vóllie hinreichendem 
Materiale angestellte Deutung des Minerales als Lunnit zu bestátigen oder zu wider- 
legen wňre. 

Nebenbei sei hier erwáhnt, dass die meisten lteren Analysen der Kupfer- 
phosphate nicht vólliges Vertrauen verdienen, da nirgends die Angabe vorhanden ist, dass 
sie rein und nicht mit Malachit verunreinist waren. Der Glůhverlust wurde einfach als 
H,O gedeutet und dann die Formeln berechnet. Das důrfte neben der Móglichkeit der 
Mengung vorschiedener Kupferphosphate mit einander auch mit ein Grund sein, warum 
die Analysen solcher Mineralien von einander abweichen. 

Schrauf, úber Phosphorkupfererze (Zeitschrift f. Krystallographie und Mineralogie 
v. Groth IV. Bd. 1879 p. 1 ete.) erwáhnt auf pag. 2, dass Exemplare von Kreuzberg dem- 
selben zur Untersuchung vorlagen; in dem Aufsatze ist aber von dem Kreuzberger 
Minerale keine náhere Angabe mehr vorhanden, so dass auch hier die zu einer Analyse 
benůthigte Menge unzureichend gewesen sein důrfte. 


45) Fůr den Hochofen von Hedwigsthal bei Třemošnic. Schlackenreste finden 
sich hier im Walde háufig, desshalb das Erzvorkommen ein altbekanntes sein muss. 

46) Das Vorkommen des Chalkopyrites wird hier ohne Autopsie angefůhrt. 

47) Úber das Erzvorkommen gilt alles das, was schon im Archiv der naturw. 
Landesdurchforschung von Bóhmen II Bd., II. Abth. I. Theil, Vála u. Helmhacker, Das 
Eisensteinvorkommen in der Gegend von Prag und Beraun auf pag. 353—357. (Die Erze 
der Kreideformation) angefůhrt erscheint. 


48) Da der Pyrit selenhaltig ist, enthált die bohmische Schwefelsáure Selen 
gelóst, welches durch Verdůnnune derselben als rother Schlamm ausgeschieden wird. 


49) Sucht man fůr dieses Vorkommen ein anderes hnliches, so wird man an 
Walchern bei Oblarn im Ennsthale Obersteiermarks erinnert, wo Pyrite auf eine áhnliche 
Art, jedoch in festen krystallinischen Gesteinen im Auarzschiefer und Glimmerschiefer 
vorkommen. Es ist diese Lagerstátte noch zu wenig bekannt, um bessere Vergleichungen 
anstellen zu kónnen; dieselbe sollte nur erwáhnt werden, damit sie sich der Aufmerk- 
samkeit nicht entziehe. Vielleicht wáre auch das Vorkommen von Kiesen (Pyrit, Pyrrhotin) 


203 


in Norwegen zu vergleichen. (Forekomster af Kise i Visse Skifere in Norge af Amund 
Helland, Christiania 1873 (Universitestsprogram for 1Iste Semester 1873). — 

Die geschichtlichen Daten stammen von Herrn Fabriksdirektor zusleich Gruben- 
> betriebsleiter Th. Woat. 


90) Analogien dieses Limonitvorkommens in Form von lagerartigen Decken auf 
- Serpentinen finden sich an andern Orten auch. So im Bůhmerwalde bei Chmelná am 
Fusse des Blánsker Waldes, im Wáldchen und bei der Einschicht Šimeček, sowie in den 
Nebengráben und dem Plateau zwischen dem Tanzmeister- und Sommergraben bei St. 
Stephan im Murthale, Obersteiermark. (Helmhacker Úber einige Lagerstátten von Limonit 
im Serpentin, Zeitschrift des berg- und hůttenmannischen Vereins fůr Steiermark und 
Kárnthen 18706.) 


Erklárung der Figuren im Texte, 


Fig. 1 pas. 15.  Amphibolgneus in der Schlucht zwischen Ronov und Mladotic 
an der Doubravka in einer etwa "/,"“ máchtigen Lage innerhalb einer Schichtenbank 
schiefrig geknickt, obwohl die Hangend- und Liegendbank ganz ebenschiefrig ist. Die 
schwarzen Linien bezeichnen den Amphibol des Gneusgemenges, das weiss gelassene den 
Orthoklas, Oligoklas und Auarz. 


Fig. 2 pas. 18, 152. Ein Schnitt durch den máchtigen Corsitsang in der Rich- 
tung von NO nach SW unweit NW von Mladotic bei dem bedeutenden Buge des 
Doubravkabaches. Das Liegende des Corsitganges bildet Amphibolegneus; das Hangende 
ist Biotitgeneus (im Holzschnitte bloss als Gneus bezeichnet). 


Fig. 3 pas. 30, 108, 142. Die Ansicht des linken Hlbeufers gegenůber Elbe- 
Tejnic, wie dasselbe von dem Eisenbahneinschnitte entblósst ist, vom Zabořer Bahnhofe 
aus (Station Elbe-Tejnic) bis nahezu gegen Kojic dem Laufe der Elbe folgend. Der 
Schnitt geht demnach nicht vóllig senkrecht gegen die Richtung der Schichten. Die von 
b zu 5 fortlaufenden Zahlen unter dem Schnitte sind die Nummern der Telegraphen- 
stangen; ebenso sind die Kilométerzahlen angegeben. Unter dem Bahnhofe sind Elbe- 
aluvionen; darunter deutlich důnnschiefriger Amphibolit a, welcher durch Glimmerschiefer- 
phyllit ph úberlagert wird und nahe vom Wáchterhaus Nr. 282 mit 339 nach 24* einfállt. 
Darauf folgt wieder Amphibolschiefer a und wieder Glimmerschiefer und Glimmerschiefer- 
phyllit ph; bei dem Wáchterhaus Nr. 281 aber zwei Lagergánge von Gneusgranit ž, welche 
durch Glimmerschiefer ph getrennt werden. Eine Scholle von dem Schiefer pž im Liegend- 
gange bei Telegraphenstange 239 beweiset die eruptive Natur des Gneusgranites. In der- 
selben kommen gegen das Hangende zu schwache Ouarzgánge vor, welche immer spátere 
Verschiebungen andeuten und die auch als lenticulare Ouarznester, weiter oben bei Kilo- 
meter 334, so háufig sind und an die Náhe von Dioritcángen gebunden erscheinen. Vom 
Gabbrostocke g, welcher vom Háuschen 281 bis zum Bahnviaducte unter Vinařice ent- 
blósst ist, trennt den Gneusgranit eine schwache Glimmerschieferlage ph. Vom Viaducte 
aufwárts folgen Glimmerschiefer, die durch schwáchere Gneuseranit- sowie Gabbro wie 
Uralitdioriteánge (g) durchbrochen werden. In dieser Parthie, Stange 229 bis zum Bahn- 
viaduct, wo der tiefere Theil von Vinařic steht, ist die Lagerung deutlich, zwischen 
Stange 226 und 229 aber bedeckt, so dass auf der Figur 3 das Zeichen ph als Glim- 
merschiefer nur mit Wahrscheinlichkeit aufgetragen ist. Bei der Telegraphenstange 225 
nahe des Hohlweges ist aber eine recht bedeutende Verwerfung, da auf Glimmerschiefern 
ph, Thonschiefer der tiefsten Silurétace A (cambrisch) aufruhen, in welchen ein sehr 
feinkdrniger (Uralit) Dioritsang d bemerkbar ist. Die grauschwarzen Thonschiefer A, die 
nach 1%/,» verfiáchen, sind im Liegenden gestůrt gelagert und mit citronengelben Anflůgen 
bedeckt. Im Hangenden úber A folgen důnnschiefrige Glimmerschiefer ph wahrscheinlich 
in etwas discordanter (úberschobener) Lagerung und in denselben bei Wáchterhaus 280 
echte Gáůnge von Gneusgranit Ž und von Uralitdiorit ďd. Der Hangendgang des Uralit- 


o 


oa ke a 


205 


- diorites wird durch Chloritschiefer c getheilt.  Weiter flussaufwárts folgsen dann wieder 


© Glimmerschiefer pň, Amphibolit-Glimmerschiefer a und zwei durch Glimmerschieferphyllit 


p getrennte Lagergánge von Uralitdiorit d 1"/,“ —1'/,"“ máchtig, in deren Náhe, und zwar 
im Liegenden, im Glimmerschiefer lenticulare Ouarznester folgen. Das Hangende bildet wieder 
Glimmerschiefer ph, der nach 1“/,» mit 409 verflácht, mit lenticularen Auarznestern ; dann 
bei 196 ein 3" máchtiger Uralitdioriteang. Im weiteren Hangenden ein sehr důnnschie- 
friger Glimmerschieferphyllit ph mit einem echten Dioritgange d von 1% Máchtigkeit bei 


© 192, in dessen Hangendem wieder langgezogene Auarzlinsen erscheinen. Beim Wáchterhaus 


279 wendet sich die Glimmerschiefer-Uferterasse in der Richtung des Streichens gegen 
Kojic, wesshalb sie hier nicht weiter ausgefůhrt erscheint. — Massstab 1: 10000. 


Fig. 4 pag. 48 stellt die westliche Stirnansicht der Černá skála WNW. von 
Hošťalovic vor; dieselbe ragt aus Chloritdioritaphaniten hervor, ist ganz deutlich ge- 
schichtet, vielfach gefaltet und durch Auarzklůfte durchsetzt. 


Fig. 5 pase. 50 das Thálchen von Tupes gegen den WNW Kipolticer-Teich. Bei 
Tupes tritt die aus groben lichten guarzigen Grauwacken der Etage B bestehende Mauer 
aus der turonen Kreideůberlagerung č hervor und wird durch eine nicht ganz deutlich 
entblósste Verwerfung, die parallel zum Streichen geht, durchsetzt. Am Ausbisse zeigen sich 
grosse, von der Brandung des Kreidemeeres abgerundete Knauer der Grauwacke. (Gegen 
SW folsen Wechsellagerungen von Grauwackenschiefern, die denjenigen der Etage C 
áhnlich sind, mit den guarzigen Grauwacken B; dann ebensolche Wechsellagerungen, jedoch 
mit dunklen kórnigen Grauwacken C, bis dieselben unter Lipoltic vorherrschend werden. 
Die Zeichen B, C bedeuten nicht das Zeichen der betreffenden Etage, sondern beziehen 
sich nur auf das (Gestein. 


Fis. 6 pag. 50, 140. Der Gangstock des Diabases in dem zu einer Schlucht 
verengten Thálchen bei Chrtník (S Choltic). Bei der Ságe durchbricht Diabas ď das 
guarzige feste Grauwackenconglomerat B und schliesst auch eine Scholle von Conglomerat 
B und Grauwackenschiefer C ein. Das Liegende C, sůdlich von der Můhle besteht aus 
transversal schiefrigen Grauwackenschiefern, in denen gewisse, in der Zeichnung punctirte 
Grauwackenschichten den Verlauf der Schichtung andeuten, welche sonst durch die falsche 
Schieferung ganz verdeckt werden wůrden. 


Fig. 7 pag. 54. Idealer Durchschnitt durch das Eisengebirge zwischen Semtěš 
und der Skála bei Lipoltic. Aus der Kreideebene der Doubravkadepression bei Semtěš 
erhebt sich úber turonen Schichten ť, der Steilrand des Eisengebirges, welcher aus Glim- 
merschiefern p, p und Amphibolschiefern am gebildet ist. Deutlich aufgelagert sind die 
cambrischen Schichten A mit der lagerartigen Kalklinse bei der Vápenice. Des ůúber der 
Etage A folgende, bis gegen Lhotka ist nicht so gut entblósst, als es wůnschenswerth 
wáre. Es sind dies zuerst tuffige dunkelgrůne Grauwacken und Grauwackenschiefer d Z, 
dann Chlorit-Dioritaphanite a mit eingeschaltěten Stócken von Aphanitconglomerat s, 
welches bei Lhotka steil nach NO einfállt. Die nun darůber folgenden graugrůnen Grau- 
wacken ď und dunklen Grauwackenschiefer b mit transversaler Zerklůftung, welehe immer 
die Mauer der festen guarzicen Grauwacke der Etage B besleiten, sind ziemlich deutlich 
entblósst, steil verflichend. Was das Liegende und was das Hangende hier wáre, bleibt 
unbestimmt. Bei Podvrd verlieren sich die Schichten B abermals unter obercenomanen 
und turonen Schichten ko, ť. 


Fig. 8 pag. 57. Ein Durchschnitt durch das Thal von der Bačala-Můhle gegen 
Citkov. Bei Dolan bilden korycaner sandige Kalke ko den Fuss der Eisengebirges. Die 
graugrůnen Grauwacken d und die festeren grauschwarzen guarzigen Grauwacken ds sind 
der Lagerung nach zu den Auarziten d, nur ideal dargestellt, da hier irgendwo die 
Zbislavec-Chotěnicer Bruchlinie durchoehen důrfte, welche nicht gut entblósst ist. Weiter 
folgen vielfach gefaltete antiklinal, synklinal und isoklinal verbogene schwarze Thon- 


206 


schiefer der Zone d,, deren Lagerungsverháltniss gegen d, gleichfalls nicht zweifellos 
blossgelest ist. Die Lagerung wird erst im Liegenden des Kalklagers eine deutliche, 
weniger gestórte; nur das Podoler Kalklager v ist in der Citkover Schlucht lokal ver- 
worfen. Die Hangendschiefer d, verfláchen wenig gestůrt, bis sie an aplitische Granite ap 
und rothe Granite g anstossen, in welchen Guarzporphyrgánge p eingelagert sind. 


Fig. 9 pag. 59. Der máchtigste Theil des Kalkstockes bei Boukalka.  Sowohl 
im Hangenden wie im Liegenden verfláchen die schwarzen Thonschiefer d, nach S ganz 
deutlich, trotz ihrer transversalen Schieferung. © Erst im linken Gehánge der Prachovicer 
Schlucht stellen sich die vielfachen Schieferknickungen ein. Bei m treten im Kalkstocke 
die Minettegánge auf, welche auf 


Fig. 10 pas. 59 vergróssert dargestellt sind. Die Figur stellt die entblósste Wand 
eines Kalkbruches oberhalb (S) Boubalka vor; m sind die Minettegánge im kórnigen, 
wohl geschichteten Kalke. 


Fig. 11 pae. 61. Ein Durchschnitt, ideal gehalten, durch den óstlichen Theil 
des Eisengebirges ber Deblov. g sind rothe Granite mit Felsiten f, schiefrigen Felsit- 
porphyren fp, und Dioritaphaniten a, an welchen die Schiefergesteine des Eisengebirges 
absetzen.  NNW von Pohořalka raet die deutlich geschichtete geneigte Mauer von d, 
mit Scolithus-Resten hervor; diese Schichten sind gewoólbartig gebogen; unter denselben 
erscheinen schwarze Thonschiefer bis zur Mauer von d; bei Deblov. Hier bleibt das 
Verháltniss von d, und d, insofern unklar, als es nicht sicher erwiesen ist, ob unter 
Deblov eine Verwerfungskluft durchoeht, trotzdem dasz viel Wahrscheinlichkeitsgrůnde 
fůr den Bestand einer Bruchlinie vorliegen, Unter Mejtky sind wieder schwarze Thon- 
schiefer d, abgelagert, die sich unter korycaner Schichten ko verlieren. Unbestimmt 
bleibt es, ob ein oder zwei Zůge von GAuarziten hier bestehen. 


Fig. 12 pag. 62. Contactstelle zwischen silurischen Thonschiefern p und lauren- 
tinischem Gneuse 7 in der Schlucht, welche von der čstlichen Můhle bei Vojnůvměstec 
gegen ONO aufsteist. Die Stelle des Durchschnittes ist beinahe genau *9 km Ó von 
Vojnůvměstec. Die Thonschiefer liegen auf dem Gneuse discordant und werden SW von 
obercenomanen ce und turonen Schichten ť úberlagert. 


Fig. 13 pae. 81. Ein Durchschnitt durch das Kreideplateau von Leitomyšl- 
Hohenmauth. Der Schnitt geht úber Proseč und Sudislav in gerader Richtung. Bei 
Proseč herrschen rothe Granite (* vor, welche eine Scholle von zu Amphibolphyllit um- 
gewandelten tiefsten Silurgesteinen J* einschliessen. Auf dem Granit ruhen měchtige 
Ouaderschichten U. C. des Unteren Cenomans (Perucer Schichten), darauťf die Unterturonen 
Pláner U. T., welche in der tieferen Stufe aus dem Baupláner in der oberen parallel 
schraffirten Stufe aus merelig důnnplattigsen Schichten bestehen, welche die erste tiefere 
Terrain-Stufe unter Chotovice bilden. Die zweite Terrain-Stufe bilden mittelturone unten 
plattige, oben festere Kalkpláner (Iserschichten) M. T., welche in den obersten Lagen 
sandig kalkig und reich an Callianassa-Resten sind. In der Loučná-Niederung bedecken 
diese Mittelturonpláner bláulich graue důnnplattige Pláner und Mergel des Oberturons 
(Teplicer Schichten) O. T, welche der Schnitt zwischen Cerekvice und Heřmanic zeigt. 
In dem Horizonte der Stillen Adler zeigen sich keine Untercenomanen GAuader, sondern 
bloss glaukonitisehe Sandsteine des Obercenomans O, C. (Korycaner Schichten) welche 
stellenweise auf inselartig zum Vorschein kommenden Graniten G aufruhen. Diese ober- 
cenomanen Sandsteine důrften im SW Theile des Durchschnittes zwischen Bor und 
Chotovice in der tiefsten Lage des Unterturons U. T. vorhanden sein, da sie hier schwach 
und mergelig entwickelt sind. Im Steilrande der Ufergehánge der stillen Adler bei 
Sudislav wiederholt sich die Auflagerung der Plánerschichten U. T. (Unterturon) M. T' 
(Mittelturon) wie schon erwáhnt. Der dargestellte Durchschnitt zeigt den flach mulden- 
fórmigen Charakter der ganzen Ablagerung des Kreidesystems. 


201 


Fig. 14 pag. 112. Ein Durchschnitt in der unbedeutenden Thalschlucht mitten 
zwischen Unter-Holetín und Ober-Babákov, oder genau S 1'/, km von Stříteř (N Hlinsko), 
die Gránze zwischen Granit und Phyllit p (umgewandelten Grauwackenschiefer der Hlinsko- 
Skučer Schieferinsel) darstellend. 

Der jůngere Biotitgranit, grauer Granit žŽ von etwas gneusáhnlicher Textur gránzt 
an Phyllit, welcher zu kleinkórnigem gestrecktem Amphibolschiefer a metamorphosirt ist, 
der in Phyllit p úbergeht. Gánge von Diorit d und ganz unvollkommen schiefrigem Granit- 
porphyr (oder Ouarzporphyr) po durchsetzen nahe der Gránze die Phyllite, welche in der 
Náhe der Gánge in der Lagerung gestórt sind. Der Schnitt, welcher genau von N nach 
S geht, durchsetzt die Schichten etwas schief, da deren Verfláchen (falls es nicht die 
transversale Textur ist) nach 8*/," mit 78 bis 9"/,* mit 809 gerichtet ist. Die unvoll- 
kommene Schieferung des Granitporphyres geht parallel der schiefrigen, wahrscheinlich 
aber transversalen Textur des Phyllites. 


Fig. 15, 16, 17 pas. 190. Streckenórter auf Pyritlagern im Pyrophyllitschiefer 
am 7, 6 und 5 Laufe des Bartholomeischachtes in Gross-Lukavic. Die derben lager- 
artigen Pyritbánke und Schnůre, welche schwarz gehalten sind, begleitet Ouarz in lenti- 
culáren Nestern. Die Máchtigkeit ist sehr wechselnd. 


Fig. 18 pag. 190. Ein Abbauort auf einzelne lenticuláre Pyritbánke (Lager) und 
lagerartige Schnůrchen am 1 Laufe. Die Pyrophyllitschiefer sind stellenweise, da sie nicht 
tief unter Tage liegen durch in Zersetzung begriffenen Pyrit bráunlich gefleckt. Sámmtliche 
Knickungen der Schichten machen die Bánke des Pyrites mit, welche in ihrer Ge- 
sammtheit als Lagerstock aufzufassen wáren. 


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APR 23 1938 


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i maturwissenschaftliche Landesdurchforschune von Bóhmen 
A unter Redaktion von 
Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. J ý Krejčí 
enthált folgende Arbeiten : 


ERSTEBR BAND. 


1 L Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain und Hóohenverháltnisse) 

| Dieselbe enthált: 

a) Das Terrain und die Hohenverháltnisse des Mittelsebirges und des 

Sandsteingebirges im nordlichen Boóhmen von Prof. Dr. Karl Kořistka. 

| 139 Seiten Text, 2 chromolith. Ansichten, 1 Profiltafel und 11 Holzschnitte. 

| 3) Erste Serie gemessener Hóhenpunkte in Bóohmen (Sect.-Blatt II.) von Prof. 

M. Dr. Kořistka. 128 Seiten Text. 

c) Hóhenschichtenkarte, Section II., von Prof Dr. Kořistka. Diese Karte enthált 
die in dem Text «) beschriebene Situation. Sie ist 58 Centimeter lang, 41 Centimeter hoch, 
im Massstabe von 1:200.000 gezeichnet, und es sind die allgemeinen Hóhenverháltnisse 
durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben ausgedrůckt. 
Preis i. 4— Preis der Karte app. . . - -+ + + * © P k 110 Ad 1 js E60 


| II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthált: 


(a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verháltnisse des něrd- 

-© lichen Bohmen von Prof. Johann Krejčí. 37 Seiten Text, 7 Holzschnitte. 

9) Studien im Gebiete der bóhm. Kreideformation von Prof. J. Krejčí. 

V 142 Seiten Text, 1 chromolith. Ansicht, 39 Holzschnitte. 

(ce) Paláontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der bóhm. 

5“ Kreideformation sowie einiger Fundorte in anderen Formationen von 

(ME Dr. Anton Frič. 103 Seiten Text, 4 chromolith. Tafeln, 9 Holzschnitte. 

(4) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hůttenmeister Karl Feistmantel. 
on Seiten Text, 40 Holzschnitte, 2 Karten der Steinkohlenbecken von Radnic jí sy: 

0 o P oa KT RO V, 5, al „45 


II. Die Arbeiten der botanischen Abtheilung. Dieselbe enthált: 


Prodromus der Flora von Bohmen von Dr. Ladislav Čelakovský. (L Theil.) 
not iSeiten Lext tBPO18 1 ea boa- deseo 6 PO koa eds rřvjjje. 1. 1— 


IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált: 


- a) Verzeichniss der Káfer Bohmens vom Conservator Em. Lokaj. 78 Seiten Text. 

-7 db) Monographie der Land- und Sůsswassermollusken Bóhmens vom Assi- 
— stenten Alfred Slavík. 54 Seiten Text und 5 chromolith. Tafeln. 

| c) Verzeichniss der Spinnen des nordlichen Bóhmen vom Real-Lehrer 

M manuel Barta. 10 Seiten Text.. Preis... -. <. 44 "84 l. 2— 


V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthált: 


Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. 16 S. Text. Preis 25 kr. 
Preis des ganzen I. Bandes (Abth. I. bis V.) geb. < « < « « + + + +++ +++: 1. 9 


ZWVEITER BAND. 
Erster Theil. (Hálfte.) 


c I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain- und Hóohenverháltnisse). 
Dieselbe enthált: 

a) Das Terrain und die Hóhenverháltnisse des Iser- und des Rieseu- 
-© gebirges und seiner sůdlichen und čostlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl 
-| Kořistka. 128 Seiten Text, 2 chromolith. Ansicht., 1 Profiltafel und 10 Holzschnitte. 

5) Zweite Serie gemessener Hoóhenpunkte in Bohmen (Sect.-Blatt III.) von Prof. 

— Dr. Kořistka. 84 Seiten Text. 

c) Hohenschichtenkarte, Section III, von Prof. Dr. Kořistka. (Diese Karte 
thált die in dem vorstehenden Text angegebene Situation, sie ist 58 Centimeter lang, 
"41 Centimeter hoch, im Massstabe von 1:200.000 gezeichnet, und es sind die allgemeinen 
- Hóhenverháltnisse durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben 

Mausgedrickt. Preis dieser Abtheilung . - - -< < ©- ++ -+++ +5: 1. 450 


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k ů 


II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthált: = 

a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Boóohmens mit 4 Ta l 
b) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken bei Klein-Přílep, Lísek, Stí 
Holoubkow, Mireschau und Letkow mit 9 Holzschnitten. 

c) Jos. Vála und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Geg n 
von Prag und Beraun mit 6 Tafeln, 9 Holzschnitten und 1 Karte. x 

d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gege há 


zwischen Beneschau und der Sázava, mit 1 Tafel und 1 Karte. "i 
Dieser Theil enthált 448 Seiten Text, 11 'Tafeln, 18 Holzschnitte und 2 geol. Karten, 
Preis“ '$" 4 o vyleze VAK Ae ně V Sovy nen ye 2007 030-2 asd +20 (3 a MOMNSaoa NON B 


IK. Theil enthált: 


Dr. Em. Bořický: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Bóhmens 
mit 294 Seiten Text únd 8 Tafeln, + Erels.t441t Jdi- © = 0. 2000 eV PS č fl. 3" 50 


ZVV ETUEE BAND. 


: 
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Zweiter Theil.  (Hálfte.) | 

IMI. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthált: | 
Prodromus der Flora von Bohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský ar. p 
288 0Seiten"Pext: und“ v "Pafélo VPreisun. dil 2ulalihačuí. tit. eS321CGni10F0hh 260 

IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált: ony MÁ 

a) Prof. Dr. Ant. Frič: Die Wirbelthiere Bohmens. * | 

5) 8 % 4 i Die Flussfischerei in Bóohmen. i 
c) 5 Die Krustenthiere Bohmens. jE 4508 
Mit 1 Tafel, 100 Holzschnitten, 272 Beiten "Eext. Preiss dy vztah nude 8 zoe 1 3— 

V. Chemische Abtheilung. ; 

Prof. Dr. Em. Bořický: Uber die Verbreitung des Kali und der Phosphorsáure 
in den Gesteinen Bohmensi „58 Seiten Text. Preiss: /. 40. 4241. «dk ci 60 kr. 

Preis der ganzen zweiten Hálfte des zweiten Bandes (III., IV. u. V. Abth. zusammen) geb. A. 5— 
Es kann der zweite Band sowohl im Ganzen, wie auch in den fůnf angefůhrten Hanpe: 
abtheilungen, deren jede ein fůr sich abgešchlossenes Ganzes bildet, bezogen werden. 


| 


vého 


sr SP dada BAND. 


Davon ist bisher erschienen: 

JI. Geologische Abtheilung: 
I. Heft. Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Bohmens vo 
Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln, 96 Seiten Text, Preis. . A. 1— 
II. Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Běhmens von 
Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln. 88 Seiten Text. Preis l 1 
III. Heft. Die Geologie des bohmischen Erzgebirges (IL. Theil) von Prof. Dr. 


Gustav Laube mit mehreren Holzschnitten und einer Profiltafel. 216 Seiten Text. 
O S PP APE 0 = 


III. Botanische Abtheilung: 


Prodromus der Flora von Bohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský. 
Schluss.) 320 Seiten Text. Preis 
IV. Zoologische Abtheilung: 
L Heft. Die Myri 10poden Běhmexs von F, V. Rosický mit 24 Holzschnitten. 44 Bálteh 
Rexta Beal © LZ 4i 553 6 rel 00 239W dry ZB i B (ej S M n Ono k M 60 kr 
II. Heft. Die Cladoceren Běóhmens „vón Bohuslav Hellich mit 70 Holzschnmitten 
132 Seiten Text. M 

V. Chemisch-petrologische Abtheilung: P 
Elemente einer neuen chemisch- -mikroskopischen Mineral-und Gesteinsanalyse 
von Prof. Dr. Bořický mit 3 Holzschnitten und 2 lith. Tafeln. 80 Seiten Text. Al. 1:40 


VIEERTEBR BAND. 


No. 1. Studien im Gebiete der bohmišschen Kreideformation. Die Weissen 
berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Frič mit 155 Holzschnitten. 
FO aPiten. Vesi. PP6IS © 4 s ju se 4 160 67 4 00060000 0 odešle M V E . „ Ag 
No. 2. Erláuterungen zur geologischen Karte der Umgebungen von Prag von 
s Krejčí und R. Helmhacker mit 1 Karte, mehreren Profilen und Holzschnitten A. 450 
No. 3. Prodromus der Flora von Bohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský, 
"v Theil.) Nachtráge bis 1880. Verzeichniss und Register. E 
No. 4. Petrologische Studien an den Porphyrgesteinen Býk von Prof. Dre 
Em. Bořický (noch nicht erschienen). “ 
No. 5. Flóra dés Flussgebietes der Cidlina und Mrdlina von Prof. Ed. Pospíchal 


No. 6. Der Hangendflótzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von B 
Feistmantel. K 


Druck von Dr. Ed. Grégr in Prag 1882, — Se)bstverlag. 


SAUDI 


im Gebiete der 


BOHMISOHEN KREIDEP ORLA LION, 


Dolaoontaloischo Unirouohunoen det únadhoy Sitha 


III. 
Die Iserschichten. 


VON 


Dr. A DIT. EBRIČ. 


Mit 132 Textfiguren. 


(ARCHIV DER NATURW. LANDESDURCHFORSCHUNG VON BOHMEN.) 
V. Band. Nro. 2. (Geolosgische Abtheilung.) 


BEUIILN 


im Gebiete der 


BOHMISCHEN KREIDEFORMATION 


Palaeondolootsoh ÚnŘeruaunoeu dol eZen SADIAkÍA 


ZVE 


Die Iserschichten. 


Von 


It A, BOM. EB LC. 
Mit 132 Textfiguren. 


(Archiv der naturw. Landesdurchforschung von Bóhmen.) 
V. Band Nr. 2. (Geolog. Abtheilung.) 


THE UIBRARÝ F ý 
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UINOIS 
nerv. OF ILLINOL 
UNIVERSITÍ ——— —— AML 
E RMG. 
Commissions-Verlag von Fv. Řivnáč. — Druck von Dr. Ed. Grégr. 


1885. 


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Die vorlievcende Arbeit ist die Fortsetzung der Detailstudien in den 
einzelnen Schichten der boóhm. Kreideformation, wie ich mir dieselbe zur 
Aufgabe gestellt habe. Die cenomanen Perutzer und Korycaner Schichten 
wurden im ersten, die turonen Weissenberger und Malnitzer Schichten im 
zweiten Bande des Archives fůr die Landesdurchforschung behandelt. Es 
folgen nun die zunáchst jingeren senonen Iserschichten, deren Studium 
mit ganz besonders grossen Schwierigkeiten verbunden war. 

Es zeigte sich aber auch hier, dass aus dem Labyrinthe der álteren 
verschiedenen Auader- und Plánerbezeichnungen nur durch Festhalten an 
paláontologischen Horizonten der Ausweg zu finden ist und dass die meist 
locale petrographische Beschaffenheit der Ablagerungen von untergeordneter 
Bedeutung ist. 

Das Einsammeln der Petrefacten und die Untersuchung der Profile 
begann im Jahre 1864 und dauerte mit kleinen Unterbrechungen bis zum 
Jahre 1881 und zwar immer in den Ferienmonaten, wáhrend in den Winter- 
monaten an der Sichtung und Bestimmung der Petrefacten gearbeitet wurde. 

Trotz der vielen verwendeten Můhe kann man nachfolgende Arbeit 
nicht als eine den Gegenstand erschopfende Monographie betrachten, son- 
dern nur als einen Fiůhrer, welcher weiteren Studien zur Basis dienen soll. 

Bezůglich der einschlágigen Literatur erlaube ich mir darauí hinzu- 
weisen, dass bereits im ersten Bande des Archives pag. 171 ein Ver- 
zeichniss der einschlágigen Werke sowie deren Wůrdigung von Prof. Krejčí 
gegeben wurde. 

Es kann nicht meine Aufgabe sein, in Nachfolgendem alle veralteten 
hie und da gemachten Aeusserungen úber die Iserschichten zu kritisiren, 


denn es sind dieselben meist ganz ohne paláontolocische Basis oder stůtzen 
sich auf spárliches Material. Bei dem den Publicationen des Archives knapp 
zugemessenen Umfange wůrde es eine undankbare Aufgabe sein, Behaup- 
tungen zu bekámpfen, an deren Vertheidigung wohl heutzutage Niemand 
denken wird. 

Auch die álteren Versuche der Parallelisirung der Iserschichten mit 
Ablagerungen in anderen Lándern waren vor der Verarbeitung des reichen 
Materials an Petrefacten werthlos und man wird nach der Erkenntniss des 
in Nachfolgendem geschilderten Detail die analogen auswártigen Localitáten 
von Neuem sgenau untersuchen můssen und vielfach neue Einsammlungen 
von Petrefacten mit genauer Prácisirung der Fundschichte vorzunehmen 
gezwungen sein, bevor man zur Vergleichung mit unseren Iserschichten 
wird schreiten kónnen. 

Ich theilte auch diese Arbeit in drei Abschnitte, von denen der erste 
die allgemeine Charakteristik der untersuchten Schichten, der zweite die 
specielle Beschreibung der einzelnen Localitáten enthált, wáhrend der dritte 
Ulustrirte Belege fůr die vorgefundenen Arten nebst kurzen Anmerkungen 
liefert und vor Allem zur Orientirung unserer einheimischen der grossen 
paláontologischen Literatur entbehrenden Freunde der Paláontologie dienen 
soll und keineswegs auf eine erschopfende Bearbeitung des vorliegenden 
Materiales Anspruch machen will. 


PRAG im Jánner 1883. 


Dr. A. Frič. 


I. Charakteristik und Glederuno der Iserschichten. 


Charakteristik der Iserschichten. 


Die Iserschichten wurden unter diesem Namen zuerst von Prof. Krejčí *) als 
ein selbststándiges Glied der bohmischen Kreideformation angefihrt. Es geschah 
diess vor Allem wegen ihrer orographischen Bedeutung, da sie in einer Máchtigkeit 
bis zu 100 Meter auf weite Strecken die gleiche Beschaffenheit behalten und als 
ein orographisch individualisirtes Plateau den ganzen Raum zwischen dem basal- 
tischen Mittelgebirge, der Elbe und der Iser bis zur Landesgrenze und darůber 
hinaus in das Bereich der sogenannten sáchsischen Schweiz einnehmen. Die 
paláontologische Begrůndung blieb spáteren Detailarbeiten vorbehalten. 

In den álteren Schriften des Prof. Reuss finden wir aus dem Grunde nichts 
Náheres darůber, weil diese Schichten in dem von ihm untersuchten westlichen 
Theile von Bohmen nur schwach angedeutet und nicht in ihrer charakteristischen 
Form entwickelt sind. Bloss bei einigen Petrefacten fůhrt er **) an, dass sie in 
dem kalkigen Sandsteine des ostl. Bohmens vorkommen. 

Es sind diess z. B. Mytilus Ligeriensis (jetzt Modiola typica), Cyprina oblonga 
von Auscha und Callianassa von Triebitz. 

In einer spáteren Schrift ***) erwáhnt er der Schichten, mit denen wir uns 
befassen und reiht die sandsteinartigen Gebilde im óstlichen Bohmen bei Trůbau, 
Triebitz etec. (p. 76) in die „mittlere Abtheilung der bóhm. Kreide“, fiůigt aber 
hinzu, dass ihre Stellung noch keineswegs sichergestellt ist. 

Die Ouadersandsteine dieser Schichten machten den Geologen viel Schwierie- 
keiten und man guálte sich ab mit der Sicherstellung, ob es ein Unterguader, 
Mittelguader oder Oberguader sel. 

In Bóhmen ist es aber nicht rathsam, die petrographische Erscheinung des 
Ouadersandes als Hilfsmittel zur Pezeichnung von einzelnen Schichten verschie- 
denen Alters zu benůtzen, denn wir haben nicht weniger als 8 Guadersande ver- 
schiedenen Alters: 

1. Ouadersandsteín. Cenomane Sůsswasserablagerung mit Pflanzenabdrůcken. 
(Perucer Schichten.) 

2. Auadersandstein. Cenomane Meeresablagerungen. (Korycaner Schichten.) 


*) Zweiter Jahresbericht der Durchforschung von Bóhmen 1867 und Archiv fůr Landes- 
durchforschung, erster Band Sect. II pag. 48. 
**) Versteinerungen der bóhm. Kreideformation II., pag. 4 und 16. 
**) Kurze Uebersicht der geognostischen Verháltnisse Bohmens, Prag, Calve'sche Buchhand- 
lung 1854, pag. 76. 
| 1 


3. Ouadersandsteín. Sandige Facies der: turonen Schichten mit Inoceramus 
labiatus in der sáchsischen Schweiz. (Weissenberger Schichten.) 

4. Auadersandstečn. Rhynchonellenguader der Dřinover Knollen (bei Melnik). 
(Weissenberger Schichten.) 

5. Auadersandstečn. Rhynchonellenguader der Byšicer Uebergangsschichten. 
(Iserschichten.) 

6. Auadersandstein. Erster Kokořiner AOuader. (Iserschichten.) 

7. Ouadersandstečn. Zweiter Kokořiner Auader. (Iserschichten.) 

8. Auadersandstein. Die Ouader von Grossskal und Tannenberg. (Chlomeker 
Schichten.) 


Da die Ouadersandsteine petrographisch meist vollkommen gleich sind und nur 
selten (mit Ausnahme der Korycaner Schichten) hinreichend bezeichnende Petre- 
facten enthalten, so ist man darauf hingewiesen, ihr relatives Alter nach den 
paláontologischen Einschlůssen der plánerigen und kalkigen Lagen, welche unter 
und úber ihnen liegen, zu beurtheilen. Im das Bereich der Iserschichten fallen 
von den angefůihrten Auadern drei: Nr. 5, 6 und 7 der oben angefiihrten Reihe. 

Auf den álteren Karten der geologischen Reichsanstalt waren die Iserschichten 
nicht ausgeschieden, sondern mehr vom petrographischen Štandpunkte aus ihre 
Ouader und Auadermergel mit denselben Farben wie die álteren Pláner und Auader 
bezeichnet. Erst Dr. U. Schlónbach, welcher unsere Petrefactensammlungen durch- 
zusehen Gelegenheit hatte und welchen ich zu den von uns eruirten instructiven 
Aufschlůssen begleitete, erkannte die Richtigkeit der Ausscheidung der Iserschichten 
als selbststándiges Glied unserer Kreideformation und fůhrt die Weissenberger, 
Malnitzer und Iserschichten in seinem Mittel-Auader und Mittelpláner an *), in 
welcher Auffassung sie seither auf den Karten der geol. R.-Anstalt aufgetragen 
erscheinen. | 

Die paláontologische Begrůndune der Selbststándigkeit der Iserschichten 
blieb mir vorbehalten und ich wurde in der Lósung der Aufgabe sehr ausgiebig 
durch die Bearbeitung der Echinodermen von Dr. Otom. Novák unterstůtzt, deren 
Ergebnisse die Selbststándickeit der Iserschichten elánzend bestátigten. 

Der stratigraphische und paláontologische Charakter der Iserschichten lásst 
sich in kurzen Worten folgendermássen ausdrůcken : 

Die Iserschichten sind kalkicge und sandige Ablagerungen, 
welche den Malnitzer Schichten mit Ammonites Woolgari auf- 
gelagert sind und in ihren oberen Lagen durch A mmonites con- 
ciliatus, Trigonia limbata, Pholadomya nodulifera, Modiola typica, 
Micraster Michellini, Hemiaster plebeius und Caratomus Laubei 
charakterisirt sind. 

Ihnen fehlt Ammonites Woolgari und sie besitzen noch nicht 
den Amm. D'Orbignianus und Cardium Ottonis, welche spáter zu- 
gleich mit der sich wiederholenden Trigonia limbata in den 
Chlomeker Schichten auftreten. ! 


*) Sitzungsber. der geol. Reichsanstalt 1869, pag. 145. 


3 


Die Iserschichten werden von den Teplitzer Schichten mit Terebratula sub- 
| rotunda und Micraster breviporus (M. coranguinum frůherer Autoren) ůúberlagert. 
(Leitomischel, Abtsdorf, Chlomek bei Melnik.) 


| Da die Teplitzer Schichten nicht úberall gut entwickelt anzutreffen sind und 
"wo sie gut entwickelt sind, wieder die Iserschichten nicht typisch auftreten, so 
1 kamen wir auf den Gedanken, dass sich beide vertreten und nur verschiedene 

© Facies einer Ablagerung reprásentiren, zu welcher Auffassung man auch von an- 
' deren Seiten zeitweise geneigt war. 

Diese Gedanken mussten aber fallen, sobald das grosse Material an Petre- 
© facten gesichtet war und genaue Profile an neuen gůnstigen Aufschlissen auf- 
© genommen wurden. 
| Zu den Eigenthůmlichkeiten der Iserschichten gehórt auch das Fehlen der 
| Exogira columba, welche wir frůher vielfach als in denselben vorkommend ange- 
| fůhrt haben. Bei sorgfáltiger Untersuchung der betreffenden Exemplare, welche 
© durch ihre Gesammterscheinung und ihr massenhaftes Auftreten ganz an Ex. columba 
 erinnern, zeigte es sich, dass sie sámmtlich Anwachsfláchen haben, die aber oft 
- sehr klein sind und leicht úbersehen werden. Na ch wohlerhaltenen Exem- 
© plaren wurde festgestellt, dass alle in den Iserschichten vor- 
| kommenden Exociren, die frůher fůr Ex. columba gehalten wurden, 
| der E. conica Sow. angehóren. 


Oefters wurden frůher von Geinitz und von uns die Iserschichten denjenigen 

-von Kieslingswalde parallelisirt, da sie mit denselben die Trigonia limbata gemein- 

- schaftlich haben; aber es zeigte sich nach der Entdeckung der Chlomeker Schichten, 

dass diese den Priesener Bakulitenthonen aufgelagerten, durch Cardium Ottonis 

gekennzeichneten viel jůngeren Sandsteine das wahre Aeguivalent der Kieslings- 
walder Schichten sind. 


Man darf sich nicht durch die Trigonia limbata táuschen lassen, denn sie 
tritt bei uns zweimal auf: erstens in den Iserschichten, ohne Card. Ottonis 
(dann ánderten sich die Verháltnisse und es lagerten sich die Priesener Baku- 
litenthone ab) und zweitens in den Chlomeker Schichten, welche eine modificirte 
Wiederholung der Iserschichten sind, und da in Gesellschaft von Card. Ottonis, 


Zur Orientirung ůúber das Lagerungsverháltniss der Iserschichten gebe ich 
in Fig. 1 ein schematisches stark verkůrztes Profil der ganzen bohm. Kreideforma- 
tion und zwar in der Richtung von Raudnitz gegen Jung-Bunzlau, wobei die Gegend 
durchschnitten wird, in welcher die Iserschichten am besten entwickelt sind und 
in Fig 2 ein Schema der Schichtenfolge mit Andeutung und Charakterisirung der 
einzelnen Lagen. 


Diese Schichtenfolge, wie wir sie, Prof. Krejčí und ich, im ersten Bande des 
Archives (Sect. II p. 46) aufgestellt haben, wurde seither durch die weiteren 
Arbeiten als die richtige bestátigt und durch paláontologische sowie auch strati- 
oraphische Thatsachen der Beweis geliefert, dass diess eine feste Basis fůr weitere 
Studien bildet. (Kleine Modification z. B. bezůglich der Zugehorigkeit des Exogiren- 
sandsteins von Malnitz, den wir frůher zu den Iserschichten rechneten, der aber in 
die Weissenberger Schichten gehort, ándern am Ganzen nichts.) 


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Es sei erlaubt, hier eine kurze 
Charakteristik der einzelnen Schichten © 
folgen zu lassen: 


1. Perucer Schichten. Sůss- 
wasserablagerungen cenomanen Alters. 
Ouader mit Einschlissen von Schiefer- 
thonen, die eine reiche Flora, welche 
soeben neu bearbeitet wird *) und spár- 
liche Thierreste, Mollusken und Insekten 
fůhren. **) 


2. Korycaner Schichten.***) 
Meeresablagerungen von  cenomanem 
Alter mit Trigonia sulcataria, Pecten 
asper und Ostrea diluviana. Sandsteine, 
Kalksteine, Conglomerate, weissliche od. 
grůne Letten. 


3. Weissenberger Schich- 
ten. +)  Meeresablagerungen turonen 
Alters mit Inoceramus labiatus, Ammo- 
nites Woolgari und zahlreichen Fisch- 
resten. Mergel, gelbe Baupláner und 
Knollenpláner oder GAuadersande mit 
In. lab. (meist die Basis der Sand- 
steinwánde der sáchsischen Schweiz 
bildend). 


4. Malnitzer Schichten. 
Meeresablagerungen turonen Alters, in 
denen noch Am. Woolgari háufig ist, 
Arca subelabra in grossen flachge- 
drůckten Exemplaren auftritt und von 
Gastropoden, Fusus Renauxianus, Turbo 
cogniacensis und Rapa cancellata. Die 
úbrige Fauna stimmt mit den Weissen- 
berger Schichten úberein. Glauconitische 
und Knollen fůhrende Pláner. 


*) Velenovský: Die Flora der bóhm. 
Kreideform. (Beitráge zur Pal. Oesterr.-Ung. 
v. Mojsisovies und Neumeyer. Wien 1882.) 

**) Dr. Frič: Perucer Schichten. Archiv 
fůr Landesdurchforsch. Band I. Sect. II. p. 185. 

***) Archiv L. c. p. 189. 

+) Archiv. IV. Band Nr. 1. Geol. Abth. 
Studien im Gebiete der bóhm. Kreideformation. 
Die Weissenberger u. Malnitzer Schichten. 1878. 


“ 


Chlomeker Schichten 


Priesener Schichten 


Teplitzer Schichten 


Iserschichten 


Malnitzer Schichten 


Weissenberger Sch. 


Korycaner Schichten 


Perucer Schichten 


Fig. 2. 


| 
| 
| 


Ouadersand mit Cardium Otto- 
nis (Ueberguader) = Kies- 
lingswalde 


Sphárosiderite 


Gelbe und sraue Bakuliten- 
thone 


Plánerkalke mit Terebratula 
subrotunda oder bláuliche 
Mersel 


Briozoengchichten 


Trigoniaschichten 


Zweiter Kokoříner Auader 


Zwischenpláner 
Erster Kokoříner Ouader 


Byšicer Uebergangsschichten 
Avellanenschichte 


Launer Knollen 


Malnitzer Grinsand 


Wehlowitzer Pláner 


Dřinover Knollen 


Semitzer Mergel 


Kalke, Sandsteine etc. mit 
Meeresthieren cenomáanen 
Alters 


Ouadersand mit Landpflanzen 


Schieferthon mit Kohlen- 
schmitzen 


Silur- oder Kohlenformation 


Schichtenfolge der bóhm. Kreideformation. 


O1 


5. Iserschichten. Meeresablagerungen untercenonen Alters mit Ammo- © 
nites conciliatus, Trigonia limbata, Pholadomya nodulifera, Micraster Michellini, © 
Hemiaster plebeius und CČeratomus Laubei. Haben keinen Amm. Woolgari mehr 
und noch kein Cardium Ottonis. Kalkige, sandige Pláner ohne oder mit einge- 
lagerten Auadersanden, oder bloss als petrefactenleere Ouader auftretend. Bilden 
die obere Partie der Šandsteinwánde der sáchsischen Schweiz und den hohen 
Schneeberg. 

6. Die Teplitzer Schichten. Meeresablagerungen cenonen Alters mit 
Terebratula subrotunda und Micraster breviporus (M. coranguinum frůherer Autoren). 
Máchtige Plánerkalke oder blaue feuchte Letten. 

7. Die Priesener Schichten. Meeresablagerungen cenonen Alters mit 
zahlreichen Scaphytes Geinitzii und Baculites Faujassi, mit Ammonites D'Orbi- 
onianus. 

Feuchte bláuliche oder bráunliche Thone, oft mit verkiesten Petrefacten; bei 
hoher trockener Lage weisse dinnschichtige Plattenpláner. 

S. Chlomeker Schichten. Meeresablagerungen cenonen Alters mit Car- 
dium Ottonis, Amm. D'Orbignianus, Trigonia limbata. 

Ouadersande von Chlomek, Grossskal, Tannenberg (die Schichten von Kieslings- 
walde als Litoralbildung). 

Diese jiingsten Schichten unserer Kreideformation sind noch álter als die mit 
Belemnitella guadrata. 


Gliederung der Iserschichten. 


Der Schliůssel zum Verstándniss der Iserschichten ist in der Melniker Gegend 
zu suchen, wo man beim Studium von Profilen, die vom Rande der von den Iser- 
schichten gebildeten Mulde gegen deren Centrum bei Mšeno-Dauba hin sich ver- 
folgen lassen, nach und nach einen klaren, wenn auch můhsam erworbenen Einblick 
in die complicirte Gliederung bekommt. 

Namentlich sind es zwei Linien, welche die Zusammenstellung des idealen 
Profiles (Fig. 2) ermoglicht haben. Die eine ist von Liboch úber Schellesn, Zimoř, 
Kokořin nach Kanina, die zweite von Všetat, Byšic, Řepin, Chorouška, Kanina. 
Beide Profile werden weiter unten detailirt beschrieben werden. 


Der ganze Complex lásst sich in 4 Horizonte theilen: Profil Fig. 3. 
17Byšicer Uebergangsschichte m. 1 sl NOU: 
2..Kokořiner,Uuwaderschichten -5 -2 4 ceddaddné, ee 
32 Ghorousker'ErigaonienschichtEnaemi-< 4.2.0 „ 8—1I5. 
4IKanner bn ozopenschichten "4 < MPA Bin | ic 


Die Auaderschichten sind nicht úberall entwickelt und stellenweise nur durch 
petrefactenleere Pláner vertreten. Dort ist es oft sehr schwer die Grenze zu ziehen, 
wo die eigentlichen Iserschichten beginnen, denn sie sind nur in ihren oberen Lagen 
reich an bezeichnenden Petrefacten. | 


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1. Byšicer Uebergangsschichten. 


Die Feststellung der unteren Grenze der Iserschichten gegen die sie unter- 
Jagernden Malnitzer Schichten hin ist mit grossen Schwierigkeiten verbunden, denn 
petrographisch zeigt sich an den aufgeschlossenen Contactstellen kein auffallender 
Unterschied und in Bezug auf die Fauna ist auch der Uebergang ein allmáhliger. 

Es wáre beguem die Iserschichten erst mit dem Kokořiner Auader beginnen 
zu lassen und alles darunter Liegende bis auf die Wehlowitzer Pláner herab den 
Malnitzer Schichten zuzurechnen, wenn dieser Auffassung nicht mehrere Umstánde 
entgegenstehen wůrden. Erstens sind die Kokořiner Auader nicht ůberall ent- 
wickelt und dann entfiele der Vortheil dieser gewaltsamen Abtheilung, und zweitens 
finden wir zwischen diesen Auadern und den als Aeguivalent der Malnitzer Schichten 
erkannten Lagen eine Reihe von eigenthůmlichen Knollenplánern mit zahlreichen 
Fischspuren, die wir als selbststándiges Glied in der Schichtenfolge unserer Kreide- 
formation anerkennen můssen. Ich will diese den Malnitzer Schichten aufgelagerten 
tiefsten Iserschichten als Byšicer Uebergangsschichten bezeichnen. 

Als Byšicer Uebergangsschichten fasse ich die sámmtlichen 
sandigen knollenfiůihrenden, stellenweise guaderartigen oder 
plánrigen Ablagerungen zusammen, welche zwischen den Mal- 
nitzer Schichten und dem ersten Kokořiner Ouader liegen. 

Wáhrend die Malnitzer Schichten durch háufiges Auftreten von grossen ach- 
gedrůckten Arca subglabra ausgezeichnet sind und in ihren Knollenlagen be- 
zeichnende Gastropoden (Turbo cogniacensis, Fusus Renauxianus, Rost. Buchi) 
enthalten, treffen wir in den Byšicer Uebergangsschichten auffallend háufig grosse 
Knollen von Fischschuppen, grosse Exemplare von Pholadomya aeguivalvis und 
das ráthselhafte Petrefact, das frůher als Hamites strangulatus angefůhrt wurde, 
traf ich hier ebenfalls an. Den Knollenlacen der Byšicer Schichten entstammt 
auch der schóne Beryx ornatus Ag. von Benatek. 

In der Umgebung von Byšic, namentlich in Hleďseb, kann man in den Pyšicer 
Schichten folgende Lagen unterscheiden: 

1. Plánrige Lage mit festen, an Fischschuppen reichen Knollen, etwa 3 m. 


2. Losen - Band- l 000 Re o m 
9. +Rhynchonellenaua der. 3.10 m bo 
4 *Kalkige.Fucoidenbankés 7 7.5 1 0 „„Wioam 


auf welche unmittelbar der erste Kokoříner orly: folat. 

Am reichsten an Petrefacten ist der Rhynchonellenguader, aber diess nur in 
Beziehung auf Individuen, denn ausser der R. plicatilis (und zwar der Form, die 
frůher als R. alata angefůhrt wurde) kommt hóchstens noch Vola guinguecostata, 
Pecten laevis und Spongites saxonicus darin vor. 

Die besten Localitáten zum Studium dieser Schichte sind Schellesn, Zimoř, 
Hleďseb, Byšic und Košátek. An anderen ist sie nur schwach angedeutet und 
bloss nach einer rostigen Verfárbung der Schichten kenntlich (z. B. zwischen 
Čečelic und Byšic). 

Dem usseren Aussehen nach oleicht dieser Rhynchonellenguader auffallend 
demjenigen, welchen wir in den Dřinover Knollen z. B. in der Schlucht bei 


9 


Liboch *) kennen gelernt haben; doch ist seine Lagerung úber den Weissenberger 
und Malnitzer Schichten unzvweifelhaft, wie aus mehreren weiter unten folgenden 
Profilen ersichtlich ist. 


Fig. 4. Rhynchonellenguader mit R. plicatilis und Vola guinguecostata von Hledseb bei Byšic. 
Nat. Grósse. 


EM EZS 
== = ps . By za S SN RRŮ R 
Z vr TS UN NSN SBÁR NSA, 
Fig. 5. Partie aus der Náhe von Zimoř. 1. Rhynchonellenguader der Byšicer Schichten. 
2. Loser Sand, welcher die untersten Lagen des ersten Kokořiner Guaders deckt. 3. Mittlerer 
Theil des ersten Kokořiner Guaders mit zahlreichen Hoóhlungen. 4. Oberer Theil des ersten Ko- 
kořiner Auaders mit deutlicher Řehapbene, 5 ROA den Humus des Waldbodens 
iefernd. 


*) Weissenberger Schichten p. 84. 


10 


Die kalkige Fucoidenbank verdient aus dem Grunde Beachtung, weil sie das 
durch die Guadersande durchsickernde Wasser aufhált und an vielen Stellen zur 
Entstehung von Auellen Veranlassung vcibt. 


2. Die Kokořiner Guader. 


Die Kokořiner Auader, wie wir sie in den tiefen Thálern in der Mitte des 
Bereiches der Iserschichten finden, sind zwei 15—20 m. máchtice, in grosse 
Ouader zerklůftete Sandsteine, die von einander durch eine plánrige Zwischen- 
schichte getrennt sind. 

An den Rándern der Mulde, bei Byšic, Benatek, Jung-Bunzlau etc. sieht 
man sich nach denselben vergebens um, bald gewahrt man aber ihre Spuren, 
wenn man sich lánes der Tháler dem Centrum der Mulde náhert und kann ihre 
rasche Zunahme an Máchtigkeit gut beobachten. Oft sind sie an der Thallehne, 
die dem Muldenrande náher ist, viel schwácher, als an der entgegengesetzten 
dem Centrum der Mulde náheren Lehne. 

Specielle Beispiele davon werden bei der Schilderung der einzelnen Locali- 
táten gegeben werden und vorderhand mag die Hinweisung auf das schematische 
Profil Fig. 3 geniigen, wo die allmálige Zunahme der Auader anschaulich dar- 
gestellt ist. 

Wir unterscheiden dort: 


a) den ersten, unteren Kokořiner Auader |. . . - - „. Nro. 5, 
b) die Aa 0 PRES. o PARA Mon 0 
c) den zweiten, oberen Kokořinét Oidér M je 


(Im Adlergebiet sind die Auader gar nicht entwickelt nil wahrscheinlich 
durch plánrice Lagen vertreten.) 

a) Der untere Kokořiner Auader zeichnet sich im Allgemeinen durch 
die mehr graue, auf frischem Bruche weisse Farbe aus. Die tieferen Bánke sind 
compacter und werden meist von dem Verwitterungsproduct dem losen weissen 
Sande verdeckt (Fig. 5 Nro. 2). Die mittleren Bánke zeigen oft grosse Hohlungen an 
den verwitterten Wánden (Nro. 3) und die hochsten, etwa das oberste Fůnftel ein- 
nehmenden Bánke zeigen deutliche Schichtung (Nro. 4). Die Vegetation-Schichte, 
welche man am Gipfel des unteren Auaders antrifit, hat ihren Humus der plán- 
rigen Zwischenschichte zu verdanken (Nro. 5). Von Petrefacten ist hier bloss 
Spongites saxonicus und Fucoiden áhnliche Gebilde anzutreffen. 

Bezůglich der mineralogischen Beschaffenheit beschránke ich mich darauf, 
dass die Mehrzahl der Auarzkórner, welche den Sandstein zusammensetzen, aus 
rein weissem Ouarz besteht und dass nur spárliche rosenrothe und dunkle Auarz- 
kórner vorkommen. 

Das Bindemittel hált die Kórner sehr ungenigend zusammen und es ist fast 
unměglich, ein Handstůck fůr die Sammlung davon zu machen. Deshalb ist auch 
der technische Werth dieses Sandsteines ein sehr beschránkter. Die zu localen 
Bauzwecken gebrochenen Blócke verwittern, wenn sie nicht gleich verwendet 
werden und bekommen bald abgerundete Kanten oder zerfallen gánzlich, wenn 
sie ein oder zwei Jahre den Einfliissen der Witterung ausgesetzt bleiben. Nur 


11 


selten werden hártere Partien angetroffen, die dam zu Grenzstejnen oder Štein- 
metzarbeiten verwendet werden. 

In diesem Guader sind die Figuren bei Liboch gehauen, welche aus den 
Lehrjahren des berihmten Bildhauers Levý stammen (siehe weiter unten). 

Der erste Kokoř. Ouader reicht mehr bis zum Rande der Mulde und man trifft 
ihn bei Schellesn zuerst allein ohne den zweiten an den Thallehnen, dann senkt er sich 
immer tiefer und tiefer, bis er die Thalsohle erreicht und zuletzt ganz verschwindet. 

Wo er in den Thálern des Kokořiner Gebietes etwa zur halben Hóhe der 
Thallehne reicht, dort gewahrt man auf ihm den zweiten Ouader entwickelt, wie 
er sich aus den die Zwischenpláner deckenden Wáldchen erhebt. 

b) Der Zwischenpláner von Hleďseb ist ein die beiden Auader tren- 
nendes Glied, welches leicht úbersehen wird, denn die můrben sandigen Pláner 
sind in der Regel von Vegetation verdeckt. 80 werden z. B. die malerisch schónen 
Felsenwánde des Kokořiner Thales in ihrer halben Hóhe von einem Bande Fiáhren- 
wáldchen horizontal in zwei Hálften getheilt und dieser schóne grůne Saum steht 
eben auf diesen Zwischenplánern. 

Unverdeckt sieht man sie oberhalb Hleďseb am Vruticer Bache, zwischen 
Melnik und Řepín lángs des Weges nach der auf der Anhčhe stehenden Hauser- 
gruppe, welche dort Vystrkov genannt wird. Dann sehr deutlich bei Kovánec. 

Von Petrefacten sind bisher nur wenige vorgefunden worden und diess nur 
solche, welche fast in allen Schichten unserer Kreideformation vorkommen. 

Der Zwischenpláner scheint gegen Dauba und Auscha hin sowie in der 
sáchsischen Schweiz so sandig zu werden, dass man ihn nicht mehr von den 
Ouadern unterscheiden kann, worauf die beiden Kokořiner Auader als eine com- 
pacte zusammenhángende Auaderbildung erscheinen. 


Verzeichniss der in den Zwischenplánern aufgefundenen Arten. 
(Nach der Sammlung des Herrn Jos. Pražák in Choroušek.) 


Š8 -= 
— © GS 

A AE | o > 
P B | Ba | © © 
E: ch | S 2 (Ss. 8 B 
> E = E 5 

CE mas 
Fischreste šěy St PM + | — | Z 
Goprukihkrang. sw : A (eo Se 
Nautilus sublaevigatus, (59017 + |— | — Jik 
Ammonites peramplus, Mant. . . -< <| — | — | — — |- — 
Natica Róomeri, Gein. PAB OSAC OMEGA) 1aindoj vk ab 
Rostellaria sp. SBE on e8b (oi dlem|ams 
Eriphyla lenticularis, Stol. gra srub ny 
Arca subglabra, d'Orb. (?) < | — = 
Pinna decussata, Goldí. 2 veky čá neony A o ak = T 
Lithodomus spatulatus, Reuss... .- . | — | — |- 


(Jenichov (Vystrkov 
Bosin (oberhalb 
der neuen Můhle) 

Kovanec 
Nosadlov 


oberhalb Hleďseby) 
Lhotka 
Hostin 


Pholadomia aeguivalvis, d'Orb. == 
Panopaea gurgitis, Brongn. . . . ... — 
Avicula anomala, Sow.5% |- 
Inoceramus Brongniarti, S0w. . . . - -| 
Gastrochaena amphisbaena, Gein. . . .|-— 
Lima (186TICA 07297 3 Me ee + 
Limá "uMačostata, "Go1130 K0 V n 
Lima spi 1102113 120% PARSEE (BG VES + 
Lima Sowerbyi, Geinitz ; — 
Pecten laevis, Nilss. . - - . . kaja cs 
Pecten curvahuss Gems gu + 
Pecten Reuss OT 32 e na) zl: „2 — 
Pečte“ Důjardini AMOR a 
E 


T as 
PŘŘJÍ 

| EEE | 
sa 
be EA 


č delší al SE k ab sb! 
E Re S 25 l 


Vola guinguecostata, Stol.. . . - « « 
Exogyra sčonieca BOW. - o |x: 
Exogyra matheroniana u 45 vu I 
Ostrea Hippopodium, Nilss.. . . . .. . 
Ostrea semiplana, 5ow.. . - . - - k 
Anomia 'subtruneata "44 -88 
Rhynchonella plicatilis, Sow. 
Magas Geinitzii, Schlonbach . . ... 
Spondýlusí( 2) MO a 
Hippothoa labiata, Nov. ako lo 
Berenicea folium, Nov... . . ... | 
Diastopora acupunctata, Nov... . ..... . 
Catopygus fastigatus, Nov. (?). . . . . | 
Cardiaster Ananchytis, Leske . . . . . 
| 


Tě 


PURE BRE pl 


| | 
ie EFF | (SE TE 4 de [STS A 


Je. 


ou 


Serpula gcordialis,bch. 13% Se ee: 
Serpula socialis, Goldí.. . . ... odié 
Spongites saxonicus, Gein. . . . . « « 
Flabellina cordata, RBUSSR 2,- + 0- 
Cristellaria25(rotulata) Eo- ,< o: 
Fucoides columnaáris; £rse2- . -| "| 
Fycoidesumformis, BT. = 


+ 


Brány: 


Pk S P SPC Se 


r l 
| 


c) Der zweite Kokořiner Auader nimmt den oberen Theil der Fels- 
wánde des Kokořiner Thales ein. Seine Máchtigkeit ist in der Regel eine etwas 
geringere als die des ersten. In der petrographischen Zusammensetzung sowie in 
seiner ganzen Erscheinung ist er dem ersten Kokořiner Ouader sehr áhnlich, aber 
auf der verwitterten Oberfláche erscheint er schon von weitem rostroth. Auf 
frischem Bruche ist er auch mehr gelblich und nur da, wo in einem grossen 
Bruche tief in unverwitterten Partien gearbeitet wird, erscheint er auch weiss. 


13 


In seinen hochsten Lagen fihrt er Lagen von mehr oder weniger grobem Gerólle, 
deren weisse und rothe Kieselsteine schon von weitem sichtbar sind. 

Der zweite Kokořiner Ouader ist eben so arm an Petrefacten wie der erste, 
und es treten nur selten in ihm schwache kalkigere Lagen mit Rhynchonellen auf. 
Hie und da trifft man Šteinkerne von Lima multicostata darin. Spongites saxo- 
nicus ist eine háufige Erscheinung. Sein technischer Werth scheint noch geringer 
zu sein als der des ersten. 


Fig. 6. Partie aus der Gegend von Truskavna, wo beide AGuader entwickelt sind. 
1. Loser Sand, der die Basis der ersten Kokořiner OGuader verdeckt. 2. Erster Kokořiner Auader. 
8. Plánrige Zwischenschichte bewaldet. 4. Zweiter Kok. Auader. 


9. Choroušker Trigoniaschichten. 


Die meist kalkig plánrigen Trigoniaschichten, welche man auch als eigen- 
tliche Iserschichten im engeren Šinne des Wortes bezeichnen kónnte, bestehen 
aus einer ganzen Reihe von festeren und můrberen Lagen, die bald mehr kalkig, 
fest, bald mehr plánerig, můrbe, stellenweise wieder mehr sandig sind und ganz 
den Habitus des Ouadersandes annehmen. Jede der Lagen hat ihre gewisse petro- 
graphische Eigenheit, jede einen etwas abweichenden Charakter in Bezug auf Petre- 
factengruppirung, wie man sich an ihren verwitterten Rándern an den Thallehnen 
oder an alten Hohlwegen und Wasserrissen úberzeugen kann. Wo die Felswand 
durch Steinbrecherarbeit bis auf ganz gesunde Schichten entblósst ist, dort wird 
die Entzifferung der einzelnen Glieder zur Unměoglichkeit. 

Die petrographische Beschaffenheit der Trigoniaschichten wechselt bedeutend, 
was hauptsáchlich von dem verschiedenen Grade der Verwitterung und der theil- 
weisen Entkalkung abhángig ist. Grósstentheils sind es kalkige, sandige Pláner, 
welche feste sraue Knollen fůhren und in diesen sind dann die meisten Petrefacten. 


14 


Stellenweise nehmen die verwitterten Lagen, wo sie gleichmássie feinkórnig 
sind, das Aussehen des gewohnlichen Plánersandsteins der Weissenberger Schichten 
an, wáhrend dieselbe Schichte einige Meter weiter einen festen grauen compacten 
Kalkstein darstellt, wie er kaum von manchen Varietáten des silurischen Kalkes 
der Etage M oder G zu unterscheiden ist. (Brandeis an der Adler.) In der 
sáchsischen Schweiz und in den Weckelsdorf-Adersbacher Felsen ist die hóchste 


Fig. 7. Trigonia limbata. D'Orb. 


Lage des Auadersandes als Aeguivalent der Trigoniaschichten anzusehen. Die 
Bildung von Erscheinungen, wie es z. B. das Praebischthor in der sáchsischen 
Schweiz ist, glaube ich folgendermassen erkláren zu kónnen: Die feste Decke des 
Thores entspricht den Trigoniaschichten, wáhrend die Stiůtzen dem zweiten Koko- 
řiner Auader angehůren důrften, worůber weiter unten ausfůhrlicher gehandelt 
werden wird. 

Wir finden in den Choroušker Schichten eine reiche Fauna, welche zwar 
noch im Ganzen den Charakter der tieferen Weissenberger und Malnitzer Schichten 
trágt, aber eine Menge neuer Formen aufweist, von denen frůher keine Spur vor- 
handen war. 

Die auffallendste Erscheinung ist die Trigonia limbata, dann Perna sub- 
spathulata, Pholadomya nodulifera, Exogira laciniata, E. matheroniana.  Bezeich- 
nend ist auch die grosse Háufigkeit der Lima multicostata var. canalifera und der 
verschiedenen Arten von Echinodermen. 

Den jahrelang fortgesetzten Beobachtungen und dem fleissigen Sammeln 
meines Freundes Herrn Jos. Pražák in Choroušek ist es gelungen, in seiner Um- 
gebung 8 Hauptlager im Bereiche der Trigoniaschichten zu unterscheiden, mit 
denen sich meine anderweitig gesammelten Erfahrungen oft sehr gut in Einklang 
bringen lassen. 

Die in Nachfolgendem gebotene Gliederung bietet Anhaltspunkte fůr die 
Unterbringung der petrefactenreichen Schichten gleichen Alters, die wir in weiter 
ostlich gelegenen Theilen, bei Jungbunzlau, Turnau und Leitomischl vorfinden. 


15 


Gliederung der Trigoniaschichten bei Choroušek nach Beobachtungen 
des Herrn Jos. Pražák. 


1. Můrbe zerfallende Pláner mit Nautilus rugatus. Pholadomya 
nodulifera, riesigen Inoceramus Brongniarti, Micraster Mi- | Profil Fig. 3 
chellini, Hemiaster plebejus Nov. Čatopygus albensis, Serpula © auf Seite 1. 
S E PTE P 7 E R adí Nro. 8 
2. Feste sandig kalkige Schichte, die als erste vorspringende 
Stufe an den Thallehnen wahrzunehmen ist und oberhalb 
welcher Auellen entspringen. Dieselbe enthált riesige Am- 
monites peramplus und Inoceramus Brongniarti . j 
3. Můrbe gelbliche Plánerschichte mit Trigonia limbata, Piňná 
decussata und sehr zahlreichen Petrefacten. . . .......... DO) 
4. Feste sandige, oben und unten von einer sehr harten guarzigen 
Lage begrenzte Schichte, welche an den Thallehnen die zweite 


NOESDrIRECBGE-DLIODGBG < sy., ee odd 
5. Aus 6 Lagen bestehende Partie, reich an Petrefaciéé ších 
oben hin durch eine Bank mit Exogira conica begrenzt ... „ I2a<f. 


6. Rostrother Auader mit Reihen kalkiger, an Petrefacten (na- 
mentlich Rhynchonellen) reichen Knollen. Hauptlager der 
Pseudomya anomioides : 

T. Brocklige grobsandige Pláner mit "zahiětndkém Sponitikí k sa- 
ZA K2 PO RK V 90T E R S . o dh 

8. Rostrother de p: eat Ela knnorehonon 


Verzeichniss der fůr die Trigoniaschichten bezeichnenden Arten. 


| Elbe-Iser-| Adler- 
 Gebiet Gebiet 


EPEE BM I — 2 C S po ceooh S k ra o 2 ašy — 
Halec Sternbergii, Ag.. . : | -E 
Nautilus galea, Fr. et Schl. 
Ammonites conciliatus, Stol. 
Turritella iserica, Fr. - . 
Turbo Goupilianus, Orb. 

Opis chocenensis, Fr. 
Crassatella cf. austriaca, Zitt. 
Crassatella cf. macrodonta, Zitt. 
Trigonia limbata, Orb. . . 
Arca Schwabenaui, Zitt. . . as hy ant dkásdy 
PER DIPL CEM NOJED, 120 láe. oře 6a dobad oo nh, dě | 
Modiola typica, Forbes s PÁN z zon SEA 
aan tldes; "EPP 89 1 
Pholadomya nodulifera, Můnst. 
Cytherea cf. polymorpha, Zitt. 


(+++ +++ 
bh +++ 


16 


Adler- 


Gebiet 


| Elbe-Iser- 
| Gebiet 


Perna. subspatilata, REHBS 375 401. ze lab aa 
Lima, Důpiniana "OE gk Ž had Nella 2ba 5 
Limaiserica, Er:1W146 220 B SUZULOMK 07 : i 
Lima ,;dichotoma, Reuss; -54474 A000 
Exogyra Jaciniaba, d'Or ela í dají 
Exogyra, Matheroniána, GOT: OP 
Krabbe-a) 3... 0 „230 2 MCE eee ON 
Krabbe 8), M40 EEE 0 Mo o is 
Galianassa antigua;"Otto:.* A430 s : 
Serpula socialis;; Goldie P0506 étos 
Bitlustra: Pražáki; NOV 4:08 0080. 
Entalophora (Geinitzi Reuss" 00 Ze 
Petalopora. seriata: Now. 

Cidaris cf. Vindocinensis, Ag. ad l An 
Cyphosoma Sp. -4T4-5- 1.0 PERO louka 91 PMAMK 0, 
Holaster elongatus; Nomystagdaf. s sdabyt: silaníl his: 
Micraster Michellini Ae. c" ní <4har-slrnéh 6 
Hemiaster plebejus, Nov. ....... Z Ep 
Catopy cus fastd6s, RNOVA E291 V0 0- ENEC 
Nucleolites „bohéiitc m9- VA S 


+444 ++ 
4 HH+H+4++ 


Aus diesem Verzeichniss geht hervor, dass die Trigoniaschichten sich nicht 
bloss von den álteren Weissenberger und Malnitzer Schichten, sondern auch von 
den jingeren Teplitzer Schichten unterscheiden, denn es gehen nur wenige Arten 
in dieselben hinauf. Einige der Iserarten intermittiren und erscheinen dann wieder 
erst in den viel jingeren Chlomeker Schichten. 


4. Bryozoenschichten von Kanina. 


Die Bryozoenschichten bilden den Schluss der Iserschichten und stellen 
oleichsam den bloss local entwickelten Rahm des úppigen Thierlebens der voran- 
gehenden Perioden dar. 

Die grósste Entwickelung erreichen diese fast aus lauter Bryozoen bestehenden 
Schichten beim Dorfe Kanina, wo sie als fester Kalkstein von 6 m. Máchtigkeit 
entblósst sind. Verwitterte Stellen der Kalkbánke sind ganz mit den kleinen 
Aestchen der Bryozoen bedeckt und andere Petrefacten sind hier sehr selten und 
schlecht erhalten. 

Schwácher entwickelt finden wir die Bryozoenschichten bei Gross-Újezd, bei Cho- 
roušek, noch weniger scharf abgegrenzt bei Čejtic und Libichov (bei Jungbunzlau), 
Lindenau bei Bóhm.-Leipa. Im Adlergebiet sind sie bei Brandeis a. d. Adler, bei 
Desná und Chotzen angedeutet, und zwar durch Vorkommen von bezeichnenden 
Bryozoenarten in den hóchsten Lagen der plattenfórmigen Kalksteine, mit denen 
hier die Iserschichten abschliessen, 


| 
: 
l 
: 


| 


17 


Bei Leitomischl důrften die als „Sadrák“ bezeichneten Lagen den Bryozoen- 


Schichten entsprechen. 


4 1 


Localsammler werden bei detailirter Untersuchung ihrer Umgebung gewiss 


| Gelegenheit finden, nene Fundorte der Bryozoen-Schichten sicherzustellen. 


Fig. 8. Fragment der Kaniner Bryozoen-Schichten, an dessen verwitterter Ober- 
fláche zahlreiche Arten von Bryozoen sichtbar sind. Nat. Grósse. 


Verzeichniss der in den Bryozoen-Schichten der Umgebung von 
Kanina und Choroušek aufgefundenen Arten. 


Oxyrhina angustidens. 
Belemnites sp. 
Nautilus sublaevigatus. 
Nautilus galea. 
Ammonites  peramplus 
plare). 

Belemnites sp. 
Turritella iserica. 


Turritella Fittoniana. 


Nerita dichotoma. 
Turbo Goupilianus. 
Avellana sp. 

Isocardia gracilis. 
Protocardia Hillana. 
Crassatella austriaca. 
Crassatella macrodonta. 
Trigonia limbata. 
Mutiella ringmerensis. 
Eriphyla lenticularis. 
Cytherea polymorpha. 
Arca echinata. 
Pinna decussata. 

Arca subglabra. 
Modiola typica. 


Pholadomya aeguivalvis. 


(kleine Exem- 


Panopaea gurgitis. 
Pseudomya anomioides. 
Tellina sp. 

Venus sp. 

Avicula anomala. 
Inoceramus Brongniarti. 
Lima semisulcata. 
Lima iserica. 

Lima pseudocardium. 
Lima canalifera. 
Lima Dupiniana. 
Pecten laevis. 

Pecten curvatus. 
Pecten Dujardinii. 
Vola guinguecostata. 
Exogyra conica. 
Exogyra lateralis. 
Exogyra laciniata. 
Exogyra Matheroniana. 
Ostrea hippopodium. 
Ostrea semiplana. 
Ostrea sp. 

Ostrea frons. 

Anomia subtruncata. 
Anomia subradiata. 


18 


Rhynchonella plicatilis. 
Rhynchonella CČuvieri. 
Rhynchonella Mantelli. 
Magas Geinitzii. 

Serpula socialis. 

Serpula gordialis. 

Serpula ampulacea. 

Serpula macropus. 
Hippothoa labiata. 
Biflustra Pražaki. 


Diastopora acupunctata. 


Proboscina bohemica. 
Proboscina Suessl. 
Entalophora Geinitzii. 
Entalophora raripora. 
Spiropora verticillata. 
Lruncatula tennis 
Petalophora seriata. 
Antedon (Glenotremites sp.) 


Cidaris subvesiculosa. 


Glyphocyphus sp. 

Cyphosoma radiatum. 
Cyphosoma sp. 
Holectypus Turonensis. 
Cardiaster Ananchytis. 
Holaster elongatus. 
Micraster Michellini. 
Hemiaster plebeius. 
Catopygus Pražáki. 
Catopygus albensis. 
Catopygus fastigatus. 
Nucleolites bohemicus. 
Caratomus Laubel. 
Micrabatia coronula. 
Flabellina elliptica. 
Spongites saxonicus. 

Vioa. 

Ventriculites sp. 


Die mit durchschossenen Lettern gedruckten Arten sind bisher nicht in den 


Trigoniaschichten aufgefunden worden und es haben daher die Bryozoenschichten 
um 17 Arten mehr als diese. 


Das Hangende der Iserschichten. 


Der Schichtenfolge gemáss sollen auf die Iserschichten nun die Teplitzer 
Schichten mit Terebr. subrotunda und Micraster breviporus folgen, wie wir sie 
in der Gegend von Teplitz, Laun und Leitmeritz entwickelt finden. Únd in der 
That gelang es endlich, auf den typischen Iserschichten die Schichten mit Terebr. 
subrotunda aufgelagert zu finden und zwar bei Leitomischl und bei Abtsdorf, wie © 
es weiter unten náher beschrieben werden wird. 

Auf diesen Mergeln liegen unmittelbar die tiefsten Lagen der Priesener 
Schichten in Form von grauen oder weissen Platten. 

Wo die Teplitzer Schichten gut entwickelt sind, dort sind gewóhnlich wieder 
die Iserschichten schwer nachzuweisen. 

Diess fůhrte natůrlich auf den Gedanken, ob die Iserschichten nicht ein 
Aeguivalent der Teplitzer Schichten sind und nur als locale Facies von Ablage- 
rungen einer Periode aufzufassen seien. 

Solche Vermuthungen konnten aber nur damals aufgestellt werden, wo man 
vom paláontologischen Charakter der Iserschichten noch nichts wusste. Gegen- 
wártig hat man hinreichende Griůnde, aus der Fauna auf die Selbststándigkeit der 
Iserschichten zu schliessen. 

Aus dem Erscheinen mancher Brachiopoden und Bryozoen Rh. Cuvieri, R. 
Mantelli in den hóchsten Lagen der Iserschichten erkennt man zwar eine An- 


k 


náherung an die Fauna der Teplitzer Schichten, aber an eine Parallelisirune der- 
selben ist gegenwártig nicht zu denken. 

Die Teplitzer Schichten mit Micraster breviporus und Terebratula sub- 
rotunda haben in ihrer Fauna (mit Ausnahme der Echinodermen und Brachiopoden) 
eine sehr grosse Aehnlichkeit mit den Wehlowitzer Plánern der Weissenberger 
Schichten und haben sich gewiss unter sehr áhnlichen Verháltnissen abgelagert. 
Sie gehen ganz allmáhlig in die Priesener Bakuliten-Thone úber, in denen die 
entschieden jůingeren senonen Arten auch erst in deren hóheren Lagen auftreten. 


PSN SNN AN AN AN A SN SN 


I Beschreibuno der im. Bereiche der Iserschichten unter- 
suchten Localitáten. 


Meine Untersuchungen der Iserschichten fallen in zwei Perioden: Die erste 
fállt in die allgemeinen Begehungen der Kreideformation in den Jahren 1864—6%, 
wo hauptsáchlich an Petrefacten reiche Localitáten ausgebeutet wurden und nur 
eine allgemeine Uebersicht der gesammten Schichten angestrebt wurde und die 
zweite, wo ich in den Jahren 1878—81 den Iserschichten eine specielle Auf- 
merksamkeit widmete. 

Chronologisch mag dies folgendermassen dargestellt werden. 


Allgemeine Untersuchungen: 


1864. Die sáchsische Schweiz und die Umgebung von Bóhm.-Leipa. 
1805. Die Strecke der Kralup-Turnauer Bahn. 

1866. Umgebung von Jung-Bunzlau und Turnau. 

1867. Bohmisch-Trůbau — Leitomischl, Jičín, Kieslingswalde. 


Detailuntersuchungen. 


1878. Všetat, Byšic, Choroušek, Kanina, Hlavno, Benatek. 
1879. Chotzen, Leitomischl, Polička, Bohm.-Trůbau, Landskron. 
1880. Chotzen. 

1881. Weckelsdorf — Braunau. 


Im Ganzen wurden an 60 Localitáten untersucht und von denselben circa 
180 Arten in mehreren Hunderten von Exemplaren den Sammlungen des Museums 
eingereiht. Dieselben befinden sich gegenwártig in dem geol. Pavillon und sind 
zum gróssten Theile hinter Glas ausgestellt. Grosse Formatstiůcke, welche den 
Charakter der Gebirgsarten besser als kleine Handstůcke zur Darstellung bringen, 
zleren die Schránke als Aufsatzstůcke. 

Die lange Reihe von Jahren, in denen ich mit grossen Unterbrechungen 
meist nur in den Ferienmonaten diese Untersuchungen fortsetzen und die zur 
Bestimmung und Ordnung něthige Zeit mit Můhe meinen úbrigen Berufscescháften 
abgewinnen konnte, mógen manche Mángel entschuldigen, welche Fachmánner an 


nachfolgenden Schilderungen wahrnehmen důrften. 
2* 


20 


Wáhrend der Excursionen wurde ich vielfach, namentlich durch Verabreichung 
von Petrefacten, von nachstehenden Herren gefórdert: 


Herr Em. Barta, Prof. in Leitomischl. 
„ Erxleben, Apotheker in Landskron. 
„ Fr. Hlaváč, Apotheker in Chotzen. 
„ Musika, Ingenieur. 
„o J. Pražák, Grundbesitzer in Choroušek. 
„ Je. Prach, Bienenzůchter in Rovensko. 
„ Gonstantin Schuster, Ingenieur in Turnau. 
„o Prinz Alexander Taxis in Laučín. 
„ Dr. C. Watzel in Bóhm.-Leipa. 


In Bezug auf die Reihenfolge, in der ich die Localitáten beschreiben soll, 
stosse ich hier auf gróssere Schwierigkeiten, als es bei den Korycaner und Weissen- 
berger Schichten der Fall war. Dort konnte ich annáherungsweise den ehemaligen 
Ufern des Kreide-Meeres folgen, was hier bei der Zerklůftung des Terrains nicht 
recht thunlich ist und ich bin daher genóthiet, theils instructive Profile vom 
Rande zum Centrum der einzelnen Mulden hin zu schildern, theils den durch die 
Iser und Stille Adler gefurchten Thálern zu folgen. 

Es erwies sich als zweckmássieg, die zu beschreibenden Partien je nach dem 
Stromgebiete, in dem sie liegen, zu gruppiren und ich theilte daher den ganzen 
Complex der Iserschichten in das Elbe- und Isergebiet und in das Adler- 
gebiet. 

Jedes dieser Gebiete hat seine petrographischen sowie auch paláontologischen 
Eigenthůmlichkeiten und obzwar sie mit einander nicht zusammenhángen, so haben 
sie doch die bezeichnendsten Arten gemeinschaftlich, wie weiter unten hinreichend 
klar dargelegt werden wird. 


Das Elbe-Isergebiet. 


Das Elbe-Isergebiet nimmt den nordostlichen Theil des mittleren Bohmens 
ein, lásst sich von Turnau ab lángs der Iser bis Benatek verfolgen. Sodann ist 
der Rand úiber Košátek, Byšic nach Schellesn und Sowice (gegenůber von Raudnitz) 
wahrzunehmen und mit Unterbrechung des basaltischen Mittelgebirges dann in den 
malerischen Sandsteinwánden der sáchsischen Schweiz wieder zu finden und bis nach 
Sachsen hin nachweisbar. Der nordostliche Rand lásst sich aus der Jičíner Gegend 
úber Libuň, Turnau, Sichrov, Liebenau, Lindenau in die Gegend von Bohm.-Leipa 
verfolgen. 

Die Sandsteinpartien der Iserschichten reichen in der sáchsischen Schweiz 
westlich bis inclusive dem hohen Schneeberg óstlich bis zu Bóhm.-Kamnitz, von 
wo ab sie dann von den Priesener Bakuliten-Schichten und den Chlomeker Auader- 
schichten verdeckt werden. | 

Die Felsenpartien von Adersbach-Weckelsdorf sind eine Wiederholung der 
sáchsischen Schweiz und kónnen als zu derselben gehórig betrachtet werden. Die 
orographische Beschreibung findet man bereits im ersten Bande des Archives von 


21 


Prof. Krejčí, weshalb ich mich auf die Schilderung des Terrains nicht weiter ein- 
zulassen brauche. 

Den petrographischen Charakter anlangend lásst sich derselbe dahin be- 
zeichnen, dass die sůdlichen Ránder der Iserschichten kalkig plánrige petrefacten- 
reiche Ablagerungen sind, die nach Norden hin immer mehr von den sich zwischen 
dieselben einschiebenden GOuadern verdrángt werden, so dass endlich bloss petre- 
factenleere Sandsteine anstehen, die aber eine bedeutendere Máchtigkeit haben 
als die kalkigen Ufergebilde eleichen Alters. 

Die Fauna weist nur spárliche Diferenzen auf, welche sich im Fehlen einiger 
Arten kundgeben. Auffallend ist der Mangel an Callianassa im westlichen Theile 
des Elbegebiets, in dem man in der Umgebung von Mšeno vergeblich darnach 
sucht und erst im Iserthal von Zamost bis Turnau zahlreiche Scheeren derselben 
trifft. Dagegen ist Trigonia limbata hier háufiger als im Adlergebiet. 

Von den Echinodermen sind Catopygus fastigatus, Echinobrissus bohemicus 
und Ceratomus Laubei bisher nur im Elbegebiet nachgewiesen worden. 

Auch die Entwickelung der Bryozoenschichten ist hier viel namhafter als 
weiter in Osten. 


1. Die Gegend von Wehlowitz, Schellesn, Kokořin bis Kanina. 


Fůr das Studium der Iserschichten in der Melniker Gegend ist es rathsam, 
mit dem Profile zu beginnen, das sich bei Liboch vom Flussbette der Elbe bis 
zur oberen Libocher Kirche verfolgen lásst und das ich in meiner letzten Arbeit “) 
eingehend geschildert habe. 

Als Vorstudie wáre auch das Profil von Wehlowitz zu empfehlen, weil dort 
seit der Zeit meiner Schilderung die Brůche grossartig geoffnet wurden und weil 
man hier Gelegenheit hat, von den Arbeitern eine gute Suite von charakteristischen 
Arten, namentlich Fische und Crustaceen, zu erhalten. Da ich in meiner Arbeit 
keine Zeichnung des Wehlowitzer Profils gegeben habe, so will ich es hier nach- 
tragen (Fig. 9). 

Ist man nach dieser orientirenden Vorbereitung endlich an der oberen Libocher 
Kirche angelangt, so kann man die Pláner lángs der Berglehne des nach Schellesn 
sich hinziehenden Thales in ihrem Einfallen unter die ersten Auadersandsteine 
der Iserschichten beobachten. 

Gegenůber dem „Geweihtenbrunn“, etwa am halben Wege nach Schellesn, 
„bergen die bewaldeten Hůgel die riesigen Ouaderblócke des ersten Kokořiner 
Ouaders, welche unserem genialen Landsmanne, dem Bildhauer Levý, Gelegenheit 
gaben, durch Ausfihrung einer Reihe von geschichtlichen und humoristischen 
Genrebildern eine Erinnerung an seine Lehrjahre als Dilletant **) zu hinterlassen. © 

In Schellesn selbst, wo sich das Thal gegen Tupadl und Zimoř theilt, bilden 
die Auadersande schon nahezu das obere Drittel der Thallehne und werden in 
ihnen Hohlungen gehauen, die als Wohnungen benůtzt werden. 


*) Die Weissenberger und Malnitzer Schichten pag. 84. 
**) Den Zutritt zu den Bildhauerarbeiten erhált man nach Anmeldung beim Forstamte. 


Hier fand ich Gelegenheit, das unmittelbare Liegende des ersten Kokořiner. 
Ouaders genau zu untersuchen. Es sind kalkig sandige Knollen mit Rhynchonella 
plicatilis, Pholadomya aeguivalvis und Fucoides (frůher Hamites) strangulatus. 
Auch sind diese Schichten am Wege nach Tupadl zugánelich, wo sie vor Jahren. 
einen riesigen Ammonites peramplus lieferten. 


Hig. 9. Profil der Weissenberger und Malnitzer Schichten bei Wehlowitz unweit 
Melnik. E. Die Elbe. 1. Pláner vom Alter der Dřinover Knollen. 2. Rhynchonellenguader der 
Dřinover Knollen. 3. Obere Partie der Dřinover Knollen. 4. Feste, durch Fucoiden verfilzte 
Schichte „Věčnost“ genannt. 5. Wehlowitzer Fischpláner. 6. Knollenlace der Fischpláner. 
T. Plattenpláner (Z Grůnsand d. Malnitzer Schichten). 8. Launer Knollen d. Malnitzer Schichten. 


Blickt man von der Anhóhe bei Schellesn in das Thal gegen Zimoř, so be- 
merkt man, wie sich der Guadersand immer mehr zur Thalsohle senkt. (Nun ist 
es an der Zeit, sich einen Fůhrer zu suchen, der den weiteren Weg durch das 
Labyrinth der kreuz und guer zerklifteten Ouaderschluchten zu den in Folgendem 
genannten Ortschaften weisen wůrde, denn stundenlang kann mán hier herumirren, 
ohne einem Menschen zu begegnen, der Auskunft úber den richtigen Weg zu geben 
im Stande wáre.) 

Die plánrigen Byšicer Uebergangsschichten nehmen immer weniger und weniger 
an der Bildung der Thallehne Antheil und im Orte Zimoř selbst findet man den 
ersten Kokořiner GAuader in seiner vollen selbststándicen Entwickelung und 
nur am Fusse desselben steht eine an grossen Rhynchonellen reiche Auaderschichte 
der Byšicer Uebergangsschichten (Fig. 5). 

Ausser den Rhynchonellen finden wir noch folgende Arten: 

Vola guinguecostata, Pecten laevis, Spongites Saxonicus. 

Die Basis der Auader ist in der Regel von losem, durch Verwitterung von 
den Wánden herabgeschwemmten Sand verdeckt, welcher hie und da eine spár- 
liche Vegetation trágt. Ihre mittlere Partie ist von grauer Farbe, zeigt horizontale 
Schichtung und Reihen von ausgewitterten Hóhluncen. 


Die oberste graue geschichtete Partie ist von der 


mittleren mehr guadrigen durch eine eisenschůssice 


rostrothe Schichte getrennt und trágt am Gipfel einen 
Fáhrenbestand. 

Setzt man seine Wanderung in dem stillen Thale 
fort, so gewahrt man, unterhalb Truskavna ange- 
langt, schon den zweiten Kokořiner Ouader, wie er von 
dem ersten durch eine Schichte můrben, plánrig san- 
digen Gesteins (Hleďseber Zwischenpláner) getrennt ist. 
Diese můrbe Lage trágt in der Regel einen ůppigen 
Wald, dessen lebhaftes Grůn die beiden grauen und 
rostrothen Auaderpartien von einander trennt. 

Zur Ausbeutung dieser Zwischenschichte findet 
sich hier keine Gelegenheit, denn kein ŠSteinbruch 
offnet in ausgiebigerer Weise diese an Petrefacten 
armen Schichten. 

Bei „Nový mlýn“ soll nach Herrn Pražák im 
Zwischenpláner auch eine schwache Guaderschichte auf- 
treten, an deren Basis Rhynchonellen zahlreich sind. 

Der GAuader selbst besteht aus 2 Bánken, von 
denen jede etwa 10 m. Hóhe hat. 

Die Oberfláche erscheint mehr rostfarbie als beim 
ersten Ouader und die hóchsten der Verwitterunc trotzen- 
den Ránder sind ein Conglomerat, dessen bis faustgrosse, 
meist aus weissem Auarz bestehende Gerólle von Weitem 
bemerkbar sind. 

Die malerische Schonheit beider Auader wird noch 
durch den Umstand erhóht, dass an den Gránzlinien 
zwischen den horizontalen Abschnitten derselben eine 
úppige Erica-Vegetation im Herbste als mild rosenrothe 
Linien erscheint. 

Von Truskavna gegenůber muss man die 
Schlucht verfolgen, welche allmáhlig aufsteigend uns 
auf das Plateau des Dorfes Kokořin fůhrt, das 
schon auf den Trigonia- und Bryozoenschichten steht. 
Hat man seine Kórperkráfte in dem bescheidenen 
Gasthause des Dorfes gesammelt, so steigt man durch 
Einschnitte im zweiten Auader zur Burgruine 
Kokořin, welche auf dem Gipfel des ersten Guaders 
steht. 

Das Auge an den Schonheiten des Thales wei- 
dend, schreitet man nun in der Thalsohle an der Basis 
des ersten Guaders bis unterhalb des Dorfes Kanina, 
wo man gezwungen ist, die steile Lehne hinauf die 


beiden Guader zu erklimmen, um unter dem Dorfe 


BO 
03 


zer- 
pláner 


6. Zwischen 


(Ideal verkůrzt und 
Ouader 
9. die Kaniner Bryozoenschichten. 


S, lose Sande 


Kokoř. 


5. Erster 


8“ Malnitzer Schichten. 
šicer Uebergangsschichten 
8. die Choroušker Trigoniaschichten. 


(K), Kanina (Ka) nach Choroušek. 


řin 


ehlowitzer Fischpláner. 


NA 


o 

Ry 

o 

bd 

= 

N 

k 

> 
o"O. 
= 

He 

N A 
obě 

S 

MN 


er Auader. 
er Auader. 


řin 


I. Erster Koko 
der zweite Kokořin 


v 


2. Rhynchonellenguader. 


) úber Liboch (Z“), Schellesn ( 
Hen. 


no 


1. Dřinover I 


Fig. 10. Profil vom Elbeflusse (L 
fallener erster Kokořiner Auader. 
von Hleďseb. II. und 7. 


geradegestreckt.) 


24 


selbst die kalkigen Choroušker Schichten mit ihrer Exogyrenbank zu erreichen 
und die Bryozoenschichten aufzusuchen. 

Die Choroušker Trigoniaschichten unterhalb Kanina sind nicht so schón auf- 
geschlossen wie bei Choroušek selbst; doch sieht man nach dem Auftreten der 
Exogirenbank, dass hier nach lángerem emsigen Sammeln dieselben Lagen nach- 
gewiesen werden kónnen, wie im nahen Orte Choroušek, welche wir im náchsten 


Fig. 11. Profil bei Kokořin. 1. Byšicer Uebergangsschichten mit Rhynchonellenguader, meist 

von Schuttsand verdeckt. 2. Erster Kokořiner Auader mit der Burg Kokořin. 3. Zwischenpláner. 

4. Zweiter Kokořiner (Yuader mit dem Dorfe Kokořin. 5. Trigoniaschichten. 6. Bryozoenschichten 
auf der Anhóhe, welche das Kokořiner Thal von dem Zimoř-Truskavnathal trennt. 


Fig. 12. Profil unterhalb Kanina. 1. Erster Kokořiner Ouader. 2. Zwischenpláner. 3. Zweiter 
Kokořiner Auader. e, e Ericastreifen. 4. Conglomeratschichte des zwejten Kokořiner uaders. 
5. Trigoniaschichten. 6. Rostrother Sand. 7. Bryozoenschichten. 8. Diluvium. 


29 


Abschnitt werden kennen lernen. Deshalb lassen wir uns deren Detailstudium 
dorthin. i 

Um so wichtiger ist hier die Aufgabe, die Kalkbrůche ausfindig zu machen, 
in denen die Bryozoenschichten so schón entwickelt sind. 

Der Steinbruch, in welchem die Bryozoenschichten gewonnen werden, 
ist nahe am Dorfe, aber sehr versteckt, so dass man ihn ohne Erkundigung nicht 
selbst aufzufinden im Stande ist. Man nennt den Ort „Nad Kaninskou studnicí“ 
oder auch „u dražného kalu“. 

Daselbst angelangt, findet man die Bryozoenschichten in einer Máchtigkeit 
von 6 m. entblósst und der sámmt- 
liche Kalkstein, aus dem die Schichten 
bestehen, ist fast aus lauter Bryozoen 
zusammengesetzt. 

Das Liegende bildet die hóchste 
sandige Lage der Trigonienschichten, 
welcher ein bláulich grauer zerfallender 
Pláner in der Máchtigkeit von 5—6 cm. 
aufliegt. Aus diesem kann man die 
kleinen Aestchen der Bryozoen durch 
Schlemmen gewinnen. (Fig. 13 Nro. 2.) 

Darauf folgen 3 Bánke festen Ge- 
steins. 

Die erste Bank, 2 m. máchtig, 
wird zu Kalkbrennen verwendet und 
die verwitterte Oberfláche wimmelt von 
Bryozoen. 

Die zweite Bank, 3 m., wird als 
Baustein verwendet. 


: k a Fig. 13. Profil der Bryozoenschichten 
Die dritte Bank, 1 m., wird zu ná Kanina im Steinbruche „nad Ka- 
Schotter geschlagen. ninskou studánkou“. 1. Rostrother 


Sandstein, hóchste Lage der Trigoniaschichten. 


Ueber der dritten Bank legen 2. Blaugraue brócklige, aus lauter Bryozoen 


30 cm. losen Sandes, dann 75 cm. bestehende Lage. 3. Fester Kalkstein (zum 
: = de Brennen, 2 m.). 4. Fester Kalkstein (Bau- 
grobsandigen Pláners und 50 cm. rost- stein, 3—4 m.). 5. Kalkstein (zum Schotter, 
rothen Sandsteins. 1 m.). 6. Loser Sand (30 cm.). 7. S 1 
: teter grobsandiger Kalkstein (75 cm.). 8. Rost- 

(Den Schluss der Schichtenfolge rothkéř Seat (50 cm.). 9 Dilaviallchau mit Lóss- 

auf dem ganzen Plateau dieser Gegend kindeln. 10. Gelblicher Diluviallehm „Bělka“. 


3 . . : 1 1 ka“. 
bilden Diluvialablagerungen, an denen Koks esk o oo tě 


man drei Lagen unterscheiden kann: 
1. Lage von Lósskindeln, 2. gelben Diluviallehm und 3. rothen Diluviallehm, in 
hiesiger Gegend „Červenka“ genannt.) 

Ausser den Bryozoen findet man hier sehr wenig andere Versteinerungen und 
wir werden erst an einem der folgenden Profile Gelegenheit haben, uns zu ůúber- 
zeugen, dass man in den Bryozoenschichten noch etwa 5 paláontologische Hori- 
zonte unterscheiden kann. 

Bei Kanina sind wir am Ende der ersten Linie angelanst, welche uns vom 


26 


westlichen Rande der Isergebilde úber die Byšicer Uebergangsschichten, die beiden 
Kokořiner Auader, die Trigoniaschichten bis zu den Bryozoenschichten gefůhrt hat. 
Wir werden nun zu demselben Punkte Kanina im náchsten Abschnitt vom sůd- 
lichen Rande der Ablagerungen zu gelangen suchen. 


2. Die Gegend von Všetat, Čečelie, Byšice, Řepin, Choroušek und 
Kanina. 


Die ersten Andeutungen der Iserschichten úreffen wir auf dem Gipfel des 
langen Hůgels, welcher sich von Všetat *“) nach Dřiš hinzieht und aufállig aus 
der Ebene des Elbealluviums hervorsteht. An der Basis des Hůgels im Dorfe 
Všetat selbst stehen Semitzer Mergel mit zahlreichen Versteinerungen an. Ammo- 
nites Woolgari und A. Dravaisianus sind hier háufig. Reihen von festeren kalkigen 
Knollen, welche úber den Mergeln sich hinziehen, entsprechen den „Dřinover 
Knollen“, die Wehlowitzer Pláner, die Malnitzer und Byšicer Schichten můssen 
hier alle eine sehr geringe Máchtigkeit haben. 

Die Berglehne, welche aus plánricen und knolligen Lagen besteht, ist wenig 
aufeeschlossen und von den Auadersanden der Iserschichten ist hier keine Spur. 
Am Gipfel des Hůgels trifít man in kleinen Gruben und an den Feldrainen Platten 
von sandigem Kalke mit Inoceramus Brongniarti und ich halte dieselben nach 
Analogie mit anderen Localitáten fůr die tiefsten Lagen der Trigoniaschichten. 

Wenn wir auch an dem gleich folgenden Profile bessere Einsicht in die 
Schichtenfolge erlangen werden, so ist doch der Besuch von Všetat beim Beginne 
der Excursion sehr anzurathen, weil man an anderen Localitáten die petrefacten- 


Fig. 14. Profil zwischen Byšic und Čečelie. B. Bahn bei Byšic. Č. Čečelic. S. Schůttboden. 

1. Semitzer Mergel mit zahlreichen Petrefacten beim nahen Orte Všetat. 2. Dřinover Knollen mit 

Lima elongata. 3. Wehlowitzer Pláner in einem Šteinbruche gut entblósst. 4. Malnitzer Schichten. 

5. Grosse Knollen mit Fischschuppen. Byšicer Uebergangsschichten. 6. Rostrothe Sande (Aegui- 

valente der beiden Kokořiner Auader). 7. Die tiefsten Lagen der Trigoniaschichten (mit grossen 
Inoceramus Brongniarti). 


reichen Semitzer Mercel nicht zugánglich findet und nur als feuchte Letten oder 
als guellenfůhrenden Horizont wahrnimmt und doch die Kenntniss dieses guten 
Reprásentanten der Weissenberger Schichten fiir das Verstůándniss der ganzen 
Gecend sehr wichtig ist. | 


*) Hisenbahnstation Všetat-Přívor der osterr. Nordwestbahn. 


Ein analoger Hůcel trennt die nahen Ortschaften 


Čečelic und Byšic und ein Feldweg, der an einem . 


Steinbruche vorbeifiihrt, gewáhrt einen Einblick, wie 
ihn das Profil Fig. 14 gibt. 


Von Všetat kommend trifft man die Semitzer 
Mergel am Fusse des Hůgels in den Gárten von 
Čečelic (1). Beim Schittboden kann man etwa 5 
Reihen von Dřinover Knollen mit Lima elongata 
záhlen (2). Den Wehlowitzer Fischpláner sehen wir 
in dem ŠSteinbruche (3) entblósst, dessen hóchsten 
Lagen den Malnitzer (4) Schichten entsprechen. Die 
DByšicer Uebercangsschichten (5) verrathen sich durch 
orosse, an Fischschuppen reiche Knollen. 


Die Kokořiner Auader sind durch Štreifen von 
rostrothen Sandsteinen angedeutet (6), welche hie 
und da, namentlich an der Basis, Rhynchonellen 
fůhren. 

Den Gipfel des Berges nehmen graue, an der 
Oberfláche weiss verwitterte Plattenkalke mit Inoce- 
ramus Brongniarti, wie bei Všetat, ein und důrften 
auch hier den tiefsten Lagen der Choroušker Tri- 
goniaschichten entsprechen. 


Ganz analoge Profile constatirte ich bei Ko- 
nětop und Hlavno sudovo. (Der Ausdruck „Ko- 
nětop“ deutet darauf hin, dass die Pferde in den 
feuchten Lagen der Semitzer Mergel, die am Fusse 
des Berges anstehen, einsinken.) 


Die Berglehne nordlich von Byšic ist eine 
Wiederholung des eben geschilderten Profils. Die 
Semitzer Mergel sind durch die Háuser von Byšic 
maskirt und důrften in den Brunnen des Ortes nach- 
zuweisen sein. Am Wege zum Steinbruche begleiten 
uns die Dřinover Knollen, in welchen Herr Pražák 
Ammonites Woolgari vorfand und im Šteinbruche 
selbst finden wir den fast ganz petrefactenleeren 
Baupláner, in dessen hóchsten Lagen die rost- 
rothen Spuren des Rhynchonellen-Auaders sich be- 
merkbar machen, der die Basis der hier noch nicht 
entwickelten Kokořiner GOuader andeutet. | Weiter 
gegen Hostin bei Harbáasko findet man an 
Feldrainen Stůcke der Trigoniaschichten, die hier 
nirgends gut entblósst sind und bei Hostin selbst 
von Teplitzer und Priesener Schichten  bedeckt 
werden. 


Ch. 


7. Cho- 
2 


1. Weissenberger Schichten. 


6. Zweiter Kok. Auader. 


E Elbe. 
P Priesener Schichten. 


(CA), Choroušek (ch), nach Kanina (K). 


šic 


4. Erster Kokořiner Auader. 
8. Kaniner Bryozoenschichten. 


yšic (B), Řepin (R), Choru 


3. Byšicer Uebergangsschichten. 


Profil in der Linie von B 


2. Malnitzer Schichten. 


Fig. 15. 


5. Zwischenpláner. 


roušker Trigoniaschichten. 


28 


Etwas óstlich beim Orte Košátek sind die Iserschichten máchtiger entwickelt. 
Ein Eisenbahneinschnitt entblósste daselbst die Byšicer Uebergangsschichten mit 
einem verwitterten Rhynchonellenguader und die in der Umgebung darůber liegen- 
den sandigen Kalke lieferten folgende Versteinerungen: 


Verzeichniss der in den Choroušker Schichten bei Košátek auf- 
gefundenen Petrefacten. 
(Meist Geschenk des Herrn Constantin Schuster.) 


Trigonia limbata. Lima iserica. 

Arca subglabra. Pecten laevis. 

Pinna decussata. Pecten curvatus. 

Pholadomya aeguivalvis. Pecten Dujardinii. 

Pholadomya nodulifera. Vola guinguecostata. 

Pholadomya perlonga. Ostrea sp. 

Panapaea gurgitis. Exogyra conica. 

Inoceramus Brongniarti. Rhynchonella plicatilis (depressa Schl.). 
Lima semisulcata. Biflustra Pražaki. 


Diese Arten wurden wáhrend des Eisenbahnbaues gesammelt und es ist bei 
solchen Gelegenheiten die Provenienz der Stůcke immer mit Vorsicht aufzunehmen. 
Doch deutet die Trigonia limbata und Pholadomya nodulifera darauf hin, dass in 
der Náhe von Košátek die wahren Trigoniaschichten anstehen. 

Will man einen guten Einblick in das Liegende der Kokořiner GAuader 
erlangen, so muss man das Hochplateau auf dem Wege úber Hostim passiren, um 
zu dem kleinen Orte Hledseb zu gelangen. (Die mit Wald und Feldern bedeckte 
Hochebene zeigt bei Hostim die Priesener Schichten in Form eines weisslichen, 
důnnschichtigen Pláners mit Inoceramus Cuvieri.) 

Im Dorfe Hleďseb trifft man an der Basis der Anhóhe „Vystrkov“ einen 


Fig. 16. Profil von Hleďseb (zwischen Melnik und Řepin). Hleďseb H, Vystrkov V. 
1. Byšicer Uebergangsschichten (3 m.). 2. Můrber Sand (1 m.). 3. Rhynchonellengnuader (1:50 m.). 
4. Feste Fucoidenbank. 5. Erster Kokořiner Auader. 6. Hleďseber Zwischenpláner. 


29 


kleinen Steinbruch, in welchem die Byšicer Uebergangsschichten mit mehreren 
Reihen von grossen grauen Knollen entblósst sind. (Fig. 16). 1. Darůber folgt 
etwas můrber Sand (2) und dann eine Bank des Rhynchonellenguaders (3), welche 
als Decke eine harte dunkelgefárbte Fucoidenbank trást (4). Es folgt sodann der 
erste Kokořiner Auader (5) und darůber der můrbe Zwischenpláner, mit welchem 
die Reihenfolge hier endet und auf welchem die „Vystrkov“ benannte Háuser- 
gruppe steht. Verfolgt man nun das čstlich sich unterhalb Řepin hinziehende 
Thal, so gewahrt man bald den zweiten Kokořiner Auader, ůúber welchem die 
Trigoniaschichten immer mehr entwickelt auftreten, je mehr man sich gegen 
Chorušic náhert. 

Vor Chorušic zweigt links ein Thal ab, das an der neuen Generalstabskarte 
als Husovodol bezeichnet ist. Hier trifft man den zweiten Kokořiner Auader 
schon in der Thalsohle anstehend an und lángs eines Waldweges kann man die 
sámmtlichen Lagen der Trigoniaschichten sowie die der Bryozoenschichten, wie 
sie bei Choroušek und Kanina prácisirt sind, wiederfinden. 

Zwischen Chorušic und Choroušek ist: ein tiefes Thal, dessen Lehnen ganz 
allein von den verschiedenen Lagen der Trigoniaschichten gebildet werden. Der 
von der Thalsohle gegen Choroušek hinfůihrende Weg ist es, an welchem Herr 
Pražák die Vertheilung der Arten so prácise studirt hat, dass sie als Anhalts- 
punkt fůir die Gliederung der Trigoniaschichten in anderen Gegenden dienen kann. 
Die petrographische Beschaffenheit wurde bereits auf Seite 15 geschildert. 

Das Liegende der Trigoniaschichten, den zweiten Kokořiner Auader, hat man 
etwas weiter sůdóstlich im Thale zu suchen. 

Auch die erste Lage (Fig. 17 Nro. 1) der Trigoniaschichten ist gerade unter- 
halb Choroušek vom Thalalluvium verdeckt und wird erst bei der als „Sion“ be- 
zeichneten Thalpartie sichtbar. Dieselbe ist durch mehr als 50 Arten Petrefacten 
gekennzeichnet. 

Der Weg berůhrt beim Aufsteigen gegen Choroušek zuerst die feste, sandig 
kalkige Schichte (2), welche riesige Inoceramen und Ammoniten fiihrt, dann eine 
můrbe thonige Lage (3) mit Trigonia limbata, Pinna decussata ete. Die weitere 
Lage (4) ist mehr durch die dieselbe oben und unten begránzende, sehr feste 
Schichte als durch Petrefacten gekennzeichnet. 

Der Steinbruch zur rechten Seite des Weges ist in plánrigen kalkigen Lagen 
geóffnet (5), deren man sechs (a—f) unterscheiden kann. Jede dieser Lagen weist 
eine gewisse Eigenthůmlichkeit in Bezug auf Gruppirung der fůr die Trigonia- 
schichten bezeichnenden Arten auf. So hat z. B. b viele Pinna decussata und 
Lima dichotoma, senkrechte und verdrůckte Fucoiden, c ist reich an Catopygus, 
f ist eine Bank von Exogyra conica. 

Náhere Details sind in einer Specialarbeit ber Choroušek und Umgebung 
anzuhoffen. 

Weiter nach oben macht sich ein rostrother Sandstein (6) mit petrefacten- 
reichen Knollen bemerkbar. Darauf folgen brócklige, grobkornig sandige Pláner (7) 
und den Schluss der Reihe bildet ein rostrother Sand (8), in welchem unregel- 
mássige Concretionen liegen. Die Bryozoenschichten sind an der Choroušker 


30 


Thallehne selbst nicht anzutreffen, sondern in náchster Umgebung bei Oujezd, 
Živonín, Vtelno, Nemeslovic, Kanina, Nebužel und vielen anderen Localitáten. 

Beim Anlegen der neuen Štrasse wurde die geschilderte Schichtenfolge noch 
deutlicher aufgeschlossen. 


Fig. 17. Profil der Thallehne unterhalb Choroušek. 1—8 Lagen der Trigoniaschichten. 

1. Tiefste Lage in der Thalsohle verdeckt, etwas weiter čstlich im Thale gegen Kadlin zu Tage 

tretend. 2. Sandig kalkige Lage. 3. Můrbe thonige Lage, an der Basis ein wichtiger Horizont 

fůr Auellen. 4. Sandige, oben und unten mit festem Gestein begránzte Lage. 5. Plánrige, aus 

6 Bánken zusammengesetzte Lage, f Bank mit Exogira conica. 6. Rostrother Sandstein mit Pe- 

trefacten-Knollen. 7. Brócklige, grobkórnig sandige Pláner. 8. Rostrother Sand mit unregel- 
mássigen Concretionen. 


Das nun folgende Verzeichniss basirt sich theils auf die von mir und 
Dr. O. Novák gesammelten Arten, hauptsáchlich aber auf die durch jahrelangen 
Fleiss zusammengebrachte Sammlung des Herrn Landtagsabgeordneten Jos. Pražák 
in Choroušek. Die den Fundorten beigefůgten Ziffern bedeuten die Lage der Fund- 
schichte nach dem Profile Nro. 17. 


der in der Umgebung von Choroušek in den Trigonia- und Bryozoen- 


Verzeichniss 


schichten aufgefundenen Petrefacten. 


| Choroušker Trigonia- 


cO 00 21 O3 OU O9 DI 


| Kaniner Bryozoen- 
| 
| 


„ Oxyrhina angustidens . 
. Belemnites sp. . 

„ Nautilus sublaevigatus 
„ Nautilus galea . 

. Nautilus rugatus . 

„ Ammonites peramplus . 
. Turritella Fittoniana 

„ Turritella iserica . 

„ Natica Gentii 

„ Natica lamellosa 

„ Nerita dichotoma . 

„ Turbo Goupilianus 

. Avellana sp. 

. Gardium productum 

. Protocardium Hillanum 
„ Isocardia gracilis . 


. Oyprina guadrata . 

. Mutiella Ringmerensis 
„ Eriphyla lenticularis 

. Cytherea polymorpha . 
. Trigonia limbata . 

„ Arca subglabra . 

. Arca echinata 

„ Pinna decussata 

21. Solen Guerangeri. . 

. Gastrochaena sp. - 

29. Pseudomya anomioides 
. Lithodomus spatulatus 
„ Modiola typica . 

„ Mytilus radiatus 

. Pholadomya aeguivalvis 
. Pholadomya nodulifera 
. Pholadomya perlonga . 
. Panopaea gurgitis 

. Panopaea mandibula 

. Panopaea Ewaldi . 

„ Avicula anomála : 
. Inoceramus sp. (striatus ?) : 
. Inoceramus Brongniarti? 

„ Lima ovata tř 
„ Lima Dupiniana 

„ Lima semisulcata . 

„ Lima multicostata 


Choroušek 
Choroušek 
Choroušek 
Choroušek 
Choroušek 
Hus., 
| Choroušek 
| Choroušek 
Choroušek 
Choroušek 


Choroušek 
| Choroušek 
' Choroušek 


Choroušek 


Choroušek 


— 


Choroušek 


„| Choroušek 


Choroušek 1 


Chor. 


Choroušek 1 
Choroušek 2 


Schichten Schichten 
— Živonín 
— „ Vtelno 
-| | Choroušek bo Ziv., Vtelno 
Choroušek j 3 Vtelno 
(Choroušek 1 , -= 
'Choroušek 1, 5, 6, Živonín, Vtelno 
| „Vtelno 
E koronsk 6 Zivonín, Vtelno 
-| Choroušek 1 — 
Chorušice 8 = 
-| — Gr.-Ujezd 
„| Choroušek 5 Zivonín 
| — Zivonín 
„| Choroušek 3, 5 — 
Choroušek 3, 5 = 
I — Kanina 
. Crassatella cf. austriaca . „| Choroušek 1, 3 Gr.-Ujezd 
. Crassatella cf. macrodonta . | Choroušek 1 Vtelno, Ziv. 


Husodol, Gr.-Újezd 


i Bezno 

1 Zivonín 

LB) — | 

1,8 Vtelno, Živ. 

1 Zivonín 

1, 5D, lo dkaniňa, L) 1ez0 

Nemeslovic 

6! ? 

l Vtelno 

1 Pramínek 
Zivonín 
Zivonín 

1M Zamachy 

je 8 — 

oh 


Vtelno, Z., Ž. 


1 Zivánía! Vtelno 

ti 5bÝ tpé 
Kanina 
Kanina 

4 © Živonín, Gr.-Újezd 

1—8 Újezd, Živonín 


| Choroušker Trigonia- | Kaniner Bryozoen- 
Schichten Schichten 
| 46. Lima dichotoma „| Choroušek 6 — 
47. Lima Sowerbyi. | Choroušek RO dBA Vtelno, Živ. 
48. Lima iserica -. | Choroušek 1, 5, 6, 8 Kanina 
49. Lima pseudocardium Choroušek — 
50. Pecten laevis Choroušek 1, 8 Újezd 
51. Pecten curvatus Choroušek 1—8 „ Zivonín 
52. Pecten Dujardinii . Choroušek 5 Zivonín, Vtelno 
53. Vola guinguecostata Choroušek 1—8 Zivonín etc. 
54. Exogyra conica Choroušek 1—8,5! Zivonín etc. 
D5. Éxogyra lateralis . Choroušek 1 Zivonín etc. 
56. Exogyra laciniata . Choroušek 6, € Zivonín 
DT. Exogyra Matheroniana . Choroušek 1, 6, 8| © Zivonín 
58. Ostrea semiplana . Choroušek 3, 5 Zivonín, Vtelno 
59. Ostrea frons.. : Choroušek 5—8 Zivonín, Vtelno 
60. Ostrea hippopodium Choroušek 1-—8 — 
61. Ostrea diluviana — ř — 
62. Anomia subtruncata, ďOrb. Choroušek 1 „Zivonín, Vtelno © 
63. Anomia subradiata, Reuss. Choroušek 1, 8 Ziv., Ujezd, Vtelno, 
64. Anomia semielobosa Choroušek 5 Ujezd? 
65. Anomia sp. - Choroušek 6, 8 — 
66. Rhynchonella plicatilis Choroušek 6! 8 Hl., Živ., Vtelno 
67. Rhynchonella Cuvieri . — UN Z NOD 
68. Rhynchonella Mantelli — VOV Vtelno 
69. Magas Geinitzii Choroušek 1 šd "Vtelno 
70. Hippothoa labiata Choroušek 1, 3,5. k 
(1. Biflustra Pražáki . Choroušek 1, % Živ., (Vtelno 
12. Diastopora acupunctata Choroušek I Zivonín 
73. Proboscina Bohemica = Ujezd 
74. Proboscina Suessii . . — Ujezd | 
15. Entalophora Geinitzii . Choroušek 1, 4 Hl., Ziv., Vtelno | 
16. Entalophora raripora — Hl., Ziv., Vtelno | 
17. Spiropora verticillata — Hl., Ziv., Vtelno 
18. Truncatula tenuis Choroušek 1 HI., Ziv., Vtelno 
79. Petalophora seriata . |(Choroušek 1, 5, 7| HI., Živ., Vtelno 
80. Osculipora plebeia — Zivonín 
81. Antedon (Glenotremites) sp. . Choroušek 1 Vtelno, Ziv. 
82. Cidaris subvesiculosa Choroušek 1 Vtelno, Živ. 
89. Glyphocyphus sp.. — U. V 
84. Cyphosoma radiatum Choroušek 1 VE. Z., Kan. 
85. Cyphosoma sp... ps Choroušek Ujezd, Ziv. 
86. Holectypus Turonensis = Živonín 
87. Cardiaster Ananchytis Zamachy 1 Hus., Vtelno 
88. Holaster elongatus — Vtelno 
99. Micraster Michellini . | Choroušek 1 Hus., Živ., Vtelno. 
90. Hemiaster plebeius . Choroušek 1 Hus., Živ., Vtelno- 
91. Catopygus Pražáki é "Vtelno 
92. Catopygus albensis . (Choroušek 1, 5 Živ., Vtelno 
93. Catopygus fastigatus | Choroušek 1, 5 Hus., Živ. 
94. Nucleolites bohemicus . „| Choroušek 1, 5, 8, Led., Živ., Mšeno 
95. Caratomus Laubei | — Živ., Vtelno 


33 


Choroušker Trigonia- | Kaniner Bryozoen- 


Schichten- Schichten 

96. Holaster elongatus. ..... — Vtelno 
97. Cardiaster ananchytis . . . .| Zamach 1 Vtelno, Ziv. 
98. Serpula socialis . . . . . . . Choroušek 1, 2 Újezd? 

99. Serpula ampulacea ©. . . . „| Choroušek 1, 5 „ Zivonín 
100. Serpula macropus - . . . . „| Choroušek 1 Ziv., Vtelno 
101. Serpula gordialis . ....... Choroušek 1, 5 Vtelno, Hl., Ziv. 
102. (Fungia) Micrabatia coronula ? . | Choroušek 2, 5, 6| Zivonín, Vtelno 
103. Spongites saxonicus . . . . . | Choroušek 1—8 Vtelno 
KOMOMIa7sp4 MOHDBU di 5 Choroušek = 
105. Vioa Exogyrarum . ...... -| Choroušek 5 — 

BO Vina mianis  jahnby + * Choroušek 7 — 

| RO 3 ORLICHNLES BDS < so — Zivonín 
108. Flabellina elliptica. . . ... . Choroušek 1 Zivonín 
109, Fucoides funiformis ....... Choroušek 5 — 
110. Fucoides columnaris . ....... Choroušek 1, 2 — 
111. Fucoides cauliformis . . . „. „| Choroušek 5 — 
112. Fucoides strangulatus —. . . „| Choroušek 1 — 


3. Die Gegend von Vrutice, Sušno, Nemeslovic, Zamach und Choroušek. 


Ein áhnliches Profil wie das eben geschilderte kann man in einem mehr 
ostlich gelegenen Thale verfolgen, das uns von der Eisenbahnstation Vrutic úber 
Sušno, lángs des Hlubokabaches unterhalb Nemeslovic und Zamach, wieder bis zu 
Choroušek hinfůhrt. | 

Mit dem Studium des Liegenden der Iserschichten beginnt man unmittelbar 
hinter der Vruticer Zuckerfabrik und verfolgt die Schichten lánes des Feldweges 
nach Vtelno, an der Lehne gegenůber dem Meyerhofe. (Profil Fig. 18.) 

Die Semitzer Mergel der Weissenberger Schichten sind in der Thaltiefe ver- 
deckt und sind gewiss in enger Beziehung mit den máchtigen Auellen, welche hier 
zu Tage treten und in neuerer Zeit bei der Trinkwasserfrage der Stadt Prag zur 
Discussion kamen. 

Im Steinbruch hinter der Zuckerfabrik stehen graue Baupláner an, welche 
trotz ihres abweichenden Aussehens dennoch als die Wehlowitzer Fischpláner auf- 
zufassen sein werden. Die máchtigen Bánke werden von senkrechten runden Stángeln 
durchzogen, welche vielleicht als Róhren von Arenicola zu betrachten sind. 

Der Feldweg nach Vtelno fiihrt uns bei den Byšicer Uebergangsschichten (2) 
vorbei, in welchen wir grosse Knollen mit Fischschuppenanháufungen antreffen. 
Es sind dies sehr merkwůrdige, in dieser ganzen Gegend einen bestimmten Hori- 
zont bezeichnende Erscheinungen. Die Knollen sind an 50 cm. lang, haben 30 bis 
40 cm. im Durchmesser, stehen senkrecht in den Schichten und enthalten zwei 
neben einander liegende, aus lauter Fischschuppen bestehende Wůlste von 4—5 cm. 
Durchmesser. (Ich fand sie in dem nahen Řepiner Thale ganz im selben Niveau.) 
Darůber gewahrt man eine schwache, aus lauter Fucoiden bestehende Schichte (5), 
3 


34 


die wohl mit der von Hleďseb (Profil Fig. 16 auf Seite 28) verelichen werden muss. 
Nun folgen sandige Pláner mit glasirten, von senkrechten Fucoiden durchsetzten 
grossen Concretionen, welche als die Ausbisse der mehr nordlich entwickelten 
Kokořiner Ouader aufzufassen sind (4, 5). Die weiter nach oben anstehenden 
grauen, grobsandigen Kalke 
fůhren graue rundliche Knollen 
(6), weiter unregelmássige Con- 
cretionen (7), daňn rostrothe 
Reste nach Spongien (8). 

Die Reihe schliesst hier 
mit flachen Kalkplatten, áhn- 
lich wie auf den Hůgeln bei 
Všetat und Byšic (9, 10). 

Die sámmtlichen Lagen 
6—10 gehóren ohne Zweifel den 
tieferen Trigonia-Schichten an, 
doch wird ein lángeres Sam- 
meln eines den Ort ofter besu- 
chenden Paláontologen něthig 
sein, um dies genau zu prá- 
Cišsiren. 

Nach dieser © Vorstudie 
muss man SŠušno zu erreichen 
suchen, wo ein áhnliches Profil 
ansteht, und sodann das unter- 
halb Nemeslovic sich hinzie- 
hende, vom Hlubokabache be- 


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ES s Kokořiner Auader, welcher sich 
5 © i nach Norden hin immer mehr 
© c. 
oc! der Thalsohle náhert und end- 
ská. | lich darin ganz verschwindet, 
=" 8“ so dass die ganze Thallehne 
Bunka von den Choroušker Trigonia- 
© . 
BESS schichten und den Bryozoen- 
© 958 schichten gebildet wird. 
o =" í . 4 
oBBÝ Gegenůber Kadlin, wo 


noch der zweite Kokořiner 

Ouader in der Thalsohle ansteht, lassen sich die einzelnen Lagen der Trigonia- 
schichten an den Contouren der Thallehne nach den verschiedenen Verwitterungs- 
graden unterscheiden, wie das aus beifolgender Skizze (Fig. 19) zu ersehen ist. 
Man gelangt (mit Fiihrer!) unterhalb Chorušic an eine Stelle, wo sich das 


35 


Thal spaltet: links fůhrt es zu dem uns bekannten Profile unterhalb Choroušek, 
rechts zieht es sich mehr als eine Stunde weit bis hinter Gross-Oujezd, wo die 
Schichtenfolge mit reichen Bryozoenschichten endet. Von den zahlreichen Locali- 
táten, an denen die Bryozoenschichten in dieser Gegend zugánglich sind, ist 
Živonín die ausgiebigste und belehrendste, denn hier werden sie von Resten der 
Teplitzer und Priesener Schichten ůúberlagert. 


Assoc 
6 


X 


OBOSO GE2o BO C0 


Fig. 19. Profil der Thallehne segenůber Kadlin. K1. Erster Kokořiner Auader in der Thal- 
sohle verdeckt. O. Zwischenpláner. K2. Zweiter Kokořiner Auader. 1.—8. Lagen der Trigonia- 
schichten, mit denen von Choroušek (p. 30) úbereinstimmend. 


Herr Pražák war hier im Stande, drei paláontologische Niveaus wahrzunehmen: 

Im unteren Drittel sind die Catopygus- und Micraster-Arten, dann Glypho- 
cyphus anzutreffen und die Schlemmungen weisen eine Unzahl von mikroskopischen 
Foraminiferen auf. Das mittlere Drittel ist das Hauptlager fůr die Bryozoen; 
es enthált die kleine Varietát der Ostrea hippopodium. Das oberste Drittel 
liefert den Holectypus turonensis, sowie die kleinen Exemplare von Rhynchonella 
Cuvieri und Mantelli. 

Hier sind wir abermals auf dem Hochplateau bei Kanina angelangt. 


Das Iserthal von Benatek bis Turnau. 


Um die Berglehnen des Iserthales verstehen zu lernen, muss man mit den 
orientirenden Excursionen in der Gegend von Lisá beginnen (Fig. 20 L). Hier úber- 
zeugt man sich, dass die Stadt auf dem Horizont der Dřinover Knollen (1) 
(Weissenberger Schichten) steht.*) Die Steinbrůche oberhalb der Stadt sind. 


*) Die Semitzer Mergel sind von dem Elbeschutte verdeckt und důrften in den Brunnen 
von Lissa nachzuweisen Sein. 
e 


36 


typische Wehlowitzer Fischpláner (2), welche Enoploclythia Leachii und in neuester 
Zeit auch Macropoma speciosum geliefert haben. Mehr nach Norden vor dem Orte 
Vrutic liegen Pláner mit Lima multicostata und důrften dem Horizont der Mal- 
nitzer Schichten (8) entsprechen. | 

Lánes der Strasse gegen Benatek hin trifft man beim Orte Jiřic die Byšicer 
Uebergangsschichten (4) an, wo bei einem flůchtigen Besuche folgende Arten ge- 
sammelt wurden. 


Verzeichniss der in den Bischitzer Uebergangsschichten bei Jiřic 
(zwischen Lisa und Benatek) aufgefundenen Petrefacten. 


Scaphites Geinitzii. Lima pseudocardium. 
Isocardia sp. Pecten Nilssoni. 
Nuculla sp. Pecten Dujardinii. 
Arca sp. Ostrea sp. 
Lithodomus spatulatus. Rhynchonella. 
Tellina sp. Micraster ? 


Inoceramus Brongniarti. 


Der hier im Terrain bemerkliche Růcken der Bischitzer Schichten zieht sich 
westlich bis nach dem Orte Hieronimberg (Číhadla), wo ich in einem Hohlwege 
ganz dieselben Petrefacten antraf, wie bei Jiřic. 

An allen den erwáhnten Schichten ist ein Einfallen gegen das Iserthal, nach 
Norden wahrnehmbar, und von dem Vorhandensein von Auadersanden keine An- 
deutung vorhanden. 

Im Thale des Iserflusses angelangt findet man wenig Anhaltspunkte, um sich 
zu orientiren und es wáre sehr nůtzlich, wenn ein Localsammler zur Charakteristik 
der hier anstehenden Schichten mehr paláontologische Belege aufsammeln móchte. 

Am linken Ufer der Iser beim Schůttboden in Alt-Benatek ist in einem 
kleinen Steinbruche ein petrefactenleerer Pláner aufgeschlossen, dessen máchtige 
Bánke von senkrechten meterlangen (Fucoides? columnaris) Sáulchen durchsetzt sind. 

Am rechten Ufer ist hinter der Háuserreihe, welche „Obodř“ genannt wird, 
der Fundort des Beryx ornatus (Fr. Rept. und Fische, Taf. 5 Fig. 2—3). 

Beim Háuschen Nr. 48 zieht sich in der Hóhe von 7 Metern an der steilen 
Felswand eine Reihe grosser grauer Knollen und in einem derselben fand sich 
der erwáhnte schóne Fischrest. Ich nahm mir grosse Můhe, in diesem Niveau 
eine Reihe von Petrefacten ausfindig zu machen, erhielt aber nur wenig bezeich- 
nende Arten. 


Inoceramus Brongniarti. Exogyra lateralis. 
Pecten curvatus. Ostrea hippopodium. 
Pecten Dujardinii. ' 


Die úbrige Thallehne von Neu-Benatek besteht aus můrben, sandigen, bráun- 
hichen Plánern, in denen etwa von Meter zu Meter festere kalkigere Knollenlagen 


, 
i 
i 


D0 


auftreten. (Grosse Ammonites peramplus und Inoceramus Brongniarti kommen 
sowohl in den tieferen als auch in den hoóheren Lagen vor. 

Es ist bisher sehr schwer, diese Schichten zu deuten und im Nachfolgenden 
sollen nur Vermuthungen ausgesprochen werden. 

Manche der tiefen petrefactenleeren Pláner měgen den Kokořiner Auadern 
entsprechen. Die Fischknollen und die Schichten mit Ammonites peramplus und 
Inoceramus Brongniarti důrften dem unteren Drittel der Trigoniaschichten ange- 
hóren. Zu dieser Ansicht gelangte ich bei der weiteren Verfolgung des Iserthales 
gegen Jungbunzlau hin, wo áhnliche Pláner wie bei Benatek von den hoheren Lagen 
der Trigoniaschichten bedeckt werden. 


J 
A B 
A ET“ = D >. 
=== ==>B8 == . — = I 
— a.. = —————— 
7 2 3 i 6 


Fig. 20. Profil von Lisa (Z) nach Benatek (B). 
1. Dřinover Knollenschichte. 2. Wehlowitzer Fischpláner. 3. Malnitzer Schichten. 4. Byšicer 
Uebergangsschichten bei Jiřic (J). 5., 5' Trigoniaschichten. « Tiefere Lage mit Fischknollen 
(Fundort des Beryx ornatus). » Hóhere Lage (etwa Nro. 3 des Profiles von Choroušek) mit Ino- 
ceramus Brongniarti und Ammonites peramplus. 


Verfolet man die Iserschichten am rechten Iserufer stromaufwárts, so gewahrt 
man, dass sie ganz allmáhlig gegen Nordwest einfallen, so dass die hóchsten Lagen 
der Trigoniaschichten, welche bei Zámost und Jungbunzlau hoch auf der Thallehne 
anstehen, bei Bakov sich der Thalsohle náhern und in einem Steinbruche náchst 
dem Bahnhofe, also nicht gar hoch úber dem Wasserspiegel, zugánelich sind. 

Viel gůnstiger als die Profile von Byšic, Choroušek, Kanina, ist fůr die rasche 
Orientation in den Iserschichten das Thal, das sich von der Eisenbahnstation Zamost- 
Krnsko (Prag-Turnauer Bahn) unterhalb Stranov ber CČetno und Kovánec nach 
Skalsko hinzieht. 

Die Máchtigkeit der einzelnen Lagen der Trigoniaschichten ist hier eine viel 


- bedeutendere, als bei Choroušek und Kadlin. Namentlich macht sich eine der 


tieferen Lagen als ungewohnlich máchtiger braungelblicher, feinsandiger Pláner 
bemerkbar. Dieses vorzůgliche, auch zu Steinmetzarbeiten taugliche Gestein wurde 
zur Zeit des Bahnbaues, namentlich bei „Podvinec“, gebrochen. Es ist arm an 
Petrefacten und ich erhielt daraus nur wenige Arten, welche weiter unten auf- 
gefůhrt werden (Seite 40). Senkrechte Fucoides columnaris sind darin háufig. 


Fiůr diese Gegend und namentlich fůr das Profil Zámost-Skalsko ist es zweck- 
mássie, diese Schichte als Podvinecer Baustein zu bezeichnen. 


Ich muss hier bemerken, dass man nicht erwarten kann, an den Thallehnen 
der Iser alle Lagen der Trigoniaschichten in gleicher Máchtigkeit und mit voll- 
kommen ůbereinstimmender petrographischer Beschaffenheit wiederzufinden wie bei 
Choroušek, und man muss daher mit der Parallelisirung der hier entblóssten Lagen 


mit denen auf dem Profil Fig. 17 angedeuteten vorsichtig sein. 


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Gar manche Erscheinungen sind geeignet, den 
Beobachter zu vexiren. Vor Allem ist es die Bildung 
der Bánke der grossen Exogyra conica, welche nicht 
bloss an das im Schema angedeutete Niveau gebunden 
sind, sondern auch in den tieferen Lagen stellenweise 
auftreten kónnen. 

Ein grosser Šteinbruch, welcher westlich vom 
Viaducte zur Zeit des Bahnbaues gedffnet wurde, ent- 
blósst uns die Choroušker Trigoniaschichten in ausge- 
zeichneter Weise. Dieselben werden gegen Skalsko hin 
immer weniger máchtig und nehmen immer geringeren 
Antheil an der Bildung der Thallehne und unter ihnen 
tritt zuerst der hohere, zweite Kokořiner Auader, dann 
die Zwischenpláner und endlich der erste, tiefere Ko- 
kořiner Ouader zu Tage (Fig. 21). 

Am Fusse des genannten Steinbruches gewahrt 
man eine Auelle, nach der man schliessen kann, dass 
hier das Niveau der ersten Lage der Choroušker 
Schichten in der Thalsohle verdeckt ist. (Fig. 22.) 

Die tiefsten zugánglichen Schichten enthalten eine 
Unzahl von Spongites funiformis nebst kleinen Lima- 
und Pecten-Arten. Die unterste der abgebauten Lagen 
ist etwa 4 m. máchtig, enthált viele Fucoides colum- 
naris und zahlreiche grosse Exemplare der Exogyra 
conica. Nun folgen etwa 7 m. feinkórnigen sandigen 
Pláners, der sich in 4 Bánken darbietet und den wir 
als Podvinecer Baustein bezeichnet haben. Er lásst 
sich dann lángs des ganzen Thales gegen Kováň hin 
und zwar an der óstlichen Thallehne verfolgen. Am 
Gipfel dieser Bánke gewahrt man zahlreiche Lagen 
vom Knollenpláner, welche aber hier nicht ohne Ge- 
fahr zugánelich sind. Ich konnte dieselben auf der 
nordlichen Seite der zum Viaduct fiůihrenden Bóschung 
náher untersuchen. 

Ich fand, dass die ersten den máchticen Pláner- 
bánken auflagernden Knollenreihen sehr reich an Serpula 
socialis sind (Fig. 21, 4) und von einer etwa 1 Meter 
máchtigen Schichte Ouaders bedeckt werden. 

Auf einige Binke můrben Pláners folet noch eine 
guaderáhnliche feste Bank mit grossen kalkigen Knollen 
und diese trift man im Niveau des Bahngeleises im 
Einschnitte gegen Kuttenthal zu an. Auf diese folgen 
nun abwechselnd festere und můrbere Lagen mit oder 
ohne Knollen, welche die Vertreter der oberen Hálfte 
der Choroušker Trigoniaschichten darstellen und reich 


39 


an Petrefacten sind. Die hochsten Bánke, welche an der Umbiegungsstelle der Bahn 
(wo diese das Iserthal verlásst, um nordwestlich gegen Kuttenthal zu fůhren) im Ein- 
schnitte entblósst sind, halte ich schon fůr die Reprásentanten der Bryozoenschichten. 

Wo die Bahn das Hochplateau erreicht, da liegt auf den kalkigen Iserschichten 
ein grauer Letten, in welchem zahlreiche Steinkerne verschiedener, die Trigonia- 


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Fig. 22. Profil der Lehne des Iserthales beim Viaducte in Zámost (Station Krmsko-Stranov). 

(J.) Iserfluss. 1. Tiefste Lagen der Trigoniaschichten. 2. Bank mit grossen Exogyra conica. 

3. Podvinecer Baustein. 4. Sandige Knollenpláner mit zahlreichen Serpula socialis. 5. Zwei schwache 

Auaderbánke durch Plánerlagen getrennt. 6. Die hochsten Lagen der Trigoniaschichten (vielleicht 
schon Bryozoenschichten). 


schichten charakterisirenden Arten vorkommen, deren eine Suite auch in der Samm- 
lung des Herrn Pražák zu finden ist. Dieselbe Schichte tritt auch bei Bezno auf, 
wo Herr V. Vaněk, Lehrer daselbst, nachfolgende Arten gesammelt und dem Museum 
zugesandt hat. 


Verzeichniss der vom Herrn Lehrer Vaněk auf einem Ackerfelde bei 
Bezno gesammelten Arten. (Steinkerne.) 


Nautilus sp. 
Scaphites Geinitzii. 
Natica Roemeri. 
Natica sp. 
Pleurotomaria sp. 
Turbo sp. 


Rostellaria Schlottheimi. 


Rostellaria (calcarata ?). 
Fusus sp. 


© Voluta suturalis. 


Rapa sp. 
Avellana? 


Cardium productum. 


Crassatella ? 

Cyprina ? 

Nucula sp. (gróssere Art). 
Nucula sp. (kleinere Art). 
Trigonia limbata. 

Arca subelabra. 

Arca (echinata?) 

Vola guinguecostata. 
Serpula ampullacea. 
Nucleolites Bohemicus. 
Ventriculites. 
Plocoscyphia. 

Vioa sp. 


40 


Um das Liegende der Choroušker Trigoniaschichten zu constatiren, muss man 
der Strasse entlang das Thal von Krnsko gegen Skalsko hin verfolgen; man gewahrt 
bei Strenic (Fig. 21 S) an der rechten Berglehne hinter den letzten Háusern des Ortes 
kleine Steinbrůche, in welchen der zweite Kokořiner Auader gebrochen wird. Der 
sehr můrbe Sandstein enthált stellenweise grosse linsenfórmige Auarzconcretionen 
(Fig2173) 

Dieser Auader kommt nun immer hóher und hóher an der Berglehne zu 
liegen, so dass er vor Četno schon fast in halber Hóhe der Lehne als deutliche 
Stufe wahrzunehmen ist. Unter demselben liegen hier máchtig entwickelte Zwischen- 
pláner mit harten Knollen (Fig. 21, 2) und hart am Wege macht sich schon der 
erste Kokořiner Ouader bemerkbar, welcher von hier an immer mehr hervortretend 
die Thalsohle von beiden Seiten bis unterhalb Skalsko einnimmt (Fig. 21, 1). © 

Der Weg, welcher von der Thalsohle gegen Kovánec hinfůhrt, bietet vor- 
treffliche Gelegenheit, alle erwáhnten Schichten zu studiren. 

Von unten nach oben folgen hier: 

a) Erster Kokořiner Auader, 

b) Zwischenpláner, 

c) Zweiter Kokořiner Auader, 

d) Choroušker Trigoniaschichten mit dem Podvinecer Baustein in den tieferen 
Lagen. 

Diese letzteren nehmen hier schon kaum das obere Fůnftel der Lehne ein 
und werden gegen Kovaň hin noch schwácher. Auf der Anhóhe Hradek zwischen 
Skalsko und Katusic fehlen sie ganz und der zweite Kokořiner Ouader bildet den 
Gipfel dieser malerischen Partie. 

Das geschilderte Profil wůrde eine gůnstige Gelegenheit zu einer genauen 
Messung der einzelnen Schichten und deren ab- und zunehmenden Máchtigkeit, 
sowle deren Einfallswinkel bieten, was natůrlich nicht alles von einem Paláontologen 
verlangt werden kann. 

Fůr die Umsebung von Jungbunzlau war fůr mich am meisten das Profil 
belehrend, das ich im Jahre 1866 unweit dem Bahnhofe bei Čejtic auf- 
genommen habe. Ein daselbst damals geodffneter Steinbruch liess keine gůnstige 
Untersuchung zu, aber ein knapp daran liegender, an der ganzen Berglehne sich 
hinziehender Wasserriss mit hervorstehenden festeren Bánken, machte es móglich, 
die einzelnen Schichten genau nach ihren Petrefacten zu untersuchen. 

Die tiefsten Lagen, ein grauer fester Kalkstein (Fig. 23, 1), erwiesen sich 
wáhrend des Eisenbahnbaues auf der ganzen Linie Zámost-Jungbunzlau als der 
Sitz riesiger Exemplare von Ammonites peramplus, Nautilus galea und Inoceramus 
Brongniarti. Sie entsprechen den Nr. 1 und 2 der Trigoniaschichten des Choroušker 
Profiles (Seite 30). 

Das nach oben náchstfolgende Glied ist ein an 10 m. máchtiger, feinkórniger 
gelblicher, kalkiger Sandstein (2), welcher nicht weit von hier bei Podvinec zu Stein- 
metzarbeiten ausgebeutet wird. Ich erhielt aus diesem Sandstein: Lima multicostata 
mit gespaltenen Rippen, Pecten Dujardinii, Ostrea semiplana und Serpula macropus. 

Dann folst eine 60 cm. máchtige Sandsteinbank (9) und darauf kalkige Schichten 
mit Magas Geinitzii (4) und nachstehenden Petrefacten : 


Fischfragmente. 
Scaphites sp. 
Trigonia limbata. 
Pinna decussata. 
Modiola capitata. 
Modiola typica. 
Lima Sowerbyi. 
Lima semisulcata. 
Lima sp. 

Lima multicostata. 
Lima iserica. 
Pecten curvatus. 


Eine zweite 


Pecten Dujardinii. 
Vola guinguecostata. 
Exogyra laciniata. 
Ostrea hippopodium 
(vesicularis). 
Ostrea frons. 
Anomia subtruncata. 
Anomia subradiata. 
Rhynchonella. 
Magas Geinitzii. 
Serpula socialis. 
Flabellina elliptica. 


Sandsteinbank von 9 m. 


(5) trennt die letzterwáhnte petrefactenreiche 
Schichte von rostigen kalkigen Plattenlagen, 
welche nachstehende Arten enthielten: 


Verzeichniss der in den obersten Lagen 
(6) bei Cejtic (Eisenbahnstation Jung- 
bunzlau) aufgefundenen Petrefacten. 


Corax heterodon. 
Pycnodus scrobicu- 
latus. 
Scheere einer Krabbe. 
Turritella iserica. 
Eryphila sp. 
Pectunculus sp. 
Trigonia limbata. 
Arca subelabra. 
Solen? cf. Guerangeri. 
Tellina. 
Perna subspatulata. 


Aus 


Spondylus? 

Lima pseudocardium. 
Lima multicostata. 
Lima semisulcata. 
Pecten laevis. 
Pecten curvatus. 
Vola guinguecostata. 
Exogyra. 

Exogyra. 

Anomia subtruncata. 
Rhynchonella. 
Biflustra Pražáki. 


diesen zwei Verzeichnissen ersieht 


man zur Genůge, dass die betreffenden Lagen 
den oberen Trigoniaschichten wahrscheinlich Nro. 5—8 des Choroušker Profils 


entsprechen. 


41 


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Fig. 23. Profil der Thallehne bei 
Čejtic (Bahnhof Jungbunzlau). 
1. Tiefste Lagen der Trigoniaschichteu 
mit riesigen Ammonites peramplus und 
Inoceramus Brongniarti. 2. Máchtiger, 
feinkórniger, kalkiger Baustein (10 m.). 
3. Sandstein. 4. Kalkige Schichte mit 
Magas Geinitzii. 5. Sandstein. 6. Pe- 
trefactenreiche Schichte, den hóheren 
Trigoniaschichten entsprechend. 


Die zwei Sandsteinbánke sind die Fortsetzung derjenigen des Profiles bei 


Zámost. 


Bei lángerem Sammeln durch einen Localgeologen důrfte es měglich werden, 
eine prácisere Uebereinstimmung mit Choroušek nachzuweisen. 

Obzwar die Petrefacten, die nicht mit genauer Angabe der Fundschichte 
versehen sind, einen beschránkten Werth fůr gegenwártige Arbeit haben, so muss 


42 


ich hier doch ein Verzeichniss derjenigen Arten beifigen, welche ich in der 
Gegend zwischen Zamost, Jungbunzlau, Bakov und Můinchengrátz wáhrend des 
Bahnbaues theils selbst gesammelt theils von Gónnern unseres Museums geschenkt 
erhalten habe. 


Verzeichniss der in den Choroušker Schichten in der Gegend zwischen 
Zámost, Jungbunzlau, Bakov und Můnchengrátz wáhrend des Bahn- 
baues aufgefundenen Petrefacten. 


Oxyrhina Mantelli. Tellina semicostata. 
Osmeroides-Schuppen. Inoceramus Brongniarti (Riesen-Exem- 
Pycnodus scrobiculatus. plare). © 
Ammonites peramplus (Riesen-Exem- Lima Sowerbyi. 
plare). Lima iserica. 
Nautilus sublaevigatus. Lima semisulcata. 
Turritella Fittoniana. Lima elongata. 
Rostellaria sp. Lima multicostata. 
Cardium productum. Pecten Nilssoni. 
Protocardia Hillana. Pecten curvatus. 
Crassatella austriaca. Pecten acuminatus. 
Mutiella sp. Vola guinguecostata. 
Cyprina guadrata. Exogyra Matheroniana. 
Eriphyla lenticularis. Exogyra laciniata. 
Trigonia limbata. Exogyra lateralis. 
Pectunculus sp. Exogyra conica. 
Arca subglabra. Ostrea semiplana. 
Pinna decussata. Ostrea diluviana. 
Modiola capitata. Ostrea frons. 
Modiola typica. Anomia n. sp. 
Lithodomus spatulatus. Anomia subradiata. 
Pholadomya nodulifera. Anomia subtruncata. 
Pholadomya aeguivalvis. Rhynchonella plicatilis. 
Panopaea mandibula. Eine Krabbe. 
Gervillia solenoides. Callianassa antigua. 


Perna subspatulata. 


Die hóchsten Lagen der Trigoniaschichten fand ich bei Jungbunzlau in einem 
kleinen Steinbruche unterhalb Libichov und sammelte daselbst viele Arten. 


Verzeichniss der in den Trigoniaschichten in Libichov bei Jung- 
bunzlau aufgefundenen Petrefacten. 


Fischschuppen. Turritella multistriata. 
Ammonites peramplus. Cardium productum. 
Nautilus. Mutiella sp. 


43 


Crassatella austriaca. Ostrea hippopodium. 

Cyprina guadrata. | Kleine „vesicularis“, Varletát in grosser 
Modiola capitata. Menge mit Exogyra Matheroniana zu- 
Lima multicostata. sammen. 

Pecten curvatus. Anomia subtruncata. 

Exogyra conica. Hemiaster plebeius. 

Exogyra Matheroniana. Micraster Michellini. 


Die Gegend von Bakov (Station), Weisswasser, Bóhm.-Leipa, Písnik 
und Lindenau nebst den Bergen Bósig und Roll. 


Hat man sich beim Bahnhofe Bakov durch Auffinden von Callianassa-Scheeren 
und Bryozoen von dem Reichthum an Petrefacten úberzeugt und die Kalkháltigkeit 
des Gesteines nicht úbersehen, so wird man beim Verfolgen des Thales gegen Weiss- 
wasser hin von dem allmáhligen Verschwinden dieser Schichten und dem Zunehmen 
der Ouadersande ůúberrascht sein, welche hier áhnlich wie im Thale bei Krnsko 
einer nach dem anderen auftritt. 

Bald verliert man alle paláontologischen Anhaltspunkte und nackter eisen- 
schůssiger Ouader steht an, welcher am Habichtstein bloss Kerne von Lima multi- 
costata aufweist. 

Verlásst man die Niederung und steigt durch den Ouadersand gegen die 
Bósigberge hinauf, so trifft man unterhalb dem Dorfe Bósig kalkige Trigonia- 
schichten mit einer Bank von unzáhligen kleinen Ostrea hippopodium und Serpula 
socialis an, auf welche dann Priesener Bakulitenschichten folgen. 

Einen áhnlichen Saum der kalkigen Iserschichten fand ich am Sůdabhange 
des Rollberges bei Raabendorf. 

Von hier aus fallen die Trigoniaschichten allmáhlie gegen Norden ein; man 
gewahrt sie noch am Eisenbahneinschnitt bei Aschendorf und in Písnik bei Bohm.- 
Leipa sind sie schon in der Thalsohle verdeckt. Nur dem gůnstigen Umstande einer 
Brunnengrabung verdanken wir, dass wir in dieser Gegend eine ansehnliche Reihe 
von fůr die Trigoniaschichten bezeichnenden Arten vorfinden konnten. 


Verzeichniss der in Písnik aufgefundenen Petrefacten. 


Natica lamellosa. Lima multicostata. 

Protocardium Hillanum. Pecten Nilssoni. 

Cyprina sp. (ligeriensis?) Pecten laminosus? 

Trigonia limbata. Pecten curvatus. 

Pholadomya aeguivalvis. Vola guinguecostata. 

Modiola typica. Exogyra laciniata. 

Avicula anomala. Ostrea Hippopodium (var. vesicularis). 
Lima Sowerbyi. Ostrea frons. 

Lima semisulcata. Anomia (imitans). 

Lima pseudocardium. Callianassa antigua. 


Lima iserica. Serpula ampulacea. 


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Weiter nordostlich in dem Thale bei Lindenau treten die Trigoniaschichten 
mit Cailianassa-Scheeren zu Tage, um dann unter den máchtig entwickelten Chlo- 
meker Sandsteinen zu verschwinden. Ich fand daselbst: 


Callianassa antigua. Vola guinguecostata. 
Cyprina guadrata. Pecten laevis. 
Lima semisulcata. Fungia coronula. 


Lima multicostata. 


Die Gegend von Jičín, Rovensko, Turnau, Liebenau. 


Um den nordostlichen Rand der Iserschichten, wie er sich aus der Turnauer 
Gegend gegen Liebenau und dann am Fusse des Jeschkengebirges hinzieht, im 
Zusammenhange betrachten zu kónnen, ist es nóthig, weiter sůdlich in der Jičiner 
Gecend zu beginnen. 

Man ůberzeust sich bald, dass hier die Ouader der Iserschichten nicht auf- 
treten und deshalb auch die untere Gránze der Iserschichten unsicher bleibt, dafůr 
aber die Trigoniaschichten zur vortrefflichen Entwickelung gelangt sind. 

Zwischen Jičín und Turnau ist der Rand der Kreideschichten an den Melaphyr- 
zug des Kozákov angelagert und wáhrend die cenomanen Korycaner Auader meist 
steil gehoben anstehen, die turonen Plánerablagerungen zum gróssten Theile weg- 
geschwemmt sind, findet sich von den Iserschichten ein schmaler Streifen, der nur 
an wenigen Punkten dem Studium in Bezug auf Lagerung und Petrefacten zu- 
gánglich ist. 

Zuerst trifft man einen Aufschluss in den Trigoniaschichten an der Strasse 
bei Knížnice vor Libuň. Dieser Fundort liefert manche Arten, welche wir gewohnt 
sind in den Malnitzer Schichten anzutreffen, aber das Vorhandensein der Trigonia 
limbata und Lima iserica beweisen hinlánglich, dass wir uns hier im Bereiche 
der Trigoniaschichten befinden. 


Verzeichniss der bei Knížnice unweit Libuň aufgefundenen Petrefacten. 


Osmeroides levesiensis Schuppen. Modiola capitata. 
Ammonites sp. (Bruchstůck einer ge- (Siligua Petersi?) 
knoteten Art). Pholadomya aeguivalvis. 
Ammonites peramplus. Panopaea gurgitis. 
Scaphites Geinitzii (sehr háufig). Panopaea mandibula. 
Baculites undulatus. Tellina sp. 
Fusus (Nereidis ?) Avicula anomala. 
Voluta Rómeri. Gervillia solenoides. 
Natica lamellosa. Inoceramus Brongniarti. 
Cyprina guadrata. Lima elongata. 
Trigonia limbata. Lima iserica. 
Pinna decussata. Pecten curvatus. 


Lithodomus spatulatus (háufig). Vola guinguecostata. 


Exogyra Matheroniana. 
Exogyra laciniata. 
Ostrea hippopodium. 


45 


Ostrea frons. 
Anomia subtruncata. 
(Amorphospongia rugosa). 


Ostrea semiplana. 


Libuň. 
Scaphites Geinitzii (háufig). Tellina. 
Baculites undulatus. Gervillia solenoides, 
Turritella Fittoniana. Lima elongata. 
Cyprina guadrata. Pecten curvatus. 
Arca. Exogyra laciniata. 
Panopaea. Micraster. 


Bei Rovensko ist es die Anhóhe bei Blatec, welche die Iserschichten mit 
ihrer typischen Fauna erkennen lásst. Am čstlichen Abhange der Anhóhe daselbst 
liefern die kalkigen Schichten folgende Arten: 


Blatec bei Rovensko. 


Otodus appendiculatus. Lima multicostata. 
Turritella Fittoniana. Vola guinguecostata. 
Eriphyla lenticularis. Exogyra laciniata. 
Crassatella sp. Exogyra Matheroniana. 
Cyprina guadrata. Ostrea hippopodium. 
Panopaea gurgitis. Ostrea semiplana. 
Panopaea mandibula. Anomia subtruncata. 


Perna subspatulata. 


Eine andere Stelle, wo die Iserschichten sich erkennen lassen, ist die An- 
hohe zwischen Kotva und Rovensko. 

Deutlich kann man die Iserschichten bei Lochtuš beobachten, wo sie den 
Schichten mit Lima elongata aufgelagert sind und von einem Sandsteine der Chlo- 
meker Schichten úberlagert werden. (Dieser Sandstein enthált bei Volavec Massen 
von Inoceramen.) 

Ich sammelte daselbst, ausser anderen Arten, Perna subspatulata, Modiola typica 
und Pholadomya nodulifera, alles fůr die Trigoniaschichten bezeichnende Arten. 


Fig. 24. Profil bei Lochtuš (Z). 1. Malnitzer Schichten mit Lima elongata. 2. Iserschichten 
mit Pholadomya nodulifera. 3. Auadersand der Chlomeker Schichten. 


46 


Máchtig entwickelt und vom Iserthale tief eingeschnitten finden wir die Iser- 
schichten bei Turnau und Rohosec. Die ganze Hohe der Thallehnen wird von den 
Choroušker Trigoniaschichten eingenommen. Die riesigen Ammoniten von 75 cm. 
Durchmesser, welche die Durchfahrt unseres Museums zieren, růhren aus den 
tiefsten hier zugánelichen Schichten im Kottlerischen Garten und charakte- 
risiren die erste Stufe der Choroušker Schichten (Ideal-Profil Fig. 3 Nro. 8). 
Fig. 25 a bei Dolanek gegenůber Rohosec findet man unweit des Wehres am 
Fusssteige graue Pláner mit faustgrossen Knollen, welche ganz von Heteropora 
magnifica Nov. durchsetzt sind (Fig. 5). 

Die gelblichen, graue Knollen enthaltenden Pláner, die in einem Steinbruche 
gewonnen werden, lieferten in den tieferen Lagen: 


Verzeichniss der in den Cho- 

roušker Schichten bei Dola- 

nek unweit Turnau aufgefun- 
denen Petrefacten. 


(Profil Nro. 1.) 


Turritella Fittoniana. 
Natica Roemeri. 

Turbo Goupilianus. 
Rostellaria Buchi. 
Cardium productum. 
Protocardium Hillanum. 
Crassatella austriaca. 
Crassatella macrodonta. 
Mutiella ringmerensis. 
Cyprina guadrata. 
Cyprina sp. 

Trigonia limbata. 

Arca Schwabenaui. 
Arca subglabra. 
Modiola typica. 

Pinna decussata. 
Pholadomya aeguivalvis. 
Panopaea gurgitis. 
Tellina semicostata. 


-= < a 
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Fig. 25. Profil der Lehne bei Dolanek 
segenůber von Rohosec bei Turnau. 


J Iserfluss. P Fusssteig. a Tiefste Lage der Tellina sp. 
Trigoniaschichten mit riesigen © Ammoniten os ideas 
(weiter flussabwárts im Kottlerischen Garten Gervillia solenoides. 
anstehend). b Knollen mit Heteropora ma- Perna subspatulata. 
gnifica. 1. p Lage mit Perna subspatulata : 

p' mit Pholadomya nodulifera. 2. Lage mit Fecten acuminatus. 
Pecten acuminatus. 3. Lage mit zahlreichen Pecten curvatus. 
Pectunculus. 4. Lage mit Callianassa. 5. Exo- Spondylus sp. 


gyrenbank. 6. Priesener Bakulitenthone (die 
Lagen darunter unzugánglich). Exogyra columba. 


4 


Exogyva. Rhynchonella. 
Ostrea vesicularis. Clodocora?- 
Anomia subtruncata. 


Die etwas hoheren Lagen enthielten: 


(Profil Nro. 2.) 


Fischschuppenknollen. Avicula anomala. 
Turritella Fittoniana. Perna subspatulata. 

Scala decorata. Inoceramus. 

Natica. Lima pseudocardium. 
Turbo Goupilianus. Lima aspera. 

Protocardia Hillana. Lima ovata. 

Crassatella macrodonta. Lima elongata. 

Eriphyla lenticularis. Lima dichotoma. 
Pectunculus sp. Lima multicostata. 

Arca subelabra. Pecten curvatus. 

Arca pholadiformis. Pecten acuminatus. 

Arca Schwabenaui. Vola guinguecostata. 
Pinna decussata. Exogyra lateralis. 
Modiola capitata. Ostrea hippopodium (var. vesicul.). 
Modiola typica. Terebratula. 

Mytilus radiatus. Rhynchonella. 

Pholadomya aeguivalvis. Callianassa antigua. 
Pholadomya nodulifera. Serpula socialis. 


Noch hohere, wenig aufgeschlossene Lagen, lieferten auffallend viele Exem- 
plare eines Pectunculus (Fig. 25, 3) und dann folgt eine Bank mit Callianassen (4) 
und eine mit Exogiren sp.? In der Callianassabank fanden sich: 


(Profil Nro. 4.) 


Crassatela sp. Pecten curvatus. 

Pinna decussata. Ostrea frons. 

Mytilus sp. Anomia subtruncata. 

Lima pseudocardium. Callianassa antigua (sehr háufig). 


Lima multicostata. 


Nicht weit von da lieferten noch zwei Localitáten typische Iserversteinerungen, 
Loučkov und Ohraženic. 


Verzeichniss der in den Choroušker Schichten bei Loučkov (Turnau) 
gefundenen Arten. 


Turritella Fittoniana. Modiola capitata. 
Turbo Goupilianus. Panopaea. 
Protocardium Hillanum. Perna subspatulata (sehr háufig). 


48 


Lima iserica. Ostrea. 
Pecten laevis. Anomia subtruncata. 


Pecten curvatus. 


Verzeichniss der bei Ohraženic unweit Turnau gefundenen Arten. 


Pleurotomaria (Steinkern einer grossen Exogyra Matheroniana. 
Art). Anomia subtruncata. 
Modiola typica. Callianassa antigua. 
Avicula anomala. Spongites saxonicus. (Exemplar mit 
Pecten curvatus. Kieselnadeln.) | 


Lima pseudocardium. 


Gegeniůber am rechten Ufer der Iser unterhalb Rohosec, sammelte ich fol- 
gende Arten: 


Rohosec. 
Otodus appendiculatus. Inoceramus sp. 
Crassatella austriaca. Lima pseudocardium. 
Cyprina guadrata. Pecten curvatus. 
Circe? Exogyra conica. 
Trigonia limbata. Exogyra Matheroniana. 
Modiola typica. Anomia subtruncata. 


Perna subspatulata. 


Die an Perna subspatulata reiche Schichte des Profiles von Dolanek trifft 
man auch am entgegengesetzten Ufer und die etwa 30 cm. máchtige Schichte be- 
steht aus lauter Perna spatulata, eine wahre Pernabank. 

Die Vergleichung des Profiles von Dolanek mit dem von Choroušek wird 
mit der Zeit eine grosse Uebereinstimmung zeigen, denn die Exogyrenbank wird 
gewiss demselben Horizonte entsprechen, wie diejenige unterhalb Choroušek. 

Es ist zu bedauern, dass bei letzterem Orte es noch nicht gelungen ist, die 
Callianassa aufzufinden. 

Die Lagen, welche bei Dolanek die Trigonia limbata und Pholadomya nodu- 
lifera fůhren, entsprechen dem Nro. 3 und 5 des Profiles von Choroušek. 

Sobald bei Dolanek mit solchem Eifer und mit solcher Ausdauer gesammelt 
und beobachtet werden wird, wie es in der Gegend von Choroušek durch Herrn 
Pražák geschehen ist, dann wird meiner Ueberzeugung nach die Uebereinstimmung 
beider Profile immer deutlicher hervortreten. 


Das Adlergebiet. 


Das Adlergebiet liegt im ostlichen Theile von Bóhmen und wird von der 
máhrischen Gránze an von der Stillen Adler und von dem Lužnabache durch- 
schnitten. Nordlich reicht es bis Koldin, westlich ist es durch die Linie Vraclav, 
Neuschloss, Desna begránzt, sůdlich reicht es úber Leitomischel bis Lesnik und 
ostlich bei Triebitz nach Máhren hin. 


49 


Die petrographische Charakteristik besteht in dem Mangel von Auadersanden, 
-denn mán findet hier nur unreine kalkige Pláner von grauer, okergelber oder auch 
rothlicher Farbe, welche schwer von den dieselben untertéufenden Malnitzer Schichten 
zu unterscheiden sind. Wegen Abgang der Ouader ist auch ihre Máchtigkeit eine 
viel geringere, aber trotzdem bilden sie zwischen Chotzen und Wildenschwert 
malerisch schóne Gruppen, welche in ihren Contouren an die analogen Formen 
des Auadersandes der sáchsischen Schweiz und der Weckelsdorfer Felsen erinnern. 

Die Fauna zeichnet sich durch grósseren Reichthum und bessere Erhaltung 
der Petrefacten aus. Abgesehen von dem Auftreten der áusserst seltenen Vogel's 
Cretornis Hlaváči und des prachtvollen Fisches Halec Sternberoii ist das massen- 
hafte Vorkommen der Callianassa antigua bezeichnend. Von Cephalopoden ist 
Ammonites conciliatus Stol. interessant. Bei den Echinodermen ist das háufge 
Vorkommen des Hemiaster plebeius und Micraster Michellini eine Erscheinung, 
die sich im Elbe-Iser-Gebiet nicht wiederfindet. 

Rhynchonellen bilden nicht mehr Bánke und sind úberhaupt sehr sparsam. 

Unter den ráthselhaften Gebilden, bei denen man schwankt, ob man sie zu 
den Fucoiden oder zu den Schwámmen stellen soll, ist der mit einem bis faust- 
grossen Knollen beginnende Fucoides funiformis fůr das ganze Adlergebiet sehr 
bezeichnend. 


Umgebung von Chotzen, Brandeis a. d. Adler und Wildenschwert. 


Náhert man sich der Bahn entlang von Westen der freundlichen Umgegend 
von Chotzen, so gewahrt man in den Gráben, zu beiden Seiten der Bahnstrecke, 
mit Wasser gefůllte verlassene Steinbrůche und hie und da noch aufgeschlichtetes, 
plattenformiges Gestein mit zahlreichen Fucoiden und Spongiten, sowie mit Ab- 
drůcken einer Lima oder einer Auster. Dies sind die ersten Anzeichen, dass wir 
uns dem Gebiete der Iserschichten náhern, welche hier noch ganz unten unter 
dem Niveau der Bahn gelagert sind, und wie man an Hinschnitten und an den 
nordlich gelegenen bewaldeten Hůgeln bemerken kann, von máchtigcen Lagen der 
Priesener Bakulitenthone ůúberlagert werden. 

Von der Bricke in Chotzen ůberraschen uns am rechten Ufer der Stillen 
Adler die malerisch prachtvollen steilen Wánde, zu denen sich hier die Iser- 
schichten erheben und die „Peliny“ genannte Partie, von der wir beifolgend 
eine Skizze bringen, macht gewiss auf jeden Freund der Natur einen tiefen 
Eindruck (Fig. 26). | 

Die Basis der Wánde nehmen Pláner mit Lima elongata ein und durch die- 
selben wurde auch der Tunnel gsefůhrt (Fig. 29, 1). 

Ich sammelte sowohl an der Basis der „Peliny“ als auch in dem Gestein, 
welches aus dem Tunnel gehoben gegenwártig auf der Anhóhe ober dem Tunnel 
auf grossen Halden liegt. 


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D1 


Verzeichniss der in den Tunnelschichten bei Chotzen aufgefundenen 


Petrefacten. 
Osmeroides levesiensis. Pecten curvatus. 
Aptychus sp. Ostrea hippopodium. 
Panopaea mandibula. Anomia subtruncata. 
Lima elongata. Enoploclythia Leachii. 
Pecten subpulchellus. Plocoscyphia sp. 


Pecten Nilssoni. 


Das Gestein ist plánerig; feste Bánke wechseln mit můrberen zerfallenden 
Lagen und es ist kein Zweifel, dass dies die hóheren Weissenberger Schichten 
sind. (Die an Inoceramus labiabus reichen tieferen Weissenberger Schichten sind 
erst bei Brandeis a. d. Adler zugánelich.) 

Weiter nach oben sind die Schichten mit Ostrea semiplana zu bemerken und 
vertreten hier den Malnitzer Horizont (Fig. 29, 2, 3). 

Dann folgen Knollenpláner, welche den Byšicer Uebergangsschichten und dem 
Horizonte des Halec Sternbergii entsprechen (4). 

Dieselben sind oberhalb dem Schiesshause in einem kleinen verlassenen Stein- 
bruche entblósst, wo ich selbst Spuren von Fischresten auffand. 

Nun kommen die an Lima-Arten und Echinodermen reichen Trigoniaschichten 
(5, 6), welche am besten in dem Steinbruche „Báčův lom“ (unweit dem Bahnhofe 
an der Strasse nach Leitomischel) entblósst sind, wo sie zu Schotter geschlagen 
werden. Diesem Umstande hat man es zu verdanken, dass es mir mit Hilfe des 
eifrigen Sammlers Herrn Fr. Hlaváč, Apothekers in Chotzen, gelungen ist, eine 
so reiche Suite an Arten hier anfůhren zu kónnen. 


Verzeichniss der in den Trigoniaschichten bei Chotzen aufgefundenen 


Arten. 
Cretotnis, Hlavačla Bros - | „ . Zářecká Lhota. 
EESKEMIM: Nhatellko asi © 1-56, PKLOANOL. 
Oxyrhina angustidens . . ..... „+ „„Efledhok 
Otodus semiplicatus. . . . . ©. . . . Báč. Steinbruch. 
Otodus appendiculatus ©. . . . . . . . Friedhof. 
Carex Netorodai 1% Zi 2 -ce + + s Erledhoh 
Ena ACURA bag XD. © ©6046 Date O DUCÍ: 
Lamna raphiodon. . ....... 2 BEIeTDoT: 
OBIMELOMIONG A aFobo. 50 324: „.. Vrchoviny. 
Halec Sternbersii. . -< .. —. - © . Jung-Koldin. 
BEPMEROTGM (mire Shlks < ©- ee ac ZVČZČM, 
Ammonites peramplus - . . . ——- . . . Báč. Steinbruch. 
Ammonites conciliatus. . . . . . . . . Báč. Steinbruch. 
Nautilus sublaevigatus:::: <- . . «,. , Friedhoť. 
ZR RELILUS SALA dona Da dd 1 © 340 7 POMOVEM 


D2 


Baculitesspras04 E50 JEST G 
Turritella Fittoniana 
Turritella multistriata . 
Natica lamellosa 
Natica Roemeri 


Pleurotomaria"liňearis 7 


Turbo  Goupihants 50 
Rostellaria Schlottheimi 
Mitra' Roemeri-0.00. 
Voluta suturalis 


Cerythtum 7.p. 
Rapa sp. 

Avellana sp. 22 
Opis chocenensis . 
Isocardia gracilis. . 
Cardium productum 
Crassatella macrodonta 
Mutiella ringmerensis . . 


Gyprina dguadrata -sr k, 


Cyprina cf. crassidentata, Zittel 
Eriphyla lenticularis 
krieona.JimData, 28 


ATCA, „SUbelaDrá, | A380 de. aale. 
Pinnadecussata 709 2E 


Mytilus radiatus 
Lithodomus spatulatus 
Modiola capitata 
Pholadomya perlonga ... 
Panopaea mandibula 


fellina. sp. 89V Han 


Menus.sps KM 
Cytherea cf. polymorpha . . 
Avicula anomala 


Perna. subspa tulák 
Inoceramus Brongniarti . . . ...... 
Lima Dupiniana v 
Lima Sowerbyl 2 
Lima dichotonak Me s 
Lima, multicostat R 00 
Lima aspeta ina 

Lima 1s6ri6a72 


Pecten"]a6vi8 094058 
Pecten (urvat s 


S Jj jE TÝ Pe aka L Mc 


Voluta Sp.C. 7 Joo emi dlse, Velde 


. Friedhof. 


Friedhof. 


. Friedhof. 

. Friedhof. 

. Báč. Steinbruch, Friedhof. 
. Báč. Steinbruch. 


Báč. Steinbruch, Friedhof. 
Báč. Steinbruch, Friedhof. 


. Friedhof. 


Friedhof. 


. Friedhof. 
„ . Friedhof. 
. Friedhof. 


Friedhof. 


. Báč. Steinbruch. 
. Báč. Steinbruch. 
. Friedhof. 
. Báč. Steinbruch, Friedhof. 
„ Báč. Steinbruch. 
„-. Báč. Steinbruch. 
„ Báč. Steinbruch. 


Friedhof. 


„ Báč. Steinbruch. 


Báč. Steinbruch, Friedhof. 
Báč. Steinbruch. 


„ Báč. Steinbruch. 
. Báč. Steinbruch. 
. Báč. Steinbruch. 


Báč. Steinbruch. 


. Střižek's Steinbruch. 


Friedhof. 


„ Friedhof. 

. Báč. Steinbruch. 
„ . Báč. Steinbruch. 

„ Báč. Šteinbruch. 


Báč. Steinbruch. 
Báč. Steinbruch, Friedhof. 


. Báč. Steinbruch. 


Báč. Steinbruch. 


. Báč. Steinbruch. 


Báč. Steinbruch, Friedhof. 


, Báč. Steinbruch. 


Báč. Steinbruch, Friedhof. 


„ Báč. Steinbruch. 
. Báč. Steinbruch. 


D3 


Pecten acuminatus <. © ©% <. « Báč. Steinbruch. 

Pecten, Dujardinii 1-5 <.. < 4. «  Báč/Steinbruch. 

Mola jauinahecostata „2-5 |. < „dsrdtá. Báč. Steinbruch. 

PT IS se 4 200 PSW Báč. Steinbruch, Friedhof. 
KORaDO | Jeka jc +p -< Báč. Steinbruch, Friedhof. 
Bxagyra: laciniata jg ji) + 4:4 -© Báč. Steinbruch, Friedhof. 
Exogyra matheroniana —. ... ....... . Báč. Steinbruch, Friedhof. 
Exogyralaleralisyejk ine ae +36 Báč: Steinbruch. 

(Okeed sehrplanaietáty pí yu) soy +najp: Báč. Steinbruch, Friedhof. 
Oskar Arans:v sive dosti dyzely 4 Báč;+Stelnbruch, 

koed dinuána hehe ole ore Venele 6 Báč. Steinbruch. 

Ostred Hippopodium: T404 „. Báč. Steinbruch. 

Anomia semiglobosa . . . . . . . . . Báč. Steinbruch. 

nota sabradata: <.. Báč. Steinbruch. 
PonasnPbiruncatac < < Mé s a 6 Báč. Steinbruch. 
BnoMam < se 4 PĚK re Báč. Steinbruch: 
Rhynchonella plicatilis . . . . . . . . Báč. Steinbruch. 

Maess GElnlizii. .-..... . R MI0dat 

Gallinjssa antigua . ... ©. . %%. . Báč. Steinbrueh. 
EOEMGHes"8D:.. < + 13 R37 u gta“ nor Friedhof. 

BMNEMA EVIZ40b -20 -0 ee 4 6 0+0 Hitedhof. 

MRODESNÍDOTA CE) < -u n“ „ . Báč. Steinbruch, Friedhof. 
Berpulausociális. -< < < <. beer Báč, Steinbruch. 

PERU MACFOPNS 2 2- - -2 . . . Báč. Steinbruch. 

Serpula AmpulacBA < ,2.-.- + « „-.. Báč. Steinbruch, Friedhof. 
Edem speř! Reuss 70 Báč. Steinbruch. 
Cyphosoma sp... . . ... S M 300 POR E GET TRW PUN: 
Cardnister'onanehýts' (2.24. + + « Dač. oteinbruch. 
Hemiaster plebetus ''..* . . .. .. Báč. Steinbruch, Friedhof. 
Micraster Michellini. . . . . . . . . . Báč. Steinbruch, Friedhof. 
Micrabatla (corona). "9707" "Pyjedhoť. 

Plocoscyphia labyrinthica . . . . - « « Steinbruch am Tunnel. 
TOPO pREA CB- PGK, „ME SIS „-. Friedhof. 

Ventriculites sp. . ... . .... SEMI UD BAG" SEL DPrGH 
PDEMEMES RAXOMIC0S -< -© -4+ 000040 Báč. Steinbruch. 
Flabellina elliptica . . . . .. -© Báč. Steinbruch. 
Cristellaria rotulata. . . . - 4 Báč. Steinbruch. 

Fucoides funiformis . . . . . . ... „. Báč. Steinbruch, Friedhof. 
Pucoilesicolumnaris (40421144 Báč. Steinbruch. 


Die tieferen Lagen der Trigoniaschichten zeigen stellenweise ganze Reihen 
von faust- bis kopfgrossen Hohlungen, in welchen man eine můrbe poróse Masse 
wahrnimmt, die nach sorgfáltig vorgenommenem Schlámmen unter dem Mikro- 
skope Kieselnadeln der Gattung Plocoscyphia aufweist (Fig. 27, 28). In anderen 
der Hohlungen sind Reste von walzenformigen, zu den Hexactinelliden gehórigen 


D4 


Schwámmen, welche nicht náher bestimmt werden konnten. Das diese Schwamm- 
reste umgebende Gestein bildet eine feste Hůlle, an der man concentrische Ringe 
von verwittertem Brauneisenstein.beobachtet, so dass der Guerschnitt demjenigen 
eines Astes nicht unáhnlich ist. 

Ein interessanter Fundort wurde jůnest bei der Verlegune der Strasse behufs 
Vergrosserung des Friedhofes in Chotzen entdeckt. Die obersten Lagen der unteren 
Trigoniaschichten zeigen die Oberfláche zu einem sandigen miirben gelben Pláner 
umgewandelt, in welchem man die Petrefacten mit dem Messer herausarbeiten 
kann, was besonders bei den Schalen von Ostrea laciniata gelingt. Sonst findet 
man darin nur sehr schón erhaltene Negative, áhnlich wie wir sie bald auch bei 


Fig. 27. Plocoscyphia labyrinthica. Die Hóhlung in Fig. 28. Nadeln in dieser 
den unteren Trigoniaschichten veranlassend. Hóhlung gefunden. 


Brandeis an der Adler werden kennen lernen. Eine der hochsten Lagen dieses 
Gesteines zeiet zahlreiche, 3 cm. breite flache Gánge, welche mit feinem grauen 
Letten erfůllt sind und ursprůnelich entweder Wurmgánge oder Fucoidenstángel 
waren. Die darauf folgenden zerfallenden stark glauconitischen Pláner enthalten 
zahlreiche grůne walzenfórmige Špongien und grůne glatte Steinkerne der 
meisten in den Trigoniaschichten bei Chotzen nachgewiesenen Arten. 

Die Beschaffenheit der Steinkerne ist eine ganz eigenthůmliche; denn man 
findet in der Regel keine Spur von Schale daran, aber die Bohrschwámme und 
die Gánge von Wůrmern, welche die einstige Schale durchbohrt haben, die decken 
die Oberfláche der Steinkerne. 

Auch Haifischzáhne gehóren nicht zu den Seltenheiten. 

Die Aeguivalente der Bryozoenschichten findet man sowohl in Báč's Stein- 
bruch, als auch oberhalb des Friedhofes nur schwach entwickelt, aber doch deutlich 
und zwar in Form von důnnen, mit Kalkinkrustationen bedeckten Platten, in denen 
man SŠerpula socialis und Flabellina cordata vorfindet. Bryozoen sind auch in diesen 
Platten nicht selten, aber beim Spalten des Gesteines bekommt man bloss ihre 
Spaltfláchen, sehr selten etwas von der Oberfláche zu Gesicht. Biflustra Pražáki 
ist die háufigste Erscheinung. Das Gestein hat ganz das Aussehen wie der „Sa- 
drák“ bei Leitomischel, in dem wir weiter unten auch den Reprásentanten der 
Bryozoenschichten erkennen werden. 


D5 


Trachtet man ůúber Ausbreitung der Iserschichten in der Umgebung von 
Chotzen sich zu orientiren, so findet man, dass nach Norden hin wenig Auf- 
schlůsse vorhanden sind, dass die petrefactenreichen Trigoniaschichten sich bald 
ganz verlieren und meist nur noch die Byšicer Fischknollen in Steinbrůchen ent- 
blósst sind. - 


Gewóhnlich sind nur bei Meierhófen und einzelnen Dórfern kleine Stein- 


brůche zu finden, in denen gelegentlich eines zufállig vorkommenden Baues ge- 
brochen oder im Winter etwas Schotter geschlagen wird. 


So ist beim Meierhofe „Vrchoviny“ ein kleiner Steinbruch, wo im ver- 
gangenen Winter die vordere Hálfte des interessanten Fisches Osmeroides sp. 
gefunden wurde. Die Schichten gehóren den Byšicer Fischknollen an und ich fand 
von anderen Petrefacten bloss Lima cenomanensis, Ostrea semiplana und den eigen- 
thůimlichen Fucoides funiformis, welcher hier eine gewóhnliche Erscheinung ist. 


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Fig. 29. Profil durch die „Peliny“ bei Chotzen uná die Anhóhe, durch welche der Tunnel fůhrt. 

H. Chotzener Friedhof. O. Stille Adler. P. Parkwiese „Peliny“. 7. Tunnel. 1. Weissenberger 

Schichten. 2., 3. Vertreter der Malnitzer Schichten. 4. Knollenlage mit Fischresten (=7=? Byšicer 

Uebergangsschichten. 5. Kalkige plánerige Lagen der Trigoniaschichten, welche nach oben hin 

viele Hóhlunsen nach Spongien fiihren und schon die reiche Fauna mit Lima multicostata etc. 

besitzen. 6. Důnne kalkige Platten, deren hóchste Lagen den Kaniner Bryozoenschichten ent- 
sprechen. 7%. Fette Letten (Teplitzer Schichten ?). 8. Diluvial-Gerólle. 


Beim Meierhofe Jung-Koldin wurde schon zu Sternbero's Zeiten, zur Zeit, 
als der Meierhof gebaut wurde, der prachtvolle Fisch Halec Sternbergii ge- 
funden. Jetzt ist der Steinbruch fast ganz verlassen und nur mit grósster Můhe 
© gelang es mir, die zur Feststellung des Alters nothigen Petrefacten aufzufinden, 
welche darauf hinweisen, dass ausser den Byšicer Fischknollen in den hóchsten 
Lagen des Steinbruches auch ein kleiner Rest von den Trigoniaschichten hier vor- 
handen ist. 


Verzeichniss der bei Jung-Koldin aufgefundenen Petrefacten. 


Halec Sternbergii, Ac. Isocardia gracilis. - 
Fischschuppen. Inoceramus sp. 
Ammonites? Lima multicostata. 


Bulla? Lima elongata. 


D6 


Dim a I8eTICA: Ostrea semiplana. 
Lima dichotoma. Ostrea Hippopodium. 
Lima Sowerbyl. Rhynchonella ? 
Pecten Nilssoni. Callianassa antigua. 
Pecten acuminatus. Pollicipes sp. 

Pecten curvatus. Cyphosoma. 

Vola guinguecostata. Hemiaster plebeius. 
Ostrea Matheroniana. Micraster Michellini. 


Meine Ansicht, dass die Fundstelle des Halec den Iserschichten angehórt, 
fand ich spáter auch bei Vinar bestátist, wo auch dieser Fisch kůrzlich gefunden 
wurde und wo man das Liegende und Hangende genau sicherzustellen im Stande 
ist. Auch dort liegt er in Knollen vom Alter der Byšicer Uebergangsschichten. 

Beim Orte „Cuclava“ fand Herr Havlíček, Baumeister in Chotzen, einen 
interessanten Ammoniten, welcher wahrscheinlich ein sehr altes Exemplar des 
Ammonites conciliatus Stol. ist und vom Herrn Fr. Hlaváč, Apotheker in Chotzen, 
unserem Museum geschenkt wurde. 


Brandeis an der Adler. 


Ueber das Liegende der Iserschichten in dieser Gegend wird man besser bei 
Brandeis an der Adler belehrt. | 

Das tiefste Glied ist hier ein grauer Pláner mit Inoceramus labiatus, welchen 
man am linken Ufer der Stillen Adler in der idyllischen Waldpartie „Klopoty“ in 
der Umgebung des Amos Comenius Denkmals anstehend findet. Am rechten Ufer, 
hinter der Můhle, sind etwas jingere graue Pláner mit Pecten pulchellus 
entblósst und diese haben in dieser Gegend als Dungmittel eine hochwichtige 
Bedeutung. 


Fig. 30. Profil bei Brandeis an der Adler. (A. Monument von Amos Comenius am Fusse der 

Anhóhe Klopoty. O. Stille Adler. B. Brandeis. Z. Ruine. K.' Kaliště. 1. Weissenberger Schichten 

mit Inoceramus labiatus und Pecten pulchellus. 2. Semitzer Mergel. 3. Wehlowitzer Fisch- 

pláner. 4. Petrefactenarme (Malnitzer?) Pláner. 5. Trigoniaschichten mit grossen Ammonites 
peramplus. 6. Andeutungen von Bryozoenschichten. 


DT 


| Unterhalb der Ruine trifft man am Fahrwege nach „Kaliště“ gelbgraue 
| Mergel, welche, nach den Petrefacten zu urtheilen, den Semitzer Mergeln ent- 
- sprechen důrften. Ich fand hier nur wenige Arten, aber in der Fortsetzung der- 
- selben Schichte am Fusse der Thallehne „Brandýsské paseky“ gelang es mir 
(am Fusssteige) folgende Arten sicherzustellen: 


Verzeichniss der beim Fusssteige unterhalb der „Brandýsské paseky“ 
in den Semitzer Mergeln gesammelten Arten. 


Schuppen von Beryx. Pinna decussata (sehr klein). 
Schuppen von Osmeroides. Lima Sowerbyi. 

Aptychus. Pecten Nilssoni. 

Natica lamellosa. Pecten curvatus. 

Rostellaria. Pollicipes. 

Dentalium cidaris. (Hemiaster ?) 

Inoceramus. Ventriculites. 

Nucula. 


Es folgen nun petrefactenarme Pláner, die man als die Vertreter der Wehlo- 
witzer Fischpláner (3) betrachten kann und auf welchen die Ruine der Burg steht. 
Etwas weiter oben in einem Steinbruche entblósste Schichten důrften den Malnitzer 
entsprechen (4). 

Beim Auisteigen lángs des Fahrweges lassen sich bald die grauen Fischknollen 
der Byšicer Schichten erkennen und ich fand darin ein Fragment des Macropoma. 

Nun kommt man zum Horizont der Lima multicostata, den riesigen Ammo- 
niten A. peramplus und Callianassa antigua (5). 

Ganz oben am Plateau liegen dann plattenfórmige kalkige Pláner, welche 
Serpula filif. fůhren und schon das Aussehen der Bryozoenschichten annehmen, 
indem die Oberfláche der Platten mit kalkigen Inkrustationen úberzogen ist. 

Die petrefactenreichen Schichten sind auch an der Štrasse nach Chotzen in 
Steinbrůchen zugánglich, in denen man stellenweise eine merkwůrdige Veránde- 
rung des Gesteins wahrnimmt. 

Wáhrend der unverwitterte feste Kalkstein áusserst hart, schwer und von 
mohngrauer Farbe ist, sind dessen Schichten stellenweise, offenbar durch Einfluss 
des Wassers ganz ausgelaust und in ein leichtes, rostgelbes Plánergestein ver- 
wandelt, das man mit dem Messer schneiden kann. Dasselbe enthált bloss die 
Abdrůcke der Petrefacten, die Schalen sind meist vollstándie verschwunden, dafůr 
zeigen die Negative prachtvoll das Detail der Schalenoberfáche, wie man sie bei 
Exemplaren aus dem festen Kalkstein nie zu Gesicht bekommt. In den hóchsten 
Lagen kamen viele Bryozoen vor, doch kann man hier die bryozoenfiihrende 
Schichte nicht so genau absondern wie bei Kanina. 


D8 


Verzeichniss der in den Trigoniaschichten bei Brandeis an der Adler 
gefundenen Arten. 


Ammonites peramplus. 
Pleurotomaria linearis. 
Lithodomus spatulatus. 
Modiola capitata. 
Modiola typica. 
Avicula anomala. 


Inoceramus Brongniarti. 


Lima elongata. 
Lima multicostata. 


Exogyra laciniata. 

Exogyra lateralis. 

Ostrea Hippopodium (var. vesicularis). 
Ostrea semiplana. 

Ostrea frons. 

Anomia n. sp. 

Hemiaster. 

Serpula macropus. 

Callianassa antigua. 


Lima iserica. Biflustra Pražáki. 

Pecten curvatus. Heteropora magnifica. 

Pecten serratus. (Mehrere nur im Negativ erhaltene 
Pecten Dujardinii. kleine Arten von Bryozoen.) 


Vola guinguecostata. 


An der gegeniberliegenden, am linken Adlerufer sich erhebenden Berglehne 
(Klopoty) kann man wegen dichter Bewaldung die einzelnen Schichten nicht ver- 
folgen und muss sich damit begnůgen, am Fusse die tiefsten Weissenberger 
Schichten mit Inoceramus labiatus und oben bei der Ruine Orlík die petrefacten- 
reichen Trigoniaschichten zu constatiren. 


Neuer Bahnhof (Kerhartitz) bei Wildenschwert. 


Einen noch tieferen Einblick in die Schichtenfolge der die Iserschichten 
unterteufenden Glieder unserer Kreideformation gewáhrt das beim Bahnbau ent- 
blósste Profil im neuen Bahnhofe in Wildenschwert. Beim Wáchterhause in Ker- 
hartitz tritt Gneiss zu Tage, an welchen sich unmittelbar rothe glimmerreiche 
Schichten des Rothliegenden anlagern. Am westlichen Ende des Bahnhofes liegen 
auf dem Rothliegenden glauconitische Ouader der Korycaner Schichten, von denen 
wir nach den Aufschlůssen bei Hnatnitz wissen, dass sie Pecten asper und Ostrea 
carinata fůhren (Fig. 31, 1). 

Nun sehen wir hi die Weissenberger Schichten in einer úbeřináchénd manig- 
faltiger Entwickelung, wie sie fůr die ganze Umgebune charakteristisch ist. 

Die erste Plánerschichte, welche dem elauconitischen Auader aufcelagert ist, 
enthált den Inoceramus labiatus in Unzahl, dabei Exemplare von mehr als 
25 cm. Lánge (2). In dem weiter folgenden rostgelben Pláner (3) ist er schon 
seltener. Derselbe enthált in seinen mittleren Lagen eigenthůmliche Knollen- 
fucoiden, wie ich dieselben schon frůher *) aus der Gegend von Luže und Brůnlitz 
beschrieben habe (4). 


*) Weissenberger Schichten, pag. 40. 


P 


Nach oben hin (5) enthált 
dieser leichte sandige Pláner einen 
| Seeigel (Epiaster sp.), welcher in 
-dem ganzen Adlergebiete von 
Adlerkosteletz angefangen ber 
Wamberg bei Senftenbere, Zohsee 
bei Landskron, Polička, Neuschoss 
úberall in demselben Gestein in 
oleichem Horizonte, welcher den 
tiefsten Lagen der Semitzer Mer- 
gel entspricht, vorkommt. 

Der Erhaltungszustand ist 
ein derartiger, dass bloss der 
Steinkern des stets verdrůckten 
Seeigels, sowie das Negativ der 
Schalenoberfláche erhalten ist; 
die Schale selbst ist gánzlich 
verschwunden. | 

Nun folgen ziemlich scharf 
abgegrenzte graue, důnnschichtige, 
zerfallende Pláner mit Inoceramus 
labiatus, Pecten pulchellus und 
zahlreichen Fischschuppen (7). In 
der sattelfórmigcen Vertiefung be- 
merkt man gelbe Mergel (8). 

Auf die nassen gelben Mer- 
gel folgen schwarzgraue brócklige 
Pláner mit Schuppen von Cyclo- 
lepis (9) und eine aufallend fe- 
stere Bank (10) trennt dieselben 
von Bauplánern, welche auffal- 
lend rostig gefárbte Spaltfláchen 
haben (11). 

Unter den nun folgenden 
Schichten  erinnert eine durch 
massenhaftes Auftreten von Glau- 
conitkórnern an den Grůnsand der 
Malnitzer Schichten der Launer 
Umgegend [Čenčic, Malnitz (12)]. 
Sie enthált: 


Oxyrhina angustidens. 
Schuppen von Beryx. 
Schuppen von Osmeroides. 
Aptychus. 


>= S 
S 3 = 


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ge Pláner mit Fischschuppen. 
15. Trigonia-Schichten mit Lim 


mit Cyclolepis-Schuppen. 


ge der Weissenberger Schichten mit Massen von Inoceramus labiatus. 
schwarze bláttri 


piaster sp. 6. Festere Plánerschichte. 


(Kerhartitz). Nach links steht beim náchsten Wáchterhause Gneiss und Permformation an. 
graue Pláner 


2. Tiefste La 


Rostgelbe Pláner mit E 
9. Schwarz 


e Knollenschichte und darůber 
14. Schichten mit grossen Hohlungen nach Spongien. 


er Mergel). 


ycaner Schichten. 
5. 


12. Glauconitisch 


4. Knollige Pláner. 


Profil beim neucn Bahnhofe in Wildenschwert 
8. Gelbe nasse Letten (Semitz 


1. Glauconitische Guader der Kor 
gelbe Pláner. 
rothen Spaltfláchen. 

elongata (Malnitzer). 


Fig. 31. 
Pláner. 


60 


Inoceramus Brongniarti (Trůmmer Exogyra lateralis. 
sehr grosser Exemplare). Ostrea hippopodium. 

Pecten Nilssoni. Magas Geinitzii. 

Pecten pulchellus. | Flabellina cordata. 


Etwas hóher folgen schwarze bláttrige Mergel mit Fischschuppen und dann 
blaue Pláner mit Lima elongata (19) und důrften die Basis der Iserschichten dar- 
stellen, denn es folgen darauf die durch Hóhlungen nach Spongien bezeichneten 
tieferen Iserschichten und gleich darauf die durch Lima multicostata kenntlichen 
Trigoniaschichten. 

Das in Fig. 31 gegebene Profil ist stark verkůrzt und soll nur einigermassen 
das Verstándniss der Schichtenfolge erleichtern. Es wurde nach 3 Photographien 
gezeichnet, welche ich mit einem leicht tragbaren Apparate von Dreiroll in Paris 
aufgenommen habe. 


Umgebung von Bóhm.-Trůbau. 


Fůr das Verstándniss der Lagerung der Iserschichten bei Bohm.-Trůbau wird 
es fórderlich sein, wenn man frůher das eben geschilderte Profil am neuen Bahnhof 
in Wildenschwert, sowie die Umgebung von Chotzen studirt. Dann wird man sich 
leichter zurecht finden und die Schichten wiedererkennen, deren Lagerung dort klar, 
hier aber schwer zu verstehen ist. 

Auch ist es zweckmássig, bis zu den Randgebilden in Zohsee hinter 
Landskron einen Ausflug zu machen, wo die an Inoceramus labiatus reichen 
tiefsten Weissenberger Schichten in Steinbrůchen geoffnet sind.. 

Ich wurde auf diese interessante Localitát durch Herrn Em. Erxleben in 
Landskron, den Besitzer einer recht netten geologischen Sammlung aufmerksam 
gemacht und aguirirte von dort theilweise als Geschenk des genannten eifrigen 
Paláontologen folgende Arten: : 


Mytilus Neptuni. Exogyra conica. 
Inoceramus labiatus. Ostrea hippopodium. 
Lima elongata. Epiaster sp. 

Pecten curvatus. Spongites saxonicus. 
Pecten Dujardinii. Fucoides columnaris. 


Exogyra lateralis. 


Hat man in Zohsee die Eigenthůmlichkeiten des Gesteines, welches in dieser 
Gegend die Weissenberger Schichten aufweisen, kennen gelernt, so erkennt man 
es leichter bei dem Profile von Triebitz, zu dessen Schilderung wir nun úbergehen. 

Das eine belehrende Profil ist in der Richtung von Triebitz nach Rybník zu 
verfolgen und wird wohl Niemandem grosse Schwierigkeiten machen. 

Am nordlichen Ende von Triebitz findet man am rechten Ufer des Baches 
oberhalb der letzten Háuser den gelben Pláner mit Epiaster sp. (Nro. 5 des Wilden- 
schwerter Profils) entblósst. (Fig. 32, 1.) 


61 


Am linken Ufer steht glauconitisches festes Gestein an (Wild. Profil Nro. 13) 
und die darauf lagernden Plánerschichten enthalten zahlreiche Lima elongata 
(Fig. 32, 2). 


| 9 + 
d 
4 


Fig. 32. Profil zwischen Triebitz (7) und Rybník (R). 
1. Weissenberger Schichten mit Epiaster. 2. Glauconitische Lage mit Lima elongata. 3. Lage 
mit Spongites gigas und 4. mit senkrechten Concretionen. 5. Trigoniaschichten mit Hóhlungen 
nach Spongien. 6. Einlagerungen von Hornstein. 7%. Callianassaschichten. 


Dem Wege nach Rybník entlang sieht man gewohnlichen Pláner mit Spongites 
gigas (3) und mit senkrechten baumstrunkáhnlichen Concretionen (Fig. 32, 4). 
Nach und nach gehen diese Pláner in die durch Fucoides funiformis charakteri- 
sirten Schichten ber. Es treten hier auch Knollenfucoiden auf, welche hier in 
dieser Gegend nicht auf das Vorkommen in den tiefsten Weissenberger Schichten 
beschránkt sind. 

Am hóchsten Punkte, an welchem die Strasse úber den zwischen Triebitz 
und Rybník sich erhebenden Bergrůcken fiihrt, stehen die durch Hohlungen nach 
Spongien kenntlichen tieferen Lagen der Trigoniaschichten an (5). 

Beim Herabsteigen gegen Rybník hin trifft man in denselben eine Exogyren- 
bank sowie eine Schichte von Hornstein eingelagert (6). 

Dann folgen erst die an Callianassa und Šerpula socialis reichen platten- 
fórmigen Kalke (7). 

Wáhrend die Schichten an dem geschilderten Profil von Triebitz gegen Rybník 
hin einfallen, liegen vom letzteren Orte die an Callianassen reichen Schichten an 
den Lehnen des seichten Thales bis Bohm.-Trůbau hin horizontal. In zahlreichen 
kleinen Steinbrůchen, die hier aufgeschlossen sind, arbeitete ich mit meinem Petre- 
factensammler durch lángere Zeit im Jahre 1877, wodurch der paláontologische 
Charakter der frůher als „Callianassen-Sandsteine Reuss“ bezeichneten 
Schichten erst klar wurde und seine Uebereinstimmung mit den Trigoniaschichten 
des Isergebietes ausser Zweifel gesetzt wurde. 

Das Gestein ist ein róthlicher plattiger Kalkstein, der sehr fest mit den 
Petrefacten zusammenhángt und dieselben meist nur als Šteinkerne loslásst. 


Verzeichniss der in den an Callianassen reichen Trigonia-Schichten 
bei Bohm.-Trůbau aufgefundenen Arten. 


Turritella Fittoniana. Isocardia gracilis. 
Natica Roemeri. Protocardium Hillanum. 
Pleurotomaria sp. Mutiella ringmerensis (var. crassi- 


Rostellaria sp. testa). 


62 


Crassatella macrodonta. | Pecten laevis. 
Cyprina guadrata. Pecten curvatus. 
Trigonia limbata. Pecten acuminatus. 
Arca subglabra. Pecten Dujardinii. 
Pinna decussata. Vola guinguecostata. 
Modiola capitata. Exogyra conica. 
Pholadomya aeguivalvis. Exogyra lateralis. 
Panopaea Ewaldi? Exogyra laciniata. 
Panopaea gurgitis. Ostrea hippopodium (var. vesicularis). 
Tellina semicostata. Ostrea semiplana. 
Cytherea polymorpha. Ostrea frons. 

Avicula anomala. Anomia subtruncata. 
Perna subspatulata. Anomia semiglobosa. 
Inoceramus (cf. striatus). Anomia subradiata. 
Lima Sowerbyi. Magas Geinitzii. 
Lima dichotoma. Krabbe. 

Lima ovata. Callianassa antigua. 
Lima iserica. | Serpula ampulacea. 
Lima semisulcata. Cardiaster ananchitis. 


Lima multicostata. 
Ammonites conciliatus und Stelaster tuberculifera wurden vor Jahren in der 


Umgebung von B.-Trůbau gefunden. 


Viel schwieriger und complicirter ist das Profil von Schirmdorf gegen die 
Anhóhe, iiber welche die Strasse nach Leitomischel fůhrt, dieses hat aber eine 
mehr stratigraphische als paláontologische Bedeutung. 

Unmittelbar bei Schirmdorf (Semanín) stehen die Trigoniaschichten mit zahl- 
reichen Callianassen an und lehnen sich an die steil aufsteigende Bergelehne, welche 
aus viel álteren Schichten besteht (Fig. 33). 

In der Schlucht unterhalb der „Alten Angerflur“ sind noch Spuren eines 
Versuchsbaues nach Kohle in den Perutzer Schichten (1). Die Korycaner cenomanen 
Schichten sind hier durch einen etwa 1 Meter máchtigen glauconitischen Auader 


mit Pect. asper. 3., 4. Weissenberger Schichten. 

zahlreichen Foraminiferen („u Kapličky“). 6. Byšicer Uebergangsschichten mit grossen grauen 

Knollen. 7. Trigoniaschichten mit Callianassen. 7" Trigoniaschichten am Fusse des Kozlovberges 
bei Semanín (S). 


63 


angedeutet (2), worauf oleich graue Pláner mit Inoceramus labiatus folgen (3). 
Die nun folgenden Schichten findet man lángs der Strasse entblósst, aber die 
grosse Armuth an Petrefacten lásst Einen lange in Unsicherheit úber das genaue 
Alter und das Aussehen des Gesteines und lásst nur vermuthen, dass es Pláner 
der Weissenberger Schichten sind (3, 4). Erst bei der Semaníner Kapelle ist eine 
Lettengrube gečffnet, welche zahlreiche Terebratulina gracilis liefert (5), 

Weiter treffen wir einen Steinbruch 
in festem Plánergestein geoffnet, in dessen 
oberster Lage ich Ostrea semiplana (die 
kurze breite Varietát) vorfand, welche in 
dieser Gegend den tieferen Horizont der 
Trigoniaschichten andeutet. 

Die petrefactenreichen Trigoniaschich- 
ten treffen wir erst auf der Anhóhe bei 
Pozucha, wo sie gegen das Leitomischler 
Thal einfallen. 

Bezůglich des Hangenden der Iser- 
schichten in dieser Gegend finden wir den 
nothigen Aufschluss bei Abtsdorf. Auf den 
in zwei máchtigen Bánken (Fig. 34, 1, 2) auf- 
tretenden Trigoniaschichten lagern die důnn- 
plattigen Bryozoenkalke (3), welche von einer 
etwa 1 m. máchtigen Schichte dunkelblauen 
Lettens, welcher sich durch die daselbst auf- 


gefundene Terebratula subrotunda Fig. 34. ooemasdee Poea tep plz bei 
als Reprásentant der Teplitzer Schichten od tí 

d : : 1., 2. Trigoniaschichten | I bichleu 
erkennen lásst. Derselbe wird von typischen 3. Bryozoenschichten fo 
Priesener Baculitenschichten úberlagert, wie plně PE VRT KLLNOJOUT V tý ODA 
man sie bei Leitomischel und Chotzen wieder- 5. Priesener Baculitenschichten. 


findet. Diese Auffassung der Schichtenfolge 
fand neuestens bei einem Strassenbau in Leitomischel ihre Bestátigung. 


Die Gegend von Sichrov, Liebenau, Bóhm.-Eicha und Světlá. 


Die Untersuchung dieser Partie fállt in die friůheren Jahre meiner Arbeiten, 
wo ich noch nicht die Gliederung der Iserschichten kennen gelernt habe und da 
es mir nicht moglich war, seitdem wieder lángere Zeit in der Gegend zuzubringen, 
so muss ich mich bloss darauf beschránken, das Vorkommen der Trigoniaschichten 
im Allgemeinen zu erwáhnen. Ein flůchtiger Besuch der Gegend wůrde da wenig 
geholfen haben, denn um die einzelnen Lagen der Trigoniaschichten constatiren 
zu kónnen, ist ein lángeres intensives Sammeln durch einen in der Gegend woh- 
nenden Paláontologen nóthig. Im Ganzen scheint das Profil von Dolanek bei Turnau 
auch fůr diesen Zug der Iserschichten massgebend zu sein. Die tieferen Lagen 
sind selten zugánglich und die Anhóhen bei Sichrov, sowie der gegen Liebenau 
hinziehende Semmelbere liefern zahlreiche Callianassascheeren. Aus der Umgebung 


64 


von Bóohm.-Eicha erhielt ich von dem Oekonomen Jos. Škoda aus Radvanic zahl- 
reiche Arten aus den Trigoniaschichten, aber dieselben waren bloss im Thalgerólle, 
nicht in der Schichte selbst gesammelt. Ich erwáhne davon bloss: Exogyra laci- 
niata, E. conica, Heteropora magnifica, Callianassa antigua etc. (Ein Fragment 
von Macropoma speciosum deutet darauf hin, dass in dieser Gegend ein guter 
Fundort von Fischen in den Wehlowitzer Plánern besteht.) Die Rhynchonellen- 
bank von Wlachai dem Alter nach náher bezeichnen zu wollen, ist bis jetzt 
schwierig, denn es lásst sich nur vermuthen, dass es entweder die Rhynchonellen- 
schichte der Byšicer Ueberganosschichten ist (Zimoř) oder dass sie dem Zwischen- 
pláner angehórt. Eine auffallende Erscheinune ist, dass sich die petrefactenfůhrenden 
Trigoniaschichten so hoch gegen das Jeschkengebirge hinaufziehen, denn sie lassen 
sich selbst unterhalb des Ortes Světlá beobachten. 

Die sáchsische Schweiz ist fůr den Paláontologen ein trostloses Gebiet und 
ich muss mich hier darauf beschránken, die Grůnde anzugeben, weshalb wir einen 
Theil der máchtigen Ouaderwánde als zu den Iserschichten gehórig betrachten. 

Den ersten Anhaltspunkt fand ich am Fusse des hohen Schneeberges, wo 
úber den Auadersanden mit Inoceramus labiatus glauconitische und graue Pláner 
mit Ammonites Woolgari (Malnitzer Schichten) den Ouader des eigentlichen Schnee- 
berges unterteufen. *) Nach den in der Melniker Gegend gemachten Erfahrungen 
kónnen also die Ouader des hohen Schneeberges nur den beiden Kokořiner Auadern 
entsprechen. Die hier aufgefundenen Petrefacten Lima multicostata und Rhyncho- 
nella (Steinkerne) sprechen nicht dagegen. Hóchstens wáre hier darůber noch die 
Ouaderfacies der Trigoniaschichten zu suchen, was bei dem Mangel an gut erhal- 
tenen Petrefacten eine undankbare Arbeit ist. 

Vom hohen Schneeberge aus neigen sich die Guaderschichten dem Elbethale 
zu und bei Herrnskretschen nehmen sie etwa die obere Hálíte der Felswánde ein. 
Die oberste Lage der Ouader ist bedeutend fester als die tieferen und kann gut 
als Ouaderfacies der Trigoniaschichten aufgefasst werden. 

Diese feste Schichte ermoglichte die Bildung des Prábischthores. 

Bei Dittersbach fand ich in den hóchsten Lagen dort, wo das Gloriett am 
Rudolfstein steht, eine 16rippige Lima multicostata, ganz wie sie in den typischen 
Trigoniaschichten vorkommt. 

Vom Elbethal liegen die Auader der Iserschichten fast horizontal, ostwárts 
bis in die Gegend von Bóhm.-Kamnitz; hier liegen darůber die Priesener Bacu- 
litenschichten und darauf die Chlomeker Sandsteine, die dann auch fast horizontal 
bei Tannbere und Schonlinde sich direct an das Urgebirce anlagern. **) 


Die Gegend zwischen Weckelsdorf und Braunau. 


Zur Orientirung bezůglich des Alters der berůhmten Adersbach - Weckelsdorfer 
Felsen habe ich zwei Profile aufeenommen und zwar das eine vom Rande der 


*) Weissenberger Schichten, p. 48. 
**) Vergleiche Prof. Krejčí: Archiv I., II. p. 130. 


65 


| Kreidegebilde im Braunauer Thale, nach dem Weckelsdorfer Thale gegen Mohren, 


| das andere von Weckelsdorf gegen die Felsenpartie hin. 
Das erste beginnt mit einem interessanten Contactprofile am Eisenbahn- 
| einschnitt bei der Station Bodisch. 

Wenige Schritte in der Richtung gegen Braunau hin gelangt man an einem 


| Punkte an, wo die Kreideformation sich an die Permformation an einer Rutschungs- 
© spalte anlegt. 


Die tiefsten Schichten, die Perutzer, sind hier verdeckt und die Sandstein- 


| Felsen, welche sich an das Rothliegende (Fig. 38, 1) anlagern, gehoren den Kory- 
caner (2) und den tiefsten Lagen der Weissenberger Schichten an und haben das 
| Aussehen wie die Inoceramenschichten von Zohsee bei Landskron (3). 


Leider gibt es hier keine Petrefacten und man kann bei Schilderung des 
Profiles gegen Weckelsdorf hin nur annáherungsweise die Absátze im Terrain nach 
ihrem petrographischen Charakter und durch Vergleichung mit áhnlichen anderwárts 
petrefactenfůhrenden Schichten deuten. 

Bei der Station Bodisch (9, 4) finden wir schwarzgraue, an Fucoiden reiche 
Pláner mit hárteren glauconitischen Partien, welche sehr an das Gestein von Zohsee 
bei Landskron erinnern. In der nun folgenden sattelfórmigen Niederung gewahrt 
man nasse gelbe Mergel (Semitzer), welche aber nirgends aufgeschlossen sind (5). 
Die náchste Anhóhe besteht aus festen grauen (rostroth verwitterten) Bauplánern, 
in welchen es mir gelang, Inoceramus Brongniarti und Lima Sowerbyi nachzuweisen. 

Wir befinden uns hier ohne Zweifel im Niveau der Wehlowitzer Pláner (6). 
Den Kamm dieser Anhóhe bildet ein an Spongiten reicher, sehr fester Sand- 
stein (7), den wir spáter am Weckelsdorfer Profile an der Basis der Iserschichten 
antreffen werden und welcher dem Rhynchonellenguader der DByšicer Schichten 
entspricht (8). 

Die bewaldete Niederung, welche sich gegen den Vostašberg hinzieht, birgt 
wohl ausser etwas Uebergangsschichten hauptsáchlich den unteren Kokořiner 
Guader, der genannte Berg aber, welcher nur ein Fragment der Weckelsdorfer 
Felsen darstellt, wird vom zweiten Kokořiner Auader gebildet (9). 

Die beigelegte Skizze entwarf ich von einer Anhčhe zwischen Ober-Weckels- 
dorf und der Station Bodisch am Wege nach Deutsch-Wernersdorf, passirte dann 
das Thal, um mich von der Beschaffenheit der einzelnen Schichten zu iberzeugen. 

Die Basis fůr das zweite Profil findet man im Steinbruche an der Marien- 
kirche in Weckelsdorf und in einem anderen an der gegenůberliegenden Lehne. Es 
sind hier graue feste Baupláner P plosseny in denen ich nach langem Suchen 
nachstehende Petrefacten vorfand: 


Fischstachel, 10 cm. lang, an der Basis Pecten curvatus. 
2 cm. breit, mit rauher Oberfláche. Vola guinguecostata. 
Ammonites peramplus. Exogyra conica. 
Baculites. Cidaris (subvesiculosa ?), Stacheln. 
Inoceramus Brongniarti. Micraster ? 
Lima multicostata. Stelaster sp. 


Lima sp. 


66 


Von dem Steinbruche gegenůber der Marienkirche verfolste ich die Schichten 
an dem Waldwege, der gegen den Holsterberg hinfůhrt. 

Ich fand bloss fucoidenreiche, graue, knollige Pláner mit sehr harten kleinen © 
Knollen und erst hinter einem Holzschlage fiihrte der Weg an einer Bank festen 
orauen Spongitensandsteins vorbei, der einen Vergleich mit dem Rhynchonellen- 
guader der Byšicer Uebergangsschichten zulásst. 

Es liegen darauťf noch etwas graue Pláner und dann gleich die máchtigen 
Ouadermassen, welche ich fůr die beiden Kokořiner Auader unseres Ideal-Profiles 
halte (Fig. 35, 3, 4). 

Die hóchste Lage der Auader ist merklich fester als die tieferen Partien 
und zeichnet sich durch zahlreiche nuss- bis kopfgrosse Hóohlungen an den ver- 
witterten Wánden aus (Fig. 39). 

Diese Hohlungen betrachtete ich frůher als durch Auswaschung der můrberen 
Stellen entstanden, war aber nicht wenig úberrascht, diese Hohlungen an frisch 
gesprengten Blócken in ganz gesundem Gestein wiederzufinden (Fig. 36). 

Da in kalkigen Schichten gleichen Alters in der Gegend von Chotzen zahl- 
reiche Hóhlungen vorkommen, von denen ich nachgewiesen habe, dass sie vom 
dem Meeresschwamme Plocoscyphia labyrinthica herrůhren, so ist es sehr wahr- 
scheinlich, dass auch diese Hóohlungen áhnlichen Meeresschwámmen ihren Ursprung 
verdanken. 

Es gewinnt dadurch auch meine Ansicht, dass diese festen hóchsten Sandstein- 
lagen der Weckelsdorfer Felsen dem unteren Theile der Choroušker Trigoniaschichten 
in der Facies von Auadern entsprechen, eine Bestátigung. 

Eine Wiederholung des geschilderten Profiles finden wir am Wege, den die 
Touristen von Springer's Restauration zu dem Felseneingange einschlagen. Man 
geht zuerst an grauen Plánern der Weissenberger Schichten mit Lima elongata 
vorbei, trifft dann unterhalb der Echobaude kalkige Lagen mit ziemlich viel Petre- 
facten an, welche den Byšicer Uebergangsschichten angehóren. 


Scaphites Geinitzii. Inoceramus Brongniarti. 
Hamites ? Lima elongata. 
Mutiella sp. Ostrea semiplana. 
Cyprina guadrata. Exogyra conica. 
Tellina? 


Am Eingange in die Felsenstadt haben die Auadersande 65 m. Hóhe und 
ist darin wohl hauptsáchlich der zweite Kokořiner Auader vertreten, wáhrend die 
Spitzen der Ouadersáulen, welche durch ihre bizarren Formen an Kronen (Fig. 37), 
Vogel, Menschenkopfe u. s. w. erinnern, wieder die Trigoniaschichten vertreten, 
wie wir es am frůheren Profile gesehen haben. 

Die durch fortschreitende Verwitterung theilweise oder ganz gedffneten 
Spongienhohlungen unterstůtzten die Bildung der zackigen Formen, wie wir sie 
z. B. an der sogenannten Krone wahrnehmen. Da das Gestein selbst aber sehr 
fest ist, so widersteht es den Witterungseinfliissen sehr lange und důrfte bis zur 
Bildung der jetzigen Gestalt viel Zeit verstrichen sein. (Der schwefelgelbe Anflug 


61 


an den Auaderwánden sind Soridien von Lebermosen. Hie und da trifft man an 
den herumliegenden Blócken den. kleinen Pilz Sphyridium bissoides in Unzahl.) 
Auch bei Adersbach habe ich schon frůher *) nachgewiesen, dass die grauen 
Pláner, welche unter die Auaderfelsen einfallen, vom Alter der Weissenberger 
Schichten sind; denn sie lieferten: 
Inoceramus labiatus, Lima elongata, Lima multicostata. 


Fig. 35. Profil der Weckelsdorfer Felsen. A. Weg nach Adersbach. S. Springer's Restauration. 

E. Echobaude. 7. Eingang zu den Felsen. 1. Blaue Pláner mit Lima elongata. 2. Byšicer 

Uebergangsschichten. 3., 4. Kokořiner GOuader. 5. Lage mit Schwammhohlungen, verschiedene 
Figuren bildend, wahrscheinlich ein Aeguivalent der Trigoniaschichten. 


Fig. 36. Frisch gesprengter Sandsteinblock der Fig. 37. Die sogenannte „Krone“. Ver- 
hochsten Lagen d. Weckelsdorfer Felsen mit Hóh- witterungsrest der an Spongienhohlungen 
lungen nach Spongien. ',, nat. Grógse. reichen hóchsten Lage der Weckelsdorfer 
Felsen. (Trigoniaschichte?) etwa ';, nat. 

Grósse. 


*) Weissenberger Schichten, p. 44. a 


08 


Zur Aufnahme von Profilen sind hier aber die Verháltnisse nicht so gůnstig 
wie bei Weckelsdorf. 


Budislaver Thale aus gute Gelegenheit haben. 

Als erste Tour wollen wir die Linie Vinar- 
Vraclav-Zámrsk betrachten. 

Vinar erreicht man etwa in einer Stunde 
von der Station Uhersko oder Zámrsk-Hohenmauth 
und findet daselbst sůdlich vom Dorfe in einer 
Schlucht „u Pazderny“ am Fusse des sich nach 
sidóstlicher  Richtung hin erhebenden Pláner- 
zuges Semitzer Mergel und graue Pláner vom 
Alter der Dřinover Knollen (1, 2), welche letztere 
sehr reich an Scaphiten, Baculiten und anderen 
Petrefacten sind. 


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8 4 E: 
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© hs = 
|=m 
ské 
 EM2 Spongien. (Von dem Růcken, der sich von Weckelsdorf gegen 
o 3 Ro coo den Holsterberg hinzieht.) '/„, nat. Gr. 
©, ES 
5885 Die Gegend von Hohenmauth und Leito- 
DEB A mischel. 
me 
© 
zh Bei Zámrsk beginnt das muldenfórmige Thal, 
5 B al: das sich úber Hohenmauth bis hinter Leitomischel 
jme © . . 
FEE = hinzieht und dessen Lehnen von den zur Achse des 
E Thales einfallenden Iserschichten gebildet werden. 
Ph Auch hier empfiehlt es sich, behufs des ein- 
2953 cehenden Studiums, Profile vom Rande des Com- 
2 8 © plexes gegen dessen Centrum zu verfolgen, wozu 
15 . . . : v 
E wir hier namentlich von dem Luže-Neuschloss- 
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69 


(Dieselben Schichten sind auch an der Strasse nach Vraclav entblósst, am 
Fusse der Anhóhe „Na vartě“, wo meine Schůler, die Gebrůder Hanuš, sehr 
fleissig sammelten. Das háufige Vorkommen der Terebratulina rigida ist sehr be- 
zeichnend und kónnte nebst anderen noch náher zu untersuchenden Vorkommnissen 
den Anfánger zu der Idee verleiten. es seien dies Teplitzer Schichten.) 


Fig. 40. Profil von Vinar nach Vraclav (unweit Hohenmauth). Vi. Vinar. P. Pazderna. Vr. Vraclav. 
M. St. Niclas. 1. Semitzer Mergel. 2. Dřinover Knollen. 3. Wehlowitzer Fischpláner und Mal- 
nitzer Schichten. 4. Byšicer Uebergangs-Schichten mit Halec Sternbergii. 5. Tiefere Lagen der 
Trigoniaschichten. 6. Hóhere Lagen der Trigoniaschichten mit Callianassa und Hemiaster plebeius. 


Verzeichniss der bei Stadouň (,„Na vartě“) in den Semitzer Mergeln 
der Weissenberger Schichten aufgefundenen Arten. 


(Gesammelt von Herrn Hanuš.) 


Ammonites peramplus. 
Hamites sp. 

Scaphites Geinitzil. 
Aptychus sp. 
Baculites sp. 

Scalaria Clementina. 
Natica lamellosa. 
Rostellaria megaloptera. 
Rostellaria subulata. 
Rostellaria calcarata. 
Voluta Roemeri. 
Voluta suturalis. 
Rapa cancellata. 
Dentalium cidaris. 
Nucula pectinata. 
Nucula sp. 

Leda. 

Arca sp. 
Modiola capitata. 


Lithodomus cf. rostratus. 


Tellina sp. 
Venus, 


Inoceramus. 
Gervillia solenoides. 
Avicula anomala. 
Lima Sowerbyi. 
Lima semisulcata. 
Lima multicostata. 
Lima elongata. 
Pecten Nilssoni. 
Pecten curvatus. 
Pecten subpulchellus. 
Pecten (serratus). 
Spondylus spinosus. 
Ostrea hippopodium. 
Ostrea semiplana. 
Ostrea frons. 
Exogyra lateralis. 
Anomia subradiata. 
Anomia subtruncata. 
Terebratulina rigida. 
Terebratulina chrysalis. 
Rhynchonella (Cuvieri?). 
Magas Geinitzii. 


10 


Pollicipes. 
Tragos globulare. 
Frondicularia augusta. 


Crystellaria rotulata. 
Micraster sp. 
Cyphosoma radiatum. 


Auf der Anhóhe bei Vinar sind grosse Steinbrůche im Plánersestein geoffnet 
und obzwar Petrefacten hier keine Seltenheit sind, so macht hingegen die prácise 
Eruirung der Schichte, aus der sie stammen, doch orosse Schwierigkeiten. Ein 
Theil der aufgefundenen Arten gehórt unzweifelhaft dem Wehlowitzer Pláner an, 
welcher hier eine der tiefsten der abgebauten Bánke bildet (3); es sind dies z. B.: 


Dercetis Reussi. 
Enoploclythia Leachil. 


Glyphitheutis ornata. 
Perna cretacea. 


Die Malnitzer Schichten konnte ich bisher nicht genau ausscheiden. 


Verzeichniss der in den Steinbrůchen bei Vinar gesammelten 


Otodus appendiculatus. 
Lamna raphiodon. 


Corax heterodon (bis 22 mm. breit). 


Saurocephalus marginatus. 
Spinax sp. 

Ptychodus sp. 
Picnodus scrobiculatus. 
Dercetis Reussi. 

Halec Sternbercii. 
Osmeroides sp. 

Beryx (Schuppen). 
Lepidenteron. 
Scaphites Geinitzii. 
Aptychus sp. 
Ammonites peramplus. 
Ammonites Austeni. 
Glyphithentis ornata. 
Turritella Fittoniana. 
Scala decorata. 


Pleurotomaria seriatogranulata. 


Turbo (Goupilianus). 
Rostellaria Reguieniana. 
Voluta Roemeri. 
Cardium productum. 
Isocardia gracilis. 
Eriphyla lenticularis. 
Nucula sp. 


Petrefacten. 


Leda sp. 

Arca subdinensis. 

Arca echinata. 

Pinna decussata. 

Pholas sclerotites. 
Modiola capitata. 
Pholadomya aeguivalvis. 
Panopaea mandibula. 
Panopaea Gurgitis. 
Venus sp. 

Avicula anomala. 
Gervillia solenoides (Riesenexemplare). 
Perna cretacea. 
Inoceramus Brongniarti. 
Inoceramus sp. 

Lima dichotoma. 

Lima multicostata. 
Lima iserica. 

Lima Sowerbyi. 

Pecten Nilssoni. 

Pecten Dujardinii. 
Ostrea semiplana (breite Varietát). 
Ostrea frons. 

Exogyra lateralis. 
Anomia subtruncata. 
Anomia semiglobosa. 
Rhynchonella plicatilis. 


11 


Enoploclythia Leachii. ! Stellaster. 

Pollicipes. | Flabellina cordata. 
Cidaris sp. Serpula adhaerens. 
Micraster sp. Seguoia Reichenbachi. 


Cyphosoma (Stacheln). 


Etwa 6 Meter unter der Ackerkrume kommen Knollenlagen vor, welche die 
Lagerstátte des Halec Sternbergii sind und wahrscheinlich dem Alter nach den 
Byšicer Uebergangsschichten entsprechen (4). Auch wurde in diesen Knollen ein 
Prachtexemplar eines 68 cm. langen Osmeroides aufgefunden, der wahrscheinlich 
einer neuen Art angehórt. 

Die hěchsten, im Steinbruche bei Vinar entblóssten Schichten entsprechen 
dem tieferen an Petrefacten armen Theile der Trigoniaschichten (5); der obere 
Theil ist hier nicht vorhanden. 

In der Richtung gegen Vraclav hin treten auf diesen Plánern der Vinarer 
Brůche immer jingere Lagen hinzu. 

In einem kleinen Steinbruche bei Vraclav traf ich schon die Trigoniaschichten 
mit Exog. laciniata an, im Orte selbst stehen schon Lagen von Plattenkalken mit 
Callianassa antigua, Hemiaster plebejus und Serpula socialis an (6). 

In Vraclav selbst lásst sich das Profil von der Thalsohle bei der Kirche 
St. Nikolai lánes des Weges bis zur oberen Kirche verfolgen. 

Die Auellen bei der Nikolaikirche stehen unzweifelhaft mit den in der Thal- 
sohle verdeckten Semitzer Mergeln in Zusammenhang. 

In einem Steinbruche neben der Nikolaikirche sammelte mein Schůler Herr 
Hanuš viele, die Dřinover Knollen charakterisirenden Arten. 


Etwa in der halben Lehne fand ich einen Zweig von Seguoia Reichenbachi, 
welche den Wehlowitzer Horizont hier andeutet und ganz oben hinter dem Fried- 
hofe stehen die Trigoniaschichten an. 

Von Vinar úber Vraclav bis auf den Vrchovitzer Berg hin lagern die uns 
bescháftigenden Schichten fast horizontal mit einer ganz schwachen Neigung gegen 
die Achse der Mulde, aber der áusserste Rand ist dann plótzlich umgebrochen und 
fállt in einem Winkel von 45“ gegen dieselbe ein, wie man das beim Meierhofe 
Mladějov und bei Zámrsk beobachten kann. 

Ein vollkommenes Profil finden wir in Neuschloss beim Aufsteigen gegen 
die Anhóhe bei Chotovis. Am Bache stehen in der Richtung zur Haberský-Můhle 
die glauconitischen Auadersande der Korycaner Schichten an (1), auf welche ganz 
áhnlich wie bei Wildenschwert die mit Inoceramus labiatus angefůllten Pláner 
liegen (2). Die nun folgenden Schichten sind am Fahrwege nach Chotovis ent- 
blósst; zuerst knollige graue Pláner (3), dann vor dem ersten Kreuze die Knollen- 
fucoiden und die gelben Pláner mit Epiaster (4), auf welche gewohnliche Semitzer 
Mergel folgen (5). | 

Beim zweiten Kreuze stehen festere Plánerschichten an, die den Dřinover 
Knollen und Wehlowitzer Plánern entsprechen (6). Im Dorfe Chotovis sind nasse 
Mergel mit zahlreichen Fischschuppenfolgen zugánglich (7) und důrften ebenso wie 


12 


die darauf liegenden blauen Pláner mit Lima elongata vom Alter der Malnitzer 
Schichten sein (8). 

Beim Aufsteigen gegen die auf der Anhóhe gelegene Kirche trift man úber 
den Plánern mit Lima elongata die Knollenschichten der Byšicer Uebercgangs- 
schichten an, welche wahrscheinlich dem Horizont des Halec Šternbergii in den 
Steinbriůichen von Vinar entsprechen (9). Die darauf folgenden Baupláner kónnte 
man als ein Aeguivalent der Kokořiner Auader ansehen (10), denn die darauf 
liegenden petrefactenarmen Pláner erweisen sich durch die Scyphienhohlungen, 
sowie durch die stammfórmigen Concretionen als die tieferen Glieder der Trigonia- 
schichten (11), welche hier den Schluss der Schichtenfolge bilden. 


E ] 


Sny 


Fig. 41. Profil von Neuschloss (N) auf die Anhčhe von Chotovis (ch). 


1. Glauconitische Korycaner Schichten. 2.—6. Weissenberger Schichten. 2. Lage mit zahlreichen 
grossen Inoceramus labiatus. 3. Knollige graue Pláner. 4. Gelbe Pláner mit Epiaster sp. 5. Se- 
mitzer Mergel. 6. Dřinover Knollen, nach oben in harten (Wehlowitzer?) Baupláner úbergehend. 
7. Bláuliche Letten mit Fischschuppen. 8. Blaue Baupláner mit Lima elongata (Malnitzer). Dorf 
Chotovis. 9. Byšicer Uebergangsschichten mit Fischknollen. 10. Baupláner (vielleicht Aeguivalent 
der Kokořiner (Yuader). 11. Pláner mit senkrechten Concretionen und kleinen Hóhlungen nach 
Spongien. Kirche Chotovis. (NB. Die Trigoniaschichten beginnen erst weiter gegen Leitomischel 
beim Wirthshause „u 3 kocourů“.) 


Die petrefactenreichen Trigoniaschichten der Iserschichten treffen wir erst 
weiter gegen Leitomischel hin, wo sich bei dem isolirt stehenden Wirthshause 
„bei 3 Katern“ eine gute Gelegenheit zum Einsammeln von Petrefacten findet. 
Ich fiihre hier die vorkommenden Arten nicht an, weil wir diese Fauna beim 
náchsten Profil „Desna“, das die Fortsetzung derselben Schichte liefert, Gelegen- 
heit haben werden, besser kennen zu lernen. 


Ein áhnliches Profil treffen wir etwas weiter sůdlich bei Budislav, Desna 
und Lubná an. 


13 


Die an das Urgebirge angelagerten Korycaner Schichten treffen wir bei Bu- 
dislav in Steinbriichen geoffnet. Dort fand ich auf Platten, welche mit einer Thon- 
lage in Berůhrung standen, positive Abdrůcke irgend eines Organismus, welche 
beim ersten Anblick an die Erscheinung des Cheirotherium aus dem bunten Sand- 
stein lebhaft erinnern. Bei genauerer Beobachtung zeigte es sich, dass nicht bloss 
4 oder 5 fingerartige Wůlste, sondern oft 6—7 vorhanden sind. Geinitz bildet 
etwas sehr Aehnliches unter dem Namen Epitheles furcata Goldfuss ab. (Elbe- 
thalgeb. I. Taf. 8 Fig. 8.) 

Die weitere Schichtenfolge der tieferen Weissenberger Schichten ist hier 
nicht so zugánglich wie bei Neuschloss und man muss sich in den verschiedenen 
Thálern hier die Glieder des Profils zusammensuchen. 

In Lubná findet man die scaphitenreichen Dřinover Knollen, wie wir sie in 
Vinar bei der „Pazderna“ kennen gelernt haben und die jůingeren Lagen sind 
dann gut bei Desna zugánglich. (Fig. 42.) 

Hier stehen in der Thalsohle bei der Můhle Pláner mit Lima elongata und 
Ostrea lateralis an (1) (Wehlowitzer?). 

In der Linie oberhalb der Můhle auf der alten Strasse (S) findet man Bau- 
pláner ohne Petrefacten (2) von Alter der Malnitzer Schichten (?); an der neuen 
Strasse (V) blaue Baupláner mit senkrechten Concretionen (3). Dann folgen die 
tieferen Lagen der Trigoniaschichten, welche nach oben hin zahlreiche Hohlungen 
nach Špongien aufweisen (4). 

Unterhalb der ersten Háuser von Desna stehen schon die Trigoniaschichten 
mit zahlreichen Lima multicostata an (5), worauf dann erst im Dorfe selbst in 
einem zwischen den Háusern befindlichen Steinbruche die sehr reichen Lagen mit 
Serpula socialis, Callianassa, Lima iserica und Bryozoen folgen und in ibren 
hochsten Partien den Bryozoenschichten entsprechen důrften (6). 


Fig. 42. Profil bei Desna. M. Můhle. S. Alte Strasse. W. Neue Strasse. D. links: die tieferen 

Háuser von Desna. D. rechts: die hůchsten Háuser von Desna. 1.—3. Weissenberger Schichten. 

© L Graue Pláner mit Lima elongata. 2. Baupláner. 3. Blaue Baupláner mit senkrechten Concre- 

tionen. 4. Tiefere Trigoniaschichten, nach oben mit kleinen Hóhlungen nach Spongien. 5. Tri- 
goniaschichten. 6. Bryozoenschichten (?), 


14 


Verzeichniss der in den Trigoniaschichten in Desna aufgefundenen 


Arten. 
Baculites (undulatus). Avicula anomala. 
Turritella iserica. Tellina semicostata. 
Turritella Fittoniana. Lima Doupiniana. 
Pleurotomaria linearis. Lima iserica. 
Turbo Goupilianus. Lima dichotoma. 
Rostellaria. Pecten curvatus. 
Crassatella macrodonta. Pecten acuminatus. 
Mutiella ringmerensis. Vola guinguecostata. 
Trigonia limbata. Exogyra conica. 
Arca subglabra. Exogyra Matheroniana. 
Mytilus radiatus. Ostrea semiplana. 
Modiola capitata. Anomia subradiata. 
Modiola typica. Serpula socialis. 
Pholadomya aeguivalvis. Vioa catenata. 
Panopaea gurgitis. Flabellina elliptica. 


Panopaea Evwaldi. 


Von Desna aus kann man dann die Trigoniaschichten auf der ganzen Hoch- 
ebene bis gegen Leitomischel verfolgen, wo sie dann unter die Teplitzer und 
Priesener Schichten einfallen. 


Im Sůden von Leitomischel erreicht man die Grenze der Kreidegebilde unter- 
halb Polička, wo ein verlassener Kohlenbau „v Letkovnách“ die Perutzer Schichten, 
sowie die glauconitischen Auader der Korycaner Schichten entblósste. 

Auf diesem ruhen nasse Mergel (Semitzer) und dann Inoceramenpláner, die 
bis nach Polička hin, wo denselben an der Stadt selbst der rostgelbe Pláner mit 
Epiaster (Nro. 5 des Kerhartitzer Profils) aufoelagert ist. 


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Fig. 43. Profil bei Leitomischel (Z) in der Richtung von Osten nach Westen. 
E. Trigoniaschichten mit grossen Exogyra conica. C. Desgleichen mit zahlreichen Scheeren von 
Callianassa antigua. B. Bryozoenschichten (Sadrák). T. Blaue Thone mit Terebratula subrotunda 
(Teplitzer Schichten). P. Priesener Schichten. 


Wo die Strasse gegen den „Velký kopec“ nach Hana aufsteigt, gewahrt man 
graue Knollenpláner (Dřinover Knollen), aus denen ich in der Schulsammlung von 
Polička unter anderen Petrefacten Baculites undulatus vorfand. 

In Lesnik ist das Thal bis auf die nassen Semitzer Mergel eingeschnitten. 


„den Pláner scheinen noch in das 


75 
Die Dřinover Knollenpláner in der halben Hóhe der Thalsohle lieferten 


zahlreiche Scaphiten und Baculiten, sowie das Fragment eines grossen Hamiten. 
Die hóchsten hier anstehen- 


Bereich der Malnitzer Schichten 
zu gehóren, denn ich erhielt 
daraus ein typisches  Exemplar 
der Pleurotomaria seriatogranu- 
lata, wie wir sie gewohnt sind 
im Čenčicer Grůnsande zu finden. 

Die typischen Iserschichten 
treffen wir erst weiter nordlich, 
wo die Strasse „am Nadel- 
wald“ das Sebranitzer Thal 
kreuzt. Diese Gegend heisst „Na 
Dolečkách“. An dem gegen 
Leitomischel aufsteigenden Theile 
der Strasse ist ein Steinbruch 
geoffnet, in welchem die grauen ně 
Fischknollen der Byšicer Schich- Fig. 44. Profil im Steinbruche „Na Líbánkách“ bei 


< : . Leitomischel (aufgenommen im Jahre 1867.) 1. San- 

ten entblósst sind und ich fand dige Lage. 2. Lage mit Exogyra. 3. „Havle“-Kalk- 
in einem derselben Reste eines stein ohne regelmássige Lagerung mit Callianassa. 
; ops . ks 4. „Hlavní Pecina“, guter Baustein mit zahlreichen 
Picnodus. D ariber liegen die Tri senkrechten Fucoidenstángeln. 5. „Pecina“ - Baustein, 
Soniaschichten, die sich von hier zweite Categorie. 6. Rumovka oder Sadrák (Bryozoen- 


aus bis nach Leitomischel ver- schichten). 


folgen lassen. 
In der unmittelbaren Náhe von Leitomischel, namentlich bei Cerekvic, 


treten die Trigoniaschichten an vielen Stellen zu Tage und das von Callianassen- 
scheeren wimmelnde Gestein liefert den Baustein fůr die genannte Stadt. 

In einem Steinbruche „Na Líbánkách“ úberzeugte ich mich, dass auf eine 
sandige Lage (1) eine Exogyrenbank folst (2), welche von dem an Callianassen 
reichen Kalkstein úberlagert wird. Die nun folgenden Lasen von Bausteinen, 
welche hier „Pecina“ genannt werden (4, 5), entsprechen den hóheren Trigonia- 
schichten und das oberste zerstórte Gestein Rumavka, das hier „Sadrák“ genannt 
wird, stimmt mit den Bryozoenschichten berein und ist namentlich an der Kalk- 
Incrustirung kenntlich. | 

An der Strasse nach Polička wurde in der am rechten Ufer der Lužná ge- 
legenen Partie von Leitomischel das Hangende der Iserschichten vom Herrn Prof. 
Bárta gut constatirt, indem er in den auf den „Sadrák“ sich anlagernden dunklen 
Letten die Terebratula subrotunda (semiglobosa Aut.) sammelte, welche bei uns 


fůr den Teplitzer Horizont so bezeichnend ist. 
Es ist somit kein Zweifel, dass auch im Adlergebiete die Iserschichten von 


einem Vertreter der Teplitzer Schichten úberlagert werden, auf welchen dann erst 
die Priesener Baculitenschichten in máchtiger Entwickelung zu liegen kommen. 


16 
Nachtrag. 


Zum Schlusse muss ich noch einiger unsicheren Randgebilde erwáhnen, 
welche bei Raudnitz und Leitmeritz zu Tage treten und der Lagerung nach den 
Iserschichten angehóren důrften. 

Die eine Localitát ist Třeboutic bei Leitmeritz, wo ich graue Knollenpláner 
antraf, welche auf blaugrauen (? Malnitzer) Plánern liegen und von Teplitzer 
Kalken úberlagert werden. Die aufgefundenen Petrefacten deuten auf die Byšicer 
Uebergangsschichten hin. 


Verzeichniss der in Třeboutic bei Leitmeritz aufgefundenen 


Petrefacten. 
Nautilus sublaevigatus. Viele nicht náher bestimmbare Stein- 
Turritella Fittoniana. kerne aus der Gruppe: Venus, Arca, 
Natica Roemeri. Tellina etc. 
Rostellaria ovata, Goldfuss. Avicula anomala. 
Avellana sp. Gervillia solenoides. 
Arca Geinitzii? Inoceramus Brongniarti. 
Arca subelabra. Lima Sowerbyi. 
Pectunculus ? Pecten Nilssoni. 
Pinna decussata. Pecten Dujardinii. 
Leguminaria Petersi. Vola guinguecostata. 
Modiola capitata. Ostrea hippopodium. 
Pholadomya aeguivalvis. Micraster sp. 


Tellina concentrica. 


Die zweite Localitát ist am Fusse des Sowice-Berges unweit Raudnitz. Dort 
trifft man lángs des Weges nach Wettel im Dorfe Brozánek oberhalb der Pláner, 
welche sich von dem Gastorf-Wegstádtler Plateau hier immer tiefer herabsenken, 
graue Knollenpláner, welche nach oben hin immer mehr und mehr grobsandig 
werden. Dieselben sind sehr reich an Turritella Fittoniana; ausserdem fand ich: 


Natica lamellosa. Inoceramus sp. 

Avicula glabra. Lima pseudocardium. 
Isocardia gracilis. Ostrea semiplana. 
Pholadomya aeguivalvis. Rhynchonella plicatilis. 


Arca subglabra. 


Es sind Vorkehrungen getroffen worden, dass hier grůndlich gesammelt 
wird, damit man den Charakter dieser zweifelhaften Schichten besser consta- 
tiren kann. 

Die hóchste Lage dieser Pláner ist sehr můrbe, ohne Knollen, und verspricht 
viel Petrefacten zu liefern. 

Die Felder oberhalb dieser Schichten sind sandig und stellenweise entstammt 
der Sand augenscheinlich einem Auadersand (wahrscheinlich dem ersten Kokořiner 


v 


Ouader). Dies wůrde die Vermuthung bestárken, dass die Knollenpláner von Brozánek 
den Byšicer Uebergangsschichten entsprechen. 

Am linken Ufer der Elbe habe ich bloss bei Podlusk, westlich von Raudnitz, 
áhnliche Knollen bemerkt, doch wird es wohl dem eifrigen Geologen Herrn Prof. 
Zahalka in Raudnitz, den ich auf diese Frage aufmerksam gemacht habe, bald 
gelingen, diesen Horizont an mehreren Stellen der neu angelegten Wege und 
Strassen nachzuweisen. 

Bei Auscha waren meine Bemihungen bisher fruchtlos, denn hier scheinen 
die Trigoniaschichten schon den petrographischen Habitus des Auaders angenommen 
zu haben und die gesammelten Petrefacten sind sehr mangelhaft erhalten. Die Um- 
gebung von Auscha lieferte mir: 


Ammonites sp. Lima pseudocardium. 

Callianassa. Vola guinguecostata. 

Eriphyla lenticularis. Ostrea hippopodium (var. vesicu- 
Panopaea Ewaldi. laris). 

Avicula anomala. Anomia n. sp. 

Inoceramus Brongniarti. Anomia subtruncata. 

Lima multicostata. Rhynchonella plicatilis. 


Dies reicht natůrlich nicht hin, náhere Einsicht in die Gliederung der Iser- 
schichten dieser Gegend zu gewáhren. 

Hiemit schliesse ich die Schilderung der untersuchten Localitáten und hoffe, 
dass eine Reihe von strebsamen Paláontologen daran gehen wird, das von mir 
Gebotene zu vervollstándigen. 


PLL VÉ O O S VS V 


Tabellarische Uebersicht 


der in den Iserschichten aufgefundenen Petrefacten. 


Korycaner Schichten 


Schichten 
Malnitzer Schichten 


Weissenberger 


Iserschichten 


gangs-Sch. 
Zwischen- 
Pláner 


Byšicer Ueber- 
| Trigonia-Sch. 
Bryozoen-Sch. 


Teplitzer Schichten 


Aves. 


Cretornis Hlaváči. 7. 


Pisces. 


Oxyrhina Mantelli. Ag. 
Oxyrhina angustidens. Reuss. 
Otodus semiplicatus. v. Mižnst. 
Otodus appendiculatus. Ag.. 
Corax heterodon. Reuss. 
Lamna raphiodon. 49. 
Lamna subulata. 49... 


Pycnodus scrobiculatus. Reuss. - 


Osmeroides Lewesiensis. Ag. 
Osmeroides Vinarensis. Fr.. 
Cyclolepis Agassizi. Reuss. 
Halec Sternbergii. Ag. 
Beryx ornatus. Ag. 
Lepidenteron. F. 


Cephalopoda. 


Belemnites sp. 


Nautilus sublavicatus. D'0»b. 


Nautilus rugatus. Fr. et Schl. 
Nautilus galea. Fr. et Schl. 

Ammonites conciliatus. Stol. 
Ammonites peramplus. Man«. 
Scaphites Geinitzili. D?0»%. . 


Helicoceras Reussianum. Gein. . 


Hamites sp. 
Baculites ndulátus. D'0rb. i 


Gastropoda. 


Turritella multistriata. Reuss. 
Turritella iserica. Fi. . 


E PE PE 


| 


(+ |+++ ++ ++ 
Mk 


Vb) + 
m 
| 


zije o=e| hi 


aj 


| 
| ee 
| 
E 
| 


(4+4 


| 
+ 


z 
| 


p 


lek 


++ 


ES E 8 


Korycaner Schichten 


Schichten 
Malnitzer Schichten 


Weissenberger 


Byšicer Ueber- 


Iserschichten 


gangs-Sch. 


Zwischen- 
Pláner 


| Trigonia-Sch. 


Bryozoen-Sch. 


Teplitzer Schichten | 


Turritella Fittoniana. Goldf. 
Scala decorata. Gein. . 
Natica Roemeri. Gein. 
Natica lamellosa. Rom. 
Natica Gentil. Sow. 

Nerita dichotoma. Gein. . 
Pleurotomaria linearis 
Turbo Goupilianus 


Rostellaria Reguieniana. D'0rb. 


Rostellaria megaloptera ? 


Rostellaria Schlottheimi. Róm. . 


Rostellaria ovata. Goldf. . 
Fusus Renauxianus. D'0rd. . 
Voluta Roemeri. Gein. 
Voluta suturalis. Goldf. 
Mitra Roemeri. D'0r%. 
Avellana sp.. 


Pelecypoda. 


Opis Chocenensis. Fi. 
Protocardium Hillanum. (o 
Cardium productum. $ow. 
Isocardia gracilis. Fž. 


Crassatella cf. austriaca. Zi.. 
Crassatella cf. macrodonta. Zr. 


Mutiella ringmerensis. Gein. 
Cyprina guadrata. D?0+»b. 


Cyprina cf. crassidentata. Zit. . 


Eriphyla lenticularis. Stol. . 
Trigonia limbata. D*0rb. . 
Pectunculus sp. i 
Arca subglabra. D'0rb. 

Arca echinata. D*0rb. . 

Arca Schwabenaui. Zčtr. . 
Arca pholadiformis. D'0. . 
Pinna decussata. Goldf. 
Mytilus radiatus. Goldf. . 
Solen? cf. Guerangeri. 


Pholas sp. 


DOrů. 
Lithodomus spatulatus. | Reuss. 
Lithodomus cf. rostratus. D?0rb. 


Ej |- 


P a 


-ez hoste] 


A152 pát VRURVÍOOSTERTEJK EAKPTOE u p 


| 


(hr+r+4 


es 


TE A6 8 OSTNY 


-= n 


FE E re 


+ 


*) Craie chlorité des grčs inferieur turonien in Frankreich. 


K 


am 


JESTE 


Ek 
5 Běh E 


a el še 


Kára 


4+0 


. Gosau. 


Gosau. 


Gosau. 


Gosau. 
Gosau. 


E 09) 


Gosau. 


90 


Iserschichten 


Schichten 
Malnitzer Schichten 


Weissenberger 
Pláner 


Zwischen- 


Korycaner Schichten 
gangs-Sch. 


Teplitzer Schichten 


Trigonia-Sch. 
Bryozoen-Sch. 


| Byšicer Ueber- 


Gastrochaena amphisbaena Gein. 
Leguminaria Petersi? Reuss. 
Modiola capitata. Zčtt. 

Modiola typica. Forb. : 
Pseudomya anomioides. F*. 
Pholadomya aeguivalvis. D'0rb. | + 
Pholadomya nodulifera. Můnst. - | — 
Pholadomya perlonga. F. < .|—|— 
Panopaea gurgitis. Brongn. < -|— 
Panopaea mandibula. Sow. sp. - |— 
Panopaea Ewaldi? Reuss. : 
Tellina semicostata. Gein. < -| 
Tellina concentrica. Reuss. 
Venus Sp E PE 
Cytherea cf. polymorpha. Ziz. . | — 
Avicula anomala. Sow. ; 
Gervillia solenoides. Defr. < |- 


kč 


(ELI+ 2 E aale Bet 
NENE: 


A root TH 


-E11 
Els AFF- 13 


| 


Me RE 


E ETEENNNCNNÉ: 
A444 + | 


P č 


Gosau. 


krů 


Gosau. 
Perna subspatulata. Reuss. 
Inoceramus Brongniarti. 
Inoceramus 6D.. 
Lima cf. Dupiniana. D'0r. . 
Lima semisulcata. Nils. 
Lima elongata. Sow. 

Lima multicostata. Gein. 
Lima pseudocardium. Reuss. 
Lima iserica. Fr. A 
Lima aspera. Mant. < -< - <| 
Lima ovata. Róm. k teach 
Lima dichotoma. Reuss. <- <|— 
Lima Sowerbyi. Gein. 
Pecten Nilssoni. Goldf. ar 
Pecten laevis. Něls. T- 
Pecten curvatus. Gein. < . <|- 
Pecten Dujardinii. Róm. -. 
Pecten serratus. Nils. 
Pecten acuminatus. Gein. i 
Vola guinguecostata. Sow. sp. - 
Spondylus hystrix. Goldf. 
Exogyra conica. Sow. - 
Exogyra lateralis. Nils. 
Exogyra laciniata. D?0rb. sp. 
Exogyra Matheroniana. D'0r%. . 
Ostrea diluviana. Linné 
Ostrea frons. Park. 


NE EÉCSEEEEEE 


Neocom. 


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LT 


E zál |) 


PRD VEST | (ble Lea 1 False bed Mal bdě KE a S) V E a ll 


O ames zase am uznané = p az] 


TE sal sla ns S12 5T5 Bral srst bety 13 | tassl Bl 


81 


Schichten 
Malnitzer Schichten 


Weissenberger 


Iserschichten 


| 


Byšicer Ueber- 
gangs-Sch. 


Zwischen- 
Pláner 


Trigonia-Sch. 


Bryozoen-Sch. 


Teplitzer Schichten 


Ostrea semiplana. Sow. : 
Ostrea hippopodium. Nils. . 
Anomia subtruncata. D'0»+. 
Anomia semiglobosa. Gein. . 
Anomia subradiata. Reuss. 
Anomia sp. . 

Anomia imitans 


Brachiopoda. 


Magas Geinitzii.. . . 


Rhynchonella plicatilis. Sow. 
Rhynchonella Cuvieri 


Rhynchonella Mantelliana. s 


Terebratula sp. 


Bryozoa. 


Hippothoa labiata. Nov. . 


 Bifustra Pražáki. Nov. re 
Diastopora acupunctata. Nov. . 


Proboscina Bohemica. Nov. . 
Proboscina Suessi. Nov. 
Entalophora Geinitzii. Reuss. 
Entalophora raripora. D'0rb. 
Spiripora verticillata. Goldf. 
Truncatula tenuis. Nov. 
Heteropora magnifica. Nov. - 
Petalophora seriata. Nov. 
Osculipora plebeia. Nov. 


Crustacea. 
Krabbe 


Callianassa antigua 
Pollicipes sp. 
Vermes. 


Serpula socialis. Gold. 
Serpula ampulacea. So. 


PER 


| [| | 1 | -+>- | Korycaner Schichten 


Je 

s 
ESC 
Ba 
PET 


+++ 


+ +++ 


+++ 


kod ELE 
LI 


LLL++ 
EBIT E 


LITTLE 


EHIK 
++ ++++++h++ 


+++ r 
+ 


H 
++ 


ER E S 


EB 


++ 


Korycaner Schichten 


Weissenberger 


Schichten 
Malnitzer Schichten 


Byšicer Ueber- 


Iserschichten 


gangs-Sch. 


Zwischen- 
Pláner 


Trigonia-Sch. 


Bryozoen-Sch. 


—————————————————————————————————————————————————————————————————————————— —— ——u u mmm 
| 


Serpula macropus. So. 
Serpula gordialis. Goldf. . 


Echinodermata. 


Antedon sp. (Glenotremites) 
Cidaris cf. Vendocinensis. Ag. 
Cidaris subvesiculosa. D'0rb. 
Cyphosoma radiatum. Sorignet. 
Cyphosoma sp. ž 
Glyphocyphus sp. 
Holectypus Turonensis. Da 
Cardiaster ananchytis. DOrb. 
Holaster elongatus. Nov. 
Micraster Michelini. Ag. 
Hemiaster plebelus. Nov. 
Catopygus Pražáki. Wov. 
Catopygus albensis. Gein. 
Catopygus fastigatus. Nov. - 
Nucleolites bohemicus. Nov. 
Caratomus Laubei. Nov. -« 
Stellaster (Asterias) tuberculi- 
fera. Drescher . .. . 


Coelenterata. 


Micrabatia cf. coronula . i 
Plocoscyphia la. Reuss 
(Hexactinellida) ; 
Ventriculites angustatus. Rěm. ) 
Ventriculites radiatuš. Mant. 
Vioa EÉxogyrarum. Fi. 

Vioa catenata. F. 

Vioa miliaris. Fr. - 

Spongites saxonicus. Gein. 


Foraminifeva. 


Flabellina elliptica. Nils. 
Frondicularia sp. 
Cristellaria rotulata. Lam. 


dl 


++ 


E Pons =o 00) PES 9 E AP 


OEASAEM 


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(+++ (+++ +441 


Spoobribrode se rondel 


E) 
+ 
E: 


+++ta++++ 


-= 
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dobr ohhobrob +++ 


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Teplitzer Schichten 


83 


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! = 8 Iserschichten i | 
| |erée | Bt = 
PENESIE P Eu E | 
E A 3 2 | Bla 
BS S| nm oa |% : 
v jaj o Pa, s? s = = 
= m N o AS pl © 
S HB © | LA oc A =) N 
© oa | o BD -> © N R 
Pl a K0 SA = = 
= S (ba 89N = Ps | © 
id = z -m 
Plantae ? 
Fucoides funiformis. Fr. < <| — | — | —|(— -E -+ — 
Fucoides columnaris. Fr. © <| — | — —| -+ -E -+ — 
Fucoides cauliformis. F% © <| — | —  —— — -> > — 
Fucoides strangulatus. Fr. < <| — | — — -| — -+ = 
175 Arten 3357 61,17 34 150|81 37 


Von den 175 Arten, welche bisher in den Iserschichten vorgefunden wurden, 
kommen bloss 33 in den cenomanen Korycaner Schichten vor und dies sind melist 
solche, welche in allen Lagen unserer Kreideformation auftreten. Aus den Weissen- 
berger und Malnitzer Schichten geht nur etwa ein Drittel der Arten in die Iser- 
schichten úber. 

Die jingeren Teplitzer Schichten weisen, so weit man es vor der eingehenden 
Bearbeitung derselben bestimmen kann, bloss 37 Arten auf, die in den Iserschichten 
vorkommen. 

Daraus geht zur Genige hervor, dass die Iserschichten einen selbststándigen 
palaeontologischen Charakter haben und es verdienen, als ein besonderes Glied 
in unserer Schichtenfolge hervorgehoben zu werden. 


6* 


94 


JL Kritisches Verzeichniss der in den Iserschichten vor- 
kommenden Versteinerunoen. 


In Beziehune auf die Regeln, nach welchen ich dieses Verzeichniss zusammen- 
gestellt habe, verweise ich auf das, was ich in der Einleitung zu einem áhnlichen 
Verzeichnisse der Versteinerungen der Weissenberger und Malnitzer Schichten 
(pag. 95) gesagt habe. 


Auch hier ist die Bestimmung zum Theil noch von provisorischem Charakter, 
denn die definitive Schichtung des Materiales kann nur in Monographien durch- 
gefihrt werden, welche die einzelnen Petrefactengruppen durch alle Schichten 
unserer Kreideformation verfolgen. 


Ausser den bereits bestehenden Monographien úber Reptilien, Fische, Cephalo- 
poden und Bryozoen sind mehrere weitere in Vorbereitung. Dr. Ot. Novák voll- 
endete soeben eine Arbeit úber die irreguláren Echinodermen, auf welche ich mich 
in Nachstehendem berufen werde, da ihr Erscheinen binnen Kurzem zu erwarten ist. *) 
Zu einer Monographie der Crustaceen, die ich vorbereite, sind die meisten Tafeln 
bereits lithographirt. Ausserdem arbeiten in den Laboratorien des Museums mehrere 
jingere Kráfte an den Gastropoden, Bivalven und Spongien. 

Wenn auch áhnliche Arbeiten vielleicht in der Zukunft manchen von mir 


jetzt gebrauchten Namen ándern werden, so konnte ich mit der Veróffentlichung 
nachstehender Uebersicht nicht lánger zógern. 


Manche Bestimmungen erweisen sich auch aus dem Grunde unsicher, weil 
der Erhaltungszustand der Exemplare ein sehr mangelhafter ist. Dies ist nament- 
lich bei den Pelecypoden (Bivalven) der Fall, wo nur in seltenen Fallen die Schalen- 
oberfláche und das Schloss wahrzunehmen ist. Sehr oft blieb nur der Steinkern 
das einzige Substrat der Bestimmung. Es ist dies am meisten bei den Arten zu 
bedauern, welche in ihrer Gesammterscheinung sehr an Gosauarten erinnern, aber 
aus dem Grunde, weil wir nur Steinkerne haben, keine sichere Bestimmung zu- 
lassen. 

Es móge daher das Gebotene nicht zu streng beurtheilt und wohlwollend 
aufgenommen werden. 


Bei Arten, welche auch in den Weissenberger oder Malnitzer Schichten vor- 
kommen, werde ich bloss die in meiner letzten Arbeit **) gegebenen Abbildungen 
citiren und zwar mit „W. Sch.“ Nur in Fillen, wo die Exemplare aus den Iser- 
schichten stark abweichen, gebe ich neue Abbildune derselben. Die Abbildungen 
sind diesmal nicht in Holzschnitt, sondern mittelst der Chemigraphie, welche sich 


*) Sitzungsbericht der k. bohm. Ges. der Wissenschaften, 10. Nov. 1882. 


**) Die Weissenberger und Malnitzer Schichten 1878. Archiv fůr Landesdurchforschung, 
IV. Band Nro. 1. 


85 


zur Darstellung der Petrefacten viel besser eignet, durchcefůhrt *), denn sie 


gleichen in Kreidemanier verfertigten Lithographien, die man bisher nicht im 


Buchdruck zu verwenden im Štande war. 


A. Ves. 


Cretornis Hlaváči Fr. (Vesmír, X. Jahrgang, Seite 233. Sitzungsberichte der 
k. bohm. Gesellschaft der Wissenschaften 26. Nov. 1880.) — Pig. 45 a—f. 
Bei Zářecká Lhota unweit Chotzen offnete man im Herbste 1880 


unterhalb des Teiches, in der Schlucht gegen die Korab-Můhle hin, einen 


DE oc Bo 5 


one 
ve 


Fig. 45. (Cretornis Hlaváči, Fr. 


Steinbruch, um Materiale zu einem Strassenbau zu gewinnen. Da ging zufállig 
Frau Tomek aus Chotzen vorbei und sah, dass die Arbeiter etwas im Ge- 
steine besehen und bewundern. Als sie wahrnahm, dass es eine Versteine- 
rung ist, so erbat sie sich ein Stůckchen, um es Herrn Apotheker Hlaváč 
zu úberbringen, da derselbe áhnliche Sachen sammelt. Derselbe erkannte 
die Wichtigkeit des Fundes, begab sich sogleich an den Fundort und sam- 


melte alles, was noch aufzufinden war. 


*) Die Zeichnungen wurden auf englischem Kornpapier (Maclure et Macdonald) von den 
Herren L. Lukáš und Langhans ausgefůhrt und von der Firma Angerer © Goeschel in Wien, 


Ottakringstrasse 33 die Clichés angefertigt. 


86 


Die mir eingesandten Exemplare sind róthlich weisse im festen grauen 
Kalksteine der Iserschichten eingebettete Knochen, deren Splitter unter 
dem Mikroskope die Knochenstructur sehr gut erhalten zeigen. Alle haben 
sehr důnne Wánde und demnach geráumige Lufthóhlen. 


přsho HtRene 


Fig. 45. Gretornis Hlaváči, Fr. 


Der eine Knochen ist ein ganzes Exemplar eines Coracoideum von 
75 mm. Lánge, im Gesammthabitus etwa demjenigen einer Gans áhnlich 
(Fig. 45 a, db). 

Dann ist ein Fragment des Oberarmes (Fig. 45 c), eine Ulna (d, e), ein 
Handwurzelknochen und zwei Finger (Fig. 45 g, f) vorhanden. Eine ein- 
gehende Bearbeitung dieser Vogelreste wird vorbereitet. 


— 


87 


Pisces. 


Oxyrhina Mantelli Ag. (Fr. Rept. und Fische, pag. 7, Fig. 12). 

Die Haifische sind in den Iserschichten úberhaupt áusserst selten und 
ich erhielt bloss ein Exemplar von bedeutender Grósse aus der Gegend 
von Jungbunzlau und ein etwas kleineres Exemplar befindet sich in der 
Schulsammlung in Chotzen aus dem grauen Kalke der „Báčova skála“ 
daselbst. 

Oxyrhina angustidens Reuss. (Fr. Rept. und Fische, pag. 8, Fig. 13). 

In den glauconitischen můrben Lagen der Trigoniaschichten am Fried- 

hofe bei Chotzen. Sehr selten in den Bryozoenschichten von Živonín. 


Fig. 46. Otodus semiplicatus, Můnst. Nat. Grósse. 


Otodus semiplicatus Můnster (Fr. Rept. und Fische, pag. 7, Fig. 10). — Figur 
Nro. 46. 
Das prachtvolle abgebildete Exemplar erhielt unser Museum vom Herrn 
Pfarrer Plachta aus Svijan bei Můnchengrátz. 
Es scheint aus dem rostigen Auader der Iserschichten zu stammen, 
doch ist der Horizont, aus dem es stammt, nicht ganz sichergestellt. 
Dass diese Art sicher den Iserschichten angehórt, beweist ein zweites 
Exemplar, welches in den kalkigen Trigoniaschichten im Steinbruche „Báčův 
lom“ bei Chotzen gefunden wurde. Dasselbe befindet sich in der Sammlung 
des Herrn Fr. Hlaváč, Apothekers in Chotzen. 
Otodus appendiculatus Ag. (Fr. Rept. und Fische, pac. 5, Fig. 5). 
Kleine Exemplare dieser in unserer Kreideformation sehr verbreiteten 
Art fanden sich in den Iserschichten bei Zamost, Rohosec und Blatec (Ro- 
vensko) in der gewohnlichen Grósse von 10—12 mm. vor. 
Lamna raphiodon (Fr. Rept. und Fische, pag. 10, Fig. 17). 
Sehr selten in den Trigoniaschichten bei Chotzen. 
Lamna subulata Ag. (Fr. Rept. und Fische, Seite 9, Fio. 15). 
Selten in den glauconitischen Schichten beim Friedhofe in Chotzen. 
Corax heterodon Reuss. (Fr. Rept. und Fische, pas. 11, Fig. 23, 24). 
Ein kleiner, elánzend schwarzer Zahn der normalen Form, ohne den 
Seitenlappen, wurde im Steinbruche bei Čejtic (Bahnhof Jung-Bunzlau) in 
den hóchsten Lagen der Iserschichten, welche wahrscheinlich den Bryozoen- 


schichten von Kanina entsprechen, gefunden. © Einige grosse Exemplare © 
stammen aus den glauconitischen můrben Plánern der Trigoniaschichten. 
beim Friedhofe in Chotzen. 

Pycnodus serobiculatus Reuss. (Fr. Rept. und Fische, pag. 22, Taf. 2 Fig. 7). 

Das grósste aller bisher in der bóhm. Kreideformation aufgefundenen. 
Exemplare stammt aus einem in den Iserschichten geoffneten Steinbruche 
bei Můnchengrátz a. d. Iser. © 

Es ist von schwarzer Farbe, 12 mm. breit und die charakteristischen 
Punkte an der Oberfláche sind gut wahrzunehmen. 

Ein Schneidezahn von 6 mm. Lánge, hellbraun, růhrt aus den Trigonia- 
schichten von Čejtic bei Junebunzlau her. Wahrscheinlich gehóren zu der- 
selben Art die Skelettreste sowie die Schuppen, welche ich in den Fisch- 
knollen „v Dolečkách“ bei Leitomischel gefunden habe. 


Fig. 47. Halec Sternbergii, Ag. von Jung-Koldín, etwa ", nat. Grósse. 


Osmeroides Lewesiensis (Fr. Rept. und Fische, pag. 32, Fig. 55). 

Normale Schuppen dieser Art wurden bei Jungbunzlau, Choroušek und 
Knížnic gefunden. Auch trifft man sie massenhaft auf den Fischschuppen- 
knollen, welche in den Byšicer Uebergangsschichten auftreten, Vrutic, 
Řepín etc. 

Osmeroides Vinarensis n. sp. 

Von der Gattung Osmeroides wurden in der jůngsten Zeit mehrere 
ganze Exemplare in der Gegend von Chotzen und Vinar bei Hohenmauth 
gefunden, es wird aber erst eine sorgsame Untersuchuneg derselben voran- 
gehen můssen, bevor man wird entscheiden kónnen, ob es andere Arten 
als Lewesiensis sind. Nach den Schuppen zu urtheilen ist es eine neue Art 
und ich will sie vorderhand als O. Vinarensis bezeichnen. 

Cyclolepis Agassizi Gein. (Fr. Rept. und Fische, pag. 34, Fig. 59). 

Die zarten, glánzenden, meist goldbraunen Schuppen trifft man als Be- 

standtheile der Fischschuppenknollen der Byšicer Uebergangsschichten bei 


89 


Vrutic, Sušno etc. an; auch in den tiefsten an z rodin. von Dolanek 
| bei Turnau habe ich sie gefunden. 
Halec Sternbersgii Ag. (Fr. Rept. und Fische, pag. 37, Taf. 9). — Big. 47. 
Das von Agassiz Reuss und mir abgebildete Exemplar, dessen photo- 
graphisch verkleinerte Figur ich hier beifůge, wurde in den Iserschichten 
bei Jung-Koldín, nordlich von Chotzen, gefunden. Im neuerer Zeit erhielt 
ich áhnliche Reste aus den Šteinbrůchen bei Vinar unweit Hohenmauth. 
Auch hier stammen sie aus den tieferen Lagen der Iserschichten. 
Beryx ornatus Ag. (Fr. Rept. und Fische, pag. 493, Taf. 5, Fig. 2, 3). — Text- 
figur  Nro. 48. | 
Růhrt aus den grauen Knollen der Byšicer Uebergangsschichten in 
Benatek an der Iser her und zwar aus der Berglehne hinter der „Obodř“ 
genannten Háusergruppe. 


Fig. 48. Beryx ornatus, Ag. Fast ganzes Exemplar aus den Fischknollen in Benatek. 
1/, nat. Grósse. 


Lepidenteron sp. 

Unter diesem Namen fůhre ich hier láneliche Wůlste an, die an der 
Oberfláche áhnlich wie das L. longissimum mit zahlreichen Fischschuppen 
verschiedener Gattungen bedeckt sind (Osmeroides Cyclolepis etc.) Man 
findet sie meist horizontal liegen. Aehnliche Anháufungen von Fischschuppen 
fand ich auch in senkrecht stehenden grossen Knollen und zwar senkrecht 
zwei nebeneinander aufgestellt, wodurch die Fraglichkeit ihrer Natur noch 
grósser wird. Diese Fischschuppenwůlste halten einen gewissen Horizont 
in den Byšicer Uebergangsschichten, kommen aber einzeln auch anderwárts 
in den hoheren Iserschichten vor. 


Cephalopoda. 


Belemnites sp. — /%g. 49. 
Das kleine Fragment aus den Bryozoenschichten von Vtelno wurde von 
Herrn J. Pražák gefunden und ist der einzige Rest, den wir von dieser 
wichtigen Gattung aus den Iserschichten besitzen. Die mangelhafte Erhal- 


90 


tung erlaubt keine, auch nicht eine annáherungsweise Bestimmung und ich 
beschránke mich darauf aufmerksam zu machen, dass die Oberfláche ganz 
áhnlich wie bei Belemnitella guadrata gekórnt ist und dass die Achse etwas 
aus dem Centrum gerůckt ist. Von der Furchung und den Aderungen, welche 
fůr die genannte Art charakteristich sind, sind keine Andeutungen vorhanden. 


Nautilus sublaevigatus d'Orb. (Fr. et Sch. Cephalop. pag. 21, Taf. 12, Fig. 1). 


Exemplare dieser Art kommen in Gesellschaft des Ammonites peram- 
plus in den tiefsten Lagen der Iserschichten in der Umgebung von Jung- 
bunzlau vor, sind aber sehr schwer von den jungen des Nautilus Galea zu 
unterscheiden, welcher in denselben Schichten vorkommt. Wir besitzen 
auch Exemplare aus den hoheren Lagen von Libichov bei Jungbunzlau, 
Choroušek, Živonín, Vtelno und Chotzen. 


b 

a 
Fig. 49. Belemnites sp. Aus den Fig. 50. Nautilus rugatus, Fr. et Schl. 
Bryozoen-Schichten von Vtelno. Aus den tieferen Trigoniaschichten von 


a Nat. Grósse. 5 Ein Stůckchen Choroušek. "; nat. Grósse. 
der Oberfláche vergróssert. 


Nautilus rugatus Fr. et Schl. (Cephalop. der b. Kreideform. pag. 23, Taf. 12, 15). 


Figur Nro. 50. 

Diesen durch grobe wulstige Radialrippen ausgezeichneten Nautilus lie- 
ferten die Iserschichten von Jungbunzlau, Choroušek, Řepín, Leitomischel 
und Chotzen. 

Bei Choroušek tritt er bloss in den tieferen Lagen (Profil Nro. 17, 1) auf. 


Nautilus galea Fr. et Schl. (Cephal. der b. Kreideform. pag. 23, Taf. 12, 15). 


Fig. 51. 

Dieser riesige Nautilus wurde in 2 Exemplaren in den tiefsten Lagen der 
eigentlichen Iserschichten (Profil Fig. 22, 1) beim Bau der Kralup-Turnauer 
Eisenbahn unweit Zamost gefunden. Spáter erhielt unser Museum ein drittes 
Exemplar vom Prinzen Alexander Taxis, das in Bezděčín bei Jungbunzlau ge- 
funden wurde. Auch aus der Gegend von Chotzen besitzt ihn Herr F. Hlaváč. 


Ammonites conciliatus Stol. (Fr. et Schl. Cephalop. pae. 35, Taf. 7, Fig. 1, 2). 


Big. 52. 
Das abgebildete Exemplar stammt aus den Iserschichten zwischen Bohm.- 
Trůbau und Wildenschwert. Neuester Zeit wurde auch ein doppelt so grosser 


i | 91 


Ammonit bei Cuclau, nordlich von Brandeis an der Adler, gefunden und 
von Herrn Fr. Hlaváč unserem Museum geschenkt. 

Es ist etwas weniger als die linke Hálfte des in der Siphonalfláche 
gespaltenen xemplares vorhanden und da die Anfangswindungen, an denen 


a 5 


Fig. 51. Nautilus galea, Fr. et Schl. Aus den tieferen Trigoniaschichten bei Jungbunzlau. 
a Seitenansicht '/; nat. Gr. b Auerschnitt der Wohnkammer. 


die Knotenreihen deutlich erhalten zu sein pflegen, verdeckt sind, so ist 
die Bestimmung noch nicht ganz sicher. Diese Art scheint den Amm. 
Woolgari der Weissenberger und Malnitzer Schichten zu vertreten. 
Ammonites peramplus Mant. (Fr. et Schl. Cephal. pag. 38, Taf. 8, Fig. 1—4). 
Kommt in riesigen Exemplaren in den tieferen Lagen der Trigonia- 
schichten vor, wie z. B. im Kottlerischen Garten bei Turnau, von wo das 
90 cm. messende Exemplar herrůhrt, das am Eingange in unser Museum auf- 
gestellt ist. Aber auch die hóheren Lagen (etwa der Horizont des Micraster 
Michellini) lieferten riesige Exemplare bei Libichov unweit Jungbunzlau. 
Kleine Exemplare fand Herr Pražák in den Bryozoenschichten von Živonín 
und Vtelno. 


b a 


Fig. 52. Ammonites conciliatus, Stol. Aus den Iserschichten von Bóhm.-Trůbau. '„ nat. Grósse. 
a von der Seite. d von Vorne. 


92 


Helicoceras Reussianum Geinitz (Helicoceras armatus dďOrb. Fr. et Schl. Ce- 
phalop. d. b. Kreideform. pag. 48, Taf. 13, Fig. 16). 

Ein grosses Windungsfragment aus den Trigoniaschichten von Dolánek 
bei Turnau, dessen Abbildung ich oben citire, kann als zu dieser Art ge- 
hórig betrachtet werden, denn trotz des mangelhaften Erhaltungszustandes 
lassen sich zwischen den erhabenen mit 4 Knotenreihen versehenen Rippen 
noch schwache wellige Rippen an den Šeiten wahrnehmen. — 

Scaphites Geinitzii d'Orb. (Fr. et Sch. Cephal. pag. 42, Taf. 13, 14). — Figur 
Nro. 53 a, b. 

In den Byšicer Uebergangsschichten bei Jiřic (nordlich von Lisa) fand 
ich kleine gestreckte, deutlich geknotete Exemplare, die aber wohl auch 
von Sc. Geinitzii nicht zu trennen sein werden (Fig. 53, b). | 


Fig. 53. Scaphites Geinitzii, d'Orb. 
a Von Jizerní Vtelno. Nat. Gr. 5 Von Jiřic. Nat. Gr. 


Auffallend háufig traf ich diese Art in den tieferen Lagen der Trigonia- 
schichten an der Strasse bei Knížnic nordlich von Jičín und in den tieferen 
Trigoniaschichten von Vinar bei Hohenmauth vor. 

Aus den echten Iserschichten sind nur wenige Exemplare bekannt und 
zwar von Čejtic aus den mittleren Lagen der Trigoniaschichten. 

Ein sehr grosses stark involutes Exemplar, dessen Abbildung ich bei- 
fůge, fand ich in einer Mauer in „Jizerní Vtelno“ und dem Gestein nach 
zu urtheilen stammt es aus den Trigoniaschichten, welche die hóchste Lage 
des Čejticer Profils (pag. 41) bilden. 

Dieses Exemplar gleicht in Form und Grósse auffallend denjenigen, 
welche ich in den Riesenexemplaren des Ammonites peramplus aus den 
Teplitzer Schichten bei Koštic gefunden habe. 

Baculites undulatus d'Orb. (W. Sch. pag. 103). 

Diese unsichere Art trifft man in mangelhaften Exemplaren auch in 
den Trigoniaschichten, z. B. bei Knížnic und Desna. 

Eine Wohnkammer von Desna besitzt die Breite von 13 mm. Alles 
vorliegende Material reicht bloss dazu aus, das Vorkommen der Gattung 
Baculites in den Iserschichten sicherzustellen. 


cO 
c 


Grastropoda. 


k 


Turritella multistriata Reuss. (W. Sch. pag. 1083, Fig. 38). — Fig. 54. 

Kommt sehr sparsam in den hóheren Lagen der Trigoniaschichten bei 
Libichov (Jung-Bunzlau) und als Steinkern beim Fried- 
hofe in Chotzen vor. Diese Steinkerne zeigen eine 
deutliche Furche der Mitte der Umgánge entlang und 
ich wůrde Anstand genommen haben, sie als zu Turvr. 
multistriata gehórig zu betrachten, wenn nicht ein 
Fragment die wohlerhaltene Schale dieser Art be- 
sitzen wůrde. Ein kleines Fragment besitzen wir auch 
aus den Bryozoenschichten von Živonín. 


Turritella iserica Fr. n. sp. — Fig. 55 a—d. 
Diese herrliche neue Art erreicht die Lánge von ne OPM 
10 em., der Winkel betrágt 239. Der Steinkern zeiet © gotriata. Renee 


rundlich gewólbte Windungen, aber an der sehr dicken poř ne den = 
Schale sind die Windungen fach mit drei scharfen, oů an 
vorspringenden Auerlinien. Die Ráume zwischen diesen ac 4  Chotzen. 
Linien sind mit sehr feinen zahlreichen GAuerlinien z mn VS 


besetzt. 


Fig. 55. Turritella iserica, Fr. (von Cejtic bei Jungbunzlau). a Ein fast ganzes Exemplar in nat. 

Grósse. b Eine der oberen Windungen 3mal vergróssert. c Fragment der letzten Windung stark 

vergróssert. d Drei Windungen eines zweiten Exemplares von demselben Fundorte. e Eine dieser 
3 Windungen vergróssert. 


94 


Die letzte Windung zeigt auf der Schale eine zierliche Sculptur. Die 
Anwachsstreifen sind oberhalb der Mitte der Windung schón nach hinten 
ausgeschweift und mit áusserst feinen Auerlinien geziert (Fig. 55 c). 

Ein zweites Exemplar, das im Ganzen mit dem beschriebenen ůúberein- 
stimmt, zeigt eine bedeutende Anschwellung im obersten Viertel einer jeden 
Windung (d, e). 

Diese zwei Exemplare fand ich in den hoheren Lagen der Trigonia- 
schichten in Čejtic bei Jungbunzlau, ein anderes in Desna bei Leitomischel. 
Ausserdem gehóren hierher wahrscheinlich auch grosse Steinkerne von Cho- 
roušek, Živonín und Vtelno. 

Turritella Fittoniana Můnst. (W. Sch. pa«. 103, Fig. 39). — Fig. 56. 

Normale Exemplare fanden sich bei Třeboutic, Brozánka, Dolánek, Blatec 
bei Rovensko und bei Knížnic. Durch stárker gewólbte Windungen und 
gróbere Granulation sind Exemplare von Loučkov bei Turnau ausgezeichnet, 
weshalb ich davon eine Abbildung gebe. 


Fig. 56. Turritella Fittoniana von Loučkov. a Nat. Grósse. b Eine Windung stark 
vergróssert. 


Scala decorata Gein. (W. Sch. pag. 104, Fig. 41). 
Es wurde bloss ein kleines Exemplar mit 3 Windungen in den Tri- 
goniaschichten von Dolanek bei Turnau gefunden. 
Natica Rómeri Gein. (W. Sch. pag. 105, Fig. 44). 
Selten in den Uebergangsschichten von Třeboutic und in den Trigonia- 
schichten von Dolánek, Chotzen und Bóhm.-Tribau. 
Natica lamellosa A. Róm. (W. Sch. pas. 105, Fig. 43). 
Selten und schlecht erhalten in den Trigoniaschichten von Brozánek, 
Knížnic und Chotzen, sowie in den Bryozoenschichten von Živonín und 
Vtelno. 
Natica Gentii Sow. (W. Sch. pag 105, Fig. 45). 
Ein einzigesmal in der tiefsten Lage der Trigoniaschichten von Cho- 
roušek vorgekommen. 
Nerita dichotoma Fr. (Natica dichotoma Geinitz, Elbth. pag. 245, Taf. 54, Fig. 18). 
Von dieser Art, die nach Exemplaren von Korycan zur Gattung Nerita 


95 


gehórt (und von mir bereits 1809 als solche angefůhrt wurde “), fand sich 
ein kleines Exemplar mit Schale in den Bryozoenschichten von Gross-Oujezd 
bei Choroušek. Es mag das umsoweniger úberraschen, als Geinitz diese Art 
sowohl aus dem Plánerkalke von Strehlen, als ne von Kieslingswalde (Chlo- 
meker Schichten) anfůhrt. 

Pleurotomaria linearis? Mant. (Geinitz Elbthalgeb. II. Taf. 29, Fig. 10). — 
Pig. 57 a, b. 

Steinkerne kommen in den Trigoniaschichten des Adlergebietes nicht 
selten bei Brandeis an der Adler, Bóhm.-Trůbau und Chotzen im Iser- 
gebiete bei Ohraženic vor; ein Exemplar von Desna bei Leitomischel, das 
ich abgebildet habe, zeigt am letzten Umgange ein Stůckchen obzwar be- 
schádigter Schale, von der ich in Fig. 57 b eine vergrósserte Skizze gebe. 
Die Windungen der Steinkerne sind hóher und gewólbter als bei der Pl. 
lnearis aus den Teplitzer Schichten. 


Fig. 57. Pleurotomaria linearis, Mant. Von Desna bei Leitomischel. a Nat. Grósse. b Fragment 
der Schale vergróssert. 


Die Verzierung der Schale stimmt ziemlich mit P. linearis úberein 
und zeigt bei einer gewissen Stellung zum Lichte auch die schwache Kór- 
nung, welche durch die Kreuzung der Lánoslinien mit den Auerlinien ent- 
steht. (Dies ist auf der Zeichnung nicht hinreichend dargestellt.) 

Jedenfalls ist die Art aus den Iserschichten eine sehr nahe verwandte 
zu Pl. linearis und erst die Auffindung. von Exemplaren mit wohlerhaltener 
Schale důrfte Sicherheit bringen, ob wir es mit einer neuen Art zu thun haben. 

Die Grósse anlangend so messen die gróssten Exemplare von Brandeis 
an der Adler an der Basis 10 cm. 

Turbo Goupilianus ďOrb.? (D'Orb. Pl. 185, Fig. 7—10). — Fig. 58. 

Mangelhaft erhaltene Exemplare eines Turbo liegen aus den Trigonia- 
schichten von Choroušek, Libichov, Dolánek, Loučkov, Desna und Chotzen 


*) Archiv fůr Landesdurchforsch. von Boóhmen I. Band, Sect, II pag. 232. 


26 


vor. Die Schale ist nur theilweise an dem abgebildeten Exemplare von 
Dolánek wahrnehmbar. 

In der Gesammterscheinung und namentlich durch die stark gewólbten 
Windungen náhert sich diese Art dem Turbo Goupilianus d'Orb., welchen 
sie aber in Beziehung auf Grósse úbertrifft, denn D'Orbigny's-Exemplare 
waren bloss 7 mm. hoch, unsere sind 23 mm. hoch und eben so viel breit. 

Bis man Exemplare mit erhaltener Schale finden wird, muss man darauf 
achten, ob die elatten Lángsstreifen zwischen die gekórnten eingeschoben 
sind, welche Art von Verzierune fůr T. Goup. charakteristisch ist. 

Der áhnlich granulirte Trochus amatus dďOrb. (Geinitz Elbthal. II. 29, 
Fig. 7) ist viel hóher und seine Windungen sind facher. 

Rostellaria Reguieniana? ďOrb. (W. Sch. page. 107, Fig. 51). 

Ein fast ganzes Exemplar besitzen wir aus den Trigoniaschichten von 
Dolánek bei Turnau. Die Flůgelfortsátze lassen sich nicht mit Sicherheit 
erkennen und es wáre moglich, dass das Exemplar zu der nahe verwandten 
Rost. ornata d'Orb. gehóren kónnte, denn es sind Spuren eines lángs des 
Gewindes aufsteigenden Fortsatzes vorhanden. 

Ein Fragment ohne Flůgel růhrt aus denselben Schichten von Vinar her. 


Fig. 58. Turbo Goupilianus, d'Orb. Fig. 59. Rosteilaria ovata, Můnst. 
Von Desná. Nat. Gr. Von Třeboutic. 


Rostellaria ovata Můnst. (Goldfuss III. pag. 17, Taf. 170, Fig. 3) (— ? Strombus 
bicarinatus d'Orb. Geinitz Auadersandstein-Gebirge Taf. IX, Fig. 4). — 
Fig. 59. 

Aus den Byšicer Uebergangsschichten von Třeboutic bei Leitmeritz, 
sowie aus den Bryozoenschichten von Živonín besitzen wir diese Schnecke, 
welche an der letzten Windung zwei vorspringende divergirende Leisten 
trást. Das Gewinde ist bei unseren Exemplaren noch niedriger als bei den 
von Goldfuss aus der grůnlichen Kreide von Haldem abgebildeten und áhnelt 
mehr dem von Geinitz als Strombus bicarinatus angefihrten Exemplare aus 
Nagořany. 

Da die Ausláufer der Lippe nicht bekannt sind, so bleibt die Bestimmung 
unserer Exemplare unsicher. 

Rostellaria Schlottheimi (Geinitz Elbthalgeb. pag. 168, Taf. 30, Fig. 1, 8). — 
Fig. 60. | 

Schalenlose Exemplare ohne Flůgel kommen in den Trigoniaschichten 
von Desna, Bohm.-Trůbau, Bezno und Chotzen vor. Ein Exemplar aus der 
„Báčová skála“ bei Chotzen zeigt einen Theil des Fliůgels, von welchem 


97 


ein Fortsatz sich an die Windungen des Geháuses anlehnt. Mein Assistent, 
Herr Weinzettl, welcher soeben die Rostellarien der bohm. Kreideformation 
bearbeitet hat, stellt diese Art zu der R. Schlottheimi Romer, welcher sie 
durch das kurze Gewinde und die bauchige letzte Windung nahe kommt. 


Ne 
Fig. 60. Rostellaria Schlottheimi von Chotzen. Nat. Gr. 


Fusus Nereidis Goldf. (W. Sch. pag. 109, Fig. 53). 

Von Knížnic bei Libuň besitze ich zwei aus den an Scaphiten reichen 
Trigoniaschichten Exemplare dieses Fusus, den ich frůher nur nach einem 
Fragmente kannte. Er stimmt im Wesentlichen mit der Goldfussischen Ab- 
bildung, ist aber durch die stark vorspringende Lángsrippe ausgezeichnet, 
die sich úber den am meisten winklig vorspringenden Theil der letzten 
Windung hinzieht. Der nach unten ausgezogene Theil der Schale ist nicht 
erhalten. 

Voluta Roemeri (Geinitz Elbthalgeb. pas. 172, Taf. 30, Fig. 15). 

Ein ganzes 30 mm. langes Exemplar besitzen wir aus den Trigonia- 
schichten von Knížnic bei Jičín, wo es in Gesellschaft von Turritella Fitto- 
niana und Scaphites Geinitzii vorgefunden wurde. 

Voluta suturalis Goldf. (W. Sch. pag. 110, Fig. 55). 

Steinkerne, welche am meěisten dieser Art verglichen werden kónnen, 
fanden sich in dem glauconitischen můrben Pláner der hochsten Lagen der 
Trigoniaschichten beim Friedhofe in Chotzen und auf einem Felde bei Bezno, 
wo sie Herr V. Vaněk, Lehrer daselbst, sammelte. Exemplare von beiden 
Fundorten zeigen ein zerfressenes Aussehen und keine Spur von Šchale. 

Mitra sp. Zweifelhafte Steinkerne besitzen wir vom Friedhofe bei Chotzen und 
von Bezno bei Jungbunzlau. 

Avellana sp. Nicht náher bestimmbare Exemplare fanden sich in den Ueber- 
gangsschichten von Hradek bei Černosek und Třeboutic bei Leitmeritz, in 
den Trigoniaschichten bei Chotzen. 


Pelecypoda. 


Opis Chocenensis Fr. — F%g. 61. 
Es wurde bisher ein einziges Exemplar dieser neuen Art in den Tri- 
goniaschichten bei Chotzen vorgefunden. Die Muschel ist auffallend kurz, 


- 


í 


08 


fast doppelt so hoch als lang, ihre Dicke ist um weniges geringer als die 
Lánge. Vom Wirtel aus zieht sich ein gewólbter Růcken zur Ecke, welche 
der vordere Rand mit dem unteren bildet, und ein zweiter zur hinteren 
Ecke. Die Wirbel sind deutlich ber den Schlossrand erhaben, der Vorder- 
rand schwach eingebuchtet, der hintere mássig gewólbt. 

Die Bestimmung der Gattung ist bisher unsicher, denn nur Opis neoco- 
miensis d'Orb. zeigt eine entfernte Aehnlichkeit in der Gesammterscheinung. 
Auch kónnte man an eine sehr verkůrzte Crassatella denken, doch muss 
die Entscheidung bis zur Auffindung von Exemplaren mit erhaltenem Schloss 
verschoben werden. 

Die Verzierung der Schale besteht in mehr als 40 wulstigen Anwachs- 
streifen, welche an der Fláche zwischen den 2 Wůlsten deutlich sind, an 
der vorderen und hinteren Fláche aber sehr schwach angedeutet sind. 


Fig. 61. Opis Chocenensis Fr. von Chotzen. Nat. Gr. 
a Von der Seite, b von oben. 


Protocardium Hillanum Sow. (W. Sch. pag. 112, Fig. 64). 

Nur einzeln in schlechterhaltenen Šteinkernen bei Choroušek, Jung- 
bunzlau, Dalovic, Dolánek und Loučkov bei Turnau, in Bohmisch-Trůbau 
und Písník bei Bóhm. Leipa. 

Cardium productum Sow. (C. intermedium Reuss. B. Kr. II. 1. T. 35, Fig. 15, 16). 

Schlechte Steinkerne von Choroušek, Libichov bei Jungbunzlau und Do- 
lánek bei Turnau; schón erhaltene, aber kleine ŠSteinkerne aus den glauco- 
nitischen Lagen der Trigoniaschichten vom Friedhofe bei Chotzen und von 
Bezno. 

Isocardia gracilis Fr. (W. Sch. pag. 114, Fig. 67). 

Kommt ganz in derselben Form und Grósse vor, wie in den Weissen- 
berger und Malnitzer Schichten und zwar in den Byšicer Uebergangsschichten 
bei Jiřic und Brozánka, in den Trigoniaschichten von Chotzen, Bohmisch- 
Trůbau, Libuň und Jung-Koldin, in den Bryozoenschichten von Živonín. 

| Crassatella ef. Austriaca Zittel (Bivalven der Gosau, pag. 151, Taf. VIII., Fig. 1. 

Erklárung dieser Tafel hat dort aus Versehen Nro. X). — Fig. 62 a, b. 
Unter den zahlreichen meist als Šteinkern vorliegenden Exemplaren 

der Gattung Crassatella kónnen wir zwei Typen, eine lange und eine kurze, 


JO 


unterscheiden. Wenn es auch an manchen Stůcken schwer fállt zu bestimmen, 
zu welcher Form sie gehóren, so hat man doch extreme gute Štůcke, von 
denen sich die langen der Čr. Austriaca am náchsten stellen, wáhrend die 
kurzen hohen wahrscheinlich mit Cr. macrodonta identisch sind. 


Die lange Form erreicht bei Dolánek 4 cm. Hóhe und 7 cm. Lánge. 
Die Schale ist in krystallinischen Kalkspath verwandelt und bleibt in der 
Regel fest am negativen Abdrucke hángen. Auch am Šteinkern bleibt eine 
Kruste von Kalkspath, welche wir durch Erhitzung mittelst des Lóthrohres 
absprengten und so die schónen abgebildeten Steinkerne erhielten. Die 
kleinen Fragmente der wohlerhaltenen Schale zeigen, dass dieselbe bedeu- 
tende Stárke besass und mit regelmássigen Anwachsfurchen geziert war. 
Die Steinkerne zeigen sehr kráftige Muskelansátze, dann den Abdruck des 
gefalteten und am Rande fein gekerbten Mantelrandes. 


Fig. 62. Crassatella ef. Austriaca Zittel, von Jungbunzlau in natůrlicher Grósse. 


Das Hauptkennzeichen der lángeren Form ist das, dass die Wirbel weit 
nach vorn oberhalb dem ersten Viertel der Schalenlánge zu stehen kommen, 
wáhrend sie bei der folgenden Art oberhalb der Mitte stehen. 

Diese Art gehórt zu den gewóhnlichen Erscheinungen in den Trigonia- 
schichten von Choroušek, Dolánek, Libichov, Jungbunzlau, Rohosec ete. Die 
Bryozoenschichten lieferten sie von Gross-Újezd. Sie kommt zusammen mit 
der Cr. macrodonta vor. 

Als Vorgánger dieser Art ist die Crassatella protracta Reuss aus den 


Launer Knollen zu betrachten (W. Sch. pag. 115, Fig. 70). 
70 


100 


Crassatella cf. macrodonta Sow. sp. (Zittel Bivalven der Gosau pag. 150, 


Taf. VIN Fig. 2, 3, Astarte macrodonta Sow.). — Pig. 68. 

Diese kůrzere und hóohere Art hat den Wirtel fast in der halben 
Schalenlánge. Das grósste Exemplar eines Steinkernes von Dolánek ist 
Ď cm. hoch, 65 cm. lang. Die Eindrůcke der Mantelfaltung und die feine 
Randkerbung sind deutlich. Die Oberfláche der Schale war mit viel deut- 
licheren und tieferen concentrischen Furchen geziert als die vorige Art. 


Fig. 63. Crassatella macrodonta Sow. Steinkern von Dolanek bei Turnau. Nat. Gr. 


Kommt háufig in den Trigoniaschichten von Bóhm.-Trůbau, Chotzen, 
Desna, Dolánek, Rohosec, Choroušek und Vtelno vor. Exemplare mit Schale 
haben wir nur von Desna, sonst sind es immer nur ŠSteinkerne. 

Diese Form ist in den álteren Schichten durch Čr. arcacea und regu- 
laris vertreten, welche aber in Grósse sehr zurůckbleiben (W. Sch. pag. 115). 


Mutiella Ringmerensis Mant. sp. (Geinitz Elbthalgeb. II., pag. 61, Taf. 10, 


Fig. 11—13. Corbis rotundata, Róm. Fimbria coarctata Zittel. W. Sch. 
pag. 116, Fig. 75). — Fig. 64. 

Steinkerne, welche Reste von einer bis 2 mm. dicken Schale an sich 
tragen, finden sich háufig in den Trigoniaschichten bei Chotzen, Bóhm.- 
Trůbau, Desna, Dolánka, Libichov bei Jungbunzlau, Husovodol bei Cho- 
roušek u. s. w. Auch aus den DBryozoenschichten von Gross-Újezd liegt 
diese Art vor. 

Die Oberfláche der Schale sowie deren Sculptur sind sehr selten erhalten, 
ebenso haben wir nirgend ein gut erhaltenes Schloss, weshalb die Artbestim- 
mung eine provisorische bleibt. 


Cyprina guadrata d'Orb. (W. Sch. pag. 116, Fig. 76). — Fig. 65. 


Steinkerne von 8 cm. Lánge trifft man háufig in den Trigonia- 
schichten von Chotzen, Bóohm.-Trůbau, Dolánka bei Turnau, Choroušek, 
Lindenau, Libuň, Knížnice, Blatec etc. fast úberall, wo man in den ge- 
nannten Schichten intensiver sammelt. 


101 


Cyprina cf. crassidentata Zittel. | 
Neben der.C. guadrata kommen noch Steinkerne vor, welche einer 
nach hinten mehr ausgezogenen Art angehóren. Dieselben náhern sich in 
Form der Ú. crassidentata, Zittel namentlich der Figur 2a. Ein schones 
Exemplar besitzen wir von Písnik, dann andere von Chotzen und Dolánek, 
úberall aus den Trigoniaschichten. 


Fig. 64. Mutiella Ringmerensis, Mant. sp. Steinkern von Chotzen. Nat. Grósse. 


Fig. 65. Cyprina guadrata, d'Orb. Steinkern von Chotzen. */, nat. Grósse. 


Eriphyla lenticularis (W. Sch. pag. 116, Fig. 78). 

Steinkerne von mittlerer Grósse kommen in den Byšicer Uebergangs- 
schichten von Třeboutic, dann in den Trigoniaschichten von Choroušek, 
Čejtic, Jungbunzlau, Dolanek, Blatec und Chotzen vor. Am letzgenannten 
Orte in letzterer Zeit besonders in den glauconitischen Schichten beim 
Friedhofe. 

Trigonia limbata d'Orb. (Pal. franc. Crét. III. pag. 156, 298. Zittel Bivalven 
der Gosau pas. 160, Taf. IX, Fig. 1a—c). — Fig. 66 a, b. 

Steinkerne mit anhángenden Resten der krystallisirten Schale sind in 

den Trigoniaschichten des Elbe-Isergebietes háufig; bei Choroušek (schon 


102 


in den tiefsten Lagen des auf Seite 30 dargestellten Profils), Kováň, Ko- 
šátek, Čejtice, Jungbunzlau, Dolánek, Rohosec und Písnik. Glatte, sehr gut 
erhaltene Steinkerne erhielt ich vor Kurzem von Bezno durch den Lehrer 
Herrn Vaněk. 

Viel seltener ist die Art im Adlergebiete, wo sie z. B. bei Chotzen 
bisher nur in einem Exemplar, welches sich in der Sammlung des Herrn 
Hlaváč befindet, vorgefunden wurde. Ausserdem ganz einzeln in Desna und 
Bóhm.-Trůbau. 

In den Bryozoenschichten kommt sie nicht vor. 

Durch die mássige Ausbildung der Kórnung der Rippen, so wie durch 
die gedrungene Gestalt náhert sich unsere Art entschieden mehr der 
T. limbata als der T. scabra, deren specifische Selbststándigkeit gewiss 
eine zweifelhafte ist und bei der neueren Anschauungsweise wenig Be- 


deutung hat. T. aláformis, limbata und scabra sind gewiss nur Glieder 
einer Reihe. 


Pectunculus sp. (Ganz jámmerlich erhaltene Exemplare, an denen man selbst 


die Gattung mit Schwierigkeit feststellen kann, kommen selten bei Tře- 
boutic, Choroušek, Jungbunzlau, Cejtic und Dolánek vor. 


a 


Fig. 66. Trigonia limbata d'Orb. Nach einem Gypsabgusse in das Negativ aus der Gegend von 


Areca 


Bohm.-Trůbau. Nat. Grósse. «a von der Seite, d von Oben. 


subglabra d'Orb. (W. Sch. pag. 119, Fig. 85). — Fig. 67. 

Diese in unserer Kreideformation sehr verbreitete Art ist auch in den 
Iserschichten háufig als Steinkern anzutreffen. Im den Byšicer Uebergangs- 
schichten fand ich sie bei Třeboutic, Brozanek und Košatek, in dem Zwischen- 
pláner in den Trigoniaschichten von Choroušek, Čejtic, Jungbunzlau, Můn- 
chengrátz, Bosig, Dolanek, Rohosec, Chotzen, Bóohm.-Trůbau und Desna. 

Die Steinkerne sind in verschiedener Richtung und in verschiedenem 
Grade zerdrůckt, so dass die Art in sehr verschiedener Form in die Hánde 
des Sammlers kommt und daher fůr den Anfinger schwer zu bestimmen ist. 
Die zu Seiten des Schlossrandes nach hinten sich hinziehende Furche hilft 
jedenfalls bei der Sicherstellung der Gattung. 


103 


Der abgebildete, sehr wohl erhaltene ŠSteinkern zeigt bei der Ansicht 
von unten (Fig. 67 c), dass die Schale etwas, klaffend war wegen der 
Bissusplatte. 

Arca echinata d'Orb. (W. Sch. pag. 119, Fig. 84). 

Ein Exemplar mit wohlerhaltener Schale fand Herr Pražák in den 

Bryozoenschichten bei Živonín. 


Fig. 67. Arca subglabra d'Orb. Steinkern aus den glauconitischen Lagen der Trigoniaschichten 
vom Friedhofe bei Chotzen. Nat. Grósse. a Von der Seite, d von Oben, c von Unten. 


Arca cf. Geinitzii Reuss (Elbthalgeb. II. Taf. 16, Fig. 7 a). 

Von den zahlreichen der Gattung Arca angehórigen Steinkernen sind 
diejenigen von Třeboutic, Dolánek und Knížnice bei Libuň der Arca Gei-. 
nitzii Reuss am hnlichsten, namentlich der Abbildung bei Geinitz. Der 
mangelhafte Erhaltungszustand lásst keine sichere Bestimmung zu. 


Fig. 68. Arca Schwabenaui, Zittel. Von Dolánek bei Turnau. a Nat. Grósse, d SŠculptur 
vergróssert. 


Arca Schwabenaui Zittel (Bivalven der Gosau Taf. X, Fig. 7a). — Fig. 68. 

Ich fand bloss zwei mangelhaft erhaltene Exemplare, die stellenweise 
die Sculptur doch erhalten haben, in den tieferen Lagen der Trigonia- 
schichten in Dolanek bei Turnau. 

In der schmalen Form, dem seitlichen Eindruck und der klafenden 
Schale stimmen unsere Exemplare genau mit der Abbildung von Zittel. 

In der Gosau kommt diese Art am Wegscheid und Tauerngraben 
selten vor. 


104 


Arca -ef. pholadiformis d'Orb. (Pal. Fr. Pl. 315, Fig. 1—5). — Fig. 69. 
Es liegt bloss eine rechte Schale vor, welche in den Contouren und 
der Sculptur mit der franzósischen Art ziemlich úbereinstimmt, nur ist sie 
nach hinten etwas schmáler. 


Von den Reussischen Arten wáre Arca angulata in Beziehung der Form 
zu vergleichen, doch zeigt die Reussische Abbildung keine radiale Sculptur, 
welche an unserem Exemplare viel deutlicher erhalten ist, als sie an der 
Zeichnung dargestellt ist. 


Die franzósische Art kommt in der chloritischen Kreide des unteren 
Turon bei Mans vor. 


Fig. 69. Arca cf. pholadi- Fig. 70. Mytilus radiatus, Goldt. 
formis, d'Orb. Von Dola- Von Desna. Nat. Grósse. 
nek bei Turnau. Nat. Gr. 


Pinna decussata Goldf. (W. Sch. pas. 120, Fig. 86). 

Kommt in allen Lagen der Iserschichten vor; besonders háufig in den 
mittleren Trigoniaschichten. Die normale Lánge betrágt 20 cm. Bei Bóhm.- 
Trůbau bildet diese Art stellenweise fast Bánke. Bei Abtsdorf fand ich auf 
einem Steinkern den Abdruck einer Perle. 

Die Museumssammlung besitzt Exemplare von Chotzen, Bóhm.-Trůbau, 
Choroušek, Kanina, Gross-Újezd, Košátek, Čejtic, Jung-Bunzlau, oben 
Lochtuš, Blatec, Písnik, Bósig, Auscha u. s. w. 

Mytilus radiatus Goldf. (W. Sch. pag. 120). — Fig. 70. 

Schón erhaltene Exemplare mit Schale liefern die Trigoniaschichten 
von Chotzen, Desna und Dolanek. 

Solen cf. Guerangeri d'Orb. (Pal. Franc. Ter. Cret. pag. 321, pl. 951, Fig. 1, 2). 
Fig. 71 a, db. 

Zwei Steinkerne von Choroušek und Čejtic stimmen in der Gesammt- 
form mit der franzósischen Art aus dem grčs inferieur des Turon von Mans, 
nur stehen die Wirbel etwas mehr in der Mitte der Schalenlánge. Die 
Fragmente der Schale zeigen die Sculptur nicht. 


105 


Lithodomus spatulatus Reuss. (W. Sch. pag. 122, Fig. 92). 


Kommt einzeln sowohl in den Byšicer Uebergangsschichten bei Jiřic, 
als auch in den Trigoniaschichten von Chotzen, Knížnic, Brandeis a. d. Adler 
und Dalovic bei Jungbunzlau vor. Das sehr schón erhaltene Exemplar von 
Knížnic hat 66 mm. Lánge, 15 mm. Breite. 

Lithodomus ef. rostratus d'Orb. (Pal. Franc. pag. 292, Taf. 344, Fig. 16, 11). 
Hig. 72 a, b, c, d. 

Kleine Exemplare eines rauhen Lithodomus aus den Byšicer Ueber- 
gangsschichten von Jiřic bei Lissa náhern sich etwas dem L. rostratus 
d'Orb., aber sie sind etwas schmáler und nach vorne hin mehr zugespitzt. 
Die Oberfláche zeiet bei genauer Betrachtung mit der Lupe rauhe Auer- 
runzeln, welche von Lánesfurchen in schmale Felder gesondert werden. 

Auch náhert sich diese Art etwas der Myoconcha angustata Fr. (W. Sch. 
pag. 120, Fig. 91). 


| Pholas sp. Ein ziemlich gut erhaltener 10 mm. langer Steinkern kam mir (wáh- 


rend des Druckes dieser Arbeit) aus den glauconitischen Lagen der Tri- 
goniaschichten vom Friedhofe in Chotzen zu. 

Auch kommen Ausfillungen von Bohrlóchern, welche zu Pholas oder 
Gastrochaena gehóren, an mehreren Štellen in den Iserschichten vor. 


Fig. 71. Solen cf. Guerangeri, d'Orb. Fig. 72. Lithodomus cf. rostratus, d'Orb. von Jiřic bei 
áus den Trigoniaschichten von Čejtic. Lissa vergróssert. a von oben, d von der Seite, c von 
a von der Seite, b von oben. Nat. Gr. vorne. d Ein Fragment der Schale stark vergróssert. 


Gastrochaena amphisbaena Gein. (W. Sch. pag. 122, Fig. 93). 
Ist in den Iserschichten eine seltene Erscheinung und nur im Zwischen- 
pláner wurden mangelhafte Fragmente vorgefunden. 
Siligua Petersi Reuss. (W. Sch. pag. 123, Fig. 96). 
Selten in dén Uebergangsschichten von Třeboutic bei Leitmeritz und 
in den Trigoniaschichten von Knížnic bei Libuň. 
Modiola capitata Zittel (W. Sch. pag. 123, Fig. 91). 
Ziemlich vereinzelnt aber weit verbreitet kommt diese Art in den 
Uebergangsschichten von Třeboutic, sowie in den Trigoniaschichten von 


106 


Choroušek, Čejtic, Libichov bei Jungbunzlau, Dalovic, Dolánek, Loučkov, 
Knížnic, Chotzen, Brandeis a. d. Adler, Desna und Bóhm.-Trůbau vor. 

Modiola typica Forbes sp. (Mytilus typicus, Forbes. Mytilus ligeriensis, Reuss. 
Verst. d. b. Kreideform. II. pag. 16, Taf. XXXIII. Mytilus Reussi W'Orb. 
Prodr. 22 Nro. 740. Fig. 3. Modiola typica Zittel Bivalven der Gosau 
pag. 78, Taf. XI. Fig. 5 a, b, c). — Fig. 73 a, b, c. 

Diese Art ist eine der bezeichnendsten fůr die Iserschichten, denn sie 
tritt hier zum erstenmale auf. Schon Reuss fůhrt sie als M. ligeriensis aus 
dem „kalkigen Sandstein von Wildenschwert“ also aus den Iserschichten an. 
D'Orbigni erkannte bereits, dass dies nicht der echte M. Ligeriensis ist und 
fůhrt die Art im Prodrom (22. 740) als Mytilus Reussi d'Orb. an. 


Fig. 73. Modiola typica Forbes von Jungbunzlau. Nat. Grósse. a von der Seite, % von oben, 
c Fragment der Schale vergróssert. 


Die genaue Vergleichung zahlreicher Exemplare zeigte aber, dass es 
vollig úberflůssig ist, die bohmische Art von der aus der Gosau als Mo- 
diola typica von Zittel beschriebenen Art zu trennen. 

Zuerst fand ich die Art in den Uebergangsschichten von Třeboutic, 
dann in den Trigoniaschichten von Choroušek, Čejtic, Jungbunzlau, Dolánek, 
Ohraženic, Rohosec, Písnik und Desna bei Leitomischel. 

An dem abgebildeten Exemplar von Jungbunzlau, welches seinerzeit 
von Herrn Štecker gesammelt wurde, bemerkt man die wahrscheinlich von 
einer Natica gebohrte Oeffnung. 


Pseudomya anomioides Fr. n. gen. et sp. — Fig. 74 a—e. 

Diese interessante Muschel wurde vom Herrn J. Pražák in der 6. Lage 
der Trigoniaschichten von Choroušek entdeckt. Zuerst hielt ich dieselbe fůr 
eine Anomia, aber bald úberzeugte ich mich, dass alle Exemplare durch den 
beschádigten Wirbel ein zahnartiges, kráftiges, gefurchtes Gebilde wahr- 
nehmen lassen, welches auf den Schlosszahn der Gattung Mya erinnert. 


107 


Alle vorhandenen Schalen?gehůren der rechten Seite an und deuten darauf 
hin, dass die Muschel vorne und hinten klaffend war. Zwischen dem Wirbel 
und dem Vorderrande zieht sich eine Furche nach unten hin. 

Zusammen mit der rechten gewólbten Schale kommen flache runde 
Austern áhnliche Schalen vor, welche vielleicht als linke Schale aufzufassen 
sind und zu der grósseren rechten in einem áhnlichen Verháltniss stehen 
wůrden, wie die bei Corbula, Pandora etc. So lange man nicht beide Schalen 
beisammen findet, muss die Frage offen bleiben. 


| Fig. 74. Pseudomya anomioides Fr. an den Trigoniaschichten von Choroušek. a—d in nat. Grosse. 
-a Von der Seite, b von oben; durch den beschádigten Theil des Wirbels ist der starke Zahn zu 
| sehen. c von unten. d von vorne. e der Schlosszahn vergrossert. 


Pholadomya aeguivalvis dOrb. (W. Sch. pag. 124, Fig. 98). 

Grosse Exemplare kommen in den Byšicer Uebergangsschichten vor. 
Ich fand sie in Třeboutic, Brozánek und in Schellesn. Auf letzterem Orte 
in dem unmittelbaren Liegenden des ersten Kokořiner GAuaders. Auch 
unterhalb Vraclav traf ich grosse Exemplare etwa im Niveau der Byšicer 
Schichten. 

Aus den Trigoniaschichten besitzen wir Exemplare von Chotzen, Desna, 
Bóhm.-Trůbau, Písnik, Jungbunzlau, Dolánek, Lochtuš und Knížnic. Die 
Bryozoenschichten lieferten sie von Živonín. 

Pholadomya nodulifera Můnster (Goldfuss Petref. Germ. pag. 273, pl. 158, 
Fig. 2. — Reuss Verst. II. pag. 18. — Ph. umbonata, Róm. pag. 16 n. 3, 
pl. 10, Fig. 6. — Ph. nodulifera M. in Geinitz Elbthal. II. pag. 70, Taf. 19, 
Fig. 5). — Fig. 75 a—c, Fig. 76. 

Die geknotete Pholadomya kommt in den Trigoniaschichten des Elbe- 
gebietes bei Košátek, Junebunzlau, Lochtuš und Dolánek vor. 

Sie kommt in der normalen unverdrůckten Form vor und gleicht dann 
auffallend der recenten Ph. candida (Chenu Manuel II. pag. 42). Die von 
vorne nach hinten verdrickten Exemplare stimmen mit der Ph. umbonata 
Róm. úberein. Doch kommen Uebergánge vor, welche es nicht zulassen, 
diese zwei Arten zu unterscheiden. 

Reuss fihrt die Ph. nodulifera aus dem unteren Auader von Tetschen 
an, doch ist es sehr wahrscheinlich, dass die Exemplare aus den hóchsten 
den Trigoniaschichten entsprechenden Lagen der Auadersande stammten, 
aus denen sie auch Geinitz anfůhrt. 


108 


Ganz áhnliche Pholadomyen kommen dann auch háufig in den Chlo- 

meker Schichten (= Kieslingswalde) vor. ; 

Pholadomya perlonga Fr. (W. Sch. pag. 124, Fig. 99). 

Selten in den Trigoniaschichten von Choroušek, Košátek und Chotzen. 

Panopaea gurgitis Brongn. (W. Sch. pag. 125, Fig. 100). 

Kommt selten in den unteren Partien der Trigoniaschichten vor. Wir 

besitzen sie von Choroušek, Košátek, Zámost, Dolánek, Blatec, Knížnic, 
Desna und Bóhm.-Trůbau. 


Fig. 75. Pholadomya nodulifera M. var. umbonata Róm. von Dolánek. "/, nat. Grósse. 
a Von oben, b von der Seite, c von unten. 


Fig. 76. Pholadomya nodulifera M. von Jungbunzlau. Nat. Grósse. 


Panopaea mandibula Sow. (Geinitz Elbthal. II. pag. 70, Taf. 18, Fig. 20, 21). 
Diese sehr kurze Art ist selten in den tieferen Lagen der Trigonia- 
schichten von Chotzen, Jungbunzlau, Blatec und Knížnic. Ein Exemplar 
stammt auch aus den DBryozoenschichten von Vtelno. Uebrigens ist es 
schwer zu entscheiden, ob unsere Exemplare nicht bloss verkůmmerten 
Individuen der Panopaea gurgitis angehůren. 
Panopaea Ewaldi Reuss? (Reuss Verst. II. pag. 17, Taf. 37, Fig. 1). 
Es kommen an mehreren Orten mangelhaft erhaltene Steinkerne vor, 
welche in ihrer Erscheinung an eine Unio erinnern und wáren sie nicht 


b 


109 


unter marinen Arten gefunden und wůrde man nicht Bryozoen- und Serpula- 
i arten daran bemerken, so wůrde man sehr geneigt sein, dieser Ansicht bei- 
zutreten. Von den aus unserer Kreideformation bekannten Arten steht diesen 
Muscheln die Panopaea Ewaldi am náchsten. 
| Wir besitzen Exemplare von Choroušek, Chotzen, Auscha, Desna, Bóhm.- 
| Trůbau und vor Kurzem fand Prof. Zahálka aus Raudnitz ein Exemplar in 
| Markwartic bei Turnau. 
(Tellina semicostata Reuss (W. Sch. pag. 126, Fig. 102). 
Sehr schlecht erhaltene Exemplare besitzen wir aus den Trigonia- 
schichten von Chotzen, Čejtic und Knížnic und eines aus den Bryozoen- 
schichten von Živonín. 
Tellina concentrica Gein.? (W. Sch. pag. 126, Fig. 103). 

Steinkerne, welche wahrscheinlich dieser Art angehóren, aber nur 
schwache Spuren der concentrischen Štreifung zeigen, besitzen wir aus den 
Uebergangsschichten von Třeboutic, aus den Trigoniaschichten von Čejtic, 
Dalovic, Dolánek, Knížnic, Desna und Bóhm.-Trůbau. 


: 


a b 


Fig. 77. Venus cf. parva Sow. Steinkern aus den glauconitischen Schichten vom Friedhofe bei 
Chotzen. a Von der Seite, > von oben. Nat. Grósse. 


Venus cf. parva Sow. (Reuss Verst. IL pag. 20, Taf. XLI. Fig. 17). — Fig. 77. 
Steinkerne mit wohlerhaltenen Muskelabdrůcken und der Šiphonallinie 
fand ich in den glauconitischen Trigoniaschichten beim Friedhofe in Chotzen. 
In der Gestalt náhern sie sich am meisten der V. parva Sow., zu der ich sie 
vorderhand stelle. 
Cytherea polymorpha Zittel? (Bivalven der Gosau pag. 126, Taf. III. Fig. 6 a—d). 
Fig. 78. 

Steinkerne mit spárlichen Spuren der Schale finden sich in den Trigonia- 

schichten von Choroušek, Jungbunzlau, Rohosec, Bohm.-Trůbau und Písnik. 
Avicula anomala Sow. (W. Sch. pag. 128, Fig. 108). 

Kommt einzeln meist in kleinen Exemplaren in den Uebergangsschichten 
in Třeboutic, in den Trigoniaschichten in Choroušek, Dolanek, Ohraženic, 
Knížnic, Brandeis a. d. Adler, Desna, Bóhm.-Trůbau und in Písnik, in den 
Bryozoenschichten von Vtelno und Živonín vor. 

Gervillia solenoides Defr. (W. Sch. pas. 128, Fig. 129). 

Diese fast in allen Schichten unserer Kreideformation vorkommende 
Art ist auch sowohl in den Uebergangs- als auch in den Trigoniaschichten 
zu finden. Besonders grosse Exemplare bis 20 cm, Lánge finden sich in 


110 


den Steinbrůchen bei Vinar. Wir besitzen sie von Třeboutic, Jungbunzlau, 

Dolanek, Libuň, Knížnic und Chotzen. i 

Perna subspatulata Reuss (Reuss Verst. d. b. Kreideformation II. pag. 24. Im 
Register ausgelassen. Taf. XXXII Fig. 16, 17). — Fig. 79 a—c. 

Diese in den Iserschichten stellenweise háufige Perna hielt ich zuerst 

fůr P. laceolata Gein., bis mich reicheres und besseres Material úberzeugte, 

dass sie mehr mit P. subspatulata Reuss úbereinstimmt, da ihre Form nicht 


Fig. 78. Cytherea polymorpha Zittel. Steinkern aus den Trigoniaschichten von Písnik. Nat. Gr. 
a Seitenansicht, d von oben. 


so schief verzogen, sondern mehr viereckig ist. Wenn auch P. subspatulata 
von der in den Korycaner Schichten vorkommenden P. lanceolata abstammen 
mag, so můssen doch beide gegenwártig als selbststándige Arten angefůhrt 
werden, da die Uebergánge noch nicht vorliegen. 

Einzeln kommt diese Art in den Trigoniaschichten sowohl des Elbe- 
als des Adlergebietes vor, aber eine fórmliche Bank von 20—30 cm. Hóhe 
bildet sie bloss bei Rohosec unweit Turnau (vergl. Profil Fig. 25 pag. 46). 
Exemplare von Blatec bei Rovensko sind 95 cm. hoch 75 cm. lang, werden 
aber von denen bei Chotzen gefundenen noch an Grósse iúbertroffen. 

Wir besitzen auch Exemplare von Jungbunzlau, Dolanek und Bóhm.- 
Trůbau. 

Die Reussischen Exemplare stammten aus dem Exogyrensandstein von 
Malnitz. 


Inoceramus Brongniarti Sow. (W. Sch. pag. 130, Fig. 111). — Fig. 80. 
Riesige Exemplare bis zu einem halben Meter Hóhe fanden sich wáh- 
rend des Bahnbaues bei Jungbunzlau. Bruchstůcke der Schale, die fast 
úberall in den Iserschichten vorkommen, deuten auf eine weite Verbrei- 
tung dieser grossen Inoceramen hin. Kleinere Exemplare besitzen wir von 
Choroušek, Košátek, Jiřic, Dolánek, Knížnic, Brandeis a. d. Adler und 
Písnik. 


111 


Inoceramus sp. Ausser dem In. Brongniarti kommen noch in den Trigonia- 
schichten von Bóhm.-Trůbau und Vinar kleine Inoceramen vor, welche dem 
Inocer. striatus Mant. áhnlich sind, doch wird ihre sichere Bestimmung 
erst in einer Monographie aller bohm. Inoceramen moglich sein, 


Fig. 79. Perna subspatulata Reuss. a Ganzes Exemplar von der Seite. Nat. Grósse von Dolánek 
bei Turnau, b von hinten, c das Schloss eines anderen Exemplares. 


a 
d 
Fig. 80. Inoceramus Brongniarti. Stein- Fig. 81. Lima Dupiniana ďOrb. aus den Trigonia- 
kern aus den tieferen Lagen der Tri- schichten von Chotzen. a Vergróssert, db Fragment 
goniaschichten bei Jungbunzlau. ',, nat. | der Schale stark vergróssert. 


Grósse. 


112 


Lima Dupiniana dOrb. (Pal. Fr. Terr. cret. III. pag. 535, PI. 415, Fig. 18—22). 
Fig. 81. 
Diese kleine Art, welche ich in den Trigoniaschichten von Čejtie, Chotzen 
und Desna vorfand, macht bei oberfáchlicher Betrachtung den Eindruck der 
Lima septemcostata. Reuss (W. Sch. 132, Fig. 114) unterscheidet sich aber 
von derselben durch zahlreichere 10—12 radiale Rippen und sehr deutliche 
Radialstreifung derselben. Sie stimmt ziemlich mit der Lima Dupiniana 
d'Orb., von der sie bloss durch etwas schmálere Form abweicht. Unsere 
Exemplare haben die Lánge von 9 mm. 


! 


n n r m CA 


C 


Fig. 82. Lima multicostata Gein. aus den Trigoniaschichten von Chotzen. a Šteinkern von nor- 
maler Form in nat. Grósse. b Ansicht eines Exemplars mit Schale von vorne, nat. Grosse. 
c Fragment der Schale vergróssert. d Fragment mit Dreitheilung der Rippen vergróssert. 


Lima semisulcata Nilss. (W. Sch. pag. 132, Fig. 115). 

Háufig und meist mit wohlerhaltener Schale in den Trigoniaschichten 
von Košátek, Choroušek, Jungbunzlau, Bóhm.-Trůbau, Cerekvic, Písnik, 
Lindenau etc. 

Lima elongata Sow. (W. Sch. pag. 132, Fig. 116). 

Diese in den Weissenberger und Malnitzer Schichten háufige und weit 
verbreitete Art kommt nur einzeln in den Iserschichten und nur an wenigen 
Localitáten bei Dolánek, Jungbunzlau, Libuň, Knížnic, Brandeis a. d. Adler, 
Koldin und Chotzen vor. Bei manchen Exemplaren unserer Sammlung war 
es nicht sicher, ob sie nicht aus tieferen Lagen stammen. 


113 


Lima multicostata Gein. (L. canalifera Goldf. W. Sch. pag. 192). — Fig. 82 a—d, 
Fig. 55 var. | : 

Die normalen Exemplare (a), welche in der Regel nur ohne Schale aus 
dem Gestein gewonnen werden kónnen, zeigen 16—20 Rippen. Wo die Schale 
erhalten ist, zeigen sich die ziemlich scharf auftretenden Rippen durch doppelt 
so breite Zwischenráume getrennt und von stárkeren und schwácheren con- 
centrischen Linien geziert (c). Bei manchen Exemplaren zeigen die Rippen 
eine Theilung in zwei oder drei, was namentlich nach einem stárkeren 
Wachsthumsabsatz der Fall zu sein pflegt und ziemlich unregelmássig auf- 
tritt (Z und Fig. 83). Die gróssten Exemplare erreichen eine Lánge von 
10 mm. 

Diese Art ist in den Trigoniaschichten eine der háufigsten Erschei- 
nungen und ich besitze namentlich aus der Gegend von Chotzen Hunderte 
von Exemplaren, welche dort mit Lima dichotoma Reuss und Hemiaster 
plebeius Nov. in dem zum Sechotterschlagen verwendeten Gestein vor- 
kommen. 

In den Auadersanden des Hohen Schneeberges, sowie in den hóheren 
Lagen der sáchsischen Schweiz deutet diese Art den Horizont der Trigonia- 
schichten an. 

Auch in den Bryozoenschichten von Gross-Újezd und Živonín tritt diese 
Art auf. 


Fig. 83. Lima multicostata Gein. Varietát Fig. 84. Lima iserica Fr. n. sp. Aus den Tri- 
mit dichotomirenden Rippen, nat. Grósse, gonia-Schichten von Brandeis an der Adler. 
von Podvinec bei Jungbunzlau. a 2mal vergróssert, b Fragment der Schale 


stark vergróssert. 


Lima pseudocardium Reuss (W. Sch. pace. 133, Fig. 119). 

Steinkerne, welche dieser Art nahe stehen, besitzen wir aus vielen 
Localitáten, aber die Bestimmung bleibt unsicher, so lange man die Ober- 
fláche der Schale nicht vereleichen kann. In vielen Fállen erwiesen sich 
áhnliche Steinkerne bei genauer Untersuchung des Negativs als zu der 
L. iserica gehórig. 

Lima iserica Fr. n. sp. — Fig. 84 a, b. 

Diese neue Art, welche fiir die Trigoniaschichten sehr bezeichnend ist, 
áhnelt in Beziehung auf den Steinkern sehr der L. pseudocardium, hat 

8 


114 


Lima 


Lima 


aber statt 40—50 bloss 20 Rippen, welche scharfkantig nicht abgerundet 
sind. Die Verzierung der Rippen besteht in drei Lángsreihen von deut- © 
lichen Knoten, von denen die eine die Kante, die beiden anderen die 
Flanken einnehmen, wáhrend der Mitte des Zwischenraumes entlang auch 
eine solche Knotenreihe verláuít. Eben durch die letztere unterscheidet 
sich unsere Art von der L. cenomanensis d'Orb., welcher sie úbrigens sehr 
nahe steht. Die franzósische Art ist viel rundlicher, breiter und besitzt an 
40 Rippen. 

aspera Mant. (W. Sch. pag. 132, Fig. 118). 

Selten in den Trigoniaschichten von Chotzen und Dolánek bei Turnau. 
ovata Rómer bei D'Orb. (D'Orb. Pal. Fr. Terr. cret. pag. 553, Pl. 421, 
Fig. 16—20). — Fig. 85. 

Bei der Bestimmung unserer Exemplare, welche aus den Trigonia- 
schichten von Dolánek, Choroušek und Bóhm.-Trůbau stammen, schwankt 
man zwischen L. intermedia d'Orb. (Pl. 421, Fig. 1—5) und zwischen der 
Art, welche D'Orbygní als L. ovata Roemer anfůhrt (P. 421, Fig. 16, 11). 
In Beziehung auf Form und Verzierung halten unsere Exemplare ziemlich 
die Mitte zwischen beiden Arten. Eine Vergleichung mit der von Nilsson 
als Plagiostoma ovatum abgebildeten Form, auf welche Romer und D'Orbygni 
sich als auf Lima ovata beziehen, ist nicht recht měglich, weil dort die 
Sculptur der Schale nicht abgebildet ist. 

Unsere Exemplare zeigen etwa 30 feine geknotete Rippen und die 
Verzierung der breiten Zwischenráume gleicht dem Abdruck einer groben 
Leinwand. 


Fig. 85. Lima ovata Rómer? von Bóhm.-Trůbau. a Nat. Grósse. b Schale vergróssert. 


Lima dichotoma Reuss. (Verst. d. bóohm. Kreidef. II. pag. 35, Taf. 38, Fig. 10). 


Fig. 86 a—d. 

Diese in die nahe Verwandtschaft mit Lima Hoperi gehórige Muschel 
wurde von Reuss wegen dem Dichotomiren der Rippen nach einem Exem- 
plare von Hundorf als eine neue Art ancefůhrt. Aehnliche Formen von 
sehr wandelbarer Vertheilung der Rippen finden sich háufig in den Tri- 
goniaschichten von Choroušek, Dolánek, bei Turnau in Chotzen, Bóhm.- 
Trůbau, Koldín, Desna und Cerekvic, stets mit Lima multicostata zusammen. 
Die vertieften punktirten radialen Linien verlaufen stellenweise, ohne zu 


115 


dichotomiren, bis zum Rande; dichotomirende treten einzeln oder in Gruppen 
auf. Bei grossen Exemplaren erreichen mehr als 80 Streifen den Schalenrand. 

Oft fehlt die radiale Streifung in der Mitte der Schale oder ist sogar 
bloss auf den vorderen und hinteren Rand beschránkt, was aber durchaus 
nicht von dem zunehmenden Alter abhánst, indem es bei kleinen Exem- 
plaren vorkommt, wáhrend grosse dicht gestreift sind. 


Fig. 86. Lima dichotoma Reuss. a Grosses Exemplar in nat. Grósse von Chotzen. 5 Fragment 
der Schale desselben Exemplars vergróssert. c Kleines Exemplar mit spárlicher Streifung in nat. 
Grósse von Chotzen. d Dasselbe von vorne. 


Lima Sowerbyi Geinitz (W. Sch. pag. 133, Fig. 120). — Fig. 87. 

Normale kleine Exemplare kommen in den Trigoniaschichten von Chotzen, 
Jungbunzlau, Bohm.-Trůbau, Koldín, Písnik ete. vor. Ein grosses, vielleicht 
zu dieser Art gehoóriges Exemplar fand ich in den glauconitischen Schichten 
am Friedhofe in Chotzen. Es zeigt eine dichte Streifung am vorderen und 
hinteren Rande und zwar stárker, als es bei den kleinen Exemplaren der 
Fall zu sein pflest. 

Pecten Nilssoni Goldf. (W. Sch. pac. 133, Fig. 124). — Fig. 88. 

Kommt in breiten echt typischen Exemplaren besonders schón in den 
Trigonia-Schichten von Bóhm.-Tribau vor. 

Sonst besitzen wir die Art aus den Uebergangsschichten von Třeboutic 
und Jiřic, sowie aus den Trigonia-Schichten von Jungbunzlau, Koldín 
und Písnik. 


 Pecten laevis Nilsson. (W. Sch. pag. 133, Fig. 125). 


Háufig in den Trigonia-Schichten von Choroušek, Košátek, Čejtic, 
Loučkov, Písnik, Lindenau, Chotzen, Bohm.-Trůbau etc. 
S* 


116 


Pecten curvatus (W. Sch. pag. 136, Fig. 127). 
Normale kleine Exemplare úberall háufig, wo die kalkigen Trigonia- | 
schichten aufgeschlossen sind. Auch in den Uebergangsschichten von Jiřic 

und im Zwischenpláner von Kovánec und Řepín. 


Pecten Dujardinii Romer. (W. Sch. pag. 136, Fig. 129). 
Kommt in den Uebergangsschichten von Jiřice und Třeboutic, in den 
Trigoniaschichten von Choroušek, Košatek, Čejtic, Brandeis a. d. Adler und 
Bóhm.-Trůbau, in den Bryozoenschichten von Živonín etc. úberall sparsam vor. 


Fig. 88. Pecten Nilssoni 

Gein. aus den Trigonia- 

schichten von Bóhm.-Trů- 
bau. Nat. Grósse. 


Fig. 87. Lima Sowerbyi Gein. Grosse Varietát aus den 
glauconitischen Trigoniaschichten in Chotzen. Nat. Gr. 


Pecten serratus Nilss. (Reuss II. pag. 30, Taf. 39, Fig. 19). 

Kleine, 33 mm. lange Exemplare haben prachtvolle Negative in den 
verwitterten Trigoniaschichten von Brandeis a. d. Adler hinterlassen, ich 
olaube aber, dass úberhaupt diese Art bloss den Jugendzustand des P. acu- 
minatus darstelit. 


Pecten acuminatus Geinitz (Reuss Verst. II. pag. 29, Taf. 39, Fig. 20, 21). — 
Big. 89 a—d. 
Bis 80 mm. lange Exemplare von Desna zeigen die Form und die 
Grósse des P. acuminatus, aber die wohlerhaltene rechte Schale weist 
schuppige Verzierungen wie bei P. asper auf (c). Ein kleineres Exemplar 
von Loučkov zeigt, dass die linke Schale flach, die rechte gewólbt ist. 
Minder gute Exemplare besitzen wir von Zvířetic, Dolánek, Chotzen, Koldín, 
Boóohm.-Trůbau etc. 


Vola guinguecostata Stol. (W. Sch. pag. 137). — 4g. 90 a, b. 
Háufig in allen Lagen der Iserschichten. In den Uebergangsschichten 
von Třeboutic, begleitet meist die Rhynchonella plicatilis, wo diese Bánke 
im Auader bildet. Háufig in den Trigonia- sowie in den Bryozoenschichten. 
Spondylus hystrix Goldf.? — Fig. 91. 
Im den an Echinodermen reichen Schichten bei Chotzen kommen Stein- 
kerne vor, welche deutlich erkennen lassen, dass die Rippen nicht gleich 


117 


waren, sondern dass 5—6 viel stárker waren als die anderen, wodurch die 
Verwandtschaft zu Sp. hystrix deutlich angedeutet ist. 

Diese Art erreichte hier eine bedeutende Grósse, denn die Steinkerne 
sind 7 cm. hoch. 


Fig. 89. Pecten acuminatus Gein. a Grosses Exemplar von Dolánek, %/, nat. Grósse. b Fragment 
der rechten Schale desselben Exemplars. c Ein Exemplar mit beiden Schalen von Loučkov, nat. 
Grósse. d Verzierung der linken flachen Schale. 


Fig. 90. Vola guinguecostata Stol. a Die gewolbte Schale, % die flache Schale, nat. Grósse, aus 


den Trigoniaschichten von Chotzen. 


Exogyra conica Sow. (W. Sch. pag. 139, Fig. 134). — F%g. 92 a, db, c. 


Diese Art wurde frůher von mir, wo sie Bánke bildend auftritt, als 
E. columba angefůhrt. Eine genaue Untersuchung vieler wohlerhaltener 


118 


Exemplare zeigte, dass alle eine kleinere oder gróssere Anwachsfláche be- 
sitzen und daher nicht zu der stets freien E. columba gezáhlt werden 
kónnen. Auch die mehr viereckige Gestalt und das stark entwickelte 
Schloss weisen auf die Identitát mit E. conica. 


In den Trigoniaschichten bildet diese Exogyra Bánke meist in der 
Lage 5f des Profiles von Choroušek (Seite 30), doch scheint ihr massen- 
haftes Auftreten in den Trigoniaschichten nicht an diese Regel gebunden 
zu Sein. 


Auch im Adlergebiet kommt sie sůdlich von Chotzen háufie und in 
grossen Exemplaren vor. Einzeln bei Desna, Bóhm.-Trůbau ete. Aus den 
Bryozoenschichten besitzen wir kleine Exemplare von Zivonín. 


Fig. 91. Spondylus hystrix Goldf. Steinkern aus den Trigoniaschichten von Chotzen. 
Nat. Grósse. 


Exogyra lateralis Reuss. (W. Sch. pag. 140, Fig. 136). 
Kommt vereinzelnt in den T'rigoniaschichten von Choroušek, Jung- 
bunzlau, Dolánek, Libuň, Chotzen, Brandeis a. d. Adler und Bóhm.-Trůbau 
vor; in den Bryozoenschichten von Živonín etc. 


d c | a 


Fig. 92. Exogyra conica Sow. Aus den Trigoniaschichten von Choroušek. a Von oben, % von 
unten, c das Schloss eines grossen Exemplars. Nat. Grósse. 


119 


, Exogyra (Ostrea) laciniata d'Orb. (D'Orb. III. pag. 159, Taf. 486, Fig. 1—3). 


Fig. 95 a, b, c. | 

Diese fiir die Iserschichten sehr bezeichnende Art kommt in etwas klei- 
neren Exemplaren vor, als das von D'Orbygni abgebildete ist, doch lásst 
die Gesammtform, die wellige Verzierung sowie die der Ex. haliotidea áhn- 
liche Deckelschale keinen Zweifel darůber, dass unsere Art mit der fran- 
zósischen identisch ist. Die ŠSteinkerne sind nach der bedeutenden Hóhe 
kenntlich. Diese Art ist in den Trigoniaschichten von Choroušek, Čejtic, 
Blatec, Libuň, Knížnic, Písnik, Chotzen, Brandeis a. d. Adler und Bóhm.- 
Trůbau háufig. In den Bryozoenschichten von Živonín kommt sie auch vor. 
In Frankreich kommt die Art selten im unteren Senon von Saintes (Cha- 
rante-Inferieure) vor. Im Deutschland auch in áhnlichem Niveau bei Achen, 
Caesfeld, Auedlinburg etc. 


Fig. 93. Exogyra laciniata d'Orb. aus den Trigonia-Schichten von Choroušek. a Unterschale von 


oben, d dieselbe von unten, c Oberschale eines anderen Exemplares. Nat. Grósse. 


Exogyra (Ostrea) Matheroniana dOrb. (Pal. Franc. Terr. Čret. III. pag. 737, 


Pl. 485, Fig. 6, 1, 8). — Fig. 94 a, b, c. 

Ausser der E. laciniata ist diese Art eine der bezeichnendsten fůr die 
Trigoniaschichten. Sie ist an der tiefen Furche kenntlich, welche sich unter- 
halb des Kieles der Unterschale hinzieht und auch am Šteinkern deutlich 
wahrzunehmen ist. 

Ausserdem ist der feingekerbte Manteleindruck (c) auch ein Kennzeichen, 
nach dem man selbst Fragmente der Schale erkennen kann. 

Unsere Exemplare stimmen mit der kleineren unverzierten Form úber- 
ein, welche D'Orbygni in Fig. 6, 7, 8 darstellt und welche er in Saintes 
gesammelt hat. In Frankreich ist diese Art fiůir das Senon des Sůdens und 
Westens bezeichnend. 

Bei uns kommt sie ziemlich háufig in den Trigoniaschichten von Cho- 
roušek, Jungbunzlau, Ohraženic, Rohosec, am Fusse des Bósig, in Knížnic, 
Chotzen, Koldín und Desna, in den Bryozoenschichten von Živonín ete. vor. 
Bei Libichov unweit Jungbunzlau, sowie am Fusse des Bósig und Roll ist 
sie untermischt zwischen die kleine massenhaft auftretende Varietát der 
O. hippopodium. 


120 


Ostrea diluviana Linné (Reuss II. pag. 38, Taf. 30, Fig. 16, 17. — Geinitz 
Elbthalgeb. pag. 176, Taf. 39, Fig. 1—3). — Big. 95 a, b, c. 

Da O. diluviana bei uns in Bohmen als ein Leitpetrefact fůr die ceno- 

manen Korycaner Schichten betrachtet wurde, so waren wir frůher geneist, 


Fig. 94. Exogyra (Ostrea) Matheroniana dOrb. a Unterschale von Choroušek, nat. Grósse. b Des- 
gleichen. c Fragment der Unterschale von innen mit dem gekerbten Manteleindruck. 


Fig. 95. Ostrea diluviana Linné, aus den Trigoniaschichten in der Náhe von Můnchengrátz. 
2 Nat. Grósse. a Oberschale von oben, d ein ganzes Exemplar von vorne, c Unterschale 
von innen. 


i 


121 


die áhnlichen in den aus den Trigoniaschichten stammenden Exemplaren die 
Ostrea santonensis d'Orb., welche aus den Senonen-Schichten Frankreichs 
als eigene Art angefihrt wurde, wiederzuerkennen. Zahlreiche schón erhal- 
tene Exemplare, welche wir aus der Gegend von Můnchenerátz erhielten, 
zeigten aber nicht den fůr O. santonensis als bezeichnend angefůhrten 
schmalen Schlossrand. Da úberdiess die Abtrennung der Arten (die mehr 
nach der Verschiedenheit des Alters der Fundorte aufgestellt wurden) keine 
Anerkennung findet und von Geinitz auch O. santonensis wieder zu O. dilu- 
viana gezogen wird, so můssen wir uns auch der Thatsache fůgen, dass 
diese cenomane Art plótzlich wieder in den viel jiingeren Iserschichten 
auftritt, 

Fragmente besitzen wir auch aus den Trigoniaschichten von Choroušek, 
Jungbunzlau und Chotzen. Die Exemplare von Můnchengrátz lagen in einer 
Masse, die aus lauter Coprolithen von Seeigeln besteht. 


Ostrea frons. Park. (Geinitz Elbthalgeb. II. pa«. 30, Taf. 8, Fig. 12). — Fig. 96 a, b. 


Sehr verschieden geformte kleine Austern aus der Verwandtschaft der 
O. carinata kommen bei uns sowohl in den Trigonia- als auch in den Bryozoen- 


b a 
Fig. 96. Ostrea frons Park. aus den Bryo- Fig. 97. Ostrea semiplana var. Kurze Va- 
zoenschichten v. Živonín. 2mal vergróssert. rietát aus den unteren Trigonia-Schichten 
a Oberschale von oben, » dieselbe von innen. bei Schirmdorf. Nat. Grósse. 


schichten vor. Man fihrt solche Formen meist unter dem Namen 0. frons 
an, welche nach Geinitz auch durch Uebergánge mit O. carinata verbunden 
sein soll. Manche Exemplare áhneln auch Jugendzustánden von O. semiplana. 
Wir besitzen Exemplare von Choroušek, Čejtic, Jungbunzlau, Písnik, Knížnic, 
Chotzen, Bóohm.-Trůbau, Brandeis a. d. Adler etc.; aus den Bryozoenschichten 
von Živonín etc. | 


Ostrea semiplana Sow. (W. Sch. pag. 141, Fig. 138). — Fig. 97 var. 


Normale Exemplare kommen an vielen Orten in den Trigoniaschichten 
vor. Oft zeigt sich, dass sie gruppenweise an den Stángeln irgend eines 
Spongiten oder Fucoiden angewachsen waren (Chotzen). 

Eine fast gleich breite als lange Varietát (Fig. 97) kommt ziemlich 
constant in den tieferen Lagen der Trigoniaschichten vor und scheint einen 
gewissen Horizont anzudeuten. 


122 


Ostrea Hippopodium Nilss. (W. Sch. pag. 140, Fig. 137). — Fig. 98. 

Eine kleine Varietát kommt stellenweise in grosser Menge als kleine 
Austernbank vor, z. B. am Fusse des Bósigberges und bei Libichov (unweit 
Jungbunzlau) und zwar in dem Gestein, wo auch Serpula socialis so háufig 
ist. Gróssere gewoóhnliche Exemplare, sowie die vesicularis-Form kommen 
in den Trigoniaschichten in Choroušek, Dolánek, Knížnic, Písnik, Chotzen, 
Koldín, Brandeis a. d. Adler und Bóhm.-Trůbau vor. 


Fig. 98. Ostrea Hippopodium Nilss. 


Fig. 99. Anomia? sp. aus 
dem Sandstein v. Auscha. 
2mal vergróssert. 


Anomia subtrunecata d'Orb. (W. Sch. pag. 141, Fig. 139). 
Ziemlich háufig in den Trigonia- und Bryozoenschichten fast an allen 
grůndlicher untersuchten Localitáten. 
Anomia semiglobosa Gein. (W. Sch. pag. 142, Fig. 141). 
Einzeln in den Trigoniaschichten von Chotzen und Bóhm.-Trůbau. 
Anomia subradiata Reuss (W. Sch. pag. 143, Fig. 143). 

Sehr schóne grosse Exemplare, welche bei einer monographischen Be- 
arbeitung eine besondere Beachtung verdienen werden, lieferten die Trigonia- 
schichten von Chotzen und die Sammlung des Herrn Apothekers Hlaváč 
enthált eine Prachtgruppe an einer Limaschale aufeewachsen. Einzeln kommt 
die Art in Choroušek, Čejtic, Desna und Bóhm.-Trůbau vor. 

Anomia? sp. — Fig. 99. 

Eine flach gewólbte radial gerippte Anomia, von der man schwer ent- 
scheiden kann, ob die Form nicht von der Muschel abhángig ist, auf welcher 
die Art befestigt war, fand sich im Ouadersand bei Auscha und ein anderes 
Exemplar, wahbrscheinlich die Unterschale, in Brandeis a. d. Adler. 

Etwas Aehnliches fůhrt Stolička als Anomia variata aus der Arioloor- 
Gruppe an. 

Anomia imitans Fr. (W. Sch. pag. 142, Fig. 140). 


Einige Exemplare kamen in den tieferen Lagen der Trigoniaschichten 
bei Chotzen vor. 


Brachiopoda. 


Magas Geinitzii Schl. (W. Sch. pag. 145, Fig. 148). 
Kommt einzeln an wenigen Localitáten der Trigoniaschichten in Cho- 
roušek, Košátek, Chotzen und Bóhm.-Trůbau vor. Etwas háufiger in einer 


1253 


Schichte des Čejticer Profils (Seite 41, Flg. 23). In den Bryozoenschichten 
von Zivonín, Vtelno ete. auch nur sehr sparsam. 


Rhynchonella plicatilis Sow. (W. Sch. pag. 144, Fig. 140). 
Bildet eine máchtige Bank zuerst in den Byšicer Uebergangsschichten 

an der Basis des ersten Kokořiner Guaders, z. B. bei Zimoř (Seite 9). 
Stellenweise kommen auch an Rhynchonellen reiche Schichten auch hóher 
im Zwischenpláner, sowie in den hóheren Lagen der Trigoniaschichten 
(Choroušker Profil pag. 30, Fig. 17, Lage 6, 8) vor. Die Exemplare aus 
den Byšicer Schichten sind die gróssten, nach oben hin werden sie immer 
schwáchlicher. 

© Rhynchonella Cuvieri Schl. (Geinitz Elbthalgeb. II. pag. 27, Taf. 7, Fig. 12, 13). 

| Big. 100. 

Kleine Exemplare dieser Art kommen als Seltenheit in den Bryozoen- 
schichten von Vtelno in Gesellschaft mit R. Mantelliana vor, ganz áhnlich 
wie in den Teplitzer Schichten bei Koštic. Dadurch, dass diese von Geinitz 
bloss als Varietát der R. plicatilis betrachteten Formen bei uns in Boóhmen 
| einen gewissen Horizont bezeichnen, verdienen sie eine besondere Beachtung. 


Fig. 100. Rhynchonella Cuvieri Schl. Fig. 101. Rhynchonella Mantelliana 
aus den Bryozoenschichten v. Vtelno, aus den Bryozoenschichten v. Vtelno, 
4mal vergróssert. | vergróssert. 


Rhynchonella Mantelliana Gein. (Reuss Verst. II. pag. 48, Taf. 25, Fig. 21, 22, 
Geinitz Elbthalgeb. II. pag. 27, Taf. 7, Fig. 11). — big. 101. 
Sehr selten mit der vorigen Art in den Bryozoenschichten von Vtelno. 
Terebratula sp. Ein Bruchstůck einer grossen Terebratula aus der Verwandt- 
schaft der T. nerviensis d'Arch. wurde in den Trigoniaschichten von Do- 
lánek (Seite 46, Fig. 25, 2) gefunden. 


124 


Bryozoa. 


Bezůglich der Bryozoen verweise ich auf das Náhere an die Arbeit des 
Dr. Ot. Novák: „Beitráge zur Kenntniss der Bryozoen der bóhm. Kreideforma- 
tion.“ Denkschriften der k. Akademie der Wissenschaften. Wien 1877. (Auch als 
Separatabdruck zu haben.) 

Die Abbildungen, die ich hier beniitzte, sind dem Werke des Hrn. Dr. Novák 
entnommen. 

Ausser den hier angefiihrten Arten entdeckte Herr Pražák seit der Publica- 
tion des Hrn. Dr. Novák noch eine Reihe von Bryozoenarten, welche erst griůndlich 
untersucht werden můissen. 


Hippothoa labiata Nov. (Taf. III. Fig. 1—5, page. 10). — Fig. 102. 
Kommt in den Trigoniaschichten von Choroušek in den Lagen 2, 3 und 5 
und schon im Zwischenpláner vor. 
Biflustra Pražáki Nov. (Novák Beitráge pag. 18, Taf. III. Fig. 20—25). — Big. 105. 
Eine der háufigsten Arten sowohl in den Trigonia- als auch in den 
Bryozoenschichten. Aus den ersteren besitzen wir sie von Choroušek, Čejtic, 
Jungbunzlau, Chotzen, Brandeis a. d. Adler etc., aus den letzteren von 
Živonín, Vtelno, Gross-Újezd etc. 


Fig. 102. Hippothoa labiata Nov. A in nat. Fiw, 103. Biflustra Pražáki Nov. von Cho- 


Grósse. B Vergróssert von oben. C Seit- roušek. „A Nat. Grósse. B Vergróssert. 
liche Ansicht einer vergrósserten Zelle. C Auerschnitt. D Eine Zelle stark ver- 
gróssert. 


Diastopora acupunectata Nov. (Taf. VI. Fig. 1—14, pag. 23). — Fig. 104. 
Kommt schon in den Korycaner Schichten von Kamaik vor. In den 
Trigoniaschichten von Choroušek (1) und in den Bryozoenschichten von 
Gross-Újezd, Živonín etc. 
Proboscina Bohemica Nov. (Novák Beitráge pase. 25, Taf. V. Fig. 24, 25). — 
Fig. 105. 
Kam auf einer Austernschale in den Bryozoen-Schichten von Gross- 
Újezd vor. 
Proboscina Suessi Nov. (Novák Beitráge pag. 27, Taf. V. Fig. 14—19). 
Tritt schon in Kamaik auf und kam nun auch in den Bryozoenschichten 
von Gross-Újezd vor. 


125 


Entalophora Geinitzii Reuss. (Nov. Beitráse pag. 31, Taf. VII. Fig. 1—10). — 
Fig. 106. 
Háufig in den puaRěnšáhotiohné von Choroušek und in den Bryozoen- 
| schichten von Vtelno und Gross- -Újezd. 


- Fig. 104. Diastopora acupunctata Nov. a Nat. Grósse, b eine Gruppe Zellen vergróssert, c drei 
Zellen stark vergróssert. 


Fig. 105. Proboscina Bohemica Nov. aus den Bryozoenschichten von Gross-Újezd. a in nat. Gr. 
b Vergróssert. 


Fig. 106. Entalophora Geinitzii Reuss. a Aus den Bryozoenschichten von Vtelno, in nat. Grósse. 
b Vergróssert. 


Entalophora raripora d'Orb. (Nov. Beitráge pag. 32, Taf. VIII. Fig. 1—5, Taf. X. 
Fig. 1—2). — Fig. 107. 
Gehórt zu den Arten, welche bisher bloss in den Bryozoenschichten bei 
uns vorkamen. 


1206 


Spiropora verticillata Goldf. sp. (Nov. Beitráge pag. 34, Taf. VIII Fig. 7—12). 
Fig. 108. 
Diese Art fand schon Prof. Reuss in den cenomanen Schichten von Weiss- 
kirchlitz und den Schillingen bei Bilín. Wir besitzen sie bloss aus den Bryo- 
zoenschichten von Hlavno, Gross-Újezd, Živonín und Vtelno. 


Fig. 107. Entalophora raripora d'Orb. aus den Bryozoenschichten von Gross-Újezd. 


Fig. 108. Spiropora verticillata Fig. 109. Truncatula tenuis Nov. aus den Bryozoen- 
Goldf. Aus den Bryozoen-Sch. Schichten von Gross-Ujezd. 
von Gross-Ujezd. 


Fig. 110. Heteropora magnifica Nov. Fig. 111. Petalophora seriata Nov. von 
aus den Trigoniaschichten von Bran- Choroušek. a Nat. Grósse, b vergróssert. 
deis a. d. Adler. 


i 


! 


121 


Truncatula tenuis Nov. (Nov. Beitráge pag. 37, Taf. X. Fig. 9—14). — Hig. 109. 
Kommt schon in den tiefsten Lagen der Trigoniaschichten (1) vor und 
dann in den Bryozoenschichten von Hlavno, Živonín und Vtelno. 
Heteropora magnifica Nov. (pag. 39, Taf. IX. Fig. 1, 2). — Fig. 110. 
Bildet in den tiefen Lagen der Trigoniaschichten bei Dolánek (Profil 
Fig. 29) faustgrosse Knollen und kommt auch sonst in grossen Exemplaren 
in Brandeis a. d. Adler und in Rovensko vor. 
Petalophora seriata Nov. (Novák Beitráge pag. 41, Taf. IX. Fig. 21—28, Taf. X. 
Fig. 3—4). — Fig. 111. 
Sehr verbreitet in den Iserschichten sowohl in den Trigonia-Schichten 
(1, 5, 7) als auch in den Bryozoen-Schichten von Hlavno, Živonín, Gross- 
Újezd, sowie in Lindenau béi Bohm.-Leipa. 
Osculipora plebeia Nov. (pag. 36, Taf. X. Fig. 16—34). 
Wurde unlángst von Herrn J. Pražák auch in den Bryozoen-Schichten 
von Živonín entdeckt. 


Crustacea. 


Ich besitze drei Krabbenschilder aus den Trigoniaschichten von Jungbunzlau, 
Bóhm.-Trůbau und Landskron (von H. Em. Erxleben), welche bereits auf einer 
Tafel des von mir vorbereiteten Werkes úber Crustaceen der bóhm. Kreideforma- 
tion abgebildet sind, die ich aber jetzt noch nicht mit Namen zu bezeichnen im 
Stande bin. 


Callianassa antigua Otto (Geinitz Auadersandsteingeb. Taf. II. Fig. 2—5. — 
Fr. úber die Callianassen der boóhm. Kreideform. Abhandl. der k. b. Gesell- 
schaft der Wissensch. Band XV. 1867 pag. 7, Taf. II. Fig. 1—06). — Fig. 112. 
Diese Crustacee, welche uns stellenweise Massen von Šcheeren in den 
Ablagerungen der Iserschichten hinterlassen hat, wurde bisher in der Gegend 
von Choroušek nicht nachgewiesen und es ist daher noch ungewiss, in welcher 

Lage des Profiles sie hauptsáchlich auftritt. 


Fig. 112. Callianassa antigua Otto. Ein fast ganzes Exemplar aus den Trigoniaschichten von 
Bóhm.-Trůban. Nat. Grósse. 


128 


Man trifft sie zuerst in einem Šteinbruche sůdlich von Kuttenthal und 
dann úberall im Iserthale von Zámost bis Turnau. Bei Dolánek (Profil 
Fig. 25) úberzeugte ich mich, dass ihr háufigstes Auftreten in den hoheren 
Lagen der Trigoniaschichten unterhalb der Exogyrenbank zu suchen ist, also 
etwa Nro. 5 des Choroušker Profils. Bei Chotzen liegen im Báč's Steinbruch 
die Callianassen meist unterhalb der an Lima multicostata und Hemiaster 
plebeius reichen Schichten, in Leitomischel, oberhalb der Exogyrenbank. 
Ganze Exemplare fand ich bloss bei Bóohm.-Trůbau gegen Abtsdorf hin. 

Ausser den schon genannten Localitáten fand ich diese Art bei Čejtic, 
Jungbunzlau, Bakov, Sichrov, Ohraženic, Rohosec, Koldín, Brandeis an der 
Adler, Písnik bei Bohm.-Leipa, Lindenau etc. 


Vermes. 


Serpula socialis Goldf. (S. filiformis Sow.) (Reuss Verst. I. pag. 20, Taf. 5, Fig. 206, 


Geinitz Elbthalgeb. II. pag. 200, Taf. 37, Fig. 2). — Big. 115. 

Diese sehr verbreitete Art tritt in den Trigoniaschichten schon in der 
1. und 2. Lage bei Choroušek auf, erscheint aber in Menge erst in den 
jingeren Lagen; so z. B. bei Zámost oberhalb des Podvinecer Bausteins 
Profil Fig. 22) bei Chotzen in den hochsten Partien des Báč's Steinbruches, 
dann bei Bóhm.-Trůbau und Desna. 


Fig. 113. Serpula socialis Goldf. aus den Trigoniaschichten von Jungbunzlau. Nat. Grósse. 


Serpula ampulacea Sow. (Reuss I. pag. 20, Taf. 5, Fig. 22, Taf. 24, Fig. 6, 7. 


Geinitz Elbthalgeb. I. pag. 284, Taf. 63, Fig. 10—12. II. Taf. 37, Fig. 6—9). 
Fig. 114. 

Kommt einzeln in Choroušek, Jungbunzlau, Chotzen und Bóhm.-Trůbau 
vor. Die áusserste Schale bleibt meist am Gestein hángen, so dass man 
bloss die tiefere Schichte oder den Steinkern herausbekommt. 


Serpula macropus Sow. (S. triangularis Goldf. Pl. 70, Fig. 4. Geinitz Elb- 


thalgeb. II. pag. 201, Taf. 37, Fig. 10—12). — Fig. 115. 
Diese am Durchschnitt dreieckige Art findet sich meist an der Innenfláche 
der Schale grosser Ammoniten, Nautilen, Inoceramen u. s. w. angewachsen, 


= 27 S 


129 


so dass die Steinkerne derselben die breite Basis der Serpularohre an ihrer 
A Oberfláche zeigen. Exemplare mit Schale sind selten in Choroušek, Dalovic, 
| Chotzen und Písnik. 


bad 
| 
| = 
a b 
Fig. 114. Serpula ampulacea Sow. von Fig. 115. Serpula macropus Sow. aus den Tri- 
Choroušek. a Nat. Grósse, b Fragment goniaschichten von Choroušek. a Nat. Grósse, 
d. Schale vergróssert, die Mittelschichte b ein Fragment der Schale vergróssert. 
zeigend. 


Serpula gordialis Schlott. (Goldfuss T. 71, Fig. 4, Reuss I. pag, 19, Taf. 22, 
Fig. 11, Geinitz Elbthalgeb. II. pag. 200, Taf. 37, Fig. 3, 4). 
Selten in Choroušek und Brandeis a. d. Adler. 


Echinodermata. 


Die hier angefůhrten Arten wurden von Dr. O. Novák bestimmt und nach 
'Tafeln, welche derselbe fůr ein grosses Werk úber die Echinodermen der bóhm. 
Kreideformation angefertigt hat, gezeichnet. Einen vorláufigen Bericht veróoffent- 
lichte Dr. Novák úber die Echinodermen der Iserschichten in den Sitzungsberichten 
der k. bóhm. Gesellschaft der Wissenschaften 10. November 1882. Das Material 
verdanken wir grósstentheils dem Herrn Landtagsabgeordneten J. Pražák. 


Antedon sp. Sowohl Stielglieder als auch die als Glenotremites bekannte Basis 
des Kelches wurden, obzwar sehr selten, in den Trigonia- und Bryozoen- 
schichten der Umgebung von Choroušek gefunden. 

Cidaris ef. Vendocinensis Ag. — Fig. 116. 

Ein ganzes wohlerhaltenes Exemplar wurde vor Jahren in den tieferen 
mergligen Lagen der Iserschichten in Sedlovic bei Sichrov gefunden. 


Fig. 116. Cidaris cf. Vendocinensis Ag. von Sedlovic bei Sichrov. Eine Tafel in nat. Grósse. 


(Cidaris subvesiculosa d'Orb. Stacheln fanden sich bei Choroušek und Chotzen. 
Cyphosoma radiatum Sorig. (Geinitz Elbthalgeb. II. pag. 8, Taf, 2, Fig. 7—10). 
Ganze Exemplare in den Trigonia-Schichten von Choroušek und den 


Bryozoenschichten von Zivonín etc. 
9 


130 


Cyphosoma sp. Eine áhnliche, aber in der Form der Porenreihen abweichende 
Art. Kommt mit der vorigen, ausserdem auch bei Bóhm.-Trůbau vor. 


Glyphocyphus sp. Kleine Exemplare dieser Gattung fand Herr Pražák bei Cho- 
rušic, Živonín, Vtelno und Gross-Újezd. 


Fig. 117. Holectypus Turonensis Desor. aus den Bryozoenschichten von Živonín. Nat. Grósse. 
a Von oben, b von unten. 


Holectypus Turonensis Desor. — Fig. 117. 
Mehrere Exemplare liegen aus den Bryozoenschichten von Živonín vor. 
Cardiaster ananchytis d'Orb. (Geinitz Elbthalgeb. II. pag. 10, Taf. 3, Fig. 4, 
Taf. 4, Fig. 7). — Fig. 118. 
Einzeln in den Trigoniaschichten von Husovodol bei Choroušek, in 
Chotzen und Bóhm.-Trůbau, sowie in den Bryozoenschichten von Vtelno. 
Holaster elongatus Nov. Eine neue Art aus den Bryozoenschichten von Vtelno. 


a b 


Fig. 118. Gardiaster ananchytis d'Orb. aus den Trigoniaschichten von Chotzen. Nat. Grósse. 
a Von oben, b von vorne. 


Micraster Michelini Ag. — F%g. 119. 

Eine fůr die Iserschichten sehr bezeichnende Art. Findet sich sowohl 
in den Trigoniaschichten von Choroušek, Čejtic, bei Jungbunzlau und in 
Knížnic. Massenhaft mit Hemiaster plebeius bei Chotzen, aber stets ohne 
Schale. Auch in den Bryozoenschichten von Živonín und Vtelno. 

Hemiaster plebeius Nov. — Fig. 120. 

Eine sehr verbreitete und háutige Art; kommt mit der vorigen Art an 
denselben Localitáten vor. Wáhrend des Schotterschlagens kann man bei 
Chotzen Hunderte von Šteinkernen von den Arbeitern erhalten. 


131 


"Catopygus Pražáki Nov. Eine neue Art aus den Bryozoenschichten von Vtelno. 
Catopygus Albensis Gein. (Geinitz Elbthalgeb. II. pas. 9, Taf. 3, Fig. 1). — 
Pig. 121. 
In den Trigoniaschichten von Choroušek, Záměkt Bohm.-Trůbau und 
Desna; in den Bryozoen-Schichten von Vtelno und Živonín. Diese Art 
kommt bei uns bereits in den Korycaner und Malnitzer Schichten vor. 


Fig. 120. Hemiaster plebeius 


Fig. 119. Micraster Michelini Ag. Steinkern aus den Tri- Nov. Steinkern aus den Tri- 
der Seite. Nat. Grósse. 


: goniaschichten von Chotzen. Nat. Gr. a Von oben, von goniaschichten von Chotzen. 
| 


Catopysus fastigatus Nov. — Fig. 122. 
Eine neue Art, welche schon in den Malnitzer Schichten auftritt, 
im Zwischenpláner sich wiederholt, dann in den Trigoniaschichten von Cho- 
roušek und Husovodol, in den Bryozoenschichten von Živonín und Vtelno 
vorkommt. 


Fig. 121. Catopygus Albensis Gein. von Choroušek. a Von oben bd von der Seite. Nat. Gr. 


: a 
| Fig. 122. Gatopygus fastigatus Nov. von Choroušek. Nat. Grósse. a Von oben, d von der Seite. 


Nuecleolites bohemicus Nov. — F%g. 125. 

Diese Art, welche wir frůher bei Hiůchtiger Betrachtung fůr den Cassi- 
dulus lapis cancri hielten, verleitete uns seinerzeit die Iserschichten mit 
dem Exogyrensandstein von Malnitz parallelisiren zu wollen. Sie kommt in 

9* 


den Trigoniaschichten von Choroušek und ziemlich háufig in den Bryozoen- 
schichten von Živonín, Vtelno, Kanina, Gross-Újezd und Sedlec vor. 
Caratomus Laubei Nov. — Hg. 124. 
Kommt schon in den Trigoniaschichten von Choroušek, hinnc in den 
Bryozoenschichten von Živonín, Gross-Újezd, Kanina, Sedlec und Vtelno vor. 


Fig. 124. Caratomus Laubei Nov. aus den 
Bryozoen-Schichten v. Vtelno. a Von unten, 


Fig. 123. Nucleolites bohemicus Nov. aus b von oben 2mal vergróssert. 
den Bryozoenschichten von Zivonín, 5mal 
vergroóssert. 


Stellaster (Asterias) tubereulifera Drescher. (Ueber die Kreidebildungen der 
Gegend von Lówenberg, Zeitschr. der deutsch. geol. Ges. Band XV. pag. 360, 
Taf. VIII. Fig. 5). — Big. 125. 
Ein fast ganzes Exemplar erhielten wir vom Herrn Ober-Ingenieur 
Swoboda, welcher es bei Bohm.-Trůbau gesammelt hat. Dem Gestein nach 
stammt das Exemplar aus den tieferen Trigoniaschichten aus einem Ein- 
schnitte zwischen Bóohm.-Trůbau und Wildenschwert. 


a 


Š 


Fig. 125. Stellaster (Asterias) tuberculifera Drescher. Von Bohm.-Trůbau. Nat. Grósse. 


133 


Coelenterata. 


Micrabatia coronula Goldf. sp. Einzeln in den Trigoniaschichten v. Choroušek, 


Chotzen und Lindenau. 


PPlocoseyphia labyrinthica Reuss. (Verst. der bóhm. Kreideform. II. pag. 11, 


Taf. 18, Fic. 10). — F%g. 126. 

Tritt háufig in den tieferen Lagen der Trigoniaschichten bei Chotzen 
auf, wo aber ihre Masse meist ©anz zerstórt ist und man nur nach der 
Hónlung in dem plánrigen Gestein auf die ehemalige Form des Schwammes 
schliessen kann. Bei Untersuchung des geschlemmten und mit Salzsáure 
práparirten Inhaltes dieser Hohlungen erhált man die fůr diese zu den 
Hexactinelliden gehórige Gattung charakteristischen Kieselgebilde. 


P 


Fig. 126. Plocoscyphia labyrinthica Reuss. a Hóhlung nach derselben, ?/, nat. Grósse. b Kiesel- 


gebilde aus der Hóhlung stark veroróssert. 


Hexactinellidae gen. indet. Zusammen mit der Plocoscyphia kommen auch 


walzenfórmige bis 10 cm. lange Spongien vor, welche stark durch Braun- 
eisenstein zerstort sind und nur schwache Spuren von Kieselgebilden 
lieferten, welche auf ihre Stellung bei den Hexactinelliden hinweisen. 

Andere unregelmássic walzenfórmige Spongien kommen háufig in den 
olauconitischen Trigoniaschichten beim Friedhofe in Chotzen vor, Wo sie 
alle horizontal liegen und bis 20 cm. Lánge erreichen. Herr Ph. Počta, 
welcher sich nun eingehend mit dem Studium dieser Schwámme bescháftigt, 
vermuthet, dass sie zur Gattung Isoraphinia gehóren. 


Ventriculites angustatus Róm. sp. (Scyphia angustata Róm., Reuss Verst. II. 


pas. 74, Taf. 17, Fig. 11). 
Háufig in den zur Ackerkrume verwitterten Bryozoenschichten bei 


Bezno (Jungbunzlau). 


134 


Ventriculites radiatus Mant. (Cribrospongia radiata, Geinitz Elbthalgeb. II. 


pag. 3, Taf. 1, Fig. 1, 8. — ŠScyphia radiata Reuss Verst. IL pag. 14,' 
Taf. 17, Fig. 14). 


In den glauconitischen Trigoniaschichten beim Friedhofe in Chotzen, 

sowie in den Dryozoenschichten von Nemeslovic und Bezno. 

Vioa Exogyrarum Fr. Die Schalen der Exogyren, welche von diesem Bohr- 
schwamm angegriffen sind, zeigen auf der Oberfláche runde Oeffnungen 

von 3—4 mm. Durchmesser in ziemlich regelmássicen Abstánden von ein- 
ander, so dass es das Aussehen hat, als wáren sie mit Schrott angeschossen. 


Fig. 127. Vioa catenata Fr. In einer Limaschale bohrend. Von Desna. Nat. Grosse. 
Vioa catenata Fr. — /%g. 127. 

In den Schalen der Lima canalifera bei Desna, Bohm.-Trůbau und Da- 
lovic fand ich netzfórmig verástelte Bohrschwámme, welche durch knoten- 
artige Anschwellungen ein kettenfórmiges Aussehen bekommen. Ob diese 
Bohrschwámme identisch sind mit Clyona Conybearei Bronn sp., von welcher 
Geinitz (Elbthalgeb. II. pag. 233, Taf. 36, Fig. 6, T) erwáhnt, dass sie auf 
Steinkernen von Lima vorkommt, můssen erst genaue Untersuchungen sicher- 
stellen. Der Gesammthabitus ist bei unseren Exemplaren ein ganz ver- 
schiedener. 


Fig. 128. Spongites saxonicus Gein. Aus den Trigoniaschichten von Jungbunzlau. Nat. Grósse. 


Vioa miliaris Fr. Neben der Vioa Exogyrarum kommen noch bei Choroušek 
Bohrschwámme vor, welche an der Oberfáche nur sehr feine dichtstehende, 
wie Nadelstiche aussehende Oeffnungen hinterliessen. 


Eine eingehende Untersuchung dieser beiden Bohrschwámme wird von 
H. Počta durchgefůhrt werden. 


135 


- Spongites saxonicus Gein. (Elbthalgeb. I. pag. 21, Taf. 1). — Fig. 128. 
| Kommt in allen Lagen der Iserschichten vor, aber unsere Exemplare 
sind nicht so gut erhalten, um zur definitiven Lósung der Frage, ob diess 
wirklich ein Schwamm sei, verwendet werden zu kónnen. 
An den birnfórmigen Anschwellungen gewahrt man oben eine hóckrige 
Oberfláche und an der unteren Fláche (Ohraženic) zieht sich der Lánge 
nach eine schmale rundliche Leiste, welche sich auch auf die sich dicho- 
tomisch geweihartig verzweigenden Aeste verfolgen lásst. 


Eoraminifera. 


Flabellina elliptica Nilss. (W. Sch. pag. 149, Fig. 152). 
Selten in den obersten Lagen der Trigoniaschichten von Choroušek, 
Čejtic, Ohraženic, Chotzen und Desna. 
Frondicullaria sp. Sehr selten in den Trigoniaschichten von Brandeis a. d. Adler. 
Cristellaria rotulata Lam. (W. Sch. pag. 149, Fig. 154). 
Einzeln in den hóchsten Lagen der Trigonia-Schichten von Chotzen. 
Ausser diesen drei grósseren Arten zeigen sich beim Schlámmen von 
meroligen Lagen zahlreiche kleine Foraminiferen-Arten, zu deren Bearbei- 
tung aber jetzt nicht geschritten werden konnte, da dieselbe nur im Zu- 
sammenhang mit allen Foraminiferen unserer Kreideablagerungen nutzbrin- 
gend werden kann. 


Plantae “*? 


Fucoides funiformis Fr. — /%g. 129. 

Unter diesem Namen fasse ich zweierlei sehr verschiedene Gebilde zu- 
sammen; erstens flache strickfórmige, sich verzweigende, oft wie ein Geweih 
aussehende Aeste und zweitens knollige bis fausterosse kegelfórmige, in der 
Mitte genabelte Hócker, von denen die langen Aeste entspringen. Ich hatte 
fůr diese Hócker, welche in dem Adlergebiete in den tieferen Trigonia- 
schichten sehr verbreitet sind, schon einen hůbschen Namen Fucotruncus 
umbonatus vorbereitet, als ich an mehreren Exemplaren, von denen ich in 
Fig. 129 f eins abbilde, mich úberzeuste, dass diess nur die Štamm- oder 
Wurzelhócker der strickfórmigen Aeste sind. 

Die Basis der Hócker, nach deren Abschlagen von dem Gestein, aus 
dem sie hervorragen, zeigt ein schwammiges Aussehen (Fig. 129e); es ge- 
lang aber nicht, irgend welche Kieselgebilde darin nachzuweisen. 

Spátere Untersuchungen werden erst dieses ráthselhafte Gebilde auf- 
kláren. 

Fucoides? columnaris Fr. — Fig. 190. 

So bezeichne ich vorderhand sáulenfórmice Kórper mit runzliger Ober- 
fláche, welche in den máchtigen Bánken der sandig-kalkigen Iserschichten 
senkrecht bis 1 Meter und mehr sich verfolgen, nicht dichotomiren und 
von ganz rundem oder nur schwach comprimirtem Auerdurchmesser sind. 


136 


Bei Betrachtung dieser eigenthůmlichen Erscheinung, wie man sie bei 
Alt-Benatek, Sušno, Zamost u. s. w. zu beobachten Gelegenheit hat, kam 
ich auf den Gedanken, dass diess Wurmróhren von irgend einer riesigen 
Arenicola selen. Der Umstand, dass die Basis dieser Sáulen aber etwas 
gekrůmmt und erweitert zu sein pflegt, spricht eher dafir, dass diess 
Planzenstángel sein důrften. 


Fig. 129. Fucoides funiformis Fr. « Ein sich verzweigender strickformiger Ast, '/, nat. Grósse. 

b Fragment desselben mit (Yuerrunzeln, nat. Grósse. c Auerschnitt, nat. Grósse. d Wurzelhócker 

mit Nabel von oben, nat. Grósse. e Schwammige Basis des Hóckers. f Ein genabelter Hócker, 

von dem ein strickfórmiger Ast entspringt, '/; nat. Gr. (Alles aus den tieferen Trigoniaschichten 
beim Friedhofe in Chotzen.) 


Fucoides cauliformis Fr. — Fťg. 191. 

Comprimirte hohle Stángel mit unregelmássigen Lángsfurchen áhneln 
aufallend den getrockneten Stángeln grosser Laminarien und ich bin hier 
fest úberzeugt, dass wir es hier mit einem Pflanzenreste zu thun haben. 
Diese Gebilde halten einen ganz genauen Horizont Nro. 5 des Choroušker 
Profils ein und sind in der Umgebung von Choroušek nicht selten. 

Fucoides? strangulatus Fr. (Hamites strangulatus dOrb., H. intermedius Gein.) 
Fig. 152. | 

Dieses ráthselhafte Ding wurde nach dem im Ouader der Chlomeker 

Schichten bei Neusorge vorgefundenen Exemplar als ein Hamites beschrieben. 


131 


Unsere Exemplare aus den Iserschichten lassen keine Spur von Lobenzeich- 
nung erkennen, dafůr aber einen lichtgriůinen erdigen Ueberzug, wie er ofters 


k 
' 
JN in den Teplitzer Schichten an entschieden pflanzlichen Resten vorkommt. 
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bř 
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| 
| 
i Fig. 130. Fucoides columnaris Fr. Fig. 131. Fucoides cauliformis Fr. a Fragment mit 
-Fragment in nat. Gr. von Chotzen. ausgefůllter Hóohlung von Choroušek, nát. Grósse. 
M b Guerschnitt. 
; , 


os 


VÁ 
x 
> 


Fig. 132. Fucoides? strangulatus Fr. « Aus den Trigoniaschichten von Leitomischel, > von Cho- 
roušek, c von Schellesn. Nat. Grósse. 


Auch die ganze Form des besten Exemplares aus der Gegend von Leito- 
mischel lásst eher einen gekerbten Fucoidenstángel als ein Cephalopoden- 
ceháuse vermuthen. Ich fand diese Versteinerung an der Basis des ersten 
Kokořiner Auaders bei Schellesn, Herr Pražák bei Choroušek, Prof. Bárta 
bei Leitomischel. 


Schlussbemerkunc. 


K 


Ueberblickt man die Fauna der Iserschichten und verseleicht dieselbe mit 
den zunáchst álteren Weissenberger und Malnitzer Schichten, so ist vor Allem 
die viel geringere Anzahl von Haifischen auffallend, deren Vorkommen zumeist 
nur auf sehr vereinzelnte Funde beschránkt ist. Auch die úbrigen Fischreste 
kommen nur selten an wenigen Localitáten vor. 

Von Cephalopoden ist bloss Ammonites peramplus allgemein verbreitet und 
das in kráftigen, oft riesigen Exemplaren, alle iúbrigen kommen nur einzeln vor. 

Unter den Gastropoden ist nur Turritella Fittoniana eine immer wieder- 
kehrende Erscheinung und Turbo Goupilianus war den Weissenberger und Mal- 
nitzer Schichten ganz fremd, obzwar ganz dhnliche Formen schon in den Kory- 
caner Schichten vorkommen. 

Die Pelecypoden sind sehr vorherrschend, Crassatella, Cyprina, zahlreiche 
Lima- und Exogyra-Arten treten in den Vordergrund. Auffallend ist das stellen- 
weise Vorkommen der cenomanen Ostrea diluviana, sowie das Fehlen der echten 
Exogyra columba, welche hier durch E. conica vertreten wird. 

Brachiopoden sind mit Ausnahme der Rh. plicatilis sehr selten, dafůr die 
Bryozoen in den jůngeren Schichten sehr háufig und weit verbreitet. Von Cru- 
staceen tritt bloss Callianassa massenhaft auf, wáhrend Enoploclythia ganz zurůck- 
getreten ist, um dann in den jingeren Teplitzer Schichten wieder zu erscheinen. 

Unter den Wůrmern ist Serpula socialis zu erwáhnen, welche in keiner an- 
deren Schichte der bohm. Kreideformation so massenhaft vorkommt, als in manchen 
Lagen der Iserschichten. 

Zinen grossen Reichthum an Arten und Individuen weisen die Echinodermen 
auf, welche in den zunáchst tieferen Schichten sehr vereinzelnt vorkamen. 

Von Foraminiferen kommen nur 3 gróssere Arten sehr selten vor, wáhrend 
Schlámmungen an manchen Stellen die gewóhnlichen mikroskopischen Formen 
genug háufig erkennen liessen. 

Ausser den zweifelhaften fucoidenartigen Resten kommen Pflanzenreste meines 
Wissens gar nicht vor. 

(Bernstein wurde von Herrn Pražák bei Krp nachgewiesen.) 


i 


Alphabetisches Verzeichniss der untersuchten Localitáten. 


maart 438 oa 98 4 


- Adersb 


Auscha 


| Blatec 


aebh-;": 


Z P O 


Neu-Benatek . 
Alt-Benatek .. . 


Bodisch 


Bósig 


Brandeis a. d. Adler 


Braunau 


9 Brozán 


ek 


Choroušek . K: po Sa 


Chotovis . 
Chotzen . 
> Cuclava 


Desna 


Dolánek 
Dolečka 
Drei Kater 


oby vu dí vad dh o VMC 


ala P ea, jsm eb **é 


28 Ja 00 "0,000 A 


a" sele) "* n, ře 


Habichtstein ... 


Harbasko 


Hlavno 


Hledseb .... 
Hieronymberg 


SHADOVO, "4" "ŠJ 


Hrádek . ; 
Husovodol...... 


Jiřic 


0, o kw -we 


| Lindenau 


LSL LL 


Jungbunzlau . . 
Jung-Koldín . 
Kaliště 
Kadlin 
Kanina 
Kerhartic 
Klopoty . 
KMC Us ke 
Kokořít < ..*. 
Konětop .... . 
Košátek . . 
Kovánec. . 
Kovan .“- 
Pndskron/ 412 
Leitomischel . 
Libichov 

DUN < 


a, 7, W 0., "0 


Zása i- 
Loučkov.. . 
Lochtuš 

EB šáka (s 0 1/01 ode 5 v 
Můnchengrátz 
Neuschloss 
Ohraženic 


Podvinec 
Polička 
Raabendorf 
Radvanic 
Rohosec 


Ro o 0 


PI VSV V L VOV VV" 


W, Evy Oe 


„ . . . 


. . . . 


av 08 0, -8 * 4 


. . . . 


Rovensko 
Bobabete s ae © 
Sichrov . 
Schellesn 
Schirmdorf 
Schneeberg 
Sovice-Berg 
Stradouň 
Strenic 
Sušno ... 
Světlá . 
Třeboutic 
Triebitz . . 
Truskavna . k 
Bohm.-Trůbau . 
Tupadl 

PERTDAN: 18 S 


PNiB3r 6 a unk 
Vraclav . 
Nrchoviny s 8! : 
Vrůtic '...2 


Ao be MC 


. . . . 


o> „čo o ka o 


K OV Oy 


Vtelno 
Vystrkov 
Weckelsdorf ... 
VehlaWIH2 -va 81 2 dár o4 vě 
Wildenschwert 
Wlachai... 


S A4 .010) lek -© 50. ce 


m. ed ee 0 © o , 


pe, Mě 0 Á 


ma. (o. © a. © 


INHALT. 


SSL L LSL 


Vorwort. 


I -Charakteristik uud"Gliedérune' der Iserschichtení 4 a 
Charakteristik der Išerschichteniim. (= 2). eu JN 60 
Gliederung der. Isergchichtemé," 4.2 0 A Eb 00 

1. Byšicer Uebergangsschichten . . ..... KARET GW, 1250 0 EVE 


2, Die Kokořiner Oundem 4 -s 2 75: -E NE 
S. .Choroušker Trigoniagchichten <: .- „srstí am- 


4. Bryozoengehichten-von "Kaniná. < 2 „ojyoslojí eo 

Das ,Hangende der Isersehichten -.-. .*.,... RAM. 06- 2 

II. Beschreibung der im Bereiche der Iserschichten untersuchten Localitáten . . . . 
Das Hlbegcebiet """, |. „eb MOSS 0 Ca ee: © NO 


Die Gegend von Wehlowitz, Schellesn, Kokořín bis Kanina ..... 
Die Gegend von Všetat, Čečelic, Byšic, Řepín, Choroušek und Kia ; 


Die Gegend von Vrutic, Sušno, Nemeslovic, Zamach und Choroušek ...... 


Das Iserthal"vor "Benatek. bis TVuřnauděě. 8.. 2.910.04. 


Die Gegend von Bakov, Weisswasser, Bóohm.-Leipa, Písnik hl Liábaů neb 
den Bergen, Bósig und Roll., „35 K- 
Die Gegend von Jičín, Rovensko, Turnau und Liebenau.. .. .. « + + « 


Das Adlergebiet. 


Umgebung von Chotzen, Brandeis a. d. Adler und Wildenschwert . ..... 
Umgebung von Bohm.-Trůbau -...:<- 3 ké: 0, POPART n.. +s 88 o k) 
sb ae n Gegend von Sichrov, Liebenau, Bohm.-Eicha und Světlá ........ 
Seite 44. Die Gegend zwischen Weckelsdorf und Braunau... ...... . . + «. 
Die Gegend von Hohenmauth und Leitomischel . ....... +. 
Nachtrag: Třeboutic,' Sovice und Auscha "0/72 


Tabellarische Uebersicht der in den Iserschichten aufgefundenen Petrefacten . ... 


III. Kritisches Verzeichniss der in den Iserschichten vorkommenden Versteinerungen 


x PSV SVD 


THE LIBRARY OF THE 
APR 23 1935 
UNIVERSITY OF ILLINOIS 


21 


-© DAS ARCHIV 


fůr die 
naturwissenschaftliche Landesdurchforschung von Bóhmen 
unter Redaktion von i 
Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. J. Krejčí 
enthált foloende Arbeiten : 


EN S UTEB BAND. 


L Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain und Hohenverháltnisse). 
| Dieselbe enthált: 


a) Das Terrain und die Hohenverháltnisse des Mittelgebirges und des 
Sandsteingebirges im nordlichen Bohmen von Prof. Dr. Karl Kořistka. 
139 Seiten Text, 2 chromolith. Ansichten, 1 Profiltafel und 11 Holzschnitte. 

b) Erste Serie gemessener Hohenpunkte in Bohmen (Sect.-Blatt II.) von Prof. 

k. Dr. Kořistka. 128 Seiten Text. 

j c) Hohenschichtenkarte, Section II., von Prof. Dr. Kořistka. Diese Karte enthált 


die in dem Text a) beschriebene Situation. Sie ist 58 Centimeter lang, 41 Centimeter hoch, 
im Massstabe von 1 :200.000 gezeichnet, und es sind die allgemeinen Hóhenverháltnisse 
: durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben ausgedrůckt. 
Preis A. 4— Preis der Karte app. .... . +... . P ao je o 8 fl. 1:60 


Il. Die Arbeiten der geolosgischen Abtheilung. Dieselbe enthált: 


a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verháltnisse des ped“ 
i lichen Bohmen von Prof. Johann Krejčí. 37 Seiten Text, 7 Holzschnitte. 
3) Studien im Gebiete der bohm. Kreideformation von Prof. J. Krejčí. 
142 Seiten Text, 1 chromolith. Ansicht, 39 Holzschnitte. 
c) Paláontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der bohm. 
Kreideformation sowie einiger Fundorte in anderen Formationen von 
Dr. Anton Frič. 103 Seiten Text, 4 chromolith. Tafeln, 9 Holzschnitte. 
d) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hůttenmeister Karl Feistmantel 


: 120 Seiten Text, 40 Holzschnitte, 2 Karten der Steinkohlenbecken von Radnic und Břas. 
E o 0 C elb o AS ee ao ete dla a fl. 450 
" 
III. Die Arbeiten der botanischen Abtheilung. Dieselbe enthált: 


Prodromus der Flora von Bohmen von Dr. Ladislav Čelakovský. (L a 
MO LB ABE DRE A4 a SNS 4 dá kodu doj « (875 Á. 


IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált: 


a) Verzeichniss der Káfer Bohmens vom Conservator Em. Lokaj. 78 Seiten Text. 

db) Monographie der Land- und Sůsswassermollusken Bohmens vom Assi- 
stenten Alfred Slavík. 54 Seiten Text und 5 chromolith. Tafeln. 

c) Verzeichniss der Spinnen des něordlichen Bohmen vom Real-Lehrer 
mai Barta, AOzsbiten Text: Preis. U" 2. 20 ee fl. 2— 


V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthált: 


Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. 16 S. Text. Preis 25 kr. 
Preis.des. ganzen I Bandes“(Abth. A bis V) geb. .. ... < ©. 2 > + + 4 1. 9— 


Z WV ELT E E BAND. 
. Erster Theil. (Hálfte.) 


I. Die Arbeiten der toposraphischen Abtheilung (Terrain- und Hohenverháltnisse). 
Dieselbe enthált: 


P a) Das Terrain und die Hohenverháltnisse des Iser- und des Riesen- 
-© gebirges und seiner sůdlichen und ostlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl 
A Kořistka. 128 Seiten Text, 2 chromolith. Ansicht., 1 Profiltafel und 10 Holzschnitte. 

b) Zweite Serie gemessener Hoóhenpunkte in "Bohmen (Sect. -Blatt III.) von Prof. 

Es Dr. Kořistka. 84 Seiten Text. 

c) Hohenschichtenkarte, Section III., von Prof. Dr. Kořistka. (Diese Karte 
enthált die in dem vorstehenden Text angegebene Situation, sie ist 58 Centimeter lang, 
41 Centimeter hoch, im Massstabe von 1:200.000 gezeichnet, und es sind die allsemeinen 
Hohenverháltnisse durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben 
ausgedrůckt. Preis dieser Pekne A Poa roh So dkopdí 2,0 ko S A NES oa oka A. 450 


II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthělt: 
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Bohmens mit 4 Tafeln. 
b) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken bei Klein-Přílep, Lísek, hesly 
Holoubkow, Mireschau und Letkow mit 9 Holzschnitten. — : 
c) Jos. Vála und R. Helmhacker: Das Hisensteinvorkommen in der Gegend 
von Prag und Beraun mit 6 Tafeln, 9 Holzschnitten und 1 Karte. 


d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend © 


zwischen Beneschau und der Sázava, mit 1 Tafel und 1 Karte. 


Dieser Theil -enthált 448 Seiten Text, di "Tafeln, 18 Holzschnitte und 2 geol. Karten. 


Preiss vyje vě 00 A SMEs y. KYadenl olea m eds Res NeST ek Mn MC S 
H Theil enthált: | 
Dr. Em. Bořický: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Boóohmens 
mit 294 Seiten Textund 8 Tatelůě- LOB vkus al dí 04 eM o) o H. 350 
Preis der ganzen ersten Hálfte des zweiten Bandes (I. und II. Abtheilung zusammen) geb. A. 10— 


ZV EITER BAND. 
Zweiter Theil. (Haálfte.) 


IMI. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthált: 


Prodromus der Flora von Bohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský (1 They 


288 Seiten Text-und. 1- Tafel 'PréisJ: i. % 074W 23 Ioanuiá 6 n 
IV. Zoologisché Abtheilung. Dieselbe enthált: 
: Prof, Ds A mt. pk: Die Wirbelthiere Bohmens. 


n “ 5 $ Die Flussfischerei in Bohmen. 
ě Die Krustenthiere Bohmens. 
Mit 1 Tafel, 100 Holzschnitten, 212 Beiten Fexi.:BRáihoXUs 5 tedka 40s A3. 


V. Chemische Abtheiluns. 
Prof. Dr. Em. Bořický: Uber die Verbreitung des Kali und der Phosphorskure 
in den Gesteinen Bohmens.'158"Belten: Texi.Drei8:405 < « © ee 60 kr. 
Preis der ganzen zweiten Hálíte des zweiten Bandes (III., IV. u. V. Abth. zehnéků) geb. 1. 5'— 
Es kann der zweite Band sowohl im Ganzen, wie auch in den fůnf angefůhrten Haupt- 
abtheilungen, deren jede ein fůr sich abgeschlossenes Ganzes bildet, bezogen werden. 


DRIUTEE BAND. 
Davon ist bisher erschienen: 

P II. Geologische Abtheilung: 
I. Heft. Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Bohmens von 
Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln, 96 Seiten Text. Preis. . A. 1— 
II. Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrcesteinen Bohmens von 
Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln. 88 Seiten Text. Preis A1. 1— 
„IL Heft. Die Geologie des bohmischen Erzgebirgés (I. Theil) von Prof. Dr. 
bon Laube mit mehreren Holzschnitten und einer Profiltafel. 216 3 Pe 
VOS "o Vede er 80 ele 06 oa Ves! <5).0. ud +288 NE MNE Esa . 2— 

III. Botanische Abtheilung: 


Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský. (III. Theil. 


Schluss.).320SSeten Text. Preis: 1 T S S08 = 1. 240 
IV. Zoologische Abtheilung: 
I. Heft. Die Myriopoden Bohmens von F, V. Rosický mit 24 Holzschnitten. 44 Seiten 


LOxt, v BFGIB STA A 8 o [L praní m EN nadlíšá Vl moe M ot ES n nn O 60 kr. 
II. Heft. Die Cladoceren Bohmens von Bohuslav Hellich mit 70 Holzschnitten. 
1320 PP1L0n BExki 73 fe; ET < verš PÍT sk Aya: 5 Šuk pe p o 6 A. 1:60 


V. Chemisch-petrologische Abtheilung: 
Elemente einer neuenchemisch- -mikroskopischen Mineral-und Gesteinsanalyse 
von Prof. Dr. Bořický mit 3 Holzschnitten und 2 lith. Tafeln. 80 Seiten Text. fi. 1:40 


VIERTEBR BAND. 
No. 1. Studien im Gebiete der bohmischen Kreideformation. Die Weissen- 
berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Frič mit 155 Holzschnitten. 
154 Děhen Texk Přelš „m s i s ae se aa 00 Se O 1. 3— 
No. 2. Erláuterungen zur geologischen Karte der Umgebungen von Prag von 
J. Krejčí und R. Helmhacker mit 1 Karte, mehreren Profilen und Holzschnitten l. 4:50 
No. 3. Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský. 


(IV. Theil.) Nachtráge bis 1880. Verzeichniss und Register. . . . < + < + «. l. 2-40 
No. 4. Petrologische Studien an den Porphyrgesteinen Bohmens von Prof., Dr. 
Em. Bořickýu c p 8 allšýy 1 díš "rack -doo Jí, SNO NN So. S fl. 1:80 


No. 5. Flora des F Isoobíčtch der Cidlina und Mrdlina von Prof. Ed. Pospíchal. 


1. 
No. 6. Der Hangendflótzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Carl 
Feistmantel. 


FŮUNETEBR BAND. 
No. 1. Erláuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges (Železné hory) 
und der angrenzenden Gegenden im ostlichen Bohmen von J. Krejčí und 
R. Helmhatkeř za í te) Bisnsrě, Fibre als eřě Janne U fi. 2— 
(Die Karte selbst erscheint spáter.) 
No. 2. Studien im Gebiete der bohmischen Kreideformation. III. Die Iser- 
schichten. Von Dr. Anton Frič. Mit 132 Textfiguren.-. .. <... « + «. 1. 3— 


Druck von Dr. Ed. Grégr in Prag 1883, — Selbstverlag. 


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© STEINKOHLENABLAGERUNG 


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CARL FEISTMANTEL. 


Mit 20 Holzschnitten. 


(ARCHIV DER NATURW. LANDESDURCHFORSCHUNG VON BOHMEN.) 
V. Band. Nro. 3. (Geologische Abtheilung.) 


THE LIBRARY OF THE 
-APR 23 1938 
UNIVERSITY OF ILLINOIS 
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In Commission bei FR. ŘIVNÁČ. 


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DIE MITTELBOHMISCHE 


STEINKOHLENABLAGERUNG 


VON 


KARL FEISTMANTEL. 


Mit 20 Holzschnitten. 


THE LIBRARY OF THE 
APR 23 1938 
UNIVERSITY OF ILLII 


(ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTL. DURCHFORSCHUNG VON BÓHMEN.) 


(V. Band, Nro 3. — Geologische Abtheilung.) 


PRAG. 
COMMISSIONS-VERLAG VON FR. ŘIVNÁČ. — DRUCK VON Dr. ED. GRÉGR. 


1883. 


P M 
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NÁVORAÁ 7 i — „a 5 „nan m 


| Die Mittelbohmische Šteinkohlenablagerung. 


| Die mittelbohmische Steinkohlenablagerung, něrdlich und westlich von 
| Prag verbreitet, und unmittelbar auf Schichten der untern Abtheilung des Silur- 
gebirges, vorwaltend auf den azoischen Schiefern Barrande's, zum Theile auf 
| Granit aufruhend, in ansehnlichen Strecken das Terrain bedeckend, befindet sich 
in einer Anzahl mehr oder weniger von einander getrennter sehr ungleich grosser 
Parthien abgelagert, die als eben so viele einzelne selbststándige Steinkohlenbecken 
betrachtet wurden. 

Diese einzelnen Parthien sind nachfolgende: | 

1. Das Kladno- Rakonitzer Steinkohlenbecken. Es umfasst das nordlichste 
Gebiet der Steinkohlenablagerung, und erstreckt sich von Kralup an der Moldau 
úber Kladno-Rakonitz bis Woratschen, zumeist von azoischen Schiefern westlicher- 
seits theils von Granit unterlagert, dann in einer gegen Siůiden gerichteten Aus- 
buchtung úber Flóhau, Lubenz, Jechnitz bis Plass; wáhrend es sich in nordlicher 
Richtung úber Welwarn, Schlan, Klobuk, Kounowa etc. wegen Uiberlagerung durch 
jůngere Schichten in nicht genau bestimmbarer Erstreckung befindet. 

2. Das Pilsner Steinkohlenbecken. Dasselbe beginnt unmittelbar bei Plass, 
von den sůdlichsten Ausláufern des vorhergehenden bloss durch die schmale 
Thalweitung des Střelaflusses getrennt, und verbreitet sich erst gegen Šiid, von 
Pilsen an mehr in siůdwestlicher Richtung ausgedehnt úber die Orte Kaznau, 
Třemoschna, Pilsen, Lititz, Mantau, Nůrschan, Tuschkau an der Mies und Wscherau, 
mit einer kleinen eh Parthie óstlicherseits bei Wobora. 

3. Manetin und Breitenstein. Eine von letzterer durch eine schmale Zone 
azoischer Schiefer nordwestlicherseits geschiedene, und in nordlicher Richtung bis 
an den Fuss des Berces Wladař abgelagerte Parthie, zu der noch eine kleine 
isolirte Ablagerung in der Umgebung von Stědra gehórt. 

4. Wittuna, auch als Merkliner Becken bekannt, siůdlich von der Pilsner 
Ablagerung zwischen den Orten Stankau und Merklin gelegen. 

5D. Wranowa; eine kleine in der Náhe von Mies, nordwestlich vom siůdlichen 
Theile der Pilsner seně situirte Parthie. 

6. Die Radnmitzer Steinkohlenablagerung, aus mehreren isolirten Parthien 
bestehend, die sich um die Orte Radnitz, Wranowitz, Lochowitz, Swina ete. 


Sruppiren. 


1* 


7. Miróschau. © Ein sůdlich von Radnitz, zwischen Dobřiw und Miróschau 
gelegenes, bis gegen Skořitz hinaus geschobenes Steinkohlenbecken. 

8. Lettkow. Eine unbedeutende Ablagerung von Saudsteinen und Schiefer- 
thonen, mit schwachen Spuren von Šteinkohle zwischen Miróschau und Pilsen. 

9. Holoubkau; eine ebenso beschránkte Parthie. 

10. Stilez bet Žebrak. Ein kleines Šteinkohlenbecken, óstlich von Holoubkau, 
mit einem bereits abgebauten Steinkohlenlager. 

11. Das Ltseker Stetnkohlenbecken ; nordwestlich von Beraun gelegen, vom 
Liseker Guarzitkamme sich in nordlicher Ribhtině nach 0) herabziehend und 
vom Beraunfiusse durchschnitten. 

12. Das Klein- Přileper Steinkohlenbecken, von letzterem eine kurze Štrecke 
weit in nordostlicher Richtung abgelagert. 

7 Den weitaus gróssten Fláchenraum bedecken vorerst die Ablagerung Kladno- 
Rakonitz, bei einer Ausdehnung von beiláufig 7 Meilen (nahe 53 Kilom.) in ost- 
westlicher Richtung zwischen Kralup und Petrowitz, und bei einer nach Lipold 
auf circa 3'/, Meilen (etwas ůúber 26 Kilom.) geschátzten Erstreckung von Sůd 
nach Nord mit mehr als 24 Auadr. Meilen, wozu noch der westlich verbreitete 
Antheil bei Jechnitz, Kriegern ete. bis Plass mit mindestens 5 Auadr. Meilen 
hinzukómmt; und ihr zunáchst die Ablagerung bei Pilsen mit einem etwas ber 
10 Guadr. Meilen bedeckenden Terrain. 

Die Gruppirung der gesammten Ablagerung ist eine derartige, dass die 
gróssten Complexe, die ohne die unbedeutende, durch den Thaleinschnitt bei Plass 
erzeugte Unterbrechung ein einziges zusammengehóriges Gebilde ausmachen wůrden, 
in einem weiten Bogen gegen Nord und West sich verbreiten, und vorwaltend © 
sůdlich und sůdóstlich von kleineren isolirten Parthien umgeben sind. 

Die Oberfláche der gesammten Ablagerung weist auch in der Richtung von. 
Sůd gegen Nord, und von Sůdwest gegen Nordost eine allmálige Senkung auí. 

Die einzelnen Erhebungen steigen nur in der Umgebung von Pilsen bis 
beiláufig 500 Meter úber die Meeresfláche; in der Umgebung von Rakonitz werden 
Hóhenpunkte bis zu 450 Meter angetroffen; von da aber senkt sich das Terrain 
in ostlicher Richtung ber Kladno bis Kralup, und ebenso in nordlicher Richtung 
gegen das Thal des Egerflusses bis unter 200 Meter herab.*) 


Die Oberfláchengestaltung des von unserer Steinkohlenablagerung einge- 
nommenen Terrain's bietet wenig Bemerkenswerthes dar. In der Umgebung von 
Pilsen, so wie zwischen Plass und Flóhau ist ein mehr unregelmássig hůgeliges 
Land vorherrschend, wáhrend die Gegend von Kladno-Rakonitz-Schlan durch den 
Verlauf mehrer von West gegen Ost fast parallel erstreckter Tháler eine mehr 
wellenfórmig gestaltete Oberfláche besitzt. 


Die Tháler schliessen bald mehr, bald weniger langgestreckte, ziemlich 
oleichfórmig abgeflachte Růcken von wenig unterschiedlicher Hóhe zwischen sich 
ein, die je mehr gegen Nord, desto mehr von Schichten der Kreideformation 
úberlagert, die zur Steinkohlenablagerung gehorigen Gebilde nur in den Thalge- 


*) Mittheilungen der k. k. geolog. Reichsanstalt, und fůr das mehr čstliche Gebiet Prof. 
R. v. Kořistka hypsometrische Arbeiten in der Umgebung von Prag 1858. 


l Tae está lassen, nd der Biaoeháé zugáncic halten. 

M Die in den weiter gegen Norden gelegenen Thaleinschnitten durch Kreide- 
| -schichten, in Folge deren ebenfalls gegen Nord gerichteten Einfallen, bestehende 
v Ausfůllung auch der Thalsohlen durch dieselben entzieht die nordlichste Verbrei- 
|| tungsgrenze der Ablagerung einer genauen Bestimmung. Doch lásst das Erscheinen 
I! einzelner ihr noch zugehórigen Sandsteinschichten am Grunde der nordostlich 
|* befindlichen Thalweitungen bei Perutz, Bernikow und Mscheno auf die Ausdehnung 
+ der Ablagerung bis in die Náhe des Egerflusses mit Wahrscheinlichkeit schliessen. 


I. Stratigraphische Verháltnisse. 


Gliederung der Ablagerung 


! 
i Die Gesteinsschichten, aus denen die mittelbohmische Steinkohlenabla- 
| -gerung zusammengesetzt wird, sind im Allgemeinen von derselben Beschaffenheit, 
wie sie in anderen, namentlich benachbarten Steinkohlenbecken angetroffen werden. 
ndeleinc und Schieferthone sind es, die hier wie dort eine Aufeinander- 
p folge von in ofterer Wiederholung abwechselnden Schichten bilden, denen sich 
zuletzt nur vereinzelt Schichten von Kalk und Hornstein zugesellen, und zwischen 
- welchen untergeordnet Steinkohlenlager eingeschaltet sind. 

Die Sandsteine, die vorwaltend Caolin als Bindemittel besitzen, stehen hie 
und da mit Conglomeraten in Verbindung, die von unterschiedlicher Beschaftenheit 
und in verschiedenen Horizonten angetroffen werden. 

Mannigfaltiger ausgebildet erscheinen auch die Schieferthone, bald rein, 
oder vorwaltend thonig, bald mehr sandig, mit Kohle imprágnirt, als Kohlen- 
schiefer, von Eisenoxydhydrat durchzogen, und dann sphárosideritisch werdend, 
endlich als Brandschiefer, stellenweise bituminós. Sie werden zumeist als náchste 
Begleiter der Kohlenflótze angetroffen. 

In Bezug auf die Kohlenflótze ist aber unsere mittelbohmische Ablagerung 
keineswegs so ginstig bedacht, wie diess oft in anderen Gegenden der Fall ist, 

-wo zahlreiche Kohlenschichten, in kurzen Abstánden ber einander erscheinen, 
und auf grosse Strecken in ununterbrochener Fortsetzung sich befinden, wo also 
„vielfach kohlenfihrende Horizonte bestehen. 

In unserer Ablagerung werden Kohlenflótze nur in drei, zumeist durch 
ansehnliche Abstánde von einander entfernten Horizonten beobachtet. 

Die zahlreichen Bergbaue, die im Gebiete derselben noch thátig sind, 
oder wenigstens frůher bestanden, befinden sich auf den Kohlenlagern im sámmtlichen 
drei Horizonten, wodurch eine eingehende Einsicht in die Beschaffenheit und 
Gliederung der einzelnen Kohlenlagen und eine Vergleichung der Vorkómmnisse 
an von einander weit entfernten Punkten erleichtert ist. 

| Der tiefste Horizont, auf dem Kohlen erscheinen, befindet sich an der 
Basis der gesammten Ablagerung, so dass die Kohlenschichten durch eine nur wenig 
máchtige Gesteinsschichtenreihe vom Grundgebirge getremt lagern, oder fast un- 


6 


mittelbar demselben aufruhen. In ihm sind zwei, nahe zu einander in Beziehung 


stehende Kohlenflótze fast úberall entwickelt, und treten meist gemeinschaftlich auf. 


Diesen beiden Kohlenflótzen, als den tiefsten in der Ablagerung wurde 


die Benennung „Liegendjlótze“ ; dem gesammten mit ihnen in Verbindung stehenden' 


Schichtencomplexe jene als „Ltegendflótzzug“ ertheilt. 


Von der Localitát Radnitz, wo die Kohlenflótze dieses Horizont's in be- 


sonders instruktiver Weise entwickelt sind, ist der betreffende Schichtencomplex 
auch als „Radnmitzer Schichten“ bezeichnet worden. 

Zunáchst nach den Liegendflótzen wurde die Selbststándigkeit eines Kohlen- 
lagers erkannt, das in bedeutend senkrechtem Abstande ober jenen, und durch 
auffállig abweichende Merkmale unterschieden, von einer Reihe nicht minder sich 
unterscheidender Gesteinsschichten úberlagert, den Schluss der in unserer Abla- 
gerung entwickelten Kohlenschichten bildet, sich sonach im Hangenden der ersteren 


befindet, und desshalb „Hangendfiotz“, der Complex der ihm zugehórigen Gesteins- 


schichten der „Hangendjlótzzug“ genannt wurde. 
Seine characteristischen Merkmale sind besonders deutlich in der Um- 
gebung von Kounova ausgeprágt und zuerst genauer erkannt worden, in Folge 


dessen diese Schichtengruppe auch als „Kounova'er Schichten“ in die Litteratur 


eingefůhrt wurde. 
Erst spáter gelang es, die Selbststándigkeit eines Kohlenflótzes auf einem 
dritten Horizonte, zwischen beiden frůheren eingeschaltet, theils mit Hilfe von 


Beweis liefernden bergminnischen Aufschlůssen, theils durch náhere Erkenntniss 
der Flótzbeschaffenheit und der organischen Uiberreste sicher zu stellen, nachdem © 


das betreffende Kohlenlager frůher theils dem Liegend-, theils dem Hangendzuge 
angehórig betrachtet worden war. 

Dieser Horizont bildet sonach, da ausser auf ihm weiter keinerlei Kohlen- 
flótz zwischen beiden ersteren mehr erscheint, einen „Měttelflotzzug“, das Kohlen- 
flótz selbst das Měttelflotz. Von der Localitát Nůrschan, in deren Umgebung 
zuerst die Nachweise fůr die Selbststándigkeit dieser Flótzeruppe erbracht wurden, 
kann dieselbe auch als „Nůrschaner Schichten“ bezeichnet werden. 

Die mittelbohmische Steinkohlenablagerung gliedert sich sonach naturgemáss 
in drei úber einander folgende Schichtengruppen. Diese sind: 

1. Der Lčiegendílótzzug oder die Radnitzer Schichten. 

2. Der Mittelflótzzug oder die Nišrschaner Schichten. 

3. Der Hangendjlótzzug oder die Kounova'er Schichten. 


Jeder dieser drei Flótzzige besitzt seine eigenthiůmliche, von jener der 
úbrigen abweichende Beschaffenheit und Entwicklung, die die Zugehěrigkeit abge- 
sonderter isolirter Theile richtig zu beurtheilen gestattet, und das Wiedererkennen 
des Horizontes in seinen entgegengesetzten Punkten erleichtert. 


1. Der Liegendflótzzug oder die. Radnitzer Schichten. 
Der Liegendflótzzug beginnt an der Basis der gesammten Ablagerung mit 


Sandsteinen oder Conglomeraten, seltener thonigen Schichten, die unmittelbar den 
silurischen Schichten oder auf Granit aufiagern. 


: 


' 


Die Conglomerate enthalten čfter wenig abgerolite, selbst scharfkantige 
Bruchstůcke von den in der Umgebung anstehenden Gesteinsschichten als Beweis 
nur auf kurze Entfernung erfolgten Transport's derselben, | 

Zumeist auf Geróllstůcken dieser Conglomerate eingewachsen wurde das 
Vorkommen von Granaten bereits an mehreren Orten beobachtet; bei Lhota unweit 
Radnitz, Elhotten bei Pilsen und an der Adalbertigrube bei Rakonitz. 

Zwischen diesen an der Basis befindlichen und den weiter aufwárts fol- 
genden Gesteinsschichten befinden sich zwei Kohlenflótze, deutlich von einander 


- unterscheidbar, eingeschaltet. 


Das untere dieser Kohlenflótze liegt unmittelbar den Schichten an der 


-Basis auf; zwischen ihm und dem oberen liegt ein Schichtencomplex, der hóchst 


bemerkenswerthe Eigenschaften besitzt. | Er besteht durchaus aus hellgefárbtem, 
feinkórnigem Materiale, das theils als Sandstein, theils als eigens feinkórniger, 
etwas sandiger, plattig brechender Schiefer von fester Beschaffenheit ausgebildet 
ist. Die Fárbune ist immer weiss, gelblichweiss oder lichtgrau, und von Kohle 
imprágnirte dunklere Schichten erscheinen nie mit ihm. 

Unmittelbar auf dem unteren Kohlenflótze ist zumeist eine bei 06 Meter 
máchtige hellgelbliche Sandsteinschichte mit festem caolinischen Bindemittel auflie- 
gend, úber welcher in wechselnder Máchtigkeit Schieferschichten folgen, die durch 
důnne plattenformige, dunkler gefárbte, guarzigere, oftdicht úbereinander, verschieden 
stark folgende Einlagen, die dem Gestein ein bandartig gestreiftes Ansehen ertheilen, 
ausgezeichnet sind, und Schleifsteinschiefer benannt wurden. Namentlich sind jene 
Parthien besonders characteristisch, Wo die dunkleren schwachen Einlagen hell- 
gelbliche Schiefer durchsetzen ; aber auch bei mehr grauer Fárbung der Schichten 
jst deren Wechsel mit dunkleren Streifen kennzeichnend. Dieser Schleifsteinschiefer, 
dessen Eigenthůmlichkeit an keiner anderen Schichtenreihe in der gesammten 
Ablagerung ausgesprochen vorkommt, begleitet, nur hie und da einer, die Wesenheit 
desselben aber nicht unterdrůckenden Modification unterliegend, úberall die Han- 
gendschichten des unteren Kohlenfdtzes und bildet so eine sichere Leitschichte im 
Bereiche des Liegendfiótzzuges. 

Er schliesst háufig Sphárosiderite ein, auf deren Spalten oder Hohlungen 
Mineralien ausgeschieden sind, wie Caolin, weiss, oft in grósseren Parthien; Pyrit, 
Ankerit, Siderit, Calcit und Baryt, in einzelnen Kristallen oder in kristallinischen 
Úberzůgen, endlich Kristalle von Sphalerit, die von Blattnitz und vom weissen 
Berge bei Pilsen bekannt auch bei Rakonitz beobachtet wurden, und die ich auch 
in Sphárosideriten am K. Franz Josefs-Schachte bei Kladno auffand, so dass man 
auch in diesen nebensáchlichen Erscheinungen eine gewisse Gleichfórmigkeit der 
Schichtenausbildung zu erkennen Verma?g. 

Úber den Schleifsteinschichten liegt das zweite, das obere Flótz, je nach 
der Máchtigkeit jener bald mehr bald weniger vom untern entfernt, da diese 
Schichten oft viele Meter hoch entwickelt sind, oft zu einer so schwachen Lage 
herabsinken, dass an derlei Štellen beide Kohlenflótze als ein einziges be- 
trachtet wurden. 

Beide Kohlenfótze sind in verschiedener Weise entwickelt. Das untere, 


regelrecht auch immer das weniger máchtige, ist oft úberwiegend von Schieferthonen, 


Oberbank 


Mitttelbank 


| 


„M 
=) 
S 

© 
m] 
© 

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VLI7ALPUETAITILTINPTIAPLIETUIIIL 1 


ARSALATATIP PIZEKAKAGYIIIIIXKAK 


Brandschieter- und Kohlenschieferschichten, jedoch un- 
regelmássig und absátzig durchzogen, und daher meist 
Kohle geringerer Aualitát liefernd. 

Das obere wird dagegen von einer Anzahl Ge- 


© steinsschichten durchsetzt, die in regelmássiger, stets 


gleich bleibender Reihenfolge, als constante Zwischen- 
mittel, dieses Flótz in einzelne gut unterscheidbare 
Bánke zu gliedern gestatten, wo dasselbe in seiner 
ganzen Máchtigkeit zur Ablagerung gelangte. 

Eine solche Stelle, wo das obere Kohlenflótz 
typisch ausgebildet ist, befindet sich in der Radnitzer 
Ablagerungsparthie und gibt nebenstehende Fig. 1. ein 
Profil davon, in welchem die zu unterscheidenden Bánke 
sich deutlich herausstellen. Diese sind von oben herab: 

1. Die Oberbank oder Firstenbank, beiláufig zwei 
Meter máchtig, unterlagert von einem 0:10 Mt., stellen- 
weise mehr messenden grauen Schieferthonzwischen- 
mittel, local der Firstenstein genannt. 

2. Die Mittelbank, bei 5 Meter máchtig, immer 
die beste Kohlengualitát liefernd von zwei, in Abstánden 
von beiláufig 1:50 und 1:30 Meter unter einander ein- 
geschobenen Zwischenmitteln durchsetzt, deren oberes 
Local als Flička oder klečne Opuka, das untere als 
Schrammjlótz oder grosse Opuka bekannt ist, und letz- 
teres stets das máchtigere bleibt. 

3. Die Unterbank oder Sohlendenckenbank, an der 
Basis des Kohlenflótzes 1 bis 2 Meter máchtig gegen 
die Mittelbank durch ein thoniges graues Zwischen- 
mittel begránzt, dem in kurzer Entfernung von ein- 
ander, im Allgemeinen nur schwache Kohlenschichten 
vorwaltend minderer Gůte zwischen sich einschliessend, 
mehrere Zwischenmittel gleicher Beschaffenheit, aber in 
der Máchtigkeit wechselnd, folgen, die local als Sohlen- 
decken bekannt sind, hie und da aber weniger selbst- 
stándig ausgeschieden, die Bank mit zahlreicheren we- 
niger regelmássie vertheilten Schieferthonlagen unter- 
brechen.*) 


Die Zwischenmittel der Unterbank weisen viel Ahnlichkeit mit dem Firsten 
steine den Oberbank auf. 


Die Zwischenmittel der Mittelbank sind dagegen von 


*) An mehreren Ortlichkeiten, wie bei Nůrschan, Wittuna, Kaznau, in der Umgebung von 
Kladno und Radnitz wurde die Kohle dieser Unterbank stellenweise dicht von sich 
kreuzenden schmalen, mit bráunlichgrauem Siderit ausgefůllten Klůftchen durchsetzt 
beobachtet, oft in einer Weise, als ob kleine Kohlentrůmmer brecienartig durch Siderit 
verkittet wáren; eine Erscheinung, die aus keiner der anderen Bánke des Flótzes bis jetzt 
bekannt wurde, 


9 


- beiden schon durch ihre mehr ins bráunliche fallende Fárbune, durch ziemlich 
(gleich bleibende, im Ganzen geringe Máchtigkeit, und eine scheinbar kórnige oder 
| gewissermassen schuppige Struktur, so dass sie von Bergleuten auch als sandiger 
Schieferthon bezeichnet werden, unterschieden. 


| In der That aber wird diese Struktur grossentheils durch den Einschluss 
| jener eigenthůmlichen kleinen Kórperchen in oft gedrángter Menge hervorgebracht, 
"die ich zuerst in der Umgebung von Radnitz erkannte und zur Fixirung des 
| Vorkommens als Bacillarites problematicus bezeichnete. 


| Úberlagert wird das Oberflótz von einer oft mehrere Meter máchtigen 

- Reihe Schieferthonschichten, unter denen rein thonige mit mehr sandigen, oder 

-von Kohle stark imprágnirten, oder Kohlenschieferschichten abwechseln, die aber 

- hie und da fehlen. Dann wird das Kohlenflótz unmittelbar von den weiter aufwárts 

-die Schichtenreihe zusammensetzenden Sandsteinen, mit denen der Bestand des 
Liegendflótzzuges seinen Abschluss erreicht, bedeckt. Nie aber erscheint eine 
einzelne gesonderte, jener úber dem Unterflótze bekannten, áhnliche Sandsteinlage 
als Decke dieses Flótzes. 


In paiáontologischer Hinsicht zeichnen sich die Schichten des Liegendzuges 
durch einen besondern Reichthum an Pflanzenresten aus; thierische Organismen 
erscheinen nur als Seltenheiten und nur niedern Classen angehórig und spora- 
disch vertheilt. 


Die Pianzenreste sind hauptsáchlich zusammengedrángt auf Schichten in 
der Náhe der Kohlenflótze, in der das Unterflótz deckenden Sandsteinlage, und 
den darůber folgenden Schleifsteinschichten; und dann in den Hangendschiefern 
des Oberflótzes und auf dessen Zwischenmitteln. 


Daraus ergeben sich zwei ůúbereinander liegende Pflanzenreste fiihrende 
Horizonte, von denen der obere sich gegen den unteren durch ein Vorherrschen 
der Selagineen, Lepidodendra und Sigillarien bemerkbar macht. 


Ausserdem sind die Arten theilweise auf einzelne Schichten ungleich 
vertheilt. So finden sich Planzenreste aus allen Gattungen sowohl im Firstensteine 
als in den Zwischenmitteln der Mittelbank des Oberflótzes eingeschlossen, in letz- 
teren namentlich auffállig, neben háufigen Abdrůcken von Stigmaria, Bruchstůcke 
von Lepidodendron microstigma O. F., einer Art mit kleinen gedránsten Blatt- 
polstern; wáhrend jene der Unterbank, die Sohlendecken, oft fast ausschliesslich, 
immer aber zahlreich, theils grosse Exemplare der Art Stigmaria ficoides Brongn. 
enthalten. 


Die Gesteinsbeschaffenheit der Begleitschichten der beiden Flótze, wie 
auch die organischen Einschlůsse bieten daher geeignete Merkmale, die einzelnen 
Schichtengruppen oder Kohlenbánke allerorts wieder zu erkennen, und bezeichnet 
namentlich einen bestimmten Horizont das Erscheinen des Bacillarites, der weder 
in einer Schichte úber dem Oberflótze, noch auf Schichten zwischen dem Unter- 
flótze weiter sich einstellt. 

Nur hie und da ist es mir geglickt, einzelne gut erhaltene Exemplare 


dieses Fossils in Schichten des Schleifsteinschiefercomplexes, also in Hangend- 
schichten des Unterflótzes mittelst Diůnnschliffen nachzuweisen. 


10 


Doch ist die Verbreitung desselben in diesen Schichten nur eine ver- 
einzelte. Trotz mehrfach fortgesetzter Untersuchungen ist das Vorkommen nur bei 
Blattnitz, Břas und Hostokrey sicher zu stellen gelungen. Proben von verschiedenen 
andern Localitáten sind ohne Resultat geblieben. 

Nichts desto weniger muss das erste Erscheinen von Bacillarites bereits 
vor der Ablagerung des Oberflótzes erkannt werden. 

Das gemeinschaftliche Vorkommen desselben auf Gesteinsschichten im 
Oberflótze und auf den Hangendschichten des Unterflótzes, das Fehlen desselben 
auf den Schichten der hoheren Flótzzůge, und die bedeutende Annáherung der 
beiden Kohlenflótze stellenweise an einander geben genůgende Veranlassung, zwischen 
beiden Flótzen des Liegendzuges einen gewissen verwandtschaftlichen Verband zu 
erblicken, und beide als zusammengehorige Untergruppen zu betrachten. 

Es ist diesen Verháltnissen durch die Untertheilung der Radnitzer Schichten 
in eine obere Kohlenffótzgruppe (Oberflótz und seine Hangendschichten), in eine 
untere Kohlenflótzgruppe (Unterflótz und dessen Hangendschichten) und in die 
flotzleere Gruppe (Liegendschichten des Unterflótzes) Rechnung getragen. 

Die gesammte Schichtenreihe dieser drei verschiedenen Gruppen wird 
indessen nur an wenigen Stellen entwickelt angetroffen; bei weitem am háufigsten 
ist diess bruchstůckweise erfolgt, indem bald nur die eine oder die andere Gruppe 
abgelagert angetroffen wird, bald selbst eine Gruppe nur durch einzelne ihrer 
Glieder vertreten erscheint. 

Es werden in dieser Beziehung in der Entwicklung der Radnitzer Schichten 
interessante Erscheinungen hervorgebracht. 

Zum Liegendflótzzuge gehórigce Schichtengruppen werden fast úberall im 
Bereiche der Ablagerung, an der Basis derselben und zumeist an deren sůdlichen 
Rándern hinausgeschoben gefunden, deren mannigfaltige Entwicklung an oft nahe 
gelegenen Localitáten, selbst in denselben Ablagerungsparthien aus einer náheren 
Betrachtung dieser sich ergeben wird. 


Die sůdóstlichsten isolirten Parthien. 


Unter diesen ist dče Radnitzer Ablagerungsparthie die wichtigste. Es finden 
sich hier nicht nur sámmtliche drei Gruppen des Liegendzuges vollkommen aus- 
gebildet, sondern auch das Oberflótz in seiner ganzen Máchtigkeit in der bei Břas 
befindlichen Parthie entwickelt. 

Ausserdem ist hier klar dargelegt, wie in die einzelnen nahe gelegenen 
Parthien weder beide Kohlenflótze, noch das obere Kohlenfloótz in seiner ganzen 
Máchtigkeit, mit allen seinen Bánken fortsetzen; dass im Gegentheile bald nur 
das Unterflótz allein, bald nur mit einer oder der anderen Bank des Oberflótzes 
in Gemeinschaft, oder eine solche Oberflótzbank ausschliesslich abgelagert erscheint; 
was ich in einer anderen Abhandlung „ber die Steinkohlenbecken in der Umgebung 
von Radnitz“, detailirt zu schildern Gelegenheit hatte.*) 


*) Die Steinkohlenbecken in der Umgebung von Radnitz. Archiv fiir Landesdurchforschung 
von Bohmen. I. Bd. 1869. 


m 


Ahnlich wechselnde Entwicklungsverháltnisse werden nun auch weiter in 
anderen isolirten Parthien angetroffen. 

Bei Klein- Přilep und beč Stilez, wo úbereinstimmende Verháltnisse bestehen, 
ist nur je ein Kohlenflotz, ohne regelmássige Zwischenmitteleinlagerung bekannt, 
beiderseits das. Flótz mit einer 05 bis 06 Mtr. máchticen, hellgefárbten, an 
Pílanzenresten reichen Sandsteinlage iúberdeckt, auf welcher meist weisse Sand- 
steinschichten und Schleifsteinschiefer lagern, woraus sich die Zugehorigkeit 
beider zur unteren Radnitzer Kohlenflótzgruppe, und die Abwesenheit der oberen 
Gruppe ergibt. 

Bež Lisek ist ebenfalls nur ein Kohlenfiótz abgelagert. Dieses wird aber 
von grauen Schieferthonen gedeckt, die reich an Pflanzenresten, besonders Ab- 
drůcke aus der Classe der Selagineen enthalten, die háufig auch auf den das 
Kohlenflotz zahlreich, aber in unregelmássiger Lagerung durchziehenden Schiefer- 
thonen mit der Art Stigmaria ficoides vertreten sind. 

Aufwárts folgen caolinische Sandsteine. Unter dem Flótze liegen vor- 
waltend Schieferthone, háufig Sphárosiderite einschliessend hellgelblich (besonders 
bei Dibřy) stellenweise hellgrau (Stradonitz, Hiskow) gefárbt, feinkórnig und fest, 
zwischen welchen hie und da in schwachen Lagen Schleifsteinschiefer sich einfinden. 

Die Deutung dieser Ablagerungsparthie ist sonach eine keineswegs schwie- 
rige, und gibt sich das Kohlenflótz als ein der Unterbank des Radnitzer Oberflotzes 
analoges Gebilde, in welchem die Sohlendecken aber weniger typisch ausgeschieden 
sind; der dasselbe unterlagernde Schichtencomplex als die Hangendschichten des 
hier nicht oder sehr unbedeutend zur Entwicklung gelangten Unterflótzes zu erkennen. 

Ahnliche Verháltnisse zeigt die Ablagerung von Měróschau. Das dort im 
Abbaue befindliche Kohlenflótz ist von regelmássig ausgeschiedenen Zwischen- 
mitteln durchsetzt, die sehr in ihrer Máchtigkeit wechselnd angetroffen werden. 


Im Allgemeinen gliedert sich das Kohlenflotz nachfolgend: 


1. Kohlenlage: (Oberbank local) . ...... 0,15— 0,30 Mt. 
Schieferthonzwischenmittel. . ......... 0,30—2.00 „und darůber 

2. Kohlenlage: (Mittelbank local). ...... 0,55—0,065 „ 
Schieferthonzwischenmittel. . ....... 0,01—1,00 —„ und darůber 


3. Kohlenlage: (Unterbank local) . . . . „ 0,45—0,65 


» 


Unter diesem im regelmássigen Abbaue stehenden Flótze folet, jedoch 
durch eine oft viele Meter máchtige Gesteinslage geschieden, noch eine 0,6 Mt. 
auch mehr máchtige, mit zahlreichen Schieferschichten durchsetzte, unbestándige 
Kohlenschichte. — Dann erscheint gelblichweisser Schieferthon, zu beiden Šeiten 
der Ablagerungsparthie zu Tage gehend und ganz solchen áhnlich, wie sie háufig 
unter dem Liseker Flótze bei Dibřy angetroffen werden, und áhnliche Pílanzen- 
reste wie dort einschliessend. 

An der Basis liegen Conglomerate; úber dem Kohlenflótze erst graue 
Schieferthone mit Pflanzenresten, Sigillarien und Lepidodendra, wáhrend Stigmaria 
háufig auf den Zwischenmitteln erscheint. 

Das Kohlenflotz besitzt sonach auch hier alle úňaločiů mit der Unterbank 
des Radnitzer Oberflótzes, der darunter liegende Schiefer mit den Hangendschichten 
des Unterflótzes. 


12 


Die beiden kleinen Ablagerungen bei Holoubkau und Lettkow gestatten 
bei dem Mangel erschlossener Kohlenlager eine bloss annáhernde Beurtheilung 
und scheint ersteres mehr den tieferen Gruppen des Radnitzer Oberflótzes, letzteres 
wahrscheinlich der Unterflótzgruppe sich anzuschmiegen. 

Sámmtliche sůdostlich verbreiteten isolirten  Ablagerungsparthien sind 
sonach nur von solchen Gebilden ausgefůllt, die den tieferen Gruppen der Radnitzer 
Schichten correspondiren und es zeigen sich einestheils jene von Přílep, Stilez 
und Lettkow, anderentheils jene von Miróschau, Lisek und vielleicht Holoubkau 
in verwandter Weise entwickelt. 

Anders gestalten sich die Verháltnisse, sobald man in die grósseren Par- 
thien Kladno, Rakonitz und Pilsen úbertritt. 


Kladno-Rakonitzer Ablagerungsparthie. 


Mit der ostlichsten Verbreitungsgránzé derselben beginnend findet man 
in Kralup, in dem kleinen Hůgel Červená hůrka, Schieferthone, zwischen denen 
nur unbedeutende Kohlenschnůrchen sich zeigen, die aber zahlreich Pflanzenreste 


Fig. 3. 


úbereinstimmend mit den in der Radnitzer Oberfótzeruppe bekannten enthalten 
und unter denen schleifsteinartige Schichten azoischen Schiefern aufruhend vor- 
kommen, so dass die beiden Radnitzer Kohlenfótzgruppen vertreten sind, wenn 
gleich ausgebildete Kohlenfótze selbst fehlen. Darůber lagern caolinische Sand- 
steine in ziemlich máchtiger Entwicklung. 


13 


Auch in der náchsten Erstreckung gegen Westen sind Kohlenflótze noch 
| unbekannt, obwohl Schieferthone, nahe an der Basis der Ablagerung, jenen bei 
© Kralup áhnlich und ebenfalls Pflanzénabdrůcke enthaltend, die Fortsetzung des 
- gleichen Horizont's andeuten. 

Erst in der Umgebung von Minitz und Wotwowitz ist ein Kohlenflótz 
- abgelagert und erschlossen. Durch freundliche Zuvorkommenheit des Bergver- 
walters Herrn Czurda ist es mir móglich, nachstehend zwei genaue Profile durch 
dasselbe, aus der ostlicher gelegenen Franz de Pauli- und der westlicheren Sct. 
- Gotthardi-Grube zu liefern. (Fig. 2 und 3.) 


Br 21720800 1 


| ROE DoK M a 1 dbs Joe 0,66 Mt. 

| DATE TEPUBOR R R ŘE 003: 

Kohlenlacer V "2 3v M, A 2D 

| Zwischenmittel mit Bacillarites . . . . 0,05 „ 
HRORIUN AGO A oz O4 do tan bye eny 6 WIP 
ochlefertnon 1244 14 TM Pk val 9 2 oelátE 
Kohlenlage ... PR k Ul 66 O6" 
Zwischenmittel mit Bacillarites . . . .0,16 |, 
Kohenaee 4 vai), 4 0, DB 160: 


Gesammtmáchtigkeit. . 4,01 Mt.. 
u“zw/IKohletbtu35 |, 
Zwischenmittel D0 


St. Gotthardi. 


IOMIOnTASEV Mane o ej 08 6 2 eee „0,82 Mt. 

SChTelettBon 411.1. SAAE NENÍ dk daným o 172 

BOMBA MP a ea te 2 O | 
Zwischenmittel mit Bacillarites  . . . .0,05 |, (kleine Opuka) 
VSTANK ZA zvý Ve VEAá VODE dod KOVAR A S ASOB AS) MÁ ooo 

PORLOTL NOH 0 5 6 a 6.6 ea O0 

Kohlenlane 6 k sty pub eds! 0,410 odla 

Zwischenmittel mit Bacillarites. . . . .0,20. „  (grosse Opuka) 
KahlonlagGen V HOD 

DCHIOTSPLTO HMP o bo 00, 0,02 „ (Sohlendecke) 
Kollentabes -0M PAZ 1 ne, O0" 

BCSTBPURON 49 S05 P U DO dtto. 
Kohlenlase 12954140), SAE STEM Ob 

DE NeleTthoms 412103158, SKU DON, A421 0 © "ADS dto. 
KOM ce o v ea aaa ta 0,47 „ 

Sehelertheno r ilal i do. Satin ani W247 dto. 
Kohlenlage aji: RE ladila 92 


Gesammtmáchtigkeit . . 6,99 Mt. 
u. zw. Kohle. .534 , 
Zwischenmittel „1,65 „ 


Unverkennbar zeigt sich in beiden Profilen die Úbereinstimmung mit dem 
bei Radnitz im Oberflótze bestehenden Profile; bei de Pauli nur erst durch die 


14 


Mittelbank, bei St. Gotthardi schon durch diese und die Unterbank vertreten, 
wobei die ber dem oberen Bacillarites-Zwischenmittel befindliche Schieferthon- 
schichte mit der obersten Kohlenlage einen Theil der Oberbank darstellt. 

Hier wie dort ist das untere Bacillarites-Zwischenmittel das stárkere, die 
unter der Mittelbank bei St. Gotthardi folgenden Schieferthone zeigen ganz den 
Character der Sohlendecken und merkwůrdiger Weise ist zwischen ihnen und der 
unteren Bacillarites-Schichte eine gleich máchtige Kohlenschichte eingelagert, wie 
zumeist bei Radnitz. 


Trotz der geringen Entfernung der beiden Wotwowitzer Localitáten zeigt 
das Flótz eine abweichende Entwicklung, in sofern, als die Sohlendeckenbank 
erst westlicher, bei St. Gotthardi, erscheint, und die einzelnen Kohlenschichten 
in dieser Richtung máchtiger werden. 


Im Liegenden des Flótzes sind Schleifsteinschiefer abgelagert, sonach 
beide Flótzgruppen vertreten, obwohl das Unterflótz durch Bergbau nicht zugángie 
gemacht ist. 

-Das Verfláchen des Flótzes und seiner Begleitschichten, Schieferthone im 
Hangenden und darůber Sandsteine, ist gegen Nord gerichtet, und erleidet be- 
sonders in dieser Richtung das Kohlenflótz Modificationen, theils durch neu zu- 
tretende Schieferlagen, theils durch allmálige Verschie- 
ferung der Kohlenschichten, so dass Profile von anderen 
Stellen abweichende Ergebnisse liefern. Es werden diese 
Modificationen mit der Entfernung vom Ablagerungsrande 
auffálliger, und mehrfache in weiter nordlicher und ost- 
licher Gegend durchcefůhrte Schurfversuche konnten eine 
entsprechende Fortsetzung des Kohlenflótzes nicht mehr 
nachweisen.  Auch in der Richtung des Štreichens von 
Ost gegen West bestehen derlei Veránderungen im Flótze 
und ausserdem Unterbrechungen desselben durch mehrfach 
hervorragende und in das Ablagerungsgebiet hineinreichende 
Růcken und Kuppen von Thon- und Kieselschiefer, wo- 
durch die ganze Kohlenflótzentwickelung eine gewisser- 
massen unstete wird. 


Ahnliche Verháltnisse bestehen auch in weiter west- 
licher Erstreckung ůúber Zakolan, Koleč bis in die Um- 
z ba gebung von Brandeisl, wo erst wieder Bergbau auf Stein- 
=== kohle eingeleitet wurde, nachdem mehrfache Versuche 
= zwischen Wotwowitz und hier ohne die erhofften Resultate 
— blieben. 


— Nach einem von Lipold gegebenen Profile war das 
2 Kohlenflótz bei Brandeisl nachfolgend gegliedert: 


Fig. 4. 


Kohlenlage':. -2 -k sěsské ds, DUSAN 
Schletérthon. 4 dssy jí Ss o 0,24 „ 
Kohlenlace "20444 055- 


Zwischenmittel (mit Bacillarites) . . .0,08 „ 
Kohlenláge“:* 141 s átešk 14 VAE, EKOS 


Zwischenmittel (mit Bacillarites) . . . 0,13 Mt. 
ska AML ES MĚS BD u 
a versčhielert: 4 sv 4 0,64 „ 
Gesammtmáchtigkeit. .5,22 Mt. 

u. zw. Kohle. .41% „ 

Zwischenmittel. .0,45 „ 


Die Flótzgliederung zeigt deutlich eine Fortsetzung 


-jener von Wotwowitz an, nur fehlt das dort zwischen den 


Bacillarites- Schichten eingeschobene Zwischenmittel und 


| sind die Sohlendecken nicht mehr scharf entwikelt, son- 


dern durch eine Verschieferung der Kohlenlage an der 

Basis des Flótzes angezeigt, áhnlich wie bei Lisek. 
Schleifsteinschiefer kommen im Liegenden vor; So- 

nach sind beide Flótzgruppen vertreten. Dieselben Ver- 


| háltnisse bestehen auch weiter westlich in der Umgebung 


-von Kladno. 


Hier, wo die ausgedehntesten und gróssten 


| Bergbaue getroffen werden, ist auch vielfach Gelegenheit 


geboten, die Kohlenflótzentwicklung kennen zu lernen. Bei 


den wenig bestehenden Abweichungen geniůgt es, dieselbe 
nur von einigen Stellen zur Anschauung zu bringen, was 
mir fiir mehrere derselben durch freundliche Unterstůtzung 
des Oberingenieurs Herrn Fabianek in genauer Weise er- 
móglicht ist. 


Profile aus der Umgebung von Kladno von Ost gegen West. 
In der Náhe des Kaiser Ferdinand-Schachtes, westlich von 
Brandeisl. (Fig. 5.) 


Kohlenlace . 0,60 Mt. 
Schieferthon OD 
Kohlenlage . . 00% 
Schieferthon 0,30, 
Wahlenlages115 7 -7:9:040 ; 
Zwischenmittel mit Ba- 
cillarites „0,05 „ (kleine Opuka) 
Kohlenlage, mehrfach von 
schwachen absátzigen 
Bacillarites-Schichten 
durCHSPEZKA 31%. 2,20. 4 
Zwischenmittel mit Ba- 
ETA OR 0 a vlatle 0,10. „ (grosse Opuka) 
Kohlenlage, unten ver- 
schiefert. „is SOL 
Gesammtmáchtigkeit. . 8,45 Mt. 
mzw.' KohleS 7 10: 
Zwischenmittel. .. 0,75 „ 


0,30 


15 


00 SŘ 


16 


Unter*dem Flótze folgen Schleif- 
SLON SCATOTert 00 AO 1,00 „| máchtig 


und dann das Unterflótz von 
ungenůgender Beschaffenheit 2,50 


» 
Beim Thienfeldschachte náchst Kladno. (Fig. 6.) 

P Kohlenlase. ..... „0,316 Mt. 

-0,003 SRNÍ Schiéferthon. -01 0,237 „ 

de Kohlenlace“ 20328 
Zwischenmittel mit Ba- 

cillarites  . . . . „0,053 „  (kleine Opuka) 

Kohlenlage |" 20 
Zwischenmitiel mit Ba- 

eilarites- 4 (Cr 0.0537" 

Kohlenlase . ...... "09091 
Zwischenmittel mit Ba- 

eilarites 1- (005300 

Kohlenlacejt70 110 Zo 
Zwischenmittel mit Ba- 

CIlarTites 0071200005315 

Kohlenláse 02.300 
Zwischenmittel mit Ba- 

cillarites  . . . . „0,105 „ (grosse Opuka) 

Kohlenlage, unten ver- 

SCREIErt -OT SV 1 O0 


Gesammtmáchtigkeit 11,790 Mt. 
uz. Kohle"9511236095 
Zwischenmittel. . 0,554 „ 
Unter dem Kohlenflótze Schleif- 
SLenschi6fST 35s 9,055 Mt. máchtig, 
als Hangendschichten des hier 
in drei verschieden starke 
Bánke getheilten Unter- 
AO(ZOS MiL 03 Olo Ela Mk Gesammt- 
máchtigkeit. 


Beim Mayrau-Schachte, weiter nordwestlich. (Fig. 7.) 


Kohlenlagse . . . ... -0,160 Mt. 
OChLOlertRon 0091009010308 
Kohlenlage 270 
Zwischenmittel mit Ba- 
Gillarites 7 ae 0,060. „ (kleine Opuka) 
Kohlenlac6700-: 001608 
Zwischenmittel mit Ba- 
cillarites,. 2408 2:27 0005 


Kohlenlage 217270780 


Í 
- worauf das Unterflótz folgt in 


| 
| 


17 


Zwischenmittel mit Ba- | Fig. 7. 
eillarites 1 << „0040 

Pohlenlapé 25451 s E560. 

Zwischenmittel mit Ba- 
PEIDRRIEB n. cr= 160 6 U 

Kohlenlagce s 7% 734 + 1;100 

Zwischenmittel mit Ba: 
cillarites  . . - . „0,130 „ (grosse Opuka) 

Kohlenlage . . . . . 2,700 


O anaontigkétt -8.950 Mt. 

u z: Kohle-. - 9,000" | 

Zwischenmittel. . 0,430 |, 
Darunter Schleifsteinschiefer . 2,100 Meter máchtig, 


einer Máchtigkeit von. . . 1,500 „ 

Zwischen den Schichten der Schleifsteinschiefer kom- 
men allenthalben Sphárosiderite eingeschlossen vor. 

In der Umgebung von Kladno sind sonach ůúberall 
das Oberflótz und das Unterflótz, die hier als Hauptflótz 
und Grundfotz bezeichnet werden, entwickelt. Die An- 
wesenheit beider ist auch in den weiter óstlich situirten 
Rapitzer Gruben schon frůher durch Stollen- und Schacht- 
betrieb nachgewiesen. 

Das Oberflótz zeist in der Richtung von Ost gegen 
West erst eine Zunahme, dann eine allmálige Abnahme 
seiner Máchtigkeit; das Grundflótz, úberall wegen unge- 
nůgender Kohlengualitát wenig benůtzt, erleidet aber in 
derselben Richtung eine fortwáhrende Verminderung seiner 


Máchtigkeit, und in gleicher Weise verhált sich der Schleif- 
steinschiefer-Complex. 

Der Máchtigkeitswechsel ist in einer Anderung der 
Stárke der einzelnen Kohlenlagen, nicht im Hinzutreten neuer, oder im Abgange 
frůherer Kohlenlagen begrůndet. Die Ubereinstimmung mit Profilen von friiheren 
Localitáten und mit dem Oberfiótze von Radnitz ist deutlich. 

Nur ist die Mittelbank bedeutend mehr entwickelt, und erscheinen die 
Bacillarites-Zwischenmittel in mehrmaliger Wiederholung, immer schwach, háufig 
absetzend, meist reich mit kohliger Substanz gemengt, die beiden áussersten aber 
constant, und das unterste immer am máchtigsten, die hier local als kleine und 
grosse Opuka benannt werden. Hauptentwicklung der Bacillarites-Schichten. 

Die Unterbank ist auch hier vorwaltend nur durch eine an der Basis des 


- Kohlenflótzes befindliche stark verschieferte Kohlenlage, in der nur einzelne 


stárkere Schieferschichten ausgeschieden erscheinen, angezeigt. 

Unterlagert wird das Unterflótz von Sandsteinen und Schieferthonen theils 
von Conglomeraten mit scharfkantigen Bruchstiůcken von Thonschiefer und Kiesel- 
schiefer, 6 bis 10 Meter máchtig; selten liegt es wie bei Rapitz fast unmittelbar 
auf silurischem Untergrunde. Im Hangenden folgen zuerst meist Schieferthone, 

2 


m 


18 


reich an Pflanzenresten, wie auch die Zwischenschichten, und endlich Sandsteine 
in bedeutender Máchtigkeit. 


Ist die Umgebung von Kladno vor andern Localitáten schon ausgezeichnet 
durch die ungewóhnliche Entwickelung der einzelnen Kohlenlagen des Flótzes, so 
wird sie es noch mehr durch den Umstand, dass sich das Flótz in seinem Ver- 
fichen gegen Nord auf weite Strecken vom sůdlichen Rande der Ablagerung in 
deren Inneres hinein in unveránderter Beschaffenheit erhált. 


Es ist die Ausdehnung desselben in dieser Richtung bis ber die nordlich 
von Kladno zwischen Motitschin und Wolschan sich hinziehende Thalweitung, also 
úber beiláufig 2,5 Kilometer sicher gestellt. 


Dass aber auch hier allmálig unerwiinschte Anderungen eintreten, haben 


weiter gegen Nord, bei Malkowitz und Jemnik gemachte Erfahrungen gezeist, 


indem zwar Vertreter des Hauptflótzes in einzelnen Kohlenschichtchen, und die 
fůr die Mittelbank desselben massgebenden Bacillarites-Schichten, so wie Andeu- 
tungen des Unterflótzes bis an die genannten Punkte fortsetzen*), aber in einem 
durch meist eingetretene Verschieferung nicht mehr bauwůrdigen Zustande. 


Ausserdem sind auch in der Umgebung von Kladno 
Unterbrechungen der Kohlenlager durch vom Rande herein- 
tretende Thonschieferrůcken nicht unbekannt, und scheinen 
in westlicher Richtung in weit grósserem Masse einer un- 
gestorten Flótzablagerung hinderlich gewesen zu sein. In 
dieser Richtung schwindet der Kohlenreichthum nehmlich 
sehr, wie die in der Umgebung von Dokes, Žilina, Kat- 
schiz etc. resultatlos gebliebenen Untersuchungen erwiesen 
haben, und wo an einzelnen Štellen, wie bei Lahna Kohlen- 
flótzparthien aufgefunden wurden, entbehren sie bereits 
jener Máchtigkeitsentwicklung, zeigen im Gegentheile eine 
auffállig ungleichfórmige Ablagerung, und scheinen zumeist 
nur aus Reprásentanten der unterer Radnitzer Kohlen- 
schichten zu bestehen. 

Erst bei Rakonitz erscheint des Kohlenflótz wieder 
stellenweise in ansehnlicherer Entwicklung, lásst aber eine 
gewisse Unbestándigkeit in derselben erkennen, so dass 
Profile durch dasselbe, verschiedenen Ortlichkeiten zu an- 
deren Zeiten entnommen, Abweichungen zeigen. 

Eine Messung aus neuerer Zeit, unweit dem Rande 


gende Schichtenreihe im Kohlenflótze ergeben: (Figur 8.) 


Kohlenbank "42.244 S 
Zwaschenmittel-mit Bacillarites 141/20 n 
Kohlenbanko 0 1. 


*) Geologische Verháltnisse des Jemnik-Schachtes der Steinkohlenwerkschaft Humboldt 
bei Schlan v. D. Stur; Jahrbuch der k. k. geolog. Reichsanstalt. 1878. 


der Ablagerung, in der Náhe der Adalbert-Grube -hat fol- — 


19 


Schieferthon mit schwachen Kohlenlagen durchsetzt 0,40 Mt. 
Rohlenbank 5 005 v kaj S NÍ OF 
Gesammtmáchtigkeit. . . 3,57 Mt. 

uz. Kohle. +310; 

Zwischenmittel. . .0,47 


| Hier gibt sich ein Theil der Mittelbank und die Unterbank des Radnitzer 
| Oberflótzes zu erkennen, letztere mit bereits deutlicher ausgeschiedenen Schiefer- 
1 zwischenmitteln, als noch bei Kladno. | 
| Etwas nordwestlich von diesem Punkte, bečm Johanni-Schachte ist, nach 
'gefálliger Mittheilung der H. Bergbeamten die Reihe der Gebirgsschichten bei der 
| Abteufung, also von oben nach abwárts, nachfolgend durchsunken worden: 


| In 16—17 Meter Tiefe vom Tage aus ein Kohlen- 

| MOUZONCK 481030 Pu BYL zahile VšOaO sd le 0,40 Meter 
| dann bis circa 58 Mt. Gesammtteufe Schieferthon 0,15., 

| endlich das Kohlenflótz in folgender Gliederung: 


PRE JEMDANÍC o 72 S rose ea) E otjje ste « 1,16 Meter 
-© Schieferthon reich an Stigmaria . . « + - 0,40 „| mit Kohlenschnůrchen 
zekohlenbank cem ona šla al eyce7 sine le bo | durchsetzt. 


| Es erscheinen von unten noch aufwárts im Kohlenflótze dieselben Schichten, 
-wie im vorhergehenden Profile; aber die Bank mit dem Bacillarites-Zwischenmittel 
wird nicht mehr beobachtet. Von den beiden noch vorhandenen Bánken liefert die 
obere eine bessere Kohle als die untere, was dem durch das stigmarienreiche, 
mit Kohlenschnůrchen durchzogene, 0,4 Mt. Zwischenmittel angedeuteten P 
der Sohlendeckenbank entspricht. : 

Unter der 2. Kohlenbank lagern dann weiter beim Johannischachte: 
Schleifsteinschiefer úberall als hellgefárbte gebánderte Schieferthone . 250 Meter 
AH. ©... bk (230 RSS 

Letztere Kohlenbank ist sonach unzweifelhaft ein Vertreter des Radnitzer 
Unterflótzes. Die geringe Máchtigkeit der Schleifsteinschichten růckt die beiden 
Flótze ziemlich nahe an einander, so dass beide als eines betrachtet wurden, um 
so mehr als an andern Stellen die Schleifsteine noch weniger máchtig entwickelt 
sind. Lipold gibt ihre Máchtigkeit mit 1,75 Mt.; Prof. Krejčí mit nur 1,25 Mt. an; 
beide verzeichnen úberdiess úber den Kohlenlagen 1., 2. noch úber 2 Mt. máchtige“ 
Kohlenschichten, die hier nicht mehr erscheinen, ein Beweis, wie schwankend die 
Entwicklungsverháltnisse des Kohlenlagers bei Rakonitz in gewiss nur kurzen Ent- 
fernungen sich gestalten.*) 

In der náchsten Náhe des Johanni-Schachtes, bei dem dazu gehórigen 
Wasserschachte wurden ausserdem úber dem Kohlenflótze zwei schwache Kohlen- 
lagen beobachtet, u. z. unter folgenden Verháltnissen: 


Erste Kohlenbank ....... 0,10 Meter 
Sandstein und Lettenschichten . 2,35., 


*) Lipold das Steinkohlengebiet im nordwestl. Theile des Prager Kreises. Jahrbuch der 
k. k. geolog. Reichsanstalt 1861—62 und Prof. J. Krejčí Lehrbuch der Geologie 1877. 
2* 


20 


Zweite Kohlenbank . . . . .. -0,19 :., 
Sandstein' und, Det6n 1 200 
dann das Kohlenflótz wie beim Johanni-Schachte. 

Ohne Zweifel stellen die beiden neuen Kohlenlagen, die weiter nicht mehr 
erscheinen, isolirte Ausláufer jener frůher noch beobachteten úber 2 M. máchtigen 
Kohlenbank vor, voraus sich eine bemerkenswerthe Ungleichfórmigkeit in der 
Flótzablagerung ergibt, aus welcher gewiss auch das, óstlich von Rakonitz, na 
spravedlnosti, bekannte Vorkommen mehrerer schwácherer Kohlenlager, die auf 
Grundlage dort vorkommender Pflanzenreste dem Liegendflótzzuge zufallen, zu er- 
kláren ist. 

Der Liegendflótzzug ist ferner in der Umgebung von Rakonitz weiter aus- 
gedehnt, und erscheint sowohl mit der durch Schleifsteinschiefer angezeigten 
Unterfótzgruppe am Rande der Ablagerung, theils in Steinbrůchen an der Strasse 
nach Pawlikow, (im Krčelak) úber Hostokrey bis Petrowitz; so wie mit der Ober- 
flotzeruppe durch in mehreren Bergbauversuchen sůdlich von Rakonitz nachgewie- 
senen und durch die im Hostokreyer Bergbaue erschlossenen tieferen Kohlenlager, 
die sich bis hinter Petrowitz hinausziehen, vertreten. 

Úberall aber bestehen die Kohlenflótze in einer gewissen Unbestándigkeit, 
in geringerer Máchtigkeit, und zeigen namentlich in der Richtung ihres gegen 
Nord geneigten Einfallens ein baldiges Verschwinden. Es sind denn auch unter- 
schiedliche Schurfversuche in den mehr vom Ablagerungsrande entfernten Lagen 
in der Umgebung von Rakonitz ohne den erwůnschten Erfolg geblieben. 

Im weiteren Verfolge des Ablagerungsgebietes úber Woratschen, Jechnitz, 
Scheles etc. bestehen weder Bergbaue, noch werden Gesteinsschichten beobachtet, 
die dem Liegendzuge eingereiht werden kónnten, bis in der Náhe von Plass con- 
olomeratische Sandsteine an der Basis der Ablagerung die flótzleere Gruppe der 
Radnitzer Schichten anzudeuten scheinen, und etwas nordwestlich davon in der 
Náhe von Zebnitz bestandene Kohlenschiůrfe durch die mit den Gesteinsschichten 
gewonnenen Pflanzenreste das Vorhandensein von zum Liegendflótzzuge gehórigen 
Gebilden bezeichnen. 

In der Kladno-Rakonitzer Ablagerungsparthie weisen sonach die Kohlen- 
fotze des Liegendzuges bei háufiger Unterbrechung durch Gebirgsrůcken im Allge- 
meinen von Ost gegen West erst eine Máchtigkeitszunahme, dann wieder eine 
merkliche Abnahme auf, hervorgebracht theils durch ein locales Anschwellen 
oder Herabsinken der einzelnen Kohlenbánke, theils durch die vollstándigere oder 
nur bruchstůckweise und ungemein unbestándige Entwiklung derselben. 

Dabei erscheinen die wenigen máchtig entwikelten Flótzparthien, also ostlich 
und westlich, vom Rande aus weniger weit in das Innere der Ablagerung unver-. 
ándert fortsetzend, als das máchtigere Kohlenlager im Centrum des Gebietes; úberall 
wird aber durch allmálige Vertaubung und durch Zunahme eingeschobener Schiefer- 
schichten der Abschluss des Kohlenflotzes im Verfláchen beobachtet, und ist in der 
nordlichen Verbreitung des Ablagerungsgebietes weder durch Bergbaue noch durch 
zu Tag gehende Schichten die geringste Andeutung gegeben, dass der Liegend- 
flótzzug sich bis dahin erstrecke oder einen Gegenflůgel zum sůdlichen Rande bilde, 
so dass die ganze Flótzablagerung dieses Zuges als eine einseitige, als eine aus- 
gesprochene Randbildung sich zu erkennen gibt. 


Pilsner Ablagerungsparthie. 


21 


Hier bestehen Bergbaue, zunáchst sůdlich von Plass, bei Kaznau. Ein 
Profil durch das dort erschlossene Kohlenflótz zeigt folgende Gliederung derselben: 


Figur 9. 

O ve BOJI (PoněÍ 41,00 6008 0,15 Meter 
Zwischenmittel mit Bacillarites . . . . . ..... 0067 

' 8 a E od DES S SS SE 6 AB 9 

| Schieferthon, durch eine schwache Kohlenschicht 

| mtzwel Lassen cetřennt < s% 4-54. « * DM 

| KO OR A O PM O ea 6 6 yd VEC P 33 NONE 

Gesammtmáchtigkeit. .4,51 Meter 

| u. z. Kohle. .405 —, 

| Zwischenmittel. .0,46 


ma darunter. das. Enierfiotz -4 se ls vec ek o 


Bei Kaznan besteht sonach eine fast vóllige Úber- 
einstimmung in der Gliederung der Flótzablagerung mit 
— der stellenweise bei Rakonitz befundenen, und sind nament- 
-© lich die, die Sohlendecken vertretende Schieferthonlage und 

die Schleifsteinschiefer gleichmássie entwickelt. 

Aber wie dort, ist auch hier eine sehr ungleich- 
mássige Ausbildung der einzelnen Kohlenlagen bekannt, 
so dass verschiedenen Punkten entnommene Profile Ab- 
weichungen aufweisen, und auch die Bacillarites-Kohlen- 

- schichte stellenweise fehlt. 

Eben so verlieren sich im Verfláchen, das nach 
der Configuration des Ablagerungsrandes etwas wechselt, 
im Allgemeinen aber ein westliches ist, einzelne Kohlen- 
lagen, und es entstehen schon nahe am Rande unterschied- 
liche Modificationen in der Entwicklung des Flótzes, das in 
weiter westlicher Erstreckung durch angestelite Unter- 
suchungen nicht mehr in entsprechender Ausbildung an- 
getroffen wurde, so dass auch hier wesentlich eine Rand- 
bildung sich kund gibt. 

Und in áhnlichen Verháltnissen verbreitet sich 
die Flótzablagerung in sůdlicher Fortsetzung iiber Jalovčin, 
und in dem wenig bedeutenden Vorkommen bei Wobora, 
bis in die Umgebung von Třemoschna. 


Dann folgen vollkommen ausgebildete Schleifsteinschiefer 


2,50 Meter máchtig 
125 » » 


0,40 
O Z 


VET LRALBA ZE ZZIIELAL 


Von Třemoschna ist ein Profil durch das dortige Liegendflótz bereits in 


Prof. D. Fritsch's Fauna der Gaskohle etc. enthalten, und 
máchtigkeit von 1,37 bis 1,88 Mt. bloss ein Zwischenmittel 


weist bei einer Flótz- 
(mit Bacillarites) auf. 


Das Flótz ist dann mit 0,8 bis 3,0 Mt. Sandstein unterlagert, ohne das Grundflótz 


zu enthalten. 


22 


Nachdem der Bergbau weiter fortgeschritten ist, wurde das Kohlenflótz | 
an einer anderen Stelle abweichend gegliedert befunden, und liefert nachstehendes 
Profil: Figur 10, fůr das ich dem Bergverwalter Herren Kolb dankbar bin 


Kohlenlage, schwankend zwischen . . . 0,70—1,30 Meter 


Schieferthon, : ť 00,0D—100105 
Kohlenlage, 3 : 210010900 
Zwischenmittel mit Bacillarites . . .. . 0,05—0,10 je 
Kohlenlage, schwankend zwischen . . . 050—0,80 |, 
Zovischenmitteb" 1 2-0. ý 
Kohlenlage Ee o o s 


Hier erscheinen bereits mehrere Zwischenmittel; eines úiber jenem schon 
frůher bekannten mit Bacillarites; eines unter demselben. Ersteres ist noch durch 
eine Kohlenlage úberdeckt, auf welcher Schieferthon als 

Fig. 10. Hangendes ruht, der aber von jenem in diesem Zwischen- 
mittel abweicht, fester und sandiger ist, und wenig Pflanzen- 
reste enthált, und der úberall dort als directe Auflagerung 
fehlt, wo die neu hier zugekommene oberste Kohlenlage 
(0,7— 1,3 Mt.) nicht erscheint. Dann bildet der pflanzen- 
reichere Schieferthon des Zwischenmittels die Hangend- 
schichten. 

Das zweite neu hinzugekommene Zwischenmittel ist 
eine bemerkenswerthe Erscheinung; dasselbe besteht aus 
vollkommenen Schleifsteinschiefern, deren Máchtigkeit hier 
in auffallenden Weise auf die unbedeutende Grósse von 
0,15 Meter herabsinkt und durch welches die unter ihm 
liegende Kohlenbank als Unterflótz sich herausstellt. 

Es ist bei Třemoschna demnach die Mittelbank zum Theil, ein Theil der 
Oberbank des Oberflótzes, und ausserdem das Unterflótz der Radnitzer Schichten 
entwickelt, nicht aber die Sohlendeckenbank, so dass sich hier eine Abweichung 
in der Flótzentwicklung gegen die nicht weit entfernte Localitát Kaznau herausstellt. 

Bei Třemoschna heisst die oberste Kohlenlagce im Profile Fig. 10. Firsten 
flótz, alles Úbrige bis zur Sohle herab Grundflótz; worin aber ein Theil des 
Oberflótzes und der Reprásentant des Unterflótzes inbegriffen sind. 

Die Schichten verfláchen ebenfalls gegen West; das Kohlenflótz ist aber 
in dieser Richtung, nicht zu entfernt vom Ablagerungsrande, durch einen sich 
vorlegenden Thonschieferrůcken begránzt, und hinter demselben, im Innern des 
Ablagerungsgebietes nicht weiter nachgewiesen; so wie auch am entgegengesetzten 
Rande keine dem Liegendflótzzug angehórig šich erweisenden Gebilde zu beobachten 
sind, sonach dieser Zug nur auf den čstlichen Rand beschránckt sich herausstellt. 


Von Třemoschna in sůdlicher Richtung iiber den Weissen Berg bis Pilsen 
erscheinen aber wieder Vertreter der Sohlendeckenbank und gehen in der Náhe 
von Pilsen stellenweise zu Tage. 

Sůdlich von Pilsen zeigt sich l eine abweichende Entwicklung der 
Kohlenflótze.  Bei Littitz sind durch Bergbau zwei, ziemlich weit von einander 
abstehende Kohlenflótze erschlossen. Das obere derselben, beiláufig 1:20 Mt. máchtig, 


23 


enthált ein schwaches Zwischenmittel mit Bacillarites, ehtspricht sonach einem 


© Theile, wie es scheint dem oberen, der Mittelbank. 


Bis 40 Mt. darunter liegt das zweite Flótz, 2 bis 22 Mt. máchtig. Die 


 Gesteinsschichten zwischen beiden schliessen Schleifsteinschiefer ein, und Un- 


mittelbar ber diesem unteren Flótze lagert eine einzelne Sandsteinschichte, 
jener anderorts úber dem Unterflótze bekannten ganz áhnlich (nur hier háufig 
kleine Pyritkórner einschliessend, daher an der Laft bald verwitternd), so dass 
die Zugehěrigkeit des zweiten Flótzes zum Radnitzer Unterflótze keinem Zvweifel 
unterliegt. 

Bemerkenswerth ist, dass die Kohle dieses Flótzes ausnahmsweise hier von 
guter Oualitát befunden wird. 

Die Schichten verfláchen gegen Nordwest; vom Rande der Ablagerung 
wird zuerst das untere Flótz allein; weiter vom Rande entfernt erst auch das 
obere Flótz angetroffen, beide mit sehr unregelmássig, buchtig gestaltetem Aus- 
gehenden, und durch Schieferrůcken stellenweise unterbrochen. 


Beide Flótze aber unterliegen dem Verfláchen nach allmáliger Anderune, 
die auf ein stellenweise frůheres, stellenweise spáteres Verschwinden derselben 
hindeuten, wie sie auch im weitern Innern des Gebietes nicht mehr nachgewiesen 
werden konnten. 

Das Unterflótz unterliegt ausserdem hie und da bereits einer Spaltung, 
wodurch es sich in einzelne Pánke zerlegt. 

Diese Tendenz besteht auch in der sůdlichen Fortsetzung der Ablagerung 
bis Mantau. Dort werden mehrere Kohlenflótze beobachtet. Davon ist das oberste 
1:3 bis 15 Mt. máchtig und wird Oberflótz genannt. Darunter folgt circa 20 Mt. 
máchtig ein Schichtencomplex mit Schleifsteinschiefern; dann das Mittelflótz bis 
2:00 Mt. máchtig; 5 Mt. bis 12 Mť. tiefer das sogenannte Niederfiótz, bis etwas 
iiber 2:00 Mt. máchtig, und darunter noch das unbestándige absátzige, háufg 
verschwindende Unterfiótz. | 

Simmtliche unter dem Schleifsteinschiefer liegende Kohlenbánke lassen 
sich als das schon frůher sich spaltende Unterflótz auffassen; zwischen dem 
Oberflótz erscheint eine Bacillarites-Schichte, so dass hier die Ablagerung jener 
bei Lititz, jedoch in weiter modificirter Weise entspricht. 

Von allen bei Mantau unter dem Schleifsteinschiefer liegenden Kohlen- 
bánken ist nur das Mittelflótz stabil; die úbrigen bleiben stellenweise aus, und 
geben sich als locale, sich meist wieder vertaubende Flótztheile kund. 

Die Kohlenfótze fallen vom Rande weg in něrdlicher Richtung erst steiler, 
dann weniger steil, und es hat sich gezeigt, dass stellenweise das Mittelfilótz unter 
einem grósseren Winkel verflácht (35 Grade), als das ober ihm liegende Oberflótz 
(mit nur 23 Grad) so dass der beide trennende Schichtencomplex gegen die Tiefe 
zu an Máchtigkeit zunimmt. | 

Auch wechselt úberhaupt die Máchtigkeit der Schichten zwischen den 
Kohlenlagen, und diese treten háufig náher an einander. 

Da weiter in das Hangende versetzte Schurfversuche die Flótzablagerung. 
jn nur sehr reducirter Weise darthun konnten, so ist auch hier eine im Verfláchen 


eintretende Abnahme der Kohlenlagen sicher gestellt. 


Etwas nordlich vom Mantaw'er Bergbaue, bei Chotě- 
schau, lagern deutlich Kohlenausbisse zwischen Sandsteinen 
auf azoischen Schiefern, womit die sůdlichste Begránzung 
des Liegendflótzzuges in der Pilsner Ablagerungsparthie 
bezeichnet ist. 

Dann sind Kohlenfótze vielfáltie durch Bersbau am 
| entgegengesetzten, nordwestlichen, Rande der Ablagerung - 
| úber Wilkischen und Nůrschan hinaus erschlossen, die 
| | dhre Zugehorigkeit zum Liegendzuge erkennen lassen. 


Zuerst ist in der Umgebung von Wilkischen nur ein 
Kohlenflótz abgelagert. © Es streicht dasselbe gegen Osten 
nach Blattnitz, Nůrschan. Bet Blattnitz tritt úber ihm ein 
zweites Flótz auf, sich allmálig ansetzend, und es besteht 
von da an in ostlicher Richtung ein Unterflótz und ein 
Oberflótz, bis in die Umgebung von Dobraken, die bald 
in geringerer, bald in grósserer Tiefe, mehr oder weniger 
von einander getrennt, auch in der Máchtigkeit schwan- 
kend erscheinen. 

Das obere Kohlenflótz wird von Zwischenmitteln aus 
per | grauem Schieferthone mehrfach durchsetzt, in welchen 
= nirgends Bacillarites, dagegen háufig Stigmaria einge- 
r schlossen vorkómmt. 
> Ein Auerschnitt durch dieses Flótz in der Grube von 
Steinaujezd liefert folgende Gliederung: (Fig. 11.) 


= z Kohlenlage“ 4717 E A0 Sde 
9,50. = = Sehiefertkon 33 eye V: 
— Kohlenláse 4434540 
= Schieferthon *"3%2.5% F 20800 E 
— Kohlenlage: 7. 729712) 
——== Gesammtmáchtigkeit . . 1:60 Mt. 


u..zw.-Kohle -080-5 
Schieferthon . . 080 „ 

Doch ist die Entwicklung des Kohlenfótzes fortwáhrend Anderungen 
unterworfen; in geringer Entfernung von vorstehendem Profil z. B. ergibt sich die 
Gliederuns: 

Kohlenlage 0:60 Mt.; Schieferthon 0:60 Mt.; Kohlenlage 0-70 Mt.; im 
Ganzen 1:30 Mt. Kohle und 060 Mt. Schieferthon; und so wechseln Kohlenlagen 
und Schieferthone, bald máchtiger, bald schwácher werdend, an Zahl bald zu-, bald 
abnehmend und schwankt das Kohlenflótz zwischen 15 bis 2 Metern. In ganz 
kurzen Entfernungen treten merkwůrdice Unterschiede in der Gliederung des 
Flótzes auf. 

Der Character der Unterbank des Radnitzer Oberflótzes ist aber úberall 
hervortretend. 

Uber dem Unterflótze, also zwischen beiden, liegen Schleifsteinschiefer, 


25 


| ausgezeichnet ausgebildet und Sphárosiderite einschliessend. Das Unterflótz wird 
 zudem von einer Sandsteinschichte, ganz jener bei Lititz úber dem Unterfótze 
* befindlichen hnlich, úberlagert. Die Schleifsteinschiefer 9 bis 10 Mt. máchtig. — 
(Unter dem Unterflótze werden besonders bei Blattnitz, Conglomerate mit scharf- 
 kantigen Thonschieferbruchstůcken, den azoischen Schiefern aufruhend gefunden. 


Es sind sonach am nordwestlichen Rande der Ablagerung auch beide 

| Radnitzer Flótze vertreten, das obere aber bloss durch die Unterbank, woraus sich 

hier eine Abweichung in der Entwicklung der Liegendflótze an den entgegenge- 

setzten Rándern ergibt, indem zwar das Unterflotz beiderseits erscheint, das 

Oberflótz aber nordwestlich durch áltere, sůdostlich durch jůngere Lagen ver- 
treten ist. 

Das Unterflótz ist hier úberall wieder von wechselnder meěist ungenů- 

© gender Beschaffenheit; 10 bis 15 Mt. máchtig. 

Das Verfláchen der Gesteinsschichten und děr Kohlenflótze ist jenem am 
sůděstlichen Rande bestehenden entgegengesetzt, nehmlich gegen Sůd gerichtet; 
die Schichten sind in diesem Theile der Pilsen'er Ablagerung synclinal gestellt, 
und es sind Gegenflůgel vorhanden. 

Aber auch hier am nordwestlichen Rande werden die Kohlenflótze in der 
Richtung des Verfláchens frůher oder spáter verschwindend befunden, also gegen 
das Innere der Ablagerung zu sich verlierend, oder sie erscheinen in dieser 
Richtung und eben so dem Streichen nach durch hervortretende Schieferrůcken 
unterbrochen, oder auch scharf absetzend, und so in einzelne verschieden grosse 
Kohlenfótzschollen zertheilt. 

Zumeist lehnen sich die Flótze an die Schieferrůcken, allmálig schwácher, 
unreiner, selbst sandig werdend, an; oder es wird ein plótzliches Enden des 
Flótzes ohne Verschwáchung beobachtet, das nicht durch Verwerfungsklůfte bedingt 
ist, so dass stellenweise an VOr Abschluss der Ablagerungsthátigkeit stattgehabte 
Erosionen gedacht werden kánn, wodurch die unterschiedlichst geformten, vielfach 
buchtigen, oft in ganz schmale Zungen ausgezogenen isolirten, nicht selten als 
eigene Becken betrachtet gewesenen, Kohlenfótzparthien entstanden, die in Ge- 
meinschaft mit den auch hier háufig genug bekannten Verwerfungen dem Bergbaue 
oft sehwer úberwindliche Anstánde bereiten, und in den zwischen ihnen nicht 
selten in genug grosser Ausdehnung befindlichen Kohlenflótzleeren Gebirgsparthien 
fůr die ungůnstigen Ergebnisse so mancher in dieser Gegend unternommenen 
Schůrfung Aufklárung liefern. 

Der freundlichen Unterstůtzung der Hr. Bergdirektor Rossipal und Mark- 
scheider Pěkny bei der Ermittlung der hier bestehenden Lagerungsverháltnisse 
muss ich mit Dank erwáhnen. 

Die bekannte Verbreitung der beiden Liegendflótze reicht nun dem Streichen 
nach bis in die Umgebung von Dobraken, ist aber weiter úber Tuschkau an der 
Mies hinaus nicht nachgewiesen. 

Das allmálige Verschwinden der Kohlenflótze ihrem Verfláchen nach von 

* beiden Rándern des sůdwestlichen Pilsner Ablagerungsgebietes gegen das Innere 
zu, gibt auch diesem, eine gróssere Ausbuchtung der gesammten Ablagerung dar- 


20 


stellenden Theile den Character einer vorwaltenden Randbildune, die die weiter © 
einwárts liegenden Parthien frei von Kohlenflótzen liess, wie mehrfache Unter- | 
suchungen dargethan haben. 


Ablagerungsparthie bei Wranowa náchst Mies. 


In dieser unbedeutend ausgedehnten Ablagerungsparthie ist das Vorkommen 
nur eines Kohlenflótzes bekannt. 
Dasselbe erreicht 2—4 Meter Máchtigkeit, wird un- 
Fig. 12. mittelbar von grauem Schieferthon, weiter von Sandsteinen 
úberlagert, von drei Zwischenmitteln aus ebenfalls granuem 
Schieferthone in mehrere einzelne Bánke zerlest und deutet 
hiedurch wie durch das zahlreiche Vorkommen von Štig- 
maria-Abdrůcken in letzteren, und durch den sonstigen 
Character der in den Begleitschichten erhaltenen Pílanzen- 
reste, worunter Lepidodendra und Sigillarien, auch in den 
Kohlenschichten erkennbar, seine Zugchorigkeit zu den 
Radnitzer Schichten und seine Analogie mit der Unter- 
bank des Oberflótzes derselben an. 

Es ist diesemnach mit dem oberen der beiden Lie- 
gendflótze bei Nůrschan in Úbereinstimmung, mit dem es 
auch die Unbestándigkeit in der Entwicklung der einzelnen 
Kohlenlagen und den Máchtigkeitswechsel der Zwischen- 
mittel gemeinsam hat, in Folge dessen die Flótzmáchtigkeit 
zwischen 2 und 4 Mt. schwankt. 

Die Ablagerung stellt sich sonach wahrscheinlich als 
der Úberrest einer ehemals weiteren Verbreitung des Pils- 
ner Ablagerungsgebietes heraus, der durch allmálige Zer- 
stórung der Zwischenglieder isolirt wurde, worauf noch 
zwischen beiden Localitáten Wranowa und Nůrschaner 
Umgebung vorkommende Sandstein- und Schotterparthien 
hinweisen. 


Ablagerungsparthie Wittuna. 


Etwas čstlich von Stankau, vor dem Dorfe Strich- 
lowa oder Krchleb, beginnt diese Parthie mit conglomera- 
tischen Sandsteinen, und erstreckt sich, unregelmássig 
begránzt, gegen Merklin. In ihr ist ein Kohlenflotz ab- 
gelagert, das aber nicht das ganze Gebiet derselben ein 
nimmt, sondern von den Rándern entfernt seine Aus- 
gehenden hat. 


Die Gliederung dieses Kohlenflótzes, besonders wo es máchtiger entwickelt 
ist, gibt sogleich Aufschluss ber dessen Stellung. Eine solche ist aus nach- 
stehendem Profile ersichtlich: (Fig. 12.) | 


Kohlenlage +14 1:781kystid 40 ša 8 OHM 


21 


Zwischenmittel, grauer Schieferthon 0,35 Mt. 
Kohlenlage 7 A4 ve 0,15 „ 
Zwischenmittel, grauer Schieferthon - 0,15; ; « 
Rahlenlase: Teo 050%, 
Zwischenmittel, grauer Schieferthon . 0:05:75 
Kohlenlage . ATO POOO o0 W BDX 
Gesammtmáchtigkeit „200 Mt. 

u. zw. Kohle L nA váš 

Zwischenmittel ODD 


Die Zwischenmittel sind reich an Stigmarla, und ihr Erscheinen in grósserer 


Anzahl úber einander, so Wie 


der Charakter der úbrigen beobachteten fossilen 


Planzen reiht das Flótz dem Liegendflótzzuge und speziell der Unterbank des 


Radnitzer Oberflótzes an. 
Wie verschiedenartig sich di 


e Gliederung des úber ein nur beschránktes 


Gebiet verbreiteten Kohlenfiótzes entwickelt, zeigt eine Anzahl weiterer Profile 
durch dasselbe, deren genaue Verzeichnung mir durch Gůte des Bergverwalters 
Hr. Kahler ermóglicht wurde. 
An einer Linie, die von West gegen Ost durch die Flótzablagerung ziemlich 
in der Mitte derselben gelegt ist, wird das Flótz an einzelnen hinter einander 
folgenden Punkten in nachstehender Weise zusammengesetzt befunden : 


I. (Westlichster Punkt.) TE III. 
Kohlenlage 0,16—0,21M. © Kohlenlage 0,16—0,21 M. © Kohlenlage 0,47 M. 
Schieferth. 0,21—0,52 „ Schieferth. 0,10—0,16 „ Schieferth. 0,16—0,52 „ 
Kohlenlage 0,32—0,47 „ Kohlenlage 0,32—0,40 , Kohlenlage 0,32 i 
Schieferth. 2,00—5,00 „ Schieferth. 0,10—0,18 , 
Kohlenlase 0,08 M Kohlenlage 0,16 ň 


TV 


Kohlenlage 0,39—-0,47 M. 


Schieferth. 0,32—1,26 , 


Kohlenlage 0,15—0,26 , 


Schieferth. 0,16—0,52 „ 
Kohlenlage 0,32— 0,47 „ 


V 


Kohlenlage 0,10 M. 


Schieferth. 0,20 ě 
Kohlenlage 0,21—0,32 , 
Schieferth. 2,00—5,00 , 
Kohlenlage 0,08 é 
Schieferth. 0,16—0,32 , 
Kohlenlage 0,32—0,41 , 


VI. (Óstlichster Punkt.) 


Kohlenlage 0,16—0,32 M. 
Schieferth. 0,03—0,08 , 
Kohlenlage 0,63—0,79 , 
Schieferth. 0,16—0,32 , 
Kohlenlage 0,08 ň 
Schieferth. 0,03—0,10 „ 
Kohlenlage 0,40—0,47 , 


© Die Entfernung der Endpunkte betrágt beiláufig 2200 bis 2300 Meter, so 
dass die einzelnen Profile durchschnittlich an 400 Meter von einander weit liegen. 


Einzelne davon, wie II. und V. auch VI. sind ziemlich úbereinstimmend, 


aber durch andere gánzlich verschie 


Máchtigkeitsveránderung. der Zwischenmittel, theils 
Wiedererscheinens einzelner Kohlenlager, getrennt. : 

Etwas. sůdlich von den beiden Punkten IV. und V. ist das oben zuerst 
mitgetheilte Profil (Fig. 12) entlehnt. Auf einer ebenfalls von Ost nach West durch 


den gegliederte, theils in Folge einer localen 
des localen Ausbleibens und 


28 


den Punkt dieses Profis gelegenen Linie findet man, westlich von demselben das 
Kohlenflótz nachfolgend gegliedert: 


Kohlenláge > 728 Oo Meter 
Schieferthon 7 071015=092- 
Kohlenlage: "3729003501026 


Und in dieser Gliederung befindet sich dann das Kohlenflótz iiber einen 
ansehnlichen Theil seiner Verbreitung in westlicher Linie stabil. 

Schon die gegebenen Profile, denen noch eine gróssere Anzahl bestehender 
Modificationen angereiht werden kónnte, genůgen, neben dem ůberall erhaltenen -— 
Character der Sohlendeckenbank, die auffallende Mannigfaltigkeit der Entwicklung 
der einzelnen Schichten in oft so kurzer Entfernung zu zeigen, und die Steigerung 
der schon in der Umgebung von Pilsen in der Entwicklung und Verbreitung der 
einzelnen Kohlenlagen sich kundgebenden Unregelmássigkeit und Unbestándigkeit 
in der sůdlichen Richtung des Ablagerungsgebietes darzuthun. 

Úberlagert wird das Kohlenflótz von grauen, hie und da sandigen Schiefer- 
thonen, dann von Sandsteinen 20 bis 40 Meter máchtig; hie und da erscheint 
úber demselben noch eine 0,15 Meter starke Kohlenschicht. 

In die Tiefe durchgefiihrte Untersuchungen haben weiters 3 bis 50 Meter 
máchtig Sandsteine und Schieferthone nachgewiesen. Zwischen diesen ist mehrmal, 
ungleich tief, ebenfalls eine schwache Kohlenlage beobachtet worden; zugleich 
werden weisse Sandsteine, und eben solche, feinkórnige Schieferthone angetroffen. 
Móglicher Weise vertritt diese schwache Kohlenschichte das Unterflótz; jene erstere 
eine hóhere Bank des Oberflótzes in bruchstůckweiser Erhaltung. 


2. Der Mittelflótzzug oder die Nůrschaner Schichten. 


Die Verbreitung des Mittelflótzzuges ist auf die beiden Ablagerungsgebiete 
Pilsen und Kladno-Rakonitz beschránkt. In keiner der úbrigen Parthien sind bis 
jezt irgend welche Anhaltspunkte fůr des Vorkommen desselben vorhanden. 

Der Beginn dieses Flótzzuges lásst sich nur in den Horizont des in der 
Reihe der Ablagerungsschichten von unten nach aufwárts zunáchst úber jenen des 
Liegendzuges erscheinenden Kohlenflótzes versetzen. 

Eine Vereinigung einer grósseren Parthie der unter diesem Flótze (zwischen 
ihm und den Liegendflótzen) befindlichen Gesteinsschichten noch mit dem, dem 
Mittelflótzzuge zugehóorigen ber dem Flótze folgenden Schichtencomplexe ist bei 
dem Mangel abweichender Lagerungsverháltnisse stratigraphisch nicht geboten. 

Auch in paláontologischer Hinsicht ist bei dem Umstande, dass organische 
Úberreste in entsprechender Menge erst mit dem Kohlenflótze und den ihm an 
seiner Basis zuzurechnenden Schichten, und weiters in dessen Hangendschichten 
angetroffen werden, keine Veranlassung hiezu gegeben. 

Das Kohlenflotz des Mittelzuges erweist sich im Allgemeinen schon durch 
den Umstand auffállig abweichend von jenen des Liegendzuges, dass es aus 
zweierlei in verschiedenen Bánken erscheinenden Kohlengattungen zusammengesetzt 
ist; aus echter Schwarzkohle, und aus einer, oft plattenfórmigen Cannelkohle- 


s! 


© besteht, und eine veránderte Kohlenbeschaffenheit nur in der grósseren oder gerin- 


/ 


29 


| artigen Varietát, die wegen ihres reichen Gehaltes an Leuchtgas ein sehr gesuchter 
| Artikel ist, zuerst aus der Umgebung von Nůrschan bekannt und unter dem Namen 
- Plattelkohle in den Handel gebracht wurde, wáhrend bei den Liegendflótzen ein 


derartiger Unterschied in der Kohlengattung einzelner bestándiger Lager nicht 


geren Beimengung schiefriger Schichten im Allgemeinen bedingt ist. 

Ein anderes Unterscheidunegsmerkmal bietet ferner der Abgang sámmtlicher 
den Liegendflótzen eigener Zwischenmittel. 

Bacillarites-Schichten fehlen durchaus; und obwohl aus diesem Mangel 
allein keineswegs auf die Abwesenheit von Radnitzer Schichten (bei unvollkom- 
mener Entwicklung derselben) ein Schluss gestattet ist, so ist diess der Fall doch 
in Anbetracht der gánzlich abweichenden Anordnung und der anderweitigen Be- 
schaffenheit der das Mittelflotz begleitend Zwischenschichten. 

Insbesondere sind auch die paláontologischen Verháltnisse geeignet, das 
Mittelflótz von den Liegendflótzen unterschieden zu erkennen; namentlich ist das 
Vorkommen von Wirbelthierresten, deren erste Spuren in der Schichtenreihe unserer 
Ablagerung auf einzelnen Bánken dieses Flótzes erscheinen, zu bemerken. 

Rs begleitet diess Vorkommen von Wirbelthierresten das Mittelflotz nicht 
úber seinen ganzen Verbreitunesbezirk; aber wo sie auch erscheinen, werden sie 
immer nur auf die Schichten an der Basis des Kohlenflótzes beschránkt gefunden, 
und weder unter demselben, noch in den hóheren Lagen des Kohlenflotzes oder 
seinen weiteren Hangendschichten irgendwie angetroffen. 


Der erste Wirbelthierreste fůhrende Horizont in unserer Steinkohlen- 
ablagerung ist sonach in enger Verbindung mit der Erscheinung des Mittel- 
kohlenflótzes. 

Dagegen erscheinen Pflanzenreste am zahlreichsten in den das unmittelbare 
Hangende des Flótzes bildenden, meist graugefárbten, háufig aber in's Rothliche 
oder Violette geneigten, auch von róthlichen Adern durchsetzten oder gefleckten, 
stellenweise grůnlichen Schieferthonen eingeschlossen, nur seltener auf Schichten 
des Kohlenflótzes selbst, woraus ein neuer Planzenreste fiihrender Horizont entsteht. 

Die Selbststándigkeit des Mittelflótzes wird ausserdem durch die beste- 
henden Lagerungsverháltnisse in den beiden Parthien seines Vorkommens deutlich 
erwiesen, wie sich aus einer náheren Betrachtung dieser ergibt. 


Pilsner Ablagerungsparthie. 


In der Umgebung von Nůrschan wurden mehrfach, besonders nordostlich 
bei den sogenannten Pankrazgruben bei Abteufungen drei unter einander folgende 
Kohlenflótze angetroffen, von denen die beiden unteren sich den friiher geschilderten 
Liegendflótzen zugehórig erwiesen, wáhrend des oberste dritte eine neue Er- 
scheinung blieb. 

Vom nordwestlichen Rande der Ablagerung weg wird dort zuerst das 


 Unterflótz, weiter einwárts das dem Oberflótze des Liegendzuges entsprechende 


Kohlenlager ausgehend getroffen, iiber denen sich zuletzt, am meisten gegen das 
Innere der Ablagerung vorgerůckt endlich das dritte Flótz, als das jůngste ansetzt, 


k 


30 


so dass Scháchte in dieser Richtung abgeteuft, erst nur ein Flótz, dann zwei 
solche, endlich alle drei durchteufen. 

Dieses dritte jingste Flótz verbreitet sich dann in sůdwestlicher Richtung, 
wo besonders in den zum Humboldt- und zum Ziegler-Schachte gehórigen Gruben 
noch jetzt ein lebhafter Abbau desselben besteht. 

Das Flótz ist besonders in der Náhe dieser Scháchte vollkommen ent-: 
wickelt und geeignet, seine Eigenthůmlichkeiten zur Anschauung zu bringen. 

Ein Profil durch dasselbe liefert folgende, schon in Prof. Dr. Fritsch's 
Fauna der Gaskohle etc. dargelegte Gliederung, von oben nach abwárts: 


Schwarzkohle, wůrflig spaltend . ... . . .0,30 Mt. 
Zwischenmittel, schwarzer Schieferthon, mit | 

wenig PRanzenresten 9 W ne 0,03—0,20 „ 
Schwarzkohle, wůrflig spaltend ....... 0,30 : 


Cannelkohle, muschlig brechend, mit viel Stig- 
maria, seltenen Farrenresten, und ein- 


zelnen Knochen kleiner Saurier . . . -. 0,90 M 
Brandschiefer, in diůnnen Platten, mit Sauriern- 
fischen, Gampsonychus und Farrenresten 0,25 ň 


Zwischenmittel, grauer fester Schieferthon .0,02—0,05 „ 
Plattelkohle, in dicken Platten, mit weissen 
thonigen Streifen und theilweisse důnnen 
Thoneisensteinlagen, als Hauptfundort der 
Daurier 52 345885 Ado ee ké + 0,30 R 
Kohlenlage, bláttrig, in grůnlichen Platten | 
und háufig mit in Kies umgewandelten 
Calamiten -543 Xn 0004 Ao Ask 0,08 ss 
Gesammtmáchtigkeit. . 1,58 Mt. : 
u. z2Kohe— 11535 
Zwischenmittel. .0,05 „ 


Die in der untersten Kohlenlage eingeschlossenen Calamitenreste erscheinen 
háufig auch mit einem grůnlichen Úberzuge versehen, und es beginnen in derselben 
die Saurierreste zu erscheinen. Die Cannelkohle ist oft von so fester Beschaffenheit, 
dass sie sich zu gedrechselten Gegenstánden verarbeiten lásst. 

Úber dem Kohlenflótze lagern dann Schieferthone mit Pfanzenabdrůcken, 
bis 10 Meter máchtig und endlich Sandsteine. 

Die Abweichung dieses Flótzes von jenen des Liegendzuges ist hier in 
der ganzen Zusammensetzung desselben ausgesprochen; zudem ist seine Ver- 
breitung von jener der Liegendflótze in derselben Gegend abweichend, und wird 
auch in dieser Hinsicht auf die Selbststándigkeit dieses Flótzes hingewiesen. 

Es úberlagert dasselbe nehmlich vielfach solche Strecken, wo die beiden 
Liegendflótze fehlen, und fehlt háufig wieder dort, wo sich jene verbreiten. 

So ist seine Ausdehnung von den Pankrazeruben in einem keineswegs- 
sehr breiten Streifen sůdwestlich ber Nůrschan hinaus bekannt. Denn wáhrend 
es dort an dem nordwestlichen Rande der Ablagerung (Mariaschacht) noch fehlt, 


31 


Ibei den sůdlicher liegenden Scháchten aber angefahren wurde*), ist es bereits bei 
Jdem noch sůdlicher stehenden Krimich-Schachte nicht mehr gefunden worden, 
Jund hat dieser Schacht mit 175 Mt. Tiefe gleich das obere der beiden Liegend- 
Hlótze erreicht. 

| In dem etwas weiter resilich gelegenen Šteinaujezd-Schachte sind ebenfalls 
(nur die beiden Liegendflótze angetroffen, und keine Spur des Mittelflotzes vorhanden; 
'erst in den sůděstlichsten Gránzen des zu diesem Schachte gehórigen Giřubono 
„feldes, also ansehnlich weit von ihm entfernt, reicht in sehr beschránktem Masse 
-eine schwache Kohlenschichte in hóherem Niveau ber jene herein, als Aus- 
"gehendes des bei dem sůdlich angránzenden Humboldt-Schachte wieder fast aus- 
"schliesslich vorkommenden Mittelflótzes. 

Bei diesem Humboldt-Schachte sind nehmlich nur an dessen ostlichsten 
| Gránzen, unter diesem aus seiner nordlicheren Verbreitung úber den Liegend- 
Aótzen sich herabziehenden Mittelflótze erstere ein wenig herreichend, im gróssten 
| Theile des Grubenfeldes aber nicht vorhanden. 


Vom Steinaujezd-Schachte, wo beide Liegendflótze entwickelt sind, fallen 
dieselben gegen den sůdlich situirten Lazarus-Schacht, ohne dass bis dahin das 
Mittelflótz úber ihnen zum Vorschein kómmt. 


Erst sůdlich vom Lazarus-Schachte setzt sich dasselbe an, eine Strecke 
weit von dem oberen der Liegendflótze unterlagert, nachdem das untere derselben 
schon beim Lazarus-Schachte sich auszukeilen beginnt, und weiter verschwindet. 


| Bei dem weiter westlich sich befindenden Grubenbaue Blattnitz wurde 
das Mittelflótz in 154 Mt. Tiefe, das Flótz aber nur 0,75 Mt. máchtig angefahren, 
und mit 167 Mt. Tiefe der azoische Thonschiefer erreicht, ohne auf die Liegend- 
lotze zu treffen. 


Něrdlich von dem, wieder sůdlich von Blattnitz stehenden Zieglerschachte 
wurde aber angetroffen, von oben nach abwárts: 


In beiláufig 88 Mt. Tiefe das Mittelflótz, als das oberste . 1,15 Mt. máchtig, 
in 115 Mt. Tiefe, also 27 Mt. unter ersterem das obere 
Be SEM ODE S29 bd Ko, oby SKO 
in 124 Mt. Tiefe, 9 Mt. tiefer, das untere Liegendflótz. .1,70 : 
und bei 133 Mt. Tiefe azoischer Schiefer als Grundgebirge. 


In der Grube beim Zieglerschachte selbst setzt wieder nur ausschliesslich 
das oberste, das Mittelflótz fort, und ist in dessen sůdlicher Umgebung, in der 
Náhe des Janow-Teiches in Tiefen von 109 bis iber 170 Mt., mit 1,6 bis 1,8 Mt. 
Máchtigkeit angeschůrft worden; und soll neuerer Zeit bis in der Náhe von 
Gottowitz beobachtet worden sein. 


In nordwestlicher Richtung, gegen Wilkischen, wird dasselbe nirgends 
mehr gefunden, und eben so wenig ist im sůdlichen und sůdostlichen Gebiete der 
Pilsner Ablagerungsparthie irgend welche merkbare Fortsetzung dieses Mittel- 
flótzes bekannt. Es erscheint vorwaltend auf die nordwestliche Hálfte der Abla- 
gerung beschránkt, ist sonach ebenfalls einseitig entwickelt, und in einem mit 


*) (Silvia-, Antoni- und Marthaschacht.) 


92 


jenem der Liegendflótze nicht correspondirenden Verbreitungsbezirke gelagert.*) 
Erst in der Umgebung von Třemoschna erscheint úber den dort kennen gelernten 
Liegendflótzen wieder ein Kohlenlager, das mit Ausnahme seiner geringeren 
Máchtigkeit, vollkommen analog jenem bei Nůrschan zu oberst befindlichen 
sich erweist. 

Die Zusammensetzung dieses Flótzes zeigt nehmlich von oben nach abwárts 
folgende Gliederung: 


Schwarzkohle -i 4uzliuus has BR V Ak Vla Ee 10 son 8 
Cannelkohle, Stigmaria enthaltend. ©... ...... ..010 „ 
Plattelkohle, dinnbláttrig mit Wirbelthierresten „0,09 |, 
Plattelkohle gestreift, mit Wirbelthierresten  . . .0,04 „ 


Die Úbereinstimmung in der Zusammensetzung dieses Kohlenflotzes mit 
jenem bei Nůrschan ber den Liegendflótzen befindlichen ist in der Reihenfolge 
der verschieden beschaffenen Kohlenbánke so wie durch das Vorkommen der 
gleichen Thierreste an seiner Basis deutlich ausgesprochen. 

Und auch die Selbststándigkeit des Flótzes ist durch die bestehenden 
Lagerungsverháltnisse ausser Zweifel gesetzt. Die Liegendflótze verbreiten sich 
vom Rande der Ablagerung ausgehend; erst in weiterer Entfernung mehr im 
Innern derselben erscheint das Mittelflótz úber ihnen und durch Gesteinsschichten 
getrennt, und setzt dann in dieser Richtung, erst úber den Liegendflótzen, dann 
aber nur allein auftretend fort, nachdem letztere an dem friůher erwáhnten Schie- 
ferrůcken ihr Ende erreichen. Eingehend sind diese Verháltnisse erórtert in Ver- 
handlungen der k. k. geolog. Reichsanstalt vom Bergverwalter Kolb und in Dr. 
Fritsch Fauna der Gaskohle. 

In der Umgebung von Třemoschna ist die Verbreitung dieses dem Mittel- 
zuge zugehorigen Flótzes ebenfalls nur eine geringe; es scheint, durch úberlagernde 
jůngere Schichten in der Strecke zwischen Třemoschna und Nůrschan der Beo- 
bachtung entzogen, in einem von Nordost gegen Siůidwest sich hinziehenden Streifen 
abgelagert zu sein.  Jedenfalls ist aber auch hier das Ausgehen des Flótzes vom 
sůdostlichen Rande der Ablagerung entfernt, und lásst sein Erscheinen vorwaltend 
gegen Nordwesten hinausgeschoben, die Tendenz zur mehr einseitigen Entwicklung 
nicht verkennen. 


Kladno-Rakonitzer Ablagerungsparthie. 


Nordlich von Třemoschna, und in dem ganzen westlichen Gebiete der 
Kladno-Rakonitzer Ablagerung úber Plass-Jechnitz ete., ist nirgends eine zuver- 
lássige Andeutung von dem Vorhandensein zum Mittelzuge gehoriger Schichten 
gegeben. 


*) Eine Bohrung bei Auherzen, nordlich von Mantau hat folgendes Resultat geliefert: 
Sandstein und Schieferthon 57“ 5' 2"" tief; dann Kohle 12'', Schiefer 46"' und Kohle 6'; 
Sandstein und Schieferthon bis zur Tiefe von 65% 0" 6"': dann Kohle 22"'; weiter Sand- 
stein und Schieferthon bis 699 3' 6'' Tiefe; dann Kohle 7“ und endlich bis zur Tiefe 
von 819 5' 7" Sandsteiu, worunter azoische Thonschiefer. Es scheinen sonach hier noch 
die bereits sehr verschwáchten beiden Liegendflótze, úber ihnen das Mittelflótz, bereits 
gespalten, erreicht worden zu sein. 


33 


Erst in der Umgebung von Rakonitz, besonders bei Lubna und Senez, ist 
-ein Kohlenflótz bekannt, das seit langer Zeit in bergbaulichem Betriebe hefindlich, 
| die Anwesenheit des Mittelflotzzuges wieder erkennen lásst. 
Eine náhere Betrachtung der Gliederung dieses Flótzes zeigt keinerlei 
© Merkmale, die dasselbe in die Reihe der Liegendflótze einzureihen geeignet sind, 
© "denen zugehorig es in frůherer Zeit betrachtet wurde. Dagegen ist eine auffallende 
© Verwandtschaft mit der Beschaffenheit des in der Pilsner Ablagerung zunáchst úber 
-den Liegendflótzen kennen gelernten, sog. Nůrschaner Flótzes auseesprochen. 

Es zeigt dieses Flótz von Lubna-Senez nehmlich nachfolgende Gliederung: 


Kohlenlage (Firstkohle) compact, theils dunkelbraun  . . . . 0,30—1,00 Mt. 


„© Zwischenmitel, schwarzgrauer Letten . .. <.. <.. 4. 008—0,20 „ 
P- Kohlenlage, schwarze, wůrflig brechende Kohle . . . . . . .0,20—0,30 , 
l Cannelkohle, compact, bráunlich, enthált Stigmaria . . . . .0,20—0,2 „ 
(© Brandschieferlage, důnnplattig mit Farrnresten . . . . . « -0,10—0,20 , 
| Zwischenmittel, Letten, mit Sphárosideritplatten ©. . . . . .0,20—050 , 


| Brandschiefer, hart, plattig geschichtet, mit Pflanzenresten . . 0,10—0,20 


| Es folgen dann unter dem Kohlenflótze in der Máchtigkeit sehr wechselnde 

| Schieferthone mit eingelagerten schwachen Brandschieferschichten, in welchen Cala- 
miten mit einem grůnlichen Úberzuge beobachtet werden, wie bei Nůrschan und 
Třemoschna. 
Hier wie bei Nůrschan tritt vor Allem der Unterschied in der Kohlen- 
gattung, aus welcher die oberen und die unteren Lagen bestehen, vor Augen; 
Schwarzkohlenlagen, durch ein Zwischenmittel getrennt, oben, Cannelkohle und 
plattelkohlenartige Brandschiefer unten; die Cannelkohle enthált Stigmaria; die 
Brandschiefer fůhren Farrnreste, zwischen ihnen stellt sich eine Lage Spháro- 
siderite ein, und an der Basis werden grinlich úberzogene |Calamiten gefunden. 
Es liegen sonach, mit Berůcksichtigung der durch die Entfernunzg erklár- 
baren geringen Modificationen in stratigraphischer Beziehung alle Anzeichen fůr 
die Analogie des Kohlenflótzes von Lubna-Senez mit jenem von Nůrschan vor, wie 
Sschon zuerst Prof. Kušta in mehrerer Mittheilungen nachzuweisen in der Lage war. 

In palaeontologischer Beziehung aber ist ein wesentlicher Unterschied zu 
verzeichnen, indem zwar die fossilen Pflanzenreste sich úbereinstimmend erweisen, 
Wirbelthierreste aber bisher nirgends zum Vorschein gekommen sind. 

Nichts desto weniger kann doch die Lagerung des Kohlenflótzes in einem 
selbststándicen, úiber dem Liegendflótzzuge befindlichen Horizonte nicht ver- 
kannt werden. 

Es wird dasselbe von Sandsteinen und Schieferthonen úber 100 Meter 
máchtig unterlagert, ohne dass zwischen diesen weiter ein Kohlenflótz eingeschlossen 
ist, woraus freilich nicht, wie bei Nůrschan, schon durch die Reihenfolge der 
abgelagerten Kohlenflótze sich das Lubna-Senezer als oberstes herausstellt; es ist 
indess schon die máchtige Unterlagerung, wie sie sonst nirgends bei den Liegend- 

- Hótzen entwickelt ist, geeignet, eine andere Stellung fůr jenes wahrscheinlich 

-zu machen. 

,: Etwas westlich von Lubna, bei Hostokrey, ist aber úber den, dort wieder 

- abgelagerten Liegendflótzen die Fortsetzung des Flótzes von Lubna Ad metténd. und 
| 3 


34 


so ist hier durch die bestehenden Lagerungsverháltnisse das jingere Alter und der 
selbststándige Horizont desselben dargethan, zugleich auch die Andeutung fůr einen 
von jenem der Liegendflótze unabhángigen Verbreitungsbezirk desselben gegeben. 

Úberlagert wird das Flótz bei Lubna erst von theilweise rothlichen, sonst 
orauen Schieferthonen und endlich Sandsteinen. Die oben gegebene Gliederung des 
Lubna'er Kohlenflótzes unterliegt vielfachen Anderungen, in sofern dessen einzelne 
Lagen in Bezug auf ihre Máchtigkeit sehr wechselnd befunden werden, so dass 
Profile verschiedenen Stellen entnommen, namhafte Abweichungen aufweisen, wobei 
sich namentlich in der Richtung des Verfláchens gegen Nord ein allmáhliges 
Schwinden der einzelnen Lagen einstellt, und das Flótz nach und nach in dieser 
Richtung seinen Abschluss erhált. 

Auch hier befindet sich die Flótzentwicklung am meisten in der Náhe des 
Ablagerungsrandes ausgebildet. 

Von den einzelnen Lagen sollen sich die in der oberen Hálfte des Flótzes 
am lángsten erhalten, die an der Basis befindlichen plattenfórmigen am ehesten 
schwinden, und es erscheinen einzelne derselben am Rande des Flótzes nur 
schwach, verstárken sich im Verfláchen, verschwinden aber weiterhin immer mehr. 

Eine áhnliche Unbestándigkeit in seiner Entwicklung zeigt das Flótz auch 
in seiner Streichungsrichtung von Ost gegen West, wie dessen geringere Máchtig- 
keit schon bei Hostokrey lehrt. 

Und so ist es hóchst wahrscheinlich, dass das 40 Mt. úber dem oberen 
Liegendflótze bei der Rakonitzer Adalberti-Zeche, wie dort schon erwáhnt, beo- 
bachtete 0,40 Mt. máchtige Kohlenflótzchen die Fortsetzung des verschwáchten 
Lubna'er Flótzes darstellt, und die Verbreitung des Nůrschaner Flótzhorizontes 
in dieser Richtung andeutet. 

Im weitern ostlichen Gebiete iúber Kladno hinaus wurde bei den seiner- 
zeitigen Berebauunternehmungen vielfach ein Kohlenflótzchen von geringer Mách- 
tigkeit mit Schieferthon in 80 bis 150 Meter Hóhe úber den Liegendflótzen beo- 
bachtet. — Lipold hat von mehreren Stellen dieses Flótzvorkommens Pflanzenreste 
gesammelt, auf Grund deren Stur den von ihm eingenommenen Horizont als 
Zeměch-Schichten bezeichnete. 

Dieses gleichfórmige mehrfache Erscheinen einer Kohlenschichte ist ganz 
oeeignet, das DBestehen der weiteren Verbreitung eines Kohlenfotzhorizontes in 
grosserem Abstande úber den Liegendflótzen zu erweisen, der, obwohl der náhern 
Beschaffenheit der betreffenden Kohlenschichte, die aber gegenwártig nicht mehr 
zugáneie ist, wegen Unbauwůrdigkeit wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde, in 
Berůcksichtigung seiner Lage sehr wohl als die Fortsetzuneg jenes bei Lubna aus- 
gesprochenen, durch das Mittelflótz bezeichneten, betrachtet werden darf. 

Erst in der áusserst ostlichen Verbreitung der Ablagerung geht, zwischen 
Lobeč und Můhlhausen ein Kohlenflótzchen stellenweise zu Tage, das in dieser 
Jeziehune náhere Anhaltspunkte liefert. 

Dieses Kohlenflótzchen, im Ausbisse 0,20 bis 0,21 Mt. můchtig, besteht 
von oben herab aus einer Lage schwarzer wůrfelig brechenden Steinkohle, die 
von einem schwachen thonigen Zwischenmittel durchsetzt ist. — Unter ihr lagert 
sich eine mehr compacte bráunliche Kohlenschichte, und endlich an der Basis 
© plattenfórmig brechender Brandschiefer. 


und Hangendschichten desselben hervor. 


35 


Úberlagert wird dasselbe von grauen, ganz jenen bei Lubna áhnlich ins 
Rothliche geneigten Schieferthonen mit Pflanzenresten und zuletzt von Sandsteinen. 

Trotz der verringerten Máchtigkeit und der bestehenden Reduction der 
einzelnen Lagen ist dennoch die Verwandtschaft in der Gliederung und in der 
Zweitheilung der vorfindigen Kohlenschichten, dann in dem die oberste Lage durch- 
setzenden Zwischenmittel mit jener im Nůrschaner und Lubnaer Flótze bestehenden 
unverkennbar, und lásst diess Flótz von Můhlhausen nur dem Mittelflótzzuge 
einreihen. 

Es liefert dasselbe aber zugleich eine bedeutende Unterstůtzung fůr die 
Annahme, dass jene frůher besprochenen mehrfach beobachteten Kohlenflótzchen 
einem und demselben Gebilde und dem gleichen Horizonte, wie jene, angehůren, 
was noch durch den Umstand unterstůtzt wird, dass das Můhlhaus'ner Flótz úber 
dem bei Kralup bestehenden Liegendflótzhorizonte sich in áhnlicher vertikaler 
Hóhe abgelagert befindet. 

So zeigt sich die Zone des Mittelflótzzuges, oder der Nůrschaner Schichten 
von Sůdwest, bei Nůrscham, bis an die óstlichste Gránze des Ablagerungsgebietes 
ausgedehnt, in der Richtung des Verfláchens analog mit dem Liegendflótzzuge 
frůher oder spáter das zugehorige Kohlenflótz abschliessend, und so iibereinstimmend 
mit diesem eine mehr vom Rande aus stattgehabte Bildung darstellend. 


3. Der Hangendflotzzusg oder die Kounova'er Schichten. 


Den Hangendflotzzug kennzeichnet ebenfalls das Vorkommen nur eines 
Kohlenflótzes, das von jenem des Mittelzuges durch eine immer gróssere Reihe 
von Gesteinsschichten abgetrennt erscheint, 

In seiner ganzen Máchtigkeit besteht dieses Kohlenflótz wieder nur aus 
einer, mit jener in den Liegendflótzen vorkommenden, iúbereinstimmenden Kohlen- 
gattung, aus der sogenannten Schieferkohle. 

Die Máchtigkeit ist stets nur eine geringe, und an den meisten Stellen 
des Flótzvorkommens eine ziemlich gleiche, beiláufig 0,8 Mt. betragende. 

Das Flótz ist fast úberall von einer schwachen, gelblich weissen Schiefer- 
thonschichte in zwei ungleich starke Bánke getheilt, von denen die obere, die 
stárkere gewóhnlich 0,5 Mt. misst, die untere sich als die schwáchere erweist. 
Diese Schieferthonschichte behált úber den gróssten Theil der Flótzverbreitune 
eine ziemlich gleiche geringe Stárke, und wird nur local anders befunden. Es 
erweitert sich nehmlich in der ostlichsten und westlichsten Verbreitung des 
Kohlenflótzes das erwáhnte Zwischenmittel keilfórmig, wodurch die beiden Binke 
etwas weiter voneinander entfernt erscheinen. 

Die Kohle wird háufig von Pyritlagen und Knollen begleitet, und im 
ganzen Bereiche ihrer Verbreitung trifft man die Kluftfláchen derselben háufig mit 
důnnen Galenitbláttchen úberzogen. 

Das Kohlenflotz erweist sich sonach schon in seiner Zusammensetzung 
und Gliederung von jener der tiefer liegenden Flótzzůge verschieden. 

Noch mehr tritt diese Verschiedenheit in der Beschaffenheit der Liegend- 


g* 


30 


Die unmittelbaren Hangendschichten sind theils thonige, theils mehr san- 


m n NÍ 


dige hellgraue Schieferthone, zwischen welchen, nahe ber dem Kohlenflótze, und © 


von ihm durch eine schwache Lage getrennt, eine dunkle, fast schwarze, diinn- 
bláttrig spaltende Schiefer-Schichte von fester záher Beschaffenheit sich einge- 
lagert vorfindet. 

Zumeist werden in dieser Schichte neben einigen Pflanzenabdrůcken zahl- 
reich Wirbelthierreste, Sauriern und Fischen angehórie, angetroffen, in welchem 
Falle dieselbe ausgezeichnet bituminos wird, und unter dem Namen „Schwarte“ 
bekannt ist. 

Stellenweise indess fehlen diese Wirbelthierreste, und zeigt sich hier eine 
áhnliche Erscheinung, wie sie beim Mittelflótzzuge in Bezug auf deren ZE 
beobachtet wurde. 

Ausserhalb dieser Šchichte werden solche Wirbelthierreste weder auf 
einer Kohlenfiotzschichte, noch sonst irgendwo im náchsten Hangenden gefunden ; 
woraus sich ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen dem Mittelflótze und 
dem Hangendfiótze bei der Anwesenheit jener ergibt. 


Unterlagert wird das Kohlenfloótz von einer verschieden máchtigen Reihe 
von Sandsteinen und, theilweise dunkeln, stellenweise in grossen linsenformigen 
Parthien auseceschiedenen Schieferthonen, die bald mehr, bald weniger háufig 
Sphárosiderite einschliessen. 

Diese Sphárosiderite enthalten nun stellenweise ebenfalls Wirbelthierreste 
und darunter von solchen Arten, die nur wieder in der bezeichneten Hangend- 
schichte des Flótzes erscheinen. 

Hindurch ist die Nothwendigkeit gegeben, den Beginn des Hangendzuges 
bereits unter das Kohlenfloótz zu versetzen. 


Auch in diesen Sphárosideriten ist das Vorkommen der Wirbelthierreste 
auf gewisse Strecken beschránkt, und werden solche anderorts nicht gefunden. 

An solchen Orten besteht indess ein anderes untrůgliches Verbindungs- 
merkmal. 

Die Hater oielo ne des Kohlenflótzes schliessen zahlreich Pflanzenreste 
ein, unter denen Gattungen und Arten vertreten. sind, die auf Schichten der 
tieferen Wlótzzuge fehlen, hier sonach als neue und eigenthůmliche erscheinen. 


Solche neu erschienene Arten nun werden auch in Sphárosideriten unter 
dem Kohlenflótze dort beobachtet, wo die Thierreste in ihnen fehlen, und hieraus 
folgt, dass auch an solchen Stellen der Beginn das Hangendzuges bereits mit dem 
Erscheinen dieser Sphárosiderite angesetzt werden muss. 


Stellenweise liegt unter den Spárosideriten noch eine Lage von Pyrit- 
knollen, unter welchen weiter keinerlei durch paláontologische konán 17 aus- 
gezeichnete Schichten bekannt sind. 

Die Begránzung des Hangendflótzzuges gegen den Mittellótzéne wird 
dadurch náher markirt, und kann mit der Erscheinung der Pyritknollen bestimmt 
werden.  Zwischen den Hangendschieferschichten iiber der Schwarte macht sich 
ferner das fast iberall verbreitete Vorkommen einer aus meist platt gedrůckten 
Sphárosideriten bestehenden Lage bemerbar, in welchen aber nur Pflanzenreste, 
nie solche vou Wirbelthieren gefunden werden. 


37 


Alle die das Kohlenflótz begleitenden Schichten bilden sonach zugleich 
einen neuen Pfilanzenreste fihrenden Horizont. 

Von den daselbst vertretenen Planzenresten sind von besonderer Wichtigkeit 
die der Classe der Coniferen zugehorigen, die als verkieselte Stammstůcke der 
Gattung Araucarites ziemlich zahlreich in den Gesteinsschichten des Hangend- 
floótzzuges eingeschlossen vorkommen, und auch fůr die Unterscheidung des Han- 
gendflótzes selbst ein wichtiges Merkmal bilden, da sie dasselbe fast úberall, in 


mit Kohle imprágnirtem Zustande, als sogenannte schwarze Araucariten, von 
Prof. Dr. Fritsch zuerst beobachtet, begleiten. 


Nirgend, wo eine den tieferen Flótzzůgen angehórice Schichtenreihe unter 
dem Kohlenflótze des Hangendzuges durch Wasserrisse etc. der Beobachtung zu- 
cáneig ist, oder durch Bergbaue durchěrtert wurde, und keine Dislocationen vor- 


- liegen, ist das Vorkommen solcher verkieselter Coniferen-Stůcke nachgewiesen, 


und so bilden dieselben, an Ort und Štelle, ein wichtiges Leitfossil fůr die zum 
Hangendzuge zugehorigen Schichten. 

Die weitern Hangendschichten des Kohlenflótzes bis zum Abschlusse des 
Flótzzuges, und somit der gesammten Ablagerung. bilden Sandsteine und Schiefer- 


thone, oft reich an beiderlei Arten Glimmer. 


Die Sandsteine sind zu unterst vorwaltend hell, gelblich oder grau, stellen- 
weise conelomeratisch, reich an caolinischem Bindemittel, so dass sie vlelfach 
technischen Zwecken dienen, und die Hauptlagerstátte der Araucariten. Mehrfach 
jst in einzelnen Bánken derselben eine Art transversaler Schichtung der im Ge- 
menge vorkommenden grósseren Geschiebe entwickelt; Kottiken, Klobuk. 

Darůber erscheinen vorwaltend braunrothe Schichten, welche die Ver- 
anlassung zu der schon aus der Entfernung ihre Anwesenheit andeutenden rothen 
Fárbung der Bóden bieten. | 

Weiter aufwárts werden die Sandsteine oft kalkháltig, und einzelweise 
findet man, besonders gegen Nordosten schwache Kalksteinlagen und Hornstein- 
schichten zwischen ihnen eingeschaltet. Mit diesen Kalkstein- und Hornsteinschichten 
werden Jaspis, gemeiner Opal, Chalcedon und Aragonit, letzterer nach Bořický 's 
Untersuchungen strontianháltig gefunden. z) 

Der Hangendflótzzug besitzt sonach ausser dem ihm zugehorigen Kohlen- 
fAótze auch in seinem úbrigen Schichtencomplexe genůgende Merkmale, die ihn vor 
den úbrigen Flótzzůgen kenntlich machen, und seine Verbreitung in verlásslicherer 
Weise zu verfolgen gestatten. bk i | 

Die zu diesem Flótzzuge gehórigen Gebilde werden nur in den beiden 
umfangreicheřen Ablagerungsparthien: Kladno, Rakonitz und Pilsen, und in dem 
in der Umgebung von Manetin befindlichen Gebiete, also vorwaltend gegen Norden. 
hinausgeschoben angetroffen, nirgends aber in den mehr sůdlicher gelegenen Theilen 


- der Ablagerungsparthien. - 


-*) Von anderen Mineralien aus diesem- Flótzzuge -sind zu erwáhnen: Schóne Drusen von 
Calcit und Gyps in grósseren Parthien auf Spalten in der Kohle; Dolomit und Baryt, 
seltener Millerit auf Hóhlungen hie und da im Sándsteine. Í 


38 


Kladno-Rakonitzer Ablagerungsparthie. 


Hier lásst sich die Begránzung des Hangendflotzzuges gegen Sůden, in 
einer ziemlich von dem Rande der Ablagerungsparthie zurůcktretenden Linie aus 
der Umgebung von Welwarn úber Slatin, Želenic bis gegen Koleč, Pcher, Stern, 
dann weiter úber Kruschowitz, Rakonitz, Lubna bis Kletscheding, wo ich noch 
Araucariten im ŠSandsteine (westlich vom Dorfe nahe an der Auflagerung von 
Granit), eingeschlossen beobachtete, verfolgen. 


Von dieser sůdlichen Begránzungslinie gegen Norden wird das Terrain 
durchaus, wo nicht Kreideschichten als jingere Auflagerung erscheinen, nur von 
Schichten des Hangendzuges bedeckt, und zeigt vorwaltend braunrothe Fárbung 
der Bóden; sonach in dem Thale von Kraučova úber Srbec, Kwilitz, in jenem 
von Štern ber Studnioves, Schlan, úber Pcher, Podležin, von Klobuk ber Zlonitz, 
Budenitz und Jarpitz, sámmtlich in ostlicher Richtung, ferner im Thale von Perutz 
gegen Stradonitz, theilweise noch bei Brnikow und Mscheno, und in den nórdlich 
verlaufenden Thálern vom Žban úber Solopisk, Rotschow und Winařitz gegen den 
Ecerfluss. 

Im weiter westlichen Gebiete fehlen Kreideschichten bereits, und nur zum 


500 ně 


Hangendflótzzuge gehórige Schichten werden von Rakonitz, Herrndorf und Kou-. 


nowa ůúber Woratschen, Tschernitz, Flóhau, Rudig, Kriegern, Jechnitz bis in die 
Náhe von Plass die Oberfláche bildend angetroffen, grósstentheils zu rothen Bóden 
aufgelóst, in den Gehángen aber die Schichtenreihen erkennen lassend. 


Im ganzen Hangendzuge verfláchen die Schichten ebenfalls gegen Nord, 
mit geringen Ausnahmen, wo wie bei Pcher oder Konotop stellenweise wellen- 
fórmige Lagerung beobachtet wird. 


Das Kohlenflótz, das zwischen diesen Schichten eingeschlossen ist, befindet 
sich in weit geringerer Verbreitung. Es ist in seiner sůdlichen Ausdehnung durch 
eine Linie begránzt, die durch die Orte Welwarn, Nauměřitz, Podležin, Studniowes 
bis Stern, dann iber die Umgebung von Kruschowitz bis Herrndorf und vielleicht 
bis Kletscheding gezogen werden kann, die sonach nórdlicher fállt, als die Be- 
gránzungslinie des Hangendzuges selbst. 


In weiter westlicher Richtung, und in der ganzen gegen Plass erstreckten 
Ausbuchtung ist das Vorkommen des Kohlenflótzes nirgends bekannt. 


Aber auch in nordlicher Richtung befindet es sich in weit beschránkterer 
Ausdehnung, als die úbrigen Gesteinsschichten. Wenigstens ist es an weiter 
nordlich gelegenen Punkten, wie úber Kwilitz, Zaboř, Milay, Kroučowa hinaus, 
und eben so něrdlich vom Žbau nicht weit mehr fortsetzend, oder wenig bauwůrdig, 
und scheint sich in dieser Richtung zu verlieren. Wo es aber vorkómmt, dort 
zeigt es úberall fast dieselbe 0,8 Meter betragende Máchtigkeit einer, háufig an 
den Kluftflůchen mit Bleiglanz iiberzogenen und oft pyritháltigen Kohle, und die 
Zusammensétzung aus zwei ungleich máchtigen Bánken, und zwar einer oberem 
circa 0,5 M. und einer unteren bei 0,5 M. messenden, die durch eine schwache 
Schieferschichte getrennt sind. Nur in seiner óstlichsten Verbreitung nimmt diese 
Zwischenschichte allmálig keilfórmig an Stárke zu, und trennt seine beiden Bánke 
am Ausgehenden bis 8 Mt. von einander. (Jemnik, Knobis.) 


39 


Úberall wird das Kohlenflotz von der Hangendbrandschieferschichte be- 
oleitet; als Wirbelthierreste enthaltende Schwarte tritt dieselbe aber von Kounowa, 
Herrndorf an nur bis gegen Libowitz-Tuřan auf; weiter óstlich erscheinen solche 
Reste fast nicht mehr, nur vereinzelte Fischschuppen konnte ich zuerst noch bei 
Studniowes nachweisen. Dann ist die Schichte durch schwarze Fárbung, und 
záheres bláttriges Gefůge von den ůúbrigen Hangendschichten ausgezeichnet. 

Ausserdem wird das Kohlenflótz von Bruchstůcken mit Kohle imprágnirter 
Araucariten, bei Tuřan, Libowitz, Kounowa, Swojetin ete.; im Hangenden von an 


- Pflanzenresten oft sehr reichen Sphárosideritplatten, wie bei Zaboř, Kwilitz ete. 
- begleitet, und wo Aufschlůsse die Erkenntniss erměglichen, von einer Lage oft 
© grosser Spbárosiderite mit fossilen Pflanzenresten unterlagert befunden, wie bei 


Zaboř, Hředl, Střebichowitz, Podležin, Kamenimost, die an letzteren beiden Orten 
orossentheils in Eisenoxyd umgewandelt, gewonnen und als Róthel in Handel 
gebracht werden. — Anzeichen dieser dem Hangendiótzzuge zugehórigen Liegend- 
schichten werden vereinzelt noch im westlichen Theile des Ablagerungsgebietes 
an dunkeln Letten mit Sphárosiderit-Einlagerungen beobachtet. 

Die, die Ablagerung abschliessenden hangenden Gesteinsschichten, VOr- 
waltend Sandsteine, selten (Kriegern-Kwilitz) etwas conglomeratisch, wo sich dann 
in den Gemenegtheilen Bruchstůcke von Ouarz, Porfyr und róthlichem Gneuss be- 
finden, von Farbe grůnlichweiss. und rothbraun, abwechselnd mit eben So gefárbten 
Letten, oft sehr reich an beigemengten weissen und schwarzen Glimmerbláttchen, 
stellenweise, wie bei Kwilitz gróssere Caolinanháufungen erzugend, erweisen sich 
in einzelnen Lagen kalkháltig, und Kalksteinschichten sind ihnen hie und da 
eingeschaltet. 

Solche kommen vereinzelt bereits bei Podležin und Knobis vor; háufiger 
erscheinen sie in nordostlicher Richtung bei Lunkow, Drchkow, namentlich in der 
Umgebung von Klobuk und Klein-Paletsch, hier einzelne Thierreste (Anthracosia) 
einschliessend, und bei Perutz; dfter in mehreren Schichten úber einander abgelagert. 

Im weiter westlichen Gebiete fehlen sie zwar nicht, werden aber doch 
seltener beobachtet, wie bei Kriegern, Rudig. 

Auch Hornsteinschichten treten untergeordnet auf, namentlich im nord- 
čstlichen Gebiete, in der Umgebung von Klobuk, theils zwischen Sandstein- 
schichten eingeschlossen, theils in Begleitung schwacher Kalksteinlagen und an 
einer Stelle mit einer kohligen Schieferlage in Verbindung. 

Zahlreiche Verwerfungen und Stórungen im Schichtenbaue bringen háufig 
die tieferen hellgefárbten Schichten zwischen den rothen parthienweise zum Vor- 
schein, wodurch Unterbrechungen in der sonst allgemeinen rothen Fárbung der 
Bóden entstehen. | 

Oft aber wird rothes Sandmateriale ziemlich tief unter die Basis des 
Hangendfiótzzuges, in die denselben unterlagernden Gebilde niederreichend, und 
wie auch bei Bergbauarbeiten beobachtet, eingerissene unregelmássige Mulden 
ausfůllend angetroffen, eine Erscheinung, die mit stattsehabten Auswaschungen in 
der Ablagerung uud spáter erfolgter Einschwemmune von Ablagerungsmateriale 
aus der Umgebung sich erkláren důrfte. 


40 


Pilsner Ablagerungsparthie. 


Schon bei Plass gibt die Beschaffenheit und rothe Fárbune anstehender 
Sandsteinschichten zu erkennen, dass sich die Glieder des Hangendflótzzuges aus 
dem nordlicheren zur Kladno-Rakonitzer Ablagerung gehórigen Gebiete in die 
Pilsner Parthie fortsetzen. In dieser Parthie sind auch genůgend Nachweise fůr 
die Anwesenheit eines Kohlenflótzes zwischen diesen Schichten vorhanden, das 


alle Merkmale des zwischen Schlan-Rakonitz verbreiteten Hangendflótzes besitzt.. 


Verschiedene Bergbaue, leider zumeist aufgelassen, und nur noch ihre 
Halden eine Untersuchung ermoglichend, sowie stellenweise Ausbisse des Kohlen- 
flótzes gestatten die Verbreitung desselben náher kennen zu lernen. 

So war bei Liehn, sůdlich von Pilsen ein Kohlenflótz, ungefáhr 0,8 Mtr. 
máchtig, erschlossen, war in zwei ungleiche Bánke getheilt, enthielt, nach Geinitz, 
Bleiglanz auf den Klůften ausgeschieden, und ich konnte bei demselben schwarze 
Araucariten, eine dunkle, feste Brandschieferschichte, sowie plattenfórmigce Spháro- 
siderite auffinden, was eine věllige Úbereinstimmung mit den Eigenheiten des 
Kohlenfiótzes bei Kounowa ergibt. 

In der Fortsetzung von Liehn gegen Norden wurde bei Weipernitz durch 
Schurfversuche in geringer Tiefe das Flótz mit beiláufig 0,8 Mtr. Máchtigkeit 
beobachtet. 

Auf den Halden alter Versuchsbaue bei Lochotin, in der Umgebung von 
Malesitz und Kottiken wurden Úberreste vollkommen ausgebildeten Schwarte an- 
getroffen, die schon Stur beobachtete.“) 

Ich habe úberdiess das Vorkommen schwarzer Araucariten auch bei dem 
Kohlenflótze von. Lochotin nachweisen kónnen. | 

Bei Kottiken ceht das Kohlenflótz in einigen Wasserrissen zu Tage und 
zeiot sich durch ein schwaches Zwischenmittel in zwei ungleich starke Bánke 
zerlest. Mit ihm erscheinen zahlreich schwarze Araucariten, und úber ihm liegen 
eine bituminóse Schieferschichte und plattige Sphárosiderite.  Unmittelbar wird 
dann weisser caolinreicher Sandstein mit zahlreichen, oft grossen Stammstůcken 
von Araucarites darůber angetroffen, der zuletzt von rothen Gesteinsschichten 
bedeckt ist. 

Eine kurze Strecke weit westlich von Kottiken ist das Kohlenfiótz durch 
Scháchte erschlossen gewesen, 0,7—0,8 Mtr. máchtig, und sind Schwarte und 
schwarze Araucariten bei demselben angetroffen worden. 

Etwas weiter, bei Guscht, ist das Kohlenflótz ebenfalls mit nahe 0,8 Mtx. 


Máchtigkeit angetroffen worden. Seine Zusammensetzung ist hier aber einiger 


Modification unterworfen. Bei einem, in neuester Zeit abgeteuften Schachte, etwas 
nordwestlich von Guscht wurde folgende. Gliederung desselben beobachtet: 
Kohlenbank, in der Mitte etwas in Kohlenschiefer úbergehend . . . 0,59 Mt - 


Zwischenmticl 3:2- =x =. > ka 
Kohlénbank. 1408. 0,10: 
fester Schieferthon . . . .0.20 „ P z Porty 14 


Kohlehbank“ 43570 167 


*) Verhandlunsen der k. k. geolog. Reichsanstalt 1874; Momentaner Stand meiner Unter- 
suchungen etc. 


41 


| Deutlich sind die beiden, anderorts das Flótz bezeichnenden Bánke, auch 
(hier erkennbar, beide in der ihnen auch anderwárts zukommenden Máchtigkeit, so 
(dass auch das Gesammtflótz mit 0,87 Mtr. der gewohnlichen Flótzmáchtigkeit 
(entspricht. 

| Aber das die beiden Bánke trennende Zwischenmittel wird hier 0,3 Mtr. 
stark, und ausserdem wird 'die untere Bank durch eine frůher nicht bekannte 
E otorthonsohichte theilweise ersetzt, so dass in diesem mehr gegen West gele- 
(genen Gebiete eine Modification in der Flótzgliederung Platz zu greifen beginnt. 
| In nordlicher Richtung von Kottiken ist das Kohlenfiotz wieder bei Ledeč 
'angeschůrft, bei 0,7 Mt. máchtig befunden, und geht von da weiter aufwárts in 
(der Schlucht „V propastech“ theilweise zu oa Mit demselben wurden Schwarten- 
| Brandschiefer, schwarze Araucariten und plattige Sphárosiderite angetroffen. 

Es sind weitere Nachweise fůr das Vorkommen des Kohlenflótzes bei 
Břis, Trnowa, Wieskau vorhanden, und lassen sich bis in die Náhe von Ribnitz 
(bei nep verfolgen, wo Spuren desselben und seiner Hancgendschichten noch in 
-einem kleinen Caolinsandbruche entblósst waren. 


| 


| Im westlichen Theile der Ablagerung war ein Kohlenflótz unweit Kokořow, 
-dann bei Wscherau, Lipowitz und im Walde Fribus durch Bergbau erschlossen. 
Bei Wscherau waren zwei durch ein stárkeres Zwischenmittel getrennte Kohlen- 
 bánke abgelagert, die gegenwártie der Beobachtung nicht mehr zugáncie sind. 
"Die Beschaffenheit der auf den Halden vorfindigen Úberreste der gefórderten 
Gesteinsschichten, zwischen denen Brandschiefer vorherrschen und Sphárosiderite 
eingemengt sind, so wie das Vorkommen einzelner Pruchstůcke schwarzer Arau- 
cariten weisen auf Begleiter des Hangendfiótzes hin, was eben so bei den Locali- 
táten Lipowitz, Kokořow und Fribus der Fall ist, in deren Náhe sich zu dem 
rothe Schichten anlagern. 

Die weitere Entfernung der beiden Kohlenbánke bei Wscherau in Folge 
máchtigerer Gesteinszwischenlagen steht ohne Zweifel mit der schon bei Guschi 
kennen gelernten grósseren Anschwellung derselben in Verbindung. 


An allen den kennen gelernten Localitáten zeigt sonach das Kohlenflótz 
úbereinstimmende Beschaffenheit mit dem Hangendflótze in der Kladno-Rakonitzer 
Ablagerung, und kann nur als die Fortsetzung des letzteren in die Umgebung 
von Pilsen, und den gleichen Horizont bezeichnend, erkannt werden. 


Es scheint dasselbe úbrigens weiter verbreitet, als durch die Localitáten, 
an welchen es erschlossen wurde, angedeutet wird, und důrfte sich, bedeckt von 
den Hangendschichten mehrerorts vorfinden, so in der Umgebung von Nůrschan, 
wo in der Náhe des Janowteiches bei Abteufung von Scháchten auf das Mittelfiótz 
ober diesem eine schwache, im Hangenden von grůnlich und róthlich gefárbten 
Schiefern begleitete Kohlenlage beobachtet worden ist. 

Trotz dem besitzen die dem Hangendflótzzuge zugehoricen Gesteins- 
schichten eine gróssere Verbreitung, als sie sich fůr das Kohlenflótz allein 
 herausstellt. © bee 

Man findet sie beréits im sůdlichsten Theile des Ablagerungsgebietes bei 
Sekerschan, von wo sie sich ber Gottowitz, Teinitzl, Anherzen und Rothaujezd, 
dann in einem zwischen Nůrschan und Tlučna einerseits, anderseits zwischen Liehn 


42 


und Weipernitz verbreiteten Streifen gegen Kozolup und Ratschitz an der Mies. 
hinziehen. 

In diesem Bezirke sind sie an der Basis durch hellgefárbte, caolinreiche 
Sandsteine vertreten, die bei Rothaujezd in ausgedehnter Weise technisch benitzt 
werden und zahlreiche oft bedeutend grosse Araucariten-Stammstiůcke einschliessen 
und werden von rothbraun gefárbten Schichten úberlagert. 

Dann kann man diese Schichten verfolgen von Ratschitz úber den Locho- 
tiner Berg nach Třemoschna bis in die Gegend von Kaznau; von Kozolup ber 
Tschemin und Wscherau fort am nordwestlichen Rande der Ablagerung ber Losa 
bis Plass, und sonach hier mit Ausnahme des óstlichen Randes das ganze Ab- 
lagerungsgebiet úberziehend. 

Auch hier, wie schon bei Kottiken erwáhnt, besteht die Basis der Hangend- 
schichten aus meist hellgefárbten caolinreichen Schichten, die bei Kottiken, Tře- 
moschna, Nebřem, Břis etc. ausgebeutet werden, denen sich die rothen Sandsteine 
und Schieferthone auflagern. 

Úberall werden verkieselte Araucariten in ihnen eingeschlossen gefunden; 
ausser bei Kottiken und Rothoujezd, in der Gegend von Teinitzl, Auherzen, Liehn, 
Weipernitz, am Lochotiner Berge, bei Třemoschna, Břiz, Kaznau, Ledeč, Kra- 
schowitz etc. 

Auch die Pilsner Ablagerung ist sonach zum gróssten Theile an ihrer 
Oberfláche mit Schichten des Hangendzuges bedeckt; im nordlichen Theile der- 
selben treten die tieferen Schichtenzonen nur in einem verháltnissmássigen, schmalen 
Gůrtel am ostlichen Rande unter ihnen zu Tage, wáhrend die Sandsteine des 
Hangendzuges den úbrigen Theil des Gebietes bis an den westlichen Rand ein- 
nehmen und hier unmittelbar auf azoischen Thonschiefern aufruhen. 

In den sůdwestlichen Theil der Ablagerung setzen sie in einem die Mitte 
desselben einnehmenden Streifen fort, zu beiden Šeiten Schichten des tiefer liegenden 
Mittelflótzzuges und Liegendflótzzuges unbedeckt lassend. 

An mehreren Štellen sind die noch dem Hangendzuge zuzurechnenden 
Liegendschichten des Kohlenflótzes bekannt geworden. | 

Eine die bei denselben bestehenden Verháltnisse gut darstellende Localitát 
ist Kottiken. Der auch das Kohlenflótz daselbst entblóssende Wasserriss zieht 
sich in eine Schlucht erweitert tiefer herab, und bringt die unter demselben fol- 
gende Schichtenreihe deutlich zur Ansicht, in welcher unter Sandsteinen dunkle 
Schieferthone, Planzen- und Thierreste enthaltende Sphárosiderite einschliessend, 
gegen Malesitz sich herabziehend erscheinen, nirgend mehr aber Spuren verkieselter 
Araucariten angetroffen werden. 

Dieselben Verháltnisse werden in der Schacht zwischen Gumberg und 
Guscht und in deren Abzweigungen beobachtet, wo ebenfalls, das Kohlenflótz 
unterlagernd, Sandsteine nnd weiter Schieferthone von dunkler Fárbung, oft in 
linsenfórmigen Parthien mit, Wirbelthierreste einschliessenden  Sphárosideriten, 
auftreten, und zu unterst eine Schichte mit Pyritknollen folgt. Araucariten-Bruch- 
stůcke werden aber eingelagert nicht beobachtet. 

In weiter nordlicher Richtung findet man bei Ledec, in der Schlucht 
„V propastech“ unter dem Kohlenflótze Schieferthone mit zahlreichen Spháro- 
sideriten, aber ebenfalls ohne Araucariten, die auch hier erst in den das Kohlen- 


| 43 
flotz úberlagernden lichten Sandsteinen, auf welchen zuletzt rothe Schichten ruhen, 
Isich zahlreich einstellen. 

Aus frůher bestandenen Bergbauen bei Žilow něrdličch von Ledec ist weiter 
(das Vorkommen eines schwachen, wahrscheinlich die Fortsetzung von Ledec bil- 
'denden Kohlenflótzes und unter demselben das Anstehen von Schieferthonen mit 
(Sphárosideriten, in welchen Wirbelthierreste, namentlich Fische in ausgezeichneter 
| Erhaltung gefunden wurden, bekannt, unter welchen sich ebenfalls die Pyritknollen- 
"lage vorfindet. 

Hier, wie bei Ledec und fortsetzend bis Guscht wird unter den Pyrit- 
I knollen eine Lage grauweissen Sandsteins beobachtet, der an der Gránzscheide der 
"mittleren und hangenden Flótzzone befindlich zu sein scheint, und bereits von 
Prof. Fritsch hervorgehoben und Ledecer Sandstein benannt worden ist. 

Noch in mehr nordlicher Richtung, zwischen Břiz und Wieskau, unter 
-dem bei letzterer Localitát durch Schurfe nachgewiesenen EO Dleuno konen. steht 
(in einem bis jetzt unbedeutenden Wasserrisse Schieferthon an, in welchem theils 
| grosse Sphárosiderite eingelagert sind, die, wie die Schiefer selbst, Pflanzenreste 
© enthalten. 

Sámmtliche Localitáten, von denen die Liegendschichten des Kohlenflótzes 
© náhere Einsicht gestatten, befinden sich in der Náhe einer von Sůd gegen Nord 
gerichteten Linie, von Malesitz bis Wiskau, und dieser Umstand scheint auf eine 
in derselben Richtung befindliche Dislocations-Stelle hinzudeuten, durch welche 
die tieferen Schichten náher als anderorts an die Oberfláche gedránst wurden. 

Die Vermuthung findet eine Bestátigung schon in dem in der Kottikener 
Schlucht nahe unter der Oberfláche liegendem Kohlenflótze, das dann weiter 
westlich von Kottiken gegen Guscht zu, fast eben so nahe unter der Oberfláche 
wieder angetroffen wird, obwohl es, ohne eingetretene Dislocation daselbst bei dem 
bestehenden Verfláchen gegen West in weit grósserer Tiefe sich befinden můsste. 

Solche Unregelmássigkeiten im Verfláchen werden ůúbrigens ausserdem oft 
genug im Bereiche des Hangendflótzzuges auch in der Pilsner Ablagerungsparthie 
angetroffen, und erscheinen nicht selten die tieferen hellgefirbten Schichten in 
Folge dessen zwischen den hóheren rothen hervorragend. 

Im Allgemeinen gibt sich aber ein Verfláchen des ganzen Complexes vor- 
waltend in der Richtung gegen West kund, das wohl am nordwestlichen Rande 
stellenweise, wie bei Wscherau in die entgegengesetzte, ostliche, iibergeht, jedoch 
nicht weithin in derselben beharrt, auch sonst Abweichungen erkennen lásst, so 
dass streckenweise eine Art wellenfórmiger Lagerune sich herausbildet, als unter- 

geordnete Erscheinung zwischen der regelrechten Lagerung. 
| Bei Schůrfungen, namentlich in der siidwestlichen Gegend, sind rothe 
Sandsteinschichten hie und da in unerwarteter Tiefe, unter das vom Hangend- 
flotzzuge eingenommene Niveau hinabreichend beobachtet worden. Es scheinen 
auch hier wie bei Kladno-Rakonitz tiefer reichende Erosionen durch das spáter 
zur Ablagerung gelangte Materiale der Hangendzugschichten wieder ausgefůllt 
© worden zu sein. 

Eine bemerkenswerthe Erscheinung sind noch háufig genug, besonders in 
der Umgebung von Nůrschan, auch nórdlicher, zerstreute grosse grobconglome- 
ratische Blócke an Stellen, wo Schichten das Hangendzuges nicht hinreichen, und 


— 


44 


die aus in ihrer Náhe befindlichen Gesteinsschichten nicht abstammen. Ihre Ůber-- 


einstimmung mit der Beschaffenheit solcher an andern Localitáten noch an Ort 
und Stelle lagernden, dem tieferen Schichtencomplexe des Hangendzuges angehó- 


rigen Conglomerate ist geeignet, in diesen Blócken die Úberreste der einst weiter: 


als jetzt verbreiteten Hangendzugs-Gesteinsschichten vermuthen zu lassen, und 


die Selbststándigkeit der letzteren in Bezug auf die Radnitzer und Nůrschaner: 
Schichten darzuthun, die sich ůbrigens in dem Umstande bekundet, dass, wie bei 
Nůrschan und Třemoschna, Schichten dem Hangendzuge zugehórig úberoreifend 


úber solche im Mittelfloótzzuge befindliche bestehen. 


Ablagerungsparthie Manetin. 


In dieser gibt sich lediglich eine Fortsetzung der im Nordwesten. der 


Pilsner Ablagerung bestehenden Verháltnisse kund. 


Schon die im grósseren Theile dieses Gebietes an der Oberfláche befin- 


dlichen rothen Schichten weisen auf die Anwesenheit des Hangendflótzzuges hin. 
Die Verbreitung der Ablagerungsparthie ist durch die Orte Zahradka Littau, 
Preitenstein Manetin, Tomaschin Modschidl bis an den Fuss des Berges Wladaf 
gegeben. Von der Pilsner Ablagerung wird sie nur durch eine schmale, vielleicht 


einer Hebung ihre Entstehung verdankende Zone von azoischen Thonschiefern 


zwischen Draschen und Neustadtl getrennt, so dass ein einstiger Zusammenhang 
beider wahrscheinlich ist. 

Eben so darf die noch weiter nordwestlich bei Stědra, Prohoř wenie aus- 
gedehnte, zwischen Tomaschin und Prassles durch eine wenig breite Unterbrechung 
von der Manetiner isolirte Parthie erst im Verlaufe der Zeit ausser Zusammenhang 


gebracht angesehen werden. Die Gesteinsschichten, die an der Oberfláche ange- 


troffen werden, Sandsteine und Schieferthone sind besonders im westlichen und 


nordlichen Theile der Ablagerung vorwaltend roth gefárbt, wáhrend am óstlichen 


und sůdlichen Rande mehr solche von gelblicher oder grauer Farbe erscheinen 


und háufig mit groben Conglomeraten abwechseln, wie in der Gegend von Manetin 


in daselbst eroffneten Steinbrichen gut beobachtet werden kann. 
Das Verfláchen der Schichten ist ein gegen West gerichtetes und es 
folgen in dieser Richtung úber den grauen Sandsteinen die rothgefárbten, so dass 


erstere als die unteren, letztere als die oberen erscheinen, entsprechend derselben. 


Ordnung in den úbrigen Verbreitungsbezirken des Hangendflótzzuges. 

Stellenweise trifft mán grobe lose Geschiebelagen, unzweifelhaft nach zer- 
setzten Conglomerat-Bánken am Rande der Ablagerung an, und dazwischen grosse 
Blócke noch unzersetzten Conglomerat's, wie bei Littau, die sich ©ganz jenen in 
der Umgebung von Nůrschan kennen gelernten áhnlich zeigen. 


Derlei Blócke sind auch in grósserer Menge in der Náhe der in diesem 


Gebiete anstehenden Pasaltkuppen, wie an der óstlichen Seite des Chlumberges, 
anzutreffen, als ob sie in Folge des Empordringens derselben bloss gelegt worden 


wáren. Schieferthone werden zumeist mit dem Complexe der rothen Schichten 


abwechselnd, und ausser von rother, auch von grůnlicher und grauer Fárbung, 


oft bandartig gestreift, reich an Glimmerbláttchen beiderlei Art, angetroffen. 


Pruchstůcke verkieselter Araucariten kommen allenthalben vor, bei Ma- 


netin, Modschidl, Preitenstein, Spankowa etc., wie in der kleinen Parthie bei 


-45 


P Prohoř-Stědra. Ich habe die Anwesenheit solcher auch in Schieferthonen, in dem 
© westlich von Manetin sich hinziehenden Thale, unterhalb Aujezdl beobachten kónnen. 
, Untersuchungen dieser Ablagerung auf das Vorhandensein des Kohlen- 
© fAótzes sind mehrfach vorgenommen worden, haben aber nirgend Veranlassung zu 
dem Aufleben grósserer Unternehmungen gegeben. 

Úberhaupt konnte das Vorkommen des Kohlenflótzes nur an einzelnen 
Stellen des Ablagerungsgebietes nahe dem čstlichen Rande desselben nachgewiesen 
« werden, und wurde immer nur unbedeutender Bergbau, wie bei Modschidl, Zwoln, 
"Ladměřic und Rading versucht, oder das Kohlenfiótz durch Schůrfe in na 
diger Beschaffenheit, wie bei Spankowa, aufgefunden. 

Dermalen besteht nur noch im Sauberge bei Modschidl unbedeutender 
- Berebau. Die Máchtigkeit des erschlossenen Kohlenflótzes soll 0,7 bis 1,0 Mt. 
| betragen, in zwei Bánken, die durch ein stárkeres Zwischenmittel getrennt liegen. 
- Etwas sůdlich von dieser Localitát waren bei Zwoln ebenfalls Scháchte auf das 
| Flótz abgeteuft, sind aber nun verlassen. Unter dem auf den alten Halden befin- 

dlichen Materiale sind noch erhaltene plattenformige Brandschieferstůcke, Spháro- 
- siderite und Bruchstůcke schwarzer Araučariten vorfindie. 
| Die durch diese Funde angedeutete Zugehorigkeit des Kohlenflotzes zu 
: den Kounowa'er Schichten, die sich durch áhnliche Vorkómmnisse auch an den 
-weiter sůdlich gelegenen Localitáten verráth, wird besonders erhártet durch das 
— Vorkommen von Bruchsticken der Schwarte áhnlicher Schiefer mit eingeschlossenen 
Fischschuppen bei Spankowa, wo sie durch einen Schurf zu Tage gefórdert wurden. 

Von letzterer Localitát ist die Verbreitung des Kohlenflótzes noch bis in 
das Dorf Spankova hinein bekannt, wo es bei Grundgrabungen angetroffen wurde. 

Immer ist dasselbe aber in der Náhe des óstlichen Ablagerungsrandes 
-gefunden, und scheint in der Richtung seines Verfláchens gegen West, also weiter 
in das Innere der Ablagerungsparthie, nicht nachhaltig zu sein. 

Westlich vom Bergbaue am Sauberge wurde in nicht zu weiter Entfernung 
von ihm ein Schacht vorgeschlagen, der bei 40 Mt. Tiefe, ohne auf das Kohlen- 
Hlotz zu treffen, das Grundgebirge erreichte. 
| Bei Ladměřic, wo das Kohlenfloótz durch mehrere Schieferzwischenlagen 
sich gespalten zeigt, wurde ebenfalls westlich von den bestandenen Gruben eine 
-bis 137 Mt. tiefe Bohrung durchcefihrt, mit welcher zwar Lettenschichten und 
-etwas Moore, vielleicht als Vertreter des Kohlenflótzes, dieses selbst aber nicht 
mehr, angetroffen und das Grundgebirge erreicht wurde. 

Es geht sonach auch hier die Fortsetzung des am Rande der Ablagerung 
befindlichen Kohlenflótzes wenig weit gegen das Innere derselben, und in der 
That ist bis jetzt von dem Vorkommen eines Kohlenflótzes im westlichen Theile 
der Ablagerung nichts bekannt geworden. 

Das Vorkommen des in seinen Eigenschaften mit dem Kounowaer úber- 
einstimmenden Kohlenflótzes am čstlichen Rande der Ablagerung im Bereiche der 
-mit Conglomeraten wechselnden grauen Sandsteinschichten verweist auch diese 
letzteren in die Hangendflótzeruppe, der sie als unterer Schichtencomplex an- 
gehóren, wáhrend die etwas weiter westlich sich diesem auflagernden rothen Ge- 
bilde den hóheren Horizont einnehmen, und so eine Úbereinstimmung mit dem 
Hangendfiótzzuge an andern Orten neon: 


46 


Nur ist das Kohlenflótz gegen andere Localitáten etwas abweichend ge- © 
gliedert, wozu aber der Beginn mit dem máchtiger werdenden Zwischenmittel 
bereits in den westlichen Parthien der Pilsner Ablagerung bei Guscht, Wscherau © 
zu finden ist, und wozu ein Analogon in der bedeutenden Trennung der beiden 
Flótzbánke durch ein keifórmig sich erweiterndes Zwischenmittel bei Schlan-Pod- 
ležin besteht. 

Die ganze Ablagerung in der Umgebung von Manetin ist sonach ein dem 
Hangendflótzzuge angehóriges Gebilde, und ein Gleiches muss fůr die westlich 
situirte kleinere Parthie bei Stědra, in welcher ein Kohlenflótz noch nicht bekannt 
ist, anerkanut werden. 


Úberblick úber die stratigraphischen Verháltnisse. 


Aus den in der Gesammtablagerung bestehenden stratigraphischen Ver- 
háltnissen hat vor Allem besonderen Anspruch hervorgehoben zu werden der 
Unterschied, durch welchen jedes der auf den einzelnen Horizonten befindlichen 
Kohlenflótze, theils in Bezug auf seine Gliederung, theils in Anbetracht seiner 
Begleitschichten, vor allen úbrigen sich auszeichnet. 
Dieser Unterschied begleitet jedes der einzelnen Kohlenflótze, mit Aus- 
nahme unwesentlicher Modificationen, in seiner ganzen Verbreitung, und drůckt 
demselben derart einen selbststándigen Character auf, durch den es úberall sich 
wieder zu erkennen gibt. 
Als die wichtigsten jedem der Kohlenflótze eigenthimlichen Merkmale in 
dieser Beziehung haben sich herausgestellt: 
fůr das untere Radmitzer Kohlenflótz, der Mangel regelmássig dasselbe durchsetzender 
Zwischenmittel; die dasselbe unmittelbar bedeckende (Swina'er) Sandstein- 
lage und der darůber folgende Schleifsteinschiefercomplex ; 
fůr das odere Radnitzer Kohlenflótz; die Anwesenheit constanter, petrographisch 
gleichbleibender Zwischenmittel, vorzůelich jener mit Bacillarites probl. 
und der an Stigmaria reichen Sohlendecken bei gleicher Kohlengattung 
in sámmtlichen einzelnen Bánken; 

fůr das Nůrschaner oder das Můttelflótz die Verschiedenheit der Kohlengattung in 
den oberen und unteren Bánken desselben, und das Vorkommen von platten- 
fórmig brechenden, streckenweise zahlreiche Wirbelthierreste einschlies- 
senden Brandschiefern oder Plattelkohlen an seiner Basis; 

fůr das Kounowwer oder Iangendílótz die Zweitheilung in eine obere máchtigere 

und cine untere schwáchere Bank von gleicher Kohlengattung, die im 

náchsten Hangenden dasselbe begleitende, zumeist Wirbelthierreste ein- 

schliessende, als Schwarte bekannte Brandschieferlage, und die unter 
demselben lagernden Schichten mit Sphárosideriten. 

Die anderweitigen die Kohlenflotze begleitenden Gesteinsschichten in der 
Ablagerung bieten im Allgemeinen, besonders jene der tieferen Flótzzůge nicht 
genůgende Unterschiede dar, um sie dort, wo das sie trennende Kohlenfloótz man- 
gelt, und sie unvermittelt úber einander folgen, mit einiger Verlásslichkeit gegen 
einander begránzen zu kónnen, um so weniger, als in der Art ihrer Lagerung 


jí 


l 


— 


p sE 


| 
č 


© Gleichmássigkeit besteht und die Schichten der einzelnen Flótzeruppen conform 


-zum Absatz gelangten. 


Es sind bisher keine entscheidenden Merkmale bekannt, um scharfe Gránzen 
zwischen den Gesteinsschichten der beiden unteren Flótzzuge ziechen zu kónnen. 
Nur die Schichten des jůngsten 
-oder des Hangendflótzzuges zeich- Fig. 18. 
nen sich mehrentheils durch Ei- A T, 
genthimlichkeiten aus, welche sie ea 
gegen jene der tieferen Horizonte, = =. zekdbo 1 2m 
troz der bei allen bestehenden = 35E » Caolinsandsteln mit Arau- 


Rothe Sandstelne und 
Schieferthone 


. < . : HOD i 19. carlten und Conglomerate 
gleichfórmigen Lagerung, sicherer ak 
zu begránzen gestatten, wozu das === 6 hen u. Sphárosiderite 
chwarte 


Hangend-Flótzzug 
Kounowaer Schichten 


Han gendkohlenflotz 


Auftreten vorwaltend rothgefárbter 
Gesteinsschichten, der Einschluss 
verkieselter Araucariten und das 
Zutreten kohlensauren Kalkes als 
Gemenstheil gehórt. 

In úberwiegender Weise ist 


Sandstein und Schieferthon 
mit Sphárosideriten 


Pyritknollen | 


sonach die Gliederung der mittel- 3 
bohm. Steinkohlenablagerung auf. | sy 85 
das Eintreten der in ihrer Ent- 0  . 
wicklung verschiedenen Kohlen- E 3 
flótze, in drei Gruppen oder Flótz- E 
zige bedingt, deren Reihenfolge = —jr TM : 
beistehende schematische Darstel- : 1 Sohwarzkohloj Mittelkohlon- 
lung versinnlicht. (Fig. 13.) O = 

Die Aufeinanderfolge dieser | Z ZZS 
drei Flótzzůige ist von unten nach — |ISS7£5S sí 
aufwárts eine růckschrittliche, von = ska 
dem am weitesten gegen Sůden und 


Schieferthon 


hinausgeschobenen Rande der Ab- 
lagerungsbasis eine immer weiter 


Obere Kohlenfotzgruppe 


. .. . . 4 = 
sich zurůckziehende, so dass die 3 8 
Schichten, je jinger in der Reihen- obi LA HAV) = = 

. .. . . . l m 3 
folge, ihren sůdlichen Rand immer dn dě = 
.. Fi rst b k| N š 

mehr gegen Nord zurůckverlest ZAssěe AE S 5 

s : Mittelbank | N OE 3 3 
zZe180n. 6 mit |A99 = 

In Fol 1 f : Bacillarites 898 

„In Folge dessen ehlt in allen IpUniemak Šebo 
sůdlich und sůdostlich situirten ZBO A 3 

. : 4 Bchleifsteinschiefer | o 4 A 
einzelnen kleineren Ablagerunos- ECE: 

41: : k i 3. Sandsteinlage Sick 
parthien jede Spur der hoheren 2 Radnitz.unt. Kohlenfi. S 
Flótzzůige, und nicht nur der (1. Šandstoin und | š88 
tiefste derselben, der Liegend- Conglomerate (28 


flótzzug findet sich in denselben 


allein vertreten, sondern dieser noch ausserdem lediglich durch seine untersten 
Parthien. 


48 


Eben so erscheinen in den grossen, nordlich und westlich befindlichen. 
Ablagerungsparthien die Gebilde des Liegendflótzzuges an die sůdlichen Ránder 
hinausgeschoben, und zwar je weiter sůidwestlich mit desto unvollkommenerer, 
bruchstůckweise gebliebener Kohlenflótzentwicklune. 


Die náchstfolgenden Nůrschaner Schichten treten bereits, wo ihre An- 
wesenheit mit Sicherheit bestimmt werden kann, weiter entfernt vom Rande der 
Ablagerung, gegen das Innere derselben zurůckgezogen, nordlich hinausgedrángt 
auf, und noch weiter in gleicher Richtung eingeschránkt ruhen endlich die Kou- 
nowa'er Schichten auf. 


Es erscheinen sonach sowohl der Liegendflótzzug, wie auch der Mittel- 
flótzzug, dort wo auch der Hangendflotzzug vorhanden ist, nur in verschieden, 
selten breiteren Zonen zu Tage anstehend, wáhrend die Gebilde des letzten, allein 
in der ganzen Ausdehnung der Ablagerung gegen Norden verbreitet, vorwaltend 
die Oberfláche derselben bedecken, und deren nordliche Begránzung bilden. 


Allem Anscheine und aller Erfahrung entsprechend steht auch mit der 
mehr sidlich beginnenden Ablagerung der tieferen Flótzzůge ein frůherer Abschluss 
derselben in nordlicher Richtung in Verbindung, so dass úberhaupt die jingeren 
Gruppen úber die áltere hinausgeschoben sich befinden, und an ihrem nordlichen 
Ende sich auf anderem Untergrunde befinden als sůdlich, wie sich in der That 
die Schichten der Hangendflótzeruppe im nordlichen Gebiete bereits unmittelbar 
den azoischen Thonschiefern aufeelagert zeigen. 

Die Art der Ablagerung der drei Flótzzůge úbereinander stellt sich sonach 
als eine treppenfórmige, gegen Nord geneigte heraus. 

Unsleich weit in der Richtung vom Rande gegen das Innere der Abla- 
gerung werden die Kohlenflótze anhaltend befunden. 


Entgegen anderorts gemachten Beobachtungen, wo die Kohlenflótze mit 
ihrer Entfernung vom Ausegehenden, dem Verfláchen nach an Máchtickeit zu- 
nehmend geschildert werden, hat sich in unserer mittelbohmischen Steinkohlen- 
ablagerung eine allmálige Verschlechterung und friůher oder spáter ein gánzliches 
Schwinden der Kohlenlagen in gleicher Richtung herausgestellt. 


Am auffálligsten und deutlichsten ausgebildet ergeben sich diese Ver- 
háltnisse bei dem Liegendflotzzugse. Schon in den kleinen isolirten Ablagerungs- 
parthien, Radnitz, Lisek etc.; mehr in der, Kohlenflótze nur von ihrer sůdlichen 
Begránzung ausgehend einschliessenden Ablagerunesparthie Kladno-Rakonitz ist 
der frůhere oder spátere Abschluss der Kohlenlagen in der Richtung des Ver- 
fláchens nachgewiesen; eben so in der Umgebung von Pilsen, wo in dem nórd- 
lichen Theile der Ablagerung die Kohlenflótze des Liegendzuges nur am čstlichen 
Rande derselben bekannt sind; im sůdlicheren Theile aber auch die an beiden 
entgegengesetzten  Rándern des hier eine Ausbuchtung bildenden Ablagerungs- 
gebietes vorkommenden Liegendflótze nur vom Rande weg abgelagert, also ein- 
seitig ausgebildet erscheinen, wobei beiderseits, anderen Parthien der Total- 
máchtigkeit des liegenden Oberflótzes entsprechende Kohlenlagen, also solche 
nicht oleichzeitiger Entstehung, vorhanden sind, und diese beiderseits eben so wie 
das sie begleitende Unterflótz gegen die Mitte, dem Verfláchen nach, sich allmálig 
verlieren. 


49 


Und áhnliche Verháltnisse sind bei der Betrachtung der Kohlenlager in 
-den beiden hoheren Flótzzůgen in Bezug auf ihre Verbreitung und Entwicklung 
beobachtet worden. 

Den Kohlenflótzen unserer Ablagerung kann sonach der Charakter becken- 
artiger Einlagerung in keiner Hinsicht zuerkannt werden; sie stellen ausschliesslich 


-mehr oder weniger ausgedehnte Anháufungen des vegetabilischen Materials in 


der Náhe des Ablagerungsrandes dar, und lassen sich úberall nur als einseitie 


zur Entwicklung gelangte Strandbildungen erkennen. 


Auf die Máchtigkeit der Kohlenflótze aber scheinen wáhrend der Zeit 


ihrer Entstehung mehrmaliger Anderung unterlegene Verháltnisse Einfluss geůbt 
zu haben. 


-Deutlich weist darauf hin der manniefaltige Wechsel in der Máchtigkeit 


-der Liegendflótze bei ihrer Verbreitung im Bereiche der gesammten Ablagerung, 
-der in einer unterschiedlich unvollkommenen und bruchstůckweisen Entwicklung 


der einzelnen, den Bestand des Oberflótzes in seiner Gesammtheit bedingenden 
 Kohlenbánke seine Begrůndung findet. 

Es scheint bei der Ablagerung dieses Kohlenflótzes ein  wiederholtes 
Schwanken im Niveau des Untererundes bald diese, bald eine andere Stelle dem 
Bereiche des Absatzes oder der Anháufung vom Kohlenflótzmateriale entrůckt und 
so die Lůcken im Zusammenhange der einzelnen Kohlenlagen herbeigefůhrt zu 
haben, durch welche sich unvollstándige Gliederung und daher vieler Orten ge- 
ringere Máchtigkeit erkláren. 

In dem Befunde der Kohlenflotzentwicklung und in der ausgesprochenen 
Neigung, sich mehrfach zu spalten, sind alle Anzeichen vorhanden, dass je mehr 
gegen Siiden, desto intensiver jene Unstetheit im Bodenniveau thátig gewesen 
sein mag, wie sich deutlich genug in der Ungleichartigkeit der an den entgegen- 
gesetzten Rándern siidwestlich von Pilsen zur Ausbildung gelangten Kohlenlacen, 
in der dort herrschenden Unbestándigkeit in der Anzahl und Máchtigkeit der 
auftretenden Zwischenmittel insbesondere jener bei der Ablagerung von Wittuna 
-zu erkennen gibt. 

Weniger intensiv erscheinen derlei Ungleichfórmickeiten in der Periode 
des Mittelflótzabsatzes, dessen wechselnde Máchtigkeit nicht so sehr in dem gánz- 
lichen Mangel einzelner Lagen desselben als in einer Verschwáchung aller der- 
selben besteht. 

Noch weniger geben sich Schwankuncen beim Hangendflótze wáhrend 
„dessen Entwicklung kund, das in fast gleicher Máchtigkeit úberall angetroffen - 
wird, und bei dem nur sowohl in der áussersten óstlichen wie westlichen Ver- 
breitung ein Anschwellen des Zwischenmittels zu grósserer als gewohnlicher Stárke 
besteht. 

Die den ungehemmten Absatz der Kohlenflótze beeintráchticenden Er- 
scheinungen sind sonach vom Beginne der Ablagerung gegen das Ende derselben 
in abnehmender Intensitát begriffen. 

Dass dieselben auch auf die Entwicklung der die Kohlenflótze beeleitenden 
Gesteinsschichten nicht ohne Einfluss blieben, geht aus der so sehr wechselnden 
Máchtigkeit der einzelnen Schichtencomplexe hervor, die gewiss nicht úberall 
in einer local in grósserer Menge und Intensitát stattsehabten Zusammenháufung 

4 


D0 


von Gesteinsmateriale zu suchen ist, sondern eben so oft wenigstens in der zu- 
fálligen Unebenheit des der Ablagerung sich darbietenden Untergrundes, womit 
wohl das háufig zu beobachtende allmálice Auskeilen einzelner Schichten in nahe 
Beziehung gebracht werden kann. 

Auf den Wechsel in Bodenschwankungen und in einer dadurch im Ver- 
laufe der Ablagerung herausgebildeten abweichenden Configuration des Unter- 
orundes deutet ausserdem die Verschiedenheit der Verbreitungsbezirke, in denen 
die Kohlenlager der einzelnen Flótzzůge sich befinden, und die keine correspon- 
dirende Úberlagerung gegen einander aufweisen. 

Eine Fortsetzung derartig eingeleiteter Stórungen gibt sich in der Ab- 
lagerune selbst noch nach deren Abschluss in den zahlreichen Klůften und Spalten, 
von welchen ihre Schichtensysteme zumeist in den Richtungen von Sůd gegen 
Nord, ausserdem von SO nach NW und SW gegen NO durchzogen werden, zu 
erkennen, womit háufig ansehnliche Verwerfungen, Schichtenstorungen und Niveau- 
veránderungen in Verbindung stehen. Zahlreich sind solche in den Grubenbauen 
aufgeschlossen; wie an der Hauptverwerfung in der Umgebung von Radnitz, wo- 
durch eine bei 24 Meter betragende Dislocation hervorgebracht wird; mannigfaltig 
und in verschiedener Intensitát bei den ausgebreiteten Bergbauen in der Umgebung 
von Kladno ;*) aber auch deutlich genug bis zu Tage gehend kenntlich, wie entlang 
der Rinnsale des Miesflusses, des Třemoschnabaches bei Pilsen, in der Umgebung 
von Kottiken und Ledeč u. s. w. 

Kleinere locale Unterbrechungen wurden endlich durch das Hervorbrechen 
einzelner Basaltstróme bewirkt, wie bei Schlan, Winařitz, bei Libin nórdlich von 
Lubenz, ferner bei Přischow (Umgebung von Pilsen), bei Manetin, Netschetin und 
Dobrawitz. Gróssere Stórungen durch diese vulkanischen Gebilde hervorgebracht, 
werden nicht beobachtet, und das von dem Winařitzer Basalte mit einzelnen Apo- 
physen durchsetzte Liegendflotz bei dem Mayrau-Schachte náchst Motitschin zeigt 
weder Verwerfungen, sondern blosse Spaltung der Kohlenmasse und Umwandlung 
derselben an den Contact-Stellen in Koaks. 

Alle die, die Ablagerung betreffenden Entwicklungsverháltnisse werden in 
oleicher Weise in sámmtlichen Parthien derselben, entsprechend den in dieselben 
hineinreichenden Schichtencomplexen, angetroffen, und diese Erfahrung, beruhend 
auf der Gleichartigkeit und Úbereinstimmung der ůúberall in derselben Ordnung 
úbereinander folgenden Schichtengruppen, und der auf gleichen Horizonten stets 
in demselben eigenthůmlichen Character ausgebildeten Kohlenfiótze zeigen un- 
zweifelhaft, dass die mittelbohmische Steinkohlenablagerune als ein, in allen ihren 
einzelnen Parthien zusammengehóriges, gleichartie aufgebautes, einheitliches, 
nicht aus verschiedenartie entstandenen Becken bestehendes Gebilde betrachtet 
werden muss. 

Profile durch das Ablagerungsgebiet an verschiedenen Stellen gelegt, geben 
diesemnach auch úbereinstimmende Beschaffenheit, wie die beistehenden Darstel- 
lungen darthun. 

Fig. 14. Ein Profil durch die Ablagerung in einer von Sůd nach Nord gehenden 

Linie iiber Kladno bis Schlan, die einseitige Entwicklung des Liegend- 


*) Siehe Prof. Joh. Krejčí Geologie. 


51 


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Jemnik Schachte 27 nj 
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Kůbeck Schachte - WWE 
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Thienfeld Schachte — „AN 


Layer Schachte ORwy 
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Darova 


a) 
Franz Schachte V = 
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N = 
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S o 
m 5 = s 
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A = 
© 
az] 


50, 


flótzzuges, des dariber folgenden, durch ein schwaches Kohlenfiótzchen 
bezeichneten Mittelflótzzuges und des nordlich hinaus gerůckten Hangend- 


Hótzzuges enthaltend. 
4* 


O 
vÝ 


15. Ein Profil von Lubna ber Rakonitz an den Bere Žban, ebenfalls in 


Fig. 
einer von Sůd nach Nord gelegten Linie, sámtliche drei Flótzzůge in 
treppenfórmiger Úberlagerung kreuzend. 

Fig. 16. Ein Profil durch die Ablagerung nórdlich von Pilsen, úber Radnitz, Tře- © 
moschna nach Manetin, die verschobene Aufeinanderfolge der drei Flótz- 
zůge in der Richtung von Sůdost gegen Nordwest darlegend. | 

Fig. 17. Ein Profil durch die Ablagerung sůdlich von Pilsen zwischen Lititz und 
Nůrschan, von Sůdost nach Nordwest, die in diesem Theile bestehende 
synclinale Lagerung der Schichten sámmtlicher drei Flótzzůge darstellend. 

Úber die Máchtigkeit, bis zu welcher die Ablagerung 
vě sich erhebt, einige Anhaltspunkte zu erhalten, bietet be- © 
= sonders das von Kladno gegen Schlan gelegte Profil (Figur © 
14.) gůnstige Gelegenheit. | 
Die daselbst in fast. gerader Linie hinter einander in © 
der Richtung des Verfláchens von Sid gegen Nord durch- 
gefůhrten Abteufungen haben folgendes Ergebniss geliefert. 
Bei dem am sůdlichsten angesetzten Franz-Schachte 
5 = musste bis an das obere Liegendfiótz beiláufie 185 Meter 
EB a VS abgeteuft werden; bei dem náchstfolgenden Layer-Schachte © 
á DE 225 Mt., bei dem weiteren Thienfeld-Schachte 291 Mt. und. 
; NĚ bei dem Kůbek-Schachte 346 Mt. : | 
X NÉ Bei der Abteufung des dann in weiterer něrdlicher © 
9; E Entfernung angesetzten  Versuchs-Schachtes unweit Jemnik 
© y, 9 wurde das Grundgebirge erst mit 504,3 Mt. erreicht, und 
jz 7) AUDE die Bohrung bei Malkowitz musste circa 580 Mt. nieder- 
zj V WS gehen, um das Grundgebirge zu erreichen. Die Máchtigkeit 
2 8 SE der Ablagerung stellt sich sonach stellenweise úber 500 Mt. 
VE heraus, wovon weitaus der gróssere Antheil der Liegendflótz- 


DV oruppe zuzufallen scheint. 
DOE Dass die Máchtigkeit einer und derselben Flótzgruppe 
A W oft auffallendem Wechsel unterliegt, ist bereits erórtert worden 
NE und bei der gleichfórmigen Lagerung ist namentlich dort, 
NE wo das zugehorige Kohlenfiotz mangelt, die Gránzscheide 
zwischen dem Liegendflótzzuge und dem Mittelflótzzuge bel 
der wenig verschiedenen Beschaffenheit der ihnen angehóri- 
gen Gesteinsschichten nicht mit Sicherheit zu ermitteln, das 
beiderseitige Máchtigkeitsverháltniss sonach nicht klar. 

Der Hangendflótzzue allein bietet hiezu immer genů- 
gende Gelegenheit, in der mehrentheils abweichenden Be- 
schaffenheit seiner Gesteinsschichten von jenen die tieferen 


mm SVG. "71 : 77 
nm. 5% 


| 
l 


Nurschaner Sch. Kounováer Sch. Kreideformation 


Grundgeblrge Radnitzer Sch. 
der Steinkohlenablagerung. 


Steinkohlenfiot2 mu 


D3 


Flótzgruppen zusammensetzenden. Dieser Flótzzug kennzeichnet sich schon in 
seinen stratigraphischen Verháltnissen als ein von den tiefern, unter bereits modi- 
-ficirten Bedingungen entwickeltes Gebilde. 
Der Unterschied in der Máchtigkeit einzelner Schichtencomplexe beruht 
C nicht immer auf ursprůnglicher Anlage; háufig genug hat der Bestand derselben 
durch spáter erfolete Erosion und Abschwemmung Einbusse erlitten, und sind 
© Schotteranháufungen theils im Bereiche der Ablagerung befindlich, wie bei Kro- 
schau (Chrastian), Hlavačow, Littau etc.; theils weiter hinausgefiihrt, wie bei 
Chrast, Wuttau etc., Belege hiefůr.*) 

Es ist einleuchtend, dass derlei Érosionen und Abschwemmungen stellen- 
weise endlich bis zur Trennung des einst im Zusammenhange befindlichen Ge- 
- bildes fůhren konnten, und die Ablagerung in dem uns jetzt vorliegenden Zustand 
| der Zertheilung in mehrere isolirte Parthien zu versetzen vermochten, worauf noch 
die hie und da zwischen einzelnen Parthien, wie Wranowa und Nůrschan ete. 
-© vorhandenen Rudimente ehemaliger Gesteinsschichten hindeuten, und so einen 
ehemals weiter bestandenen Umfang der Ablagerung erkennen lassen. 


I. Paláontologische Verháltnisse. 


Organische Úberreste, sowohl aus dem Thierreiche wie aus dem Pfanzen- 
reiche werden in den Schichten der mittelbohmischen Steinkohlenablagerung in 
ansehnlicher Menge, und in sámmtlichen Horizonten, von dem tiefsten bis zum 
hóchsten, wie schon angedeutet, gefunden. 

Solcher Horizonte bestehen im Ganzen vier, indem die den Liegendflótzzug 
erfůllenden Gesteinsschichten, je nachdem dieselben das untere Kohlenflótz des- 
selben, oder das obere úberlagern, als eigene Gruppen aufgefasst werden kónnen, 
wáhrend die beiden hóher folgenden Flótzzůge, nur mit je einem Kohlenflótze in 
Beziehung stehend, auch nur je einen Horizont in dieser Beziehung vertreten. 


! Der grósste Reichthum an organischen Úberresten wird im Allgemeinen 
in den, die náchste Begleitung der Kohlenflótze bildenden Gesteinsschichten sowohl 
im Hangenden, wie theilweise im Liegenden, oder in den vorhandenen Zwischen- 
mitteln angetroffen, und so finden sich die jedem Horizonte eigenthůmlichen orga- 
nischen Úberreste vorwaltend auf einer verháltnissmássig geringen Schichtenreihe 
versammelt, wáhrend sie in den, den weitern Bestand eines Flótzzuges zusammen- 
setzenden, in grósserer Entfernung von dem zugehorigen Kohlenflotze lagernden 
Schichten gewóhnlich nur einzeln zerstreut beobachtet werden. 


+) Ansserhalb dieser Schotterablagerungen werden úber das ganze Ablagerungsgebiet zer- 
streut beobachtet einzelne Blócke verschiedener Grósse eines plattfláchigen, graugelb- 
lichen, meist abgerollten dichten Kieselsandsteins, der nirgends in den anstehenden 
Schichten bekannt ist, daher andern Ursprungs sein mušs. Ich habe diese Blócke be- 
obachtet sehr háufig bei Wetzlau, danň mehr oder weniger zahlreich bei Kriegern; 
Ledeč, Ober-Břiz, Wscherau, Nůrschan, Rothaujezd, Manetin, sámmtlich im Bereiche 
des Hangendflótzzuges, und sie kommen ausserdem in der Umgebung von Laun vor. 


D4 


Diesemnach vertheilen sich die vier vorwaltend paláontologische Belege 
jiefernden Horizonte derart, dass dem Hangend- und dem Mittelflótzzuge je einer 
angehórt, im Liegendflotzzuge aber zwei derselben unterschieden werden kónnen, 
die als untere und obere Abtheilung desselben zu betrachten wáren. 


Fůr die Ermittlung der úberhaupt auf der mittelbohmischen Steinkohlen- 
ablagerung erscheinenden Arten aus beiden organischen Reichen bieten die zahl- 
reichen Abhandlungen und Mittheilungen frůherer Forscher von Sternberg ange- 
fangen bis in die neueste Zeit ein reiches Materiale. 


| Die meist genaue Angabe der Fundorte fiůr die einzelnen beobachteten 
Arten ermóglicht es auch, mit Zuverlássigkeit den Horizont festzusetzen, welchem 
dieselben angehóren, selbst dort wo nur auf den vorhandenen Halden gesammelt 
wurde, da bei der eigenthůmlichen, treppenfórmig úber einander vorgeschobenen 
Beschaffenheit der Kohlenfiótzlagerung nur in seltenen Fallen mit einem und 
demselben Schachte Schichten zu mehr als zu einem Horizonte gehórig in Angriff 
genommen sind, und wo es hie und da doch der Fall ist, die verschiedene Ge- 
steinsbeschaffenheit gewóhnlich ohne Můhe die richtice Einreihung zu treffen 
gestattet. | 

Der Beschreibung und náheren Schilderung der verschiedenen kennen ge- 
lernten Arten, sowohl aus dem Thier- wie aus dem Pflanzen-Reiche, ist eben auch 
in den zahlreichen erwáhnten Abhandlungen in mehrfacher und genigender Weise, 
theils selbststándig, theils mit Beziehung auf andere Fachschriften, entsprochen, so 
dass hier von einem speziellen Eingehen auf dieselbe abgesehen werden, und vor- 
zůslich der Verbreitune derselben in den einzelnen Horizonten, den Verháltnissen 
ihrer Vergesellschaftung und ihres Auftretens Berůcksichtigung zu Theil werden soll. 


a) "hierreste. 


Das erste Thierpetrefact aus der mittelbohmischen Steinkohlenablagerung 
wurde vom Grafen Caspar Sternberg 1834 bei Chomle in der Umgebung von 
Radnitz entdeckt, und als fossiler Skorpion von Corda mit dem Namen Cyclo- 
phthalmus senior beschrieben. 


Erst nach viele Jahre betragenden Zeitabstánden kamen dann weitere 
Arten, immer vereinzelt zum Vorscheine. Insbesondere gehórt die Kenntniss von 
dem Vorkommen der Wirbelthiere einer erst verháltnissmássig kurzen Zeit an. 


Zwar wird die Anwesenheit von solchen, namentlich von Fischschuppen, in 
der Schwarte des Hangendflótzes bei Hředl, Kounowa bereits von Reuss und Lipold 
angezeigt. Ihre náhere Schilderung, so wie die Ermittlung von dem Auftreten 
derselben auch im Bereiche des Mittelzuges bei Nůrschan und Třemoschna, ver- 
danken wie erst den Bemůhungen des Prof. Dr. A. Fritsch, der dieselben in seinem 
umfangreichen Werke: „Fauna der Gaskohle etc.“ ausfůhrlicher Bearbeitune und 
Jeschreibung unterzieht. 


Auch die aus anderen Classen vorgekommenen Thierreste finden wir vor- 
waltend in einzelnen Abhandlungen von Dr. Fritsch eingehend behandelt. (Fauna 
der Steinkohlenformation Bohmens, Arbeiten der geolog. Abtheilung der Landes- 
durchforschung von Bóhmen 1873; und fossile Arthropoden der Steinkohlen- und 


D5 


| Kreideformation Běhmen's in Beitrágen zur Paláontologie Osterreich- Ungarn's 
(II. Ba. 1882.) | 

j Es geniigt sonach, in Bezug auf die Thieřreste unserer Steinkohlenabla- 
 gerung auf die angefůhrten Special-Arbeiten zu verweisen und nur die fůr vor- 
| stehenden Zweck sich aus denselben ergebenden Folgerungen zu berůcksichtigen. 
| Nach dem heutigen Stande unserer Kenntniss betrágt die Anzahl aller 
bekannt gewordenen Arten thierischer Úberreste aus unserer gesammten Stein- 
© kohlenablagerung achtzig. 

Von diesen 80 Arten entfallen auf die Wirbelthiere allein 59; diese sind 
© sonach bis jetzt úberwiegend vertreten. 

| Sie gehóren den beiden Úlassen: Stegocephali, Cope (Labyrinthodontia) 
und Pisces an; der erstern mit 36 Arten aus 7 Familien; der letzteren mit 23 
Arten, woran 2 auf die Lurchfische, 21 auf die eigentlichen Fische entfallen. 

Das erste Erscheinen von Wirbelthierresten fállt mit dem Auftreten des 
Mittelflótzes zusammen, wo, wie bereits erwáhnt, die an der Basis des Kohlen- 
| flótzes befindlichen Cannelkohlen und Brandschieferschichten solche eingeschlossen 
- enthalten, und den ersten Wirbelthierreste fihrenden Horizont bilden. 

Nach ziemlich langer Unterbrechung sind Wirbelthierreste erst wieder in 
-der Begleitung des Hangend- oder des Kounowa'er Kohlenflótzes bekannt, und 
zwar einestheils in den, das Flótz unterlagernden Sphárosideriten eingeschlossen, 
anderntheils in der im Hangenden des Flótzes befindlichen, Schwarte genannten, 
© Brandschiefer-Schichte, 

Hiedurch wird ein zweiter vornehmlich Wirbelthierreste fůhrender Horizont 
hergestellt. Nur vereinzelt sind bis jetzt in den hóher folgenden Schichten des 
Hangendflótzzuges die Spuren von Wirbelthierresten, namentlich in Fischschuppen 
bekannt. 

Auf den Mittelflótzzug, oder auf die Nůrschaner Schichten entfallen nun 
von sámmtlichen Wirbelthieren 32; auf den Hangendflótzzug, oder die Kounowa'er 
Schichten: 29 Arten und zwar sind vertreten: 


In Nůrschaner Schichten ; in Kounowaer Schichten 
E S DCCpha k Mk 65 29 APV 0 T- Arten 
PROM OULU MI 0 O O n nao 0 oc 0 A Col m 


oder die Stegocephali er- 

scheinen in Bezug auf ihre 

gesammte Artenmenge pr. 

PR o Oo a o OKP) ICL Se Je ve be a ja) ca je 06 DAD pet. 
EME CHO (es l61CNG MLD 5 70. jee S08 4706) 00 06 6 A m 

Die Anzahl der Arten aus jeder Klasse ist sonach auf den beiden Ho- 
rizonten in umgekehrtem Verháltnisse beflndlich ; es erscheinen auf den Nůrschaner 
Schichten vorwaltend Stegocephali, untergeordnet Fische; dagegen auf den Kouno- 
wa'er die Fische úberwiegender als die Stegocephali vertreten sind. 

Die Stegocephali verhalten sich zu den Fischen in den Nůrschaner Schichten 
wie 3,57:1. Dagegen in den Kounowa'er Schichten die Fische zu den Stegocephali 
wie 1,64:1. Der Unterschied in der Vertretung beider Classen ist sonach in 
ersteren Schichten ein bedeutend grósserer als bei den letzteren. 


56 


Von allen, aus beiden Horizonten bekannt gewordenen Arten sind es bis 
jetzt bloss zwei, die beiden gemeinschaftlich zukommen, und diese zwei gehóren 
den Fischen an; es sind diess die Arten Orthacanthus bohemicus, und eine sp. 
Phillolepis. — Nicht eine Art der Stegocephali ist bis jetzt in beiden Horizonten 
vorkommend bekannt. Es besteht sonach eine sehr untergeordnete Verbindung 
zwischen denselben durch die verschiedenen Arten von Wirbelthierresten. 


Dagecen zeiet das bekannte Vorkommen der in der Schwarte, bei Kou- 
nowa, Zaboř ete. eingeschlossenen Fischreste, Acanthodes gracilis Róm. und Am- 
blypterus gigas Fr. auch in den Sphárosideriten unter dem Kounowa'er oder 
Hangend-Kohlenflótze (bei Žilow, Umgebung v. Pilsen ete.) bei gánzlichem Mangel 
derselben im Bereiche des Nůrschaner Horizontes, die Zugehórigkeit der diese 
Sphárosiderite umhůllenden Schichten zum Hangendflótzzuge an. 


Die úbrigen 21 Arten unterschiedlicher Thierreste vertheilen sich in nach- 
folgende Classen: Insecta — 7 Arten; Arachnida — 3 Arten; Myriopoda — 3 Arten; 
Crustacea — T% Arten; Mollusca — 1 Art. 


Sie sind unterschiedlich auf die einzelnen Schichtengruppen vertheilt und 
erscheinen immer nur sporadisch. 

In der beistehenden Tabelle sind die einzelnen Arten aus allen Classen 
dieser niedereren Thiere angefůhrt, und ihr Vorkommen sowohl in Bezug auf die 
Schichtengruppe, aus welcher sie stammen, als auf die Localitát, an welcher sie 
bisher beobachtet wurden, zusammencestellt: 


Radnitzer Sch. 


Untere | Obere 
Flótz- | Wlótz- 


gruppe | gruppe 


Nůr- | Kouno- | 
schaner| wa'er | 
Schicht, | Schicht.' 

| 


Arthropoda. | 
Insecta. | 
Acridites priscus André von Stradonitz sE | 
Gryllacris Bohemica O. Novák von Stradonitz jv | 
Palingenia Feistmanteli Fritsch von Kralup .... 4 p VSM 
Flůgelreste eines Orthopteren (Eugereon ?) von Nůrschan = 
Xylorictes septarius Fritsch, Bohrgánge von Insekton | 
von-OWDa 6 3900 ads O E s 
Xylorictes planus Fritsch , PARS AE von Insekten 
von Nůrschan 005 tla Ro vk 
BlattmaSp-von Lubná 0:00 | Ms: 
Arachnida. | | 
Cyclophthalmus senior Corda von Chomle, Kralup, Ho- | | | 
BLolatey (4.7.0700 Ae: a : 3 
Fragmente eines Sonne von Nůrschan-Studniowes boa + | + 
Palaranea borassifolia Fritsch von Swina ........ > pýTkÉ 
Myriopoda. | 
Julus constans Fritsch von Nůrschan . . ........ ; Sh 
Julus costulatus Fritsch von Nůrschan S: AIP“ |x : 
Julus pictus Fritech Kounowa-Zaboř . ....... MP Pax lo a + 
Crustacea. | 
Gampsonychus parallelus Fritsch von Dibry at. | U a | S 
Gampsonychus Krejčii Fritsch von Nůrschan, Třemoschna KRNKYN sE 
Lepidoderma Imhoffi Reuss von Wilkischen . .. . « = Me 
Estheria tenella Fritsch von Nůrschan + ž 


bi 


Radnitzer Sch. 
—————— | Nur- | Kouno-| 
Untére | Obere |schaner| wa'er 
Flótz- | Flótz- poehloní Schicht. 
gruppe | gruppe 
JEohern AD, vom, Premosehná |% 124 EA Je braly PP | : + 
Estheria (cyanea) von Kounowa, Herrndorf . ... i" 3 ska NĚ: dě č vi ke B 
Cypridea sp. im Kalkstein von Klobuk ©.. ...... SUI : -+ 
Molluska. 
Anthracosia sp. im Kalksteine von Klobuk-Peruz bo | 
a 6 5 


10 


Die Arten aus niedereren Thierclassen sind sonach auf die einzelnen 
Horizonte gleichmássiger vertheilt. Von allen 21 Arten sind jedoch bloss zweie 
nicht auf einen einzigen beschránkt, und beide diese Arten gehóren den Scorpionen 
an, die sonach bis jetzt allein in sámmtlichen Flótzzůigen beobachtet wurden. 

Auch in den beiden Unterabtheilungen der Radnitzer Schichten, oder des 
Liecendflótzzuges ist es nur die Art Cyclophthalmus senior, die in beiden gemein- 
schaftlich erscheint; alle úbrigen Arten bleiben auf die eine oder die andere 
Abtheilung beschránkt. 

Insgesammt an Wirbelthierresten und an Arten aus niedereren Thiecrlassen 
haben sonach die einzelnen Horizonte der mittelbohmischen Steinkohlenablagerung 
folgsende Anzahl Arten geliefert: 


; : untere Abtheilung . . .... . 

Liegendflótzzug | obere Abtheilung . . . . .8 Zusammen 10 Arten 
Mittelflotzzug „ágto vll. VM O Psa MRV s o) 
Hangendflótzzug.——. . . . "ono ZPM ed KKK Jo od oa od ná NL 7: SL Aé 


Macht. . .84 Arten 
Darunter auf mehr als einem Horizonte erscheinnde Arten . 4 „ 
Gibt die ganze bekannte Artenanzahl. . .80 Arten 


Trotz der nicht geringen Anzahl verschiedener Arten von Thierresten sind 
dieselben, mit Ausnahme der stellenweise háufiger gedrángt erscheinenden Wirbel- 
thierreste dennoch, ihres nur sporadischen Auftretens halber, weniger dienlich, 
die einzelnen Schichtencomplexe auf ihre Zugehorigkeit zu einem oder dem andern 
Flótzzuge bestimmen zu lassen; selbst die Wirbelthierreste werden in demselben 
Horizonte streckenweise nicht angetroffen, und wo sie sich einstellen, sind sie nicht 
in solcher Menge stets zu finden, wie es nach ihrer Anzahl bestimmter Arten 
den Anschein haben kónnte, die aber durch vieljáhrice Bemihung und Aufmerk- 
samkeit allein endlich von Prof. Dr. Fritsch zusammengebracht werden konnten. 

Am gleichmássigsten verbreitet finden sich die Wirbelthierreste in der, 
das Hangendflotz (Kounowa'er Flótz) im Hangenden begleitenden Brandschiefer- 
schichte der Schwarte, und sind aus der Umgebung von Pilsen, von Manetin und 
zwischen Kounowa-Schlan bekannt; den Mittelotzzug, die Nůrschaner Schichten, 
begleiten sie nur in der Umgebung von Pilsen. 

Viel massgebender in dieser Beziehung als die Thierreste erweisen sich 

die Planzenreste. 


58 


b) Pílanzenreste. 


Auch die Planzenreste werden am ergiebigsten auf den in der náchsten 
Begleitung der Kohlenflótze befindlichen Schichten angetroffen. Vorwaltend sind 
diess Schieferthone in ihrer unterschiedlichen Beschaffenheit. Nur seltener sind 
die Sandsteine, und dann zumeěist jene mehr feinkórniger Zusammensetzung gin- 
stigere Lagerstátten fůr dieselben, wie jene, die úber dem unteren der beiden 
Liegendflótze entwickelt sind. 

In den grobkórnigeren oder mehr porósen Sandsteinen, wie auch in den 
von den Kohlenflótzen entfernter gelagerten Gesteinsschichten, fehlen zwar vege- 
tabilische Úberreste nicht, sind aber meist ungenůgend erhalten und vereinzelt 
zerstreut anzutreffen, seltener nur, besonders in zwischengelagerten Schieferthon- 
schichten regelmássiger eingebettet. Die Planzenreste erscheinen sonach vorwaltend 
auf vier verschiedenen Horizonten. 

Dovon gehóren zweie dem Liegendfiotzzuge an, in dem die das Unterflótz 
und jene das Oberfiótz begleitenden Gesteinsschichten als je ein Pflanzenreste 
fůhrender Horizont, als untere und obere Abtheilung des Liegendflótzzuses be- 
trachtet werden, und der Mittelflótzzug, so wie der Hangendflótzzug als weitere 
selbststándice Horizonte erscheinen. Fůr jeden dieser Horizonte sind Pflanzen- 
reste von einer genůgenden Anzahl von Localitáten gesammelt und beobachtet 
worden, um fiir den Character der in jedem derselben eingeschlossenen fossilen 
Flora einen entsprechend verlásslichen Anhaltspunkt zu besitzen, da allein die 
Betrachtung des Vorkommens von Pflanzenresten an mehreren, wo móglich ent- 
fernter gelegenen Localitáten ein hinlángliches Bild derselben zu liefern vermag, 
wáhrend die Ausbeute einzelner Fundstellen allein oft nur zu einseitigen Ergeb- 


nissen fůhrt. 
Es sind sonach fůr die untere Abtheilung des Liegendflótzzuges die Er- 


gebnisse von folgenden Localitáten zur Verfůgung: Klein Přilep; Žebrák; im Li- 
seker Becken die Fundorte Stradonitz, Dibřy, Hiskow; Miróschau die unteren 
Schichten; Swina; Chomle, Wranowitz zum Theil ete.; Kladno, Rakonitz und Um- 
gebung; Kaznau, Třemoschna, Blattnitz etc. 

Fůr die obere Abtheilung des Liegendfiotzzuges: vor Allem Umgebung von 
Radnitz; besonders Břas; Miróschau; Lisek mit Zlejčina; Kralup; Wotwowitz; 
Kladno; Umgebung von Pilsen; Kaznan; Třemoschna; Nůrschan; Wilkischen ; 
Weisser Berg, Mantan; Merklin und Wranowa etc. 

Fůr den Mittelflótzzug: Umgebung von Nůrschan, Pankrazgruben, Hum- 
boldtschacht und Zieglerschacht, ferner Třemoschna Barbaraschacht; Lubna, Zeměch 
und Můhlhausen. 

Endlich fůr den Hancendflótzzug : sámmtliche bekannten Fundorte im Schlan- 
Rakonitzer Bezirke von Nauměřitz bis Herrndorf, in der Umgebung von Pilsen, 
Kottiken, Ledeč, Břiz etc., und Umgebung von Manetin. 

Sámmtliche aus den Schichten der mittelbohmischen Steinkohlenablagerung 
bis jetzt bekannt gewordenen Arten fossiler Pflanzen sind demnach auf Grundlage 
ihres Vorkommens, in die entsprechenden Horizonte oder Flótzzůge eingereiht, in 
der beistehenden Tabelle ersichtlich gemacht, wie folgt: 


Fossile Flora der mittelbohmischen Steinkohlenablagerung. 


(TMS OR OE S PO B SL 


OR 


| © Radnitzer Schicht en | Nůrscha- | Kouno- 
| Untere Abth. | Obere Abth. sm ner Sch. wa'er Sch. 
7 TT WP ZEM C O E 6 n 
| NÍ ká iěl A | | BEN W | m 
= E = | | | | || o | 
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(ryromices ammonis Gópp. 0 m5 
Sphárites Feistmantelianus Rab., IH-0 | + 
Xylomides ellipticus K. F. ZEN) kv | 0 
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B. Cryptog. vaseulares.| | dea vá 6 PENN n 
v VŘE | VEB. 
1. Filices. >.. P M 
Pí | | l | 
Wedelbruchstiicke. | M | | | 
a) Sphenopterideae. 1 | 1 | MU | | 
Sphenopteris lanceolata Gutb. -+ 0 oj +- | u | 
3 Gutbieri Ettingsh. +0, m -HH | 1 
i linearis Stbg. +0 LHO, | | HH T 
i tenuissima Štbg. |—0 o | M + | | 
i tenella Brongn. | VAM | + 1 | 
i meifolia Stbg. H.0|0 0.0900 "i 
: elegans Brongn. +.0,0,0.00-—+/|0 |(000-—-— 0 h | 
á spinosa Gópp. +0 0, | ste -| | | | 
: flexuosa Gutb. | | T 0 (h | | | 
i c. f. distans Stbg. — 0 | ČH | 1 
4 laciniata Gutb. © o, | | the s | | 4 
; Linki Gópp. | »AbP PP rr 0 | M 
fi intermedia Ett.  (+10,0| |-| | | -+ | | 
R Hónigshausi Brong.-+-|. (0,0, 0+0 P 1 ol0olj0o -+010 
R microloba Gópp. ohrada jí je- 0 |- 9 
Á tridactylites Brong.--| 10. | (0--| | (000-0 
i c.f.Schlotheimi Br/.+-| (0, +0, (0 bd | 
Gravenhorsti Bron. 6% | | | -+0 | dě 
s cristata Gein. | | |- 0 | -+ | l bay 
: latifolia Brongn. (+0, (0, 0- 0| -| B RĚ 4 
Á tenuifolia Brongn. + (0 | | HT | ní 
k Duboissonis Brong.--|0|0. | | = | | 
ý davallia Gópp. HH- 0 | B | -+ l 
í debilis Gópp. +0, TE SEEN betáne 10 1 : 
5 coralloides Gutb. L rojojoj0.-+'0| |0 | 0 + + 0|0, | | | 
i l i | | u ! 


7 Radnitzer Schichten Nůrscha- | Kouno- 
Untere Abth. | Obere Abth. | ner Sch. |wa'er Sch. 
T AE l ora [aw ose velo i : 
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T No c k 
. decipiens Lesg. |-| „0 + | 
Ň acutifolia Bronen. =- 0 .- | | 
5 inaegualis Stbg. |-+-,0 + | 
é trifoliata Brongn. je) 
(rigida Bgt.) |+| |0 | 0,0|---0., 0 
3 rutaefolia Gutb. -F 0,0, |- | 
: irregularis  (botry- | | 
oides) Stbe. — (—0|0|,010| |- 0 |- —/0 
28 obtusiloba Brongn.-—-—|0 0,0 ,.0|,0|=|0|0|0|10| | -+000 | 
k flavicans Stbg. +0 al — 
stricta Stbg 0 -+ 
M muricata Brongn. -+00 0|0--0 0|0|10-—--0 
Ň macilenta L. © H.—-0 0 O 0| -+00 
: artemisiaefol. Stbg. +0 + 
zá sporangifera n. sp- 0 pr 
5 erosa Gutb. [o 0 .0|,0|--0 0,0, -1-0 00 | 
5 cristata Gutb. | | (1,0 010, |--0, 
1 K L 
Hymenophyllitos furcatus Bron.--| 0|0|0,0|,0-0|0|0 00-00, |- 0 
ň alatus Brongn. Hm 0 0| | | T 
H Phillipsi Gópp. HH 0 0|+ 0 hor RO 
; stipulatus Gtb.-—-| |0 | 0- oj0| -10,0 + |0 
a guercifol. Gp. | E.0.'0 jE | 
Á Partschi Ett. -+ 0 0 + | | 
s c. f. semiala- | | | 
tus Gein. | | -+ 10 
b) Rhacopteridae. | | | | | 
Rhacopteris elegans Schimp. (As-; | | | | | | 
plenites elegans Ett.) -.0|0,00010+ 0,0. -++ 00? 2 
Rhacopteris sp. (ns o | = | jé 
Palaeopteris Reussi Schimp. (As-' | | 
plenites Reussi Ett.) | 0 | -+ | 
©) Něggerathieae. | | 
9, Noggerathia speciosa Ett. -+0 RO + 
M intermedia K. F. |—+ 0|0-0 0.0,- | 
i foliosa Stbg. „lo o, -H0| (0 aE: | 
» Sp. RE 0- | 
d) Neuropterideae. 1 | | | 
Neuropteris angustifolia Brongn.--| |0| |- |0--0| (00,0 -- | 
7 Hemom Sg. — odalojojo| Jolrjojojojolo|uulololo| 
n exuosa Stbg. -T | r | 
1 PE tomu ol | atoloj na MITA 
i eterophylla Bron. +, ke EE | A (8 
: Loshi Brongn. +H|ejoje| jo T 0|0jojojo Heh 
U rubescens Stbg. | ' nh | jojo ++ 0;0|, | 
l tenuifolia Schloth. zr 0 | + (o/|0 0, +- | | 
auriculata Brongn. -+|0| '0|0 -+0|0 0, + + M | | 
t coriacea Ett. HRCHO 5+ | | | u el | 


61 


Radnitzer Schichten Nůrscha- | Kouno- 
Untere Abth. | Obere Abth. | £| Per Sch. | waer Sch. 
„M | 
Š|B|s (3 S | 
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la) 1| 2, 3, 4 5b)| 6| 7| 8| 9|10|A.|B.|11|12|13,C.|14|15|16 
Neuropteris hispida n. sp. -| (0 = 
% c. £. crenulata Br. | -+0 
: Grangeri Brongn. -+0 + VÍ 
| | a | 
Odontopteris Reichiana Gutb. |-| 01010, |- 0,0, + | 
č Bohmil Gutb. -+ (0 F | 
: britannica Gutb. (—| |0|0 -H+ 
k otopteroides Gp.sp.-+| 10 + 
EO: Schlotheimi Gutb.-—| |0 | 0 +|-+.0,0, |--0 
ň obtusiloba Naum. : +? -+0 
8 aegualis n. sp. +. 10 -- | | 
c. £ Permiensis Br. +0, 
| 81| Triphyllopteris rhomboidea E. s/—-| |0 0|0 + 
82 5 tenera Ett. sp. -—-. |0 + 
| 83, Dictyopteris Brongniarti Gutb. -—;0|0|0|0|0- 010, -FH 010 
84 bo neuropteroides Gtb.--. |0|0 -0 010, +- 0|0 
85, Cyclopteris orbicularis Brongn. |- 0|0,0 Ho 0|0|----0|0 | 
86 -M tenuifolia Gópp. -0 -+ | 
87 n © oblongifolia Gópp. | | | +0 
88. Adiantites giganteus Gópp. +. (0 0-0 ojo|----o0 
89 y Haidingeri Ett. -H.0 | | | 
e) Pecopterideae. | 
90, Cyatheites arborescens Gópp. |(—. |0 0|=-|0|0|0,0|0|4-.0|0,0,--.0|0|,0 
91. 4 oreopteridis Gópp. |- 0 0|--.0|0,0|010|----10|010-0| | 
92 í Miltoni Gópp. Hlololojo|0--0|0|0,0,0,--|4+.0,0,0,-0|0,0 
| 93 k bohemicus Ett. sp. -0 H+! | 
94 ý candolleaneus Bron. -Hlo| olo, j++. (0,.--0 
95 i argutus Brongn. + 0 H--5l0 -Ho 
96 » dentatus Gópp. --/0 oj0|0|10/--|010|0 0,0 ----.0|0,0-5|0| 10, 
97 , mucronatus Stbg. -0 -0 n | 4 
98 É pennaeformis Brongn.— 0. -+010 A | 
99 i Gůntheri Gópp. +. ,0 | -+ | I 
100 E: unitus Brongn. -| 10,0 sh. (0 |0 
101 i Wolfii Stur bál „+0 
102 s Bredovii Germ. | jedn = 0, 
103 4 „ agualis Brongn. -010 za : 
104, Alethopteris Serlii Brongn. Hlo| 10, 10--.0|0,10,10| |---0.0|0--.0|0|0 
105 pi pteroides Brongn. =- 10,010, +----.0.010--|0|0 
106 M aguilina Brongn. -+ 0.0, | ---.0.0,. | -HU 
107 : Plukeneti Schloth. -—— 0 -+H/0|0|0,0| |---- 010 
108 A3 nervosa Brongn. + 0|0| |- 
"oo MR oj longifolia Gópp. -0,0 Ho jolo, ---0|0j -| jo 
110 : radnicensis Stbg.sp..-+. 0 | - 
111 Ž similis Stbg. sp. -+0 h 
| | M | 


52 


"m j Radnitzer Schichten Nůrscha- | Kouno- 
| Untere Abth. | Obere Abth. | 5 er Sch. |wá'er Sch. 
n m=| ECT 0 EE 
z 5 si s o = a É š ó|.d = 
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BEBEEEEFEEBELEPEEEEE: 
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| i a)|| 1| 2| 8| 4| 5|b)! 6| 7) 8, 9110/A.|B.|11|12|13|C.|14|15|16 
112| Callipteris conferta Brongn. sp. | | hd +Hlolo 
113| Taeniopteris c. f. coriacea Gópp. | | -+0 
114, Oligocarpia Gutbieri Gópp. E 010 0 „ 010 ++ 0 Hi | 
115, Steffensia davallioides Gópp. | + 0 + 
116, Beinertia gymnogrammoides Gp., 0 
117) Lonchopteris rugosa Brongn.  -—|0|0|0 + 0.0, |-H+-0.0 
Stipulargebilde. 
118| Schizopteris lactuca Presl (5m 0-0, 100, + -+ (0 
119 adnascens Latt.  —|0 0| -+-|0| 10,j0| -5+ (0 
120 "caryotoides Stbg. -+00 -+ 0 + 
121 5 Gutbieriana Gein. -| '0|0 H0|0|010| +---0|0 
122 : Goldenbergi Sch. | +0 +- (0 | 
123 5 anomala Brongn. | | +. 10 | 
124 : trichomanoides Gp. 1 | -+0 
Stammbruchstiicke. | | 1 | 
125| Megaphytum giganteum Goldb. | „0 oj |- | j 
126 : trapezoideum O. F. | -= 0 |-|. | 
127 E macrocicatrisatum | | | 1) 1 
i | -+ O si 
128 i majus Presl | + o. + | | | 
129 Goldenbergi Weiss. | HH o| |-| 1 
130 : Pelicani O. F. | | - o |- | | 
(131 ch Cordai O. F. (Zip- | Ujesal I | 
pea distycha Corda)—- 0 0. | --0 = 
132 Ě musaeforme (Psaro-| | vadi M | 
nius  musaeformis| | | | a 
Corda) -00 | -+ 
133 2 pulchrum  (Psaro-| | 
nius pulcher Cor.)-- 0 + | 
134| Caulopteris peltigera Brongn. | | | | | +Ho0| | 
135 X Cisti Brongn. el -+ (0 zel 
136 : Phillipsi Latt. + | 0|=-| 0,- 
137 : c. £. Rittleri Stur. -| | 0, | ztl 
138 í macrodiscus Brongn.| | | +0 | 
139 B angustata K. F. | | +0 | 
140 k arenacea (Psaron. | | Již | | 
arenaceus Corda) —-—-.0 | +. | | | | 
| II | ] k | | | 
141, Psaronius c. £. Cottai Corda | | V | + 0 
142 E inexspectatus 1. sp. | | NL fe: | ele STA Němá | ke Ae NO ae 
Filices. . -87 | (4 EE | (80 
| | | | hm, UP: 
i | | | I | l l | l | l 


145 


65 


143 
144 


146 
147 


148 


149 
150 
151 
152 
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154 


155 
156 
157 


158 
159 
160 


161 
162 


1063 


170 


172 


171 


| 


Radnitzer Schichten Nůrscha- | Kouno- 
n |n1 ; Jar 
Untere Abth. | Obere Abth. |= ner Sch. |wa'er Sch. 
Raka E BA 
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| AA 3 
2. Calamarieae. P 1 PŮ | 
Calamites Suckovi Brongn. -F/ojojojo0|0 +lo0 0|0,0|,0 ++ o|0,0,--0|0|0 
2 cannaeformis Schloth/--| |0;0,010,-0,0|0,0)0,--—00|010--0'0 
k (varians) Stbg. appro- | | 
ximatus Brongn. |-—— 0,00 0|-.010,010,0|1+-.0|010--.0|0 
5 Cisti Brongn. -| (0,0 —..10/,010,.. |- —.0 
: tenuifolius Ett. | —.0 0 =- m! 
: gigas Brongn. | -+0 
Asterophyllites grandis Stbg.  -— 0,0,0|0|0--0|0,0,0|0 + | | 
: foliosus Latt. |+|0,0|,0|0|,0,- 0 0/0, | ---0 +.0 
: rigidus Brongn.|-| |0,0| (10-0000, |+| 
5 longifolius Bron,+ |0 0-- 0 0/00,- | m 
s eguisetiform. Br.-|-| oj0/--—0, (0,0|0----/0|0|0|+.0|0|0 
Volkmannia gracilis Stamm nach, © | | | | 
Stur |- 0, 10-0000, -5 | | 
Annularia longifolia Brongn. |- 0.0|.0,00--0.0.0|000---000 -Ho 010; 
5 radiata Brongn. | -0 0|0,..|- | | 
sphenophylloid. Zenk.| | | T] rm|0|,0 
P l! | | 
Sphenophyllum Schlotheimi Br.--| (0, |0,0,-0000,0-+-+-000-+00 
sz emarginatum Br./--|0|0|0 0|=-/0|0|,01010---- 00,0 -.0|0 
3 saxifragaefolium S! 1 
Stbes.  |-——-0 0 VO 00 0 | 
ý oblongifol. Germ.|-- 0 nieiký | 40 
“ microphyllum St.—| 0 010 -+ | | 
Cyclocladia major L. « H. -+|0| oj -lolojojo| -+-H0| 0 -Ho 
Calamarien Pruchistinde. | 
Fruchttráger in der Mitte des 1 
Internodium's: 
Macrostachia infundibuliformis 1 1 
Sch. |--0|, 10, | -0 0| |----0 +0 
gracilis Stbg. sp. | © 0-00 0|0|0--.0|0| |+,0 
Calamostachis polystachia St. sp. + 0 +- 0|0| | 
tenuifolia K. F. |- 0 -+0 0 49 | 
Stachannularia tuberculata Weiss -+| 10 H|0 ojojoF--+ (19 +0 0 
Fruchttráger im Winkel des | | | 
Blattwirtels: na 
169, Volkmannia distachya Stbg. -+0 10 — 0 = „0 
A arborescens Stbg. -+ 0, —!/0 010, |- 1 ++0 
Palaeostachya elongata Stbs. sp..--—| 010,0 -+0 O0- 
Huttonia spicata Stbg. HM olo | Ee HH 
Calamarieae. . .|25 26 28,15 18, 
l l NÍ 


64 


| | Radnitzer Schichten Nůrscha- | Kouno- 
| | Untere Abth. | Obere Abth. || 5| "er Sch. (wa'er Sch. 
MEM saše | ass | 8 
REBEL: MBPEBEESREPL EE 
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k VN VA 8| 4] Sb) 6] 7| 8| 9|10|4.B.|11|12 13,C.14|15|16 
3. Selagineae. | 
a) Lycopodiaceae. | | | keší 
173| Lycopodites selaginoides Stbg. -| o|o -|0|0|0|0|0 7,0 RU 
174 á Erdmanni Germ. | + 0 + 
175) Lepidodendron dichotomum Stbg.--|0| |0,0,0--0.0|,0|0|0----|0|0|0. |? |? 
176 A microstigma O. F. -0 0 -+ 
177 : fusiforme Corda |-+-|0 -+10 + 
178 k elegans L. £ H. -H 0,0, |o,0|,+|0.0l0,0,0|+--o00lc | 
179 : aculeatum Stbg. -0 ojo--ojojojo o ----o|o | 
180 é obovatum Stbg. |--|0 oj--(o. ojoj0,0----o0|0| || 
(inclus. Bergeria guadrata, rhom- l | 
| bica, marginata, Presl; Knorria | | 
| Stbg., und Aspidiaria indulata | 
Stbe. sp.) | 
181| Lepidophlojos laricinum Stbg. | | | 
(inclus. Halonia u. Ulodendron) -+0 |0|0|10-—-0 00/010 +H+0 0,0, 1? 
l | | | | | 
182, Lepidophyllum majus Brongn. | 0 0- 0,010|000 -L +/0|0| | | 
183 binerve Ett. -10 -E10 |0 -E | | | 
184 a horridum 0. F. -— CO m 0,0, -+000 | 
l l | eh ! | 
Po | U PK 
185| Lepidostrobus variabilis Latt. —-|0 0|0,0|=-|0|0|0,0|,0---|0|0|0|-0| 
186 é lepidophyllaceus Pe A 
Gutb. Má VON N KO jee JM 6 
187 i Goldenbergi Sch. -= 0. |- a BE BC 
188 Lycopoditis O. F. Mn o, W | | | 
1 | I | 
8 ( | | 
b) Sigillarieae. | I 1 1 | | 
189| Sigillaria Cortei Brongn. O0 +Hlojolojojo-=--H-|0.0|.|-|0 | 
190 ň subrotunda Brongn. +0 0| |-— 0 H+- (0, | | m 
191 s intermedia Brongn. + 0/0, |- | 
192 5 elliptica Brongn. 1 | P — 0 
193 í oculata Schloth. + 0 0 — 00, -40 1 
194 i angusta Brongn. | + 10 O0, | 
195 : cyclostigma Brongn. | + | +, | T 
196 : diploderma Corda I+-.0 -+0 | + | bd B 
197 i distans Gein. 1 -+ (010,0, ---0, | | 
198. alternans L. «H. |- o, |- lojojolo-e| ||| |+lo| | 
199 * catenulata L. « H. |- 0- (0| |0 r | AN 
200 . rimosa Goldb. | +. 0, +. | Ina 
201 ň c. £. elegans Brongn. ! | | -+0 | | 
202 i elegans Brongn. | | Sa r+,0 | + | 
203 í alveolaris Brongn. © (oj o j-Ho0r -oso -|| | | 
204 ť Knorri Bronen. | | -H-/0; 10 yh 0 | 
205 : Feistmanteli Gein. -+0 0 |-|- | 
206 i tesselata Brongn. +0 0 HL 
207 ka trigona Stbg. +0 O | | (8 
| l | | | ) j 


a 


65 


NÍ o o o o S OSNSNSSSNNNSOSSN o 


Radnitzer Schichten Nůrscha- | Kouno- 
Untere Abth. | Obere Abth; | 5, ner Sch. |wa'er Sch. 
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Wu| Wm z 
a)j| 1, 2, 3| 4| 5|b)| 6| 7| 8| 9|10|A.B.|11|12|13,C.||14 15|16 
| Jana 100 BULU 8 
208| Sigillaria ornata Brongn. -+0 0 | -| 
209 5 striata Brongn. + 00- 
210 > obligua Brongn. + 0. + 0 | 
211 i rhomboidea Brongn. | | br: 0, -= | 
212 5 Brardii Brongn. -0 | 
213 Ě denudata Gópp. | -+|0 | 
ý sp. indet. Po00 00,000 0,0 Wa 
214| Sigillariaestrobus Sch. -+0 010 -+000 | 
| Á i i | 
215| Stigmaria ficoides Brongn. IH-.01 |(0,0,0--.0|0|,0|0|10|--|--0|,010--0|0| | 
Selagineae . . .|19| | Fe a CE OV O VAN B VN HE 
IL Phanerocamae. © | | 
A. Gymnospermae. | | | 
216| Walchia piniformis Schl. | Holojo| 
217| Araucarites spicaeformis Germ. +0 
218| Araucaroxylon Schrollianum Gp. —+.0.0|0 
219 : Brandlingi Gópp. | (ob 
220 » carbonaceum Gp. +0 0| H+ 22 |? 
Gymnospermae . - -| | ma aka B 
B. Monocotyledonae. bz | 
221| Cordaites borassifolius Stbe. |- 0 .o|0,.0|.0-—-0.0|0|,0,0---00|0-—0, 0. 
222 A principalis Germ. + 0 F- 10, -0 
223 j palmaeformis Gópp. + 0 -+ -+.0 
224 3 crassus Gůpp. sp. | -+0 
225 s Beinertianus Góopp.sp.--. 10,0 | BE | 
226| Antholites triticum André 1+ 0 da 0, je | 
227 $ Pilkairnae L. « H. |- |0 + 0 -„H|-l010 
228 ži gracilis K. F. -+0 
228 5 Sp. + | 0, + | 
229| Artisia transversa Stby. Hloljo Eo + | 
230, Gramminites Volkmanni Ett. |- |0 + | by 
231 5 Feistmanteli Gein. -+0 -= NE 
Monocotyledonae. . .| 6 zo vo TO EN E 
Incertae sedis. | | | MO 
JI j | | j 1 | j 1 
'232| Pinnularia capillacea L. « H. |— 0, + 0.0.0100 ++ 0 (+ Oldřl | 
233, Selerophyllum alatum K. F. | 1 AKO NO | roky Mo 
ků | bd | | | 
| 
i L | ělkedí | | 


| | Radnitzer Schichten Nůrscha- | Kouno- 
| | Untere Abth. | Obere Abth. | 8 "8" Sch. | wa'er Sch. 
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NEBERE BEEGRNÉ 
| a | 2M z | 
'a)|| 1| 2| 8| 4] 5|b)| 6| 7| 8| 9|10,A.B.|11|12|13|C.|14|15|16 
| | | | | | 
235| Cardiocarpum emarginatum Br.|-— 0 -| (0,0 -+0 | | 
236 4 marginatum Art. |- 0 IH 10 | 
237 S Gutbieri Gein. |- (0 0- (0,0 + | 
238 5 Kůhnsbersi Gutb/ | +. (0 | -+ -+0 
239 9 orbiculare Ett. || |0 01.|- 10,0 +-+.0 0. -+10 
240, Trigonocarpum cycadinum Cord.-—- 0 = 
241 i folliculum Cord.|--| 0 == 
242 5 suleatum Corda |-+-|0 0 + 
243 5 Parkinsoni Bron. + 010- 
244. Rhabdocarpum Bockschianum | | 
Gópp. + 010,- 
245 Á amygdelaeformis| | | 
Gópp. | o|+| | jojoj |H-Ho0 
246, Jordania moravica Helmh. +0 
247, Carpolites insignis K. F. -+-/0|0 
248 k coniformis Gópp. +.0 0-0, 100, -+--1.90| -0 
249 „© corculum Stbg. +. 0 +0 ++- | 
250 x placenta Cord. +0 -| 
251 „© discus Cord. -+(0 BE 
252 „  lentiformis Corda -0 + 0 |- | 
253 „| dmplicatus Corda © |+-0 „ml | 
254 ť ovoideus Corda -| 0 -+ | 
255 „© macrothelus Corda |—|0 an | 
256 A reticulum Corda +0 nz! be | 
257 3 granularis Stbg. + 0 + | 
258 4 morchellaeform. Gein. „0 0 T 1 (8 
259 clavatus Stbg. + 0 -+ 0 EE +0 
260 „© clipeiformis Gein. + 0| T | | 
261 : contractus Stbg. +H0 -+0 -n | 
262 „© minimus Stbg. Ho + | | 
263 £ microspermus Corda -+0 Iu! | | 
264 É ellipticus Stbg. -+0 -| 
265 Á cerasiformis Stbo. +0 -HI | | 
266 á sepelitus Stbg. -+0 I- 
267 i annularis Stbg. +0 (n | 
268 k putaminifer Corda -+.0 jas | 
269 „ lenticularis Stbg. +0 Inu! | | 
270 a bicuspidatus Stbg. -+0 | 
[271 „ © membranaceus Gópp. je r 0 | 
1272 5 pyriformis Corda +0 T | 
273 „| Tetusus Stbo. „0 |ns! | | 
274 5 disciformis Stbo. H+-,0 Ex | 
1275 k copulatus Stbg. +0 nz | 
276 „| excavatus Stbg. | -Ho HI 
277 “ incertus Stbg. © | | --|0 Hr | | | 
278 : tesselatus Stbg. | | Ho! HI | | | | 
l | | ků | 


i 


67 


Radnitzer Schichten Nůrscha- ' Kouno- 
— K5) = 2) 
Untere Abth. | Obere Abth. |, ner Sch. (wa'er Sch. 
— nas i = = 
JME š| |š 
s s S o S s 
sá zá | (Sašís (ss |sé 
sí z op o | “ C] o 9 = č = 
sE uší sí E as = 2 as“ = 
A slá sá| S as A SF Sa A S gás| s: 
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=|8 sa 8 85 3 8 5 55 sz „E a = s s“ 
| n BAE EEE EE BEE 
| o m2 2| | 8 8 S|A| z =) 
ss 8 | A až (ESš | |Š 
ZE m s|= 
a, m 2] 
a)|| 1| 2, 3| 4| 5|b)| 6| 7| 8| 9|10,A.|B.|11|12|13|C.|14|15|16 
= ET T = 
í | | | l Í 
p (279 Carpolites truncatus Stbg. + 0 + 1 
-1280 i umbillicatus Šíbe. -0 + | 
f (281 „  costatus Corda +0 (kz | 
| 282 a macropterus Corda |--|0 (nm | 
pe (283 " Sternbergi Corda +0 0 + | l 
ců Incertae sedis. . .|25 | | 32! uz 7 | 9! 
| Gesammtflora. . .|38 | => | ze | dd 
| 9 Ja i | 


In dem vorstehenden Verzeichnisse der fossilen Pflanzenreste sind einige 
|Arten aufgenommen, die in frůheren Zusammenstellungen nicht erscheinen, in 
deren Besitz ich durch wiederholte Aufsammlungen gelangte, und die, da sie 
'theils neue, theils bisher hier nicht bekannte Arten vorstellen, nicht unberůck- 
(sichtigt bleiben sollen; andere haben eine von frůherem ech abweichende 
Einreihung in's System erfahren. 

Was die ersteren anbelangt, so sind es folgende: 

Sphenopteris sporangifera n. sp. Fig. 18. 


Fig. 18. 


Mehrmals vorgekommene Abdrůcke eines Farnwedels in den Schieferthonen 
-von Stradonitz der Liseker Ablagerung. 
| Wedelbruchstůcke zweifach sefiedert; Fiedern ziemlich genáhert, wechsel- 
| stándig, mit stumpfem Winkel an der Rachis angesetzt, lánglich dreieckig gestaltet. 


5* 


68 


Die Fiederchen ebenfalls wechselstándig; gegen die Spitze der Fieder allmálie 
kůrzer werdend, nach der nur bruchstůckweise erhaltenen Blattspreite eine lánglich. 
eifórmige, vielfach ausgebuchtete Gestalt besitzend, an der Basis keilfórmig zu- 
sammengezogen, mit gefligeltem Mittelnerv in die Rachis verlaufend. 


Mittelnerv stark, unter spitzem Winkel aus der Fiederspindel abgehend, 
dann sich aufrichtend; Šeitennerven entfernt, wechselstándig, in die Lappen úber- 
cehend und sich daselbst einfach gabelnd. Das Ende jedes Seitennerven von 
Fruchtháufchen, drei bis vier Sporangien in einer Gruppe vereinigt, bedeckt; 
letztere eirund, verháltnissmássig gross, oft fein gestreift oder runzlig, an der An- 
heftungsstelle etwas zugespitzt. An den meisten Fiederbláttchen sinb bloss die. 
Nerven mit den Fruchtháufchen erhalten, die Blattspreite fehlend. Wo Bruch- 
stůcke der letzteren vorliegen, zeigen sie die oben angegebene Gestalt der Bláttchen 
an, und sind so wie der Mittelnerv dicht trichomatos. 

Die Art der Nervatur, die keilfórmige Endigung der Fiederbláttchen und 
ihre Anheftung an die Fiederspindel lásst die Abdrůcke weder mit Neuropterideen 
noch mit Pecopterideen in Beziehung stellen. 

Von allen úbrigen bekannten Spheropteriden sind sie durch die Gestalt 
der Fiederbláttchen, und durch den úberwiegend erhaltenen Fructifications-Stand 
unterschieden. 

Einige Ahnlichkeit bestánde mit Pecopteris bifurcata Stbg. (Alethopteris 
Plukeneti Bet.) in Bezug auf Gestalt, Grósse und Nervatur der Bláttchen, die aber 
bei letzterer Art mit ganzer erbreiteter Basis ansitzen und mehrfach verzweigte 
Seitennerven besitzen. In Gestalt, Nervatur und Fructification der Bláttchen besteht 
eine gewisse Verwandtschaft mit der recenten Gattune Cheilantes. 


Hg. 19. 


Neuropteris hispida n. sp. Fig. 19. 

Ein Wedelbruchstůck, doppelt gefiedert; die Fiederen lánglich, wechsel- 
stándig, genáhert, etwas aufwárts gerichtet.  Fiederbláttchen an der Basis herz- 
fórmig, kurz gestielt, die oberen lanzettlich, ganz, die tieferen mehr eiformig, 
allmálig ausgebuchtet bis gelappt, sámmtlich zugespitzt endigend. Mittelnerv deutlich 
ausgedriůckt, vor der Blattspitze verschwindend. Seitennerven schůtter, schwach, 
bogie auslaufend und gabelnd. 


Einige Ahnlichkeit besteht an der Spitze der Fiedern mit Neur. acutifolia 
JM der Úbergang der tieferen Fiederchen in die eifórmige, buchtige Gestalt 
Jist unterscheidend. Eine allen unserer Neuropteris Arten mancelnde Eigenthiim- 
Hichkeit besteht in dem Vorhandensein zahlreicher, mit dem Mittelnerven parallel 
né in seiner Náhe am dichtesten r scharfer Eindriůcke, die sich 
als von Borsthaaren hervorgebracht darstellen, deren Anwesenheit sich auch an 
"“ Spindel kund gibt. 

Die Beschaffenheit der Bláttchen scheint ausserdem eine feste, etwas 
m gewesen zu sein. Die Art stammt ebenfalls aus etwas gelblichen 
„Schieferthonen der Localitát Stradonitz der Liseker Ablagerungsparthie. 

Odontopteris gualis n. sp. Fig. 20. 


Fig. 20. 

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235 


Einzelne Fiedern eines Farnwedels, von lanzettfórmigcer Gestalt, besitzen 
an einer ziemlich kráftigen Rachis wechselstándice Fiederbláttehen; diese etwas 
lánglich, gleich breit, und kurz abgerundet endigend, etwas schitter gestellt, sitzen 
mit ihrer Basis, in der obern Hálíte ein wenig stumpf sich von der Spindel lósend, 
sonst ganz an derselben, mit ihrer unteren Hálfte an ihr herablaufend. Nervatur 
zart; Mittelnerv kaum ausgedrůckt, schief aufsteigend; Seitennerven von der Basis 
gegen den Blattrand fácherfórmig sich verbreitend und verzweigend. 

Nervatur und Anheftung der Bláttchen weisen auf die Zugehorickeit zur 
Gattung Odontopteris; die Form der Bláttchen, abweichend von jener der bisher 
bekannten Arten rechtfertigt die Selbststándigkeit der vorliegenden. 

Fundort: Štradonitz der Liseker Ablagerung; gelblicher Schieferthon. 

Psarontus inexpectatus n. sp. 

Das mehrfach in der Schwarte des Hangendflótzes, namentlich bei Kounowa 
beobachtete Vorkommen luftwurzelartiger Gebilde, dessen schon in meiner Ab- 
handlung „Der Hangendfiótzzug im Schlan - Rakonitzer Steinkohlenbecken“ Er- 
wáhnung geschah, dort aber bloss als Psaronius sp. aufgefůhrt erscheint, ist unter 
dem obigen Namen nun in das Verzeichniss eingestellt. 

Odontopteris c. f. Permiensis Brongn; Cyatheites Bredowit Germ.; Táinio- 
pteris c. f. coviacea Gópp. sind in neuerer Zeit beobachtete Arten, ůúber deren 
Vorkommen in Sitzungsberichten der k. bóhm. Gesellschaft der Wissenschaften 
T. Folge 1882 „Neue Fundorte von Steinkohlenpfanzen“ Mittheilung gemacht ist. 

Eine abweichende Einreihung schein bei folgenden Arten angezeigt: 

Bacillarites problematicus K. F. 

Die Erklárungen, welche von ausgezeichneten Forschern, wie Geinitz, 
Rabenhorst, Eulenstein, Stur, Grunow ete. úber die mit vorstehender Benennung 


10 


belegten, in einzelnen Schichten unserer Steinkohlenablagerung so auffállig auf- 
tretenden Kórperchen, auf deren Vorkommen ich zuerst bereits im Jahre 1868 auf- 
merksam zu machen Veranlassung hatte, abgegeben wurden, haben zwar keine 
endgiltige Entscheidung úber die Wesenheit derselben erzielt, doch aber ausser 
Zweifel gesetzt, dass wir es in denselben mit Úberresten vegetabilischer Organismen, 
und zwar von sehr niederer Stufe, zu thun haben. Die oft massenhafte Erscheinung 
derselben steht im Einklange mit der ungemein raschen Vermehrunesfáhigkeit 
solcher niedrig organisirter Wesen. 

Es weisen diese, beiderseits abgestumpften, oft mehrfach gekrimmten und 
cebogenen, sonst gleich breiten, stábchenformigen Koórperchen vorwaltend eine 
senkrecht auf ihre Lánce bestehende Gliederung durch mehr oder weniger deutlich 
erhaltene Auerwánde auf, die vielleicht als einfach an einander gereihte, mit der 
Gesteinsmaste ausgefůllte Zellen betrachtet werden kónnen, und so eine gewisse 
Ahnlichkeit mit den heutigen einzelligen, zu Fáden verbundenen, oft in Gallerte 
eingehůllten Cyanophyceen, besonders mit der dazu gehórigen Familie der Oscilla- 
riaceen anzubahnen scheinen. Letztere mit cylindrischen, unverzweigten, nie zu- 
gespitzt endigenden, aus scheibenfórmigen Zellen bestehenden Fáden, Bewohner 
des sůssen Wassers oder feuchter Stellen důrften mit unserem Fossile in Beziehung 
gebracht werden kónnen. 

Sphenopteris erosa und eristata Gutb. Zumeist unter die Gattung Aletho- 
pteris eingereiht, diůrften der mit Alethopteris nicht úbereinstimmenden Nervatur 
wegen, so wie in Anbetracht der gelappten Fiederbláttchen sich besser den Sphe- 
nopterideen anschliessen, wie bereits anderseits geschehen ist. 


Noggerathteae. Nach dem jetzigen Stande der Kenntniss von den Fructifi- 
cationen dieser Pflanzenreste ist ihre Einreihung unter die Filices nothig geworden. 


Farnstůimme. 

An neu aufgefundenen Exemplaren von in Bezug auf die erhaltene Innen- 
structur mit den von Corda, aus der Umgebung von Radnitz in seinen Beitrágen 
zur Flora der Vorwelt beschriebenen Psaronien aus der Steinkohlenformation 
Bohmens, úbereinstimmenden Stammbruchstůcken hat sich der die Gattungen Me- 
gaphytum und Caulopteris bedingende Character in einestheils zweizeilig gegen- 
úberstehend, anderntheils spiral angeordneten grossen Narben an der Stammes- 
oberfláche zu erkennen gegeben, wonach diese Stammůberreste mit gleichem Rechte 
der einen wie der anderen Gattung eingereiht werden kónnen, wie in ŠSitzungs- 
berichten der k. bohm. Gesellschaft vom 27. Oktober 1882 „Úber Psaronien der 
bóhm. Steinkohlenformation“ náher auseinander gesetzt ist. Der Zweckmássigkeit, 
die schon frůher fůr carbonische Farnstrůnke gebráuchlichen Benennungen Mega- 
phytum und Caulopteris beizubehalten, fůr Permische Farnstimme aber Psaronius 
gelten zu lassen, wurde in dem vorliegenden Verzeichnisse entsprochen. 


Imcertae sedis. 


Es scheint von allen den zahlreich verzeichneten, Cardiocarpum ete. bis 
Carpolites benannten, diversen Frůchten und Saamen, deren mehrere úberdiess nur 
einen abweichenden Erhaltunoszustand einer und derselben Art darstellen důrften, 
mit aller Wahrscheinlichkeit angenommen werden zu kónnen, dass ihre Zuge- 
horigkeit zu den verschiedenen Classen und Gattungen, die durch andere Organe 


11 


in den Schichten der Steinkohlenablagerung vertreten sind, eine nicht mit Sicherheit 
zu bestimmende ist. 

Aus diesem Grunde ist es angezeigt, sámmtliche als Saamen oder Frůchte 
zu deutende vegetabilische Úberreste fůr sich allein versammelt in das Verzeichniss 
aufzunehmen, um so mehr, als es wahrscheinlich ist, dass einzelne derlei Frucht- 
abdrůcke die einzigen Úberreste von, mit keinen andern ihrer Organe bis jetzt 
deutlich in den Gesteinsschichten erkannten Arten vorstellen kónnen, und als ein- 
zelne der in die Gruppe Incertae sedis unterbrachten Arten sich erfahrungsgemáss 
immer auf Schichten desselben Horizontes einstellen, und sonach zur Characteristik 
desselben beitragen. 

Dagegen ist eine gróssere Anzahl von Arten, die in frůheren Mittheilungen 
und Zusammenstellungen fossiler Pflanzenreste von den verschiedenen Localitáten 
im Bereiche der mittelbohmischen Šteinkohlenablagerung angefiihrt werden, in 
in unserem Verzeichnisse nicht einbezogen. 

Es betrifft das zumeist solche, von denen sich nachtráglich ihre Zuge- 
hórigkeit zu einer anderen aufgestellten Art erwiesen hat, oder die als nur in 
einem abweichenden Erhaltunoszustande vorliegende Exemplare anderer Arten 
erkannt wurden, wie zumeist aus der Classe der Selagineen; die verschiedenen 
Arten Bergeria-Lepidodendron undulatum Stbg. L. crenatum Stbe.; Knorria; die 
als Syringodendron pescapreoli Stbg. benannten und anderweitige sich als Decor- 
ticate und innere Rindenabdrůcke darstellende Sigillaria-Arten; Halonia und Ulo- 
dendron u. s. w. gehóren hieher. 

Ausserdem sind einige wenige Arten, von denen der Fundort, oder wenigsten 
die Schichtengruppe, der sie angehóren důrften, nicht eruirt werden kónnen, Angaben 
aus álteren Zeiten, und ohne besondere Wichtigkeit, unberůcksichtigt geblieben. 


Die laut der oben gegebenen Úbersichtstabelle im Bereiche der mittel- 
bohmischen Steinkohlenablagerune vorgefundene fossile Flora zeiet nun folgende 
Verháltnisse : 

Von den gesammten aufcezáhlten 283 Arten entfallen: 


Auf die Radnitzer Schichten: untere Abth. 165 Arten od. v. der Gesammts. 57,69, 


obere Abth. 194 „, dj ant h k 68,5 
auf die Radnitzer Schichten úberhaupt .248., „m » ko A P 
anf die Nůrschaner Schichten í kočáco ven něh AM k ZE dáé 
auf die Kounowa'er Scbichten “ ka ká S z B : k 


Die grósste Anzahl Arten hat sonach die Gruppe der Radnitzer Schichten, 
oder der Liegendflótzzug geliefert, nehmlich 87,6 pct. der Gesammtsumme der be- 
kannten Arten; 2,70mal so viel als die Nůrschaner; 3,22mal so viel als die Kouno- 
wa'er Schichten. 

Von den beiden Unterabtheilungen der Radnitzer Schichten ist die obere 
die reichere und verhált sich die in ihr beobachtete Artenanzahl zu jener in der 
unteren Gruppe vorgekommenen wie 1:0,84. 

Der an fossilen Pflanzenresten am reichhaltigsten gefundene Horizont ist 
sonach jener mit dem Radnitzer Oberflótze in Verbindune befindliche; der Horizont 
der Radnitzer oberen Flótzgruppe. 


12 


Von den Radnitzer Schichten ausgehend zeiet die Anzahl der Pflanzenarten 
in den hóher folgenden Horizonten eine stetige Abnahme, die sich, wenn die in 
der ersteren vertretene Artenanzahl — 1 gesetzt wird, durch die Zahlen 0,37 fůr 
die Nůrschaner, und 0,31 fiir die Kounowa'er anzeigt. 

Besonders auffállig ist das plótzliche Sinken der in den Nůrschaner 
Schichten eingeschlossenen Anzahl von Pflanzenresten, die doch unmittelbar úber 
den so reich in dieser Hinsicht bedachten Radnitzer Schichten folgen. 

Mit einer geringeren Ausbeutung dieser Schichten, mit einer weniger nach- 
haltigen Untersuchung derselben auf die in ihnen enthaltene fossile Flora lásst 
sich diese Erscheinung nicht genigend erkláren. 

Wohl sind dieselben, ihrer Lagerungsverháltnisse wegen, im Allgemeinen 
weniger zugángie, als es die im fast ganzen Umfange der Ablagerung verbreiteten 
und zu Tage reichenden Radnitzer Schichten sind; aber jene Parthien, wo eine 
Untersuchung měglich war, sind derselben wiederholt, an mehreren Localitáten und 
durch lángere Zeit hindurch unterzogen worden. Es wáre zu erwarten, dass, wenn 
die auffállig geringere Ausbeute an Arten im Bereiche der Nůrschaner Schichten 
lediglich die Folge einer weniger intensiven und eingehenden Bearbeitung derselben 
sein sollte, sámmtliche Familien und Gattungen sich annáhernd in gleichem Masse 
reducirt zeigen, was aber, wie weiter ersichtlich sein wird, nicht der Fall ist. 

Eine weitere Verminderung der Artenanzahl tritt an der in dem obersten 
Horizonte der Ablagerung, in den Kounowa'er Schichten eingeschlossenen fossilen 
Flora ein. In Bezug auf die zunáchst unter ihnen liegenden Nůrschaner Schichten 
weist diese Verminderung wohl nicht jenes auffállige Verháltniss auf, wie es zwischen 
letzteren und den Radnitzer Schichten besteht, und wird durch die Zahlen 1: 0,84 
ausgedrůckt. 

Die Kounowa'er Schichten sind indessen seit Jahren, an vielen Orten ihrer 
Verbreitung und noch in der letzten Zeit eingehend und vielseitig auf das Vor- 
kommen fossiler Pfianzenreste untersucht worden, und sind nichts desto weniger 
In dieser Beziehung hinter den beiden tieferen Flótzzůgen zurůck geblieben, wobei 
ebenfalls die Erfahrune lehrte, dass nicht alle Familien und Genera in gleichem 
Verháltnisse an der Abnahme der Arten betheiligt sind. 

Úberblickt man die einzelnen Classen in Bezug auf die Artenanzahl, mit 
welcher jede derselben in den vier verschiedenen Horizonten vertreten erscheint, 
so erhált man nachstehendes Ergebniss: 


Radnitzer Schichten | Nůr- | Kou- 


| msge- 7 | BCRAN. ČROVABE 
Untere | Ob | " 
M E r Eo 07 eo 
P "i pe P V Pek 
(2 | Filices. Beobachtete Arten . . ..... +187"| 871840 119|1"48856 
PE oder in. Procenten 0 100 63,5| 61,3, 86,8| 35,0, 21,9 
(8| Galamariae.  Beobachtete Arten . . . .... R10) 25 26 28+ 1,16: |115 
oder in Procenten - 204.0. | 100 83,3| 86,6| 93,3, 50,0| 60,0 
| 4| Selagineae.  Beobachtete Arten . . ..... L 43 19 39 39 9 
| oder in Procenten ........ | 100 44,1| 90,7, 90,7) 39,5) 20,9 
(> . | M => n 
| | 


dž 


Nůr- | Kou- 


(Radnitzer Schichten | 
sammt Unt Ober schan. novaer 
Maye pe ev 1 Abth, Abíh. |Allgem. | Sch. | Sch. 
| (5, Gymnospermae.  Beobachtete Arten. . .. | 5. — PT 1 | 5 
1. Pročenten : s.: 1,4 6 | 100 — 20 20 20 | 100 
G| Monocotyledonae. Beobachtete Arten  . . | 12 6 8 10 8 5 
Im Procentem „4.0.4 „ 100 50 66,6| 83,3| 25 41,6 
7| Incertae sedis. Beobachtete Arten. . . . © 51 | 25 | 82 | 47 7 9 
iw Proeemten <... (100 290620921, 18,70, 736 
1| Thallophyta. Beobachtete Arten. ...... Mis: 1 4 4 1 1 
T BEOCETLEM 8- jee 0f 0016 5e (100 20 80 80 20 20 
věd RM- 18 | at | 
Gibt im Ganzen beobachtete Arten ©. . . | 288 | 163 | 194 | 248 92 77 
Int Procenten' wie oben. <... + 100 B0016" 0876|, 325 |. 272 


Schon aus dem in vorstehender Tabelle ersichtlichen Nachweise, wie die 
einzelnen Classen auf den verschiedenen Horizouten sich nach Procenten vertreten 
zeigen, tritt eine Ungleichformigkeit in deren Vertheilung deutlich vor Augen, 
indem die Abnahmen der Artenanzahl aus den Radnitzer Schichten darch die Nůr- 
schaner in die Kounowa'er Schichten keineswegs correspondirende Verháltnisse 
aufweisen; diese gestalten sich nehmlich: 

hemden. Biliess m. den, Zaltern 7 490,0:.800 : 21,9 

und bei den Selagineen mit den Ziffern: . .90,%7:395 : 209 

in anderer Weise; als diess der Fall ist: 

bei den Calamarien mit den Ziffern: . . . .933:50,0: 60,0 

bei den Gymnospermen mit den Ziffern: ©. . 20,0 : 20,0 : 100,0 

und bei den Monocotyledonen mit den Ziffern: 83,3 : 25,0 : 41,6 


Wáhrend sonach in den ersten beiden Classen eine Verminderune der 
Arten von der in den Radnitzer Schichten beobachteten Anzahl durch die Nůr- 
schaner in die Kounowa'er Schichten bis auf 0,25 und 0,23 erfolet, betrást diese 
in den úbrigen Classen bloss 0,64 bis 0,50 von der den Radnitzer Schichten ei- 
genen Anzahl; ja bei der Classe der Gymnospermen tritt im Gegentheile eine 
Steigerung von 20 auf 100 pct. also auf das Fůnffache ein. 

Die Ziffern der vorstehenden Tabelle zeigen weiter, dass das maximum 
der Artenanzahl jeder Classe zwar vorwaltend aber nicht durchaus auf den Horizont 
der Radnitzer oberen Flótzgruppe fállt. Von der Gesammtsumme der beobachteten 
Arten jeder Classe sind nehmlich der Oberflótzgruppe eigen: Calamarien 26; 
Selagineen 39; Monocotyledonen 8; Incertae sedis 32; Thallophyta 4; dagegen 
von Filices bloss 84, wáhrend der Unterflótzeruppe 87 Arten angehóren, und aus 
der Člasse der Gymnospermen das maximum der Arten 5 den Kounowa'er Schichten, 
der Oberflotzgruppe aber ein minimum mit einer Art zufállt. 

Legt man indessen die Gesammtsumme der in jeder Flótzgruppe ver- 
tretenen Arten zu Grunde, so ergeben sich fůr die aus den einzelnen Classen 
bekannt gewordene Artenanzahl folgende Verháltnisszahlen : 


14 


Insge- | Radnitzer Schichten s: Kou- 
nt Ob schan. |novaer 
| SAMÉ yn | Abrh, |Alsem. | Sch, | Sch. 
— : = i 
Thallophytal. © 1 1 0,6 2,0 1,6 | tb 1 
Filices p 0 | VAB B BB ,400 PEBO 00 ODZNÍ 300 
Calamarae -4 00,601 1072 61575 Eo 
Selagineae 15,5" |2156:(-201. (145,7 0185001 
Gymnospermae bí — 0,5 0,4 | L 6,5 
Monocotyledonae 4,3 S atol 4,0 | 3,2. 65 
Incertae sedis . AT, 15894 16,51, 90 
100. 100 | 100. | 100. | 100 | 100 


Diese Verháltnisszahlen erláutern, dass in sámmtlichen Horizonten die Filices 
das hochste Procent der zugehórigen Flora betragen, dem sich in etwas schwan- 
kender Reihe erst die Calamarien und Selagineen anschliessen, dass aber in der 
untern Abtheilung der Radnitzer Schichten die Farne, in der obern Abtheilung 
derselben die Selagineen, und in den Kounowa'er Schichten die Gymnospermen 
und Monocotyledonen ihren gróssten Artenreichthum entwickeln; dass ferner aus 
den Liegendschichten in die Hangendschichten bei der Classe der Farne und Se- 
lagineen eine constante Verminderung der Artenanzahl, bei den Gymnospermen 
und Monocotyledonen dagegen eine Zunahme derselben statt hat, wáhrend die 
Calamarien zwischen wenig entfernten Gránzen schwankend sich erhalten. 

Indessen beobachten die einzelnen Ordnungen jeder Classe nicht ein dem 
Gesammtergebnisse der letzteren paralleles Verhalten. 


Hebt man aus der Classe der Filices die Spheropterideen, Neuropterideen, 
Pecopterideen, und die Rhacopterideen und Noggerathien zusammen als eine 
gemeinschaftliche Gruppe, mit Nichtbeachtung der wenigstens zumeist nicht selbst- 
stándigen Stipulargebilde und Farnstámme hervor, so erhált man die Entwicklung 
derselben in den vier úbereinander folgenden Horizonten in nachstehender Weise 
in Procenten von der Gesammtmenge der gefundenen Arten: 


jE i Rhacopteris | 
Né | | PR m a] Nůzperathia Neuropteriden | Pecopteriden 
Gesammtzahl. «| 47 | 7 30 do 210 ZOOM 
| ky | T 
Radnitz. [ Unt. Flótzeruppe 34 Arten 72,39% 6 Arten 85,7% 23 Arten 76,69. 14 Arten 50,0%, 
Sch. |Ob. $ (39.798 Tr 34 L Je GTA 107,0 eo 0 1601605 20 SNNKS n 
[Nůrschaner Schichtén.. „|I655 ©, (3194. 1..x „lL2 15 0000300 O 
(Kounowa/er dy 85, | — 4 13:8 (150 TG 


n s » | 

Hier zeigt sich eine vorwaltende Entwicklung der Sphenopteriden, Nogge- 
rathien und Neuropteriden in der untern Radnitzer Flótzabtheiíung, und zwar mit 
der verháltnissmássie stárksten Abnahme nach aufwárts bei den Noggerathien, 
denen die Sphenopteriden und endlich die Neuropteriden in dieser Hinsicht folgen. 


Anders stellt sich das Verháltniss bei den Pecopterideen, und es gehen 
diese fast mit demselben Procente aus dem tiefsten in den hóchsten Horizont ůúber. 

Dasselbe Verfahren auf die beiden Ordnungen der Selagineen angewendet, 
ergibt folegendes Resultat: 


15 


i 
| 


: : © Lepidodendrae | © Sigillariae 
Gesammtzahl. . <, 16 Arten 27 Arten 
m Untere Abtheilung 11 Arten 68,7 8 Arten 29,6 
Radnitzer Sch. Obere É 16., 100,0 28" "05 
I- Nůrschanee, Schichteň 5; < 2 9 56,2 8 "02h 
Kounowaer R S Ploke ndudnodtat bs 6,2 o 


Hier zeigen sich die beiden Ordnungen der Selagineen in ihrer hochsten 
Entwicklung der Radnitzer oberen Abtheilung zufallend, und zwar in Bezug auf 
die úbrigen Horizonte die Lepidodendrae in hóherem Masse als die Sigillariae, 
da von ihnen in dieser Abtheilung sámmtliche bekannte Arten angetroffen werden; 
die Lepidodendrae aber sind nach aufwárts zu dann in steter Abnahme begriffen, 
wáhrend Sigillariae in allen drei úbrigen Horizonten sich auf gleicher Hóhe er- 
halten, indem der Abgang, frůher erschienener Arten wie aus dem Haupt-Ver- 
zeichniss ersichtlich, durch das Auftreten neuer Arten in den Kounowa'er Schichten 
ausgeglichen wird. 

Dieselben Ergebnisse kommen zum Vorschein bei Betrachtung der einzelnen 
Gattungen fiir sich. Das Verháltniss, mit welchem in jedem der vier Horizonte die 
in demselben bekannt gewordene Artenanzahl zu der im ganzen aufgefundenen 
sich befindet, ist z. B. bei den Gattungen Sphenopteris, Neuropteris, Odontopteris, 
Cyatheites und Alethopteris in nachstehender Weise entwickelt: 


Cyatheites Alethopteris 


M | Sphenopteris Neuropteris | Odontopteris, 

Von der Gesammtanzahl | ; | 

M add | 

| 1] Abi 

entfallen auf 

Radnitz. [ Untere Abth. 75,0 pct. 76,9 pct. 75,0 pct. 50,0 pct. 62,5 pet. 
Sch. | Obere $ 60,0 „ 169- p J78 (15. S08 Ta 
Nůrschaner Schichten o NA 46,1 25,0, 500 „ 028 

ESSE = p la pr hd k Ba (o 0 A 


Deutlich ist in diesen Verháltnissen eine stete Abnahme der Arten von 
den tieferen zu den hóheren Horizonten bei den beiden ersten Gattungen, ein 
geringeres Schwanken bei der Gattung Odontopteris, und eine annáhernd gleiche 
Entwicklung in allen Horizonten bei den, den Pecopteriden zugehórigen, Gattungen 
Cyatheites und Alethopteris ausgesprochen. 

Es liefern sonach sámmtliche, in Bezug auf die verschiedenen Classen, 
Ordnungen und Gattungen gemachten Beobachtungen den Nachweis, dass die Ver- 
tretung der denselben zugehórigen Arten in den einzelnen Horizonten keineswegs 
bei allen derselben in gleichem Verháltnisse mit der Zunahme oder Abnahme der 
in jedem Horizonte im Allgemeinen aufgefundenen Artenmenge sich befinde, dass 
im Gegentheile, wáhrend bei den Einen deutlich eine Abnahme ausgesprochen ist, 
bei den andern eine relative Vermehrung oder wenigstens ein Stillstand befunden 
wird, woraus wohl mit Recht gefolgert werden darf, dass die in den hóheren 
Horizonten unserer Ablagerune befundene Abnahme in der Artenanzahl an Pflanzen- 
resten nicht mit einer unvollkommeneren Durchforschung derselben begrůndet 


werden kann. 


16 


Eine andere bemerkenswerthe Erscheinung ist die Weise, wie sich die in 
jeder Flótzzone vorgefundenen Arten zu jenen in den ůúbrigen, und namentlich 
ihnen zunáchst liegenden verhalten. 


In dieser Beziehung geht aus dem die gesammte fossile Flora enthaltenden 
Verzeichnisse hervor: 


Radnitzer Schichten 
Insgesammt (unter ober gemein- Nůrschaner Kounowa'er 
Abtheil. Abtheil. schaftlich Schichten 

Es wurden aufce- 

fnnden Arten. 289 163 194 248 92 jn 
Davon sind aus 

tieferen Hori- 

zonte úbertre- 

ten in hohere — — 109 -— 81 47 
Sonach erůbrigen © 

zuerst erschei- 

nende Arten in 

jedem Hori- 


ZOMLE C l: = 165 85 248 5 30 
on“ Pá | ae en o | od ší oo ko V O m Ré SA M 
248 283 


Die grósste Anzahl eigenthůmlicher, in ihm zuerst erscheinender Arten, 
fállt sonach auf der Horizont der Radnitzer unteren Abtheilung; von ihm ůúber- 
gehen 109 Arten in die R. obere Abtheilung, denen sich daselbst 85 neu auftre- 
tende Arten zugesellen. 

Es sind sonach eigenthůmlich der untern Abtheilung . . . 54 Arten 
der obern i Pře aš ke O9 
beiden gemeinsam . . . . „109 „ 


Macht die Artenanzahl der gesammten Radnitzer Schichten 248 Arten 
In Bezug auf eigenthůmliche Arten ist die obere Abtheilung der Radnitzer 
Schichten der untern Abtheilung iiberlegen. 


In den Nůrschaner Schichten erscheinen dann bloss 5 neue Arten und 
87 Arten der diesen Schichten angehórigen Flora sind mit jenen der Radnitzer 
Schichten gemeinschaftliche, was ein sehr unbedeutender Antheil an selbststándigen 
Arten ist. — Von den 87 Arten sind 69 bereits in der Rad. untern Abtheilung 
enthalten. 

In die Kounowa'er Schichten úbertreten aus den Nůrschaner 47 Arten, 
und es zeigt sich bei diesen in dem Zutritte 30 neuer, frůher nicht vorkommender 


Arten eine auffállige Veránderune gegen die bei den Nůrschaner Schichten beste- 
henden Verháltnisse. 


Von jenen 47T aus den tieferen Horizonten in die Kounowa'er Schichten 
úbergegangenen Arten gehóren 46 solchen Arten an, die bereits in den Radnitzer 
Schichten erschienen sind, und nur eine Art von den 5 in den Nůrschaner Schichten 
neu auftretenden Arten setzt sich in dieselben fort. 

Von den 46 Arten sind 36 solche, die bereits in der Radnitzer unteren 


M 


17 


Abtheilung vorkommen und nur 10 solche, die erst in der oberen Abtheilung neu 
hinzugetreten sind. 

In Bezug auf die Fortsetzung der Arten aus tieferen Horizonten in die 
hoheren ergeben sich sonach folgende Verháltnisse: 


Radnitzer Schichten 


| ET FVE 0 S M o o 


untere obere Nůrschaner — Kounowa'er 
Abtheilung © Abtheilung © Schichten Schichten 
Anzahl der auf den einzelnen 
Horizont beschránkten Arten 5 
Durch sámmtliche Horizonte 
Mureheehent 2 316 zd 
Aus. den. untern. Radnitzer 
Schichten in die oberen, dann © 


LÍ 
©3 
O1 
nS 
© 
© 


! 
Nůrschaner und Kounowa'er 
ubersehend 5. ol 

Aus den. oberen Eadnitzor 
Schichten fortsetzend . .. . 20 18 5 

Aus den unteren Radnitzer bloss 
in Nůrschaner u. Kounowa'er 
SORICHLEM hli jee a 2 1) l 

Aus Nůrschaner Schichten in 
BROUMOWA GEL bz ae ya l 1] 


Macht . . 163 194 92 11 


Die Anzahl der zwischen den einzelnen Horizonten gemeinschaftlichen 
Arten stellt sich aber nachfolgend heraus: 


Untere Radnitzer Flótzgruppe und obere Radnitzer Flótzgruppe ©- «. . 109 Arten 


» 5 : „»  Nůrschaner Schichten. . . . 69 
3 : i < „ Kounowa'er á o by ef r.o 046: ASA 
Obere : % : „ Nůrschaner k ZA A ZA (eso o aje 
» : A 3 „o Kounowa'er 3 MM dd 
MNERCHAner en1ehten und. kouhowa'er Ochichten < - <. < < <: 90. n 


Wie sich die aus den einzelnen Horizonten in die úbrigen úbertretenden 
Arten in jeder Classe verhalten, zeigen nachstehende Erláuterungen: 


| Summa | Radnitzer Schichten ké Kou- | 


de an. nováer, 
| Azten | Ugbání | Abe JAlsem. | Sch. | Sch. | 
Fillices. 
In den einzelnen Horizonten vorgsekommen ... .| 137 87 84 |:171 | 48 30 
Ubertreten aus tieferen Horizonten ......... JH — 52 | 52 | 48 | 17 
In jedem Horizonte neu. —. : .| — | 87 | 32 | 119 5 13 
Calamariae. | | 
In den einzelnen Horizonten . ...... M5301 || 125 26 51 15744 18 
Aus p Horizonten úbergehend ...... = 23 23 2516 
In jedem Horizonte neu. . . .| — | 25 3 28 — | 2 | 


= | Radnitzer Schichten. al Kou- 
|| Unt | Ob „schan. jnovaer 
B“ : ntb SCA Arton | Abth. | Abtb. (Als sm. | Sch. | Sch. 
Selagineae. | | | 
In den einzelnen Horizonten -930202000 ano 39 58 iz 9 | 
Aus tieferen Horizonten . ..... R S — 199 0 19 K 
In jedem Holana Ne,- 4 19 20 | 39 —-— a 
Gymnospermae. | | 
In den einzelnen Horizonten.0 500 5 — L 1 B | 
Aus tieferen Horizonten . ..... us = = p Mora -8 Ma S Ks 
In jedem a neu = S je = 4 | 
Monocotyledonae. | 
In den.-einzelnen' Horizonten -50 ka no 6 8 143 Bojí 
Aus tieferen Horizonten ...... BEK be L ZÁ M- 8 3 | 
In jedem Hornte Ne see 6 473110 = 24 
Incertae sedis. | | | 
In den einzelnen Horizonten-. .- <... 3.55.) 5125 32 57 7 9“ 
Aus tieferen Horizonten . .... SO K r 10 | 10 7 5 | 
In jedem Hokizonte né: — 25 ZA ít — - 
Thallophyta. | | 
In“den:einzelnen Horizonten(- 0. 00 DOS 4 5 1 1 
| Aus tieferen Horizonten . .... MO Ven | zo 9 PA E 1 — | 
! In jedem Horzoňté Met 4 — 1 
| | j | | 


Es geht aus den vorstehenden Erláuterungen hervor, dass der in jedem 
Horizonte ermittelte Zuwachs an neuen Arten vorwaltend auf solche aus der Classe 
der Filices entfállt, die sonach ihr relatives Úbergewicht in jeder Flótzzone 
behaupten. 

Ihnen zunáchst wichtig erscheint die Classe der Selagineen mit einem 
Zuwachse neuer Arten vertreten; jedoch nur im Bereiche der Radnitzer Schichten, 
wáhrend die hoheren Horizonte in dieser Hinsicht nur untergeordnet bedacht sind. 

Der gesammte in die Nůrschaner Schichten fallende Zuwachs beschránké 
sich auf die Filices, und nicht eine Art aus anderen Classen wird neu zutretend 
beobachtet. 

Erwágt man nun, dass von den neu auftretenden 5 Farnarten, drei, 
nemlich Cyclopteris oblongifolius, Beinertia gymnogrammoides, Schizopteris ano- 
mala in Bezug auf Selbststándickeit nicht vollkommen unanfechtbar sein důrften:; 
dass Sphenopteris Gravenhorsti sich noch aus einem anderen Horizonte vorfinden 
kann, und Odontopteris obtusiloba seit der ersten Mittheilung ihres Vorkommens 
nicht wieder beobachtet wurde, so tritt die Eigenthůmlichkeit der in den Nůr- 
schaner Schichten enthaltenen Flora deutlich hervor, nur einen bedeutend redu- 
cirten Auszug aus der Flora der Radnitzer Schichten ohne jeglichen eigenthiim- 
lichen Charakter darzustellen. 

Die Kounowa'er Schichten weisen dann wieder bei sámmtlichen Classen 
einen Zuwachs an neuen Arten auf, der sich bei den Gymnospermen als der hóchste 
úberhaupt herausstellt, und deuten dadurch eine eingetretene Veránderung der 
Verháltnisse an. 


19 


Was nun jene Arten anbelangt, die auf die einzelnen Horizonte beschránkt 


- erscheinen, so vertheilen sich dieselben unter die verschiedenen Classen und Ord- 


- nungen in nachstehender Weise: 


Radnitzer Schichten 


m em S ; 
untere obere — Nůrschaner © Kounowa'er 


Abtheilung Schichten Schichten 
PES ODD ae de 60 0 2 0 1 
Filices: Sphenopterideae ...... | | " 7] 
Rhacopteridae u. Nóogge- 
rathiae 21 oblek 3935 128 = 1 
Neuropterideae. . ..... 9 2 l 2 
Pecopterideae . .... 7] P) oj 10) 
K marbae dg. 5 va eee 4 1 2 2 
Selagineae. Lepidodendra . | 15 
Pelareae v... 10 4 
Gymnospermae SB AP AVE 4 
řonocobyledonae 4154 « 2 2 2 
Pocektaessedis.: i 44 doz. 14 21 4 
Macht“ 52 65 4 ON 


In Bezug auf die auf einen Horizont beschránkten Arten zeichnet sich 
sonach die Radnitzer untere Abtheilung durch die Filices, die obere Abtheilung 
durch die Selagineae, der Kounowa'er Horizont durch die Gymnospermen in An- 
betracht der vor allen anderen grósseren Anzahl der vertretenen Arten aus, 
wáhrend Nůrschaner Schichten sich in dieser Hinsicht indifferent verhalten. 

Bemerkenswerth ist es, dass unter den der Radnitzer unteren Abtheilung 
eigenthůmlich anheimfallenden Arten aus der Classe der Farne, die Sphenopteriden 
allein mit mehr als 34 pct. aller in der Gesammtablagerung bekannt gewordenen 


Sphenopterisarten vertreten sind. Weniger ausgezeichnet sind in diesem Horizonte 


durch auf ihn beschránkte Arten die Pecopteriden, die mehr selbststándig in den 
hoheren Horizonten vorkommen. 

Von den Selagineen, die namentlich in der Radnitzer oberen Abtheilung 
die meisten eigenthůmlichen Arten besitzen, erscheinen daselbst 5 Lepidodendra 
Arten, die in keinem anderen Horizonte wieder auftreten, und von den gesammten 
27 Sigillaria Arten sind ihr 10 ausschliesslich eigen, wáhrend alle iúbrigen in der 
Ablagerung úberhaupt bekannten Lipidodendren-Arten, und von den Sigillarien, 
mit Ausnahme von vieren, erst in den Kounowa'er Schichten hinzukommenden, 
sámmtliche auch in der Radnitzer oberen Abtheilung sich einstellen, so dass sich 
dieselbe vor allen úbrigen durch die Entwicklung der Selagineen, als eine Sela- 
gineen-Zone darstellt. 


Es ist bei Aufstellung der in jedem Horizonte beobachteten fossilen Flora 
nur auf jene Sigillarien Růcksicht genommen, die der Art nach eine Bestimmung 
zuliessen. Decorticate, und undeutliche Exemplare, die theils auf den Hangend- 
schichten der Kohlenflótze, theils auf den Schichtungsfiáchen der Kohle selbst 
zwar von Sigillarien abstammend sich erkennen, nicht aber die Art, der sie ange- 


hóren důrften, bestimmen liessen, konnten nicht berůcksichtiget werden. Solche 


80 


Decorticate namentlich werden bei den Kohlenfiótzchen aller Horizonte angetroffen, 
und ihr Vorkommen ist in dem Verzeichnisse der fossilen Flora der Ablagerung 
als spec. indet. bemerkt. 

Die Móglichkeit ist nicht ausgeschlossen, dass einzelne derlei Decorticate 
von Arten herrůhren, die unter den aus einem Horizonte bestimmten bis jetzt 
nicht erscheinen, und so eine Vermehrung derselben bedingen wůrden. Kaum lásst 
sich indess erwarten, dass durch eine solche Vermehrung die procentuale Ver- 
theilung der Sigillaria-Arten auf die einzelnen Horizonte wesentliche Modificationen 
zu erfahren hátte; das Vorkommen von Decorticaten, so wie auch solcher Abdrůcke 
von Lepidodendren, die ihrer ungenigenden Erhaltung wegen eine zuverlássice 
Artenbestimmung nicht gestatten, ist eben auch in der Radnitzer oberen Abtheilunc 
zahlreich anzutrefen, und muss bei den Kohlenffótzen der úbrigen Horizonte, ent- 
sprechend ihrer geringeren Máchtigkeit nothwendig in unbedeutenderer Anzahl 
zwischen den Kohlenschichten eingeschlossen befunden werden. 


Die Selagineen úberwiegen demnach in der oberen Radnitzer Abtheilung 
nicht nur durch die gróssere Anzahl Arten, sondern zumeist auch durch die Menge 
der vorkommenden Individuen vor allen úbrigen Horizonten. 


Mehrfach wurde anderorts die gróssere Máchtigkeit von Kohlenflótzen mit 
der úppigeren und reicheren Entfaltung von Sigillarien in Verbindung gebracht. 


Die im Bereiche unserer Ablagerung gemachten Erfahrungen lehren aber, 
dass sich in Bezug auf Máchtigkeit und Gůte der Kohle der durch die vorwaltende 
Entfaltung der Sigillarien ausgezeichnete Flótzzug der Radnitzer oberen Abtheilung 
ungemein wechselvoll erweise, und dass Sigillarien in nicht weniger zahlreicher 
Entwicklung sich auch dort einfinden, wo die Kohlenflótzmáchtigkeit verháltniss- 
mássig gering befunden wird, wie in der Umgebung von Pilsen, bei Lisek etc., ja 
dass derlei Localitáten selbst eine egróssere Artenanzahl dieser Gattung geliefert 
haben, als andere, welche durch eine namhaft gróssere Kohlenffotzmáchtickeit 
ausgezeichnet sind. Die Kohlenffótzmáchtigkeit correspondirt nicht mit der Menge 
begleitender Sigillarien. 

Viel mehr scheint die Máchtigkeit der Kohlenlager mit der, fiir eine durch 
lángere oder kůrzere Zeit zur Entwicklung des Kohlen bildenden Materials ge- 
eigneten Bodengestaltung, die an verschiedenen Localitáten wechselnden Einfiiissen 
unterworfen gewesen sein mochte, in Beziehung cebracht werden zu kónnen, so 
wie mit der spáter oder frůher wieder eintretenden Úberfluthung, durch welche 
die Fortsetzung einer Vegetation an der betreffenden Stelle ihren Abschluss erhielt. 

Die Beobachtung einer mit Beginn der, durchaus ein nur wenig máchtiges 
Kohlenflotz enthaltenden Nůrschaner Schichten sich zeigenden geringeren Anzahl 
an Šigillaria-Arten steht wohl mit der auffálligen Verminderung an bekannt ge- 
wordenen Arten aus allen úbrigen Classen und Ordnungen úberhaupt in entspre- 
chendem Verháltnisse, und důrfte in ungůnstigeren, wáhrend der Periode des Ab- 
satzes der das Nůrschaner Kohlenflotz von dem Radnitzer oberen Kohlenflótze 
trennenden Gesteinsschichten allmálig entstandenen Bedingungen fůr die Entwick- 
lung der Vegetation im Allgemeinen ihre Begrůndung finden, wodurch zwar keine 
wesentliche Veránderung des Characters der Flora, aber eine weniger úppige Ent- 
faltung derselben bewirkt wurde. 


91 


| Den Radnitzer Schichten insgesammt sind ferner noch theils ausschliesslich, 
otheils wenigstens bedeutend úberwiegend eigenthůmlich die Planzenreste aus der 
"Familie der Rhacopteriden und Noggerathien, und das noch nicht vóllig sicher 
„gestellte Fossil Bacillarites problematicus. 

: Von ersteren wird nur Rhacopteris elegans EÉtt. sp. einmal in Nůrschaner 
"Schichten in der Umgebung von Nůrschan aufgefunden, angegeben. 

ň Eine Mittheilung ber das Vorkommen eines Exemplar's von Nóoggerathia 
„foliosa Stbg. bei Lubna lásst, in Anbetracht dessen, dass diese Art bei vielfach 
-in spáterer Zeit fortgesetzen Aufsammlungen an derselben Localitát nicht mehr 
"zum Vorschein kam, und dass in der Náhe die Radnitzer Schichten mit zahl- 
"reichen Resten dieser Art sich befinden, so wie, dass das betreffende Exemplar 
"nicht an Ort und Stelle gefunden, sondern aus zweiter Hand erworben wurde, 
„gegrůndete Zweifel ber die Zugehorigkeit desselben zum Horizonte der Nůr- 
schaner Schichten gerechtfertiget erscheinen. 

| Eben so beruht eine Mittheilung úber das Vorkommen der Nóggerathia 
intermedia K. F. an Brandschiefer des Lubna'er Kohlenflotzes, also im Nůrschaner 
Horizonte, auf unsicherer Basis, indem die Art, nur nach einzelnen unvollkom- 
"menen Bláttchen bestimmt, von Prof. Kušta selbst, dem jene Mittheilung entlehnt 
ist, nur als wahrscheinlich erklárt wird; jene Bláttchen, vielleicht eher von Rha- 
copteris abstammend, kónnten eine Úbereinstimmung des Vorkommens dieser Art 
mit jenem bei Nůrschan bekannten anzeigen. 

Immerhin bléibt das Vorkommen der in ihrer Gestaltung mit einander 
eine gewisse Verwandtschaft zeigenden Rhacopteris und Noggerathia fast aus- 
schliesslich dem Bereiche der Radnitzer Schichten angehórig, und kann als eine 
Eigenthůmlichkeit derselben, oder des Liegendflotzhorizontes erklárt werden. Sie 
erscheinen sowohl in der Artenanzahl, wie besonders in der Menge der Individuen 
vorwaltend in der unteren Abtheilung dieser Schichten (Stradonitz, Rakonitz, Tře- 
moschna), aus der sie etwas sparsamer in die obere Abtheilung ůúbertreten, um 
dann fast gánzlich zu verschwinden. 

Das ausschliessliche, zumeist massenhafte Auftreten von Bacillarites pro- 
blematicus auf einzelnen Zwischenmitteln des oberen Radnitzer Kohlenflótzes, und 
an einzelnen Punkten in den im Hangenden des unteren Radnitzer Kohlenfiótzes 
sich befindenden Schleifsteinschiefern ist bereits im Vorhergehenden erórtert. Es 
ist besonders bemerkenswerth, dass dieses Fossil den im oberen Flótze einge- 
nommenen Horizont nie ůúberschreitet, und nirgends mehr auf Schichten úber 
demselben beobachtet wird, wodurch es ausgezeichnete Dienste als leitendes 
Fossil leistet. 

Zugleich liegt in der Art der Verbreitung sowohl desselben, als der Rha- 
copteriden und Nóggerathien eine weitere Rechtfertigung fůr das Zusammenziehen 
der beiden Radnitzer Flótzgruppen zu einem gemeinschaftlichen Flótzzuge. 

Im Nůrschaner Horizonte kommen, wie schon erwáhnt, in Bezug auf eigen- 
thůmliche Arten keinerlei bemerkenswerthe Erscheinungen vor. 

Erst wieder mit dem Eintreten der das Hangendkohlenflótz einschliessenden 
Kounowa'er Schichten stellen sich diesen ausschliesslich angehorige Arten ein, durch 
welche aber bereits eine Wandlung im Gesammtcharakter der Flora sich andeutet, 


indem die neu erscheinenden Sigillarien zumeist solehen, frůher fast gar nicht ver- 
6 


82 


tretenen, aus der Gruppe der rippenlosen, Leisdermaria, und namentlich in Bezug 
auf die Menge der beobachteten Individuen vorwaltend zukommen; weiters die den 
Gymnospermen angehórigen Coniferen plótzlich in grósserer Menge sich bemerkbar 
machen, und úberhaupt 30 neue, in den tieferen Horizonten nicht bekannte Arten 
erscheinen, die besonders aus der Classe der Filices neue Gattungen vertreten, wie 
Callipteris, Tánoipteris, Psaronius und auch aus der Gruppe der Incertae sedis, © 
namentlich der, durch seine Grósse sich auszeichnende und bemerkenswerthe Car- © 
polites insignis zuerst und in nicht seltenen Exemplaren sich einstellt. 

Am auffallendsten bleibt fůr den Hangendflótzzug immer das Auftreten 
der Gymnospermen, indem dieselben hier nicht nur mit fast allen bekannten Arten 
zuerst, sondern auch so allgemein und in einer solchen Menge der Individuen 
sich einfinden, dass dieser Horizont mit aller Berechtigung den Gymnospermen 
horizont unserer Ablagerung vorstellt. 

Eine Charakterisirung der einzelnen Horizonte unserer Ablagerung auf 
Grundlage der in jedem derselben vorwaltend in Bezug auf Artenanzahl und 
Menge der Individuen, so wie mit Berůcksichtigung der jedem derselben aus- 
schliesslich angehórigen Arten, nach der zuletzt gegebenen Tabelle wůrde sonach 
die Radnitzer untere Abtheilung als Farn- oder speziell als Sphenopterishorizont, 
die Radnitzer obere Abtheilung als Selagineen-Iorizont, die Kounowa'er Schichten 
als Gymnospermenhorizont zu erkláren erlauben, wáhrend fůr die Nůrschaner 
Schichten kein derartiger Charakter sich zur Verfůgung stellt. 

In Bezug auf diese letzteren Schichten gibt sich der Mangel eines durch 
irgend eine Eigenthůmlichkeit, ausser der allgemeinen Reduction der Arten, be- 
dingten Charakters der Flora sowohl in Betracht der Gesammtschichten des Hori- 
zontes zu erkennen, wie auch wenn die in der Umgebung von Pilsen befindlichen 
Antheile desselben, so wie jene aus der Umgebung von Kladno-Rakonitz, fůr sich 
gesondert zur Vereleichung genommen werden. 

In letzterer HHinsicht sind aus den Nůrschaner Schichten in der Umgebung 
von Pilsen 73 Pflanzenarten, aus jenen aus dem Bezirke Kladno-Rakonitz ebenfalls 
13 Arten bekannt geworden. Es zeiet sich sonach beiderseits eine zufállig voll- 
kommene Úbereinstimmung in Bezug auf die gegen die tieferen Radnitzer Schichten 
eingetretene Verminderung der Arten. 

Von den in beiden Localitáten bekannt gewordenen Arten sind beiden 
gemeinschaftlich 54 Arten, so dass bei Pilsen 19, eben so bei Kladno-Rakonitz 
19 Arten erůbrigen, die bis jetzt in der andern Localitát noch nicht beobachtet 
wurden, die sich aber unter einander in der Weise auseleichen, dass sie wechsel- 
seitig mit einander zumeist in naher Verwandtschaft stehen. 

Betrachtet man ferner die Zusammensetzung der den beiden Localitáten 
angehórigen Flora, so ergibt sich nachstehendes Resultat: 


Pilsen Kladno-Rakonitz 
Thallophyta KVĚ DA zadky Pk oc 68 ne 1 
Filicés. "35 A8" 3D V E sk SME SSK 
Calamarieae' 44 sy HCS E 
Sélagineáe: Lépidodendra 0.2149 FE 
Oleillariae "s ',147-.49 dat) čsl zeje k AA SSSSO SNS 
Gymniospermae5 72 MAR oh | 


93 


MOnOBOLNLORON A6 oc Pay 8 slon hn a 9010 01s kos 
PŘGOTG G: REG Vy 24775 KEM VRP K eds ike c Kk 
MOC < P kot 41206514 adíěd koa 4 sh 


Hieraus gibt sich auch eine Úbereinstimmung der Flora an den beiden 
Localitáten in Bezug auf die Artenanzahl aus den verschiedenen Clássen und 
Ordnungen deutlich zu erkennen, und wird die Zusammengehorickeit der, bis 
jetzt bei Kladno-Rakonitz noch nicht durch Thierreste gekennzeichneten Flótz- 
gruppe mit jener bei Pilsen zu demselben Mittelhorizonte ausser den bereits 
dieselbe nachweisenden stratigraphischen Verháltnissen auch durch jene der ent- 
wickelten Flora erhártet. 

Endlich bietet auch die Betrachtung der durch sámmtliche Horizonte durch- 
gehenden 28 Arten einige bemerkenswerthe Ergebnisse. Es gehóren nehmlich von 
den derartig sich verhaltenden Arten: 


E EBOMOT (010K 2005 deknlo ao ArLEn 
den Calninatien 20:5: jsa Vee nl bida 740 0 
AE D2 0neen 6300: dela By 
den Monocotyledonen . ....... TM 
VEM HiNTETta6 SEG V B8668) B 
28 Arten. 


Unter den 9 Arten Farnen befindet sich nicht eine aus der Gattung Sphe- 
nopteris; es hat sich von dieser Gattung nicht eine Art vorgefunden, die nach 
ihrem Erscheinen in tieferen Horizonten durch alle hoheren fortsetzt. 

Eine eleiche Erscheinung bietet die Gattung Neuropteris, von welcher 
keine einzige Art durch sámmtliche Horizonte hindurchreicht, von der aber aus 
den Radnitzer Schichten ein verháltnissmássig weit grósserer Antheil noch in die 
Nůrschaner Schichten úbertritt, als diess bei Sphenopteris der Fall ist. 

Dagegen gehen die Pecopteriden mit 6 Arten durch alle Horizonte durch, 
und erweisen auch durch diess Verháltniss ihre allen úbrigen Familien gegenůber- 
stehende gróssere Beharrlichkeit. 

Am meisten bestándig werden die Calamarien befunden, da selbst dann, 
wenn die drei von den 12 stabilen Arten bloss auf aufgefundene Fruchtstánde 
bestimmten, ausser Berůcksichtigune gelassen werden wollen, immer noch 9 Arten, 
also mehr als bei allen úbrigen Classen, erůbrigen, die allen Horizonten gemein 
sind. Auch die Selagineen liefern ihren Antheil zu den stabilen Arten, worunter 
eine Sigillaria, dann die úberall, bis in die hochsten Schichten der Ablagerung 
hinaufsteigende, oft háufige, in den Sohlendecken des Radnitzer oberen Flótzes 
stets  vorwaltend entwickelte Art Stigmaria (ficoides, und Lepidostrobus, der 
merkwůrdiger Weise oft auch an Localitáten nicht zu selten erscheint, wo Lepi- 
dodendron sich bis jetzt fast gar nicht vertreten zeigt. 

Die Monocotyledonen erscheinen mit der Art Cordaites borassitfolius Stbg. 
in sámmtlichen Horizonten, und fehlen, wie schon anderorts bemerkt, fast keiner 
Localitát. 

Und so ist auch die Weise, wie die einzelnen Classen an den durch 
sámmtliche Horizonte fortsetzenden Arten betheilt sind, geeignet, die Ansicht zu 
bestátigen, dass die beschránkte Artenanzahl in den ober den Radnitzer folgenden 

6* 


84 


Schichten nicht einem Zufalle, sondern einer gesetzmássigen Verminderung derselben 
in den meisten Classen und Ordnungen zuzuschreiben ist. 

Aus einem allgemeinen Úberblicke úber die in der mittelbohmischen Stein- 
kohlenablagerune bestehenden paláontologischen Verháltnisse geht hervor: 


1. Die Radnitzer Schichten sind vor allen úbrigen hervorragend durch die 
iberwiegend in ihnen entwickelte Menge von Pflanzenarten, durch das ausschliess- 
liche Vorkommen von Bacillarites problematicus, der Noggerathien und die grósste 
Entwicklung der Rhacopteriden; die untere Abtheilung derselben durch die reichste 
Anzahl von Arten aus den Gattungen Sphenopteris und Neuropteris, die obere Ab- 
theilung durch die in ihr erscheinende vollkommenste Entfaltung der Šelagineen, 
und durch das ausschliessliche Beschránktsein oder die vorwaltende Verbreitung 
einzelner Arten auf bestimmten Schichten dieser Flótzzone; — bei untergeordnetem 
Auftreten einiger weniger Thierreste von niedrigerer Organisation. 


2. Die Nůrschaner Schichten kennzeichnen sich durch die plótzliche Er- 
scheinung zahlreicher Wirbelthierreste neben einer, fast keine neue Pflanzenarten 
aufweisenden, in der Zahl der in ihr beobachteten Arten aber gegen jene der Ra- 
dnitzer Schichten auffallend zurůckgegangenen Flora, dié auch in keiner ihrer 
Classen irgend welche bemerkenswerthe Eigenthimlichkeit besitzt. 


3. Die Kounowa'er Schichten sind ausgezeichnet neben der aus den Nůr- 
schaner Schichten sich fortsetzenden Erscheinung zahlreicher Wirbelthierreste, 
durch eine Flora, die zwar eben so wie letztere reducirt aber bedeutend modi- 
ficirt sich darstellt, indem mit ihr 30 Arten von Pflanzenresten eintreten, die hier 
zum erstenmale erscheinen und neuen friůiher nicht bekannt gewesenen Gattungen 
angehóren, so dass ein neuer Charakter der Flora sich herausbildet, zu dessen 
Wesenheit nicht wenig die erst hier zahlreich sich einstellenden Coniferen bei- 
tragen, — und durch den die Gruppe der Kounowa'er Schichten in einen merklichen 
Gegensatz zu den beiden frůheren, in der Zusammensetzung der Flora unter einander 
úbereinstimmenden Gruppen gebracht ist, indem namentlich die dort reichlich 
vertretenen Gattungen Sphenopteris, Neuropteris, Lepidodendron sich fast gánzlich 
ausgestorben zeigen. 


Die paláontologischen Verháltnisse liefern sonach ebenfalls die Bestá- 
tigung, dass die in Berůcksichtigung der stratigraphischen Verháltnisse nothwendig 
erkannte Gliederung der mittelbohmischen Steinkohlenablagerune in drei selbst- 
stándige Schichtengruppen oder Flótzzůge ihre volle Berechtigung besitze. 


HI. Vergleichende Betrachtungen. 


Es ist nicht unwichtig, die in unseren mittelbohmischen Steinkohlen- 
ablagerung bestehenden, besonders die paláontologischen Verháltnisse mit jenen, 
in den Steinkohlengebieten anderer, namentlich benachbarter Localitáten bekannt 
gewordenen in Vergleich zu bringen. 


Solche Ablagerungen finden wir im nordostlichen Bóhmén am Fusse des 
Riesengebirges, bei Bohmisch-Brod, in Mábren bei Rossitz, in Máhrisch Schlesien, 


85 


jm benachbarten Sachsen, in weiterer Entfernung und in bei weitem grósserer 


Ě Ausdehnung in Oberschlesien, Westphalen, Saarbrůcken etc. 


- Die von verschiedenen Autoren úber die in diesen Ablagerungen beste- 
benden Verháltnisse gebrachten Mittheilungen und Abhandlungen erscheinen vor 
Allen durch den Umstand befremdend, dass die Anzahl beobachteter Panzenarten 
im Vergleiche mit jener in unserer Ablagerung zum Vorschein gekommenen sich 
als eine verháltnissmássig geringe úberall herausstellt. 

So wurden am Fusse des Riesengebirges aus den carbonisch anerkannten 
Schichten 74 Arten, aus den der Permformation zugezáhlten Schichten 22 Arten 
bekannt gemacht. Von Bohmisch-Brod werden im Ganzen 15 Arten aufgefůhrt. 
Oberbergrath Stur záhlt in seiner Culm-Flora von Máhren und Schlesien 90 ver- 
schiedene Pflanzenarten. Geinitz bringt aus der Šteinkohlenformation in der Gegend 
von Zwikau in allen fůnf von ihm fůr dieselbe aufcestellten Vegetations-Zonen 
156 Planzenarten zur Kenntniss, aus jener im Plauen'schen Grunde bei Dresden 
26 Arten. Aus der Kohlenformation von Stockheim werden von C. Růckert 26 
Fossile Pflanzenreste beschrieben, aus dem Westphálisehen Kohlengebirge von 
Geinitz in: Die Steinkohlen Deutschlandď's und anderer Lánder 79 Arten; aus dem 
Saarbrůcker Gebiete 123 Arten. Aus demselben Kohlengebirge von Saarbrůcken 
werden von Weiss 120 Arten, in vier Vegetationszonen eingetheilt, aufcefůhrt. Bei 
Rossitz in Máhren werden im Ganzen 59 Arten aufgezáhlt. In Bezug auf die 
oberschlesische Steinkohlenformation ist leider keine das ganze Gebiet derselben 
umfassende Zusammenstellung der beobachteten und in mehreren werthvollen 
Werken und Abhandlungen von Góppert bekanntgemachten fossilen Pflanzenreste 
veroffentlicht, die als Grundlage einer vergleichenden Betrachtung beniitzt werden 
kónnte. — 

Die meisten Localitáten haben sonach eine, jener in unserer Ablagerung 
aufgefundenen bedeutend nachstehende Anzahl an Pflanzenresten geliefert, die 
selbst im gůnstigsten Falle, wir bei Zwikau nur wenig úber die Hálíte von jener 


erreicht, und aus den grossen Gebieten von Westphalen und Saarbrůcken noch 


weit dahinter zurůckbleibt. 

Es ist kaum anzunehmen, dass diese an sámmtlichen angefůhrten Locali- 
táten geringer befundene Artenanzahl in der That auf einem Mangel einer reicheren 
Flora beruhe, und dass es nicht bei ginstiger Gelegenheit gelingen wůrde, die 
bisher nach den mitgetheilten Angaben gewonnenen Ausbeuten wesentlich zu 
vermehren. 

Mit den sonach augenblicklich zur Verfůgung stehenden Hůlfsmitteln lásst 
sich kein auf den gegenseitigen Reichthum an fossilen Pflanzenresten basirter 
Vergleich zwischen den verschiedenen Kohlenablagerungs-Parthien durchfihren, 
und muss sich ein solcher bloss auf die Gruppirung, in welcher die einzelnen 
Classen und Ordnungen etc. sich nach den in den einschlágigen Schriften und 
Abhandlungen zur diessbezůglichen Benůtzung vorliegenden Mittheilungen jeweils 
befinden, erstrecken. 

Eine rein der Culm-Formation angehorige Flora wird uns vollkommen 
bearbeitet von Oberbergrath Stur vorgefiihrt, die dem Máhrisch-Schlesischen Ge- 
birge entnommen ist. Es werden in derselben 90 Arten Pflanzenreste zytsenit, 
die nachfolgend zušammengeselzi sind: 


86 


Thallophyta -22 ATenr0d0r0 227 
Filices“ "R RES eee joo rs 
Calamařiea 542 = ja „34 
Selagineae T S S POR z 00 
(Čýmnospermae 059 E MA VZS 


Inceřtae *sedis; j l Dá B 


Macht. .90 Arten oder 100 pct. 


Wenn die procentuelle Vertheilung der gesammten Arten dieser Flora in 
die einzelnen Classen in einen Vergleich gebracht wird mit jener in den vier 
Gruppen unserer Ablagerung kennen gelernten, so findet man, dass die Gruppirung 
der Máhrisch-Schlesischen Culmflora jener in unserer Radnitzer unteren Abtheilung 
bestehenden sich am meisten náhert. 

Nur zeigen sich die Filices verháltnissmássie noch stárker, Calamarien 
und Selagineen schwácher vertreten in der Culm-Flora als in der Radnitzer unteren 
Abtheilung. Die Entwicklung der Filices steht sonach ganz im Einklange mit der 
an unserer Flora gemachten Beobachtung, wonach dieselben aus den hóheren 
Horizonten gegen die tieferen verháltnissmássig an Menge zunehmen. 

Unterzieht man weiters die Entwicklung der einzelnen Ordnungen der 
Filices in der Culmflora einem Vergleiche mit jener aus den vier Gruppen unserer 
Ablagerung, wobei von Stipulargebilden und Farnstámmen abgesehen werden kann, 
und die von Štur unter seine neuen Gattungen Diplotmema, Calymotheca etc. 
unterbrachten Arten, um Úbereinstimmung zu erzielen, in die bisher gebráuchlichen 
Ordnungen Sphenopterideen, Neuropterideen etc. eingetheilt sind, so erhált man 
nachstehendes Ergebniss: 


Radnitzer Schichten 
Úiteré obere. Nůrschaner  Kounowa'er 
Culmflora  Abtheil. — Abtheil. | Schichten Schichten 
Sphenopterideen: Arten . © 39 34 29 15 4 
Neuropterideen: Arten . © 13 19 16 12 4 
Triphyllopteris u. Adian- 
tiden: Arten 4 4 1 1 — 
Rhacopterideen u. Nogge- 
rathiae: Arten 4 6 4 1 — 
Pecopterideen : Arten . . 5 14 20 15 15 
PARA 68 r 70 44 23 
oder in procenten: 
Sphenopterideen . . . . 620 44,2 41,4 34,1 17,4 
Neuropterideen . . . . 20,06 24,6 22,8 21,2 17,4 
Triphyllopteris u. Adian- 
tides s 6,3 D,9 1,4 2,2 — 
Rhacopteris und Nógce- 
Tathia7 "00,00 6,3 8 5,7 22 — 
Pecopterideen © - .".- 4,7 18,1 28,5 34,1 65,2 


Es ercibt sich aus der vorstehenden Zusammenstellung eine gewiss be- 
merkenswerthe Erscheinung in dem Verhalten der Sphenopterideen und Pecopte- 
rideen, von denen die ersteren sonach schon von der Culmflora aus in steter 


84 


| percentualer Abnahme der Artenanzahl, die letzteren dagegen in steter Zunahme 


begriffen sich darstellen, so dass die in der Flora unserer Ablagerung beobachtete 
Erscheinung durch das Einbeziehen der im Alter vorhergehenden Culmflora eine 
auffallende Bestátigung erhált. 

Es scheinen die Farne mit mehr ausgebildeter Differenzirung der Blatt- 
spreite in den álteren Schichten vorwaltender zu herrschen, als in den jingeren, 
und gibt sich in dieser Beziehung selbst im Vergleich des Culm-Horizont's mit 
dem der Radnitzer unteren Abtheilung ein Vorrang fůr ersteren schon an den dem 
letzteren bereits zumeist fehlenden Arten der Gattung Rhodea etc. zu erkennen, 
wáhrend die daselbst háufiger vertretenen Arten von Adiantides und Rhacopteris 
in der Radnitzer unteren Abtheilung mit verwandten Arten, worunter auch die, 
unter die Gattung Triphyllopteris Schimp. eingereihten, in den hóheren Schichten- 
gruppen nicht mehr vorkommenden und sehr an Adiantides erinnernden gehóren, 
noch in genůgender Anzahl erscheinen, weiter aufwárts aber in rascher Abnahme 
begriffen sind. 

Die nahen Beziehungen, die in vielfacher Weise zwischen der in den Culm- 
Schichten bestehenden Gruppirung der Pflanzenreste und jener in der Radnitzer 
unteren Abtheilung sich ergeben, důrften die Vermuthung als keine zu gewagte 
erscheinen lassen, dass letztere einen zunáchst ůúber ersteren folgenden Horizont 
andeutet, mit dem, nachdem Reprásentanten der Culmperiode in unserer Ablagerung 
nicht nachzuweisen sind, daselbst zuerst der Beginn der Kohlenperiode eingeleitet ist. 

Die Kohlenablagerungen am Fusse des Riesengebirges werden in eine car- 
bonische, und eine obere, permische Gruppe gegliedert. Aus ersterer werden 74, 
aus letzterer bloss 22 beobachteten Pflanzenarten mitgetheilt, die als selbststándige 
betrachtet werden kónnen. 

Die stratigraphischen Verháltnisse in dieser Ablagerung sind nicht so klar 
gelegt, dass die einzelnen Horizonte, auf welche sich die gewonnenen Pflanzenreste 
vertheilen, mit vólliger Gewissheit festgesetzt werden kónnten. 

Im Allgemeinen wird die carbonische Gruppe in zwei Hauptzůge unter- 
theilt, einen hoheren, flachfallenden und einen tieferen oder stehenden, letzteres 
mit Bezug auf die bestehende Lagerung, denen dann als dritter Zug, der soge- 
nannte Radoweczer oder das Hangendflótz, bereits im Bereiche der permischen 
Formation, angereiht wird. 

Eine Eigenthiůimlichkeit der die tieferen Zůge begleitenden Kohlenflotze 
ist eine Zersplitterung in eine nicht geringe Anzahl einzelner Kohlenlagen, und 
eine háufige Unterbrechung derselben, deren Zusammengehorigkeit an den ent- 
fernter von einander gelegenen Punkten, oder in wie fern sie als selbststándige 
Horizonte zu betrachten wáren, aus den zur Verfiigung stehenden Mittheilungen 
nicht mit geniigender Genauigkeit entnommen werden kann. (Geinitz erkennt in 
der carbonischen Parthie der Ablagerung im Allgemeinen drei Flótzgruppen, von 
denen jene mit steilerem Verfláchen, oder die sogenannte stehende Flótzeruppe, 
als im Liegenden befindlich bezeichnet wird. Sie ist bei Schatzlar und Schwado- 
witz erschlossen, wáhrend von der hangenden Flótzoruppe wegen geringer Bau- 
wůrdigkeit nur untergeordnet Erwáhnung geschieht. Die aus der carbonischen 
Abtheilung dieser Ablagerung bekannt gemachten 74 Planzenarten sind vorwaltend 


„drei verschiedenen Localitáten entnommen, Schatzlar, Schwadowitz und Žďdarek. 


88 


Von den 74 Arten wurden bei Ždarek 25, bei Schwadowitz 49 und bei 
Schatzlar 37 gesammelt. Davon sind an den einzelnen Localitáten ausschliesslich, 
also an den ůbrigen bisher nicht vorkommend, angefůhrt worden, von Ždarek 8, 
von Schwadowitz 23, von Schatzlar 14 Arten; in sámmtlichen Localitáten vorkom- 
mend, also gemeinschaftliche Arten 29. 


In die einzelnen Classen vertheilen sich die vorgefundenen Arten in nach- 
folgender Weise: “) ! 


| | Ždarek Schwadowitz Schazlar 
| 

Pilicčes 00 o 15 Arten 60 pot. | 27 Arten 55,1 pct. 19 Arten 51,3 pct. 
Calamarieae. . . . . M o Aa V 6 o be 
Selagineae i B kon MLO 9 cm SLO. UE 0 aan tn 
Monocotyledonae Boy 3 USE dite z Bin VE j SRS 2D 
Incertae sedis . .. . . bo Ab Bb 6,1 ea ea k 

25 Arten 100 pct., 49 Arten 100 pct. | 37 Arten 100 pct. 


| | 


Ein Vergeleich mit den einzelnen Gruppen der mittelbohmischen Ablage- 
rung lásst Schwadowitz und Schatzlar mit der Radnitzer oberen Abtheilung ver- 
wandt erscheinen, wáhrend Ždarek eher zu der Radnitzer unteren Abtheilung 
hinneigt. 

Fůr letzteres spricht im Allgemeinen das gróssere Verháltniss der Filices 
und das geringere der Selagineae, unter denen nicht eine Sigillaria-Art beobachtet 
wurde; fiir ersteres der hohe Antheil, mit welchem die Selagineae erscheinen, von 
welchen bei Schwadowitz zwei Arten, bei Schatzlar drei Arten Sigillarien sind. 
Vorwaltend aber sind die Selagineae daselbst durch Lepidodendron-Arten vertreten, 
die hier in einem Verháltnisse erscheinen, das sich besonders jenem in den Schichten 
der Radnitzer oberen Abtheilune anschliesst, und zwar noch auffálliger bei Schatzlar 
als bei Schwadowitz, was wohl durch weitere Beobachtungen ausgeglichen werden 
důrftee Dagegen ist Schwadowitz durch die Anwesenheit von Noggerathia foliosa 
Stbg. ausgezeichnet, und so erscheinen beide Localitáten, Schwadowitz und Schatzlar 
mit den durch die gewonnenen Pflanzenreste bezeichneten Schichten am besten mit 
der Radnitzer oberen Flótzgruppe úbereinstimmend. 


Ždarek hat unter den Farnen Rhacopteris elegans geliefert, welche Art 
zwar nicht ausschliesslich der Radnitzer unteren Flótzgruppe zukommt; aber das 
Vorkommen der Pflanzenreste zum Theil auf schleifsteinschieferartigen Schichten 
in Verbindung damit und mit der allgemein bestehenden Gruppirung lásst die 
Vermuthune nicht ganz ungerechtfertiget, dass bei Ždarek mit der Radnitzer 
unteren Flótzgruppe verwandte Gebilde bestehen. 


*) Gegen die von Dr. T. Sterzel in der Abhandlung: „Palaeontologischer Charakter der 
oberen Steinkohlenformation und des Rothliegenden im erzgebirgischen Becken 1881“ 
worin auch die beiden Localitáten Schatzlar und Schwadowitz in Betracht gezogen 
werden, bei diesen angesetzte Anzahl Arten aus den einzelnen Klassen, bestehen in 
unserer Zusammenstellung einige Abweichungen, begrůndet namentlich durch die Nicht- 
beachtung solcher Arten, die bekanntermassen auf andere zu beziehen und sonach nicht 
selbststándig sind. 


89 


Die 22 Arten, die am Fusse des Riesengebirges aus der, der permischen 


| Formation zugehórig erklárten Schichtengruppe, an den Fundorten Radowenz, 


Stěpanitz, Nedvěz gesammelt worden sind, vertheilen sich nachfolgend unter die 
einzelnen Klassen: 


T toa 990 OOM 10 Arten 45,4 pct. 
Calamarieab < 8 363. 
Selagineae.-. «.. .. Zo Ja 
Monocotyledonae .. 1. „ 45- 
TRCONAE SOOS. 7-0 se 1 Ao 


22 Arten 100 pct. 


Die Gruppirung dieser 22 Arten náhert sich im Vergleich mit der in den 
einzelnen Flótzzůgen der mittelbohmischen Ablagerung bekannten, am meisten 
jener in den Kounowa'er Schichten bestehenden. Da wie dort erscheint ausserdem 
an allen Localitáten Asterophyllites eguisetiformis Bgt. Annularia sphenophylloides 
Zenk., Alethopteris Serlii Bet., und fehlt die Gattung Lepidodendron, was eine 
weitere Úbereinstimmung anzeist. 

Die besprochenen 22 Arten sind insgesammt auf Schieferschichten in Be- 
gleitung des Kohlenflótzes gesammelt worden, und diesemnach ist unter sie die Gat- 
tung Araucaroxylon, die im weiteren Schichtencomplexe der oberen Gruppe der 
Riesengebiresablagerung durch zwei Arten im zahlreichen Stammbruchstůcken, 
namentlich im sogenannten versteinerten Walde von Radowenz Góppert's, vertreten 
erscheint, nicht einbezogen. In diesem zahlreichen Auftreten der Art Araucar- 
oxylon, die auch im Riesengebirge nirgends in den tieferen Flótzeruppen beobachtet 
wurde, liegt eine weitere Uibereinstimmung mit den Kounowá'er Schichten. 

Berůcksichtiget man diese beiden Arten, so dass die Flora der oberen 
Gruppe aus 24 Arten bestehend sich zeigt, so ergibt die Gruppirung derselben 
folgende Verháltnisse: 

PD VE E pe ovl Pe 41,6 pct. 
CRIIMAt6a67 2.04 Peha AR 
POE 0 ae ee Oo 
Gymnospermae . . .. . 84 
Monocotyledonae . . .. 41 „ 
Incertae sedis ....... KEE De 100, 


Betrachtet man die in den Filices erscheinenden Ordnungen, so ergibt 
sich unter den 10 bekannt gewordenen Arten die Anzahl der Pecopteriden mit 6 
gegen 4 aus andern Ordnungen oder wie 60 pct.:40 pct. in der Riesengebirgs- 
Ablagerung; in den Kounowa'er Schichten betrágt dieselbe 65 pct.:35 pct., eine 
Úbereinstimmung, die in Anbetracht der durch die Aufsammlung selbst bedingten 
Abweichungen eine vollkommene genannt werden muss. 

Aus den, úber die Ablagerung am Fusse des Riesengebirges zur Ver- 
fůgung stehenden palaeontologischen Mittheilungen darf sonach mit ziemlicher 
Sicherheit gefolgert werden, dass der dort ausgeschiedene obere, oder sogenannte 
Radowenzer Flótzzug den Kounowa'er Schichten entspreche, wáhrend die tieferen 
Flótzzuge den Radnitzer Schichten, und wahrscheinlich beiden Abtheilungen der- 
selben correspondirend betrachtet werden důrfen. 


90 


Und es scheinen auch die den einzelnen Zůgen angehorigen Schichten- 
complexe in ihrer Beschaffenheit beiderseits gemeinschaftliche Merkmale auf- 
zuweisen. 

Nur fůr die Nůrschaner Schichten lásst sich aus den bis jetzt gemachten 
und mitgetheilten Beobachtungen im Bereiche der Riesengebirgsablagerung noch 
kein Aeguivalent ermitteln. 

Bohmisch-Brod hat nach den darůber bestehenden- Mittheilungen 25 Arten 
Pflanzenreste geliefert; darunter 


Filices“.. 27972120 Arlendodec19m6t: 


Calamarie2e 75.00- Ou S AOA an 
Selagineae . — , s 
Gymnospermae <. . 2 ze BY 
Monocotyledonae . tele z; sj 4 
Incertae sedis . .. 1., é o ONA 


Die Gruppirung der einzelnen Arten entspricht am meisten jener der 
Kounowa'er Schichten durch das Zurůcktreten der Selagineen und das Eintreten 
der Gymnospermen. — Die Filices weisen auf: Sphenopterideen 1 Art; Neuro- 
pterideen 4 Arten; Pecopterideen 7 Arten, stehen sonach zu einander in dem 
Verháltnisse 8,3:33,3:58,4; ein Verháltniss, das in Bezug auf die Gruppirung 
der Filices nur bei den Kounowa'er Schichten wieder angetroffen wird; es besteht 
sonach zwischen diesen und der Ablagerung bei Bohmisch-Brod ausgesprochene 
Verwandtschaft. 


Brandau im Erzgebirge hat aus seiner kleinen Steinkohlenablageruneg 15 
Pflanzenarten geliefert, und zwar in nachstehender Gruppirung:*“) 


Filices < „4 27 2 Aplenoder 20 pet: 
Galamařieae < m. = 74 dalo vte 
SOlACIneae -č.0 < Okr OS 
Monocotyledonae. .1 „ 6.6: 


Die der Wirklichkeit mit aller Wahrscheinlichkeit nur untergeordnet ent- 
sprechende Anzahl der aus dieser Ablagerung bis jetzt bekannt gewordenen Pflanzen- 
arten ist gewiss zu gering, um zu einem befriedigenden Vergleiche benůtzt werden 
zu kónnen. Nur der Umstand, dass bei so geringer Ausbeute die Selagineen 
zumeist durch Sigillarien vertreten, vorwaltend zur Vorschein kommen, lásst den 
Schluss zu, dass ein Aeguivalent der Radnitzer oberen Flótzgruppe, in welcher 
die Šelagineen zu ihrer verháltnissmássic gróssten Entwicklung gelanst sich zeigten, 
angcenommen werden darf. Den Abschluss der Ablagerung bilden Schichten, die 
bereits dem Rothliegenden angehóren. 


Bei Rossitz in Máhren wird die Ablagerung in eine untere, rein carbo- 
nische, und eine obere, permische Gruppe eingetheilt. Im ersterer werden die 
drei Kohlenflótze abgelagert gefunden, von denen das tiefste als erstes, das oberste 
als drittes bezeichnet wird. Viele Klafter im Hangenden dieses dritten Flótzes 
erscheinen auf den Gesteinsschichten Pflanzenreste carbonischen und permischen 


*) Mit Ausscheidung einer nicht selbststándigen Art. 


| 


JI 
i 
] 


: 


i ! 


© derselben: 
| K 
| 1. Flótz | 2. Flótz | 3. Flótz | Hangendscbichten 
| | 
Sphenopterid. | 1 Arten 8,5 pct. 3 Arten 21,4 pct.. — Arten — pet., 2 Arten 11,2 pet. 
Neuropterideen| 5 » 417 »| 4 » 286 » OM OB 0 BR íme 103010 
Pecopterideen | 6 „ 500 »| 7 » B OE NOD ao Manem Jao da 50,0 » | 
12 Arten 14 Arten T Arten 18 Arten 


(Charakters gemengt; unter letztere 


© verzeichnisse) keinen solchen Rang ein, durch den 


9 


n Calamites gigas, Walchia, Ullmannia. Thier- 


reste und Araucariten werden nicht angegeben. 


Aus den, auf den Begleitschichten der einzelnen Kohlenflotze und im 


(Hangenden des dritten Kohlenfiótzes vorkommend mitgetheilten Pflanzenresten 
'ergeben sich folgende Verháltnisse: 


0 

| | 1. Flótz | 2. Flótz | 3. Flótz | Hangendschichten 
Filices . . „| 12 Arten 54,6 pot., 14 Arten 48,3 pot., 7 Arten 50,0 pct.| 18 Arten 62,0 pet. 
Calamarieae D2, m. | z ela Vy Ba adat Uma] NO P 
Selagineae k deal. 2000 S OSE 1 0 ZD 
Gymnosperm. K » =; » n » = » T " a » 2 » 69 » 
Monocotyled.| 1 » 25 2 BEOBA A esa L zad 5m P 690 
Incertae sedis|— » —. » po C8 dk R A 20 be 35 

22 Arten | 29 Arten 14 Arten 29 Arten 


Der namhafte Antheil, mit dem die Selagineen in allen drei unteren 
Schichtengruppen erscheinen, weist eine Annáherung an die Radnitzer Schichten 


auf. Unter den Farnen nehmen aber die Sphenopteriden (nach dem Special- 
an die untere Abtheilung der- 


selben gemahnt wůrde, obwohl die Farne insgesammt bei dem tiefsten Flótze mit 


"einem etwas hóheren Procente als bei den folgenden vertreten sind. 


Unterzieht man die einzelnen Ordnungen, mit denen die Farne bei jedem 
Flótze sich einstellen, einer Betrachtung, S0 ergibt sich folgende Vertheilung 


Es geht daraus die untergeordnete Stellung der Sphenopterideen hervor, 
dabei aber auch das Úberwiegen und die ziemlich oleichbleibende Erhaltung der 
Pecopterideen durch sámmtliche Schichten eben so, wie auf den vier Horizonten 
der mittelbohmischen Steinkohlenablagerung. 

Fiůr eine den Nůrschaner Schichten entsprechende Gruppe lásst sich bei 
Rossitz kein Anhaltspunkt herausfinden, wenn nicht die plótzliche Verminderung 
der Arten bei dem 3. Flótze als ein Anzeichen hiefůr betrachtet werden will, die 
aber vielleicht in einer zufállig zu ungenůgenden Ausbeutung der betreffenden 


- Schichten begrůndet sein kónnte. 


Payne 


Die Gruppirung der Pflanzenreste in den Hangendschichten entspricht 
durch das Herabsinken der Šelagineen, und durch das plótzliche Erscheinen der 
Gymnospermen jener in den Kounowa'er Schichten genigend, um eine Beziehung 
beider zu einander zu erkennen. 


Die Steinkohlenablagerungen in Šach 
Grunde sind durch H. B. Geinitz náher geschildert un 


sen, bei Zwikau und im Plauen'schen 
d auf ihre Panzenreste 


32 


untersucht. Bei Zwikau werden 5 Horizonte unterschieden, von welchen der 
unterste den Culm oder áltesten Vegetationsgůrtel vertritt, dem dann vier andere, 
der produktiven Steinkohlenformation angehorige folgen. Von den bei Zwikau 
im Ganzen unterschiedenen 157 Pflanzenarten entfallen auf die erste Vegetations- 
Zone oder den Culm 22, wáhrend in den vier folgenden Zonen von unten nach 
aufwárts der Reihe nach 63, 39, 48 und 97 Arten beobachtet wurden. 
In der Culmzone vertheilen sich die 22 Arten folgend: 
Galamarieae. 21- O A1(En30 0 


Filices' oo net 200, EAU ek já 
Belasineen: % "276-454 EA) 520008 56 
Monocotyledonae 5 05:00 2. 
Incertae SsediS 115500880 ň ZE 


Mit der von Štur in seiner Culm-Flora gefundenen Gruppirung, bei welcher 
Filices vorwalten, Šelagineen untergeordnet sind, findet hier bei umgekehrtem Ver- 
háltnisse keine Úbereinstimmung statt. 

Eben so ist mit keinem Flótzhorizonte der mittelbohmischen Ablagerung 
irgend eine Verwandtschaft vorhanden. 


Die úbrigen vier Vegetationszonen zeigen nach der von Geinitz gegebenen 
Gruppirung der Arten (wenn Nogegerathien mit Cordaites vereinigt, Frůchte und. 
Samen unter Incertae sedis einbezogen werden) folgende Verháltnisse: 


Vegetationszonen. 


| IL III. | IV. V. 
Thallophyta . — — 1"Arten26 $ 1 Arten 2,1 pet. 2 Arten 2,0-pct: 
Filices. -| 25. Arten 39;7"pet. 16.07- :410.0702000 011,60 29 
Galamarieae|012 40905 AA 2000 8167 C 
Selagineae „| 18. 285 % | 11 1,0 2891110023220 e 
Gymnospermá| 1 „, z RO n A 2 bi- bon vii 
Monocotyled. | 4 „ 6,450 Z 5,1 to 4 o% 83 6:15 62 + 
Incertae sedis| 3 L4L8. 5 | la = a Zi n 8 da -A B 

63 Arten 39 Arten 48 Arten 97 Arten 


Die Gruppirung in allen vier vorstehenden Zonen ist eine durch keine 
bedeutenden Abweichungen verschiedene, und zeigt nnr eine etwas merkliche Ver- 
minderung der Calamarieen und Selagineen in der IV. und V. Zone gegen die 
beiden frůheren, Wworaus hóchstens auf eine náhere Verwandtschaft der beiden 
oberen je zu einander geschlossen werden kónnte. 


Die bedeutende Vertretung der Selagineen darf als eine mit unsern Rad- 
nitzer Schichten gemeinschaftliche Eigenthůmlichkeit betrachtet werden, und die 
Verháltnisszahlen fůr Filices und Calamariae sind nicht auffállig verschieden. Bei 
den beiden unteren Zonen erscheinen die Selagineen mit einem grósseren Antheile, 
als bei den oberen, und wůrden, analog den bei uns bestehenden Verháltnissen, 
dieselben náher an die obere Radnitzer Flótzeruppe anschliessen; ob aber in den 
beiden oberen Zonen eine Annáherung an die Niirschaner Schichten vermuthet 
werden kónnte, muss bei dem Mangel genůgender Anhaltspunkte unentschieden 


| 
i 93 


bleiben. Úberlagert wird die Zwikauer Steinkohlenformation mit Schichten, die 
'als permisch erklárt worden sind, und bei denen solche der ersteren, fremde 
(Pílanzenreste wie Walchia piniformis, Odontopteris obtusiloba Naum. etc., sich 
'einstellen, Sie werden in ihren tieferen Lagen von grauer, in den hoheren háufig 
-von rothbrauner Fárbung geschildert, und Kalksteinbánke zwischen ihnen ein- 
'gelagert angegeben. Darin gibt sich eine Úbereinstimmung mit den bei den 
|Kounowa'er Schichten bestehenden Verháltnissen zu erkennen; doch ist kein er- 
"wáhnenswerthes Kohlenflótz zwischen ihnen eingeschlossen, und sie sind den 
"Schichten der Steinkohlenformation ungleichfórmig aufgelagert, wáhrend in der 
"mittelbohmischen Ablagerung Ahnliches nicht beobachtet wird. So wie hier werden 
'aber bei Zwikau Zerstorungen und Auswaschungen im Steinkohlengebirge unter 
"der Ablagerung der permischen Schichten angetroffen, in welche das die letzteren 
(bildende Materiale eingeschwemmt wurde, woraus gefolgert wird, dass in Sachsen 
eine lángere Zeit zwischen der Ablagerung der oberen Schichten der Steinkohlen- 
formation und der unteren permischen Schichten verflossen ist. 

| Aus der Steinkohlenablagerung im Plauen'schen Grunde fůhrt Geinitz 
+ speziell 26 Arten von Pflanzenresten an, wobei ausdrůcklich des Fehlens jeder 
' einer Sigillaria oder einer grósseren Lycopodiacee erwáhnt wird. 

Wenn sich schon hiedurch eine Andeutung einer Verwandtschaft mit 
(unseren Kounowa'er Schichten kund gibt, so wird dieselbe noch auffálliger durch 
"die Gruppirung, in welcher sich die einzelnen Arten der Flora befinden. Diese 
(ist nehmlich nachfolgend beschaffen : 


Zhalophyta 258 1 Arten 3,8 pct. 

: BMPES ka Beko ho va) 
babmameé z- y3 450198 
DENOAB go ca Yen 
Gymnospermae -17:1 , Boa 
Menocotyledonie 3398 3: ulibu 
Incertae sedis. ..... ro Ph, 


26 Arten 100 pct. 


In dieser Gruppirung besteht eine unverkennbare Ahnlichkeit mit jener, 
jin welcher die in unserer Kounowa'er Schichten beobachteten 77 Pflanzenarten 
-sich befinden, wornach auf eine Verwandtschaft zwischen denselben mit den Ge- 
| bilden im Plauen'schen Grunde geschlossen werden darf. Es wird eine solche 
"noch weiter hervorgehoben durch den Umstand, dass bei letzteren weiter im Han- 
"genden rothbraune Schichten erscheinen, zwischen denen Hornstein- und Kalk- 
| steinbánke eingeschaltet sind, und in welchen verkieselte Stammbruchstůcke von 
 Araucaroxylon eingeschlossen vorkommen. 

Unzweifelhaft gibt sich im Plauen'schen Grunde zu erkennen, dass min- 
 destens die die Ablagerung abschliessenden Schichten bereits der permischen 


: *) Die Filices sind vertreten durch: 
1. Sphenopteris 
1. Dictyopteris 
8. Pacopteriden 
was wieder ein bedeutendes Vorwalten der letzteren beweist. 


o né 


94 


Periode zugezáhlt werden můssen, und es ist nicht ganz unwichtig, aus den Mit- 
theilungen úber die Beschaflenheit der Gesteinsschichten entnehmen zu kónnen, 
wie auch dort Brandschiefer mehrmals als constant auf weite Strecken fortsetzende * 
Lagen erscheinen, und immer nur in geringer Máchtigkeit entwickelt sind. 

Im Ganzen betrachtet, scheinen aber die im Allgemeinen in der Ablage- 
rung des Plauen'schen Grundes bestehenden Verháltnisse die Vermuthung zu. 
unterstůtzen, dass auch die, die tieferen Kohlenflótze einschliessenden, noch dem 
echten Carbon zugezáhlten Parthieen derselben, schon der untern permischen Ab-. 
lagerung zufallen, in der auch bei unserer Ablagerung noch carbonische Pflanzen- 
reste reichlich neben schon permischen erscheinen. Neuerer Zeit sind aus dem. 
Plauen'schen Grunde zahlreiche Úberreste von Wirbelthieren aus der Gruppe der. 
Saurier entdeckt worden, und werden dadurch gewiss die Verháltnisse in Bezug. 
auf die Stellung der sie enthaltenden Schichten klar gelegt werden.**) 

Auch in weiter entfernten Steinkohlenablagerungen werden Verháltnisse © 
angetroffen, die an die in Mittelbohmen bestehenden erinnern, wie die Arbeiten | | 
von Weiss úber die Ablagerung im Saar-Rhein-Gebiete zeigen. 

Weiss gruppirt dieselbe in eine zu unterst liegende Steinkohlenformation; 
das darůber folgende Kohlenrothliegende, und ein den Abschluss bildendes obor 
Rothliegendes; theilt beide ersteren in je zwei Zonen und erhált sonach 5 Zonen. 

Pianzenreste werden nur aus den untern vier Zonen angefůhrt, deren. 
Gruppirung sich nachfolgend herausstellt: 


: 


I. II. JIL. nl 
Saarbrůcker Sch. |Ottweiler Schichten| Cuseler Schichten Dadíčí Ša | 
| 
| 
Filices „. . .|| 18 Arten 38,4 pct.| 36 Arten 45,0 pct., 13 Arten 50,0 pct.. 22 Arten 56,3 pct. l 
Calamarieae .| 14 „ 29,8 5 JPG u 55 20020 stý P 9 Vse Le (S 17,9 k 
Selagineae.. |- 8.: 170.161., 720,00 o 
Gymnospermae| 1., 29 A4 SVA gie SSR VCEO A 0,50 
Monocotyled. | 2 „ 25 31 dán A 3.8.5 ZA: 52. | 
Incertae sedis| 4 „ 801 OM 08 ZR T | 1 2093 
47 Arten 80 Arten 26 Arten 39 Arten 


Vor allem tritt der bedeutende Antheil hervor, den die Selagineen in den. 
beiden untersten Zonen einnehmen, und wie sie in den hoheren plótzlich ver- 
mindert erscheinen, wáhrend das gerade Gegentheil bei den Gymnospermen be- 
obachtet wird. 

Hier besteht eine Analogie mit dem Verhalten der Kounowa'er Schichten 
im Vergleiche mit den Radnitzer Schichten. 

Mit der oberen Abtheilung der letzteren erweist sich die Gruppirung der 
Pianzenarten in der Zone II. am meisten úbereinstimmend. In beiden finden die 
Selagineen ihre vorwaltende Entwicklung, und weder Lepidodendra noch Sigilla- 
rien werden ausserhalb derselben in gleicher Anzahl befunden. 


**) HH. Credner: Die Stegocephalen aus dem Rothliegenden des Plauenschen Grundes bei 
Dresden. Zeitschrift der deutschen geolog. Gesellsch. I. Th. 1881, II. Th. 1882. Dr. 
H. B. Geinitz und Dr. J. Deichmůller: Die fossilen Saurier in dem Kalke des Roth- 
legenden von Niederhásslich im Plauenschen Grunde. Kol. Mineralogisch-geologisches 
und prachistorisches Museum in Dresden. 1882. 


95 


In den die Ottweiler Schichten unterlagernden Saarbrůcker Schichten 
besteht aber wenig Gemeinschaftliches in der Artengruppirung mit der Radnitzer 
unteren Abtheilung. Namentlich sind die Sphenopterideen in ganz anderem Ver- 
háltnisse anwesend, wie eine Úbersicht ber die Zusammensetzung der einer jeden 
Zone zugehorigen Filices lehrt: 


| I. | II. | III. | IV. 
| zlu! | = 
Sphenopterid., 3 Arten 16,6 pct. 8 Arten 22,8 pct. 1 Art 7,7 pct. | 3 Arten 15,0 pct. 
Nearopterid. | -4£ + -222 „| 10. x 2856 z ZVL ODA (By, IDO 
| Pecopterideen, Prot 2 ak AB 0 „2 10 169., „E "10000800 


| 


18 Arten 35 Arten | 13 Arten (20 Arten 


| 

Die Sphenopterideen erscheinen sonach in sámmtlichen vier Zonen wenig 
zahlreich; die Pecopterideen indessen erweisen sich auch hier in ziemlich gleichem 
und ansehnlichen Verháltnisse sich erhaltend. 

Den Kounowa'er Schichten náhert die Verminderung der Selagineen und 
das hohere Procent der Gymnospermen die beiden oberen Zonen ziemlich gleich- 
mássig, wozu noch die Anwesenheit von Wirbelthierresten tritt. 

Solche werden aber in der Saarbrůcker Ablagerung bereits mit den Ott- 
weiler Schichten erscheinend aufgefůhrt, wáhrend in Radnitzer Schichten keine 
Spur davon bekannt ist; doch erlangen sie weder hier noch in den folgenden 
Cuseler Schichten jene Mannmiefaltigkeit, wie in den, in dieser Beziehung mit den 
Kounowa'er úbereinstimmenden Lebacher Schichten, mit denen zugleich Leitpflanzen 
des Rothlieeenden, wie Walchia piniformis, Callipteris conferta, Kieselholzer etc. 
in auffáligerer Anzahl sich einstellen. 

Es kónnte in den Cuseler Schichten ein etwas modificirtes Aeguivalent 
der Nůrschaner Schichten bestehen, bei dem nicht unmóglichen Falle, dass bei 
Saarbrůcken die in Bohmen schárfer von einander geschiedenen Zonen mehr in 
einander greifend und allmálicer úbergehend zur Entwicklung gelangten, oder es 
ist der Beginn dieses Úberganges schon zum Theil in die Ottweiler Schichten 
fallend. Wichtig wáre es, genauer den Horizont festgestellt zu wissen, in welchem 
sich das von Oberbergrath Stur fůr die Saarbrůcker Ablagerung mitgetheilte Vor- 
kommen von Bacillarites problem. befindet, wodurch ein sicherer Vergleich er- 
móglicht wáre.*) 

Ganz entschieden ist indessen in der Saarbrůcker Ablagerung ausgesprochen, 
dass die unteren Zonen einen Gegensatz zu den oberen bilden, und dass die Le- 
bacher Schichten sowohl in Anbetracht ihrer palaeontologischen wie stratigraphi- 
schen Verháltnisse úbereinstimmend mit solchen anderorts der permischen Forma- 
tlon eingereihten Gebilden betrachtet werden můssen. 

Nicht unwahrscheinlich ist es, dass ausserdem an verschiedenen andern 
Localitáten, deren Ablagerungen ausschliesslich der carbonischen Formation zu- 
getheilt wurden, die jingeren Schichten derselben einen mehr dem permischen 
sich zuneigenden Character offenbaren důrften, wenn sich zum genaueren Studium 
solcher Gelegenheit ergibt, wie neuerer Zeit Weiss an den Schichten von Ballen- 


*) Geologische Verháltnisse des Jemnik-Schachtes etec. von D. Stur. 


96 


stedt nachzuweisen Veranlassung fand;*) und worauf auch die Zusammensetzung 
der Flora solcher Localitáten zu deuten geeignet ist, wie z. B. jener von Stock- 
heim, die nach Geinitz's Bestimmungen folgende Gliederung besitzt: 


Filiees ZE ton DV 14 Arten 53,8 pct. 

Calamarieac. -© -1 EES DOOR 

NElacin6464 4414 pemid ee D7- obr ý (V R 

Gymnosperma6:. 0 40 > D05 1 

Monocotyledonae. ....... Pa ROM 0 OT 

Incertac Ses 20 309 500 NESL OS ke 
26 Arten; 


welche fůr eine Annáherung an die Gliederung der Flora in den Lebacher Schichten 
spricht, und den dieselbe einschliessenden Schichten eine dem Rothliegenden ent- 
sprechende Stellung anweist. | 

Aus den voreleichenden Betrachtungen zwischen der mittelbohmischen 
Steinkohlenablagerung und jenen an verschiedenen anderen Localitáten ergeben 
sich nun, soweit diess die bekannt gewordenen Erfahrungen SEA DD mehrfach 
bemerkenswerthe Thatsachen. 

Trotz der namhaft unterschiedlichen Anzahl bekannt gewordener fossiler 
Planzenarten aus den einzelnen Ablagerungsgebieten zeigt sich doch vielfach eine 
ahnliche Gruppirung derselben, die auf gleiche, oder doch wenigstens sehr ver- 
wandte Vegetations-Verháltnisse in bestimmten Perioden deutet, 

Úberall něthigt diese Gruppirung zu der Erkenntniss mindestens einer 
Zweitheilung der Ablagerungen, in eine untere Abtheilung, durch úberwiegende 
Entfaltung der fossilen Flora ausgezeichnet; und in eine obere, in welcher die 
Pfianzenreste in Bezug auf ihre Anzahl Arten bedeutend zurůcksinken, wo sich 
ihnen aber zumeist háufiger Wirbelthierreste zugesellen. 

Was die untere Abtheilung anbelangt, werden in ihr úberall, analog mit 
den Radnitzer Schichten Bohmens, die Selagineen in ihrer vollkommensten Ent- 
wicklung angetroffen; wie in der, bei den meisten Ablagerungen wieder erkannten 
Sigillarien-Zone von Geinitz, mit der auch die Saarbrůcker und Ottweiler Schichten 
von Weiss correspondiren, die sámmtlich mit der obern Radnitzer Flóotzeruppe 
parallelisirt werden kóonnen. 

Es fehlen auch Anzeichen nicht, wie am Fusse des Riesengebirges, die 
die Entwicklung einer, der untern Radnitzer Flótzgruppe analogen Zone ver- 
muthen lassen. 

Die Gruppirung der in dieser untern Radnitzer Flótzgruppe eingeschlos- 
senen foss. Flora scheint einen Úbergang der Culmflora in jene der wahren pro- 
ductiven Steinkohlenformation anzudeuten, und zeichnet sich durch ein Vorherrschen 
der Filices namentlich der, aufwárts in stetiger Abnahme befundenen Sphenopte- 
rideen aus. 

Die obere Abtheilung weist bei sámmtlichen erwáhnten Ablagerungen eine 
bedeutend verminderte Anzahl von Pflanzenresten auf, unter denen sich Arten ein- 
stellen, wie Hymenophyllites semialatus, Odontopteris permiensis, Sigillaria denu- 


—— == 


*) Die Steinkohlenfůhrenden Schichten bei Ballenstedt am nordlichen Hangenden v. Weiss. 
Jahrbuch d. k. preuss. geolog. Landesanstalt 1881. 


97 


data etc., die frůher nicht vorhanden waren, und solche, die neu erschienenen 
Gattungen angehóren, wie Callipteris, Tániopteris, Psaronius, Araucarites und 
unter denen namentlich die Coniferen sich bemerkbar machen, wodurch €ine 
Úbereinstimmung mit unseren Kounowa'er Schichten besteht. 

Ein namhafter Antheil der die Flora dieser oberen Abtheilung zusammen- 
setzenden Pflanzenarten wird aber von solchen gebildet, die bereits in der unteren 
Abtheilung erschienen sind. 

Am bemerkenswerthesten in dieser Beziehung zeigen sich die Pecopterideen 
unter den Farnen, die fast in eleichem Verháltnisse wie in den tiefsten so in den 
obersten Schichtengruppen vertreten gefunden wurden, wáhrend die úbrigen Ord- 
nungen in nur zumeist stark reducirtem Masse bis in dieselben fortsetzen. 

Der durch diesen Umstand, wie durch das Zutreten neuer Arten merklich 
veránderte Character der Flora in der obern Abtheilung, im Verein mit den zusleich 
auftretenden Wirbelthierresten ist allgemein bestimmend gewesen, diese obere Ab- 
theilung als Glied der permischen Formation zu erkláren, im Gecensatze zu der, 
einen rein carbonischen Charakter besitzenden unteren Abtheilung. 

In allen Verháltnissen tritt aber eine allgemeine Úbereinstimmung mit 
den in der mittelbohmischen Steinkohlenablagerung gemachten Beobachtungen 
hervor, die sich eben so auf die, in der, der obern Abtheilune angehórigen, Kou- 
nowa'er Schichten, befindliche, reducirte und durch Hinzutritt neuer Arten modi- 
ficirte Flora erstreckt, wie auf die Erfahrung, dass zahlreiche, auch in den Kouno- 
wa'er Schichten oft genug einheimische Arten, bereits bei den tieferen carbonischen 
Flótzen entwickelt waren, und so ihre Existenz durch sámmtliche Gruppen bis in 
die jingsten Glieder der Ablagerung behaupten. 

Nur fiir die Nůrschaner Schichten unserer Ablagerung von Mittelbohmen 
ist anderorts kein entsprechendes Aeguivalent mit Sicherheit namhaft zu machen. 


Wenn man aber erwágt, wie wenig dieser Horizont durch prágnante Merk- 
male seiner Flora bezeichnet ist, so ist die Schwierigkeit der Ausscheidung desselben 
ohne die Behelfe fůr eingehende vergleichende Betrachtungen erklárlich. 


In Beriůcksichtigung der lediglich aus den Radnitzer Schichten entlehnten 
Flora dieses Horizontes ohne jeglichen eigenthůmlichen Zuwachs, und die bereits 
mit den ihn úberlagernden jůngeren Schichten gemeinsame Fauna, gibt sich fůr 
denselben deutlich eine Mittelstellung zu erkennen, die entsprechend den einerseits 
echt carbonisch erkannten, anderseits der permischen Periode zufallenden Be- 
gránzungszonen wohl passend durch die bereits von Weiss gebrauchte Benennung 
„Kohlenrothliegendes“ bezeichnet werden kann. Es zeigt diese Mittelstellung 
deutlich genug ein Úberganesstadium aus dem Carbon in's Perm an, scheint aber 

náher am letzteres, in Berůcksichtigung der gleich reich entwickelien Wirbelthier- 
reste, als an ersteres sich anzulehnen. 

Die Steinkohlenablagerung von Mittelbohmen erweist sich sonach durch 
den Vergleich mit den in anderweitigen Ablagerungen bestehenden Verháltnissen 
als ein, in seinen tieferen Zonen der carbonischen oder productiven Steinkohlen- 
Formation, in seiner Hangendzone unzweifelhaft der náchstfolgenden permischen 
Formation zugehěriges, durch ein Úberganeselied verbundenes Gebilde, in welchem 
sich die drei, in demselben entwickelten Flótzzuge nachfolgend untertheilen: 

7 


98 


1. Carbon- Formation: Radnitzer Schichten im Allgemeinen, oder Liecen- 
flótzzug. J 
a) Untere Flótzgruppe. Ubergang vom Čulm zur eigentlichen productiven 
Kohlenformation, ! 

b) Obere Flótzgruppe. Productive Steinkohlenformation; correspondirend 
mit der Sigillarien- Zone Geinitz's; mit Saarbrůcker und Ottweiler 
Schichten bei Weiss. 

2. Kohlenrothliegendes: Nůrschaner Schichten oder Mittelfloótzzug. 

Jůngeres Gebilde als die echte productive Steinkohlenformation, Úber- 
cangselied zum Perm, durch seine Fauna bereits letzteres vertretend. 

3. Permformatton, Rothliegendes: Kounowa'er Schichten Hangendfiótzzug. 

Correspondirend mit Unter-Perm-Schichten am Fusse des Riesengebirges, 
mit den in Sachsen befindlichen, mit Cuseler und Lebacher Schichten im Saar- 
Rheingebiete nach Weiss etc. 

Und so erscheinen in der mittelbohmischen Šteinkohlenablagerung, bei 
dem Mangel jeder Andeutung fůr die Anwesenheit der áltern Glieder der carbo- 
nischen Formation Kohlenkalk und Culm, durchaus nur die jůngeren Gruppen 
derselben entwickelt, entsprechend den obercarbonischen Schichten und analog den 
sodann in Bóhmen zur Ablagerung gelangten cretaceischen und tertiáren Gebilden, 
bei denen ebenfalls der Mangel der anderorts bekannten álteren oder Anfangs- 
gruppen constatirt ist, und zeigen sich die, den Eintritt der permischen Formation 
bezeichnenden Schichten in weit mehr umfassender und verbreiteter Weise, als 
frůher angenommen wurde. 


| 


| 


Verzeichniss 


der Abhandlungen und Werke, die namentlich in palaeontolo- 
gischer Beziehung benůtzt worden sind. 


Sternberg, Graf Caspar: Versuch einer geognostisch botanischen Darstellung der 
Flora der Vorwelt. 1820—38. 

Corda A. C. J.: Beitráge zur Flora der Vorwelt; Prag 1845. 

C. v. Ettingshansen: Steinkohlenfiora von Štradonitz in Bóohmen.  Abhandlungen 
der k. k. geolog. Reichsanstalt 1852. 

C. v. Ettingshausen: Steinkohlenflora von Radnitz in Bohmen. Abhandlungen der 
k. k. geolog. Reichsanstalt 1854. 

D. Stur: Beitráge zur Kenntniss der Steinkohlenflora von Rakonitz. Jahrbuch der 
k. k. geolog. Reichsanstalt 18060. 

D. Stur: Momentaner Stand meiner Untersuchungen etc. Verhandlungen der k. k. 
geolog. Reichsanstalt 1814. 

D. Stur: Geologische Verháltnisse des Jemnik-Schachtes etc. Jahrbuch der k. k. 
geolog. Reichsanstalt 1878. 

D. Stur: Weitere Pílanzenreste aus dem Kohlenbergbaue bei Kounowa-Verhandluncen 
der k. k. geolog. Reichsanstalt 1876. 

D. Stur: Culmflora der Ostrauer und Waldenburger Schichten. Abhandlungen der 
k. k. geolog. Reichsanstalt 1878. 

H. B. Geinitz: Die Steinkohlen Deutschland's und anderer Lánder Europa's. 
Můnchen 18065. 

Helmhacker: Úberricht der geognostischen Verháltnisse der Rossitz-Oslawaner 
Steinkohlenformation. Jahrbuch der k. k. geolog. Reichsanstalt 1866. 

J. Krejčí: Lehrbuch der Geologie 1877. 

Dr. Ant. Fritsch: Fauna der Steinkohlenformation von Bóhmen. Archiv fůr natur- 
hist. Durchforschung Bóhmens. II. Bd. 1873. 

Dr. Ant. Fritsch: Fossile Arthropoden aus der Steinkohlen- und Kreideformation 
Bohmens; Beitráge zur Paláontologie Osterreich-Ungarns etc. 1882. 

Dr. Ant. Fritsch: Fauna der Gaskohle und der Kalksteine der Permformation 
Bóhmens. Prag 1879—1881. 

Ch. E. Weiss: Fossile Flora der jiůnesten Steinkohlenformation und des Roth- 
Jiegenden im Saar-Rheingebiete. 1869. 


100 


Dr. ©. Feistmantel: Úber Pflanzenpetrefacte aus dem Nůrschaner Gasschiefer. 
Sitzungsberichte der k. bóhm. Gesellsch. der Wissenschaften 1870. 

Dr. O. Feistmantel: Šteinkohlenfiora von Kralup in Bóhmen. Abhandlgen der k. 
bohm. Gesellsch. der Wissensch. 1871. „Pflanzenreste von Merklin“, Sitzungs- 
berichte der k. bohm. Gesell. der Wissensch. 1872. 

Dr. O. Feistmantel: Beitrag zur Kenntniss der Ausdehnung des sog. Nůrschaner 
Gasschiefers und seiner Flora; Jahrb. der k. k. geolog. Reichsanstalt 1872; 
und Úber das Verháltniss der bohm. Steinkohlen- und Permformation, Jahrb. 
der k. k. geolog. Reichsanstalt 1873. 

Dr. O. Feistmantel: Steinkohlen- und Perm-Ablagerung im Nordwesten von Prag. 
Abhandlungen der k. bóhm. Gesell. der Wissensch. 1874. 

Dr. O. Feistmantel: Die Versteinerungen der bohmischen Kohlengebirgsablagerungen 
in Paláontographica 1875. 

Kušta J.: Zur Kenntniss der Steinkohlenflora des Rakonitzer Beckens (Verhandl. 
1879); Úber das geolog. Niveau des Steinkohlenflótzes bei Lubna (Sitzungs- 
berichte der k. bohm. Gesellsch. der Wissensch. 1881); o geologických po- 
měrech pánve Rakovnické (Sitzungsb. der k. bohm. Gesell. der Wissensch. 
1880), zur Kenntniss des Nůrschaner Horizontes bei Rakonitz (Sitzungsb. 
der k. bóhm. Gesell. der Wissensch. 1882). 

Feistmantel Carl: Die Steinkohlenbecken in der Umgebung von Radnitz. Archiv 
fůr naturhist. Durchforschung von Bóhmen I. Bd. 1869. 

Die Steinkohlenbecken bei Klein-Přilep, Lisek ete. Archiv u. s. w. 
Bd. II. 1872. 

Nur Fundorte von Steinkohlenpflanzen in Bohmen, Sitzungsberichte der 
k. bóhm. Gesellsch. der Wissensch. 1882, und kleinere paláontologische 
Mittheilungen. | 


Z ArbiL. 


Be nmelhokhmiche. oteinkohlenablaceriné 17s.. ss s8 2 240 < 006 4 6 606 « 4 6 00 8 
St ratoraphisché Merhaltmisse: s 4+ 50 sve 48 04 oo 6 6 SANSA 
PAETOTHNO MCT ADLIBOPURE 5 A č S05 ola tento ev de 0 00 S 610 eee s 
1. Der Liegendflótzzug oder die Haduraet aebten l ně an ee 6 
Diessostlichstem i80lrten Pamthen: 1015740% S ele s <. 0. « ee. 10 
icladro-hakomizer Ablagerunesparthie <- <... © 221. S 4. ee ee M2 

EHO SRO SDAELNI6 -2 sa avo 60 dek S a ele 6 6 + 6 ee „21 
Ablagerungsparthie bei Wranowa náchst Mies... ... .. +.. ke 3 020 

BE JASU NABPADLE L VWAMEUMA C bm jeopletvů 00 čavévi i Ka jek Rh m B ee 6 s 596 

2. Der Mittellótzzug oder die Nůrschaner Schichten . ...* ... +. «.. 28 
Eslgner 'Ablaferungesparthe 3.. we 54 00 a ae 29 
Kiadno-HakomtzersAbhlacermmedparthie 7.02% © < s 606 © 2 6 4 eee 82 

3. Der Hangendflótzzug oder die Kounowa'er Schichten . .. ..... ......... 35 
Kladno-Rakontzer Ablacerunesparthie 1" 4. ,e s 4 la a ea ee 38 

E ESNOT DLI GOTTNOSDATLG 137 -losa omdk ja ja al dslná 006 bene 6 oa 08 005 6 6 40 
PRELSPRUNOSDAREHC. MAnOL = „8.8.sre (Šoeh mb jse Z sdlie 06 66 > . 44 

Úberblick úber die stratigraphischen Verháltnisse. . .... « +. +... 46 

II. Palaeontologische Verháltnisse . ...... 0 S oc ie cal a je 06 53 
DAV K0 00 CB) O5 OC VOSNE GD ny a oo AE P M SNO 54 

PI UZOK O MO leo okn dol B Selena 0 T Ma la ne 6 606 646 58 

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P erzctchniss der benůtztem Abhandlungen und Werke. ..-< -. 4.. 2.2 < -ee 99 


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DAS ARCHIV 


fůr die 
naturwissenschaftliche Landesdurchforschung von Bóhmen 


unter Redaktion von 


Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. J. Krejčí 
enthált folgende Arbeiten : 


ERSTEB BAND. 


L Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain und Hóhenverháltnisse). 
Dieselbe enthált: 


a) Das Terrain und die Hohenverháltnisse des Mittelgebirges und des 
Sandsteingebirges im nordlichen Bohmen von Prof. Dr. Karl Kořistka. 
139 Seiten Text, 2 chromolith. Ansichten, 1 Profiltafel und 11 Holzschnitte. 

b) Erste Serie gemessené! Hohenpunkte in Běohmen (Sect.-Blatt II.) von Prof. 

Dr. Kořistka. 128 Beiten Text. 

c) Hóhens chichtenkarte, Section II., von Prof. Dr. Kořistka. Diese Karte enthált 
die in dem Text «) besehriebene Situation. Sie ist 58 Centimeter lang, 41 Centimeter hoch, 
jm Massstabe von 1 : 200.000 gezeichnet, und es sind die allgemeinen Hohenverháltnisse 
durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben ausgedrůckt. 
Preis A, 4—, Preis der Karte app. « + +: +"**' And A C jek de 3 EKINNÉT f. 1:60 


IL. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthált: 


a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verháltnisse des nord- 

lichen Bóhmen von Prof. Johann Krejčí. 37 Seiten Text, 7 Holzschnitte. 

b) Studien im Gebiete der bóhm. Kreideformation von Prof. J.Krejčí. 
142 Seiten Text, 1 chromolith. Ansicht, 59 Holzschnitte. 

c) Paláontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der běh m. 
Kreideformation sowie einiger Fundorte in anderen Formationen von 
Dr. Anton Frič. 103 Seiten Text, 4 chromolith. Tafeln, 9 Holzschnitte. 

d) Die Steinkohlenbecken von Radnic, vom Hůttenmeister Karl Feistmantel. 
120 Seiten Text, 40 Holzschnitte, 2 Karten der Steinkohlenbecken von Radnic und Břas. 


nk, MO DIV PO O o st. 1 850 


III. Die Arbeiten der botanischen Abtheilung. Dieselbe enthált : 


Prodromus der Flora von Bohmen von Dr. Ladislav Čelakovský. (I. Theil.) 
een Task PRO teda apo pao 2000 50e o pa kladán ha lon 1. 1— 


IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált: 


a) Verzeichniss der Káfer Bohmens vom Conservator Em. Lokaj. 78 Seiten Text. 

b) Monographie der Land- und Sůsswassermollusken Bohmens vom Assi- 

stenten Alfred Slavík. 54 Seiten Text und 5 chromolith. Tafeln. 

c) Verzeichniss der Spinnen des nordlichen Bohmen vom Real-Lehrer 
Emanuel Barta. 10 Šeiten Pop Eko A ALES 509 6 es 1. 2— 


V. Chemische Abtheiluns. Dieselbe enthált: 


Analytische Untersuchungen VON Prof. Dr. Hoffmann. 16 S. Text. Preis 25 kr. 
Preis des ganzen I. Bandes (Abth. I. bis V.) BOD 5 sbloT “ pí poloh 1. 9— 


ZW EILITEHB BAND. 
Erster Theil. (Hálfte.) 


L. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain- und Hóhenverháltnisse). 
Dieselbe enthált: 


a) Das Terrain und die Hohenverháltnisse des Iser- und des Riesen- 
gebirges uud seiner sůdlichen und ostlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl 
Kořistka. 128 Seiten Text, 2 chromolith. Ansicht., 1 Profiltafel und 10 Holzschnitte. 

b) Zweite Serie gemessenSt Hohenpunkte in B čhmen (Sect.-Blatt III.) von Prof. 
© Dr. Kořistka. 84 Seiten Text. 

c) Hóhenschichte nkarte, Section III., von Prof. Dr. Kořistka. (Diese Karte 

enthált die in dem vorstehenden Text angegebene Situation, sie ist 58 Centimeter lang, 

41 Centimeter hoch, im Massstabe von 1 : 200.000 gezeichnet, und es sind die allgemeinen 

Hóhenverháltnisse durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben 

ausgedrůckt. Preis dieser P Mad jojda dir bodl A. 450 


II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I Theil enthált: 
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Bóhmens mit 4 Tafeln. 
d) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken bei Klein-Přílep, Lísek, Stílec, 
Holoubkow, Mireschau und Letkow mit 9 Holzschnitten. 
c) Jos. Vála und R. Helmhacker: Das Hisensteinvorkommen in der Gegend 
von Prag und Beraun mit 6 Tafeln, 9 Holzschnitten und 1 Karte. : | 
d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibune eines Theiles der Gegend 
zwischen Beneschau und der Sázava, mit 1 Tafel und 1 Karte. 
Dieser Theil enthált 448 Seiten ext, "11 Tafeln, 18 Holzschnitte und 2 geol. Karten. 
Pretty 3 9 L „4 
I. Theil enthált: 


Sue Saki“ Eon OE . . 


Dr. Em. Bořický: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Bohmens 


mit 294 Seiten Text und 8 Tatehonenul. i = A. 3:50 


Preis der ganzen ersten Hálfte des zweiten Bandes (I. und II. Abtheilung zusammen) geb. 1. 10— — 


Z VW EITER BAND. 
Zweiter Theil. (Hálfte.) 


III. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthált: 
288 Seiten Text und 1 Tafel. Přásl nt% zd 


Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský (II. Theil) 


IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált: 
a) Prof Dr. Ant. Frič: Die Wirbelthiere Bohmens. 
bř a = . . Die Flussfischereiin Bohmen. 
C) seku i k ů Die Krustenthiere Bohmens. 
Mit 1 Tafel, 100 Holzschnitten, 272 Seiten Text. Preis“ O11PdB So 4 A 
V. Chemische Abtheilung. 


Prof. Dr. Em. Bořický: Úber die Verbreitung des Kali und der Phosphorsáure 


in den Gesteinen Bohmens. 58 Seitén' Text. Préts 197 Jainí bilo dam -60 kr. 


Preis der ganzen zweiten Halfte des zweiten Bandes (II., PW V. Abth. zusammen) geb. fl. 5-— 


DBRITUTTE R BAND. 
Davon ist bisher erschienen: 
IL Geologische Abtheilung: 


I. Heft. Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Bohmens von 
Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln, 96 Seiten Text. Preis. a k 
II. Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Bóhmens von 
Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln. 88 Seiten Text. Preig l 
I. Heft. Die Geologie des bohmischen Erzgebirges (© Theil) von Prof Dr, 
Gustav Laube mit mehreren Holzschnitten und einer Profiltafel. 216 Seiten Text 
by B ní ČOS k ee Ve de n k R PPOR l. 2— 
III. Botanische Abtheilung: T 
Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof Dr. Ladislav Celakovský. (III. Theil. 
Schluss.) 320 Seiten Text. S D0B8 007 MA ASO A941 90) ate A. 2:40 
IV. Zoologische Abtheilung: 
I. Heft. Die Myriopoden Bohmens von F. V. Rosický mit 24 Holzschnitten. 44 Seiten 
Da OpolB ee ae APNÁČÁNO od lC SICK DE Ek 60 kr. 
IH. Heft. Die Cladoceren Bóohmens von Bohuslav Hellich mit 70. Holzschnitten. 
P Chemisok o pápu k onernovgoa jde ETO l. 1:60 
o Chemisch-petrologische Abtheilung: 
E 


No. 


No 


No. 


No. 


emente einer neuen chemisch-mikroskopischen Mineral-und Gesteinsanalyse 
von Prof. Dr. Bořický mit 3 Holzschnitten und 2 lith. Tafeln. 80 Seiten Text. A. 1:40 


VIERTER BAND. 


- 
BRolneše 8 z m MSKE) AODUERGE 5 Okhoné oje rckě . 


ojBé Erláuterungen zur geologischen Karte der Umgebuncen von Prag von 
J. Krejčí und R. Helmhacker mit 1 Karte, mehreren Profilen und Holzschnitten A. 4-50 


. 3. Prodromus der Flora von Běhmen von Prof Dr. Ladislav Celakovský. 
(IV. Theil.) Nachtráge bis 1880. Verzeichniss und Repister „s be l. 2-40 
-4 Petrologische Studien an den Porphyrgesteinen Běhmens von Prof. Dr. 
Flora dos Flusss li SPALDMA koloohlzovaaio 2 ím NÍ „ 180 

5. Flora des Flussgebietes der Cidlina und Mrdlina von Prof. Ed. Pospíchal. 
l. 1— 


-6. Der Hangendflótzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Carl 
Feistmantel. 


ž PFŮNFTER BAND. : 
8 Erláuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges (Železné hory) 


und der angrenzenden Gegendenim ostlichen Bohmen von J. Krejčí und 
R. Helmhacker .. ..- ee 9. 


(Die Karte selbst erscheint spáter.) 


"A Studien im Gebiete der bohmischen Kreideformation. III. Die Iser- 
schichten. Von Dr. Anton Frič. Mit 132 Textfiguren 5: 


8. Die mittelbohmische Steinkohlenablagerung von Carl Feistmantel. Mit 
20 Holzschnitten. 


Druck von Dr. Ed, Grégr in Prag 1888. — Selbstverlag. 


LEBERMO 


(MUSCI HEPATICI) 


BOHMENS. 


JOS. DEÉDEČEK, 


Prof. bei der k. k. bóhm. Oberrealschule in Karolinenthal. 


ARCHIV FŮR NATUR WISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG VON BÓHMEN. 
V. Band, Nro. 4. (Botanische Abtheilung.) 


PRAC. 
Commission bei FR. ŘIVNÁČ. 


i 6 
k : 
*, 

- 


k -© DAS ARCHIV 
fůr die 
naturwissenschaftliche Landesdurchforschune von Bóhmen 
unter Redaktion von 


Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. J. Krejčí 
enthált folsende Arbeiten : 


EN STEER BAND. 


L Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain und Hóohenverháltnisse). 
Dieselbe enthált: 


a) Das Terrain und dic Hohenverháltnisse des Mittelgebirges und des 
Sandsteingebirges im nordlichen Bóhmen von Prof. Dr. Karl Kořistka. 
139 Seiten Text, 2 chromolith. Ansichten, 1 Profiltafel und 11 Holzschnitte. 

b) Erste Serie gemessener Hoóohenpunkte in Bohmen (Sect.-Blatt II.) von Prof. 
Dr. Kořistka. 128 Seiten Text. 

c) Hóhenschichtenkarte, Section II., von Prof. Dr. Kořistka. Diese Karte enthált 
die in dem Text a) beschriebene Situation. Sie ist 58 Centimeter lang, 41 Centimeter hoch, 
im Massstabe von 1 :200.000 gezeichnet, und es sind die allgemeinen Hohenverháltnisse 
durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben ausgedrůckt. 
Preis i. 4-— Preis“ der, Karte app.. EE 9 en e10 (PSDS N a A. 1:60 


I. Die Arbeiten der geologisehen Abtheilung. Dieselbe enthált: 


a) Vorbemerkungen oder allgemeine geolocgische Verháltnisse des nord- 
lichen Boóohmen von Prof. Johann Krejčí. 37 Seiten Text, 7 Holzschnitte. 
b) Studien im Gebiete der bohm. Kreideformation von Prof. J. Krejčí. 
142 Seiten Text, 1 chromolith. Ansicht, 39 Holzschnitte. 
c) Paláontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der boh m. 
Kreideformation sowie einiger Fundorte in anderen Formationen von 
Dr. Anton Frič. 103 Seiten Text, 4 chromolith. Tafeln, 9 Holzschnitte. 
d) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hůttenmeister Karl Feistmantel. 
120 Seiten Text, 40 Holzschnitte, 2 Karten der Steinkohlenbecken von Radnic und Břas. 
Prelá s 3 zeta a ŘE 2 Z TRE o. A. 450 


III. Die Arbeiten der botanischen Abtheilung. Dieselbe enthált: 


Prodromus der Flora von Bohmen von Dr. Ladislav Čelakovský. (I. Theil.) 
104 Seite Text, Preis ss 7; 300054 A. 1— 


IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált: 


a) Verzeichniss der Káfer Bohmens vom Conservator Em. Lokaj. 78 Seiten Text. 

b) Monographie der Land- und Sůsswassermollusken Bohmens vom Assi- 
stenten Alfred Slavík. 54 Seiten Text und 5 chromolith. Tafeln. 

c) Verzeichniss der Spinnen des nordlichen Bóhmen vom Real-Lehrer 
Emanuel Bárta. 10 Seiten Text“ "Preis -7 Ze 0. c eso fi. 2— 


V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthált: 


Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. 16 S. Text. Preis 25 »kr. 
Preis des ganzen I. Bandes (Abths I bis V) gebo. i. 9— 


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PDEKVNIOOSE 


EG MENS 


VON 


JOS. DĚDEČEK, 


PROF. BEI DER K. K. BÓHM. OBERREALSCHULE IN KAROLINENTHAL. 


(ARCHIV DER NATURW. LANDESDURCHFORSCHUNG IN BOHMEN.) 
V. Band. Nro. 4. (Boťtanische Abtheilunsg.) 


BC 
ER. AG. 
Commissions-Verlag von Fr. Řivnáč. — Druck von Dr. Ed. Grégr. 
| 1886. 


BV POPEL NG 


—— 


| Durch die Abfassung vorliegender Arbeit sollen die Resultate einer zehn- 
- jáhrigen Beobachtung einheimiseher Lebermoose als Ganzes vorgefůihrt werden, 
unterstůtzt und bereichert durch die k. bóhm. Museums-Sammlungen, sowie durch 
- erspriessliche Beitráge meiner Gónner und Freunde. Insbesondere fůhle ich mich 
- verbunden hierorts den innigsten Dank nachfolgenden Herren auszusprechen: Dem 
> Dr. Lad. Čelakovský, k. k. ord. Professor der Botanik an der Universitát zu Prag 
-als Custos; dem Friedrich Tempský, Buchverleger, als Inspektor des Museums- 

herbarium; dem Fr. Sttenský, Prof. bei der hóh. landw. Lehranstalt in Tábor und 

ferner den Herren: Adalbert Geheeb, Apotheker und Botaniker zu Geysa in Sachsen- 
Weimar und H. Gustav Limpricht, Botaniker in Breslau. 
: Die Arbeit umfasst zwei Abschnitte. Im ersten wird in Kůrze die Morpho- 
- logie der Lebermoos-Organe behandelt, hauptsáchlich durch die grůndlichen Be- 
- obachtungen des Prof. Dr. Leitgeb in Graz verbessert.  Darauf folet eine kurze 
3 historiographische Skizze und zuletzt eine Úbersicht úber die horizontale und ver- 
- tikale Verbreitung einheimischer Arten. 

Der zweite Theil enthált die systematische Reihenfolge bei uns bekannter 

- Arten, wobei nur in wenigen Fállen jenes fremde Eigenthum acguirirt worden ist, 
- welches von der unmittelbaren Náhe unserer Grenzen bekannt geworden, so dass 
-in diesem Falle auf dessen Vorkommen auch im bohmischen Gebiet mit Zuversicht 
© geschlossen werden kann. 

Das System schreitet in der Hauptsache auf der Bahn der Schule von 
- Gottsche-Limdb. und Nees, und nach dem Muster der „Kryptogamenflora von Schlesien 
- autore G. Limpricht“ fort, einige bemerkbare Abweichungen ausgenommen, die ich 
theils als durch neuere Forschungen gerechtfertiote, theils praktische da vorzufůhren 
fůr gut gefunden. 
Darnach wurde den Authocerotaceen der erste Platz in aufsteigender Reihen- 
„folge angewiesen, wodurch die Riectaceen, als Blatt-Lamellen und bedeuted ent- 
wickelte Athmungsorgane fůhrende Pflanzen, an die Seite der Marchantiaceen vor- 
gerůckt worden sind. Ferner wird daselbst das Genus Haplomitrium zum Reprae- 
-sentanten einer eigenen Familie: „Haplomitrieae“, erhoben, und als Schlussform 
„der Hepaticae den Laubmoosen angenáhert. — Die Riceia natans Aut. behauptet 
da den Genuscharakter Ricelocarpus, species R. natans Corda. 


jek 


Nebstdem stehen hier die Gattungen Harpanthus, Chiloseyphus und Lopho- 
colea in Nachbarschaft der habituell áhnlichen Plagiochila und durch diese náchst 
Sceapanta; ebenso wurden die Jungermanniae integrifoliae in eine Reihenfolge mit 
Sphagnecoetis und Alicularia úbertragen. | 

Dies zur Begrůndune der Form, die ich meiner Arbeit she einer 
Arbeit, durch die wenigstens eine Basis geliefert werden soll, auf der weiter zu 
bauen und welche zu erweitern es der Berufs-Pflicht einheimischer Botaniker dahin- 
gestellt werden muss. Und dass sie derselben treu nachkommen werden, ist sichere 
Hoffnung vorhanden. Denn, wenn schon die Schule des Max. Phil. Opiz in den 
Jahren 1820—60 ein sehr reges Streben und Trachten in allen Gebieten der 
Botanik an den Tag gelect hatte, kann man von der rigorosen und gewissenhaften. 
Handhabune der botanischen Medien, wie solche in der Schule eines Dr. Ladislav 
Čelakovský behandelt wird und deren monumentale Bau, der „Prodromus“ mit seinen 
„Nachtrčgen“ die besten Hoffnungen an die Bearbeitung eines weiteren botanischen 
Gebietes gerechtfertigt, — auch in der bohmischen Kryptogamenflora auf die reich- 
lichste Ernte gefasst sein. 

Was endlich den typographischen Theil der Arbeit anbelanst, sei erwáhnt, 
dass ich diesen Theil dem Modus, wie er im Frodromus der Flora von Bóhmen 
durchgefůhrt wurde, vollstándie anzupassen bestrebt gewesen bin. Darnach be- 
deutet z. B. das Zeichen „!“, dem Namen eines Šammlers angeschlossen, dass ich 
die Planze gesehen, mit Anschluss an die Lokalitát dagegen, dass ich sie selbst 
gesammelt habe. 

Schliesslich folet die chronologisch geordnete Literatur, von der Gebrauch 
gemacht worden. 


Opiz Fil. Max.: Deutschlands kryptogamische Gewáchse. 1816. 

ae 5 Boheims phanerogamische und kryptogamische Gewáchse 1823. 
Corda Aug. Jos.: Genera Hepaticarum, in Opiz Beitr. zur Naturkunde 1828. 

M 5 „© Monographia Rhizospermarum et Hepaticarum. 1829. 

„o Die Jungermannien Deutschlands in Jak. Sturm's Flora. 1830—35. 
Nees von Esenbeck: Naturgeschichte der europaeischen Lebermoose. 1833—38. 
Presl J. Svat.: Třicet a dva Obrazy. 1848. 
Opia F. M.: Seznam rostlin květeny české. 1852. 
Plumert, Dr. Jos.: Zur Flora des Iser- und Jeschkengebirges in „der Curort Liebwerda“. 1869. 
Limprich G.: Ergebnisse botan. Wanderungen durchs Isergebirge. Separatabdruck. Breslau. 1870. 
Watzel, Dr. Čaj.: Moose und Gefásskryptogamen. Im Jahresbericht der Comm. Oberrealschule in 
B. Leipa. 1874. 

Fýfeffer, Dr. W.: Die Oelkórper der Lebermoose. Flora. 1874. 
Du Mortier Barth. Car.: Hepaticae Europae. Bruxellis. 1875. 
Limpricht G.: Kryptogamenflora von Schlesien. 1877. 
Leitgeb, Dr. Hub.: Untersuchungen úber die Lebermoose. I—IV. 1879. 
Voigt. Beitrag zur vereleichenden Anatomie der Marchantiaceaen. Bot. Zeit. 1879. 
Limpricht P.: Neue und kritische Lebermoose. Jahresb. d. schles. Ges. fůr vaterl. Cultur. 1880. 


Es móge nun das von mir Geleistete als eine freiwillige in den wenigen 


freien Stunden geformte Gabe fůr jůingere Kráfte angenommen und als solche be- 
trachtet werden. 


Prag, Karolinenthal am 20. Juli 1880. 


Der Verfasser. 


I. Allgemeines úber die Lebermoose. — Hepaticae. 
(Musci hepatici.) 


Als Bindesglieder der Thallus- mit den Stengelpflanzen, bewahren manche Leber- 
moose habituell den Charakter der Ersteren, wogegen sich deren Mehrzahl durch ihren 
beblátterten Stengel an die Ordnungen hóherer Cryptogamen anschliesst. 

p Aus der Lebermoosspore entwickelt sich in der Regel der Vorkeim, und aus 
ihm die Geschlechtsgeneration, welche durch Vermittelung ihrer Antheridien und Arche- 
© gonien wiederum die sporentragende Kapsel als geschlechtslose Generation erzeugt. Ausser 
durch Sporen, als mit geringer Ausnahme obligate Vermehrungsorgane, vervielfáltigen 
die Lebermoose ihre Individuenzahl wohl sehr oft auch durch die Brut- oder Keimkórner, 
| Organe, die polymorph und ofters zahlreich theils in eigenen Beháltern, theils als ein- 
- zelne Zellen oder Zellencolonien am Blattrande oder der Blattspitze auffallend emportreten. 
- Nebstdem vermehrt sich die Lebermoosart durch eigene Sprossen und Áste, welche einzeln 
-oder paarweise entweder am Gipfel der absterbenden Mutteraxe als Innovattonen ent- 
springen oder als Brutůste an deren Seite, oder sogar an ihrer, dem Substrat zugekehrten 
© Mittelrippe zum Vorschein treten, und im Falle des wirklichen Absterbens der Mutter- 
- pflanze dieselbe an demselben Standorte nicht nur erhalten, sondern jene auch ver- 
- vielfáltigen. 
Die geschlechtliche Generation ist ein dilateraler meist negativ heliotropischer 
- Stamm, dessen obere oder Lichtseite anders organisirt ist als die dem Substrat anliegende 
- untere oder Schattenseite. Nur untergeordnet ist der Vegetationskórper ein echter blatt- 
„loser Thallus, weit mehr verbreitet ist der, unterseits oder auch am Rande bláttertragende 
-und in der Epidermis Poren fůhrende čhallusáhnliche Stamm, und bei den vollkommensten 
Arten ein 2—3reihig beblátterter Stengel. Die Schattenseite der Vegetationsaxe ist dem 
Substrate durch Wurzelhaare (Rhizoiden) angeheftet. — Der Stamm thallusáhnlicher Leber- 
- moose ist theils echt, theils unecht gabelig und dann zuweilen mit rand- oder rippen- 
stándigen Adventivásten.  Bei foliosen Arten tritt theils eine terminale theils eine inter- 
calare Verzweigung, und diese oft gefiedert wenn nicht bůschelie auf, oder es entstehen 
sogar adventive Astbildungen. Zu intercalaren Zweigen sind insbesondere bei vielen die 
Geschlechtsáste, Flagellen und Stolonen, beide letzteren armbláttrig, einzureihen. — Das 
Gewebe des Stammes ist rundlich oder polyedrisch, gleichfórmig oder in eine Mittelrippe 
differencirt, die auch bei einigen rippenlosen, deren Lángsaxe aus vielen Zellschichten zu- 
sammengesetzt ist, scheinbar auftritt. Die Epidermis der Frondosen trást meist Poren, die 
entweder als Kanále in den Zellecken auftreten oder als, den Spaltoffnungen hóher orga- 
misirter Pflanzen hnliche, von mehreren Epidermis-Zellringen begrenzte und zu eigenen 
Luftkammern fůhrende Vorhófe entwickelt sind. Die Dimensionen jener Kammern sind an 
„der Thallusoberfláche meist durch deutliche Felder signalisirt. 

Die Blětter, bei Frondosen als Blattlamellen und nebstdem als Keulenpapillen, 
sind bei Foliosen, wo die Keulenpapillen ebenfalls háufig auftreten, einschichtie, rippenlos 
„und von sehr verschiedener, an jene der Gefásspflanzen erinnernden Gestalt. Der Lage 


6 Allgemeines úber die Lebermoose. 


nach werden sie als Sešten- und Unterblátter angefůhrt. An jenen, wenn sie 2lappig sind, 
erscheinen oft die als sogenannte Ohrchen ausgebildeten Unterlappen als beachtenswerthe 
Merkmale. — Bei gedránster Blattstellung ist die gegenseitigce Blattlage auch zu berůck- 
sichtigen, denn es deckt bei rascherem Wachsthum der oberen Stengelseite der Oberrand 
eines últeren Blattes den Unterrand des nachfolgenden jůngeren (oberschláchtige Bl. — 
Fol. succuba) ; im umgekehrten Falle ist die Blattlage unterschláchtig (F. incuba). — 
Die schráge oder guere Insertion und die Richtung der Blattfláche, das parenchymatische 
nur seltener an der Blattbasis mehrschichtige Zellnetz, dessen Wánde, die Verdickung 
der Zellecken (anguláre Verdick.), ferner der durch Chlorophyll und Oeltropfen („Zell- 
kůrper“) verdichtete Zellinhalt bieten dem Beobachter sehr wichtige Anhaltspunkte. — 
Die Blattspitzen und Ránder sind der Herd verschiedengestaltiger Kečmkórner. — Die 
guer inserirten Unterblátter (Amphigastria — oder nach Spruce foltola) erscheinen mit 
geringen Ausnahmen (Aegusfoliae — Haplomitrium) als kleinere, durch Wurzelhaare 
oft verdeckte, dem Stengel meist angedrůckte Bildungen nur selten lángs der ganzen Un- 
terseite, sondern beschránken sich gewodhnlich an die Stengelspitze, oder sie fehlen gánzlich. 


Die Geschlechtsorgane sind bald in die Oberfláche des Laubes eingesenkt bald 
sind sie auf derselben sichtbar, oder stehen an der Unterseite besonderer Receptakeln ; 
bei den Stengelpflanzen haben sie entweder die Axeln jůngerer Stamm- oder Astblátter, 
inne (laterale oder cladogene) oder aber besetzen sie insbesondere die Stengelspitze (čer- 
minule oder acrogene) und sind durch jene oder zuweilen durch Paraphysen geschůtzt. 
Deren gegenseitige Lage ist theils etnhůusig (nach Lindberg: gamoectum parotcum, wenn 
beide an derselben Axe; gam. autotcum, wenm sie an getrennten Axen; gam. heteroicum, 
wenn einháusige mit eingeschlechtigen Asten derselben Pflanze angehóren), theils zwwez- 
háusig. — Nach der růckenstándigen oder terminalen Lage der Archegonien und deren 
weiteren Entwickelung kónnen die Hepatici in amacrogymnae (Leitgeb. —  frondosae 
Autorum) und acrogynae (Leitgeb. — foltosae Aut.) eingetheilt werden. 


Die Antheridien (©) sind kugelig oder elliptisch, gestielt oder stiellos, einzeln 
oder zu mehreren in einer Gruppe. Die einschichtige Wand des Antheridium-Kórpers 
biret die Mutterzellen der mit 2 Flagellen bewaffneten Spermatozoiden. — Die Arche- 
gonten (©) erscheinen bei acrogynen Arten einzeln oder zu mehreren in Gruppen oberhalb 
eigens gestalteter Hůllblátter, und nebstdem mit einem aus Bláttern (Bracteen) verwach- 
senen JKelch (perianthtum) umhůllt, wogegen die © anacrogyner Moose durch ein aus 
Lauboberfláche emporwucherndes Involucrum geschůtzt werden. 


Die geschlechtslose Generation. Aus der befruchteten Centralzelle des © entsteht 
die Sporenfrucht (Sporogonium), die, wenn sie stiellos ist, gánzlich, wenn (was normal) 
gestielt, nur am Grunde des Stieles von der aus der Archegoniumbasis sgebildeten Hawube 
umgeben ist. Der Fuss des Kapselstieles ist in den Stammtheil der Pflanze ohne orga- 
nischen Zusammenhang eingesenkt. — De Kapsel ist deckellos, mit geringer Ausnahme 
ohne Columella, und entleert sich seltener durch 2, meist durch 4 Klappen oder Záhne, 
— wenn nicht unrecgelmássie-deckelartig. Die Sporen sind mit 1-——4spirigen, lángeren 
Schleuderzellen (Elateremn) untermischt, die bei einigen Arten am Ende ihnen áhnlicher 
Hlaterentráger haften, und sich aus der offenen Kapsel theils emporschnellen, theils an 
ihrem Grunde oder an den Klappen angeheftet verbleiben. 


Die Sporen sind einzellig, rund, oval oder tetra- bis polyedrisch mit glatter, 
oranulirter, stacheliger, netziger oder gefelderter Oberfláche, die zuweilen auch gesáumt 
erscheint. — Ausnahmsweise keimen sie (bei Pellia und Fegatella) bereits in der ge- 
schlossenen  Kapsel, die sie als mehrzellige, grůne und gróssere sporenáhnliche Vor- 
koime verlassen. 


Geschichtliches. T 


PODRA by 


II Geschichtliches úber die Ergebnisse im Durchforschen 
-© der m Bohmen vorkommenden Lebermoose. 


Die Anfánge des Studiums der einheimischen Lebermoosfiora fallen in das J. 1816, 
woher sich das von Fď. Max. Opiz (1787—1858) bearbeitete Werkchen: „Deutschlands 
iptogamische Gewčichse“ datirt. Darin werden bereits 21 Arten, jedoch ohne Autor 
und Lokalitát angefůhrt, nemlich: Jung. complanata, J. dilatata, J. platyphylla, 
J. tamariscifola, J. furcata, J. pubescens, J. ciliaris, J. bidentata, J. exsecta, J. guin- 
guedentata, J. reptans, J. trichophylla, J. asplenioides, J. epiphylla, J. pinguis, J. 
scalaris, Marchantia polymorpha, M. conica, M. hemisphaerica und Riceia fiuitans. 
Die zugleich genannte J. viticulosa mag wohl die Calypogeia bedeutet haben. — Bald 
darauf wurde die Anzahl durch den Sammeleifer mehrerer Botaniker, so des Martius, 
Spengler, Fischer, Palltardi, Jungbauer, Presl, insbesondere aber des Sýkora, Funck 
und Op?z um mehrere seltenere Arten vermehrt und in: „Bóhečms phanerogamische und 
kryptogamische Gewáchse von Opiz im J. 1823“ sammt Lokalitát und Sammler ver- 
zeichnet. Unter jenen sind bemerkenswerth: Mastigobryum deflexum, Chilose. pallescens 
und rivularis, Sarcoscyphus Funckii, Jung. Miilleri, Scap. undulata, J. Schraderi, 
Blasia pusilla, Riccia natans und Grimaldia barbifrons. Speciell durch H. Sýkora, 
Sekretár des Altgrafen Salm, wurden von Štiřín náchst Prag bekannt: Lophocolea hete- 
rophylla, Tricholea Tomentella, Lejeunia serpyllifola, Fossombronia pusilla (F. cri- 
stata Lindb.), Aneura palmata, Anthoceros laevis und punctatus, und die fragliche Mar- 
chantia Sykorae Corda. Zu diesen erwarb Opiz die Jung. minuta (als Gymnom. 
| concinnatum), J. connivens, J. exsecta, J. albicans, J. divaricata, Scapania curta, 
Seap. nemorosa und Riecia ciliata. 

Der Apotheker Krest. Funck aus Gefrees, welcher im Jahre 1819 die Sudeten 
durchforscht hatte, vermehrte die bisherige Anzahl um Sacroscyphus Ehrharti, Harpanthus 
seutatus, Jung. lanceolata, julacea, saxicola, Taylort, anomala, inflata und alpestris. 

Gleichzeitig ist die geringe Zahl einheimischer Naturforscher um einen eifrigen 

Arbeiter gewachsen. Dies ist der ehemalige Museums-Assistent Aug. Jos. Corda (1809 
bis 1849). In seinen Werken: Genera Hepaticarum 1828; — Monographia Rhizo- 

| spermarum et Hepaticarum im J. 1829, besonders aber in „Jungermanmen Deutsch- 
lands (1830—35)“ (sowie auch in der Natura. der Lebermoose von Nees v. Esenbeck) 
erscheinen als neu besonders folgende Species: Jung. Menzelii Corda, J. barbata, J. 
lycopodioides, J. orcadensis, J. porphyroleuca, Scap. trrigua, Seap. rosacea Corda, 

Alicularia minor, Lejeunia minutisstma, Riceia sorocarpa, Haplomitrium Hookerť und 
Moerkia hibernica, 

E- Andere wichtige Ergebnisse aus der Durchforschung des Riesengebirges haben 
zu ihren Urhebern den Nees v. Esenbeck und v. Flotow. — Major L. v. Flotow be- 
reicherte unser Lebermoosverzeichniss durch Gymnom. concinnatum, Sceap. uliginosa, 
J. subapicalis, J. nana, J. obovata, J. sphaerocarpa, J. Wentzelii, J. Floerkei, J. 
setacea, Lophocolea minor, Harpanthus Flotowianus, Madotheca laevigata, Pellia ca- 
lycina und Duvalia rupestris. 

k Dem treuen Gesellschafter v. Flotow's, Nees v. Esenbeck, (7 1858 in Breslau), 
ist es gelungen nachfolgende neue Arten auf unseren Sudeten zu ergrůnden: Gymnomaitrium 
coralloides, Scapania compacta, Scap. aeguiloba, Jung. Michauxii, J. tersa, J. atte- 
nuata, J. rubella, J. setiformis, J. catenulata, Madotheca Porella und Moerkia 
norvegica. 

Angespornt durch Opiz und durch dessen Tauschverein wohl auch orientirt wid- 

„meten in den vierzigen Jahren mehrere, zum Theile auch noch jezt erspriesslich wirkende 
Pfianzenfreunde ihre freien Stunden dem Durchforschen ihres Wirkungskreises, wovon so 
mancher seltenere Fund die Folge gewesen. Es sind insbesondere die Herren Wondráček, 
Kalmus, Menzel, Siegmund, Neumann, Langer, Schobl, Tuček, Fórster, Kratzmann, 
Čeněk, Peyl, Pokorný, Veselský, Roth, Winkler, Karl, Hrabal, Lorinser und weiter 
auch in spáteren Jahren H. Watzel, Sachs, Braun, Frau Josefine Kablík und v. Leon- 


8 G-eschichtliches. 


hardi, — In die Zeit dieses Sammeleifers, námlich ins Jahr 1852 fállt auch die Publi- 
kation „Seznam rostlin květeny české“ von Max. Opiz. Darin werden schon 104 Le- 
bermoos-Arten von Bůhmen angefůhrt, worunter zwar auch einige Schwáchlinge (wie z. B. 
Jung. vaginata Op., Metzgeria laetevirens Op., March. macrocephala Čda., March. 
Kablikiana CČda; und andere anderenorts einzureihende Formen, die aber mit den von 
Opiz als Varietáten jetzt aber als Arten angefůhrten Formen das Maas halten. — Nicht 
um vieles spáter, námlich im J. 1856, war es dem Prof. Lehmann gelungen bei Marienbad 
einen seltenen Fund in Notothylas feřtilis zu machen. 

Im Laufe der letzten 25 Jahre hat sich das hepatologische Studium eine noch 
erspriesslichere Aufgabe vorgeschrieben, als deren Resultate mehrere Lokalfloren entstanden 
sind. Als erste davon ist die wohl vom H. Pfarrer G. Menzel verfasste und in der von 
Dr. J. Plumert publicirten Schrift „der Curort Liebwerda“ veroffentlichte Schilderung 
jener Lebermoose, welche die Reichenbere-Friedlánder Gegend und die sůdlichen Abhánge 
des Isergebirges bowohnen. 

Unter den 69 Arten (leider ohne Lokalitátsangabe), worunter besonders die J. 
resupinata (saxicola), J. curvula, J. pumila, Madotheca laevigata und Diplomitrium 
LDyelliů Erwáhnung verdienen, erscheint wenigstens die Jung. cordifolta, Alicularia com- 
pressa und Saccogyne víticulosa fůr Bůhmen úberhaupt als sehr zweifelhaft. 

Unter den zahlreichen Arten, die H. G. Limpricht aus Breslau im J. 1870 im 
Iser- und Riesengebirge gesammelt, ist besonders die Lophocolea cuspidata Limpricht, 
Sarcoscyphus adustus, Sare. sphacelatus, Sare. denstfolus, Jung. obovata, J. sphae- 
rocarpa, J. tersa, J. alpestris, J. Floerke, J. Juratzkana Limpr. J. nana, J. obtu- 
sifolia, Scapanta umbrosa, Scap. úrrigua, Plagiochila interrupta und Sphagnecoetis 
communis bemerkenswerth. — Auch die im Realschulprogramm vom J. 1874 vom H. Dřr. 
Watzel in Bóhm. Leipa verfasste Lokalflora verzeichnet als neu die Geocalyx graveolens 
und Mastigobr. dejlecum. 

Dem Verfasser dieser Monographie ist es wáhrend eines Decenniums, worin er 
seine Heimat kreuz und guer einer sorgfáltigen Besichtigung unterworfen, auch gelungen, 
nicht nur das Gebiet bereits bekannter Arten zu erweitern, sondern auch zu diesen mehrere 
fůr Bóohmen neue Arten zu gewinnen. So brachte er ums J. 1875 von Písek in Sůd- 
běhmen Jung. hyalina, J. Stark, Lejeunia serpyllifola und Reboulia hemisphaerica, 
fůr welche letztere ein zweiter Standort im J. 1880 am Běsig und von Prof. Dr. Cela- 
kovský bei Chotzen gewonnen wurde. — Die Turnáuer Umgebung mit dem Jeschkenberg 
hat dargeboten: Aneura pínguis, Geocalyx, Lophocolea cuspidata, J. Zeyheri, J. com- 
nivens, J. Taylori, J. attenata, J. orcadensis, J. bicrenata (auch am Mileschauer mit 
J. hyalina), J. incisa, Fossombronta pusilla Lindb., Pellia calycína Preissia und Metz- 
geria pubescens. — Das Prager Gebiet wird bei Chabern von zwei Seltenheiten, námlich 
der Rřecta erystallina und R. Bischoffit bewohnt. — Durch einen zweimaligen Besuch 
des Bohmerwaldes hat der Verfasser die Úberzeugung gewonnen, das dieser Gebirgszug 
mit den Sudeten in vieler Beziehune hepatologisch úbereinstimmt und dass er auch einige 
Raritáten, wie Hossomdr. pusilla Lindb., J. anomala, J. lamceolata, J. curvifolia, J. 
Můllert und Aneura palmata mit A. latifrons beherbergt. An diese reiht sich auch 
Harvpanthus scutatus, der unter den Exsicaten des Dr. Em. Purkyně eruirt wurde. 

Ein dreimaliger Besuch des něrdlichen und nordostlichen Bohmens ergab zwar 
sehr wenig Neues fůr uns, war aber in der Hinsicht sehr lohnend, dass von vielen, nur 
vom Gebirgskamme bekannten Arten, oder anderentheils von Lebermoosen, deren Ver- 
breitung bei uns frůher in sehr enge Grenzen gezogen werden musste, viele neue Orts- 
angaben sichergestellt werden konnten. 

Als vóllig neu kann ich nur die Madotheca rivularis hinstellen, welche einen 
Gebirgsbach des sůdlichen Glatzer-Schneeberg-Gebirgszuges bewohnt; nebstdem wurden aber 
neue Lokalititen fůr Scapanta compacta, Scap. umbrosa, irrigua, uliginosa und Jung. 
obtusifola (bisher bei uns wenig bekannt), fůr Jung. acuta, rubella, lanceolata, Starků, 
Michaueii, Mastigobryum deflexum und Anthoceros laevis gewonnen. 

Die bisher sehr wenig berůcksichtiete Gebiresgegend něrdlich von Neuwelt bis zu 
der Elbe- und Pantschewiese, welche der ehemalige Assistent des kón. běhm. Museums 


Geschichtliches, 9 


fr. Sitenský einer grůndlichen Durchforschung (in Betreff der dort sehr verbreiteten 
Sphagneten) unterworfen, erschien wiederum als ein mit den ůúbrigen hepatologisch 
oleichartiger Theil des Sudetenzuges, indem sich daselbst die meisten Formen, wie Jung. 
obovata, inflata, setacea, Floerket, lycopodioides, attenuata, Taylori (anomala), con- 
mivens, incisa, Scapama úrrigua, umbrosa, uliginosa und ein ganz grůner Sarcoscyphus 
sphacelatus var. erytrorhyzus wiederholen. 

Nach Allem dem ist die Zahl der einheimischen Lebermoosarten im Sinne der vom 
H. G. Limpricht verfassten Lebermoosflora des benachbarten Schlesiens auf 124 Arten 
anzuschlagen, mit strengem Ausschluss derjenigen Arten, welche bisher als náchste Ange- 
horige des něrdlichen Grenzstaates sich erwiesen haben, námlich der Riceta minima, Ric. 
bifurca, Aneura pinnatifida, A. multifida, Blyttia Lyellů, J. caespiticia, Hornschu- 
chtana, socia, Mildeana, Franciset, dentata, Hookeriana, Frullama fragilifolia und 
Fossombronia Dumortiert, auf eine Zahl also, die eigentlich nur um sechs Arten von 
der unserigen differirt (mit Růcksicht auf die, im Vergleiche mit Schlesien fůr Bóhmen 
eigenen Arten). 

Bezůglich der vertikalen Verbreitune bohmischer Lebermoose kónnen wir nach- 
stehende Ergebnisse verzeichnen: 
Von der Ebene (im Durchschnitte 300 m) bis auťs Hochgebirge verbreitet, aber 
„nur zum Theile als gemein kónnen folgende Arten bezeichnet werden: Rceia glauca, 
Anthoceros laevis, A. punctatus, Fegatella, Marchantia (auch am Gipfel der Schnee- 
koppe), Grimaldia, Metzgeria furcata, Pellia-Arten abwechselnd (P. calycína die Ebene 
und Hůgelregion, P. epřphylla die Vorberge und P. Neestana die Gebirgsregion bevor- 
| zugend), Aneura pinguis,*) Blasta pusilla, Fossombronia pustlla, F. cristata, Frullama 
dilatata, F. Tamarisct, Madotheca platyphylla, Radula complanata, Ptilidtum ciliare, 
Lepidozia reptans, Lophocolea bidentata, minor, heterophylla, Jungermannia bicuspi- 
data, divaricata, trichoplylla, barbata, ventricosa mit var. porphyroleuca, bicrenata, 
intermedia, excisa, tnetsa, crenulata, Scapana curta und Plagiochila asplentotdes. 


Die Hůgelregion und theilweise auch die Vorberge bewohnen: Riceta crystallina, 
sorocarpa, R. ciliata, Notothylas, Reboulia, Preissta, Metzgeria pubescens, Aneura 
palmata, Lejeunia serpyllifoha, Madotheca laevigata, Tricholea Tomentella, Masti- 
gobryum trilobatum, Calypogeia Trichomanis, Geocalyx graveolens, Chiloscyphus po- 
> lyanthos, Lophocolea cuspidata TLimpricht, Jungermannta Míchawei, J. minuta, obtu- 
sifolia, exsecta, albicans, guinguedentata, connivens, hyalina, lanceolata, Menzel, 
Scapanta nemorosa, aeguwloba und compacta, Altcularia scalaris und A. minor. 

Theilweise greifen in dieses Gebiet auch folgende Arten ein: Aneura latifrons, 
Jung. setacea, attenuata, inflata, acuta, Miilleri, Zeyhert, Taylori, Scapana umbrosa, 
| undulata und Vrrigua. 
| Nur im Hochgebirse oder vereinzelt auf seinen Abhángen werden angetroffen : 
- Fimbriaria, pilosa, Měrckia hibermica, M. morvegica, Gymnomitrium concinnatum, 
G. coralloides, Sacroscyphus-Arten, Scapania uliginosa, Jungermannta saaicola, orca- 
- densis, Helleriana, Starků, rubella, Wemtzelii, catenulata, curvifolia, setiformis, ju- 
- lacea, Juratzkana, alpestris, Flórkei, lycopodioides, Schraderi, subapiealis, pumila, 

nana, tersa, obovata, Harpanthus scutatus, H. Flotowianus, Sphagnoecetis commums, 
Plagiochila interrupta, Mastigobryum dejlexum, Madotheca vývulavis und Haplomt- 
trium Hookeri. 

Als wasserliebende sind bekannt: die Joectau fiuitans und Iieetocarpus natans. 

Fůr Bóhmen charakteristisch ist Jungerm. Juratzkana Limpricht und J. Ment- 
zehů Corda, oder da vereinzelt: Lejeunta minutisstma, Fossombronta pusilla Lindb., 
Moórckia, Duvalia, Sacroscyphus densifolius, alpinus und aďustus, Notothylas und 
Ficeia Bischoffii. 


*) seltener! 


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10 Eintheilung in Ordnungen und BFarmmilien. 


JII. Systematische Úbersicht der Lebermoose. 


1. Eintheilung in Ordnungen und Familien. 


A. Kapseln schotenfórmie und zweiklappig, auf der Thallusoberfláche zerstreut, mit © 
kubischen oder mehrzelligen Elateren, —— oder es sind die Kapseln in die. 
Oberfláche eingesenkt, kugelfórmig, unregelmássig aufspringend, ohne Elateren. 


I. Ordnuno. Anthoceroteae N. v. E. — Kapseln schotenfórmig, lang, mit einer 
centralen Columella und am Grunde mit bedeutender Hůlle. Die Schattenseite 
des Thallus schuppenlos. 


II. Ordnuno. Ricetaceae Dmrt. — Kapseln kugelfórmie ohne Columella. Schatten- 


seite des Thallus (exclus. Riccia crystallína) mit 2 oder mehr Lángsreihen von 
Blattschuppen. 


B. Mehrere Kapseln an einem cestielten Fruchtboden. Kapselstiel verkůrzt. Schleu- 
derer lang, einzellig, 2-mehr spirig. 


III. Ordnunog. Marchantiaceae. N. v. E. 


1. Familie. Jecorarieae. — Kapseln in eigenen, strahlenfórmie an der Unterseite 
des Fruchtbodens auslaufenden Fáchern zu 1-—mehreren, meist mit einem Kelch 
umhůllt, hángend. 


2. Familie. Lunularteae. — Fácher 1kapselig, rund um die verdickte Spitze des 
rudimentáren Fruchtbodens horizontal ausgebreitet. 


C. Kapseln einzeln, kugelrund, elliptisch bis walzenfórmie, lang gestielt, mit meist 
4 Klappen oder Záhnen aufspringend, entweder an der Oberfláche des thallus- 
áhnlichen Stammes oder am Gipfel eines beblátterten Stengels. Schleuderer wie bei B. 


IV. Ordnung. Jungermanniaceae Corda (N. v. E.). 


+ Jungermanniae anacrogynae Leitgeb (J. frondosae Autorum). — Der Kapsel- 
stiel von der Oberseite (ausnahmsw. der Unterseite) der Frons oder des Stengels und vor 
seinem Scheitel (anacrogyn) entspringend, an der Basis mit einer kelchartigen Hůlle um- 
schlossen. — Thalluspflanzen meist mit Keulenpapillen unterhalb am Scheitel. Nur os- 
sombronia ist eine beblátterte Stengelpflanze. 


a) Stamm thallusáhnlich, ohne Blattschuppen, oder mit Keulenpapillen an der Endbucht 
seiner Lappen. MSeltener (Blasia) am Rande durch Blátter crenulirt oder mit 2 Reihen von Hůll- 
bláttern auf der Oberseite. 


- «) Blátter und Keulenpapillen fehlen. Fruchtáste mit bedeutender, mehrschichtiger 
Calyptra, theils der Unterseite theils dem Rande der Lappen entspringend. 


1. Familie. Metzgerieae. — Laub, die Mittelrippe ausgenommen, einzellschichtig. 
Fruchtáste von der Unterseite der Mittelrippe ausgehend. 

2. Familie. Aneureae. — Laub mehrschichtig.  Mittelrippe fehlend. Fruchtáste 
randstándie. 


P) Blátter theils randstándig, theils fehlend und durch winzige Keulenpapillen 
vertreten; — oder in 2 Reihen an der Oberseite, wo auch die Frůchte erscheinen. 


9. Familie. Haplolaeneae. — Involucrum einfach, und dann die Pflanze blattlos, 
— oder fehlend und durch eine walzenfórmige Laubauftreibung; vertreten, und 
die Blátter randstándie. 


4. Familie. Diplomitrieae. — Tnvolucrum doppelt. Die Oberseite des Thallus 
mit 2reihigen Hůllbláttern. 


b) Stengel fadenformig, 2reihie schrág bebláttert. Involucrum kelchartig. 


Eintheilung in Ordnuncen und Familien, 1 


5. Familie. Codonieae. 


TT Jungermanniae acrogynae Leitgeb (J. foliosae Autorum). — Kapselstiel vom 
Scheitel (acrogyn) eines fadenfórmigen Stengels oder seiner Áste hervorstrebend (exclus. 
Haplomitrium), an der Basis mit aus Bláttern erwachsenem Kelche umhůllt. — Nur 
Blattpflanzen. 


a) Stengel 2rcihig bebláttert, oder noch mit einer dritten Reihe von meist unansehnlichen 
Unterbláttern. 

«) Kelch deutlich, mehr oder weniger úber die Hůllblátter hervortretend und meist 
frei, Selten ist der Kelch durch einen schlauchartigen Fruchtast vertreten. 


aa) Blátter gečhrt. Das Ohrchen bei Axillarbláttern nicht immer entwickelt. 


6. Familie. /nbuleae. — Kelch stielrund, aufgeblasen oder kantig, am Ende in 
ein Róhrchen verenst.  Unterblátter eingeschnitten oder ausgerandet. 


7. Familie. Platyphylleae. — Kelch von vorne nach hinten plattgedrůckt. Unter- 
blátter ungetheilt — oder fehlend. 


BP) Blátter ohne Óhrchen, ganzrandig oder gezáhnt, gelappt bis hand- 
fórmig getheilt. 


* Blátter handfórmig getheilt, oder 3—4záhnig. Unterblátter úberall deutlich, mit 
den seitlichen gleichfórmic. 


8. Familie. Přilidieae. — Kelch walzenfórmig, gegen die Můndung keilenfórmig 
aufgeblasen, oder fehlend und durch einen aufrechten schlauchartigen Fruchtast 
vertreten. — Bl. handfórmig getheilt, am Rande mit einfachen oder verástelten 
pfriemenfórmigen Lacinien. 


9. Familie. Lepidozieae. — Kelch walzenfórmig. — Blátter handfórmig getheilt, 
oder 3—4záhnig, sonst ganzrandig. — Stengel oft mit armbláttrigen Flagellen. 


** PBlátter ganzrandig, — oder 2- bis mehrlappig oder záhn- bis handfórmig 
getheilt. Unterblátter selten deutlich und dann besonders gegen den Scheitel und meist bei 2lappig- 
bláttrigen Arten deutlich. — Fruchtast schlauchfórmie ins Substrat eingesenkt, — oder normal 

- gestaltet und aufstrebend bis aufrecht. 

10. Familie. Geocalyceae. — Fruchtast schlauchformie, eingesenkt.  Blátter ganz 

und ausgerandet, oder durch eine rechtwinkelige Bucht scharf und kurz zweilappig. 


. Familie. Jungermannteae. — Kelch úber die Hůllblátter mehr oder weniger 
honí aufrecht. Blátter verschiedencestaltig. 


P) Kelch fehlend, oder undeutlich und durch Hůllblátter gánzlich versteckt. 
. Familie. Gymnomitrieae. — Hůllblátter die Můtze als Vertreter des Kelches 


oder diesen selbst gánzlich umhůllend und mit diesem oberhalb des vertieften 
Vegetationspunktes scheinbar verwachsen. 

| 

| 

ů 

: 

| 

: 


b) Blátter 3reihig, alle gleichfórmig und ungetheilt. Kelch fehlend. Můtze walzenfórmig, 
dickwandig und anakrogyn. 


13. Familie. Haplomitrieae. 


2. Kurze systematische Uebersicht der Gattungen mit Angabe der 
Artenzahl. 


I. Ordnuns. Anthoceroteae. 1. Anthoceros (2 Arten). — 2. Notothylas (1 A.). 
II. Ordnung. Riceiaceae. 3. Riceia (6 A.). — 4. Ricciocarpus (1 A.). 
III. Ordnune. Marchantiaceae. 


1. Familie. Jecorarieae. — 5. Grimaldia (1 A.). — 6. Fimbriaria (1 A.). — 
7. Reboulia (1 A.). — 8. Fegatella (1 A.). — 9. Preissia (1 A.). — 10. Mar- 
chantia (1 A.). — 11. Duvalia (1 A.). 


12 Notothylas. 


2. Familie. Lunularieae. — 12. Lunularia (1 A.). 

IV. Ordnuno. Jungermanniaceae. 

A. Anacrogynae. 

3. Familie. Metzgerteae. — 13. Metzgeria (2 A.). 

4. Familie. Anewreae. — 14. Aneura (3 A.). 

5. Familie. Haplolaeneae. — 15. Blasia (1 A.). — 16. Pellia (3 A.). 

6. Familie. Dýplomitrieae. — 17. Mórckia (2 A.). 

7. Familie. GCodonteae. — 18. Fossombronia (2 A.). 

B. Acrogynae. 

8. Familie. Iubuleae. — 19. Lejeunia (2 A.). — 20. Frullania (2 A.). 

9. Familie. Platyphylleae. — 21. Madotheca (8 A.). — 22. Radula (1 A.). 
10. Familie. Přilidřeae. — 23. Trichocolea (1 A.). — 24. Ptilidium (1 A.). 
11. Familie. Lepidozieae. — 25. Mastigobryum (2 A.). — 26. Lepidozia (1 A.). 


. Familie. Geocalyceae. — 27. Geocalyx (1 A.). — 28. Calypogeia (1 A.). 


„ Familie. Jungermanmeae. — 29. Chiloseyphus (1 A.). — 30. Harpanthus 
(2 A.). — 31. Lophocolea (4 A.). — 32. Plagiochila (2 A.). — 33. Scapania 
(8 A.). — 34. Jungermannia (48 A.). — 35. Sphagnecoetis (1 A.). 

14. Familie. Gymnomitrieae. —— 36. Alicularia (2 A.). — 37. Sarcoscyphus 

(6 A.). — 38. Gymnomitrium (3 A.). 
15. Familie. Haptomitrieae. — 39. Haplomitrium (1 A.). 


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ké o) 


I. Ordnung. Anthoceroteae Nees v. Esenb. 


Thallus kreisrund, viellappig, rúppenlos und mehrschichtig, oberseits ohne Fpt- 
dermis, unterseits mit Poren und Wurzelhaaren. Zellen met je einem grossen Chloro- 
phyllkorn. Geschlechtsorgane m Inneren des Thallus. Involucrum walzenfórmig. Můitze 
fehlend. © Sporen tetraedrisch, mit 1zelligen kubischen oder mehrzelligen, bandfórmigen 
Schleuderern untermischt. 


Gattungen: 


1. Notothylas. Kapsel kurz (2 mm Ig.), cylindrisch, mit horizontal nieder- 
liegendem oder etwas aufgerichtetem Involucrum eingeschlossen. Schleuderer 1zellig. 


2. Anthoceros. Kapsel lang, 4seitig, das aufrechte Involucrum weit úberragend. 
Schleuderer mehrzellig. 


1. Notothylas Sulliv. 


1. N. fertilis Milde (1859). — (N. valvata Sulliv. var. $ Gottsche. — Antho- 
ceros Austin 1875.) — Thallus angedrůckt, am kreisrunden Umfange mit keilfórmigen 
Lacinien. Lappenrand 1schichtig, gegen die Mitte 11schichtig. Alle Inmenzellen wasser- 
hell. Kapselwandung Sschichtig; dussere Zellenlage ohne Poren, verbogem rectanguldr, 
stark verdickt. Schleuderer hyalin, mečst mit spťraligen, braunen Verdickungsstretfen. 
Sporen slatt. 

Thallus grůn, 3—7 mm breit, concav. Kapselklappen rinnenfórmig; ihre inneren Zell- 


schichten hyalin. Mittelsáulchen frůh in Schleuderzellen sich auflósend. Sporen dunkelbraun bis 
schwárzlich. 


A nthoceros. — Ricciaceae. 13 


Einháusig. © Frucht im Herbste. 
Auf Aeckern, sehr selten. — Marienbad (Lehmann nach Limpricht um d. J. 1856). 


— (Gleichzeitig von Prof. Milde bei Gráťfenberg im Gesenke unter Anthoceros, Fossom- 


bronia und Riceia gefunden). 


2. Anthoceros Mich. 
1. A. punctatus L. (Presl: Obrazy, XXII. fig. 1471 u. 1472.). — Thallus am 


- Rande aufsteigend, wellig-kraus, mt dichten Blattschuppen auf der Oberfláche, und 


grossen Lufthóhlen und Oeltropfen. Involucrum cylindrisch. Sporen schwarzbraun, díchtť 


stachelig. 


Thallus lichterůn, getrocknet schwarzbraun etwas glánzend. Involucrum 4—6 mm, und 
Kapsel 2—6 em lang. Kapselwand 4schichtig; die áussere Schicht mt gestreckten Zellen und Porem. 


Einháusig. (© Fr. im Sommer (Juli) und Herbste. 


Auf feuchteren Aeckern, (besonders auf Stoppeln der Winterfrucht), Feld- und 
Hohlwegen u. der. gl., wie es scheint im ganzen Lande bis in die Gebirgsregion ver- 


- breitet. — Prag: Stoppeln bei Chabern! — Štiřín náchst Eule (Sýkora)! — Trchowy 
- náchst Čekaniz (Velenovský)! © Maleniz und Elschowiz bei Wolin! — Karlsbad (Corda)! 


Michaloviz bei Jungbunzlau! — Turnau, stellenweise auf Aeckern und an feuchten Feld- 
wegen massenhaft! — Waldgraben bei Stružinez náchst Libstadtel! — Jeschken, Sůd- 
abhang auf Aeckern! — Vorberge des Riesengebirges und dessen Culturland, so bei Při- 
chowiz, Neuwelt. — Hohenelbe. — Johannisbad. — Freiheit und Trautenau, da úberall 
mit A. laevis die Ackerkrumme bewohnend! — Gualich! — Bad Rezek bei Neustadt an 
d. Mettau! — Eschenberg oberhalb Mohrau beim Glatzer Schneeberg! 


2. A. laevis L. (Corda: Monogr. Rhiz. et Hep. 1829. — Presl: Obrazy: XXII. 
fig. 1524 u. 1528). — Thallus berall abgeflacht und glatt. Lufthohlen und Oeltropfen 
fehlen. Involucrum gegen die Můndung etwas erweitert.  Schleuderer u. Sporen gelblich ; 
diese dichtgekórnelt. 


Thallus dunkelgrůn, fettelánzend. Involucrum und Kapsel wie bei vor., diese aber meist 
lichter gefárbt. Rosetten oft gegen 3 cm breit. Sonst wie vor. 


Einháusig (oder polyoecisch ?) (©) Fr. im Sommer und Herbste. 


Standorte wie beim vor., nebstdem auch in Waldgráben, in Gesellschaft vom 
Sphagnen und in Gemůsegárten, wie der vor. verbreitet. — Štiřín náchst Eule (Sýkora)! 
— Kolín (Peyl)! — Trchowy náchst Čekaniz (Velenovský). — Nordabhang des Blaniker 
Berges b. Vlaším unter Sphagnum! — Platz in Sůdbohm. (Leonhardi)! — Rosenberg 
oberhalb der Ságe im Waldgraben! — Bóhm. Kamniz (Karl)! — Turnau auf Sandfeldern, 
besonders zwischen Waldstein und Gross-Skal in enormer Menge! — Reichenberg (Sieg- 
mund)! — Am Fusse des Riesengebirges bei Tannwald. — Neu-Welt. — Hohenelbe. — 
Johannisbad und Trautenau gemein! — Wiesengraben náchst dem Eingange in die Weckels- 
dorfer Felsenvorstadt! — Feld in Unter-Adersbach ! — Adlerkosteletz an Kleefeldern gegen 
Wyhnanow, da massenhaft!  Grossmohrau und Lipka-Felder náchst Grulich, wohl der 
hochste Standort! 


I. Ordnung. Riceiaceae Dmrt. 


Thallus gabelig getheilt, meist in Rosetten, met Poren auf der Licht- und dlatt- 
artigen Schiippchen auf der Schattenseite. Kapseln stiellos, der Oberfláche eingesenkt 
und mit deren Gewebe warzenfórmig úberwělbt. Sporen tetraedrisch, meřst netzfaltig. 
Schleuderer fehlen. 


i 
14 Ricciocarpus. — Riccia, i 
Gattungen: | | 
1. Ricciocarpus. Thalluslappen mehrreihig schuppig. Antheridien in einer Reihe © 
der Mittelfurche. Poren durch einem Zellring umschlossem, mit grossen Luft- © 


kammern verbunden. 


2. Riccia. Blattschuppen Zrečhig oder fehlend (R. cryst.). Antheridien veremzelt 
in der Mittelfurche. Die Poren als Luftgánge oder Luftkammern im Alter oft 
sehr erweitert. 


1. Ricciocarpus Corda. 


1. R. natans Corda. (Riccia natans L. — Salviniella . Hůben. — Presl: Obr. 
XXII. fig. 1470). — Thallus in einzelne dichotomische Laubstůcke zerrissen. Diese Bret 
verkehrt herzfórmig, 2- oder Alappig, omt třefer Mittelfurche, sonst flach. Rauchseite 
mit langen lanzett-linealen Blattschuppen.  Kapseln in gerader oder zackiger Reihe. 
Sporen schwarzbraun, gekórnelt. 

Laubstůcke dunkelgrůn, am Rande blass oder purpurn, gegen 5 mm lg. und 7 mm breit. 
Unten purpurn. Blattschuppen (2reihig angelegt) spůter mehrreihig, purpurn oder blass, se/avach und 


entfernt gezdhní, nur am der Landpjflanze mit Wurzelfasern untermengt. Bei der Fruchtreife fangen 
die Lappen an sich dichotom zu zerreissen.j 


Zweiháusig. — (©9)? — Frůchte sehr selten, im Herbste. 

Auf stehenden Gewássern in der Ebene und Hůgelregion, bisher nur stellenweise 
beobachtet. Selten auf fester Unterlage. — Bei Opiz schon 1823, von Haencke gesammelt 
angefůhrt. — Kolín (Peyl, Veselský)! — Rakonizer Teich (Čelakovský). — Niemes (Lo- 
rinser)! — Ražic bd. Písek im Bahngraben! — Frauenberg bei Budweis im Bahngraben! 
— Boóhm. Fellern bei Budweis! — Im Graben des „Nový“ Teiches náchst Čekaniz und 
in dessen Abfluss (Velenovský)! — Im Teiche „Velký Dubovez“ náchst Lomniz in Sůd- 
bohmen (Weidmann)! 


2. Riceia Mich. 


a) Riccia im eng. Sinne. — Thallus rosettenfórmie, oft (in der Jugend) nur als dicho- 
tomes Laubstůck sich prásentirend. Kapseln auf der Licht-seite des Thallus sich óffnend. — 
Landpflanzen. 

«) Lichenoides Bisch. Lappen oberseits glatt, oder nur durch aufstrebende Epi- 
dermiszellen papillós. 


+ Lappenrand ohne Haare und Wimpern. 


1. R. glauca L. — Lappen úiberal! gleich dick, verkehrt eifórmig, linealisch 
oder keilfórmig, abgerundet und ausgerandet, mehr oder weniger flach, nach den Enden 
rinnenfórmig. Sporen gelb- bis dunkelbraun, oder schwarzbraun, met deutlichem Saume 


gefeldert. 
Blaugrůn, am Rande oft entfárbt. Rosetten bis 2'5 cm und einzelne Lappen 1—3'5 mm breit. 


a) major Lindenb. — Lappen verkehrt eifórmig bis herzfórmig, mit Ausschluss der End- 
Poe Jflach.  Sporen gelbbraun, durchscheinend, mit Bedeutendem glatten Saume. Felder im Um- 
fange 20—25. Die graden Sporenfláchen weniger regelmássig gefeldert. 


0) minor Lindenb. Lappen keilfórmig, ring. Sporen dunkelbraun, weniger durchscheinend. 
Baum unregelměsstg, fein gekórnelt. Welder im Umfange 16—18, grósser, auf graden Fláchen selten 
regelmássic. 


c) minima Lindenb. (non L.). Lappen lichtgrůn, schmal linealisch, flach. Sporen kaum 
durchscheinend, mt breitem, bráunlichem nicht ganz glatten Saume. Alle Fláchen regelměssig, ge- 
feldert; Welder meist 25! 


Einháusig. — (© — (oder ausdauernd ?). Frucht im Sommer und Herbste. 
Auf feuchter Gartenerde, Schlamm und Aeckern von der Ebene bis in die Ge- 


birgstháler wohl gemein. — Prag, Vereinsgarten (Leonhardi)! Roztok (SchobI)! Sele (Opiz). 
Chabern, Pelz und Tirolka! — Mičhálomiž bei Jungbunzlau! — Turnau! — Čekaniz, an 


Ricoia. 15 


be 


Feldern bei Trchowy (Velenovský)! — Jeschken, Felder am Sůdabhang! — Reichenberg 
(Siegmund)! — Tannwald, Příchowiz, Neuwelt und lángst am Fusse des Riesengebirges! 
— Felder bei Adersbach und Neustadt an der Mettau! — Adlerkosteletz, Wyhnanow. — 
Eschenberg oberhalb Mohrau! 


| 2. R. sorocarpa Bisch. (Presl: Obr. XXII. fig. 1478). — Lappen unterseits 
úberall stark verdickt, comnvex, lánglich, zugespitzt oder stumpflich. Oberfláche mit 
scharfer Lčngsfláche, jedoch ohne Rinne, am Rande flach. Sporen undurchsichtig; Saum 
unregelmássig, kaum durchscheinend. Ihre Grundfláche durch gekůrnelte dicke Leisten 
gefeldert, Seitenfláchen dicht stachelig. 

Rosetten blaugrůn, bis 1 cm breit, durch lange, dichte weissliche Wurzelfasern dem Substrat 
fest angeheftet. Reife Sporen in schvwarzbraunem Hůujlein dem Laubstiicken aufsitzend, 

Einháusig. (©) Frůchte im Sommer und Herbste. 

Auf trockenen Lehnen, Waldabhángen, an Strassengráben, ja sogar auf denselben 
„Lokalitáten wie R. glauca, jedoch nicht so háufig und zahlreich. — Prag: An Lehnen 
und im Vereinsgarten (Leonhardi)! Waldabhang bei Záwisť! — Otawalehne unter der 

sogen. „Flachsdórre“ bei Písek! — Felder bei Prachatiz unter R. glauca! — Turnau 
- am Kleefelde! — Reichenberg (Corda)! — Am trockenen Strassengraben oberhalb Tann- 
| wald gegen Přichowiz mit zahlreicherer R. glauca! — Kůniggrátz (Čeněk)! 


| * R. minima L. Lappen keilfórmig, unterseits sehr verdickt und dunkelviolett. 

- Sporen dunkelbraun, mit hellerem, durchscheinendem Saume. Felder klen, zahlreich, weniger regel- 
mássig; ihre Leisten gekórnelt, dick. — Einháusig. © Fr. im Herbste und Winter. — Bis jetzt 
nur am Fusse des Riesengebirges in ausgetrockneten Gráben bei Warmbrunn und Hirschberg 
in Schlesien. 


- Anmerkung. Nach F. Stephani (Neue und kritische Arten der Gattung Riccia) ist R. soro- 
carpa Bisch. mit R. minima L. identisch, und daher der erstere Name einzuziehen. 
(Siehe: Referat im Bot. Centralblatt, Bd. XXII. Nr. 12. pas. 356 Jahr 1885). 


** R. bifurca Hoffm. Lappen je 2 divergirend, durch (aufgekehrte, dicke Laub- 

ránder flach-rinnenfórmig, unterseits purpurn oder dunkelviolett. Sporen wenig oder undurchsichtig, 
mit durchscheinendem Saume. Leisten der weniger gleich grossen Felder glatt. — Einháusig. O 

© Fr. im Sommer. — Auf Ackern bei Hirschbers und anderswo (Cudova) in Schlesien, resp. in Glatz. 


++ Laubránder mit Wimperhaaren oder Spreubláttchen. 


3. R. ciliata Hoffm. Lappen Zťnear oder keilfórmig, verlůngert, am Ende 
růnnig, schwach ausgerandet, am ganzen Rande mit steifen, einseitig verdickten Wim- 
perhaarem.  Sporen schwarz, undurchsichtig, durch gekórnelte Leistchen in kleine un- 
deutliche Felder eingetheilt. 

Rosetten seltener zusammenhángend, gegen 1 cm breit, beiderseits Blaugriin.  Wimper- 
borsten mehrreihig, besonders an trockenen aufwárts gebogenen Rándern auffallend.  Sporensaum 
nicht durchscheřnend, zuweilen stumpf záhnic. 

Einháusig. (©) Fr. im Herbste. 

Auf Kleefeldern, sandigen Flussufern, Bergabhángen und derel. in der Ebene und 
Hůgelregion zerstreut. — Prag: bei Bubna und Podbaba, wohl am Moldauufer (Čorda in 
Sturm Fl. germ.). Hetzinsel (Opiz) Vereinsgarten (Leonhardi)! — Ounětiz und Tupadly 
schon im J. 1823 (Opiz). — Am Moldauufer gegeniber Roztok mit R. glauca und 
R. crystallina! — Turnau: auf Kleefeldern bei Waldstein! — Kleefeld am Fusse des 
Bósig (Márz 1880)! — Kleefeld bei Michalowiz náchst Jungbunzlau in enormer Menge! 


4. R. Bischoffii Hůben. (Presl: Obr. XXII. fig. 1476 u. 1477.) — Lappen fast 
rundlich verkehrt herzfórmig, mánnliche meist linear oder keilfórmig, mit schwacher, 
gegen die Spitze tieferer und oft dreieckig erweiterter Furche. Schattenseite sehr 
verdickt. Randwimpern kurz und spárlicher, an der Endbucht durch breitere Spreubláttchen 
„vertreten. Sporen nicht gesumt. und ohne Felder, dřcht und fein warzig. 

Rosetten sehr selten zusammenhángend, čfters in einzelne oder paarige Gabellappen 
zerfallen, von 4 mm L. und 3 zm Breite. Blaugrůn, am Rande entfárbt, unterseits manchmal 


ganz oder theilweise purpurn. Die Lichtseite mit dichten, besonders gegen die Lappenenden 
„merklichen Papillen. Die „Wimpern“ entspringen der Schattenseite als Enden der Blattschuppen, 


16 Ricoia. 


und sind daher am umgerollten trockenen Rande oder gegen die Spitze mehr auffallend, aber nicht 


so deutlich, wie běi der vor. Die Wurzelfasern laufen nur von der kielartigen Mittellienie aus. i 


Zweiháusig. 23% (Gegenůber bisherigen Angaben).  Fruchtet im Herbste. 


Auf verwittertem, spárlich huměsen Silurschiefer. — Im J. 1878 in Chabern 
náchst Prag am sogenannten „Schlósschen“ von mir entdeekt. Daselbst zu verschiedenen 


Jahreszeiten beobachtet gedeiht sie, immer weiter sich vermehrend, fort, ohne dass an. 


ihr bis jetzt die Frůchte angetroffen werden konnten. — Am Růcken des Dablitzer Berges 
bei Prag mit bedeutenden Lappen am 14. Februar 1881! — In einer Felsenspalte des 
Silurguarzes im Přemyšleňer Thal bei Prag, der Můhle gegenůber im Márz 1881! 


PB) Spongodes N. v. E. Lappen-Oberfláche schwammig-gruftig. 


5. R. crystallina L. (R. cavernosa Hoffm.) — Lappen gelblich griin, durch die 
erwetterten Lufthóhlen sehr bald dícht gruftig und schwammartig, úberall fast gleich 
dick. Blattschuppen der Unterseite fehlen. Sporen schwarzbraun, schwach durchscheinend, 
durch gekórnelte Leisten in wenige (5-—7 im Durchm.) Felder getheilt. Randsaum braun, 
fein crenulirt. 

Rosetten 7 mm bis 2:5 em breit, Anfangs wie bethaut, glánzend, spáter matt. Die Haupt- 
áste von kurzen Gabelástchen scheinbar erenulirt, am Rande ziemlich verdickt, sonst flach, oder nur 
auf dem Láppchen seicht rinnig. Durch die Erweiterung der Anfangs kleinen Poren, wird die 
Oberfláche schwammig und die gelbgrůne Farbe fahl, fast rostfarbig. — Obwohl fůr einjáhrig ge- 
halten, entwickelt sie, wie ich an ihr im November 1879 beobachtet, am Lappenende einzelne 
oder gepaarte Innovationen, wodurch sie sich wohl fůr den náchsten Frůhling weiter erhált. — 
Die Sporen haben ungleiche Felder, bald rundlich sechseckige, bald lángliche. Der Saum pflegt 
auch lichter vorzukommen. 


Einháusig. (©), wenn nicht zugleich 24. Fr. im Sommer und Herbst. 


Auf feuchtem fettem Grunde, besonders auf ausgetrockneten umgeackerten Wiesen, 
Schlammufern, trocken gelegten Teichen und dergl., bisher nur spárlich beobachtet, jedoch 
auf ihrem Standort oft massenhaft. — Reichenberg? (Corda?). — Sichergestellt wurde 
sie zuerst von der Prager Umgebung, wo ich selbe im J. 1876 zugleich mit einer an- 
deren Specialitát, námlich mit Juncus sphaerocarpus bei Chabern auf einer trocken 
gelegten umgeackerten kleinen Wiesenfláche („bei den Teichlein“) zuerst gefunden. Daselbst 
ist sie gánzlich verschwunden, erschien aber im J. 1879 auf áhnlicher nahen Lokalitát 
(oberhalb des Strassenkanals) in enormer Menge. — Am Moldauufer gegenůber Roztok 
unter R. ciliata und R. glauca! — Bei Kolín něordlich am rechten Elbeufer an der 
Strasse nach Weltrub, auf feuchter Brache mit Scirpus supinus in Menge (1881 
Celakovský)! 

d) Ricciella A. Br. In aufrechten Rasen, oder in schmal linearischen, anscheinend 


dichotomischen Lappen als Ueberzug feuchter Ufern, wenn nicht im Wasser lose herumschwimmend. 
Sporenkapseln auf der Schattenseite sich entleerend. 


6. R. fluitans L. (Riccia eudichotoma Bisch. — Presl. Všeob. Rostl. pag. 1825). 
— Lappen sehmal linear, wiederholt gegabelt, jedoch oft mit uneleichen Láppchen, lángst 
der Mittellinie schwach verdickt. Die Unterseite unterhald des Vegetationspunktes mat 
einer, seltener doppelten, mečst purpurnen Blattscehuppe. Daselbst, vom Gipfel entfernt, 
die Sporenbehálter. Sporen braun, durchscheinend, dreit gesdumt, durch hohe gekórnelte 
Leisten auf der Grundflůche 2% ungleich grosse, wentger Felde getheilt. Leisten der Seiten- 
fláchen zum The stachelartig, ungleichgross und unregelměissig in einander miindend. 


Lappen 05 mm breit, ofters meist am Ende ein wenig breiter und, je nach der Lokalitát, 
mehrere em lang. Die Lappenden sind theils gegabelt und dann jedes abgerundet, oder schwach 
ausgerandet. Die Wasserpflanze hat keine Wurzelhaare. Die Sporenleisten čfters durch Stachel- 
reihen vertreten. Wie bei Ricciocarpus ist auch da jede Pore durch einen Zellring umschlossen. 


Einháusig. (© Fr. (auch bei Pflanzen, die zeitweise unter Wasser stehen) im 
Herbste. — 


In stehenden Gewássern, so in Teichen, Gráben, seltener an ihren Ufern (R. var. 
canaliculata Hoffm.) stellenweise beobachtet. Prag: Baumgarten (Opiz u. andere)! 


Marchantiaceae. 17 


- Niemes (Lorinser)! — Jičín im Stadtteiche sehr zahlreich (Sitenský). — Počátek an der 
"Iglau (Dr. Pokorný)! — Soběslau im Teiche „Nadýmač“ (Duda)! — Borkoviz bei Veselí 
"und Tábor (Sitenský!) — Písek in Teichen bei Smrkowiz, oberhalb Smrkowiz gegen 
- Hůrky in und an Wiesentůmpeln, und in Wiesengráben bei Ražiz stets massenhaft! — 
- Im Teiche bei „Vodák“ (Velenovský)! — Bei Bóhm. Fellern náchst Budweis in Babngráben ! 


III. Ordnung. Marchantiaceae N. v. E. 


* Thallusáhnlich, niederliegend, scheinbar gabelie getheilt, oberseits mit Poren, 

© unterseits mit 2 Reihen Blattschuppen.  Archegonien auf der Unterseite eines gestielten, 

m, hut- oder schildfórmigen Receptaculums. Antheridien von © getrennt, entweder 
-auf der Oberseite des Recept. oder in Gruppen auf der Lappen- Oberfláche. o veena meist 

: in eigenen Fáchern und Hůllen, sehr kurz gestielt, unregelmů 
. deckelartig sich offnend. Schleuderer entwickelt. 


Familien: 


1. Jecorarieae. Kapseln auf der Unterseite eines gestielten Receptaculums. 


2. Lunulariae.*) Kapseln mit ihren Hůllen frei am verdickten Ende des gemein- 
schaftlichen Trágers strahlig geordnet. 


1. Familie. Jecorarieae N. v. E. 


Gattungen: 


a) Antheridien in Gruppen auf der Lappen-Oberfláche. 
«) Blattschuppen am Rande oder in der Endbucht der Lappen auffallend hervortretend. 
1. Grimaldia. Antheridien dicht am Lappenende in einer warzigen Scheibe. Der 
© Blůthenboden kurz 2—4lappig. Sporen dicht gefeldert. 
2. Fimbriaria. Antheridien auť der Oberfáche des Laubes zerstreut. Der © 
Blůthenboden fast gánzrandig. Sporen nur mit wenigen unregelmássicen Feldern. 
PB) Lappenrand ohne deutliche Blattschuppen. 
aw) Unterseite purpurbraun oder purpurn gefleckt. 
93. Duvalia. Antheridien in die Lauboberfláche eingesenkt. © Blůthenboden rund, 
ganzrandig. Kapseln braun, deckelartig aufspringend. 
i 4. Reboulia. Antheridien in halbmondfórm. Scheiben vor dem Lappenende. Der 
: © Blůthenb. 4—6lappig. Kapseln grůn, unregelmássig zerreissend. 
| BP) Unterseite gleichfarbig, grůn., 
. Fegatella. Antheridien in rundlichen Scheiben der regelmássig gefelderten 
Lauboberfláche. Der © Blůthenb. kegelfórmig, 5—8lappig. 
o) Antheridien auf der Oberseite eines gestielten Blůthenbodens. 


: 6. Preissia. Der © Blůthenb. kurz 38—5lappig. Laubrand schuppenlos. Brut- 
3 knospenbehálter fehlen. 


7. Marchantia. Der © Blůthenb. mit 9, 11 o. 13 langen Strahlen. Lappenrand 
oft schuppig und dessen Oberfláche mit schůsselfórmigen Brutknospenbeháltern. 


P 
O1 


*) Lindberg vereinigt beide Familien in der Fam. Marchantieae. 


18 G rimaldia. — Firm briaria. 


Anmerkung. Bei sterilen Pflanzen kann zu den Poren, als zuverlássigem Unterschei- 
dungsmerkmal der Gattungen Zuflucht genommen werden, die nach folgendem Schlůssel gelóst 
werden kónnen: 


A. Porenzellen bilden einen geráumicen Vorhof zur Luftkammer: 


Marchantia. Vorhof aus fůnf úber einander liegenden Zellrinsen gebildet. Sein un- 
terer Ausgang gross, meist guadratisch. 


Preissia. Vorhoť aus 4Zellringen bestehend. Dessen unterer Ausgang lánglich kreuzfórmig. 
B. Luftkammern durch einfache Poren mit der Atmosphaere anastomosirend. 


I. Die Luftkammer nur mit chlorophyllhaltenden, runden oder eliptischen, in Reihen ge- 
ordneten Zellchen theilweise ausgefůllt. 


a) Ein oder mehr concentrisch auf der Oberfláche gelagerte Zellkreise. Ihre Zellwánde 
meist stark verdickt. 


w) Drei oder mehrere Poren-Zellkreise. 


Reboulia. Pore lánglich, mit 3 oder 4 Zellkreisen (die 7—8zellig) begrenzt. Ober- 
fláchenzellen 7 den Bcken verdickt. 


Lunularia. Vier Zellkreise von Porenzellen. Oberfláchenzellen úberall stark verdickt. 
Pp) Ein oder zwei Poren-Zellkreise. 

Grimaldia. Oberfláchenzellen úberall stark verdickt. 

Fimbriaria. Oberfláchenzellen důnnwandig. 


b) Einfacher Ring důnnwandiger Porenzellen. Porus undeutlich begrenzt, wie wenn durch 
Auflósung eines Zellkreises entstanden. 


Duvalia. 
II. In die Luftkammer nur farblose schnabelfórmige Zellausláufer hineinragend. 
Fegatella. 


1. Grimaldia Raddi. 


1. G. barbifrons (G. fragrans Cda. — Syndonisce Cda. — G. dichotoma Lin- 
denbs. Mannia Opiz 1829). — Lappen am Rande und an der Bndbucht mit spreu- 
artigen Blattschuppen. Antheridien in ečherzfórmiger Gruppe dicht am der Endbucht. 
Gemeinschaftlicher Stiel auf bečden Enden mit fadenfórmigen Spreuschuppen.  Recepta- 
culum halbkugelig, 3—4lappig. Fruchtfácher 3—4, ohne Involucrum, mit je einer kugel- 
runden, braunen Kapsel; diese deckelartig sich offnend. Sporen gross, durch hohe Leistem 
in je 16—20 regelmůssige Felder getheilt. 

Laub trůbgrůn, unterseits durch zerenfórmige, vielspaltige Blattschuppen purpurn. Epi- 
dermiszellen klein, úberal? stark verdickt. Poren gross, von 2 concentrischen Zellringen umgeben. 
Oberfláche im frischen Zustande flach, trocken stark rinnig. — Verbreitet einen gewůrzigen Duft, 
der auch bei trockenen Pflanzen lánger bemerkbar ist. 

Einháusig. 2%. — Fr. im April. 

Auf sonnigen steinigen Lehnen álterer Formationen sehr selten. — Prag: Die 
Exsicaten des kůn. Museums stammen von Podbaba her, wo selbe Corda, Presl (1823) 
und Kosteletzky gesammelt. Die Lokalitát entdeckte ich 1878 am steilen Silurabhang 
westlich von der Ruine, wo die Grimaldia theils in grossen Rasen, theils zerstreut den 
Humus bedeckt, aber nur seltener mit Kapseln angetroffen wird. In den Garten trans- 
locirt gab sie bereits reichliche Frůchte. 


2. Fimbriaria N. v. E. 


1. F. pilosa Tayl. (F. tenella N. v. E.) — Laub klein, unterseits stark gektelt. 
Antheridien in der Oberfláche zerstreut etngesenkt. Tráger des gem. Fruchtbodens kahl, 
am oberen Ende ohne herabhůngende Spreublěittchen. © Receptaculum 4fácherig. Invo- 
luerum franzenartig, weit herausragend, mit je einer olivenfarbigen, kugeligen, deckel- 
artig aufspringenden Kapsel. Sporen mit wenigem grossen, meist unregelmůssigen Feldern. 

Lappen lineavisch keilfórmig, bis 1 cm lang, oberseits grůn, kleinzellig, Zellen diinmwandig. 


Poren mit 2, oft undeutlichen concentrischen Zellringen. Der purpurne Rand schwach gekerbt, 


aufgerichtet,. Fruchtboden halbkugelig, fast ganzrandig, hanfkorngross, durch weit austretende 
Involucra gekennzeichnet. 


Duvalia. — Reboulia. — Begatella. 19 


Einháusig. 4 Fr. im Sommer. 

An sonnigen Stellen in huměsen Felsspalten und auf zersetztem Gestein sehr 
selten. — Riesengebirge, um das J. 1807 von Ludwig auf unbestimmter Lokalitát ge- 
sammelt. Móslich, dass Schlesischerseits, woher sie durch Milde und Uechtritz auch 
ekannt ist. — Auch im Gesenke (Limpricht 1870). 


3. Duvalia N. v. E. 


1. D. rupestris N. v. E. (Grimaldia Lindenb.) — Laub klein, úberall fast 
„gleich dick, mit verkehrt efórmigen Lappen. Epidermiszellen 5—6eckig, diinnwandig. 
Poren mit undeutlichem Ring důnnwandig. Zellen umschlossen. — Axthliricse zerstreut 
-dn die Oberfláche eingesenkt. Gemeinschaftl. Tráger an beiden Enden mit kurzen Spreu- 
- bláttern. Receptaculum hanfkorngross, 3 —4fácherig, mit je 1, deckelartie aufspringenden 
- Kapsel ohne Involuerum. Sporen gross, durch geschlángelte "Pltehon undeutlich netzvg, 
; schmal gesiumt. 


jh Lappen oberseits warzig, grůn, meist mit breitem purpurbráunlichen Saume. Unterseits 
- purpuru oder am Ende grůngelb. Lappenlánge 4—15 mm; Br. 2—6 mm. 


Einháusig. 4 Fr. im Sommer. 


Auf sonniger kalkhaltiger Unterlage der oberen Bergregion, selten. — Bisher 
nur im Riesengebirse auf den „alten Halden“ im Riesengrunde von Flotow und spáter 
von Limpricht gesammelt! 


4. Reboulia Raddi. 


1. R. hemisphaerica Raddi. (Marchantia L. — Conocephalus Dmrt. — Achiton 
E onadratum Corda. — Grimaldia Lindenb.) — Endlappen drei verkehrt herzfórmig. 
- Oberfláche fečnwarzig, spáter lederartig und glatť. Ihre Zellen n den Ecken verdickt. 
- Poren in der Richtung der Lángenaxe verzogen, mit 3——4 -concentrischen Zellringen, 
© deren Zellen diametral geordnet. — Antheridien in halbmondfórmigen sitzendem Scheiben 
- vor der Endbucht. (Gem. Tráger oben mut langen, unten mit kiirzeren Spreubláttchen. 
- Receptaculum halbkugelig, mit warzigem Gipfel, 4—6lappig. Fácher 2klappig mit je 
einer griimgelben, unregelmůsstg zerreissenden Kapsel. Involucrům fehlt. Sporen brdun- 
lichgelb, durch hohe Fáltchen in, selten regelmássige Felder getheilt. Schleuderer gelb. 


p ny p V K podm Wpraný | A 


In grossen Úberzůgen, deren Randlappen durch Innovationen oft wie crenulirt und kraus 
erscheinen. Lappen bis gegen 7 mm lang und ebenso breit, grůn, trocken graulich unď glatt. Gem. 
Tráger 6 mm oder darůber lang, unten dicker und bráunlich, oben grůnlich. — Auf Herbarpflanzen 

- erscheint durch Anfeuchten die Oberfláche wieder dichtwarzic. 

Ein- oder zweiháusio. 2 Fr. im Mai. 

An sonnigen Lehnen und Bergabhángen auf huměser Unterlage, selten. — Písek 
"an der Otawalehne náchst der sogen. Flachsdórre im Sommer der J. 1873-—74 mit 
© bereits eingetrockneten Frůchten von mir gesammelt. — Gross-Bósig, rechts am Kreuz- 
- wege (in der Mitte) in nur wenigen Exemplaren, jedoch mit deutlichen Antheridien- 
Scheiben in Márz 1880! — Zwischen Chotzen und Brandeis an einer Lehne der Stillen 
© Adler náchst der Michover Můhle in Gemeinschaft der Marchantia und Polyp. Rober- 
tianum, Mitte Mai 1880. fruchtend (Dr. L. Čelakovský)! — Die von Nees in der Nat. 
d. eur. Leb. IV. Th. angefůhrte Lokalitát von Prag (Corda), woher dieser die Reboulia 
als Rhaktocarpon beschrieben hatte, scheint auf einer Verwechslung zu beruhen. 


5. Fegatella Raddi. 


1. T. conica Raddi. (Marchantia L. — Conocephalus vulg. Bisch. — (on. ne- 
morosus Hůben. — Presl: Obr. XXII fig. 1473—74 und XXIII fig. 1525.) — Laub 
> beiderseits grin, oben deutlich Gseitig gefeldert, mit warzenfórmig aufgetriebenen, 


20 Preissia, — Marchantia. 


grossen, hěutigen Athmungsorganen.  Poren mit grossen Luftkammern verbunden, von 
5 concentrischen Zellringen umzingelt. — Antheridien 7 kretsrunden Scheiben am Ende 
kiirzerer Seitenlappen. Receptaculum lang gestielt, 5—8fácherig, mit je 1, einkapseligem, 
rohrenformigem Involucrum. Kapsel durch 4—8 Záhne sich offnend, lánglich birnfóormig, 
braun. Sporen in der Kapsel kečmend, wodurch gross und melvrzellig, griim, dicht warzig. 

Laub gross, mit abgerundeten oder ausgerandeten, daselbst háufig lángliche, stark zurůck- 
gekrůmmte Innovationen tragenden Lappen. 

Zweiháusie. — 2 — Fr. im Frůhjahr. 

In Wáldern und an schattigen Flussufern, selbst an feuchten schattigen Mauern, 
von der Ebene bis aufs Hochgeb. verbreitet, stellenweise massenhaft. — Prag im Wasser- 
becken d. bot. Gart. (Leonh.)! — Medník bei Štěchowic. — Čáslau. — Blaník ete. 


6. Preissia N. v. E. 


1. P. commutata N. v. E. (Marchantia hemisphaerica L. — M. commutata 
Lindenb. — M. guadrata Web. — P. italica Corda. Opiz Natural. p. 647 (J. 1829). — 
Laub ausdauernd dicht warzig, reichlich innovirend, weniger oft gabelástig. Innovations- 
Lappen verkehrt herzfórmig.  Oberfláchenzellen 6seitig, diinnwandig. Poren zahlreich: 
ihr Vorhof aus 4 Zellringen gebildet.  Antheridien auf der Oberfiche eimer gestielten 
kretsvunden Scheibe. Receptaculum halbkugelig, schwach selappt, mit 3—5 freien Fáchern, 
mit je 1—3 glockenfórmigen, 1 frůchtigen, 4—5theiligen Hůllen. Kapsel dunkelbraun, 
4—8záhnig.  Sporen gross, rothbraum, unregelměssig hěckerig und kaum netzigfaltig, 
mit durchscheinendem crenulirtem Saume. 

Lappen grůn, unterseits und am Rande meist purpurbraun. Seltener mit schwarzbraun 
gefleckter Oberfláche (March. nigromaculata Opiz). Innovationen je 1—2 an den Endlappen. Mittel- 
rippe stark, dichtwurzelfaserig. Schleuderer kurz, braun. Sporen "4% m brelit. 

Einháusie. — 2 — Fr. im Frůh-Sommer. 

Auf Urcestein, Sandfelsen und Sandboden, sowie auf kalkhaltigem Substrat, auch 
an Mauern, im ganzen Gebiete zerstreut. — Prag: Liboz bei Stern an Sandsteinfelsen 
(bereits von Opiz im J. 1816, spáter von And. gesammelt)! Cibulka (Reich ?)! — Jung- 
Bunzlau auf der Lehne gegen Neubere! — Turnau, unterhalb Kadeřavec auf sandiger 
Waldblósse! — Bei Sloup und Swojkowitz im leitmer. Kreise (Hocke)! — Kuttenplan 
im westl. Bóhmen an der Abflussmauer des Regenteiches (Celakovský)! — Ledeč unter- 
halb der Stadt an der Sázavalehne gegen Šeptouchov! — Isergebirge (Limpricht). — 
Riesengebirge: Johannisbad náchst der Waldschenke (N. v. E.), daselbst jedoch im J. 1879 
von mir vergebens gesucht; Elbethal (J. Kablík)! óstlich am Fusse des Finstersteines! — 
Am Wege von der Schneekoppe in's Aupathal (Funek)! 


1. Marchantia (March. úl.) L. 


1. M. polymorpha L. (M. coarctata; M. stellata; M. macrocephala; M. Syckorae 
Corda. — Presl: Obr. XXIT und XXIII fig. 1495, 1504, 1514, 1518.) — Laub ober- 
seits mat grossem, metst vhombischen Felderm, mit Poren in deren Mitte. Poren-Vorhof 
aus 5 Zellringen gebildet. Antheridienscheibe gestielt, kurz, lappig, oberseits mit ein- 
gesenkten S.  Receptaculum 9, 11 oder 13strahlig, daztwtschen mat fransigen Frucht- 
fáchern, zu je 3—6, etnfriichtigen Hiillen. Kapsel lánger gestielt, gelblichgriin, durch 
Záhne sich čffnend. Sporen kleďn, gelb, glatt. Schleuderer lang. 


Laub ausgebreitet oder aufcerichtet, gelblich- oder dunkelorin, čfters lánes der Mitte 
schwarzbraun. Meist mit schůsselfórmigcen Brutknoppen-Beháltern an der Mittelrippe. Rand manchmal 
mit, von der Unterseite hervorragenden Blattschuppen markirt. — Die Torfpfianze, welche Corda 
als M. coarctata beschrieben, zeichnet sich durch sehr verlůngerte Receptaklstiele und rosenrothe 
Fruchtfácher aus. Dessen M. stellata ist eine zarte breitlappige Form mit zahlreichen Brut- 
knospenbeháltern. 


a) communis. Lederartig bis důnn-durchscheinend, deutlich und gross gefeldert. Mittelrippe 


Lunularia. sad 


meist schwarzbraun (var. aguatica). Lappenrand oft schuppig (var. domestica). Weibliche Scheiben- 
strahlen schlank, meist lánger als der Scheiben-Durchmesser. — Gemein. 
b) alpestris Gottsche. (M. Kablikiana Corda). Laub fest-lederartie, glatt, mit kleineren 


— Feldchem auf der Oberfláche. Endlappen in je 2 ungleiche Láppchen getheilt, von den nur einer 


sich weiter entwickelt. © Scheiben-Strahlen kůrzer, zeitwéise aufgerichtet. Fruchtfácher mit vielen 


—— Kapseln. — Seltener, Gebirgspflanze. 


Zweiháusig, obwohl © und G oft in einem Rasen. — 2 Fr. im Sommer. 
An feuchter Thon- oder Stein-Unterlage von der Ebene bis aufs Hochgebirge 


—— gemein. — So z. B. am Gipfel der Schneekoppe! — bd) selten. Hohenelbe (Josefine 


Kablík)! — Wosek in Westbohmen (Corda)! 


2. Familie. Lunularieae N. v. E. 


1. Lunularia Mich. 


1. L. vulgaris Mich. (Presl: Obr. XXIII. fig. 1510). Laub obersetis mit un- 
regelmůsstg sechseckigem, gegen den Rand meist 4eckigen, grossen Feldern und mit 


- mondsichelfórmigen Brutknospenbeháltern. Poren ohne Vorhof, mit 4 concentr. Zell- 


ringen umschlossen. Gemeinschaftl. Tráger mit 2—6, wagerecht gestellten, rohrenfoór- 
migen Fruchtfáchern, mit 1, lánger gestielten, gůnzlich sichtbaren, dunkelbraunen Kapsel. 
Diese bis zur Basis mit 4, zweitheiligen, gedrehten Klappen sich offnend. Sporen klein, 
tetrádrisch-rund, gelb und glatt. Schleuderer sehr lang, 2spirig, meist an der Klappen- 
spitze haftend. 


Laub beiderseits grůn, oder unterseits bráunlich, 1—2 cem lang und 5—8 mm breit, am 
Sprossende mit theilweise sich deckenden Seitenláppchen. Innovationen háufig. 


Zweiháusig. — A — Bei uns steril, nur mit Brutknospenbebáltern. 

Aus Sůd- oder West-Europa, wo sie einheimisch, in unsere Treibháuser ver- 
schleppt, wo sie Blumentópfe und feuchte Mauern oft zahlreich ůúběrzieht, und woher 
selbe auf schattige Blumenbeete ins Freie ůúbersiedelt. — Prag: im Vereinsgarten im 
J. 1878 im Freien gefunden, wo sie bis heutzutage den Standort wechselt, und auch im 
milden Winter mit Brutbeháltern zu finden ist! — Turnau im Gartenetablissement des 
H. Korselt! 


IV. Ordnuno. Jungermanniaceae Corda (N. v. El). 


I. Jungermanniae anacrogynae Leitgeb. (J. frondosae Autorum). 


Pílanze thallusáhnlich (nur bei Fossombronia in Stengel und Blitter gegliedert), 
ohne Blattschuppen, oft mit Keulenpapillen an der Endbucht, seltener mit Randbláttchen 
oder mit blattáhnlichen Organen auf der Oberseite. — Kapselstiel (seta) vor dem Scheitel 
entspringend, an der Basis mit kelchartigem Involucrum oder mit vertieftem Fruchtaste 
umhůllt. Kapsel 4klappie aufspringend. 


1. Familie. Metzgerieae. 


Thallus einzellschichtig mit deutlicher mehrzellschichtiger Mittelrippe, aus deren 
Ventralfláche kurze Geschlechtsáste emporkommen. Lappen, besonders unterseits an der 
Rippe mehr weniger dicht behaart. — Geschlechtsorgane in Reihen an der Rippenschat- 
tenseite.  Haube verlángert keulenfórmig, dicht behaart. Kapsel kurzstielig, 2schichtig. 
Sporen tetrádrischrund, grůngelb, dreimal so breit als die einspirigen Schleuderer. 


29 Metzgeria. — Aneura. 


1. Metzgeria Raddi. 


1. M. pubescens Raddi. (M. tomentosa Hoffm. — Echinomitrium furcatum var. 
pubescens Corda in Sturm Fl. p. 138. tab. 38). Laub schmal- bandfórmig, sabelástie, 
zuweilen mit Randsprossen, beidersevs dicht weichhaarig. Mittelrippe betderseits vor- 
tretend, 10—14 Zellen breit, mit mehrreihigen, von den inneren micht verschiedenen 
Oberffáchen-Zellen bedeckt. 


Laub mit wechselseitigen, kůrzeren, meist 1—2 nm breiten Lappen, grau oder gelbgrůn. 
Geschlechts-Astchen beiderseits behaart. 


Zweiháusig. — 24 — Frucht bei uns unbekannt. 

In schwammig polsterfórmigen Rasen an kalkhaltigen Felsén oder Laub- und 
Nadelbáumen, besonders an Flussabhángen zerstreut, — Schon bei Opiz 1816. Auf Wald- 
báumen (?) Hartmann ! — Štěchowitz náchst Prag an Felsen der Moldaulehne massenhaft! 
Wald bei St. Prokop (Kalmus)! — Muckkendorf (Rybička)! — Tepliz (Winkler)! — 
Turnau an Nadelstámmen der Iserlehne selbst an jungen Fichtenstámmen! — Hóchste 
Erhebungen des Iser- und Riesen-Gebirges, jedoch spárlich (v. Flotow, Limpricht). — 
Sůdbohmen bei Krumau an Felsen und Báumen (Jechl, Jungbauer)! 


2. M. furcata Dmrt. — N. v. E. (Jung. L. — Echinomitrium Hůben; Corda 
in St. Fl. tab. 21 u. 22. — Presl: Obr. XXII fig. 1493 und XXIII fig. 1511—12.). 
Lappen unterseits an der Mttelrippe, am Rande oder zuglech auf der Lappenfláche 
behaart, oberseits kahl. Rippe unterseits mit 2—6, oberseits nur von 2 Lángsrehen 
grósserer Zellen úberzogen. Ráschen gelblich- oder dunkelgrůn, trocken selten indigblau. 
Zellnetz wie bei vor., regelmássig Geckig, gross, durchsichtig, in den Ecken schwach 
verdickt.  Oft mit zahlreichen Rand- oder von der Rippe ausgehenden Sprossen und mit 
Brutknospen am Ende verdůnnter Lappen. — Kapsel kurz sgestielt, rundlich. Sporen 
tetraedrischrund, grůnlichgelb, dicht gekórnelt. Schleuderer 1spirig. 


a) linearis (Lindb. sp.) Zweihůusig. Stark, verláncert, regelmássig gabelig, zit úberall 
glech breiten Lappen. Haare auf der Rippe und am Rande. Rippe bežderseits mit 2 Zellreihen bedeckt. 

b) conjugata (Lindb. sp.) — (M. laetevirens Op.). Binhčustg. Verkůrzt, dreitlappig (1 mm): 
Lappen čfters am Rande zurůckgerollt. Haare auf der ganzemn Unterseite. Řippe unterseits mit 
3—6 Zellreihen úberzogen. — Meist dunkelserůn. 


c) furcata (Corda, Lindb.). — Zwethůusig. Lappen kleiner und schmáler, unregelmássig 
getheilt, und meist reichlich Sprossen tragend.  Unčterseits fast kahl oder spárlich behaart. Rippe 
unlerseis mt 4 Zellreihen úberzogen. — Blass gelblichgrůn. 

Ein- oder zweiháusig. — 2 — Frucht im Oktober, var. c. steril. 


An Baumrinden, Felsen, auf Moosunterlage, séltener auf blosser Erde von der 
Ebene bis aufs Hochgebirge gemein. Var. a) bisher nicht beobachtet. Var. d) und c) 
meist beisammen. — Prager Umgebung. — Kolín. —  Nimburk. — Kuttenberg. — 
Turnau. — Jeschken. — Bůsig. — Bóhm. Leipa. — Blaník. — Třemšín in Brdagebirge 
und bei Obecniz. — Písek. — Blánsker Wald. — Marienbad. — Tepliz. — Boůhmerwald. 
— Iser- und Riesen-Gebirge. — Glatzer Gebirge an den Marchguellen ! 


2. Familie. Aneureae. 


Thallus blattlos, handfórmig viellappig, fast regelmássig gefiedert, gegen die Axe 
verdickt. Alle Zellen oleichartig. Geschlechtsáste seitlich. Haube mehrschichtig, fleischig, 
zuletzt gegen das Ende hůckerig. Kapselstiel lang, Kapsel oval oder lánelich mit pinsel- 
fórmigen geháuften einspirigen Schleuderern und kleinen Sporen. 


1. Aneura Dmrt. 


w) Geschlechtsáste kurz, seitlich in den Einbuchtungen der Seitenránder. Lappen 
fast rechtwinklig abstehend, unregelmássie gabelie verzweict, arósstentheils breit (5—10 mm), und 
am etwas w elligen Rande seicht seschw ret, 


Aneura. 23 


1. A. pinguis Dmrt. (Jung. L. — Metzgeria Corda: St. Fl. tab. 15. — Tri- 


chostylium affine Corda: l. c. tab. 34. — Gymnomitrium Hůben). — Laub fettglánzend, 
schmal linear (č) oder bedeutend breiter, meist brůchig, flach, bisweilen am Rande 


wellig, am Ende breiter, stumpf abgerundet oder seicht ausgerandet, durch blassgelbe 
Wurzelfasern fest angeheftet. Die 8—10 Schichten dicke Laubaxe allmáhlig in den 3- 
und 2schichtigen (selten 1schichtigen) Rand úbergehend. —  Antheridienáste zahlreich, 
rundlich. Haube zuletzt walzenfórmig, bis úber 5 mm lang, etwas behaart. Kapsel oval. 
Sporen dicht gekórnelt, etwa um die Hilfte breiter als die Schleuderer. 


Vielgestaltig. Dunkelgrůn. G Pflanze kleiner; oder S an, bis 2 mm langen Seitenláppchen. 


Kapselwand mehrschichtig, innere Schicht mit dicken Halbringfasern. Schleuderer an kurzen Ela- 


terentrágern am Klappenende. 

Zwei- oder einháusig..— 2 — Frucht im Frůhjahr. 

An feuchten Gráben, an Guellen, triefenden Felsen, Sumpfwiesen von der Ebene 
bis aufs Hochcebirge zerstreut. — Prag: an kalkhaltigen Guellen bei Kuchelbad ce. fr. 
(Leonhardi)! Chabern an kalkiger Guelle um Mitte Mai 1880 mit Frůchten! An Bahn- 


- tůmpeln zwischen Neratovic und Liblic! — Lyssa im Bahngraben! — An den Bahn- 


tůmpeln náchst der Station Uhřiněves reichlich und noch am 21. Mai 1881 c. fr.! — 
Sůdbohmen: Budweis (Jechl)! — Bóhmerwald: Blánsker Wald, St. Thomas, Kuschwart, 
Nordabhang des Arber! — W. Bóhmen: Wildsteinruine (Corda). — Nd. Bóohmen: Turnau, 
unterhalb Kadeřavec auf sandigen feuchten Waldwiesen! Waldguelle unterhalb Waldstein ! 
Kalkige Iserlehne im Farářství zahlreich! — Sůdabhang des Jeschken! — Schwarzer 
Teich bei Niemes (Sitenský)! — Riesengebirge: an der Elbe (Milde). — Wiesengraben 
bei Neuwelt! — Auf feuchtem Glimmerschiefer des Finstersteines an der Elbstrasse gegen 
Hohenelbe! (Durch H. Limpricht vom Isergebirge nicht angefůhrt). 


P) Einfach bis doppelt fiederig; Lappen schmal, ausgebreitet. 


2. A. latifrons Lind. (A. palmata «) major und f) laxa N. v. E.) — Laub 
durchscheinend. Lappen důnn, flach, bandfórmig oder lánelich keilfórmig, 5 oder 4schichtig, 
mit 1zelliger Randschicht. Oberjláchenzellen gross, lůnglich-rhombisch, wenig oder gar 
nicht verdickt. Haube 2—5 mm lang. Sporen so breit als die Schleuderer. 

Grůn bis gelberůn, in breiten dichten Ráschen oder vereinzelt zwischen Sumpfmoosen. 
Lappen-Enden breit abgerundet, deutlich ausgerandet. 

Einháusig, zuweilen beide Geschlechter auf demselben Lappen (Gam. paroicum). 
— 2 — Frucht im Mai, an Bergpflanzen im Sommer. 

Auf faulendem Holze oder zwischen Sumpfmoosen, mit Á. palmata oft gemein- 
schaftlich; ziemlich selten. — Turnau: am Sphagnetum bei Kurovodic! — Bóhmerwald 
in Torferáben unterhalb Kuschwart zahlreich! An faulenden Strůnken am Arbersee! 


-k A. pinnatifida N. v. E. — Einfach oder doppelt gefiedert. Lappen am Ende 
mehrmals eingebuchtet, fast der ganzen Breite nach mehrschichtig. Zellen je mt 1—5 
grossen, dunkelbraunen, durchs Trocknen nach Jahren sich aufldsenden Oeltropfen. — 

Zweiháusig. 4 — Frucht im Frůhjahr. In dicht gedránsten schwellenden Rasen 
oder polsterfórmigen grůnen bis schwárzlicherůnen Ueberzůgen an Steinen und Holz in 
Báchen der Schlesischen Sudetenabhánge ziemlich selten. 


* A. multifida Dmrt. — Hauptáste kammfórmig doppelt gefiedert. Lappen 
anscheinend gerippt, im Auerschnitt linsenfórmig, weil die Axe dicker (10schichtig), als 
der 3—5 Zellen breite, am Rande 1zellschichtige Fláchentheil. 

Einháusig. — A — Frucht im Frůhjahr. 

In kleinen grůnen oder gelberůnen Ráschen, auch zwischen Laubmoosen in 
feuchten Wáldern, an Wiesen, Grabenrándern, Sandsteinfelsen schlesischerseits an mehreren 
Stellen beobachtet. 

v) Hauptáste niederliegend, in aufrechte Lappen handfórmig verzweigt. 


3. A. palmata Dmrt. (A. palmata y) polyblasta N. v. E. grósstentheils. — Sar- 
comitrinm palmatum Corda: St. FI. tab. 35.) — Laub nicht durchscheinend, dunkelgriin 


24 Blasia. 


oder gebráunt. Die aufrechten Lappen am Ende kaum ausgerandet, am Rande nicht 
1zellschichtig, sondern flach gewělbt; sonst die Laubaxe 6 oder šzellschichtig. Ober- 
Jichenzellen kletn, grósstentheis rumdlich, dickwandig. Haube klein. Sporen fast glatt. 


Láppchen, gegen 05 mm breit und 2—4 mm lang, in der Regel stumpf abgerundet. 


Zweiháusie. — 24 — Frucht im Frůhjahr. 

In Wáldern an faulenden Strůnken, auch an Sandsteinfelsen dichte, niedrige, 
aber weitláufige Ráschen bildend, zerstreut und meistentheils in Gebirgswáldern reichlich 
erscheinend. — Mittelbohmen: Štiřín (Sýkora)! — Sůdbohmen: Krumau (Jungbauer)! 
— Hohenfurth bei der Teufelswand, St. Thomas, Kuschwart! Moldauguellen ! — Riesen- 
gebirge (Limpricht). 


9. Familie. Haplolaeneae. 


Mittelrippe des thallusáhnlichen Stammes breit und mehrschichtig, jedoch von 
den Seitenfláchen wenie oder undeutlich begrenzt. — Geschlechtsorgane auf der Růcken- 
seite, durch Úberwallung einzeln ins Gewebe versenkt. Frucht meist endstándig, lang- 
stielig, mit kurzer oder fehlender Hůlle, ohne Kelch, gelblich, 2schichtig. Sporen vielmals 
breiter als die langen gelblichen, meist centralstándigen Schleuderer. 


Gattungen: 


1. Blasia. Laublappen am Rande in 1schichtige, oberschláchtige Blátter ber- 
cehend, an deren Basis unterseits je 2 Blattóhrchen bemerkbar sind. — Gegen 
die Lappenspitze viele Brutschuppen, oder zugleich flaschenfórmigen Brutknospen- 
behálter.  Hůlle niederliegend, durch walzenfórmige, schief nach vorn gerichtete 
Auftreibung der Oberfláche gebildet. 


2. Pellia. Blátter, Ohrchen und Brutknospenbehálter fehlen; jene oft durch Keulen- 
- papillen an der Endbucht vertreten. Hůlle mehr oder weniger aufrecht, kelchartig, 
am Rande crenulirt oder zerschlitzt, dicht vor der Endbucht. 


1. Blasia Mich. 


1. B. pusilla L. (Jung. Blasia Hook. — B. Hookeri, B. Funckii, B. germanica 
Corda in St. Fl. tab. 13, 23 und 37. — Presl: Obr. XXIII fig. 1494 und 1523.) — 
Laub in strahligen Rosetten, seltener aufrecht, durch die dichtere Blattstellung am Um- 
fange wellig gelappt, unterseits nahe am Rande und besonders gegen die Spitze mit 
schuppenfórmigen Unterblěittern. © Antheridien an der Mittellienie in 1 Reihe, einzeln 
von der Oberfáche hockerartig úberwólbt, gelblich. Sporen 1zellig, rundlich. 


Mit weisslichen Wurzelhaaren meist eng angeheftet, wird die Pflanze an feuchterem 
Standorte oft grósstentheils aufrecht. Randblátter an schmalen Lappen entfernter und kleiner, da 
meist bis zur Mittelrippe reichend, die, an frischen Pflanzen meist undeutlich, durchs Trocknen 
erst bemerkbar wird. Brutknospen oranefarbig, ihre Behálter meist zahlreich, lánger geschnábelt. 
Kapsel langgestielt, kurz oval. Die Hůlle kanalartig, der ganzen Lánge nach mit Lauboberfláche 
verwachsen, mit enger Můnduns. Schleuderer sehr lang, meist 2spirig. — G Pflanzen kleiner und 
seltener; sterile und © Rasen breitlappiger, und besonders die Knospentragenden leichter anzutreffen. 


Zweiháusig, — 2 — Frucht seltener, im Frůhjahr. 

Am feuchtem Lehmboden, in Hohlwegen, an Flussufern und Strassengráben von 
der Ebene bis an den Fuss der Gebirge zerstreut. — Prag: Baumgarten (Opiz). — 
Konopischt bei Beneschau am Strassenkanal! — Sázawa, náchst der Stadt am Waldbache! 
— Písek am Flussufer bei der Schwimmschule! — Budweis (Jechl)! —  Kónigswerth 
im westl. Bohmen (Leonhardi)! — Nixdorf (Fischer [1823] und Neumann)! — Herrns- 
kretschen (Rabenhorst). Turnau, im Strassengraben gegen Hruschtiz! — Zbraslawiz 
und Haindorf (Corda). — Petersdorf und Aualich an der Waldstrasse gegen Adersbach 


yhě 


Pellia. 25 


massenhaft! — Rothfloss bei Grulich! Wildenschwert! Stružinez und Rudolfoviz bei Lib- 
„stadtel! — Bůhmerwald: Teufelsmauer im Waldgraben! — Gráben bei Obecniz im Brda- 
- gebirge (Freyn)! Trchowy bei CČekanic (Velenovský)! — Fuss des Riesengebirges: Jo- 


- hannisbad im Waldpark! 


2. Pellia Raddi. 


a) Einháusie, Antheridien an der Mittelrippe unterhalb des © Involucrum. 
1. P. epiphylla Dillen. — (Presl: Obr. XXIII fig. 1527). — Laub der fruch- 


- tenden Pflanze fast flach und glatt, sehr brei, am Emde mehrfach eingebuchtet, in 


der Axe 14—16 Zellschichten dick, am Rande 1schichtig. Involucrum gegen das Laub- 
ende gečdjfnet, am schrágen Rande ungleich zerschlitzt. Haube west emporgehoben. Innen- 
schicht der Kapsel mit zahlreichen Halbringfasern. Sporen reifer Kapseln als mehrzelliger, 


* ellýptischer, grimer Vorkečm auftretend. Elaterentráger 20—36, bráunlich, am freien 
- Ende hakenfórmic. 


Rasen ausgedehnt, flach, grůn, seltener theilweise purpurn, vorne bis 15 cm breit. Haube 
und Involuerum oft rosenroth. Die Lappenbucht meist mit kleinen Innovationsláppchen gekenn- 
zeichnet. — Laub durchs Trocknen záhe, lederartig. 


Einháusig. — Frucht im Frůhjahr. 
An Auellen und Báchen, triefenden Felsen und feuchten Abhángen, zerstreut, 
und besonders im Hůgelbaude auftretend. — Turnau: in weiten Úberzůgen an feuchtem 


schattigen Sandstein bei Rothstein! © Antoniusguelle im Bad Wartenberg! — Jeschken ! 


Reichenberg (Langer)! — Reichstadt (Mann)! — Hohenelbe (Josefine Kablík)! Kranichs- 
wiese (Sitenský)! — Teplitz (Winkler)! — Unter-Králowiz am Želivka-Flusse! — Bere 
Blaník! — In der Litavka bei Obecnic im Brdygebirge (Freyn)! — In Wáldern bei Rož- 
mitál (Velenovský)! 


b) Zweiháusie: beide Geschlechter an verschiedenen Lappen desselben Rasens. (Sehr 
selten erscheinen G' und © an einem Lappen unter anderen eingeschlechtigen). 


2. P. Neesiana Gottsche. — (P. epiphylla var. fertilis N. v. E. — P. endi- 


„viaefolia Dmrt. — P. epiphylla var. aeruginosa Corda: Sturm, pas. 141. tab. 39.) — 


Lappen metst flachrandig, fruchtend 7—10 mm breit, in der Mitte 10—12 Schichten 
dick. — Involucrum entweder nedrig, kelchartig oder lčnger, vohrenfórmig, rings ge- 
schlossen oder vorne klaffend, gestutzt oder crenulirt.  Haube mehr oder wemiger her- 
vortretend. Innenschicht der Kapsel mit Halbringfasern. 


Laub důnner als bei vor; meist purpurbraun, seltener grůn, fest am Boden kriechend. 


Zweiháusig. — 24 — Frucht selten, im Frůhjahr. 

An feuchten schattigen Lagen, in Hohlwegen, bei Waldguellen, in Wassergráben 
und Moortůmpeln der Hůgel- und Gebirgs-Region háufiger. — Turnau: an der Iserlehne 
„Farářství“, obwohl zahlreich und meist steril, doch auch spárlich fruchtend gefunden ! 
Reichenberg (Siegmund, als Fabronia Raddi)! — Krumau (Jungbauer)! — Worlík (Se- 
kera)! — Bóohmerwald: Kuschwart am Bache, Fischerfilz und sonst háufig! Arber-Abhang! 
Am Lakka-See (Čelakovský)! — Riesengebirge: verbreitet, so auf den Elbguellen, am 
Weisswasser, bei St. Peter, an der Iser bei Wurzelsdorf! — Adersbach und Weckels- 
dorf! — Glatzer Schneeberg an den Marchguellen. — Ezsebirge (Knaf sen.)! 


u, calycina N. v. E. — (P. epiphylla Corda (part.): Sturm. p. 59 tab. 16). 
— Lappenránder meist kraus, gegen die Spitze rinnenfórmig. Involucrum anfangs von 
hinten nach vorne zusammengedriickt, riickwěvts gebogen, schtef nach vorm geneugt, 
spáter mehr aufrecht, rundum geschlossem, an der zusammenneigenden Můndung ein- 
geschnitten-gelappt. Haube mest eingeschlossen. Innenschicht der Kapsel ohne Halb- 
ringfasern. — Elaterentráger zu 50—100 am Kapselgrunde. 


Bráunlich oder purpurn, untergetaucht smaragdgrůn, und dann starr und besonders im 


kalkhaltigen Wasser sehr spróde. Vielfach gegabelte schmale Innovationen zur Sommerzeit aus 


26 Morckia. 


der Endbucht hervortretend. — Involucra auch an Wasserpflanzen, jedoch steril bleibend. Ela- 
teren kůrzer als bei vor.; wenig oder gar nicht geschlángelt, 3—4spirig. 

Zweiháusig. — 24 — Frucht im Frůhjahr. 

Am feuchten kalkhaltigen Boden, an und in Auellen und Báchen, an Kalkfelsen, 
kalkigen Hohlwegen, Lehnen und dergl., besonders in der Ebene bis in die Hůgelregion, 


von allen am verbreitetsten. — Prag: Chabern, Podhoř, Kuchelbad, sámmtlich am oder 
im Auellwasser und fruchtend! © Motol (Kratzmann)! — Písek bei den „Alten Bádern“; 
im Walde bei der Schwimmschule und anderwárts! — Bóhm. Fellern bei Budweis! — 


Turnau: an der Iserlehne; unterhalb Waldstein und bei Wartenberg! Jeschken am Sůd- 
abhang! — Adlerkosteletz, Waldlehne gegen Wyhnanow! — Wildenschwert! 


4. Familie. Diplomitrieae. 


Mittelrippe des thallusáhnlichen Stammes deutlich verdickt, von den am Rande 
1zellschichtigen Seitenfláchen mehr oder weniger deutlich abgesetzt. Aeusseres Involucrum 
aus 4—5 am Grunde verwachsenen Hůllschuppen sebildet; inneres kelchartig, róhren- 
fórmig, gross, an der 1zellschichtigen Můndune gezáhnt. 


Gattuncgen: 


1. Můrckia. Laubaxe ohne einen Centralstrang verdickter Zellen. Haube kůrzer 
als das innere Involucrum.  Kapselwand 4—6schichtig. 


2. Blyttia. Laubaxe mit einem Centralstrang gestreckter, verdickter Zellen. Haube 
so lang als das innere Involucrum.  Kapselwand 2schichtig. 


1. Mórckia Gottsche. 


1. M. norvegica Gottsche. — (Jung. Blyttii Mórck. — Gymnomitrium Blyttii 
Hůben. — Cordaea Blyttii Corda. — Diplolaena et Diplomitrium Blyttii N. v. E. — 
Blyttia Můrckii G. L. et N.) — Laub necht durchscheinend, Seitenlappen breit gerundet, 
wellig kraus.  Mittelrippe in die Seitenfláchen aliměhlig úbergehend durch Brdunliche 
Wwurzelfaserm dicht filzig.  Involucrum fast oval, seitlich schwach zusammengedrůckt, 
abwárts mehrschichtie. Sporen dicht stachelig. Schlauchhaut der Schleuderer hyalin. 


In gedránsten, lichtorůnen, unterseits purpurbraunen Pelliaartigen Ráschen, deren Lappen 
bis 2 em lang und vorn 8 mm breit erscheinen. Antheridien-Hůllschuppen vereinzelt oder 2reihig, 
faltig, am Rande stumpflappig. © Schuppen wellig faltig, viellappie. Involucrum meist 5 mm lang, 
mit an der Můndung gegeneinander geneigten Láppchen. 


Zweiháusig (auch einháusig?). — 2 Frucht im Sommer. 

Auf sumpfigen Torfwiesen des Hochgebirges sehr selten. — Riesengebirge: ober- 
halb der Wiesenbaude an sumpfigen Guellen des Weisswassers in grosser Menge in Ge- 
sellschaft des Sevrpus caespitosus und Carex saxatilis von v. Flotow entdeckt, und nachher 
von Nees, Elsner und Limpricht wieder gesammelt. — Aupaabhang (Flotow, Nees). 


2. M. hibernica Gottsche. (Jung. Hook. — Dilaena et Diplolaena Dmrt. — 
Cordaea Flotowiana N. v. E. — Blyttia Lyelli var. $ et 9. — Diplomitrium Corda in 
Sturm. tab. 25 und 36.) — Laub zarter, durchschetnend, mit weisslichen, Wurzelhaarem. 
Mittelrippe gegen die Seitenflůchen stark abgesetzt. Seitenflůchen mzt dreitem 1schichtigem 
Rande. Involucrum rvohrenfórmig, an der gleichweiten lappigen Můndung durch vor- 
springende Zellen gezáhnt. Sporen durch gekórnelte Leisten netzfaltig. © Schlauchhaut 
der Schleuderer gelblich. 


Oft schmáler als Vorige, bis linienfórmig, unterseits gelblich. Antheridienschuppen 2reihig, 
wimperig gezáhnt. Weibliche Hůllblátter mit lang wimperig zerschlitzten Lacinien. 

a) Hookeriana (Cordaea Flotow. N. v. E.). Lappen kůrzer, kraus, mit dichtgestellten 
deutlich 2reihigen Antheridien-Schuppen (Corda, Sturm Fl. germ.: tab. 36). 


k a 
M o = 
E Ve P k , 
> 


Blybtia. — Fossombronia. 2 


b) Wilsonmana. (Diplomitr, hibernicum Corda.) Lappen schmáler und lánger, mit ent- 


© fernteren, abwechselnd 2reihig gestellten © Schuppen. (Corda I. c.: tab. 25). 


Zwei- oder einháusig? — 24 — Frucht im Frůbjahr. 
In Auellsůmpfen und Waldbáchen des Hochgebirges, selten. — bd) Riesengebirge : 


4 Waldbach im Kesselgrund (Flotow, Nees). Isergebirge unweit der Hammerschenke (Corda). 
© (Form a) im preuss. Schlesien). 


2. Blyttia Gottsche. 


* B. Lyellii Endl. — Gottsche. — Laub verlángert linearisch, aufsteigend, satt- 
bis dunkelgrůn, durchscheinend, mit 1schichtigen wellie buchtigen Seitenfláchen. Invo- 
lucrum rohrenfórmig, lang, mit wimperig gezihnter Můndung, zuletzt wenig kůrzer als 
die Haube. Sporen netzfaltig. © Schlauchhaut der sehr langen Schleuderer hyalin. Sonst 
der M. hibermica úhnlich, 


Zweiháusig. — 2 — Frucht im Frůhjahr. — An Torfmoosen, Wassergráben, 
auf torfigen Wiesen in der preuss. schlesischen Ebene vereinzelt; vielleicht auch in Bohmen 
noch aufzufinden. 


5. Familie. Codonieae. 


Stengel fadenfórmig, 2reihig bebláttert. Geschlechtsorgane auf der Dorsalseite 
des niederliegenden Stengels. Die Š nackt oder durch den Blattrand eingehůllt. Arche- 
gonien am Grunde eines breit glockenfórmigen Involucrum. Sonst wie die Gattungscharaktere. 


1. Fossombronia Raddi. 


Stengel niederliegend, mit purpurvioletten Wurzelhaaren. Blátter 2reihig, sehr 
schrůg imserirt, breit guadratisch, am gerundeten Randé mit 9—5 wellenfórmigen Buchten 
und me?st scharfen Lčppchen. Zellnetz licht, sehr weit, zartwandig, angulár nicht ver- 
dickt. Involucrum růckenstándie, sglockenfórmig, vorn oder hinten gespalten, am Rande 
wellig gelappt. Kapsel kurz gestielt, kugelig, 4klappie.  Kappen m Momente der Imt- 
beerung in umregelmássige Stiickchem zerfallend. Sporen tetraedrischrund, netzfaltig, am 
Rande gezáhnelt. 


1. F. cristata Lindb. (Jung. Wondraczeki Corda: Sturm, p. 30. tab. 7. — F. 
pusilla P. capitata N. v. E.). — Stengel am Ende mečst schopfig kraus. Sporen gelb- 
braum, mit schief aufsteigendem, gechlángelten, fast parallelen Fáltehen, die am dunk- 
leren Randé 1 28—56 scharfe Záhme auslaufen. 

Sporenfalten in der Sporenmitte oft in Wárzchen aufgelóst, oder verschwindend, wenn 


nicht in wenige Felder zusammenfiiessend. Halbrinofasern der inneren Kapselschicht nicht ganz, 
bráunlichgelb. — Habituell der Jungerm. incisa dhnlich, 


Einháusig. — 2 — Frůchte im Sommer bis August! 


Auf feuchtem Thonboden, besonders auf Klée- und Stoppelfeldern, an Gráben, 
Hohlwegen, feuchten Waideplátzen und dergleichen von der Ebene bis an den Fuss des 
Gebirges zerstreut. — Prag: Thiergarten im Stern (Wondráček)! — Michler Wald (Opiz)! 
— Waldwege am Mileschauer! — Sůdlicher Jeschken-Abhang auf Waideplátzen! — 
Turnau, bei Waldstein auf Kleefeldern! — Wiesenraine bei Altpaka am Fussé des Berges 
Levín! — Acker bei Hohenelbe! — Neuwelt, im September auf Kornfeldern, da wie 
dort zahlreich! — GAualich und Adersbach an Feldern! — Adlerkostelez gegen Wyhnanow 
sehr zahlreich! © Felder bei Mohrau und Lipka náchst Grulich bis hoch hinauf auf das 


| Feld oberhalb des Forsthauses unter dem Eschenberg! 


28 Lejeunia. 


2. F pusilla Lindb. — (Presl: Obr. 22. fig. 1485). — Blátter necht schopfig 
zusammengedránst, 2reihig abstehend. Sporen Braun. Fáltchen minder zahlreich, gegen 
die Sporenmitte oft verschwindend, oder in wenige Felder (—3) zusammenfliessend. Spo- 
renrand mit 16—24, zuweilen durch eine gelbliche Haut mít einander verbundenem 
verldngerten Záhnen. 

Kráftiger und lánger (—1 cem) als Vorige. Halbringfasern der inneren Kapselschicht 


ziemlich vollstándig, jedoch nur an den Zellwánden, wo sie als Knoten erscheinen, deutlicher und 
mehr verdickt. 


Einháusig. — 24 — Frucht im Frůhjahre und Sommer. 

An feuchten schattigen Waldgráben, seltener als Vorige. — Mittelbohmen: am 
Berge Medník bei Stěchowic im April 1878 fruchtend! Rosenberg in Sůdbohmen im Juli 
desselben Jahres mit Frůchten! — Hierher gehórt wohl die Pflanze von Stiřín (Sýkora, 
im J. 1823); ferner die von mir gesammelte sterile Pflanze vom Waldgraben unterhalb 
Kadeřavec bei Turnau, sowie die von den Waldabhángen bei Půrgliz! — Trockengelegter 
Teich bei der Glashůtte náchst Obecnic im Brdygebiree (Freyn)! 


I. Jungermanniae acrogynae Leitgeb. (J. foliosae Autorum). 
(exclus. Haplomitrium.) 


Stencelpflanzen, 2—3reihie bebláttert, in diesem Falle mit 1 Reihe meist klei- 
nerer oder anders geformter Unterblátter.  Kelch gipfelstándie, čfters an ventral aus- 
laufenden Asten, meist von anders gestalteten Bláttern (Hůllbl.) am Grunde umgeben und 
frei, oder seltener in die erweiterte und vertiefte Stencelspitze eingeschlossen —— aus 
drei verwachsenen Bláttern gebildet. Kapsel emporgehoben, 4klappig. Sporen faltenlos. 
Schleuderer normal. 


1. Familie. Iubuleae. 


Stengel niedergedrůckt gefiedert. Blátter gedhrt. Unterblátter breit. Geschlecht- 
áste kurz, durch Seitensprossen seiten- oder gabelstándig. Kelch stielrund aufgeblasen, 
oder kantig, auf der Můndung in ein Róhrchen verengt. Kapsel kurzgestielt, tief 4klappig, 
ihre Wand ohne Ringfasern. Schleuderer vor der Klappenspitze angeheftet, 1spirig. 


Gattungen: 


1. Lejeunia. Blattohr klein, zahnfórmig, flach, mit breiter Basis mit dem Ober- 
lappen zusammenhángend, bei Axillarbláttern nicht fehlend. Kelch 5kantig, ver- 
kehrt eilánglich. Kapselklappen zusammengeneigt. 


2. Wrullania. Blattohr kappen- oder sackartig ausgehohlt, stielartig mit dem 
Oberlappen verwachsen, bei Axillarbláttern fehlend. Kelch verkehrt herzeifórmig, 
etwas bauchig, kantie gefaltet.  Kapselklappen glockenfórmig ausgebreitet. 


„1 Lejeunia Lib. 


1. L. serpyllifolia Lib. (Presl: Obr. 22 fig. 1489). — Stengel mit zahlreichen 
unterhalb den Blattohrchen entspringenden Seitensprossen, am Grunde der Mutterblátter 
kurz wurzelhaarig. Blátter gendhert. Oberlappen aus kurz herablaufender Basis eč-und 
convez, Unterblátter fast rund, bis zur Mitte 2lappig. 


: Rasen flach, grůn oder gelblich grůn, matt oder glánzend. Blátter mehr oder weniger 
genáhert, theils mit kleinem (var. planiuseula Lindb.), theils mit die Grósse der Unterblátter er- 


Frullania. 29 


reichendem Blattohr (var. cavěfolia Lindb.). Zellnetz zart, angulár schwach verdickt, durchscheinend 
oder chlorophyllhaltig, mit vielen kleinen Oeltrópfehen. Kapsel bleich, anfangs auf geknietem 
Stielchen, 2zellschichtig, mit grossen gekórnelten Šporen. Schleuderer endstándie, 1spirig. 


Einháusig. — 24 — Frucht im Sommer. 


An schattigen Lagen, feuchten Felsen, Baumstrůnken, selbst auf bemoostem 
Waldboden von der Ebene bis auťs Hochgebirge ziemlich háufig. Bei uns wurde bisher 
nur die var. plančuscula beobachtet. — Prag: Záwist stellenweise an feuchten Felsen! 
"Štěchovic an Felsen der Moldaulehne sehr zahlreich! Štiřín (Sýkora, bereits 1823)! — 
Půrelitz! — Neuhof bei Kuttenberg (Veselský)! — Blaník bei Vlaším! — Písek, an 
mehreren Stellen, so im Hradišter und Vrcovcier Revier! — Bohmerwald (Opiz)! — 
Marienbad! — Rumburgs an Basaltfelsen des Buchberges (Neumann)!  Nordbohmen bei 
B. Kamniz (Karl)! Reichenberg (Corda nach Nees). — Hůchste Erhebungen des Iser- 
gebirges (Limpricht). — Riesengebirge (Limpricht). — Bukovina (Glatzer Grenze), am 
Sandsteinen sehr háufig (Nees). — Litic náchst Pottenstein (Sitenský)! 


2. L. minutissima Dmrt. (Corda: Sturm p. 177 tab. 47). — Pflanze needlich, 
lichenenartig, 2—6 mm lang. Blátter entfernt stehend, mit grossen Blattohren und 
- eifórmigen, an der stumpfen Spitze kurz Zlappigen Oberlappen.  Unterblátter kletn, 
oft fehlend. Sonst wie vor. 


24 Einháusig. — Frucht im Sommer. 


In kleinen, kaum sichtbaren gelborůnen Flecken in den Ritzen der Rinde alter 
© Laub- und Nadelbáume, ja selbst an modernden Stámmen in der Gebirgsregion sehr selten. 
— Bóhmerwald: am Falken bei Eisenstein an alten Buchen (Corda). — Da die diess- 
bezůclichen Specimina sich nicht erhalten haben, und weil Cordas Abbildung jener Pflanze 
fůr eine Copie nach Hooker sgehalten wird, ist es rathsam, dieser Art die grósste Auf- 
merksamkeit zu schenken. 


2. Frullania Raddi. 


w) Blattohr beutelfórmig, kůrzer und schmáler als die Unterblátter. 


1. F. Tamarisci N. v. E. — (Jungerm. L. — Iubula Dmrt.) — /ettglůnzend 
Oberlappen kreisrund oder rundlich-eifórmig, mit niedergebogener oft scharfer Spitze. 
Blattohr lánglich cylindrisch. Unterblitter viel breiter als der Stengel, lčnglich Aseitig 
oder vundlich, kurz herablaufend, am Rande zurůckgerolit. Kelch lánglich, glatt. Sporen 
sternfórmig gewarzt. 


Rothlich- bis schwarzbraun, selten dunkelgrůn, locker grossrasic. 


Zweiháusig. — A — Frucht im Herbste und Frůhling. 

An felsigen Lehnen, oder in Wáldern an Felsen, Baumstrůnken und Stimmen 
von Mittel-Bóhmen bis auťs Hochgebirge ziemlich háufig. — Prag: háufig an Silurfelsen, 
so im Šárka-Thale, bei Motol, Závist, Radotín u. s. w. bis Štěchowiz! Půrgliz! — 
Kolín (Veselský)! — Im Wruticer-Thale náchst Melnik! Ledeč an Felsen des Sázawa- 


© Flusses!  Královic an der Želivka! — Písek, besonders an der Otawa-Lehne unterhalb 
der „Flachsdorre“ ! — Hohenfurth! — Eisenstein; hoch auf Buchenstimmen! Am Weiss- 
bach náchst Bergreichenstein! — Joachimsthal (Hoffmann)!  Schlackenwerth (Reiss)! — 


Tópl (Konrad)! Tepliz (Winkler)! Bóhm. Kamniz (Karl)! — Hammerstein (Langer)! 
Reichenberg (Siegmund)! Haindorf (Menzl)! Hóchste Erhebungen. des Isergeb. (Limpricht). 


P) Blattohr kappen- oder helmfórmig-hohl, so breit oder grósser als die Unterblátter. 


2. F. dilatata N. v. E. — (Corda: Sturm pag. 144 tab. 40. — Presl: Obr. 
22. fig. 1490.) — Glamzlos. Oberlappen kreisrund. Blattohr fast halbkugelig, kappen- 
fórmighohl, grósser als die runden, kurz eingeschnittenen, flachrandigem Unterblátter. 
Blattzellen gleichfórmig, undurchsichtie, in den Zelleckem stark verdickt. Kelch hóckerig, 
an den Kanten zahnartig crenulirt. 


3 0 Madotheca. 


In braunen oder schwarzgrůnen, selten frisch grimen (var. viridis), meist důnnsternfórmig 
ausgebreiteten, aber auch lockeren stattlichen Uberzůgen. 


Zweiháusie. — 2 — Frucht im Herbste und Frůhjahr. 


In Wáldern an Baumstámmen und Felsen, sowie auch im Hecken, an Fluss- 
abhángen und Rainen von der Ebene bis auťfs Hochgebirge verbreitet, stellenweise in 
Gemeinschaft mit der Vor. — Var. věridis) im Walde bei Obecnic im Brdygebirge (Freyn)! 


* F, fragilifolia Tayl. (F. dilatata 6. microphylla N. v. E. z. Th.). — Kleiner 
und dunkler gefárbt, glanzlos. Oberlappen Zežchť abbrechend, verkehrt eirundlich. Blattohr 
breit lůnglich, helmfórmig, so breit als die verkehrtefórmigen, tief und scharf aus- 
gebuchteten, fachén Unterblátter. | Zellen ungleichfórmig: Randzellen des Oberlappens 
klečner, die mittleren und basalen grósser und dunkler, % ener oder wenigen perl- 
schnwrartigen Rečhen. Alle Zellwánde r%ngsum glevchmůsstg verdickt. Kelch glatt. 


Zweiháusig. — 4% — Meist steril, sonst Frucht im Herbste und Frůhjahr. 


An Felsen und Laubstámmen der unteren Bergregion sehr selten, und zwar 
nur von der Nordseite des Riesengebirges aus Schlesien bekannt (Kynast, Prudelbere, 
Josefinenhůtte nach Nees und Limpricht). 


2. Familie. Platyphylleae. 


Stengel wiederbolt fiederástie. © Wurzelhaare spárlich oder 0. Blátter gedhrt. 
Unterblátter gross oder fehlend. Kelch parallel zur Stengelebene mehr oder minder 
flach zusammengedriickt, 2lippig und guergestutzt. Kapsel bis zur Basis 4klappig oder 
4záhnig, deren Winde ohne Ringfasern. Šporen viel breiter als die bis 3spirigen Schleuderer. 


Gattungen: 


1. Madotheca. Unterblátter gross, ungetheilt.  Blattohr mit dem Oberlappen 
schmal zusammenhángend.  Fruchtáste seitenstándig. Kelch beiderseits convex, 
wimperig gezáhnt. 


2. Radula. Unterblátter fehlen. Blattohr mit dem Oberlappen lángs seiner Basis 
verwachsen. Fruchtáste gipfelstándig. Kelch platt zusammengedrůckt, ganzrandig. 


1. Madotheca Dmrt. 


«) Blatt-Oberlappen ganzrandig. 


1. M. platyphylla Dmrt. — (Jungerm. L. — Porella Lindb. — Lejeunia Corda: 
St. tab. 26. — Presl: Obr. 22. fig. 1463). — Dunkelgrůn bis gelbbraun, glamzlos. 
Blátter gedrinet, an der Basis etwas vertieft, stumpf abgerundet.  Blattohr kaum her- 
ablaufend, stumpjlich, an der Basis mit 1 oder wenigen lůngeren Záhnen. Unter- 
blátter gerundet guadratisch, an der Spitze und am Rande stark zurůckgerollt. 


Rasen gross und dicht. Kapsel hellbraun, bis unter die Mitte 4záhnig. Sporen gelbgrůn, 
dicht kurz-stachelig, mehrmals breiter als die oft 3spirigen Schleuderer. — In Form des Blatt- 
randes und der Umrollung *besonders der Unterblátter, sowie auch in Farbe sehr veránderlich. 

b) Thuja (Porella "Thuja Lindb. — M. navicularis N. v. E. z. Th.) — Sehwach glůnzend. 
Stengel regelmássicer gefiedert. Blátter dicht angedrůckt. Blattohr lánglich, stumpf, am Rande 
stark zuriickgerolit, entfernt gezčhní. — Grósser als Vor. 


Zweiháusig, — A — Frucht im Sommer. 


In Laub- und gemischten Wáldern von der Ebene bis zum Fusse des Hoch- 
gebirges zerstreut, stellenweise gemein. — Flussthůler der Moldau, Beraun, Sázava, Ze- 
livka und Iser gemein. — Bóhm. Kamniz (Hrabal)! — Schlackenwerth (Reuss)! Cekaniz 


Radula. 31 


-in Sůdbohmen (Velenovský)! — d) An Buchenstimmen am Nordabhang des Spitzberges 
bei Eisenstein, spárlich, im August 1881! 


2. M. rivularis N. v. E. (Porella dentata Lindb.) — Im frischen Zustande feti- 
glánzend, trocken glanzlos. Stengel bis 1 dm lang, unregelmássig gefiedert oder fast 
gabelig, an der Spitze oft bůschelig verzweigt. Aste oleichbreit, am Ende abgerundet. 
Blátter gross, schtef breit-eifórmig, abgerundet und mit der Spitze nmedergebogen, ganz- 
"randig. Blattohr viel kleiner als der Oberlappen, dem Stengel anliegend und vom Unter- 
blatte an der Basis bedeckt, schief eifórmig, spitz, am Rande stark zurůckgerollt, und 
lang herablaufend.  Unterblátter sehr weit herablaufend am der gerundeten Spitze zu- 


- růckgeschlagen, am Rande wellig, oft gezáhnt. Zellen důnnwandig durch Chlorophyll und 


kleine spindelfórmige Oeltropfen undurchsichtig. 


In lockeren Úberzůgen oder auch in stattlichen, schwammicen Polstern von dunkelgrůner 


- oder schwarzgrůner Fárbung, vom Habitus der folgenden. 


Zweiháusic. — 24 — Frucht bei uns nicht beobachtet. 


An triefenden oder ůberriesélten Felsen, auch an steinigen Ufern der Gebirgs- 
báche von den oberen Lagen der Hůgelregion bis auťs Hochgebirse sehr selten auf- 
tretend. — Im Gebirgsbache in Ober-Lipka oberhalb Grulich im September des J. 1880 
in grossen schwammigen Polstern an triefenden Ufern! 


P) Blatt-Oberlappen am hinteren Rande cezáhnt. 


3. M. laevigata Dmrt. (Lejeunia Hampe. — Porella Lindb.). — Gelblich oder 
bráunlichorůn, stets glůnzend. Blátter dicht gedránst, angedrůckt, am Růcken convex, 
scharf zugespitzt. Blattohr nicht herablaufend, schmal lůnglich, am Rande meist nicht 
zurůckgerollt, welltg und wimperig gezčhnt. Unterblitter angedrůckt, herablaufend, rtgs 
wimperig gezůhnt. 

Rasen gross, flach polsterfórmig, gelbbraun, selten dunkelorin. Áste gleichen Alters úberall 
oleich breit (bis 2 nm), am Ende stumpf. Kelch ber 2 mm lang, weniger zusammengedrůckt, 


kůrzer als der Stiel. 


Zweiháusig. — 4 — Frucht im Sommer; doch bei uns selten fruchtend. 
Besonders an kalkhaltigen schattigen Felsen, auch auf Granit und Silurschiefer 
in der Hůsel- und Berg-Region, mit seltener Ausnahme auch in Mittelbohmen. — Prag: 


an kalkhaltigen Silurfelsen der bewaldeten Lehne bei St. Prokop im J. 1854 von Kalmus 
entdeckt, und von mir 1875 wiedergefunden! Am Zalužaner Bach im Walde bei Zavist 
an einem triefenden Felsblock in ausgewáhlten Polstern im J. 1888! [Riesengebirge (nur 
schlesischerseits); Grafschaft Glatz]. 


2. Radula Dmrt. 


1. R. complanata Dmrt. (Jungerm. L. — Jubula Corda in Sturm pag. 152.) 
Stengel ohne Wurzelhaare, diese nur aus der Mitte des Blatt- Unterlappens entspringend. 
Blátter dicht dachziegelig, fast flach, ganzrandie. Oberlappen rundlech, Unterlappen fast 
guadratisch, Amal kleiner, an der Ursprungs-Stelle eines Astes micht fehlend. Kelch 
verkehrt kegelfórmig, nach der Bauchseite úbergeneict. Kapsel bis zum Grunde 4klappig. 

In strahligen, flach angedrůckten, meist gelbgrůnen Úberzůgen mit unregelmássig ge- 
fiederten Stengeln. Zellen undurchsichtig mit randstándigen Chlorophyll und entweder ezmem sehr 
grossen oder nebstdem mit noch 2 kleineren Oeltropfen. Keimkórner, seltener sehr zahlreich, rand- 
stándig, grůn, 'zuletzt 3—4eckig und gebráunt. Sporen sehr eross, tetrádrisch rund, gekórnelt, 


bedeutend grósser als die bleichoelben Schleuderer. — var. propagulifera Nees (R. commutata 
Gottsche) ist durch viele Keimkórner an den Blattrándern bedeutend habituell geándert. 


Einháusig. — 2 — Frucht im Mai, Juni. 


An Wald- und Feldstámmen, Baumstrůnken, Felsen, seltener auf abgestorbenen 
Moosen, nackter Erde oder sogar an feuchten Strassen-Kanálen von der Ebene bis auťs 
Hochgebirge ziemlich gemein. — Am feuchten Strassenkanal wurde sie bei Konopischt; 


32 "Erichocolea. — Ptilidium. 


náchst Beneschau gesammelt, und zwar in der Náhe des, in der Eichentheorie Epoche 
machenden, vergrůnten Trifolčum repens, das von mir dort gesammelt worden. — Var. 
propagulifera Nees. An Felsen im Elbgrund im J. 1832 (v. Flotow). 


3. Familie. Ptilidieae. 


Stengel kriechend oder aufsteigend, gefiedert.  Blátter vtelfach zerschlitzt, in 
Ober- und Unterlappen getheilt, beide am Rande ihrer Lacinien in einfache oder žstige 
haarfeine Wimpern aufgelóst. — Unterblátter kleiner, áhnlich gestaltet. © Geschlecht- 
organe spiter auf seiten- oder gabelstándigen kurzen Ástchen. Kapsel fehlend und durch 
einen aufrechten fleischigen Fruchtast ersetzt, — oder entwickelt, drehrund keulenfórmig 
die Hůllblátter weit úberragend. 


Gattungen: 


1. Trichocolea. Blátter fast bis zur Basis handfórmie getheilt. Ihre Lacinien 
vielástig-haarfein zerschnitten.  Fruchtast fleischig, keulenfórmig. Kelch fehlend. 


2. Ptilidium. Blátter bis unter die Mitte handfórmie getheilt. Lacinien lang- 
wimperig zerschlitzt.  Fruchtast normal, mit langem drehrundem Kelche. 


1. Trichocolea Nees (Tricholea Dmrt.) 


1. T. Tomentella N. v. E. — Weiss- oder gelblichogrůn, mit 2—3fach regel- 
mássig gefiedertem, wurzellosem Stengel.  Blatt-Oberlappen in 2 gróssere, Unterlappen 
in 2 kleinere Abschnitte getheilt. Zellen durchsichtig, in den Ecken nicht verdickt, 
meist rectangulár, mit je 4-——10 Oeltropfen. Der keulenfórmige grosse Fruchtast steif 
behaart.  Kapsel lánslich eifórmig, violett rothbraun. Sporen von der Breite der gleich- 
farbigen Schleuderer. 


In ausgedehnten, schwammingen filzartigen Polstern mit bis 1 dm langen Stengeln und 
schimmelartigen Habitus. 


Zweiháusig. — A — Frucht im Frůhjahr. 


An Sůmpfen und Auellen in schattigen Wáldern von der Hůgelregion bis auf's 
Hochgebirge zerstreut. — Prag: am Waldbache zwischen Štěchowiz und den Johann- 
Stromschnellen! — Štiřín, Sýkora bereits im J. 1823 (Opiz, Kalmus u. a.)! — Bei Kuša 
náchst Blatna (Velenovský)! — Tepliz (Winkler)! Tepl (Konrad) ! — Rothenhaus (Roth) ! 
Bóhm. Kamniz (Hrabal)! © Nixdorf (Fischer und Neumann) ! — Schluckenau (Karl)! 
Bóhm. Leipa (Watzel). — Turnau in Waldsůmpfen bei Wartemberg! — Am Sůdlichen 
Jeschkenabhang! Riesengebirge (Nees). — Adersbach zwischen Torfmoosen ! — Am Nord- 
abhang des Blaník bei Vlaším! 


2. Ptilidium N. v. E. 


1. P. ciliare N. v. E. (Blepharozia Dmrt. — P. pulchrum Corda: Sturm, p. 162 
fs. 43.) — Gelb- bis schwarzgrůn, oder rothbraun. Steneel einfach oder doppelt ge- 
fiedert, kurz wurzelhaarig. Blattwimpern meist niedergebogen. Zellen der flach abstehenden 
Blattláche eckigrund, durchscheinend bis undurchsichtig, in den Ecken stark verdickt. 
Kelch mehrmals lánger als die Hůllblátter, aufwárts keulenfórmig, faltig an der Můndung 
zusammengezogen und gewimpert. Kapsel oval, hellbraun. Sporen mehrmals breiter als 
die gelblichen Schleuderer. 


* 


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Mastigobryum. 33 


| Je nach der Trockenkeit des Standortes und dem Geschlechte sehr veránderlich. Mánn- 
liche Rasen kleiner, mit fadenfórmigem Štengel und kátzchenartigen Asten. Rasen gewóhnlich 
schwammig polsterfórmig, oder vereinzelt unter Sumpfmoosen, und dann bis 1 dm lang, und ent- 


fernt grossbláttrig. 


Zweiháusig. — 24 — Frucht im Frůhjahr und Sommer. 

In trockenen Nadelwáldern am Fusse der Baumstimme, oder an Baumstůmpfen 
und Stámmen, auť Haideland, seltener in Sůmpfen und auf Torfwiesen, durch die Hůgel- 
region bis auťfs Hochgebirge verbreitet. — Mittelbohmen: Prag, Žižkaberg oberhalb des 
Invalidenplatzes sehr spárlich! St. Prokop (Opiz)! Motol (Opiz)! Lehne bei Podbaba 


- (Velenovský)! — In Wůldern bei Rožmital (Velenovský)! — Sůdbohmen: Písek! Platz 


tabor. kr. (Leonhardi)! Blansker Wald! Bóhmerwald ůúberali bis auf den Arber háufig 
(Purkyně, Opiz, Corda)! — Westbohmen: Marienbad (Leonh.)! Hauenstein (Op.)! Karlsbad 
(Op.)! Pleiswedl bei Schónborn (Opiz 1818)! "Teplitz (Winkler)! — Nordbohmen: Im 


Wruticer Thal náchst Melnik! Rollberg (Watzel). Reichenberg (Langer)!  Jeschken! 
- Turnau! Fuss des Isergeb. (Limpricht).  Riesengebirge vom Fusse bis auf den Kamm 


gemein (Nees, Flotow, Sitenský)! Johannisbad! Adrsbach (Nees und Flotow). — March- 
guellen mit vielen Perianthien! im September 1880. — Ostbohm.: Pardubic (Čeněk). 
Bóhm. Trůbau (Stolz)! 


4, Familie.  Lepidozieae. 


Verástelung unregelmássig oder bis 3fach gefiedert. Aste oftť peitschenartig 
verlángert und nebstem klečnbláttrige Flagellen aus der Axel der Ublátter.  Blátter 
handfórmig getheilt oder S—4záhnig. Unterbl. deutlich meist vielzáhnig. © Geschlechts- 
áste ventral angelegt, Kelch lang oben Sfaltig. Kapsel normal. Sporen dicht gekórnelt 


-so breit oder breiter als die Schleuderer. 


Gattungen: 


1. Mastigobryum. Blátter unsymmetrisch-eifórmig, niedergebogen, an der meist 
guergestutzten Spitze 3záhnig. © Unterbl. 3—5záhnig. Flagellen zahlreich, der 
ganzen Lánge nach gleichfórmic, kleinbláttrig. 


2. Lepidozia. Blátter und Unterbl. breit, fast guadratisch, 4lappig, Lapen nieder- 
gebogen. Aste gegen das Ende flagellenartig verdůnnt. 


1. Mastigobryum N. v. E. 


1. M. trilobatum N. v. E. — (Jungerm. L. — Herpetium N. v. E. — Pleuro- 
schisma Dmrt.) — Stengel bis úber 1 dm lang, straff, breit beblčittert, lángs der Růcken- 
mitte convex, reichlich Flagellen tragend.  Blátter dachziegelig, Dreit und verlángert 
eifórmig, an der gueremn Spitze meist ungleich 3záhnig.  Unterbl. fast nierenfórmg, 
d—zdhnig. © Zellen diinnwandig, anguldr stark verdicht. 

In grůnen oder gelbgrůnen, meist stattlichen Polstern. Die Normalform mit Bláttern bis 
5 mm breit. Seltener kleinbláttrig, feiner und niederliecend, mit weniger niedergebogenen Bláttern, 


(Var. minus N. v. E.). — Kelch lanzettlich, nach oben verdůnnt, undeutlich kantig. Kapsel lánglich 
oval, braun, 5zellschichtig. Sporen breiter als die gleichfarbigen Schleuderer. 


Zweiháusig. — 2 — Frucht im Sommer. 

Besonders an schattigen Sandsteinfelsen der Kreideformation, aber auch im Urge- 
birge, an Abhángen und Hohlwegen von der Ebene (wo seltener) bis in die untere Region 
des Hochgebirges zerstreut und da háufiger als am Kamme desselben. — Prag: Motol 
(Opiz)! Krč (Stolz)! — Am Sandsteinfelsen im Wruticer Thal! Westbóhm.: Tepl (Konrad)! 
Hauenstein (Opiz)! — Sůdbohm.: An Waldbáchen bei Obecnic im Brdagebirge (Freyn)! 
— Běhmerwald bei Eisenstein! Am Arber! Schwarzer See (Em, Purkyně)! — Ostbóhm.: 

3 


94 Lepidozia., 


Počátek (Pokorný)! — Nordbohm.: Turnau in Wůldern an (uadersandstein zahlreich | 


(bei Waldstein, Gross-Skal, am Kozákov-Berge)! Jeschken auch var. minus! — Reichen- 
bere (Šiegmund u. a.)! Bóhm. Leipa (Watzel). — Schluckenau (Karl)! — Nixdorf 
(Fischer u. Neumann)! — Loukovec? (Spengler). — Isergebirge (Limpricht). — Riesen- 
gebirge an der Mummel, Elbe, Weisswasser und Aupa! Am Gebirgskamme noch am 
Hohen Rad! — Johannisbad (Nees).  Adersbacher Felsen (Flotow)! Petersdorf! — 
Marchguellen ! 


2. M. deflexum N. v. E. — (Jungerm. Mart. —  Pleuroschisma Dmrt. — 
J. tricrenata Wahlenb. — Presl: Obr. 22. fig. 1464). -— Viel kleiner und schwácher 
als vor. Stengel mit Bláttern lángs der Oberseite vollie convex, oft mit Flagellen, Blátter 
vollstůndig niedergebogen, gegen die Spitze viel sehměler, schrůg gestutzt, 2—3 (4) 
záhnig. Unterblátter geawohnlech mit 1 Einschnitt, zuweillen auch 3 oder 4kerbig. Zellen 
gleichfórmig verdickt. 

In bráunlichen oder gelbgrůnen, dichten Rasen oder schwammigen Polstern. SŠtengel 
1—8 cm lang mit spárlicheren kurzen Asten und Flagellen. Zellen mit 2—3 Oeltropfen. Sonst wie Vor. 


Zweiháusig. — A — Frucht seltener, im Sommer. 

Am Fusse feuchter, úberrieselter Felsen, an Guellen, seltener auf nackter Erde 
oder auf Holz von der oberen Hůgelregion bis auťfs Hochgebirge zerstreut. — Bereits 
im J. 1823. von Opiz angefůhrt. — Schluckenau (Kari nach Rabenhorst). — Bóhm. 


Leipa: auf Sandstein bei Rabenstein (Watzel). — Jeschken (Corda nach Nees). — Hain- 
dorf (Flotow). — Isergebirge (Nees). Im Flussbeete der Iser bis auf den hóchsten Erho- 
hungen (Limpricht). — Riesengebirge: bereits von Funck 1819 bekannt (wohl die Opiz'sche 
Angabe); daselbst nach Nees, Flotow und Limpricht am ganzen Kamme verbreitet, von 
mir aber nur bei Weisswasser angetroffen! — Felsenstadt bei Weckelsdorf und Aders- 
bach ! — Bůhmerwald: Nordabhane des Arber! So auch am Spitzberg bei Eisenstein 
und am Schwarzen See ziemlich háufig! 


2. Lepidozia G. L. et N. 


1. L. reptans Dmrt. (Jungerm. L. — Herpetium N. v. E.) — Stengel fein, bis 
fast doppelt gefiedert, mit oft ča Dlattlose Auslůufer sich verlingernden Aesten. Blátter 
mit 5—4, etwas ungleichen, medergebogenen schmalen Lappen. Unterbl. áhnlich, jedoch 
breiter als lang.  Zellen sehr důnnwandig, angulár schwach verdickt, met zahlrečchen 
Oeltropfen.  Kelch lánglich, gross, wasserhell, an der stumpf- 3kantigen zusammen- 
gezogenen Můndung kleingezáhnt.  Kapsel lánglichoval; Sporen kaum breiter als die 
Schleuderer. 


In dicht verwebten, flachen, bleichgrůnen Ráschen feiner Zergliederung, oder vereinzelt, 
Die £ Aste kůrzer als die Blátter, mit angedri úckten Bl. — Die © Áste zahlreich, armbláttrig. Hůll- 
blátter 3—4 záhnig, kůrzer als der Kelch. 


Einháusig. — 24 — Frucht im Frůhjahr und Sommer. 

Besonders in der Kreideformation an Auadersandstein, aber auch auf Wald- 
boden, faulenden Strůnken, seltener an lebenden Stimmen, von der Ebene bis auťfs Hoch- 
gebirge fast gemein. — Prag: Laurenziberg, Michle, Krč (Opiz)! Kůnigsaal, Závist. — 


Medník! — Štiřín (Sýkora schon 1816)! — Pardubic. — Holic. — Jungbunzlau. — 
Bósig. — Turnau. — Bóhm. Leipa. — Reichenberg. — Isergebirge (Renger, Nees, 
Limpricht)! — Neuwelt! — Riesengebirge bis auf die Schneekoppe (Nees)! — Aders- 
bach und Weckelsdorf! — Johannisbad! — Glatzer Gebiroszug! — Erzgebirge: Hauen- 


stein (Opiz)!  Karlsbad! — Sůdbohmen: Rožmital. — Písek! — Bóhmerwald: úberall 
verbreitet bis auf den Arber! | 


“ 


Geooalyx. — Calypogeia. 35 


o. Familie.  Geocalyceae. 


Dreireihig bebláttert. BI. thei/s unterschléichtig, scharf Zlappig, theils oben- 
schláchtig, abgerundet oder eingedrůckt. © Unterbl, 2lappig. Fruchtast ventral, kurz, 


| umterirdisch, flaschen- oder sackfórmig und fleřčschig, Haube zu */, mit der Kelchform 
- verwachsen. © Kapsel gestielt, normal. 


Gattuncgen: 


1. Geocalyx. Blátter unterschláchtig, eifórmig 4-eckig, seicht-scharf- fast recht- 
winkelig ausgebuchtet.  Unterblátter mit 2 lanzettlichen, spitzen Lappen. 


2. Calypogeia. Blátter oberschláchtig, rundlich eifórmig, abgerundet oder seicht 
eingedrůckt.  Unterblátter schmal und stumpf ausgebuchtet. 


1. Geocalyx N. v. E. 


1. G. graveolens N. v. E. (Jungermannia Schrad.). — Stengel fest angeheftet 
dicht wurzelhaarig, wenig ástig. BI. schrág inserirt, horizontal und fast flach ausge- 
breitet, mit meist spitzigen, abstehenden Lappen. Unterblátter klein, angedrůckt, bis zur 
Hálfte čingeschnitten. Zellen 5—6eckig, diinnwandig, angulár schwach verdickt, undurch- 
sichtig. © Fruchtast flaschenfórmig, spávlich behaart. Kapsel cylindrisch, mit linearem, 


> aussen vinnenfórmigen Lappen. Sporen etwas breiter als die 2spirigen dunkelbraunen 


Schleuderer. 

In grůnen, zuweilen dunkelgrůnen, flach angedrůckten Uberzůgen. Stengel rechts-links 
gewunden, dunkler als die Blátter, bis 2 cm lang und bebláttert 1 m breit. Der obere Blattrand 
ist mehr gerade als der im deutlichen Bogen verlaufende untere; beide sind sehr seicht geschweift. 
Die Blatt-Lappen sind zuweilen durch eine vorragende Zelle stachelspitz, und seltener gleich- 
laufend. Zellnetz trockener Exemplare licht, scheinbar rundlich, mit wandstándigem grosskórnigen 
Chlorophyll und lichten, besonders in den Ecken breiteren Zellgrenzen. 


Einháusig. — 2 — Frucht im Mai und Juni, jedoch nicht úberall. 
An schattigen Felsen, Bachufern, modernden Baumstrůnken, auch zuweilen an 
abgestorbenen Moosen der Hůgel- und Bergregion, selten. — Turnau an feuchteren Sand- 


steinfelsen unterhalb Waldstein, spárlich! — Bóhm. Leipa: selten an Sandsteinen im 
Hóllengrund (Dir. Watzel). — Nach Plumert auch im Gebiete des Iser- und Jeschken- 
gebirges. — Riesengebirge: (nur von Schlesien durch Nees und Limpricht bekannt.) — 


Bohmerwald: Rabenstein (Martius nach Nees). Eisenstein: beim Teufelsee an Urgestein 
und an Baumstrůnken des Waldbaches anfangs Juni mit reichlichen Frůchten. So auch 
beim Bache unterhalb Debrník zahlreicher! 


2. Calypogeia Raddi. 


1. C. Trichomanis Corda. (Mnium fissum L. — Cincinnulus Trichom. et Spren- 
gelii Dmrt. — Corda: Sturm pag. 38. tab. 10. — Presl: Obr. 22 und 23 fig. 1496 
und 1526). — Stengel kriechend, an den Unterbl. dicht wurzelhaarig und daselbst am 
Ende manchmal flagellenartige Áste entwickelnd. Blátter hor?zontal ausgebreitet, abge- 
rundete mt eingedriickten, selten 2zdhnigen oft gemischt. Unterblátter breiter als der 
Stengel, rundlich, mit eirunden, spitzen oder stumpfen eingebogenen Lappen. Zellen 
5—6eckig, důnnwandig, angulár kaum verdickt, licht, mit wandstindigem grosskórnigen 
Chlorophyll und wenicen lánglichen oder runden Oeltropfen. Fruchtast sackfórmig, mit 
abwárts gerichteten Wurzelhaaren. Kapsel cylindrisch, sowie die Klappen spiíralig ge- 
dreht. Sporen tetraedrisch-rund, fast doppelt breiter als die dunkleren Schleuderer. 

b) acutifolia mihi. — Kleinbláttrie, Blátter zugespitzt, bogenfórmig herabgekrimmt und 
dicht ziegeldachfoórmig sich deckend. In freudig grůnen oder bláulichgrůnen, schwach fettglán- 
zenden, flachen, meist stattlichen Uberzůgen. 


ak 
a 


36 Calypogeia. 


Zweiháusie,. — A — Frucht im Juni. | 

An feuchten, schattigen Felsen, besonders an GAuadersandstein, an modernden © 
Baumstrůnken, Hohlwegen und Grabenrándern, auch an mooriger Erde von der Ebene, © 
wo seltener, bis auťs Hochgebirge verbreitet. — Mittelbohm.: Neuhof bei Kuttenberg 
(Veselský)! — Nordboh.: Wálder bei Běsig! — Turnau an Guadersandstein in Wáldern © 
úberall zahlreich! — Jeschken! — Bóhm. Leipa (Watzel). — Haindorf (Flotow). — 
Isergebirge (Limpricht). —  Riesengebirge: Teufelsbere bei Neuwelt!  Pantsche- Wiese, 
Weisse Berg und sonst úberall (Sitenský)! Kesselgrund (Nees). Kl. Sturmhaube! Aupathal 
und anderwárts (Flotow). — Adersbach (Nees)! © Weckelsdorf! Glatzer Gebirgszug! 
Litic bei Pottenstein (Sitenský)! — Westbohm.: Geissberg (Opiz)! — Sůdbohm.: Písek 


in Hůrky und bei der Schwimmschule. — Am Langen „Stein“ im Walde bei Obecnic 
im Brdagebirge (Freyn)! — Bóhmerwald: Schóninger, Rosenberg, Aussergefilde, Eisen- 
stein, Arber! — 9) Am „Fischerfilz“ unter dem Mittagsberg náchst Stubenbach im 


Bóohmerwald im J. 1881! 


6. Familie. Jungermannieae. 


Stencel 2 bis 3reihig bebláttert. Blátter unterschláchtig, ganzrandie, oder wim- 
perig gezáhnt, 2-mehr záhnig oder lappig, guer seltener schrág inserirt.  Unterbl. meist 
fehlend, sonst gegen die Štengelspitze entwickelt, seltener lángs der ganzen Unterseite 
sichtbar, grósstentheils wenig deutlich. Kelch am Ende des Hauptstengels oder ventraler 
Áste, aus den Hůllbláttern hervorragend (manchmal von ihnen eingeschlossen), walzen- 
fórmig oder zusammengedrůckt; seine Můndung verschiedengestaltig.  Kapsel bis zur 
Basis 4klappig. Sporen kugel- oder tetraedrischrund. Schleuderer 2spirig. 


Gattungen: 


a) Blátter sehr schrág inserirt, mit dem Dorsalrande herablaufend. Unterblátter meist 
deutlich. 


«) Unterblátter fast am ganzen Stengel deutlich. Kelch stielrund, 1- selten (am 
Grunde) mehrschichtig. 
1. Chiloscyphus.  Stengel am Grunde der Unterbl. mit Wurzelfasern, © Blátter 
guadratfórmig, ganz abgerundet, guergestutzt oder eingedrůckt,  Unterbl. klein, 
selten 2lappie.  Kelch tief Sspaltig, ganzrandig oder gezáhnt. 


2. Harpanthus. Stengel úberall mit Wurzelfasern. BI. rundlich-eifórmig, kurz- 
stumpf- oder scharf 2lappig. Unterbl. oft so lang als die Seitenbl. — Kelch am 
Grunde mehrschichtig, 3——5lappig, sonst ganzrandig. 


cÍ 


. Lophocolea. Blátter mehr oder weniger tief 2 spaltig oder dimorph: (einige 
guergestutzt oder abgerundet, andere ausgerandet oder kurz 2lappig).  Kelch 
Slappig, kammfórmig gezáhnt. 


P) Unterblátter nur gegen das Stengelende deutlich, pfriemenfórmic. 
4. Plagiochila. Kelch von den Seiten zusammengedrůckt. 


bd) BL., besonders die jůngeren guer inserirt, in der Gruppe der J. integrifoliae und bar- 
batae auch etwas schrág und einwenig herablaufend. Unterblátter meist undeutlich oder fehlend. 


«) Kelch von vorne nach hinten zusammengedrůckt, seltener wenig abgeflacht. 


5. Scapania.  Blátter meist unoleich- 2lappig. Lappen gefaltet mit Ober- und 
Unterlappen, oft gekielt. 

P) Kelch stielrund, hervorragend, oder durch Hůllblátter mehr weniger versteckt, 

BI. verschieden. 

6. Jungermannia. Kelch am Ende des Stengels oder der Hauptáste; — zu- 

weilem an ventral angelegten Ásten; dann sind die Stengelblátter tief 2lappig. 


7. Sphagnoecetis.  Kelch und Antheridien an ventralen Ásten.  Blátter ganz- 
randig, ungetheilt. 


Chyloscyphus. — Harpáanthus. 37 


1. Chylosceyphus Corda. 


1. Ch. polyanthos Corda. (Jungerm. L. — Ch. lophocoleoides und pallescens N. 
v. E. — Corda: Sturm, p. 35. tab. 9). — Stengel schlají, sparrig gabelástig, lang. 
- Blátter fast horizontal tnserirt, dorsal herablaufend. Unterbl. deutlich, evformig, zur *; 
-oder tiefer 2spaltig, meist mit linealen Lappen, angedrůckt. Zellen 5—6eckig; Zell- 
wánde gleichmássig schwach verdickt. Fruchtast se/r Jel, ventral, mit 2záhnigen Hůll- 
bláttern. Haube meist linger als der becherfórmige tief Sspaltige Kelch. Kapsel 5zell- 
schichtie mit gelb-braunen, doppelt breiteren Sporen als die Schleuderer. 
Sehr veránderlich in Blattgrósse, Farbe und Štárke. Kriechend oder fluthend, bleich- bis 


dunkelgrůn, mit ausgebreiteten Bláttern 2 bis 5 »m breit und hóchstens 1 dm. lang. Auch die 
Grósse der Zellen und die Dicke der Zellwánde sind nicht constant. — 


b) pallescens (Schrad.). Blátter bleich, gelblich oder gelbsrůn. Unterbl. meist deutlich 


erhalten. Kelch mit langen dornig gsezáhnten Lappen. — Landform. 
c) rivularis (Schrad.). Dunkelgrůn, fettglánzend, meist fluthend und dann bis 1 dm lang 
Unterbl. abwárts meist zerstórt. Zellen dickwandig, chlorophyllreich. — Sumpf- oder Wasserform 


Einháusig. — A — Frucht im Frůhjahr. 

Auf bemoostem Waldboden, an Waldgráben, nassen Wiesen, auf morschem Holze 
von der Ebene bis auťs Hochgebirge zerstreut. — Ohne die beiden Formen zu berůck- 
sichtigen folgen die bisher bekannten Standorte: — Von Opiz bereits im J. 1823 an- 
gefůhrt. Prag: Berg Medník b. Štěchowic! Štiřín (Sýkora)! — Ledeč in einer Waldguelle 
náchst Melechov! — Blaníker Nordabhang bei Vlaším! — Obecnicer Revier im Brda- 
gebirge (Freyn)! — Písek, an mehreren Waldplátzen und auf einer Můhlrinne in der 
Stadt! — Rosenberg! — Teufelsmauer bei Hohenfurth! — Kuschwarda! Moldauguellen, 
Fischer- und Ahornfilz, Spitzberg bei Eisenstein! — Josefienenhůtte náchst Ober-Plan! — 
Marienbader Waldbach! — Kurovodic b. Můnchengrátz am Torflager! — Turnau, in 
Wáldern háufiger! — Jeschken! — Bóhm. Leipa (Opiz! Watzel). — Reichenberg 
(Langer)! —  Haindorf (Nees, Flotow). — Isergebirge (Nees, Limpricht). — Riesen- 
gebirge: Weisswasser! Weisse Wiese (Nees). Navorer Wiese und dort anderswo (Sitenský)! 
Elbefall (Flotow). — Aupa (Góppert). — Cudowa an der Glatzer Grenze (Flotow). 


2. Harpanthus N. v. E. 


1. H. Flotowianus N. v. E. (Jungerm. Hartmanni Thed. Mus. Suec. exs.) — 
Stengel lang, bráunlich-gelb, schlaff, kurz wurzelhaarig. Blátter fettglónzend, oberseits 
weit herablaufend, aufsteigend, sečcht stumpflich ausgerandet, mit kleinen, stumpflichen, 
zahnartigen Láppchen. Unterbl. viel kleiner, tief oder seicht 2—3spaltig, ganzrandig 
oder gezáhnt, anltegend, kiirzer als die Bl. — Zellen durchscheinend, důnnwandig, 
angulčr schwach verdickt. Hůlblátter auseinandergerickt. Haube kurz. Kelch fast 
spindelfórmig, glatt, Sfaltig, mit 3——5 meist ganzrand. Lappen. 


In gelbgrůnen, bisweilen bráunlichen, lockeren, schwammigen Rasen, deren Stengel 
2—6 cm. Lánge erreichen. Angefeuchtet sehr schlaff, zusammenklebend und schlůpfrig. 


Zweiháusie. — 2 — Frucht sehr selten; im Frůhjahr und Sommer. 

An Moor-, Torf- und Sumpfwiesen, an GOuellen, seltener auf morschen Baum- 
strůnken, nur im Bereiche des Hochgebirges ofters auftretend. — Isergebirge (Limpricht). 
— Riesengebirge: Koppenplan und W. Wiese (Flotow 1824, Nees). Sumpfige Stellen am 
sůdlichen Fusse des hohen Rades (Flotow). Kleine Sturmhaube in grossen Rasen! Elb- 
guellen und Pantsche-Wiese! — Bóůhmerwald: háufiger an Torfmooren, so an den Moldau- 
guellen, am Fischer- und Ahornílz! 


2. H. scutatus Spruce. (Jungerm. stipulacea Hook.) — Viel kleiner als vor. 
Stengel dicht wurzelhaarig, mit aufsteigenden schopfigen Ásten. Blátter dachziegelig auf- 
steigend, kleiner, meist zu */„ stumpf eingebuchtet, mt zugespitzten, oft gegeneinander 
genevgten Lappen. Unterbl. so lang als die Blátter, breit lanzettlich-pfriemenfórmig, am 


38 Lophocolea. 


Rande zurůckgebogen, meist ganzrandig, mit bogig eingekrůmmter Spitze. Zellen durch- 
sichtig, angulaer ŠSeckig verdickt. Kelch oval, am Ende faltig zusammengezogen. Sonst 
wie vor. 

Bleichorůn, lockerrasig, von der Tracht einer Jung. Muellert oder einer Form der Jung. 
bicuspidata. 

Zweiháusig. — 24 — Fr. im Sommer. 

Auf faulenden Baumstrůnken, schattigen Felsen, seltener auf nackter Erde. 
Bisher selten, und nur im Hochgebirge beobachtet. — Riesengebirge: Elbgrund (Funck 
im J. 1819). Háufiger an Schlesischer Seite (nach Nees). — Bóhmerwald: Schwarzer 
Seé an modernden Strůnken mit Jung. bicuspidata unter den Exsicaten des Dr. Em. 
v. Purkyně gefunden ! 


9. Lophocolea N. v. E. 


«) Alle Blátter gleichfórmic, durch eine tiefere Bucht in 2 lanzett-pfriemenfórmige 
oder spitz eifórmige (bei L. minor durch Keimkórner meist erodierte) Lappen getheilt. 


* Blattlappen pfriemenfórmig, unversehrt. 


1. L. bidentata N. v. E. (Jungerm. L. — L. lateralis Dmrt). Stengel verlángert, 
wenig stig, oder durch Sprossung aus der Scheitelregion lang gabelig verzweigt, spárlich 
wurzelbaarig. BI. an der Basis so breit als lang, gegen die Spitze schtef verschmálert, 
durch eine meist stumpfe oder rundliche Bucht zu ', n 2 ungleiche, metst divergirende 
Lacinien getheilt. Unterbl. kleiner, mit dogig eingekriimmten Spitzen. Zellen gleich, 
-sehr durchstichtig, důnnwandig, mit je 2—6 kleinen Oeltropfen. Gechlechtsorgane gipfel- 
stindig angelegt, spěter seitenstndig.  Kelch lánglich, mat spiťz gezáhnten Lappen. 
Sporen hellbraum, glatt, fast doppelt so breit als die dunkelbraunen Schleuderer. 

Lockerrasig, meist bleichgrůn, in Blatterósse und Ausbuchtung, sowie in Lánge und der 
gegenseitigen Richtung beider Lacinien veránderlich. 

Zweiháusig. — 2 — Fr. im Spátherbst. 

An feuchten, besonders schattigen Feldrainen, Lehnen, Wiesen, besonders aber 
in Wůldern an verschiedener Unterlage von der Eb. bis an den Fuss des Hochgeb. úberall 
gemein. Seltener im Hochgebirge, 


2. L. cuspidata Limpricht. (L. bidentata 6. cuspidata N. v. E. in v. Flotows 
Herb.) — Stengel oft weit hinab reich verzweist. BL. eifórmig, nach der Spitze betder- 
sets fast gleichměssty verschmálert, durch eine seichte, weit mondfórmige Bucht in 
2 metst gerade und gleiche Lacinien getheilt. Unterbl. weit abstehend.  Zellen mnder 
durchsichtig. © Geschlechtsorgane an ventral angelegten Seitensprossen. Kelch lángs 
Skantig, an den gefliigelten Kamten zuweilen gezihnt. Lappen der Můndung geschwesft, 
kaum gezdhnt. Sporen vothlichbraun, fein gekóvnelt. 


Habituell der Vor. áhnlich, jedoch satterůn. 
Einháusig. — A — Fr. im April. 
An feuchten Felsen der Hůgel- und niederer Beregregion sehr selten. — Aders- 


bacher Felsen (Nees)? — Sůdabhang des Jeschken oberhalb Světlá im J. 1878 spárlich 
und steril! 


** Blattlappen spitz eifórmig, gerade, meist ausgefressen gezáhnt. 


3. L. minor N. v. E. Kleiner als beide Vor. Stengel reich verzweigt, stellen- 
weise kurz-bůschelig wurzelhaarig. BL. oval-4eckig, mit fast gleichlaufenden Seiten- 
rándern. Unterbl. anliegend oder etwas abstehend, tief gabelig getheilt, mit breit pfriemen- 
fórm. jedoch meist ausgefressenen Lappen. Keimkórner reichlich, blassgelblěch, in rand- 
stěndigen Kliimpchen, © Frucht endstándie angelest, spáter seitenstándig. © Kelchlappen 
mt wenigen tiefen Zčihnen, 


. In dichtverwebten, hell- oder gelblichorůnen, oft weiten Rasen. Fast immer mit Keim- 
kórnern und daher selten mit Frůchten. 


n 


Placioohila. 39 


(m 


Zweiháusie. — 4 — Fr.? 

An sandigen, schattig feuchten Hohlwegen, Wegrándern, Baumstůmpfen, zuweilen 
auch auf gesunden Stámmen, von der Ebene bis zum Fusse der Hochcebirge zerstreut, 
jedoch stellenweise zahlreich. — Prag: Žižkow, Šárka, Sele, Roztok, Chabry, Stern, 
EEubočep, St. Prokop, Kuchelbad, Závist. — Am Graben bei der Fasanerie in Uhřině- 
ves! — Medník b. Štěchovic! — Kolín (Veselský)! — Am Třemšín im Brdagebirge 
(Velenovský)! — Schůttenhofen an der Anhóhe beim „Schutzengel“ ! — Písek! Bóhmer- 
wald: Kuschwarda, Arber! — Nordbohmen : Turnau im Walde Farářství, auch an gesunden 
Erlenstimmen ! Bósie! Mileschauer! — Fuss des Riesenceb.: Hohenelbe an Feldrainen, 
daselbst mit spárlichen Keimkůrnern! 

E P) BL. ungleichfórmig: guergestutzt, seicht eingedrůckt oder kurz und stumpf- 
appiS. 

4. L. heterophylla (Dmrt.). N. v. E. (Presl: Obr. 22. fig. 1492.) — Stengel 
stark bůschelig wurzelhaarig. BI. eirund-guadratisch, mevst doppelt gestaltig: die oberen 
setcht eingedriickt oder tiefer- ungleich gelappt, mit abgerundeten Ecken, oder ganz 
und guergestutzt; die unteren durch eine rundlich stumpfwinkelige Bucht stumpflich 
Zlappig. Unterbl. ziemlich gross, angedrůckt, bis unter die Mitte 2theilig. Keleh cylín- 
drisch becherfórmig, die Můndung guer gestutzt, an den Lappen grob gezáhnt. Sporen 
lichtbraun, fast glatt, etwas breiter als die dunkleren Schleuderer. 

In auscedehnten, flachen, meist bleich-gelblichorůnen Ueberzůgen von Grósse der L. 
bidentata. 

Einháusig. — 2 — Fr. im Mai-Juli. 

Meist an Baumstůmpfen, weniger auf nackter Erde oder an kieselhaltigen Felsen 
von der Ebene bis auf's Hochgebirge zerstreut. — Prag: Chabry! — Medník b. Štěchowic ! 
— Štiřín (Sýkora)! — Půrelitz! — An Erlstámmen und Fichten im Planina-Walde bei 
Obecnic im Brdagebirge (Freyn)! — Písek! — Blánsker Wald! — Teufelsmauer b. Hohen- 
furth! — Kuschwarda! Eisenstein, Spitzbereg, 


— Karlsbad! — Mileschauer! Jeschken! Turnau, b. Waldstein! — Fuss des Isergebirces 
(Limpricht). — Teufelsberg b. Neuwelt! — Elbgrund! Grenzbauden (Nees). Cudowa an 
der Glatzer Grenze (Flotow).  Adersbach! —  Petersdorf! — Adlerkostelec! — March- 
guellen! 


4. Plagiochila N. et M. 


1. P. asplenioides N. et M. (Jungerm. L. — Presl: Obr. 22. fig. 1481.) Haupt- 
stengel kriechend. Aeste aufsteigend oder aufrecht, fast ohne Wwurzelhaare. Bl. dicht 
sitzend, meist verkehré etrund, am Rande mehr weniger dichtgrobgezčhnt, mit dem 
Hinterrande zurůckgeschlagen. © Unterbl. an der Stengel-Spitze, klein, fadenfórmic, bald 
verschwindend. Kelch doppelt hóher als die Hůllbl., mit der Spitze umgebogen, an der 
schrůgen Miindung wimperig gezáhnt. Kapsel dunkel purpurn. 

Lockerrasig, oft sehr verláncert, grůn- bis gelblich- oder bleich-grůn. Zellen rundlich, 
b—8eckig, sleichfórmie, angulaer schwach verdickt, mit mehreren unoleichen Oeltropfen. In Blatt“ 
grůsse, ihrer Berandung, ja sogar in der Blattform veránderlich. — «) Mumális. Kurz, mit aufrechten 
Aesten. Blátter spárlich gezáhnt oder ganzrandig, mit dem Vorderrande stark '"zurůckoebogen, 
P) major. Verlángert und kriechend, grossbláttrig. Bl. bis 4 mm lang, meist dicht — zuweilen 
wimperig gezáhnt. y) keterophylla. Entferntbláttric. Bl. verschiedencestaltig, guergestutzt, ausge- 
randet oder ungleich kurz 2lappig. 

Zweiháusig (nach Carrinst. auch einháusig). — 24 — Fr. im Frůhjahr. 

In feuchten Wáldern oder auch an sonnigen buschigen Lehnen von der Ebene 
bis auť's Hochgeb. gemein. — () zerstreut, besonders in Bergwáldern; so bei Reichen- 
berg (Siegmund, Langer)! — Turnau! — Adersbach! — Marchguellen! — Rothenhaus 
(Roth)! Werschetitz Eger. Kr. (Thysebaert)! — Blaník! — Písek! — y) selten: Stern 
b. Prag im Walde beim Brunnen! 


2. P. interrupta N. v. E. (P. pyrenaica 6. interrupta Lindb.) — Stengel und 
Áste miederliegend, schlafť, dicht wurzelhaarig. BI. lčnglich rectangulár, stunpf aus- 


40 Scapaáania. 


gerandet, ganzrandig, horizontal sich deckend. Kelch wemg vortretend, unregelmássig 
eingeschnitten. Můndung nicht gezčihnt. Kapsel gelbbraun. 


In dicht verwebten, flachen, grůnen Rasen. Kleiner als var. humilis der Vor., und theils 
dem Chilose. polyanthos, theils der Jung. lanceolata, Sehraderi oder subapicalis áhnlich. 

Einháusie. — 2 — Fr. im Mai, Juni reichlich. 

An schattigen Kalkfelsen der Hůgel- und Bergregion, selten. — Isergebirge im 
Oueisthal (Limpricht). — Glatzer Schneeberg: Auarklócher und Moravathal (Flotow). 


D. Beapania Lindenb. 
a) Blátter gekielt. 
©) Bl. mit Ausnahme der jůngsten ungleichlappis. 
* Der Unterlappen weit herablaufend. 


1. S. nemorosa N. v. E. (Jungerm. L.) — Presl: Obr. 22. fig. 1500 a 1501). 
— Stengel meist aufsteigend, mit der Spitze gebogen, steif, mehr oder weniger wurzel- 
haarig. BL. straff, die oberen grósser, zu “/, ein wenig schrág umfassend, am Ventral- 
rande zurůckgebogen. Beide Lappen meistentheils dicht wimpertg gezáhnt. Unterlappen 
verkehrt etrund, convex, mit der Spitze niedergebogen, grósser als der mterenfórmige, 
aujliegende meist spitze Oberlappen. Zellen gleich gross, wemig durchscheinend, můssig 
angulčr verdickt. Kelch bis 4 mm lang, oberseits convex, mut meist schrůger, gerader 
oder ausgeschveifter, dicht wimperig gezdhnter Miindung. Wimpern mehr als 50, aus 
mehrzelliger Basis bis 5zellýg. 

Gelblich- bis olivengrůn oder bráunlich, in stattlichen dichten Rasen. Auf Waldboden 
meist niederliegend, nur am Unterlappen kurzgezáhnt, grůn, mit důnnwandigem Zellnetz. An trie- 
fenden Welsen, Hlussbeeten und an Báchen purpurn und mit stark verdickten Zellwánden. Blatt- 
kiel kurz. : 

Zweiháusie. — 4 — Fr. im Frůhjahr. 

Auf Waldhumus oder an Felsen (besonders Guadersandstein, nie auf Kalksteinen) 

n der Hůgel- und Bergregion ziemlich háufie. — Turnau, bei Waldstein und Wartem- 
berg, sowie an einem Feldrain náchst des Waldes Farářství! — Jeschken: Sandsteinbeet 
eines Báchleins! — Reichenberg (Langer)! — Běóhm. Leipa (Watzel). — Nixdorf (Neu- 
mann)! — Kleisberg b. Leitmeritz (Opiz)! — Flussbeet der Iser und in den Iserwáldern 
(Limpricht). — Wurzelsdorf an der Iser! Mummelbach! — Kamm des Riesengeb. (Wimmer, 
Nees). Weisse Wiese (Flotow). — Petersdorf gegen Adersbach! — Rothfloss bei Grulich! 
— Westbohmen: Půrglitz dem Schloss gegenůber! — Rothenhaus (Martius coll. Berch- 
toldt)! — Tepl (Konrad)! — Sůdbohmen: Planina-Wald bei Obecnic an Bachufern im 
Brdagebirge (1867) Freyn)! — Wělder bei Rožmital (Velenovský)! — Budweis (Hillardt)! 
— Rosenberg! — Schwarzer See im Běóhmerwalde (unter den Exsic. d. Ritter Em. 
Purkyně)! Spitzberg bei Eisenstein! 


2. 8. undulata M. et N. (Jungerm. L. — Presl: Obr. 22. fig. 1482.) — 
Stengel steiť, Diischelig dstig, roth- oder purpurbraum, sehr spůárlích wurzelhaarig. Bl. 
trockem kraus, guer angeheftet, gezáhnt oder ganzrandig, břs zur Mitte fliigelig gekielt. 
Lappen trapezoidisch-rundlich, zuweilen zugespitzt. Der Unterlappen deutlich, der Ober- 
lappen schwach herablaufend.  Zellen am Grunde vectangulůr, in der Mitte lčnglich, 
gegen den Rand klečner und rundlích, alle mít gleichiměisstg mehr oder mínder ver- 
dickten | Zellhvěnden. © Kelchmůndung zahnlos oder unregelměissty und entfernt klein- 
gezdhnt. Záhnchen klein, 1zellig. 

In kráftigen, polsterfórmigen, rosenrothen oder dunkelpurpurnen, wenn fluthend smaragd- 
grůnen Rasen, von 01—1 dm Stengellinge. Die jůngeren Bl. grósser, dicht gestellt und fast 
oleichlappig. Blattrand theils gezihnt (an Pflanzen, die feuchte oder zuweilen úberrieselte Felsen 
bewohnen), theils ganzrandig (bei der Wasserform). Keimkórner seltener, kugelig, 1zellig. 

Zweiháusig. — 4 — Fr. im Mai — Juli. 

An úberrieselten Felsen, besonders aber an und in Bůchen der Berg- und 


Scapania. 41 


Hochgebirgs-Region gemein. — Nach Opiz vom J. 1823 von Palliardi in Bóhmen ge- 


© sammelt. — Nordběhmen: Běhm. Leipa, Moor am Schiessniger Teich (Watzel). — 


Reichenberg (Menzel u. a.) — Haindorf (Nees). —  Isergebirge (Renger u. a.)! — 
Riesengeb.: am Gebirgskamme an Guellen und Torfwiesen (Funck, Nees). — Elbgrund 


- (Flotow, Gůppert)! — Mummelbach, Pantsche, W. Wasser, Elbufer bis náchst Hohenelbe! 


— Grossaupa (Flotow). — Marchguellen! — Sůdbohmen: Teufelsmauer, St. Thomas, 
Kuschwarda, Moldauguellen, Mittagsberg, Eisenstein, Arber! Schwarzer See (Purkyně, 
Celakovský)! 


** Beide Lappen herablaufend. 


3. 8. irrigua N. v. E. (J. uliginosa Hůben.) — Stengel schlaff, bis zur Spitze 
wurzelhaarig, meist locker bebláttert. BI. sehr schlajf und diinnhůutig, halb-stengel- 
umfassend. Der oft gezáhnte Oberlappen convex, mt eingekriimmter Spitze, úber den 
Stengel weit vortretend. © Unterlappen rundlich herzfórmig, ein wenie herablaufend. — 
Zellen sehr durchsichtig, angůlaer meisť verdickt. Kelch wenig zusammengedriickt, ecktg 
5—6faltig, ungleich gezáhnt. 

Fettolánzend. In polsterfórmicen bleichgrůnen oder bráunlichen Rasen, oder seltener 
zwischen Sphagnen vereinzelt. k 

Zweiháusig. — 4 — Frucht im Mai, Juni. 

In Torfsůmpfen und Wiesengriben des Hochgebirges, auch in der Ebene ziemlich 
verbreitet. — Schiessniger Teich bei Niemes (Sitenský)! —  Riesengebirge (schon von 
Corda angefůhrt): Weisse Wiese (Goeppert).  Gebirgskamm (Flotow). Pantsche Wiese 
in Polstern und einzeln! Weisswasser in grossen schwammicen Polstern! Buschwiese bei 
den Klappersteinen oberh. Grulich! — Isergebirge: in Wildern, im Flussbeete der Iser, 
sowie auf schattigen Lagen des Buchberges (Limpricht). 


4. 8. uliginosa N. v. E. (Jungerm. Swartz). — Stengel spůrlích wurzelhaarig, 
fast gleichmássig bebláttert. BI. strajf, halbstengelumfassend, stets ganzrandig. Oberlappen 
anliegend und stark convex, viel kletmner als der herabgebogene rundliche Unterlappen. 
Blattkiel sehr kurz, bisweilen kaum bemerkbar. Zellwánde glevchměissig stark verdickt. 
Kelch eifórmig, an der 3lappigen Můndung schwach gezáhnelt. 


Firnissglánzend. Rasen ausgedehnt, oft fluthend, steif, rothbraun bis dunkelpurpurn. 
Aendert mit schlanken und kleinbláttrigen (f. microphylla), sowie mit locker beblátterten und 
schlafferen Formen (forma laxa) ab, und ist mit S. undulata und S. úrrigua zu vergleichen. 


Zweiháusig. — A — Fr. im Mai bis Juli. 

An úberrieselten Felsen und in Moortůmpeln des Hochgebirges verbreitet. — 
Riesengebirge (bereits von Funck): Elbguellen! Pantsche Wiese!  Mittagstein:  Oberhalb 
des KL. Teiches! Weisse Wiese, Weisswasser, Kessel- und Riesengrund, Aupaguellen 
(nach Limpricht). 

B) Die gekielten Blátter fast gleichlappie. 


5. S. aeguiloba N. v. E. (Jungerm. Schwaegr. — 8. Bartlingii N. v. E. z. Th.) 
Stengel 0-2—1 dm lang, niederlievend oder aufrecht, meist dicht wurzelhaarig, regel- 
měisstg kammfórmig bebláttert. Bl. gleichgross, guer inserirt, něchť herablaufend, kaum 
bis zur Hálfte getheilt. Beide Lappen aufrecht abstehend, fast ganzrandig oder schwach 
gezáhnt. Zellecken stark verdickt; Zellváůnde beiderseits durch wenige hyaline Fapillen 
rauh. Kelch an der Můndung unregelmássig wimperig gezáhnt. 


Breit und lockerrasig, dunkelorůn bis bráunlichgelb. 


Zweiháusig. — A — Fr. im Mai, selten. 
Nur auf Kalkoerund von der Hůgelregcion bis auťs Hochgebirce, selten. — Glatzer 
Schneeberg am Anfange des Marchthales (Nees). — Isergebirge (Opiz)! — Jeschken (Opiz)! 


b) Blátter nicht Hůgelig gekielt, nur einfach zusammengefaltet. 


«) Bl. gleichlappie, die oberen grósser, zusammengebogen. 


49 Socoapania. 


6. 9. compacta Lindenb. (Plagiochila M. et N.) — Stengel bis 3 em lang, 
steif, aufsteigend, wurzelhaarig. Blátter rundlich-herzfórmig, kurz zweilappig, mit par allel 
laufenden an dem oberen Bl. meist klein gezáhnten Lappemn. Unterlappen wenig her- 
ablaufend; Oberlap. oft etnidrts gekriimmt.  Zellen fast gleich gross, rundlich, wenig 
durchsichtig, angulár stark verdickt. Kelch platt zusammengedrůckt, mit feingezáhnter 
Můnduns. 

Gelb- oder roth-bráunlich, selten rein grůn. 

Zweiháusig. — A — Fr. im Frůhjahr. 

Auf feuchtem Lehm- und Haidegrund in der Hůgel- und Bersgrecion zerstreut. 
— Isergebirge: an Waldwegen mit 9. umbrosa und curta. (Limpricht). — Riesengeb.: 
am unteren Weisswasser (nach Limpricht). — Wurzelsdorf an der Iser gegen Neuwelt! 


P) Blátter ungleichlappig, die obersten grósser, dichter gestellt. 


7. S. curta N. v. E. (Jungermannia Mart. —  J. Conradi Corda. — Diplo- 
phyllum Conradi Dmrt. — Corda: Sturm Flora t. 29 und 30). — Stengel aufrecht oder 
aufsteigend, vielástig, wurzelhaarig. Blátter nicht herablaufend, tief 2lappig. — Der Unter- 
lappen grósser, rumdlich oder eifórmig, stumpf oder zugespitzt, wie der triangulaere 
meist spitze Oberlappen gewóhnlich ganzrandig. — Zellen gross, rundlich, am Grunde 
lánglich, mit mehreren grossen Oeltropfen, durchscheinend, angulaer verdickt. — Kelch 
lánglich verkehrt eifórmig, zusammengedrůckt, oben schwach gefaltet und kurzlappig, mit 
ungleich grossen, divergirenden, scharfen Záhnen. Die Zahnbasis 1—3zellig; Záhne A 
schenkelig, bis 5 Zellreihen hoch. — Keimkůrner gelblech griin. 

In hellen, gelb- bis dunkelgrůnen, zuweilen bráunlichen oder purpurbraunen, kleinen, 
niedricen Ráschen. In Blattform sehr veránderlich. 

b) rosacea (J. rosacea Corda). Stengel bis 1 cm lang, kriechend, dicht wurzelhaarig. Bl. 
aufwůrts um vieles grósser, dicht dachziegelig gedrčingt, derber; Hůllblátter, besonders die $ rosetten- 
fórmig und purpurn. Zellwánde und Zellecken stark verdickt. 

Zweiháusig (nach Lindberg), — 4 — Frucht im ersten Frůhjahre; Kelche háufig. 

Auf sandig thonigem, zuweilen auf Mergelboden, Haideland, auch an Gráben, 


Felsen, von der Ebene bis auťs Hochgebirge ziemlich verbreitet. — Prag: Žižkaberg 
(Opic)! Cibulka (Opic)! — Záwist! — Medník bei Stěchowic! — Wůlder bei Rožmital 
(Velenovský)! — Jungbunzlau an der Lehne gegen Neuberg! — Turnau an Sandstein- 


felsen bei Waldstein, (Opic)! — Isergebirge (Limp- 
richt). — Riesengebirge: (Flotow, Nees) Elbgrund! — Adlerkostelec auf der kalkhaltigen 


Flusslehne! — Grulicher Wald sehr zahlreich! — Bóhmerwald: Teufelsmauer bei Hohen- 
furth! — Karlsbad beim Hammer! — b) Šárka- und Stern-Abhůnge bei Prag (Konrad, 
Opic!)! — Kuchelbad im Walde gegen St. Johann! — Čimic, im Thale zur Dynamit- 


fabrik! — Tepl (Corda nach Nees). — Rothfloss bei Grulich ! — Adlerkostelec an der 
Flusslehne! 


8. 8. umbrosa Dmrt. (Jungerm. Schrad, — Plagiochila M. et N. — Corda in 
Sturm tab. 27.) — Stengel 0:5—2 em lang, aufsteigend, an der Spitze abwárts gekrůmmt, 
wurzelhaarig. © BL nicht herablaufend, tief 2lappig. Die Unterlappen abwdirts gebogen, 
fast einseřtswendig; die Oberlappen parallel dem Stengel dícht angedriickt, beide 
etlčnglich, spitz, gegen die Spitze scharf geságt.  Zellen ziemlich gross, undurchsichtig 
bis durchscheinend, besonders die spitzenstůndigen stark 7ngs verdickt. Kelch anfangs 
von Lůnge der Hůllblitter, zuletzt doppelt so lang als die Hůllblátter, an der ungleich 
ausgeschweiften Můndung necht gezdhnt, sonst wie beim Vor. Keimkůrner dunkelbraun. 

In ausgedehnten, flach polsterfórmigen, gelblichorůnen, bráunlichen oder besonders an 
der Spitze purpurnen Ráschen,. — Oeltropfen gross, gekórnelt.  Cuticula gruftig und deutlich 
punctirt. 

Zweiháusio. — 4 — Fr. im Frůhjahr, meist reichlich und ofters. 

An Baumstrůnken, feuchten besonders guarzigen Felsen, auf nackter Erde, zu- 
weilen auch an Torf, in der Bergregion sowie am Gebirgskamme verbreitet. — Bohmer- 
wald: auf Urgestein am Bachufer unterhalb des Teufels-Sees bei Eisenstein! Arber-See! 
Spitzberg, Schwarzer See, Mittagsberg, Fischerfilz! Aussergefildé! Moldauguellen! — 


Ě 


Jungermannia. — Compliocatae. 43 


K 


Isergebirge (Corda). — Iserwálder (Limpricht). — Riesengeb.: vom Fusse bis auf den 
Kamm verbreitet (Nees, Flotow), so z. B. am Muldenberg (Sitenský)! oberhalb der Teiche 
(Milde)! Kleine Sturmhaube! — Weckelsdorf! Petersdorf! — Grulich und Rothfloss! 


6. Jungermannia L. 


Úbersicht der Sectionen: 


a) Blattspitze 2—5záhnig oder -lappig, seltener die Blattfláche 3—4theilig. 
©) Kelch an der Stengelspitze (excl. J. setacea, wo er an ventralen Ásten). 
««) Bl. 2lappie. Lappen sich theilweise deckend, zusammengebogen, oder 
gefaltet und kielig verwachsen. 
1. Sect. Complicatae. Lappen meist ungleich (der Unteri. grósser). Unterblátter 
spárlich oder fehlend. 
BB) Bl. 2—5lappig oder záhnig, mehr oder weniger flach. 
+ Unterbl. fehlend oder von den Seitenbl. verschieden. 
2. Sect. Bidentes. Bl. 2lappig oder 2- (sehr selten 3-) zůhnig, niemals rinnen- 
fórmig, ausser mit zusammengeneisten Lappen. Unterbl. meist fehlend. 


3. Sect. Barbatae. BI. 3—5lappig, oder 3—5záhnig (selten mit 2záhnigen unter- 
mischt). Unterbl. fehlen, oder deutlich, oft 2theilig. 


+1 Unterbl. mit den seitlichen gleichgestaltig. 
4. Sect. Aeguifoliae. Bl. entweder tief 2theilig, oder bis zur Basis in 2—4 
pfriemenfórmige Lacinien gespalten. 
B) Kelch am Ende ventral angelegter Aste, seltener an seitwárts gedrángten 
Hauptaxen. 
5. Sect.  Cephalozieae. Bl. tief 2lappig, klein bis undeutlich.  Unterbl. deutlich 
oder rudimentaer, andersgestaltic. 
b) Bl. ungetheilt, ganzrandig. 


6. Sect. Integrifoliae. Unterbl. nur bei einigen Arten, klein und durch Wurzel- 
fasern verhůllt, 


1. Sect. Complicatae (Diplophyllum Dmrt. ex parte). 


Blátter gekielt oder rinnig, 2lappig, manchmal der eine Lappen tiefer ausgerandet. 
* BI. scharf gekielt, unsleich-2lappig. Unterbl. fehlen. 


1. J. albicans L. (Diplophyllum Dmrt. — Scapania Rabenh. — J. fissidento- 
idea Hůben). — Secundáre Stengel und Áste reihenweise aufsteigend, ojfť eťnwáirts ge- 
kriimmt, spárlích wuzelhaavig. Bl. guer */„ stengelumfassend, gegen die Spitze feingesůgt. 
Lappen lánglich eifórmig, spitz oder stumpf, der obere um *„ klečner, vorwárts ge- 
michtet, selten mit dem unteren fast gleichlaufend, und aufliegend. Zellen am Rande 
unregelmássig 4—6eckig, kaum durchscheinend, viel kleiner; lángs der Lappenmitte 
einige Reihen langer, einen hyalinen Mittelstreif bildenden Zellen. Kelch verkehrt 
eilánglich, unten schwach zusammengedrůckt, oben faltig, ungleich ausgefressen gezáhnelt 
und entfernt gewimpert. Wimpern aus 2zelliger Basis 2—3zellic. 

In lockeren grůnen, gelblichen oder gebráunten, meist stattlichen und ausgedehnten 


Polstern. Aste bis 4 em lang, am trockenen Standorte meist gebogen und zuweilen, besonders 
die F, feiner und kleinbláttriger. 


b) taxifolia (Wahlenb. spec. — Dipl. taxif. Dmrt.). Kleiner und feiner.  Blattlappen fast 
gleichlaufend. Der hyaline Mittelstreif sehr kurz oder fehlend. 

Zweiháusig. — A — Fr. im Frůhjahr. 

Besonders an Auadersandstein, auch an kieselhaltigen Felsen (nicht auf Kalk) 


44 Gompliocatae. 


oder seltener auf Kiesboden in der Berg- und Hochgebirgs-Region (da besonders var. b.) 
verbreitet. — Planina-Wald und Bachufern bei Obecnic im Brdagebirge (Freyn)! — Wálder 
bei Rožmital (Velenovský)! — Nordbohmen: Turnau an Guadersand béi Waldstein, 
Gross-Skal, Rothstein u.s. w. sehr verbreitet! — Jeschken! — Reichenberg (Siegmund)! 
— Isergebirge (Limpricht). — Bóůhm. Leipa (Watzel). — Nixdorf (Neumann)! — Neu- 
schloss (1823 Opiz). — Haindorf (Nees). — Schluckenau (Karl)! — Tepliz (Winkler). 
— Schneekoppe (nach Nees, Flotow). — Mummel, Wurzelsdorf, Weisswasser! — Aders- 
bach! — Bóhmerwald: Eisenstein. — 9) Reichenberg (Corda nach Nees). — Am Kamme 
des Riesengebirges und dessen Abhángen: Teufelsberg bei Neuwelt! Wurzelsdorf! H. Rad! 
KI. Sturmhaube! Schneekoppe (auch Flotow)! Weisswasser! — Aupathal (Flotow). — 
Adersbach ! — Bóůhmerwald: Arber! Schwarzer See! 


2. J. obtusifolia Hook. (Diplophyllum Dmrt.) — ste bis 1 em lang, bogig 
aufrecht, dícht wurzelhaarig. BL. aufwůrts grósser, auffallend ungleichlappig. © Ober- 
lappen um */„ kleiner, fast parallel dem Stengel aujliegend, zuweilen zugespitzt. Der 
Unterlappen lánglich, zur Basis schtef verbrettert, abgerundet, ganzrandig oder geságt. 
Zellen gegen den Rand rundlich, undurchsichtig, um etwas kleiner als die lěnglich 
evfórmigen, durchschetnenden Mittel- und Basalzellen. Kelch anfangs stark gebogen, auf- 
geblasen verkehrt-eilánglich, oben zusammengezogen, durch vorspringende Zellen ungleich 
und divergirend gezdhnelt. 

Kleiner als die Vor. In gelberiůnen, bráunlichen oder purpurnen Truppen, oft auch in 
auscedehnten, niedergedrůckten Ráschen von der Tracht d. Scapan. umbrosa und curta. Zellnetz 
gleichfórmie verdickt mit ungleichen Oeltropfen. Můtze oft róthlich. Záhne der Kelchmůndung 
ofters verláncert (1zellig) und wimperartie. 

Einháusig. — 2 — Fr. im Frůhjahr auch sonst mit reichlichen ausdauernden 
Kelchen. 

An kiesig-thonigen Waldrándern, Abhángen, in Gráben und Hohlwegen, in der 
Hůgelregion, besonders jedoch im Gebirge zerstreut. — Nordbohmen: Johannisbad im 
Waldpark! Am Weisswasser! Kamm des Riesengebirges, besonders auf der Nordseite an 
Fusspfaden (Nees). — Petersdorf, waldige Strassenlehne gegen Aualich! — Weckelsdorf, 
am Eingang in die Felsenvorstadt! — Grulich und Rothfloss an Waldgráben! In Wáldern 
des Isergebirges (Limpricht). — Reichěnberg (Corda). — Boůhmerwald: Eisenstein am 
Waldwege zum Teufels-See! Spitzbereg und beim Schwarzen See! 

*% Blátter rinnig zusammencebogen, scharf-, zuweilen stumpflappic. 

S Lappen ungleich, sehr scharf gespitzt; der Unterlappen grósser, oft 2lappig. 


9. J. exsecta Schmid. (Presl: Obr. 22. fig. 1488). — Secundaere Stengel und 
Aeste aufsteigend, fast 3 cm hoch, wurzelhaarig. Bl. oft einseitswendig, aufstevgend, mít 
breit abger o oren Bucht. ÚUnterlappen vtelmals grósser, eilanzettlich, zuweilen scharf- 
kurz-zweilappig, wie das zahnavtige abstehende Oberlčippchen ganzr andig, meist jedoch 
am Imde von schmutziggelben Kečmkórnerhaufen zerstóvrt. Kelch walzenfórmig, stumpf- 
faltig; die zusammenneigenden Záhne der Můndung wimperartig zerschlitzt. 

Heerdenweise, zuweilen in grůnen oder bráunlichen Ráschen, auch vercinzelt unter Mooser. 
Zellen verháltnissmássig gross, rundlich 4—6eckig, am Rande und in den Lappen undurchsichtig, 
am Ende zerstorter Lappen durchscheinend oder hyalin. Zellwánde úberall verdickt, benachbarte 
Ecken oft zusammenjlhessend. Keimkórner selten fehlend, spáter bráunlich, meist eckig, birnfórmig 
und guergetheilt. 

Zweiháusic. — 2 — Fruchtet seltener, im Frůhjahr. 

Besonders an GAuadersandstein, aber auch auf kiesig-thoniger Erde oder an 
Baumstůmpfen schattiger Wálder von Mittelbohmen bis auťs Hochgebirge, wo sie hu- 
figer, ziemlich verbreitet, — Prag: Stern (als J. saxicola, Opiz)! Šárka! Košíř! (Opiz)! 
— Medník bei Štěchowiz! — An Sandsteinfelsen im Wrutizer Thal náchst Melník! — 
— Turnau in Wáldern háufig! — Jeschken (Opiz)! — Bóhm. Leipa (Watzel). — Teufels- 
berg bei Neuwelt! — Kamm des Riesengebirges, so auf der Schneekoppe (Nees). Aupa- 
thal (Nees). — In Wáldern bei Rožmital zahlreich (Velenovský)! — Bóhmerwald: Rosen- 
berg, Spitzberg, Schwarzer See bei Eisenstein! Arber! 


SS Blattlappen gleich gross oder fast gleich, beide scharf zugespitzt, oft stacheispitzig. 


Complicatae. 45 


4. J. Michauxii Web. (J. densa N. v. E. — J. minuta var. procera N. v. E.) — 

Stengel niederliegend mit aufsteigender Spitze, halbstielrund, oberseits treppenfórmig, 
spárlich wurzelhaarig. Bl. gleichmássig dicht gestellt, etwas schrůg umfassend, fast 
guadratisch, tief scharťf 2spaltig. Der Oberlappen mit dem Dorsalrande weit iiber den 
Stengel greifend, sparrig abstehend und eřngekriimmt. Beide Lappen gleich gross, 
scharf zugespitat oder stachelspitzig. Zellwánde unregelmůsstg- sehr stark verdickt. 
Kelch cylindrisch bis keulenfórmig, gegen S mm lang, unten olatt, oben seicht faltig, 
mit stark zusammengeneigten, stumpfoezáhnten und in, bis 7zellige lange Wimpern aus- 
laufenden Láppchen. 

Ráschen grůnlioh-gelbbraun oder dunkelbraun, flach polsterfórmig, in Grósse und Tracht 
der J. saxicola, J. minuta oder der J. Flórkei ahnlich. Unterbl. erscheinen nur am Ende der Ge- 
schlechtsáste. Zellen klein, mit Chlorophyll und runden Oeltropfen dicht erfůllt, und mit fein- 
kórniger Cuticula. — Die Kelche erscheinen an der Můndung zuweilen ganz plattgedrůckt! 

Zweiháusig. — 2 — Frucht im Frůhjahr, reichlich. 

Auf tief beschatteten Baumstůmpfen und schattigen Sandsteinfelsen der Hůgel- 
und Bergregion, selten. — Sandsteinfelsen bei Adersbach an Felsen links vom Zuckerhut 
1880! Elbgrund (nach Limpricht). 


5. J. Helleriana N. v. E. (Diplophyllum Dmrt. — J. verruculosa Lindb.) — 
Stengel Aaarfem, niederliegend, vielástig, oft mit schlanken kleinbláttrigen Sprossen, 
unterseits dicht wurzelhaavig. BL. entfernt, zweizeilig abstehend, theils einseitig aufge- 
richtet, guer-halbstengelumfassend. Blatt- Bucht fast rechtwinkel'g. Lappen gleich, scharf 
gespitzt, gegeneinander geneigt. Zellen gross, bedeutend verdickt, die der obersten Bl. 
und des Kelches warzig. Kelch wenig emporgehoben, eifórmig, gefaltet; dessen ausge- 
bleichten, wimperig zerschlitzten Záhne kaum zusammenneigend. 

In niedrigen bleichgrůnen oder bráunlichen, an den Stengelspitzen oft purpurnen, ver- 
webten Ráschen. Die etwa 1 cm langen Stengel tragen meist gezweite, bogige Aste.  Hůllblátter 
(©) 2- und 3lappig, ungleich dornig gezáhnt. Kelch oft róthlich. — Vom Habitus einer J. minuta. 

Einháusig. — 24 — Frůchte sehr selten. Fruchtreife unbekannt. 

Auf Baumrinden und faulenden Baumstůmpfen der unt. Bergregion, sehr selten. 
— Bisher nur um Wůólfelsdorf am Glatzér Schneeberge (nach Limpricht). 


SSS. Blattlappen gleich- oder fast gleich gross, entweder beide stumpflich oder der un- 
tere stumpf und der obere zugespitzt, zuweilen auch beide stachelspitzig. 


6. J. minuta Crantz. (Diplophyllum Dmrt. — J. Trevirani Hůben.) — Štengel 
fadendůnn, niederliegend oder aufsteigend, gleichmássig 2zeilig bebláttert, wenig oder gar 
micht wurzelhaarig. BI. guer *„ stengelumfassend, kammartig abstehend, fast bis zur 
Hálfte scharf 2spaltig, mit gegeneinander geneigten Lappen. Diese ganzrandig oder 
durch Keimkórner gezáhnt. Zellen derb, iiberall stark verdickt. Kelch doppelt hóher 
als die aufrecht angedrůckten Hůllblátter, oval, oben faltig, tief geschlitzt.  Láppchen 
spárlich und ungleich gezdihnelt und (wie bei J. Michauxii) Zánger gewimpert. 


w 


In verwebten flachen, meist braungrůnen Rasen, oder vereinzelt. Stengel bis 5 cm 
hoch, mit theils seicht, theils bis zur '/„ ausgebuchteten Bláttern, deren Lappen mit ihrer ganzen 
Fláche gegeneinander geneigt sind. Keimkórner spáter bráunlich oder róthlich von der Form 
einer stumpfen vierseitigen Piramide. Die geschlechtliche Pflanze dichter bebláttert. — Der J. 
Helleriana sehr áhnlich und sonst auch mit Sarcosc. Funcki zu vergleichen. 


Zweiháusig. — 2 — Frůchte seltener, im Sommer. 

Am hůufigsten an Sandstein — aber auch an kieselhaltigen Urgebirgsfelsen, 
sowie auch auf kieselhaltiger Erde in den Vorbergen und im Hochgebirge verbreitet, in 
der Hůgelregion seltener. — Prag: Krč als Sarcose. Funckií (Opiz). — Im Wruticer 
Thale náchst Melnik! — Turnau, háfiger an Ouadersandstein bei Waldstein! — Reichen- 
berg (Corda). — Bóhm. Leipa (Watzel). — Nixdorf (Neumann). — Pleisswedel (Opiz)! 
— Unter den Moosen Malinský's aus Nordbohmen! — Haindorťf (Nees, Flotow). — lser- 
gebirge, in Wáldern, im Flussbeete der Iser, sowie auf den hěchsten Erhebungen (Limp- 
richt) und daselbst unter den von Opiz gesammelten Moosen! — Riesengebirgse: Teufels- 
berg bei Neuwelt! Am Gebirgskamme (Flotow). Weisse Wiese! Weisswasser! Schneekoppe 


46 Bidentes. 


0 


(Nees). — Adrsbach in ausgedehnten Rasen (Nees)! Daselbst auch unter Sphagnum! — 
Weckelsdorfer Felsenstadt! — In Wáldern bei Potenstein háufig (Sitenský)! — Bohmer- 
wald: Eisenstein am Spitzberg und beim Schwarzen See! 


7. J. saxicola Schrad.  (Diplophyllum Dmrt. — J. resupinata Wahlenb.) — 
Stengel aufsteigend, halbstielrund, obersests flach und fast treppenfórmig, spárlich wurzel- 
haarig. Bl. etwas schrág umfassend, nicht herablaufend, breit eirund, durch eine stumpfe 
enge Bucht bis zur Mitte 2lappig. Oberlappen etiwas abstehend, spitz; Unterlappen an- 
gedriickt stumpf, beide fast gleichgross, ganzrandig nut eingebogenen Rándern. Zell- 
wánde dberall stark verdickt. Kelch doppelt lánger als die 2—4lappigen kleingeságten 
Hůllblátter, aufgeblasen eifórmig, faltig. Seine cilienartigen Lappen gegeneinander geneigt, 


Dichtrasig, meist bráunlich oder gelblich, selten olivengrůn, 2—5 cm hoch. Blátter derb, 
ohne Keimkórner. Der J. Michausii náher als der vorigen. 


Zweiháusig. — 24 — Fr. im Frůhjahr und Sommér; die weibliche Pflanze bei 
uns jedoch unbekannt. 
An Felstrůmmern (meist Gneiss) des Hochgebirges, sehr selten. — Riesenge- 


birge: Schneekoppe am Fusse des Kegels (Funck 1819 und Coll. Cordae). An der 
Serpentine von der Riesenbaude zum Gipfel der Koppe 1879!  Angeblich auch im 
Isergebirge. 


IL. Sect. Bidentes. 


Blitter kurz 2lappig oder 2záhnig (seltener 3záhnig), oft rinnenfórmig oder mit 
zusammengeneisten Lappen.  Unterblátter ofters fehlend. 
©) Blattlappen stumpf (ausgenom. J. Můlleri, die mit deutl. Unterbl., und zu- 
weilen J. Wenzelii', deren Zellnetz hyalin ist); Blátter sehr schrág inserirt. 
+ Blattlappen spitzig, etwas ungleich. Unterbl. deutlich. Zellen undurchsichtieg, wenigstens 
in den Ecken stark verdickt, 

8. J. Můlleri N. v. E. (J. bantryensis N. v. E. — J. Libertae Hůben. — J. 
bantryensis Hook var. B) Můlleri Lindb. — J. Schultzii Nees. — J. Hornschuchiana 
Nees). — Stengel 1—4 cm. lang, něchť durchschečnend, wenig stig, wurzelhaarig. BL. 
schrág inserirt, nicht herablaufend, rundlich, durch eine fJach mondfórmige Bucht etwas 
ungleich spitz Zlappig, seltener einige Lappen stumpf oder abgerundet.  Blattfláche bei 
der Bucht rickwěrts gebogen. Die žlteren Bl. seitlich fast wagerecht ausgebreitet. 
Unterbl, deutlich, lamzett-pfriemenfórmig, ganz bis vteltheilig. — Zellen derb, fast 
gleichgross, in den Zellecken sehr deutlich Jeckig verdickt, mit meist kleinen, runden 
Oeltropfen. — Kelch cylindrisch, mit 1 Lángsfalte, oben faltig. Můndung langwim- 
perig gezdhnt. 

Rasen gelb- oder bráunlich srůn, auf feuchter Unterlage niederliegend, auf trockener auf- 
steigsend, meist gross. Wurzelhaare lang, zuweilen am Anfange purpurn. Bl, ungleich gross, die 
oberen aufsteigend, oft am Grunde des Oberlappens mit kurzem Záhnchen. Wánde der Randzellen 
verdickt; die Zellen sonst undurchsichtig, oft aber auch ihr Inhalt wandstándig. Kapsel meist 
braunroth. — Die Pflanzen von feuchten Lokalitáten grósser und lánger, gross und mehr wage- 
recht bebláttert, mit besonders deutiichen Unterbl. — Die Pflanze von Wildenschwert hat viele 
stumpfe oder abgerundete Blattlappen, wenige grosse und gekórnelte Oeltropfen und viele wand- 
stándige Chlorophyllkórner. 

Zweiháusig. — 2 — Fr. im Frůhjahr und Sommer; oft und reichlich mit 
Kelchen. — 

An feuchten schattigen Kalkfelsen, oder auf kalkhaltigem Boden in der Hůgel- 
und Bergregion zerstreut, stellenweise massenhaft, — Opiz. im bot. Tauschverein; Mar- 
tius in Bóhm. Kryptog. Gew. von Opiz. 1823. — Jungbunzlau an der kalkhaltigen Iser- 
lehne gegen Neuberg! — Turnau, an Felsen und Wegen des Farářství-Waldes sehr 
zahlreich und mit reichlichen Kelchen! — Jeschkenabhang oberhalb Světlá! — Johan- 
nisbad an feuchter Waldlehne bei der Kaiserguelle! — Adler-Kostelec gegen Wyhnanov! 


Bidentes. 47 


v r — — — 


— Wildenschwert an der Brandeiser Strasse! — Glatzer Schneeberg (Nees). — Bóhmer- 
wald: Kuschwarda! Arber! 


++ Blattlappen stumpf oder zugespitzt. Zellen weit, důnnwandig, durchsichtig. 


9. J. acuta Lindenb. (J. bantryensis Hook, var. y) acuta Lindb.) — Secundaere 
Stengel meist 5 mm lang, mit zahlreichen umherschweifenden Sprossen, dlečch und 
durchscheinend, wurzelhaarig. Bl. locker gestellt, sehr schrág inserirt, zarť, rundlich, 
durch eine schavfe Bucht in 2 kurze, stumpfe oder zugespitzte Lappen ausgeschnitten. 
Unterbl. nur an Geschlechtsčisten deutlich, pfriemenfórmig, oft fehlend.  Weibl. Hůllbl, 
zuweilen geságt-gezáhnt. Zellen oveiť und lecht, gleichgross, diinnwandig, angulaer nicht 
verdickt. Kelch bis 1 mm lang, fast walzenfórmig, an der faltigen abgerundeten Můn- 
dung zu etnem Róhrchen zusammengezogen und durch vorspringende Zellen an den 
Lappenenden crenulirt. 


Rasen stets gelbgrůn, ziemlich dicht und niedrig abgeflacht. Blátter theils aufgerichtet, 
theils ausgebreitet; deren Zelltropfen an den Wánden spárlich gelagert. Cuticula dicht und fein- 
kórnig. Kelch durch Sprossung bald růckenstándig, anfangs lánglich birnfórmig. Kapsel klein, 
purpurn. Sporen etwas breiter als die purpurnen Schleuderer. 


Zweiháusig. — 2 — Fr. in Frůhjahr. 

Auf sandig-kalkigem Boden, auf verwitterter Glimmerschiefer- und Gneiss-Erde, 
in Hohlwegen lichter Waldstellen, ziemlich selten, — Johannisbad im Waldparke auf 
einer lichten steinigen Štelie cum Perianth. 1879! 


10. J. Wenzelii N. v. E. (Mesophylla Dmrt.). — Stengel bis 4 cm lang, 
schlaff aufrecht, ziemlich dick, gelblich, fast einfach, spárlich wurzelhaarig. BI. meist 
locker gestellt, sehr schlaf, oben wenig herablaufend, die jůngeren fast guer iaserirt, 
rundlich bis oval, durch eine sežchť stumpfwinkel'ge Bucht spitz oder stumpflich 2lappig. 
Lappen oft eingeschlagen. Unterbl. nur an der Stengelspitze, spárlich. Weibl. Hůllblátter 
grósser, durch enge Buchten ungleich spitz 2—lappig. — Zellen gegen den Rand 
kleiner, angulaer schwach verdickt. — Kelch walzenfórmig, 4—5 mm lang, mit 1 Lángs- 
falte, oben stumpjfaltig, guergestuzt, ungleich gezáhnt.  Kapsel draunroth. 


Zwischen Sumpfmoosen zerstreut, gelberůn bis gebráunt, fettglůnzend, den lockerbeblát- 
terten Formen von J. inflata úhnlich. Der fleischige Stengel ist an der Spitze gewóhnlich gebogen 
und unterseits oft bráunlich. Bei tieferer Bucht sind die Blátter mehr zugespitzt. Kelch zu 
2, emporgehoben. Kapsel rundlich-oval mit dunkelbraunen, ungleich grossen Sporen von Breite 
der Schleuderer. 


Zweiháusig. — A — Fruchtet Anfang Juli. 
In den Mooren des Hochgebirges, sehr selten. — Riesengebirge: am Koppenplan 
im J. 1824 von Flotow fruchtend gesammelt. 


+++ Blattlappen stumpflich. Zellen mehr oder weniger verdickt und derb undurchsichtig. 


11. J. inflata Huds. (Gymnocolea Dmrt.). — Stengel 1—2 em; im Wasser 
bis 1 ďm lang, niederliegend bis aufrecht, fadendůnn, meist schlaff, stig, spůrlich kurz 
wurzelhaarig. — BI. meist locker gestellt, mit Ausnahme der jůngeren schrág inserirt, 
etwas herablaufend, rundlich, meist flach.  Bucht sečeht und weit, vechtwinkelig und 
stumpf (seltener tiefer und spitzer). Blattlappen kurz eifórmig, oft gegenetnander můsstg 
geneigt oder eingebogen. Unterbl. nur gegen die Spitze der Geschlechtsáůste. — Zellen 
ziemlich gross und gleich, dberal) mehr oder weniger dickwamdig, mit vielen Oeltropfen. 
Kelch úber die Hůllbl. oft gámnzlich emporgehoben, lánglich birnfórmig, stumpťf, mit 4—5 
zusammenneigenden Záhnen. 


In dichten weichen, grůnen, bráunlichen oder schwárzlichen, fettglánzenden Polstern, 
oder vereinzelt. Blátter meist kammartig 2zeilig ausgebreitet, auffallend stumpflappig, bald 
dichter bald locker gestellt. Kelch am Grunde verdiůnnt, von den kleineren Hůllbláttern ot 
gánalich unverhůllt. — Sehr veránderlich, und besonders in folgenden Varietáten auftretend: ©) hercy- 
mea, schwammig polsterfórmig. Stengel aufrecht, mit schlanken Sprossen und stets gegen einander 
geneigten Blattlappen. B) laza, grósser, lebhaft grůn, mit sehr locker gestellten, achen Bl. y) jřui- 
fans; schwimmend, bis 1 ďm lang, sehr entfernt bebláttert. 


48 Bidentes., 


Zweiháusig. — 4 — Frucht im Frůhjahr, seltener, jedoch oft mit Kelchen. 

In Torfmooren, auf Torfwiesen und in ihren Gewássern, seltener am trockenen 
Standort, in Bereiche der Berg- und hůheren Gebirgsregion sehr verbreitet.  Rohozna, 
chrud. Kreis (Čeněk)! — Sůdlicher, trockener Jesckkenabhang oberhalb Liebenau! — 
Torfmoore bei Weisswasser und Kirschberg (Sitenský)! — Isergebirge, Moore und im 
Iserbeete (Limpricht). — Riesengebirge: Kesselgrund (Funck, Nees), In Gewássern und 
Sůmpfen der Moore am Gebirgskamme zahlreich, so am Koppenplan und auf der Weissen 
Wiese (Milde, Beilschmied n. and.)! — Lubocher Ebene («) (Sitenský)! — Gottesgab 
im Erzgebirge an Torfmooren (Handtke). — Bohmerwald: Torfwiesen am něrdlichen 
Abhange bei St. Thomas! Moldauguellen! Am Fischer- und Ahornfilz! — Torfwiese bei 
Heidel oberhalb Innergefilde! 


12. J. orcadensis Hook. (Mesophylla Dmrt.). — Stengel lang, bis 1 dm ůber- 
greifend, aufrecht oder aufsteigend, starr, wenig ástig, kurz und dicht wurzelhaarig. 
BI. fest, genáhert, sehr schrůg insert und herablaufend, aufsteigend und nach vorn 
gerichtet. Blattfláche aus breiter Basis rundlich eifórmig, flach, jedoch lngs des Ventral- 
randes zuriickgeschlagen. © Bucht sel setcht, stumpf; Lappen 2 (seltener 3), ungleich, 
stumptlich, etwas růckwůvts gebogen. Zellen derb, angulaer verdickt, kaum durchschei- 


nend, gegen den Rand kleiner. — Kelch und Frůchte unbekannt, 
In lockeren, oliven- bis braungrůnen Rasen, oder vereinzelt unter stattlichen Moosen. Bl 
Sross, je zwei gegenůberliegende mit der Oberfláche einander zugekehrt. — Nach Nees sind die 


Kelche zwischen zwei grósseren Hůllbláttern von 2 kleineren, 2lappigen Bláttehen eingeschlossen. 
Uberhaupt sind die © wenig und die £ gar nicht bekannt. Ihre Stelle vertreten grosse, eckige 
bis ovale, dunkelrothbraune Keimkórner an den Plattlappen oder an der Stengelspitze. 


Blůthenstand? — 3 — 

An Felsen oder auf nacktem bemoostem Humusboden, auch auf trockenen 
Moosen in den Vorbergen und besonders im Hochgebirge verbreitet. — Sůdlicher Jesch- 
kenabhang 1877! — Reichenberg in einer Hóhe von 2750" (Corda nach Nees). — Teu- 
felsberg bei Neuwelt, an dessen Fusse circa 600 m hoch! — Am ganzen Riesengebirgs- 
kamme am Fusse der Steinblócke und Felsen, so am Hohen Rad! Grosse Sturmhaube! 
Mannsteine! Schneekoppe (Flotow, Nees). — Bóhmerwald: unterhalb des Teufelssees bei 
Eisenstein mit Mastigobr. trilobatum ! — Nordabhang des Spitzberges! — In den Mooren 
der Moldauguellen im Schatten hoher Eguiseten! 


B) Blattlappen spitzig (bei J. alpestris zuweilen stumpflich, gegen einander geneigt). 
* Blattzellen důnnwandig, zuweilen nur angulaer verdickt. 
+ Die jůngsten Blátter (exclus. Hůllblátter) nicht wellig-kraus. 


13. J. ventricosa Dicks. Stengel 1—9 cm lang, niederliegend oder aufstei- 
gend, dicht und ziemlich lang wurzelhaarig. Bl. schčef 2seitig abstehend, ovalguadratisch, 
zart, oft bleich, flach oder seicht rinnig, durch eine Orečte, mečst halbmondfórmige Bucht 
spitz 2 (selten 3) lappig. Lappen oft divergěrend. —  Unterbl. pfriemenfórmig, nur 
gegen die Stengelspitze deutlich. — Zellen weit, zart und gleich, nur angulaer deutlich 
verdickt, dicht mit Chlorophyll und unregelm. Oeltropfen gefillt, zuletzt in der Mitte 
durchsichtig. Keimkórner gelblech griin, meist kubisch.  Weibl. Hůllbl. grósser, faltig, 
S—Slappig oder 2záhnig. Kelch aufgeblasen eifórmig, spáter eilánglich, dief herab 
stark faltig und durch vorspringende Zellen kurz stumpflich oder scharf und un- 
gleich gezdhnt. ! 

Dicht und flachrasig, licht oder dunkelerůn, seltener purpurbraun. Stengel nnterseits 
zuweilen róthlich, ástig, dem Substrat durch dichte Wurzelfasern fest angewachsen. Die keim- 
kórnertragenden BL. sind lůnger und spitzer gelappt. Kapsel bei der Normalform violett rothbraun. 
Sporen braun, feinwarzig, fast doppelt so breit als die Schleuderer. 

b) porhyroleuca (N. v. E. als Art). Stengel purpurn. BI. meist bleich, angulaer stark ver- 
dickt. Weibl. Hůllbl. handfórmig 3—4spaltig. Kelch zuletzt Zčnglich bis walzenfórmig, oft weit 
o ban am Ende schwach faltig; Můndung ungleich wimperig gezčihnt. Kapsel und Sporen 
gelboraun. — 

Zweiháusig. — 2 — Fr. Ende Sommer, bei uns, wo meist keimkornertragend, 
seltener. — 


Bidentes. 49 


An schattigen Felsen, Stámmen, Stůmpfen oder auf nackter Erde, auch an son- 
nigen Berglehnen und unter Moosen zerstreut, von der Ebene bis aufs Hochgebirge ver- 
breitet. — Prag: Zižkaberg, Košíř, Bárkaabhánge, Liboc, Kuchelbad, Kónigssaal, Závist! 


"Wálder bei Dobřichovic! — Sůdbohmen: Unter-Královic an Felsen der Želivka! — Písek, 
in Wáldern so z. B. bei der Schwimmschule, háufig! — Bohmerwald (Corda): Blánsker- 
wald! — Libín b. Prachatic. — St. Thomas. — Kuschwarda! Am Fischerfilz mit Peri- 
anthien! — Nordběhmen: Turnau! — Jeschken! — Nixdorf (Neumann)! —  Bóhm. 


Leipa (Watzel). Isergebirge (Nees, Limpricht). — Tannwald! — Riesengeb.: Teufels- 
berg b. Neuwelt! Ziegenrůcken! Am Kamme und den Abhángen (Nees, Flotow), so z. B. 
Grosse Sturmhaube und Weisswasser! Johannisbad! — Rothfloss bei Grulich, Klapper- 
steine, am Brauner! — Pottenstein (Sitenský)! — Westl, Bóhm: Karlsbad an feuchtem 
Granitfelsen am Fusse des Hirschsprungs! — 6) Pleiswedl (Opiz). Haindorf (Flotow). 
Jeschken (Corda nach Nees). Kamm des Isergebirgos (Nees). Elbgrund (Flotow). Weiss- 
wasser (Wimmer). W. Wiese? (Góppert). H. Rad (Flotow). (G. Sturmhaube! Ziegen- 
růcken! — Adrsbach und Weckelsdorf! Petersdorf! — Rothfloss bai Grulich! — Grenz- 
bauden (Milde)! Glatzer Schneeberg (Nees) — Bóhmerwald (Corda). Arber! — Ahorn- 
filz! — Spitzberg! — Kuschwarda! — Rosenberg! © Wálder bei Rožmital (Velenovský)! 


14. J. excisa Hook, (J. bicrenata Hůben. ex parte.) — Stengel Raum 5 mm 
lang, durch lange Wurzelhuare dem Substrat dicht angewachsem, mit der Spitze etwas 
aufsteigend. Bl. mehr oder weniger aufgerichtet, zarť und dichtgestellt; die ilteren schrág 
inserirt, mássig rinnig. Alle rundlich, oder eirundguadratisch, durch eine seichte, flach- 
mondfórmige oder stumpfe Bucht in 2 meist ungleich grosse, nur selten stumpfe Lappen 
getheilt. Zellen west, gletchgross, sehr diimmvandig, angulůr nicht verdickt, tm Zell- 
raume frůh entfčirbt. Weibl. Hůllbl. grósser und breiter als die Bl., scharf oder stumpf- 
lich eingeschnitten, mit 3—5 spitzen Lappen. Kelch wweit emporgehoben, lánglich bis 
walzenfoórmig, oben stumpf faltig, an der wenig schrágen Můndung kurzlappig. © Lappen 
am breiten Ende durch vorspringende lůngliche, am Ende abgerundete und divergirende 
Zellen ungleich gezáhnelt. Sporen dicht warzig, doppelt breiter als die Schleuderer. 

In kleinen bleicherůnen, zuweilen purpurn angelaufenen Gruppen, selten in Ráschen. 
Der vom Substrat nicht leicht isolirbare Stengel oft róthlich, wie auch zuweilen die Kelchspitze. 
Keimkórner sehr selten, gross, rundlich — bis abgerundet 4eckig, purpurn. 

Einháusig. — A — Frucht im Frůhjahr unď Herbste. ; 

Auf kisieg thonigem Boden, besonders an lichten Abhángen, auf Haideland in 
der Ebene und Hůgelregion, daselbst stellenweise ziemlich hoch auftretend; zerstreut, 
und der Zartheit wegen wohl oft úbersehen. — Prag: auf der Nordseite der Lehnen im 
Šárkathale mit J. intermedia! — Půrglitz an lichten Waldabhángen! Sůdabhang des 
Mileschauer! Nach Plumert im Bereiche der Flora des Iser- und Jeschkengebirges. — 
Písek in Sůdbohm. an einem, von Erica bewohnten Feldraine bei St. Wenzel mit zahl- 
reichen Frůchten! — Blánsker Wald bei Krumau! 

++) Oberste Blátter sehr gedránst, wellig kraus. 


15. J. intermedia N. v. E. (exel. var. minor. — J. excisa 6) crispata Hook. 
— J. capitata Hook.) — Stengel kurz, kriechend. Áste aufsteigend, Biischelig, dicht 
schopfig bebláttert, wurzelhaarig. Blátter fleřschig, durch eine vzelgestaltige Bucht un- 
gleich 2—3lappig; der Ventrallappen meist stumpflich. Die obersten Bl. grósser, fast 
guer inserirt, sehr und vosettenavtig gedrůngt, wagerecht abstehend. — Zelen ziemlich 
weit, diinnwandig, angulůr micht oder schwach verdickt, dicht mit Chlorophyll gefůllt. 
Weibl. Hůllbl. grósser, abstehend, wellig, ungleich spitz 9—5 lappig, stumpfzáhnig bis 
winkelig buchtig. Kelch gedumsen eifórmig, tief herab faltig, etwa zur Hálfte em- 
porgehoben. 

In niedrigen, satt- bis schwárzlichorůnen, zuweilen purpurn angehauchten Rasen oder 
Polstern, mit dicht dem Substrat angeschmiegten Stengeln. Die Astspitzen erscheinen Kopfsalat- 
fórmig. Keimkórner an den Hůllbláttern, sonst wie bei Vor. — Ist mit beiden Vor. zu vergleichen ! 

Einháusig. — 2 — Frucht nicht selten, im Frůhjahr und Spátsommer! (Peri- 
anthien háufig). 

+ 


50 Bidentes.,. 


— - T 


—— 


Auf thonigsandigen Abhngen, Hohlwegen, am Saume der Nadelwálder und 
dergl., in der Ebene und Hůgelregion ziemlich háufig (wohl oft úbersehen), im Gebirge 


seltener. —— Prag: am něrdlichen Abhange des Žižkaberges in Gesellschaft der J. ven- 
tricosa! Im Šárkathal gegenůber Žežulka háufiger unter Hecken ! — Džbán in der Wilden 
Šárka (Stolz)! — Medniker Bere bei Štěchovic! — Písek im Kiefernwald b. der 
Schwimmschule! — Am Třemšín (Velenovský)! — Riesengrund beim Forsthause (Nees). 


**) Blattzellen dickwandig, besonders angulár stark verdickt. 


16. J. bicrenata Lindenb. (J. commutata Hůben. — J. intermedia ©) minor 
N. v. E.). — Stengel nur gegen 5 mm lang, kriechend, die Spitze aufsteigend, dicht 
wurzelhaarig.  Blátter klen, gedrůnst, die unteren schrág inserirt, alle durch eine 
seichte stumpfliche Bucht in 2 kurze spitze Lappen getheilt. Zellen ziemlich Gross, an- 
fangs mit Chlorophyll und Oeltropfen dicht erfůllt, bald aber čm Měttelraume licht und 
dann aujffallend besonders in den Ecken dickwandig. Weibl. Hůllbl. aus scharfer Bucht 
2—3lappig, fein ungleich sdgezdhmg oder ganzrandig. Kelch ziemlich gross, eifórmig 
bis eilinglich, an der faltigen Spitze ausgebleicht, ungleich dicht gezáhnt.  Zčihne lang 
meist 2—9zellig. Sporen von Breite der Schleuderer. 


In niedrigen, licht gelblich griinem, am sonniger Localitát purpurbraunen Háufchen, an 
den nur die fruchtenden Stengelspitzen emporragen. BI. nur 0.5 mm lang, aufsteigend, schwach 
rinnig, durch eigenthůmlich verdickte Zellwánde, denen auch die in den Kelchzáhnen vorkom- 
menden áhnlich sind, áusserst charakteristisch. — Junge Pflanzen und Schwůchlinge haben důn- 
nere Zellvánde. Keimkórner bráunlichgelb, gross, sternfórmig-eckig. 


Einháusig. — 242 — Fruchtet háutig im Sommer und Anfangs Herbst. 


Auf sandig thonicem Boden, an Rainen, trockenen Waldgráben, Haideland, nur 
in der Ebene und Hůgelregion, selten auf Bergen, ziemlich zerstreut. — Prag: Nadel- 
wald zwischen Běchovic und Ouwal! — Nordběhmen: Nach Plumert im Iser- und 
Jeschengebirge. — Sůdabhang des Jeschken! — Bósig! — Sůdabhang des Mileschauer 
mit J. hyalina an Hohlwegen ! — Adlerkostelec an der Flusslehne! — Klappersteine am 
Kamme des Glatzer Schneebergrůckens 1880! — Westl. Bóhm.: Karlsbad an der Lehne 
b. der Porzellanfabrig im Teplthale! — Sůdběhm.: Rosenberg, am Hohlwege čstlich 
vom Schlosse! 


17. J. alpestris Schleich. (J. sudetica Hůben. — J. Curvula; sicca; vogesiaca 
N. v. E.). — Štengel 1—3 em lang, fest, unterseits ofters  purpurbrčumlich, dicht 
wurzelhaavig. BL. strajf, herablaufend, durch eine vielgestaltige Bucht seřcht und 
stumpf. (zuweilen spitz) ausgerandet. Lappen mevst spitz, eingebogemn. Zellen derb, 
ziemlich gross, rundlich o—6eckig mit grossen Oeltropfen dicht erfůllt. Die grossen an- 
guláren Verdickumgen oft zusammenjiiessend. © Keimkórner mennigroth, lappenstándig, 
sternfórmigeckig. Hůllbl. gross, rundlich, 2—3lappig, '/„ so lang als der Kelch, Dieser 
lánglich, fast glatt, nur oben stumpffaltig, meist 4záhnig. 


Sehr polymorph. In flachen, oft ausgebreiteten, dicht verwobenen Rasen, oder verein- 
zelt; mattolánzend, bráunlich, rothgelb, seltener grůn. Wurzelfasern anfangs oft purpurn. Blátter 
dicht gestellt, die unteren fiacher, mehr abstehend, die oberen beiderseits úber den Stengel auf- 
steigend und zusammenneigend. Kapsel viollet-rothbraun, kaum breiter als die Schleuderer. 


Zweiháusig. — 2 — Frucht seltener, im Frůhjahr; meist Keimkórner tragend, 


Auf kiesiger Erde, an Felsen, Wegen und Abhángen, auch an trockenen Mooren, 
nur in der Berg- und Hochcebirgsregion und da sehr verbreitet von da zuweilen auch an die 
Vorberge niedersteigend. — Reichenberg (Corda, Siegmund). — Haindorf (Nees). — Iser- 
gebirge (Limpricht); Tafelfichte (Menzl)! — Riesengebirge: Teufelsbere bei Neuwelt! 
Kesselgrund (Nees). Ziegenrůcken! Am Gebirgskamme, dessen Gipfel und Wiesen bis 
auf die Koppe verbreitet, so auch im Růbezahls Garten bereits von Funck 1819 ge- 
sammelt! — Aupathal (Milde, Nees). Brauner oberhalb Grulich! — Bóobmerwald; Am 
nórdl. Abhang des Arber! Spitzberg bei Eisenstein, besonders an Felsblocken am Fuss- 
pfade von der Station zum Prokop! 


Barbatae. 51 


III. Sect. Barbatae. 


Blátter oft breiter als lang, kurz oder bis zur Basis 8—5lappig, seltener 2lappig. 
Unterbl. deutlich oder fehlend. 


a) BL. bis zur Basis 3—4 theilig. Abschnitte mit růckwůrts gerichteten Záhnen. 


18. J. setiformis Ehrh. (Anthelia Dmrt. — Chandonanthus Lindb. — Presl: 
Obr. 22. fig. 1457). — Stengel 2 em oder viel darůber lang, fadenfórmig, drehrund, 
briichig, gabelig getheilt, kurz wurzelhaarig bis kahl, Bl. gedrángt, dicht dachziecelig, 
fast guer inserirt, breiter als lang, mit aufrechten, spitz eilánglichen Abschnitten. Diese 
am Rande auswáris gebogen, unten mit lamgen Zčihnem. © Unterbl. gross, třef getheult, 
an der Basis gezdhnt. — Zellen sehr derb, blatterig aufgetrieben, rings dickwanduy. 
Kelch dickeifórmig, tief hinab 1Ofaltig, am der zusammengezogenen Můndung hyalm 
haarfein gezáhnt. 

In gelbbraunen, oft ausgedehnten uud hohen Polstern. 


| D) alpina Hook. Kleiner und feiner, mehr grin. Stengel oft verkůrzt, niederliegend 
wurzelhaarig, Bl. minder tief getheilt, weniger gezáhnt. 


Zweiháusie, — 24 — Frucht bei uns unbekannt, sonst im Frůhjahre. 

Zwischen Gerčlle oder auch an Gneissfelsen des Hochgebirges ziemlich ver- 
breitet. — Riesengebirge: Schneekoppe (Nees)! oft mit Gymnomitrčum concinnatum, so 
an der Serpentine zur Koppe! Nach Plumert auch im Isergebirge. — 0) Elbwiese, KL 


Sturmhaube náchst der Spindlbaude, in den Schneegruben (Nees). 


B) BI. 3—5 záhnie (zuweilen einige 2záhnic), oder kurz 3—5 lappig. 
+ BL 3—5lappiv, sehr faltig-kraus. Unterbl. fehlen oder zuweilen auf den Geschlechtsásten. 


19. J. incisa Schrad. (J. viridissima N. v. E. — Presl: Obr. 22. fig. 1459). 
Stengel meist verkůrzt, 5 mm lang, in feuchten Gebirgslagen mehr verlángert, dick, auf- 
steigend, lang und dicht wurzelhaarig. Bl. saftig, dicht gedrčingt, am der Spitze 
schopfartig gehčuft, nach vorn und aufwárts abstehend. Blattfláche breiter als lang, 
tief und unsleich in spitzige am Rande zuriickgebogene, kleingezčihnte Lappen getheilt. 
— Zellen ziemlich weit, důnnwandig, angulár verdickt, mit Chlorophyll und Oeltropfen 
dicht erfůllt. Weibl. Hůllbl, tiefer gespalten und stárker gefaltet. Kelch emporgehoben, 
oval bis verkehrt eifórmig, an der faltigen Můndung wimperig gezáhnt. 

Rasen freudig lichtgriin oder blaugrůn, gekrčuselt, oft ausgebreitet, dicht verfilzt. Die 
verlángerte Form (var. elongata Autor.) mit purpurbraunem Stengel. Kapsel rothbraun, mit runden, 
braunen Sporen; diese breiter als die braunrothen Schleuderer. 

Zweiháusie. — 2 — Frucht im Frůhjahre, meist reichlich. 

In feuchten Wáldern, besonders an Baumstůmpfen, úber Torfmoosen, an schat- 
tigen Ur- und Sandsteinfelsen, oder zwischen Moosen zerstreut, von der unteren Hůgel- 
region bis auťs Hochgebirge ziemlich verbreitet und daselbst háufiger. — Prag: Liboc! 
— Mednik bei Štěchowic! — Wilder bei Třemošna (Velenovský)! —  Nordbóhm: Sand- 
steinfelsen unterhalb Bósig. — Turnau, unterhalb Waldstein!' — Reichenberg (Cordaj. 
— Isergebirge (Nees, Limpricht). — Riesengebirge: Teufelsberg b. Neuwelt! An der 
Mummel! Jakschebero (Sitenský)! W. Wiese! Weisswasser! Sehneekoppe (Nees). — 
Adrsbacher Felsen (Nees)! — Weckelsdorf! — Litiz bei Pottenstein (Sitenský)! — 
Westbohm: Karlsbad an feuchten Granit-Felsen gegen Sanssoucy! — Sůdbohmen: Unter- 
královic an d. Želiwka! — Bóhmerwald: Blánskerberg! St. Thomas! Kuschwarda! Eisen- 
stein!' Arber! Ahorn- und Fischerfilz, Moldauguellen! 


+1 Blátter orósstentheils flach, wagerecht 2reihig 8—5lappig. 


20. J. lycopodioides Wallr. (J. barbata var. lycopod. N. v. E.). — Stengel 
bis 1 dm lang, oberseits verflacht, niederliegend oder aufsteigend, kurz und dicht wurzel- 
haarig. BI. schrág inserirt, die Mitte des Stengelriickens oft iiberschreitend, zwei- 
seitig wagerecht abstehend. Rand faltig und buchtig mit 5 (4—53) kurz gerundeten, 
fast gleichgrossen, lang stachelspitzigen Záhnen, und an der Basis des Ventralrandes 


4* 


52 Barbatae. 


mit einigen sehr langen, einfachem oder gegliederten Cilten. Der Dorsallappen riick- 
wwčirts gerichtet.  Unterbl. gross, mt langen Cilien. Kelch oval, oben faltig, gezáhnt. 


Grósser als die folgenden. Lockerrasie oft weit auscedehnt, bleich — oder braungrůn. 
Zellen derb, verháltnissmássie klein, fast gleich gross, angulár 3eckig verdickt, durch Chlorophyll 
und rundliche Oeltropfen undurchsichtig. Unterblátter lanzettlich, angedrůckt. 


Zweiháusie. — 23 — Fruchtet im Sommer, jedoch áusserst selten. 

In feuchten, schattigen, zumeist nordlichen Gebirgslagen, auf Waldboden, auch 
zwischen niederem Baumwuchs oder an Felsen, im Hochgebirge verbreitet und von da 
stellenweise bis an die Vorberge herabsteigend. — Jeschken, něrdl. Abhang náchst der 
Baude! — Isergebirge (Corda). — Riesengebirge: Wurzelsdorf! Teufelsberg! Elbguellen ! 
Kessel! Weisswasser' KI. Sturmhaube! Weisse Wiese! Fuss der Schneekoppe (Nees). 
Koppenplan (Flotow).  Aupaabhinge (Nees). — Glatzer Schneeberg (Nees).  Klapper- 
stein oberhalb Lipka zahlreich! — Bóohmerwald: něordl. Abhang des Arber in der Rich- 
tung vom Oberthurmhofe in sehr ausgedehnten Ueberzůgen! Spitzbers am Nordabhange! 


21. J. barbata Schmid. (J. barbata var. Schreberi N, v. E.). — Stengel 2—6 cm 
lang, »tedergestreckt, stark, metst Drdunlich, oberseits flach, unterseits dicht und kurz 
wurzelhaarig. © BI. schrág inserirt, die Mitte des Stengelrůckens michť erreichend, am 
geraden oberen Rande mit (2)—3—5, metst gleich grossen Záhnen.  Unterbl. fehlend, 
oder klein, schmal. Zellen mássig, aber nicht angulár (oder daselbst schwach) verdickt, 
durch kleine Ocltropfen und Chlorophyll undurchsichtig.  Kelch eilánelich, an der Můn- 
dung faltig, kerbig gezáhnt.  Kapsel rundlich-oval, braun. 


Rasen flach und locker, olivengrůn oder bránnlich gelb, meist auscgebreitet. Stengel gegen 
die Spitze oder im Schatten ganz grůn. BI bei der Bucht theils schwach wellig, theils flach und 
mit geraden, zuweilen ungleichen Záhnen. Mánnl. Blůthenstand kurz áhrenfórmig, mit am Grunde 
ausgehohlten, mit der Spitze sparrig abstehenden Hůllbláttern, deren eingeschlagener Dorsalrand 
mit 1—2 Záhnchen. Kleiner als beide vor. 


Zweiháusig. — A — Frucht im Sommer, ziemlich selten. 

Auf nackter Erde an Feldrainen, Waldrándern, besonders aber in Wáldern auf 
allerlei Unterlage in der Ebene háufig, von da bis auťfs Hochgebirge spárlicher auftretend 
oder daselbst stellenweise gánzlich fehlend. Von der Grenze liegen Exemplare namentlich 
vor: vom Bohmerwald: Gegend um Eisenstein (Corda, Purkyně)! — Hohenfurth! — Berg 
Libín bei Prachatic! — Anhóhe zum Schutzensel bei Schůttenhofen! — Wálder um 
Rožmital (Velen.)! — Teplitz (Winkler)! — Wanov (Malý)! — Mileschauer! — Schluk- 
kenau (Karl)! — Jeschken! — Abhang der Marchguellen ! 


+++ Blátter oder nur ihre Lappen mehr oder minder aufgerichtet, oder umgebogen wenn 
nicht dem Stengel angedrůckt. 


22. J. guinguedentata Web. (J. barb. var. guingued. N. v, E, — J. barbata 
var. major et Naumanni Dmrt.). — Stengel kůrzer als bei der vor.; aufsteigend, ober- 
seits treppenfórnug, dicht und lang wurzelhaarig. Bl. rundlich guadratisch, etwas 
schrág inserirt, schtef und nach vorn aufsteigend und betderseits zusammenneigend- 
hohl, von der Spitze schrůg zum Dorsalrande ungleich 3—5 záhnig und faltig. © Záhne, 
von denen der ventrale am gróssten, stumpflich, stachelspitz, einwůrts oder nach vorn 
gerichtet. Der  Ventralrand ohne Čílten. © Unterbl. meist fehlend, oder nur in den 
Blůthenstánden vorhanden, tief 2theilig, ganzrandig.  Weibl. Hůllbl. breiter, tiefer ge- 
spalten und stárker gewellt, mit sehr zugespitzten Záhnen. Kelch oben faltig, wim- 
perig gezáhnt. 

Rasen ausgedehnt, dicht verwoben, abgeflacht, zumeist grůn oder gelblichbraun. Stengel 


seltener bráunlich. Bl. trocken wellig-kraus, nicht wagerecht abstehend und kleiner als bei vor., 
alle ihre Záhne nicht immer stachelspitz. ZŽellen důnnwandig, zuweilen sehr stark angulár ver- 


dickt. Kapsel rothbraun. Sporen doppelt so breit als die zahlreichen Schleuderer. — Scheint 
mit der folgenden durch Ubergangsformen verbunden zu sein. 
Zweiháusig. — 2 — Frucht háufiger als bei den Verwandten, im Frůhjahre 


oder Anfang Sommer. — 


— = 


Barbatae. 53 


Auf feuchten, zuweilen auch lichten Waldstellen, auf nackter Erde oder an 
Felsen, seltener in der niederen Hůgelregion, háufig im Gebirge. — Mittelbohmen: Stě- 
chowic an Silurfelsen und auf nackter Erde in Gesellschaft der J. barbata, fruchtend 
und mit $! — Půrglitz eine besondere, lang- nicht stachelspitz-záhnige Form, mit sehr 
starken, oft zusammenfliessenden, angulaeren Verdickungen (jedoch nur spárlich gesam- 
melt)! — Bůsig! — Reichenberg (Corda nach Nees). Haindorť am Fusse des Kreuz- 
berges (Nees, Flotow). Isergebirge (Limpricht). Tafelfichte (Flotow). An der Iser (Nees). 
— Riesengebirge: Teufelsberg, am Fusse zahlreich! Weisswasser! — Glatzer Schneeberg 
(Flotow). — Píseker Wilder zwischen Mooren zerstreut (Velenovský)! —  Bóohmerwald: 
am Gipfel und den Abhángen des Spitzberges! 


23. J. Flórkei W. et M. (J. barbata var. Flórkei N. v. E.). — Stengel 3 cm 
bis 1 dm lang, durch die einseitig aufgerichteten, nicht angedriickten BI. fast drehrund, 
aufsteigend bis aufrecht, kurz wurzelhaarig. BI. meist dicht sitzend, fast guer inseritť, 
eirund-guadratisch, etwas faltig, am oberen Rande mit 3 (2 oder 4) e'ngebogenen 
Záhnen, und an der Basis des Ventralrandes hůujfig mit einigen Čilten. Unterbl. an- 
sehnlich, anliegend, meist bis zur Basis getheilt, unten mit einigen Cilien. Zellen derb, 
angulaer bis stark 3eckig verdickt (die Ecken oft zusammenfliessend, durch Chlorophyll 
und einige runde Oeltropfen erfůllt. Weibl. Hůllbl. £—7 spaltig, stěirker gefaltet. Kelch 
lánslich, lánesfaltig, an der Můndung entfárbt, fein gezáhnt. 

Sehr veránderlich! Rasen dicht und flach, oder locker und hoch, zuweilen auch schwam- 
mig polsterfórmig, oder zerstreut unter Moosen. Hell- bis dunkelorůn, háufig auch bráunlich. Bl. 
aufsteigend bis aufrecht, mit čmmer eingebogenen Záhnen (wodurch mit J. sazicola, alpestris, guin- 
guedentata zu vergleichen). Keimkórner eckig-oval, in braunrothen Háufchen spitzenstándig. Kapsel 
gelbbraun; Sporen braun. 

Zweiháusie. — 2 — Frůchte im Frůhjahre bis Juli. 

Auf mooriger Erde, zwischen Torfmoosen und in deren Tůmpeln, auch auf 
feuchten Felsen der Berge und des Hochgebirges háufig. — Isergebirge: Flussbeet der 
Iser (Limpricht). — Riesengebirge: schon von Funck auf der W. Wiese und der Schnee- 
koppe gesammelt. Koppenplan! H. Rad (Nees)! KI. Sturmhaube! Spindelbaude! Elb- 
guellen! Pantschewiese! Weisse Berg (Sitens.)! Kessel! Weisswasser! — Aupathal (Ebers, 
Flotow). — Tenfelsberg b. Neuwelt! Adrsbach! — Glatzer Schneeberg (v. Uechtritz). — 
Bóhmerwald: Nordabhane des Arber am 1. Juni 1879 an Felsblócken! — Spitzberg! 
Moldauguellen ! : 


24. J. attenuata Lindenb. (J. barbata var. attenuata N. v. E.). — Sténgel bis 
5 em lang, schlank, oft unter der Spitze mit aufsteigendem fadenfórmigen, drehrundem, 
verldngerten Sprossen. Bl. schrůg inserůrt, oval guadratisch, hohl, am den Sprossen 
dicht anliegend, am oberen Rande mit 2 oder 3 (4), fast gleichorossen, spitzen Záhnen. 
Diese durch Keimkórner oft zerstort. Unterbl. ofť fehlend, kurz 2zdhnig, ganzrandig. 
Weibl. Hůllbl. ausgebreitet, und sehr spitz-4lappig. Zellen gegen den Rand kleiner, da- 
selbst guadratisch, derb, angulaer stark verdickt, dicht mit Oeltropfen erfůllt. Kelch weit 
emporgehoben, cylindrisch oder keulenfórmig, an der gefaltenen Můndung wimperig ge- 
záhnt. Kapsel rothbraun. 

Feiner als alle vor.; in lockeren, grůnen oder gebráunten Rasen. Keimkórner háufig 
gipfel- oder randstándig, rothlich-gelbbriin, oval und lang 8eckig. 

Zweiháusig. — 2 — Frůchte sehr selten, im Sommer. 

In schattigen Wálderu, an Waldrándern, theils auf nackter Erde, theils an Felsen 
und modernden Baumstůmpfen, besonders aus Vorbergen und dem Hochgebirge, wo 
ziemlich verbreitet. — Jeschken, am Rande des nůrdl, Abhanges bei der Bande 1877! 
— Riesengebirge: Johannisbad am Waldrande oberhalb der „Waldschenke“! Elbgrund 
(Flotow). Jakscheberg (Siténský)! Weisswasser!  Spindelbaude und anderswo (Nees). 
Hohes Rad! Schneekoppe (Flotow). — Glatzer Schneeberg (Nees,. Flotow). — Brda- 
gebirge: Ufern des Tok und am „Langen Stein“ im Obecnicer Revier (20 Aug. 1867 
Freyn)! Boóhmerwald: bereits von Martius.  Eisenstein an Baumstůmpfen unterhalb des 


. Teufels-Sees! Am Nordabhane des Spitzberces sehr zahlreich und typisch! 


54 A eauifoliae. 


IV. Sect. Aeguifoliae. 


Unterblátter mit den seitlichen gleichfórmig, daher der Stengel gleichmissig 
Sreihie bebláttert. 
«) Bl. zur Hálfte oder tiefer 2spaltic. 


25. J. julacea Lightf. (Anthelia Dmrt.). — Chandonanthus Lindb.). Stengel 
1—5 cem lang, aufsteigend, fadenfórmig, sehr ástig, bloss am Grunde wurzelhaarig. 
BI. sehr dicht dachztegelig, angedriickt, eifórmig, bis unter die Mitte schmal und scharf 
eingeschnitten, mit 2 ungleich kerbig-gezihnten Lappen. Randzellen guadratisch, sonst 
9—6eckig, diberall stark verdickt. Kelch fast zur Hálfte emporgehoben, oval, spáter 
prismatisch, von der Mitte aufwárts faltig Zusammengezogen, ungleich gezáhnelt. Sporen 
so breit als die zwetspirigen Schleuderer. 


Im grossen, fast polsterfórmigen, braungrůnen, čm Alter blamoeissen Rasen, die besonders 
an Herbavpflanzen von weissem Schimmel úberzogen sind. Stengel drehrund, mit guer inserirten, 
etwas hohlen, spitz-eilanzett-lappigen Bláttern. Lappen oft hyalin. Kapsel klein, dunkelbraun. 


Zweiháusio. — 4 — Frucht ziemlich háufig, im Sommer. 

An feuchten oder úberrieselten Felsen schattiger Schluchten des Hochgebirges, 
ziemlich selten. — Riesengebirge: von Siegmund gesammelt. Abhánge der Schneegruben 
und beider Teiche (Nees, Limpricht). Aupagrund (Funck). 


26. J. Juratzkana Limpricht. (J. julaceea var. v) clavuligcera N. v. E.). — 
Stengel kurz, ziemlich dick, bis zur Spťtze kurz wurzelhamig, mit dicht gedrángten, auf- 
rechten Sprossen und verbogenen Ausláufern. Bl. gedránst, an sterilen Sprossen můssic 
abstehend, kůrzer und breiter.  Zellen zumeist guadratisch und rectangulaer, sehr diinn- 
wandig, angulaer nicht verdickt. Kelch die Hiillblčitter kaum úberragend, tief faltie, 
oben wenig verenst und klein gezáhnt. Sporen grósser als bei vor., bráunlichcelb, drečmal 
so breit als die meist dreispirigen Schleuderer. 


In zwergicen (2—4 mm h.), dicht verfilzten, blaugrůnen, abwárts bráunlichen Polsterchen. 
Hauptstengel kriechend, aufwárts grůn. Wurzelfasern meist bráunlich. Kapsel sehr kurz gestielt, 
klein, fast kugelrund, gelbbraun. 


Tahánste: joe Frůchte zahlreich, im Juli. 

Auf nackter, festgetretener Erde an Fusswegen des Hochgebirces, sehr selten. — 
Riesengebirge: an der Sůdseite des Brunnenberges am Rande der Fusswege in Gesell- 
schaft von Sarcose. Funckii in auscedehnten Fláchen (1871. Limpricht), 


G) Blátter bis zur Basis haar- oder píriemenfórmig 2—4 theilig, 


27. J. trichophylla L. (Blepharostoma Dmrt.). — Stengel haarfein, meist nieder- 
liegend, sehr dstig. Blátter gewóhnlích in 3 haarfórmige, aus eřner Zellrethe gebildete, 
spitzige Lacinien bis zur Basis getheilt. Unterbl. 4theilig. Zellen der Lacinien rect- 
angulaer, verdickt, mít bis 19 rundlichen Oeltropfen. Hůllblátter an der Basis mehr 
Húchenartig, die mánnlichem oft wiederholt gabelig oder gewethartig verzweigt. Kelch 
oval bis cylindrisch oder keulenfórmig, mit 1 tiefen Lángsfalte und faltig zusammen- 
nevgender, fransiger Můndung. Sporenu von Breite der Schleuderer, 


In gelborůnen (zuweilen bleicheren) oder Srůnen, dicht verwebten Ueberzůgen, oder ver- 
einzelt zwischen Moosen. Kapsel oval, braun. 


Einháusig. — 3 — Frucht im Mai. Fast úberall mit Kelchen. 
Auf Walderde, an feuchten Felsen, besonders an Ouadersandstein, meist aber an 
morschen Baumstůmpfen, von der Ebene bis aufs Hochgebirge gemein. 


28. J, setacea Web. (Blepharostoma Dmrt. — Lepidozia Mitten). — Stengel 
haarfein, eimnfach oder ástig bis doppelt gefiedert, meist brčunlich, mit Auslůufern. 
Alle Bl. zčemlích derb, in 2—4, untem von zwet Zellreihen gebildete, stumpflich pfrie- 
menfórmige, schwach eingebogene Lacinien Setheilt. Zellen der Basis rundlích 5—6- 
ecktg, die der Abschnitte rectangulaer, alle ziemlich dickwandig, ohne Oeltropfen. Weibl. 


Cephalozieae. 55 


© Blůthenáste ventral, sehr kurz. Ihre Hůllbl. sehr gross, mit 3—4 sehr spitz-lanzett- 
— běchen, wimperig gezáhnten Abschnitten. Kelch fast cylindrisch, an der oveiten Můndung 
1 fransig gezáhnt. 

In dicht verfilzten, feinen Ráschen oder vereinzelt zwischen Sphagnen. Der Lage von 
© Bliůthenásten nach gehórt diese Art eigentlich zur folgenden Section. 

Zweiháusig. — A — Frůchte und © Pflanzen sehr selten, im Sommer. Kelch 
háufiger. — 

In Torfmooren und an GAuadersandstein, zerstreut und bei uns bisher nur vom 
Bereiche des Riesen- und Glatzer-Gebirges bekannt! — Kranichswiese bei Neuwelt (Si- 
tenský)! — Adrsbacher! und Weckelsdorfer Felsen, ferner sůdlich am Heuscheuer und 
an der Glatzer Grenze im Wilden Loch (Flotow, Limpricht). — 


V. Sect. Cephalozieae. 


k BI. tief 2lappig. Unterbl. deutlich oder fehlend. Die © entweder an ventralen 
Astchen, oder terminal, jedoch durch spátere Knospung seitwárts geneigt. 


a) Unterbl. úberall deutlich, anders gestaltet als die Blátter. 


29. J. Starkii N. v. E. (Cephalozia divaricata Dmrt.). — Stengel 1—2 cm 
lang, dick und geschlángelt, gabelástig, mit Ausláufern. Bl. entfernt, weit abstehend, 
breiter und lánger als der Stengeldurchmesser. Bucht stumpfwinkelig, unter die Blatt- 
mite reichend. Lappen sehr divergirend, scharf oder stumpflich, an der Basis einzela 
an 8—16 Zellen breit.  Unterbl. adstehend, pfriemenfórmig oder lamzettlich, ausge- 
randet oder 2záhnig. Zellen klein, diinnwandig, angulaer nicht verdickt, ziemlich derb, 
dicht mit Chlorophyll erfůllt.  Weibl. Hůllbl. breitrundlich, bis zur */„ scharf ausce- 
schnitten, ausgefressen gezáhnt. Kelch lánglich oval, stumpf 5 faltig, am Ende gezáhnelt, 
grůn oder entfárbt. 

Sehr fein, habituell der J. divaricata sehr hnlich, in dicht verfilzten, grůnen oder 
schmutzigbraunen Ueberzůgen. Bl. am Dorsalrande oft mit 1 grósseren Zahne, von Keimkórnern 
zuweilen ausgefressen. Archegonien stehen theils am Ende niederliesender Hauptáste oder an 
verlángerten, aufrechten Nebenásten, deren BI. gegen Ende plótzlich grósser werden. 

Zweiháusig. — 2 — Frucht sehr selten. 

An trockenen, kieseligen Stellen, so an Waldrándern, auf Haideland und dere., 
selten. — Ďáblitzer Bere bei Prag am 14. Febr. 1881! — Tannwald: unterhalb des 
Forsthauses an der Stephanshóhe náchst Příchowic 1879! Riesengebirge: unweit der 


Grenzbauden (Nees). — Adlerkostelec am Waldrande gegen Wyhnanow! — Písek in 
Sůdbohm. auf Haideland hinter St. Wenzel an der Strakonicer Strasse! — Daselbst an 
der Budweisser Strasse (Velen.)! — Třemošna im Brdagebirge (Velenovský)! 


P) Unterbl. fehlend, oder undeutlich und nur am Ende der Geschlechtsáste entwickelt. 
+ Bl. guer inserirt, oder schrág angeheftet aber nicht herablaufend. 
* Zellen dickwandig. 


30. J. divaricata N. v. E. (Cephalozia byssacea Dmrt.). — Stengel bis 1 cm 
lang, ziemlich děck und steif, brdunlichgriin, nicht durchscheřnend, mit aufgerichteten 
Ásten und umherschweifenden Sprossen. Bl. entfernt gestellt, fast guer inserirt, minder 
abstehend, ihre Fláche so drei als der Stengeldurchmesser.  Bucht scharf, spitz- oder 
rechtwinkelig, zur *|„ reichend. Lappen divergirend, spitz, am Grnnde je 5—8 Zellen 
breit. Unterbl. merst fehlend, oder schuppenfórmig und 2záhnig, zuweilen pfriemenfórmig, 
dreieckig bis eilánglich. Zellen klen, derb, iiberall stěirker verdickt, ohne Oeltropfen. 
Fruchtáste lang, am Ende lángelichkeulenfórmig. Kelch lánglich und guergestutzt oder 
spindelfórmig zusammengezogen, mit einigen Lángsfalten, am wasserhellen Saume durch 
vorspringende Zellen crenulirt. 


In feinen, glánzend rothbraunen oder grůnen, spinnengewebeartigen Úberzůgen. Blátter 
durch rothbraune Keimkórner oft zerstort. Weibl. Hůllbl. zu '/„ in 2 und 3, meist hyaline, aus- 


56 Cephalozieae. 


gefressen gezáhnte oder ganzrandige Lappen getheilt. Kelch spáter scheinbar seitenstindig. Kapsel 
dunkel pnrpurn mit braunrothen Sporen, die so breit sind als die Schleuderer. 


Einháusig. — 4% — Frůchte háufig im Frůhling, Spátsommer! (nach Nees auch 
im Herbste). — 
Auf sandigthonigem feuchten Haidelande, gern ber verwitterten Mooren und 


anderen Vegetabilien von der Ebene bis auf die Vorgebirse háufie. — Prag: Zižkaberg 
(Stolz im Sept. mit Frůchten)! Krč (Opiz)! Běchowic! — Kolín (Veselský) Podhořan 
(Peyl)! — Turnau! — Bůsig! — Jeschken! — Jungbunzlau! — Haindorf (Flotow). — 


Mileschauer! — Karlsbad! 


31. J. catenulata Hůben. (Cephalozia Lindb. — Trigonanthus Spruce). — Stengel 
bis 1 em lang, haarfein, niederliegend, meist mit bleichgriiner Axe und wasserhellem 
Saume, stig. Bl. guer inserirt, hohl bis rinnenfórmie vorwárts gerichtet, etwas bretter 
als der Stengel.  Blattfláche rundlich eifórmig, durch eine enge, metst spitze Bucht bis 
zur "/„ in 2, fast grade, spitze, am Grunde 2—4 Zellen breite Lappen getheilt. Unterbl. 
nur in den Plůthenstánden deutlich. Zellen gross, meist rundlich, rings dickwandig, 
dicht mit Chlorophyll erfůllt. — Fruchtast kůrzer als der Kelch. Dieser cylindrisch, oben 
fast prismatisch zusammengezogen, an der Můndung gezáhnelt. Kapsel gelbbraun. Sporen 
enger als die Schleuderer. 


In feinen, bleichgrůnen, seltener bráunlichen Ueberzůgen vom Habitus der J. divaricata 
und Sarků. 


Einháusig. — 2 — Frůchte im Frůbjahre bis Juli. 

An modernden Baumstůmpfen feuchter schattiger Wilder, zuweilen auch an 
Torfmooren, und nur im gebirgigen Gebiete zerstreut auftretend. — Schluckenau (Karl 
nach Rabenhorst). — Schneeberg und Wechselbure bei Schluckenau (Rabenhorst). — 
Riesengebirge, besonders an den nordlichen Abhángen, so am Fusse der Felsen des Gr. 
Teiches (Nees).  Grenzbauden (Nees). 


32. J. eurvifolia Dicks. (Cephalozia Dmrt. — J. Baueri Mart. — Presl: Obr. 
22. fig. 1462. 8). — Stengel 0:5—2 cem. lang, bleich, durchscheinend, ástig, stellenweise 
wurzelhaarig, sammt Blěttern drehrund. BI. dicht sitzend, guer inserirt, bedeutend 
sackartig ausgehohlt und durch eine abgerundete Bucht bis zur */, in 2 pfriemen- 
fórmige, gegeneinander und růckwčivis geneigte, aus 1 Zellreihe (—10 Zellen) beste- 
hende Lacinien getheilt, Unterbl. nur in den DPlůthenstánden.  Zellen ziemlich gross, 
wasserhell, rundlich eckig, rings besonders angulár sehr stark verdickt. Weibl. Hůllbl. 
gross, angedrůckt, mit spitzlanzettlichen, scharf geságten Lappen. Kelch doppelt so lang 
als die Hůllbl., fast cylindrisch, 3seitig, wimperig gezáhnt. 


In ausgedehnten niedergedrůckten weisslichgrůnen bis rothbraunen Ueberzůgen. Frucht- 
áste kurz, dicht wurzelhaarig, armbláttrieg, Kapsel oval, braun, mit aussen fast rinnigen Klappen. 
Sporen fast so breit als die Schleuderer. (Mit J. bicuspidata var. conferta zu vergleichen). 

Polyoecisch. — A — Frucht im Frůhjahre und Sommer. 

An morschen Stámmen, Stegen und Umzáunungen der Gebirgsbáche sehr zer- 
streut, aber dann oft massenhaft. — Schluckenau bei Kůnigswalde (Karl, nach Raben- 
horst). — Haindorf, an alten Buchen- und Tannenstůmpfen stellenweise (Flotow, Nees). 
— Heuscheuergebirge (Flotow). — Bóhmerwald: (Corda nach Nees). Eisenstein, beim 
Gebirgsbache unterhalb des Teufelssees an modernden Stámmen am 31. Mai 1879 mit 
zahlreichen Frůchten! 


** Blattzellen důnnwandig. 


33. J. Menzelii Corda. — Stengel 3—6 mm lang, verdickt und rigid, bleichgrůn, 
zerstreut wurzelhaarig. Bl. schrág tnserirt, aufsteigend, breiter als der Stengel. Blatt- 
fláche rundlich eliptisch, durch eine spotzwinkelige, stumpfliche Bucht bis zur "/, in 
2 grade spitze Lappen getheilt. Diese am der Basis 4, dann 2 Zellen breit und zu- 
letzt in eine, 2 Zellen lamge Spitze auslaufend. Zellen gross, Geckig, durchsichtig. 
Kelch kaum 1 m hoch, gegen die Spitze stark 3—4 faltig, gezihnelt. 


Cephalozieae. 57 


In feinen, bleichgrůnen, winzigen Ueberzůgen vom Habitus der J. trichophylla. Die 
Hauptstengel verbogen niederliegend, mit ofters verlángerten Aesten. Die Bl. der sterilen Sprossen 
dichtgestellt, die der fertilen unten entfernter, kůrzer, dem Stengel angedrůckt und nicht so breit, 
mit kůrzerer und mehr stumpfen Bucht. Die letzten Bl. sind grósser etwas abstehend und mit 
schwach divergirenden oder zuweilen gegeneinander geneigten Lappen. Kapsel auf verdicktem 
Stiele, braun. | 


Zweiháusie. — 2 — Frucht im Frůhjahre. 
Auf sandig-thonigen Stellen, Abhángen, an Fusswecen, sehr selten. — Reichen- 


berg, hinter den Bádern im Jahre 1835 vom Pfarrer Menzl entdeckt und spáter daselbst 
von Corda wiedergefunden, 


34. J. rubella N. v. E. — Stengel verdickt, durchscheinend, Zdngs wurzelhaarig. 
BI. fast rundlich, etwas breiter als der St. Durchmesser, durch eine enge, metst spitze 
Bucht bis unter die Mitte 2lappig, mit spitzigen, oft gegeneinander geneigten, am Grunde 
4—5 Zellen breiten Abschnitten. Die letzten Bl. der sterilen Aste oft gezáhnelt. Zellen 
ziemlich gross, meist guadratisch; Zellwánde etwas verdickt. Die weibl. Hůllbl. gross, 
angedrůckt, tief getheilt, mit spitzigen ungleich ságezáhnigen Lappen. Kelch zu */; empor- 
gehoben, cylindrisch, jederseits mit 1 oder 2 tiefen Falten, oben prismatisch, mit wentgen 
tiefen Finschnitten. © Diese durch vorspringende Zellen gezáhnt. Kapsel purpurbraun; 
Sporen draunroth, dicht gekůrnelt, so breit als die dunkleren Schleuderer. 


In feinen, braun- bis hellrothen Ueberzůgen. — Blattlappen durch eine oft schwach 
hackenfórmig gekrůmmte Zelle zugespitzt. Keleh purpurn, gegen die Spitze meist hyalin. 


Einháusig. — 2 — Frůchte im Sommer. 


Auf Waldwecen sehr selten. — Isergebirge: bei der Glashůtte Karlsthal unweit 
von Wurzelsdorf im J. 1834 von Nees entdeckt. — Liebwerd in Nordbůhmen (Góppert, 
1834). — Brauner oberhalb Mohrau an Waldwegen am 10. September 1880 mit 
Frůchten ! 


35. J. bicuspidata L. (Cephalozia Dmrt. — Presl: Obr. 22. fig. 1461 und 1462 
a). — Stengel 0:5-——2 cm seltener darůber lang, kriechend, aufsteigend, selten flutend, 
bleich, reichlich verzweigt, stellemweise wurzelhaavig. © BI. schrág inserirt, dis doppelt 
breiter als Stengel, entfernt oder dichter gestellt, horizontal abstehend oder aufgerichtet 
und zum Stengel gebogem. Blattflůche rundlich guadratisch, durch eine bald engere bald 
breitere stumpfliche Bucht bis zur */„ in 2 lanzettliche, grade oder zusammenneigende, 
spitze Lappen getheilt. Zellen sehr weit und licht, 5—6eckig oder rectangulár, diinn- 
wandig, ohne Oeltropfen. Weibl. Hůllbl. zuweilen verwachsen, mit 2—5 lanzettl. ausge- 
schweiften bis geságten Lappen. Kelch lang, aufwárts verdiinnt und prismatisch, gezáhnelt. 


In niedrigen, meist lockeren und breiten Ueberzůgen oder Polstern von bleichgrůner, 
im Schatten auch dunkelgrůner Farbe. — Sehr veránderlich und daher, wie besonders die var. 
conferta mit gegeneinander geneigten Blattlappen, mit Verwandten oft verwechselt. Die Keimkórner- 
tragende Form seltener, fremdartig, mit sehr vielen, kurzen, aufgerichteten Aestchen, deren breitere 
und dickere Bpitzen durch Keimkórner róthlich erscheinen. — Die Blattzellen, lange mit Luft er- 
fůllt, erscheinen dadurch díckwandiger. Kapsel klein, oval, gelbbraun, mit 2schichtigen Klappen. 
Sporen bráungelb, so breit als die rothbraunen Schleuderer. 


var. aguatica. — Grůn bis trůb purpurn angehaucht, mit fusslangen feinen Stengeln, 
© vollig untergetaucht. 


Einháusig. — 2 — Frůchte sehr zahlreich und háufig, so wie die bleichen 
Kelche im Frůhjahre. 

Auf nackter Erde, an Waldwegen, Gráben, morschen Baumstůmpfen, Auadersand- 
stein, auf Torfmooren, meist in Gesellschaft der J. trichoph. divaric. intermed. et cet, 
von der Ebene bis aufs Hochgeb. gemein. — Z. B. bei Prag: Stern. — Michler Wald! 
— Běchowic! — Mednik ! u. s. w. — Písek! — Bůhmerwald, sehr verbreitet! — Bůhm. 
Trůbau (Stolz)! — Turnau! — Jeschken! — B. Leipa (Watzel). — Bůsig!' — Mile- 
schauer! Iserbirge. Riesengebirge. Adrsbach und Weckelsdorf! Neustadt an d. Mettau! 
Glatzer Gebirge bis zum Schneeberg! 


58 Integrifoliae. 


var. aguatica: in den Moortůmpeln der weissen Wiese im Riesengebirge bei 1400 m 
Hóhe im Juli 1883 reichlich mit Frůchten (Limpricht). 


++ Blátter sehr schrág inserirt, bedeutend herablaufend. 


36. J. connivens Dicks. (J. multiflora Huds. — Cephalozia multilora Lindb. — 
Blepharostoma Dmrt.). — Stengel 0'5—5 em lang, schlajf und haavfein, im Umfange 
mit grossen hyalinen Zellen, kurz wurzelhaarig. BI. entfernt, flachausgebreitet, kreis- 
rund, mit setcht mondfórmger Bucht *|4—*/, tief in 2 spitzige, gegeneinander genevgte 
bis fast zusammenstossende Lappen getheilt. — Zellen gross, wasserhell, ohne Oeltropfen 
und mit spárl. wandstándigem Chlorophyll, diinnwandig angulár nicht verdickt. Weibl. 
Hůllbl. handfórmig getheilt, mit schmalen lang zugespitzten Lappen. Kelch zur Hálfte 
emporgehoben, lánglich cylindrisch, oben faltig 3kantig, lang gewimpert. Kapsel gelb- 
braun. | Sporen draungeld, so breit als die Schleuderer. 


Lockerrasig oder vereinzelt, lichterůn, bleich bis weisslich; ofters mit der áhnlichen J. 
bicuspidata vergesellschaftet (und mit ihr verwechselt). 


Einháusig. — A — Fr. im Frůhjahre. 

Auf morschem Holze tiefschattiger Wálder, in Torfmooren, an (Auadersandstein 
von der Hůgelregion bis auťs Hochgebirge zerstreut. — Kurowodic zwischen Můnchen- 
grátz und Turnau am Sphagnecoetum! — Turnau, bei Rothstein an GOuadersandstein! — 
Habichtstein, unter Exsic. des dr. Poech! — Isergebirge (Flotow, Limpricht). Karlsthal 
(Nees). — Riesengebirge: bei den Teichen (Nees). — Weisse Berg (Sitenský)! — Adrs- 
bach (Flotow)! — Cudova (Flotow). — Sůdbohm.: Bóhmerwald, unter Exsic. des dr. Em. 
v. Purkyně vom Schwarzen See! — Eisenstein mit J. Taylori! Beim Arbersee! Kusch- 
warda am Sphagnecoetum! — Ahornfilz bei Mader! — Blánskerwald! 


VI. Sect. Intecrifoliae. 


Blátter ungetheilt (seltener am Ende seicht ausgerandet), ganzrandig.  Unterbl. 
nur manchmal deutlich. 

a) Unterblátter entwickelt, durch Wurzelhaare verhůllt. Kelch hervorragend, an der 
Můndung zusammengepresst, 2lappig oder gestutzt. 


«) Blattzellen gross, úberall, besonders angulár stark verdickt. Kelch zusammen- 
gepresst oder 2lippig. 


87. J. Taylori Hook. (Coleochila Dmrt.). — Stengel bis 1 dm lang, stark und 
steif, aufsteigend, dícht und lang wurzelhaarig. Bl. schrág halbstengelumfassend, am 
Dorsalrande etwas herablaufend, abstehend bis aufsteigend, kreisrund und eilánglich, ganz, 
besonders am Rande riickwěirts gebogen. Cuticula stark netzig gewarzt. Unterbl. aus 
breitem Grunde lang pfriemenfórmig. Zellen sehr gross, blatterig aufgetrieben, . stark 
dickwandig und angulčr S-vieleckig verdickt. Kelch eilánglich, oben zusammengedrůckt, 
wimperig gezáhnt. 

Sehr kráftig, lockerrasig oder dicht polsterformig, olivenerůn, bráunlich oder am Ende 


purpurn. Keimkórner gelblichgrůn oder purpurn, elliptisch, sehr gross. Kapsel eikugelig mit netzig 
geaderten Šporen. 


b) anomala N. v. E. — BL eilánglich, fast zugespitzt, sehr schrág inserirt mit glatter 
Cuticula. Kelchmůndung mit 2—4 Einschnitten, zahnlos. 


Zweiháusig (auch einháusig?) — 4 — Fr. im Sommer. 


An modernden Stámmen, an Felsen (besonders Auadersandstein), auf Torfwiesen 
und in Moortůmpeln, von den Vorbergen bis auťfs Hochgebirge verbreitet, und meist mit 


b) vergesellschaftet. — Marienbad (Leonhardi)! — Karlsbad an Felsen gegen Sanssoucy! 
— Bóhm. sáchs. Schweiz (?)! — Nixdorf (mit d) Neumann)! — Bóhm. Leipa: bei Kie- 
nast (Watzel). — Turnau bei Waldstein! — Isergebirge (Nees, Limpricht). — Riesen- 


gebirge: (Renger). Elbefall, Koppenplan (Flotow, Beilschmied)! Kranichswiese (Sitenský)! 


Integrifoliae. 59 


— Adrsbach (Nees)! Weckelsdorf! Petersdorf! Heuscheuergebirge (Milde)! — Bůhmer- 
wald: Eisenstein! Arber! — bd) Riesengeb.: (Funek). Gros. Teich, Koppenplan (Nees). 
Isergebirge (Limpricht, Plumert). — Bóohmerwald, Torfwiesen bei Kuschwarda! (Bayrischer 
Wald, Martius). 

B) Blattzellen klein, angulár schwach verdickt. Kelch stielrund, aufgeblasen, an 
der gestutzten Můndung lang gewimpert. 


38. J. Schraderi Mart. (Aplozia Dmrt.). — Stengel schlaff, hin und her ge- 
bogen, meist gabelig getheilt, kurz und dicht wurzelhaarig. BI. dicht gestellt, schrág 
inserirt und schwach herablaufend, Kreis- oder lánglichrund, aufsteigend.  Unterbl. 
klein, anliegend, breit pfriemenformig.  Zellen durchsichtig, mit kleinen Oeltropfen und 
mit meist wandstándigem Chlorophyll. Hůllbl. bald verwachsen, bald getrennt, ausgerandet 
oder lappig und dann mit einigen langen Záhnen. Kelch de Hůllbl, weit úberragend, 
mit ojfener durch Faltem verengter Miindung. 

Gelbgrůn, bráunlich oder rothbraun. Meist vereinzelt unter Sphagnen, seltener in Pol- 
stern. Kelch walzenrund oder keulenfórmig. Kapsel oval, braun, mit 4 schichtigeř Wand. Sporen 
klein, dunkelbraun, Schleuderer fast purpurn. — Wird meist mit anderen Arten verwechselt. 

Zweiháusig. — 24 — Fr. im September, October. 

Unter Torfmoosen, besonders in Gebirgsgegenden, und auch da selten. — Riesen- 
gebirge: Weisse Wiese (Flotow). — Aupagrund (Funek). Aupaabhang (Flotow). — Nach 
Plumert auch im Gebiete des Iser- und Jeschkengebirges. 


39. J. subapícalis N. v. E. (Aplozia Dmrt. — J. Schraderi var. Lindb.) — 
Stengel strajf, kriechend, gekniet mit aufsteigender Spitze, gespreizt dstig, entfernt kurz 
wurzelhaarig. Bl. entfernt, seitlich ausgebrettet, flach, rundlich eifórmig an der Spitze 
meist eingedriickt oder abgestutzt mit gerundetemn EÉckemn. Unterbl. dreieckig bis pfriemen- 
fórmig. Zellen derb, durch Chlorophyll undurchsichtig. © Hůllbl. angepresst, mit der 
Spitze abstehend. Kelch dald gipfelstěndig, kaum doppelt lůnger als die Hbl., eiláng- 
lich, an der Můndung durch Falten zusammengezogen; baldď riicken- oder gabelstěndig 
und aus den Hůllbl. kaum hervorragend, gestutzt. 

In dunkelgrůnen, zuweilen bráunlichen, flachen, verworrenen Rasen. — Kelch oft auf 
einer oder auf beiden Seiten mit 1 tiefen Furche. 


Zweiháusie. — 2 — Frucht im Sommer. Kelche háufig und zahlreich. 

In schattigen Wáldern, besonders in Hohlwegen, an Bachufern, an Steinen und 
morschem Holze in der Hůgel- und Bergregion zerstreut. — Reichenberg (Corda nach 
(Nees). — Isergebirge (Nees). — Riesengebirge: Am grossen Teiche (Flotow). Elbgrund 
(nach Limpricht). — Glatzer Schneeberg (Nees). 


b) Unterbl. fehlen. Kelchmůndung allmáhlig oder plótzlich in ein kurzes Róohrchen zu- 
sammengezogen. 
©) Bl, breit-lánglich oder verkehrt-eifórmic. 


40. J. lanceolata N. v. E. (Aplozia Dmrt. — Liochlaena N. v. E.) — Stengel 
bis gegen 3 cm lang, kriechend, unregelmássie bis bůschelig beástet, dicht bráunlich 
wurzelhaarig. Bl. schrág inserirt, herablaufend, die oberen guer angeheftet; alle auf- 
steigend bis ausgebreitet und mit der Spitze zurůckgebogen. Zellen gletchgross, důnn- 
wandig, tn den Eckem wenig verdickt, mit Chlorophyll dicht erfiillt. Kelch keulig walzen- 
fórmig, oben durch den rechtwinkelig umgebogenen Rand miedergedriickt flach, mit 
aufgesetzter kleiner, róhrigen Můndung. 

In grůnen oder bráunlichen, stattlichen, flachen und dicht verwobenen, wachsartig glán- 
zenden Rasen. Kelch aufsteigend, etwas gekrůmmt, an der Můndung wimperig gezáhnt. Kapsel 
oval; ihre Wand 2schichtig: die innere mit Ringfasern, die áussere Zellschicht mit seitlichen Ver- 
stárkungsrippen. Sporen gelbbráunlich. 

Einháusig. — A — Fr. im Frůhjahr und Sommer. 

In schattigen feuchten Wáldern an Stein, Holz und Waldboden, in der Hůgel- 
und Bergregion zerstreut. — Riesengebirge: (Funck 1823, Nees). Cudova an der Glatzer 


60 Integrifoliae. 


Grenze (Gůnther). Adersbach: Weckelsdorf! — Sůdbohmen! Blánskerwald bei Krumau! 
Von Plumert auch im Bereiche der Flora des Iser- und Jeschkengeb. angefůhrt. 


41. J. Zeyheri N. v. E. (J. pumila Aut. — J. rostellata Hůben. — J. pumila 
var. Zeyheri Lindb. — Aplozia rostellata Dmrt. — J. lanceolata Corda: Sturm. t. 6.) — 
Stengel kriechend, meist ohne Wurzelsprossen, met langen Wurzelhaaren. Aste anfangs 
verdiimnt. BI. entfernt gestellt, schrág inserirt (ausgenom. die jůngeren), grósstentheils 
2 reilig ausgebrettet, oder aufgerichtet, mit růckwárts gebogener Spitze und sackfórmiger 
Basis. Ale lčnaglich elliptisch mit stumpflicher Spitze. Zellen ziemlich weit, sehr 
durchsichtig, důnnwandig, anguldr nicht verdickt, die randstůndigen klemer, fast gua- 
dratisch. Kelch doppelt so lang als die Hůllbl., schmal, fast lanzettlich, zu einem kleinen 
Róhrchen allmáhlich verengt, zu */, Tiefe faltig, gewóhnlich jederseits mit einer tieferen 
Falte.  Můndung schrág gestutzt, wimperig gezihnt. 


Kleiner als vor., in dunkelgrůnen oder bráunlichen, lockeren und flachen Uiberzůgen, 
seltener in Rasen. 


Einháusig. — 2 — Fr. im Frůhjahr, gewóhnlich zahlreich. 


An feuchten Felsen, triefenden Kiesel- oder kalkhaltigen Lehnen, in der Hůgel- 
region, sehr selten. — Turnau, an triefenden Kalkfelsen der Farářství-Lehne an der Iser 
und mit Frůchten zahlreich! Waldstein, an feuchtem (Guadersandstein ! — Jungbunzlau, 
an einem feuchten Hohlwege im Walde gegen Kováň! 


2? 42. J. pumila Wither (Aplozia Dmrt.). — Stengel kurz, kriechend, mit auf- 
steigender Spitze, děcht kurz und brčunlích wurzelhaavig, fast einfach, jedoch mit vřelen 
ventralen Sprossen. BI. eifórmig, oft stumpf ausgerandet, schief angeheftet, hohl, etwas 
aufgerichtet. Zellen gleichgross, west, diinnvandig, angulčr kaum verdickt. Kelch die 
Hůllbl. úberragend, verkehrt eifórmig, an der stumpfen Spitze stark gefaltet. Můndung 
zusammengezogen, gerade cestutzt, hyalin gezáhnt. 


In kleinen, braun bis schwárzlichorůnen Rasen. Stengel gedrángt bebláttert. Sonst der 
vor. áhnlich. 


Zweiháusig. — 2 — Frucht im Frůhjahr. 

An Kalkfelsen gebiroiger Gegenden, sehr selten. — Riesengebirge: Riesengrund 
am alten Bergwerk (von Limpricht mit Reserve hieher gerechnet). — Auch von Plumert 
vom Iser- und Jeschkengebirge angefůhrt. — Sterngarten bei Prag. (Vondráček) ? 


P) BI. kreisrund. Kelch anfanos in eine rohrenfórmige Warze am abgerundeten 
Ende verláncert. 
+ Wurzelhaare farblos, lángs des Stengels zerstreut oder bůschelie geháuft. 
* Wurzelhaare lános der ganzen Unterseite. 
S Blattzellen důnnwandig, angulár nicht verdickt. 


* J. eaespiticia Lindenb. (Aplozia Dmrt. — J. parvula Lindb.). — Stengel selten úber 
5 mm lang, der fertile oft aufgerichtet, dicht wurzelhaarig. Bl. gedránst, schráe inserirt, zuweilen 
an der Spitze sclavach eingedriůckt, bleich. Zellen gross, durchsichtig, mit 1—2 lánglichen, grossen, 
grobgekórnelten Oeltropfen. Kelch bedeutend hervorragend, verkehrt eifórmig, stumpf 4—5 faltig, 
unregelmássig gezáhnt. Kapsel rund, purpurn. Sporen kanm breiter als die Schleuderer. — Keim- 
kórner n kugelrunden, braungelben, gipfelstind. Hěufchen. — Zweiháusie. — ©? — Frucht sehr 
háufig, im Sommer. — In gelbgrůnen, kleinen und niedrigen Gruppen oder Ueberzůgen an sandig- 
thoniger oder kalkhaltiger Unterlage, auf Haideland, Hohlwegen und derel., sehr selten und bisher 
von Bohmen unbekannt. — (Schlesien: bei Hirschberg). 


SS Blattzellen důnnwandic, angulár vordickt, oder am Rande der Hůllblátter dickwandig. 


43. J. erenulata Sm. (Aplozia Dmrt. — A. cristulata Dmrt.). — Stengel krie- 
chend, an der Spitze aufsteigend, etwas zusammengedrůckt, reichlich wurzelhaarig, mit 
zahlreichen kleinblěittrigen Sprossen. Bl. aufwdirts grósser und gedrčngter, aufgerichtet, 
breit eirund bis halbkreisfórmig, mot Drečter Basis schrůg inserůrt. Mánnl. Hůllbl. etwas 
sackig. Zellen gleichměsstg, schwach verdickt, mit wandstándigem Chlorophyll und einigen 


Integrifoliae. 61 


1—3 Oeltropfen; der Rand der Hůllbl. durch eine Rethe sehr grosser, guadratischer 
und dickwandiger Zellen gesdumt. Kelch mehr oder weniger hervorragend, fast bis zum 
Grunde 4-kantig und daselbst schwach zusammengedrůckt, an der scharfen Kante zu- 
weilen gezáhnt. Můndung wimperig gezáhnt. Sporen braun, gekdrnelt. 


In Heerden oder Rasen von róthlicher oder grůner Farbe, Der breite Zellsaum fehlt 
seltener auch an den úbrigen Bláttern, ist jedoch schmáler; nur an der kleineren róthlichen Form 
nicht ausgebildet. Kapsel langgestielt, kugelrund, klein, dunkelbraun. 


b) Genthiana Hůben. (Nardia gracillima Lindb.) Klečner, immer róthlich. Hauptstamm 
kurz wurzelhaarig, reichlich innovirend. Randzellen michť grósser als die benachbarten. Kapsel 
eirundlich, 

Zweiháusig. — 4 — Frucht im Frůhjahre (und im Herbste). 


Auf kiesig-thonigen Waldplátzen, Hohlwegen, an Wegrándern, ja auch im Sůmpfen, 


von der Ebene bis auťfs Hochgebirge ziemlich verbreitet. — Prag: Im Sternwalde (Won- 
dráček)! Bahnausstich zwischen Běchovic und Ouval! — Karlsbad! — Lewín bei Alt- 
Paka! — Rudolfovic náchst Libstadtel auf permischer Kornfeld-Unterlage! — Reichenberg 
(Corda). — Isergebirge (Limpricht). — Riesengebirge: Krausebauden an Glimmerschiefer! 
Gebiroskamm am kl. Teiche und den Schneegruben (Nees). Adersbacher Felsen an Wegen! 
Adlerkostelec! Grenzbauden (Nees). Braunerberg oberhalb Mohrau! — Boóhmervwald: 
Rosenberg, Teufelswand bei Hohenfurt, St. Thomas! — Ď) Wilder bei Dobřichovic! — 
Královic an feuchten Felsen der Zelivka-Lehne!' —— Rothenhaus im Ellbogner Kreise 
(Sachs, nach Rabenhorst). — Brauner oberhalb Mohrau! 


44. J. nana N. v. E. (J. pumila Lindenb. — Aplozia lurida Dmrt.). —— Štengel 
kaum 1 cm lang, aufsteigend oder aufrecht, von betden Setten zusammengedriickt, dicht 
wurzelhaarig. Bl. zčemlech steif, guer imsertrt, *|„ stengelumfassend, necht herablaufend, 
nach oben und vorn gerichtet.  Fláche kreisrund bis breitrund, an der Spitze břsweilen 
schwach eingedrůckt, bei den oberen am Rande etwas wellig verbogen.  Hůllbl. etwas 
bauchig. Zellen gross, fast gleich, nur die Randzellen klečner und fast guadratisch, 
diinnwandig, angulůr stark d-ecktg verdickt, mit Chlorophyll und runden Oeltropfen 
dicht erfůllt. Kelch Kurz, aber hervortretend, oben scharf 4-kantig. Kapsel lang 
gestielt, kugelrund, klein und braunroth. Sporen doppelt so gross als die draungelben 
Schleuderer. 


In dichten, dunkeigrůnen oder bráunlichen Rasen. Stengel auf trockener Lokalitát mit 
kriechenden, fadenfórmigen Ausláufern, und unter dem Kelche zuweilen mit kleinbláttrigen Sprossen. 


Einháusig. — A — Fr. im Frůhjahr bis Juni. Kelch háufig und zahlreich. 


An Wegrándern. und Hohlwegen, vom Fusse bis auf den Kamm der Gebirge 
ziemlich háufig. — Haindorf (Nees). — Isergebirge (Elsner, Limpricht). — Riesen- 
gebirge: Weisswasser (Nees)! Koppenplan (Flotow).  Elbguellen! Grenzbauden (Nees). 


45. J. sphaerocarpa Hook. (Aplozia Dmrt.). — Stengel bis 1 cm lang, nicht 
zusammengedriickt, fast einfach, dícht und lang wurzelhaarig. BL. meřst schlajf, die 
unteren schrág inserirt und etwas herablaufend, die oberen guer angeheftet; alle kreis- 
rund, abstehend. Zellen gross, fast gleich, diimnwandig, angulár deutlich verdickt, 
mit Chlorophyll und Oeltropfen dicht erfůllt. Kelch mehr oder mínder emporgehoben, 
verkehrt eifórmig bis keulenformig, oben 4-kantig und 4-záhnie. Kapsel auf kurzem 
dickem Stiele, kugelrund. Sporen grósser als bei vor.; tetraedrisch bis polyedrisch, 
doppelt grósser al die draunrothen Schleuderer. 


In trůb- oder braungrůnen bis braunen Rasen. Kráftiger als die áhnliche J, nana, ist 
jedoch der J. crenulata habituell auch áhnlich. 


Einháusig. — 4% — Frucht Ende Frůhjahr. 

An feuchten moorigen Waldplátzen, sowie am triefenden Felsen der Berg- und 
hěchsten Gebirgs-Region zerstreut. — Teplitz (Winkler). — Karlsbad gegen Sanssoucy! 
— Isergebirge (Limpricht). — Riesengebirge: bei der alten Schlesichen Baude auf Steinen 


62 Integrifoliae. 


in Báchen (Wimmer). Náchst der Grossen Schneegrube (Limpricht).  Weisswasser! 
Mummel! — Cudowa an der Glatzer Grenze (bereits 1824 von Flotow gesammelt). 


** Stengel bůschelig lang und weiss wurzelhaarig. 


46. J. tersa N. v. E. (Aplozia amplexicaulis Dmrt.). — Stengel meist aufrecht, 
1—6 em lang, mit schlajfem Sprossem. Bl. gleich gross, guer inserirt, weit stengel- 
umfassend, breit rund, feucht straff aufrecht abstehend © Blattbasis etwas aufgeschiirzt, 
dorsal herablaufend.  Zellen ziemlich gross, fast gleich, diinnwandig, angulůr deutlích 
verdickt, mit Chlorophyll und Oeltropfen dicht erfůllt.  Hůllbl. (das untere oder beide) 
hinabgedriůckt. Kelch oeit hervortretend, unten verschměálert, verkehrt eifórmig, oben 
4-kantig, zuletzt 4-lappig. 


In dunkelgrůnen, schwammigen, bedeutenden Polstern. Mánnl. Hůllbl. sehr hohl, fast 
knospenfórmie sich deckend. Kapsel kurz gestielť, klein, kugelrund. 


Einháusig. — 2 — Fruchtet im Sommer; Kelche háufig und zahlreich. 
An feuchten Felsen und ŠSteinen, besonders an und in Flussbeeten und an 


Ouellen, vom Fusse bis auťs Hochgebirge (wo háufiger) zerstreut. — Turnau, bči Klein- . 


skal (Neumann)! — Nixdorf (Neumann)! Isergebirge im Flussbeete der Iser (Limpricht). 
— Riesengeb.: „Im Stalle“ náchst Neuwelt (Sitenský)! Weisswasser unterhalb der Wiesen- 
baude (Beilschmied im J. 1828; Wimmer, Flotow). Weisse Wiese (Flotow, 1824). Aupa- 
thal (Flotow). — Erzgebirge: Gottesgab (Handtke nach Rabenhorst). 


++ Wurzelhaare mehr oder minder róthlich bis purpurn. 


47. J. hyalina Hook. (Aplozia Dmrt. — J. Schmideliana Hůben.) — Stengel 
kriechend, gabel- oder bůschelástig, unterseits oft róthlich, diberall dícht wurzelhaavig. 
BI. schrág inserirt, herablaufend, aufsteigend, sonst kreisrund, etwas ausgeschweift und 
wellig verbogen. Weibl. Hůllbl. mt dem Kelche verwachsen, wenig zurůckgebogen. Blatt- 
zellen weit, gleich gross, durchsichtig, obwohl mit Chlorophyll und Oeltropfen erfůllt, 
alle angulaer stark verdickt; Randzellén meist guadratisch, dickwandig. Kelch mit der 
schnabelformigen Miimdung die Hillbl. iiberragend, eifórmig, oben Skantig. Seine Zellen 
iiberall gestreckt, nicht angulaer verdickt. 


In flachen, matterůnen bis purpurn angelaufenen, olánzenden Rasen. Wurzelhaare zu- 
weilen puvpurn-violett oder nur am Anfance gefárbt und sonst hyalin. Kapsel lang gestielt, kugelig, 
rothbraun. Sporen gelblichbraun, fast doppelt grósser als die rothbraunen Schleuderer. — Mit 
Alhicularia minor zu vergleichen! 


Zweiháusig (nach Carrington auch einháusig). — 2% — Frucht im Frůhjahre. 


An sandigthonigen Hohlwegen und Waldabhingen durch die Hůgelregion bis an 
die Vorberge zerstreut. Králowic an der Želivka! — Písek, Abhinge bei den Kloster- 
teichen náchst Smrkovic! — Krumau (Jungbauer 1823)! — Sůdabhang des Mileschauer 
mit J. bicrenata! — Petersdorf gegen Gualisch via Adersbach ! 


48. J. obovata N. v. E. (Southbya Lindb. — Dmrt. — J. tersa var. B)—?9) 
N. v. E.) — Stengel aufsteigend oder niederliegend, biischelig wurzelhaavig, aufwůrts 
ústig. © Odere Bl. grůsser, guer inserirt, die unteren schrág angeheftet, deutlich herab- 
laufend, schtef 2settig abstehend und růckwčirts gebogen. Beide weibl. Hůllbl: oberhalb 
der Kelchbasis inserirtť und mit dem Kelche zur Hálfte verwachsen. — Blattzellen em 
Rande kleiner und guadratisch, alle diinnwandig, angulaer schwach verdickt oder 
gar meht verdickt. Chlorophyll und Oeltropfen spáter wandstándig. — Kelch das obere 
Hull. gar mícht oder kaum diberragend, verkehrt eifórmie, oben gefaltet, zuletzt 
4záhnig. Seine Zellen obem schmal verliingert, tiefer rundlích, an der Basis lánglich. 


i In bláulichorůnen oder braunrothen, lockeren, stattlichen Rasen, deren Bl. angefeuchtet 
aneinander kleben. Wurzelhaare sehr deutlich gefárbt. Kapsel klein, gelbbraun. Sporen vieleckig, 
fast glatt und doppelt grósser als die oleichfarbicen Schleuderer. (Kelch meist nur durch Ent- 
fernung der Hůllbl. sichtbar.) 


ť 


ké) 


Sphagnoecetis. 6 


ne 


Einháusig. — 2 — Fr. im Sommer. 
An feuchten Felsen und Steinen, an Bach- und Flussufern, vom Kamme des 
Hochgebirges in dessen Tháler herabsteigend; dort verbreitet. — Isergebirge: Tafelfichte 


und KI. Iser (Nees). Iserbeet (Limpricht). — Haindorf (Nees). — Riesengebirge: An 
der Mummel von 500—1000 m.! Kranichswiese (Sitenský)! Kesselgrund (Nees). Elbe- 
grund! Spindlerbaude, Koppenplan (Nces). Aupaabhang (Flotow). 


7. Sphagnoecetis N. v. E. 


1. S. communis N. v. E. (J. Sphagni Dicks. — Odontoschisma sphagni Dmrt.) 
— Stengel niederliegend bis aufsteigend, mit zahlreichen langen Wurzelsprossen, kurz 
oder stellenweise lang wurzelhaarig. Bl. eirundlich oder rundlich-elliptisch, ungethelt, 
sehr schrůg inserirt und kurz herablaufend. Weibl. Hůllbl. bis zur Hlfte in 2 ge- 
schweifte oder gezáhnte Lappen getheilt. — Zellen rund, angulaer mehr oder minder 
stark verdickt; Randzellen gleich gross, dickwandg, einen eigenthiimlichen Saum (wie 
b. J. crenulata) dildendď. — Kelch meist sehr lang und schmal cylindrisch, oben 3kantig, 
mit gezihnter oder fransig gewimperter Můnduno. 


In flachen, lockeren oder gedrungenen, wachsglůnzenden Rasen, oder vereinzelt, grůn bis 
rothbraun. Stengel geschlángelt, armástie, mit ventral angelegten, kleinbláttr. Geschlechtsástchen. 
Kapsel elliptisch, braun, mit deutlich gekórnelten Sporen. Diese so breit als die Schleuderer. 


b) macrior N. v. E. (Sph. Hůbneriana Rabenh. — Odont. denudata Dmrt.) — Áste fast 
bandfórmig, gegen die Spitze verdinní, mit veichl. Keimkórnern und zahlreichen Unterbláttern. Blatt- 
zellen angulaer sehr stark verdickt, čm Zellraume sternfórmig. 

Zweiháusig. — 24 — Frucht im Sommer. 


In Torfsimpfen, auf Moorboden, alten Baumstůmpfen, feuchten WYuadersandsteinen, 
im Bereiche des Hochgebirges, ziemlich selten. —- Erzgebirge bei Gottesgab [nach Raben- 


horst] (Sáchsische Schweiz, auch var. d) Rabenhorst). — Isergebirge: grosse Iserwiese 
(Limpricht). — bd) Riesengebirge: (Grenzbauden (Nees).  Adersbacher Felsen und bei 
Weckelsdorf (nach Limpricht). — Auadersandstein bei Rabenstein náchst Bóhm. Leipa 


(Dr. Watzel). 


T. Familie.. Gymnomitrieae. 


Stengel aufrecht oder aufsteigend, 2reihig bebláttert oder mit anders geformten 
Unterbl. — Hůllbl. grósser, die zwei jůngsten viel bedeutender, zuweilen % ečne Kelch- 
form verwachsen. Kelch fehlend und durch die Můtze vertreten, oder 72 der Kelchform 
ečngehůllt und mit ihr scheinbar verwachsen, kurz 4—6lappig. 


Gattungen: 
a) Kelch vorhanden, sammt den Hůllbl. oberhalb der Basis der Můtze in das verdickte 


und ausgehohlte Stengelende eingefůgt. 


1. Alicularia. Bl. ungetheilt, rundlich, zuweilen eingedrůckt oder seicht aus- 
gerandet. Die 2 jůngsten Hůllblátter in eine krause erweiterte Kelchform zum 
Theile verwachsen. 


2. Sarcoscyphus. Bl. 2lappig. Die 2 jůngsten seicht ausgebuchteten Hůllblátter 
in eine 2lippige, gleich breite und gestutzte Kelchform zum Theile verwachsen. 


b) Kelch fehlend, vertreten durch die von Hůllbláttern gánzlich versteckte Můtze. 


3. Gymnomitrium. Hůllblátter mehrere, grósser als die Blátter. Blátter 2reihig 
und 2lappig (jedoch in der Knospenlage ganz). 


64 Aliocularia. — Sáarcoscyphus. 


1. Alicularia Corda. (Nardia Gr. et Ben. emend.) 


1. A. scalaris Corda. (Jungermannia Schrad. — Corda: Sturm Flora, p. 32. 
t. 8.) — Stengel 1—6 cm. lang, kriechend oder aufsteigend bis aufrecht, dicht wurzel- 
haarig. Bl. sečtlich flach dem Stengel anltegend, etwas schrůg angeheftet, fast kreisrund, 
ungetheilt oder an der Spitze eingedrůckt. Unterbl. schtef abstehend, pfriemenfórmig. 
— Zellen weit, diinnwandig angulaer verdickt, mit 2 lčmnglichen, sehr grossen oder 
3—5 rundlichen kleineren, nicht gekórnelten Oeltropfen. 


In weiten, mehr oder minder lockeren, grůnen bis gebráunten oder theilweise purpurnen 
Rasen mit schwachem Wachsglanz. 


Zweiháusig. — 2 — Fr. im Herbste und Frůhjahre. 

Auf kiesig-thoniger feuchter Erde, in Hohlwegen, an Waldrándern, an GAuader- 
sandstein und Urgestein, ja selbst in Torfsůmpfen, von der Ebene bis auťfs Hochgebirge 
ziemlich háufig. —— Schon von Opiz im J. 1816 angefihrt. — Mittelbohmen: Berg 
Medník bei Štěchovic! — In Wěldern bei Dobřichovic! — Sůdběhmen: Wilder bei 
Třemošna (Velenovský)! — Písek! — Blánsker Wald! — Rosenberg! — St. Thomas! 
— Kuschwarda! — Eisenstein! Arber! Schwarzer See (Dr. Em. Purkyně)! — Westl. 
Bóhmen: Teplitz (Winkler)! — Nordbohmen: Waldstein bei Turnau! — Rabenstein bei 
Bóhm. Leipa (Watzel). — Reichenberg (Corda). — Liebwerd im Eulengrund (Nees). — 
Isergebirge (Nees, Limpricht). — Riesengebirse: Mummel! Pantsche! Elbwiese! Elbgrund! 
Oberhalb des Gr. Teiches!  Weisswasser, Aupafall (nach Limpricht).  Adersbach und 
Weckelsdorf! | Petersdorf! — Brauner und Klappersteine oberhalb Mohrau! Lipka und 
Rothfloss! 


Anm. Die von Plumert in den Beitrágen zur Flora des Iser- und Jeschkengebirges im Werke: 
„der Kurort Liebwerda“ angefůhrte J. compressa Hook. (Alicularia compressa) ist wohl 
einer robusteren Form der A. scalaris gleich zu stellen. 


2. A. minor Limpricht. (A. scalaris G) minor N. v. E. — J. scalaris B) repanda 
Hůben.) — Stengel kaum 1 cm. lang, krtechend, die fruchtende Spitze kntefórmig auf- 
steigend, unterseits dicht wurzelhaarig, mečst purpurn. Bl. der sterilen Stengel entfernt 
stehend, seitlich ausgebreitet, meist ganz; die der fruchtenden Stengel gedrángt dach- 
ztegehg anliegend, mít kurzer, enger Bucht, am Rande etwas wellig. We jiingsten 
kiillbl. lappig kraus. Unterbl. nur am aufsteigenden Stengeltheile deutlich. Zellen gross, 
dickwandig, mit theils grósseren elliptischen, (2—3) theils kleineren, rundlichen, sčeťs 
granulirten Oeltropfen. 


Kleiner als die vor., in olánzend rothbraunen, seltener grůnen Rasen. — Ist mit J. hyalina 
und der vor. zu vereleichen ! 


Einháusig. — 2 — Frucht im Spátherbste und Frůhjahre. 

Auf lehmig-sandigem Boden, so an Haideland, steinigen Lehnen, von der Ebene 
bis aufs Hochgebirge zerstreut. — Nach vegetativen Merkmalen wáren in Ermangelung 
fertilen Materiales folgende Standorte hieher zu rechnen: — Prag (Ramisch)! In Bahn- 
ausstichen, stellenweise auch Gráben zwischen Běchovic und Ouval! — Blánsker Wald! 
— Rosenberg! — Reichenberg (Corda, Siegmund)! — Nixdorf (Neumanun)! — Unterhalb 
Klein-Bósig! — Turnau bei Waldstein! — Tannwald! — Pantsche! Adersbach (Limp- 
richt). — Fahrplanhau oberhalb Mohrau! — Grulicher Wald! — Feldrand in Ober-Lipka! 


2. Barcoscyphus Corda. (Nardia Gray. — Marsupella Dmrt.) 


a) Stengel ohne Ausláufer, nur mit gleichmássig beblátterten Asten. 


1. S. Funckii N. v. E. (Presl: Obr. 22. fig. 1458). — Stencel zart, aufsteigend, 
wie die Áste gleichměssig beblčittert; die fertilen Aste gegen die Spitze dicht- und 
grossbláttrig. © Bl. mehr oder minder rechtwinkelig abstehend, zur Hůlfte umfassend, 


Sarcosoy phus. 65 
Ceirundlich und fast bis zur Mitte durch eine spitzwinkelige, scharfe oder stumpfliche 
| Bucht in 2, meist spitze Lappen getheilt. Zellen gleichgross,, dickwandig und angulaer 
| stark verdickt (daselbst auch zusammenfliessend), mit 2—3 Oeltropfen; Randzellen fast 


(guadratisch, etwas kleiner. 


| In dichten, braungrůnen, oder dunkelbraunen bis schwárzlichen, je nach der Lokalitát, 
(theils niedrigen, theils hoheren und mehr lockeren Rasen vom Habitus der J. minuta und Hělle- 
-riana. Wurzelhaare fehlen, oder nur durch kurze Haftfasern vertreten.  Hůllblátter bedeutend 
P als die vorigen Blátter. Wruchtstiel bis 5 mm lang, 0.17 mm dick, mit 12—16 grossen 
Zellen im Umfange. (Háufig mit J. divavicata und J. bicuspidata verwechselt 9) 


Zwečhůusig. — Y — Frucht im Mai und Juni. 


Auf kiesig-thonigem festen Boden, an Wald- und Wegrándern, seltener an feuchten 
"Rainen und erdbedeckten Felsen, nur in der hóoheren Hůgel- und Gebirgsregion verbreitet. 
« — Brdagebirse: an Ufern des Tok und am „Langen Stein“ im Obecnicer Revier am 
120. Aug. 1867 (Freyn)! — Nordbohmen: Kleisberg (Opiz)! — Jeschken (Opiz). 

f Reichenberg an Waldfusswegen (Siegmund). — Haindorf (Nees). — Liebwerd, Georgs- 
(walde (Opiz). — Plumert: Flora d. Iser- und Jeschkengebirges, Isergebirge (Limpricht). 
I — Oberhalb Tannwald an der Stephanshóhe! — Am Fusse des Ziegenrůckens gegen St. 
| Peter! — Fuss der Schneekoppe (Flotow). — Cudowa an der Glatzer Grenze (Flotow). 
© — Sůdbohmen im Bóohmerwalde: Schon im J. 1823 von Martius gesammelt! Rosenberg! 
-An feuchten Wiesen und Hohlwegen des St. Thomas am Wege von Friedberg, da bis 
7 mm lang! — Waldgráben náchst Grafenhohe zwischen Aussergefild und Buchwald! — 
© Eisenstein am Fusswege von der Station zum Prokop! 


2, 8. alpinus Gottsche. — Stengel fadendůnn, 3—4 cm lang, mit gleichhohen Ásten. 
I Diese glerehmásstg kammfórmyg bebláttert, unterseits hie und da mit weingelben Wurzel- 
 haaren. Bl. gleichgross, vechtwinkelig abstehend, rundlich; am verengten Grunde herab- 

| Zaufend, kahnfórmig hohl, am Rande flach, durch eine spitzwinkelige scharfe Bucht zu 
"4 in 2 stumpfliche Lappen setheilt. — Zellen fast gleichgross, klečí und undurch- 
sichtig, mit 2 lángl. oder 3—4 rundl. glánzenden Oeltropfen. 


Stárkeren Formen des S. Funckiů áhnlich. Rasen dicht kissenfórmisg, nechť verwebt, schwarz 
oder grůnlichbraun, glůnzend. 


Zweiháusig. — A — Fr. unbekannt. 


An periodisch ůúberrieselten Felsen des Riesengebirges sehr selten: — Riesen- 
grund in der Náhe des Wóůrlichsgrabens, wo háufig (1876 im Juli, Limpricht). 


b) Stengel mit uneleich langen, blattlosen Ausláufern, wodurch Rasen verwebt. 


3. 8. densifolius N. v. E. — Stengel aufrecht oder niederliegend, verjflaché, 

| dicht gleichmássig bebláttert. BI. fast rund, unten bauchig und měť verschmůlerter Basis 

den Stengel fast scheidenartig umfassend, aufrecht abstehend. © Endbucht klein und 

sel scharf; Láppchen spitz-eformig, trocken gegen einander geneigt.  Blattrand am 

Grunde etwas umgerollt. — Zellen gross, am Rande kleiner, guadratisch, iiberall be- 
sonders angulaer stark verdickt. 


In dichten oder lockeren Polstern von schwarzbrauner oder gelblichorůner Farbe. 


Zweiháusig. — A — Frucht unbekannt. 


An Felsen des Hochgebirges sehr selten. — Riesengebirse: Riesengrund (nach 
Limpricht). 


4. 8. sphacelatus N. v. E. (S. Ehrharti var. ©) saccata N. v. E.) — Stengel 
aufsteigend, verkůrzt, bůschelig ástig, im Wasser schlanker, mit 1—2 farblosen Zell- 
schichten umgcben. Wurzelhaare puvpurn, an Wasserpflanzen die ganze Unterseite kurz 
einhiillend, sonst nur spárlich, an den Ausláuferm biischelig. Bl. der © Pfanze rundlich- 
guadratisch oder eifórmig, an der Basis breiter; die BI. der © PA. verkehrt ei- oder 
herzfórmig.  Bucht scharf, V025 D28 "ja der Lamina reichend. Lappen abgerundet 


5) 


66 Sarcoscyphus. 


oder stumpflich. — Zellen der Blattmitte eifórmig, die anderen Geckig, die randstándigen 
kleiner guadratisch; alle angulaer und manchmal auch an den Zellwánden stark verdickt. 


Rasen verwebt und abgeflacht, oder hoch und schwellend, je nach der Lokalitát starr 
bis weich und schlaff. Grůn und oft mit bráunlichen Spitzen, oder schwarzbraun und glánzend. 


©) aguaticus Limpricht. Wasserform. Stattlich, aber feiner. Wurzelhaare nur an 
blattarmen Auslůufern. BI. breiter, mit seichterer Bucht und mit dimnwandigen, durchscheinenden 
Zellen. — Rasen dunkelgrůn, an den Spitzen dunkelbraun. 


P) erythvovlizus Limpricht. Landform. Kleiner, mit aufsteigendem Stengel. Wurzel- 
haare purpurn, úberall, selbst an den Ausláufern, an diesen oft bůschelie. BI. gegen die Spitze der 
kurzen Aste grósser und gedránster, steif, gewohnlich lánger, verkehrt herzfórmig, bis zur Hálfte 
lánglich stumpf-lappig. Zellen meist dickwandig, undurchsichtig. — Kapselstiel sehr dick (0:34 mm), 
glechzellig, mit 26—30 Zellen im Umfange. 


Zweiháusig. — 2 — Fr. im Sommer, sehr selten. 
An feuchten Felsen, besonders an Ufern der Gebiresbáche, oder in ihren Beeten, 
an Guellen und Moorwiesen des Gebiřges ziemlich verbreitet. — «) In Gebirgswássern : 


Isergebirge in der grossen Iser (Limpricht).  Riesengebirge: Naworer und Elbewiese 
(Sitenský)! | Weisswasser (Nees)! — Spindlerbaude! © Elbguellen! © Oberhalb d. kl. Teiches 
(Limpricht). Oberhalb des Aupafalls (Limpr.). — P) Isergebirge (Limpricht). — Riesen- 
gebirge: H. Rad, W. Wiese, Koppenplan, Weisswasser, Riesengrund (Nees-Limpricht). 
Ziegenrůcken !  Mummelbach! — Bůhmerwald: Am Bache náchst Kuschwarda und an 
dessen Welsblócken náchst Scheuereckenberg im August mit Frůchten! Eisenstein am Eisen-. 
bach unter d. Teufelssee! Arber! Ahornbach ! 


5. 8. Ehrharti Corda. (Jung. emarginata Ehrh. — Corda: Sturm p. 25. t. 5.) 
— Stengel 0:5 em — 1 dm lang, aufrecht oder fluthend, gabelástig bis einfach, sest- 
wčirts zusammengedriickt oder zuwecilen stielrundlich.  Wurzelfasern spárlich, nur an 
den Auslčiufern. BI. fest, aus breiter Basis rundlich oder rundlich-guadratisch, sežeht 
und stumpf ausgebuchtet, mit theils stumpfen, theils zugespitzten Lappen. Zellen gross, 
angulaer und an den Wánden meist stark verdickt, am Rande kleiner. 


Sehr veránderlich in Grósse und Farbe. Von seinen Formen sind besonders hervor- 
zuheben: 


o) aguaticus N. v. M. — Stengel bis 1 dm lang, oft fluthend, schwarzbraun, braun 
bis dunkelpurpurn, firmissglčinzend. Bl. weniger gedriingt, rechtwinkelig abstehend, sehr seicht ausge- 
buchtet, mit an der Basis umgerolltem Rande. Zellen rundum sehr stark verdickt, mit oft zusammen- 
fllessenden Ecken; in den Lappen oft bleicher. 


P) robustus De Not. — Stengel aufrechť, 1'5 cm hoch, stark und stielrund, am Ende 
durch Innovationen verlángert. Bl. olivengrůn bis bráunlich, fast rund, mit halbmondfórmiger oder 
stumpfer Bucht und kurzen, stumpfen, oft ungleichen Lappen. Die Kelchzipfel erreichen immer 
den Rand der letzten Hůllblátter, welche lánger sind als die vorhergehenden. — Kapselstiel 
029 mm dick, ungleichzellig, mit 18 grósseren Zellen im Umfange. 


Zweiháusig. — 24 — Fr. im Mai und Juni. 

An feuchten Steinen und Felsen, oder zwischen Moosen, besonders háufig und 
stattlich an Bach- und Flussufern, und nur in der Gebirgsregion. — Botzenberg bei 
Schluckenáu (Karl nach Rabenhorst). — Isergebirge:  Haindorf und Liebwerd (Nees). 
Hohenfall (Opiz). — Flussbeet der Iser, sowie die hůchsten Erhebungen des Isergebirges 
(Limpricht). — Riesengebirge, besonders die var. ©) in fliessenden Gewássern oder an 
feuchten Felsen verbreitet. — (f) Elbegrund, Gr. Teich, Aupafall und Aupaabhang, Riesen- 
grund et cet. — Beiden Varietáten kónnen auch die Exemplare vom Bóůhmerwalde bei 
Eisenstein, Spitzbere, Schwarzen See und Ahornbach! eingereiht werden! 


6. 9. Sprucei Limpr. (Gymnomitrium adustum autorum sed non Nees Nat. I. — 
S. adustus R. Spruce.) — Stengel sehr klein, mit braunen und weissen Wurzelfasern 
und vielen Flagellen. Die sterilen Aste kleinbláttrig, die fertilen keulenfórmig, mit 5—8 
gegen dem Scheitel grósseren Blattpaaren. Diese bis zu "/, durch eine recht- bis stumpf- 
winkelige meist rundliche Bucht in 2 stumpfliche oder zugespitzte Lůppchen eingetheilt, 
Zellen verháltnissmássig gross, úberall bedeutend verdickt. Kelch sehr zart, aus Geckigen 


Grymnomibtrium. 67 


meist lůnglichen Zellen gebaut, am Rande crenulirt.  Kapselstiel um 2 mm hóher als 
die Hiillblětter, sehr stark. 


b) decipiens Limpr. herbar. — Fruchtáste bis 2 mm lang mit 4—5 aufrecht abstehenden 
Blattpaaren. 3—4 dem Kelche náchsten Blátter sind bauchig und plótzlich grósser. Zellen enger 
und die Randzellen kleiner. Kstiel lánger und důnner. — Sporen kleiner. — Stengel durch zahl- 

-reiche braune Rhizoiden dem Substrate eng angeheftet. 

Einháusig. — 4 — Fr. im Frůhjahr; © auch im Herbste. 
An feuchten Steinblócken des hoóchsten Grenzgebirges, sehr selten. — Riesen- 


gebirge, wo bis jetzt nur die var. decipiens gesammelt: Am linken Ufer des Weisswassers 
unterhalb der Wiesenbaude in einer Hóhe von 1380 m (Limpricht). 


3. Gymnomitrium N. v. E. 


1. G. coralloides N. v. E. (Acolea Dmrt.) — Stengel aufrecht, meist niedrig, 
biischelig verzweigt, met zahlreichen Wurzelsprossemn, Aeste schmal lamzettlich, etwas 
gekrůmmt, dandfórmig zusammengedriickt.  Blátter ganz, spáter stumpf-2lappig ein- 
gerissen, dreět hyalin gesiumt, stets dicht angedriickt. Zellen am Blattrande kleiner, 
angulaer und an den Wůnden stark verdickt. 


In niedrigen, sehr starren, durch Wurzelsprossen dicht verwebten Polstern von grau- 
grůner bis weissgrauen, oder bráunlicher bis schwárzlichen Farbe. Die von vorn nach hinten zu- 
sammengepressten Áste erreichen bis 4 mm Lánce. Der hyaline, zuweilen ausgefressene Blattrand 
entsteht in Folge einer Pilzwucherune. In Knospen sind die Blátter ganz und úberall gefárbt. — 
Von den folgenden wenig verschieden. 


Zweiháusig. — 2 — Frucht selten, im Sommer. 

An der Nordseite isolirter Felsen und Blócke der Knieholz-Region sehr selten. 
— Riesengebirge: Schneegraben (im Riesengrund? nach Limpricht). Mittagstein (bereits 
von Wimmer und Flotow gesammelt). Mádelsteine und Dreisteine (Nees u. and.). 


2. G. concinnatum Corda. (J. gymnomitrioides N. v. E. — Corda: Sturm p. 23. 
t. 4.) — Stengel ntedďerliegend oder aufsteigend, gabelig oder umregelměássig beňstet, 
mít v Wurzelsprossen.  Aeste drehrund, aufwůrts keulenfórmig. BL breit 
eifórmig, zu '/; scharf 2lappig, am Grunde oft 1—2záhnig, zuwetlen etwas abstehend. 
Lappen eifórmig, meist hyalin gesáumt. Zellen gegen den Rand kleiner, mit 2—5 
elliptischen Oeliropfen, angulaer und an den Wánden stark verdickt.  Fruchthůlle dick- 
eifórmig, spitz. 


Rasen ausgebreitet, am Grunde wenig verwebt, weisslich, blaugrůn, gelbrothlich oder 
grůn; auch vereinzelt zwischen anderen Moosen. Nach dem Standorte veránderlich, zuweilen auch 
mit gekerbten Bláttern (G. crenulatum Čarr.). 


©) intermedium Limpricht. — Blátter spitzlappig, durch hervortretende Zellen cre-“ 
nulirt, die jůnesten am Rande bedeutend umgerollt. 


B) obtusum Tdmpricht (Cesia obtusa Lindb.). — BL stumpíflappig, auch crenulirt. 


Zweiháusig. — 24 — Frucht im Sommer.. 

| Im Gebiete der Knicholz-Region an wenig feuchten, manchmal jedoch auch an 
úberrieselten, kalkfreien Felsen, Felsspalten und geschůtzten Lagen, zerstreut. — Riesen- 
gebirge: in Felsspalten des Gebirgskammes (schon von Funck). Schneekoppe, rechts an 
der Serpentine zur Koppe besonders var. u)! — 8) Schlesischerseits im Melzergrund im 
J. 1869 (Limpricht). — Angeblich auch im Isergebirge, so nach Plumert: Flora d. Iser- 
und Jeschkengebirges. 


3. G. adustum N. v. E. (J. brunnea Spreng. — J. concinnata var. minor 
N. v. E.) — Stengel bis 4 mm lang, fadenfórmig, ziemlich elastisch, met kurzem, auf- 
steigenden, keulenfórmigen an der Basis fast blattlosen Astehen. BI dicht 2reihig, 
angedriickt, linger als breit: alle rinnenfórmig, braun und zu */, im zwet stumpfliche 


68 FXaplomitrium. 


Láppchen rechtwinkelig ausgeschnitten. — Zellen steif, durchscheinend gegen den Blatt- 
rand kleiner. — Die dusseren Hillblčitter eingerollt, 2-3spaltig, die inneren kleiner 
eingerollt und ofters stumpf ausgerandet. Calyptra selten herausragend, eifórmig, gross- 
zellig und durchsichtig. Kstiel 1 mm lg, tn der Mitte aufgeblasen. Kapsel 2zellschichtie 
klein, rundlich, nicht bis zum Grunde 4klappig. Sporen glatt. 


Zweiháusig. — 2 —  Frucht im Sommer. — An feuchten Felsblócken der 


hóchsten Grenzgebirge, sehr selten. — Riesengebirge: am linken Ufer des Weisswassers 
unterhalb der Wiesenbaude in der Nachbarschaft des Sarcose. Sprucei, b) decipiens 
Limpr. im August 1879 fruchtend von Limpricht gesammelt. 


8. Familie.. Haplomitrieae.“) 


Áste aufrecht, 3reihig bebláttert. Blátter glečchartig. Antheridien rund um den 
Stengel auch ausserhalb der Blattwinkel, oder sogar am Stelle der Bl. auftretend. 
Archegonien nicht gipfelstůndig und sowie auch die Frucht ohne Kelch. Die Frucht 
mit einer derben, mehrschtchtigen, langen HHaube umgeben. Kapsel 2-4klappig; deren 
Wánde einzellschichtig. Elateren am Klappenende bůschelie geháuft. 


1. Haplomitrium N. v. E. 


1. H. Hookeri N. v. E. (Jungermannia Lyell. — H. Cordae N. v. E. — Gymno- 
mitrium Hookeri Corda in Sturm p. 21. t. 3. — Mniopsis Dmrt.) — Stengel aufrecht, 
fast einfach, verdickt und saftig, ohne Wurzelhaare. Bl. entfernt, etwa zu *|; umfassend, 
schwach her ablaufend, fast vundlích etlinglich, entfernt ausgeschu eift gezdhnelt. Weibl. 
Hůllblátter 2, den Bl. úhnlich. Blattzellen Geckig, undurchsichtřg, angulaer nicht verdickt. 
Haube weit hervortretori! cylindrisch.  Kapsel auf 2—3 cm langem Stiele, cylindrisch. 
Ihre cubischen Zellen mat je 1 Lángsringfaser. Sporen undeutlich-tetraedrisch, graulich. 


Vereinzelt oder in kleinen, lebhaft grůnen Ráschen. Stengel 1—2 mm hoch, nicht bilateral. 


Zweiháusig. — 2k — Frucht im Sommer und Herbste. 

An feuchten, sandigen, kurzbegrasten Lagen, gern in der Náhe von Mooren, in 
der Hůgel- und Hochgebirgs-Region, sehr selten. — Karlsbader Gebirge: Tepl bei Marienbad 
(unter den Exsicaten Konradďs nach der Angabe Nees's von Corda gefunden). — Riesen- 
gebirge: Weisswasser, am linken Ufer etwa eine Viertelstunde unterhalb der Wiesenbaude 
in Gesellschaft von J/. alpestris und J. bicuspidata im J. 1834 von Nees entdeckt. 


*) Gestůtzt auf die Beobachtungen von Leitgeb und Lindberg, nach deren Ansicht es nicht 
angeht, die Gattung Haplomtrium mit G ymnomatrium, Sarcoseyphus und Alicularia in etne 
Familie einzureihen, stelle ich dafůr eine eigene Familie auf. Durch sie wird daselbst 
die Reihe der Lebermoose abgeschlossen, zum Unterschiede von Du WMortier und Lind- 
berg, bei welchen beiden man das Haplomitrium in die náchste Verwandtschaft der 
Possombroma eingereiht vorfindet. 


Gorrecturen: 


Seite 20 Mitte soll stehen: March. commutata Wažlenb. statt: Lindenb. 


opěra : 5 Moerckia statt: Mórckia. 
ROSA ok A a Jungerm. JHartmani statt: Hartmanni. 
n KPE á “ J. bantriensis statt: bantryensis. 


m. 


Ordnungen, Familien und Šectionen erscheinen mit gesperrtem, Gattungen und 
Arten mit gewohnlichem Druck; Synonymen-Namen sind cursiv gedruckt. 


Acolea Dumortier ©. . .67. | | Cephalozia multiflora Frullania dilatata B) micro- 
Achiton guadratum Corda 19 Land Autá- 58 phylla Nees . . .30 
Megdifoli ae/44(4.:-:54 | Cephalozieáe,.-. . . 55 —  fragilifolia Taylor 30 
Alicularia Corda . . . .64 | Cincinnulus Dumort. . .3 —  Tamarisci Nees . 29 
— minor Limpricht .64 — | Sprengelii Dumort. 55 Geocalyceae Nees. . 35 
—  scalaris Corda . .64 | — Trichomanis Dumort. 35 Geocalyx graveolens N.. 35 
Aneura Dumortier . . .22 © Codonieae Nees.. . .27 Gymnocolea Dumort. . .47 
—  latifrons Lindb. .23 © Coleochila Taylori Dmrt. 58 Gymnomitrieae. .. .68 
—  multifida Dumort. 23 © Complicatae . . . .43 |  Gymnomitrium Hůbener . 23 
— | palmata Dumort.. 23 Conocephalus Dumort.. . 19 Gymnomitrium Nees . .67 
— — var. laxa - . 23 — nemorosus Hůbener 19 —  adustum Autorum 66 
— — — major.. . 28 — vulgaris Bischof. .19 —  adustum Nees . .67 
— — — polyblasta 23 Cordaea Blyttů Corda ©. 26 —  Blyttů Hůbener . 26 
— | pinnatifida Nees . 23 — | Flotowiana Nees . 26 — concinnatum Corda 67 
— | pinguis Dumort. . 23 Dilaena Dumortier . . . 26 —. | — var. interme- 
Aneureae Dumort. . . 22 Diplolaena Dumortier —. 26 dium Limpr. 67 
Anthelia Dumort.. . . .54 —  Blyitiů Nees . . . 26 — — var. obtusum 
Anthoceros Austin.. . . 12 Diplophyllum Dumort. . 42 Eampou k 67 
Anthoceros Micheli. . . 13 — | albicans Dumort. . 43 —  coralloides Nees . 67 
— laevis L. -... .. 13 — | Čonradi Dumort. . 42 — | Hookeri Corda . . 68 
—  punctatus L. ©. . 13 — | Hellerianum Dmrt. 45 Grimaldia Raddi . . . . 18 
Anthoceroteae Nees 12 — | měnutum Dumort. . 45 | —  barbifrons Bischof 18 
Aplozia Dumort. . . . .59 — | obtusifolum Dmrt. 44 — | dichotoma Lindb. . 18 
— | amplexicaulis Dmrt. 62 — | saxicolum Dumort. 46 —  fragrans CČorda . . 18 
—  cristulata Dmrt. -60 — | čaxwifolitum Dmrt. . 43 — Aemisphaerica Lindb. 19 
—  lurida Dmrt.. . .61 Diplomitrieae Endl. 26 —  rupestris Lindenb. 19 
Barbatae si.odusnébi Diplomtrium Corda —- . 26 Haplolaeneae Nees . 24 
Bidenkes! sdmorop. «— 46 —  Blyttů Nees . . . 26 Haplomitrieae . . .68 
Blasia Micheli . . . . .24 — | Aybernicum CČorda 27 Haplomitrium Nees. . . 68 
— | Funckii Corda . . 24 Duvalia rupestris Nees . 19 — | Gordae Nees . . . 68 
— | germanica Čorda „24 Echinomitrium furcatum —  Hookeri Nees . . 68 
— | Hookeri Corda . . 24 var. pubescens Úor. . . 22 Harpanthus Nees . . .37 
— pusilla L... . .24 Fegatella Raddi . .. . .19 — | Flotowianus Nees 37 
Blepharostoma Dmrt. . . 54 —  conica Corda . . 19 —  scutatus Spruce .37 
Blepharoza Dmrt. . . .32 Fimbriaria Nees . . . .18 Herpetium Nees . .. . . 833 
—  eiltaris Dmrt. . .32 — pilosa Taylor . . . 18 Chiloscyphus Corda . .37 
Blyttia Gottsche . . . .27 —  čenella Nees . . .18 | — | lophocoleoides Nees 37 
—  Lyellii Endl.. . .27 Fossombronia Raddi . .27 —  pallescens Nees . . 37 
— | Moerckiů Gottsche 26 —  cristata Lindb.. .27 —  polyanthos Corda 37 
Calypogeia Raddi . . . 835 —  pusilla Lindb. . . 27 — — var. pallescens 
— | Trichomanis Corda 35 —  pusilla B) capitata Schrad.;i . .37 
— bb) acutifolia . . . 35 Need "27 — | — var. rivularis 
Cephalozia Dumort.. . . 55 Frullania Raddi . . . .29 Sehrad | --. 37 
—  byssacea Dumort.. 55 —  dilatata Nees —. . 29 Jecorarieae Nees.. . 17 


— | divaricata Dumort. 55 — — var. viridis.. 30 Integrifoliae .... .58 


10 


Jubula Dumort. . . . .29 

— | complanata Corda 31 
Jubuleae Nees. . . . 28 
Jungermannia L.. . . . 43 


acuta Lindenb. . A7 
aeguifoha Schwaegr. 41 
albicans L. . . 43 


— — 8) taxifolia Limpr. 43 


alpestris Schleicher 50 
asplemoides L. . . 39 
attenuata Lindenb. 53 
bantriensis Nees . 46 
— var. Můlleri 

Lindb.' 46 
— var. acuta Lindb. 47 
barbata Schmid. . 52 
— var. attenuata N. 53 
— var. Floerkei N. 53 
— var. Zycopodiotď. 

N. "DÁ 


— var. guiguedění. 
BR 
— var. S Pen N. 52 
Bauer? Martius  . 56 
bicrenata Hůbener 49 
bicrenata Lindenb. 50 
bicuspidata L. . . 5% 
— var. conferta Nees 57 
— var. aguatica . 57 
bidentata L. . . . 38 
Blasta Hooker . . 24 
Blyttů Mórck. . . 26 
brunnea Sprengel . 67 
caespiticia Lindb. 60 
capitata Hooker . 49 
catenulata Hiůbener 56 
commutata IHůbener 50 


complanata L.. .31 
concinnala Var. minor 
Nees..... MGT 


connivens Diekson 58 
Conradi Corda . . 42 
crenulata Smith . 60 


curta Martius . . 42 
curvifolia Dickson 56 
curvula Nees. . . 50 
dejlexa Martius  . 34 
densa Nees.—. . . 45 


divaricata Nees |. 55 
emarginata Ehrh. . 66 
excisa Hooker . . 49 
— P) erispata 
Hooker . . 49 
exsecta Schmid. . 44 
fisstdentoidea Hůb. 43 
Floerckei W. «M. 53 
furcata L.. 20 
Genthiana Hůbener 60 
graveolens Schrad. 35 
gymnomitriovdes Nees 67 
Hartmanii Theden 37 
Helleriana Nees . 45 


Hookeri Lyell. . . 68 
Hornschuchtana N. 48 
hyalina Lyell. . . 62 


hibernica Hooker 26 

incisa Schrader -51 

— var. elongata 
Antrt1%Wj5i 


Jungermannia inflata 


Hudson . 
©) hereynica . 
PB) Auitans 
y) laxa 
— | intermedia Nees 


— mtermedia ©) minor N. 


—  julacea Lightf. 
—  Julacea y) clavu- 
ligera N. : 
—  Juratzkana Limpr. 
—  lanceolata Nees 


—  Liberiae Hůbener. 
— lycopodioides Wallr. 


— | Menzelii Nees 


—  Michauxii Weber. 


— | minuta Crantz . 


— | mnutafB)proceraN. 


— | Můlleri Nees 
— | multijlora Huds. 
— | nana Nees. 

— | nemorosa L. 

— | obovata Nees 


— | obtusifolia Hook.. 


— | orcadensis Hook.. 
—  parvula Lindb.. 
—  pingus L... . 
—  platyphylla L. 
— pumila Aut. 

— | pumila Lindenb. 
— pumila With. 


= auinguedentataW eb. 5 


—  reptans L... 

— | resupinala Wahlb. 
— | rosacea Corda 

— | rostellata Hůben 
—  rubella Nees. 

—  saxicola Schrader 


— | scalaris Schrader. 


— | Sehmdeliana Hůb. 

—  Schraderi Martius 

—  Sehrad. var. suba- 
picalis Lbe. 

—  setacea Weber.. 

-— | setiformis Ehrh. 

— | — b)alpina Hook. 

— | Schultzii Nees 

—  steca Nees. . 

— sphaerocarpa Hook. 


— | Sphagm Dickson . 


—  Starkii Nees. 
— | stipulacea Hook. 


— | subapicalis Nees . 
— | sudetica Hůbener. 


— | Tamarisci L.. « 
—  Taylori Hooker 
—  tersa Nees. 

— — Trevirani Hůbener 
— | trichophylla L.. 


— | tricrenata Wahlenb.: 


—  trilobata L. 6 
— | uliginosa Hůbener 
— | uliginosa Swartz 


— | umbrosa Schrader. 
"40 


— | undulata L. 
— | ventricosa Dicks.. 
— © — var. porphyro- 

leuca 


var. anomala .. 


60 


„41 


42 


48 


. 48 


Jungermannia verruculosa 


amb a 547 B 
— — věrrůdissima Nees .. 51 
— | vogestaca Nees . . 50 


—  Wenzelii Nees . .47 
— | Wondráčeki Corda 27 
—Zeyheri Nee5 7 1712160 
Jungermanniaceae 
Cork: ua i | 
Jungermanniae acro- 
gynae Leitgeb. . 28 
— anacrogynae 
Leiteb. 1.7452 
foliosae Autorum . 28 
frondosae Autorum 21 
JungermannieaeNees 36 
Lejeuna Hampe . . . . 31 
Lejeunia Libert. . . . . 28 
— | minutissima Dmrt. 29 
—  platyphylla Corda 30 
— © serpyllifolia Lib. . 28 
©) planiuscula 
Lindenbs. . 28 
B) cavifolia 
Lindenbg. . 29 
Lepidozia G. L. N.. . .34 
—  reptans Dumort. . 34 
— | setacea Mittenius . 54 
Lepidozieae Dumort. 33 
Lichenoides Bischof. 14 


Inochlaena Nees . .. .. .59 
— | lanceolata Nees |. 59 
opona Nees..« . . 38 


bidentata Nees. . 38 

—  bidentata B) cuspt- 
data N. .', <-38 
— | cuspidata Limpr. . 38 
—  heterophylla Nees 59 
—  lateralis Dumort. . 38 


— minor Nees . . . 38 
Lunularia Micheli . . .21 
— vulgaris Micheli . 21 
Lunularieae Nees .. . 21 
Madotheca Dumort. . . 30 


—  laevigata Dumort. 51 
— | naviculavis Nees . 30 
—  platyphylla Dmrt. 30 


— — b) Thuja . .30 
—  rivularis Nees . .31 
Mannia Opie £ zj c-24B 
Marchantia L- <ss4515+320 


— | coaretata Corda —. 20 
— commutata W ahlenb. 20 
—  comca 'na'i +119 
— | hemisphaerica L. . 19 
— | Kablikiana Čorda . 21 
— | macrocephala Corda 20 
—  polymorpha L.. . 20 
— | — a)communis G. 20 
— © — b) alpestris G. 21 
—  guadrata Weber . 20 
—  stellata Corda . .20 
— | Syckorae Corda . . 20 
Marchantiaceae Nees 17 
Marsupella Dumort. . . 64 
Mastigobryum Nees . . 383 
—  deflexum Nees. . 34 
— | trilobatum Nees . 33 
var. minus N. 33 


Mesophylla Dumort. . .47 
— | orcadensis Dmrt. . 48 
— | Wenzeli Dmrt.. . 47 


Metzgeria Raddi . . . .22 
— furcata Dumort. . 22 
— — aa) linearis.. . 22 
— — b) conjugata . 22 
— — ©) furcata . . 22 
— | Zaelevirens Opic . 22 
—  pingms Corda . . 23 


— | pubescens Raddi . 22 
— | tomentosa Hoffm. . 22 


Metzgerieae Nees . .21 
Mmiopsis Dumort. . . . 68 
Mmum fissum L. . . . „35 
Moerckia Gottsche . . . 26 


— | hibernica Gottsche 26 
a) Hookeriana 26 
b) Wilsoniana 27 
— | norvegica Gottsche 26 
Notothylas Sulliv ©. . .12 
—  fertilis Milde . .12 
Odontoschisma m 


—  — 


Dmt. . : 63 
Pellia Raddi. . . . . .25 
—  calycina Nees . . 25 


— | endiviaefoha Dmrt. 25 
— | epiphylla Dillen. . 25 
var. aeruginosa 
Gorda +.. 25 
— | — var. fertilis Nees 25 
Neesiana Gottsche 25 
Plagiochila IN 06 Mo 80 
— asplenioides N. £M. 39 
— — var. «) humilis . 39 
— — — P) major . . 39 
— — —y) heterophylla 39 
— compacta N. £ M. 42 
— interrupta N. £ M. 39 
— pyrenaica B) inter- 
rupta Lindb. . .39 
— umbrosa N. £ M. .42 
Platyphylleae Nees. 30 


Pleuroschisma Dumort. . 33 
— | dejlexum Dumort. 34 
— | reptans Dumort. . 34 
— | črilobatum Dumort. 33 


Porella Landb: -1.3 „30 
— | dentata Lindb. . .31 
— | Thuja Lindb. . .30 

Preissia Nees ..... „20 
— | commutata Nees „20 
— | talhca Corda. . . 20 

Piilidieae Nees. . . . . 32 

Ptilidium Nees. .. . . 32 
—. ciliare Nees . . . 32 
—  pulchre Corda . 32 

Radula Dumortier . . . 31 


—  complanata Dmrt. 31 
— — var. propaguli- 


era N 31 

— | commutata Gottsche 31 
Reboulia Raddi . ... .19 
— hemisphaerica Raddi 19 
Beera, Micheli. <. %'.14 
— | bifurca Hoffm. . . 15 


— | Bischofii Hůbener 15 
— | cavernosa Hoffm. . 16 


== eihata Hoffm. .. . 15 
—  crystallina L. "26 
— | eudichotoma Bisch. 16 
—  fuitans L.. . ... 16 
— glauca L... . . 14 


— — a) major Lindb. 14 
— — b) minorLindb. 14 
— | — e)minima Lindb. 14 
= minima. Ec 45 
—  natans L. . 14 
— | sorocarpa Bisch. . 15 
Ricciaceae Dumortier 25 
Ricciella Al. Braun .16 
Ricciocarpus Corda. . . 14 
—  nátans Corda . .14 
Salviniella Hůbener . .14 
Sarcomtrium palmatum 
CR S58 


7 


Sarcoscyphus Corda . 64 
— | adustus Spruce .. . 66 
— | alpinus Gottsche . 65 
— | densifolius Nees . 65 
—  Ehrharti Cda. . 66 
— — var. aguaticus 

Limpricht . 66 
— — var. robustus 
DNot . . -64 
—  Funckii Nees . 64 
— | sphacelatus Nees . 65 
— — var. aguaticus 
Limpr. . 66 
— — var. erythro- 
rrhizus 66 
—  Sprucei Limpricht 76 
— — b) decipiens 
Limpr. . 66 

Scapania Lindenberg . . 40 
—  aeguiloba Nees . 41 
— | albicans Rabenh. 43 
—  Bartlingii Nees  . 41 
— | compacta Lindenb. 42 
—  curta Nees . 42 
— — bb) rosacea. . 42 
— drrigua Nees.. . .41 
—  nemorosa Nees .40 
—  uliginosa Nees. .41 
—  umbrosa Nees . . 42 
— | undulata M. £ N. 40 
— | Syndonisce Corda . 18 

Southbya obovata Dmrt. . 62 

Sphagnoecetis Nees . 63 
— | communis Nees . 63 
— | — b) macrior Nees 63 
— | Huebneriana Rabh. 63 

Spongodes Nees 16 

Trichocolea Nees. „82 
—  Tomentella Nees . 32 

Tricholea Dumort. . . . 32 

Trychostylum affine Cda. 23 


Trigonanthus catenulatus 
Spruce 


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A vuatýma 


ZWVVEITER BAND. 
: Erster Theil. 


; 1. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain- und Hohenverháltnisse). 
: Disseite enthált: : : 


-© a) Das Terrain und die Hohenverháltnisse des Iser- und des Riesen- 
; gebirges und seiner sůdlichen und ostlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl 
Kořistka. 128 Seiten Text, 2 chromolith. Ansicht., 1 Profiltafel und 10 Holzschnitte. 

b) Zweite Serie gemessener Hohenpunkte in Bohmen (Sect.-Blatt III.) von Prof. 

Dr. Kořistka. 84 Seiten Text. 
c) Hohenschichtenkarte, Section III, von Prof. Dr. Kořistka. (Diese Karte 
enthált die in dem vorstehenden Text angegebene Situation im Massstabe von 1: 200.000). 
d) Hóohenschichten des Riesengebirges von Prof. Dr. Kořistka im Maasstabe 
PEREM E 100.000: 1 ETC1s deser, ANthetanp <. us 6 E04 du 4 eee 8 A. 450 


II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthált: 


a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Bohmens mit 4 Tafeln. 
b) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken bei Klein-Přílep, Lísek, Stílec, 
Holoubkow, Mireschau und Letkow mit 9 Holzschnitten. 
c) Jos. Vála und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend 
von Prag und Beraun mit 6 Tafeln, 9 Holzschnitten und 1 Karte. 
d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend 
zwischen Beneschau und der Sázava, mit 1 Tafel und 1 Karte, 
Dieser Theil enthált 448 Seiten Text, 11 Tafeln, 18 Holzschnitte und 2 geol. Karten. 
ZTE AR Po Zd 0 OS V ake EO SOS M a O Ao aa MÉ de C o 


II. Theil enthált: 

Dr. Em. Bořický: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Bohmens 

M DE citem Lext und. 8 Lateln. | Preis < < 25-44 < „re eee 4 delate ea A. 350 

P Preis der ganzen ersten Hálfte des zweiten Bandes (I. und II. Abtheilung zusammen) geb. A. 10— 


"“ 


á ZVVEITER BAND. 


Zweiter Theil. 
III. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthált: 


| 

i Prodromus der Flora von Bohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský (II Theil) 
i tem boxt amd alel: Bres 5 c 21b z sel aan 0 6 kol S fi. 2:60 
| 


IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált: 


a) Prof. Dr. Ant. Frič: Die Wirbelthiere Bóohmens. 
B 03 = ř Die Flussfischerei in Bohmen. 
E ry ň Die Krustenthiere Bohmens. 
Mit 1 Tafel, 100 Holzschnitten, 272 Delten Text. Preis- © Piz 31s Mx es 


V. Chemische Abtheilung. 


- Prof. Dr. Em. Bořický: Úber die Verbreitung des Kali und der Phosphorsáure 
meden Gebteinen Bohmens 58 Seiten Text. Preis. . « <>. + 54 60 kr. 
Preis der ganzen zweiten Hálfte des zweiten Bandes (III., IV. u. V. Abth. zusammen) geb. A. 5-— 


DRIUTUEER BAND. 


L Topographische Abtheilung. 


á 


| Verzeichniss der in den J. 1877—1879 vom k. k. mil.-geogr. Institut trigonometrisch 
bestimmten Hóhen von Boóohmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Kořistka und 
Přajarch: Danblebsky won.Sterneck mit 1 Karte:.- 5- ©.. 2 s 2: fi. 180 


2 sj M G de ki i i i 
os k vd Fn odk anodocs 80 
s “ ty p W206 ae če ks 
I Gedlorisčhé Abiheituns c; ak M se čy a PBřtě KS PRA „A i 
= |“ p U Ň " PV s 


I. Heft. Petrographische Studio an den Phonolithgesteinen Běhme s 
© Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln, 96 Seiten Text, Preis. i „A 
II. Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Bóhme 

Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln. 88 Seiten Text. Preis be 
IM. Heft. Die Geolosie des bohmischen Erzgebirges (E Theil) von. Prof. 
Gustav Laube mit mehreren Holzschnitten und einer Profiltafel. 216 Seiten 


Ri vše Preis Ů . . Ů . - . . . . . . . - . - . . . - -0 . . - - ři u A. . "4 . . M 4 
8 | ť 90 : 
= IN. Botanische Abtheilung: 


Schluss.) 1.820 Seltén Text oPreis'4. 4. 2117749740920 E 


IV. Zoologische Abtheilung: 


I. Heft. Die Myriopoden Bóohmens von F. V. Rosický mit 24 Holzschnitten. 44 Seiten 
ext., PrelS sg 01- bRe spřaí le é : 60 kr. 


II. Heft. Die Cladoceren Bono von hrnky Hellich E 70. Holzschnitten. 
132 Seiten Text. K O E E160, 
V. Chemisch-petrologische Abtheilung i Šín Záv 0 


p : É 
Se Elemente einer neuen chemisch-mikrosk opischei Mineral-und Gesteinsanalyse 


von Prof. Dr. Bořický mit 3 Holzschnitten und 2 lith. Tafeln. 80 Seiten Text. fl. 140 


8 

: VIERTER BAND, C 
Px No. 1. Studien im Gebiete der bohmischen Kreideformation. Die Weissen- 
berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Frič mit 155 Holzschnitten. 

cí 154 /Seiten ext, Preis 3:4. LEE Bod ouaí. 3 3- MSS NON 33 

No. 2. Erláuterungen zur Sčola Sanas ni Karte der Tiebuusk von Prag von. 

J. Krejčí und R. Helmhacker mit 1 Karte, mehreren Profilen und Holzschnitten H. 450 

: No. 3. Prodromus der Flora von Bóohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský. 
Re“ (IV. Theil.) Nachtráge bis 1880. Verzeichniss und Register. . .. ... .. 240. 
ve No. 4. Petrologische Studien an den SO PŘI ZSSR SNN Bóhmens von Prof. Dr. 
Bmw BOoTicCký: © 344 A; 6000 

No. 5. Flora des r s by Cidlina kára Mr dlája: von | Prof Ed. Rospíčhal 

1. 1— 

No. 6. Der Hancendflóotzzug im Schlan-Rakonitzer Štejnkotieh ska von Carl 
Feistmantel. © ©4445 00000000000e0 00 r RZ 


FU NET ER BAND. 


No. 1. Erláuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges (Železné kory)š 

„und der angrenzenden Gegenden im dy Bohmen von J. Krk Š 

R. Helmhacker „... E HOD 1 cz šeíetyněh vz věk k 6 -2 

(Die Karté selbst obl? álet) 8 

No. 2. Studien im Gebiete der běhmischen Kreideformation. III. Die Is 

4 schichten. Von Dr. Anton Frič. Mit 132 Textfiguren. . .. K BV ey AL 

No. 3. Die mittelbohmische AOR ES od o RAI von Carl Feistmantel. ; 

; 020 Holzachnitten. 16 a de E a ac: f. v 

No. 4. Die Lebermoose (Musi Hepatici) Bohnbus von 1 Prok Jos. Dědotek. A. 1 

ví No. 5. Orographisch-geotektonische Úbersicht des silurischen Gebietes i 
ne mittleren Bohmen. Von Johann Krejčí und Karl Feistmantel. Mit 1 geolog. 
B Karte und vielen Holzschnitten. . « « -měr ae s; S 
ey? No. 6. Prodromus der Algenflora von im ski rotor Theil snthaltend die Rhc 
z phyceen, Phaeophyceen und einen Theil der Chlorophycen: Von Dr. Anton Han 


Li 


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Druck von Dr. Ed. Grégr in Prag 1886. — Selbstverlag. zař ée pc =, 
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OROGRAPHISCH-GEOTEKTONISCHÉE 


UÚBERSICHT 


DEA LLURIOUHBN GBDIKTKA 


IM MITTLEREN BÓHMEN. 


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VON 


JOHANN KREJČÍ md KARL FESTMANTEL, 


(MIT I GEOLOG. KARTE UND VIELEN HOLZSCHNITTEN.) 


ARCHIV FŮR NATUR WISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG VON BOÓHMEN. 


(V. Band, Nro. 5.) 


THE LIBRARY OF THE 
APR 23 1938 


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PRAG. 
In Commission bei FR. ŘIVNÁČ. 


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DAS ARCHIV ERA 
fůr die 
naturwissenschaftliche Landesdurchforschune von Bóhmen 


unter Redaktion von 
Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. J. Krejčí 
enthált foigende Arbeiten : 


E RS TEE BAND. 


E. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain und Hohenverháltnisse). 
Dieselbe enthált: 


a) Das Terrain und die Hóohenverháltnisse des Mittelgebirges und des 
Sandsteingebirges im nordlichen Bóohmen von Prof. Dr. Karl Kořistka. 
139 Seiten Text, 2 chromolith. Ansichten, 1 Profiltafel und 11 Holzschnitte. 

b) Erste Serie gemessener Hohenpunkte in Bóhmen (Sect.-Blatt II.) von Prof 
Dr. Kořistka. 128 Seiten Text. 


c) Hoóhenschichtenkarte, Section II., von Prof. Dr. Kořistka. Diese Karte enthált : 


die in dem Text a) beschriebene Situation. Sie ist 58 Centimeter lang, 41 Centimeter hoch, 
im Massstabe von 1 :200.000 gezeichnet, und es sind die allgemeinen Hóhenverháltnisse 
durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben ausgedrůckt. 
Preis.fi 4- © Prejs4der Kartetapp.s.7 M00: ad RO to 5 A. 1:60 


II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthált: 


a) Vorbemerkungen oder allgemeine geolocgische Verháltnisse des nórd- 
lichen Bohmen von Prof. Johann Krejčí. 37 Seiten Text, 7 Holzschnitte. 

b) Studien im Gebiete der bohm. Kreideformation von Prof. J.Krejčí. 
142 Seiten Text, 1 chromolith. Ansicht, 39 Holzschnitte. 

c) Paláontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der bohm. 
Kreideformation sowie einiger Fundorte in anderen Formationen von 
Dr. Anton Frič. 103 Seiten Text, 4 chromolith. Tafeln, 9 Holzschnitte. 

d) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hůttenmeister Karl Feistmantel. 
120 Seiten Text, 40 Holzschnitte, 2 Karten der Steinkohlenbecken von Radnic und Břas. 
Preis 3s xs el 4 dy Za 0: ZS ad een SAMA mPnna ele P ska EN A. 450 


II. Die Arbeiten der botanischen Abtheilung. Dieselbe enthált: 
Prodromus der Flora von Bohmen von Dr. Ladislav Čelakovský. (I. Theil.) 


104 JSeiten "Vext: - Preis: 241 te Oo VS PS n S S O ů. 1— 


IV. Zoolosische Abtheilung. Dieselbe enthált: 


a) Verzeichniss der Káfer Bohmens vom Conservator Em. Lokaj. 78 Seiten Text. 

b) Monographie der Land- und Sůsswassermollusken Bohmens vom Assi- 
stenten Alfred Slavík. 54 Seiten Text und 5 chromolith. Tafeln. 

c) Verzeichniss der Spinnen des nordlichen Bóhmen vom Real-Lehrer 
Emanuel Barta.. 10'Seiten Text: Preis: i. 2— 


V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthált: 


Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. 168. Text. Preis 25 kr. 
Preis des ganzen I. Bandes (Abth. L bis V 60b: (C 1. 9— 


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OROGRAPHISCH-GEOTEKTONISCHE 


UBERSICHT 


DES SILURISCAHEN GEBILTES 


IM MITTLEREN BOÓHMEN. 


VON 


JOHANN KREJČÍ und KARL FEISTMANTEL. 


(MIT I GEOLOG. KARTE UND VIELEN HOLZSCHNITTEN.) 


ARCHIV FŮUR NATURWISSENSCHAFTLICHE LANDESDURCHFORSCHUNG VON BOHMEN 


(V. Band, 5. Abtheilung.) 


THE LIBRARY OF THE 
ADD 09100 
AÁPR 28 193č 

UNIVERSITY OF ILLINOIS 
PRAG. 


DRUCK VON Dr. ED. GRÉGR. — IN COMMISSION BEI FR. ŘIVNÁČ, 


1885. 


VORWORY. 


—— 


Da die erwartete geologische Beschreibung des silurischen Gebietes 
im mittleren Bohmen in dem Nachlass des verewigten Joachim Barrande 
sich nicht vorfand und eine zusammenhángende, das ganze Terrain unserer 
interessantesten und wichtigsten Formation umfassende Darstellung nicht 
mehr vermisst werden konnte, so vereinigten sich die beiden Gefertigten 
zu dieser vorliegenden Arbeit, um wenn auch ohne eingehendes Detail, 
die geologischen Verháltnisse des Silurgebietes von Mittelbohmen doch in 
ihrem vollstándigen Zusammenhange wenigstens in allgemeinen Umrissen 
darzustellen. 


Eine detaillirtere Ausfůhrung dieser Arbeit muss einer spáteren Zeit 
und jůngeren Kráften vorbehalten bleiben; ein Theil derselben ist aber 
schon in den „Erláuterungen der geologischen Karte der Umgebungen von 
Prag (von J. Krejčí und R. Helmhacker) enthalten. 


Die Gefertigten benůtzten bei der Zusammenstellung dieser Arbeit 
ihre lteren Erfahrungen, indem der eine wáhrend seines langjáhrigen 
Dienstes als Hůttenbeamte bei den Fůrstenbere'schen Eisenwerken Gelegen- 
heit hatte, das westliche Gebiet des Silurterrains und namentlich die Eisen- 
stein fihrenden Schichtenzonen genauer kennen zu lernen, der andere aber 
bei den fůr die geologische Reichsanstalt und fůr die Landesdurchforschung 
unternommenen Detailaufnahmen im čstlichen und mittleren Gebiete des 
Silurterrains auch den geotektonischen Verháltnissen des gesammten Silures 


seine Aufmerksamkeit zuzuwenden Veranlassung hatte. 
1* 


Schliesslich unterzogen die Gefertigten in dem Jahre 1883 den west- 
lichen Theil des Silurgebietes, namentlich das gesammte Brda- und Tře- 
mošnagebirge auf einer gemeinschaftlichen Bereisung desselben einer ein- 
gehenden Revision, um die geologischen Verháltnisse děr vordem weniger 
bekannten Terrainparthieen festzustellen. 


Die Redaction der gemeinschaftlichen Untersuchungsresultate auf der 
Basis einer orographisch-geotektonischen Darstellung des gesammten mittel- 
bohmischen Silurterrains besorgte der Erstgenannte von den beiden Ge- 
fertigten. 


PRAG, im Mai 1885. 


J.  KOrejčt Ko. Feistmantel. 


BP 


buh 


BINEPTEUNU. 


Der mittlere Theil von Běhmen, die Umgebungen von Prag im weiteren 
Sinne und die damit zusammenhángenden Gecenden enthaltend, in der Lángen- 
erstreckung von Brandeis an der Elbe bis Alt-Pilsen (Plzenec) an der Uslava und 
-in der Breite von Dobříš gegen Zbirov, hat einen eigenthůmlichen Character, durch 
den sich diese Gegenden auffallend sowohl von dem flach kuppigen granitischen 
Terrain, das in einer breiten Zone die Westseite des bohmisch-máhrischen Urgebires- 
massivs umsáumt, als auch von den ebenen Terassen nordlich jenseits der Elbe 
unterscheidet, die der Kreideformation angehórend, bis zum Fusse des Riesen- 
gebirges sich erstrecken. 

Dieser eigenthůmliche orographische Charakter wird durch den Gebiresbau 
des silurischen Systemes bedingt, welches die angedeuteten mittleren Theile von 
Bóhmen einnimmt und áussert sich namentlich in der parallelen Entwickelung von 
langen kammartigen von Nordost gegen Sůdwest verlaufenden Růcken, sowie von 
Bere- und Hůgelreihen, deren Mitte, eleichsam als die Gebirgsaxe der lange Wald- 
růcken des sogenannten Brdagebirges zwischen Kónigsaal und Příbram ein- 
zunehmen scheint, obwohl wie sich aus den folgenden Erláuterungen ergeben wird, 
dieses Gebirge nur den sůdlichen steil gehobenen Rand des bohmischen Silur- 
systemes andeutet. 

Die eigentliche Mitte des Silurterrains nimmt also keineswegs das Brdagebirce 
ein, sondern ein hůgeliges von tiefen Thalschluchten durchfurchtes Kalksteinplateau 
ein, das zwischen Zdic und Prag 5 geographische Meilen lang und zwischen Lo- 
děnic und Řevnic 1 geographische Meile breit ist Das Streichen der Hůgelzůge 
und der dieselben bildenden Schichten ist norděstlich, durchschnittlich nach h 4. 

Ringsum dieses Kalksteinplateau ist in den die Kalkschichten unterteufenden 
weicheren Grauwackenschichten eine 2—3 Kilometer breite Thalniederung ausge- 
furcht, welche man an der nordlichen Seite des Kalkplateaus von Jinonic und 
Řeporej bei Prag úber Beraun bis Zdic und von da zurůck an der sůdlichen Seite 
des Plateaus úber Všeradic, Řevnic, Kónigsaal bis Kuchelbad bei Prag verfolgen kann. 

Erst jenseits dieses Thalsystemes erheben sich die fůr unser Silursystem 
so charakteristischen langen Bergrůcken in nordostlicher Streichung, die eigentlich 


nichts anderes sind, als die zu Tage ausgehenden Schichtenkópfe eines concentri- 
schen Muldensystemes. 


Barrande erkannte zuerst diese Regelmássickeit des bohmischen Silurbeckens 
und stellte den Bau desselben durch sein berůhmtes Auerprofil (Fig. 1) klar und 
úbersichtlich dar. 


Karbon 
SW Příbram Jinec © Brd Drabov: Sknof NW 
3 * : ] Kreideform 
| dom FFG H GFE mw 
zz VALLuu ce SS 29 ny T Vb 
A DAV : ZPA 6 > D/A 
NA M AR RE R 7 jí Ó / ý L 5 4, / 
ZAL, ÚNUULU L E S, HA KOL) z 2 


Ž Granit. A—H Silur. P Porphyr. 
Vic. 1. 


Auf Grundlage der eingehendsten Untersuchungen der Schichtenfolge in Be- 
treff der Vertheilung von Versteinerungen, sowie auf Grundlage seiner Srossartigen 
palaeontologischen Arbeiten, denen er vom Jahre 1841 bis 1883, also durch mehr 
als 40 Jahre, alle seine freie Zejt widmete, stellte er die durch seine Schriften, 
namentlich durch sein Hauptwerk: „Systěme silurien du centre de la 
Bohéme“, in geologischen Kreisen allgemein bekannt gewordenen acht siluri- 
schen Schichtenstufen oder Etagen auf, welche den Leitfaden fůr alle Spáteren 
stratigraphischen Untersuchungen im Gebiete des bohmischen Silurs bilden. Bar- 
rande bezeichnete diese einzelnen acht Etagen von unten nach oben mit den 
Buchstaben A bis H. Von diesen bilden die vier tieferen Etagen von A bis D 
seine untere, und die vier folgenden Etagen E bis H seine obere Abtheilung 
des bohmischen Silursystemes. In der oberen Abtheilune sind mit Ausnahme der 
obersten jůnesten, alle vier Schichtenstufen ungemein reich an organischen Úber- 
resten, und zwar durchgehends marinen Ursprunges; auch die untere Abtheilung 
enthált in den Etagen C und D zahlreiche Reste mariner Thiere, wáhrend die 
beiden tiefsten Etagen A und B trotz Jahrelanger vielseitiger Durchforschung keine 
deutliche Spur eines Petrefacten lieferten, und desshalb von Barrande als die azo- 
ischen Etagen bezeichnet wurden. 


Ein die Unterscheidune der einzelnen Etagen wesentlich erleichternder Um- 
stand ist die petrographische Beschaffenheit derselben. Die Schichtenstufen der 
unteren Abtheilung (A—D) enthalten námlich thonige und guarzige Schichten, und 
zwar Thonschiefer, Grauwackenschiefer und guarzige Grauwacken ; die obere Ab- 
theilung besteht in ihren Etagen E bis G aus vorwaltend kalkigen Schichten und 
Schliesst erst in der hóchsten Schichtenstufe H wieder mit Grauwackenschiefer und 
guarzigen Grauwacken ab. Nebstdem wird die Begránzung zwischen den beiden 
Hauptabtheilungen, námlich zwischen der Etage D und der Etage E, durch das 
Auftreten von máchtigerer erruptiven Massen von Grůnsteinen (Diabasen) bezeichnet. 

Die beiden tiefsten azoischen Etagen A und B, die am Aussenrande des boh- 
mischen Silurbeckens eine bedeutende das innere petrefactenfihrende Silurbecken 
weit úbertreffende Ausdehnung haben, unterscheiden sich petrographisch von den 


ď 


ihnen aufgelagerten Etagen C und D aufallend durch ihren halbkrystallinischen 
Charakter, indem sie vorherrschend aus dichten Thonschiefern mit untergeordneten 
Massen von Kieselschiefern und Grůnsteinen (Aphaniten' und Dioriten) bestehen, 
und in der nordlichen Hálíte des Beckens von máchtigen erruptiven Porphyrmassen 
©- durchbrochen werden. 

Die beiden Etagen A und B sind aber in Bezug auf ihre Gesteinsbeschaffen- 
- heit schwierig von einander abzutrennen und selbst Barrande hat nur allgemein 
— die mehr krystallinischen Schiefer, die unmittelbar auf Granit ruhen, der Etage A 
und die hoóheren háufig von Kieselschiefern unterbrochenen Schieferschichten der 
Etage B angereiht. Eine bestimmte Gránze zwischen beiden Etagen wurde dem- 
gemáss auch gar nicht angegeben. 

Barrande reiht nebstdem der Etage B auch die máchtigen guarzigen Con- 
olomeratschichten an, welche zwischen den eigentlichen Thonschiefern der Etage B 
und zwischen der die álteste Silurfauna beherbergenden Etage C eingelagert sind, 
und welche den siidwestlichen, hochsten Theil des Třemošnagebirges bei Příbram, 
Rožmital und Rokycan einnehmen. Der Grund dieser Anreihung war wohl einzig 
der gánzliche Mangel an Petrefacten in diesen Conglomeratschichten, so dass sie 
fůglich auch als azoisch betrachtet werden mussten. 

Unsere Begehungen und Studien im Bereiche dieses Conglomeratterrains 
haben uns indessen zu der Úberzeugung gefůhrt, dass sich diese Conglomerat- 
schichten stratigraphisch unmittelbar an die Schiefer der Primordialfauna (C) 
anschliessen, an ihrer Basis aber sowohl durch ihr Gesteinsmaterial als auch durch 
ihre Lagerung sich von den sie unterteufenden Thonschiefern der Etage B auffal- 
lend scheiden. — In den Umgebungen von Skrej, wo schon Barrande die von 
ihm noch der Etage B angereihten Conglomerate und die Schiefer der Etage 
C nebeneinander als anstehend schildert, ist stellenweise, namentlich bei Tej- 
řovic, eine deutliche Wechsellagerung dieser Schiefer, die hier deutliche und 
zahlreiche Úberreste der Primordialfaune enthalten, mit den Conglomerat- und 
guarzigen Grauwackensandsteinen wahrnehmbar, und es erscheinen daselbst also 
beiderlei Felsenschichten, námlich die schiefrigen und die conelomeratigen als ein 
zusammengehóriger, einer und derselben Bildungsperiode angehóriger Schichten- 
complex. Folgerichtie gilt diese Annahme auch fůr jene Ortlichkeiten, wo eine 
solche Wechsellagerung nicht besteht oder wo sie bisher wegen ungůnstigen Ver- 
háltnissen nicht wahrgenommen werden konnte, und dies namentlich auch aus dem 
Grunde, dass bei Jinec, wo die Schiefer des Gebietes der Primordialfauna besonders 
deutlich und máchtig entwickelt sind, diese Schiefer offenbar eine mit den sie unter- 
teufenden Congiomeraten concordante Lagerung haben. 

In jůngster Zeit (1884) wurden in den unter den Šchiefern bei Tejřovic ab- 
gelagerten Conglomeratschichten, und zwar in den guarzigen sandsteinartigen Grau- 
wacken, welche mit den Conglomeratbánken abwechseln, zahlreiche Exemplare von 
Brachiopoden gefunden, die wenn sie auch bei dem ungenůgenden Erhaltungszustand 
nicht genauer bestimmbar sind, doch als zur Gattung Orthis zugehorig erkannt 
wurden, und die Hoffnung wachriefen, dass auch an anderen Orten des Conelo- 
meratterrains ihnliche organische Reste aufgefunden werden.  Hiemit wáre die 
Zugehórigkeit der die Skrejer und Jinecer Schiefer unterteufenden Conglomerat- 
und Grauwackenschichten zu den Petrefacten fůhrenden Etagen auch vom palaeonto- 


8 


logischen Standpunkte nachgewiesen, nachdem diese Zugehorigkeit vom geotekto- 
nischen Standpunkte den beobachteten Lagerungsverháltnissen nach ausser allem 
Zweifel ist. 

Dies veranlasst uns bei dieser Úbersicht des bohmischen Silurterrains die 
beiden azoischen Etagen A und B vom eigentlichen Silur abzutrennen und dasselbe 
auf die úber einander concordant liegenden Schichtenstufen oder Etagen zu be- 
schránken, deren Basis hiemit die Conglomeratbinke und guarzigen Grauwacken- 
sandsteine bilden, auf denen dann die Barrande'schen Etagen C bis H aufge- 
lagert sind. 

Die petrographischen und geotektonischen Verháltnisse der azoischen Etagen 
A und B erfordern, um ihre Beziehungen zum bohmischen Šilur sicherzustellen, 
ein selbststándigeres und eingehenderes Studium, das wir uns als eine der náchsten 
Aufgaben unserer Landesdurchforschung vorbehalten. Im allgemeinen kónnen wir 
hier nur so viel bemerken, dass fast úberall, wo der Contact des eigentlichen 
Petrefacten fůhrenden Schichtencomplexes mit Einbegriff der dasselbe unterlagernden 
Conglomerat- und Grauwackenschichten, der Beobachtung zugánglich ist, eine ab- 
weichende Lagerung der tieferen halbkrystallinischen Schiefer gegen jenen Schichten- 
complex bemerkt wird, so namentlich in der Gegend von Rožmital, Přibram, Hluboš, 
und Skrej, besonders aber dort, wo die Etage C fehlt und der Schichtencomplex 
der Etage D unmittelbar auf den azoischen Schiefern ruht, wie bei Koónigsaal, 
Modřan, Troja, bei Nischburg, auf der Krušná hora bei Hudlic und an zahlreichen 
anderen Punkten. 

Der in der Lagerune der azoischen Schiefer B háufig bemerkbare Wechsel 
des Streichens und Einfallens der Schichten, der trotzdem er in Betreff des Strei- 
chens im allgemeinen, wie die Petrefacten fiihrenden Silurschichten einer nordóst- 
lichen Richtune folet, doch unabhángie von dem Streichen und den Faltungen der 
hóheren Silurschichten sich entwickelt, deutet darauf hin, dass noch vor Beginn 
der Silurperiode im Bereiche der azoischen Schiefer SŠtórungen im Schichtenbaue 
derselben stattfanden, wodurch abgesehen von dem Mangel an organischen Resten, 
dieser Schiefercomplex als ein selbststándiges, vom eigentlichen Silur unabhánciges 
Schichtensystem sich darstellt, dessen Bildung einer álteren als der Silurperiode 
angehótrt. 

Im Vergleiche mit anderen Regionen des alten Schiefergesteines lásst sich 
unser halbkrystallinisches  Schiefergebiet wohl dem nordamerikanischen Huron- 
system anreihen, indem es wie dieses gánzlich azoisch ist und unmittelbar auf 
dem Urgebirge (Laurentian) ruht. Diese Vereleichung ist jedenfalls mehr zutreffend, 
als die mit dem brittischen Cam briansystem, indem bekanntlich die englischen 
Geologen in das Bereich desselben auch die unseren C-Schichten analogen Schichten- 
stufen mit der Primordialfauna einbeziehen, wáhrend diese unsere C-Schichten schon 
der concordanten Schichtenreihe unserer anderen silurischen Etagen angehóren, 
wesshalb wir Barrande folgend, sowohl aus geotektonischen, als auch aus palaeonto- 
logischen Grůnden, unsere Jinec-Skrejer C-Schichten als vom bohmischen Silur 
untrennbar betrachten.  Demgemáss kónnen wir auch nur die tiefsten, metamor- 
phisehen Schichten des brittischen Cambrian mit Ausschluss der die áltesten Trilo- 
biten fihrenden Schichten als eine den bohmischen azoischen Schiefern analoge Bil- 
dung anerkennen. 


3, 


Die von Barrande vom palaeontologischen Standpunkte aus aufgestellte 


- Eintheilung des bohmischen Silursystemes in drei Gebiete, námlich in das der 


Primordialfauna (C), der zweiten Fauna (D) und der dritten Fauna (E, F, G, H) 
entspricht auch vollkommen den orographisch geotektonischen Verháltnissen des 


© bohmischen Silurgebietes, námlich das erstere dem Třemošnagebirge, das zweite 


dem Brdagebirge und das dritte dem Karlstein-Tetiner Kalksteinplateau; 
wesswegen wir dieser Eintheilune folgend diese drei Gebiete des bohmischen Si- 
lures in der aufeinander folgenden Reihe dieser drei Gebirgsgruppen schildern. 

Das bohmische Silursystem bildet in dieser Beschránkung nach Ausschluss 
der azoischen Schichten ein scharf begránztes Gebiet, welches in der Richtung von 
Sůdwest nach Nordost die Gegenden vom Hůcgel Hurka bei Plzenec bis zur Felsen- 
klippe, auf der das Schloss in Brandeis an der Elbe steht, eine Ausdehnung von 
105 Km. hat und in der Auerrichtune zwischen Zbirov und Přibram, Nischburg 
und Mnišek, Troja und Kunratic die abnehmende breite von 90, 24, 12, 8 Kilom. 
einnimmt. 

Das Gebiet der azoischen Schiefer, von welchem das eigentliche Silurterrain 
rings umsáumt wird, nimmt, wie schon erwáhnt, ein viel grósseres Terrain ein, 
námlich am óstlichen und sůdostlichen Saume des Silures bis zu dem Granitmassiv 
von Mittelbohmen, von Škvorec bei Úval, úber Eule, Knin, Milin, Nepomuk und 
úber Klattau hinaus bis zum Fusse des Boóohmerwaldes, und am nordwestlichen 
und nórdlichen Saume von Taus bis an die Glimmerschiefer des nordlichen Theiles 
des Pilsner Kreises bei Neumarkt, Rabenstein und Chýš und bis zu den Gránzen 
des permischen und Steinkohlengebietes bei Rakonitz, Kladno und Kralup an der 
Moldau. 

In dieser Erstreckung hat das Gebiet der azoischen Schiefer ein Areal von 
mehr als 150 Ouadratmeilen, wáhrend das eigentliche Silur, welches muldenartig 
in der Mitte desselben abgelagert ist, nur etwa den vierten Theil dieses Areales 
einnimmt. 


I. Das Gebiet der Primordialfauna. 


Die Schiefer, welche die Primordialfauna der Etage C beherbergen, nehmen 
nur einen geringen Theil des Terraines ein, welches stratigraphisch zur Basis 
unseres Silusystemes gehórt; den bei weitem grósseren Theil dieser Basis bilden Con- 
olomerate, sowie grobkórnige oder auch feinkórnigere guarzige Grauwackensand- 
steine, und zwar so, dass sie unmittelbar auf den halbkrystallinischen azoischen 
Schiefern lagern und nur an ihrer oberen geologischen Gránze in ráumlich sehr 
beschránkten Zonen von den Schiefern der Primordialfauna bedeckt sind. 


Mit Bezug auf die Entstehune und Bildungsweise der máchticen Conglomerat- 
bánke dieser tiefsten silurischen Schichtenstufen ist der Umstand bemerkenswerth, 
dass sie sich auf den sůdwestlichen Saum des Silurgebietes beschránken, am nórd- 
lichen und nordostlichen Saume desselben aber gánzlich fehlen, so dass daselbst 
die hóhere Schichtenstufe D unmittelbar auf azoischen Schiefern ruht, und erst weit 
nordlich vom eigentlichen Silur mitten im Gebiete der azoisehen Schiefer, u. z. bei 
Skrej wieder ein enger Streifen von Conglomeraten und die Primordialfauna ent- 
haltenden Schiefer erscheint, aber ohne allen Zusammenhane mit dem anderen 
silurischen Terrain, sondern von demselben durch eine 12 Km. breite Zone von 
azoischen, von máchticen Porphyrmassen durchbrochenen Schiefern abcetrennt. 


Das Material der Conglomerate sind guarzige Rollsteine, die offenbar nur 
In einem rasch fliessenden Gewásser gebildet werden konnten, und es deutet 
demnach die Verbreitune der Conglomeratschichten auf einen máchtigen Strom hin, 
der von Siidwest fliessend auf der Sůdwestseite des bohmischen silurischen Meer- 
busens můndete, wáhrend die Nordwestseite desselben noch ber das Meeresniveau 
erhoben war. In nordostlicher Richtung zwischen Jinec und Mníšek keilen sich die 
vordem so máchtigen Conglomeratschichten unter den aufeelagerten guarzitischen 
und schiefrigen Schichten der Etage D allmáhlich aus, und man findet iiber Mníšek 
hinaus gegen Kónigsaal und Prag keine Spur derselben mehr, sondern die Schichten- 
complexe der Etage D lagern sich hier unmittelbar auf die azoischen Schiefer und 
zwar in auffallend discordanter Weise. In dieser durch das allmáhliche Verschwinden 
der tiefsten silurischen Conglomerate charakterisirten Region norděstlich von Jinee 
erscheinen plótzlich die Schiefer der Primordialfauna im Thalgrunde des Litava- 
baches und am Fusse der guarzitischen Berge der Etage D, so dass es den An- 
schein gewinnt, als ob hier am ehemaligen tieferen Meeresgrunde statt der sandigen 
und geróllartigen Materiales, das sich náher am Meeresufer absetzte, ein feinerer 


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schlammiger Absatz sich gebildet habe, in dessen plastische Masse sich die merk- 
wůrdigen Úberreste unserer áltesten Fauna ansammelten. 

Die orographische Gestaltung des Gebietes der Primordialfauna wird also von 
den Conglomerat- und guarzigen Grauwackenschichten bedingt, welche in máchtiger 
Entwickelung die Gegend von Rožmital und Rokycan bis Jinec und Příbram ein- 
nehmen und eine Reihe von parallelen Gebirgsrůcken bilden, welche die hóchsten 
bis úber 800 M. reichenden Hoóhenpunkte von Mittelbohmen enthalten. 


Die Entstehung dieser Gebirgsrůcken wurde durch spátere Hebungen ver- 
anlasst, die offenbar mit der Bildune der mittelbohmischen Granite und der die azoi- 
schen Schiefer durchbrechenden Porphyrmassen zusammenhángen. Die ursprůnglich 
horizontalen Conglomeratschichten wurden durch Bruchlinien, die parallel zum 
nordostlichen Streichen des Silursystemes und senkrecht darauf verlaufen, zer- 
sprengt und lánegs dieser nordóstlichen Bruchlinien reihenweise aufgerichtet, so 
dass sich die Conelomeratschichten in einzelne einseitig gehobene und gegen Nord- 
west einfallende Streifen vertheilten, von denen die mehr zertrůmmerten oder aus 
weniger zusammenhángenden Material gebildeten, in den neu entstandenen Thal- 
furchen allmáhlich ganz abgeschwemmt wurden. 


Die Conglomeratschichten bilden also kein zusammenhángendes Terrain, son- 
dern sie sind in drei einzelne, der Grósse nach sehr ungleiche Parthieen vertheilt, 
welche von einander durch das zu Tage tretende azoische Schiefergestein, auf dem 
sie ruhen, von einander abgetrennt sind. Diese drei Conglomeratparthieen erscheinen 
auch orographisch als drei von einander gesonderte Berg- und Hůgelzůge und man 
kann also deutlich die folgenden orographisch und geotektonisch verschiedenen Ter- 
raingruppen im Bereiche der tiefsten silurischen Conglomeratschichten unterscheiden, 
námlich: 


1. Die Conglomerathiůgel von Dubenec. 

2. Das Třemšíngebirge mit dem Přibramer Bergzug. 

3. Das Třemošnagebirge zwischen Přibram und Rokycan. 
4. Das Schieferterrain der Primordialfauna. 


(. Die Conglomerathůgel von Dubenec. 


NW Provazec. Pičin. Velký Chlum. Dubenec. © Staréhory SO 


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M 0000690 
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„Wie. 2. 
Ž Granit, B Azoische Schiefer, Di Diorit, L Lydit, S Conglomeratschichten, P Porphyr. 


Bei Dubenec čstřich von Přibram im Auellgebiete des Kocababaches bilden 
die Conglomeratschichten einen etwa 12 Kilom. langen und 1—2 Kilom. breiten, 
zwischen rothen Granit und azoische Schiefer eingekeilten Streifen (zwischen Bytíž 
und Druhlic), der sich ber das etwa 400 M. hohe azoische Schieferterrain nur 


12 


wenig erhebt, aber von den bis gegen 600 M. ansteigenden Granitterrain bedeutend 
úberrast wird. Am waldigen Hůgel „na drahách“, unweit Dubenec, werden diese 
Conglomeratschichten, dle hier vorherrschend aus lichten eigrossen Auarzgeroll- 
stůcken mit kieselig krystallinischem Bindemittel bestehen, von Porphyr und Granit- 
gingen durchsetzt und haben ein nordostliches Streichen mit 309 NW Einfallen. 
Gegen den Granit zu, auf dem diese Conglomerate liegen, gehen sie oberfláchlich 
durch Zerfallen in ein einem Diluvialschotter hnliches Rollgesteinsfeld úber und 
ebenso an ihrer Begránzung mit dem azoischen Schiefer. In diesen Schiefern, die 
von hier úber Dobříš ein einfórmiges Plateau zwischen dem Fusse des waldigen 
Brdagebirges und den Granitbergen von Knin bilden, trifft man bei Lhotka unmittel- 
bar an der Ararialstrasse auch ein etwa 8 M. máchtiges Conglomeratlager (mit 459 
Einfallen gegen W) an; dieses unterscheidet sich aber seinem Material nach von 
dem Dubenecer Conglomerat, indem es aus felsitischen bis kopferossen Geróll- 
stůcken besteht, die von einer áhnlichen felsitischen dichten Masse verkittet sind. 
Diese Conglomerate gehóren offenbar den azoischen Schichten an und sind keines- 
wegs in Verbindung mit den Dubenecer Conglomeraten, sondern viel álter als 
diese letzteren, welche ihrem Material nach vollkommén mit den Conglomeraten 
des Třemošnagebirgces úbereinstimmen. 


2. Das Třemšíngebirge mit dem Přibramer Bergzug. 


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Ž Granit. B Azoische Schiefer. Di Diorit. S. Conglomeratschiefer. 


Die Conglomerate, aus welchen dieser Gebireszue besteht, bilden einen 57 Km. 
langen Štreifen, der sich zwischen Rožmital úber Přibram bis Dobříš parallel zum 
Třemošnagebirge erstreckt, aber von demselben an der nordlichen Seite durch eine 
4—5 Km. breite Zone von azoischen Schiefern abgetrennt ist, wáhrend ebenso an 
der sůdlichen Seite dieses Štreifens eine andere Zone von azoischen Schiefern den- 
selben von den mittelbohmischen Graniten sondert. Der Streifen dieser Conglo- 


merate ruht also auf azoischen Schiefern, und wird von ihnen rinesum begránzt. 


Die Conglomerate dieses Gebireszuges bilden aber keine zusammenhángende 
Gesteinszone, sondern sie sind in drei Parthieen vertheilt, welche sich orografisch 
auffallend von den ihnen untergelagerten azoischen Schiefern unterscheiden. Diese 
Schiefer steigen allmáhlich in sůdwestlicher Richtung dem Fusse des Třemošnage- 
birges folgend, von 400 M. Hohe bei Dobřiš bis in die Wálder von Smolivec und 
Brennporitschen zu 600 M. an, wo sie von máchtigen Kieselschieferklippen noch 
um mehr als 100 Meter úberraet werden (na Morásku 7197 M.). - 

In dieser hóheren Lage bildet westlich bei Rožmital der máchtige, die Gegend 


13 


weithin beherrschende Berg Třemšín die erste, und sein eben so máchtiger 
Nachbarbere Štěrbina die zweite isolirte Conglomeratparthie; die dritte und 
lángste, aber weniger hohe Parthie bildet der Conglomeratstreifen des Bergzuges, 
welcher bei Vranovic ostlich von Rožmital beginnt und sich in nordostlicher Richtung 
úber Příbram bis Dobříš erstreckt. 

a) Der Třemšín ist die sůdlichste hóchste Kuppe (825 M.) eines dicht be- 
waldeten von Sůd nach Nord sich erstreckenden 4 Kilom. langen Bergrůckens, 
dessen nordlichste Kuppe den Namen Hengst (759 M.) fiihrt. Beide Kuppen tragen 
die Reste von alten Burgen, und auf der sůdlichen hochsten Kuppe, dem Třemšín, 
sieht man nebstdem Reste máchtiger vorhistorischen Wálle, von denen sich eine 
grossartige Aussicht ber das wellenfórmige von zahlreichen Teichen bedeckte 
Urgebirge bis zum Bóhmerwalde eroffnet. 


Der Bergriůcken besteht aus 1 und mehr Meter starken groben Conglomerat- 
bánken mit durchgehend guarzigem Material, die entgegen dem herrschenden nord- 
ostlichen silurischen Streichen gegen Nordwest nach h. 10. mit einem nordostlichen 
Einfallen von 35—40% sich erstrecken, und in discordanter Lagerung auf azoischen 
Schiefern aufruhen. Nicht weit vom sůdlichen steilen Abhang des Třemšín tritt 
unter den Schiefern bei Hvožďan auch Granit zu Tage, der auch im ostlichen Fusse 
an der Třemošnakuppe (694 M.) auftaucht. Gegen das nordliche Ende des 
Bergrůckens wendet sich das Streichen bogenfórmig mehr gegen Norden, womit 
auch die áusseren Contouren des Růckens úbereinstimmen, so dass er sich als das 
Bruchstůck der áussersten sůdwestlichen Umwallung des bohmischen Silures dar- 
stellt, dessen Schichten erst in weiterer Erstreckung dem nordostlichen Streichen 
folgten. 


b) Ein von Wald bedecktes Thal, dessen Boden aus azoischen von Dioriten 
durchbrochenen Schiefern besteht und in dessen Mitte nordlich von Vacikov ein 
Jagdschloss des Grafen Palfy hervorleuchtet, trennt den Třemšín von einem zweiten 
áhnlichen waldigen Bergrůcken, dem Štěrbinabere (751 M.), der ebenfalls aus 
groben Conglomeratbánken besteht, die nordwestlich streichen und nordostlich unter 
ziemlich steilen Winkeln (50—170“) einfallen. Diese steil gehobenen Conglomerat- 
bánke bilden am Kamme des Bergrůckens malerische Felsenklippen, deren eine 
das Katzenschloss (Kočičí Hrádek) genannt, ein Pavillon trágt, von dem man 
eine belehrende Rundsicht geniesst. 


Die Unterlage der Conglomeratschichten bilden ringsum den Berg azoische 
Schiefer in discordanter Lagerung, die nahe am sůdlichen Fusse desselben von 
Granit begránzt werden. Der Štěrbinarůcken senkt sich gegen Ost in das flache 
Thal der Stadt Rožmitál herab (546 M.), welches im Norden von den steilen Riicken 
des Třemošnagebirges umsáumt wird und gegen Siůden sich in die hůgelreiche 
Granitgegend óffnet. Die tiefste Thalfurche benetzt der Vlčavabach, der bei Rožmital 
zwei Teiche anfůllt, und daselbst einen Streifen vom Granit entblósst, welchen man 
von Piňovic aus gegen Rožmital selbst bis gegen Věšín und Šedlic mitten im 
Schieferterrain verfolgen kann. Der Granit fůllt hier wahrscheinlich eine Auerspalte 
in den azoischen Schiefer aus und gehórt unzweifelhaft zu derjenigen eruptiven 
Masse, durch welche die Conglomeratschichten zersprengt wurden und deren Hervor- 
brechen die Dislocationen derselben veranlasste oder begleitete . 


14 


c) Am čstlichen Thalgehánge von Rožmital lagern sich wieder die Conglo- 
merate nach einer Unterbrechung von 5 Kilometern auf die azoischen Schiefer 
und bilden von da angefangen, námlich von Vranovic an, den úber Bohutín, Birken- 
berg und Heiligenberg bei Přibram durch die Dobřišer Wálder bis zum Forsthaus 
Brodec bei Dobřiš verlaufenden engen Přibramer Bere- und Hůgelzug, der 
etwa 25 Kilom. lang und 2—4 Kilom. breit ist, und sich deutlich von den ihn 
umgebenden azoischen Schiefern durch seine Hóhe und seine Contouren scheidet 
und auch úber das angránzende Granitterrain bei Tochovic und Lazsko sich erhebt. 
(Fig. 4.) 

Birkenbers. 


NW Třemošná. Orlov. BřezováHora. Brod. © Jerusalem. SO 


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Ž Granit. B Az. Schiefer. S. Conglomeratschichten. r Lettenkluft. Di Diabas. 
Fig. 4. 


Er bildet die Waldkuppe Kosov (621 M.) und andere Kuppen bei Vysoká“ 
den Berg Vojna (622 M.), Birkenberg (527 M.), und den heiligen Berg 
(527 M.) bei Přibram, den Berg Pichce (569 M.) bei Dubno, Velký Chlum 
(479 M.) bei Suchdol, Kamení (485 M.) bei Rosovic, und senkt sich endlich an 
seinem nordostlichen Ende zwischen dem Hofe Trnová und dem Forsthause Brodec 
bei Dobříš bis zu dem 400 M. hohen azoischen Schieferplateau herab, in das er 
hier úbergeht. 

Die Lagerung der Conglomerat- und Grauwackenschichten bildet im allgemein 
eine langgestreckte Mulde, deren nordlicher Flůgel aber steiler gegen die Mitte 
dieser Mulde einfállt, 

Diese steilere nordliche Muldenseite ist von der fůr den Bergbau von Přibram 
wichtigen sogenannten Lettenkluft begleitet, welche eine von Sůdwest nach 
Nordwest verlaufende Bruchlinie darstellt, lángs welcher die Přibramer Conglome- 
rate und Grauwacken von denen des Třemošnagebirges abgebrochen und durch 
spátere Denudationen abgetrennt sind. 

Eine Menge von Grůnsteingángen (Diabas) durchsetzt in der Richtung von 
Sůd nach Nord sowohl die untergelagerten azoischen Schiefer, so wie die auf den- 
selben liegenden Conglomerat- und Grauwackenschichten, von denen namentlich 
zwei Zůge durch máchtige Ausbisse sich kennbar machen, námlich der Grůnsteinzug 
von Bohutin ber Birkenbere bis Drahlin am Fusse des Třemošnagebirges, und 
ein anderer zwischen Hatě, dem heiligen Bere und der Kuppe Května nordlich von 
Přibram. Mit diesen Grůnsteingángen sind die beriihmten Blei- und Silbererzgánge 
von Příbram im genetischen Zusammenhange, wesshalb der Bergbau namentlich im 
Bereiche der Griinsteine betrieben wird. Gegenwártig wird aus 17 Scháchten das 
Erz gefórdert, deren weithin sichtbare Gebáude, hohe Kamine und Aufbereitunges- 
werke namentlich den Birkenbere und seine Umgebungen bedecken. In dem Adal- 


berti- und Mariaschacht wurde die senkrechte Tiefe von 1000 
Meter schon úberschritten. 


Die Stadt Přibram (509 M.) liegt zwischen dem heiligen 
und dem Birkenberge in einem Guerthale, welches die Con- 
olomeratmulde von Šůd nach Norden durchbricht und von 
einem Zuflusse des Litavabaches bewássert wird, der im 
Granitterrain bei Lešetic und Šlivic entspringt und sich 
unterhalb Přibram mit der Litava vereinigt, wáhrend dieser 
Bach den Abfluss der grossen Wasserreservoire bildet, die 
in den Schichten des Třemošnagebirges fůr die Wasch- und 
Aufbereitungwerke des Přibramer Bergbaues angelegt sind. 


3. Das Třemošnagebirge. 
(Fig. 5.) 


Dieses Gebirge umfasst die grósste Parthie des Con- 
glomeratgebietes, indem es die ganze bergige Gegend zwischen 
Přibram, Rokycan und Jinec in der Ausdehnung von etwa 
70 Meilen als die eigentliche máchtig entwickelte Basis des 
sůdwestlichen Theiles des bohmischen Šilures einnimmt. 

Am steilsten steigt es an seinem sůdlichen Rande in 
den Umgebungen von Přibram an, und bildet daselbst lang- 
gedehnte steil gegen Sůden abfallende waldige Růcken, deren 
einzelne Kuppen die Hóhe zwischen 700—800 M. erreichen. 
Der auffallendste, obwohl nicht der hochste Theil dieser Rů- 
cken ist der Třemošnabere (717 M.), der die Gegend 
nordlich von Přibram beherrscht und nach welchem wir dieses 
ganze Gebirge benennen. 


Wenn man von der Kammhóhe dieses Berges nordwárts 
die weit ausgedehnte waldige Berggegend úbersieht, so er- 
scheint sie auf den ersten Anblick als ein Labyrinth von 
Bergrůcken, Kuppen und Thalschluchten; nach einigen der 
Ouere nach unternommenen Begehungen dieses Gebirges er- 
kennt man aber seinen im ganzen einfachen Bau. 


Dieses ganze aus Conglomeratschichten bestehende Berg- 
land gliedert sich námlich in fiůnf parallele nach Nordost 
streichende Bergrůcken ab, die durch Auerriegel mit einander 
verbunden sind und von zwei Thalsystemen durchsetzt werden, 
námlich von einem System der zu den Růcken parallelen 
Langtháler und einem System von Auerthálern und Schluchten, 
die von Sůd nach Nord verlaufen. 


Diese orographische Configuration entstand offenbar durch 
Zersprengen und einseitige Hebung der ehedem horizontal ab- 
gelagerten Conglomeratschichten nach nordostlich verlaufenden 
Bruchlinien, deren Ursache man einerseits in den weit aus- 


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sedehnten Granitmassen von Mittelbohmen, anderseits auch in den Porphyr- und 
Grůnsteinmassen suchen kann, welche am Beginne der Silurperiode im Bereiche ihrer 
Sedimente aus dem Erdinnern hervordrangen. 

Die finf parallelen Bergrůcken sind in der Reihe von Sid nach Nord die 
folgenden : 

a) Der sůdlichste Růcken, der von dem Třemšín-Příbramer Bergzuge durch 
eine Zone von azoischen Schiefern getrennt ist und dem der Třemošnaberg ange- 
hórt, beginnt nordlich von Rožmital gegenůber dem Třemšínberge auf dem azoischen 
bis 600 M. hohen, von Kieselschieferklippen durchsetzten Plateau, úber welches 
die Strasse von Rožmital nach Padrť und Štrašic fůhrt. Er beginnt oberhalb des 
Dorfes Buková mit einem hohen Šteilrand, Praha genannt (854 M.) und zieht sich 
als einfórmiger Waldriůicken nordostwárts bis zum Gipfel Tok (842 M.), jenseits 
dessen er durch ein kurzes Ouerthal bei Laz unterbrochen ist. Hier befinden sich 
in einer Hóhe von 664 und 646 M. zwei grosse Teiche oder Wasserreservoirs, 
von denen aus die Příbramer Aufbereituneswerke mit Wasser versehen werden. 
Ostlich von diesem Guerthale erhebt sich als Fortsetzung des Waldrůckens der 
Třemošnabere (777 M.); er senkt sich rasch gegen Obecnic und geht dann 
weiter nordostlich in niedrigere kahle oder mit Feld bedeckte Hůgel úber, die 
zwischen Dušnik und Hluboš von der Litava guer durchbrochen werden. Die Fort- 
setzung am rechten Litavaufer bildet der Hůgel, auf dem die Kirche von Hluboš 
steht, und das Ende des Bergzuges bezeichnet die waldice Kuppe Malý Chlum 
(984 M.) bei Pičín, wo dieselbe blos durch einen engen Streifen von azoischen mit 
Kieselschieferlagern und Griůnsteinstocken durchsetzten Schiefern von dem Při- 
bramer Conglomeratstreifen abgesondert wird. 

b) Der zweite Bergrůcken von dem voricen durch eine von Auerriegeln unter- 
brochene Thalfurche getrennt, beginnt am azoischen Schieferplateau bei Padrť, wo 
in einer Seehóhe von 639 und 655 Meter zwei grosse Teiche, ehedem zum Be- 
triebe der Eisenhitten und Hammerwerke dieser Gegend angelegt, sich befinden, 
und am Saume des Conglomeratterrains die Kieselschieferklippen bedeutend hoch 
ansteigen, so am Palcíř bei Kolvin bis 723 M. Der áusserste sůdwestliche steile 
Rand des zweiten Conelomeratbergrůckens fůhrt den Namen Kočka (786 M.); 
dann folgt auf dem durchcehends von Wald bedeckten Růcken die Kuppe Koruna 
(829 M.) und die hěchste Kuppe des ganzen Gebirges Tok (857 M.) genannt, 
welche Kuppe man aber von der goleichgenannten, schon frůher erwáhnten unter- 
scheiden muss. Die erstere liegt námlich im Bereiche der Rožmitaler, diese im 
Bereiche der Zbirover Domaine. 

(Der Name Tok ist der Jágerausdruck fir eine Waldstrecke, wo die Auer- 
háhne balzen.) 

Das Lánesthal von Obecnic trennt dann diesen Růcken von dem gegenůber- 
liegenden Třemošnabere, und die Fortsetzune desselben oberhalb Drahlin bildet 
ein steiniger Kamm, dessen hóchste Kuppe den Namen Brdo fihrt (769 M.) 
wáhrend die Fortsetzung gegen Čenkov „na Slonovci“ heisst, wo sie mit der 
Kuppe Klouček (680 M.) steil zur Litava abfállt. 

Die Conglomerate haben an diesem Kamme stellenweise ein kaolinisches Binde- 
mittel, welches in einigen Gruben gewonnen und als feuerfestes Material benůtzt 
wird. — 


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Bei Čenkov durchbricht die Litava diesen Růcken durch ein Ouerthal. Seine 
Fortsetzung am rechten Litavaufer bildet der waldige Berg Komorsko (674 M.), 
dem sich dann in nordostlicher Folge noch einige ansehnliche Waldkuppen an- 
reihen (Provazec 696 M., Kuchyňka 655 M.), die aber in den Waldstrecken 
gegen Kytín zu in niedrigere Berge úbergehen (Kazatelna, Spálený, Točka 550— 
500 M.) und von dem nahen Anarzitkamme des Brdagebirges, der sich hier an das 
Conglomeratterrain anlehnt, aber schon zur Etage D gehórt, úberragt werden. In 
diesen Waldstrecken nahe an Mníšek endet auf azoischer Schieferunterlage dieser 
Berezug, dessen Lánge von Padrť bis Kytín 5'/, Meile betrást. 

c) Der dritte Conglomeratbererůcken beginnt in der Waldstrecke Dubina 
(651 M.) bei Skořic nordlich von Padrť, am Westrande von Kieselschieferklippen 
umsáumt, und erhebt sich in seiner nordostlichen Erstreckung in den Kuppen Ka- 
menná (795 M.), Hlava (181 M.), Hejlov (688 M.) zu ansehnlicheren Berg- 
formen, die hier durch ein Auerthal durchbrochen werden. Jenseits desselben er- 
hebt er sich dann als ein steiler Felsrůcken Hřebeny (717 M.) und endet mit 
der westhin sichtbaren Kuppe Koníček (606 M.) im grossen Hofovicer Thier- 
garten, und wird hier durch das Thal von Velcí (Welkau) vom friiher erwáhnten 
Drahliner Bergrůcken „na Slonovci“ getrennt, in dessen Hintererunde ein Auer- 
riegel bei dem Forsthaus Baština beide Růcken verbindet. 

Das óstliche Ende dieses Bergzuges wird durch die Jinecer Schiefer mit der 
Primordialfauna bezeichnet, welche in diesem Thal zuerst deutlich auftreten. 

Den vierten und fůnften Berezug des Conglomeratterrains bilden die waldigen 
Růcken, welche das Lánesthal von Dobřiv und Štrašic umsáumen, in dessen west- 


- lichen Theil das Šteinkohlenbecken von Mireschau vom azoischen Terrain aus ein- 
| greift, wáhrend in den čstlichen Theil dieses Lángsthales schon die eisenstein- 
- fůhrenden Schiefergesteine an der Basis der Etage D sich erstrecken. 


d) An der siůdlichen Seite des Thales von Dobřiv beginnt ein dem frůher 


- erwáhnten Růcken paralleler Conolomeratberezug in der Waldstrecke Zaborčí 
(557 M.) oberhalb Mireschau, dann folgt gegen Nordost die Kuppe Převážení 
(600 M.) und bei Strašic der wild durchklůftete Waldberg Vlč (598 M.), an den 
| sich bei Kváň (St. Benigna) die Kuppen Křížek (728 M.), Růžek (653 M.), 
| Beran (686 M.) u. a. anschliessen. Ein tiefes Ouerthal, welches von dem GAuerriegel 
- bei dem Forsthaus Baština durch das Gebirge von Sůd nach Nord sich herabzieht, 
- durchbricht bei der Ruine der Burg Waldek diesen Bergrůcken und bildet hier 
-eine besonders malerische Waldgegend. Jenseits dieses Ouerthales streicht der 
- Růcken nordostlich im Beranec (660 M.) fort und endet in der flacheren Wald- 


strecke Koberov (516) nahe an Felbabka, wo sich die Jinecer Schiefer an diese 


© Conglomerate anschliessen. 


e) Den fůnften und letzten Bergzug, mit dem das Conglomeratterrain gegen 
Norden abschliesst, bilden die Bergrůcken, welche die nordliche Seite des Thales von 
Dobřiv und Strašic umsáumen.' Sie umfassen am sůdwestlichen Ende den máchtigen 
Berg Žďár (627 M.), der die Gegend von Rokycan beherrscht und an seiner nórd- 


- lichen Seite lánes einer Dislocationslinie von eisensteinfiihrenden Schiefern der 
© Etage D scheinbar unterteuft wird. Der Berg besteht aus máchtigen von Porphyr 
-© durchbrochenen Conglomeratbánken, welche an der něrdlichen Seite in prallen Felsen 
| anstehen, und die Reste eines grossen vorhistorischen Walles tragen. Das Auer- 


2 


18 


thal des Klabavabaches trennt bei Hrádek diesen Berg vom Berge Kotel, der auf 
azoischer Schieferunterlage schon ganz in das Bereich der Etage D gehórt. 

Gegen Nordost hánet der Žďar jenseits eines Sattels, úber den der Weg von 
Dobřiv nach Hůrky fůhrt, mit einem plateauartigen, waldigen Conglomeratterrain 
zusammen, das in einzelnen Kuppen úber 600 M. sich erhebt und mit dem kamm- 
artigen Pískový vrch (660 M.) oberhalb Těny endet, und sowohl gegen das Thal 
von Strašic als gegen das von Holoubkau steil abfállt. Die Kuppe oberhalb Holoubkau 
fůhrt den Namen Trhoň und ist 622 M. hoch. Den Fuss des Bergzuges von Ho- 
loubkau und Tény bilden eisensteinfihrende Schichten der Etage D, úber welche 
das Conglomeratterrain sich erhebt, aber unmittelbar auf azoischen Schiefern ruht, 
wáhrend am Fusse seiner mehr oder weniger steil gehobenen Bánke Schichten der 
Etage D sich anschmiegen, ohne dass dazwischen hier irgendwo eine Spur der Ji- 
necer Schiefer (C) mit der Primordialfauna bemerkbar wáre. | 

In Betretf der Gesteinsbeschaffenheit des eben beschriebenen Terrains ist vor 
allem zu bemerken, dass die Conglomerate im westlichen Theile desselben vor- 
herrschen und gegen Osten zu in sandsteinartige mehr oderweniger grobe Grauwacken 
úbergehen, was offenbar darauf hindeutet, dass die Strómung, durch welche das 
Geróllmaterial des Conglomerates angeschwemmt wurde, die Richtune von West gegen 
Ost hatte. Die Geróllstůcke sind grósstentheils weisser oder lichterauer, manchmal 
auch gelblicher und róthlicher Auarz; das Bindemittel bildet ein festes grauwacken- 
artiges oder guarzitisches Material. Háufig erscheinen auch schwarze oder dunkle 
Geróllstůcke von Kieselschiefer eingemenet, seltener aphanitische und dioritische 
Gesteine. Die Grósse der Geróllstůcke variirt von Ei- bis Fausterósse und nur 
einzelne Stůcke namentlich im westlichsten Gebiete sind bis kopfeross. Stellenweise © 
wie bei Dobřiv liegen diese Geróllstůcke in einem grobkornigen guarzigen Sandstein 
eingebettet und lósen sich leicht aus demselben; gewóhnlich sind sie aber mit der © 
Sandstein- oder grauwackenartigen Bindemasse fest verwachsen.  Háufig erscheinen 
abwechselnde Lagen von Conglomerat und guarziger Grauwacke und zwar so, dass © 
im westlichen Theile des Gebietes die Conglomeratbánke, im óstlichen die guarzi- © 
tischen Grauwachenbánke vorherrschen. 

Diese Grauwacken oder Sandsteine sind ebenfalls vorwaltend von lichter Far- 
bung, mit grauen gelblichen und seltener rothlichen Varietáten; das Bindemittel 
ist vorherrschend kieselig, guarzitisch, wird aber stellenweise auch mehr thonig und 
olimmerie und ándert demgemáss seine Festigkeit. Stellenweise entwickeln sich m 
diesen Grauwacken guarzitische Bánke, welche gánzlich der guarzitischen Grauwacke 
der Etage D eleichen. Auch rothgefárbte Grauwacken, ziemlich glimmerreich, důnn- 
bláttrie und deutlich geschichtet treten in grósserer Verbreitung auf, so namentlich 
im óstlichen Theil des Gebietes von Hluboš gegen Kytín. 

Die Máchtigkeit dieses ganzen conglomeratigen und grauwackenartigen 
Schichtencomplexes lásst sich approximativ abschátzen, und zwar namentlich an den 
steilen Lehnen des Třemšin und Třemošnagebirges. Bei einer absoluten Hohe dieser 
Lehnen von etwa 200 bis 300 Metern úber der Schieferunterlage und einem durch- 
schnittlichen Einfallswinkels von 30% ereiebt sich die etwaige Máchtigkeit mit 100 
bis 150 Metern (stu 309 . 200, 300). Durch gegenseitige Verschiebungen und 
wiederholte Aufstauungen der spáter zertrůmmerten und auf einander geschobenen 
Schichten erscheint die Máchtigkeit an vielen Berglehnen allerdines viel grósser, 


jl 


aber úberall wo die Gesteinsbánke ruhiger gelagert sind, kommt man zu der Úber- 
zeugung, dass die eigentliche Máchtigkeit doch viel geringer ist, als es nach dem 
Tersten Anblicke der Felsmassen den Anschein hat. 

Der grósste Theil des Terrains ist mit zertrůmmertem Gestein bedeckt, So na- 
mentlich die Berglehnen und nur an einigen Kuppen und Abhángen und in den 
Thálern und Schluchten mit steileren Felsen sieht man festes anstehendes Gestein. 
Das Conglomerat und Grauwackenmaterial ist námlich zu spróde und brůchig und 
„wurde schon bei den ersten Hebungen in einzelne Schollen zersprenst, wáhrend das 
E iere oa in der pamě k a oak ní und Biegungen 


4. Das Schieferterrain der Primordialfauna. 


- Die Schiefer, welche die Reste unserer áltesten oder Primordialfauna ent- 
(halten, treten nur am nordostlichen Rande des Conglomeratteraines auf, und zwar 
in dem tief eingeschnittenen, von Sůd nach Nord verlaufenden Ouerthal der Litava, 
twelches die Conglomeratrůcken zwischen Hluboš und Jinec durchbricht. Sie sind 
' daselbst zwischen die Conglomerat- und Grauwackenbánke des Třemošnagebirges 
„und zwischen eine áhnliche Zone von Conglomeraten und grobkórnigen Grauwacken 
| concordant eingelagert, die schon der náchst hóheren Etage námlich D zugehóren. 
(80 erscheinen sie im Thalerunde zu beiden Seiten der Litava am Fusse des Plešivec 
jund Ostrýberges, wo sie ein flach gewelltes, nordwestlich einfallendes Lager bilden, 
und treten dann am linken Litavaufer zwischen Rejkovic und Jinec gegen den Ort 
' Felbabka hinauf in einer antiklinalen Wólbung zu Tage (Fig. 6) die nur theilweise 


NW SO 
| p Rejkovice. Plešivec, 


„E „K 


Ji m mar 
)) TST DA 2 
M ÚU mm m jj 
S SS EU U 


JL bo? 


S Conglomerat, C Jinecer Schiefer. d,afBy, d,, d;, d, Silurische Zonen. 
Ů Fig. 6. 


| 


„von einzelnen Schollen der hóheren Conglomerat- und-Grauwackenbánke bedeckt, 
(ber Křesín und Ohrazenic bis nach Velcí (Welkau) im das Thale zwischen den 
' Conglomeratriůcken des Slonovec und des Koníček sich erstreckt, von denen die 
'beiden letzteren den tieferen oder Třemošnaconglomeraten angehůren. Am něrd- 
/lichen Saume dieser Plateauartigen Erhebung der Jinecer Schichteu hinter Felbabka 
'am Podluher Berg und am Berge Ostrý bildet eine máchtice Dislocationskluft, lánes 
„welcher die Schichten der Etage D steil gehoben sind, die Begránzune. (Fig. %.) 
"© Am deutlichsten sieht man die Einlagerune der Jinecer Schiefer zwischen 
'beide Conglomeratzoneu auf dem Fahrweg von Jinec nach Velcí lánes der Hůgels 
E: 2% 


2 
Vystrkov, indem dieser Hůgel von seiner conglomeratigen Unterlage bis nahe! 


zum Gipfel aus diesen Schiefern besteht, und erst am Gipfel von den groben Grau- 


N S 
Ostrý. Felbabka. © Křesíh. Ohrazenice. Velcí Vranová. © Slonoj 


n] ie r 
rtn may ny S 
II u p cdký 
= — nů R = 
= Z M nu ZS ze = 


Fig. 7. 


wacken und Conglomeraten der tiefsten D-Schichten bedeckt wird. Die Máchtigkeit | 
der Schiefer betrágt hier 45 Meter. (Fig. 8.) 


NW SO 
Koniček. c soon Slonovec. 


a | 


L © 


S Untere Conglomeratbánke. C Jinecer Schiefer. d,e Obere Conglomeratbánke. n Alluvium. 


Fig. 8. 


Wahrscheinlich ziehen sich die Schiefer aufwárts im Thale von Velcí auf der 
conelomeratigen Unterlage in der Richtung gegen das Forsthaus Baština hinauf, 
indem einzelne Bruchstůcke des Schiefergesteines darauf hindeuten, aber wegen der. 
Bedeckung des Thalgrundes und der Lehnen mit Gebirgsschutt erblickt man nirgends 
mehr dieselben als anstehendes Gestein. Die andere steile Seite des Thales, welche 
die Lehne des Bergriickens Koníček bildet, gehórt offenbar einer gehobenen Parthie 
der Třemošnaconglomerate an, indem sie sich hoch ůúber die Jinecer Schiefer erhebt, 
die hier also nordwárts durch eine Dislocationsspalte begránzt werden, wie bei 
Felbabka. 

Auch am rechten Litavaufer zwischen Jinec und Čenkov sieht man am Fusse 
der hóheren aus schiefrigen und guarzitischen Schichten der Etage D zusammen- 
gesetzten Berge, die Einlagerung der Jinecer Schiefer zwischen beide Conglomerat- 
zonen, und da sich hier in einer Thalfurche, welche zwischen den guarzitischen 
Kámmen (D) und den Conglomeratrůcken des Komorsko sich hinaufzieht, das Gestein 
der Etage D von den Třemošnaconelomeraten deutlich scheidet, so zieht sich wa- 
scheinlich durch diese, von kleinen Ouerriegeln unterbrochene Thalfurche auch die 
Fortsetzuneg des Ausbisses der Jinecer Schichten fort; man kann sie aber wegen dem 
máchtigen Bergschutt, der diese waldigen Berglehnen und die Thalfurchen bedeckt, 
nirgends anstehend beobachten. Erst in der norděstlichen Fortsetzung dieser Terrain- 
furche, da wo sie sich gegen die Můhle Zátor (SW von Hostomice) in den Ho- 


| 
| 21 


(stomicer Gemeindewald herabzieht, erblickt man in der tief eingeschnittenen Rinne 
(des hier entspringenden Chumavabaches, gróssere Bruchstůcke der Jinecer Schiefer 
mit deutlichen Trilobiten, welche die Náhe dieser Schieferzóne verrathen, und die 
hier Barrande an einem nun von Wald bedeckten Punkte auch wirklich anstehend 
fand. Weiter gegen Nordost in der Richtune gegen Mníšek verliert sich jede Spur 
(der Jinecer Schiefer, und die Schichten der Etage D lagern sich hier unmittelbar 
Jauf die azoischen Schiefer (B) in discordanter Lage auf. In den Umgebungen von Prag 
hi Kunratic und Modřan treten zwar jenseits der ebenfalls durch eine Dislocation 
ibezeichneten Grenze der Etage D, Schiefer zu Tage, die ihrem Habitus nach auf- 
fallend an die Jinecer Schiefer erinnern; aber da in denselben bisher trotz eifrigen 
Suchens keine Spur eines Petrefakten entdeckt wurde, und da sie ihrer Lagerung 
mach sich an die azoischen Schiefer anschliessen, so kónnen wir sie von diesen 
letzteren nicht abtrennen. Eine Conglomeratbank, die in der Schlucht bei Modřan 
lm diese azoischen Schiefer eingelagert ist, wurde von uns anfánglich fůr ein Agui- 
valent der Třemošnaconglomerate angesehen; wir úberzeugten uns aber spáter, dass 
sie den, in die azoischen Schichten eingefůigten Conglomeratbánken analog ist, wie 
wir solche auch in der Náhe von Dobřiš beobachteten, mit denen sie úbrigens 
auch in Betracht ihres Materiales, námlich Felsitphorphyrconglomerat, vollkommen © 
'ibereinstimmt. 
| Die Beschaffenheit der Jinecer Thonschiefer ist ziemlich gleichfórmig; es sind 
feinkornige oder dichte thonige Schiefer von dunkelgrůnlicher, an den Ablósungs- 
flichen in Folge von Eisenoxydhydrat von brauner Fárbung und erinnern háufig durch 
ihren Habitus an dichte Grinsteintuffe, namentlich da, wo sich an Stellen, die 
durch eine concentrisch braune Fárbune angedeutet sind, eine Art von Kugel- 
bildung entwickelt. 

Dem Gesteins- und palaeontologischen Charakter nach vollstándig mit dem 
Jinecer Vorkommen ůúbereinstimmend, tritt weit vom Nordrande des eigentlichen 
Silurbeckens im Bereiche der azoischen Schiefer und zwar jenseits des máchtigen 


: 


Porphyr-Berezuges, der diese Schiefer zwischen Půrglitz und Rokycan durchsetzt, 
eine nicht breite Zone von Conglomeraten und Thonschiefer zu Tage, die an der 
něrdlichen Seite in discordanter Lagerung von azoischen Schiefern mit Kiesel- 
schiefereinlagerungen und an der siůdlichen Seite von Afaniten und Porphyren 
scharf. begránzt wird, welche letztere in unregelmássiger, erruptiver Lagerung diese 


Zone begleiten und einen ansehnlichen Gebirgszug bilden. (Fig. 9.) Das Streichen 


NW Skreje Berounka-Fluss Mileč SO 


Z =D 

| MNE 

| P M M Bb 

B Azoische Schiefer. L. Lydit. S Conglomeratbánke. C Schiefer mit der Primordialfauna. 
P Porphyr. Af Afanit. 


Big. 9, 


dieser Zone ist nordostlich, das Einfallen sůdostlich. Ihre Breite betrágt 1—3 Kilo- 
meter, ihre Lánge von Kouřimecberg, sůdwestlich von Půrglitz, úber Tej- 


22 


řovic, Skrej, Mlečic bis in die Náhe von Klein-Lohovic ist etwa 15 Kilom. 
Die Lagerune der Conglomerat- und Schiefer-Schichten ist vollkommen concordant 


3 


ja bei Tejřovic beobachtet man nicht bloss eine Wechsellagerung der Conglomerat- 


; 
| 


und der Schieferschichten, sondern wie schon anfanes erwáhnt wurde, erschienen 


in den zwischen den Conglomeratbánken eingelagerten sandsteinartigen Grauwacken 


auch wirkliche Reste der áltesten Fauna, námlich Schalen der Brachiopodengattung 
Orthis. Die Zugehorigkeit der Conglomerate an der Basis der Jinec-Skrejer 
Schiefer ist hier demnach sowohl statieraphisch als palaeontologisch ausser allen 
Zvweifel gesetzt, da eben bei Skrej in den an Trilobiten reichen Schiefern auch eine 
Orthis, námlich die Orthis Romingeri Barr. háufig erscheint, die wahrscheinlich 
mit der Tejřovicer Orthis identisch ist. 

Wo und auf welche Art die Primordialzone von Skrej mit dem anderen 
mittelbohmischen silurischen Gebiet im Zusammenhanse war, ist bisher vollstándie 
unbekannt, und man kann nur im Allgemeinen die Vermuthung aussprechen, dass 
dieselbe entweder durch spátere Dislocationen, namentlich durch die Porphyraus- 
brůche vom Silurterrain abgetrennt wurde, oder dass sie gleich ursprůnelich m 
einer fjordartigen Seitenausbuchtung des silurischen Meeres sich bildete. 

Die Fauna der Jinec-Skrejer Schiefer (C) besteht vorwaltend aus Trilobiten. 
Zu diesen gesellen sich nur sparsam Reprásentanten der Pteropoden, Brachiopoden 
und Echinodermen. 

Insgesammt haben die Fundorte bei Jinec und Skrej 40 Arten geliefert, dar- 
unter Trilobiten mit 2% Arten, Pteropoden mit 5, Brachiopoden mit 2, dann einige 
Cystideen und Bryozoen. Die 27 Arten der Trilobiten gehůren T verschiedenen 
Gattungen an, unter denen Paradoxides mit 12, Agnostus mit 5, Conoce- 
phalites mit 4, Arionellus mit 1 und Ellisocephalus mit 2 Arten die 
háufiesten sind und auch ausserhalb Bohmens angetroffen werden, wáhrend die 
beiden Gattungen Hydrocephalus mit 2, und Sao mit 1 Art bisher ledielich 
bohmische Vorkommnisse sind. 

Von Pteropoden ist nur die Gattung Hyolithes vertreten, und weder von 
den ihr angehórigen 5 Arten, noch von den 27 Arten der Trilobiten geht eine in 
die náchstfolgende jůngere silurische Schichtenstufe úber, so wie von den letzteren 
6 Gattungen ausschliesslich auf die Primordialfauna beschránkt sind, und nur aus 
der Gattung Agnostus Vertreter in hóheren silurischen Schichtenstufen erscheinen. 
Von Brachiopoden erscheinen hier zuerst die Gattungen Obolus und Orthis, 
und zwar die letztere in dem tiefsten bisher bekannten palaeozoischen Horizonte. 
Der palaeontologische Charakter der  Primordialgruppe stellt sich sonach mit 
einer g2anz selbststándigen, von allen folgenden Etagen deutlich unterschiedenen 
Facies dar. 


23 


II. Das Gebiet der zweiten Silur-Fauna. 


| Dieses Gebiet umfasst im palaeontologischen Sinne die Schichtenstufe oder 

Etage D, und seine Verbreitung ist im orographischen Sinne durch die Erstreckung 
'der beiden Fliůgel des Brdagebirges, des grossen und des kleinen (Brda und Brdatka), 
„deutlich und scharf bezeichnet. Der palaeontologische Charakter ist schon auf- 
Mallend vom Charakter der Primordialfauna verschieden. Die zweite Fauna ist 
Imámlich viel reicher als die erste und enthált mit Ausnahme von Wirbelthieren 
(die Reprásentanten aller Hauptelassen des Thierreiches. Darunter nehmen die Tri- 
Jlobiten mit 30 Gattungen noch immer eine dominirende Stellung ein, und nur eine 
(einzige Gattung, námlich Agnostus geht aus der ersten in diese zweite Fauna 
hůber. Daneben erscheinen Reprásentanten anderer Crustaceen, dann Cephalopoden, 
; Pteropoden, Acephalen, Brachiopoden, Gasteropoden, Echinodermen und Polypen. 


| Die Selbststándigkeit dieser Fauna wird hauptsáchlich durch die Trilobiten 
'angedeutet, die nur im Bereiche derselben vorkommen. Es sind dies. namentlich 
I die Gattungen Aeglina, Amphion, Asaphus, Ogygia, Niobe, Placo- 
Iparia, Trinucleus, Homalonotus, eine mit Phillipsia verwandte Form 
| (Ph. parabolla Barr.), Remopleurides, Dindymene, Dionide und Nileus, 
Jund dann von den, auch in anderen Etagen verbreiteten Trilobitengattungen zahl- 
Ireiche Species, welche die Gránzen der zweiten Fauna nicht úberschreiten.  Auch 
die anderen Classen und Ordnungen enthalten einzelne Gattungen, welche aus- 
Ischliesslich der zweiten Fauna angehóren, wie Beyrichia aus den Ostracoden, 
(Antif Opsis aus den Cirrhipeden, eine Orthocerenform mit marginalem Šipho 
((Bactrites Sandbergeri Barr.), Bathmoceras (Conoceras), Endoceras, Lituites 
und Tretoceras aus den Cephalopoden. 


i Aus den anderen Classen sind die Pteropoden durch die Gattungen Conu- 
laria und Hyolithes, die Cephalopoden ausser den bereits frůher erwáhnten 
"Gattungen durch Orthoceras; die Acephalen durch Arca, Astarte, Babinka, 
Leda, Modiolopsis, Nucula, Redonia, Synek; die Brachiopoden durch 
iChonetes, Discina, Lingula, Obolus, Orthis, Orthisina, Paterula, 
(Rhynchonella und Strophomena vertreten, von denen die Gattungen Orthi- 
isina und Paterula ausschliesslich der zweiten Fauna angehóren und die Gattung 
1Obolus aus der Primordialfauna in die zweite Fauna ibereeht. 

Die Cystideen sind durch die Gattungen Aristocystites, Dendrocy- 
stites, Mitrocystites, Craterina (Barr. M. S.) vertreten, die Gasteropoden 
"durch Pleurotomaria, Euomphalus, nebstdem treten auch Graptolithen 
und Anneliden sporadisch auf, und Fucoiden sind stellenweise sehr háufig. 


Obwohl nun durch die ganzen Schichtentafeln D der palaeontologische Cha- 
(rakter eine gewisse Úbereinstimmung darbietet und nicht wenige Arten durch alle 
ihre Unterabtheilungen verbreitet sind, so von Trilobiten Acidapsis Buchi, 
(Calymene pulchra, Dalmanites Angelini, socialis, Phillipsi, Tri- 
mnueleus Goldfussi, Asaphus nobilis u. a., von Brachiopoden einzelne Arten 
von Orthis, Paterula, Strophomena, von Pteropoden Conularia bohe- 
" 


rj< 


24 


mica, exguisita, Hyolithes striatus u. a. m., so bieten doch die ver- 
schiedenen Horizonte dieser Schichtenstufe gewisse Eigenthůmlichkeiten in der 
Gruppirung der thierischen Reste dar, dass Barrande auf palaeontologischer Grund- 
lage diese Schichtenstufe in fůnf Unterabtheilungen oder Zonen zerlegen konnmte, 
die er mit d, bis d, bezeichnete. 

Diese Unterabtheilungen sind aber auch petrografisch und orografisch von 
einander so unterschieden, dass es scheint, als sei von der wechselnden Art des 
jeweilicen Sedimentes die reichere oder spárlichere Entfaltung des organischen 
Lebens in einer gewissen Abhángigkeit gewesen. 

Der petrografisch-orografische Charakter dieser Unterabtheilungen oder Zonen 
stellt sich in folgender Weise dar. 

Die Zone d; an der Basis der Etage D besteht aus Grauwacken und Schiefern 
mit Diabas- und Eisensteineinlagerungen und ist am áusseren gegen den Rand des 
Silurbeckens abfallenden Fusse der von der náchstfolgenden Zone gebildete Gebirgs- 
růcken entweder im flacheren Terrain oder in den Terrainfurchen derselben verbreitet. 

Die Zone dy, aus festen guarzitischen Sandsteinen oder Grauwacken beste- 
hend, bildet die eben erwáihnten Gebirgsrůcken und erscheint symmetrisch zu beiden 
Seiten der Silurmulde in der Gestalt von mehr oder weniger steil gehobenen zu 
Tage ausgehenden Schichtenkópfen, lánes welcher die Kámme des Brdagebirges 
verlaufen. 

Die Zone d,, aus weicheren důnnbláttrigcen und dunklen Thonschiefern 
bestehend, schmiegt sich an die gegen die Mitte des Beckens gerichteten Berg- 
abhánge der vorhercehenden Zone an und bildet den flachen Fuss derselben ohne 
durch besondere Terrainformen sich auszuzeichnen. | 

Die Zone d, besteht aus Grauwackenschiefern mit untergeordneten Lagern 
von guarzitischen Grauwacken und nimmt das flachhůgelige Terrain der breiteren 
Thalgegenden ein, welche sich zwischen dem Kalksteinplateau des silurischen Cen- 
trums und zwischen den guarzitischen Bererůcken der Zone d, ausdehnen. 

Die Zone d; endlich, in tieferer Lage aus weichen Thonschiefern und in 
der hóheren Lage aus guarzitischen Grauwacken und Sandsteinen bestehend, bildet 
den Aussenrand des inneren kalkigen Silurterrains, an dessen Saume sie strecken- 
weise auch in nicht hohen aber scharfen Bergrůcken auftritt, und zwar so, dass 
sie mit dem innersilurischen Kalkterrain ein zusammenhángendes orographisches 
Gebiet bildet. 


Wir wollen nun die Verbreitune dieser Zonen in úbersichtlicher Darstellung 
erláutern. 


1. Die eisensteinfihrende Zone d.. 


Diese Zone wird namentlich durch die Lager von Eisenerzen charakterisirt, 
welche sie in ihrer ganzen Ausdehnung begleiten, so dass wir sie als die vorzugs- 
weise eisensteinfůhrende Zone unseres Silurs bezeichnen kónnen. 

Sie ist am deutlichsten im sůdwestlichen Theile unseres Silurbeckens entwickelt 
und besteht daselbst aus drei deutlich unterscheidbaren Schichtenabtheilungen, die 
wir mit den Zeichen d, «, B, y bezeichnen. 

a) Die tiefste Schichtenabtheilune d;«, die nur in der Umgebung von Jinec 


| 
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| 


| 


2D 


auf den Schiefern (C) der Primordialfaune ruht, sonst aber úberall unmittelbar den 
azoischen Schiefern aufgelagert ist, besteht aus sandsteinarticen guarzigen Grau- 


- wacken oder Conglomeraten. Sie ist namentlich auf der Krušná hora bei Hudlic 


charakteristisch entwickelt, wesshalb sie auch mit dem Namen Krušnáhora- 


Schichten bezeichnet wird. 

Die Grauwacken oder Sandsteine dieser Schichten sind ein Gemenge von 
weissen, grauen und róthlichen Ouarzkórnern mit stellenweise reichlich beigemengten 
Feldspathtrůmmern, oder mit aus der Zersetzune derselben entstandenem kaolinischen 
Bindemittel. Einzelne Lagen dieser Sandsteine sind reich an einer glaukonitischen 
Beimengunc und erscheinen dann oft in aufallend grůnlicher Fárbung, wobei zugleich 
ihre Substanz milder und ihre Štruktur feinkórniger ist. Manchmal ist das Gestein 
durch beigemenetes Eisenoxyd rothlichbraun gefárbt. An einigen Orten, so namentlich 
am Stradiště bei Plzenec, am Kvásek bei Zbirov, ist das Bindemittel durch eine 
Art von Speckstein vertreten und tritt in so grosser Menge auf, dass die Auarz- 
kórner in demselben fast verschwinden. Meistentheil herrscht aber kieseliges Binde- 
mittel vor, und das Gestein geht dann, wenn die Sandkórner klein sind, in ein 
Ouarzit áhnliches Gestein úber; sind aber die Kórner gross oder gehen sie in 
gróssere Geróllstůcke úber (Ouarz, Kieselschiefer, harte Schieferfragmente), so ent- 
wickelt sich aus dem Grauwackensandsteine ein guarziges Conglomerat, welcher den 
Conglomeraten des Třemošnagebirges an manchen Stellen ganz áhnlich ist. Mit 
den Grauwacken wechsellagern auch kieselige Schiefer gewóhnlich dicht oder fein- 
kórnig und meist rothbraun gefárbt, und in streifenweisen Lagen in eine Art von 
Hornstein úbergehend (St. Beniena). Im óstlichen Theile des Silurgebietes erscheinen 
in der tiefsten Zone der Etage D unmittelbar úber den azoischen Schiefern ver- 
schieden gefárbte mehr oder weniger kieselige Schiefer, deren Unterlage manchmal 
eine Art von Breccie von Bruchstůcken des azoischen Gesteines mit kieseligem Binde- 
mittel bildet (Šárka), durch welche die groben Grauwacken und Conglomerate des 
westlichen Silnrgebietes vertreten werden. Die mittelkórnigen festen sandsteinartigen 
Grauwacken aus der Umgebung von Cerhovic, Zbirov und Rokycan (Kotel) geben 
em gutes Steinmetzmaterial. 

In -den Auerklůften dieser Grauwackenschichten treten verschiedene Mineralien 
auf; so die bekannten schónen Wavellite bei Cerhovic, die auch bei St. Benigna, 
am Hůgel Milena bei Chesnovic u. a. a. O. vorkommen; ferner kommen auch Bar- 
randit, důnne Krusten von Psilomelan, Pyrolusit, Drusen von Auarzkrystallen und 
am Kotel bei Rokycan auch Baryt in grósseren Krystallen vor. 

Die Máchtigkeit der ganzen Schichtengruppe betrágt 20—830 Mt. Organische 
Reste erscheinen im Bereiche der Zone d,« nur sparsam, und zwar sind es blos 
Brachiopoden in 21 Arten; Trilobiten wurden bisher in dieser Zonenicht gefunden. 

Die Conglomerate und grobkórnigen Grauwacken enthalten keine Petrefakten ; 
aus den Grauwackensandsteinen sind 2 Arten Discina, 7 Arten Lingula und 
eine Orthis bekannt; darunter sind die gewoóhnlichsten Discina sodalis, Lin- 
gula Feistmanteli; in den kieseligen Schiefern kommt eine Art Discina, 
6 Arten Lingula, eine Orthis und drei Obolus vor; besonders háufig erscheinen 
Lingula transiens und Orthis incola, aber doch blos an einzelne Fundorte 
gebunden (Krušná Hora, Hradišť bei Nischburg, Cerhovic, St. Benigna). Ausserdem 
fand K. Feistmantel auch Reste von Spongien, stellenweise in ziemlich zahl- 


26 


reichen Nadeln, und zwar stets nur in den kieseligen rothen Schiefern (Hradiště, 
Točník, St. Benicna, Ivina). 

b) Die mittlere Schichtenabtheilung d,P, nach ihrem charakteristischen Vor- 
kommen bei Komorau auch die Komorauer Schichtengruppe genannt, scheidet 
sich scharf von der ihr untergelegten Grauwackenzone ab und ist daher leicht er- 
kennbar; auch tritt sie úberall in der ganzen Verbreitung der d, Zone auf. Vor- 
zůglich sind es Grůnsteine, námlich Diabasen, die sie charakterisiren, und die in 
verschiedenen krystallinischen und aphanitischen Varietáten, als Mandelsteine, Kalk- 
aphanite und Tuffschiefer erscheinen. In genetischer Verbindung mit diesen errup- 
tiven Gesteinen treten Eisensteineinlagerungen auf, mit mehr oder weniger unter- - 
oeordneten Schiefergesteinen. Die Eisensteine sind vorwaltend Rotheisensteine ge- 
wóhnlich in oolithisch Structur. Ihre Máchtickeit im Streichen der Schichten ist 
sehr wechselnd; sie erreicht 10 bis 12 Meter, keilt sich aber allmáhlich beider- 
seitie ab, so dass die Eisensteine lenticulare Erzlager bilden. 

Diese setzen sich dann háufig nur in schwachen Schnůren fort, bis sie aber- 
mals zu grósserer Máchtiekeit anwachsen.  Auch folgen mehrere schwáchere Lager 
úbereinander, getrennt durch diabasische Gesteine oder thonige Schiefer. Da. auch 
diese letztere bald in máchtigeren Zonen auftreten, bald aber wieder sich sehr ver- 
schwáchen, so ist die Máchtigkeit der ganzen Zone d,B an verschiedenen Orten 
sehr verschieden, sie wechselt von 50 bis úber 100 Meter, wobei aber die mannig- 
fachen Auerbrůche und Verwerfungen die Bestimmune der eigentlichen Máchtickeit 
erschweren. 

Die stellenweise den Eisensteinlagern eingeschalteten Schiefer sind von thoniger 
Beschaffenheit, oft diůnnbláttrig, schwarz oder dunkelegrau und ziemlich reich am 
weissen Glimmerbláttchen, nicht selten werden sie etwas eisenháltic. 

An der Basis der Zone, der Unterlagerune der Eisensteinlager, erscheinen 
gewóhnlich Tuffschiefer in manniegfachen Varietáten, aus bunt gefárbten, grůnen, 
orauen, gelben, róthlichen, violetten, bald mehr dichten, bald mehr lockeren, háufig 
mit Kalk imprágnirten Schichten bestehend; und dieser Wechsel der Tuffe wieder- 
holt sich auch unter einem zweiten, hoheren Eisensteinlager, wáhrend die eigentlichen 
Diabasen zwischen den Eisensteinlagern oder im Hangenden derselben oder in selbst- 
stándigen Massen erscheinen. Letztere sind nicht selten die vorwaltenden Vertreter 
der ganzen Zone und wo sie zu Tage anstehen, bilden sie abgerundete Hůcel, deren 
durch Verwitterung entstandener braunrother Boden sie von weitem schon verkůndet. 

Auf den die Eisensteine durchsetzenden Klůften kommen verschiedene Mineralien 
vor, wie Calcit, Braunspath, Ouarz, Eisenspath, Baryt, Pyrit, Sphalerit, Galenit, 
Zinnober, letzterer besonders am Giftberge bei Hořovic, dann bei Svatá und Březina 
unweit Radnic. 

In palaeontologischer Beziehune ist auch diese Zone sehr arm. Von Trilobiten 
sind es blos Harpides Grimmi und Amphion Lindaueri, die aus den Ge- 
steinen der Eisensteinlager am Berge Hlava unweit St. Benigna herrůhren. 

In den rothen Eisensteinen der Ouzkýzeche bei Holoubkau kommen kleine 
kugelfórmige Cystideen vor und nebstdem von Brachiopoden: Orthis Grimmi, 
SOror und potens; im Eisensteinlager der Krušná hora wurde Obolus com- 
plexus gefunden; sonst ist in dieser Zone Orthis desiderata háufig. Ausser 
diesen wenigen Arten sind es nur noch Bruchstůcke von Conularien, unter denen 


ji 


27 


sich Conularia modesta bestimmen liess, dann einzelne Graptolithen (darunter 
deutlich erhaltene Exemplare von Didymograptus), welche im Bereiche dieser 
Zone und zwar in den dunklen Schiefern zwischen den Eisensteinlagern der Krušná 
hora vorkommen. Letztere Art wurde auch in den Schiefern zwischen den Eisen- 
steinen bei Libečov, und Lineula lamellosa in áhnlichen Schiefern bei Svárov 
gefunden. 

c) Die obere Schichtenabtheilune d;,y, nach ihrem charakteristischen Vor- 
kommen bei Vosek unweit Rokycan und bei Kvaň auch die Vosek-Kvaňer 
Schichtengruppe genannt, besteht hauptsáchlich aus wenie harten, dunkelgrauen 
bis fast schwarzen, mehr oder weniger glimmerháltigcen Thonschiefern, mit denen 
untergeordnete Lager einer feinkórnigen guarzigen Grauwacke abwechseln. Diese 
guarzitischen Grauwacken erscheinen besonders in den hoheren Schichtenhorizonten, 
und zwar gewóhnlich nur in schwácheren Lagen und nur stellenweise, wie bei 
Plzenec bis zu 1"/, M. máchtic. 

Nicht selten, wie bei Troja, zerfállt der Schiefer durch eine transversale Zer- 
klůftung in grobstáneliche Stůcke, an anderen Orten erscheinen die Schichtungs- 
fláchen wulstig und knotig, gewóhnlich aber ebenfláchig. 

Eine besonders diesen Schiefern eigenthůmliche Erscheinuneg sind kugelrunde 
oder auch ovale Concretionen einer kieselig thonigen Gesteinssubstanz von Nuss- 
bis Faustgrósse, ja in einzelnen Exemplaren bis zur Kopfgrósse. Diese runden 
Concretionen scheiden sich aus den verwitterten Schiefern aus, und man findet sie 
namentlich im Ackerboden, da wo er diese Schiefer bedeckt. Sie enthalten zahl- 
reiche organische Reste, die in ihnen, des festeren Materiales wegen in meist gutem 
Erhaltungszustand sich befinden. Die vorzůglichsten Fundorte dieser Petrefakten- 
fůhrenden Kugeln sind Vosek bei Rokycan, die Umgebung von Mauth, Klein-Přílep, 
Šárka und Modřan-Neuhof bei Prag und Ouval. 

Auch diese Schieferzone enthált háufio Eisensteineinlaceruncen. Aber es sind 
nicht mehr Rotheisensteine, wie in der vorhergehenden Zone, sondern vorwaltend 
dunkelgraue oder schwarze Eisenoxydul-Silicate, gewóhnlich schiefrie und dicht, 
seltener oolitisch. In schwachen Lagen gegen das Ausgehende zu sind dieselben 
gewóhnlich in Limonit umgewandelt. Ihre Máchtigkeit ist gewóhnlich sehr gering; 
in grósseren Lagern treten sie nur bei Zlejčina unweit Beraun, dann am Roudný 
bei Zdic, und besonders am Račberge bel Rokycan auf. Die Gesammtmáchticgkeit 
dieser Zone mag zwischen 40—80 Mt. betragen. 

In palaeontologischer Hinsicht ist diese Schichtenzone durch den plótzlich sich 
entwickelnden Reichthum der palaeozoischen Fauna ausgezeichnet. Den gróssten 
Theil der Petrefakten lieferten die kugelartigen Concretionen, weniger háufig sind 
sie in den Schiefern, aber gerade diese lieferten in einem Stollen bei Kozojed unweit 
St. Benigna die schónsten und best erhaltenen Exemplare. 

In dieser Fauna erscheinen die Trilobiten allein schon mit 22 Gattungen, 
unter denen nur die Gattung Agnostus aus der Etage C und Amphion aus 
der Zone d,B herůberreicht, wáhrend alle anderen hier zum erstenmale auftreten. 
Diese 22 Gattungen sind durch 47 Arten vertreten. 

Die meisten Gattungen dieser Trilobiten setzen sich in die náchst hoheren 
Schichtenabtheilungen der Etage D fort, und es sind nur drei Gattungen, welche 
als ausschliesslich der Zone d,y angehórie sich erweisen, námlich Barrandia, 


28 


Bohemilla und Harpina. Dagegen sind 36 von 47 Arten, welche dieser Zone 
ausschliesslich angehóren, wodurch schon die palaeontologische Selbststándigkeit 
derselben sich ausprágt. Durch ihre Háufigkeit und ihre Verbreitung in der ganzen 
Zone bemerkenswerth sind besonders Placoparia Zippei, Illaenus Katzeri, 
Dalmanites atavus, Calymene Arago, Ogygia desiderata und Tri- 
nucleus Reussi. 

Ausser den schon angefůhrten drei Gattungen Amphion, Barrandia 
Bohemilla und Harpina sind es noch die Gattungen: Acidaspis, Aeglina, 
Asaphus, Niobe, Areia, Calymene, Carmon, Cheirurus, Dalmanites, 
Dindymene, Dionide, Illaenus, Nileus, Lichas, Ogygia, Placoparia, 
Proetus, Trinucleus, welche durch mehr oder weniger zahlreiche Arten ver- 
treten sind. 

Zugleich mit den Trilobiten erscheinen Reprásentanten aus fast allen Classen. 
So  kommen unter den Crustaceen die ersten Cirrhipeden vor, námlich die Gat- 
tungen Plumulites, Anatifopsis und die ersten Ostracoden, námlich Bey- 
richia und Primitia; hier erscheinen die ersten Vertreter der Cephalopoden 
mit den dieser Zone eigenthůmlichen Gattungen Bathmoceras (Conoceras) und 
Tretoceras neben der frůher erwáhnten fraglichen Bactritesform und 
17 Arten Orthoceras, so wie 3 Arten Endoceras; die Acephalen mit 5 Gat- 
tungen: Babinka, Leda, Nucula, Redonia, Synek, darunter die. durch 
zahlreiche Individuen bemerkbare und nicht weiter hinauf steigende Redonia 
bohemica. Ferner sind die Pteropoden durch die Gattungen Conularia und 
Hyolithes vertreten, die Heteropoden durch Bellerophon, wovon die Art 
B. nitidus besonders háufig erscheint; es zeigen sich die ersten Gasteropoden ; 
die Echinodermata erscheinen in mehreren Gattungen, darunter Asterias und 
Trochocystites, auch Graptolithen treten auf, darunter wieder die Gattung 
Didymograptus; endlich die Brachiopoden mit Arten aus den Gattungen Cho- 
netes, Discina, Lingula, Orthis, Orthisina, Rhynchonella, Štro- 
phomena, doch in verháltnissmássig geringerer Entwicklung. 

Im Ganzen hat die Fauna der Zone d, 120 Arten geliefert. 


Die Verbreitung der Zone d,. 


Mit Ausnahme des sůdwestlichen Theiles des bohmischen Silures, wo námlich 
die Třemošnaconglomerate und die Schiefer der Etage C seine Basis bilden, erscheint 
die eisensteinfůhrende Zone d, iúberall als die tiefste Schichtenzone des eigentlichen 
Silursystemes und die zu Tage anstehenden Gesteine derselben bilden die ussere 
Begránzung desselben und zwar durchgehends auf der azoischen Schieferunterlage. 
Nebstdem erscheint diese Schichtenzone noch in vier isolirten gegen Nordost gereihten 
linelichen Inseln auf azoischem Schieferterrain zwischen Zbirov und Nischburg, 
nordlich vom zusammenhángenden Silurbecken und dann auch lángs einer grossen 
Dislocationskluft im Gebiete der Grauwackenschieferzone d, nahe an der nordlichen 
Silurgránze vom Plešivecberge bei Neuhůtten unweit Beraun angefangen im nord- 
ostlichen Štreichen úber Nenačovic, Košíř úber Prag bis gegen Chvala. 

1. Beginnen wir die Úbersicht dieser Zone am siidwestlichen Ende des bóh- 
mischen Silurbeckens, so finden wir, dass hier in der Erstreckung von Plzenec bis 


29 


Rokycan dieses Becken fast ausschliesslich aus Schichten dieser Zone gebildet wird, 
indem ber diesen Schichten nur einzelne Hůgel- und Bergkuppen isolirte Parthieen 
von guarzitischen Gesteinen der Zone d, tragen, offenbar als Reste einer ehedem 
allgemeinen Bedeckung der eisensteinfůhrenden Zone durch die GAuarzitsrauwacken 
der Zone d,. Den šussersten sůdwestlichen Punkt des Silurbeckens bildet hier der 
eine alte romanische Kapelle tragende Hůgel Hůrka (429 M.) bei Plzenec am 
rechten Ufer der Uslava, gegenůber der máchtigen Kieselschieferklippe, auf der 
die Reste einer uralten Burg, der Radyně (565 M.), emporragen. (Fig. 10.) Auch 


NW Stý Aoké Vo Skalice Lhota. TO) 
| | dž | | 
mus (2 ©. S77 DR 


Ian | 

Pp a B B 

B Azoische Schiefer. L Lydit. d,afGy, d, Silurische Zonen. P. Porphyr. 
Fig. 10. 


auf dem Hůgel Hůrka erblickt man Reste alter Wálle, und zwar auf guarzitischem 
Gesteine, das die Kuppe dieses Hůgels bedeckt. Dieses Gestein erstreckt sich, von 
einer Schlucht unterbrochen, nordostlich auch auf die Kuppen der Hůgel Sutice 
und Skalice (461 M.) zwischen Mokrouš und Timakov, und desseleichen bildet es 
auch die Kuppe des Hůgels Stradiště (496 M.) nordlich von Plzenec, so wie die 
Kuppe des Waldberges Čilina (520 M.) zwischen Mokrouš und Ejpovic. Bei 
Letkov ist eine kleine Parthie von Kohlensandstein (mit schwachen unbauwůrdigen 
Kohlenflótzen) abgelagert, aus welchem das kaolinische Bindemittel als feuerfestes 
Material gewonnen sind. Alles úbrice anstehende Gestein gehórt der Zone d, an. 
(Fig. 11.) Dieselbe nimmt hier eine flach gewellte Gegend ein, die beckenartig 


NW 


klabava. Ejp ovice. Čílina. 


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1 l n l KD SU RAS ID S == == L=L==—=S=LÉ 
P lobtabů ap ď U 


i ok akŮ ak © ž 
BLB Deda 
Bezeichnung wie bei Fig. 10. n Alluvium. 


Fig. 11. 


zwischen den bei Sedlec auftretenden Porphyrfelsen und den Kieselschieferklippen 
der azoischen Schiefer in den Šťáhlaver Wáldern (na Toku 559 M.) und zwischen 
-dem Waldrůcken oberhalb Letkov, in einer Breite von 6 und einer Lánge von 12 
Kilom., námlich bis zum Fusse des Berges Žďár (627 M.) sich erstreckt. Alle 
drei Zonen der Schichtenabtheilung d, sind hier vertreten. 

Die Grauwackensandsteine d; «, einzelne Brachiopoden enthaltend, treten 
deutlich zu Tage namentlich in einem Šteinbruche am nordlichen Fusse des Stra- 


90 


P 
we“ 
U 


B Azoische Schiefer. P Porphyr. S Conglomeratbánke. d,afy, d, Silurische Zonen. K. u. Steinkohlenformation, 


Pio. 12. 


dištěhůgels auf azoischen Schiefern gelagert, dann am 
sůdlichen Rande des Beckens bei Lhota, wo sie vom 
Porphyr durchbrochen sind. Sie ziehen sich dann am 
sůdlichen Rande des Beckens, grósstentheils von Feld- 
und Waldboden bedeckt, auf azoischem Schiefer und 
Kieselschiefer-Untergrund in nordóstlicher Richtune auf 
den Berg Kotel (574 M.) zwischen Rokycan und Ve- 
selý; sie bilden die Kuppe dieses Berges und sind an 
der Sůdseite des Berges von Porphyr durchbrochen, 
wáhrend auf der Nordseite desselben Grůnsteine und 
Eisensteine d, B und die Schiefer d,y mit einer Scholle 
von Auarziten (d,) bedeckt, am Abhange sich hinauf- 
ziehen. In den sandsteinartigen Grauwacken ist hier 
ein grosser Bruch fůr Werksteine angelegt. 

Óstlich und sůdlich vom Kotel, in der Einsenkung 
zwischen Raková, Hrádek und Kocanda bis zum Fusse 
des Žďár wird das Terrain von meist feinkórnie grůn- 
lichen Grauwackensandsteinen eingenommen, die nórd- 
licherseits nur von schwachen Andeutungen diabasischer 
Gebilde begleitet, unter die Schiefer d, y einfallen. 

Eisensteinlager der Zone d,B sind durch nun 
orósstentheils aufeelassenen Bergbau am Fusse des Stra- 
diště und bei Chachov (Limonit) aufgeschlossen, na- 
mentlich treten sie aber zu Tage zwischen Kyšic, Ejpovice 
und Klabava am Nordrande des Beckens im Klabava- 
thal, wo sie fůr die Hůttenwerke der Umgebung im 
orósseren Maasse bergmánnisch abgebaut werden. 

Die obere Schichtenzone d, y bildet den gróssten 
Theil des Felduntergrundes und man bemerkt nach dem 
hie und da anstehenden Gesteine eine flache wellen- 
fórmige Ablagerung derselben. Am Hůgel Hůrka be- 
merkt man einen kleinen Porphyrguarz in diesen Schie- 
fern, als Andeutung, dass das Empordringen der Por- 
phyre in die Periode der eisensteinfůhrenden Zone 
andauerte. 

In den Feldern bei Vosek nordlich von Rokycan, 
da wo der nordliche Saum des hůceligen Terraines dieser 
Zone durch azoische Schiefer und Kieselschieferklippen 
begránzt wird, ist ein Hauptfundort der Petrefakten 
fihrenden Kugeln und Knollen der Zone dy. 

2. Óstlich von Rokvcan nimmt dieses Schiefer- 
terrain die Thalmulde ein, welche lánegs des Hammer- 
baches und der Westbahn úber Holoubkau und Mauth 
sich erstreckt und geht dann zwischen Mauth, Kařez 
und Wolešna in ein flaches Teichplateau ber. Die st- 
liche und sůdostliche Begránzung dieses Schieferterrains 


(dy) bilden die schroffen und hohen waldigen Berge 
der Třemošnaconelomerate, vom Wusse des Zďár an- 
- gefangen, zum Fusse des Trhoň bei Holoubkau und 
seines ostlichen Ausláufers, des Spaleniště und Pískový 
vrch zwischen Medo-Újezd und Chesnovic. (Fig. 12.) 


Im westlichen Theile des Terrains nordlich von 
L der Aerarialstrasse zwischen Rokycan und Mauth ent- 
- wickeln sich aber in demselben mit nordostlichem Strei- 
chen drei ansehnliche, parallele, waldige Bergzůge, 
- námlich der Vydřiduch (540 M.), der Chlum (560 
Mt.) und der Radeč oder Rač (715 Mt.) mit seinen 
© Ausláufern, welche dieser Gegend einen gebirgigen Cha- 
rakter verleihen. (Fig. 19.) 

Den Kern dieser Berge bildet Porfyr, und. zwar 
| jenes sůdwestlichsten Ausláufers des máchtigen Porfyr- 
| zuges, der im Gebiete der azoischen Schiefer von Půrg- 
| litz durch die Zbirover Wálder bis hieher sich erstreckt, 

und hier durch seine Contactverháltnisse mit der Zone 
| d, und d, als ein Eruptivgebilde sich erweist, dessen 
Bildung in die Zeit nach der Ablagerung dieser Schichten- 
| zonen fállt. Denn es werden hier nicht blos die Schichten- 
zonen der Abtheilung d, in einzelne manniefach zer- 
| sprenste und gehobene, parallel zu den Bergzůgen ver- 
| laufende Streifen zertheilt, sondern es erscheinen auch 
| die guarzitischen Schichten d,, von denen die Zone d, 
© bedeckt ist, in einzelnen Schollen und Parthieen, hoch 
oben auf den Kuppen der Berge. 


BIT 
'nonoz oyosunjg p dop 'oyuvgaeiomojsuog © aÁydro4 Z 


Auch hier sind alle drei Schichtenzonen der Gruppe 
-dd entwickelt. 


Die tiefste im ostlichen Theil des Gebietes auf 
« Třemošnaconelomeraten und im westlichen und nórd- 
"lichen Theile auf azoischem Schiefergesteine und auf 
Í Kieselschiefern ruhende Grauwackerzone d,e tritt nur 
(in einzelnen Parthien zu Tage; ihre allgemeine Ver- 
breitung als Basis der eisensteinfihrenden Schichten ist 
, aber durch Bergbau erwiesen. Man sieht sie auf Třemošnaconglomeraten ruhend bei 
( Med. Ujezd und Chesnovic, und auf azoischem Schiefergesteine namentlich am 
| Nordrande des Silurbeckens vom Fusse des Račberges bei Těžkov angefangen úber 
„Širé zum Hůgel Kvásek (502 M.) sůdlich von Zbirov und am Třenicer Bere 
+ (900 M.) bei Cerhovic, wo diese Sandstein-Grauwacken und Conglomerate in statken 
„mehr oder weniger steil gehobenen Schichtenbánken kammartig zu Tage anstehen 
'und durch Steinbrůche aufgeschlossen sind. (Fig. 14.) 
Eisensteinlager und die sie begleitenden Diabasgebilde und Schiefer der Zone 
"d,B kommen am Fusse des Žďar bei Hůrky vor, dann bei Mauth, wo bei der 
(isolirt stehenden Stephanskirche Grůnsteine und am nahen Teiche dunkle Eisen- 


D2 


oxydulsilikatlager zu Tage treten. Eben so erscheinen Grůnsteine und. oolithische 
Eisensteine bei Chesnovic. Ein Lager von rothen Eisensteinen ist in der Zeche 
Ouzký bei Holoubkau durch Bergbau aufgeschlossen, und áhnliche Erzlager wieder- 
holen sich an den Bergzůgen, welche das Terrain zwischen Holoubkau und Radnic 
bilden und von dem hohen Bergrůcken Rač beherrscht werden. 

Ein bis 4 Meter máchtiges in der Richtung von West nach Ost weit anhal- 
tendes Eisensteinlager ist am nordlichen Abfall des Račberges aufgeschlossen. © Es 
ist schwarzes Eisenoxydulsilikat, und geht gegen das Ausgehende in Limonit úber. 
Das Hangende bilden Schiefer der Zone d;y und weiter hinauf Auarzite der Etage 
d,. Im Liegenden sind die beiden Schichtenzonen d,B und d;,«, die auch sonst 
an anderen Stellen des Gebirges durch Ausbisse angedeutet sind, durch Bergbau 
nachgewiesen, und hnliche Verháltnisse walten auch an den anderen hiesigen 
Bergrůcken, deren Kern, wie schon frůher erwáhnt wurde, aus Porphyr besteht. 
Namentlich sind Eisensteinlager in der westlichen Fortsetzung des Rač verbreitet, 
so ober Přivětic, bei Glashůtten und bei Březina, im Berge Hradišt, dann im Berge 
Plechač, sowie auch in dem nordlich von Rač am ussersten Rande des Silures 
aufsteigenden Berge Bílá Skála (597 M.) und Bechlov bei Sebečic, wo auf 
Porphyrunterlage und von Auarzit der Etage d, bedeckt alle drei Schichtenzonen 
« By auftreten, von denen die Zone d,B abbauwůrdige Rotheisensteinlager und Li- 
monite fůhrt. (Siehe Fig. 12.) 

Die sonst zu Tage tretenden, die Berglehnen und Tháler und die flache Ge- 
gend zwischen Mauth und Volešna bedeckenden Gesteine gehóren insgesammt der. 
Schieferzone d,y an, in welcher hier an einigen Punkten, so unter der Adalberti- 
kapelle bei Mauth, dann in den Feldern bei Siré und Volešna zahlreiche Knollen. 
und Kugeln mit Petrefakten vorkommen. Im Walde bei Holoubkau ist eine ganz 
kleine Mulde mit Kohlensandstein, deren Basis Schiefersteine mit Kohlenschmitzen 
bilden, abgelagert. Sonst bedeckt Ackerboden den Schiefergrund, und man kamn 
ihn von Mauth úber Kařez und Borek sůdlich von Zbirov bis Točník verfolgen und 
man bemerkt hiebei, dass die Grauwackenzone (d,e) sammt dem sie begleitenden 
Eisenerzzuge (d,B) ústlich von Třenic am Fusse des hoheren azoischen Schiefer- 
berges Obiš unter den Schiefern dieser Zone d,y und unter Gebiresschutt und ver- 
wittertem Erdreiche sich verbiret und erst bei Točník wieder deutlich zu Tage tritt. 


NW SO 


Kvásek. Borek. Kařízek. Hřebeny. |vina, Žaječov. Kváň. 
Pí 


B Azoische Schiefer. L Lydit. P Porphyr. S Conglomeratbánke d,eGy, d, Silurische Zonen. 
n Alluvium.. 


Fig. 14. 


9. Die óstliche Begránzung dieses flachen Schieferterrains bildet bei Kařez 
ein waldiger aus Ouarziten der Etage d, bestehender Růcken, dessen scharf abge- 


33 


"sehnittener Rand ober Volešna den Namen Hřebeny (564M.) fůhrt und der schon 
Vzu dem zusammenhůngenden (uarzitzuge gehěrt, der den Rand des mittleren 
"Theiles unseres Silberbeckens andeutet. (Fig. 14.) 

V Durch eine antiklinale Hebung ist diese Auarzitdecke óstlich von Kařez zer- 
sprenet und es kommen in der hiedurch entstandenen Bruchlinie diabasische Ge- 
| mit Rotheisensteinlagern zum Vorschein, die bei Kařizek am Kařezberg 
«(561 M.) abgebaut werden. 

| Eine zweite orographisch noch deutlichere antiklinale Schichtenfaltung ent- 
i 


wickelt sich im ostlichen Theile des besprochenen Schiefer- 
Hterrains (d;y). Sie folet von Chesnovic úber Volešná und 
tIvina gegen Neřežín einem nordostlichen Streichen, und 
«bildet einen Berezug, der parallel zu dem aus Třemošna- 
/conglomeraten bestehenden Bergzug des Beran und Be- 
'ranec bei Kvaň sich erstreckt und eine antiklinale Mulde 
der Schichtenabtheilung d, mit allen ihren drei Zonen «By 
Meinschliesst, die zu oberst in der Mitte der Mulde von 
«Auarziten der Etage d, bedeckt wird. (Fig. 15.) 

| Diese Mulde greift bei Strašic in das Lángsthal 
ein, durch welches der frůher erwáhnte vierte und fůnfte 
Berezug der Třemošnaconelomerate von einander getrennt 
„wird. Man bemerkt die antiklinale Hebung der Schichten- 
a oilung d, zuerst deutlich an der Strasse zwischen 
o und Strašic am Hůgel Milina (563 M.) bei Ches- 


(movic, und trifft daselbst sowohl die sandsteinartigen 
EGrauwacken und Conglomerate, als auch rothe, kieselige 
"Schiefer der Zone d,e und ein eisensteinfihrendes Lager 
(an, in dem durch Tagbau Eisenerz gewonnen wird, 
jwáhrend die Grauwacken durch Šteinbrůche aufeeschlos- 
j'sen sind. 

: In der nordostlichen Fortsetzung der antiklinalen 
|Hebung erhebt sich dann der ansehnliche, theilweise be- 
fwaldete Berg [vina (609 M.) ober dem Dorfe gleichen 
|Namens, von dessen Gipfel eine vorzůsliche Úbersicht 
des hiesigen Silurterrains sich darbietet. Der Kern des 
|Berges besteht aus Porfyr, die něrdlichen und sůdlichen 


MN 


PNS 


"G1 3 


EU“ dod 


C3 
| Abhánge desselben bestehen aber aus steil mit entgegen- - 
(cesetzter Steigung gehobenen rothen guarzigen Schiefern, = < 
jan die sich zu beiden Seiten des Berges diabasische s S 
| Gesteine und Erzlager anschmiegen, die namentlich an Ň » F 
Ider Sůdseite des Berges bei Zaječov durch Bergbau ce 
(aufgeschlossen sind. : 


Zwei Ouertháler, námlich das des St. Benigna- 
baches und das des rothen Baches unterbrechen die 
Fortsetzune des antiklinal gebauten Bergzuges. Zwischen 
Idiesen Thálern erhebt sich der Berg Hlava (542 M.), 
Inmd auf den Gipfel desselben zieht sich von der Mitte 


OS 


a4 


der St. Benignamulde der Ouarzit der Etage d, hinauf, der die Schiefer d,y und 
die eisensteinfůhrende Zone d,B bedeckend sich von da aus auf die Berge ober- 
halb Komorau und Mrtník ausbreitet und mittelst des Giftberges (Jedová hora 
D30 M.) schon mit den Auarziten des innersilurischen 
Beckens zusammenhánet. Diabasgebilde und Eisenstein- 
fůhrende Schiefer deuten in den Thaleinschnitten und 
in den Schluchten unter der mannigfach zersprengten 
Auarzitdecke die Verbreitung und die Lagerung der 
= Schichtenabtheilung d, an. 
: a Auf der Nordseite des Auarzitstreifens (d,) ver- 
R folot man die eisensteinfiihrenden Tuffe und Grůnsteine 
mit eingelagerten Eisenerzen (d,B) und aufgelagerten 
Schiefern (d;y) von den Dórfern Kleštěnic und Ivina úber 
= Komorau, bis diese Gebilde an der sůdlichen Thallehne 
5 des rothen Baches bei Vosek unter einer Auarzitdecke 
o (d,) sich verbergen. (Fig. 16.) 
An der Sůdseite des Auarzitstreifens und angelehnt 
2: © an die Třemošnaconglomerate des Beranberezuges be- 
= merkt man den óstlichen Saum der Schichtenabtheilung 
d, schon im Thale bei Strašic, wo die Grůnsteine in 
; kleinen Hůgeln anstehen und man verfolet die Eisen- 
5 = erzzone von da in nordostlicher Richtung ůúber Těny, 
8 


o) 


| 
| 
0 


ová Hora.Neřezín. Beranec. 


Hvozd gc. Čihadlo,led 
i f : 
V, E 
su UT R jů 


Gift-Bero 


Hm 1 
TTL 
Oo oo 


= Kváň (St. Benigna), Kozojed, Neřežín guer ůúber das 
' ň Thal des rothen Baches bis zum sůdlichen Abhange des 
von Auarziten (d,) bedeckten Giftberges, und von da 
weiter nordostlich in einem engen Štreifen zwischen. 


N steil gehobenen Auarziten (d,) einerseits und Třemošna- 
4 


Komorau 


SŘ 
Fig. 16 


M = conelomeraten und Jinecer Schiefern (C) anderseits durch. 
| die Podluher Wálder zum Berge Ostrý (581 M.), der 
| oberhalb Felbabka als eine markante Hóhe diesen Zu“ 

4! = abschliesst, indem vom Nordfusse dieses Berges bel 
l ZDE Rpety die weitere Fortsetzung der Auarzite und der. 
Eisenstein fůhrenden Zone von Grauwackenschiefern der 
| Abtheilung d, bedeckt wird. (Fig. 17, S. 35.) Die Eisen- 


Záluží 


steinlager sind in diesem Zuge an vielen Orten auf- 
geschlossen, so namentlich bei Kváň, Neřežín, am Gift- 
berge und am Ostrý, und man kann die in allgemeinen 
m Umrissen anfanes geschilderten Verháltnisse dieser Zone 


= 


= M in den verschiedensten Variationen hier studiren. 80 
<- liegt in den Grubenbauen bei Kváň von unten nach oben 


k eine Bank braunrother mandelsteinartiger Diabastufie 

= bis 3 M. michtie, darůber eine Lage dichten Rotheisen- 
Z steines, dann bis 60 M. měchtig Tuffe und Schiefer, 
worauf eine zweite 3 M. máchtice Bank linsenfórmigen 
Rotheisensteines folgt, die weiter von 30 M. Diabas- 
mandelstein bedeckt ist. Darauf folet ein drittes etwa 


úl 


| 35 
-1 M. starkes Rotheisensteinlager und endlich bedeutend 
| máchtige Schiefer mit zahlreichen schónen Abdrůcken = 
(d,y), die ein Lager von Limonit enthalten. Am Giftberg © 
"Jieot im Diabastuff ein 2 M. máchtiges Rotheisenstein- a 
-lager; úber den Tuffen folgt dann ein Lager dunkler ooli- - M l o 
„tischer Sililikateisenerze und endlich Schiefer (d,y) und ž = M 
| Auarzite. In palaeontologischer Hinsicht sind am inter „C < 
'essantesten die Schiefer d,y, die durch einen Stolen bei č 25 * 9 
| Kozojed ehedem aufgeschlossen waren und die schón- = kaz“ = 
-sten Petrefakten dieser Zone lieferten. Auf den anti- 2 
(klinal gehobenen Schiefern der Primordialfauna '(0), die =. Zák 
(zwischen Jinec und Felbabka zu Tage treten, sind zwei B (E = 
gróssere Schollen der Schichtenabtheilung d, úbrig ge- pit 20 WE 
blieben, offenbar als eine Andeutung, dass auch das É p) i 
-nun denudirte Jinecer Schieferterrain ursprůnglich von U A> a 
"den Schichten dieser Abtheilung bedeckt war. 8. ( (l i 
© Die sůdliche Scholle bildet den Hůgel Vystrkov s. NO 
(535 M.) zwischen Velcí und Ohrazenic, die něrdliche ESKÉ Ů SY 
die Felsengruppen im Walde Koberov (516 M)bei  * E R. 2 
Křešín. (Siehe Fig. 7.) Beide Schollen zusammen bilden m eo de = 
die Úberreste einer synklinalen Mulde, in deren Mitte S 2 Di PM = 
das Thal des Ohrazenicerbaches bis in die untergelagerten A ře ja S 
Jinecer Schiefer ausgewachsen ist, von wo die Schichten = a— / = 
(der Abtheilung d, beiderseits auf die erwáhnten Hóhen- Š (1 
punkte sich ziehen, und zwar so, dass die Basis der- Sa l — 
selben guarzige Grauwacken und Conglomerate (d;c) 3 3 N Sv E: 
einnehmen, und bis auf die Scheitel der Kuppe Vystrkov 5 R 
"und des Koberovwaldes sich hinaufziehen, wáhrend an 2 Z- 
den Berglehnen bei Ohrazenice und Křešín Diabase und = R a © 
Tuffe mit eingelagerten Rotheisensandsteinen (d,8) und = Í 
Schiefern (d;y) anstehen, in denen die Eisensteinlager a m 
"durch Berebau aufeeschlossen sind. -D 

5. Die guarzitische Decke (d,), welche den Gipfel os 
(des Berses Ostrý bei Felbabka bildet, erscheint auch - 
an der rechten Seite des Litavkathales, welches hier -= 
„von Sůd nach Nord den ganzen Schichtencomplex als = 


-eine tiefe Terrainfurche durchsetzt. Sie bildet hier den 
„Kamm des ansehnlichen Berges Plešivec (636 M.) 


Lhotka. Plešivec. 


3* 


26 


Lhotka. 


Hostomice. 


Radouš. 


NW Loch ovíce. 


ZAVORSk A D ADAa 


NW 


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Die anderen Zeichen wie frůher. 


P « Ž Porphyr und Granit. 


Di Diabas. 


Fig. 19. 


der die rechte Thalseite zwischen Lhotka und Jinec 
einnimmt. (Fig. 18.) An den steilen Gehángen dieses 
Berges bei Rejkovic und Jinec treten von unten gegen 
oben alle Schichtenzonen von den Schiefern der Primor- 
dialfauna (C) bis zu den Auarziten (d,) deutlich zu 
Tage. Zu unterst bemerkt man die Jinecer Schiefer 
mit grossen Paradoxiden, in flach wellenfórmiger Ab- 
lagerung und mit óstlicher Verfláchung; darůber liegen 
die Conglomerate und groben guarzigen Grauwacken 
(d;,e), dann folgen tuffartige Gebilde und Grůnsteine 
mit Eisenerzlagern (d,B) und Schiefern (d,y) und. endlich 
náher am Gipfel Ouarzite im schroffen Felsen, deren 
Wánde: senkrecht zur Schichtung und parallel zur Thal- 
richtung verlaufen. 

Die Einsattlung, úber welche die Strasse von Jinec 
nach Hostomic fůhrt, ist durch die Auarzite (d,) hin- 
durch bis auf die eisensteinfůhrende Zone (d,) ein- 
oceschnitten und man kann von hier aus diese Zone 
dann auf den Berg Komorsko verfolgen, wo in derselbe 
die Erzlager durch Bergbau aufgeschlossen sind. Die 
sůdlichere Kuppe dieses Berges, da wo das Forsthaus 
Komorsko (614 M.) steht, ist aus Třemošnaconglo- 
meraten zusammengesetzt, welchen sich wahrscheinlich 
unter dem Gebiresschutte die Jinecer Schiefer (0) am- 
schliessen, da sie sowohl am Fusse dieses Berges bei 
Čenkov anstehen, als auch in der norděostlichen Fort- 
setzune dieses Ausbisses bei der Můhle Zator (S. von 
Hostomic) angetroffen werden. (Fig. 19.) Die nordliche 
hohere Kuppe, Písek genannt (688 M.), die sich steil 
iiber Čenkov erhebt und nordwárts gegen Běhčín all- 
máhlicher abfállt, besteht aber schon aus Auarziten der 
Abtheilune dj, die offenbar die Fortsetzung einer eli- 
ptisch geformten Schichtenmulde bildet, deren Gegen- 
fůgel der Kamm des Plešivec ist. 

Zwischen beiden Kuppen, námlich zwischen dem 
Písek und den Komorskoberg zieht sich die eisenstein- 
fůhrende Zone, áusserlich nur auf einen engen Streifen 


SO 


Želkovice. HousinyHlazovice.  Vosov. M. Chlumec. Hradec. © Kazatelna. Dobříš. 


(Zi kov.) 


M | | M 


Ji 


== 


VÍ VÍN 
PŘ NIKNÍ M 


D; 


e, e, Obersilurische Schichten. M Minettporphyr. Di Diorit. Die anderen Zeichen wie frůher. 


Fig. 20. 


ju 
| | 87 
| 
i 


„beschránkt und man“kann sie von da lings des Kammes (Hřebeny) des Brdawaldes, 
(der nordostlich streicht, bis Mníšek verfolgen, wobei an der něrdlichen Seite der 
Ischrofte und hóhere Auarzitkamm und an der sůdlichen Seite die Conelomerate 
'und guarzigen Grauwacken des Třemošnagebirges in abgerundeten Bergformen diese 
(Zone begleiten. (Fig. 20.) 


N Strážný 9 


| 
| 


Durch Bergbau sind die Eisensteinlager an einigen Punkten aufgeschlossen, 
bo auf dem Berge Baba (659 M.) im Hyeronimus-Schacht, am Brdaberg (608 M.) 
im Josefsschachte, namentlich aber in dem Josefi- und Theresienschachte unter 
dem Skalkaberg (549 M.) bei Mníšek. In allen diesen Bergbauen ist das Vor- 
handensein aller drei Schichtenzonen («By) der Abtheilung d, nachgewiesen. Am 
Hradec (023 M.) an der Strasse von Vosov nach Dobříš ist nebstem der grobe 
Sandstein der Zone d,e durch einen Steinbruch, wo Schotter gewonnen wird, auf- 
'geschlossen, und auch mitten zwischen den GAuarziten treten an einer Bruchlinie 
desselben an der Strasse von Řevnic nach Mníšek Grůnsteine und Tuffe auf, als 
Beweis, dass die eisensteinfiihrende Zone d, hier ůberall die Basis der Ouarzite 
(d,) bildet. (Fig. 21.) 

In der Baba folgen ber feinkornicen Grauwacken (d,e) und hornsteinartigen 
Schiefern rothe, grůne, gelbe oder úberhaupt bunt gebánderte kalkháltige Tuffe 
im einer Máchtigkeit von 19 M., hierauf ein Lager von Rotheisenstein mit 33 M., 
und endlich Schiefer (d,y) mit 47 M., in denen ein Lager von gelbbraunem Limonit 
18 M. máchtig, eingeschaltet ist. Den Schluss bilden die Auarzite (d;). Bei Mníšek 
fehlen Grůnsteine und Tuffe; ein Erzlager von oolithischem Rotheisenstein (d,$), 
12—15 M. máchtie, ruht unmittelbar auf grůnlicher oder grauer Grauwacke (d,e) 
und darůber folgt dunkler Thonschiefer (d,y) mit Graptolithen mit einem 1—1', M. 
starken Brauneisensteinlager, und auf diesen dann allsogleich Guarzit (d,) mit 
welligen oder knolligen Fláchen. 


Von Mníšek nordostwárts verráth sich diese Zone nur durch rothe kieselige 
Schiefer, die unter den Ouarziten des Bergkammes gegen Černolic streichen, und 
unmittelbar auf azoischem Schiefergestein aufgelagert sind. In der Schlucht zwischen 
Černolic und Všenor, welche den Gebireszug guer durchbricht, stehen weichere 
Schiefer (d,y) in einer engen Zone unmittelbar unter den GAuarziten an, verlieren 
sich aber allmáhlich in der Waldstrecke Kopanina (409 M.) bei Jilovišť, indem 
daselbst gegen Baně zu máchtige, im azoischen Schiefer neben Kieselschiefer máchtie 
eingelagerte Porphyrmassen auftreten, an welche sich der steil gehobene, ja theil- 
weise úberkůppte Auarzit (d,) unmittelbar anschliesst. (Fig. 22.) 


38 


SO 


AW. 


4 (PLZ Zb vf 
ds Dada. dada BřP: B-P:B 
E e, e, Oberes Silur. Die anderen Zeichen wie frůher. 


Fig. 22. 


Vor Kónigsaal bei dem Dorfe Záběhlic verlieren sich an der Gránze zwischen 
der Etage B und den azoischen Schiefern auch die Auarzite (d,) und es fallen 
hier lángs einer Dislocationslinie, die von Záběhlic guer iiber die Moldau zum 
Fusse des Hradišť (389 M.) und Čihadloberges (383 M.) bei Závist, úber 
Komořan in die Schlucht bei Modřan verláuft, die Grauwackenschiefer (d;) unmittelbar 
unter die azoischen, von Porphyr durchbrochenen Schiefern ein. (Fig. 23.) Erst in der 


NW SO 


B Azoische Schiefer. P Porphyr. d, Grauwachenschiefer. 
Fig. 23. 


Schlucht: bei Modřan, in deren Hintergrunde eine máchtige Conglomeratbank in den 
azoischen Schiefern ansteht, treten tuffartige Gesteine mit Lingula, und dariůber 
Schiefer mit kugligen Concretionen und háufigen Petrefakten der Zone d,y in dis- 
cordanter Lagerung auf azoischen Schiefern deutlich zu Tage. Man kann diese Zone 
von da in einem Štreifen zwischen Libuš und Neuhof bis zum Kunraticer Haine 
verfolgen, wo wieder GAuarzite (d,) in deutlicher Auflagerung auf den Schiefern 
(d,y) anstehen. 


Die Zone dieser Schiefer, von Tuffen unterteuft, zieht sich dann immer mit 
nordóstlichem Štreichen als ein nicht breiter Streifen zwischen den hie und da 
auftauchenden Auarziten (d,) und den azoischen Schiefern bei Litochleb vorůber m 
das Thal des Botičbaches zwischen Hostivař und Petrovic, wo man Sie in einer 
synklinalen Mulde (Fig. 24.) zu Tage anstehen sieht, und dann in den flachen, 


Měcholupy. Březová.Mou kův Mlýn, 
Kde Bolič. 


SL LAN ; m 7? V 
d 4 da da dida d3 da di 
K Kreideformation. Die anderen Zeichen wie frůher. 
Fig. 24. 


Grósstentheils von Schutt und Sand der Kreideformation bedeckten Terrain gegen 
den Teich zwischen dem Meierhofe Pnětluk und der Podleser Můhle (Fig. 25). 


lh | 


39 


- und weiter durch den Thiergarten bei Koloděj und bei Šibřin an den Auarzithůgel na 
© Skalce (209 M.) vorbei in den Fiederholzwald bei Ouval, wo wieder zahlreiche 


NW SO 


Dubeček. n 


( 
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i 
= Z z ZL R 
> P VSV 5 
| | 
da mím da dz Jda dla 


n Diluviallehm. B Azoische Schiefer. Die anderen Zeichen wie frůher. 


Fig. 25. 


kugelartige Knollen mit Petrefakten an der M im Feld und Waldboden 
zerstreut erscheinen. 

Bei Ouval selbst schliessen sich an diese Schiefer máchtige Tuffgebilde an, 
die ein unregelmássiges Eisensteinlager von dunklen Silikaterzen enthalten, das 
durch Bergbau aufgeschlossen wurde, und den Schluss bilden Diabasen und Tuffe, 


welche von steil gehobenen GAuarziten (d,) begleitet bei Tlustovous den Hůgel na 


Babách (265 M.) zusammensetzen und sich endlich weiter ostwárts unter den 
aufeelagerten Auadersandsteinen der Kreideformation unweit von Břežan verbergen. 

6) Am nordlichen Saume des Silurbeckens bildet die Fortsetzung der eisen- 
steinfihrenden Zone d, mit einer kurzen Unterbrechune zwischen Drozdov und 
Točník (indem hier Boralehuth und Ackererde diese Zone bedeckt) den felsigen 
Kamm, auf dem die Bergruinen Žebrák und Točník (450 M.) stehen. (Fig. 26.) 


N 


Točník. Žebrák 


| RERA T LN M Ň RLC SDV 
Ř R aĎ i T dz do id 4 
Fig. 26. 


Dieser Kamm besteht aus steil gegen NW gehobenen Conglomeratschichten 
(d,«), die nordostwárts streichen und discordant auf azoischen Schiefern aufgelagert 
sind. An den Thalgehángen zwischen Točník und Žebrák folgen auf diese Conelo- 
merate roth gefárbte kieselige Schiefer und in einigen durch Verwerfungen be- 
wirkten  Wiederholungen, Grinsteinstuffe und schwarze Šchiefer mit unreinen 
Eisensteinen abwechselnd (d,B) und dann bis zu den Auarziten der Kraví horka 
(400 M.) die Schiefer der Zone d,y. Die Conglomerate von Točník streichen 
in dem Schlossberge gegen Hředl fort und erscheinen noch am Fusse des aus 
azoischen Schiefern bestehenden Mrskyberges (459 M.), keilen sich aber bald 
aus. Die Fortsetzung der Zone d, ist von Hředl bis Hyskov an der Beraun durch 
einen zwischen den Kieselschieferklippen des azoischen Terrains (an der Vraní 
skála, bei Svatá und Hudlic) und zwischen die Auarzitkámme des sogenannten 


40 


kleinen Brda eingeschlossenen Gesteinszug  angedeutet, in welchem bedeutend 
máchtige nnd sehr mannigfache und durch bunte Fárbune auffallende Tuffe und 
Diabase erscheinen, stellenweise mit Eisenerzlagern, die durch Bergbau aufge- 
schlossen sind. In der Náhe des Beraunflusses unter Zlejčína zeigen sich im Lie- 
cenden der Tuffe schwache Grauwackensandsteinbánke, die dann náher an der Beraun 
durch rothe kieselige Schiefer mit Lingula und Obolus vertreten werden. Im Han- 
cenden der Tuffe und Eisensteine unmittelbar unter den Auarziten, sind hier úberall 
Schiefer (d,y) verbreitet, so namentlich bei Hředl, zwischen Svata und Černín und 
bei Dybří, von welchem Orte angefangen gegen Zlejčina ein nicht unbedeutendes 
Lager von grauem Eisenerz eingeschlossen ist. Eine láneliche Mulde von Kohlen- 
Ssandstein und Kohlenflótzen, die ober Dybří am Lejsekberge (482 M.) beginnt 
und úber Zlejčina gegen ŠStradenic an der Beraun sich herabzieht, bedeckt einen 
Theil der eisensteinfihrenden Zone gerade an ihrer Begránzung mit den azoischen 
Schiefern. (Fig. 27.) 


NW SO 


Hradište. 


B Az. Schiefer. L Lydit, d;y—d, Silurische Schichten. K. u. Steinkohlenformation. 
Fips 027) 


Bei Stradonic und Hyskov setzt der eisensteinfůhrende Diabaszug úber den 
Beraunfluss und bildet, theilweise von der Fortsetzung des Stradonicer Kohlensand- 
steines bedeckt, den westlichen Fuss des Plešivecberges; er erstreckt sich dann 
weiter im nordostlichen Streichen lángs des azoischen Schiefergesteins auf den Růcken 
der Kamenina und Hůrka (455 M.) ober Chyňava, von wo an gegen Libečov 
an der Basis des Diabaszuges Grauwacken und Conglomerate sich ansetzen, wáhrend 
die Hangendschichten aus Schiefern (d;,y) bestehen und weiter hinauf von Auarziten der 
Etage d, bedeckt werden. (Fig. 28.) Die den Diabasen eingefůgten Lager von Rotheisen- 


NW SO 


Chyňava. Kamenina. Malé Přílepy. Vraž. 


NN i ( 
4 ds ere2 
B. Az. Schiefer. d,—d;, Untersilur. e, e, Obersilur. K. u. Steinkohlenformation. 


Fig. 28. 


steinen sind an einigen Punkten durch Bergbau aufeeschlossen, so im Růcken 
Jakubinka ober Hýskov, im Walde Chrbina und unterhalb Podkozí, namentlich aber 
im óstlichen Theil der Thalgehánge des Kačicer Baches bei Švarov und Ptic. 

Den weiteren Verlauf der eisensteinfihrenden Zone bedeckt čstlich von Svarov 
und Ptic eine ausgedehnte Decke horizontal abgelagerter Schichten der Kreide- 
formation, námlich von Auadersandsteinen und Plánern, und erst bei Hostivic und 


41 


© dann bei Vokovic unweit Prag am Beginne des Šarkathales tritt unter dem čstlichen 
© Rande der Kreideformation diese Zone wieder zum Vorschein. Sie begleitet die 
Kieselschieferklippender Šárka und zieht sich bei der Jeneralka vorbei gegen die 
| Kirche St. Mathiasund nach Podbaba. (Fig. 29.) Das Liegende bilden theilweise brec- 


Jenerálka. Dejvice.Střešovice. lejnky. Bílá řlora. Košíře, Cibulka. Vidovle. 


MZ AR a SS LP ARR S NS 
“ 
B PB 4, p Ry da/dě du NE se d 4 
B Az. Schiefer. P Porphyr. d,—d, Silurische Schichten. K Kreideformation. 


Fig. 29. 


cienartige Gesteine aus Bruchstůcken von Porphyr und harten Schiefern bestehend 
und mit felsitischer Masse verkittet. Darůber treten Tuffe, Mandelsteine und Diabase 
auf mit kleineren Eisensteinlagern und dann folgt in bedeutender Máchtigkeit der 
Schiefer mit den Petrefakten fůhrenden Knollen, die namentlich bei der Jeneralka 
háufie sind. 

Felsitporphyr durchbricht diese Zone in dem rothen Berge zwischen Dejvic 
und der Jeneralka. 

Der Felsenhůgel bei dem Bahnhof in Bubenč gehórt noch zum Bereiche der 
Schiefer d,y, wáhrend kleine Felsgruppen bei Dejvic (Ořechovka) und ehedem ein 
Steinbruch im Baumgarten die Linie der aufgelagerten Auarzite (d,) andeuten. 
Diese Schiefer setzen guer úber die Moldau nach Troja und bilden die malerisch 
schroffen Thalgehánge unter der Besitzung Zámeček; weiter óstlich bei der Bulovka 
zwischen Troja und Lieben sind sie von steil gehobenen lichten Auarziten (d,) be- 


- deckt (Fig. 30), die man schon von Prag aus sieht. Das Liegende der hier ziemlich 


Ládví. Kobylisy. Bulovka. n Moldauthal. 
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a 30. 


- máchtigen Schiefer (d,y) bilden am Abhange des hóheren azoischen Bergzuges, dessen 
- Kieselschieferklippen (Velká Skála 311 M., Tenetiště 329 M., Ladví 356 M.) die 
© Umgebungen von Prag beherrschen, Grůnsteine und Tuffe, in denen bei Troja ein 


Lager von rothen Eisenerzen (d,B) durch einen Schurf aufgeschlossen wurde, so 
wie zu unterst rothbraune kieselige Schiefer mit Spuren von Brachiopoden (d,«) 

Dieser Zug der Schichtenabtheilung d, und der Auarzite d, verbirgt sich 
abermals bei der „verlorenen Schildwache“ unweit Kobylis unter den Guadersand- 
steinen und Plánern des Prosiker Plateaus, taucht aber aus der Ackererde oder 
in den seichten Thálchen lánes der Reihe der Kieselschieferkuppen wieder auf, 


42 


welche vom Ladví bei Dablic gegen Brandeis an der Elbe sich hinziehen. So sieht 
man auf dem Hůgel „na zabitém“ (261 M.) unweit Myškovic dunkle rothe Tuff- 
schiefer in steiler Aufrichtung neben dem Kieselschiefer (Fig. 31)“ bei Ctěnic und 


NW Útěnice. Satalice. Chvala. Dol. Počernice. "© 
n 6 o: ! 
n i LUTUULEŽZZU 
mA ODD 
„AB dž dz" da 


K Kreideformation. 


Fig. 31. 


Přezletic treten unter dem Auadersandstein Schiefer mitžConcretionen (d;y) zu Tage 
und begleiten den Zug der Auarzite (d,), die zwischen Vinoř und Podolanka gegen 
Brandeis hie und da zu Tage anstehen. Unter der Kieselschieferklippe Kuchyňka 
(241 M.) westlich von Popovic bemerkt man guarzige, antiklinal gelagerte Conglo- 
meratschichten; im Thálchen bei Popovic und Dřevčic Schiefer (d,y) mit Auarzit 
(d,) bedeckt in starken Faltungen und antiklinalen Stellungen, nud den Schluss 
dieser Schiefer und Auarzitschichten bildet endlich der aus Auadersandstein auf- 
tauchende Felsen, auf dem das Schloss Brandeis unmittelbar an der Elbe sich 
erhebt. 


Die Gránzlinie zwischen dem azoischen Schiefer und der eisensteinfůhrenden 
Zone, die discordant denselben aufgelagert ist, zieht sich also zwischen der Moldau 
und Elbe unter der Decke des Auaders und Pláners in nordostlicher Richtung vom 
Kobylis nach Brandeis, wo sie an einem Senkunesfelde der Kreideformation plótzlich 
abbricht. Die Breite des silurischen Beckens betrágt hier an seinem nordostlichen 
von der Kreideformation begránzten Ende zwischen Brandeis und Ouval 12 Kilo- 
meter oder drei Wegstunden. 


T. Eines der interessantesten Vorkommnisse der eisenfůhrenden Zone d, ist 
das, welches im nordlichen Flůgel des Silberbeckens im Bereiche der Schichten- 
abtheilung d, zu Tage tritt und zwar lánes eines grossartigen Schichtenbruches, 
der sich aus der Gegend von Beraun bis ber Prag verfolgen lásst. Der Anfang 
der Bruchlinie wird schon zwischen den Auarzitkámmen der kleinen Brda unweit 
Beraun bemerkbar, indem hier zwischen denselben von Dybří unterhalb Hudlic 
angefangen ein Streifen von Schiefern der Zone d,y zu Tage tritt, der gegen Alt- 
hůtten in der Beraun streicht. (Siehe Fig. 27.) 


- Unterhalb dieses Ortes zieht sich dieser Schieferstreifen am sůdlichen Fusse 
des Plešivec gegen Klein-Přilep, wo eine kleine Steinkohlenmulde zwischen dem 
beiden Auarzitzonen eingelagert ist, und ist namentlich am nordlichen Gehánge des 
Ouarzitkammes bemerkbar, der sich lánes eines kleinen Thales von Klein-Přilep 
gegen den Kačicer Bach zieht, indem hier zahlreiche kugelartige Knolien mit Petre- 
fakten der Zone djy vorkommen und im Liegenden dieser Schiefer auch Grůnsteine 
(d,B) auftreten. (Siehe Fig. 28.) 


43 


Die Auarzitkámme, die im kleinen Brda bei Beraun noch nahe an einander © 
parallel gegen Nordost verlaufen, treten hier vom Plešivec angefangen immer weiter 
- auseinander, und es lagern sich zwischen beiden nicht blos die Schichten der Zone 
d,y, sondern auch die Grauwackenschiefer d; und d, ab. Der něrdliche Zug der 
Ouarzite (d,), den usseren Schichtensaum der Abtheilung bedeckend, zieht sich 
auf den Růcken Kamenina und Chrbina ober Chyňava; der sůdliche Zug setzt vom 
Plešivec úber den Ricken Březová bis zum Kačicer Bache bei Chrustenic fort. 


(Fig. 32.) 


NW SO 


. 
| Karabinský vrch. Nenačovice. — Blýskava. (hrustenice. Loděnice. Kolo. 
„ Podkozi Mlýn. 


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d4 E pda da) d4 0 d4 ds PET ENÁ 
-da 


B Az. Schiefer. d, —d; Untersilur. e, e, Obersilur. Di Diabas. 
Fig. 32. 


! Zwischen beiden GAuarzitzůgen zieht sich die Bruchlinie vom Plešivec úber 
| Klein-Přílep gegen Nenačovic in das GAuerthal des Kačicer Baches 'und zwar So, 
-dass die Schichtenzonen d;, d;y sůdlich von dieser Bruchlinie aus der Tiefe ge- 
hobenen sind, nordlich aber von dieser Linie die Schichtengruppe der Grauwacken- 
schiefer d, scheinbar unter die Zone d, einfállt und dann weiter gegen Norden in 
regelmássiger Folge von den Schiefern d; und den Auarziten d, unterlagert wird, 
die den frůher erwáhnten Růcken Kamenina und Chrbina bilden. An der Bruch- 
linie im Kačicer Thal zwischen Nenačovic und Chrustenic sind Schiefer und die sie 
begleitenden Grinsteine am anstehenden Gesteine sichtbar.  Weiter gegen Osten 
auf dem Plateau bei Ptic und Ouhonic ist diese ganze dislocirte Parthie von 
Ouadern und Plánern bedeckt und tritt erst unter dem Hofe Hájek westlich von 
Motol wieder zu Tage. (Fig. 33.) Man sieht daselbst wieder die Ouarzite (dp) 


Hájek. Motol. Weisser Berg. Liboc. Vokovice. Wilde Šárka. 
S P ání 
Á Kreideform i 
Kreideform Kolonie i n 
Po je: ! 


K Kolonie. Di Diabas. B. Azoische Schiefer. L Lydit. d,—; Silurische Schichten. 
Fig 33. : 


von Schiefern (d,y) unterteuft in einem Einschnitt der Eisenbahn anstehen, aber 
unmittelbar daran gegen Motol zu treten máchtige Diabasfelsen von Graptolithen- 


4 


schiefern beeleitet zu Tage, in welchen letzteren kalkige Concretionen mit Petre- 
fakten der dritten Fauna (Cheirurus insignis, Cyphaspis Burmeisteri, Orthoceras 
originale, Atrypa linguata, Graptolithus priodon u. a.) vorkommen. Dieser Streifen 
der Graptolithenschiefer von Diabasen begleitet, lásst sich vom Wirthhause „u bílého 
beránka“, westlich von Motol in das Košířer Thal am Fusse des Weissen Berges 
bis unter den Hof Šafránka verfolgen, wo er sich in das Gehánge dieses Berges 
hineinzieht und verschwindet. Neben den Graptolithenschiefern kommen dann an 
den Gehángen des Weissen Berges weiche Schiefer der Zone d; mit ihren guarzi- 
tischen Grauwacken zum Vorschein, und sind ihrerseits weiter im Liegenden von 
jenen Grauwackenschiefern der Zone d, unterlagert, die am Weissen Berg selbst 
von Auadersandsteinen und Plánern bedeckt werden. Diese geologisch merkwůrdige 
Localitát ist die sogenannte Colonie Motol Barrande's; sie stellt sich nach den 
geschilderten Lagerungsverháltnissen offenbar als ein lángs der Bruchlinie, welche 
das silurische Schichtensystem verwirft, von der zusammenhángenden Zone der 
d;-Schiefer, die sůdlich von dieser Gegend bei Řeporyj verbreitet ist, abgerissener 
Streifen, und muss demnach der Schichtenzone d,, keineswegs aber den tieferen 
Grauwackenschiefern d, zugesprochen werden. Nach dieser Auffassung der Lagerungs- 
verháltnisse reiht sich dann die Colonie Motol jenen sogenannten Colonien an, 
welche aus Graptolithenschiefer und stellenweise auch aus Diabasen bestehend, an 
der Basis der Kalkschichten des obersilurischen Terrains im Bereiche der weichen 
Schiefer d,, die noch Reste der zweiten Fauna enthalten, lagerartig in vielen Orten 
rinegsum das ganze Kalkplateau auftreten und den ersten Beginn der dritten Fauna 
andeuten. 


Die Bruchlinie selbst, lánes welcher also im Košířer Thal die Schiefer d,y 
und die Schiefer d; an einander stossen, zieht sich vom frůher erwáhnten Eisenbahn- 
einschnitt guer úber die Ararialstrasse am Fusse des weissen Berges bei den Hěfen 
Kotlářka, Skalka und anderen Košířer Hófen vorůber bis nach Smichov zum Fusse 
des Lorenziberges und ist durch eine Reihe steiler klippiger Felsen des (Auarzites 
(d,) bezeichnet, deren untergelagerte Schiefer nach den daselbst vorkommenden 
Petrefakten (Placoparia Zippei) zweifellos der Zone d,y angehůren. (Fig. 34.) 


Weisser Berg. Košíře. Malvazinka. Radlice. Dívčí Hrady. S 


Kreidef. | 


2 

n X DS X = S 

M A n SIS T 
dy 9 dt“ dd d 

d,—d, Untersilurische, F G-g, e, e, Obersilurische Schichten. Di Diabas. 


Fig. 34. 


Die Bruchlinie setzt dann guer úber die Moldau auf die obere Neustadt Prag 
ber und zwar iiber Emaus und das Neustádter Rathhaus gegen den Bahnhof der 
Franz-Josefsbahn, wo sůděstlich einfallende Schiefer mit den Petrefakten der Zone 


d,y (Placoparia Zippei, Orthis) anstehen. Auch in den 
Schiefern bei Emaus und bei der bohm. Technik, die 


-bei Grundaushebungen aufgeschlossen wurden, kommen 


fůr die Zone d,y charakteristische Petrefakten vor, 
wáhrend bei Emaus selbst und bei der Kirche Skalka, 
dann im Garten des allgemeinen Krankenhauses ůúber- 
lasernde Auarzite (d,) anstehen, deren Fortsetzung am 
Beginne des Eisenbahntunnels vor dem ehemaligen 
Rossthore und auf den Hůgeln hinter dem Franz-Josefs- 
Bahnhof bemerkbar ist. (Fig. 35.) Den Untergrund der 
tieferen Theile der Neustadt und der Kleinseite bildet 
unter dem máchtigen sandigen Flussalluvium, Grau- 
wackenschiefer (d;) wahrscheinlich aber auch weichere 
Schiefer (d;) als Fortsetzung der Zone derselben, die 
in Košíř und Smíchov und am Fusse des Lorenziberges 
sichtbar 1st. 

Die obere Neustadt Prag liegt also auf einem im 
geologischen Sinne gehobenen, die untere Neustadt und 
die Altstadt, so wie die Kleinseite aber auf einem ver- 
sunkenen Terrain, und beide Terrainabtheilungen sind, 
von einander durch die Bruchlinie geschieden, die sich 
von Košíř und Smichov guer úber Prag gegen Karolinen- 
thal zieht. 


In Karolinenthal selbst bezeichnen die steilen gegen 
Norden abfallenden Lehnen des Žižkaberges (267 M.) 
den Rand der gehobenen Schichtenparthie. An diesen 
Lehnen kommen námlich unter den Guarziten (d,) des 
Kammes, Schiefer (d;y) mit sůidostlichem Einfallen zum 
Vorschein, unter denen ehemals auch Grůnsteine und 
Tuffe bemerkbar waren, die nun durch die Eisenbahn 
verdeckt sind, wáhrend die Lehnen am anderen Ufer 
der Moldau am Belvedere, dann die Hůgel bei dem 
Hofe Kopmanka und bei Lieben aus Grauwackenschie- 
fern (d,) bestehen, die scheinbar unter die Zone d; 
einfallen. (Fig. 36.) Die Bruchlinie setzt sich dann am 
Fusse des Žižkaberges úber das higelige Terrain gegen 
Hloubětín fort, wo unter den Auarzitklippen Schiefer 


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K Kreideformation. n Alluvium und Schutt der Kreideform. Die anderen Zeichen wie frůher. 


Fig. 36. 


46 


mit Concretionen (d,y) anstehen und verliert sich endlich am Rande des Prosiker © 
Plánerplateaus unter den horizontal gelagerten Auadersandsteinen nicht weit von 
Chwala. (Fig. 37.) | 


NW Běchovice. Dubeček. SO 


B Az. Schiefer. n. Sand und Schotter. K. Kreideform. Die anderen Zeichen wie frůher. 


Fig. 37. 


Die Liicke zwischen beiden eisensteinfůhrenden Zonen (d,) an dem Nord- 
saume des Silurbeckens, die am Prosiker Plateau durch Grauwackenschiefer (dj 
und d,) ausgefůllt, aber grósstentheils von den horizontalen Auader- und Pláner- 
schichten verdeckt ist, betrágt hier 3—4 Kilometer. 

8. Am Nordsaume des bohmischen Silurbeckens in den Umgebungen von Beraun 
und Zbirov treten im Gebiete der azoischen Schiefer und zwar auf dem bedeutend 
erhóhten Plateau derselben (in einer Hóhe von 450 bis 500 M.) inselfórmig 
vier Auarzitrůcken auf, und enthalten die hóchsten Kuppen dieses Terrains; so ist 
die Krušná hora bei Hudlic, der Velis bei Kublov, und westlich die Dlouhá 
skála und die Hřebeny. 

Die Basis dieser Auarzitrůcken, die der Zone d, angehóren, unmittelbar auf 
azoischem Gesteine ruhend, ist hier durchgehends die eisensteinfihrende Zone d, 
mit allen ihren Schichtenunterabtheilungen (d,aBy), welche in dieser Waldgegend 
theilweise zu Tage anstehen oder durch Bergbau aufeeschlossen sind. 

Offenbar gehórten diese inselfórmigen Parthien dieser Auarzite und eisenstein- 
fůhrenden Schichten ehedem einem zusammenhángenden Schichtencomplexe an, der 
mit dem ůúbrigen silurischen Terrain ein Ganzes bildete und erst durch spátere 
Hebungen aus diesem Zusammenhange gerissen und durch Abwaschungen in seine 
einzelne Parthien zerlegt wurde. Zahlreiche Trůmmer des eisensteinfihrenden Ge- 
steines und der Erze selbst, so wie Guarzitbruchstůcke von der aufgelagerten Auar- 
zitdecke (d+) herrůhrend, mit Lehm und Gesteinschutt vermengt, begleiten diese 
inselfórmigcen Parthien und deuten ihren ehemaligen Zusammenhang unzvweifelhaft an. 

Man kann den Beginn dieser isolirten Vorkommnisse der eisensteinfihrenden 
Zone vom linken Beraunufer oberhalb Hyskov in sůdwestlicher Richtung bis in die 
Gegend von Zbirov verfolgen. 

Zwischen Hyskov und dem Forsthause Rabenberg wird námlich die eisenstein- 
fůhrende, hier hauptsáchlich aus Diabasen und Tuffen bestehende Zone, durch einen 
azoischen Thonschieferrůcken, der vom rechten Beraunufer von Stradonic úber das 
linke Beraunufer herůberstreicht, in zwei Parthien geschieden, von denen die sůd- 
liche, die von Dybří úber Zlejčina gegen Hyskov sich zieht, als der nordliche Saum 
des zusammenháncenden Silurterrains schon frůher erwáhnt wurde, wáhrend die 
nordliche Parthie zwischen Stradonic und Neuhiůitten, jenseits des eingekeilten azoischen 
Thonschieferrůckens den Beraunfluss úbersetzt und sich in einer Einsenkung zwischen 


41 


Stradonic und dem Berge Hradišt bei Nischbure bis in die Náhe von Otročín 
hinzieht, wo sie sich allmáhlie auskeilt und endet. Die steilen Felsengehángen 


-des Beraunflusses zwischen Alt- und Neuhůtten zeigen diese in einer Dislocations- 


kluft der azoischen Schiefer eingelagerte eisensteinfihrende Grůnsteinzone sehr 
deutlich. (Fig. 38.) Obwohl in dieser Zone Grůnsteine und eisensteinfihrende Tuffe 


NW SO 
1 č sdjsko Hm Výsenotcej kity Herynek, 
A 
LA < = j M KE ROSSSNN == S © > 540 
© = X SA r kar SSR LAA O V Ce 
2 s ní: voný ds MAA dbal Ke D68 


std 


B. Az. Schiefer. K. u. Steinkohlenformation. dy—d, Unter Silur. e, Ober Silur. Di Diabas. 


Fig. 38. 


(d,6) vorherrschen, so findet man an der Basis derselben doch auch Andeutungen 


der Grauwacken (d,e) und im Hangenden auch die Schiefer (d,y) deutlich entwickelt 
und mit einzelnen Schollen der Auarzite (d,) bedeckt; so namentlich am linken 
Beraunufer am Berge Kluk (585 M.) und im Růcken Jakubinky (494 M.) ober- 
halb Hýskov, welcher letztere Růcken sich dem guarzigen Kameninarůcken (d;) 
oberhalb Chyňava anschliesst, der schon frůher angefůhrt wurde. Am rechten Beraun- 
ufer bemerkt man ber dieser Zone Auarzite (d,) an einer Kuppe zwischen Sta- 


© donic und dem Berge Hradišt (333 M.), dann bei der Umbiegung des Otročíner- 


baches, da wo er gegen Norden sich wendet, unterhalb Otročín. 


Westlich von diesem Punkte erhebt sich der Růcken der Krušná hora (606 M.) 
zwischen Hudlic und Neu-Joachimsthal (Fig. 39). Am Kamme desselben liegt Ouarzit 


NW SO 
Skreje. sad na oj Hora. Hudlice. Lišek, k Zahořany. Králův Dvůr 

| pF ; > UB jdi K | 
S / a 1 8 RU 2 MD AD k Ne=sě aů 
BIS B ETB ČP É nořitnác) du 


Af Afanit. P Porphyr. L Lydit. B Az. Schiefer. S Conglomerate. ©, ki Silurische Schichten. 
K. u. Steinkohlenformation. | 


Fig. 39. 


(d,), rings um denselben aber kommen wallartig die Gesteinschichten der eisenstein- 
fůhrenden Zone d, zu Tage, die ihrerseits unmittelbar auf azoischen Schiefern 
ruhen. Die Lagerung ist durch Berebau aufgeschlossen und man erkennt, dass sie 


-eine von SW nach NO cgestreckte Mulde im azoischen Gesteine bildet, ringsum 


von Kieselschieferklippen umgeben, die aus dem ebeneren azoischen Schieferterrain 
emporragen. 

Unmittelbar auf azoischen Thonschiefern und Kieselschiefern liegen guarzige 
Conglomerate und Grauwackensandsteine (d,e) in 20 M. Máchtigkeit; dann folgen 
Tuffe und Schaalsteinschiefer, manniefach gefárbt, weiss, erau, gelb, rothbraun und 


48 


grůn, auch bunt gebándert und zum Schlusse mit einigen schwachen Lagen von 
Rotheisensteim abwechselnd. Ihre Máchtigkeit betrágt 60 M. Den Tuffen aufliegend 
folet ein bei 10 M. máchtiges Lager von oolithischem Rotheisenstein, stellenweise 
von einzelnen schwachen Schichten dunkelgrauen Thonschiefers und stellenweise 
schieferigen Siderites durchsetzt. Das Hangende dieses Lagers bilden aphanitische 
Mandelsteine bis 9 M. máchtig und darůber dunkle důnngeschichtete Thonschiefer 
mit Conularien und Graptolithen.  Dann folet das zweite Lager des oolithischen 
Rotheisensteines, 3 M. máchtig, und von krystallinisch kórnigen und mandelstein- 
artigem Diabas und hóher von Tuffschiefern bedeckt, in einer Máchtigkeit von 7 M. 
Endlich erscheint ein drittes Lager von.  oolithischem Rotheisenstein 2—3 M. 
máchtie, und als Hangendes desselben Diabasmandelsteine, 3 M., und zuletzt un- 
mittelbar unter den Auarziten der Oberfláche dunkelgraue bis graue Schiefer (d;y) 
oft etwas wulstig und sideritische Einsen und schwache Limonitlager, so wie auch 
eine 3 M. máchtige Bank von Diabas einschliessend. Die Máchtickeit der Schiefer 
betráct bis 60 M. 

Die zweite Insel von Auarzit und der ihn unterlagerden eisensteinfůhrenden 
Zone bildet der Bere Velis (585 M.) bei Kublov, mit einer weithin sichtbaren 
Kirche bezeichnet. 

Die dritte und vierte Insel bilden weiter westlich die Růcken Dlouhá Skála 
(561 M.) und Hřebeny (536 M.) genannt, erstere nordlich, letztere sůdlich von 
der Strasse, die von Kublov úber Lišna gegen Zbirov fůhrt. 

Auch hier sind dieselben Gesteinschichten von dp,e bis ds, wie auf der Krušná 
Hora entwickelt, und in dem waldigen Terrain wie dort durch Berebau aufge- 
schlossen. Die Conglomerate und Grauwacken (d,«) erscheinen hier aber nicht zu 
Tage, sondern nur Diabasen und Thonschiefer (d,B, d;y) und am Kamme die 
Ouarzite (d,). — 

Endlich ist noch die merkwůrdige isolirte Partie der Zone d, und d;, an- 
zufůhren, die náher in den Erláuterungen zur geol. Karte der Umgebungen von 
Prag (Archiv IV. Nro 2, pag. 62) besprochen wurde. (Fig. 40.) 


Hájek | Královice Radošivice. — Tehov. 


n Diluviallehm. Ž Granit. Die andere Zeichen wie frůher. 


Fig. 40. 


Sie tritt am nordostlichen Rande der azoischen Schiefer in einer Lůcke zwischen 
denselben und dem Granite am Berge Tehov (454 M.) westlich von Mnichovic 
auf und besteht zu unterst aus dunklen metamorphischen Frucht- und Knoten- 
schiefern, welche von deutlichen Ouarziten der Etage d, úberlagert sind, und wahr- 
scheinlich der Zone d, angehěren. Úber den Ouarziten sieht man am Tehovberge 
eine Partie Grauwackenschiefer, welche sowohl nach ihrer Lagerung, als auch wegen 


49 


den in denselben vorkommenden Fucoiden (Chondrites antiguus) sich als zur Zone 


1 d, zugehůrig erweisen. © Diese Schiefer stossen unmittelbar an den Granit an, und 
"fallen gegen Ost scheinbar unter denselben. Es ist dies hier ein hoch interessanter 


Punkt, indem der Contact des Granites mit Schichten der Etage D, die Epoche der 
Bildung der mittelbohmischen Granite in die Bildungszeit unserer Mitteletagen des 
Silursystemes verweist. 


2. Die Auarzitzone d,. 


Die Auarzitzone d;, nach dem ausgezeichneten Fundorte Drabov bei Beraun 
auch die Zone der Drabover Auarzite genannt, ist die in orographischer Be- 
ziehune am deutlichsten ausgeprágte Schichtenzone des bohmischen Silursystemes. 
Sie bildet námlich auf der sie unterteufenden eisensteinfiihrenden Zone jenen ellip- 
tischen im Sůdwesten jenseits Hořovic geschlossenen Wall, der im nordostlichen 
Streichen das kalkige centrale Silurplateau umschliesst und die muldenartige Abla- 
gerung der silurischen Schichten durch seine ringsum zu Tage gehenden mehr 
oder weniger steil gehobenen Schichtenkópfe besonders deutlich hervorhebt. Gegen 
Sůdwest schliesst sich an den Auarzitwall eine Anzahl einzelner isolirter Ouarzit- 
schollen an, welche die Kuppen der hóheren Berge bilden, und offenbar darauf 
hinweisen, dass die (Auarzitschichten ehedem den sůdwestlichen Theil unseres 
Silurbeckens in ununterbrochenem Zusammenhange bedeckten. 

Dass herrschende Gestein dieser Zone d; ist ein guarziger, feinkórniger bis 
dichter und dann im Bruche splittriger Grauwackensandstein von weisser, gelblicher, 
lichterauer, manchmal auch von róthlicher Farbe. Das Gestein ist in abwechselnd 
stárkeren und schwácheren, gewóhnlich ebenen Schichtenbánken abgelagert, die keine 
zur Schichtung parallele Spaltbarkeit besitzen, sondern háufie eine feste oleich- 
formice fast krystallinische Gesteinsmasse bilden, wesshalb das Gestein gewóhnlich 
auch mit dem Namen Auarzit bezeichnet wird. 

Stellenweise verschwinden die ebenen Schichtenfláchen und erhalten eine 
knollige oder wulstige Oberfláche; auch keilen sie sich nicht selten aus und £e- 
stalten sich zu langgezogenen linsenformigen Lagern. 

Fast stets werden die einzelnen Auarzitbánke durch eine důnne Lage von 
orauem glimmerigen Schiefer von einander getrennt, die manchmal auch zu einer 
stárkeren Schichte anwáchst. Namentlich sind die wulstigen Auarzitbánke von solchen 
glimmerigen Schiefern beeleitet. 

Eine fast stets die Auarzitbánke begleitende Erscheinung ist die transversale 
Zerklůftune derselben, senkrecht auf die Schichtungsfláchen, wodurch die Bánke 
in parallelopipedische Stůcke zerfallen, und die Gewinnung von Pflastersteinen er- 
leichtern. Háufig sind aber die Klifte nahe an einander gedrángt und das Gestein 
zerfállt in kleinere scharfkantige Bruchstůcke, die das gewóhnliche Schottermaterial 
fůr die Strassen im Gebiete des bohmischen Silures liefern. 

Die Máchtigkeit der Auarzitzone nimmt von West gegen Ost ab, erscheint 
aber in Folge wiederholter Brůche und Verwerfungen scheinbar viel bedeutender, 
als sie eigentlich ist. Die Máchtickeit betráct am Prdarůcken scheinbar bis 1 Kilom.: 
óstlich von Prag betrágt sie aber nur 50 bis 80 M. 


In palaeontologischer Hinsicht ist die Zone d, weniger reichhaltie als 
die vorhergehende Zone d;,. Die Trilobiten treten in 10 Gattungen auf, worunter 
bloss zwei neue sind, námlich Homolonotus und Triopus. Diese 10 Gattungen 
enthalten 21 Arten, von denen aber 19 hier zuerst auftreten, wáhrend bloss 2 Arten, 
námlich Acidaspis Buchi und Calymene pulchra schon in der Zone d 
erscheinen. Ausschliesslich dieser Zone gehoóren ausser den beiden schon erwáhnten 
Gattungen die folsenden Arten an: Asaphus ingens, Calymene parvula, 
Cheirurus completus, Placoparia grandis. 

Charakteristisch ist der Unterschied auch in den anderen Classen, obwohl die 
Reprásentanten derselben in ihren Individuen und Arten ziemlich beschránkt sind. 
Von Phyllopoden ist in dieser Zone eigenthůmlich die Gattung Pterocaris mit 
1 Art; von Ostracoden greift Beyrichia aus der Zone d, herůber und dann weiter 
in die hůheren Zonen der Etage D; die Gattungen Nothozoe und Zonozoe mit. 
1 und 2 Arten sind dieser Zone eigenthůmlich. Die Cirrhipeden Antifopsis und 
Plumulites greifen aus d, herůber. Von Cephalopoden erscheint nur Ortho- 
ceras; von Pteropoden aber namentlich zahlreich die Gattung Conularia, be- 
sonders ČC. anomala und Č. consobrina; die Acephalen sind ziemlich selten, 
am háufigsten ist Nucula. Von DPrachiopoden erscheinen am háufigsten Orthis 
redux, Orthisina cava, wáhrend Discina grandis, Orthis Drahovien- 
S1s sich ausschliesslich auf diese Zone beschránken. 


Als besonders charakteristisch fůr die Ouarzitzone sind auch eigenthůmliche 
cylindrische oder rohrenfórmice Gebilde, die senkrecht auf die Schichtung in das 
Gestein eingesenkt sind und in ihrer centralen Hohlung nicht selten eine dunkle 
thonice Ausfůllune haben. Sie erinnern manchmal an Fucoiden, manchmal an die 
von Hall Scolithus linearis genannten Wurmróhren, die eine analoge Zone 
der brittischen GOuarzite bezeichnen. 


Sie sind fast im ganzen Bereiche der Auarzitzone d, verbreitet, und erscheinen 
auch da, wo die anderen organischen Reste fehlen. 


Die Verbreitung der Zone d.. 


Die Auarzitzone d; ist im ganzen Silurbecken von seinem áussersten sůdwest- 
lichen Anfang bei Plzenec bis zu seinem áussersten nordostlichen Ende bei Tlusto- 
vous unweit Ouval verbreitet, und zwar, wie schon erwáhnt, úberall an die eisen- 
steinfůhrende Zone d, gebunden, der sie aufeelagert ist. Orographisch lásst sich 
der Verbreitungsbezirk der Auarzite in fůnf Bergzůge zerlegen, von denen der erste 
und zweite die isolirten Auarzitkuppen zwischen Plzenec und Mauth, dann 
zwischen Zbirov und Althůtten, der dritte den Ouerriegel der Auarzitberge 
zwischen Kařez und Oujezd westlich von Hořovic einnimmt. Durch diesen Ouerriegel 
wird. der elliptische Ouarzitwall abgeschlossen, den an der sůdlichen Flanke des 
Silurterrains der grosse Brdarůcken als vierter, und gegenůber an der nórd- 
lichen Flanke des Silures der kleine Brdarůcken oder die Brdatka als fůnfter 
Ouarzit-Berozue bildet. 


I. Die isolirten Auarzitkuppen zwischen Plzenee und Mauth. 


-© Die hoheren Bergkuppen im Bereiche der eisensteinfůhrenden Zone zwischen 
Plzenec und Rokycan und ebenso die Kuppen im Račgebirge zwischen Holoubkau 
und Mauth bestehen aus isolirten Ouarzitdecken, deren einstiger Zusammenhang 
“ offenbar durch Felsitporphyr zerstórt wurde, als dieses eruptive Gestein, das jetzt 
' den Kern dieser Berge bildet, aus dem Erdinnern hervordrang, die Auarzitdecke 

zersprengte und einzelne Schollen derselben sammt der untergelagerten Eisenstein- 
| zone emporhob. 

Der am weitesten gegen Sůidwesten gelagerte Punkt, wo Auarzit auftritt, ist 
| die Kuppe des Hůgels Hůrka (429 M.) bei Plzenec. (Fig. 41.) 


| Otradiště. + urka. Šťáhlavský vrch. 


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B Az. Schiefer. P Porphyr. d,afBy d, Silurische Schichten. 
| Fig. 41. 
Der Auarzit zieht sich von hier, durch eine Schlucht unterbrochen, óstlich 
-auf den Waldhůgel Sutice und weiter auf den kahlen Hůgel Skalice (461 M.) 
zwischen Timakov und Lhota. (Šiehe Fig. 10.) Nach einiger Unterbrechune tritt 
„moch ein nicht breiter Streifen von Auarzit ostlich vom letztgenannten Ort auf und 
-zieht sich zum nordlichen Gehánge des Berges Kotel (574 M.), dessen Kuppe aus 
Grauwackenconelomerat (d,e) besteht. Siehe Fig. 11. Alle diese kleinen Auarzit- 
parthien sind ihrer Lagerung nach, da sie nordlich einfallen, die Reste eines zer- 
stórten Muldenfligels, als dessen Gegenstůck, námlich als der nordliche Saum der 
Mulde sich der Auarzit ergiebt, der den waldigen Hiůigel Stradiště (496 M.) bei 
Letkov und den Kamm des Berges Čilina (520 M.) sůdostlich von Ejpovic bildet. 
In den Auarziten der beiden letzten Berge kommen Dalmanites socialis und 
Orthis redux vor. 

Grósser und máchtiger sind die GAuarzitschichten auf dem Račgebirge 
nordlich von Holoubkau. Siehe Fig. 12. Sie bilden den máchtigen steil ansteigenden 
von West nach Ost streichenden Kamm des waldigen Račberges zwischen Glas- 
hůtten und Dlouhá Lhota, der mit grossen, aus zerbrochenen Ouarzitbánken ent- 
standenen Blócken bedeckt ist, wáhrend an der Sůdseite diese Bánke theilweise unter 
sehr steilen Winkeln an den Berelehnen anstehen. Oben am Kamme sind die Reste 
uralter Steinwálle bemerkbar, in deren Bereiche sich die hóchste Kuppe, Brno 
genannt (715 M.), erhebt. Eine ausgedehnte Aussicht auf das westliche Silurcebiet 

und auf die Hochtláchen der azoischen Schiefer bis zu den Basaltbergen bei Manětín 
eroffnet sich von diesem Gipfel. 
Der Auarzit des Rač ist stellenweise fast krystallinisch, stellenweise wieder 
A4 


feinkórnieg und můrbe, so dass er als Sand in den Glashůtten von Břas verwendet 
wird. In manchen Blócken steckt eine Unzahl von Scolithusróhren. | 


Ein Sattel, úber den die Strasse von Glashůtten nach Holoubkau fůhrt, trennt 
den Rač von einem sůdlicher gelegenen etwas niedrigeren Riicken, dessen Kamm 
ebenfalls aus Guarzit besteht, wáhrend die Basis die eisensteinfůhrende Zone d, 
und der Kern Porphyr enthált. 


Das westliche Ende dieses Růckens ist die Kuppe Hradišt (619 M.), die eine. 
Burgruine trágt und úber dem gráflich Sternbereschen Schlosse Březina sich erhebt. 
Siehe Fig. 15. Auch hier sieht man steile Ouarzitbánke an der Sůdseite, wáhrend hóher 
hinauf die Lagerung derselben weniger geneigt ist. Das ostliche Ende des Růckens 
bezeichnet eine im Wald aufragende máchtige Felsenklippe, Rum pal genannt 
(638 M.). In der weiteren ostlichen Fortsetzung des Růckens, dessen innere Masse 
aus der eisensteinfůhrenden Zone und Porphyr besteht, erstreckt sich noch eiue 
Ouarzitkuppe im Walde ober Těžkov (598 M.). 


Eine kleine Auarzitparthie befindet sich auch auf der Kammhóhe des Chlum- 
berges (560 M.), dessen Hauptmasse Porphyr ist. 


Der Vydřiduch, der sůdlichste unter den Bergrůcken des Račgebirges, trást 
úber seinem mit der eisensteinfihrenden Zone bedeckten Porphyrkern keine Auarzite, 
aber in der óstlichen Fortsetzung dieses  Růckens tritt in der Širská hora 
(589 M.) ober dem Dorfe Siré und dann sůdlicher davon im Walde Chejlov ober 
Holoubkau Auarzit auf, von denen der letztere in dem flachen kahlen Růcken, au! 
dem die St. Adalbertskapelle oberhalb Mauth steht, noch eine Štrecke weiter óstlich 
bis in die Waldstrecke Ch meliště (520 M.) sich verbreitet. Man findet auf diesem 
Růcken Dalmanites socialis, Calymene parvula, Orthis redux. Ein 
kleiner Ouarzithůgel an der sůdlichen Seite der Strasse zwischen Mauth und Kařez 
deutet zuletzt die weitere sporadische Verbreitung des Auarzites und seinen ehe- 
maligen Zusammenhang mit dem grósseren GAuarzitterrain ober Kařez an, der zu 
dem Auerriegel gehórt, úber den weiter unten gesprochen wird. (Siehe Fig. 15.) 


Auch auf der nordlichen Seite des Račkammes erhebt sich auf porphyrischer 
Basis Auarzit mit untergelagerten Eisenstein fůhrenden Schichten. Er bildet hier 
nordlich von der Strasse, die nach Vejvanov fůhrt, zwei Kámme, einen sůdlicheren 
„Na Solech“ (576 M.), und einen nordlicheren Bílá Skála genannt (597 M.) 
ober Sebečic; in die Lůcke zwischen beide Kuppen zieht sich der óstlichste Aus- 
láufer des Radnicer Steinkohlensandsteines von Skomelno hinauf. (Siehe Fig. 12.) 


2. Die isolirten Ouarzitkuppen zwischen Zbirov und Althiůtten. 


Dieselben bilden die kammartigen Gipfel jener isolirten auf azoischen Schiefern 
abgelagerten eisensteinfůhrenden und reihenweise gegen Nordost sich erstreckenden 
Parthien; die im vorigen Abschnitte náher bezeichnet wurden. 

Der westlichste dieser Kámme fůhrt den Namen Hřebeny (536 M.) und 
erhebt sich sůdlich von der Strasse, die von Zbirov úber Lišna nach Svatá fihrt. 


Der zweite Kamm, norděstlich vom vorigen, fůhrt den Namen Dlouhá Skála 
(561 M.); der dritte bei Kublov, eine weithin sichtbare Kirche tragend, heisst Velis 


| 
| 53 


| (985 M.). Der vierte und hochste Auarzitkamm erhebt sich zwischen Neu-Joachims- 
thal und Hudlic und fihrt den Namen Krušná Hora (606 M.) (Siehe Fig. 39.) 
Eine vorzůglich belehrende Úbersicht des umgeberden Terrains, von dem 
máchtigen Porphyrrůcken im Norden mit der Kuppe Vlastec (609 M.) und iiber die 
dunklen Kieselschieferklippen bei Svatá und Hudlic ins mittelsilurische und ober- 
| silurische Terrain der Umgebungen von Beraun, bis zum Waidrůcken des grossen 
Brdarůckens, eróffnet sich von allen. diesen Hóhen. 
| Die zwei kleineren Schollen von Auarzit, die auf der úber die Beraun im 
| azoischen Schiefer herůbergreifende Diabaszone bei Otročín und Stradonic liegen, sind 
schon frůher erwáhnt worden. Šie vermitteln den Úbergang zu den Auarzitzůgen 
| am rechten Beraunufer, die weiter unten erláutert werden. 
| 


9. Der Ouarzit-Ouerriegel zwischen Kařez und Oujezd. 


| Ostlich von Kařez und Chesnovic erhebt sich auf eisensteinfůhrender Basis 
(d,) ein ansehnlicher bewaldeter Auarzitbergzug, der von den bisher beschriebenen 
| einzelnen Auarzitparthien sich dadurch unterscheidet, dass er von Nord gegen Sůd 
| streicht und gegen Osten einfállt und dann namentlich auch dadurch, dass sich an 
| seine Óstlichen Flanken die Grauwackenschiefer der hóheren Zonen, námlich d, 
(und d, anlagern, welche Schiefer im sůdwestlichen Theile des bohmischen Silures 
| gánzlich fehlen. Dieser Auarzitzug stellt sich seiner Lagerung nach als der westliche 
| Abschluss des geschlossenen Auarzitwalles dar, der die Mitte des Silurbeckens um- 
| schliesst und er verbindet hiermit als ein Auerriegel die beiden nach Nordost strei- 
| chenden Gebirgsriůcken des grossen und des kleinen Brda, welche die beiden Flůgel 
© des lánelichen Beckens bilden. 

Aber auch dieser Auerriegel ist nicht ohne Unterbrechung auseebildet. Denn 
die Auarzitdecke, aus der er besteht, und die ehedem ununterbrochen von dem 
nordlichen Rande des Silurbeckens bei Borek unweit Zbirov bis zum sůdlichen 
Rande desselben bei Kváň sich ausdehnte, ist durch die antiklinale Schichtenerhe- 
bung des Berges Ivina, dessen porphyrischer Kern die Ursache dieser Schichten- 
aufstauung darstellt, in zwei Parthien zersprengt und erst hinter Komorau ist die 
Vereinigung dieser Parthien durch die im Thale des rothen Baches anstehenden 
Auarzite angedeutet. 

Die nordliche durchgehends bewaldete Auarzitparthie des Auerriegels erstreckt 
sich sůdlich von der Ararialstrasse zwischen Cerhovic und Kařez bis gegen Volešna 
zum něrdlichen Fusse des Berges Ivina. Diese Parthie fállt entsprechend ihrer 
Lagerung einerseits steil gegen Westen, námlich gegen die mit den eisenstein- 

fiihrenden Schichten der Zone d, bedeckte Fláche von. Mauth-Volešna, auf der sie 
aufgelagert ist, und andererseits stufft sie sich gegen Osten allmáhlich ab zu den 
Ackerfláchen bei Oujezd (westlich von Hořovic), deren Untergrund schon aus Grau- 
wackenschiefer der Zone d, besteht. Die bedeutenderen Hóhenpunkte dieser Auar- 
zitparthie ist der Berg Hrobiště (515 M.) ober Oujezd, die Kařízská hora. 
(561 M.) ober Kařizek und die Hřebeny (564 M.) ober Volešná. 

In der Kařízská hora ist durch eine secundáre antiklinale Aufstauung der 
Schichten die eisensteinfihrende Zone hoch zu Tage gedrinet und durch Berebau 
aufgeschlossen. Siehe Fig. 14. 


D4 


Der antiklinale Schichtenbau des Berges [vina (609 M.) und des Hůgels 
Milina (siehe Fig. 15), dessen der Zone d, angehórige Schichten schon friiher 
besprochen wurden, trennt die nordliche Ouarzitparthie von der sůdlichen. 

Diese Auarzitparthie beginnt mit einer isolirten Auarzitberekuppe bei Ches- 
novic, von der sich sůdlich im Růcken Kopaniny (585 M.) genannt, bei Těny 
ein. zusammenhángender Auarzitkamm entwickelt, der in seiner óstlichen Fort- 
setzung von dem Guerthale des St. Benignabaches und weiter vom Guerthale des 
rothen Baches bei Mrtník unterbrochen wird, so dass man in den Thaldurch- 
schnitten die untergelagerte Eisenstein fůhrende Zone deutlich erkennt. 

Zwischen diesen beiden Auerthálern bildet der Ouarzit die Kuppe des Berges 
Hlava (542 M.) Óstlich jenseits des rothen Baches breitet sich dann der Auarzit 
auf der eisensteinfihrenden Grůnstein- und Schieferunterlage in bedeutender Mách- 
tigkeit in einer synklinalen und antiklinalen Welle aus und bildet zwei gróssere 
Kuppen, die Kuppe Čihadlo (540 M.) bei Hvozdec und den Giftberg (Jedová 
hora (530 M.) bei Neřežín (siehe Fig. 16), von denen die erstere eine antiklinale 
Wólbung, die letztere aber dem sůdlichen steil gehobenen Rande der synklinalen 
Lagerung entspricht, da wo sie auf den Eisenstein fihrenden Schichten aufgelagert 
ist. Die antiklinale Wólbung des Čihadlo ist eigentlich die Fortsetzung der Schich- 
tenaufstauung des [vinaberges, dessen Eisenstein fůhrende Schichten sich hier unter 
den Auarziten verbergen, und sie setzt sich sůdlich vom Thale des rothen Baches 
in dem kahlen, flachen Růcken Kamenný vrch (474 M.) und Šibenice (462 M.) 
bis in den waldigen Hůcel Dražovka (441 M.) ober Hořovic fort, wo der Auarzit 
unter dem aufgelagerten Grauwackenschiefer (d,) verschwindet, 

Der steil gehobene áussere Rand des Auarzitzone, da wo zwischen ihn und 
die Třemošnaconglomerate und die weiter sich anlagernden Jinecer Schiefer (U) 
die eisensteinfůhrende Zone (d;,) eingefigt sind, macht sich durch eine Reihe von 
Ouarzitklippen kenntlich, die man aus dem Ouerthale des rothen Baches oberhalb 
Mrtník úber den Giftbereg durch die Podluher Wálder bis auf den Berg Ostrý 
(9551 M.) ober Felbabka verfolgen kann. (Siehe Fig. 17.) 


Auf dem letzteren Berge, dessen Kamm aus diesen GOuarziten zusammen- 
cesetzt ist, und von dessen uralten Wállen eine ausgezeichnete Aussicht auf das 
niedrigere Silurterrain von Hořovic gegen Beraun sich eróffnet, sieht man die steil 
gegen Nordwest einfallenden, mánniefach cgestórten Schichtenstellungen des Guar- 
zites besonders deutlich, und man erkennt, dass durch diesen steilen GAuarzitrand 
eine Ausbuchtung des silurischen Beckens umgránzt wird, in dessen Thalsohle einer 
der letzten westlichen Ausláufer der Grauwackenschiefer der hóheren Zone (d,) 
abgelagert ist. 

Eine zweite áhnliche Ausbuchtung des Sůd-Westrandes des GAuarzitbeckens 
bildet ostlich jenseits des Litavathales, das den Berg Ostrý vom Plešivec trennt, 
de Thalgegend, in deren Mitte die Stadt Hostomice liegt und die in einem Halb- 
kreis von den Berglehnen des Plešivec und des erossen Brdarůckens umgeben ist, 


4. Die Ouarzitrůcken des grossen Brdawaldes. 


Mit dem Namen Brda wird seit Altersher der waldige Gebirgsrůcken be- 
zeichnet, der sich aus der Gegend von Hostomic gegen Kóniesaal erstreckt und 


DD 


© dessen einfach und gleichfórmig gcedehnter Kamm aus den zu Tage cehenden und- 


nordwestlich einfallenden Auarzitschichten des sůdlichen Randes unseres Silurbeckens 


- besteht. Der analoge nordliche Auarzitrand bei Beraun fůhrt wenigstens in einem 


Theile den Namen Brdatka (kleine Brda), welchen sehr passenden Namen wir 
aber auf den ganzen nordlichen Auarzitrand des Šilurterrains ausdehnen wollen, 
wáhrend wir das eigentliche Brdagebirgce als den grossen Brdawald bezeichnen. 
Zum System des grossen Brdawaldes gehórt offenbar auch der Berg Plešivec, 
ober Hostomic (siehe Fig. 18.), da er trotz seinem abweichenden von Nordwest 
nach Sůdost gehenden Streichen mit demselben im ununterbrochenen Zusammen- 
hange ist. Er bildet hier wie schon am Schlusse des vorigen Absatzes bemerkt 
wurde, mit dem siůdwestlichen Ende des Brdagebirges eine Ausbuchtune des von 
hohen Ouarzitkámmen umsáumten Silurbeckens, in deren Thalgrunde sich die hoheren 


"Grauwackenschiefer (d;) ablagern. 


An dem něrdlichen Ende des Plešivec bei Lhotka deuten die im Litavathale 
zu Tage ausgehenden Auarzite den Zusammenhang mit den Auarziten des Berges 
Ostrý an und man erkennt, dass die Ouarzitschichten hier im Streichen einer knie- 
fórmigen Umbiegung unterliegen, indem sie im Ostrý gegen Siůdwest mit nordwest- 
lichem Abfall, und im Plešivec gegen Siidost mit nordostlichem Abfall streichen. 
Das tiefe von Sůd nach Nord gerichtete AOuerthal der Litava durchsetzt gerade 
diese kniefórmige Umbiegung der Auarzitschichten und greift hier, wie schon frůher 
erwáhnt wurde, bis in die untergelagerten Schiefer der Primordialfauna (C) und die 
eisensteinfůhrende Zone (dj) ein, so dass diese Schichtenzonen im Litavathale sowohl 
am Fusse des Berges Ostrý als am Fusse des Plešivec anstehen. 

Mit steilen Gehángen erhebt sich der Plešivec am rechten Litavaufer ber 
diesen Schichtenzonen und seinen Růcken bilden máchtige flach gelagerte Ouarzit- 
bánke mit prallen gegen das Thal sich abstiůirzenden Wánden, welche senkrecht 
zur Schichtung gestellten Bruchfláchen angehóren. Am óstlichen Gehánge, namentlich 
aber am nórdlichen Ende des Berges werden die Schichten steiler und fallen unter 
die angelagerten Grauwackenschiefer (d;, d,) ein. Die langgestreckte Kammhóhe 
trást einen grossen vorhistorischen Steinwall, an dessen Rande eine Felsenkuppe 


-die Hóhe von 636 M. erreicht. 


Eine Einsattelung, úber welche die Strasse von Hostomic nach Jinec fůhrt, 
trennt den Plešivec von dem eigentlichen Prdarůcken, der von hier an in nord- 
ústlicher Richtung und an den Bergzug der Třemošnaconglomerate angelehnt und 
von demselben nur durch die eisensteinfůhrende Zone (d;,) getrennt, sich ein- 
formig gegen Kóniesaal fortzieht und zwar so, dass er hier sowohl seiner grósseren 
Hóhe als auch seines scharfen Kammes wegen die Gegend beherrscht. 

Der Kamm fállt mit einem kurzen aber steilen Absatz gegen Sůdost, námlich 
gegen die Třemošnaconglomerate ab, gegen Nordwest sind die Gehánge aber weit 
ausgedehnter und es entwickeln sich an demselben offenbar lánes grosser, dem 
Streichen paralleler Bruchlinien parallel zum Hauptrůcken verlaufende, háufig 
unterbrochene Nebenrůcken, von denen namentlich der vom Forsthause Rochoty 
gegen Dobřichovic sich erstreckende, sich deutlich entwickelt. Die Gehánge sind 
úberall mit zertrůmmertem (Auarziteestein und Gebiresschutt und am Fusse mit 
máchtisem thonartigen Detritus bedeckt, so dass feste anstehende Felsen nur 
stellenweise zum Vorscheine kommen, 


56 


Die am Sůdwestende des Bergrůckens sich zuerst erhebende Kuppe des Haupt- 
růckens ober Čenkov heisst Písek (Sand, 688 M.), indem der weisse brócklige © 
Auarzit dort fůr Glashitten gewonnen wird. (Siehe Fig. 18.) Dann folgen in 
nordostlicher Folge die Bergkuppen Velká Baba (611 M.) und Malá Baba 
(stehe Fig. 19), hlerauf nach einer durch die geologisch interessante Schlucht bei 
der Miůhle Zátor (wo námlich die Primordialschiefer im Thalerunde erscheinen) 
veranlasste Unterbrechung die Kuppe Studený (659 M.) und an der Einsattelung 
der Strasse von Vosov nach Dobříš, die Kuppe Hradec (623 M.) mit alten Wállen 
(siehe Fig. 20), hierauf oberhalb Vižina die Kuppe Brdo (601 M.) und oberhalb 
Kytín der Kamm Boží Vrážka (588 M.) und weiter die, eine weithin sichtbare 
Kirche tragende Skalka (549 M.) ober Mníšek und endlich der Brdavý oder 
Hlavatý Kamen (514 M.) ober Řidka. 

Am Nebenkamme, der durch die úber den Hauptkamm fiihrende Bezirksstrasse 
von Mníšek nach Řevnic durchschnitten wird, erhebt sich mit steileren Klippen 
die Kuppe Babka (506 M.) und Strážný (506 M.) und man bemerkt hier an 
dem grossen Schichtenbruch, lánes dem diese Kuppen anstehen, auch die unter- 
celagerten Diabasen der Zone (d,), wodurch eben die Bruchlinie unverkennbar 
angedeutet wird. (Siehe Fig. 21.) 

Zwischen Černolic und Všenor durchbricht ein kurzes Ouerthal den ganzen 
Gebireskamm von der azoischen Schieferunterlage durch die Schiefer der Zone d, 
und die Auarzite d, bis in die aufeelagerten Grauwackenschiefer d;, und d, und 
deckt die PBruchlinien, die den Ouarzit durchsetzen, auf. 

In der weiteren Fortsetzung zwischen dem Beraunfluss und der Ararialstrasse 
von Jilovišť nach Báné bei Kónigsaal, senkt sich der Gebiresrůcken in der Wald- 
strecke Kopaniny und Lipsko zu 409 M. und 558 M. ab, so dass die Auarzit- 
bánke nur wenig úber das von Porfyr durchsetzte azoische Schiefergestein sich 
erheben. Diese Auarzitbánke haben hier gegen Nordost eine sehr steile, ja stellen- 
weise fast úberkippte Lagerung (siehe Fig. 22) und keilen sich zwischen den 
ebenfalls steil gelagerten Grauwackenschiefern (d;) und den azoischen Schiefern 
ober dem Dorfe Záběhlic sůdlich von Konigsaal ganz aus. 

Am rechten Ufer des Moldauthales, das in einem tief eingefurchten Thale 
von Sid nach Nord das Silursystem durchsetzt, treten bei Závist die Grauwacken 
schiefer (d,) in scharfen Faltungen unmittelbar mit den azoischen Schiefern der 
Berge Hradiště (389 M.) und Čihadlo (583 M.) in Berůhrung, und zwar lánes 
der Bruchlinie, die sich aus dem Brdawalde guer úber die Moldau fortsetzt. — 
Máchtige Porphyrmassen bilden den Kern dieser Berge, die offenbar, so wie bei 
Rokycan und Mauth, erst durch den Aufbruch der Porphyre nach der Bildung der 
Ouarzite (d,) entstanden. Ein merkwůrdiger vorhistorischer Šteinwall erstreckt sich 
guer úber die Schlucht bei Závist zwischen den beiden Bergen Hradišť und Čihadlo 
bis auf die Kuppen derselben, und erhóht das Interesse dieser auch in pitoresker 
Beziehung ausgezeichneter Gegend, welche schon von den Prager Moldaubrůcken 
gesehen, den sůdlichen Horizont von Prag malerisch abschliesst. 

Erst nordlich von Modřan, zwischen Lhotka und Neuhof (295 M.) tauchen 
die Ouarzitlager (d,) in einem Schotterbruche wieder auf, und verbreiten sich von 
da in der flach hiigeligen Gegend óstlich von Prag in niedrigen Hůgeln bis Ouval. 
Man sieht sie in theils synklinalen, theils antiklinalen Faltungen, von der unter- 


sy 


| gelagerten Schieferzone (d,) begeleitet, lánes der Gránze der azoischen Schiefer, 
| so in dem waldigen Thálehen bei Kunratic in einer antiklinalen Aufstauung, dann 
(bei Litochleb, wo der Auarzit einen niedrigen Růcken (300 M.) bildet, und sich 
© bis in das Botičthal zwischen Hostivař und Petrovic fortsetzt, wo man an den 
| kahlen Thalflanken die Ouarzite in scharf synklinaler Lagerune antrifft. (Siehe 
Fig. 24.) Von da setzt sich der Auarzitzug als ein nur wenig ber die von Sand- 
und Schotterschutt der Kreideformation bedeckten Feldfláchen erhobener Hůgel- 
(růcken iiber Měcholup (512 M.) zur Podleser Miihle am Pnětluker Teiche. Er 
(tritt da zwischen Dubeček und Pnětluk in einer synklinalen und einer antiklinalen 
| Falte zu Tage, deren Kamm der Hiigel Jankov (293 M.) bildet. (Siehe Fig. 25.) 
| Von da setzt sich der Ouarzit úber den Thiergarten bei Koloděj auf den Hůgel 
„na Sk ské (299 M.) zwischen Šibřín und Oujezd, und dann weiter durch den 
nach Tlustovous nordostlich von Ouval fort, wo er in einem 

| niederen aber schroffen gegen Siůidwest einfallenden Felsen zu Tage ansteht (285 M.), 
| bis endlich seine letzte Fortsetzung unter der Decke des Ouadersandsteines zwischen 
| Břežan und Černíky (247 M.) verschwindet. 


| 9. Die Auarzriůcken der kleinen Brda. 
| Der Name kleine Brda oder Brdatka gehórt im engeren Šinne einem 
| Waldigen Thálchen an und den dasselbe umgebenden Bergen nordwestlich bei Beraun, 
| im weiteren Sinne werden hier aber die Auarzitrůcken bezeichnet, welche den Nord- 
© rand des bohmischen Silurbeckens begleiten. 

Der westliche Anfang derselben ist durch den niederen kahlen Felsrůcken 
| Kraví Horka (400 M.) bezeichnet, der von Žebrák angefangen parallel zur Strasse 
- nordostlich verláuft. Dieser Hůgelzue taucht plótzlich aus den Grauwackenschiefern 
auf, indem zwischen Oujezd und Cerhovic die ussere Ouarzitumsáumung des 
Silures fehlt, sondern nordlich úber den Grauwackenschiefern der hoheren Zonen 
(d;, d,), auf denen hier Lehm und Gebirosschutt auseebreitet ist, allsogleich der 
hohere azoische Schieferrůcken des Obiš (570 M.) sich erhebt. Von der Kraví 
Horka zieht sich der Auarzitrůcken gegen Hředl fort, wo er von einem GAuerthal 
unterbrochen wird, und erhebt sich jenseits dieses Thales zu ansehnlicher Hóhe, 
indem er einen grósstentheils bewaldeten Gebirgskamm lines der frůher erláuterten 
eisensteinfihrenden Zone bildet, den nur kleine Ouerthálchen bei Svatá, Dybří und 
Boží Voda bei Beraun unterbrechen. 

Lángs einer Bruchlinie, die durch zu Tage ausgehende Schiefer der Zone d,y 
angedeutet ist, ist der Bergrůcken in zwei parallele Auarzitkámme zertheilt, die 
besonders von Dybří angefangen gegen den Beraunfluss deutlich aus einander treten 
(siehe Fig. 27.) und auch am Fusse des Gebirgsrůckens bemerkt man antiklinale 
Aufstauungen des Auarzites im Gebiete des hoheren Schieferterrains, so namentlich 
am Hůgel Čížovka bei Zahořan und zwischen Černín und Zdic in dem Hůgel Hrouda 
(Fig. 42), wo aus der untergelagerten Eisensteinzone (d,) Erz gefórdert wird, und 
dann in einem runden Hůgel bei Zahořan, der sich gegen Beraun fortsetzt. 

Die Hóhenpunkte des Kammes sind zwischen Hředl und Svatá der Hředler 
Plešivec (494 M.) und der Kalce-Bere (504 M.), zwischen Dybří und dem 
Beraunfluss der Děd (492 M.) nahe am Jágerhause Drabov und der Ostrý (376 M.) 
bei Pták unweit Beraun. 


D8 


Auf diesem Auarzitzuge ist bei dem Dorfe Trubsko, dann bei Drabov und in 
dem Brdatkarůcken bei Beraun der Hauptfundort der Petrefakten dieser Zone, die. 


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p Vraní Okála. Kalce. © VHroudě. Zdice.. DO 


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nur noch bei dem Hofe Veselá jenseits des Beraunflusses reichlich auftreten, sonst © 
aber úberall mit Ausnahme der Scolithenrohren sehr selten sind, oder ganz vermisst © 
werden, was namentlich vom sůdlichen Fligel der Auarzitzone cilt, | 

Am linken Beraunufer tritt der Auarzit wegen wiederholter Schichtenbrůche 
und Verwerfuncen scheinbar in einer viel grósseren Máchtigkeit auf als am rechten 
Ufer. Die Mitte des Ouarzitzuges nimmt der durch seine steilen und kahlen, weithin 
sichtbaren Lehnen bezeichnete Berauner Plešivec (458 M.) ein, jenseits dessen 
im Bereiche der eisensteinfůhrenden Diabas- und Schieferzone (d,) einzelne Schollen 
und Parthien des Auarzites (d;) auftreten, die man fůglich als die Fortsetzune der 
isolirten Auarzitinseln des Velis und der Krušná hora betrachten kónnte.  (Siehe 
Fig. 38.) Es ist dies der Kluk (585 M.) ober Hýskov, dann der mehr zusammen- 
hángende Růcken Kamenina, Hůrka und Chrbina (durchschnittlich 450 M.), 
dessen nordostliches Ende bei der Rejnovský-Můhle vom Kačicer Bache durch- 
brochen wird und unter der Guader- und Plánerdecke verschwindet. 

Der Anuarzit des Plešivec selbst wird aber durch eine máchtige Bruchlinie 
in zwei Zonen getheilt, zwischen welche sich ein gegen Nordost allmáhlich anwach- 
sender Štreifen von hóheren Grauwackenschiefern (d;, d,) einfůgt, der im Auerthale 
des Kačicerbeckens zwischen Podkozí und Chrustenic schon in einer Breite von 
4 Kilometern auftritt und sich úber Prag bis an das nordostliche Ende des Silur- 
terrains verfolgen lásst. 

Die nordliche Auarzitzone zieht sich vom grossen zum kleinen Plešivec 
lános der Thalschlucht von Železná, wo ein merkwůrdices der Basis der Kreide- 
formation angehóriges sandiges Trůmmergestein mit grossen silurischen Kalkblócken 
(hauptsáchlich der Etage F angehóorend) die GAuarzite bedeckt. Es wurde hier 
ehedem Kalkstein fůr die nahen Eisenhůtten gewonnen und der Punkt heisst dem- 
nach noch immer Vápenice. 

Die Fortsetzune der Auarzitzone streicht dann unter dem kleinen Šteinkohlen- 
becken bei Klein-Přílep fort parallel zum Chrbinarůcken und verschwindet gleich- 
zeitig mit demselben jenseits des Kačicerbaches unter dem Plánerplateau bei Ptic. 
(Siehe Fig. 28.) Erst in dem seichten Thale, das bei Hostivic westlich von Prag 
in das Plánerplateau bis auf die silurische Unterlage ausgefurcht ist, taucht der 
Ouarzit im Thalgrunde wieder auf, verschwindet aber alsdann wieder unter dem 
Plánerplateau zwischen Hostivic und Liboc. Hierauf tritt der Auarzit mit steil ge- 
hobenen Schichtenkópfen in kleinen Kámmen und Klippen bei Vokovic und bei 


D9 


Dejvic zu Tage (siehe Fig. 29.), und lásst sich lánes der Schiefer der Zone d, bis 
-m den Baumgarten in Bubeneč verfolgen. 

Weiter óstlich unterbricht ihn die Moldau bei Holešovic, jenseits welchen 
| Dorfes er in einer von Prag aus sichtbaren grossen Felsenwand (267 M.) bei dem 
' Hofe Bulovka ansteht (siehe Fig. 30.) und dann weiter bis zum Hofe „bei der 

verlorenen Schildwache“ im Neu-Lieben fortstreicht, wo ein Schlósschen auf der 
| Ouarzitklippe steht. Das Prosiker Plánerplateau (290 M.) verdeckt nun die weitere 
Fortsetzung des GAuarzitzuges, und nur in den seichten Thalfurchen, die durch 
, dasselbe und durch den Auadersandstein bis auf den silurischen Untererund aus- 
© gewaschen sind, erscheint der Auarzit noch in einzelnen Schotterbrůchen lánes der 
| frůher geschilderten Eisenstein fůhrenden Zone (d;), so zwischen Vinoř und Pod- 
| slánka, zwischen Popovic und Dřevčic, bei Vrabí und Brandeis, wo endlich in ge- 
| stórter Lagerung die letzte Spur des Auarzites und der silurischen Gesteine úberhaupt 
unter Auadersandsteinen verschwindet. Siehe Fig. 51. 

| Die sůdlichere Auarzitzone, die am Berauner Plešivec beginnt und von 
| der vorigen durch einen sich nordóstlich erweiternden Streifen der Grauwacken- 
„ schiefer (d;,) abgetrennt ist, zieht sich zwischen dem Hofe Veselá (wo ein Haupt- 
© fundort von d, Petrefakten ist) und dem Dorfe Lhotka auf den Riůicken Březova 
1 (400 M.) und man sieht hier in der durch die Bruchlinie gebildeten Terraineinsen- 
© kung bei Lhotka einen kleinen sandigen Rest der Kreideformation. 

| Dieser Růcken streicht von secundáren Faltungen und Bruchstellen beegleitet 
| lánes der grossen Bruch- und Dislocationslinie, durch welche beide Ouarzitzonen 
- gebildet wurden, bis ins Kačicer Thal bei Chrustenic, an dessen Lehnen man die 
 Schichtenwiederholungen (von d, bis d,) ganz besonders deutlich erkennen kann. 

Die Fortsetzung des Auarzitzuges jenseits des Kačicerbaches bildet der waldige 
Růcken Blyskava (431 M.) und dann einzelne kleinere láneliche Felshůgel, welche 
lines der Berauner Ararialssrasse zwischen Hořelic und Chraštan bis gegen Třebonic 
anstehen und durch Schottereruben eroffnet sind. (Siehe Fig. 52.) 

Auf dem Plateau Píska (389 M.) zwischen Třebonice und Motol bedeckt 
Ouadersandstein die Fortsetzung des Auarzitzuges; derselbe tritt aber bald wieder 
zum Vorschein und zwar in den Felsenklippen des Košířer Thales, welche die grosse 

- Bruchlinie begleiten, an der, wie schon frůher erwáhnt, hier hóhere Thonschiefer 
(d;) mit den tieferen Schiefern zusammenstossen. (Siehe Fig. 34.) 

Diese Košířer Dislocationslinie setzt sich guer durch die obere Neustadt fort 
und zwar ber Emaus und Skalka, wo sie durch anstehende Auarzitbánke ange- 
deutet ist, zum ehemaligen Rossthor (Siehe Fig. 95) und zwar so, dass der Bahn- 
hof der Franz-Josefsbahn schon auf Schiefern der Zone d, steht, wáhrend der 
Ouarzitzug etwas něrdlicher durch die von Gůrten bedeckten Hůgel auf den Žižka- 
berg zieht, dessen steile Lehne gegen Karolinenthal gerade in der Bruchlinie liegt, 
an welcher im Prager Moldauthal die Grauwackenschiefer (d;) unter die Eisenstein 
fihrende Zone (d,) verworfen sind. (Siehe Fig. 36.) 

Der Kamm des Žižkaberges (267 M.) besteht aus Ouarzit (d,), seine steile 
Lehne aber aus Schiefern der Zone d,, wáhrend in den niederen Hůgeln der Kop- 
manka schon Grauwackenschiefer (d;) anstehen. Dieselbe Zusammensetzune hat die 
Fortsetzung des Žižkaberees am flachen Růcken Strahov (284 M.) und die Fels- 
hůgel zwischen Hrdlořez und Hloupětín, hinter welchem Dorfe am Rande des 


60 


Plánerplateau westlich von Chvala an dem Eisenbahneinschnitt der letzte sichtbare 
Ouarzit zu Tage steht, um alsbald unter der Ouader- und Plánerdecke zu ver- 
Schwinden. Šiehe Fig. 31. 


Parallel zum Žižkaberg zieht sich sůdlich von demselben ebenfalls schon von 
Prag aus, námlich vom Garten des allgemeinen Krankenhauses eine antiklinale 
Schichtenaufstauung des GAuarzit, die besonders deutlich in der Gestalt eines Ge- 
wólbes am Hůgel u Kříže (274 M.) ober Volšan (siehe Fig. 36) erkennbar, und 
vom Auarzitzug des Žižkovkammes durch einen Schichtenbruch getrennt ist, in 
welchem die tieferen Schiefer (d,) zu Tage treten. Diese Faltung geht bei Hrd- 
lořez vorbei, zwischen Hloupětín und Kyje und verliert sich zugleich mit dem 
vorigen GAuarzitzuge unter den (Auadersandsteinen des Plateaurandes vor dem 
Dorfe Chvala. 


Die Distanz beider von einander durch den Schichtenbruch getrennten Auar- 
zitzonen, am nordlichen Saume des Silurterrains, námlich der nordlichen Zone bei 
Vinoř und der sůdlichen bei Chvala, zwischen denen breite, grósstentheils unter 
den Auadersandsteinen und Pláner verborgene Streifen der Grauwackenschiefer (d,) 
eingekeilt sind, betrágt 4"/, Kilometer. 


3. Die Zone der dunklen, diůnnbláttrigen Schiefer d-. 


Die Zone dieser Schiefer ist die orographisch am weniesten auffallende, indem 
sie sich in einer nicht bedeutenden, etwa 80—100 M. betragenden Máchtigkeit an 
die Auarzite (d,) anschmiegt und den Fuss der Auarzitrůcken bildet, gewóhnlich 
bedeckt vom verwitterten Erdreiche und nur in kleinen Wasserrissen oder Schluchten 
aufgeschlossen. 


Petrographisch zeichnet sich diese Zone durch gleichfórmig entwickelte, dun- 
keleraue bis schwarze, feinglimmerige und důnnbláttrige Schiefer aus, die von den 
untergelagerten Ouarziten sich scharf scheiden, in die aufgelagerten gróberen Grau- 
wackenschiefer aber allmáhlig úbergehen. Háufig sind diese Schiefer den der tieferen 
Zone angehórenden Schiefern der Zone d, ziemlich áhnlich, indessen giebt sich in 
ihnen nicht selten eine Neigung zu einer sphároidisch concentrischen Štructur zu 
erkennen, was an eine áhnliche Erscheinung im Bereiche der Primordialschiefer 
der Jinecer Zone erinnert, 


An einigen Stellen, wie in den Einschnitten zwischen Zahořan und Trubín, 
dann in der Strecke von Beraun gegen Lodenic findet man in diesen Schiefern 
gróssere Knollen und Massen eines unreinen, oft etwas kalkigen, feinkornigen, grauen 
Siderites, in welchem einzelne Parthien eine oolithische Struktur besitzen, wáhrend 
andere Parthien in Limonit úbergehen. Sie ragen in Folge ihrer hárteren Beschat- 
fenheit aus den weicheren verwitterten Schiefern hervor und lassen sich also leicht 
auffinden. 


Auch der palaeontologische Charakter dieser Zone ist weniger selbststándig 
als der der anderen Zonen und ist namentlich mit der folgenden Zone (d,) ziemlich 
úbereinstimmend. 


Die Trilobiten sind durch 8 Gattungen mit 18 Arten vertreten, also weniger 


61 


© reichlich als in der vorhergehenden Zone; von diesen sind nur 3 Arten, aber keine 


einzige Gattung der Zone d; eigenthůmlich. Diese Arten sind: Cheirurus scu- 


ticauda, Dalmanites Deshayesi und Trilobites infaustus. Die Gat- 


tungen Aeglina und Dionide, die in der Zone d, fehlen, aber in der Zone d; 
vertreten sind, erscheinen in der Zone d, abermals. Von sonstigen Crustaceen 
kommen 7 Gattungen in 9 Arten vor, darunter eine Crescentilla ausschliesslich 
dieser Zone angehórt, wáhrend Beyrichia, Cythere und Primitia auch in 
anderen Zonen erscheinen. 

Von Cirrhipeden kommen sowohl Anatifopsis als Plumulites vor, wie 
in allen Unterabtheilungen der Etage D. 

Die Pteropoden sind mit je 5 Arten Conularia und Hyolithes vertreten. 


Die Cephalopoden sind durch die einzige Art Orthoceras inoportunum 
angedeutet; die Acephalen lieferten 5 Gattungen mit 16 Arten, worunter 5 dieser 
Zone eigenthůmlich sind; die Brachiopoden 7 Gattungen mit 18 Arten. Gastero- 
poden, Echinodermen und Graptolithen sind nur spárlich vertreten. 


Die Verbreituneg der Schieferzoned; ist an den zusammenhángenden 
concentrischen Auarzitzug gebunden, der unsere Silurmulde umschliesst. Am deut- 
lichsten und auch palaeontologisch am reichsten tritt sie am Fusse des kleinen 
Brdarůckens bei Beraun auf, námlich bei dem Hofe Pták, dann bei der Einschichte 
Vinice und bei dem Dorfe Trubín, wesshalb diese Schichtenzone auch den 
Namen der Trubiner oder Vinicer Schiefer fihrt. Bei Zahořan spaltet sich 
diese Zone in zwei Arme und zwar in Folge einer antiklinalen Schichtenfaltung der 
Ouarzitzone (d.), so dass sie nordlich von dieser Faltung in einer synklinalen 
Mulde auf Auarziten aufgelagert ist, sůdlich aber davon von dem Auarzitsattel 
unter die Grauwackenschiefer d, einfállt. Bei Trubín vereinigen sich wieder beide 
Arme; es treten aber hier im Bereiche der Schiefer d, Diabasen auf, die mit den 
Diabasen, welche von Zdic gegen Trubín die hóheren Grauwackenschiefer (d, und 
d,) durchsetzen, im Zusammenhange zu sein scheinen und die sich bis in die 
untergelagerten Auarzite bei Trubín fortsetzen, indem sie daselbst einen ansehnlichen 
Felsenhůgel bilden. Von Trubín kann man die Schieferzone d, úber Knížkovic bis 
gegen Žebrák verfolgen, wo sie sich wie die anderen Zonen der Etage D unter 
Schotter und Lehmablagerung verbiret. 


Von Beraun nordostwárts erstreckt sich die Schieferzone d, durch ihren 
petrographischen Habitus und ihre Petrefakten leicht erkennbar am Fusse des 
Ouarzitrůckens Březová bis gegen Lodenic. Von da weiter gegen Prag erkennt 
man sie stellenweise sowohl lángs des nordlichen Auarzitzuges bis Klein-Přílep 
und jenseits Nenačovic, als auch lánes des sůdlichen Auarzitzuges bei Motol und 
Košíř. In den Umgebungen von Prag begleiten diese Schiefer die Auarzite bei Liboc 
und Dejvic und streichen durch den Baumgarten bei Bubeneč bis an das andere 
Ufer bei Bulovka fort, und verschwinden erst bei Neulieben unter den GAuadern 
und Plánern des Prosiker Plateaus. Auch der Ouarzitzug des Žižkaberges und der 
Křížbera bei Olšan ist bis úber Hrdlořez und Hloupětín von diesen Schiefern be- 
gleitet, wie man an einzelnen Terraineinschnitten erkennt. 


Am sůdlichen Rande der Silurmulde zeigt sich aber diese Schieferzone d, 
in einer weniger deutlichen Entwicklung, indem sie grósstentheils durch aufge- 


62 


schwemmte Triůmmergesteine und Lehm am Fusse des grossen Brdawaldes bedeckt © 


ist.. Doch erkennt man sie in einigen Wasserrissen und Einschnitten entlang des 
Fusses der Auarzitrůcken zwischen Vosov und Revnic, so namentlich bei Branšov 


segeniiber von Dobřichovic und bei Všenor, und auch an den kleinen Auarzithůgeln © 


jenseits der Moldau bei Kunratic, Dubeček bis gegen Ouval bemerkt man einzelne 
Schieferlager auf Ouarziten ruhend, welche nach ihrer Beschaffenheit als dieser 
Zone angehórie, betrachtet werden kónnen. Hiedurch ist die Bestándigkeit und 
eine, wenigstens in petrographischer Hinsicht bestimmte Selbststándigkeit dieser 
Zone im unseren silurischen Gebiete nachcewiesen. 


4. Die Zone der Grauwackenschiefer d,. 


Die Gesteine dieser Zone sind guarzig thonige elimmerige Grauwackenschiefer 
mit eingefůgten Schichten einer guarzigen feinkórnigen oder guarzitáhnlichen Grau- 
wacke. Die Farbe der Schiefer ist meist dunkelegrau, háufie ins bráunliche geneigt; 
die aguarzitischen Grauwackenschichten sind heller gefárbt. 


Die Schichtenfláchen sind wulstig und knollig, und nur in den důnnbláttrigen 
Schiefern ebenfláchie. An vielen Orten bemerkt man Faltungen und Windungen 
der Schichten, offenbar durch Seitendruck veranlasst, wobei wegen der relativen 
Plasticitát des Materiales die Schichten im Zusammenhange blieben, wáhrend die 
sproderen guarzitischen Bánke der vorhergehenden Zone d, durch Seitendruck zer- 
sprenet und zerbrochen sind. Wegen dieser unregelmássigcen Lagerune ist es nicht 
leicht, die eigentliche Máchtiekeit dieser Zone zu bestimmen: sie mag an 1 bis 
1, Kilom. betragen, erscheint aber wegen der háufigen Verwerfungen und Fal 
tungen viel grósser, ja bis zu mehreren Tausend Metern. Dies ist aber allerdings 
nur scheinbar, indem sich dieselben Schichtenlagen in abwechselnden synklinalen 
und antiklinalen Wellen wiederholen, so namentlich im Moldauthal unterhalb Prag 
am Belvedere, im Thale von Vosov, bei Hořovic u. s. W. 


Wie zwischen den Schieferschichten der Zone d;, werden auch in dieser Zone 
mehr oder weniger grosse linsenformice Ausscheidungen eines grossen, mehr oder 
weniger kalkicen Šiderites angetroffen, der durch Verwitterung in Limonit úbergeht. 

In dem nórdlichen Muldenflůgel des Silurterrains ist bei Nučic ein grosses 
Eisenerzlager in den Schiefern eingeschlossen, das beremánnisch abgebaut und 
in den Eisenhůtten von Kladno und Kónieshof verschmolzen wird. Die Máchtigkeit 
dieses Lagers erreicht bis 16 Meter, es verschwácht sich aber allmáhlich sowohl 
in westlicher als in óstlicher Richtung und keilt sich endlich ganz aus. In der 
Gegend von Nučic steht es felsenartieg zu Tage an, so dass es hier durch Tagbaue 
gewonnen werden kann. 

Das Erz selbst ist ein linsenfórmie oolithisches, dunkelerůngraues, seltener 
bláulich graues Eisenoxydulsilikat, wáhrend die allgemeine Grundmasse, in der die 
linsenfórmigen oolithen Silikate ausgeschieden sind, ein bráunlich grauer Siderit ist. 
Es náhert sich in seinen Eigenschaften den als Chamoisit angefůhrten Eisenerzen, 
Einzelne Stůcke des Erzes besitzen magnetische Kraft, ja es kommen selbst polaristh 
wirkende Bruchstůcke vor. 

An den Ausbissen und in den das Erzlager durchsetzenden Auerklůften ist 


| | 63 


verwandelt. ; 

| Von seiner Hauptablagerune bei Nučic kann man das Erzlager nach seinem 
mordostlichen Streichen ber Jinočan bis gegen die einsame Kirche Krteň bei 
Třebonic verfolgen; in sůdostlicher Richtune ist es úber Lodenic bis gegen Vraž 
„nachgewiesen. 

In palaeontologischer Beziehune trágt diese Zone den Charakter der zweiten 
silurischen Fauna gleichmássie wie die Zone d;, und ist sowohl den Arten als den 
"Individuen nach ziemlich manniefach und reichhaltig. 


p Erz durch Verwitterung in limonitáhnliche, braune und bráunlich celbe Erze 
| 
j 


Die Trilobiten erscheinen in 9 Gattungen, von denen eine in einer Art, 
měmlich Telephus fractus hier zuerst erscheint. Die úbrigen Gattungen stammen 
(aus den tieferen Zonen der Etage D und enthalten 25 Arten, von denen vier dieser 
| Zone eigenthůmlich sind, námlich Acidaspus Kaiserlingi, A. tremenda, 
(Homolonotus medius und minor. 


Von anderen Crustaceen kommen vier Gattungen Ostrapoden: Beyrichia, 
„Cytheropsis, Hippa, Laperditia und zwei Gattungen Circhipeden: Anati- 
fopsis und Plumulites vor, im Ganzen mit 8 Arten, wovon 3 dieser Zone 
eigenthůmlich sind. Von Pteropoden sind 11 Conularien und 7 Hyolithen 
-aus dieser Zone bekannt, erstere mit 1, letztere mit 2 nicht weiter verbreiteten 
-Arten; Die Cephalopoden kommen sparsam vor und zwar nur in der Gattung 
(Orthoceras mit 7 Arten; die Acephalen und Brachiopoden sind aber wieder 
zahlreicher, und zwar die ersteren mit 10 Gattungen und 51 Arten; die letzteren 
„mit 9 Gattungen und 40 Arten. Von Acephalen erscheinen hier zuerst die Gat- 
"tungen Cypricardinia, Orthonota; von Brachiopoden die Gattung Crania. 

Auch Echinodermen, namentlich Cystideen sind háufig und fůllen bei Vraž 
und Zahořan ganze Schichtenlagen aus, so namentlich Aristocystites bohe- 
"micus, Dendrocystites Sedewicki; in den Schiefern bei Nučic ist Echino- 
sphaerites Helmhackeri eine ausgezeichnete Erscheinung. 


Graptolithen kommen auch vor, aber selten. Desto háufiger sind auf gewissen 
»Schichtenfláchen der Ca dnafér wulstartige dichotomische Abdrůcke, die 
„von Fucoiden herrůhren und mit dem Namen Chondrites antiguu's Šternb. 
bezeichnet sind. 


Die Verbreitung der Grauwackenschiefer d, ist durch die Thal- 
gecenden angedeutet, welche am Fusse des Walles der Ouarzitrůcken des grossen 
und der kleinen Brda das in der Mitte des Šilurbeckens gelegene Kalksteinplateau 
koncentriseh umgeben. (Fig. 45, s. S. 64) 


Der áusserste Saum dieser Grauwackenschiefer gegen Siidwesten reicht bis 
in die beiden frůher erwáhnten Ausbuchtungen, welche der wallartige Ouarzitrand 
an den beiden Flanken des Hostomicer Plešivec bildet. Die Ausbuchtung nordlich 
vom Plešivec umfasst die flache Gegend zwischen Hořovic und Žebrák bis Oujezd 
sůdwestlich von Cerhovic; die Ausbuchtung sůdlich vom Plešivec bildet das Thal 
von Hostomic. 

Beginnen wir die Umgehung der Grauwackenschieferzone d; von Hostomic an 
gegen Nordost, so gelangen wir aus der gegen Sůden im Halbkreise von dem 
Plešivec und dem ©<rossen Brdawalde umschlossenen Thalgegend von Hostomic 


64 


(359 M.) in das schóne, gut angebaute und bevolkerte Lángsthal von Vosov, dessen 
nordliche Gránze der Auarzitrůcken der Housiny (d;) und die sich ihm anschlies- 
senden Kalksteinberge Samor und Mramor (e,, e,) bilden, wáhrend an der sůdlichen 


N Litavathal. Vosoverthal. S 
Brdatka Damil Jóbolka. Mramor, 


SNN 
N SIL 
DAD SD 


d,—d; Untersilur. e e F « Obersilur Di Diabas. 
Fig. 43. 


Seite des Thales der dicht bewaldete grosse Brdarůcken sich erhebt und gecen 
Nordost fortzieht. Der Thalgrund besteht aus flachgewellten Hůgeln, die aus wellen- 
fórmig gebocenen Grauwackenschiefern bestehen und nur náher am Brdawald etwas 
mehr sich erhóhen, wie am Chlumek (422 M.) bei Běhčín, an der Šiberna 
(450 M.) zwischen Hostomic und Chlumec und an dem Hůcel zwischen Hatě und 
Rochoty. Der tiefste Thalgrund am Chumavabache unter Neumětel hat die Seehóhe 
von 300 Metern.  Bei Radouš durchbricht ein kleiner Diabasstock die Schiefer 
(siehe Fig. 19.), die sonst nur in Hohlwegen und anderen Terraineinschnitten zu 
Tage treten, sonst aber von Ackerboden und dem herabceschwemmten thonigen 
Detritus und dem Šteinschutt des Brdagebirges bedeckt sind. 

Bei Hlazowic unweit Vosow ist ein reicher Fundort von Petrefakten. 

Eine kaum merkbare Erhebung des Thalbodens (358 M.) zwischen Vižina und 
Všeradic bildet die Wasserscheide der Thalbáche, von denen der eine námlich der 
Chumavabach westwárts zur Litava, der andere, der Velicebach nordostlich zur Beraun 
abfliesst. 

Bel Třebaň tritt von Nordwest der Beraunfluss aus einem Ouerthale, mittelst 
dessen er das obersilurische Kalkplateau durchbricht, in dieses Lángenthal ein und 
bewássert, in die Grauwackenschiefer d, eingefurcht, das schone malerische Thal 
zwischen dem Kalksteinplateau und dem Brdarůcken ber Řevnic, Dobřichovie, 
Všenor bis zu seinem Ende bei Kóniesaal. Hier úbersetzt die Grauwackenschiefer- 
zone d, die Moldau und steht am rechten Ufer diesen Flusses in geologisch sehr 
interessanten Lagerverháltnissen an, indem die manniefach geknickten und gefalteten 
Grauwackenschiefer an einer Dislocationskluft widersinnie unter die azoischen 
Schiefer einfallen 


Von da steigen die Grauwackenschiefer auf die Hiůgel des rechten Moldau- 
ufers und verbreiten sich in einem nicht breiten Streifen zwischen Závist und 
Modřan auf das Plateau bei Lhotka und lánes des Ouarzitzuges ber Oberkrě 
segen Roztyly, dann auf die fachgewellte Gegend zwischen Štěrbohol und Běchovic 
bis in den Wald Fiederholz, grósstentheils von Sand und Schutt von zerstórten 
Ouadersandsteinen bedeckt. Endlich streicht diese Grauwackenschieferzone bei Ho- 
roušan und Vyšerovic bis zum Fusse des Ouader- und Plánerplateaus, unter dem 


z 05 


/sie sich bei Vykáň und Černíky verliert. Die něrdliche Gránze dieser Zone geht 
"hier lángs einer Linie von Hodkovičky, Záběhlic, Štěrbohol und Počernic, lánes 
'deren sie von aufgelagerten Schiefern der Zone d; bedeckt wird, wáhrend anderseits 
| der schon frůher besprochene Ouarzitzug von Kunratic-Ouval sie an der Sůdseite 
(begránzt. 
| Kehren wir nun zu unserem Ausganespunkt bei Hostomic zurůck, um die 
(Grauwackenschieferzone (d;) an der Nordseite des Silurbeckens zu verfolgen. Die- 
(s zieht sich von Hostomic bis Lochovic um den nordlichen Fuss der Plešivec 
"herum und fůllt dann die Mulde der nordlichen Auarzitausbuchtung zwischen Ho- 
(řovic bis Žebrák aus. 

| Eine antiklinale Schichtenfaltung, welche vom Berge Ivina bis gegen Hořovic 
(streicht, bewirkt lángs des rothen Baches bei Hořovic eine locale Erhebung der 
o" úber die aufgelagerten Grauwackenschiefer und verursacht die Zertheilune 
dieser Schiefer in zwei sekundáre Mulden, von denen die sůdlichere Mulde zwischen 
| dem Berge Ostrý und der Dražovka bei Hořovic das Thal von Erpet und Podluh 
ausfůllt, wáhrend jenseits des Auarzitsattels der Dražovka die Grauwackenschiefer 
| die ebene Feldgegend einnehmen, welche sich vom rothen Bache bis Oujezd, Cerhovic 
und Žebrák erstreckt. Sand und Schotter und auch fruchtbare gelblichgraue Acker- 
| erde bedecken diese Fláche zwischen Záluží, Tlustic und Sedlec bis gegen Žebrák. 
 (Siehe Fig. 16.) Diese oberfláchlichen Ablagerungen růhren nach ihrem Material, 
in welchem man noch Stůcke von eisenschůssigcen Sandstein wahrnimmt, offenbar 
von einer zerstórten Parthie der Kreideformation her, deren tiefste limnische 
Schichten úber Beraun bis hieher reichten. Das Vorkommen von weissem plastischen 
Thon bei Bzová unweit Točník, der vollkommen mit áhnlichen Thonen der Kreide- 
formation in den Umgebungen von Prag úbereinstimmt, zeigt, dass ein Theil 
der limnischen Absátze der Kreidezeit hier sogar bis in die azoische Region sich 
ausdehnte, indem Bzová schon auf azoischen Thon- und Kieselschiefern liegt. Wir 
werden áhnliche Vorkómmnisse noch háufiger auf dem obersilurischen Kalkstein- 
plateau antreffen. 

In dem DBereiche dieses angeschwemmten Terrains erhebt sich der Hůgel „na 
Štilci“ zwischen Tlustic und Žebrák, wo Schichten einer kleinen, auf dem Silur 
aufgelagerten Steinkohlenmulde anstehen, aus weichem kaolinischem Sandstein be- 
stehend, der ehedem ein ausgiebiges Kohlenflótz bedeckte, das nun aber seit Jahren 
ganz abgebaut ist. (Siehe Fig. 17.) 

Aus diesem Terrain zwischen Hořovic und Žebrák verbreitet sich die Zone 
der Grauwackenschiefer (d,) úber Zdic gegen Beraun, und zwar zwischen den Auar- 
ziten (d,) des kleinen Brda und der ihnen aufcgelagerten Trubiner Schiefer (d,) und 
zwischen den weichen Schiefern der Zone d;, die am Berge Koncipudy bei Lochovic 
beginnen, und sich von da úber Otmik, Stašov, Zdic lángs des Rothen Baches und 
dann gegen Kónieshof lángs der Litava bis nach Beraun erstrecken. 

Die Lagerung der Grauwackenschiefer ist hier manniefach gestórt und háufigen 
Faltungen unterworfen. Lángs der Gránze zwischen den Schiefern der Zone d, und 
d; treten ansehnliche Diabasstócke zu Tage, so am Berge Koncipudy (411 M), 
am Otmikerberge (399 M.), dann zwischen Stašov und Bavoryně, bei Zdic und 

zwischen Levín und Černín, dann auch zwischen Počapl und Trubín. Durch diese 
Diabasen und die durch sie bewirkten antiklinalen Schichtenaufstauungen entwickelt 
5 


66 


sich im Thale der Litava zwischen Zdic und Beraun eine Reihe von lánglichen, 
steilen Hůgeln, welche die Mitte des Thales einnehmen und von den hoheren Bergen 
aus gesehen, z. B. von Svatá, der Gegend einen eigenthůmlich malerisch coupirten 
Character verleihen. | 

Im Bereiche dieser Thalzone sind die reichsten und ergiebigsten Fundorte 
der Petrefakte der Grauwackenschieferzone d;, so namentlich bei Praskoles und 
bei Zahořan, nach welchem letzteren Orte diese Zone auch mit dem Namen Zá-' 
hořaner Schiefer bezeichnet wird. + 

Am linken Beraunufer setzt sich von der Stadt Beraun diese Zone Graib 
wackenschiefer mit einem áhnlichen hůgeligen Charakter úber Vraž gegen Lodenic 
fort und bildet dann weiter den Terrainstreifen zwischen dem Ouarzitzug von Hořelic. 
und Chrašťan und zwischen den Abhángen des Kalksteinplateaus ber Nučic, Ji- 
nočan, Stodůlky in das Košířer Thal bis nach Smichov. Bei Nučic treten am 
Hůgel „v Háječku“ (385 M.) die frůher erwáhnten Chamoisit áhnlichen Erze in 
anstehenden Felsen zu Tage (Fig. 32 r.) und sind dann weiter gegen Zbuzan durch. 
grossen Tagbau aufgeschlossen. Die Vicinalbahn von Kladno leitet die Eisenschienen 
bis zur Miindung der Stollen und versorgt die grossen Eisenhůtten in Kladno mit 
dem hiesigen Erze. 

Jenseits der Moldau, am rechten Ufer dieses Flusses zieht sich dann die. 
Zone der Grauwackenschiefer (d,) zwischen den Auarziten des Žižkaberces und den 
Schieferhigeln der Zone d;, úber Vyšehrad und die obere Neustadt Prag, wo sie. 
eine grosse antiklinale Faltung bildet, dann úber Vršovic, Malešic, Hrdlořezy, Kej 
und Svépravice bis zum Fusse des Auader- und Plánerplateaus, wo sie zwischen. 
Chvala und Jirna unter denselben verschwindet. 

Ein durch die grosse Beraun-Prager Bruchlinie abgerissener Streifen der- 
Grauwackenschiefer, 1 bis 2 Kilom. breit, erscheint noch něrdlich jenseits der eben © 
beschriebenen Grauwackenschieferzone zwischen den beiden Ouarzitzůgen des něrd- 
lichen Randes unserer Silurmulde. Er beginnt am Plešivec bei Beraun, und zieht 
sich zwischen Podkozí und Nenačovic guer úber den Kačicerbach, jenseits dessen 
er unter dem Plánerplateau sich verbiret, aber wieder im flachen Thalgrunde bei- 
Hostivic und dann bei Liboc und Dejvic auftaucht, worauf er sich ber den Baum- © 
garten und das Belvedere bei Prag, wo er in bedeutend gestórter Lagerung von 
Sand und Schotter bedeckt ist, guer ůúber die Moldau auf die Hůgel bei Lieben 
verbreitet und daselbst unter dem Auader- und Plánerplateau unter Prosik ver- 
schwindet. 

Auch hier trifft man namentlich bei Lieben und Vysočan ziemlich reichháltige © 
Fundorte von Petrefakten an. 

Die palaeontologisch merkwůrdigste, leider aber nicht mehr sichtbare Fund- 
stelle im Bereiche dieses Streifens von Grauwackenschiefer, ist die am Hohlweg © 
Bruska auf der Kleinseite Prags. Es kamen daselbst bei dem Baue der Strasst | 
(1836) gróssere Kalkconcretionen in den Grauwackenschiefern vor, welche mitten im | 
Gebiete der zweiten silurischen Fauna unzweifelhafte Renriakinlm der dritten 
Fauna enthielten (Cheirurus insignis, Arethusina Konincki, Sphaerexo- 
chus mirus, Spirifer togatus, Atrypa reticularisu.a.), wáhrend in den © 
diese Kalkknollen umschliessenden Grauwackenschiefern echte Reprásentanten der 
zweiten Fauna (Asaphus nobilis, Calymene incerta, Dalmanites s0- 


h as 2- O. 0 


67 


Wialis, Trinucleus ornatus) erschienen. Barrande bezeichnete diese Stelle 
ait dem Namen Colonie Zippe, und reihte sie der Zone der Grauwackenschiefer 
hd) ein, dem zu Folge eine Wiederholung der Coloniebildung statt gefunden haben 
nůsste, da námlich auch in der náchstfolgenden Zone d; Colonien vorkommen. 
Eine neue Untersuchung dieser Stelle war wegen der Verdeckung derselben 
arch die Strasse nicht móglich. Da aber die grosse Dislocationslinie, an der die 
bffenbar in die Zone d; eingelagerte Colonie Motol vorkommt, guer úber den Lo- 
enziberg in Prag gegen das Belvedere streicht, und die Zone der Schiefer d. von 
Motol bis zum Fusse des Lorenziberges sich verfolgen lásst, so liegt die Vermu- 
hung nahe, dass in der Colonie Zippe eine kleine Parthie der Schiefer d; mit 
hren Colonieeinschlůssen in irgend eine Schichtenfalte oder eine Verwerfunoskluft 
ler Grauwackenschiefer d, eingezwángt ist, und dass demgemáss auch diese Colonie 
'igentlich in das Bereich der Schichtenzone d; gehort. 


5. Die Zone der weichen Schiefer d.. 


Diese Zone bildet den Abschluss der mittelsilurischen Abtheilung, námlich 
'ler Etage D, und besteht aus thonigen, weichen, gelblich oder grůnlichgrauen, 
ktellenweise auch dunkelgrauen und schwarzen Schiefern mit wenig Glimmer. Stellen- 
Weise trifft man in diesen Schiefern auch hártere, gróssere und kleinere Concre- 
"onen von thonigkieseligem Gesteine an. Im den hóheren Schichtenlagen wechsel- 
"agern diese weichen Schiefer mit Grauwackensandsteinen oder guarzitáhnlichen 


| 


(Bánken von gewóhnlich lchtgrauer, manchmal auch von grůnlicher Farbe, die in 
»inzelnen Strecken gegen den Abschluss dieser Zone vorherrschend werden und in 
kleinen Felsenkámmen auftreten. Nach einem der charakteristischen Hauptfundorte 
Mlieser Schichten hat man ihre Schiefer mit dem Namen Kónigshofer Schiefer 
Imd die Grauwackensandsteine mit dem Namen Kosover Grauwacken be- 
zeichnet. 

: Von besonderem Interesse sind důnnbláttrice, schwarze, etwas kalkice Schiefer, 
náufig kalkige Concretionen enthaltend, welche von mehr oder weniger máchtigen 
iabasmassen begleitet, in die weichen Schiefer der Zone d; eingelagert oder ein- 
eklemmt erscheinen. Diese schwarzen Schiefer enthalten námlich nicht blos die- 
Selben Graptolithen, wie sie in den unmittelbar unter die Etage E abgelagerten 
ind zu dieser Etage palaeontologisch zugehorigen Graptolithenschiefern vorkommen, 
sondern auch namentlich in den kalkigen Concretionen andere Reprásentanten 
mmserer dritten silurischen Fauna, wáhrend in den diese schwarzen Schiefer umgebenden 
weichen thonigen Schiefern noch Petrefakte der zweiten Fauna erscheinen. Bar- 
rande bezeichnete diese Erscheinung mit dem Namen Colonien, indem er annahm, 
lass die zweite und dritte Fauna, allerdings an verschiedenen Orten, oleichzeitie 
xistirte und dass unter gewissen Verháltnissen, etwa in Folge von Senkungen oder 
Jebungen des Meeresbodens, Einwanderungen von Reprásentanten der dritten Fauna 
m das Gebiet der zweiten Fauna stattfanden. 

In Berůcksichtigung des geotektonischen Zusammenhanges der schwarzen Grap- 
"olithenschiefer mit den Diabasgesteinen und ihren geschichteten Tuffen, der fast 
úberall an der Basis der oberen Abtheilung der bohmischen Silurformation bemerkbar 
| 5“ 


68 


ist, scheint die Annahme gestattet zu sein, dass ein genetischer Zusammen-| 
hang zwischen den Diabasmassen und den Graptolithenschiefern obwalte, vielleicht! 
in der Art, dass um die Eruptionsstellen des Diabases am Meeresgrunde als 
námlich das Material dieses Gesteines zur Zeit des Abschlusses der D-Sedimente. 
aus dem Erdinnern empordrang, das feine, thonig kalkige Material der Graptolithen 
schiefer sich absetzte, und einen besonders giinstigen Zůchtungsboden fůr den. 
Beginn der dritten silurischen Fauna darbot. i 
Die Diabaseruptionen und die Bildung der ringsum dieselben verbreiteten 
Graptolithenschichten erfoleten, wie es scheint, gegen Abschluss der Periode der. 
D-Etage zuerst nur sporadisch, spáter aber háutiger, bis sie am Beginne der Bildune“ 
der obersilurischen Schichten das ganze noch von silurischen Wássern bedeckte. 
Becken einnahmen. An manchen Stellen scheint aber am Abschluss der D-Periode' 
eine ununterbrochene Bildung der Diabasen und Graptolithenschiefer stattcefunden! 
zu haben, die dann gánzlich die Stelle der thonigen, an anderen Stellen sich 
noch immer bildenden Absátze, einnahmen. Eine solche ŠStelle ist der Hůgel 
Ratinka zwischen dem Bahnhofe von Beraun und dem Dorfe Tetín. Man sieht. 
daselbst máchtige, die weichen Schiefer d, durchbrechende Massen von Diabas. 
und darůber in einer anscheinenden Máchtigkeit von einigen hundert Metern einen. 
Wechsel von Graptolithenschiefern und Diabasen und ihren Tuffen, selbst mit ein- 
gelagerten grósseren versteinerungsreichen Kalkbánken, bis sie endlich bei Tetín 
von Kalkschichten der Zone e, úberlagert werden. Dieser ganze Schichtencomplex. 
wird allerdines schon zur Zone e, der ersten obersilurischen Etage E gerechnet, 
aber die Vertheilung der Graptolithen in demselben ist der Art, dass sich hier 
ebendasselbe Vertheilunesgesetz der Graptolithen wiedererkennen lásst, wie es in. 
den vereinzelnten Colonien mehr oder weniger deutlich angedeutet ist. Ganz analog: 
dem Vorkommen der Graptolithen an der Basis des Obersilures, wie es Nicholson, 
und Lapworth in Nordengland und Tullberg im Schweden constatirt hat, lassen 
sich námlich auch in unseren Graptolithenschiefern an der Basis des Obersilures 
drei Zonen unterscheiden, von denen die tiefste durch das háufige Erscheinen vom 
Diplograptus- und Glimacograptus-Arten und durch Rastrites peregrt 
nus, Monograptus lobiferus (Becki Barr.); die mittlere durch das Vorherr- 
schen von Monog. priodon und die obere durch Monocg. colonus und testis 
charakterisirt ist. Diese Vertheilung gilt sowohl fůr den zusammenhángenden Schi- 
chtencomplex der Graptolithenschiefer an der Basis des Obersilures, wie er an der 
Ratinka auftritt, als auch fůr die isolirten Colonien, in denen man die eine oder 
die andere der Graptolithenzonen, aber immer in der angedeuteten Ordnung antrifit. 
Dem zu Folgse wáre es nicht ungerechtfertiget, die Gránze des bohmischen 
Obersilures, námlich den Beginn der Etage E tiefer zu versetzen, als es Barrande 
cethan hat, und zwar bis in das Bereich der Colonien, wo dann die wenigen. 
Reprásentanten der zweiten Fauna, welche in dieser Gránzzone in den benachbarten 
weichen Schiefern noch vorkommen, als die letzten Nachzůgler dieser Fauna be- 
trachtet werden konnten. 
Die Máchtigkeit der eigentlichen Zone d; lásst sich auf etwa 200 Meter 
abschátzen, sie wáchst aber bedeutend an, wo Grůnsteinmassen in derselben auf- 
treten und betrást dann bis úber 800 Meter. 
Der palaeontologische Charakter dieser Zone ist, allerdings abgesehen von den 


F 


69 


IVorkómmnissen in den Colonien, dievollkommen mit der dritten Fauna ůúberein- 
kstimmen, derselbe wie in der vorhergehenden Zone der Grauwackenschiefer d,, es 
sind aber die Gattungen und Arten zahlreicher. So sind die Trilobiten durch 24 
VGattungen mit 55 Arten vertreten, worunter fůnf Gattungen, námlich Ampyx, 
ICyphaspis, Sphaeroxochus, eine von Barrande zu Phillipsia gezogene 
Form (Ph. parabolla) und Remopleurides erscheinen, von denen die beiden 
rletzteren ausschliesslich dieser Zone angehóren. Von den 55 Arten dieser Trilobiten 
sind 36 dieser Zone eigenthiůimlich, darunter mehrere wie Calymene declinata, 
Mlaenus Hisingeri und Wahlenbergianus, Trinucleus Bucklandi 
(durch háufigere Individuen sich bemerkbar machen. 

Die anderen Crustaceen sind durch einen Phyllopoden, aus der Gattung Cera- 
tiocaris, dann durch Gattungen der Ostracoden: Beyrichia, Cytheropsis, 
E onis Primitia und durch die beiden Gattungen der Cirrhipeden Anati- 
sopsis und Plumulites vertreten. 

Die Pteropoden sind durch 4 Conularien und Hyolithen reprásentirt. 
Von Acephalen sind 43 Arten in 19 Gattungen bekannt, darunter die Gat- 
"tungen Nuculites und Sluha mit je einer Art ausschliesslich dieser Zone 
angehóren. 

Von Brachiopoden kommen 40 Arten und zwar in 9 Gattungen vor, die schon 
vin den frůheren Zonen erschienen, worunter 24 Arten ausschliesslich auf diese Zone 
„sich beschránken. 

| Ausserdem sind von Cephalopoden 11 Arten Orthoceras, dann die schon 
Jim d, erwáhnte und von Barrande als Bactrites aufgefasste Form und 1 Art 
iGomphocer as aus dieser Zone beschrieben, und endlich auch eine Anzahl von 
(Gasteropoden und Graptolithen. 

| Die Hauptfundorte sind Kónigshof bei Beraun, Lejškov, Gross-Kuchel, Nusle. 


= Fa 


nd 


: Die Verbreitung der Zone d,. 


Orographisch hángt die Zone d; mit dem obersilurischen Kalksteinplateau 
zusammen, und namentlich bilden die festeren Grauwacken oder Auarzitbánke, die 
„am Abschluss dieser Zone erscheinen, lángliche Kámme am Rande dieses Plateaus. 
(Šiche Fig. 43.) 

| Am sůdwestlichen Ende streicht aber diese Zone úber das Kalkplateau hinaus 
m das Bereich der Grauwackenschiefer d, und bildet bei Kočvar (515 M.) 
in denselben eine flache Bodenerhóhung zwischen den Orten Lochovic, Otmíky und 
(Zdic, die einerseits gegen Norden von dem Rothen Bache begránzt und anderseits 
Idurch das Litavathal bei Libomyšl vom eigentlichen Kalksteinplateau abgetrennt 
(wird. Ansehnliche Diabasmassen treten hier an der Gránze zwischen den Grau- 
/wackenschiefern d, und den Grauwacken und weichen Šchiefern der Zone d; zu 
Tage; so am Berge Koncipudy bei Lochovic, am Otmikerberg, bei Stašov, 
'Bavoryně und Zdic. Die Oberfláche ist von guarzigem Gerólle bedeckt, dessen 
„Material von nahem Brdagebirge abstammt. 

| Eben so verlángert sich die Zone d. am nordostlichen Ende des obersilurischen 
Kalksteinplateaus iiber dasselbe hinaus anů bildet ringsum von Grauwackenschiefern 
"der Zone d, umgeben flache Hůgel mit muldenartiger Lagerung ihrer Schichten, 


10 


die von Michle bei Prag úber Strašnic und Štěrbohol bis nach Běchovic zum Fusse © 
des Chwaler Auader- und Plánerplateaus fortlaufen. (Siehe Fig. 36, 37.) | 

Am Rande des Kalksteinplateaus beginnt die Zone d; mit den steilen, bewal- © 
deten Thallehnen bei Libomyšl, deren Kamm den Namen Vyšebohy (441 M) 
fůhrt. Dieser Kamm setzt sich jenseits eines kleinen Thálchens, das von Libomyšl 
nach Želkovic fůhrt mit óstlicher Richtung noch deutlicher in dem Walde Hou- 
siny (458 Met.) fort (siehe Fig. 44) und erstreckt sich bis nach Všeradic. Er 
besteht aus festeren guarzitischen Grauwackensandsteinen, die Lehnen aus weichen 
Schiefern, der Fuss aber aus einem petrographisch interessanten Gesteine, úámlich 
aus einem Glimmerporphyr (oder Minette), der hier bei Neumětely und 
Hlazovic kleine felsige Hůgel bildet, in denen dieses Gestein von Steinmetzern 
gewonnen wird. Dieses Gestein ist aus dichtem triklinen Feldspath (Oligoklas) und 
aus braunem Glimmer zusammengesetzt und mit tuffartigen Gebilden zusammenhán- 
gend, welche lagerartig den Schiefern dieser Zone eingefůet sind. Wir werden dieses 
Gestein auch am Nordostsaume des Verbreitunesbezirkes der Zone d; bei Michle 
antreffen. 

Jenseits des Housinakammes bei den Děrfern Želkovic und Bykoš ist auf dem 
Schiefern und Grauwacken der Zone d; schon Graptolithenschiefer mit Diabasen 
aufgelagert und es bildet diese Zone in wellenfórmicen Windungen die Basis der 
Kalkplateaus und der ihm angereihten isolirten Kalkinseln, wie spáter náher 
nachcewiesen wird. 

Bei Všeradic geht der Housinakamm in hůcelice Terrainstuffen úber, welche 
den Fuss der hóheren Kalkberge Telín, Šamor und Mramor bilden. Bei Nesvačil 
kómmt in den Schiefern dieser Hůgel ein schón krystallinisches  Diabasgestein 
zu Tage. 

Diese Hůgel setzen sich bei Leč vorbei gegen Svinař fort, von Diabas durch- 
setzt und eine kleine Graptolithencolonie umschliessend ; ihre Fortsetzune am Berge 
Vočkov (306 M.) wird dann vom Beraunfluss guer durchbrochen, so dass man an 
den steilen mit Gestrůpp bedeckten Lehnen zwischen Třebáň und Klučic die sym- 
klinalen und antiklinalen Windungen der Zone d; und die in dieselben eingelagerten 
oder eingekeilten Graptolithenschiefer und Diabasen zu Tage anstehen sieht. Na- 
mentlich ist die hóchste Kuppe des Vočkov bei Klučic durch eine antiklinale Aut- 
stauung der Schieferschichten der Zone d; gebildet, und es werden durch dieselbe 
zwei Graptolithen- und Diabaszůge getrennt, von denen der nordliche das zusammen- 
hángende Kalkterrain des Obersilures unterteuft, der sůdliche aber vom Obersilur 
abgetrennt guer úber den Beraunfluss verláuft. Dieser letztere Diabaszug bildet 
bei Hinter-Třebaň zu beiden Seiten des Flusses anstehende Felsmassen und setzt 
sich von Graptolithenschiefern begleitet úber das Dórfchen Rovina auf den felsigen 
Kamm, Čabrak (305 Meter) benannt, fort, der bei Karlík von einem Bach guer 
durchbrochen wird. 

Bei Vonoklas verliert sich dieser Diabaszug in den Gehángen des Kalkstein- 
plateaus. Bald aber kommen am Sůd-Rande dieses Plateaus die guarzitischen Grau- 
wacken der Zone d; wieder zum Vorschein, und bilden die kammartigen Hůgel 
(Babka 362 M., Sulava 358 M.) ober Černošic und Radotín, mit steilem Abfalle 
gegen die Beraun und oben am Kamme theilweise von Sand und Schotter der zer- 
stórten Kreideformation bedeckt. 


01 


In áhnlicher Weise streichen diese Hůgel mit steilem Abfalle gegen die 
| Moldau ber Radotín, wo sie ein Ouerthal durchbricht, auf die Lehnen Lahovsko 
(327 M.) genannt. In diesen Lehnen erscheinen zwischen Radotín und Gross-Kuchel 
© die beiden von Barr. mit dem Namen Colonie Haidinger und Colonie Krejčí 
) bezeichneten Einlagerungen von Graptolithenschiefern in Beegleitung von Diabasen. 
| Nach der Vertheilung der Graptolithen gehórt die Colonie Haidinger der tieferen 
% Graptolithenzone, wáhrend die andere hauptsáchlich die zweite Zone zu enthalten 
scheint. Die ganze Zone d; mit ihren weichen Schiefern und Auarziten sammt den 
Colonieeinschliissen streicht dann hier guer gegen Nordosten ber die Moldau und 
bildet die Thalgehánge zwischen Modřan und Braník bei dem Dorfe Hodkovičky, 
wo ebenfalls an drei Stellen Graptolitheneinlagerungen in den Schieferu der Zone 
„ d; und Diabasgesteine erscheinen, aus welchen letzteren namentlich auch der kleine 
1 Hůgel zusammengesetzt ist, der mitten in der Thalfláche des Braniker Baches, vor 
seiner Einmůndung in die Moldau, sich erhebt. 

Von Braník zieht sich die Schieferzone d; guer durch das Thal von Krč 
| gegen Michle. Daselbst bildet es den nun von einer Vicinalbahn durchsetzten Hůgel 
„ Bohdalec (270 M.), dessen concentrisch muldenartige Zusammensetzung in den 
| tieferen Theilen weiche Schiefer und am Růcken die guarzitischen Grauwacken 
| enthált. (Siehe Fig. 36.) Interessant sind hier auch die Einlagerungen von Glim- 
- merporphyr (Minette), die man in einzelnen anstehenden Parthien von da úber 
| Strašnice gegen Štěrbohol am Hůgel Homole (260 M.) bis nach Počernic und 
| Běchovic verfolgen kann. Hinter dem Teiche bei den genannten Orten lagert sich 
| wieder guarzitáhnliche Grauwacke wie am Bohdalec muldenfórmig auf die weichen 
| Schiefer auf, und verschwindet endlich unter dem sandigen Schutte der zerstorten 
| Kreideformation am Walde Fiederholz und am Fusse des Chvaler Plánerplateaus. 

(Siehe Fig. 37.) 

Kehren wir nun in sůdwestlicher Richtung zurůck gegen Prag, so kónnen wir 
von Michle angefangen die Zone d; an der Nordseite des obersilurischen Kalk- 
plateaus wieder bis zu unserem Ausgangspunkte verfolgen. Die Zone zieht sich von 
Michle auf das von sandigem Schutt der zerstorten Kreideformation bedeckte Pla- 
teau iiber Pankrac gecen die Moldau, welche sie zwischen Dvorec und Podol 
úbersetzt. Dann bildet sie die Lehnen und Hůgel lánes des Kalkplateaus gegen 
Radlic zu, streicht von da úber Jinonic, Ohrada und Řeporyj, einige Colonien mit 
Graptolithenschiefer und Diabasen enthaltend, so eine zwischen Řeporyj und Ohrada, 
eine zweite (Colonie Cotta) zwischen Jinonic und Neuhof, welche letztere in ver- 
hárteten Schiefern die obere Graptolithenzone mit Monograptus colonus und 
Kalkconcretionen mit Orthoceren enthált, dann in Řeporyj selbst die von Barrande 

-80 genannte Colonie Archiac mit ansehnlichen anstehenden Diabasfelsen und ver- 
steinerungsreichen Graptolithenschiefern, in denen gegen das Obersilur fortschreitend, 
sich alle drei Graptolithenzonen nachweisen lassen. Die Schieferzone d; setzt dann von 
hier durch das seichte Thal bei Mirešic gegen Zbuzan und Nučic nach Tachlovic 
fort, wo wieder Colonien von Graptolithenschiefern und Diabasen erscheinen. 

Von da zieht sie sich auf den kammartigen Hůgel Kolo (405 M.) gegen 
Lodenice und lángs des Kalkberges Herynk bei Vraž vorůber gegen Beraun, wo 
ste am linken Ufer des Flusses in den steileren Lehnen von Diabasmassen durch- 
setzt, zu Tage tritt. 


12 


Jenseits des Beraunflusses bildet die Zone d; den Fuss des kalkigen Berges. 
Damil ober dem Bahnhof von Beraun, und tritt mit ihren festeren Grauwackensand- Á 
steinen am Berge Kosov (358 M.) ober der Emilhůtte bei Kónigshof deutlich auf- 
wáhrend am Fusse dieses Berges die weichen Schiefer einen ergiebigen Fundort von. 
Petrefakten enthalten. Der Litohlaverbach durchbricht hier am Rande des Kalkplateaus. 
diese Zone, und deckt ihre Ablagerung am Fusse der Koukolová hora (478 M)) 
und des Berges Smutný (454 M.) auf, wo man in demselben Colonien von Dia- 
basen und Graptolithenschiefern antrifft, wáhrend die Kuppen dieses Berges auš 
Kalkstein bestehen. Hinter den letzteren erhebt sich der Berg Studený (417 M)) 
ober Chodoun, der schon ganz dieser Zone angehórt und nur durch die Schlucht 
von Malkov von der Hóhe Vyšebohy abgetrennt ist, von der wir ausgegangen sind- 
Auch die beiden isolirten Hůgel am linken Ufer der Litava gegeniber dem Smutný © 
und Studený, námlich der Lutzberg bei Levin (327 M.) und der Knihov bei 
Zdic gehóren zur Zone der weichen Schiefer d5. Der erstere ist von einer ansehn- 
lichen Masse von Diabas durchsetzt und die Kuppen beider bestehen aus sand 
steinartigen Grauwacken, die hier wie am Berge Kosov bei Kónigshof zu Stein- 
metzarbeiten benůtzt werden. 


P" 


III. Das Gebiet der dritten Silur-Fauna. 


Das Gebiet dieser Fauna umschliesst das centrale Kalkplateau unserer Silur- 
formation, das die Gegend zwischen Zdic und Prag in einer Ausdehnung von 5 
und einer Breite von */„—1 Meile einnimmt. Das Plateau ist in seinem nord- 
ostlichen Theile eben oder fachnůgelfórmie und erst gegen Karlstein zu erheben 
sich gróssere bewaldete Terrainwellen, ohne aber bedeutend ber das allgemeine 
Plateauniveau von 350—400 Meter zu steigen. Desto malerischer und mannig- 
facher und namentlich in tektonischer und palaeontologischer Beziehung interessant, 
erweisen sich die Ouertháler und Schluchten, von welchen das Kalkplateau durch- 
furcht wird. Man kann in diesen Thálern und Schluchten Schritt fůr Schritt alle 
die von Barrande aufgestellten Schichtenstufen oder Etagen in ihren verschiedenen 
Windungen und Dislocationen an den anstehenden Felsen verfolgen und erhált schon 
durch einige Begehungen des Terrains ein so deutliches Bild der Tektonik der- 
selben, wie es keine andere silurische Gegend biethet. 

Die Erkennune und Untersuchung der vier Schichtenstufen E, F, G, H, aus 
denen unser Ober-Silur zusammengesetzt ist, sind ungemein durch die petrogra- 
phische Verschiedenheit derselben erleichtert. 

Die Basis des Kalksteinplateaus bildet die Etage E, welche Barrande in die 
Zonen e, und e, scheidet. 

Die tiefere Zone e, besteht am Graptolithenschiefern mit Einlage- 
rungen von krystallinischen oder von tufartigen Diabasgesteinen. 

Die Schiefer bestehen aus einer etwas kalkigen thonigen wenig glimmerhal- 
tigen Masse, die gut spaltbar ist. Gewóhnlich sind dieselben dunkelgrau oder 


F) 


13 


schwarz, mit feinen von Pyrit metallisch glánzenden Graptolithenabdrůcken bedeckt, 

manchmal aber auch lichtgrau und an einzelnen Orten auch roth. In der Náhe von 
| krystallinischen Diabasen sind sie manchmal auch licht und dunkel gebándert und 
© mehr oder weniger kieselig. 
In den hoheren Lagen dieser Schiefer treten zuerst sporadisch, und hóher 
© hinauf immer zahlreicher ellipsoidische oder auch kugelrunde Kalkconcretionen von 
Nuss- bis Kopfgrósse auf, und enthalten gewóhnlich Versteinerungen. In den hóheren 
Lagen háufen sich die Kalkconcretionen zu continuirlichen Reihen an und gehen 
endlich in zusammenhángende Kalkbánke ůúber. 

Die Zone e, besteht durchaus aus Kalksteinschichten und zwar háufig in 
scharfen Windungen und Knickungen. Der Kalkstein derselben ist meist dunkel- 
grau, háufig bituminós und giebt dann beim Anschlagen oder Reiben einen eigen- 
thiimlichen Geruch von sich. Die Textur ist bald dicht, ball mehr krystallinisch 
und dann von weissen Calcitadern durchschwármt und marmorartig. 
| Einzelne Lagen bestehen fast nur aus Versteinerungen, namentlich aus Cri- 
- noiden, Cephalopoden und Brachiopoden. Dieser Kalk gibt einen sehr guten Mórtel 
- fůr Landbauten. 

Die Etage F theilt Barrande auch in zwei Zonen ab, námlich f, und f,. 

| Die Zone f, hauptsáchlich im norděstlichen Theil der Etage zwischen Dvorec 
und Kosoř verbreitet, besteht ebenfalls aus dunkelgrauem oder schwarzem bitumi- 

- nósen Kalkstein, der an den Felsen bei Kuchelbad in den auffallendsten Windungen 

und Faltungen ansteht. 

Die Zone ff, besteht aus mehr ebenfláchigen, gewóhnlich róthlichen mar- 
morartigen, aber auch aus lichtgrauen Kalkstein, der im sůdwestlichen Theil des 
Kalkplateaus bei Mněnan und Koněprus durch weissen krystallinischen an Petrefakten 
sehr reichen und chemisch sehr reinen Kalkstein ersetzt wird. Er wird desshalb 
als Saturationskalk in den Zuckerfabriken verwendet, wáhrend die róthlichen Bánke 
einen schónen Marmor und gute Platten zu Trottoirsteinen geben. 

Im Bereiche dieser Kalksteine sind durch Auswaschungen hie und da Hóhlen 
entstanden, so bei St. Prokop unweit Prag, bei St. Ivan, Koda, Tetín und Koněprus. 

Die Etage G theilt Barrande in drei Zonen g, ©, £; ab. 

Die Zone ©, besteht aus einem grauen, dichten, knolligen Kalkstein, der 
emen vortrefflichen hydraulischen Kalk liefert. Die knollenfórmigen Stůcke, aus 
denen die Bánke dieser Zone bestehen, sind ungeleich grosse, unregelmássie gegen 
emander gepresste Concretionen mit thonigkalkigem Bindemittel, die einestheils in 
dichten zusammenhángenden Kalkstein, anderseits, wenn das thonige Bindemittel mehr 
vorwaltet, an der Oberfláche in knolliges Gerólle ibergehen. Háufig sieht man in diesem 
Knollenkalke dunkelgraue, unregelmássige Concretionen von kieseligem Hornstein 
oder auch kleine Lagen desselben zwischen den Kalkschichten. Die Guerkliften, 
welche die Schichtenbánke durchsetzen, sind mit Kalkspath, háufig in schónen und 
grossen Krystallen angefůllt. 

Die Zone g, tritt als ein schwache thonige Zwischenlage zwischen den kal- 
kigen Zonen ©, und ©; auf. Sie besteht aus grauen, gelblichen oder braunen auch 
rothlichen Schiefern, die in einer Lage mit nadelfórmigen Tentakuliten angefůllt 
sind, und deshalb auch Tentakulitenschiefer heissen. In den an die Kalk- 
zonen angránzenden Lagen, sowohl im Liegenden als im Hangenden zeigen sich 


- 0 áe 


14 


gerade wie in der Zone e, ellipsoidische Kalkconcretionen, die in der Náhe der 
Kalkzonen immer háufiger werden und endlich in zusammenháncende Kalkschichten 
úbergehen. Im Hangenden dieser Zone, da wo die kalkige Zone ©, aufliegt, sind 
diese knolligen Schieferlagen roth gefárbt, oder bunt gebándert und geben sich 
schon von weitem zu erkennen. 


Die Zone ©, ist ihrem Gesteine nach der Zone ©, sehr áhnlich; sie besteht 
námlich aus dichtem Knollenkalkstein, der an der Basis, wo er auf der Tentaku-. 
litenzone ruht, gewohnlich roth gefárbt ist, in den Mittellagen aber vollkommen mit 
den grauen Knollenkalken ©, úbereinstimmt. Im Hangenden geht dieser Kalkstein 
wo er mit Schiefer der folgenden Etage bedeckt ist, in thonige oder kieselige Kalk- 
steine úber, die sich endlich in einzelne in die thonige Masse der aufgelagerten 
Schiefer eingekneteten Knollen auflósen. 


Die Etage H, die hochste der Etagen im bohmischen Silurbecken, theilt Bar- 
rande in die Zonen h, h;, h;, ab. 


Die Zone h, enthált thonige Schiefer ohne Auarziteinlagen, aber mit kal- 
kigen Zwischenlagen oder Knollen an der Basis. In ihr kommen die letzten thie- 
rischen Reste des Silures vor. 


Die Zone h, besteht aus Thonschiefer mit Einlagen von guarzitischen 
Schichten.  Ausser Abdrůcken von Fukoiden hat diese Zone keine Versteinerungen. 


Die Zone h, besteht aus dinnbláttrigen thonigen Schiefern, in denen weder 
kalkige noch guarzitische Zwischenlagen vorkommen. Sie enthált keine Ver- 
steineruncen. 

Nebst den geschichteten Gesteinen nehmen auch eruptive Gebilde Antheil an 
der Zusammensetzung der obersilurischen Etagen, námlich der Diabas-Grůn- 
stein und seine Tuffe. Der kórnig krystallinische Grůnstein ist ein Diabas von 
vorherrschend dunkelgrůner Farbe, welche von den Augitkórnern und dem bei- 
gemengten Chlorit herrůhrt. Die Grundmasse ist ein kalkhaltiger Labradoritfeld- 
spath. In die mehr oder weniger dichte Masse menet sich auch Pyrit und Guarz ein, 
und auf Kluftfláchen erscheint Calcit und Analcim, seltener Prehnit, Datolith, Lau- 
montit, Natrolith, Aluminit. Die Textur ist gewóhnlich verschwommen, kórnig, 
seltner deutlich krystallinisch. Durch die Umwandlung der dichten mit Kalk im- 
prágnirten Grundmasse in grůnlich thonige Gesteine, in denen stellenweise noch 
stockfórmige Massen von kórnigen Diabasen vorkommen, gehen diese kórnigen, 
eruptiven Gesteine in Tuffe iiber, welche manchmal eine deutliche Schichtung zeigen 
und in einzelnen Kalkconcretionen Petrefakten enthalten. Zwischen Zbuzan und 
Tachlovic ist in diese Tuffe ein Lager von Siderit, der theilweise in Limonit um- 
gewandelt ist, eingeschaltet; es enthált eine Menge von Petrefakten der Etage E. 

Die Diabasgrůnsteine treten hauptsáchlich im Bereiche der Zone e, auf und 
bilden am áusseren Saume des Kalkterrains ansehnliche anstehende Felsen. 


Sie verbreiten sich nicht blos in die kalkige Zone e, (so namentlich im Beraun- 
thal bei Tetín), sondern auch bis in die Kalkzone f ©, bis g», wie man es bei 
Tetín und im Radotinerthale und bei Choteč wahrnimmt. 

Die durchschnittliche Máchtigkeit der einzelnen Zonen lásst sich mit Sicher- 
heit schwer bestimmen, da die vielen Schichtenwindungen und Verwerfungen eine 
bestimmtere Messung sehr erschweren. 


15 


Die Etage E ist die máchtigste; die Zone e, námlich die Graptolithenschiefer- 
zone erreicht da, wo sie von Diabasen durchsetzt ist, die Máchtigkeit von 200 bis 


- 500 Mt.; die kalkige Zone e, von 40—80 Mt. 


Die Zonen f, und f; erreichen eine Máchtiekeit bis 100 Meter, verschwáchen 
sich aber auf 40—50 Meter. 

Die Zone ©, hat die Máchtigkeit von 100—150 Metern. 

Die Zone ©, ist die schwáchste, sie hat 20—100 Meter. 

Die Zone g; ist 50—100 M. máchtig. 

Die Etage H ist zum grossen Theil abgeschwemmt, da sie die hochste Decke 
unseres Obersilures bildet. Die einzelnen úbrig gebliebenen Schollen haben eine 
Máchtigkeit von 20—250 M. 

Der palaeontologische Charakter ist nicht blos durch eine grosse 
Reihe von neuen Gattungen und Arten, sondern auch durch den Reichthum an 
Individuen ausgezeichnet, indem einzelne Kalkbánke der Zone e, und f, fast ganz 
aus Versteinerungen bestehen. 

Charakteristisch ist das erste Auftreten von Wirbelthieren, námlich von Fischen, 
welche in unserem Obersilur mit 4 Gattungen, námlich Asterolepis, Čoceco- 
steus, Ctenacanthus, Gompholepis in 6 Arten vertreten sind, von denen 
Z der Zone 1; und die iúbrigen 4 Arten der Zone g, angehóren. 

Von Trilobiten fůhrt Barrande 204 obersilurische auf. Davon entfallen auf 
die Etage K 82, F 79, G 42, auf H 1 Art. Von diesen 204 Arten gehóren 74 
Arten solchen Gattungen an, die erst im Obersilur erscheinen, alle úbrigen gehóren 
Gattungen an, die schon im Untersilur vertreten sind, und zwar sind es 11 unter- 
silurische und 6 ausschliesslich obersilurische Gattungen, denen jene Arten an- 
gehóren. Im Ganzen enthált also die obersilurische dritte Fauna 17 Gattungen 
Trilobiten, wáhrend die zweite oder mittelsilurische ihrer 930 záhlt, von denen 11 
beiden Faunen gemeinschaftlich sind. 

Von den neu zugekommenen Gattungen, die úbrigens sámmtlich in der Etage 
E ihren Anfang nehmen, sind es vorzůglich Bronteus und Phacops, die durch 
Artenzahl das Obersilur kennzeichnen, da die vier úbrigen obersilurischen Gat- 
tungen: Arethusina, Cromus, Deiphon und Staurocephalus nur in 
wenigen Arten auftreten. 

Mit Einschluss der untersilurischen Gattungen ist die Vertheilung der Trilo- 
biten in den obersilurischen Zonen die folgende: 


Zone e,: 16 Arten in 15 Gattungen zusammen 97 Arten 


PO Po So nb i in 18 Gattungen 
„ey blob 1m, A n zusammen 94 Arten 
adm 11 é in 11 Gattungen 
HB 8 10 R zusammen 68 Arten 
PO “ in 11 Gattungen 
E One VAE W je) z S 

ie PN Meno T LL : 


Von anderen Crustaceen kommen in unserem Obersilur Phyllopoden, Ostra- 
coden und Eurypteriden vor. 


16 


Die Cephaloden erscheinen in 18 neuen Gattungen, wáhrend 2 Gattungen aus 
dem Untersilur abstammen. Barrande záhlt 1081 hieher gehórenden Arten auf, 
wovon auf die Etage E 856, auf F 95, auf G 170 und H 14 entfallen. Unter 
diesen sind allein 267 Arten der Gattung Cyrtoceras und 357 Arten der Gattung 
Orthoceras, von denen die meisten aus der Zone e, stammen. 

Die Acephalen sind durch 50 Gattungen vertreten, von denen 38 neu Sind, 
die Zahl ihrer Arten bestimmt Barrande mit 1182. 

Die Brachiopoden záhlen 195 Gattungen mit 513 Arten. 

Auch die Gasteropoden sind reichlich vertreten. 

Die Pteropoden treten etwas zurůck; im gesammten Obersilur fůhrt Barrande 
nur 8 Conularien und 16 Hyolithen an. Eigenthůmlich sind dem Obersilur die 
Gattungen Tentaculites und Styliola, die hauptsáchlich in der Zone ©, vor- 
kommen, aber in den ersten Anfángen schon in f, auftreten. 

Von Echinodermen ist namentlich Scyphocrinus elegans in der Zone e, 
und e, herrschend. Korallen Halysites, Favosites, Heliolithes, Cyato- 
phyllum, Cystiphyllum, Lithostrotion, Amplexus kommen namentlich in 
der Etage E und F vor; Graptolithen wie schon erwáhnt hauptsáchlich in der Zone e,. 

Pflanzenreste kommen als Abdrůcke von Fukoiden am háufigsten in der Zone 
h, und auch in h, vor. Einige Formen erinnern schon an Landpflanzen (Lepido- 
dendron), sie werden aber von Štur auch den Fukoiden angereiht. 

Die Hauptfundorte der Petrefakten fiir die einzelnen obersilurischen Zonen 
sind die folgenden: 

fůr e,: Kuchelbad und Butovic (Chuchlerschichten, Graptolithenschiefer); 

fůr e,: Budňan bei Karlstein, Lochkov, Kosoř, Tachlovic, Dlouhá hora bei 
Beraun (Budňaner Kalke); ) 

fůr f,: Lochkov, Slivenec, Dvorec bei Prag (Lochkover Kalke); 

fůr f,„: Koněprus, Mněňany, Slivenec, Tetín (Mněňaner Kalke und Slivenecer 
Marmore):; 

fůr g,: Braník, Choteč, Tetín, Kosoř (Braníker Kalke); 

fůr g,: Hlubočep (Dalejer Thal), Choteč, Třebotov, Karlstein (Dalejer Schiefer, 
Tentakulitenschiefer) ; 

fůr ©,: Hlubočep, Choteč (Hlubočeper Kalke); 

fůr h,: Srbsko, Hostín (Srbsko-Schiefer); 

fůr h,: Holín (Holíner Schiefer) ; 

fůr h,: Hostín (Hostíner Schiefer). 

Eine der interessantesten palaeontologischen Thatsachen im unseren Obersilur 
ist das mit der Zone f, angefancen, háufice Auftreten von entschieden devo- 
nischen Formen. 

So gehóren die beiden Fischgattungen Coccosteus und Asterolepis, von 
denen die erstere in der Zone f; und ©,, die letztere in der Zone g, erscheint, zu 
den charakteristischen Fischformen des brittischen Old red. 

Von Trilobiten haben die Formen aus der Gruppe Dalmanites Haus- 
mani, die sich durch grosse Pygidien auszeichnen und in der Zone f, und © 
herrschen, dann die Bronteus-Arten mit gezáhnelten Pygidien wie z. B. B. thy- 


sanopeltis, B. Clementinus (aus £ und g,) einen entschieden devonischen 
Typus. 


17 


Unter den Cephalopoden reprásentirt das Genus Goniatites das in der 


Zone f, beginnt und namentlich in den Zonen ©, und ©, reicher entwickelt ist, und 
© dann das Genus Gyroceras, das von der Zone f, bis in ©; und h, reicht, dess- 


gleichen charakteristische Formen, wie sie sonst nur das Devon aufweist. 


Noch auffallender tritt der devonische Typus in dem Brachiopodengenus 
Stringocephalus (aus f„) und in der Korallenform der Calceola (ebenfalls 
aus f,) hervor. 


Das Blastoidengenus Pentremites, das aus dem Devon bis in den Kohlen- 
kalk verbreitet ist, hat auch in der Zone f, seine Reprásentanten. 


Endlich kónnte man von negativen Kennzeichen einerseits das gánzliche Fehlen 
der Graptolithen von f, hinauf, und anderseits das Fehlen der Fische von f, herab, 
als charakteristisch fůr unsere obersilurischen Zonen anfiihren. 


Vereleicht man diesen allerdings nur in den áussersten Umrissen angedeuteten, 
so zusagen devonisirenden Charakter der Fauna unserer hóchsten silurischen 
Zonen (von f,; bis H), der durch eingehende palaeontologische Studien gewiss noch 
weit evidenter nachgewiesen wird, mit den stratigraphischen Verháltnissen des 
Silures und Devones in Deutschland, Frankreich, England, wo diese beiden Forma- 
tionen unmittelbar auf einander folgen und wo man die Analogien der bohmischen 
silurischen Zonen nur bis hóchstens zur Zone f, erkennt, wáhrend alle hoheren 
Schichtenstufen in den betreffenden Territorien schon zum Devon gerechnet werden, 
so kann man der von verschiedenen Šeiten ausgesprochenen Vermuthune eine 
gewisse Berechtigune nicht absprechen, dass unsere hóchsten silurischen Zonen 
(£ ©, £ © H) so zu sagen schon die tieferen Parthieen der Devonformation ver- 
treten, trotzdem die Fauna derselben in ihrem innigen Zusammenhange mit den 
tieferen silurischen Zonen im Ganzen noch einen vorherrschend silurischen Chara- 
kter hat. 


Zur Erklárung dieser eigenthůmlichen Erscheinung kónnte man dieselbe 
Theorie anwenden, mit der Barrande das Erscheinen der Colonien zu erkláren ver- 
suchte und der der Gedanke zu Grunde liegt, dass wie in dem heutigen auch im 
silurischen Meere in von einander entfernten Meerestheilen oder Buchten gleich- 
zeitig verschiedenartice Faunen existiren konnten. 


Die Verbreitung der obersilurischen Etagen und Zonen. 


Das obersilurische Plateau in seiner schon frůher angedeuteten Ausdehnung 
scheidet sich orographisch im Ganzen zwar sehr děutlich von dem Terrain des 
Mittelsilures ab, indem es von den Kámmen der Kosover guarzitischen Grauwacke 
(d;) umsáumt und von einer breiten Thalfurche im Gebiete der Grauwackenschiefer 
(d,) concentrisch umgeben wird; die einzelnen Schichtenzonen treten aber in den 
Terrainformen nicht mehr so prágnant hervor, wie in den Zonen des Mittelsilures, 
sondern bilden vielmehr zusammenhángende gleichartige Terrainparthieen, deren 
locale Ungleichheit úberdiess auf der Hóhe des Plateaus durch aufgelagerten Thon- 
Sand- und Schotterschutt der zerstórten Basis der Kreideformation, welche ehedem 
das Obersilur bedeckte, grósstentheils ausgeglichen sind. 


18 


Nur die Zone der weichen Graptolithenschiefer und ihrer Grůnsteine (ex) ist 
am áusseren Saume des obersilurischen Kalkterraines von den hárteren Kalkstein- 
binken der auf ihnen gelagerten Zonen scharf geschieden und auch orographisch 
angedeutet. 

Der eigenthůmliche Charakter der obersilurischen Kalkzonen tritt aber um so 
deutlicher in den tiefen Thálern und Schluchten zum Vorschein, indem man an 
den steilen Felswánden derselben nach dem wechselnden petrographischen Charakter 
nicht blos die Reihenfolge dieser Zonen, sondern auch die Bruchlinien verfolgen 
kann, nach denen sie durch gegenseitigen Druck zu antiklinalen und synklinalen 
Schichtenwellen aufcestaut und durch Verschiebungen gegen einander verworfen sind. 

Der Beraunfluss trennt durch ein von Nordwest nach Siůdost gerichtetes Spalten- 
thal das obersilurische Plateau in zwei uneleiche Theile, einen sůdwestlichen klei- 
neren Theil zwischen dem Beraunflusse und dem Litava- und Vosoverthal; und in 
einen grósseren, nordostlichen vom Beraun- und Moldauflusse umflossenen Theil, 


I. Das obersilurische Terrain am rechten Beraunufer. 


Dieses Terrain bildet ein hůgeliges Plateau zwischen dem Beraunfluss und 
dem Litava- und Vosoverthale, das nicht bloss an seinem Rande von den guarzi- 
tischen Grauwacken (d;) des Housinarůckens und des Kosovberges umsáumt wird, 
sondern auch in seiner Mitte von einer antiklinalen Aufstauung dieser Grauwacken 
durchsetzt wird. 

Diese Aufstauung der Grauwacken und Schiefer (dj) kann man vom Vočkov- 
berg (566 M.) gegeniiber von Karlstein sůdwestlich bis nach Mněňan verfolgen, 
wo sie sich unter aufeelagerten Graptolithenschiefern und Kalkbánken verbirgt, 
aber jenseits derselben zwischen Bykoš und Suchomast wieder zu Tage tritt und 
úber Borek bis nach Libomyšl sich fortsetzt. (Fig. 45 und 44.) 


NW Knihov. Koukolová Hora. Tmáň. Lejškov. Bykoš. Housiny. S50 
! ZSE 
SSS S So P BORA 
dě d5 Di ds D ds M ds 


d, d, Untersilur. e, e, Obersilur. M Minette. Di Diabas. 
Fig. 44. 


Parallel zu dieser antiklinalen Erhebung der Grauwacken verlaufen kleinere 
Schichtenwellen in der Schieferzone d;, in welche die letzten sůdwestlichen Aus- 
láuter der Graptolithenschiefer von Grůnsteinen begleitet, sich einlagern. Der eine 
dieser Ausláufer zieht sich von Bykoš gegen Želkovic, der andere von Tmáň nach 
Malkov, der dritte von der Koukolová hora westwárts gegen die Fiala-Miihle an 
der Litava. 

Alle diese Ausláufer der Graptolithenschiefer und der sie begleitenden Grůn- 
steine der Zone e, waren ehedem von einer zusammenhángenden Kalkschichte der 
Zone e, bedeckt, welche aber durch spátere Dislocationen zerrissen und gróssten- 


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19 


abgeschwemmt wurde, so dass sich nur vier isolirte Parthieen oder Schollen der- 
| selben erhielten. 


Die eine dieser Kalkschollen bildet den Růcken des Berges Lejškov (458 
- Meter) bei Tmáň, an dessen Fusse im Bereiche der weichen Schiefer der Zone d; 
ein ausgezeichneter Fundort der letzten Reste der dritten Fauna sich befindet. 


Die zweite isolirte Kalkscholle (e,) bildet westlich davon die Kuppe des 
Berges Smutný (453 M.) zwischen Tmáň und dem Meierhofe Slavík. 


Die dritte Kalkscholle (e,) bildet am Rande des Plateaus ober Popovic den 
- Gipfel der Koukolová hora (470 M.), an deren durch Steinbrůche fast ganz 
- zerstórten Kuppe eine weithin sichtbare Kapelle (St. Blasius) steht. (Gegen das 
Litavathal fállt dieser Berg mit bewaldeten Lehnen steil ab, und man sieht da an 
seinem Fusse beim Dorfe Křižatky (Schmiedberg) und im Litavathale die Schiefer 
und Grauwackenzone d; mit Grinsteinen und Graptolithenschiefer anstehen. 


| Die vierte und grósste Kalkparthie bildet einen von Nordwest nach Sůdost 
© streichenden Bergrůcken, der sich zwischen den beiden Terraindepressionen erhebt, 
in deren einen an der Sůdseite des Berges die Strasse von Všeradic nach Suchomast 
und Tmáň gegen die Emilshůtte bei Kónigshof, und in der anderen an der Nord- 
seite die Strasse von Liteň úber Mněňan und Koněprus ebenfalls gegen die Emils- 
- hůtte sich zieht. (Fig. 45.) 


Zlatý Koně- 
Libomyšl. Vyšebohy. Lejškov. Kůň. py So Rojke Dam Tetín. Bahnhof. Beraun. 


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d, d, Untersilur. e, e, F 9, Obersilur. Di Diabas. 
Fig. 45. 


Der Bergrůcken besteht an der Basis aus der Schichtenzone der Graptolithen- 
schiefer und Grůnsteine (e,), hóher hinauť aus Kalkschichten der Zone e,, und in 
nordwestlichem Theile am Berekamme selbst aus Kalkbánken der Etage F. Die 
Kalkbánke dieser Zonen ziehen sich guer ber die antiklinale Schichtenaufstaung 
der Schiefer und Grauwackenzone d;, die wie frůher erwáhnt in sůdwestlicher 
Richtung vom Vočkovberge gegen Bykoš streicht, wáhrend Terrainfurchen, welche 
die Kalkzonen in nordostlicher Richtung, durchsetzten den Růcken in einzelne 
Kuppen zertheilen, die dieser Gegend einen kupirten, bergigen Charakter verleihen. 
Diese Kuppen sind von Sůdost nach Nordwest der Mramor, der Šamor (464 M).), 
Bacín (497 M.), Telín (481 M.), denen sich dann der Růcken in der Waldstrecke 
Dlouhý les (452 M.), dann die Kuppen Oujezdec (470 M.) und Kobyla 
(470 M.) anschliessen, welche letztere Kuppe mit dem kammartigen Růcken Zlatý 


80 


Kůň und Kotyz genannt zwischen Koněprus und Tmáň zusammenhánet, von denen 
der letzteenannte den Bergzug abschliesst. 


Die Kuppen Mramor, Šamor und Telín bestehen aus Kalksteinen der 
Zone e,, die auf der Graptolithenzone und Grůnsteine (e,) ruht. 

Diese letztere Zone setzt sich vom ostlichen Fusse des Mramor ůúber den Ort 
Liteň gegen Běleč fort und verliert sich da in den scharfen Schichtenwindungen 
der Thonschieferzone d;, die am Beraunfiusse zwischen Třebáň und Klučic in einer 
Thalwand ansteht, so dass es den Anschein gewinnt, als ob die in diesen Thon- 
schiefern eingeschlossenen  Colonien nichts anders wáren, als in die Schichten- 
faltungen eingezwángte Parthieen des Liteňer Graptolithenzuges. 

Auf der Kuppe Bacín westlich vom Telín lagert sich auf den grauen Kalk- 
stein der Zone e,, lichter, krystallinischer Kalkstein der Etage F auf, und dieser 
Kalkstein erstreckt sich von da westwárts auch auf die anderen Kuppen und Kámme, | 

| 


im Dlouhý les, auf den Oujezdec, Kobyla, Zlatý Kůň und Kotyz. Die tiefere Lage 
dieser Etage F besteht hier aus róthlichem Marmorkalk, die hóhere Lage, fast an 
ein Korallenriff erinnernd, aus weissem, krystallinischen Kalkstein voll Korallen 
und anderen Thierresten, mit den reichsten und interessantesten Fundorten unserer 
silurischen Petrefakten. Dieser Kalkstein ist in den Gemeindenfluren von Mněňan 
und Koněprus durch Steinbrůche aufgeschlossen und liefert einen vortrefflichen 
Saturationskalk fůr Zuckerfabriken. 


An der Kuppe Kobyla und am Zlatý Kůň trifft man im Bereiche dieses Kalk- 
steines kleine Hóhlen an; an dem flach gegen Sůden abgedachten Růcken des 
letzteren Berges sieht man Reste uralter Steinwálle, und an seinem áusseren west- 
lichen Ende, Kotyz genannt, eine Hóhle mit eingesunkener Decke, „ve vratech“. 
Die Kalksteinbánke sind an dieser Westseite gegen ein bis in die Graptolithen- 
schiefer (e,) tief eingeschnittenes Thálchen prall abgeschnitten und bilden malerische 
Felsenwánde am Suchomaster Bache, welcher den Verlauf einer nordwestlichen 
Bruchlinie andeutet. Die óstliche Seite des Berges, welche ebenfalls steil zum 
Dorfe Koněprus sich abstufft, besteht aus den Schichtenkópfen aller drei Zonen 
F, ©, €4, die von hier gegen Westen einfallen und ebenfalls durch eine Bruchlinie 
durchsetzt sind, an der máchtige Grůnsteine zum Vorschein kommen. Nur an der 
ostlichen Seite der Kuppe Kobyla bemerkt man ůúber den F-Kalken einen kleinen 
Rest der Knollenkalke (g,). 


Eine bis in die Zone der Graptolithenschiefer und Grůnsteine ausgefurchte 
Einsattelung, in der das Dorf Koněprus liegt, trennt die Ostflanken des oben 
- beschriebenen Bergzuges von dem Kalksteinplateau von Tobolka. Durch diese Ein- 
sattelung und die beiderseits derselben sich ziehenden Thalerunde fůhrt die Strasse 
von Liteň úber Mněňan nach Bitov und Kónigshof und erst von dieser grósserer 
Terrainfurche an beginnt das zusammenhángende Kalkterrain, das sich von da 
nordostwárts bis in die Umgebungen von Prag verbreitet. 

Das zunáchst anstehende Kalkplateau bei Tobolka (siehe Fig. 49) bis zum 
Beraunfiuss zwischen Tetín und Korno, enthált alle Schichtenzonen von d; an- 
gefangen bis H. 

Wenn man an dem gegen Mněňan und Liteň abfallenden Westabhange dieses 
Plateaus vom Thale hinauf gegen das Dorf Korno steigt, so úberschreitet man 


| 


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| merst die antiklinale Schiefer- und Grauwackenwelle der Zone d;, die vom Vočkov- 
ibera gegen Měňan zwischen dem Berge Mramor und dem Tobolker Kalkplateau 
jsich hineinzieht. 

| Dann folet in regelmássiger Reihe zuerst die Zone der Graptolithenschiefer 
Ind Grůnsteine (e,), dann als zweite Terasse die Schichtenzone des grauen Kalkes 
E welche den waldigen Hůgel Stražiště (443 M.) bei Korno bildet und sich 
je auf die petrefaktenreiche Hóhe Dlouhá hora (443 M.) ober Bitov und auf 
Ile Kuppe Koledník (403 M.) ober des gleichnamigen Hofes verbreitet. Die 
"ritte Terasse bildet der róthliche oder lichte Kalkstein (F), der die Hochfláche 
jam das Dorf Tobolka (407 M.) einnimmt, und als hóchste Gesteinsterasse tritt 
Iendlich der lichtgraue Knollenkalk (g,) auf, aus dem sich die waldige Kuppe 
(465 Met.) ober Tobolka zusammensetzt. Dieser Knollenkalk verbreitet sich 
von da, theilweise von Sand und Gerólle der Kreideformation bedeckt, auf der 
Iwaldigen Fláche des Haines von Koda (590 M.) bis zum Plateaurande am Beraun- 
|Auss und bildet auch den durch eine Schlucht vom Koder Hain abgetrennten 
Ikahlen Berg Da mil (395 M.), der sich úber dem uralten Orte Tetín erhebt und 
isteil zum Litavathal bei dem Berauner Bahnhofe abfállt. 

Die letzte der obersilurischen Schichtenzonen, die Thonschiefer H tritt im 
|Terrain nur untergeordnet auf. Sie bildet námlich die Ausfůllung einer synklinalen 
Terrainfalte im Bereiche der Kalkzone £g, am Berge Střevíc ober Korno, und 
dann folet sie einer máchtigen Dislocationskluft, welche am Berge Tobolka beginnt 
Hund úber das Forsthaus Koda lángs einer schonen Thalschlucht nordostwárts guer 
| ber den Beraunfluss sich zieht. Die Schiefer der Zone H bilden in dieser Schlucht 
"die rechte Flanke, wáhrend die linke in steilen Felsen ansteht, an denen die geho- 
|benen Kalkbánke von g, bis e, der Art zu Tage gehen, dass die jůngeren Schiefer 
E unter die álteren Kalke F und e, einzufallen scheinen. 

| Die hoch interessante Gebirgstektonik des Tobolker Kalkplateaus erkennt man 
jam besten, wenn man am Fusse seines steilen Randes flussaufwárts am linken 
[Beraunufer vom Bahnhofe bei Karlstein bis zum Bahnhofe bei Beraun lángs der 
|Eisenbahn schreitet. (Fig. 46.) - 


NW Korno. Na Střevíci. Úísařská pokle. Kodská rokle. Nepno Tetín. SO 
8; Ja 1 es 


Man erhált hiedurch in zwei Wegstunden den Úberblick eines senkrecht zum 
|Streichen der Silurschichten von der Natur selbst gebotenen Gebirgsprofiles, da 
Vder Beraunfluss in einer Ouerspalte das ganze obersilurische Gebiet durchbricht. 
Gleich hinter dem Bahnhofe von Karlstein unter den Ortschaften Krupá und 
|'Korno stehen Grůnsteine mit Graptolithenschiefern (e,) und dann graue Kalke (e,) in 
| 6 


82 


steiler Aufrichtigung an, die hier, offenbar wegen des Contactes mit Diabasgrůnstein, 
dolomitisch sind. | 

Dann folet unter den schroffen Felsenwánden von Korno, deren Kamm den © 
Namen „na střevíci“ fůhrt, eine synklinale Schichtenmulde aus den concentrisch 
abgelagerten Zonen F 8, £, 8; und H gebildet. | 

Gleich hierauf biegt sich die in máchtigen Felsen anstehende Zone des Knollen- © 
kalkes (g,) kniefórmig um und fállt steil in die malerische Schlucht „císařská 
rokle“ ein, in deren Hintererund aus einem rieselnden Báchlein starke Kalktuff- 
schichten sich absetzen. Die linke Flanke dieser Schlucht bilden in regelmássiger 
Reihenfolee wieder die Zonen £, © ©, und H, die in der náchstfolgenden grósseren © 
waldigen Thalschlucht von Koda unter die an einer Bruchlinie hochgehobenen 
Zonen e, F ©, einfallen. Auch im Hintergrunde dieser Schlucht guillt bei dem 
Forsthause Koda kalkháltiges, tuffbildendes Wasser und zwar so reichlich, dass es 
oleich am Auellursprung eine Můhle treibt. 

Es folgen nun am Fusse des Koderberges (590 M.) und des sich an demselben 
anschliessenden vom Wald bedeckten Plateaus, dessen Rand mit steilen Felsen zum 
Beraunfluss abfállt, in wiederholten synklinalen und antiklinalen Windungen die 
Knollenkalke (£,) und unter denselben rothe Marmore (F), die uns bis zur Schlucht 
von Tetín beeleiten. 

Vor diesem Orte passirt man an einem Eisenbahneinschnitt noch eine Stelle, 
wo Diabas (Di) die Kalkzone F durchbricht, und verfolgt dann an den Felsenwánden 
unter Tetín die Kalkzone e, und endlich die Graptolithen- und Diabaszone e,, die 
in máchticer Entwicklung unter den Feldfluren Ratinka bis gegen den Bahnhof 
in Beraun anhált, in dessen Náhe endlich Thonschiefer der Zone d; anstehen. 


2. Das obersilurische Terrain am linken Beraunufer. 


Vom linken Beraunufer zwischen Tetín und Karlstein zieht sich das ober- 
silurische Kalksteinplateau in nordostlicher Richtune ununterbrochen bis in die 
Umegebungen von Prag fort. Durch die Auertháler des St. Ivaner oder Kačicer 
Baches, dann des Radotiner und des St. Prokopibaches, so wie durch das Moidau- 
thal bei Branik wird dieses Kalkplateau seiner ganzen Breite nach in fůnf Terrain- 
abschnitte zertheilt, deren geotektonische Verháltnisse in den GAuerthálern der 
genannten Báche ganz deutlich aufgeschlossen sind. 

Alle Schichtenzonen der obersilurischen Etagen E bis H stehen námlich da- 
selbst in synklinalen und antiklinalen Wellen an, so dass jedes dieser Tháler ein 
ungemein belehrendes Auerprofil des obersilurischen Terrains darstellt. Auch die 
Bruchlinien, von welchen das Kalkplateau durchsetzt ist, treten in diesen Auerthálern 
mit evidenter Deutlichkeit zum Vorschein und namentlich ist es eine Hauptbruch- 
linie, die man von Koda úber Karlstein bis gegen Lochkov und Braník verfolgen 
kann und die sich theilweise auch in den Terrainformen verráth. An der Ober- 
tláche des Plateaus werden die synklinalen Faltungen des obersilurischen Schichten- 
complexes fast nur durch die Vertheilung der obersten silurischen Etage, námlich 
durch die Thonschiefer H angedeutet, indem diese ehedem gewiss úber das ganze 
Obersilur verbreiteten Schiefer sich nur in zwei mehr oder weniger zusammenhán- 
gendenStreifen erhalten haben, sonst aber ganz abgewaschen sind, námlich in einer 


| synklinalen Faltung der Kalkzone g;, die man von Hostín ber Bubovic bis nach 
- Chejnic im Radotinerthale verfolgen kann, und deren nordostliches Ende nach einer 
| lángeren Unterbrechung im St. Prokopithale bei Prag zu sehen ist. 
Der zweite Streifen der H-Schiefer folet der grossen Bruchlinie, die am 
| Tobolkaberge ober Koda beginnt, und die dann im norděstlichen Streichen parallel 
-zur Lángsaxe des Obersilures das ganze Kalkplateau durchsetzt. Man verfolet die 
| ihr angefůgten H-Schiefer von Koda an ber Srbsko und Mořin nordlich von Karl- 
- stein bis nach Choteč im Radotinerthale. Die Oberfláche des im allgemeinen 350 
- bis 380 M. hohen Kalksteinplateaus ist flach hůgelig und im allgemeiuen ziemlich 
' eben, da die Terrainfurchen desselben durch abgelagerten Sand- und Schotterschutt 
| der tiefsten Schichten der bohmischen Kreideformation, und der aus der Verwit- 
( terung ihrer limnischen Schieferthone entstandenen plastischen Thone ausgeslichen 
(sind. Die Zugehorigkeit dieser einer Diluvialbildung áhnlichen Schutt- und Thon- 
ablagerungen zur Kreideformation ist nicht blos durch einzelne noch anstehende 
| Reste von Sandsteinen (zwischen Kuchař und Tachlovic, bei Radlic), so wie durch 
© zerstreute Blócke eines eisenschůssigen Sandsteines, der vollkommen mit der Grund- 
 schichte des Unterguaders in den Umgebungen von Prag úbereinstimmt, sondern 
| namentlich auch durch Pflanzenabdrůcke (Cycadeen, Crednerien, Ficus und Mag- 
© nolienblátter u. s. w.) nachgewiesen, fiůir welche die Thonablagerungen ober Kuchel- 
© bad einen besonders reichen Fundort bieten. 
| Diese Thone werden als feuerfestes Material und als Topferthon bei Mezoun, 
| Ořech, Holín, Kuchelbad gewonnen, und die sie bedeckenden Schotter- und Sand- 

schichten, so wie die einzelnen eisenschůssigen Sandsteinblócke sieht man ůberall 
| am ganzen Kalkplateau, vom Koder Hain und vom Berge Damil bei Tetín an- 
| gefangen bis auf die Plateauhóhen bei Karlstein, Kuchař, Ořech, Slivenec, Radlic 
und Pankrac verbreitet. 

Erst von Karlstein an gegen St. Ivan und zum Beraunfiuss zwischen Srbsko 

und Tetín erheben sich einzelne hóhere bewaldete Kuppen, die von den tiefen 
Thalschluchten gesehen, der Gegend einen mehr bergigen Charakter verleihen. 


| 89 
! 


a) Das Terrain zwischen Beraun und Sť. Ivam. 


Das bergige Waldterrain, das sich zwischen der in die weiche Schieferzone 

d; eingeschnittenen Thalfurche von Vraž an der Strasse von Beraun nach Lodenie 
und zwischen der von Nord nach Sůd verlaufenden, das Kalkplateau tief durch- 
spaltenden Thalschlucht von St. Ivan erhebt, begeht man am besten auf den Fuss- 
steige, der von Beraun nach St. Ivan fůhrt. Man steigt da von der Schiefer- und 
Grauwackenzone (d.) an, auf die Graptolithenschiefer und Diabasgrůnsteine, welche 
die vom Berauner Gemeindewald Herynk bedeckte Bergkuppe (436 M.) zusammen- 
setzen. Die Feldlehnen gegen die Beraun zu, die mit schroffen Grůnsteinfelsen 
zur Beraun abfallen, heissen nach einem einzelnen Hofe na Lištici. Oben am 
-Gipfel der Hóhe, da wo sich der Weg steil herab gegen St. Ivan zuwendet, wird 
man durch das Erscheinen von Basalt úberrascht, der hier im Bereiche der 
- Graptolithenzone (e,) und der náchst angelagerteh Kalkzone (e,) gangfórmig auf- 
tritt.  Erst von da an gegen die tiefe St. Ivaner Thalschlucht herab, legen sich 
an die Ostflanken des Bergterraines die hóheren Kalkzonen (F, ©, ©, £) in steil 

6* 


84 


oehobenen Schichtenbánken an, die alle durch die St. Ivaner Thalschlucht guer 
durchbrochen werden. 

Ganz deutlich tritt dann die Reihenfolge der Kalkzonen in dieser Thalschlucht 
selbst zu Tage, wo nebstdem durch die Anordnung der Felsenwánde und eine 
malerische Abwechslung mit bewaldeten Berelehnen eine der schónsten Landschafts- 
parthieen unseres Obersilures sich entwickelt. 

Wir schreiten von Lodenic an thalabwárts zuerst wieder ber die Schiefer 
und Grauwackenzone (dj) mit aufgelagerten Graptolithenschiefern und schón kry- 
stallinischen Diabasen (e;), in welchen bei Sedlec und am Wege von Lodenic nach 
Bubovic wieder Basalt in Gángen auftritt. Zwischen Sedlec, und St. Ivan schliesst 
ein Auerrigel von Diabas und Graptolithenschiefer das Thal fast ab, so dass der 
Bach sich durch eine verengte Schlucht hindurch windet, und man betritt nun 
ein petrefaktenreiches Gebiet der Kalkzone e,, úber dem sich rechts und links 
hohe Felsenwánde des Kalkes F erheben. Namentlich ist es die hohe, ein weithin 
sichtbares Kreuz tragende Wand unmittelbar úber der Kirche, welche die St. Ivaner 
Thalgegend beherrscht. Hoch oben hinter dem Kreuz (438 M.) findet man den 
Eingang zu einer Hohle „v stydlých vodách“ genannt. Steile Felsengehánge, haupt- 
sáchlich der Kalkzone ©, angehorend, begleiten uns nun lánes des Kačicer Baches, 
der das Thal bewássert, gegen das Dorf Hostín, und man erkennt dann weiter an 
einer schwachen Einlagerung von Tentakulitenschiefern (©,) den Beginn der hochsten 
Kalkzone (©), die in Hostín selbst in máchtigen Felsen ansteht. Bei Hostín 
erweitert sich die Thalschlucht und man betritt die hochste silurische Zone, námlich 
die H-Schiefer, die sich guer ůúber das Thal auf den Bere Doutnáč (428 M.) 
gegen Bubovic hinaufziehen. Den Schluss der Thalschlucht von ihrer Einmůndung 
in das Beraunthal bilden wieder nahe an einander tretende Kalkfalten, in denen 
man in umgekehrten Ordnung trotz ihrer antiklinalen und synklinalen Windungen 
die einzelnen Kalkzonen von ©; bis e, nach ihren petrographischen Merkmalen 
leicht unterscheidet. An der Můndune des Kačicerbaches erhebt sich schliesslich 
úber einer Diabasunterlage, welche die Kalkzone e, durchbricht und hebt, ein mách- 
tiger Felsen Kozel genannt, als ein Hauptfundort von Petrefakten bekannt und 
an denselben schliesst sich dann am linken Bachufer die Reihe der rothen Marmor- 
kalke (F) und der Knollenkalke (£;) an, deren Lagerune in den Felswánden am 
linken Beraunufer denen am rechten Beraunufer entspricht, die schon frůher be- 
sprochen wurden. 


b) Das Terrain zwischen dem St. Ivan- und dem Radotinerthal. 


Ostlich von Kačicer oder St. Ivanbache bis zum Radotiner Thalgrund hat das 
Kalkplateau den Charakter einer wellenfórmigen, theilweise bewaldeten Fláche, 
deren nordlicher hoher erhobener Rand parallel zum Schiefer und Grauwacken- 
kamme (d;) des Berges Kolo (445 M.) verláuft und auf der Unterlage von Grůn- 
steinen und Graptolithenschiefern (e,) aus der Reihenfolge der Kalkzonen von e, 
bis g; besteht. Von diesem Plateaurande laufen guer oder senkrecht zum Streichen 
der Kalkschichten vier kleine Báche zum Beraunfluss herab, die sich allmáhlich 
tiefer und tiefer in das Terrain einschneiden und endlich den entgegengesetzten, 
námlich sůdlichen Plateaurand in tiefen Thalschluchten durchbrechen., 


Der erste dieser Báche parallel zum St. Ivanbache, 
© beginnt auf dem Plateau bei Bubovic im Bereiche der 
H-Schiefer und windet sich bald den antiklinalen Kalk- 
' růcken der Panská hora durchbrechend in eine tiefe 
Waldschlucht, die bei dem Dorfe Srbsko ins Beraunthal 
-sich offnet. Der Wechsel der antiklinalen und synkli- 
- nalen Schichtenwindungen der Kalkzone ist wegen úppi- 
© gem Waldwuchse in dieser Schlucht weniger deutlich zu 
erkennen, am Ende derselben bei dem Dorfe Srbsko 
- trifft man aber die Fortsetzung des Schieferstreifens H, 
der von Koda guer úber die Beraun streicht, und die 
ihn begleitende grosse Druchlinie an, lángs deren diese 
| Schiefer scheinbar unter die Knollenkalke (g;) einfallen. 
f Die an der Beraun bei Srbsko anstehenden Felsen zeigen 
© diese Bruchlinie und die ihm angelagerte synklinale 
© Wólbung der Knollenkalke, welche letztere der am 
| rechten Beraunufer entwickelten und frůher geschilderten 
| Tektonik entspricht. 
| Der zweite Bach beginnt ober Mořin unter der 
© Plateauhčhe Amerika genannt, deren čstlicher úber 
| dem Dorfe Mořin sich erhebende Rand na Barvínku 
© heisst und die Bruchlinie andeutet, die von Srbsko her 
- mitten durch das Kalkplateau sich zieht. (Fig. 47.) 
-Im Thalgrunde von Mořin breiten sich H-Schiefer aus, 
| die gegen den Barvínek zu unter die gehobenen Kalk- 

zonen (£, bis £,) einfallen, anderseits aber an die Kalk- 

berge von Karlstein sich concordant anlehnen. Der 

Bach wendet sich dann siůdwárts vom Mořiner Thal- 

grunde, „v Hlubokém“ und durchbricht in einer Felsen- 

schlucht die steil gehobenen Kalkbánke von g,, die hier 
durch eine deutlich entwickelte Lage von Tentakuliten- 
schiefern (g,) von den Knollenkalken (©,) gesondert 
werden, und tritt dann in die Zonen F und e,, welche 
letzteren bis an dié Můndung des Baches in die Beraun 
anhalten. Vor dieser Miůndung vereinigt sich eine 
kůrzere Felsenschlucht mit der eben beschriebenen und 
auf dem zwischen beiden Schluchten eingeschlossenen 

Felshůgel der Kalkzone g, angehórend, steht das alte 

Kónigsschloss Karlstein (319 Meter). Hóhere waldige 

Kalkberge, die Javorka (g, 385 M.) auf der West- 

seite, der Plešivec (e,) auf der Sůdseite, Kněží 

hora, Bučina und Haknova (g,) auf der Ostseite 
beherrschen ringsherum die Bure, und zwei noch hohere 

Kuppen (g;), námlich Vížka (421 M.) und u Lip 
(416- M.) erheben sich an der Strasse von Karlstein 
und Mořiny. Úber das Plateau zwischen Karlstein und 


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St. Ivan selbst fiihrt ein angenehmer Fussweg vom 
Mořiner Thalgrund durch eine waldige Terraineinsenkung 
in den H-Schiefer bei dem sogenannten Kónigsbrunnen 
(u královské studánky) vorbei, dann úber die antikli- 
nalen und synklinalen Wellen der Kalkzonen, in denen 
hier nebst dem Mořiner und Bubovicer Streifen noch 
ein anderer kleiner Rest der H-Schiefer angetroffen 
wird, gegen das Dorf Bubovic, und dann durch eine 
Schlucht herab zur St. Ivankirche. 

Der dritte Bach der Karlsteiner Hóhen, Studený 
genannt, beginnt am nordlichen Rande des Kalkplateaus 
bei Lužec und fliesst anfangs in einer seichten von 
Feld bedeckten Bodendepression, dann unter Roblín in 
einem in die Kalkzonen tief eingeschnittenen Waldthal, 
aus dem er bei Karlík, den Grůnsteinkamm Čabrak 
durchbrechend, ins Beraunthal tritt. 

Der Weg lánes des Baches fůhrt úber die beiden 
Streifen der H-Schiefer, den Bubovicer und den Mořiner, 
zwischen denen die Kalkzonen in synklinaler und anti- 
klinaler Lagerung sich wiederholen. 

Einen ganz áhnlichen Charakter hat die Terrain- 
turche und die mit ihr zusammenhángende Thalschlucht, 
die der Bach Švarcava bewássert. Er beginnt am Plateau 
bei Klein-Kuchař in den Schotterablagerungen und 
schneidet sich unweit Třebotov tiefer in die wellenfórmig 
gewundenen Kalkzonen und in die H-Schiefer des Mo- 
řiner-Štreifens ein, wobei namentlich zwischen der €, 
und ©; Zone der Tentakulitenschiefer (g,) deutlich zu 
Tage tritt (Můhle u Frantů, u Pekárků). Unterhalb 
Solopisk durchbricht das Bachthal die Graptolithen- und 
Grůnsteinzone der obersilurischen Basis und ergiesst 
sich im Bereiche der Schieferzone d; bei Černošic in 
die Beraun. 

Der bewaldete Sůdrand des Kalkplateaus bei Vono- 
klas, zwischen dem Švarcava- und dem Studenýbach 
heisst Hradinovský kopec (3599 M.). Die ostliche 
Fortsetzung desselben úber Solopisk bei Třebotov vorbei 
heisst Kulivá hora (580 M.) und es náhert sich hier 
die Kalkzone e, der Schieferzone d; am Berge Sulava 
(9558 M.) bei Kosoř, indem der Graptolithenschiefer und 
die Grůnsteine wenig zu Tage treten. 

Das úbrige Plateau zwischen Třebotov, Kuchař 
und Hoch-Újezd, úber welche die Karisteiner Strasse 
tůhrt, ist eine ziemlich ebene, wenig gewellte Fláche, 
mit Sand und Schotter und Thon der zerstórten Kreide- 
formation bedeckt, so dass usserlich nur Sparsame 


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I Wahrzeichen die so manniefach gestórte Lagerung der obersilurischen Zonen an- 
L deuten, die unter diesen Schottern sich verbergen. 


c) Das Terrain lůngs des Rudotinerbaches. 


Das Thal des Radotinerbaches ist das lehrreichste in Betreff des geotekto- 
j nischen Aufschlusses unseres Obersilures, indem es das Terrain desselben seiner 
| ganzen Breite nach von Tachlovic bis nach Radotin durchschneidet. Am nordlichen 
" Plateaurande ist der Verlauf des Thales sůdostlich, námlich senkrecht zum Streichen 
-der Silurschichten; in der Mitte des Plateaus folgt es aber auf eine Strecke unter- 
-halb Choteč der norděostlichen Richtung des Streichens. 


| Der Radotinerbach entspringt am Plánerplateau bei Ptic, und tritt bei Hořelic 
| ins silurische Terrain ein, wo er zuerst die Auarzitzone d, und dann die Schiefer- 
| zonen d; und d, durchsetzt, in welchen letzteren die grossen Eisenerzlager von 
- Nučic nahe am Bache durch Tagbaue aufeeschlossen sind. Bei Tachlovic ist eine 
© Graptolithencolonie in der Schieferzone d; sichtbar und nun folgt in regelmássiger 
© Folge die Grinstein- und Graptolithenzone (e,), die grauen, rothen und Knollen- 
| kalke (F g, g,) bis zu den H-Schiefern in deutlich entwickelter muldenartie syn- 
© klinaler Lagerung. (Fig. 48.) Hierauf folgen in der Waldstrecke Škrábek genannt, 
zwischen Chejnic und Choteč, zwei antiklinale Aufstauungen der Zone ©; und ©;, 
die durch Diabas durchbrochen werden, und dann bei Choteč eine zweite synklinale 
Mulde der g, ©, ©, Zonen mit dem H-Schiefer in der Muldenmitte. 


| In der Fortsetzune des Thales zwischen der Vruticer Můhle und der Schlucht, 

-die sich von Lochkov herabzieht, wiederholt sich die amtiklinale und synklinale 
Faltung der Zonen ©, F bis e, und e,, bis endlich an der vorgenannten Lochkover 
Schlucht in Folge eines máchtigen Schichtenbruches abermals Knollenkalke der 
Zone ©, anstehen, die scheinbar unter die Grůnsteine und Graptolithenschiefer 
(e,) einfallen. Von da an bis zur Můndung des Thales bei Radotin, wo sich der 
Bach in den Beraunfluss ergiesst, folgen wieder in regelmássicer concordanter 
Lagerung die Zonen ©, F e, e, auf einander und an der Basis derselben in dem 
Hůcgel Lahovsko trifft man endlich als Schluss der Schichtenfolge hinter máchtigen 
Diabasmassen Thonschiefer und Grauwacken der Zone d; mit Graptolithenco- 
lonien an. | 


d) Das Terraim zwischen dem Radotiner und dem St. Prokopithal. 


An der Ostseite des Radotiner Thales breitet sich das Kalkplateau mit Sand- 
und Schotterablagerungen und Lehm bedeckt als eine ebene Fláche ber Ořech 
(365 M.) bis zum St. Prokopithale aus. Von Slivenec (568 M.) verláuft aber eine 
kůrzere Thalschlucht Přídolí genannt bis nach Gross-Kuchel, und man erkennt 
in derselben die Fortsetzung der Bruchlinie von Lochkov, indem daselbst hinter 
der concordanten Folge der Zonen ©, F, e, e, und ihrer Grinsteine wieder eine 
gehobene und eingefaltete Parthie von Knollenkalken (g,) zu Tage tritt, an deren 
Basis endlich die Schichtenzonen des sůdlichen Muldenflůgels (g, F e, e,) der 
obersilurischen Mulde anstehen und mit ihren máchtigen Diabaslagern und den 


88 


sie unterteufenden Grauwacken und Schiefern der Zone d; die bewaldete Thallehne 
bei der Johanniskirche ober Kuchelbad bilden. (Fig. 49.) 


NW SO 


Slivenec. Přídolí. Sv.dan. 


Z x NO 22 Vom 
2 


ed p fn umí ADi ní ras 
L 


Fig. 49. 


Ostwárts fállt das Slivenecer Plateau mit steilen Gehángen in das St. Prokopi- 
thal ein, das in seinen theils senkrecht theils parallel zur Schichtung verlaufenden 
Windungen wieder in sehr belehrender Weise den geotektonischen Bau des Kalk- 
plateaus aufschliesst. 


Die steilen Felseehánge gegen die Moldau von Kuchelbad bis zur Můndung 
des St. Prokopibaches schliessen eine der interessantesten Parthien der obersilu- 
rischen Zonen auf (Fig. 50). Man sieht da námlich in der Richtung von Kuchelbad 


S Vyskočilka. o Dívčí Hrady. U Útírada. N 
ds IDilenlezlf I 


Fig. 50. 


gegen Zlichov zuschreitend zuerst (bei Vyskočilka) máchtige Lagermassen von 
Diabasgrůnstein von Graptolithenschiefer becleitet nnd darůber petrefaktenreiche 
Kalke der Zone e,, hierauf eine in den bizarsten Windungen gefaltete Zone von 
schwarzen bituminósen Kalken der Zone f;, nun durch eine Denktafel mit Barrande's 
Namen bezeichnet. Auf diese Zone folet dann eine Lage róthlichen Marmorkalkes 
(£) und endlich in máchtigen Bánken die grauen Knollenkalke (9,) mit nordwest- 
lichem Einfallen den synklinalen sůdlichen Flůgel der obersilurischen Mulde bildend, 
in deren Mitte das St. Prokopithal bei Hlubočep sich offnet. 


e) Das Terraim zwischen dem St. Prokopi- und dem Moldauthale. 


Der St. Prokopi- oder Hlubočeperbach beginnt am Rande des Auadersandstein- 
plateaus bei Chaby, dessen čstliche Fortsetzune der isolirte auf Grauwackenschiefer 
aufgelagerte Plánerberg Vidovle ober Jinonic bildet, und zwar im Bereiche der 


| 


' 


89 


Grauwackenzone d, bei der einsamen Kirche Krteň. Der Bach schneidet sich gegen 
Sůdosten fliessend allmáhlich tiefer in das Feldterrain ein und durchsetzt bei Reporyj 


-die schon frůher erwáhnten Graptolithen- und Grůnstein-Colonien im Bereiche der 


Thonschieferzone dg. 


Unterhalb Řeporyj tritt der Bach in das Thal „v Dalejích“ ein, das von 


- der Dux-Prager Eisenbahn durchzogen wird und schliesst nun in seinen Windungen, 


die theils dem Streichen der Schichten folgen, theils dieselben guer durchschneiden 


© bis Hlubočep, die ganze Reihenfolge der obersilurischen Zonen auf. Von Butovic 


úber Neudorf vereinigt sich ein Seitenthálchen im Bereiche der Graptolithenschiefer 


-und Grůnsteine ausgewaschen mit dem Dalejer Thale. Von der Nordseite des Slive- 
- necer Plateaus von Holin herab zieht sich an den Lehnen dieses Thales ein Streifen 


der H-Schiefer von Klippen der ©, Kalke auf den bewaldeteu Thallehnen begleitet 


-und úbersetzt am Eisenbahnviadukt in Hlubočep das Thal selbst. Die gegeniůber- 


liegenden felsigen Gehinge bei der Št. Prokopikirche bestehen theils aus Knollen- 
kalken (g,), theils aus lichtgrauen Kalken der Zone f2, die nun durch máchtige 
Steinbrůche unmittelbar an der St. Prokopikirche aufgeschlossen sind. Unter dieser 
Kirche offnet sich im Bereiche dieser F-Kalke die St. Prokopihohle, 


Die geotektonisch und stratigraphisch interessanteste Parthie bildet der Ab- 


- schluss des Thales in Hlubočep selbst, indem daselbst die g,-Kalke klippenartig 


(na Zvahově) anstehen und den letzten nordostlichen Ausláufer der H-Schiefer mit 
einem concentrischen Walle umschliessen. Die geologische Struktur dieses Walles ist 
an der durch eine Eisenbahnbrůcke úbersetzten Thalschlucht, wo der Bach diesen 


„Wall durchbricht, sehr deutlich aufgeschlossen, so dass man in einer Terrainfurche 
- jenseits der Klippen und des Walles der g,-Kalke die Zone der Tentakuliten- 


schiefer (g,) und noch weiter im Liegenden desselben die Knollenkalke (©,) leicht 
unterscheidet, die da als die entgegengesetzten Flůgel einer schónen regelmássigen 
Mulde die hóheren Thalwánde bilden. 


Das Plateau nordlich vom St. Prokopithale mit seinen zum Moldauthale steil 
abfallenden Abhángen fůhrt den Namen Dívčí Hrady (Mádchenburg 350 M.). Sein 
Rand gegen das Prokopithal, an dessen nordóstlichen Ende ůúber der Moldau die 
wenigen Reste der ehemaligcen Burg Děvín sichtbar sind, besteht aus einer anti- 
klinalen Falte der Knollenkalke (©,), die sich einerseits gegen die St. Prokopi- 
kirche und anderseits gegen die Moldau fortsetzt, wo auf einer Klippe des unter- 
gelagerten und hier zu Tage tretenden F-Kalkes die Kirche von Zlichov steht. 
Von dieser antiklinalen Falte des Děvín (siehe Fig. 50) wendet sich der Knollenkalk 
(g,) synklinal lánes der von der Buštěhrader Eisenbahn durchschnittenen Lehnen 
ober Zlichov zum něrdlichen Saume des Kalkplateaus „u Ctirada“ (248 M.) und 
ruht hier auf lichten F-Kalken, die ihrerseits von grauen Kalken der Zone e, und 
noch tiefer von Graptolithenschiefern und Diabasen und Thonschiefern und Grau- 


- wacken der Zone d; unterlagert werden. Diese letzteren bilden die Nordlehnen des 


Radlicer Thales, durch welches das obersilurische Kalkplateau von dem hůgeligen 
Terrain der Grauwackenschiefer (d,) zwischen Smichov und Košíř abgetrennt wird. 


90 


£) Das Kalkterrain am rechten Moldauufer zwischen Bramík und Dvorec. 


Den letzten Rest des kalkigen Ober-Silures bilden die beiden Kalkfelsen bei 
Braník und Dvorec am rechten Moldauufer, welche durch die breite Thalfurche der 
Moldau von den zusammenhángenden Kalksteinen der linken Flussseite getrennt 
sind. 1165) 


Slovanskývrch. © Vyšehrad. Dvorecká skála. Bránická skála. S 
E maus e1e2F G-oy Feaet 
POLE: M po 


7 962 © 
SZ, PO000:508 


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da |dads. da ds) Di ds Kobds! 91 Feze 


Fig. 51. 


Der sůdlichere Kalkfelsen, námlich der Braniker Felsen (245 M.), wendet 
seine steil gegen Nordwest einfallende Schichtenfláche gegen Prag und bildet mit 
dem gegeniberliegenden Kalkhůcel, auf dem die Zlichover Kirche steht, eine male- 
rische Staffage des Moldauthales, dessen Hintererund der Ausláufer des Brdawaldes 
und die Porphyrkuppen bei Koniesaal abschliessen. Der DBraniker Felsen besteht 
von aussen gegen das Innere zu aus der Reihenfolge der Knollenkalke (©,), der 
lichten Kalke (F) und der dunkelgrauen (e,), unter denen dann die Zone der 
Graptolithen und Diabasen und noch weiter im Liegenden die Grauwacken- und 
Schieferzone (dj) mit Colonieinlagerungen der Graptolithenschiefer zu Tage tritt. 

Der Dvorecer Felsen (261 M.) hatte noch vor drei Decennien die Gestalt einer 
ansehnlichen bureáhnlichen Klippe, ist nun aber durch Šteinbrůche fast ganz zerstort. 

Seine Kalkbánke hatten eine muldenartige synklinale Ablagerung und die 
tieferen derselben (e,) zogen sich ehedem bis in die Felder gegen Nusle. Sie be- 
stehen von oben nach unten eben so wie der Braniker Felsen aus dem Knollen- 
kalke (£,), dann aus beiden Kalkzonen f, und f,, námlich aus róthlichen Marmoren 
und bituminósen schwarzen Kalksteinen, und an der Basis aus erauen Kalksteinen 
(e,) und aus einer máchtigen Graptolithen- und Grůnsteinablagerung, die von Grau- 
wacken und Thonschiefer der Zone d; unterteuft wird. In den letzteren tritt im 
Thalerunde am nordlichen Fusse des Braniker Felsens eine Colonieeinlagerung der 
Graptolithenschiefer zu Tage. 

In dem Thálchen zwischen dem Braniker und Dvorecer Felsen legen sich die 
Thonschiefer der Zone d; unmittelbar an die Knollenkalke (g,) des Braniker Felsens 
an, indem hier parallel zum Streichen eine Bruchlinie durchgeht, nach welcher die 
Dvorecer Schichtenparthie gehoben ist, so dass die Braniker Kalke (g,) unter die 
Schiefer (d,) eingefallen scheinen. 

Jenseits der synklinalen Mulde von Dvorec bei Podol und am Vyšehrad bildet 
der Grauwackenschiefer (d,) eine antiklinale Faltung, der sich auf der oberen Neu- 
stadt Prag die Auarzitzone (dp) und die eisensteinfiihrende Schieferzone (d,) an- 
schliesst. Die Hóhen ober den Kalkfelsen und bei Pankrac sind mit Sand und 
Schotter der zerstórten Kreideformation (n) bedeckt. 


91 


Bruchlinien im Gebiete des bohmischen Silursystems. 


Die regelmássig concentrische Reihenfolge der silurischen Etagen und Schichten- 
zonen, wie sie in Barrande's idealem Profile dargestellt ist, herrscht als das haupt- 
| sáchlichste Schichtungsgesetz im ganzen Bereiche des bohmischen Silursystems. 


Durch spátere, nach der Silurperiode erfolste Dislocationen wurde zwar nicht 
© die Reihenfolge der Schichten, aber ihre ursprůnglich muldenfórmig concentrische 
© Lagerung vielfach gestórt und man findet die Schichten nicht blos in mannigfachen 
© synklinalen und antiklinalen Biegungen gefaltet, sondern auch durch Schichten- 
© brůche zersprengt und gegeneinander verworfen. 

Man kann wohl annehmen, dass alle die grossen Hebungen und Senkungen 
| der Erdrinde, welche vom Schlusse der Silurperiode bis in die tertiáre Zeit, die 
| | Oberflůche von Mitteleuropa veránderten, mehr oder weniger deutliche Spuren in 

der Lagerung des Silursystems hinterliessen; da aber mit Ausnahme der Kreide- 
| formation (und zwar ihrer cenomanen und turonen Schichtenglieder) keine der 
| jůngeren Formation sich in das Gebiet des mittelbohmischen Silursystemes erstreckt, 
I So ist es nicht móglich, die einzelnen Bruchlinien dem relativen Alter nach von 
eimander zu unterscheiden. Indessen erkennt man bald, dass alle Lagerungsveránde- 
rungen, durch welche die verschiedenen Faltungen und Schichtenbrůche des bohmischen 
Silures veranlasst wurden, álter sind als die Kreideformation, weil die Schichten 
der letzteren in fast horizontalen Ablagerungen úber alle Faltungen und Hebungen 
der silurischen Schichtenzonen fortstreichen. 

Die Kreideformation war ehedem namentlich mit ihren tiefsten limnischen, 
cenomanen Schichten (den Perucer Schichten) úber das ganze Ober-Šilur und úber 
den gróssten Theil des Mittel-Silures von Hořovic bis nach Prag verbreitet, wie 
die Sand- und Schotterlagen mit eingefůgten Thonablagerungen mit Pflanzenresten 
am ganzen Kalkplateau und in den Feldfláchen zwische Žebrák und Hořovic er- 
weisen; von den hóheren turonen Plánern erhielten sich nur einzelne inselfórmige 
Reste, so am Vidovleberg bei Jinonice (úber d,) und die grósseren Terrainfláchen 
des Pláners am nordlichen Saume des Silures vom Kačicerbache an bis zum weissen 
Berge und dem Gipfel des Laurenziberges in Prag, und óstlich von der Moldau am 
Plateau von Prosik und Chvala, unter dem sich die nordostlichen Ausláufer der 
D-Etage verbergen. 

Unter den vielfachen und manniefaltigen Zerklůftungen und Schichtenstorungen 
der silurischen Mulde, welche in allen Thaleinschnitten des Silurterreins zu Tage 
treten, sind es namentlich drei Systeme von Klůften und Schichtenbrůchen, welche 
das ganze bohmische Silursystem beherrschen und auch in seinen Terrainformen 
sich kundgeben, námlich 

1) das System der Schichtenbrůche mit nordóstlichem, 

2) das System der Schichtenbrůche und Klůfte mit nordwestlichem und 

9) das System der Klůfte mit nordlichem Streichen. 


: 
| 
| 


92 


I. Das Kluftsystem mit nordostlichem Streichen. 


Dieses System herrscht in unserem Silurgebiete am meisten vor und veranlasst 
nicht bloss Schichtenbrůche und Verwerfungen, welche norděstlich, also parallel 
zur Schichtenablagerung streichen, sondern auch die wellenfórmigen synklinalen 
und antiklinalen Faltungen der Schichtenzonen, wie sie in den Durchschnitten der 
Silurmulde sich darstellen. ; 


Es ist offenbar durch einen lateralen Druck entstanden, dem nach Schluss der 
Silurperiode ihre mehr oder weniger horizontalen oder ach muldenfórmigen Schichten- 
ablagerungen unterworfen waren. 


Die bBildung der alt-erruptiven Masse, welche unser Silur begrenzen, oder 
dasselbe durchsetzen, sind zweifellos im genetischen Zusammenhange mit diesen 
tektonischen Veránderungen der Silurmulde. Vor allem sind es die mittelbóh- 
mischen Granite, welche am čstlichen Saume unseres Silures aus máchtigen 
Kliften des bohmisch-máhrischen Gneuses empordrangen, vielleicht als ein trachyt- 
hnliches Magma, das erst durch spátere Umkrystallisirung den granitischen Cha- 
rakter erhielt. Dass diese Granitbillungen, welche nun ein máchtiges, an zwanzig 
Meilen langes und in der Mitte 5—4 Meilen breites Gebires-Massiv darstellen, 
das sich lánes der ganzen óstlichen Silurerenze erstreckt, erst nach der Bildung 
der Grauwackenschiefer der Zone d, stattfanden, beweist augenscheinlich das Auf- 
treten der Silurscholle am Tehoverberg bei Mnichovic, welche zwischen das azoische 
Schiefer- und das Granitterrain eingekeilt ist und die Schichtenzonen d, bis dj, 
enthált. 


Eine andere, ebenfalls zur Šilurzeit entstandene erruptive Bildung ist der 
Felsitporphyr, der zwar hauptsáchlich im Gebiete der azoischen Schiefer auftritt, 
námlich in dem Berezug der Půrelitzer und Zbirover Wálder, und parallel zum 
nordlichen Saume des Silures bis in die Gegend von Rokycan sich erstreckt; aber 
seine Bildung erst nách Abschluss der eisensteinfihrenden Zone (d,) und der 
Ouarzitzone (d;) ist nach seinen Contactverháltnissen mit diesen Zonen im Rač- 
cebirge und bei Plzenec und in der Šárka bei Prag evident. 

Eben so wie der Granit setzt auch dieser Porphyr tiefeehende Kliůfte in den 
azoischen Schiefern voraus, aus welchen seine Masse hervordrang, wobei auch eine 
Zerklůftung des eigentlichen Silurs und mannigfache Verschiebungen desselben 
veranlasst wurden. 


Das dritte erruptive Gestein unseres Silurs ist der Diabasgrůnstein. 
Sein Hervortreten aus Klůften des Silures erfoleste zur Zeit der Bildunesperiode 
des Schiefers d,, dessen Eisengehalt eben von dieser Erruption herrůhrt; dann 
wiederholte es sich zur Zeit der Bildung der Graptolithenzone (e,) und local selbst 
noch in der Bildungszeit der Tentakulitenschiefer (g,). 

Die Bildung aller dieser Erruptivmassen erfolste aus Klůften, die in Folge 
der Contraction der Ausseren Erdrinde entstanden und in denen das eindringende 
Wasser in Contact mit dem heissen Inhalte des Erdinnern kam. Je nach der 
Tiefe der Klůfte wurde dann das eine oder das andere erruptive Magma hervor- 
gepresst und zwar aus den grósseren Tiefen das Magnesia- und eisenhaltende Magma 
der Diabasmassen, aus geringen Tiefen das Magma des Porphyres und Granites. 


| 05 
: 

In dieser Hinsicht ist also die Bildung der Klůfte und der erruptiven Massen 
| im genetischen Zusammenhang, und in die Pildungszeit derselben fallen auch alle 
"die Zexklůftungen und Bruchlinien, welche unser Silursystem parallel zu seinem 
' Streichen gegen Nordost durchsetzen, indem deren Anordnung eine solche ist, dass 
/sie einen lateralen Druck voraussetzt, der eben nur als Folge der Contraction der 
E -akruste und der sie begleitenden Bildungen von erruptiven Massen erklárbar ist. 
| Kleinere locale Unregelmássigkeiten mógen auch eine andere Ursache haben. So 
(lassen sich die merkwůrdigen Faltungen der Kalkschichten in der Zone e, und f;, 
(wie z. B. bei Kuchelbad, leichter durch eine Infiltration und Imprágnirung ehedem 
- thonig schiefriger Gesteine durch Kalk und der daraus sich ergebenden Anschwel- 
-lung und Filtelung der Schichten erkláren, als durch den Druck der nachbarlichen 
© Diabasen, da die gefalteten Schichten zwischen anderen Kalkschichten liegen, die 
-ebene Fláchen haben. 

| Die auffallendsten, auch in den Terrainformen des Silures angedeuteten Bruch- 
(linien des nordóstlichen Systemes sind die folgenden : 


| a) Die Bruchlime der Příbramer Letlenkluft. 
| Diese durch den Příbramer Bergbau bekannt gewordene Bruchlinie (siehe Fig. 
(4. und Fig. 5) begrenzt den nordlichen Saum der Conglomeratzone, die auf die 
- azoischen Schiefer aufgelagert úber Příbram bis gegen Dobřiš streicht und von dem 
| grossen Conglomeratterrain des Třemošnagebirges durch die azoische Schieferzone 
-von Dušník-Pičín getrennt ist. 

Die Příbramer Grauwacken und Conglomerate bilden lánes dieser Bruchlinie 
eine Mulde, deren nordlicher Flůgel steil an der Bruchlinie gehoben ist, wáhrend 
an der entgegengesetzten Šeite der sůdliche Theil dieser Mulde flacher aufliegt. 

Diese Bruchlinie ist durch Bergbau besonders am Birkenberge aufgeschlossen 
und ist von da westlich bis úber Bohutin und óstlich úber Května gegen Pičín zu 
bergmánnisch bekannt; aber da sie in derselben nordostlichen Richtune liegt, nach 
"der die Conglomerate und Grauwacken des Třemošnagebirges von den Přibramer 
Conglomeraten abgerissen wurden, so ist wohl die Vermuthung begrůndet, dass 
auch die Bruchlinie, die voe Mníšek gegen Černolic und weiter gegen Závist bei 
Kónigsaal die sůdliche Seite des Brdawaldes begleitet und welche genau in der 
Fortsetzung jener Bruchlinie liegt, nichts anderes ist als die Fortsetzung der Let- 
tenkluft. Sie setzt sich dann zwischen dem Silur und den azoischen Schiefern úber 
Modřan und Kunratic am rechten Moldauufer fort und verliert sich erst in dem 
flachen Terrain zwischen Kunratic und Koloděj. 

Die Hauptwirkung dieser Bruchlinie war die Hebung des Třemošnagebirges 
und des grossen Brdawaldes, dessen sůdliche steile Lehnen, welche hoch úber die 
untergelagerten azoischen Schiefer emporgehoben sind, dieser Bruchlinie parallel 
sind. Der Verlauf dieser Bruchlinie verlásst bei Mnišek das Terrain der Conglo- 
merate und besgleitet von da bis Kónigsaal die Zonen d, d, d; d;, die zu dieser 
Linie steil gehoben sind und unmittelbar mit dem azoischen Schiefer angrenzen, 
-und zwar so, dass sich bei Jilovišt zuerst die Zone d;, dann bei Báně und Zá- 
běhlic die Zone d, und d; auskeilt und bei Závist schon die Zone d, an dieser 
Linie unmittelbar unter die azoischen Schiefer mit gefalteten Schichten einfállt. 


94 


Weiter gegen Nordost erscheint wieder die Zone d; als Begleiter dieser Linie und 
als die Basis des Silursystemes. 


b) Die Bruchlime zwischen dem Třemošna- und dem Slonovecrůckem. 


Parallel zu der Příbramer Lettenkluft wird das ausgedehnte Conglomerat- 
terrain, welches den sůdwestlichen Theil des Silures zwischen Příbram und Rokycan 
einnimmt, von einigen Bruchlinien durchsetzt und in die parallelen Gebirgsrůcken 
gegliedert, die schon frůher beschrieben wurden. Das brůchige und spróde Ge- 
steinsmaterial der Conglomeratschichten gestattete nicht die Bildung von Faltungen 
und synklinalen und antiklinalen Windungen der Schichten, sondern bei der Hebung 
des Gebirges, als deren Ursache wir die Contraction der Erdrinde voraussetzen, 
wurde die zusammenhángende Decke der Conglomerate in einzelne parallele Štreifen 
zersprengt und ein Streifen hinter dem andern einseitig gehoben. — Die zur Pří- 
bramer Lettenkluft náchst parallele DBruchlinie ist durch das Lángenthal von 
Obecnic angedeutet, welches den Třemošnarůcken vom Slonovec scheidet. (Siehe 
Fig. 5). Da die Flanken dieser Gebiresrůcken sowie die Thalsohle von zertrům- 
mertem Gesteine bedeckt sind, so lásst sich die Bruchlinie selbst an anstehenden 
Felsen nicht wahrnehmen, ihr wirkliches Vorhandensein ist aber durch die Contouren 
des Gebirges angedeutet, indem sonst die Máchtigkeit der Conglomeratschichten, 
welche von dem einen Růcken unter den anderen einzufallen scheinen, in einer 
so enormen Grósse angenommen werden miisste, wie sie durch keine unmittelbare 
Beobachtung, wo námlich die Conglomerate auf azoischen Schiefer ruhen, bestá- 
tiget wird. Die Bruchlinie beginnt irgendwo am Berge Kočka bei Padrť und zieht 
sich am Fusse der hochsten Conglomeratberge Koruna und Tok durch das Thal von 
Obecnice bei Hluboš vorůber in die Conglomeratberge der Dobříšer Waldungen 
gegen Kytín, wo sie sich mit der Fortsetzune der Přibramer Klettenkluft vereinigt. 


c) Die Jinecer Bruchlime. 


Diese Bruchlinie (Siehe Fig. 5 und Fig. 8) beginnt zwischen dem Slonovec- 
růcken und dem Koníček im Bereiche der Conglomerate, wo sie diese zwei mar- 
kanten Bererůcken von einander scheidet und setzt sich durch das Thal von Velcí 
(Welkau) fort, wo sie die auf den Třemošnaconglomeraten gelagerten Jinecer 
Schiefer mit ihrer Primordialfauna aufdeckt. Scheinbar fallen diese Schiefer nord- 
westlich unter die Conglomeratenschichten des Koníčekrůckens ein, aber eben dieses 
Lagerungsverháltniss ist ein sicheres Anzeichen des Vorhandenseins der Bruchlinie. 
Sie setzt sich dann an die Auarzitzone (d,) des grossen Brdarůckens fort und ist an 
dem secundáren Felsricken erkennbar, der den Kamm des grossen Brdarůckens an 
seiner nordlichen Seite begleitet. Ganz deutlich tritt die Fortsetzung dieser Bruch- 
linie an der Bezirkstrasse zwischen Řevnic und Mníšek hervor, zwischen dem Berge 
Strážný und Babka (Fig. 21), indem daselbst und in den angrenzenden Schichten 
die untergelagerte Eisenstein fůhrende Zone (d,) mit ihren Diabasen zu Tage 
ansteht und deutlich die beiden Auarzitzůge des Brdawaldes von einander trennt. 
Hinter Všenor gegen Báně und Záběhlic náhert sich diese Bruchlinie der Fort- 


POE Vee 


| 
| 95 
! 
| 
: 


|setzung der Příbramer Kluft, und vereinigt sich hier mit derselben, so wie die 
'vorhergehenden. 

: 

i 


d) Die Bruchlinmie des Berges Ostrý. 
| An der Nordseite des Berges Ostrý bei Felbabka zwischen Hořovic und Jinec 
- steht Auarzit (d,) in steilen Schichten und scharfen Knickungen an, der nord- 
-westlich einfállt und von der Eisenstein fůhrenden Zone d, unterlagert wird, die 
( wieder ihrerseits auf den Schiefern der Primordialfauna (C) ruht. (Siehe Fig. 7, 16, 17.) 

Zwischen diesen Schiefern, die ziemlich flach liegen, und den Auarziten geht 
| eine Bruchlinie durch, die durch eine Reihe von Auarzitklippen angedeutet ist. Man 
„kann diese Klippen durch den Podluher Wald bis ins Thal des rothen Baches 
-zwischen Mrtník und Neřežín am Fusse des Giftberges verfolgen, wo sie mit einer 
I Ouarzitzone (d,) zusammenhángen, die auf der eisensteinfihrenden Zone (d,) auf- 
| gelagert bis in das Thal von Strašic bei Těny sich zieht. Weiter gegen Sůdwest 
-im Thal von Strašic tritt die eisensteinfůhrende Zone, durch anstehende Grůnstein- 
© hiůgel bezeichnet, allein zu Tage, von beiden Seiten von hóheren Třemošna-Conglo- 
 meratbergen begleitet, und zwar so, dass sie an der Sůdseite des Thales auf diesen 
© Conglomeraten ruht, auf der Nordseite aber scheinbar von ihnen úberlagert wird, 
-was offenbar die Folge einer Dislocation ist, námlich einer Hebung der nordlichen 
| Conglomeratparthie úber die eisensteinfihrenden Schichten. Die Bruchlinie, lánes 
| der diese Dislocation stattfindet, setzt sich dann im Gebiet der Třemošnaconglomerate 
in das Thal von Dobřiv fort, das eben durch diese Dislocation gebildet wird, und 
- verliert sich endlich unter der kleinen Steinkohlenmulde von Mirešov, die gerade 
-an der Grenze der Conglomerate und der azoischen Schiefer abgelagert ist. 

An der nordlichen Seite wird diese Bruchlinie von einer antiklinalen Auf- 
stauung der eisensteinfůhrenden Zone begleitet, die in dem deutlich aufgeschlos- 
senen Schichtenbau des Hůgels Milina bei Volešna und des Berges Ivina bei Ko- 
morau leicht erkennbar ist (Fig. 14, 15). Die antiklinale Schichtenwólbung setzt 
sich dann mit Ouarziten (d,) bedeckt úber den Berg Číhadlo und den Hůgel Dra- 
žovka bei Hořovic fort (Fig. 16, 17) und streicht weiter in nordostlicher Richtung 
durch das Terrain des auf Auarziten aufgelagerten Grauwackenschiefers (d,) zwischen 
dem rothen Bache und der Litava durch, ohne dass aber die Fortsetzung der 
Bruchlinie des Ostrýberges in den zerrůtteten Grauwackenschiefern durch irgend 
welche Terrainformen angedeutet wáre. 

Die Fortsetzung der antiklinalen Schichtenwólbune scheint sich noch weiter 
in das Bereich der letzten Thonschiefer und Grauwackenzone des Mittelsilures, 
námlich der Zone d; zu erstrecken; denn man trifft sie-wieder deutlich an der Hohe 
Vyšebohy bei Libomyšl an, und sie láuft von da in gerader nordostlicher Fortsetzung 
die Iviner Wólbung úber Borek gegen Suchomast, wo sie von den Kalketagen E 
und G des Koněpruser Bergzuges bedeckt wird. Am nordlichen Gehánge dieses Bere- 
zuges bei Mněňan treten im Thale zwischen den Kalkbergen bei Korno und Liteň 
der Thonschiefer und die Grauwacken der Zone d; wieder auf und zwar gleichfalls 
in antiklinaler Schichtenstellune, offenbar als Fortsetzung der Borek-Suchomaster 
Welle (Figur 43.). Diese antiklinale Aufstauung setzt sich dann als deutliche 
Terrainwelle auf den Berg Vočkov gegenůber von Karlstein fort, úbersetzt die 


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Beraun und streicht úber Karlík und Vonoklas bis gegen Černošic, wo sie am 
Rande des Kalkplateaus verschwindet. Es ist bemerkenswerth, dass am áusseren 
sůdlichen Saume dieser Welle in einem synklinal gebauten Streifen vom Kalkberge 
Mramor bei Liteň angefangen, Graptolithenschiefer und Diabaslager erscheinen und 
weiter in der Fortsetzung dieses Streifens im Gebiete der Thonschieferzone d; 
Colonieneinlagerungen der Graptolithenschiefer auftreten, die sich von Třebáň úber 
Radotín, Gross-Kuchel und guer úber die Moldau bis gegen Hodkovičky verfolgen 
lassen, so dass es den Anschein gewinnt, als seien diese Colonien zerstreute Reste 
eines in die Schiefer der Zone d; eingeknickten Graptolithenschieferstreifens, der 
důrch die antiklinale Aufstauung des Vočkovberges vom zusammenhánsenden ober- 
silurischen Terrain abgetrennt wurde. 


e) Die Bruchlinie vom Berge Žďár und vom Koda. 


Am Žďárberge bei Rokycan sieht man am áussersten něrdlichen Ende der 
Třemošnaconelomerate dieselben in hoch gehobenen Schichtenbánken anstehen, die 
gegen Norden scharf abgeschnitten sind. Am Fusse dieses Berges, der úbrigens 
von Porphyr durchsetzt ist, liegen die Schiefer der Zone d;y mit untergelagerten 
Eisenerzen und fallen scheinbar von Nordost gegen den Bere Žďár ein, námlich 
gegen eine Bruchlinie, lánes der dieser Berg gehoben ist. Diese Bruchlinie setzt 
sich nordostlich hart am Fusse des Conglomeratberezuges bei Holoubkau vorbei 
(Siehe Fig. 19.) und verliert sich dann im Terrain der Eisenstein fůhrenden Zone 
(d,) bei Mauth, wo ein Grůnsteinhůgel bei der isolirten St. Stephanskirche ihre 
Fortsetzung nur unbestimmt andeutet. Weiter gegen Nordost bei dem Dorfe Ka- 
řízek tritt aber diese Bruchlinie wieder deutlich zum Vorschein (siehe Fig. 14), 
„indem sie daselbst die Auarzitdecke (d,), welche den westlichen Auerriegel des 
nordlichen und sůdlichen Auarzitsaumes unserer Silurmulde bildet, zersprengt und 
in antiklinaler Aufrichtung die eisensteinfihrende Zone (d,) zu Tage bringt. 

In den weiter gegen Nordost aufgelagerten Grauwackenschiefern (d,) ist sie 
wegen der Bedeckung des Terrains mit Lehm und Schotter nicht kennbar, sie setzt 
sich aber wahrscheinlich bis ins obersilurische Kalkterrain fort, und vielleicht 
gehórt ein Theil des Thálchens des rothen Baches zwischen Hořovic und Praskoles 
zu dieser Fortsetzung. 

Erst im zusammenhángenden obersilurischen Kalkterrain am Berge Tobolka 
beginnt wieder eine deutliche Schichtenverwerfung, die weil sie in der Richtung der 
Bruchlinie von Žďár und Kařízek liegt, als ihre Fortsetzung angenommen werden 
kann. Diese Bruchlinie ist namentlich in der Thalschlucht bei Koda sehr deutlich 
sichtbar (siehe Fig. 46), indem daselbst die hóchste obersilurische Schieferetage 
(H) unter steil gehobene Kalkbánke der Zone F und G, gegen Nordwest einzufallen 
scheint, aber eigentlich von ihnen durch diese Bruchlinie getrennt wird. Die Dis- 
location zwischen den Kalkbánken und den Schiefern der Etage bezeichnet dann 
weiter den Verlauf dieser Bruchlinie, welche wie es scheint, das ganze obersilu- 
rische Kalkplateau durchláuft. | 

Man sieht sie wieder deutlich lánes des Schieferstreifens der Etage H bei 
Srbsko jenseits der Beraun, bei Mořin unweit Karlstein am Abhange der Hóhe 
„na Barvínku“ (Fig. 47) und bei Třebotov, allerdings nur in Thal- und Schluchten- 


9 


- einschnitten, da die Plateauhóhen von Sand und Schotter oder Lehm bedeckt sind. 
| Auch die auffallende Dislocation zwischen den Graptolithenschiefern und Diabasen 
B der Zone e, und zwischen den Knollenkalken g,, die unterhalb Lochkov im Rado- 
- tinerthale schon in den Terraincontouren sich kundgiebt, kann man als Fortsetzung 
-dieser Bruchlinie ansehen, obwohl die H-Schiefer nicht bis her reichen, sondern 
- schon bei Kosoř sich verlieren. 


In der weiteren nordostlichen Fortsetzung dieser Linie tritt dann die Dislo- 


-cation zwischen der Zone e, und g, im Thálchen Přídolí unterhalb Slivenec wieder 


auf, und ihre letzte Spur endlich ist wahrscheinlich durch die Bruchlinie ange- 
deutet, welche den Braniker Kalkfelsen (£,) vom Dvorecer trennt uůd wo in den 


 Thálchen von Dvorec die Knollenkalke 9; scheinbar unter die Thonschiefer der 


Zone d; einfallen. (Fig. 51.) 


S) Die Prager Bruchlimie. 


Die beiden Auarzitzonen, welche in den Umgebungen von Prag auftreten und 


-von denen die sůdliche durch die obere Neustadt Prag zieht, wáhrend die něrd- 


liche den weithin sichtbaren Felsen bei dem Hofe Bulovka unweit Lieben bildet, 
und welche beide GAuarzitzonen von einander durch einen 2 Kilometer breiten 


- Streifen der Grauwackenschiefer (d,) getrennt werden, verlaufen lángs einer nord- 
- ostlichen Bruchlinie, durch welche am nordlichen Saume des Silurterrains die 


- regelmássice Schichtenfolge in so auffallender Weise unterbrochen wird, dass sie 


schon in den Terrainformen sich erkennen lásst (Siehe Fig. 92). Die deutliche 


- Sonderung der Auarzitzonen durch das Dazwischentreten eines sich bis auf 2—3 Kilo- 


meter erbreitenden Štreifens der Grauwackenschiefer (d,) beginnt am Berauner 


- Plešivec, welcher Berg so zu sagen der Knotenpunkt der Auarzitzonen am nordlichen 
- Rande des bohmischen Silures bildet. 


Denn einerseits zieht sich vom rechten Beraunufer zu diesen Bergen die Reihe 


© der isolirten Auarzitkámme, die im Gebiete der azoischen Schiefer zwischen Zbirov 
- und Althůtten auftreten, und vielleicht schon eine Dislocationslinie andeuten, lánes 


- deren die Auarzite des Velis und der Krušnáhora aus ihrem ursprůnglichen Zu- 


- sammenhange mit den GAuarzitrůcken des kleinen Brdagebirges abgetrennt werden, 
- anderseits zieht sich zu eben demselben Berge die Bruchlinie, welche den Auar- 


zitrůcken des kleinen Brdagebirges (Brdatka) in zwei Kámme scheidet, und durch 


einen engen Streifen der Schiefer der Zone d,y angedeutet wird. (Fig. 27.) 


Man kann diesen engen Schieferstreifen mitten zwischen zwei Auarzitkámmen 
des Brdatkarůckens von Dybří vom Berge Děd bei Drabov bis zum Beraunfluss 


- verfolgen, wo er diesen Fluss úbersetzt und in die sůdliche Lehne des Berauner 


Plešivec sich hineinzieht. 

Von diesem Berge angefangen verláuft die nordliche Auarzitzone úber den 
Kamm Kamenina und den Chrbinarůcken bei Chýňava bis úber den Kačicer Růcken 
bei Ptic, wo sie sich unter aufgelagertem Auadersandstein und Pláner verliert, um 
aber wieder bei Hostivic westlich von Prag im seichten Thale des Plánerplateaus 
aufzutauchen. (Siehe Fig. 28). Die Fortsetzung dieser Zone bilden die kleinen 
Ouarzitkámme und Klippen bei Vokovic und Dejvic, dann die Auarzitwand bei der 
Bulovka und die Klippe bei der verlorenen Schildwache in Neu-Lieben, endlich 

7 


98 


die einzelnen Auarzitfelsen zwischen Vinoř und Brandeis, die in den seichten auf 
dem mit Auadersandstein und Pláner bedeckten Plateau durch Schotterbrůche auf- 
oeschlossen sind. Am Saume der Silurmulde ist hier eine secundáre Dislocations- 
linie sichtbar, lánes der die Auarzitschichten wiedersinnig gegen NW einfallen. 

Auf der Auarzitzone liegen in regelmássiger Folge die Schieferzonen d, 
und d, bis zu der Bruchlinie, lángs der, wie schon frůher beschrieben wurde, die 
Eisenstein fůhrende Zone (d,) und úber derselben die zweite sůdliche Auarzitzone zu 
Tage tritt, welche ihrerseits wieder von der regelmássigen Reihe der jingeren Schiefer- 
zonen dz, dj, d; begleitet wird, bis endlich die Kalketagen des Obersilures sich auflagern. 

Der Auarzitkamm des Březovarůckens und dann die kleinen Kámme bei Ho- 
řelic, Chrašťan, Radonic deuten den Verlauf dieser Bruchlinie an, die dann na- 
mentlich im Košířer Thal an den GAuarzitklippen deutlich zu Tage tritt, indem 
daselbst Schiefer der Zone d, und d; unmittelbar an einander stossen. (Fig. 34.) 

Die weitere Fortsetzung der Auarzitzone geht durch die obere Neustadt Prag, 
wo sie durch die kleinen anstehenden Felsen bei Emaus angedeutet ist, und tritt 
von einer sekundáren parallelen Pruchlinie und der antiklinalen Welle des Kreuz- 
berges bei Volšan begleitet, am Žižkaberge ober Karolinenthal wieder besonders 
deutlich hervor, bis sie hinter Hloupětín am Plateaurande der Kreideformation 
unweit von Chvala unter den Auadersandsteinen verschwindet. (Fig. 36.) 


9) Die Bruchlime von Skrej. 


Eine durch ihre Deutlhchkeit besonders ausgezeichnete Pruchlinie begleitet 
endlich den isolirten und in dem azoischen Terrain eingeschlossenen Streifen der 
Zone der Primordialfauna (C) bei Skrej, die dort aus Schiefern und guarzitischen 
Grauwacken und Conglomeraten sowohl im Liegenden als Hangenden besteht und 
auf azoischen Schiefern discordant aufgelagert ist. Diese Zone hat ein nordost- 
liches Streichen und fállt sůdostlich gegen eine Bruchlinie ein, die man von Tej- 
řovic úber Mlečic bis gegen Lohovic und Tereschau verfolgen kann, und an der 
Aphanite und Porphyre das azoische Schiefergebiet durchsetzen und sich hoch iiber 
die Zone der Primordialfauna erheben. (Siehe Fig. 9.) 

Es ist wohl móglich, dass dieser so weit vom zusammenhángenden Šilur- 
terrain dislocirte Schieferstreifen den ussersten nordlichen Rand des einstigen 
Silurmeeres andeutet, womit auch die Vertheilung der isolirten eisensteinfůhrenden 
Schichten (d,) und GAuarzite (dp) auf den Plateauhohen des azoischen Schiefer- 
terrains am Velis und an der Krušná hora úbereinstimmt. Offenbar wurde die 
angedeutete Dislocation der Skrejer Schiefer durch das Empordringen der máchtigen 
Porphyrmassen bewirkt, welche den waldigen Gebireszug zwischen Půrglitz und 
Rokycan bilden. Indessen ist es auch moglich, dass die Skrejer Schiefer in einer 
Seitenbucht des Silurmeeres sich absetzten; aber eine sichere Entscheidung ůúber 
diese ersten Verháltnisse des bohmischen Silurmeeres lásst sich aus den bisher 
bekannten geotektonischen Aufschlůssen bisher nicht ableiten. 


2. Das Kluftsystem mit nordwestlichem Streichen. 


Das grosse, die bohmische Silurformation hauptsáchlich beherrschende Kluft- 
system mit nordostlichem Streichen wird senkrecht zu diesem Streichen durch ein 


99 


anderes Kluftsystem durchsetzt, das namentlich auf die Thalbildung von Einfluss 
ist.  Dieses Kluftsystem mit nordwestlicher Richtung entstand wenigstens theilweise 


* vielleicht gleichzeitig mit den nordóstlich verlaufenden Bruchlinien, vielleicht ist es 


aber theilweise gleichzeitig mit jenen Zerklůftungen, welche im westlichen Deutsch- 


- land und in England zur Zeit des Kohlenkalkes die mitteleuropáischen Gebirge 


durchsetzten und dasselbe nordwestliche Streichen haben. Die Altersbestimmung 
dieses Kluftsystemes im Gebiete des bohmischen Silurterrains ist nicht móglich, da 
bis zur Kreideformation alle jingeren Schichtenbildungen in diesem Gebiete fehlen 
und also keine Anhaltspunkte gegeben sind, um das relative Alter der nord- 
westlichen Klůfte nach ihrem Eingreifen in andere jiingere Formationen zu be- 
stimmen. 

Nach der Richtung des nordwestlichen Kluftsystemes sind einige Tháler mit 
beiderseits steilen Felsgehángen ausgewaschen, durch welche senkrecht zum herr- 
schenden Streichen die silurischen Schichten mit allen ihren Unregelmássigkeiten, 
Faltungen und Verwerfungen durchschnitten werden. Noch háufiger zeigen sich diese 
Klůfte nur an den Zusammensetzunesfláchen der Felsenmassen und an den Ver- 
werfungsfláchen der Schichtenzonen. So bemerkt man sie besonders háufig in dem 
Eisenerzlager auf der Krušná hora (d,) und bei Nučic in der Grauwackenzone (d,), 
dann in den Auarzitrůcken des Brdagebirges und in den Kalkfelsen des ober- 
silurischen Terrains. 

a) Die deutlichste und grósste Kluft dieses Systemes sileht man im Beraun- 
thale zwischen Beraun und Srbsko entwickelt. Diese Kluft durchsetzt senk- 
recht zum Štreichen der Silurschichten alle obersilurischen Etagen von e, angefangen 
bis nach H und ihrem Streichen nach ist die hier pittoreske Thalschlucht aus- 
gewaschen, an deren steilen Winden, den Kalkzonen F und £; angehórend, man 
die Kluftfláchen dieses Systemes besonders deutlich erkennt. 

b) Parallel zu dieser Thalschlucht zieht sich im obersilurischen Kalkterrain 
am rechten Beraunufer von Liteň gegen Koněprus eine Thalfurche, welche 
bis in die untergelagerten Thonschiefer der Zone d; reicht, sonst aber von den 
Graptolithenschiefern und Diabasen der Zone e, ausgefůllt ist. (Siehe Fig. 45.) 
Die Kalkfelsen an den Hóhenzůgen, die dieses Thal umsáumen, sind nach Klůften 
abgeschnitten, die diesem Kluftsystem angehóren. 

Als Fortsetzung dieser Thalfurche kann man einerseits gegen Nordwest das 
kleine Auerthal betrachten, welches die Etage D (d, d; d; d,) bei Zahořan bis 
zum azoischen Schieferterrain unterhalb Hudlic durchbricht; anderseits die Schlucht, 
welche oberhalb Řevnic an den nordlichen Lehnen des Brdawaldes sich hinaufzieht 
und zwischen den Kuppen Strážný vrch und Babka die Auarzite (d,) bis zu den 
untergelagerten Diabasen und Schiefern der Zone d, durchschneidet. 


c) Auch die Auerthálchen, welche vom obersilurischen Plateau zwischen Karl- 
stein und Radotin zum Beraunthale sich herabziehen, durchsetzen die Kalketagen 
senkrecht zu ihrem Štreichen und gehóren also auch zu diesem Kluftsysteme; so 
namentlich das Thálchen des kalten Bachés (Studený) zwischen Trněný Újezd 
und Karlík; das Thálchen des Švarcavabaches zwischen Klein-Kuchař und 
Černošic, dann der Anfang und das Ende des Radotinerbaches zwischen 
Hořelic und Choteč, so wie zwischen Hinter-Kopanina und Radotín, wáhrend der 

Vs 


100 


mittlere Theil dieses Thales dem ersten Kluftsystem námlich dem norděstlichen 
angehórt. 

Auch die Schlucht Přídolí unterhalb Slivenec, dann der obere Theil des 
St. Prokopithal bei Řeporyj gehórt hieher, Das Ouerthálchen bei Vše nor, welches 
den Auarzitkamm des Brdawaldes seiner ganzen Breite nach durchbricht, kann 
man als die Fortsetzuneg der Kluft betrachten, lánes der das Thálchen von Karlík 
gegen Trněný Újezd im Obersilur ausgefurcht ist. 

d) Im Gebiete der Etage D in den Umgebungen Prags folgen dem nordwest- 
lichen Kluftsystem, die Thálchen zwischen Kunratic und Krč, dann zwischen 
Petrovic und Hostivař, wo sie die Auarzitzone (d,) durchsetzen und ihre 
interessante Lageruneg aufschliessen. | 

e) Tiefer und grósser sind die Ouertháler lánes des nordwestlichen Kluft- 
systemes im Gebiete der Třemošna-Conglomerate und guarzitischen Grauwacken. 

Hieher gehórt das schóne und tiefe Gebiresthal des rothen Baches von Ko- 
morau aufwárts úber Mrtník und Neřežín, von welchem die nordostliche Bruch- 
linie an den steil gehobenen Auarziten (d,) durchschnitten ist, und das sich von 
da am Fusse der malerischen Ruine Waldek in das Terrain der Třemošnaconolo- 
merate hinaufzieht, indem es die Conglomeratrůcken des Beranec und Koníček 
durchbricht. 

Als Fortsetzung dieses Ouerthales erscheint jenseits des grossen Conglomerat- 
Hauptrůckens des Tok und Brdaberges, das Thal von Obecnic, welches sich 
bei den Přibramer Silberhůtten in das Lánesthal zwischen dem Třemošna- und 
Slonovecrůcken offnet. 

Dessoleichen gehórt zu dem nordwestlichen Kluftsystem das tiefe Ouerthal 
des Padrťbaches, das nahe an den hóchsten Kuppen des Conglomeratgebirces, 
Praha und Tok, in den Rožmitaler Wáldern beginnt und die máchtigen, parallel 
gegen Nordost streichenden Růcken senkrecht zu ihrem Štreichen bis in das Lángs- 
thal von Strašic und Dobřiv durchschneidet. 

Parallel zu diesem Auerthal erstreckt sich weiter westlich das kůrzere Thal 
des Eisbaches (Ledový potok), das.in den Waldbergen bei Kolvín beginnt und 
bei Dobřiv in das vorerwáhnte Lánesthal einmůndet. 

Auch die Thalschlucht, welche die Berge Ž ďár und Kotel bei Rokycan von 
einander trennt, folet diesem nordwestlichen Kluftsysteme. Seine Fortsetzung gegen 
Sůdost ist durch das Thal des Skořicerbaches bezeichnet, welches von der Miro- 
šover Kohlenmulde hinauf den westlichen auf azoischen Schiefern aufliegenden 
Fuss des Conglomeratgebirges umsáumt und bis auf die Hóhen von Padrť hinauf 
fůhrt. In der weiteren Fortsetzung dieser Thallinie gegen Sůdost lieet das Thal 
des Vlčavabaches bei Rožmital, das den isolirten Conglomeratstreifen von 
Přibram von dem Třemšíngebirge trennt und in Rožmital und der Umgebung bis 
auf den untergelagerten Granit ausgefurcht ist. Parallel zu diesem Thal streicht 
westlich davon das Waldthal zwischen den Conglomeratrůcken des Štěrbina- und 
des Třemšínberges bei Vacikov, das ebenfalls bis auf die untergelagerten 
azolschen Schiefer und Granite eingeschnitten ist. 

Endlich ist noch das Uslavathal am dussersten westlichen Ende des Silur- 
terrains zu erwáhnen, das ebenfalls einer nordwestlichen Kluft folet, lángs der die 


101 


eisensteinfihrende Zone (d,), hier auf azoischen Schiefern ruhend und von Porphyr 
durchsetzt, scharf abgeschnitten ist. 


3. Das Kluftsystem mit nordlichem Streichen. 


Dieses Kluftsystem durchsetzt unser Silurterrain von Sůd nach Nord mit 
| einer geringen Abweichung gegen West, und lánes desselben sind wie bei dem 
— vorhergehenden System tiefe, von beiden Seiten mit steilen Felsen gebildete Tháler 
entwickelt, und eben so bemerkt man an den Zusammensetzunostláchen unserer 
silurischen Felsmassen háufig Klůfte in dieser Richtune, nach denen die Schichten- 
zonen gegen einander verschoben und verworfen sind. 

Klůfte mit nordlichem Štreichen durchsetzen auch die bohmische Steinkohlen- 
formation und bilden die grossen Verwerfungen der Kohlenflótze, wie sie in Kladno, 
bei Radnic und anderwárts durch Bergbau aufceschlossen sind. Auch die Kluft, 
lángs der die Steinkohlenformation bei Kralup an der Moldau scharf abgeschnitten 
ist, gehórt diesem Systeme an. Dessgeleichen folgen auch die Blei- und Silbererz- 
gánge von Příbram dem nordlichen Štreichen dieses Kluftsystemes. 

In der auf der Šteinkohlenformation aufgelagerten Permformation sind diese 
nordlichen Kliůfte nicht mehr deutlich wahrnehmbar, sondern es herrschen daselbst 
Faltungen und Schichtenbrůche, die von West gegen Ost streichen. 

Aus diesen Andeutungen kónnte mán die Vermuthune ableiten, dass das 
Kluftsystem mit něrdlichem Streichen erst nach Abschluss der Kohlenzeit, und 
schon vor der Permformation entstand, obwohl ein strikter geotektonischer Beweis 
hiefůr noch mangelt, indem die Steinkohlenformation mit Ausnahme von kleinen 
untergeordneten und fast ganz abgebauten Mulden, nirgends dem eigentlichen Silur 
aufgelacert ist, sondern auf den viel álteren azoischen Schiefern ruht. 

Die Haupttháler, welche diesem Kluftsystem folgen, sind die des Moldauflusses 
und der Litava; nebstdem gehóren einige gróssere Thalschluchten zu denselben, 
durch welche die silurischen Etagen schief zu ihrem Štreichen durchschnitten 
werden. 

a) Das Moldauthal folgt vou Vran ober Kónigsaal bis nach Prag dem 
nordwárts gerichteten Kluftsystem; in Prag selbst tritt es in eine Thalfurche des 
nordóstlichen Systemes ein, wendet sich aber unterhalb Prag wieder in die Fort- 
setzune der nordlich streichenden Thalkluft. Die steilen Lehnen und Felsen, welche 
das Thal beiderseits begleiten, zeigen die ganze Reihenfolge der silurischen Etagen 
und Zonen mit Ausnahme der tiefsten Conglomerate und der Schiefer der Primor- 
dialfauna und der hóchsten silurischen Schieferetage H, also die Etagen D, E, F, 
G und zwar von den azoischen, von Porphyr durchsetzten Schiefern des Sůdrandes 
der Silurmulde bei Kónigsaal bis zu ihrem Nordrande bei Podbaba. Der schiefe 
Durchschnitt der silurischen Etagen, die sich in synklinaler Lage an beiden Seiten 
der Silurmulde wiederholen, bedinet die malerische Gestaltung der Felsen im Moldau- 
thale, indem die hárteren Schichtenzonen mit schárferen Contouren hervortreten, 
als die weicheren, und eine schóne Abwechslung der Felsformen verursachen. 
Namentlich gestaltet sich im Hintergrunde die azoische Schieferzone mit ihren 
Porphyrkuppen ober Kónigsaal als ein malerischer Hintergrund, wáhrend die Kalk- 
felsen bei Braník, Kuchelbad und Zlichov im Mittelerunde, und die grůnen Hóhen 


102 


des Lorenziberges in Prag, sowie die mit Palásten bedeckten Hóhen des Hradšin und 
der dunkle Schieferfelsen (d,) des Vyšehrad mit dem breit aufgestauten und von 
baumreichen Inseln belebten Moldauflusse im Vordererunde zu dem schónsten Land- 
schaftsbilde von Mittelbóhmen sich vereinen. 

b) Am rechten Ufer der Moldau in dem flach gewellten Terrain čstlich von 
Prag folsen einige Parthien der dortigen kleinen Tháler oleichfalls diesem nord- 
wárts gerichteten Kluftsysteme. Namentlich ist es das Thálchen des Rokytnicbaches 
zwischen Královic und Koloděj, wo es aus den azoischen Schiefern ins 
Bereich der Eisenstein fůhrenden Zone (d,) und der Auarzitzone (d;) tritt, dann 
ein Theil des Thálchens zwischen Ouřiněves und Běchovic bei Dubeč und 
Dubeček, das den synklinal und antiklinal gefalteten Rand der Auarzitzone (dj) 
durchschneidet. Dessgleichen gehórt zu den Thalschluchten dieses Systemes der 
Durchbruch der Auarzitkámme úber Kyj und Hrdlořez und dann auch der 
Durchbruch der Schiefer und Grauwackenzone d, am Hůgel Bohdanec bei Michle. 

c) Am linken Ufer der Moldau im obersilurischen Terrain ist das St. Ivan- 
thal der Hauptreprásentant dieses nordlich streichenden Kluftsystemes. 

Diese von steilen Felswánden umschlossene Thalschlucht durchschneidet alle 
obersilurischen Etagen und durchsetzt auch die untergelagerten Schiefer und Auarzit- 
zonen der Etage D bis zu den azoischen Schiefern bei Podkozí, wo der Kačicer 
Bach aus einer nordwestlichen Thalfurche in dieses Kluftsystem einlenkt. 

Jenseits des Beraunflusses an seinem rechten Ufer ist das Thal des Sucho- 
master Baches am westlichen Fusse des Kotyzberges, namentlich an seinem 
nordlichen Ende bei der Litohlav-Můhle, wo es aus dem Kalkterrain in die Grapto- 
lithenschieferzone eintritt zwischen der Koukolová hora und dem Berge Kosov bis 
auf die untergelagerten Schiefer der Zone d; parallel zum nórdlich streichenden 
Kluftsystem eingefurcht. 

d) So wie die Moldau fliesst auch die Litava lánes einer Thalspalte, die 
dem nórdlich streichenden Kluftsystem angehórt. (Siehe Fig. 6.) 

Dieses Gewásser entspringt im Granitterrain bei Brod nicht weit von Příbram 
und durchschneidet in gerader von Sid nach Nord streichender Richtung zuerst 
die auf azoischen Schiefern aufgelagerte Conglomeratzone von Příbram, dann den 
Hauptrůcken der Třemošnaconglomerate zwischen Hluboš und Jinec, und deckt dort 
die Einlagerung der Schiefer mit der Primordialfauna (C) auf, wáhrend die auf- 
gelagerten Eisenstein fiihrenden Schichten (d;) und die Auarzite (d,) die steilen 
Thalgehánge an den Bergen Ostrý und Plešivec bilden. 

Weiter abwárts von Lochovic tritt es in das Gebiet der Grauwackenschiefer 
(d;) und bei Litomyšl in das Gebiet der Schieferzone d; ein und tritt bei Zdic im 
Gebiete dieser Zone aus dem Jinec-Příbramer Ouerthale in ein schónes Lángen- 
thal mit nordostlicher Richtung ein, das den Nordrand des obersilurischen Plateaus 
von Zdic bis Beraun beoleitet. 

Parallel zum Litava-Thale bei Jinec trifft man im Gebiete der Třemošna- 
conelomerate noch einige Thalschluchten mit nordlichem Streichen an, die offenbar 
lines der Gebirgsspalten ausgewaschen sind, welche das ganze Silur von Sůd nách 
Norden durchsetzen. 

Hieher gehórt ein Theil der Thalschlucht bei Velcí (Welkau), durch 
welche die Jinecer Schiefer aufgeschlossen sind; dann der oberste Theil der 


105 


| vom rothen Bach bewásserten waldicen Thalschlucht oberhalb der 

Ruine Waldek und ebenso der oberste Theil der Thalschlucht, in welche der Abfluss 

( der zwei grossen Teiche von Padrť sich ergiesst, die aber bald in eine andere 

© Thalschlucht mit nordwestlichem Streichen einlenkt. 

| Schliesslich kann noch die Thalfurche des Zbiroverbaches erwihnt werden, 
die von Zbirov gegen Skrej in gerader nordlicher Richtune in die azoischen Schiefer 

© und die sie durchsetzen den Por phyre sich einschneidet und in seiner Fortsetzune bei 
© der Podmokler Můhle so wie bei der Můhle Slapnice, nahe an seiner Einmiůndung 


in die Beraun, die Lagerung der merkwůrdigen Skrejer Schiefer (C) aufschliesst. 


Thalbildune und Hydrographie des bohmischen Silurgebietes. 


Die Thalbildung unseres Silurgebietes ist im innigen Zusammenhange mit den 
Bruchlinien und den Kluftsystemen desselben. 

Die Fliůsse und die in sie einmůndenden Báche fliessen sámmtlich lánes den 
Bruchlinien, welche die Silurmulde parallel zu ihrem Streichen durchsetzen, oder 
lánes der Klůfte, durch welche diese Bruchlinien von Nordwest gegen Sůdost, oder 
von Sid nach Nord durchschnitten werden. Die wechselnde Richtung des fliessenden 
Wassers wird durch das Vorherrschen der einen oder der anderen Zerklůftune 
bestimmt, so dass man bei der Verfoleung eines Flusses oder Baches aus einem 
Kluftsystem in das andere im mannigfachen Wechsel gelangt. Nebenbei sei bemerkt, 
dass auch die áusseren Formen unserer silurischen Felsen von den drei Bruchlinien 
beherrscht werden, deren orographische Spuren in dem vorhergehenden Absatze 
geschildert wurden 

Hiedurch entsteht in unseren silurischen Thálern die angenehme Abwechslung 
und Mannicgfaltigkeit, welche in landschaftlicher Beziehune zu den einfachen Con- 
touren der silurischen Bergrůcken und Hochfláchen einen háufig malerisch schónen 
Vordergrund bildet. 

Wie schon frůher erwáhnt wurde, war ehedem das ganze obersilurische und ein 
grosser Theil des mittelsilurischen Gebietes von der Kreideformation bedeckt, von 
der nur isolirte Ouader- und Plánerplateau (der weisse Bere, Vidovle, das Prosiker 
Plateau) oder oberfláchliche Sand- und Schotterschichten mit Einlagerungen von 
plastischem Thon und einzelnen Blócken eines festen eisenschůssicen Sandsteines 
úbrie blieben, an denen man die ehemalige Verbreitung der Kreideformation nach- 
weisen kann. 

Nur die hóheren Auarzitrůcken, die von Kónigsaal und Hořelic gegen Sůdwest 
sich ziehen, und das gebirgige Terrain der Třemošnaconglomerate und Grauwacken 
war schon zur Kreidezeit úber das Niveau des damaligen Meeres erhoben. 

In diesem hóheren silurischen Terrain, dessen áussere Umrisse also álter sind 
als die Kreideperiode, sind. die Anfinge der jetzigen Thalbildung unseres Silur- 
gebietes zu suchen. 

Das von dem Kreidemeere verlassene Terrain stellte nach Abschluss der 
Kreideformation. eine von weichen Sandsteinen und mergligen Schichten bedeckte 


104 


Ebene dar, in welche aus den hóheren silurischen, schon nach den drei Haupt- 
kluftsystemen ausgefurchten Thálern die fliessenden Wásser sich ergossen. 

Diese Wásser furchten sich nun in den weichen Sedimenten der Kreideforma- 
tion neue Thalrinnen aus, bis sie das untergelagerte, einen unebenen Unterorund 
bildende silurische Gestein erreichten, in welchem die ursprůnelichen, schon vor 
der Kreidezeit entstandenen Ausfurchungen den weiteren Forteane der Thalbildung 
bestimmten. 

Da nun die heutigen silurischen Tháler in ihrem Verlaufe und ihren Win- 
dungen den verschiedenen Kluftsystemen folgen, welche das Silurgebiet durchsetzen, 
so ergiebt sich daraus, dass das fliessende Gewásser in dem durch Abwaschung 
blosgelegten Silurterrain allsogleich den schon frůher bestandenen, durch Bruchlinien 
und Auerkliůfte gebildeten Terrainfurchen folgte und sie fortwáhrend weiter aus- 
tiefte, bis sich allmáhlich die heutigen Verháltnisse entwickelten. 

Die Thalbildung im ŠSilurgebiet ist also zwar die Folge einer máchtigen 
Erosion, aber die Thalrichtung war schon durch die vor der Kreidezeit erfolste 
Dislocation der Silurschichten nach den drei Hauptkluftsystemen prádestinirt. 

Die Tháler unseres Silurterrains werden von drei Flůssen und von den ihnen 
zufliessenden Báchen bewássert, námlich von der Moldau, dem Beraunfiuss und 
der Litava. 

I. Die Moldau durchstromt eine im allgemeinen nordlich gerichtete Thal- 
kluft, allerdines mit vielen localen Abweichungen von Hohenfurth im Boóhmerwalde 
bis nach Weltrus, nahe an ihrer Vereinigune mit der Elbe. 

In das silurische Gebiet tritt die Moldau bei Kónigsaal oberhalb Prag ein und 
verlásst es bei Podbaba unterhalb Prag, indem sie, wie schon frůher erwáhnt wurde, 
von der azoischen Schieferunterlage an, alle silurische Etagen mit Ausnahme der 
Etagen C und H durchschneidet. 

In Prag selbst und zwar am Ausgange des Smichov-Košiřer Seitenthales wird 
die nordlich streichende Thalkluft der Moldau von einer Thalfurche der nordóstlich 
streichenden erossen Prager Bruchlinie interferirt, wáhrend die aus den zersprengten 
und mánniegfach gehobenen Silurschichten bestehenden Hóhen westlich und nord- 
ostlich von der Moldau von horizontalen Schichten des Auadersandsteines und 
Pláners bedeckt werden. Durch diese Interferenz der zwei Thalsysteme entsteht die 
malerische Gruppirung der Hůgel und Thallehnen, auf denen Prag liegt und die es 
umgeben. Bei der ersten Ansiedlung, als noch alle die Hóhen von úppigem Laub- 
wald bedeckt waren, muss diese schóne Erweiterung des Moldauthales ein herrliches 
Landschaftsbild geboten haben, das namentlich durch die damals gewiss gróssere 
Moldau und durch ihre Katarakte oberhalb Prag einen grossartigen Vordererund 
erhielt. Aus den sandigen Flussanschwemmungen námlich, welche die Moldau 
oberhalb Branik bis zu einer Hóhe van 20 Metern begleiten und die besonders bei 
Modřan und Komořan deutlich erkennbar sind, lásst sich schliessen, dass der Kalk- 
felsen (©,) von Branik in noch diluvialer, vielleicht schon historischer Zeit einen 
Ouerriegel im Moldauthal bildete, durch welchen der Fluss in der breiten Thal- 
flůche von Radotín seeartie aufeestaut war und bei Branik Felsenkatarakte bildete, 
die erst im Laufe der uns náheren Zeit bis auf den jetzigen Thalgrund erodirt wurden. 

Ja es liegt die Vermuthung nahe, dass die ersten slavischen Ansiedler, die 
aus ihrer óstlichen ursprůnglichen Heimat am Dněper hieher einwanderten, ihrer 


105 


- hier angelegten Ansiedlung den altslavischen Namen Porogy — Praha gaben, indem 


die Moldaukatarakte an die Porogy des Dněper sie erinnerten. 

In Prag selbst tritt der Moldaufluss aus der nordwárts gerichteten Thalspalte 
plótzlich in eine nordostlich streichende Thalfurche lines der grossen Bruchlinie 
ein, an welcher der Žižkabere gehoben ist. An den Higeln von Lieben lenkt aber 
die Flussrichtung wieder in die nordostliche Thalfurche ein, und erreicht bei 
Podbaba abermals die nordwárts streichende Thalkluft, in der sie im azoischen 
Schieferterrain sich festsetzt. 


Die Zuflisse der Moldau am rechten Ufer 


im Silurgebiete sind die folgenden: 


1. Der Bach Rokytnice. Dieser in Lieben in einer Seehóhe von 179 M. 
in die Moldau einmiindende Bach hat seine Auellen auf den waldigen Granithóhen 
oberhalb des Forsthauses Vojkov an der Schwarzkostelecer Strasse zwischen den 
Orten Tehov und Tehovec in einer Seehóhe von 445 M. Er fliesst in einer nord- 
westlich gerichteten Thalfurche durch das fachhůgelice Terrain, der, azoischen 
Schiefer, erreicht bei Koloděj das Silurterrain (d,, d,), durchschneidet die Prager 
Bruchlinie in den Auarziten (d,) bei Hrdlořez und erreicht bei Hloupětin die Thal- 
furche des nordostlichen Systems, in der er bei Lieben in die Moldau im Bereiche 
der Grauwackenschiefer (d,) miindet. 

Der vorzůglichste Nebenbach der Rokytnice ist der Řičanerbach. Derselbe 
entspringt ebenfalls nahe am Granitterrain unweit des Dorfes Tehov (445 M.) und 
fliesst hauptsáchlich in nordwestlicher Richtung úber Říčan gegen Ouřiněves, tritt 
bei der Podleser Můhle ins Silurterrain (d,, d+) ein, folgt dann auf eine kurze 
Strecke úber Dubeč einer nordlich streichenden Terrainfurche und vereinigt sich 
bei Běchovic (228 K.) mit der Rokytnice. 

Ehedem war die Rokytnice ein ansehnlicher, durch das ganze Jahr wasser- 
reicher Bach, indem ihn zahlreiche Teiche speisten. Von diesen Teichen haben 
sich nur drei erhalten, der Podleser bei Ouřiněves, der Běchovicer und der Kejer, 
und dem zu Folge schrumpft dieser Bach zu einer kleinen, den flůssigen Unrath 
der industriellen Anlagen und der zahlreichen Dórfer ableitenden Rinne ein. Die 
Austrocknung so zahlreicher Teiche ist vom allgemein nationalokonomischen Stand- 
punkte in dieser 'sonst so wasserarmen Gegend gewiss ein Irrthum, indem der 
Nutzen, den der zu Feldern und Wiesen umgewandelte Teichboden giebt, in keinem 
Verháltnisse steht zu den Schaden, den der Wassermangel in okonomischer und 
sanitárer Beziehung verursacht. 

Im Umkreise der óstlichen Vororte Prags entspringen in dem Sand- und 
Schotterboden, der die silurischen Hóhen bedeckt und von den zerstórten Schichten 
der Kreideformation herriůhrt, einige kleine Báchlein, die in die Prager Abzugs- 
kanále abgeleitet sind. 

Es sind dies das Báchlein von Volšan, dann das des Canal'schen 
Gartens und das im Territorium der jetzigen Weinberggemeinde entspringende, 
nun aber schon im ehemaligen Stadtgraben verschwindende Báchlein, das ehemals 
Pučka hiess, in der Náhe von St. Stephan auf der Neustadt Prag einige kleine 


Teiche erfůllte (die Stadtparthie wird noch jetzt na rybníčku oder v tůních genannt), 


106 


und bei dem Garten der Gartenbaugesellschaft vorbei gegen Podskal herabfloss, 
wo er in die Moldau můndete. 

Diese kleinen Báchlein sind fůr die Beurtheilung der hydrologischen Ver- 
háltnisse der oberen Neustadt Prag von Interesse. Denn eben so, wie diese Báchlein 
im Grundwasser der Sand- und Schotterdecke auf den silurischen Hóhen óstlich 
von Prag ihren Ursprung haben und ehedem, als die ganze Gegend nur mit Feldern 
und Gůrten bedeckt war, ein reines Wasser nach Prag zuleiteten, nun aber durch 
die zahlreichen Wohnstátten der Prager Vororte verunreiniet werden, eben so er- 
hielten ehedem aus der Sand- und Schotterschichte, welche sich von dem hóheren 
Terrain der Weinberegemeinde bis weit in die obere Neustadt hineinzieht, die 
zahlreichen Brunnen in der oberen Neustadt ihren Wasservorrath, der stets von 
der hóheren Umgebung Prags ergánzt wurde, und zwar in einem reinen Zustande, 
so lange das Grundwasser von keinen Abfállen und Fákalien der Wohnháuser ver- 
unreinigt war. Seitdem aber die úber Prag gelegene Terrainfláche der Weinberg- 
gemeinde mit Háusern bedeckt ist, drinet verunreinigtes Wasser durch die ober- 
fláchliche Sand- und Schotterfláche in die obere Neustadt ein, und verdirbt das 
ehemals so gute Trinkwasser dieses Stadttheiles. Daraus ergiebt sich die Nothwen- 
digkeit einer Zuleitung von reinem Trinkwasser aus Territorien, die von mensch- 
lichen Wohnungen entfernter sind und noch ein unverdorbenes Wasser fůhren. Nach 
den geologischen Verháltnissen der Umgebung von Prag ist es nur das Moldauthal 
oberhalb Prag zwischen Zlichov und Radotin, welches ein solches Wasser fihrt, 
indem dieses Thal ein Spaltenthal ist, in dem sich das Auellwasser des silurischen 
Terrains, nebstlem auch reines Grundwassers der sándicen Thalanschwemmung 
ansammelt, so dass grosse in diesem Thal angelecte Brunnen im Štande wáren, 
dass fůr die obere Neustadt und die anderen Stadttheile von Prag nóthige Auantum 
von Trinkwasser zu liefern. 

2. Der Botičbach. Derselbe můndet in die Moldau zwischen der Neustadt 
Prag und dem Vyšehrad in einer Seehóhe von 181 M., und entsteht aus der Ver- 
einigung einiger kleineren Wasserrinnen im Bereiche der azoischen Schiefer an der 
Granitgrenze bei Jesenic, Der entfernteste Zufluss kommt vom erzbischoflichen Hofe 
Ovčáry (442 M.) unter dem Wáldchen Okrouhlík hart an der Granitgrenze, vom 
wo er ein in azoischen Schiefern in nordwestlicher Richtung eingeschnittenes wal- 
diges Thálchen belebt und bei dem Forsthause Krsovic vorbei úber Čenětie, Oleška 
gegen die Můhle Botič bei Kocanda sich windet, nach welcher Můhle er den Namen 
fůhrt. Im Thiergarten von Průhonic lenkt der Bach in eine nordwárts streichende 
Thalkluft ein, verstárkt sich da durch die kleinen Báche von Jesenice und Nebřenic 
(487 M.) und lenkt wieder in eine nordwestliche Thalfurche ein, die er úber Hun- 
tovic, Modletin, Dobřejovic bis Průhonic verfolet. Von Průhonic gegen Křeslic 
folet der Bach einer nordwárts streichenden Terrainfurche und vereinigt sich mit 
dem Pitkovicerbach, der von Předbor und Strančic herab in einer nordwestlichen 
Rinne herabeilt. 

Von Křeslic gegen Průhonic tritt der Botičbach nochmals in eine nordwestliche 
Thalkluft und úbergeht hier aus dem azoischen Schieferterrain in das Silurgebiet, 
durchschneidet die Schieferzone (d,) und die Auarzite (d,) ober Hostivař, dann in 
einer kurzen něrdlich gerichteten Thalschlucht in Michle den Bohdalechigel (d;) 
und můndet endlich in einem dem nordostlichen silurischen Streichen parallelen 


| 107 
„Thale unterhalb Nusle am Fusse des Vyšehradfelsens in die Moldau, allerdings 
"nicht wie ein klarer Bach wie ehedem, sondern als ein Cocytus, der allen Unrath 
| der stark bevělkerten Ortschaften Michle, Vršovic und Nusle in die Moldau fůhrt. 
-Auch dieser Bach kann nur durch Wiederanfůllune der aufgelassenen Teiche in 
| seinen frůheren Zustand versetzt werden. 

| 9. Der Kunraticer Bach entspringt auf dem Plateau der azoischen Schiefer 
"zwischen Hrnčíř und Kunratic (390 M.), wo das Feldwasser in einigen kleinen 
| Teichen sich ansammelt; er furcht sich dann bei Kunratic in ein schónes, bewal- 
detes Thálchen mit nordwestlicher Richtune und betritt daselbst das Silurgebiet 
(dy, do, dz, d;), das er guer durchschneidet, und wendet sich endlich vor dem 
Kalkplateau bei Branik in eine nordostlich verlaufende Thalfurche im Gebiete 
der Zone d;, wo er am Fusse der Braniker Kalkfelsen in die Moldau einmůndet 
(182 M.) 

In die Thallehnen am rechten Moldauufer sind bei Hodkovičky und Modřan 
einige Schluchten eingeschnitten, welche die Gránzen zwischen dem Silurterrain und 
den azoischen Schiefern deutlich aufdecken. 

Die kleinen Wasserfáden, welche diese Schluchten berieseln, entstehen im 
Schotterboden der zerstorten Kreideformation auf dem Plateau der azoischen Schiefer 
bei Kunratic und Cholupic. 

Die eine gróssere, kahle und óde Schlucht zwischen Písnic und Modřan 
schneidet sich tief in die azoischen Schiefer in sůdostlicher Richtunge ein, und deckt 
ein máchtiges Conglomeratlager in den azoischen Schiefern auf; dann durchschneidet 
sie die Grenze des Silures (d,) und die Reihenfolge der Schichtenzonen von d; bis 
d; bis Modřan. : 

Eine andere noch tiefere und gróssere, theilweise bewaldete Schlucht beginnt 
1m azoischen Schieferterrain bei Břežan und durchschneidet in sůdóostlicher Richtung 
diese Schiefer, so wie ihre eingelagerten Porphyrmassen und deckt an der Můndung 
in die Moldau bei Závist gegeniiber von Kónigsaal eine der interessantesten Grenz- 
stellen des Silures auf, indem hier die Grauwackenschiefer der Zone d, unmit- 
telbar unter die azoischen Schiefer widersinnig einfallen, und zwar an der grossen 
Bruchlinie, die vom Brdawalde guer úber die Moldau hieher verláuft. Diese Gegend 
gehórt zu den landschaftlich schóneren Parthien der Umgebung von Prag und 
hat auch fůr Archáologen Interesse, indem erosse práhistorische Wálle um die 
Porphyrkuppen Čihadlo und Hradiště zu beiden Seiten der Thalschlucht sich 
hinaufziehen. 


Die Zuflisse der Moldau am linken Ufer. 


1. Der Kocaba-Bach. Derselbe cgehórt zwar dem gróssten Theile seines 
Laufes nach dem Gebiete der azoischen Schiefer an, aber seine Auellen befinden 
sich im silurischen Terrain, námlich in dem Conglomeratterrain an der Granitgránze 
bei Dubenec. 

Der entfernteste und hóchste Ouellbach beginnt bei Dubno unweit von Přibram 
in 500 M. Seehóhe, von wo er gegen Dubenec herabeilt und sich da mit einem © 
im Granitterrain entspringenden Báchlein vereinigt. Von da fliesst er im Gebiete 
der azoischen Schiefer in nordostlicher Richtune lángs der Granitgránze ber 


108 


Višňova, Dušník, Knin gegen Lečic, von wo er in eine tiefe in die azoischen 
Schiefer eingeschnittene Thalschlucht eintritt und bei Štěchovic in die Moldau © 
miůndet (205 M.) | 

Unter Althitten bei Dobřiš vereinigt er sich mit den Kotenčicer Bach, der 
bei Pičín entspringt, dann die Přibramer Conglomeratzone zwischen Kotenčic und 
Obořist guer durchfurcht und unter dem Wald Chotobuš in den práchtigen 
Dobřišer Schlosspark eintritt, einige Teiche anfůllt und sich dann mit der Kocaba 
vereinigt. 

Ein anderer Nebenbach der Kocaba ist der Chouzava Bach, der am wal- 
digen Conglomeratrůcken des Brdagebirges unweit des Jágerhauses Chouzava ent- 
springt, bei Voznic im Gebiete der azoischen Schiefer einen Teich bildet und in 
diese Schiefer mit sůdwestlicher Richtune eingeschnitten unweit Knin mit der Kocaba 
sich vereinigt. 

2. Der Mnišekerbach entspringt ebenfalls im waldigen Conglomeratterrain 
des Brdarůckens unweit Kytín in einer Seehóhe von 410 M. Er tritt aber bald ins 
Terrain der azoischen Schiefer ein, das er úber Mníšek und Číšovic in einer nord- 
ústlichen Thalfurche durchschneidet und in seinem unteren Laufe eine felsige Thal- 
schlucht belebt, an der die Schiefer vom Porphyr durchsetzt sind. Bei Měchenic 
unweit Davle fállt er in die Moldau. (195 M.) 

5. Der Beraunfluss. Šiehe den betreffenden Absatz weiter unten. 

4. Der Slivenecbach beginnt auf dem von Lehm und Schotter bedeckten 
Kalksteinplateau bei Slivenec (450 M.) und fliesst durch die Thalschlucht Přídolí 
in senkrechter (sůdostlicher) Richtung auf das Štreichen der obersilurischen Schichten- 
zonen (g, F, e, e,) bis zu den untergelagerten Diabasen und Auarziten und Schiefern 
der Zone d;, deren interessante Dislocationen er aufdeckt. Bei Gross-Kuchel miůndet 
der Bach nach kurzem Laufe in die Moldau (182 M.). 

D. Der Prokopibach entspringt im Gebiete der Kreideformation auf dem 
Plateau von Chřašťan (380 M.), durchfliesst zuerst in sůdostlicher Richtung von 
Třebonic (d,) bei der Kirche Krteň (d,), vorůber gegen Řeporyj (d;) die unter- 
silurischen Zonen mit ihren Colonien, und tritt unterhalb des letzteenanten Ortes 
in das Bereich der obersilurischen Kalketagen, die er theils im Štreichen, theils 
guer darauf in einer engen Thalschlucht durchschneidet und namentlich bei der 
Kirche St. Prokop und bei Hlubočep ihre Reihenfolge von e, bis H in merkwůrdig 
symmetrisch concentrischer Lagerung aufschliesst. Unterhalb Hlubočep můndet der 
Bach in die Moldau. (181 M.) 

6. Der Košířerbach beginnt am Plateau des Auadersandsteines bei dem 
Wirthshause „Bílý Beránek“ (350 M.) und durchfliesst lángs der grossen Prager 
Bruchlinie und der Colonie Motol in nordostlicher Richtung das Košířer Thal 
zwischen dem Plánerplateau des Vidovle und des Weissenberges am Fusse von 
Guarzitklippen (d,) und můndet im Smichov in die Moldau (180 M.). 

7. Der Bruskabach entsprinet im Plánergebiet des Weissen Berges in der 
St. Adalbertsguelle im Klosterearten von Břevnov (550 M), durchfurcht in einer 
nordostlich verlaufenden Rinne die Kreideformation bis auf die untergelagerten 
Silurschiefer (d;), und fliesst durch den Hirschgraben am Fusse des Hradčines in 
die Moldau. 

Parallel mit ihm fliesst an der nordlichen Seite des Weissen Berges das V ele- 


109 


slaviner Báchlein, das im Auadersandstein entspringt und úber Dejvic und 
die Kaisermůhle (d;, d3, d,, d,) zur Moldau eilt. 

8. Der Šárkabach entsteht auf dem Plánerplateau oberhalb Jeně und 
Letovic und fliesst durch ein bis auf die untergelagerten Silurschichten (d, d; dy) 
ostwárts ausgewaschenes Thal úber Hostivic gegen Liboc, wo er einen Teich anfiillt. 
Hier beginnt eine interessante Bifurcation des Baches. Der natůrliche Abfluss des 
Teiches geht námlich durch das Šárkathal im Bereiche der azoischen Thonschiefer 
und Kieselschiefer und der Schieferzone d, nordostlich zur Moldau bei Podbaba; 
ein kůnstlicher Abfluss fiihrt aber den grósseren Theil des Wassers in eine von 
KaiserRudolf II. angeleete Wasserleitune, welche das Prager Schloss am Hradčin 
mit Nutzwasser versoret. 


II. Der Beraunfluss sammelt am čstlichen Rande des flachen Pilsner 
Steinkohlenbeckens die aus dem nórdlichen und dem mittleren Bohmerwalde herab- 
fliessenden Gewásser, námlich die Mies, die Uhlava, Radbuza und Úslava, 
welche nach ihrer Vereinigung den Namen Beraunfluss fůhren. 

Er fliesst von da in tief eingeschnittenen Thálern im vielfachen Windungen, 
aber im allgemeinen in nordóstlicher Rlchtung durch das Gebiet der azoischen 
Schiefer hin gegen Půrelitz, wo er seine Richtung gegen Sůdost ándert. In dieser 
Richtung erreicht er zwischen Neu- und Althůtten das Gebiet der Silurformation, 
die er nun senkrecht zu ihrem Streichen in allen ihren Etagen und Zonen von d; 
angefangen bis H durchschneidet. 

Bei Tejřovic durchschneidet der Fluss die merkwůrdige isolirte Schieferzone 
der Primordialfauna von Skrej. 

An den Ufern der Beraun sieht man da die interessanten und lehrreichen 
Schichtendurchschnitte mit ihren Faltungen und Verwerfungen, wie sie in den vorher- 
gehenden Schilderungen dargestellt wurden. 


Von Tetín bis Karlstein geht der Fluss durch das obersilurische Kalkterrain ; 
bei Třebáň betritt er wieder das Gebiet der mittelsilurischen Schiefer und Auar- 
zite (D) und wendet sich da in das nordostlich verlaufende Lángenthal zwischen 
dem Kalksteinplateau und dem Brdagebirge, dessen waldige Lehnen den Fluss bis 
zu seiner Můndune bei Koniesaal begleiten. 


Die Zuflisse der Beraun am linken Ufer. 


1. Der Radotinerbach entspringt am Westende des Plánerplateaus bei Ptic 
(390 M), tritt bald in das Gebiet der Šilurformation ein, die er in allen ihren 
Etagen und Zonen von d, bis H durchschneidet, und zwar am Anfange und am 
Ende seines Thales in Auerspalten, die senkrecht zum Štreichen der Schichten 
gehen, in der Mitte bei Choteč aber lángs des Streichens in einer nordóstlichen 
Bruchlinie. Ein Gang lánes dieses Baches fiůihrt von Hořelic gegen Nučic an den 
máchtigen durch Tagbau aufgeschlossenen Eisenerzlagern vorůber, die in den Grau- 
wackenschiefern (d,) auftreten; dann fůhrt er durch schóne, waldige und felsige 
Thalerůnde, an denen der Bau des Obersilures in allen seinen Faltungen auf die 
interessanteste und lehrreichste Weise aufgeschlossen ist.  Bei Radotín (200 M.) 
můndet der Bach in den Beraunfluss. 

2. Die Švarcava ist ein kleines Báchlein, das mitten auf dem Kalkstein- 


110 


plateau bei Kuchař beginnt (580 M.) und in einer sůdóstlich verlaufenden waldigen 
Thalfurche úber Třebotov gegen Černošic senkrecht zum Streichen der obersilurischen 
Zonen alle Schichten derselben durchschneidet. Die stratigraphisch und palaeonto- 
logisch interessantesten Punkte sind bei Třebetov (g, 8, 8 IH). Unterhalb Černošic 
můndet er in die Beraun (195 M.). 

3. Der kalte oder Karlíker Bach entsprinst am nordlichen Rande des 
obersilurischen Kalkplateaus bei Lužec (380 M.) und folgt einer sůdóstlich ver- 
laufenden Auerspalte, welche ebenfalls wie am Radotinerbache alle Etagen und 
Zonen von e, bis H durchschneidet. Den waldigen Sůdrand des Kalkplateaus 
(e, e, mit Diabasen) durchbricht er bei Karlík und můndet bei Dobřichovic (199 
M.) in die Beraun. 

4. Der Karlsteinerbach belebt ein schoónes und geologisch hóchst inter- 
essantes Ouerthal, das aus der nordostlich streichenden Bruchlinie bei Mořin (H g,) 
in eine sůdlich streichende Thalschlucht sich wendet und daselbst unter der Burg 
Karlstein die steil gehobenen Zonen (£; £ £, F e, e,) aufschliesst. 

5D. Der Bubovicer Bach durchfiiesst von Nord nach Sid eine wildroman- 
tische Waldschlucht im Gebiete der obersilurischen Zonen, und deckt zwei Streifen 
der hochsten Etage H und die ihr untergelagerten Kalketagen auf, deren gross- 
artige Bruchlinie an der Můndung des Baches bei Srbsko erkennbar ist. 

6. Der St. Ivan Bach oder Kačák ist der bedeutendste Bach im Gebiete 
des Obersilures. Er entsprinet am sůdlichen Rande des Plánerplateaus am Žban 
bei Kroučov (485 M.), durchfliesst dann das permische und Šteinkohlenterrain am 
Fusse dieses Plateaus in sůdostlicher Richtung úber Renč, Třtic, Kačic (woher der 
Name Kačák) bis Žehrovic und Družec, und fůllte da ehedem einige nun auf- 
oelassene grosse Teiche an, die sonst durch das ganze Jahr ein verháltnissmássie 
ansehnlichen Wasserguantum sicherten, wáhrend er jetzt nur in nassen Jahreszeiten 
seinen ehemaligen wasserreichen Charakter erhált. Unter Družec tritt er in das 
Gebiet der azoischen Schiefer ein, das er in waldigen Thalschluchten vorherrschend 
in sůdostlicher Richtung berieselt und erreicht unter Podkozí das eigentliche silu- 
rische Terrain.  Auch dieses ist durch eine sůdostlich verlaufende Thalspalte úber 
Nenačovic und Chrustenic bis gegen Lodenic aufgeschlossen und deckt hier die 
orosse Prager Bruchlinie auf, lánes der ein breiter Streifen der Grauwackenschiefer 
(d,) zwischen zwei Auarzitzůgen (d,) mit ihren untergelagerten eisensteinfůhrenden 
Zonen eingeschlossen ist. 

Unter Lodenic wendet sich der Bach in eine sůdlich verlaufende felsige Thal- 
kluft, die das ganze obersilurische Kalkplateau durchsetzt und das malerische St. 
Ivanthal bildet. 

Steile Felsen und waldige Berelehnen in pittoresker Gruppirung (ex, €©; F, ©; 
©, ©, H) begleiten den Bach bis zu seiner Můndung in die Beraun (209 M.). 

1. Die Báchlein, die nordwestlich von der Stadt Beraun am Fusse des Plešivec 
(d,) zum linken Ufer des Beraunflusses herabeilen, fiihren in geologisch interessante, 
lángs nordostlich verlaufender Bruchlinien ausgewaschenen Schluchten, durch welche 
die Schichtenfolge der Etage D (d; d, d; d,) auf mamnigfache Art unterbrochen 
ist.. Ein solches Báchlein fůhrt zu dem reichen Fundorte Veselá (d,), ein anderes 
gegen das Dorf Lhotka, wo man einen kleinen sandigen Rest der Kreideformation 
antrifit, und ein drittes in die eisensteinfihrende Zone (d,) und Kohlensandsteine 


ft 


| eingefurcht, von Hyskov gegen Železná an den merkwůrdigen Punkt Vápenice 
hinauf, wo obersilurische Kalksteinblocke (F) in ozn Sandschutt (der Kreide- 
formation) eingebettet sind. 


Die Zuflisse der Beraun am rechten Ufer. 


1. Der Všenorbach entspringt am Plateau der azoischen Schiefer sůdlich 
von Brdarůcken unweit Řidka (412 M.) und fliesst anfanes lángs des Fusses dieses 
Růckens in norděstlicher Richtung bis Černolic, wo er sich gegen Nordwest wendet 
und in einer tiefen malerischen Auerspalte die Auarzitzone (d,) sammt den unter- 
gelagerten Schiefern (d,) durchbricht. Unter Všenor můndet er in die Beraun 
(196 Meter). 

2. Der Řevnicerbach entsteht am Kamme des Brdarůckens (d,) nahe bei 
Skalka (539 M.) und fliesst in einer senkrecht zur Štreichung der Auarzitschichten 
verlaufenden Spalte nordwestlich gerade gegen Řevnic, wo er in die Beraun můndet 
(200 M.). Diese Spalte schliesst an dem nórdlichen Gehánge des Brdarůckens eine 
sekundáre nordostlich gerichtete Bruchlinie auf, an der die unter den Auarziten 
(d,) gelagerten Schiefer und Diabasen (d,) zu Tage kommen. 


3. Der Třebaňer Bach, der bei Hinter Třebaň (204 M.) in die Beraun 
můndet, entsteht aus der Vereinigung von zwei Báchlein, von denen der eine Silber- 
bach (Stříbrný potůček) genannt, in den Kalksteinbergen (F) oberhalb Mněňan 
entsprinet und zwischen den Kalkbergen des Mramor und Stražišť (EK) bis auf die 
untergelagerten mittelsilurischen Schiefer (d;) in einem nordostlich verlaufenden 
Lángenthal eingefurcht bei Liteň vorbei ber Vlenec gegen Běleč fliesst. Hier 
vereiniot er sich mit dem Báchlein Velice, der am Kalkberge Šamor (E) unweit 
Vinařic aus einer starken Auelle entspringt und dann lángs des sůdlichen Fusses 
des Mramorberges (E) úber die Graptolithen- und Diabaszone und die mittelsilu- 
rischen Schiefer (dj) nordostlich fliesst und zwar durch die Ortschaften Nesvačil, 
Leč und Svinař, unterhalb welchem letzteren Orte er die Grauwacken und Schiefer- 
zone (dj) sammt den eingelagerten Diabasen und Graptolithencolonien guer durch- 
bricht und mit dem vorhergehenden Báchlein vereinigt, sich in die Beraun ergiesst. 

Einige kleinere unbenannte Wasserrinnen kommen vom Brdarůcken herab, 
wo sie die Auerklůfte des Guarzites senkrecht zum Štreichen durchsetzen und im 
Thalerunde am Fusse des Růckens mit dem Velicebache sich vereinigen, so bei 
Drahlovic, Hatě und Haloun. 


4. Der Koder Bach entsprinet am Fusse des Tobolkaberges (400 M.), fliesst 
durch eine tiefe waldige Schlucht lángs der grossen Bruchlinie, welche das ober- 
slurische Kalkplateau durchsetzt, und ergiesst sich gegeniber von Srbsko in die 
Beraun (209 M.). Seine eigentliche Hauptguelle befindet sich aber bei dem Forst- 
hause in Koda, wo ein kalkreiches, Tuff absetzendes Wasser aus dem Kalkfelsen 
in einer so grossen Štárke hervorguillt, dass es gleich eine Můhle treibt. 

Eine áhnliche Kalktuff absetzende Auelle befindet sich in einer dem Koder 
Thale parallelen Schlucht, die Kaiserschlucht genannt, deren Abfluss zur Regen- 
zeit in dem wilden Felseneinschnitt einen kleinen aber schónen Wasserfall bildet. 

5. Der Tetinerbach entspringt bei Koledník am Ostflusse des Tobolkaberges 
(390 M.) und wird durch eine uralte Wasserleitung in das Dorf Tetín gefůhrt. 


112 


Sein natůrlicher Abfluss geht aber durch die tiefe Tetiner Felsenschlucht zur Beraun 
(212 M.), an deren Wánden man sehr interessante Biegungen der Kalkzonen (e, F 
9) wahrnimmt. | 

6. Die Litava; siehe weiter unten den betreffenden Absatz. 

7. Oberhalb Beraun ergiesst sich in dieselbe bei dem Hofe Pták das Brdatka- 
báchlein, welches in einer Ouerschlucht die Auarzitzone des nordlichen Saumes 
des Silurbeckens senkrecht zum Streichen durchschneidet und die Bruchlinien dieser 
Zone aufschliesst. 

8. Der Otročiner Bach (Habrový potok) entspringt an der nordlichen 
Seite der Auarzitinsel der Krušná hora und windet sich in einem tief eingeschnit- 
tenen Thale durch azoische Schiefer und die in dieselbe eingeklemmte eisenstein- 
fihrende Zone und můndet unterhalb des archaeologisch berůhmten Fundortes 
Hradiště bei Neuhůtten in die Beraun. 


9. Der Zbirover Bach beginnt in den Teichen bei Čekov und Kařez auf 
der eisensteinfůhrenden Zone (d,), betritt aber nahe an Zbirov bald das Gebiet der 
in azoische Schiefer eingelagerten Kieselschiefer und der Porphyre, deren Berg- 
zug er in einer nordlich verlaufenden tiefen Thalschlucht zwischen Přísednic und 
Theresienthal durchschneidet.  Bei der Podmokler und bei der Slapnice-Můhle 
durchschneidet er den merkwůrdigen Streifen der ŠSkrejer Schiefer mit ihrer Pri- 
mordialfauna und die ihnen untergelagerten Conglomerate und ergiesst sich unter 
Skrej in die Beraun. | 

Ein Nebenbach, der unter Drahno-Aujezd sich mit dem Zbirover Bache ver- 
einigt, bewássert eine paraliele in Porphyren eingeschnittene Thalschlucht. 


10. Der Klabava Bach entsteht aus der Vereinigung des Hammer- und 
des Schwarzen Baches bei Rokycan; von da fliesst er durch die eisenstein- 
fůhrende Zone (d;,) in nordwestlicher Richtung bei dem Eisenhůttenwerke Klabava 
vorůber gegen Ejpovic. Hier tritt er in das Gebiet der azoischen Schiefer ein, 
die er in nordlicher Richtung durchschneidet, worauf er sich unter Chrast in den 
Beraunfluss ergiesst (287 M.). 

Der Hammerbach, nach den zahlreichen Eisenhámmern so genannt, die er 
ehedem in Betrieb setzte, entsteht in den Wáldern der eisensteinfihrenden Zone 
(d,B) ober Chesnovic (522 M.), wo er sich in einem Teiche ansammelt. Sein zweiter 
Ouellbach entspringt am Fusse des Ivinaberges (d,e) bei Olešná (512 M.); beide 
vereinigten Báche bilden den Št. Stephanteich bei Mauth. Der Abfluss dieses 
Teiches fliesst sidwestlich durch die Teiche von Holoubkau im Bereiche der Schiefer 
der Zone d, und durch das Lángenthal am nordlichen Fusse der Conglomeratberge 
Trhoň und Žďár úber Borek nach Rokycan (362 M.). 

Am rechten Ufer verstárkt er sich durch zwei Báchlein, die vom Vydřiduch 
und vom Rač úber die eisensteinfůhrende Zone herabeilen (Vydřiducher und Voseker 
Bach), und am linken Ufer verstárkt er sich durch das Hůrka-Páchlein, das im 
Conglomeratterrain zwischen dem Žďár und Trhoň entspringt. 

Der Schwarze Bach ist der eigentliche Hauptbach der Klabava. Er ent- 
steht aus dem Abfluss von zwei grossen Teichen, die zum Zwecke des Betriebes 
der Gebláse und der Hammerwerke der ehemals hier schwunghaften Eisenindustrie 
hoch oben im Gebiete der azoischen Schiefer bei Padrť (638) M.) am westlichen 


* 


113 


Fusse des Conglomeratgebirges angelest wurden, der hier mit dem Berge Praha 
(854 M.) beginnt. 

Der Abfluss der Teiche rieselt durch eine nordwárts gerichtete Thalspalte, 
welche die Conglomeratrůcken guer durchschneidet, gegen das Lángenthal von 
Strašic, nachdem er sich durch einen Auellbach, der zwischen den Kuppen Kočka 
und Praha entsprinst, bei dem Dreirohren-Forsthause verstárkt hat. 

Von Strašic wendet sich der Bach gegen Sůdwest und fliesst in dem Lánsen- 
thale zwischen dem Conglomeratrůcken des Žďár und Vlčí úber Dobřiv, wo er den 
aus den Conglomeratbergen von ŠSůid nach Nord durch eine Gebirgsspalte herab- 
eilenden Eisbach empfánst, und fliesst weiter gegen Hrádek, wo er den Sko- 
řicer Bach aufnimmt, der am westlichen Fuss das Conglomeratgebirges von Kolvín 
herab im Gebiete der azoischen Schiefer gegen Skořic und des Mireschauer Kohlen- 
becken sich windet. Unter Hrádek tritt der Schwarze Bach in die nordwestlich 
verlaufende Thalkluft, welche die Berge Žďár und Kotel trennt und vereinigt sich 
bei Rokycan mit dem Hammerbache. Ehedem diente die bedeutende und gut regu- 
lite Wasserkraft des Klabavabaches und seiner beiden grósseren Zuflůsse einer 
regen Eisenindustrie, welche diese Gegend fróhlich belebte, bevor jene Industrie 
nicht der unůberwindlichen Concurrenz des westeuropáischen Eisenmarktes zum 
Opfer fiel. Jetzt sieht man leider an diesen Wiássern eine Menge verlassener 
Hammerwerke und sonstiger Eisenindustrieanlagen, die wegen Mangel an billigem 
und zweckmássicem Brennmaterial aufeelassen werden mussten. 

11. Das Uslava-Flisschen vereinigt sich bei Pilsen im Gebiete der azoischen 
Schiefer mit dem Beraunfluss, berůhrt aber friůher in einer nordwestlich gerichteten 
Thalfurche das sůdwestliche Ende des eigentlichen Silurgebietes, námlich die eisen- 
steinfihrende Zone (d,) bei Plzenec. Die máchtige, weithin sichtbare Kieselschiefer- 
klippe, welche die Reste der uralten Burg Radyně trágt, so wie einige máchtice 
Porphyrmassen bei Šťahlau sind die Gránzsteine dieses úussersten Ausláufers unseres 
Silurterrains. 

Die Uslava selbst entspringt auf dem von Gneus durchsetzten Granitterain 
zwischen Planic und Olšan, tritt bei Nepomuk in das Gebiet der azoischen Schiefer 
ein, in die es sich in einem nordwestlich verlaufenden Thalerunde úber Blovic und 
Šťahlau einfurcht und endlich bei Pilsen am Ostrande des Steinkohlenbeckens in 
die Beraun můndet. 

III. Das Litava-Fliůsschen durchschneidet das silurische Schichtensystem 
lángs einer von Sůd nach Nord verlaufenden Thalkluft von Přibram nach Zdic und 
dann lángs eines nordostlich streichenden Lánegsthales von Zdic bis nach Beraun. Es 
entsteht aus dem Abflusse von zwei grossen Wasserbassins, die auf den Abhángen 
des Třemošnagebirees bei Laz ober Příbram angelegt sind (632 M.) und deren 
Wasser zu den grossen Aufbereitungswerken bei Přibram geleitet wird. Die hie- 
durch entstehende Trůbung des Wassers ist bis zur Můndung des Flůsschens be- 
merkbar. Der natůrliche Abfluss bildet einen Bach, der im Gebiete der Conglo- 
merate iiber Obecnic in einem Lángenthale fliesst und sich bei Dušník mit dem 
Broder Bache vereiniet. Dieser letztere Bach folet genau der sůd-nordlichen Gebirgs- 
spalte des eigentlichen Litavaflůsschens, indem er die Zone der Příbramer Conglo- 
merate zwischen dem Birkenberge und Heiligen Berge bei Přibram durchschněidet 
und entspringt am Granitterrain bei Brod ober Přibram. 

8 


114 


Unter Dušnik bei der Walchmůhle tritt das aus der Vereinigung der beiden 
Báche entstandene Flůsschen in das Gebiet der Třemošnaconglomerate ein und 
durchschneidet ihren Gebiresrůcken von Sůd nach Nord úber Hluboš bis Čenkov. 
Hier erreicht er die auf den Conglomeraten aufgelagerten Jinecer Schiefer mit 
ihrer Primordialfauna (C), die er am Fusse des Plešivec und Ostrý ber Jinec und 
Rejkovic bis zur sogenannten grůnen Můhle aufschliesst. Die hóheren Flanken 
beider Berge bildet die eisensteinfiihrende Zone (d,) und der Auarzit (d,). Vor 
Lochovic tritt das Fliisschen aus dem schónen Waldthal heraus in eine freieres 
und Hlacheres aus Grauwackenschiefern (d;,) bestehendes Terrain, durchschneidet 
zwischen Lochovice, Libomyšl und Zdic die Zone der weichen Schiefer (d-) und 
windet sich da am nórdlichen Fusse des Kalksteinplateaus im Bereiche dieser 
letzteren Zone in einem schónen Lángenthal úber Kónieshof nach Beraun. 


Geologisch gehórt demnach das Litavathal zu den interessantesten 'Terrain- 
parthieen unseres Silurgebietes, indem es das ganze Untersilur von der Granit- und 
azoischen Schieferunterlage durchschneidet und namentlich die Schiefer der Pri- 
mordialfauna aufschliesst. 


Die Zuflisse der Litava am rechten Ufer. 


1. Der Litohlaver oder Suchomaster Bach beginnt an der Ostseite 
des Housinakammes (dj) am Fusse (596 M.) des Kalkberges (e,) Bacín ober dem 
Dorfe Bykoš, von wo er sich úber Suchomast in einer nordwestlich verlaufenden 
Furche am Westfusse des Kalkrůckens des Zlatý kůň und Kotyz tiefer einschneidet 
und endlich durch eine nordwárts gerichtete Thalkluft im Gebiete der Graptolithen- 
schtefer und Diabasen (e,) und der untergelagerten weichen Schiefer (d,) zwischen 
der Koukolová hora und den Kosov bei Kónieshof in die Litava ergiesst (250 M.). 


2. Der Chumava Bach entspringt in den Wáldern zwischen den Auarzit- 
kámmen des erossen Brdarůckens unweit der Můhle Zator und zwar in einer Auer- 
furche (500 M.), wo die untergelagerte eisensteinfůhrende Zone (d,) und die Schiefer 
der Primordialzone (C) zu Tagen treten. Durch eine starke Auelle bei der Zator- 
Můhle verstárkt erreicht er vor Hostomic das Gebiet der Grauwackenschiefer (d;) 
und bei Neumětel die Schiefer und Glimmerporphyre der Zone d; und vereinigt 
sich bei Libomyšl mit der Litava (268 M.). 

Eine kleine Bodenerhohune im breiten Vosover Thale am Fusse des grossen 
Brdarůckens zwischen Všeradic und Vyžina trennt hier die unmittelbaren Zutlůsse 
der Beraun von denen der Litava. 


Die Zufliisse der Litava am linken Ufer. 


1. Der Zahořaner Bach entsteht auf dem Plateau der azoischen von Kiesel- 
schieferklippen durchsetzten Schiefer zwischen Hudlic und Svatá, durchbricht in 
einer (Yuerschlucht zwischen Dybří und Zahořan die eisensteinfihrende Zone (d;) 
so wie die Ouarzite (d,) und die Grauwackenschiefer (d; d;) und vereinigt sich 
bel Kónigshof mit der Litava. 

2. Der Rothe Bach (Červený potok) ist der Hauptnebenbach der Litava, 
mit der er sich bei Zdic vereinigt. Er entspringt auf dem hohen Conglomeratrůcken 


| 


| 
| 
| 
l 


115 


des Třemošnagebirges bei dem Jágerhause Baština (650 M.) und diente ehemals 
wie der Schwarze und der Hammerbach durch Teiche und Dimme regulirt der 
Eisenindustrie, die auf der Domaine Hořovic im lebhaften Schwunge war. Er fliesst 
anfanes durch eine nordwárts gerichtete Thalkluft, welche die Conglomeratrůcken 
des Koníček und Beranec tief spaltet, am Fusse der malerischen Ruine Waldek 
vorůber gegen Neřežín, wo er die eisensteinfihrende Zone (d,) und die steil ge- 
hobenen Ránder der Auarzitzone (d;) erreicht.  Zwischen Komorau, Hořovic, Pra- 
skoles und Stašov folet er einer nordóstlichen Bruchlinie und fállt im Gebiete der 
Diabasen und Schiefer der Zone d; bei Zdic in die Litava. 

Vor seiner Miůindung empfánet er noch an der linken Seite bei Baborin den 
Žebráker oder Strupiner Bach. Derselbe entspringt auf dem waldigen Auer- 
riegel der Auarzite (d,) bei Oujezd (400 M.) und windet sich in den Feldflůchen 
im Gebiete der Grauwackenschiefer (d,) und úber das kleine Kohlenbecken von 
Štilec gegen Žebrák, wo er sich plótzlich nordwestlich windet und in einer Gebirgs- 
guerspalte die Auarzite (d,), dann alle Zonen der eisensteinfůhrenden Schichten 
(dyBe) bis auf die untergelagerten azoischen Schiefer aufschliesst.  Namentlich 
deutlich sieht man am Fusse des Schlossberges Točník an der Ruine Žebrák die 
Auflagerung der Congelomerate (d,«), die den Kamm des Točniker Schlossberges 
bilden, auf den azoischen Schiefern. Jenseits dleses Schlossberges wendet er sich 


-im Gebiete der azoischen Schiefer wieder gegen Nordost und fliesst in einem felsigen 


Thale úber die Štrupiner Můhle gegen Hředl, wo er sich gegen Sůdost wendet 
und zum zweiten Male den Rand des eigentlichen Silursystemes von der eisenstein- 
fůhrenden Zone (d,) angefangen durch die Auarzite (d,) hindurch bis in die auf- 
gelagerten Grauwackenschiefer (d; d,) durchbricht und bei Baborin mit dem rothen 
Bach sich vereinigt. 

Auf seinem verháltnissmássie kurzen Laufe durchschneidet also dieser Bach 
zweimal den Nordrand des Silursystemes und schliesst seine tektonischen Verhált- 
nisse in der lehrreichsten Weise auf, indem er die tieferen Auerspalten aufsucht, 
welche diesen Rand durchsetzen, wáhrend eine nur seichte Einfurchung in den 
Grauwackenschiefern zwischen Žebrák und Baborin hinreichen wůrde, ihn geraden 
Weges zum rothen Bach abzuleiten. 

Bei Komorau (404 M.) empfánet der rothe Bach ebenfalls auf der linken 
Seite den St. Benigna-Bach, der ebenfalls hoch an den Conglomeratrůcken bei 
dem Forsthause Baština entspringt und in einer nordwárts verlaufenden Thalkluft 
diese Růcken durchschneidet. Er erreicht bei Kváň (St. Benigna) die Eisenstein 
fůhrende Zone (d,) und weiter unten die Auarzite (d,); trennt die Berge Ivina und 
Hlava in einen tiefen Einschnitt von einander, an dem mán den Kern der anti- 
klinalen Schichtenaufstauune der Zone dy, námlich den Porphyr anstehend findet, 
und vereinigt sich bei Komorau mit dem rothen Bache. 

93. Der Podluher Bach entsprinet auf den Auarziten (d,) zwischen dem 


- Giftberg und Hvozdec (480 M.) und fliesst in einer synklinalen Einfaltung der auf- 


gelagerten Grauwackenschiefer nordostlich ber Podluh und Rpety gegen Obora 
unweit Lochovic, wo er in die Litava sich ereiesst. 

An der rechten Thalseite stehen in den Podluher Wáldern steile Klippen 
des Auarzites (d;) an, die von Auerschluchten durchbrochen sind, auf denen man 
úber die eisensteinfůhrende Zone auf das Plateau von Felbabka und Hrachovišť 
: g* 


116 


oelangt, wo die Schiefer der Primordialfauna (C) die friiher geschilderte antiklinale 
Wólbung bilden. 

4. Der Ohrazenicer Bach entspringt wie der Rothe und der St. Benigna 
Bach auf den hohen Conglomeratrůcken bei dem Forsthause Baština. Kr fliesst 
anfanes lángs einer nordostlich verlaufenden Bruchlinie zwischen den Růcken des 
Slonovec und Koníček bis nach Velcí (Welkau), wo er die hóchst interessante Ein- 
lagerung der Jinecer Schiefer (U) zwischen den Conglomeraten des Třemošnagebirges 
und der eisensteinfůhrenden Zone aufschliesst und endlich in einem kurzen Auer- 
thal bei Obrazenic im Gebiete der Jinecer Schiefer in die Litava sich ergiesst. 
Die Thalgegend dieses Baches ist die lehrreichste in Betreff der Lagerung dieser 
Schiefer. 

Endlich sei noch erwáhnt, dass in das Bereich der Silurformation auch das 
Flussgebiet der Otava eingreift und zwar mittelst seines Nebenbaches Vlčava. 
Derselbe entspringt am westlichen Ende des silurischen Coneglomeratgebirges am 
Fusse der Kuppe Praha ober dem Dorfe Bukova (680 M.), und fiiesst im Gebiete 
der azoischen Schiefer, die unter diesen Conglomeraten zu Tage treten, indem er 
in der Umgebune von Rožmital dieselben bis auf ihren granitischen Untergrund 
ausfurcht. Bei Věšín vereinigt er sich mit einem Nebenbach, der von Glashůtten am 
Fusse des Třemšín herabeilt, fůllt bei Rožmital einige Teiche an und erreicht das 
zusammenhángende Granitterrain in einer sůděstlich streichenden Thalrinne unter 
Skuhrov gegen Březnice.  Dann durchschneidet er zwischen Březnic und Mirovic 
eine auf Granit aufeelagerte azoische Schieferinsel. Bei Varvažov betritt er wieder 
den Granitboden und ergiesst sich (hier den Namen Skalice fůhrend) endlich in 
einer tiefen Felsenschlucht unterhalb Štědronín in die Votava. 


RLA NG.: 


Verzeichniss 


aller im Systéme silurien du centre de la Bohéme von Barrande an- 
sefihrten Genera der Fische, Crustaceen und Mollusken. 


Die Anzahl der Species ist in einer besonderen Rubrik (rechts) angegeben. 
Die in den verschiedenen Zeitschriften von Barrande bezeichneten und in 
Bigsby's Thesaurus siluricus mitgetheilten Genera und Species der Gasteropoden, 
Echinodermen, Bryozočn, Polypen und Pflanzen, deren Veróffentlichune mit den 
anderen noch nicht publicirten Gattungen und Arten von Dr. Waagen und Dr. Novák 
vorbereitet wird, sind in diesem Verzeichnisse nicht enthalten. 
Das Zeichen — bedeutet die Etage, in welcher das Genus vertreten ist. 
„ dass das Genus in der Etage bisher nicht beobachtet 


» » k » 


wurde. 
: 2 O0) 5 „ dass das Genus bloss in den Colonien vorkómmt. 
Col. k 
» : č ý „ dass das Genus sowohl in einer oder mehreren Colo- 


nien, als auch in der Etage vorkommt, in welcher die 
Colonie eingeschlossen ist. 
Die mit einem Stern (*) versehenen Namen bezeichnen die neuen, von Bar- 
rande auícestellten Genera. 


Úbersicht 
der Classen und Ordnungen |, Anzahl Anzahl der Speci 
= (der Genera ; RES 
EPISEBST 00 R S de 0 4 G de 
PAA OOA E alde 1816 06 42 965) 
| ZB PMLApode: | -8 4 20 | 
D1 Ostračcoda 4 kr. 1 52 445 
I. Grustaooa, 4. Eurypteriden <- . 2 10 ; 
29 Cerriipéda 411. 2 14| 
6. Incertae sedis | 2 3 
1Ozohalopoda s s +" 20 1121 
| Z MELERODOG S spe ee ď OE: 305 
IL. Mollusca | 3. Acephala <<<. 58 1269 
| 4. Brachiopoda < < <- « 26 640) 
EV Echinodermata S- 2. 1.< 40. 1 peská 1 
185 3561 


MP OIWV E 


Fauna c 

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Genera ka“ Ena: | '© 
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REA k d, |d, |dg d, |d5 ex le, f | 1, [81 [82 [82 | |h, (h;| 

| | 

I. PISCES. | | | | | | | 
Asterolepts.— „ „ . Eichw. Je pe ab ela a 1 
Coccosteus <... Agass. || el eee ET- 9 
Ctenacanthus . „ . Agass. |-| <| ||| else- 1 
Gompholepis 0 Eande 1 | +. 1 
6 

II. CRUSTACEA. 


I. Trilobita. 


L Aeidaspis. © < Mureh. |- Aho 
*Aeglina "< Bam dn le 8 
Agnostus . „ .'. Bronen. TT- -Tee 9 
Amphion. < + — „Pand. lé se PRA SE 2 
POV ACN Ao) VENOE A --. 4 
bs VAZ AMES 90000 Barr 43 || PE Rae. 2 
*Arethustna . < . Barr.: ||. | „| 2 
*Armonellus M- Barr. z eo 0 eo ale Ree Sán 1 
Asaphus. 20.1- Broncho |- al ob 4 
Barrandia <. „MCoy -T l 
* Bohemilla - . . Barr. SEM OLO RA 5 ČSS) Ne Peta RE i 
Bronteus -< . < „ Goldí: |-| Ema 46 

3| Calymene . <. . Bronen. |-|- er ce ři 
ZÉGMORN V DA: ad O O K O o PAK Revo a 2 
Cheirurus < >. Beyr. TT: 25 
Conocephalites . . Zenk. |- -|-|-| -ele sál 4 
XOKOMUS s (s DALISPGM VÉ (G : -l 4 
Cyphaspis Bun 6:05 (ako + H+H- 11 
Dalmanites . « « Emmr. ++- i a -| hoj dm oa le. ! 21 
S DOVPROT M22 oo IB: E- 1 


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Dindymene . « « Úord. moe: SA SS A ony 
*PDiorade W E00 bAé S ne a Pe OR SN E 1 
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Hllipsocephalus —. Zenk. |+- K E Ns 
Hanpes". děj: 0= Goldf. : 2 a laja ha k 1 . 
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| Homalonotus „ . Kónig. |-| -|| (beb -| -|-| |- 
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| *Hydrocephalus . Barr. |(b-| -| -|-| : 
28, Iilaenus -< . „Dalm. |-| ++- al PA +- 
0 


29 Lachast an. Dálm. i +- s Poe ři n +.. ku B i 


c . | 
30] Ogygia . « « « „ Bronen. |. |- -|-|-|T > 
31, Faradoxides  . . Bronen. |-|- 


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53, Phillipsva +59 PGKUb 


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Phacops « „© (<Bmmi: | vědě i úl u NUBUH . 
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119 


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še Sphaerexochus . „ Beyr. 1 „1Ú-E=—-. +... 4 
200 Otammocephalus (Batt. (sjel. eee- ee jes 1 
40, *Telephus Barr. 0 čr SE 20 Pu Pe AS 0- 1 
41| Trinucleus „ Lhwyd. |. I- -+ 2 saab sy jsí ý 
E Framus.. < Barr. n BO ee 0 Z 
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2. Phyllopoda. 
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1, Ceratiocarts . „ „ M'Coy Z P ao no o ny O 10 
2, *Aptychopsts 2 DAT: AH- -| | n salsa 1 
3, *Cryptocavis Dar: sj I- |. M 8 
MEP řerocamis. +: DBaXT. "| A Ve eu Pe ěs pk 
| | 20 
| 3. Ostracoda. 
1| *Aristozoe . Barr. ap Pp pel“ 9 
2| Beyricha . . „ M'Coy ek meho » 9 
220080206: <.. Dart. o ph be 3 
A Caz2o0e0 47 s 4 Bay: o o ele SP NS 1 
5| *Čaryon Barr. ss= ZU PE RS S Sej EVO SB 0 1 
6, *Crescentilla Barr: Ma ap ape bePoj 1 
BEC Rone dia Můll. po 5 PES ST 8 0 om M od 2 
8, Cytheropsts „ M'Coy R A bol es 9 
DA arom č road Barr. sko aE n ODA Pos VE ae Z 
10, Entomis „ . Jones as SEEN am 4 
1 ERD P sak Je 44 Barr. S S P n NE ona M O C O P P 2 
12 Isochilina . - „ . Jones AVE e 1 
13) Leperditia „ Ron. me == PVE E 4 
14, *Nothozoe. . . . Barr. -eo (OAK PSE: ete POROD PS ey eo 1 
15, *Orozoe Barr. SP R Ee sj ea 1 
16, Prvmilia -< + s a m -He 1 
Be *Zowězoe -s Barr. F. Poa M" 7 2 2 
52, 
4. Eurypteridea. 
| 1. Pterygotus . Agass. ÚU-FE—-— -|-| 9 
2| Eurypterus . . . De Kay.. R) O0 BEKO PBS na R K K8 008 ek 
10 
5. Cirrhipeda. | 
1, *Anatifopsis „ Barr. é + ++ KEE Oky S) z K POS 03 l 4 
2| *Plumulites . - - Barr. |. eo R | | 
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120 


Fauna V 
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6. Incertae sedis. | | | | | | | | bi 
1| *Bactropus.. i, Barr. R ae | ská | : | 
2, * Dryallus i DAET. =o | : 
III. MOLLUSCA. v 
I. Cephallopoda. n 
1, *Adelphoceras . „ Barr. MY OB S tě eo aje poté slad : 
2, *Ascoceras ae: B REM MOH Be 0 Ped S oa aje 
9 Bacirites". 1 A 4Dandbia| 5 ná Á K PPSÍ A VO Ve ed oak 1 
4 *Bathmoceras . . Barr. : i : h | K ob POMO 
5|"Cýrtoceras | 4 E Gone | i SB [Eb Jem Bře B r 
6 Endoceras PSN n OULY m od zí VSEM zhe JOSÉ: 
1| *Glossoceras —- „ Barr. : S nom ba i o 
8, Gomphoceras —« « Sow. n =- - 5 ko ba A 
9 Gontatites s udeHaam sok ee PT k 
10, Gyrocerast. 1.4. Komneksj (4 -ie E- . 
11, *Hercoceras . . „ Barr. PAP oko PSV EA 2 oa ot MEAT RO STS | ; 
12 Lituttes MAE Bino) l PRA Ph oo oba PE P db n R 
13| *Mesoceras . . . Barr. S SS3í se |- sál 4 ea hel 
14. Nautilus ..- 3 Linné Po Pp Z Me 
15| *Nothoceras . . . Barr. SDn PR PO PS PP Be a eo 
16, *Ophidioceras « „ Barr. dd EA ABL je ER se- styku 
17 Orthoceras z Brev. LANA RE AU nany 03 +- T albá : 
18, Phragmoceras . . Brod. see ho OBA: P sk 
19, Tretoceras a DalŮ: Sch 45 J-oiee A es| eposu salsa] 22 
* B: ji ně | | | | 
20, *Trochoceras . . | Hal. : al : B -| M 
2. Pteropoda. | | | 
1| Coleoprion? . <. Sandb. (-|s|-| |-| H -- s je 
2 Conulara . -14 .. Mil. me En T eské | 3 
3| Hyolithes . < « « Richwld. hh USE je 251 
4| *Phragmotheca —. Barr. R byt k : M ROP (s M 
5| Pterotheca A, Balter:- "143 HH- k- 
6, Styliola <- lesueursf sa sko Tie +.. | 
1 Tentaculites ... „Schot. | Ecel: 
3. Acephale. ah | 
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| 1 *Antipleura . - . Barr. Ě SME [T BS VBA dy A ek | 
| 2, Area (a en Lamk. SU o AZ | A2 le M RRSNE. 1 
Bi Aeruntě Sow. HEA UHU ju | | 
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Avteulopecten « „ M* Coy 
Aviela © «. . Klein. | sj- 
| 


Avieula? Pterinea? Golďf. 
„ Pleronstella ? Bill. 
„ „  Myalina. Konek. |.. |.. |- 
*Babinka . <.. Bart. |. 
Cardiola <.. <. Brod. p 
Cardium . . « . Linné. | 
Conocardium ©. . Bronn. |. 
Cypricardima . „J. Hall. 
SDaladbe: aerish. Barr, 
*Dceruška --. . Barr. 
DANÁ ze ecě ec BAKÉ. 
Edmondia . .-. . Konck. |.. 
*(Gibbopleura ©. Barr. l 
Goniophora -s Bhill. ' | 
Grammysia ... . Vern. 
Hemicardium -. . Cuvier. 
Isocardia . « . . Lam. 
*Kralovna —- . . Barr. 


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ERO a era eds Schum. ': 0 BO STE V 0 
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Lunulicardium ©. Můnst. 
*Maminka ... . Barr. 
VERO V Aloe "bo eh 1ns Barř. 
Modiolopsis <. „J. Hall. | -|-| 
Mojtobos —hu.3 14 UM, 4 |< ja bor « 
Nacule K. Lamk. |-|- 
Nuculites . - . . Conr. BK OR O 
Orthonota ©... Čony. 
BAlametlOts38 + ete JA kkali, 
*Panenka +.. + Barr. 
*Pantata si% Bart 
* Paracardiunm . „ Barr. 
Baračicas 1. Hall. 
ETR je he a ey LANĚ, 
Posidonomya —„ . Bronn. 
* Praecardium . „ Barr. 
*Praelima - . . Barr. 

* Praelucina „'. '. Barr. 

* Pyaeostrea . « « Barr. 200] a PRO 
Redoita .*4*. Rou -| 
DAP v den Barr. k 
Schizodus „'.'. * King. 
ESEsbRa © © 19 Barr. 
*Silurina . . . . Barr. 
SAV 2 S „PLBAKÉ: 


E ESSE SSP KTE TEC 


Fauna lon 

I II III © 

= Genera E P 

= D E | F G H A 

z | : E lé 9) 

ele lf|f 81 [8 lg. [hy |h, h; 
| 
51| *Služka —- .... Barr. HH. Pa 
D2 OPamMla 0 Ban. | +H=..1. svá 9 
D3 AOynelk 05000 Bam: p AD E 3 
54| *Tenka Dart. se- |. 2 
bo, *Tetinka „DAT I-+|.|. 5 
56| * Vevoda Barr- EE 6 
bí *Vlasta 22 Darr +- 28 
ba, *Zdimír Aba R aky? Ml 
4. Brachiopoda. 1269 
1 Ama pam -+++ 89 
2. Čhonetes -baseh + b+-- 16 
8| *Clorinda . . . . Barr. ss 2 
4. Črama - < <. Retzius ah 2 
o, Gorila; 1 hDalm. H+- +.. 3 
6 Cyrtima -0 Davids -E .. 2 
1 Bona če. sblam. +++- D4 
e| Mchwalda <.. Bill |. z 
9 Leptaena . ... . Dalm se- 2 
10. Lingula „ Druouiěre. +—-+-+-+-+.. 41 
11, Merista. -< . ... Suess. IH- -| Eh.|. 8 
12, Mertstella <- Hall. -E -+ 8 
15) *Mimulus <... Barr. S Es c n) 
14) Obolus . . < <. Eichw. zá Kral 8 NE 5 
19 Os Dam ++- ++. 100 
16) Orthistna . <. . WOrb. o ěs = 2 
17. *Paterula Barr. py B AST ka sa ba 1 
18. Pentamerus . . . Sow. H+H. 54 
19. Porambonites . Pander. dk P 1 
20| Retza . . . . . King. AH. 10 
21, Rhynchonella . Fischer -+ +++. 68 
22 Syphonotreta „ . Vern. ++- . 3 
23, Sptrifer . Sow. H+H H+ +-. 89 
24, Stringocepkalus . Defr. |. 1 
29| Strophomena . Rafin. + He- 12 
26, Trematis ... . Scharpe|. ++. n E! 
| 640, 
IV. ECHINODERMATA. | 

l Khombifera. . . Barr. : | ; : | : | : 1 
| | s 


123 


Von den anderen von Barrande in seinem Hauptwerke nicht enthaltenen Gat- 
tungen kónnen wir noch die folgenden uns vorláufig bekannten, von Barrande theil- 
-weise nur mit provisorischen Namen versehenen, anfůihren: 

Von Echinodermen nebst dem schon angefůhrten Genus Rhombifera 
in d;,, noch 13 andere Genera und zwar: 


Agelacrinus Barr. in d;; Echinosphaerites ind, d; 

Anomalocrinus Meek. « W. in d; d, Lob olithus Barr. (Camerocrinus Hall) 
16% ine; 

Aristocystites Barr. in d;; Orocrinus Barr. in d; dz; 

Ascocrinus Barr. in d, ds; Pentremites Say n £; 

Asterias (dhnlich) L. in d, d;; Scyphocrinus Zenker in © ©; 

Craterina Barr. in d;; Trochocystites (Mitrocystites) in C, 


Dendrocystites Barr. in d; dj i“ ddd 


Von Anneliden die Genera: 
Scolithus Hall. in d, d;; 
Serpulites Murch. in d, d; dj U 
Von Gasteropoden 26 Gattungen (von Barrande nur provisorisch benannt) 
in sehr zahlreichen Arten, und zwar: 
Bellerophon Montfort in d; ©, © £ f„; Pleurotomaeria de France in d, bis 


Calyptraea Lam. in d, d; ©, bi g, und in 8;; 
Capulus Montf. in d; bis 8; Parmaporus Barr. in hy; 
Cirrhus 90w. in d; €, 8; Pilidion Barr. (Hercynella Kayser) in 
Cyrtolites Conrad in d, bis d und © e, bis 83; 

ee by: Porcellia L'Eveille in e, £; 
Delphinula Lam. in © 1; Ribeiria Murch. in d, d; dy d; 
Eculiomphalus Barr. in ©, 12; Rotella Lam. in €, bis €; 
Euomphalus Sow. in d; dz d; © €: Siphonaria Sow. in f; 
Globiconcha Barr. in f;; Scoliostoma Braun in 15; 
Loxonema Phil. in d; und e, bis 8; Straparolus Montť. in d;; 
Macluria Le Sueur n €,; Subulites Conr. in €;; 


Murchisonia WArch. ind; und e,—f,; Tremanotus Halin ec 6 
Natica Adanson in d, d; und e, bis g,; Terebellum T607: 
Naticella Swainson in d, d,, e, ©, Urochus 1 id kde ee 8; 


jo. Turbo Linodde ni 
Nerita [S iw ez tfj:L; Turritella Lam. in €, Ú; 
Patelta L mds;, L £; Tubina Barr. in d; © £; 
Phasianella Lam in ©, 1,: Vermetus L. in £. 


Von Bryozočěn die von Góppert als Pfanzenreste gedeutete Gattung Dicty 0- 
nema Hall. in d, d; e,-€,; dann Fenestella Lonsdale in e, e, 1; g,; Rete- 
pora, Hemitrypa, Filites Barr. info. 

Von Korallen 15 Gattungen mit zahlreichen Arten, und zwar: 
Amplexus 98ow. in £ 4; Cystiphyllum Londs. in © ©; 
Calceola Lam. (Rhizophyllum Lind- Cyat hophyllum Goldf. in e, e, £; 

stróm) in 1; Favosites Lam. in e, e, £; 8 © 8; 


124 


Halysites Fischer in e, ©; Petraia Můnst. in e, e £ g, bis hy; 
Heliolites Dana n © ©; Roemeria EI- im 6; 
Lithostrotion Llwhyd in f; Stenopora Londs. in d;, d; e, ©; 
Omphyma Raf. in e, ©; Stromatopora Gldďf. in f, €,; 
Pelliculites Ban. Zaphrentis Raf in £, 


Von Graptolithen 7 Gattungen in vielen Arten, und zwar: 
Climacograptus Hall in Col. ds, e+; Monograptus Gein. in d, d; d; Col. 


Cyrtograptus Carruthers n e; ee- 
Diplograptus Geinitz in d;, Col d;, e,; Rastrites Barr. in Col. d. €,; 
Didymograptus M Coy in d; Retiolites Barr. in -Col dsí eg. 


Von Amorphozočěn die Gattung Ischadites Murch. in e, und £. 


Von Pflanzen (Fucoiden): 
Leptophy cus. Barmnd5é: Chondrites ŠSternb. in d;, €,; 
Callithamnites Gópp. in d;; Sphaerococcites Gópp. in ex ©; 
dann die von D. Stur beschriebenen Fucoiden aus der Zone h,, námlich Chau- 
vinia, Fucus, Hostinella und Sporochnus, und die von ihm als eine 
Characee gedeutete Gattung Bar-randeina, deren Habitus auffallend an Lepido- 
dendron erinnert und die desshalb von Barrande in Briesbys Thesaurus als Sage- 
naria (bohemica) an und von Krejčí in einer Notiz der k. bóhm. Ges. d. Wis. 
als die erste bohmische Landpflanze unter dem Namen Protolepidodendron 
ancefůhrt wurde. 


Einleitung . 


PE E. 


I. Das Gebiet der Put a 


1. 


9 


kdo 


HM. 


Die Conglomerathůgel von Dubenec . . cs 
Das Třemšíngebirge mit dem Příbramer Beteadné x 
a) der Třemšín 

b) der Štěrbinabere 

c) der Přibramer Berg- und Eidelete 


. Das Třemošnacebirce . 


a) der Růcken: Praha, Tok, řdmočna 

b) der Růcken : Kočka, Koruna, Komorsko 
c) der Růcken: Hlava, Koníček 

d) der Růcken: vl, Beranec . 

e) der Růcken: Žďár . 


„ Das Schieferterrain der Přinovdialísuna 22 


Bei Jinec ... 
Bei Skrej 


. . . 


Das Gebiet der zese Szlunahé ne 
ie 


Die eisensteinfihrende Zone d, 
a) die Schichtenabtheilung d,a: 
b) die Schichtenabtheilune d,G 
c) Die Schichtenabtheilung d,y 

Die Verbreitung der Zone d, 


- . 


1. Zwischen Plzenec und Rokycan . 

2. Oestlich von Rokycan am Rač A 

3. Bei Kařez und Volešna: Milina und nc SW. 

4. Am Giftberg und Ostrý. : 

5. Im grossen Brdawalde (Plešivec 8 r A 

6. Im kleinen Brdawalde (Žebrák, Točník u. s. r) 

7. An der grossen Bruchlinie (Beraun-Prag) : 

8. In den isolirten Inseln p běa hora, Velis u. s. w.).. 
. Die Auarzitzone d, 


Die Verbreitung o Zone il stě 
1. Die isolirten Auarzitkuppen iaokén kenéů nn Mauth . 


2. Die isolirten Ouarzitkuppen zwischen Zbirov und Althůtten . 


8. Der Auarzit-Auerriegel zwischen Kařez und Oujezd 
4. Die Ouarzitrůcken des grossen Brdawaldes 
5. Die Auarzitrůcken der kleinen Brda. 


. Die Zone der dunklen, důnnbláttrigen Schiefer . 


Die Verbreitung der Schieferzone d, 


. Die Zone der Grauwackenschiefer d, 


Die Verbreitung der Grauwackenschiefer d, 
Die Colonie in der Bruska (Col. Zippe) . . . 


„32 


5. Die Zone der wéichen Schiefer'd,: -2220 ——— 
Die Colonien der Schieferzone db 9023... 

Die Verbreitung der Zone d; -u 2... 

III. Das Gebiet der dritten Silur-Fauna 0... l 
Die Etagen E, -F," G, HRT G R S E... 
Hauptfundorte der Petrefakten ....... R A s 
Devonisirender Charakter der Fauna von n bo HV 0 R C 

Die Verbreitung der obersilurischen Etagen und Zonen . ............. U 

1. Das obersilurische Terráin amsrechten Berzunulern 0020000000000 

2, Das obersilurische Terrain amlinken Beraunuler 0000000000000 

a) das Terrain zwischen Beraun und St. Ivan.. ..... o Zr Přdál ce OVNÉ, -OSE k noh 0ks 

b) das Terrain zwischen dem St. Ivan und dem Radolinerkiale pola kde OSI © © NROS Oo ae 

c) das Terrain lángs des Radotiner Baches ..... . Natočte V 

d) das Terrain zwischen dem Radotiner- und dem st. Přokonihals n 

e) das Terrain zwischen dem St. Prokopi- und dem Moldauthale . . ............ 88 

f) das Kalkterrain am rechten Moldauufer zwischen Braník und Dvorec... ... .. . 90 
Bruchlinien im Gebiete des bohmischen Silursystemes . . . . .. . <... 0... A 

1. Das Kluftsystém. mit "nordostlichém Streiehem 1 1 

a) Die Bruchlinie der Přibramer Lettenkluft ...... PAPO O O 

b) die Bruchlinie zwischen dem Třemošna- und Šlinovocuhoem PE o 

c) die Jinecer Bruchlinie. ..... ROMA n dos deg Moe dil 

d) die Pruchlinie des Berges Ostrý . etě: A PRO o dak 55 

e) die Bruchlinie vom Berge Žďár und von esa KOA VV v DO 

£f). die Prager Bručhlinie 740983 3500 00 vena z SS. 
9)odie Braehlinie, vonrSkrej. 00 POS SEN jk VK Lh PR NS 

2. Das Kluftsystem mit nordwestlichem Siretehéní Deo BCP Ah ooo dot 2 obed adT22 R OKO OE OSM a 

a) Die KluftBéfaun-Srbsko 4:39 VRE eso 

6) die Kluít: LiteňsKoněprus. 19410 Feast (-0008 Ona- 0S00 ONE C NO 

c) die Auerklůtte bei Karlstein. . .... KREON Poj  3 ŘNO L 

d) die Klůfte Kunratic-Krč, Petrovic- Hostivař KE al n o kor oP a o TU 

e) die. Ouerklůfte der (TPřemosnaconglomerate 4... 

3: Das Kluftsystení mit nordlrchem Strereheni 7 

©) "das .Moldau6ha U es: KEN RE o ed bal eh 

b) die Klůfte im Silurcebiet bstich von n Přař PONOR o ooo P kp 7) bo 305 

ec) das St. Tvarthal 3x12 11 A020 JOR te ESVK 0 de0 SME ze NON RN 
d)odaszEitavatnal E ad pal Msk ted ds E pe V sto VSK o SMS NE V o NNN NNN 

Die Nordklůfte im Třemsnakorelomerate 2 OPOLOMK  o ma od oeěh V300 le MiK Cat: aka 0 SR SNN NE LS 
Thalbildung und Hydrographie des bohmischen Silurgebietes . . .. <... < < < < « „108 
TDxe Moldan ok ce O o, 
Die Zuflůsse der note am tisohe n Ufer SA send řec ode. eat Kano 88 oo- dímí Po- (o MRA S 
Die Zutlůsse "der :Moldau "am linken. Ufer 079 00e NOCONA 

IL. Der Beraunfluss 222300 ER Po ES Eon 0 M O ONO NN 
Die Zulůsse :der Beraun' am Jinken Ueno... 
Die Zuflůsse der Beraun am rechten Ufer . ka k Mo 
II. Das Litava-Flůsschen ...... n M dy o eo 
Die Zuflůsse der Litava am Keohtah Uter: KOR RO koade z o BO S o 
Die Zuflůsse der Litava*am'linkén Ufex 0.0 0... 
Der Vlčavabach (5 , „116 

Anhans. Verzeichniss oils von one in seinem Pe ba 8 de 

Fische, Crustaceen und“ Mollusken 2... 


THE LIBRARY OF THE 
APR 23 19308 


UNIVERSITY OF ILLINOIS 


s 


Diabas. 
Minette. 


břidlice 
řemence 


Měkké 
ak 


Drobova břidlice. 


GrawvackenSchiefer. 


8 


Nástin 
| GEOLOGICKÉ MAPY STŘEDOČESKÉHO SILURU. 


| = i : 
| Skizze einer geologischen Karte m 
| des | 
l 


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1: 288.000. 


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| 4000 


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| D* J. Krejči del. i E; Laky 
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(Porod B ě en rásonatyí 


T200] Ů 
16 Mona 


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Čáry vrstevních zlomu. 
Bruchlinten. 


AKE OVA alá aká 


Conglomerat Schichlen. 


Břidlice s Faunou 
primordialní. 


Schiefer mit der raptolithen Schiefer 
Primordial Fauna. und Diabas. 
Opuka kříd.nluaru. 


Púsmo železité. 


Eisenerz one, 


Křemenec. 


Drobová břidlice. 


dy dý 


GrawvackenSchtefer. 


Měleké břidlice 
a křemence, 


Weřehe Schtetir 
und Ouarzil. 


Calonte. 


Graptolitové břidlice 
a Diabus. 


Kornosilurské vápener. 


Obersilurisché Kalle. 


Hornosilurské břidlice. 


Obersilurische Scheler. 


Diabeas, 


OuaderSandstetn. 


Plener. 


Štěrkopések a hlína. 


Sand Schotter u. Leh. 


Ziih Farský v Praze. 


, F SEM (i 


fo Mý ORÍVU = 


Z WV ELY ER BAND. 
Erster Theil, 


I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain- út Hohenverháltnisse). 
ieselbe enthált: 


E (a) Das Terrain und die Hohenverháltnisse des Iser- und des Riesen- 
i gebirges und seiner sůdlichen und čostlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl 
Kořistka. 128 Seiten Text, 2 chromolith. Ansicht., 1 Profiltafel und 10 Holzschnitte. 

- d) Zweite Serie gemessener Hohenpunkte in Bohmen (Sect.-Blatt III.) von Prof. 

Í Dr. Kořistka. 84 Seiten Text. 

— ©) Hohenschichtenkarte, Section III, von Prof. Dr. Kořistka. (Diese Karte 
--——— enthált die in dem vorstehenden Text angegebene Situation im Massstabe von 1 : 200.000). 
-— d) Hóhenschichten des Riesengebirges von Prof. Dr. Kořistka im Maasstabe - 
von 1: 100.000. Preis dieser Abtheilung . .... .... PRSA Ke al 90 Abe 214 A. 450 


é 
4 II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthált: 


- a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Bohmens mit 4 Tafeln. 
-- b) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken bei Klein-Přílep, Lísek, Stílec, 
E -© Holoubkow, Mireschau und Letkow mit 9 Holzschnitten. 
— c) Jos. Vála und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend 
von Prag und Beraun mit 6 Tafeln, 9 Holzschnitten und 1 Karte. 
-© d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend 
zwischen Beneschau und der Sázava, mit 1 Tafel und 1 Karte. 
E- Dieser Theil enthált 448 Seiten Text, 11 Mas 18 Holzschnitte und 2 geol. Karten. 
MN 22.2... 2. i. 4— 


E: II. Theil enthált: 

Dr. Em. Bořický: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Bóohmens 
A MU citem. LexU nu © Jateln. Preis *. <: < « < < 0.4 ee mda Ale SODŮÍ 
Preis der ganzen ersten Hálfte des zweiten Bandes (I. und II. Abtheilung zusammen) geb. A. 10— 


Z WV E IU E EL BAND. 
Zweiter Theil. 
III. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthált: 


Prodromus der Flora von Bohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský (II. Theil) 
BM m ox  nLalel. ČErei8 < - <. « « © 006,00 4+ ele k ek ke 2060 


IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált: 


Ma) Prof. Dr. Ant Frič: Die Wirbelthiere Bohmens. 
M „ © Die Flussfischerei in Bohmen. 
3) nn k = Die Krustenthiere Bohmens. 
Mit 1 Tafel, sUMeEolzschnitten, 272 Seiten Text. -PreiS < . © <..< 4+ « « UB 


Ě | V. Chemische Abtheilung. 


Prof. Dr. Em. Bořický: Úber die Verbreitung des Kali und der Phosphorsáure 
M in den Gesteinen Boóhmens. 58 Seiten Text. Preis. ... .. <. ++.. 60 kr. 
"Preis der ganzen zweiten Hálfte des zweiten Bandes (III., IV. u. V. Abth. zusammen) geb. fi. 5'— 


< 


U. DRITTER BAND. 


r 


E- I. Topographische Abtheilung. 

Werzeichniss der in den J. 1877—1879 vom k. k. mil.-geogr. Institut trigonometrisch 
bestimmten Hóhen von Bohmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Kořistka und 
Major R. Daublebsky von Sterneck mit 1 Karte -. .. . << + ++ «.« A. 180 


II. Geologische Abtheilung: © 2 1 TÍ 


I. Heft. Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Bohmens von 

Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln, 96 Seiten Text. Preis. . fj. VÉ 

II. Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Běhmens von 
„ Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln. 88 Seiten Text. Preis A 1— 

IL Heft. Die Geologie des bohmischen Erzgebirges (I. Theil) von Prof Dř8 
Gustav Laube mit mehreren Holzschnitten und einer Profiltafel. 216 Seiten Text 


Preiš“ Pee eo KO o a ot M l r Se ode OR 


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* + 


III. Botanische Abtheilung: © | kn. E 


Ý 
> 


Prodromus der Flora von Běhmen von Prof Dr. Ladislav Čelakovský. (IL Theil. 
Schluss.) 320 Seiten Text. Preis : k 


IV. Zoologische Abtheilung: 4 
I. Heft. Die Myriopoden Bohmens von F. V. Rosický mit 24 Holzschnitten. 44 Seiten © 


Texte Preis, o a S Ppr P U 60 kr. 


II. Heft. Die Cladoceren Běhmens-von Bohuslav Hellich mit 70 Holzschnitten. 
132 Seiten Text: a a K P nkí c jk 2. „1600 


V. Chemisch-petrologische Abtheilung: 


Elemente einer neuen chemisch-mikroskopischen Mineral-und Gesteinsanalyse. 
© von Prof. Dr. Bořický mit 3 Holzschnitten und 2 lith. Tafeln. 80 Seiten Text. fl. 140 


VIERTER BAND. | 
No. 1. Studien im Gebiete der bohmischen Kreideformation. Die Weissenll 


berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Frič mit 155 Holzschnitten. © 
154 Seiten Text. Preiss 1m 2.44 2e R K R S o SE ne v. 3 


ag von 
J. Krejčí und R. Helmhacker mit 1 Karte, mehreren Profilen und Holzschnitten fl. 450 E 


No. 3. Prodromus der Flora von Bohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský. 
(IV. Theil.) Nachtráge bis 1880. Verzeichniss nd Hegistor "0755 fi. 240. 


No. 4. Petrologische Studien an den Porphyrgesteinen Bohmens von Prof. Dr. 
-| Bm Bořičký <% a fl. 1:80. 


No. 5. Flora des Flussgebietes der Cidlina und Mrdlina von Prof. Ed. Pospíchal.. 


11 


No, 6 Der Hangendflótzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Carl 


Feistmantel. E 


EUNFTER BANDU. 


No. 1. Erláuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges (Železné hory) © 
und der angrenzenden Gegenden im čstlichen Bohmen von J. Krejčí und. 

R. Helmhacker -s u A oa C S i. 2— 
(Die Karce selbst erscheint spáter.) v- 

. 2. Btudien im Gebiete der bohmischen Kreideformation. III. Die Iser- 
schichten. Von Dr. Anton Frič. Mit 132 Texifignren „743 a 13—. 

No. 3. Die mittelbohmische Steinkohlenablagerung von Carl Feistmantel. Mit 
20 Holzschnitten . . ..«. z T A 28 C i. 120 


No. 4. Die Lebermoose (Hepaticae) Bohmens von Prof Jos. Dědeček. (Deutsch 
noch nicht erschienen.) ; a 
No. 5. Orographisch-geotektonische Úbersicht des silurischen Gebietes im 
mittleren Bohmen. Von Johann Krejčí und Karl Feistmantel, 
Karte und vielen Holzschnitten 


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Mit 1 geolog. 
r Bd < věty aŠ. 67 a 7 LA a fi. —— 


Ču 790 M V Vok 


Druck von Dr. Ed. Grégr in Prag 1885. — Selbstverlag. 


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A Ř p- : 53 broé 

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PRODROMUS 


DER 


 ALGENFLORA vox BOHMEN. 


ERSTEER TEHEIIL, 


enthaltend 


dig Rhodophyceen, Plazophyoeen amd titan The der Chorophyoem. 


VON 


Dr. ANTON HANSGIRG, 


k. k. Gymn. Professor und Docent der Botanik an der k. k. bóhm, Universitát in Prag. 


POHEBT: 


ARCHIV FŮR NATURWISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG VON BOHMEN. 


V. Band, Nro. 6. (Botanische Abtheilunc.) 


Bila 


E 


DAS ARCHIV 


fůr die 
naturwissenschaftliche Landesdurchforschune von Běhmen. 


unter Redaktion von 


Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. J. Krejči 
enthált foloende Arbeiten : 


ERNRSTEB BAND. 


E. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain und Hóhenverháltnisse). 
Dieselbe enthált: 


a) Das Terrain und die Hohenverháltnisse des Mittelgebirges und des 
Sandsteingebirges im něrdlichen Bohmen von Prof. Dr. Karl Kořistka. 
139 Seiten Text, 2 chromolith. Ansichten, 1 Profiltafel und 11 Holzschnitte. 

b) Erste Serie gemessener Hóohenpunkte in Bohmen (Sect.-Blatt II.) von Prof. 
Dr. Kořistka. 128 Seiten Text. 

c) Hoóhenschichtenkarte, Section II., von Prof. Dr. Kořistka. Diese Karte enthált 
die in dem Text a) besehriebene Situation. Sie ist 58 Centimeter lang, 41 Centimeter hoch, 
im Massstabe von 1 :200.000 gezeichnet, und es sind die allgemeinen Hohenverháltnisse 
durch Schichtenlinien von 25 zu 25 Meter und durch verschiedene Farben ausgedrůckt. 
Preis A.4-— Preis der Karteapp. - < s. AE val PPL k fi. 160 


Il. Die Arbeiten der seolosischen Abtheilung. Dieselbe enthált: 


a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verháltnisse des nord- 
lichen Boóhmen von Prof. Johann Krejčí. 37 Seiten Text, 7 Holzschnitte. 

b) Studien im Gebiete der bohm. Kreideformation von Prof. J. Krejčí. 
142 Seiten Text, 1 chromolith. Ansicht, 39 Holzschnitte. 

c) Paláontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der bohm. 
Kreideformation sowie einiger Fundorte in anderen Formationen von 
Dr. Anton Frič. 103 Seiten Text, 4 chromolith. Tafeln, 9 Holzschnitte. 

d) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hůttenmeister Karl Feistmantel. 
120 Seiten Text, 40 Holzschnitte, 2 Karten der Steinkohlenbecken von Radnic und Břas. 
Preis <. Sa z ele Kaon c O SOA ed oC H. 450 


III. Die Arbeiten der botanischen Abtheilung. Dieselbe enthált: 


Prodromus der Flora von Bohmen von Dr. Ladislav Čelakovský. (I. Theil.) 
104"Beiten Téxt.- Preis „5 220 E yo nK OS MS 1. 1— 


IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált: 


a) Verzeichniss der Káfer Bohmens vom Conservator Em. Lokaj. 78 Seiten Text. 

b) Monographie der Land- und Sůsswassermollusken Běohmens vom Assi- 
stenten Alfred Slavík. 54 Seiten Text und 5 chromolith. Tafeln. 

c) Verzeichniss der Spinnen des nordlichen Bóohmen vom Real-Lehrer 
Emanuel Barta/ 10 Seiten' ext (Preis 00 000 NÍ l. 2— 


V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthált: 


Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. 16 S. Text. Preis 25 kr. 
Freis des ganzen I. Bandes (Abth. Ii bis V) gebse: 0. 20:0. 00000 i. 9— 


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PRODROMUS 


DER 


ALGENFLORA Vox BOHMEN. 


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enthaltend 


die Rhodophyceen, Phaeophyceen und einen Theil der Chlorophyceen, 


Von 


Dr. Anton Hansgirg, 


k. k. Gymn. Professor und Docent der Botanik an der k. k. bohm. Universitát in Prag. 


(ARCHIV DER NATURW. LANDESDURCHFORSCHUNG IN BOHMEN.) 
V. Band. Nro. 6. (Botanische Abtheilung.) 


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UNIVERSITY OF ILLINOIS 
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Commissions-Verlag von Fr. Rivnáč. — Druck von Dr. Ed. Grégr. 


1886. 


VORWORIT 


Ich erlaube mir das vorliegende Werk den Algologen und allen Freunden 
der bohmischen Flora, insbesondere den einheimischen Botanikern mit dem Wunsche 
zu úbergeben, dass dieses Werk von den ersteren giinstio aufgenommen, den letz- 
teren zugleich eine Auelle der Anregung werde und ihre Aufmerksamkeit auf die 
seit Corda in Bohmen so sehr vernachlássicten Algen wieder lenken měge. 

Obschon ich seit mehr als fiinf Jahren meine Musestunden fast ausschliesslich 
zur Durchforschung der bohmischen Algenflora verwendet habe und in den letzten 
zwei Jahren mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln und Kráften gestrebt habe 
durch kritisches Studium dieser, sowohl in systematischer wie auch in entwicklunegs- 
geschichtlicher Hinsicht noch ziemlich mangelhaft durchforschten, Kryptogamen 
einige dunkle Seiten aus der Algologie ein wenig zu beleuchten und auf Grund 
dieser meiner Studien mich veranlasst fihlte auch in dem vorliegenden Werke 
einige Verinderungen in der Algensystematik durchzufůhren — so bin ich mir doch 
dessen gut bewusst, dass dieses Werk eben nur ein „Prodromus“ der Algenflora 
Bohmens ist und dass das jetzt úbliche, von mir aus Opportunitátsrůcksichten noch 
angewendete System der Algen, trotz der seit dem Erscheinen der „Species algarum“ 
von F.T. Kůtzine's im Jahre 1849, in diesem System schon durchgefůhrten, zahl- 
reichen Reformen, im Grossen und Ganzen noch immer ein kůnstliches, die Ver- 
wandtschaftsverháltnisse der Algen nicht genůgend berůcksichtigendes, Algensystem 
geblieben ist. 

Es ist mir eine angenehme Pflicht an dieser Stelle allen jenen Herren meinen 
- verbindlichsten Dank auszusprechen, welche mich in irgend einer Weise bei meiner 
Arbeit unterstůtzt haben. Insbesondere danke ich den Herren Prof. Dr. Lad. Čela- 
kovský und Prof. Dr. Ant. Frič in Prag fůr ihre gůtige und aufopfernde Theilnahme 
an meinem Werke, den Herren: Prof. Dr. Herd. Cohm in Breslau, M. A. M. C. Cooke 
in London, Prof. Ch. Flahault in Montpellier, Maur. Gomont in Paris, Prof. Dr. 
O. Kirchner in Hohenheim, G. von Lagerhečm in Stockholm, Dr. O. Nordstedt in 

1* 


4 


Lund, P. Richter in Leipzig, Dr. N. Wife und Prof. Dr. V. B. Wittrock in Stock- © 
holm, Rev. Fr. Wolle in Betlehem Pa. theils fůr gůtige Zusendune von seltenen 
Algen-Exsiccaten und algologischen Abhandlungen, theils fůr lehrreiche Corres- | 
pondenz. Den Herren Dr. O. Nordsteďt und P. Richter bin ich ausserdem, da sie der 
bohmischen Algenflora ein besonderes Interesse gewidmet haben und mich vielfach 
mit Rath und That unterstůtzt haben, zu besonderem Dank verpflichtet. 

Schliesslich olaube ich noch hier bemerken zu sollen, dass ich trachten 
werde das, was in diesem Werke — in dem fast nur das von mir allein gesam- 
melte algologische Material bearbeitet wurde — unvollstándig und lůckenhaft mit- 
getheilt werden konnte, durch Nachtráge, welche theils dem zweiten Theile dieses 
Prodromus beigegeben, theils separat publicirt werden sollen, moglichst zu ergánzen 
und zu vervollkommnen. 


Prag, im December 1885. 


Dr. A. Hansgirg. 


PNI EPFUNG. 


Wie in einigen Theilen Deutschlands, so wurde auch in Osterreich und 


„insbesondere in Bohmen den Algen von Seite der Botaniker im Ganzen bisher noch 


wenig Aufmerksamkeit gewidmet, so dass unsere bisherige Kenntnisse dieser, im 


- hohen Grade interessanten, Kryptogamen noch immer, namentlich in Bezug auf ihre 


geographische Verbreitung sehr lůckenhaft sind. 

Im Anfange des gegenwártigen Jahrhunderts hat zuerst Ph. M, Opiz in 
seinen zwei Schriften: „Deutschlands cryptogamische Gewáchse“, Prag, 1816 und 
„Boheims phanerogamische und cryptogamische Gewáchse“, Prag, 1823, die theils 
von ihm, theils von seinen Freunden in Bóhmen gesammelten oder von frůheren 
Botanikern daselbst beobachteten Algenarten aufceziáhlt.") 

Spáterhin haben namentlich einige in Carlsbad weilende Algologen werth- 
volle Beitráge zur Kenntniss der bohmischen Algen geliefert und speciell die in 
den warmen Auellen von Carlsbad so wie in deren Abflůssen, in der Tepl und in 
der náchsten Umgebung dieser Stadt vorkommenden Algen recht eingehend syste- 
matisch bearbeitet.*) 

Ich fůhre hier vor Allem den um die Algologie úberhaupt so hochverdienten 
C. A. Agardh an, welcher im Jahre 1827, in der Regensburger Flora ein Ver- 


r) Einige in diesen Schriften aus Bóhmen angefůhrte Algenspecies verdienen hier na- 
mentlich hervorgehoben zu werden; es sind: Batrachospermum moniliforme Roth, Conferva flu- 
viatilis (Lemanea fluviatilis), Conferva aurea (Trentepohlia aurea), Conferva mutabilis Roth (Drapar- 
naldia plumosa), Conferva jolithus (Trentepohlia jolithus), Hydrodictyon utriculatum Roth (H. re- 
ticulatum L.), Botrydium argillaceum Wallr. et Linckia granulata Web. (Botrydium granulatum 
Grev.), Conferva intestinalis (Enteromorpha intestinalis), Linckia nostoc Roth (Nostoc ciniflonum 
Tour. == N. commune Vauch.), Conferva annulina (Sphaeroplea annulina Ag.), Conferva rivularis 
(Cladophora fiuitans Ktz?), Conferva crispata et arenaria (Cladophora crispata), Conferva erice- 


torum Roth (Zygogonium ericetorum Ktz?), Conferva muralis Dillw. (Schizogonium murale), Con- 


ferva capillaris (Oedogonium capillare Ktz?), Conferva vesicata Můll. (Oedogonium vesicatum 
Link?), Conjugata setiformis Roth (Spirogyra setiformis Ktz?), Conferva fontinalis (Oscillaria 
limosa Ag.), Conferva stellaris Roth (Stigeoclonium stellare Ktz.). Ausserdem sind in diesen zwei 
áltesten Verzeichnissen bohmischer Algen noch folgende, nicht gut zu bestimmende oder fůr Bóhmen 
noch zweifelhafte Algenarten verzeichnet: Conferva velutina (in Báchen), C. fenestralis, C. cristata 
Roth, C. Flůgii Roth, C. divaricata Roth (Cladophora divaricata Ktz.), C. moniliformis Můll. 

2) J. A. Scherer's „Beobachtungen ůúber das pflanzenáhnliche Wesen in den Carlsbader 
und Tóplitzer Wássern, Dresden, 1787“ sind mir leider blos dem Namen nach bekannt geworden. 


6 


zeichniss der von ihm in verschiedenen Lándern Osterreichs beobachteten und 
gesammelten neuen Algenarten veróffentlichte. Aus diesem Verzeichnisse wurden 
spáter die bei Carlsbad vorkommenden, von Agardh entdeckten und von ihm da- 
selbst auch meist in grósserer Menge gesammelten,“) neuen Algenspecies auch im 
„Almanach de Carlsbad“ J. 1834 mit detaillirter Angabe des Fundortes angefiihrt.*) 

Durch C. A. Agardh's Erfolge angeregt bescháftigte sich alsbald unser durch 
seine mikroskopische Untersuchungen, vorzůelich der Pilze, wie durch sein tra- 
gisches Ende, auch in weiteren Kreisen bekannte Landsmann A. J. C. CČorda durch 
mehrere Jahre hindurch eifrig mit den bohmischen Algen, insbesondere mit den 
Desmidiaceen, Oscillariaceen und Protococcaceen. Die Hauptergebnisse seiner dies- 
bezůelichen Studien wurden theils in dem oben erwáhnten Almanach von Carlsbad 
(J. 1835—1840.) theils in Sturm's „Deutschlands Flora“ niedergelest und besitzen 
noch immer, trotzdem einige in diesen Schriften enthaltene, von Corda selbst ver- 
fertiete, Abbildungen nicht immer ganz correct sind, fůr jeden, die bohmischen 
Algen náher studirenden, Botaniker einen nicht geringen Werth. 

Im J. 1855 des Almanachs von Carlsbad sind unter dem Titel „Obser- 
vations sur les animalcules microscopigues, gu' on trouve auprčs des eaux ther- 
males de Carlsbad“ neben einigen Bacillariaceen auch zahlreiche Desmidieen, Os- 
cilarieen und einige andere, von Corda bei Carlsbad beobachtete, Algen abgebildet 
und kurz beschrieben. Im J. 1856 sind im „Essai sur les Oscillatoires des Thermes 
de Carlsbad“ nicht nur die in den warmen GAuellen bei Carlsbad vorkommenden 
Oscillaria- und Phormidium-Arten verzeichnet, sondern auch noch viele andere an 
verschiedenen Orten Bohmens u. a. vorgefundene, gróssten Theils vom Verfasser 
als neu aufcestellte Oscillarien-Species verzeichnet.*) Im Jahre 1838 hat Corda 
in „Nouvelles observations microscopigues“ neben zwei neuen Raphidiumspecies 
(Ankistrodesmus fusiformis und A. convolutus Corda) auch einige neue Scenodesmus- 
Arten publicirt. Im Jahre 18939 sind in „Observations sur les Euastrées et les 
Cosmariées ausser einigen Pediastrum- (Pediastrum et Euastrum Corda) und Cos- 
marium-Arten auch noch zahlreiche andere, meist aus der Umgecgend von Prag, 
teichenbere und Carlsbad stammende, von CČorda bestimmte Desmidiaceen auf- 
gezáhlt. Im Jahre 18340 werden von Corda in „Observations microscopigues sur 
les animalcules des eaux et des thermes de Carlsbad“ einige neue bei Carlsbad, 
Eger, Prag, Reichenberg, u. a. vorkommende Desmidium-Sphaerozosma- und Cos- 
marium-Species nebst anderen Desmidiaceen angefůhrt und ein neues Verzeichniss 
zahlreicher, in die eben citirte Gruppe gehóriger Algen veróffentlicht.  Auch in 
Sturm's „Deutschl. Flora“, II. Abth. 1829—1852 hat Corda unter anderen Algen 


1) Auch im Herbarium des Nat. Museums in Prag ist ein Theil dieser Algen in Orig.- 
Exemplaren C. A. Agardh's vorhanden. 

2) Die von Agardh in Carlsbad entdeckten, als neu beschriebenen Oscillarien und andere 
Thermalalgen-Arten wurden spáter alle, nebst zahlreichen anderen neuen, in Carlsbad nicht vor- 
kommenden, Thermalalgen-Arten auch an den warmen Guellen Italiens und in anderen Lándern 
angetroffen. 

5) Leider sind diese Arten gróssten Theils von Corda so mangelhaft beschrieben und 
unvollkommen abgebildet worden, dass deren Sicherstellung,da die Original-Exemplare Corda's nicht 
mehr vorhanden sind, nicht gut měglich ist; desshalb sind sie auch von allen Phycologen, welche 
sich mit den Oscillarien nach Corda náher bescháftiot haben, gánzlich unberůcksichtict geblieben. 


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— Deutschlands auch einige seltenere, in Bohmen vom Verfasser selbst entdeckte, Algen 
- zuerst beschrieben und deren Fundorte angegeben. 


Nebst Agardh und Corda betheiligten sich an der Erforschung der Algen- 
flora der berihmtesten bohmischen Kurorte (Carlsbad, Franzensbad, Teplitz und 
Marienbad) in hervorragender Weise noch F. T. Kůtzing,") L. Rabenhorst, Ferd. 
Cohn,*) Schwabe *) und in neuerer Zeit Paul Richter *) O. Nordstedť u. a.“) Einige 
Arten von Diatomeen und anderen einzelligen Carlsbader-Algen sind auch von 
Ch. G. Elrrenberg, Fischer und a. beschrieben worden. 


Von einheimischen Botanikern widmete den bohmischen Algen eine gróssere 
Aufmerksamkeit zuerst Ph. M. Opíz, welcher mit einigen anderen álteren bohmischen 
Botanikern “) meist in der Umgebung von Prag Algen sammelte und in seinem, im 
J. 1852 erschienenem „Šeznam rostlin květeny české“ schon 87 Algenarten aus 
Bohmen dem Namen nach, ohne Angabe des Fundortes, angefihrt hat.) Nebst 
Opiz sammelten zu jener Zeit in Bóhmen Algen auch Prreďd. Veselský, J. Pey! und 
J. Čeněk, welche im čstlichen Theile Bohmens, insbesondere im ostlichen Elbthale 
botanisirten,*) dann noch Hrabal, Karl, Langer, Menzel,*) Schauta und W. Steg- 
mund,*9) die im nordlichen und nordlichsten Bohmen manche interessante Algen- 
species entdeckten; in neuerer Zeit auch P. Hora, der in der Umgebung von 
Pilsen nebst anderen Cryptogamen auch einige Algen beobachtet und gesammelt 
hat,**) und Prof. Dr. L. Péč, der aus der Umgebung von Jung-Bunzlau und Můnchen- 
grátz werthvolle Proben von Algen dem Verfasser zur Bestimmung ůúbersandte. In 
den letzten zwei Jahren haben auch die Herren F. Klapálek bei Leitomyschl und 
E. Bayer bei Chotěboř einige Algenarten gesammelt. 


Viele von den Algen, welche diese eifrigen Pflanzensammler, von welchen 
viele auch um Bóhmens Phanerogamenflora nicht unerhebliche Verdienste sich er- 
worben haben, in verschiedenen Theilen Bóhmens gesammelt haben, sind nebst 
einigen anderen, von Agardh, Welwitsch, Corda u. a. in Bohmen entdeckten, Algen- 
arten in der botanischen Sammlune des National-Museums in Prag aufbewahrt. 


1) Tabulae phycologicae 1845—1866, Phycologia germanica 1845., Species algarum 1849. 

2) Abhandlungen der schlesischen Gesellschaft fůr vaterlándische Cultur 1862. 

3) „Úber die Algen der Carlsbader warmen (Guellen“, Linnaea 1837. 

4) „Ist Sphaerozysa Jacobi Ag. ein Synonym (Entwicklungsglied) von Mastigocladus la- 
minosus Cohn?“, Hedwigia 1882 und „Weiteres úber Sphaerozyga Jacobi Ag.“, Hedwigia 1883, 

5) Siehe auch meine Abhandlung „Beitráge zur Kenntniss der bohmischen Thermalalgen- 
flora“. Oster. botan. Zeitschrift 1584. 

S) Kalmus, Schóbl, Wondráček u. a. 

7) In diesem „Verzeichniss“ sind die meistén, von Agardh und Corda in ihren algolo- 
gischen Abhandlungen aus Bohmen angefůhrten, Algenarten enthalten. 

8) Veselský und Peyl in der Umgebung von Kolín und Kuttenberg, Čeněk meist bei Par- 
dubitz, Chvojno und Kóniggrátz. 

9) Siehe auch Menzels „Beitráge zur Flora des ser- und Jeschkengebirges“ in der Be- 
schreibung des Curortes von Liebwerda von Dr. Jos. Plumert 1869. 


T0) Hrabal sammelte bei Bóhm. Kamnitz; Karl bei Georoswalde und Fugau, Schluckenau 
und Teplitz; Siermund und Langer um Reichenberg; Schauta bei Hoflitz; Menzei bei Friedland, 
Grottau u. a. 

11) „Versuch einer Flora von Pilsen“. Lotos 1882. 


Recht interessante und werthvolle, meist von den vorher schon genannten 
Sammlern herrůhrende Beitráge zur Kenntniss unserer Algenflora sind enthalten 
auch in der von Dr. L. Rabenhorst verfassten „Flora europaea algarum etce.“, Leipzig 
1864—68 und in seiner „Kryptogamen-Flora von Sachsen, der Ober-Lausitz, Thů- 
ringen und Nordbohmen“, Leipzig, 1865. Auch in der von Dr. Ferd. Cohn heraus- 
gegebenen „Kryptogamen-Flora von Schlesien: Algen, bearbeitet von Dr. O. Ktrchner“ 
sind manche in unserem Riesengebirge vorkommende, meist von schlesischen Bo- 
tanikern daselbst gesammelte, seltene Algenarten angefůhrt. 

Der Verfasser dieses Prodromus hat selbst binnen mehreren Jahren, seitdem 
er sich mit dem Studium bohmischer Algen (mit Ausschluss der Diatomaceen) be- 
scháftigt, neben einigen, von ihm in Bohmen entdeckten neuen Algenformen, eine nicht 
geringe Anzahl der frůher in Bohmen nicht beobachteten Algenspecies gesammelt, 
so wie viele neue bohmische Fundorte einer grósseren Anzahl seltener Algenarten 
entdeckt. Er sammelte bisher namentlich an vielen Orten der náheren und náchsten 
Umgebung von Prag; in der weiteren Prager Umgegend im Choteč-Thal, bei Zbra- 
slav, Wran, Černošic, Všenor, Budňan, Karlstein, St. Ivan, Tetín, Beraun, Kónigshof, 
im Suchomaster-Thal, bei Půrelitz, Rakonitz; bei Unhoscht, Smečno, Schlan, Neu- 
Straschic; bei Klecan, Roztok, Žalov, Podmoráň, Kralup, Oužic, bei Hloupětín, 
Chwal, Běchowic, Ouwal; bei Kouřím und Zásmuk; bei Hostivař, Měcholup, Auři- 
něwes, Říčan, Mukařov, Mnichowic, Ondřejov, Piskočel, Sazawa, Kocerad, Doubrawic. 

„Im Elbethal meist in der Umgegend von Lobositz, Leitmeritz, Raudnitz, 
Melnik, Neratowic, Lobkowic, Elbe-Kostelec, Brandeis, Lissa, Sadska, Kolín, Par- 
dubic und in der Umgebung von Kónigerátz. 

Im norděstlichen Bóhmen bei Dymokur, Libňowes, Žíželic und Chlumec 
an der Cidlina, bei Hořic, Wostroměř, Jičín; bei June-Bunzlau, Bakov, Turnau, 
Eisenbrod, Šemil, Tannwald; bei Alt-Paka, Hohenelbe, Arnau, Trautenau, Johannis- 
bad; im Riesengebirge bei den Krausebauden, dann am Wege von der Spindelmůhle 
úber die Elbfallbaude, Petersbaude, Spindlerbaude zum Hótel bei den Šiebengrůnden 
und nach der Spindelmůhle zurůck; bei Parschnitz, Starkoč, Náchod, in der Um- 
gegend von Wichstadtl, Lichtenau, an der wilden Adler bei Pastwín, Bárnwald, 
Kronstadt und am Kamme des bohmischen Adlergebirges oberhalb Bárnwald und 
Kronstadt. 

In Nord- und Nord-West-Bóhmen bei Weisswasser, Hirschberg und Hab- 
stein, B.-Leipa; bei Tetschen, Bodenbach und Herrnskretschen in der bohmischen 
Schweiz bis zum Prebischthor; in Teplitz, bei Eichwald und Zinnwald im bóhm. © 
Erzgebirge; in der Umgegend von Karlsbad, Franzensbad, Bilín, Dux, Brůx, Said- 
schitz, Půllna, Laun, Libochowic, Čížkowic, Sulowic. 

In der sůdlichen Landeshálfte bei Beneschau, Bystřic, Wotic, Stupčic, Tábor, 
Sobieslau, Weselí, Lomnic, Wittingau, Budweis, Frauenbere, Zámost, Písek, Horaž- 
dowic, Klattau; bei Eisenstein, am Spitzberg, beim Schwarzen-Teufels- und Arber- 
see im Bóohmerwalde; in der Umgebung von Hohenfurth, Ruckendorf, Rosenberg, 
Krummau, Kaplitz; bei Hořowic, Přibram, Protiwín, Pilsen und Mies. 

Aus dem Vorgehenden ist zu ersehen, wie wenig Bóhmen im Ganzen in 
phycologischer Hinsicht bisher durchforscht worden ist. Viele Theile Bohmens 
wurden von Algen sammelnden Botanikern noch gar nicht besucht, so z. B. das 
ganze sůdostliche Viertel, andere nur fůchtig. 


F 


9 


Das Letztere gilt insbesondere von der ganzen sůdlichen Hálfte Bohmens, die 
- wegen den daselbst vorkommenden, zahlreichen, nicht unbedeutenden Teichen und 
- Torfmooren noch immer eine nicht geringe Ausbeute an Algen verspricht. Auch die 
in den Flussthálern der Elbe, Cidlina, Mrdlina u. s. w. liegenden zahlreichen 
-- Tiimpel, Weiher und Teiche, ofters von grósserer Ausdehnung und meist am Rande 
| von grósseren oder kleineren Šiimpfen und morastigen Gráben umgeben, sind, was 


Algen anbelangt, noch zum grossen Theile unerforscht geblieben. 

Nicht minder sind auch fast alle Gebirge Bohmens von den Phycologen 
noch sehr vernachlássigt worden. Es wurden bisher Algen, wie aus dem Vorher- 
gehenden zu ersehen ist, blos an einigen wenigen Stellen im bohm. Riesengebirge, 
im Erzgebirge, in der bohm. Schweiz, im Bóhmerwalde und in dem Adlergebirge 
theils von dem Verfasser, theils von einigen anderen Botanikern gesammelt. Eine 
grůndlichere Durchforschung dieser Cryptogamen sowohl in den Grenzgebirgen wie 
auch im Mittelgebirge und in ganz Boóhmen bleibt also der Zukunft noch vorbehalten. 


Was die geographische Verbreitung der Algen in Bóhmen im Allgemeinen 
betrifft, so sei hier nur hervorgehoben, dass manche Algenarten im ganzen Lande 
verbreitet sind, andere aber blos in der einen oder der anderen Pflanzenregion vor- 
kommen, von welchen in Bóhmen der Hóhenlage nach vier unterschieden werden 
kónnen, námlich die Region der Ebene (bis 200 m), der Hůsgel (200—600 m), der 
Berge (600—1000 m) und des Hochgebirges (1000—1600 m). 

Die meisten Algenarten findet man in Bóhmen in den ersten 3 Regionen; 
verháltnissmássie wenige Arten gehóren ausschliesslich dem Hochgebirge an. Viele 
Arten leben in der Ebene und in der Hůgelregion zusammen, steigen aber nicht in 
die hóher gelegenen Bergregionen. Einige Algenarten kommen blos in der Ebene 
vor; andere sind wieder ausschliesslich der Hůgelregion eigen, oder sie sind noch 
in der hóher liegenden Bergregion verbreitet. 

-Eine eingehendere phytogeographische Bearbeitung der Algen Bohmens kann 
zur Zeit, da úber die geographische Verbreitune dieser Pflanzen in Bóhmen noch 
viel zu wenig bekannt ist, mit Erfolg noch nicht unternommen werden. Deshalb 
wird im nachfolgenden speciellen Theile dieser Arbeit bei jeder einzelnen Algenart 
neben einer kritischen Artbeschreibune alles angefihrt, was úber ihre, uns bisher 
bekannt gewordene, Verbreitung in Bohmen sicher gestellt wurde, und zwar werden 

- neben den eigenen Beobachtungen des Verfassers von fremden diesbezůglichen An- 
gaben blos diejenigen reproducirt, welche entweder von anerkannten algologischen 
Autoritáten herrůhren oder, wenn dies nicht der Fall ist, doch ganz zuverlássie 
sind; weniger zuverlássige Angaben sind blos in kurzen Anmerkungen angefihrt 
oder gánzlich weggelassen worden. 

Doch ist zu bemerken, dass die Algen nach unseren jetzigen Kenntnissen 
in Bezug auf ihre Verbreitung auf der Erdoberfláche, nicht in áhnlicher Weise von 
der geographischen Lage, sowie von den klimatischen und physikalischen Verhált- 
nissen abhángig sind, wie dies bei den hoheren, insbesondere den phanerogamen 
Gewáchsen der Fall ist. Ein grosser Theil der bisher bekannten Algenarten scheint 
ahnlich den meisten mikroskopischen Organismen kosmopolitischer Natur zu sein. 
Man findet námlich dieselben Algenarten wie in Bóhmen auch in anderen Lándern 


10 


Osterreichs, in Deutschland, Frankreich, Italien, England ja selbst in Asien, Sůd- 
und Nord-Amerika u. a., also in Lándern, die geographisch von einander gánzlich 
cetrennt und deren geographische Lage und klimatische Verháltnisse sehr ver- 
schieden sind. 

Wenn nun bei diesen mikroskopischen Gewáchsen besondere Algenfioren, 
in áhnlicher Weise wie dies bei den Phanerogamen der Fall ist, sich nicht leicht 
werden abgrenzen lassen, so kann man doch selbst in Bóhmen neben einer Flora 
des Siisswassers, der salzigen Gewásser und der an der Luft lebenden Algen auch 
noch verschiedene, von einander oft ziemlich scharf abgegrenzte Algenformationen 
unterscheiden, welche zum Theile durch klimatische Verháltnisse, meist aber durch 
chemische und physikalische Beschaffenheit des Bodens, an welchem die an der Luft 
lebenden Algen vegetiren, oder durch verschiedene chemische und physikalische 
Beschaffenheit des Wassers, in welchem die meisten Algen leben, bedingt sind. 


Was die systematische Bearbettung der in diesem Prodromus enthaltenen 
Algenspecies betrifft, so hat der Verfasser, dem Beispiele P. Reinsch's,“) Kirchner's *) 
Cooke's*) und anderer Algologen folgend, sich im Grossen und Ganzen an Rabenhorst's 
„Flora europaea algarum“, (1865—1868), gehalten, welche noch immer als Grund- 
lage fůr Speciesbestimmungen der meisten in jenem Werke verzeichneten Algen- 
arten dienen kann. 


Da sich aber in den letzten 15 Jahren in Folge zahlreicher, wichtiger 
Entdeckungen in der so rasch sich entwickelnden Algenkunde auch Vieles in der 
Systematik der Algen geándert hat, so waren im nachfolgenden systematischen 
Theile, neben den, theils auf Grund der bekannten diesbezůclichen Arbeiten Bornet's 
und Thuret's, Borzi's, Flahault's, Gay's, Kirchner's, Lagerheim's, P. Richter's, Ro- 
stafiůski s, Širodot's, Wille's, Wittrock's u. a., theils auf Grund der eigenen Be- 
obachtungen und Untersuchungen des Verfassers durchcefihrten, nothigsten syste- 
matischen Veránderungen auch noch viele Correcturen in den in Rabenhorst's 
Schriften enthaltenen Arten-Diagnosen něthic. 


Um dieses Werk nicht úber Gebůhr auszudehnen, hat der Verfasser eine 
náhere Begrůndune der von ihm unternommenen, in den folgenden Bláttern zuerst 
publicirten, Veránderungen im Systeme der Algen sowie der in diesem Werke ge- 
wáhlten Arten-Begrenzung vermieden. Aus demselben Grunde sind auch von álteren 
Synonymen im Nachstehenden nur die wichtigsten, speciell diejenigen aufgenommen 
worden, welche von álteren bohmischen Botanikern gebraucht wurden und unter 
welchen auch die von diesen gesammelten bóhmischen Algen in den vorherange- 
fůhrten botanischen Schriften oder als Exsiccata in verschiedenen Sammlungen ent- 
halten sind. Die meisten álteren Synonymen, sowie die, die in diesem Werke 
angefůhrte Species, Gattungen ete. betreffende Literatur ist in den vorher ge- 


!) Die Algenflora des mittleren Tneiles von Franken von P. Reinsch, Nůrnbere 1867. 

*) Algenflora von Schlesien, Breslau, 1878 und Beitráge zur Algenflora von Wůrtemberg, 
1880, von Dr. O. Kirchner. 

9) British freshwater algae ete. von M. C. Cooke, London, 1882—84. 


bl 


nannten algologischen Werken, insbesondere in den Kůtzine'schen und Rabenhorst'- 
schen, verzeichnet. 

In der Nomenklatur wurde nach den „lois de la nomenclature botanigue“ 
die Prioritát, so viel als moglich, gewahrt. Auch von den Abbildungen werden im 
Folgenden nur die gelungensten citirt und zwar wurden der Kůrze halber blos die 
Nummern der Tafeln angefůhrt, an welchen die betreffenden Abbildungen leicht zu 
finden sind. Die dabei gebrauchten Abkůrzungen werden im zweiten Theile dieses 
Prodromus in dem Verzeichnisse aller in diesem Werke gebrauchten sachlichen 
Abbreviaturen erklárt; zueleich wird dieser zweite Theil auch ein Verzeichniss 
der abgekůrzten Autoren-Namen, nebst einem Literatur-Verzeichniss, einem Resumé, 
einem Hilfschlůssel zum leichteren Auffinden der Gattungen, den nothigen Registern 
und Nachtrágen enthalten. 

In Bezug auf die in diesem Werke abgebildeten Algenarten sei blos bemerkt, 
dass diese stets als Gattungs-Reprásentanten betrachtet werden kónnen; aus áusseren 
Grůnden musste auf die Abbildung einer grósseren Anzahl von Arten aus einer 
und derselben Gattung sowie auf Illustrationen von rein anatomischen Merkmalen 
verzichtet werden. 


Die Mehrzahl der Algen ist in Bezug auf ihre Entwicklung, wie die meisten 
Phanerogamen und die hóheren Kryptogamen an gewisse klimatische, physikalische 
und chemsche Bedingungen gebunden, so dass einige Algen nur an der Luft, der 
úberwiegend grósste Theil aber nur im Wasser vegetiren kann. 

Die an der Luft lebenden Algen*) findet man vorzůglich auf feuchter, 
nackter oder bemooster Erde, an feuchten Mauern, Šteinen, Wánden, Hólzern, 
Báumen, Dachrinnen, Pumpenrohren, Wassertrógen, auf nassen, moorigen Wiesen, 
in feuchten Wáldern, Waldoráben, an feuchten, schattigen Felswánden, Felsen, in 
Schlůchten, Hóhlen, in der Náhe von Wasserfállen, in warmen und kalten Auellen 
ete. Nur wenige von diesen an der Luft lebenden Algen-Arten wachsen an trockenen 
Steinen, Baumrinden, Mauern, Brettern u. a. Die meisten findet man aber an 
solchen Stellen, an welchen sie wenigstens zeitweise von Wasser bespůlt werden; 
so an Flussufern, am Rande der Teiche, Wassergráben, Báche, Guellen, Brunnen 
und a. Einige an der Luft lebende Algen kónnen zwar eine Zeit lang auch im 
Wasser leben und umgekehrt, doch kann man sie im Ganzen nicht fůr echte 
amphibienartige Gewáchse halten (mit Ausnahme einiger einzelligen Algen und 
Oscillarien). 

Sowohl die an der Luft, wie die im Wasser lebenden, in Bohmen verbreiteten 
Algen zeigen in der Art ihres Vorkommens. oft auffallende Unterschiede.  Einige 


1) Von den an der Luft lebenden Algenarten nehmen fůr sich ein besonderes Interesse 
insbesondere diejenigen in Anspruch, welche durch ihre eigenthůmlichen Vereinigung (Symbiose) 
mit den flechtenbildenden Pilzen die an der Luft lebenden Flechten darstellen. Es sind dies von 
den chlorophyllgrůnen Algen namentlich einige Arten von Protococeus Ktz., Pleurococeus Menegh., 
Stichococeus Nás., Dactylothece Lagerh., Dactylococcus Nág., Hormidium Ktz., Trentepohlia Mart.; 
von den blaugrůnen Algen einige Arten von Chroococeus Nás., Gloeocapsa (Ktz.) Nás., Aphano- 
capsa Nás., Lyngbya Ag., Nostoc Vauch., Scytonema Ag., Calothrix Ag. und Stigonema Ag. 


P- 


12 


von ihnen scheinen wahre Kosmopoliten zu sein und treten unter allen Verháltnissen 
auf, andere kommen aber blos an solchen Stellen vor, wo der Boden oder das 
Wasser bestimmte, physikalische und chemische Beschaffenheit besitzt. 

Zu solchen, durch ihre eigenthůmliche Abhángickeit von áusseren Einflůssen 
bemerkenswerthen, Algen gehóren insbesondere die an den warmen Auellen in Bohmen 
und zwar in Carlsbad, und in Teplitz vorkommden Thermalalgen sowie die bei den 
Ausflůssen des warmen Wassers aus verschiedenen Fabriken bei Prag, Kralup, 
Kolín, Leitmeritz und Kónigerátz vom Verfasser beobachteten thermophilen Algen") 
und nicht minder die in den Salzwasser-Sůmpfen und an ihrem Rande bei Aužic 
náchst Kralup, bei Půllna und Saidschitz náchst Brůx und bei der DBitterwasser- 
guelle (vorzůglich in dem Abzuesgraben „dieser Auelle) bei Čížkowic náchst Lo- 
bositz spárlich verbreiteten salinen Algenarten. 


Was nun die Standorte der Wasseralgen im Allgemeinen betrifft, so lebt 
die Mehrzahl von ihnen in klarem, sissem Wasser, nur einige Wasseralgen Bohmens 
kommen aber, wie schon angedeutet worden ist, auch in salzigem, eisenhaltigem 
oder viel organische Substanzen enthaltendem Wasser vor. Viele von diesen Algen 
findet man blos in schnell fliessendem, klarem Wasser (z. B. in Auellen, Gebirgs- 
báchen und Katarakten), andere wieder in stillen, stagnierenden Gewássern; manche 
leben nur im warmen, andere wieder in kaltem Wasser.  Doch enthált fast jede 
Lache, jeder Teich, verschiedene Wassergráben, Tiimpel, Sůmpfe, Seen, Moore, 
Báche ete. ihre eigene Algenvegetation oder doch einzelne diese Localitáten cha- 
rakterisirende Species. 

Das Sammeln der Algen ist an keine Jahreszeit gebunden; in jeder kommen 
an verschiedenen, ofters aber auch an einer und derselben Lokalitát verschiedene 
Algenarten oder doch verschiedene Entwicklungsstadien einer und derselben Algen- 
art vor. Eine grosse Anzahl der úberall in Bóhmen verbreiteten Algenarten kann 
man zu jeden Jahreszeit beobachten, manche Algen-Species sind aber wie auch aus 
dem Nachfolgenden ersichtlich wird nicht nur an die Jahreszeiten gebunden, son- 
dern erscheinen manchmal ebenso unerwartet, als sie wieder verschwinden. 

Einige Algenarten treten schon zeitlich im Frůhjahre auf, die meisten im 
Hochsommer; viele Algenspecies vegetiren und fruktificiren noch im Herbste, einige 
selbst noch im Winter. | 


Wie in der freien Natur, so kann man sich auch an den im Zimmer cul- 
tivirten Algen leicht úberzeugen, dass manche Algenarten, trotzdem sie durch ihre 
feine Structur zur Úberwinterung wenig geeignet zu sein scheinen, dennoch selbst 
die strengste Winterkálte ertragen kónnen. So hat z. B. der Verfasser die meisten, 
am Rande der Salzwassersůmpfen bei Oužic náchst Kralup vorkommenden, blau- 
grůnen Algen noch Mitte December 1884 nach starken Frósten unter der Schnee- 
decke práchtig vegetirend angetroffen und in grosser Menge gesammelt; dacegen 
fand er die meisten daselbst im Wasser lebenden chlorophyllgrůnen Algen durch 
die Winterkálte gánzlich zerstórt (er fand blos ihre úberwinternden Keime am 
Grunde dieser salzigen Gewisser vor).  Aehnliche Wahrnehmungen hat der Ver- 


») Slehe meine Abhandlung „Beitráge zur Kenntniss der bohmischen Thermalalgenflora“. 
Oster. botan. Zeitschrift, 1884. 


13 


fasser auch an vielen anderen Štandorten gemacht und elaubt, dass die an der 
Luft vegetirenden Algen, insbesondere die blaugrůnen, gróssere Kálte leichter ver- 
tragen kónnen, als die gegen Temperaturveránderungen meist viel empfindlicheren, 
im Wasser lebenden Algen (insbesondere die chlorophyllerůnen). Zu hnlichen 
Resultaten kann man auch gelangen, wenn man verschiedene im Zimmer cultivirte 
chlorophyllerůne und blaugrůne Algen einigemal gánzlich einfrieren lásst; man wird 
finden, dass einzelne von den eingefrorenen Algenarten, nach dem das Eis wieder 
geschmolzen ist, im Eiswasser weiter vegetiren kónnen. Am wenigsten scheinen 
unter den, im Wasser lebenden, Chlorophyceen durch die Kálte angeoriffen zu werden 
die gemeinen Cladophoren-, Conferva-, Rhizoclonium-, Zygnema-, Mesocarpus-, Spi- 
rogyra-, Vaucheria- und einige andere meist gemeine Wasseralgen-Arten. 

Bei den meisten, im Wasser lebenden, selteneren Algenarten úben aber die 
Temperaturdifferenzen des sie umgebenden Mediums einen bedeutenden Einfluss auf 
ihr ganzes Leben (Keimen, Fructificiren etc.) aus. Nicht minder scheint aber auch 
das Licht, ohne welches keine Alge zu leben vermag, auf die Entwickelung und 
geographische Verbreitung der Algen Einfluss zu haben. Auch bei den im Wasser 
und am Lande lebenden Algen sind einige mehr schatten-, die meisten aber sonnen- 
liebend. Wie sehr das Licht auch die Erzeugung und Bewegung der Zoosporen 
und andere Lebensfunctionen vieler Algenarten beeinflusst, ist wohl bekannt und 
kann an diesem Orte nicht náher besprochen werden. 

Wie in kůnstlichen Aguarien, so kann man auch in der Natur ofters be- 
obachten, dass einzelne Algenarten kaum eine Dauer von einigen Wochen haben 
und rasch fast ohne Spur wieder verschwinden, entweder in Folge chemischer, phy- 
sikalischer u. a. Einflůsse oder durch das Úberhandnehmen anderen Algen-Arten. 
Die an einer Lokalitát ursprůnglich vorkommenden Algen-Arten werden ofters durch 
andere massenhaft auftretende gánzlich verdránet und ersetzt und es kann der 
Charakter der Algenflora einer und derselben Lokalitát binnen einer einzigen Ve- 
getationsperiode sich einigemal mehr oder weniger, seltener aber auch gánzlich 
verándern ohne dass man die Ursache dieser Veránderungen, <ut ermitteln, resp. 
das oft ganz plótzliche und massenhafte Auftreten sowie das ebenso schnelle Ver- 
schwinden vieler Algen genůgend aufkláren kónnte. 

Was die in diesem Werke bei jeder einzelnen Species angefihrten Stand- 
orte betrifft, so sei hier noch hervorgehoben, dass diesen bei weitem nicht derselbe 
Werth gebihrt, wie den Standortsangaben fůr die Gefásspflanzen eines Lokalgebietes 
und zwar hauptsáchlich wegen der grossen Veránderlichkeit der Standorte der mi- 
kroskopisch kleinen, insbesondere der im Wasser lebenden Algenarten. 

Viele Wassergráben, Tiimpel u. a. kleine, stagnierende Gewásser, in welchen 
z. B. im Frůhjahre eine schóne Algenflora sich entwickelt, findet man oft im Hoch- 
sommer gánzlich oder doch theilweise ausgetrocknet und ohne die schónsten Ver- 
treter der Frůhjahrsflora. Auch die willkůrlichen und absichtlichen Veránderungen, 
welche an den Alcenstandorten durch die Hand des Menschen so oft durchgefůhrt 
werden, haben nicht selten eine partielle oder gánzliche Ausrottung der ursprůng- 
lichen, lokalen Algenflora zur Folge. 

Durch natůrliche oder kiůnstliche, theilweise oder gánzliche Austrocknung 
der ursprůnglichen Standorte vieler Wasseralgen werden aber nicht alle Veránde- 
rungen in dem Charakter einer Localalgenflora hervorgerufen, auch die klimatischen 


14 


und chemischen Einflůsse spielen dabei eine sehr wichtige Rolle. Indessen muss 
bemerkt werden, dass auch hier noch so Manches zur Zeit ráthselhaft ist und dass 
uns noch diesbezůgliche, durch das ganze Jahr fortgesetzte Beobachtungen, insbe- 
sondere was die Abhángigkeit einzelner Algenarten von den klimatischen Bedin- 
cungen und der Temperatur des Mediums, in dem diese leben, anbelangt, fehlen. 


Bei der nun folgenden systematischen Eintheilung der Algen in Klassen, 
Ordnungen, Gruppen ete. sind im Hinblick auf den náchsten Zweck dieses Pro- 
dromus der in Boóhmen verbreiteten Algen nur die wichtigsten morphologischen 
und entwickelunesgeschichtlichen Merkmale berůcksichtiet worden und es hat sich 
der Verfasser bei der Charakteristik der Ordnungen, Familien und Gattungen nur 
auf das Wesentlichste, was zum Verstándnisse der Arten-Beschreibungen unumeánolich 
nothig ist, beschránken můssen. Auch die Beschreibungen der Algen-Arten sind nicht 
ausfůhrlicher, als gerade zum Bestimmen der betreffenden Algen erforderlich ist. 


Einen detaillirten Úberblick ber die morphologischen, physiologischen und 
entwickelungsgeschichtlichen Verháltnisse der in Bóhmen vorkommenden Algen 
findet der sich darum interessirende Leser z. B. in jedem grósseren Hand- und 
Lehrbuch der Botanik, in der Encyklopádie der Naturwissenschaften, Breslau 1881, 
in Kirchners „Algen von Schlesien“, Breslau 1878, in Oersteďs „System der Pilze, 
Algen ete., Leipzig 1883, in zahllosen, in verschiedenen botanischen Werken und 
Zeitschriften zerstreuten algologischen Abhandlungen.") 


Die Belege fůr die in diesem Prodromus angefihrten Algenspecies und 
Fundorte finden sich gróssten Theils in der Privatsammlune des Verfassers,*) zum 
Theile auch in dem Herbarium des National-Museums in Prag. Eine gróssere 
Anzahl der von einigen álteren Botanikern in Bóhmen gesammelten, selteneren 
Algenarten wurde auch in den Exsiccaten-Sammlungen Rabenhorsts: „Die Algen 
Sachsens resp. Mitteleuropas“ und „Die Algen Europas“ ausgegeben. Vom Ver- 
fasser dieses Werkes sind auch einige, insbesondere die von ihm in Bóhmen ent- 
deckten, als neue Species beschriebenen Algen in áhnlichen, soeben erscheinenden 
Sammlungen des H. Prof. Dr. Wittrock's und Dr. O. Nordstedts „Algae aguae 
dulcis exsiccatae“, Fase. 14 und folgende und des Prof. Dr. A. Kerner's „Flora 
exsiccata austrohungarica“, Theil IV und folgende mitgetheilt worden. 


Was nun das Sammeln und Prápariren der in Bohmen verbreiteten Algen betrifft, so 
sei uns erlaubt hier blos Folgendes darůber anzufůhren.*) 


1) Die meisten dieser Abhandlungen und Schriften werden im zweiten Theile dieses Pro- 
dromus der Algenflora Bohmens in dem Literatur-Verzeichniss dem Titel nach citirt werden. 

2) In dieser Sammlung sind alle in diesem Werke mit ! bezeichneten Alcenarten ver- 
treten und zwar die selteneren von allen, die weniger seltenen von vielen in verschiedenen Ge- 
genden Bohmens liegenden, in diesem Prodromus angefůhrten Localitáten. 

5) Da der Verfasser im Nachfolgenden blos das Nothigste úber das Einsammeln und 
Prápariren der Algen — mit Benůtzung dessen, was Dr. F. Hauck in seiner Schrift „Die Meeresalgen 
Deutschlands und Ósterreichs, 1885 p. 2.u. f“ darůber geschrieben — angefůhrt hat, so erlaubt er 


15 


Beim Sammeln der Algen beachte man stets, dass die Algen woměglich in vollstándigen 
Exemplaren, die festsitzenden also auch mit ihren Haftorganen, gesammelt werden. Sollten die 
— Algen dem Substrat zu fest aufsitzen, so muss man ein Stůck desselben mit ablósen, was na- 
mentlich von allen haut- und krustenartigen und jenen oilt, die schleimige Ueberzůge auf Felsen, 
Mauern, Hóolzern u. a. bilden. Man bedient sich dazu des Messers, bei Steinen des Meisels oder 
auch eines Hammers, wie ihn die Geologen brauchen. Findet man eine Algenart gut entwickelt 
in grósserer Menge, so sammle man von der vollkommen entwickelten Form recht zahlreiche, 
vollkommen entwickelte Exemplare, richte aber auch sein Augenmerk auf die halbentwickelten und 
fast úberstándigen Formen, die sich háufig nicht weit von einander finden. Abgesehen davon, dass 
sich wegen ungůnstiger Witterungsverháltnisse oft nicht leicht wieder die Gelegenheit bietet, die 
oleiche Alge auf demselben Standorte ebenso entwickelt zu sammeln, zudem manche Algen mit- 


- unter ihren Standort wechseln oder auf lángere Zeit (fůr Jahre) verschwinden: so wird man nur 


bei einer grósseren Individuenzahl den Formen- und Entwicklungskreis der Art kennen lernen; 
auch findet man unter vielen Individuen fast immer solche, die fruktificiren, oder andere, auf 
denen selbst wieder kleinere Algen leben. Nicht selten trifft es sich auch, das bei náherer Unter- 
suchung, die an Ort und Stelle nicht gut vorgenommen werden kann, unter der vermeintlichen 
einen Art zwei oder mehrere verschiedene Algenarten sich befinden, da viele Algen im Habitus 
einander eoleichen. 

Die gesammelten Algen sollen wo měglich lebend mikroskopisch untersucht werden; da 
dies aber nicht immer měoglich ist, die Algen aber sobald sie dem Wasser entnommen, bald ver- 
trocknen, oder sich zersetzen, so muss man verschiedene Methoden anwenden, um sie fůr eine 
spátere Untersuchung im brauchbaren Zustande aufzubewahren. In jedem Falle můssen aber die 
frisch gesammelten Algen sobald als měglich práparirt werden. Man kann sie theils in Gefássen 
mit Wasser nach Hause transportiren, wobei man stets die kleineren und zarteren Algen von den 
grósseren und robusteren separiren soll; beguemer und in vielen Fállen besser ist es aber, die 
Algen sofort an Ort und Stelle von Sand und Schlamm durch sehr vorsichtiges Ausfláthen zu 
reinigen, von dem abfliessenden Wasser.zu befreien und dann erst die einzelnen Arten gesondert 
in geleimtes Papier oder noch besser in Leinenlappen einzuwickeln. Diese Páckchen kann man 
dann zusammen in ein feuchtes Tuch einschlagen oder in einem Kautchuksack vut transportiren. 


Von allen gesammelten grósseren Algen-Arten versáume man nicht einige Exemplare 
oder von allzu grossen Alcen charakteristische, namentlich fruktificirende, Stůcke derselbem in 
gewóhnlichem (eventuell absolutem) Alkohol aufzubewahren, in welchen die Algen aber noch in 
ganz frischem Zustande gebracht werden můssen. Solche Alkoholexemplare bilden dann zugleich 
mit guten mikroskopischen Práparaten das schátzbarste Material fůr viele spátere Untersuchungen. 

Will man die Algen fůr die Sammlung prápariren, so verfáhrt man auf folgende Weise: 
Alle gallert- und krustenartigen Algen, die man mit einem Stůcke Unterlage abgelóst hat, trocknet 
man einfach an der Luft oder, wo es angeht, zwischen Fliesspapier und bewahrt sie dann in 
Scháchtelchen oder weithalsigen Fláschen, kleinere auch in Papierkapseln auf. Viele Algen kónnen 
auch auf Papierblátter unter Wasser aufgelegt und dann zuerst an der Luft, spáter auch zwischen 
Fliesspapier getrocknet werden. 

Was das Aufziehen der Algen auf Papier im Wasser betrifít, so geschieht es in der 
Art, dass man der in einem entsprechend grossen Gefásse schwimmenden Alge ein grósseres weisses, 
starkes, gut geleimtes, ziemlich olattes Papier unterschiebt und sie nun auf diesem allenfalls mit 
Hůlfe einer stumpfen Nadel oder eines áhnlichen Apparates so ausbreitet, dass sie zwar ihre 
natůrlichen Richtungen beibehált, die Verzweigungcen aber leicht und deutlich erkannt werden 
kónnen. Dann hebt man das Papier und die Alge vorsichtig aus dem Wasser, lásst dasselbe gut 
abrinnen und die Alge an der Luft ein wenig trocknen; schliesslich presst man die so auf- 
gezogene Alge unter leichtem Drucke zwischen Lagen von gutem, glattem Fliesspapier, welches 
oft, namentlich anfangs, gewechselt werden muss. Da aber die gallertartigen schlůpfrigen, frisch 


sich zugleich zu bemerken, dass der mit dem Einsammeln, Autbewahren, Prápariren etc. der Algen 
weniger befreundete Leser die nothige Anleitung zum Algenstudium, Algensammeln etc. in ver- 
schiedenen álteren algologischen Handbůchern, z. B. auch in F. T. Kůtzino's „Phycologia germa- 
nica, 1845“ finden kann. 


16 


aufoezogenen Algen am Fliesspapiere kleben bleiben wůrden, wenn man sie ohne Weiteres zwischen © 


dieses bráchte, so muss man solche Exemplare frůher an der Luft gut trocknen lassen und sie 
erst dann zwischen feuchten Lagen von Fliesspapier pressen, wenn sie nicht mehr weich und 
klebrig sind, damit das als ihre Unterlage dienende Papier, welches beim Trocknen solcher Algen 
meist mehr oder weniger faltig wird, wieder olatt und gerade gemacht werde. Sehr zarte namentlich 
gallertartige Algen kann man auch auf Glimmerbláttehen aufziehen, die unbedingt den schweren, 
zerbrechlichen und unbeguemen Glastáfelchen vorzuziehen sind, und trocknet sie nachher ebenfalls 
an der Luft; wo dies thunlich ist, kann man vorher noch von solchen, viel Wasser enthaltenden 
Algen das anhángende Wasser vorsichtig mittelst eines feuchten Pinsels entfernen, damit sie 
schneller trocknen und an ihre Unterlage sich fest ankleben. 

Zum Pressen der auf Papier aufgezogenen Alsen genůgen zwei Breter, zwischen welchen 
die Fliesspapierlagen mit den Algen gebracht werden. Will man den Druck verstárken, so kann 
dies durch vorsichtiges Beschweren geschehen (allenfalls durch Auflegen von leichten Ziegeln, die 
man der Reinlichkeit halber in Papier einschlávt). Auch die sogenannten Drahtmappen, deren 
Eisenbestandtheile jedoch verzinnt oder gut lackirt sein sollen, erweisen sich zum Pressen der 
Algen besonders auf Reisen sehr praktisch. Ks sei aber nochmals bemerkt, dass die Algen nur 
schwach gepresst werden diůrfen, denn durch zu starken Druck werden dieselben ofters ganz zer- 
guetscht und sind fůr spátere Untersuchungen fast unbrauchbar. 

Von mikroskopischen Algen fertigt man am besten mikroskopische Dauerpráparate auf 
die gewóhnliche Weise an. Als Einlegeflůssigkeit benutzt man theils reines Glycerin, theils Gelatin- 
olycerin (nach Nordstedt's Vorschrift) auch Mischung von Wasser und Glycerin, welches durch 
Chromalaun schwach gefárbt ist (nach Bornets Vorschrift). In der letzteren behalten die frisch 
práparirten Rhodophyceen ihre natůrliche Farbe; auch die úbrigen Algen halten sich darin sehr 
gut. Bei vielen namentlich niederen Algen und den Phaeophyceen empfichlt es sich auch die- 
selben kurze Zeit mit einer 1%, Lósung von Ueberosmiumsáure in Wasser zu behandeln, dann 
mit reinem Wasser oder Alkohol auszuwaschen, bevor sie in die Einlegeflůssigkeit, die dann nur 
aus verdůnntem Glycerin zu bestehen braucht, gebracht werden. 

Auch eine wásserige Auflósune von Chlorkalcium ist in manchen Fállen zum Einlegen 
der Algenpráparate zu empfehlen.") 

Schliesslich sei noch bemerkt, dass zum Studium der Algen ein gutes Mikroskop unum- 
gánolich něthig ist, eine gute Lupe ist blos zur oberfláchlichen Untersuchung grósserer Algen 
hinreichend. 


) Mehr úber die Anfertigung von mikroskopischen Algen-Dauerpráparaten siehe z. B. 
in Prof. Dr. O. Kirchner's „Die mikroskopische Planzenwelt des Sůsswassers“, 1885, in Poulsen's 
„Botanische Mikrochemie“ 1881 und insbesondere in Prof. Dr. E. Strasburger's Werke „Das bo- 
tanische Prakticum“, 1884 u. a. In dem zuerst genannten Kirchner's Werke findet auch der Anfánger, 
der noch wenig Úbuno im Suchen, Cultiviren ete. der Algen hat, die něthige Belehrung darůber. 
Úber das Prápariren der Algen auf Reisen siehe Flahault's „Récolte et préparation des algues 
en voyage“ 1885, 


Sůsswasseralcen Bóohmens. 
[exl. Bacillariaceen (Diatomaceen)|. 


Úbersicht der Klassen, 


I. Klasse. Rhodophyceae. 

Algen, die in dem Plasma ihrer Zellen einen dem Chlorophyll beigemengten und 
dasselbe úberdeckenden rothen oder violletten Farbstoff (Rhodophyll, Phycočrythrin, Phy- 
cochrom) enthalten. 


II. Klasse.  Phaeophyceae. 
Algen, die in dem Plasma ihrer Zellen einen dem Chlorophyll beigemengten und 
dieses úberdeckenden braunen Farbstoff (Phaeophyll, Phycophaein, pk zon enthalten. 


III. Klasse. Chlorophyceae. 
Algen, die in dem Plasma ihrer Zellen reines Chlorophyll enthalten, 


IV. Klasse. Cyanophyceae. 
Algen, die in dem Plasma ihrer Zellen einen dem Chlorophyll beigemengten und 
dieses úberdeckenden blaugrůnen Farbstoff (Kyanophyll, Phycochrom, Phycocyan) enthalten, 


I. Klasse.  Rhodophyceae. 


Rosen- oder purpurrothe, violette, stahlblaue, braune oder schwárzlich violette, 
seltener fast spangrůne, einen rothen oder violetten Farbstoff (Rhodophyll, Phycočrythrin, 
Phycochrom) enthaltende Algen. 


I. Ordnung. Florideae. 


Der Thallus der Sůsswasser-Florideen ist vielzellig, meist von complicirtem Bau, 
entweder haut- oder krustenartig und dem Substrate mit seiner Unterseite ganz ange- 
wachsen (Hildenbrandtia) oder fadenfórmig; die Thallusfáden sind einfach oder verzweigt, 
knorpelig und fast borstenfórmig, aufrecht wachsend und blos an der Basis dem Substrat 
mittelst eines scheibenformigen Rhizoides anhaftend (Lemanea) oder mehr weniger gallert- 
artig und schleimig (Batrachospermum) oder seidenartig weich, seltener auch von Kohlen- 
saurem Kalke incrustirt (Chantransia) von rosen- bis purpurrother, rothbrauner, blau- bis 
schwárzlichgrůner, bráunlicher oder violetter (nie aber rein chlorophyll-grůner) Farbe. 

Im protoplasmatischen Zellinhalte dieser Algen sind besonders ausgeformte, meist 


- roth oder violett gefárbte Farbstofftráger (Erythrophoren) enthalten, deren rother Farb- 


2 


18 


stoff *) aus todten Pflanzen durch kaltes Wasser ausgezogen werden kann, wáhrend das 
in diesen enthaltene Chlorophyll im Wasser unlóslich ist (im Alkohol, Aether, Benzol 
u. a. dagegen lóslich). 

Die Fortpflanzungsorgane der Sůsswasser-Florideen sind: 1. die Antheridien und 
Cystocarpien als die Organe der geschlechtlichen, 2. die Tetrasporangien als Organe der 
ungeschlechtlichen Fortpflanzung. 


Die Antheridien entwickeln sich háufig áusserlich am Thallus und sind sehr kleine, 
kugelige oder lángliche, farbloses Plasma enthaltende Zellen, welche meist zu Gruppen 
oder Schichten 'vereinigt sind. Bei der Reife entleeren sie ihren Inhalt als einen be- 
wegungslosen, runden oder lánglichen Samenkorper, das Spermatozoid oder Spermatium. 
Die Cystocarpien und Tetrasporangien sind entweder in besonderen Hóhlungen (Concepta- 
keln) oder Beháltern eingesenkt oder sie entstehen áusserlich an dem Algenkůrper. 


Die Cystocarpien, welche das Produkt eines Geschlechtsaktes sind, entwickeln sich 
aus einer oder mehreren Zellen, welche das weibliche Organ vor der Befruchtung bilden 
und Procarpien genannt werden. An diesen Procarpien sind zu unterscheiden: 1. der 
Empfángnissapparat oder das Trichophor und 2. der Fruchtbildungsapparat oder das Car- 
pogon. Den wesentlichsten Theil des ersteren Apparates stellt die fadenfórmig verlángerte 
Trichogyne dar, mit der die Spermatien, welche durch das Wasser passiv zu den weiblichen 
Geschlechtsorganen getragen werden, verwachsen, um nach der Befruchtung der Tricho- 
gyne die Weiterentwicklune des Carpogons zu veranlassen. Unmittelbar nach der Befruchtung 
entwickeln sich aus den Carpogon-Zellen (allen oder nur einigen) geschlechtlich gebildete 
Fortpflanzungszellen, sog. Carposporen, ofters wachsen aber die carpogenen Zellen in 
zahlreiche Zellfáden aus, deren Gesammtheit den Kern (Nucleus) des Cystocarps bildet; 
erst nachher verwandeln sich alle, oder nur die áussersten Zellen des Kernes in Carpo- 
sporen. Der Kern ist entweder nackt oder von einer besonderen Hůlle, dem Pericarp, 
umgeben. Das Pericarp wird háufig aus dem Theile der áusseren Schichte des Thallus 
gebildet, welcher die junge Frucht bedeckt und mit dieser zugleich sich entwickelt, oder 
es bildet sich aus Adventivzweigen seltener auch aus Fáden, welche aus den Zellen des 
Procarps hervorwachsen. © Die Carposporen der Sůsswasser-Florideen sind gewóhnlich 
rundlich oder verkehrt eifórmig, ihr Plasma ist wie bei den Tetrasporen immer inten- 
sivgefárbt. 

Die Tetrasporangien sind meist von kugeliger ovaler oder cylindrischer Gestalt 
und entstehen aus gewóhnlichen vegetativen Zellen, indem dieselben anschwellen und ihr 
Plasma sich intensiver fárbt und spáter in vier (selten in mehr oder weniger) nackte, 
unbewegliche Tetrasporen zerfállt. 


Je nachdem Antheridien und Cystocarpien auf einem Individuum vereinigt oder 
getrennt auf verschiedenen vorkommen, unterscheidet man moněcische oder diócische 
Florideen; einige Species sind moněcisch und diócisch zugleich. Die Tetrasporangien 
kommen in der Regel nicht auf derselben Pflanze vor, auf welcher Antheridien und Cy- 
stocarpilen sich ausgebildet haben, sondern auf anderen Individuen; Ausnahmen davon 
sind selten. 

In unserem Gebiete kommen nur vier*“) Florideen-Gattungen vor, welche durch 
ihre Fárbung, Gestalt und Fortpflanzung sich leicht von allen anderen Algen und auch 


») Der rothbraune Farbstoff der meisten (marinen) Florideen, das Rhodophyll Cohn, 
besteht aus dem Chlorophyll und dem Phycoerythrin Cohn, welches weder dem Phycoerythrin 
Kůtzine == Rhodophyll Cohn, noch dem Phycoerythrin Nás. — der purpurnen Modification des 
Phycochroms, synonym ist. Nach Cohn (Beitráge zur Physiologie der Phycochromaceen und Flo- 
rideen, Archiv fůr mikros. Anat. 1867 pas. 57) enthalten folgende Sůsswasser-Florideen: Batra- 
chospermum, Chantransia, Lemanea und Bangia, statt dem Rhodophyll das Phycochrom, wie nicht 
nur die violetten und spangrůnen Farbentone dieser Algen, sondern auch die Extraction des 
blauen Farbstoffes (des Phycocyans Cohn) durch Wasser. beim Auftrocknen dieser Algen auf 
Papier beweist. 

2) Hóchst wahrscheinlich werden in Bohmen noch einige Formen von PBangia Lyngb., 


pš fůnften Florideen-Gattung, welche auch im sůssen Wasser ihre Reprásentanten hat, ent- 
deckt werden. 


| . 


Lermanea. ' 19 


von einander unterscheiden. Alle sind Wasserpflanzen, die meist in der Bergregion ver- 
: breitet sind (nur einige Chantransia- und Batrachospermum-Formen kommen áuch in der 
Ebene vor). 


L 


| berslcht der Familien der. Floridéen, 


| L. Familie. Lemaneaceae. 
Der Thallus besteht aus einfachen oder wenig verzweigten robusten, borstenartigen, 
steifen, im Inneru hohlen, meist in bestimmten Abstánden knotig verdickten Fáden von bráunlicher, 
| braunschwarzer, dunkel olivenerůner, seltener von dunkel bláulichoerůner oder schwárzlich vio- 
letter Farbe. 


II. Familie. Batrachospermaceae. 

Der Thallus besteht entweder aus wirtelig verzweigten, berindeten, sehr schlůpferigen, 
ziemlich robusten, rosenkranzfórmigen weichen Fáden (Batrachospermum) oder aus unberindeten, 
nicht wirtelig verzweigten, meist sehr feinen, kleine Bůschel darstellenden Gliederfáden ohne 
Schleimhůlle (Chantransia) ; Váden violett, purpurroth, bráunlich bis schwárzlich, stahlbraun oder 
blaugrůn gefárbt. 


III. Familie. Hildenbrandtiaceae. 
Der Thallus bildet haut- oder krustenartige, flach ausgebreitete, an die Unterlage mit 
der ganzen Unterfláche festgewachsene Úberzůge von rosen- oder purpurrother Farbe. 


I. Fam. Lemaneaceae. 


Der Thallus dieser Sůsswasseralgen besteht aus zwei habituell sehr verschiedenen 
Formen: 1. aus einer vorkeimartigen dem Protonema der Laubmoose analogen Prothal- 
lium-Form; *) 2. aus einfachen oder mehr weniger verzweigten, borstigen, im Innern 
hohlen, fruktificirenden Fáden, die in der Regel in kurzen Abstánden gelenkartig ange- 
schwollen und an diesen Gelenken mit einem Kranz von Papillen umgůrtet sind. 

Als Fortpflanzungsorgane dienen blos Procarpien und Antheridien (Tetraspor- 
angien fehlen). Die Procarpien entstehen im Innern, die Spermatien erzeugenden Zellen 
dagegen auf der Oberfláche des Thallus. Nach der Befruchtung entwickelt sich aus der 
Carpogonzelle der sehr lockere Nucleus, welcher in den freien Raum zwischen der Rinde 
und den axilen Zellstrang hineinrast. 

Aus den kettenfórmig gereihten, in Bůscheln beisammen stehenden Carposporen 
entstehen bei der Keimung Chantransia- hnliche Prothallien, an welchen sich einzeln 
oder zu mehreren seitliche heteromorphe fructificirende Aeste von complicirtem Bau 
entwickeln. 

Diese heteromorphen Aeste entwickeln an ihrer Basis Wurzelhaare und werden 
spáter selbststándig, wenn der kurzlebige Vorkeim abstirbt. Es erzeugt also jede Ge- 
schlechtspflanze sofort wieder Geschlechtspflanzen. Tetrasporen und andere ungeschlecht- 
liche Fortpflianzuneszellen fehlen den Lemaneaceen vollstándig und damit auch die Móg- 
lichkeit eines Generationswechsels.?) 


1. Gattung. Lemanea. Bory. 


Der Thallus besteht aus robusten, steifen, borstigen, einfachen oder verzweigten, 
in bestimmten Abstánden in der Regel gelenkartig verdickten Fáden, die zu grůsseren, 
bráunlichen, dunkel olivengrůnen bis schwarzvioletten, meist bůscheligen Rasen vereinigt 
sind. Die einzelnen borstenfórmigen, fructificirenden Fáden sitzen auf einem, dem blossen 
Auge kaum sichtbaren, aus feinen Fáden zusammengesetzten Gewebe (Prothallium), welches 
mit Haarwurzeln an der Unterlage befestigt ist und aus dem die Tráger der Geschlechts- 
organe sich entwickeln. 


1) Diese Form, von Širodot „thalle“ genannt, soll mit einigen Chantransia-Arten (Ch. 
violacea Ktz. und Ch. amethystea Ktz.) identisch sein; verel. Sirodot's „Observations sur le dé- 
vellopement des algues deau douce“ 1875, p. 16. 

2) Mehr úber die Entwicklung, Anatomie ete. der Lemaneaceen in Sirodot's „Etude sur 
la famille des Lemaneacées“, Annal. des scien. natur. XVI, 1872 Tab. 1—$. 

2% 


20 LDemanea. 


Die einfachen oder verzweigten' fruchtbaren Fáden bestehen aus einem soliden © 
cylindrischen Gewebekórper, in welchem spáter die áusseren Zelischichten durch radiale 
Streckune der darunter gelegenen Zellen von der centralen Zellreihe abgehoben werden, 
so dass die letztere schliesslich zum gróssten Theile frei als axiler Zellfaden den gallert- 
erfůllten Hohlraum durchláuft und jede ihrer langgestreckten Zellen nur durch einen 
Wirtel von radial verliángerten Zellen mit den abgehobenen Rindenschichten im Zusam- 
menhange steht. Die Rinde der Fáden besteht aus einem mehrschichtigen Mantel von 
Zellen, deren áusserste dicht zusammenschliessen. 

Die Procarpien entstehen meist aus den innersten Zellen der Rindenschicht, 
zwischen deren Zellen, die sich entwickelnden, keulenfórmigen Trichogynen sich ihren 
Wes nach aussen bahnen; zur Zeit der Geschlechtsreife ragen diese Trichogynen aus 
dem žusseren Rindengewebe heraus ins Wasser. 

Die Spermatien bilden sich in sehr grosser Anzahl an der Aussenseite der Fáden, 
und zwar an den Anschwellungen derselben, wo sie je eines in einer Spermatien-Mutter- 
zelle entstehen. Diese Mutterzellen úberziehen die Oberfláche der sgelenkfórmigen An- 
schwellungen, bald zu isolirten rundlichen Gruppen vereinigt, bald jn Form einer ge- 
schlossenen ringfórmigen Zone. 

Die Befruchtung kommt dadurch zu Stande, dass die Samenkorperchen, vom 
Wasser pássiv fortbewest, sich an die Trichogyne anlegen, mit ihr copuliren und ihren 
Inhalt an dieselbe abgeben.  Nach erfoloter Befruchtung der Trichogyne entwickelt sich 
auf den nach der inneren Hóhlune des Fadens gerichteten Sprossungen des Carpogons 
die Čarposporen. 

Aus. den keimenden Carposporen geht zuerst die vorkeimartige Thallusform 
hervor, welche mit der Ausbildung von heteromorphen fructificirenden Aesten ihren Ab- 
schluss findet. | 


1. Sect. Bulemanea (Sirod.) nob. Fructificirende Fáden gebogen, regelmássig 
knotenfórmig verdickt, so dass die Fáden trocken fast wellig gekerbt erscheinen, meist 
einfach oder nur wenig verzweist. Der axile Zellstrang noch von anderen spiralig um 
ihn herumgewickelten Zellfáden umsgeben. Das Prothallium ist reichlich verzweigt, aus- 
dauernd, 


1. L. annulata (Ktz.) Sirod. Tab. phycol. VII. T. 84. Fructificirende Fáden einfach, 
sehr selten verzweigt, schwarzviolett bis schwarzbraun gefárbt (auch trocken), einzeln 
oder zu 2—4, seltener in grósserer Anzahl geháuft, 8 bis 15 cm lang, meist 2 mm dick, 
zwischen den gelenkartigen Anschwellungen fast kegelfórmig eingeschnůrt. Antheridien in 
der Mitte der Anschwellungen ein vollstándiges ziemlich, breites Band bildend. 

In schnell fliessenden Báchen, unter Katarakten u. a. Prothallium (11—3), Be- 
fruchtung (1—3), Reife (5—6).*) Fructif. Fáden auch noch im August! 

Bisher nur bei Tabor unter dem Wasserfall „Pod skálou“ bei der stádt. Wasser- 
leitung spárlich !*) 

2. L. torulosa (Roth) Sirod. (Conferva torulosa Roth ex p.) Sirod. Leman. Tab. 1. 
Fructificirende Fáden dicht rasig, gebogen, meist einfach, seltener auch verzweigt, rigid, 
etwa 5 bis 8 em lang und 2 mm dick, olivenbraun, braungrůn bis dunkelbraun (auch 
trocken), durch wenig erhabene Knoten leicht wellig. Knotenfórmige Anschwellungen bloss 
an den Enden der Fáden deutlicher, ziemlich genáhert, nicht aus Papillen gebildet, sondern 
in einer gleichmássigen Verdickung bestehend, in deren Mitte die Antheridien ein un- 
regelmássiges, ofters unterbrochenes, schmales Band bilden. Prothallium etwa 3 mm im 
Durchmesser, bůschelig verzweigt. 

An úhnlichen Stellen wie die vor. Prothallium (1—3), Befruchtung (3—4), 
Reite (5—6). 

So bei Reichenberg von Menzel, Langer, als L. fuviatilis Ag. Mus!*) gesammelt. 


*) Die oben ancefůhrten Zahlen (1—12) bedeuten die Monate. 

*) ! bedeutet, dass der Autor dieses Prodromus die Algen an dem mit ! bezeichneten 
Standorte beobachtet und meist auch in grósserer Menge gesammelt hat. 

S) Vergl. Anmerkung 1) auf der náchsten Seite. 


Lemanea. 21 


i 2. Sect. Sacheria Sirod. Fructificirende Fáden gerade oder mehr weniger ge- 
| - bogen, cylindrisch meist borstenfórmig, mit weniger deutlich ausgebildeten, knotenformigen 
Anschwellungen, in der Regel 
verzweigt, seltener einfach. Der 
axile Zellstrang in den Fáden 
besteht nur aus einer einzigen 
Reihe von Zellen. Das Prothal- 
ltlum ist wenig verzweigt, bald 
absterbend. 


9. L. fuviatilis (L.) Ac. 
(Sacheria fuviatilis Sirod.) Le- 
man. P- 13" Tab. phycol. VII. 
T. 82. Fructificirende Fáden 
einfach oder wenig verzweigt, 
zlemlich dicht geháuft, schwarz- 
braun oder schwarzviolett (auch 

: trocken), gerade borstenfórmig, © 

Fig. 1. Lemanea torulosa (Roth.) (6 bis 16 em lang, seltener bei Fig. 2. Lemanea finviatilis 
Sirod. Zwei fructificirende Fáden sy; hs E (L.) Ag. Theil von einem 
mit kleinem Prothallium an ihrer. VOS Aussewachsenén xem- T zposdurchschnitte durch 
Basis. (Natůr. Grósse.) plaren auch noch lánger, unten © einen fructificirend. Faden. 

in ein viel důnneres, kaum 191% © Von der Basalzelle des Tri- 


dickes, Stielchen auslaufend, mit mehr oder weniger deutlich Chosyns dicht an der Rinde 
entspringt ein Bůschel Spo- 


| ausgeprágten, von einander ziemlich entfernten, knotenformigen von tragender Fáden. (Ver- 
Anschwellungen, welche in der Regel von drei regelmássig im gróssert 200mal.) 
Guirl stehenden, von Antheridien besetzten Papillen gebildet 

werden. Prothalliium etwa 2 mm im Durchmesser, wenig verzweist. 


D) tenuior Rbh. Fáden haarfórmig, etwa 1 mm dick, und bis 5 cm lang, mit 
wenig deutlichen Papillen und Stielchen. 

In schnell fliessenden Báchen und Flůssen, in Můhlgráben, unter Schleussen, 
in Katarakten u. a. auf Steinen, Hólzern u. a. festsitzend. © Nur im Vor- und Hoch- 
gebirge. Prothallium (11-—12); Befruchtung (1—3); Reife (5—1); fructiť. Fáden oft 
auch noch bis Ende October! 

So in einem Bache am Wege von Herrnskretschen gegen Prebischthor !; im Riesen- 
gebirge: im Aupafall (Corda Mus!),*) in einem Běchlein bei den Krausebauden, auch b!, 
in der Spindelmůhle mehrfach, insbesondere in dem Můhlgraben der sog. alten Spindel- 
můhle massenhaft und in prachvollen Exemplaren, auch in Báchen unter dem Pantsche- 
fall, meist mit Chantransia violacea Ktz. und oft mit Sphaeria Lemaneae Cohn besetzt! Im 
Bache Žernovník bei Eisenbrod spárlich, in der Desse besonders in den Dessewasserfállen 
bei Tannwald mehrfach in grósserer Menge! Bei Karlsbad in einem Můhlbache (Dědeček 
Mus.!) — Sůdbohmen : Im Bóhmerwalde in Bůchen am Wege von Eisenstein gegen den 
Arber mit Chantransia Hermanni! bei Hohenfurth mehrfach (insbesondere im sog. Ham- 
merleiterbach), in Báchen bei Rosenberg und Krummau spárlich! 


4. L. sudetica. Ktz. Tab. phycol. VII. T. 87. Rbh. Alg. exs. Nr. 40! Fructi- 
ficirende Fáden dicht rasig, 2 bis 9 cm lang, etwa 1 mm dick, mehr oder weniger gebogen, 
an der Basis dunkelbraun gefárbt und ziemlich fest, am oberen Ende olivengrůn (auch 
trocken) und weicher. Knotenfórmige Anschwellungen wenig erhaben, ziemlich von einander 
entfernt.  Antheridien tragende Papillen an den Fádén unregelmássig vertheilt. 

Wie die vorige, an Steinen u. a. (6—8). 

Im Riesengebirge bisher nur auf der schlesischen Seite auf Steinen in der Kochel 


1) Corda Mus. ! bedeutet, dass der Autor dieses Prodromus die von Corda an der oben 
angefůhrten Lokalitát gesammelte, im Herbarium des Nat. Museums in Prag aufbewahrte, Alge 


Povidirí hat. 


29 Batrachospermum. 


und im Kochelfalle (Kirch. Alg. p. 44.) auch im máhrischen Gesenke in der wilden Tess 
bei Reitenhau (Kalmus als L. torulosa Mus.!)*) 


II. Fam. Batrachospermaceae. 


"fo 


Der Thallus der Batrachospermeen ist fadenfórmig, gegliedert. Die Fáden sind. 
mehr oder weniger verzweigt, entweder blos aus einer Zellreihe bestehend und unberindet © 


oder von einer oder mehreren Zellschichten rindenartig bekleidet, mit unbegrenztem 
Spitzenwachsthum. 

Wie bei den Lemaneaceen so besteht auch bei den Batrachospermaceen der 
Thallus 1) aus einem Vorkeime und 2) aus der vollkommen entwickelten, geschlechtlich 
sich vermehrenden Form. 

Die vorkeimartige Thallusform soll nach Sirodot identisch sein mit den in der 
Gattung Chantransia angefůhrten Formen; dice geschlechtlich sich fortpflanzende Ent- 
wickelungsform ist mit den in der Gattung Batrachospermum beschriebenen © Arten 
identisch. © Cystocarpien und Tetrasporangien entstehen meist an der Spitze von Zweigen, 
áusserlich; ebenso die Spermatozoiden. 

Die Carposporen tragenden Zweigchen sind zu kugeligen dichten Bůscheln ver- 
einigt.  Aus den keimenden Carposporen der geschlechtlichen (Batrachospermum) Form 
entsteht zunáchst die vorkeimartige (Chantransia) Form, welche sich durch die in den 
Sporuliden gebildeten Sporulen vermehrend, eine unbegrenzte Zeit lang erhalten kann.*) 


2. Gatt. Batrachospermum Roth. 


Thallus aus gallertig schlůpferigen, rosenkranzfórmigen oder haarartigen weichen 
Fáden bestehend, welehe im Wasser zu ziemlich langen Bůscheln oder Rasen vereinigt sind. 

An den aus einer einfachen Reihe úbereinander gestellter, farbloser, cylindischer 
Zellen bestehenden Hauptachsen und Aesten stehen in regelmássicen Entfernungen GAuirle 
von einfachen oder gabelig getheilten Zweigen (Zellreihen), die bald mehr, bald weniger 
dichte Bůschel darstellen, welche dem blossen Auge als dunkle Knětchen erscheinen. 

Diese (Guirle entstehen an den Zellenden der Hauptachse und der Aestchen 
dadurch, dass sich durch Sprossung 5 bis 6 strahlig geordnete Fortsátze bilden, welche 
sich von der Mutterzelle abschliessen und durch neue Zellbildungen zu wiederholt dichotom 
getheilten Zweigen auswachsen. Von der Basis dieser Fortsátze (an den Basilarzellen 
der Aestchen) entspringen auch anders gestaltete (accessorische) Zweige, die senkrecht 
abwárts, gewóhnlich bis zum náchsten Auirle wachsend, sích an das Internodium der 
Hauptachse anlegen und dadurch an dieser eine Berindung von verschiedener Dicke bilden. 
Von den accessorischen Zweigen gehen oft wagerecht abstehende Verzweigungen, sog. In- 
terstitialzweige aus, welche den guirlstándigen gleich gestaltet sind; je zahlreicher diese 
Zweige vorhanden sind, desto důnner und undeutlicher werden die Auirle; fehlen die 
Interstitialzweige, so sind die Auirle deutlich und kráftig entwickelt. 

Organe der geschlechtlichen Fortpflanzung sind: 1) Carpogonien und 2) Antheridien. 


v) Einige von den in Bohmen bisher noch nicht beobachteten, Sirodot'schen Sacheria- 
Arten werden daselbst wahrscheinlich noch entdeckt werden; dasselbe gilt auch von den in Si- 
rodot's Abhandlung „Etude sur la famille des Lemanéacées“ beschriebenen und zum Theile auch 
abgebildeten Lemanea- (Eulemanea) Arten. 

2) Mehr úber die Anatomie, Entwickelung etc. der Batrachospermaccen siehe in Sirodot's 
Abhandluns „Observat. sur le dével. des algues compos. le genre Batrachospermum“, Bul. de la 
Soc. Bot. de France T. 22. 1875 und „Les Batrachospermes, organisation, fonctions, développement, 
classification“, 1884. Leider ist mir dieses leztere Werk blos aus den Recensionen in der Botan. 
Zeitung 1885 und in dem Journal of the royal micros. soc. 1885 bekannt geworden. Sirodot unter- 
scheidet neben der ungeschlechtlichen Chantransia-Form und der geschlechtlichen Batrachospermum- 
Form noch eine primordiale Form, welche er Prothallium nennt. Dieses Prothallium der Batracho- 
Spermeen, welches frůher von anderen Algologen nicht berůcksichtigt wurde, bildet důnnháutige 
Uberzůge auf Steinen etc. und kann sich auch durch Sporulen vermehren. Ob diese primordiale 
Horm von Batrachospermum mit den Chantransien zu vereinigen sei, wie der Ref. in der Botan. 
Zeitung meint, oder ob sie neben den Chántransia-Formen als eine besondere Form-Gattung in 
dem jetzt úblichen Algensysteme anzufůhren sei, ist noch eine offene Frage. 


Batraohospermum. 23 


+ 


Jene sind mit verschieden geformten Trichogynen versehen und erscheinen meist in den 
Zweigwirteln; diese entwickeln sich mitunter auch auf anderen Individuen und stehen an 
der Spitze der Auirlverzweigungen. 

Die Carposporen tragenden Zweigchen stehen dicht gedrinst in kugelie ge- 


— formten Bůscheln. 
b Aus den Carposporen entsteht bei der Keimung zunáchst ein Prothallium, welches 


in Gestalt manchen Chantransia-Arten gleichkommt *) und die Fihigkeit besitzt lángere 
oder kůrzere Zeit hindurch sich selbstándig wie diese durch ungeschlechtlich erzeuste 
Sporen fortzupflanzen. Einzelne Aeste dieser Chantransia-artigen Thallusformen entwickeln 

© sich unter gewissen Umstůnden frůher oder spáter in abweichender Weise, das heisst, es 

-© entstehen an ihnen wirtelstándige Verzweigungen, die axile zuerst unberindete Zellreihe 
wird berindet, und nachdem auch Antheridien und Cystocarpien sich an ihnen entwickelt 
haben, stellen sie diejenige Thallusform dar, auf welche frůher allein der Name Batra- 
chospermum boschránkt war.*) 

„ 5. B. moniliforme (L.) Roth. Bildet 2 cm bis fast 2 dm lange, mehr oder minder 
schlůpferige festsitzende Bůschel, von violetter, bráunlicher, schwárzlicher, purpurrother, 
selten blaugrůner Farbe mit deutlichen, fůr das 
blosse Auge als Knůtchen erscheinenden Zweig- 
wirteln, ohne oder mit sehr spárlichen Intersti- 
tialzweigen an den accessorischen Zweigen. 

Fáden in der Ausbildung der Schleim- 
hůlle, Lánge der Internodien, Stárke und Be- 
rindung der Hauptachse, der Verzweigungen, 
Lánge und Dicke der Zellen, Entwickelung der 
accessorischen Zweige und Zahl der Zweigwirtel 
sehr variirend. 

a) genutnum Krch. Tab. phycol. III 
T. 22.  Internodien berindet, ohne Interstitial- 


zweige. Zweigwirtel voll, deutlich von einander 26 
getrennt, Farbe bráunlich, schwárzlich oder dun- 
kelspangrůnlich. Fig. 3. Batrachospermum moniliforme Roth. 


b) pulchervímum Bory.  Internodien © Theil eines jungen verástelten Seitenzweiges, 


ies : i : welcher auf der linken Seite einen jungen 
dieser etwa 4 bis 9 cm. langen, violetten oder Přuchtkářper 1FNacN Stale 0 3005 


purpurfarbigen, .wenig verschleimten Form sind mal veror. 
fast unberindet und so lang, dass die kugeligen 
vollen Zweigwirtel an den Hauptásten ziemlich weit von einander abstehen. Interstitial- 


zweige sind nicht vorhanden. 
c) confusum (Hass.) Rbh. (B. confusum Hass, B. giganteum Ktz. Tab. phycol. III. 
T. 23.) Internodien dieser bis 1 dm langen, meist schón violetten, seltener ausgebleichten, 


1) Nach Sirodot sind die meisten in diesem Prodromus angefiihrten Chantransia-Arten als 
niedere Entwickelungsstufen von Batrachospermum zu betrachten. Wenn wir nun auch nicht den 
geringsten Zweifel hegen, dass ein genetischer Zusamenhang (ein vegetativer Sprosswechsel) zwischen 
den ungeschlechtlich sich fortpflanzenden Chantransia-Arten und den Geschlechtsorcane tragenden 
Batrachospermum- (zum Theile auch Lemanea-) Arten, wie es Sirodot annimt, wirklich existirt, so 
scheint es uns doch nicht nothig zu sein, in diesem Werke, in welchem wir die aus Bóhmen bisher 
bekannten Algenformen bloss auf analytischem Wege zu beschreiben suchen, unsere Chantransia- 
Arten, die sich in der freien Natur durch viele Generationen selbstándig zu erhalten und vegetativ 
durch ungeschlechtlich erzeuste Sporen (Sporuliden) fortzupflanzen vermógen und wie die Arten 
vieler anderer Algengattungen — von welchen auch durch directe Beobachtungen nachgewiesen 
wurde, dass sie blos gewisse Entwickelungszustánde anderer Algen sind — in Freiem sich lange Zeit 
(auch viele Jahre hindurch) constant erhalten kónnen, einzuziehen, resp. den einzelnen Batracho- 
spermum-Arten zu subordiniren. 

*) Die Entwickelung der Batrachospermum-Form aus dem chantransiaartigen Vorkeime 
ist am leichtesten bei einjáhrigen, schwieriger bei mehrjáhrigen Arten zu verfolgen. Wenn die 
chantransiaartige Thallusform sehr klein und leicht zu úbersehen ist, oder das Batrachospermum 
nur auf alten Axen derselben erscheint, nachdem der gesammte obere Theil ihrer Verzweigungen 
abgefallen ist, wird es ofters schwierie den genetischen Zusammenhang der beiden Entwickelungs- 
formen nachzuweisen, 


24 Batrachospermum — Chanbtransia. 


dichte Rasen bildenden Form sind verkůrzt, stark, berindet, robust, mit dicker Schleim- 
hůlle. Zweigwirtel sehr dicht, nahe an einander stehend, fast sich berůhrend. Interstitial- 
zweige vorhanden. 

d) atrum (Dillw.) Rbh. (Conferva atra Dillw., B. detersum Ktz. Tab. phycol. III. 
T. 22.) Internodien dieser dunkel-violetten, im getrockneten Zustande braunschwarzen, 
etwa 5 cm langen, haardůnnen, fast nackten Varietát sind sehr lang berindet, mit sehr 
kurzen (1 bis 2zelligen) Interstitialzweigen besetzt. Zweigwirtel sehr wenig entwickelt 
und von einander entfernt. 

In Báchen, Torfgráben, Auellen, Můhlgráben, Teichen u. a. in Bóhmen ziemlich 
verbreitet, meist in der montanen Region (7— O: 

a) Bei Prag mehrfach, auch in den Schanzgráben hinter dem gew. Kornthore 
(Čelakovský jun. u. a); bei Stiřín (Sýkora nach Opiz). In einem Brunnen bei Skvrnian 
und in der Auelle vor dem Weissen Berg náchst Pilsen (Hora, Flora von Pilsen p. 12); 
bei Wittingau, in einem Bache in der Náhe des Opatovicer Teiches! in dem Můhlteiche 
bei Neu-Straschitz, in einem Můhlbache bei Weisswasser, im Heideteich bei Hirschbercg! 
in einigen Báchen bei Hohenfurth und bei Rosenberg am Fusse des Bóhmerwaldes mehrfach ! 

b) bei Bóhm. Kamnitz (Hrabal Mus. als B. durum Ag.!); bei Leitomyschl (Kall- 
můnzer Mus. als B. moniliforme). 

c) bei Chvojno (Čeněk Mus. als B. moniliforme Ag.!), Reichenberg (Siegmund 
Mus. als B. moniliforme Roth!); bei Herrnskretschen gegen Prebischthor in einem Ge- 
birgsbache mit Lemanea fluviatilis und Chantransia Hermanni massenhaft!; im Riesen- 
gebirse bei der Spindelmůhle, unter dem Pantschefall u. a. in geringer Menge und in 
nicht allzusehr kráftigen Exemplaren (1883)! 

d) in einer Můhlschleusse bei Weisswasser bloss in starkstromendem Wasser, in 
langsamer flicssendem Wasser daselbst fand ich dagegen meist nur die typische Form (a). 


6. B. vagum (Roth) Ag.  Bildet 2 bis 12 cm lange meist schón spangrůne, 
dichotom verzweigte mehr oder minder schlůpferige Bůschel mit reichlich und zahlreich 
entwickelten Interstitialzweigen und weniger deutlichen Zweigwirteln. 

a) genutnum (Roth) Bory. Tab. phycol. HI. T. 25. Wittr. et Nordst. Alg. exs. 
Nr. 102! Hauptfáden dieser ziemlich kráftigen und schleimigen schón blaugrůnen oder gelb- 
bráunlichen Form tragen dicht gedránste Zweigwirtel und zahlreiche, meist dichotom ge- 
theilte Interstitialzweige. 

b) keratophytum (Bory) Sir. (B. vagum «) Suevorum Rbh. B. Suevorum Ktz. 
B. vagum (Roth) Ag. P) keratophytum (Bory) Sir. Wittr. et Nordst. Alg. exs. 103! Tab. 
phycol. III. T. 25.) Hauptfáden dieser minder kráftigen und weniger schleimigen, schón 
spangrůnen Form sind an der Basis schwárzlichgrůn und tragen deutlich von einander 
getrennte Zweigwirtel und einfache, ziemlich kurze Interstitialzweige. 

Bloss in torfigen Gewássern, in Torfgráben, Seen und deren Abflůssen, an im 
Wasser untercetauchten Steinen, Hólzern u. a. festsitzend (6—10). 

Bisher nur im Bohmerwalde von mir beobachtet, daselbst aber ziemlich háufig; 
so im Ausflusse des Schwarzen- und des Teufels-Sees recht zahlreich ! im grossen Arber- 
See sehr úppig und in úberaus grosser Menge! !) 


8. Gatt. Chantransia Fr.*) 


Der Thallus aus stahlblauen, róthlich-bráunlichen zu kleinen Bůscheln geháuften 
unberindeten Gliederfiden bestehend. Die weder Wirtel noch Berindune bildenden Fáden 
sind aus einer einfachen oder mehr weniger verzweigten Hauptachse und dieser oleichge- 
stalteten Aesten  zusammencesetzt, deren Endzellen háufie in ein farbloses, abfallendes 
Haar ausgehen. 


1) "Sirodot hat die hier angefůhrten zwei formreichen Batrachospermum-Arten nach der 
verschiedenen Form der Trichocyne in vier Sectionen und in 17 neue Arten vertheilt; siehe 
seine „Observations sur le développement des algues ďeau douce composant le genre Batracho- 
spermum“ D46: 

i 7) Dieim Meere lebenden Chantransia-Arten hat F. Hauck zu den Wrangeliaceen zugetheilt; 
stehe dessen Werk „Die Meeresalgen“ in Rabenhorsts Kryptogamenflora, 2. Auflage 1885 pas. 39. 


Chantransia. 25 


Ungeschlechtliche Vermehrung durch in Sporuliden gebildete Sporulen und durch 
Tetrasporen. 

7. (Ch. chalybea Fries.') Tab. phycol. V. T. 41. 
Rasen bis 10 mm lang, stahlblau, im Alter bráunlich, seltener 
nur 6 bis 8 m im Durchmesser, dunkel stahlblau an Moosen 
festsitzend (var. B) muscicola Ktz. Tab. phycol. V. T. 41), 
Fáden gerade, mit aufrechten meist straff angedrůckten Aestchen, 
zu bůscheligen Rasen geháuft, ofters auch concentrisch zu halb- 
kugeligen Ráschen vereinigt und zeichlicher verzweigt, (var. y) 
radians Ktz. Tab. phycol. V. T. 41.) Vegetative Zellen 6 bis 
12 u*) dick, 3 bis 6mal so lang als dick. Sporen-Háufchen 
auf den kurzen Seitenástchen. 

var. e) thermalis nob.*) Lager halbkugelig, fast erb- 
sengross von schwárzlich olivengrůner Farbe, meist seidenartig- 
olinzend (auch trocken); Chromatophoren olivengrůn (nicht 
violett) gefárbt; in Abflůssen von warmen Guellen, an inun- 
dirten Steinen, Hólzern etc. lebend. 

var. d) Leibletníi (Ktz.) Rbh. (Ch. Leibleinii Ktz. 
Tab. phycol. V. T. 42) Fáden zu halbkugeligen violett-stahl- 
blauen Bůscheln vereinigt, stark verzweigt; Zellen 13 bis 16 u 
dick, an der Basis der Fáden 3 bis 4mal, an der Spitze bloss 
2mal so lang als dick. 

In Auellen, Brunnen und in klaren Báchen, auf Steinen 
und Moosen festsitzend, meist in kaltem seltener in lauwarmem 
Wasser (var. e.) lebend, seltener auch auf áhnlichen blos zeit- 
weise inundirten Orten; in Bóhmen ziemlich verbreitet (5—10). 

So in Prag an Šteinen an dem St. Wenzels Brunnen 
im Katzengáschen (reichlich)! an der Pumpenróhre im botan. Fis. 4. Chantransia cha- 
Garten am Smichov (spárlich)! im Hirschgraben am Hradčín © Wbea Pries var. thermalis 
: : : k nob. Vom Ausfluss der 
in Prag (var. B. muscicola Ktz.), im (Yuellwasser bei Chuchelbad, © warmen Guelle in Johan- 
Kundratic und Radotín náchst Prag!; im Choteč-Thal, im | nisbad. Ein Seitenzweig 
Brunnen im Suchomaster Thal bei Kónigshof, bei Beraun, Ho- | mit drei jungen Sporan- 
řovic, Půrelitz, Rakonitz ; bei Bystřic, Stupčic, Olbramovic náchst © 8161; IA der oberen Hálíte 

: : : 0 ; vier vollkommen entwicklte 
Votic, Tabor, Veselí auch in der Lužnic! bei Gutwasser und Exemplare des Chamaesi- 
Podhrad náchst Budweis! bei Pisek in einem Wassergraben © phon gracilis Rbh. tragend. 
„pod Honzíčkem“, bei Wittingau (var. radians Ktz.) bei Při- (300mal vergr.) 
bram, Protivín, bei Krummau mehrfach, bei Ebenau und Tur- 
kovic náchst Krummau, Rosenberg, Hohenfurth mehrfach, auch im Ausflusse des Fisch- 
hofer Teiches; bei Rovné, unter dem Donnersberg náchst Raudnitz, in einem Brunnen 
und in dessen Abflusse bei Ctinoves náchst Raudnitz, bei Lobositz, Leitmeritz, Kožov 
náchst Laun! bei Kostelec a. E., Jung-Bunzlau, Bakov, Eisenbrod, Turnau, Tannwald; 
bei Weiswasser, bei Alt-Paka! und bei den Krausebauden im Riesengebirge! im Abfluss 
der warmen Badeguelle in Johannisbad massenhaft (var. e.)! an Můhlrádern bei Fugau 
(Karl var. O. Leibleinii (Ktz.) Rbh. als Ch. Leibleinii Ktz. Mus!) 


1) Hempel, welcher diese Chantransia-Art 4 Jahre hindurch cultivirte, fand, dass sie 
sich in ihrer Form unverándert erhalten hat und glaubt hiebei keinen Anhalt fůr die Meinung 
Sirodot's, dass zwischen Chantransien- und Batrachospermum-Arten ein genetischer Zusammenhang 
bestehe [Bot. Centralbl. 1882 I Auart. p. 212] gefunden zu haben. Auch meine diesbezůglichen 
Beobachtungen, welche ich seit mehr als vier Jahren an dieser Chantransia-Form angestellt habe 
(ich habe zu diesem Zwecke jáhrlich einigemal zwei Lokalitáten in Prag, wo diese Chantransia in 
grósserer Menge vorkommt, besucht, und das daselbst gesammelte Material makroskopisch und 
mikroskopisch untersucht) fůhrten zu dhnlichen Resultaten. Erst in Gebirgsbáchen (sowohl im 
Bohmerwalde wie im Riesengebirge) habe ich mich an lebenden Exemplaren úberzeust, dass die 
Chantransia-Formen mit den entsprechenden Batrachospermum-Arten im genetischen Connex stehen. 

2) u- 00001 mm = ein Mikromillimeter. 

3) Wird in der Flora exsiccata austro-hungarica des H. Prof. Dr. A. Kerner in Wien 
vertheilt werden. 


26 Chantransia — HXildenbrandtia. 


8. Ch. Hermanni (Roth) Desv. Tab. phycol. V. T. 43. Ráschen bis 6 mm hoch, 
blass purpurroth.  Aestchen aufrecht abstehend mit zugespitzten, oft in ein Haar aus- 
laufenden Endzellen. Vegetative Zellen 9 bis 12 u dick, 3 bis 5mal so lang. 

Wie vor. in Gebirgsbáchen meist an Šteinen, Felsen, Wassermoosen (Fontinalis 
und á.) festsitzend (6—10). 

So in der bohm. Schweiz bei Herrnskretschen und Prebischthor in Waldbáchen !. 
bei Fugau (Karl Rbh. Kryptfl. p. 256), im Riesen-Gebirge in der Oberen Hohen-Elbe 
gegen die Krausebauden zu!; bei Gutwasser náchst Budweis!, im Ausfluss des Schwarzen 
Sees! in einigen Báchen bei Eisenstein, am Spitzberg u. a. im Bóhmerwalde! 


9. Ch. violacea Ktz. Tab. phycol. V. T. 44. Ráschen 2 bis 3 mm hoch, rundlich 
oder polsterfórmig, lebhaft violett oder róthlich gefárbt. Aeste kurz, aufrecht abstehend, mit 
stumpfen Endzellen. Vegetative Zellen 8 bis 9 u dick, 2 bis 4mal so lang. 

Im hóheren Gebirge in Báchen, Wasserfállen, Můhleráben u. a. an Steinen, 
Hůlzern, Moosen und dfters an Lemanea fluviatilis und L. torulosa (6—-10). 

So im Bache Žernovník bei Eisenbrod mit Lemanea fluviatilis spárlich, in den 
Dessewasserfállen bei Tannwald reichlich; in einem Bache gegen Hofmannsbauden bei 
Johannisbad spárlich! im Riesengebirge bei den Krausebauden (spárlich), in dem Můhl- 
graben der sog. alten Spindelmůhle sehr reichlich, in Báchen unter dem Pantschefall und 
dem Elbfall! in einem Bache náchst Hohenfurth am Fusse des Bóhmerwaldes! 


10. Ch. pygmaea Ktz. Tab. phycol. V. T. 45. Ráschen 1 bis 3 mm hoch, 
rundlich, dunkel stahlblau, grůnlich oder róthlich, strahlie verbreitet, flach bis linsen- 
fórmie, Aestchen aufrecht abstehend mit abgerundeten Endzellen. Vegetative Zellen 11 
bis 14 u dick, 2 bis 3mal so lang. 

In schnell fliessendem reinem Wasser wie vorige auf Steinen, Holz und Moosen, 
meist nur in Gebirgsbáchen (6—10). 

So an Šteinen an einem PBrunnen in Chuchelbad náchst Prag, mit Chroococcus 
aurantiofuscus Ktz. (spárlich); auf Steinen in schnell fliessenden kleinen Báchen in Wich- 
stadtl und bei Kronstadt an der Adler háufig (!). Bei Fugau (Karl Rbh. Kryptfl. p. 257); 
unter dem Pantschefall im Riesengebirge! bei Gutwasser náchst Budweis! 


III. Fam. Hildenbrandtiaceae. 


Der Thallus ist háutie oder krustenfórmie auseebreitet mit der ganzen Unter- 
fliche der Unterlage fest angewachsen, aus kleinen fast kubischen oder kurz prismatischen 
Zellen bestehend, welche in vertikale Reihen geordnet sind. 

Tetrasporangien, in welchen die Tetrasporen entstehen, sind mit den Cystocarpien 
in rundlichen, nach aussen gečffneten Hóhlungen (Conceptakeln) unter der Oberfláche des 
Thallus eingesenkt. 

Cystocarpien sind ovale oder birnfórmige, fast kranzfórmig oder durch schiefe 
Ouerwánde unregelmássig in vier oder mehr Carposporen cgetheilte Zellkorper, die mit 
zahlreichen farblosen, unfruchtbaren Nebenfáden (Paraphysen) untermischt, in grósserer 
Anzahl aus der Wandung des Conceptakels gegen dessen Offnung convergirend, entspringen. 

Tetrasporangien sind in den Conceptakeln den Cystocarpien analog angeordnet 
und durch horizontale oder schiefe Ouerwinde regelmássig oder unregelmássig viertheilig, 
jedoch mit keinen Nebenfáden untermischt. 'Tetrasporen zu vier in einem Tetraspor- 
angium entstehend. 


4. Gatt. Hildenbrandtia Nardo. 


Der rosen- oder purpurrothe Algenkórper aus mehreren Schichten kleiner rund- 
licher oder eckiger Zellen gebildet. Tetrasporangien und Cystocarpien in urnenfórmigen 
Conceptakeln des Thallus, welche mit einer porenfórmigen Můndung versehen sind und 
sich von aussen als erhabene Pusteln zu erkennen geben. 

Sonstige Merkmale wie bei der Familie. 


Hildenbrandtia. | 27 


11. H. rivularis (Liebm.) J. Ag. Rbh. Alg. exs. Nr. 720 sub. nom. H. rosea 
Ktz. B. fuviatilis Bréb.! in Kerners „Flora exs. austro-hung. Nr. 1190 sub. nom. H. 
rosea Ktz.! Thallus důnnháutig oder krustenfórmig, platt angewachsen, unregelmássig 


Fig. 5. Hildenbrandtia rivularis (Liebm.) Fig.6. Ein Stůck vom Thallus derselben 
J. Ag. Von Eisenbrod. Vier kleine an Alge, von oben gesehen. (Etwa 500mal 
einem Kieselstein-Pruchstůck aufgewach- vergr.) 


sene Exemplare. (Nat. Grósse.) 


ausgebreitet, rosen- bis karminroth (auch trocken) an der Oberfláche aus parenchymatisch 
zusammengewachsenen Zellen gebildet. Vegetative Zellen eckig oder lánglich rund, 3 bis 
4 u seltener bis 6 u dick, 1 bis fast 2mal so lang, in vertikalen Zellenreihen geordnet, 
die sich durch Druck von einander separiren lassen. 

Antheridien lánglich cylindrisch, aus einer Oberfláchenzelle des Antheridien tra- 
genden Thallus zu 20 oder mehr sich entwickelnd, mit differencirtem Inhalte, aus welchem 
sich spáter 7 oder mehr, úber einander gereihte, fast kugelfórmige Spermatozoiden ent- 
wickeln, die durch Zerfallen der Mutterzelle frei werden.") 

In schnell fliessenden Gebirgsbáchen an Steinen, Hůólzern und Muscheln aufge- 
wachsen (6—10). 

Vollkommen entwickelte, den oben citirten ganz gleiche Exemplare fand ich 
bisher bloss bei Eisenbrod in einem kleinen Bache in der Náhe der Úberfuhr bei den 
Kalksteinbrůchen in nicht allzu grosser Menge! *) 


II. Klasse. Phaeophyceae (Melanophyceae). 


Olivenbraune, seltener olivengrůne Algen, welche in ihren Zellen einen, dem 
Chlorophyll beigemengten und dasselbe verdeckenden, braunen oder olivengrůnen Farb- 
stoff (Phaeophyll, Phycophaein, Phycoxanthin) enthalten, welcher aus todten Pflanzen zum 
Theile schon auch durch kaltes Wasser ausgezogen werden kann, wáhrend das in den 
Zellen enthaltene Chlorophyll im Wasser unlóslich ist. 


Úbersicht der Ordnungen, 


II. Ordnuno. Syngeneticae.*) 
Mehrzellige oder vielzellige, seltener auch einzellige (Chromophyton ex. p.) im entwickelten 
Zustande meist von einer gemeinsamen Gallerthůlle umgebene, seltener nackte, nie haut- oder 


1) Verel. Borzi's „Sugli spermazi della Hildenbrandtia rivularis Ag.“ in Rivista scientifica 
Messina 1880. Nr. 1.; Petit's Note „Uber die Trichogyne der Hildenbrandtia rivularis Ag.“ Brebis- 
sonia III Nr. 9. ist mir leider unzucánslich geblieben. 

2) Anders entwickelte (resp. in eine andere Form úbergehende) Exemplare habe ich an 
mehreren Orten in den Grenzgebirgen Bohmens gesammelt. Ich hoffe, dass es mir noch spáter 
eimal měglich wird úber die noch zum Theile unbekannte Entwickelung dieser rothen, so wie der 
in den folgenden Bláttern angefůhrten, nicht minder interessanten braunen Alge Lithoderma fon- 
tinale Flah. mehr mittheilen zu kónnen; jetzt fehlt mir die zu einer ausfůhrlicheren entwickelungs- 
geschichtlichen Arbeit nothige Zeit. 

3) Siehe Rostafiůskis „Hydrurus i jego pokrewieústvo“, Krakow, 1883 p. 80. Wenn der 
Verfasser hier mit Rostafiúski Chromophyton und Hydrurus zu den Phaeophyceen záhlt und neben 


28 


krustenartige, fest angewachsene Uberzůge bildende, freischwimmende oder festsitzende Algen, in 
deren protoplasmatischem Zellinhalte plattenfórmige, olivenbraune Chromatophoren (Phaeophoren) 
eingelagert sind. Vermehrung theils durch eingeisselige (Chromophyton), theils durch zweigeisselige 
monadenartige Schwármzellen, deren Cilien gleich lang und am vorderen Zellende inserirt sind, 
oder durch unbewegliche tetraederartige Sporen (Hydrurus). 


III. Ordnung. Phaeozoosporeae. “ 

Vielzellice, olivenbraune, haut- oder krustenartige, festsitzende Uberzůce bildende Algen. 
Vermehrung durch zweigeisselige Schwármzellen (Zoosporen), deren ungleich lange Cilien, von 
welchen die eine lánger und nach vorn gerichtet, die andere kůrzer und nach hinten gerichtet ist, 
seitlich unter der Spitze inserirt sind; Schwármzellen in grósserer Anzahl aus dem ganzen Inhalte 
der einfácherigen Zoosporangien durch directe Theilung des Zellinhaltes, ohne Bildung von Zell- 
wánden, entstehend. 


II. Ordnune. Syngeneticae. 


Der Thallus kugelig oder von unregelmássiger Gestalt, seltener auch einfach 
gefiedert oder pinselfórmig verzweigt (Hydrurus). Im protoplasmatischen Zellinhalte sind 
bandfórmige braun- oder olivengrůne Chromatophoren enthalten, in welchen das Chloro- 
phyll durch einen braunen (Phycophaein) oder gelben (Phycoxanthin) Farbstoff verdeckt 
ist. Vermehrung entweder durch Zweitheilung der vegetativen Zellen und durch Schwárm- 
zellen oder durch unbewecgliche Sporen. 


Úbersicht der Familien. 


IV. Fam. Chromophytoneae. 

Thallus kugelig oder von unregelmássiger Gestalt, aus einer oder wenigen Zellen bestehend. 
Zellen theils im Wasser als eingeisselige Schwármer frei umherschwimmend oder zu perlschnur- 
artigen Kórpern vereinigt, an der Wasseroberfláche einen leichten, gelben oder etwas bráunlichen 
Staubanflug bildend. 


V. Fam. Chrysomonadina. 

Thallus freischwimmend, mehrzellig; Zellfamilien durch kugelige Gruppirung der Zellen 
um ein Centrum gebildet. Zellen mit zwei gleich langen Geisseln, zwei wandstándigen gelbbraunen, 
braunen oder grůnlichbraunen Chromatophoren, gewóhnlich mit einem Pigmentfleck an der Geissel- 
basis, einer bis mehreren contractilen Vacuolen und einem fast centralen Nucleus. Vermehrung 
der Individuen durch successive Zweitheilung auch in gallertumhůllten Ruhezustánden. 


VI. Fam. Phaeothamnieae. 

Mehrzellige, im entwickelten Zustande bůschelfórmig verzweigte, důnnháutige, (mit gal- 
lertigen, zusammenfiiessenden Hůllmembranen, blos in dem sog. Palmellastadium versehene), fest- 
sitzende, braungrůne oder olivenfarbige, bandfórmige Chromatophoren enthaltende, Algen. Ver- 
mehrune durch zweigeisselige Zoogonidien (Zoosporen),') deren beide, am Vorderende inserirte 
Cilien von derselben Lánge und beide nach vorn gerichtet sind. 


VII. Fam. Hydrureae. : 

Thallus vielzellig, festsitzend, knorpelig oder gallertie, stielrund, einfach wurmfórmig 
oder mehr weniger verzweigt. Zellen kugelig oder lánelich elliptisch, mit dicken, gallertigen, zu- 
sammenfliessenden Hůllmembranen ohne Cilien. 


dem ersteren auch noch einige andere monadenartige Wesen mit braunen, gelbbraunen oder oliven- 
grůnen Chromatophoren (Chrysomonadina und Phaeothamnieae) zu einer Ordnung der braunen 
Algen vereinigt hat, so ist er sich dessen gut bewusst, dass, wie schon Klebs richtig úber die 
Vereinigung des Chromophyton und Hydrurus zu einer Gruppe hervorgehoben hat [Botan. Zeitung 
1882, p. 685 u. f.], nach unseren jetzigen lůckenhaften Kenntnissen ůúber diese Organismen, ins- 
besondere was ihre Entwickelung anbelanst, das oben angefůhrte System der braunen Algen, blos 
ein kůnstliches ist; indessen scheint ihm aber doch die hier durchcefůhrte systematische Ein- 
theilung in Bezug auf den náchsten Zweck dieses Prodromus die passendste zu sein. 

») Da eine Spore úberhaupt ein Endstadium der Entwickelung vorstellt, die sog. Zoo- 
sporen aber das erste (Anfangs-) Entwicklungs-Stadium vieler Algen sind, so werden wir in diesem 
Werke, dem von A. Braun in seiner Schrift „Uber die Verjůngung in der Natur,“ 1851, vorge- 
schlagenen, von Gobi in seiner Abhandlung „Uber die Gruppe der Amoeboideae, 1884“ eingefiůhrten, 
K pá „Zoogonidie“ vor dem weniger passenden lteren Namen (Zoospore) wo móglich den 
[orzug ceben. 


dbá byv dát Jy vděk di JN ddkch u está pří Ná K 


Chromophyton. 29 


IV. Fam. Chromophytoneae. 


Einzellige oder aus wenigen Zellen zusammengesetzte Algen, deren vegetative 
Zellen wáhrend ihres ganzen Lebens, so lange sie nicht in einen vorůbergehenden Ruhe- 
zustand ůúbergeben (sich encystiren) durch Cilien in Bewegung erhalten werden. In dem 
plasmatischen Zellinhalte liegt eine (seltener zwei) gelblich- bis gelbbraungefárbte Pigment- 
platte (Chromatophor), die nur etwa die Hálfte des plasmatischen Kórpers einnimt. Un- 
geschlechtliche Vermehrung durch successive Theilung der vegetativen Zellen in 2 bis 8 
(seltener mehrere) Tochterzellen; geschlechtliche Fortpflanzung durch Copulation von 
Schwármzellen. 


5. Gattung. Chromophyton Wor. em. Wille.') 


Einželne schwármende Zellen sind denen aus der Gattung Chlamydomonas Ehvrb. 
unter den Chlorophyceen áhnlich, enthalten aber in ihrem plasmatischen Zellinhalte nicht 
wie diese reines Chlorophyll, sondern einen gelb- bis rostbraunen seltener olivengrůnen 
Farbstoff, welcher stets an eine etwa bis zur Kórpermitte verlaufende Pigmentplatte, ein 
plattenfórmiges Phaeophor gebunden ist. 

Schwármende, blos mit einer Cilie versehene, meist fast vóllig runde oder un- 
regelmássig ellipsoidische Zellen sind meist ohne (seltener mit einem) Pigmentfleck, einer 
bis mehreren contractilen Vacuolen und einem fast centralen Nucleus. Zur Ruhe gekom- 
mene eingehůllte (encystirte) Schwármzellen liegen auf der Wasseroberfláche, auf welcher 
sie, so lange diese ruhig ist, einen gelbbráunlichen Staubanfiug bilden. Die kleinsten dieser 
Staubkórperchen sind einzellig und kugelrund, die grósseren, aus zwei bis vielen Zellen 
zusammengesetzen Kórper, sind biscuit-wurst- oder perlschnurfórmig. Sie entstehen durch 
Zusammenfliessen der einzelligen, kugelrunden Individuen, 


Ungeschlechtliche Vermehrung durch successive Theilung des Zellinhaltes in 2 
bis 8 Tochterzellen, welche innerhalb einer gemeinschaftlichen, schleimigen Hůlle liegen. 
Geschlechtliche Fortpflanzung beruht wahrscheinlich auf Copulation von Schwármzellen, 


12. Ch. Rosanowii Wor. ex p.ž) Bot. Zeitg. 1880 T. IX. [Chr. Rosanowii 
©) — Chrysopyxis bipes Stein, Monas ochracea Ehrb., Chrysomonas ochracea Stein ex p., 
Infus. III. T. 14.; exel. Chr. Rosanowii B. Dinobryon ser- 
tularia Ehrb., Monas flavicans Ehrb,, Epipyxis utriculus Ehrb., 
Dinobryon sociale Ehrb.*) Schwármzellen meist kugelrund, etwa Č 
o bis 6 u im Durchmesser ohne Pigmentfleck, Auf der Wasserober- BS S93 
fláche liegende, zur Ruhe gekommene Schwármzellen sind von einer č 
deutlichen, eng anliegenden Membran umhůllt, in der sie sich | Fig. 7. Chromophyton Ro- 
auch durch wiederholte Zweitheilune vermehren. So wie diese  $4nowii Wor. Links im Zu- 
Membran im Wasser wieder aufguillt, gerathen die innerhalb en! dos E aantoke, 

> © rechts eine Schwármzelle 
derselben befindlichen Schwármer, welche frůher ruhig waren, © desselben. Veror. etwa 600. 
in langsame Bewegung, um nach činer Zeit auťs Neue auf der 
Wasseroberfláche sich zu encystiren. 

Bildet auf der Wasseroberfáche, in Wassergefássen, Bassins in Garten, insbe- 
sondere in Warmháusern, so wie auf der Wasseroberfláche der Moortůmpel und Pfitzen 
in der freien Natur einen gelblichen gold- bis braungelben Staubanflug (6—9); in den 
Warmháusern (1—12). 


l) Siehe dessen „Om Chrysopyxis bipes Stein og Dinobryon sertularia Ehrb.“ Ofver. ať 
kngl. Vetens. Akad. Fórnhandl. Stockholm 1882, und „Uber Chromophyton Rosanofňii Woron“; 
Sitzungsber. des Botan. Vereins der Provinz Brandenburg, 1882. 

2) Vergl. Woronin's Abhandlung „Chromophyton Rosanofi“ Bot. Zeitung, 1880 Nr. 37. 

s) Wille hált die oben beschriebene, runde Form des Chr. Rosanowii Wor. fůr Schwárm- 
zellen von Chrysopyxis; siehe auch dessen Aufsatz „Uber Chromulina-Arten als Palmellastadium 
bei Flagellaten“ Botan. Centralbl. Bd. XXIII. Nr. 9. Dagegen Bůtschli, welcher beide Chromo- 
phyton-Formen mit der Gattung Chromulina Cienk. vereinist „Protozoa“, 1884 p. 820. und Fisch 
[Untersuchungen úber einige Flagellaten, 1885.) 


30 Synorypta. 


So -in Wassergefássen in den Warmháusern im botan. Garten, háufie auch im 
Winter! und in den Bassins im Ananashause und in den daneben liegenden Warmháusern 
im gráflich Kinsky'schen Garten am Smichow (im Juli— August 1883—85 !). Kommt auch 
encystirt in Moosbláttern (meist in Sphagnumbláttern) áhnlich wie Chlorochytrium oder 
Endosphaera vor. 


V. Familie. Chrysomonadina.') 


Mehrzellige, Familien von kugeliger oder elliptischer Gestalt bildende, seltener 
einzellige, frei im Wasser herumschwármende Algen. Zellen kugelig, lánslich-elliptisch 
oder spindelfórmig mit zwei gleich langen Cilien, zwei, selten nur einem, braunem oder 
grůnlich-braunem, den beiden Šeitenrándern anliegenden plattenformigen Chromatophoren 
und meist mit einem Pigmentfleck an der Geisselbasis versehen. Im Hinterende sind 
die contractilen Vacuolen, fast in der Mitte des Kórpers liegt der Nucleus. Vermehrung 
durch Lángstheilung der Individuen und der ganzen Familien, welche ofters auch in die 
einzelnen Individuen zerfallen. 


6. Gattung. Synecrypta Ehrb.*) 


Die kugelfórmigen, aus 2 bis 32 keilfórmigen, traubig an einander gedrángten 
Zellen bestehenden Familien sind von einer dicken, feinkórnigen Gallerthůlle umgeben. 
Einzelne Zellen sind mit zwei braunen bandformigen Chromatophoren, zwei Pigmentflecken 
und zwei gleich langen, die Gallerthůlle durchsetzenden Cilien versehen. 


Geschlechtliche Fortpflanzung unbekannt.  Ungeschlechtliche Vermehrung durch 
Zweitheilung der Individuen, welche durch Zerfallen der Familien in einzelne Zellen oder 
Loslósune einzelner Zellen aus dem Verbande der Familie frei werden; solche losgelóste 
Zellen bleiben entweder beweglich und entwickeln sich durch Theilung zu neuen Familien, 
indem die Tochterzellen mit ihren spitzen Enden mit einander in Verbindung bleiben ; 
oder sie sind unbeweglich, runden sich in Gestalt von Ruhezellen ab, umgeben sich mit 
einer gallertigen Zellhaut und vermehren sich durch Zweitheilung. Die Entwicklung dieser 
Ruhezellen zu neuen beweglichen Familien ist direct noch nicht beobachtet worden. 


*) Diese Phaeophyceen-Gruppe correspondirt mit den Volvocaceen unter den chlorophyll- 
grůnen Algen. 


2) Denselben braungelben Farbstoff wie Syncrypta und Chromophyton enthalten auch 
noch einige andere, in Bohmen von Stein beobachtete, monadenartige Wesen, welche dieser Autor 
in seinem Werke „Der Organismus der Infusionsthiere, III, 1., 1878.“ zu den Flagellaten, mit den 
beiden oben angefůhrten [Syncrypta volvox und Chrysomonas ochracea) záhlt. Es sind namentlich 
Chrysomonas flavicans Stein, T. 13. (Monas flavicans Ehrb.), Uroglena volvox Ehrb., T. 13, Synura 
uvella Ehrb., Microglena punctifera Ehrb., T. 13, Stylochrysalis parasita Stein, T. 14, u. a. Die 
Gattung Chrysopyxis verknůpft die Chrysomonadinen Stein's mit den Chlamydomonaden, von welchen 
ste sich fast nur durch die fest sitzende Hůlse und die braunen Pigmentbánder unterscheidet. 
Auch die Gattung Hymenomonas (H. roseola Stein, T. 14) náhert sich sehr den Chlamydomonaden. 
Der olivenbraune oder grůnbraune Farbstoff ist aber auch bei den Cryptomonaden Stein's (C. erosa 
Ehrb., C. ovata Ehrb. u. a.), áhnlich wie bei den Chrysomonaden in 2 seitlichen Lángsbándern 
vertheilt (Stein, Infus. III. Abth. 1. Bd. p. 153). 


Dass die olivenbraunen Cryptomonaden, die braunen Dinobryinen und Chrysomonaden 
Stein's mit demselben Rechte wie die Volvocineen und Chlamydomonaden unter die Algen auf- 
genommen werden můssen, hat zuerst Schmitz „Die Chromatophoren der Algen 1882 p. 18“ be- 
hauptet. Auch Bůtschli hat diese Organismen „wegen ihrer holophytischen Ernáhrungsweise“ 
sowie deshalb, dass sie „die inniosten Bezichungen zu einer Reihe einzelliger Algen darbieten“ 
von anderen Flagellaten separirt, und sie zu der Gruppe der Pflanzen-Flagellaten „Phytomastigoda“ 
vereinigt [vergl. Bůtschli's „Flagellata“ in Bronn's Klassen u. Ord. des Thierreiches, 1884 p. 832]. 

Auch den, braune Farbstofftráger (Chromatophoren) enthaltenden, Sůsswasser-Peridineen, 
welche Klebs „Die Peridineen des sůssen Wassers, 1883“ und Warming (in Vidensk. Medd. Kopen- 
hagen, 1875) fůr Pflanzen erklárt haben, wáre folgerichtig unter den Phaeophyceen, und zwar neben 
den Chrysomonadinen der Platz anzuweisen. 


prvá 


: 


| 


- Krch. Algen v. Schlesien p. 89.") Stein's „Infusor.“ 


- bei Pilsen (Hora „Flora von Pilsen“ 


Synorypta — Phaeothamnion. 38 


13. 8. volvox Ehrb. (Synura volvox (Ehrb.) 


III. 1 Tab. 13. Zellen mit braunen Pigmentplatten 
von der Farbe des Endochroms der Diatomaceen ; 
Familien kugelig oder oval von traubigem Ansehen, 
etwa 22 bis 51 u im Durchmesser. Veget. Zellen 
17 u lang, 13 bis 14 u breit; ruhende Zellen mit 
Gallerthůlle 10 u, ohne díese etwa 5 u dick. In 
stehendem Wasser, in Gráben und Teichen, Torf- 


moren u. á. So in der Umgegend von Prag (Stein), 
p 12). Fig. 8. Syncrypta volvox Ehrb. Eine 


mehrzellige Kolonie. Verg. etwa 500mal. 


/ 


VI. Familie. Phaeothamnieae. 


Thallus mehrzellig, bůschelartig verzweigt, festsitzend. Vegetative Zellen cilienlos, 
mit parietalen plattenfórmigen braun- oder olivengrůnen, Pyrenoide und Stárke nicht ent- 
haltenden, Chromatophoren. 

Vermehrung durch zweiwimperige Schwármzellen, welche meist zu zwelen in einer 
den vegetativen gleichartigen, blos etwas grósseren Muterzelle entstehen, aus welcher sie 
durch eine runde in der Zellwand entstehende Offnung ausschlůpfen. Nachdem diese 
Schwármzellen eine Zeit lang unbeweglich in einer gemeinsamen Hůlle ausserhalb der 
Mutterzelle liegen blieben, beginnen sie, sich mit ihren Cilien peitschend zu bewegen. 
Nachdem diese Schwármzellen zu schwármen aufhóren, keimen sie ohne vorhergehende 
Copulation und Zygotenbildung. 

Die Zellen des Palmellastadiums sind von einer ziemlich dicken, nur wenig ver- 
schleimten Membran umgeben und theilen sich in allen Richtungen des Raumes. 


7. Gattuno. Phaeothamnion Lagerh.*) 


Thallus bůschelfórmig, kleip, monopodienartie verzweigt, auf anderen Algen fest- 
sitzend. Die unteren Zweigchen fast horizontal ausgebreitet, die oberen mehr aufrecht 
abstehend. Vegetative Zellen einfórmig oder cylindrisch; Endzellen stumpf abgerundet 
oder zugespitzt; Basalzelle hemisphárisch, unten scheibenformig erweitert. Zellmembran 
důnn, hyalin. Zoogonidien durch Zweitheillung des Zellinhates in intercalar aus vegeta- 
tiven Zellen sich bildenden Gonidangien entstehend, ohne Pigmentfleck; sonstige Merkmale 
wie bei der Familie. 


14. Ph. confervicolum Lagerh. „Uber Phaeotha- 
mnion“ Tab. I. Wittr. et Nordst. Ale. exs. Nr. 608! Ve- 
getative Zellen 6 bis 10 u lang, 4 bis 8 u breit, die End- 
zellen 6 bis 12 u lang, 4 bis 8 u breit, die Basalzelle 5 
bis 6 u lang, etwa 9 u breit. Gonidien (Zoosporen) 4 bis 
o u im Durchmesser. Gonidangien (Zoosporangien) wie die 
veget. Zellen. Palmellaartige Zellen etwa 4 u im Durchm. Fig. 9. Phaeothamnion con- 
Sonstige Charaktere wie bei der Gattunc. POE se past obema 
Bildet kleine etwa 80 u hohe, bůschelfórmig ver- hem lař(čhva astma verze). 
zweigte, auf Cladophora, Vaucheria und anderen Fadenalsen © links eine Schwármzelle des- 
festsitzende, Stócke von braungrůner Farbe. selben (etwa 500mal vergr.). 

In stehenden Gewássern, Sůmpfen, Teichen, Gráben 


1) H. Prof. Dr. O. Kirchner hatte die Gůte mir brieflich mitzutheilen, dass seine Synura 
volvox Ehrb. — Synerypta volvox Ehrb., welche letztere er mit der Gattung Synura vereinigt hat, 
da seiner Meinung nach ein generischer Unterschied zwischen diesen beiden Gattungen nicht existire. 

2) Siehe Lagerheim's Abhandlung „Úber Phaeothamnion“ Bihang till. k. vet. akad. hand- 
lingar, 1884 Bd. 9. Nr. 19. 


32 Hydrurus. 


u. a. (5—9). So in den Schanzgráben hinter dem gewesenen Kornthor in Prag, im 
Frůhling 1884! 


VII. Familie. Hydrureae. 


Der Thallus dieser agamen braunen Algen besteht aus einer, durch Zusammen- 
fliessen der verschleimten Zellwánde entstandenen, gemeinsamen Gallerte, in welcher mehr 
oder weniger kugelige oder linglich ellipsoidische, im Alter ofters spindelfórmig in die 
Lánge gezogene, plasmatische Zellen nisten. Die letzteren bestehen aus farblosem Plasma 
und enthalten ein braun, seltener olivengrůn gefárbtes, plattenfórmiges Chromatophor und 
einen Zellkern. Anstatt der Stárke sind in den Zellen als Assimilationsproduct člartige 
Trópfchen enthalten.)) 

Die Vermehrung geschieht durch tetraédrische, an den Ecken mit kurzen stachel- 
artigen Auswůchsen versehene Sporen, welche aus den vegetativen plasmatischen Zellen 
entstehen, durch Zerfliiessen der umhůllenden Gallerte frei werden, sich frei bewegen 
oder bewegungslos liegen bleiben und durch spáter eintretende Theilung zu neuen Pflánzchen 
heranwachsen. 


8. Gattung. Hydrurus Ac. 


Zelen kugelig oder lánglich-elliptisch, locker an einander gereiht mit dicken, 
gallertigen zusammenfliessenden Hůllmembranen, einen bis fusslangen, wurm- oder róhren- 
fórmigen, oft reichlich verzweigten, fest gewachsenen gallertigen oder knorpeligen und 
elastischen Thallus bildend. "Theilung in einer Richtung des Raumes. Vermehrung durch 
tetraedische Sporen, welche nach Klebs (Bot. Zeite. 1882 p. 684) auch deutliche Be- 
wegungen zeigen. 


15. H. foetidus (Vill.) Krch. (H. penicillatus Ag.) Rostafiúski „Hydrurus“ etc. 
in Rozprawy akad. umiej. 1883 T. 2. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 241! Thallus 
knorpelig oder gallertig, elastisch, am Grunde mit einer konischen 
Scheibe versehen, angewachsen, 2 em bis 2:5 dem lang (seltener 
noch lánger), solid, im Alter róhrig-cylindrisch, 
oberwárts verbreitet und meist pinselfórmie ver- 
ástelt, am unteren Ende einfach. Aeste wie der 
Hauptstamm mit kleinen, haarfórmigen Aestchen, 
bald mehr, bald weniger dicht besetzt, bald ganz 
nackt, von brauner oder braungrůner oder grůn- 
licher Farbe?ž) und eigenthůmlichem Geruch. 
Zellen meist 6 bis 10 u dick, jung kugelig oder 
elliptich, 1 bis 1"2mal so lang als dick, im 
Alter auch lang-spindelformie und mehrmal so 
Fig. 10.. Hydrurus | lang als dick. : 
oeudlis (vil) Krch. a) penicillatus (Ag.) Krch. (H. peni- re ne o 
a) penicilatus (Ag) cillatus Ag.) Tab. phycol. I. T. 33. Thallus  gelben Alse etwa 
Ee laně Pk, 5 cm bis fast 3 dem lang, am Grunde einfach, 250mal verer. 

ehoriCrossc! weiter oben reichlich verástelt, im Alter róhrig; 
Aeste schlank wie der Hauptstamm, mit důnnen kurzen Zweigehen 
dicht besetzt, von satt- oder olivengrůner Farbe. 

b) irregularis (Ktz.) Rbh. (H. irregularis Ktz.) Tab. phycol. T. 34.  Thallus 
1 bis 8 seltener bis 16 cm lang, gallertig, unregelmássig, verzweigt, olivengrůn oder 


1) Nach Rostafinski sind diese dlartige Trópfchen bei allen echten Phaeophyceen zu finden. 

2) Der olivengrůne Farbstoff der Hydruruszellen kann unter gewissen Umstánden auch 

In einen fast blutrothen úbergehen, wie ich an einigen von Pilzen inficirten Hydrurus-Exemplaren 

ns dem Riesengebirge beobachtet habe. (Belege bewahre ich auch in meinen mikroskopischen 
raparaten). 


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ja 
: 
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Lithoderma. 833 


bráunlich bis schwárzlich braun.  Aeste an den Enden verdickt, die oberen oft pinsel- 
fórmig zerschlitzt, meist ohne haarfórmige Zweigchen. 

c) Ducluzelitů (Ag.) Rbh. (H. Ducluzelii Ag.) Tab. phycol, I. T. 34.  Thallus 
bis úber 2 dm lang, wenig oder gar nicht verzweigt, Hauptstamm von der Basis bis zur 
Spitze blos mit haarfórmigen Aestchen besetzt, schmutzig olivengrůn oder bráunlich. 

In schnell fliessenden, reinen Gebirgsbichen, insbesondere unter den Wasserfállen, 
seltener auch in Flůssen auf Steinen, Hólzern etc. angewachsen; in hóheren Gebirgs- 
regionen stellenweise háufig (5—10). 

So im Bache bei Jemník náchst Jung-Bunzlau (a)!, in einem Bache bei Eisen- 
brod (a), in der Desse bei Tannwald (b)! b) im Riesengebirge ziemlich verbreitet: so 
bei der Spindelmůhle, in den Siebengrůnden, unter dem Pantschefall, in grósster Menge 
aber unter dem Elbfall! auch an mehreren Stellen in Gráben auf der Elbwiese (auch 
var. flavescens nach Opiz), im Aupagrunde u. a. (Krch. Alg. p. 107). Im bóhm. Erz- 
gebirge (var. Ducluzelii Rbh. Krypttl. p. 134.). 


III. Ordnune. Phaeozoosporeae. 


Thallus vielzellig, polsterfórmig, haut- oder krustenartig, olivenbraun, bis braun- 
schwarz, seltener olivengrůn oder olivengelb, aus freien, verzweisgten Gliederfáden oder aus 
parenchymatischem Gewebe bestehend. 

Fortpflanzung durch Schwármzellen (Schwármsporen), welche sich meist in ein- 
fácherigen (unilocularen) Gonidangien (Zoosporangien) entwickeln, deren Inhalt direct in 
eine Anzahl Schwármzellen zerfállt, welche aus einem Riss am Gonidangium, in Gallerte 
eingebettet, gemeinsam entleert werden. Schwármzellen sind ei- oder birnfórmig, mit 
farbloser Spitze und braunem Hinterende, vor welchem ein seitlicher, grosser, rother 
Pigmentfleck sich befindet, mit zwei ungleich langen Cilien versehen, welche seitlich an 
der Basis der farblosen Spitze inserirt sind. Die lingere von diesen Cilien ist nach vorn 
gerichtet und dient als Bewegungsorgan, die zweite, kůrzere wird nachgeschleppt. Nachdem 
die Schwármzellen zur Ruhe gekommen sind, scheiden sie eine Membran aus und ent- 
wickeln sich zur neuen Pflanze, ohne frůher zu copuliren. Der geschlechtlichen Ver- 
mehrung dienende Organe sind bei den in Bóhmen verbreiteten Phaeozoosporeen nicht 
konstatirt worden. 


VIII. Familie. Lithodermaceae.') 


Thallus krusten- oder lederartig, mehr oder weniger ausgebreitet, aus einem pa- 
renchymatischen Gewebe vertikaler Zellenreihen cebildet.  Einfácherige Gonidangien ent- 
stehen auf der Thallus-Oberfláche unmittelbar aus den Zellen der Oberfláche.  Sonstige 
Merkmale wie bei der Ordnuno. 


9. Gattung. Lithoderma Aresch. 


Thallus haut- oder krustenartig, horizontal ausgebreitet, mit der ganzen Unter- 
flůche dem Substrat fest angewachsen, aus mehreren, úber einaader liegenden, zu einem 
parenchymatischen Gewebe verwachsenen Zellenreihen bestehend, welche an ihrem Vor- 
derende fortwachsen. Gonidangien (Zoosporangien), oval oder fast birnfórmig, einfácheric, 
durch Umwandlung der Oberfláchenzellen entstehend. Vermehrung durch Schwármzellen, 
welche ohne vorhergegangene Copulation einen Keimschlauch treiben, dessen weitere Ent- 
wickelung noch nicht verfolgt wurde. 


16. L. fluviatile Aresch. Nova acta reg. soc. scient. upsal. 1876 p. 24. a) ge- 
nučnum (Aresch.) nob.  Thallus winzig klein, mit blossem Auge schwer sichtbar, eine 
důnne, fest angewachsene olivenbraune oder braunschwarze, an der Oberfláche oslatte 


v) Hoffentlich wird auch der einzige Reprásentant einer zweiten Siůsswasser-Phaeozoo- 
sporeen-Gattung Pleurocladia lacustris A. Br., Rbh. Flora europ. alg. III. p. 394, Wittr. et Nordst. 
Alo. exs. Nr. 601 in Bohmen noch entdeckt werden. 


3 


34 Lithoderma. 


Kruste bildend.  Zellen in 5 bis 6 vertical an einander gereihten Schichten, an der 
Thallus-Oberflůche fast rectangulár und daselbst zu bogenfórmie verlaufenden Zellreihen 
geordnet; sonstige Merkmale wie bei b).') 


b) fontanum (Flah.) nob. (L. fontanum Flah.) Sur 
le Lithoderma fontanum *) Tab. 1. Thallus krusten- oder 
fast lederartig, wenig erhabeu, ofters ziemlich ausgebreitet 
und 5 bis 15 em im Durchmesser, von olivenbrauner bis 
braunschwarzer Farbe, fest sitzend, měist ausgerandet, aus 
15 bis 20 vertikal an einander gereihten Zellschichten ge- 
bildet. Zellen zu radial gestellten, an der Oberfláche des 
Thallus parenchymatisch mit einander verwachsenen Zell- 
reihen geordnet, Gonidangien (Zoosporangien) einfácherig, 
durch Umwandlung der Endzellen -der Fáden an der Ober- 
fláche des Thallus entstehend, sitzend oder mit sehr kurzem 
Fig. 12, Lithoderma fontanum © Ptielchen versehen, 12 bis 16 Schwármzellen enthaltend. 
Flah. Lángsschnitt durch einen © Vegetative Zellen 6 bis 12 u dick, 1 bis 2mal so lang 


zwei Gonidangien tragenden © meist mit einem gelbbraunen Farbstoff. 
Theil des Thallus. Ein Go- 


nidangium vor, das zweite nach Auf Steinen, Felsen, Muscheln in schnell fliessenden 
der Entleerung der Gonidien; © kleineren Flůssen, Báchen, GAuellen bloss in hoheren Gebires- 
rechts eine Senwarmzelle. regionen (1—12). So in einem Bache bei Eisenbrod mit 

V ODBK ODD Hildenbrandtia rivularis Ag. in vollkommen  entwickelten 
Exemplaren ; in den Dessewasserfállen bei Tannwald, in einem Bache náchst Prebischthor 
in der bohm. Schweiz! 


IN. Klasse. Chlorophyceae (Chlorophyllophyceae Rbh.). 


Chlorophyllgrůne Algen, die in dem plasmatischen Inhalte ihrer Zellen reines 
Chlorophyll enthalten. © Der chlorophyllgrůne Farbstoff, welcher im Wasser unlóslich ist, 
im reinen Alkohol dagegen sich leicht auflůst, ist in den Zellen dieser Algen an bestimmt 
abgegrenzte Plasmakórper, sogen. Chlorophoren gebunden und niemals oleichmissig im 
Cytoplasma vertheilt.*) 


Der Thallus der Sůsswasser-Chlorophyceen ist einzellig oder mehrzellig.  Mehr- 
zellige Chlorophyceen bestehen aus einfachen, unverzweigten oder verzweigten, fadenfór- 
migen oder einschichtigen, flichenfórmigen, meist háutigen oder rohrenfórmigen Thallomen. 
In dem protoplasmatischen Zellinhalte sind durch Chlorophyll cgefárbte und in verschie- 
denen Formen ausgebildete Chromatophoren (Chlorophoren) in Einzahl oder Mehrzahl 
enthalten. *) 


2) Da die von mir bei Eisenbrod gesammelten, meist winzig kleinen, Exemplare einer 
Lithoderma-Form, welche ich ihrer Subtilitát und Důnnheit wegen fůr Lithoderma fiuviatile Aresch. 
halte, in ihrer anatomischen Struktur mit den, vom H. Prof. Flahault mir gůtigst zugesandten, 
frischen und trockenen, Orig.-Exemplaren seines Lithoderma fontanum vollkommen úbereinstimmen 
(mit Ausnahme ihrer geringeren Grósse und Dicke), so habe ich diese beiden Lithoderma-Formen 
zu einer einzigen Art zu vereinigen mir erlaubt. 

2) Bull. de la Soc. botan. de France, XXX, 1883. 

S) Verel. auch Schmitz's „Die Chromatophoren der Algen“, 1882 p. 5. 

4) Nur bei einigen Algenarten aus dieser Klasse ist der Zellinhalt nicht chlorophyllerůn, 
sondern blutroth, z. B. bei Sphaerella (Haematococcus), rothbraun, z. B. bei Trentepohlia umbrina 
(Chroolepus umbrinum), Protococcus Coccoma u. a., orange- bis mennigroth, z. B. bei Pleurococeus 
miniatus, Palmella miniata u. a. gefárbt. Dieser mehr oder minder vollstándie roth gefárbte Zell- 
inhalt verschiedener Chlorophyceen aus den Gattungen Pleurococcus, Palmella, Sphaerella (Haema- 
tococeus), Trentepohlia (Chroolepus) u. a. [auch in den Sporen von Oedogonium, Bulbochaete, 
Sphaeroplea, Volvox u. a. Chlorophyceen kommt ein rother Farbstoff vor) kommt dadurch zu 
Stande, dass kleine rothe Schleimkugeln, fůr welche Cohn den Namen Haematochrom vorgeschlagen 
hat, im Protoplasma der Zellen sich anháufen und die chlorophyllerůn gefárbten Chromatophoren 
theilweise oder vollstándig verdecken und unsichtbar machen. [Šiehe auch Schmitz 1. c. p. 7). 


ší aja, 


: 


35 


Vermehrung 1) ungeschlechtlich, 2) geschlechtlich. Ungeschlechtliche Vermehrung 
in den einfachsten Fállen durch Zweitheilung der ganzen Mutterpflanze; bei der wéitaus 
úberwiegenden Zahl der im Wasser lebenden Chlorophyceen findet aber die ungeschlecht- 
liche Vermehrung durch Schwármzellen oder Zoogonidien (Zoosporen) statt. Diese Chloro- 
phyceen-Zoogonidien sind in der Grósse, Gestalt, Zahl und Insertion der Cilien sehr 
mannigfaltig. Wenn bloss zwei Cilien vorhanden sind, so stehen sie stets auf der Spitze 
der Zelle oder des Schnabels (nicht wie z. B. bei den Phaeozoosporeen unter der Spitze). 


Geschlechtliche Fortpflanzung erfolet durch bewegungslose Zygoten, welche direct 
aus der Verschmelzung membranloser Gameten hervorgehen. Gameten sind entweder gleich- 
gestaltet (Isogameten) oder es sind weibliche und minnliche Gameten (Eier und Sper- 
matozoiden) durch Grósse, Gestalt etec. von einander verschieden. Der Befruchtungsakt, 
dessen Product die Zygote (Zygospore, Oospore) ist, tritt bei den Algen aus dieser Klasse 
in dreifacher Form auf: 1. Als eine Copulation schwármender, habituell vollstándie mit 
einander úberreinstimmender Befruchtungszellen (Planogameten), deren Verschmelzung stets 
noch wáhrend des Schwármzustandes dieser gleichgestalteten Gameten erfolot [sog. isogame 
Befruchtung|; 2. als Befruchtung ruhender Eizellen durch schwármende Spermatozoiden, 
die in der Regel viel kleiner als jene sind [sog. oogame Befruchtung]; 3. als eine Co- 
pulation zweier nicht schwármender, meist gleich grosser Gameten (Aplanogameten). 


Úbersicht der Ordnungen, 


IV. Ordnune. Confervoideae.') 

Thallus mehrzellig von haarartiger, bůscheliger, selten háuticer Gestalt. Zellen einreihie 
zu gegliederten, unverzweigten oder verzweicgten Fáden vereinigt oder mehrreihig zu band-, fláchen- 
oder rohrenfórmigen Zellschichten verwachsen. Chlorophyll meist in breiten Chlorophyllplatten 
oder Ringen (Sphaeroplea), die innen der Zellwand anliegen, vertheilt; seltener ist der Zellinhalt 
scheinbar gleichmássig grůn gefárbt oder mit Stárkekernern, Oel- und Fetttrópfchen, Schleimkugeln 
u. a. so vollgepfropft, dass die Conturen der Chlorophoren dadurch vollstándie verdeckt und un- 
kenntlich werden.*) Ungeschlechtliche Vermehrune durch Zerfallen der Fáden in mehrere Theile 
(Fragmentirung), durch schwármende Gonidien (Zoogonidien, Zoosporen) und durch Dauerzellen 
(Akineten, Aplanosporen). Zygoten durch Planogameten-Copulation und Ei-Befruchtung entstehend. 


V. Ordnuns.  Siphoneae. 

Thallus bloss aus einer, mehrere mm grossen, schlauchfórmigen oder kleine Bláschen 
darstellenden, vielfach verástelten, vielkórnicen Zelle gebildet, in welcher in einer wandstándigen 
Protoplasmaschicht zahlreiche, scheibenfórmige Chromatophoren enthalten sind. Zygoten gehen 
aus der Copulation von Planogameten oder aus Ei-Befruchtung hervor. 


VI. Ordnung. Protococcoideae. 

Thallus einzellig. Zellen von mikroskopischen Dimensionen [nur bei Hydrodictyon grósser 
(makroskopisch) cylindrisch und netzartie unter einander verbunden], einzeln oder zu Familien 
von verschiedener (nie aber von echt fadenfórmiger) Gestalt verbunden. © Chlorophyll wie bei den 
Confervoideen an besonders ausgeformte, meist scheibenfórmige, wandstándige Chromatophoren 
gebunden. Ungeschlechtliche Vermehrung durch vegetative Zweitheilung der Zellen und durch 
schwármende Gonidien (Zoogonidien). Zygoten durch Planogameten-Copulation oder durch Ei- 
Befruchtung entstehend. 


Dass dieser rothe Farbstoff, welchen ich auch in den vegetativen Zellen einiger Oedogonium-Arten, 
deren Fáden durch Austrocknung des Wassers lángere Zeit an der Luft vegetirten, vorgefunden 
habe [eine roth gefárbte Bulbochaete-Art aus Boóhmen hat schon friůher Corda unter dem Namen 
B. purpurea in Sturm's Deutsch. Flora, II. Abth., 30—31 Heft beschrieben und abgebildet], von 
dem Rhodophyll der Florideen, wie auch von der purpurnen Modifikation des Phycochroms einiger 
Schizophyceen durchaus verschieden ist, zu dem Chlorophyll aber in náchster Beziehung steht, 
hat schon Cohn nachgewiesen. [Siehe dessen „Beitráge zur Physiologie der Phycochromaceen und 
Florideen“, Archiv fůr mikroskop. Anatomie, 1867 p. 44). 

1) Die von einigen Algologen zu« den Chlorophyceen, und zwar als deren hóchst orga- 
nisirte Ordnung, gezáhlten Characeen, welche durch ihren complicirten Bau, ihre Befruchtungs- 
organe etc., mit den echten Thallophylen nicht ganz úbereinstimmen, beabsichtiot ein anderer, mit 
diesem Pfianzen seit lángerer Zeit sich bescháftigende Prager Botaniker monographisch zu bearbeiten. 

2) So z. B. in den sog. Dauerzellen (Akineten, Aplanosporen), Zygoten und anderen 
ruhenden Zellen der Chlorophyceen. 

S 


26 


VII. Ordnunsg. Conjugatae. 

Mikroskopisch kleine, einzellige oder makroskopische confervenartige, unverzweigte Algen, 
deren Zellen einzeln oder zu fadenfórmigen Familien vereinigt leben. Chlorophyll in geraden oder 
spiraligen Bándern, axilen Platten oder paarigen sternfórmigen Kórpern. Geschlechtliche Fort- 
pflanzune durch Zygoten, welche durch Copulation von Aplanogameten entstehen. Ungeschlechtliche 
Vermehrung durch vegetative Zweitheilung der Zellen. Schwármzellen nicht vorhanden. 


IV. Ordnung. Confervoideae (Nematophyceae). 


Die Confervoideen sind vielzellige chlorophyllgrůne Algen, deren 'Thallus aus 
unverzweigten oder verzweigten, fadenfórmigen einfachen Zellreihen, oder band-, róhren- 
und flůchenfórmigcen Zellschichten oder hautartigen und haarfórmigen Zellkórpern besteht. 
Das Chlorophyll ist in besonders ausgeformten Chlorophoren enthalten, seltener ist es 
scheinbar oleichmássie im gauzen Zellplasma vertheilt. 

Vermehrung geschlechtlich oder ungeschlechtlich. © Geschlechtliche Fortpflanzung 
erfolot bei den sogen. oogamen Confervoiden, an welchen besondere Geschlechtsorcane, 
Oogonien und Antheridien, entwickelt sind, durch Befruchtung der Oosphaeren durch 
schwármende Spermatozoiden. Das Product der Copulation dieser Gameten sind die 
Zygoten (Oosporen).  Bei den úbrigen sogen. isogamen Confervoiden wurde bisher bei 
den meisten, z. B. bei Cladophora, Ulothrix, Trentepohlia (Chroolepus), Stigeoclonium u. a. 
die Copulation von gleichgestalteten Schwármzellen (Planogameten) beobachtet, bei einigen 
anderen ist aber die Planogameten-Copulation noch nicht direct nachgewiesen worden, 
doch lásst sich aus anderen Grůnden annehmen, dass sie sich in ihrer Fortpflanzung den 
oben angefůhrten isogamen Confervoiden gleich verhalten. Ungeschlechtliche Fortpflanzung 
erfolot durch neutrale Schwirmzellen (Zoogonidien), welche, wie die geschlechtlichen Ga- 
meten, aus dem Inhalte aller vegetativen Thalluszellen entstehen kónnen oder in beson- 
deren, von den vegetativen abweichend geformten Gametangien (Sporangien) entwickelt 
werden. Viele Confervoideen vermehren sich auch unter gewissen Umstánden durch un- 
bewegliche, neutrale (ungeschlechtliche) Fortpflanzungszellen, sogen. Dauersporen oder Ruhe- 
sporen (Hypnosporen), welche entweder ohne einen eigenen Zellbildunesprocess gebildet 
werden [sogen. Akineten] oder erst durch einen solchen Process zur Ausbildung gelangen, 
[sogen. Aplanosporen|.  Sowohl von Akineten wie von Aplanosporen gibt es zweierlei 
Formen: 1) solche, die unmittelbar nach ihrer Bildung, und 2) solche, die erst nach 
einem vorhergehenden Ruhestadium auskeimen. Im jenem Falle ůúbernehmen sie die 
Function der Zoogonidien, die Zahl der Individuen zu vermehren, in diesem aber erhalten 
ste wie die Zygoten die Art aufrecht. 

Die meisten Confervoiden kónnen auch in lauter Protococcus-, Palmella- etc. artige 
Zellen zerfallen, resp. sie sind im Stande in ein einzelliges Palmella- (Zoogloea-) Stadium zu 
úbergehen und sich auch in diesem Stadium (in Coccen- Thece- u. a. Zustánden) durch 
fortschreitende Theilungen der Zellen oder durch Bildung von Schwármzellen weiter zu 
vermehren. 


Úbersicht der Familien der Confervoiden, 


I. Unterordnune. (Oogameae. 

Oogonien und Antheridien vorhanden. Aus der durch frei bewegliche Spermatozoiden 
befruchteten Oosphaere entwickelt sich eine Zygote (Oospore), welche sich mit einer dicken Haut 
umgibt und zur Dauerzelle wird. 

Neben der geschlechtlichen ist auch ungeschlechtliche Vermehrung durch neutrale Schwárm- 
zellen (Zoogoniden) und unbewegliche Dauerzellen vorhanden. 


IX. Familie. Coleochetaceae. 

Bůschelfórmig verzweigte oder flach ausgebreitete und meist zu flachen Scheiben unter- 
cinander verwachsene, mit der ganzen Unterfláche dem Substrate fest aufgewachsene, verástelte 
Zellreihen mit Oogonien und Antheridien [blos bei Herposteiron (Aphanochaete) sind diese Organe 
der geschlechtlichen Befruchtung noch nicht nachgewiesen worden]. Oogonien mit einem ziemlich 
langen, an der Spitze sich offnenden Hals versehen. Nach der Befruchtung der Oosphaere durch 
zweigeisselige Spermatozoiden wáchst aus den, unter dem Oogonium liegenden, Zellen eine Be- 
rindune um dasselbe hervor, in welcher Rindenzellschicht die ausgebildete Oospore úberwintert. 
Ungeschlechtliche Vermehrung durch Schwármzellen (Zoogonidien). Einzelne vegetative Zellen mit 


37 


langen, haarartigen, meist in einer engen Scheide steckenden Borsten versehen.  Chromatophoren 
plattenfórmicg, wandstándig. 

X. Familie. Oedogonieae. 

Einfache oder verzweigte, am unteren Ende mit einer Fusszelle festsitzende Zellreihen, 
mit eigenthůmlicher Art der Zelltheilung unter Aufbrechen der Membran der Mutterzelle, mit An- 
theridien und Oogonien, welche in der Reihe der vegetativen Zellen entstehen und eines hals- 
fórmigen Fortsatzes entbehren. Chromatophoren gelappt, meist aus zahlreichen zusammenhángenden, 
lángstlaufenden Bándern bestehend. Endzellen der Fáden und der Aeste in eine lange hyaline, 
an der Basis ofters zwiebelfórmig angeschwollene, Borste auslaufend. Ungeschlechtliche Vermehrung 
durch Zoogonidien und durch unbewegliche Dauerzellen. 

XL Familie. Sphaeropleaceae. 

Fadenfóormige unverástelte, wurzellose, freischwimende, vielzellige Algen mit Oogonien und 
Antheridien. Ungeschlechtliche Vermehrung durch Schwármzellen (Zoogonidien) fehlt. Das Chloro- 
phyll ist in den vegetativen Zellen in gleich weit von einander entfernten Plasmaringen enthalten. 

II. Unterordnuno. Isogameae. 

Oogonien und Antheridien nicht vorhanden. (Geschlechtliche Vermehrung durch Copu- 
lation zweier, ganz oleich gestalteter, Schwármzellen (Isogameten), deren Product (Zygote, Isospore) 
nach cinem Ruhezustande keimt und nach allmáhlichem Wachsthum wieder ungeschlechtliche 
Schwármzellen (Zoogonidien) entwickelt. 

XII. Familie. Ulvaceae. 

Unverzweigte, einfache Zellschichten oder unregelmássig blattartige, ebene oder krause, 
aus einer Lage parenchymatischer Zellen gebildete Zellfáchen, Rohren oder Blasen, seltener solide, 
fadenfoórmige Zellkórper. © Geschlechtliche Fortpflanzung durch isogame Schwármzellen, welche 
sich aus dem Inhalte der Zellen entwickeln, und zu zweien copulirend, Zygoten bilden. Chroma- 
tophoren plattenfórmig, der Aussenwand der Zelle ancelagert. 

XIII. Familie. Chaetophoraceae. 

Einfache Zellreihen, seltener durch seitliches Verwachsen zweier oder mehrerer Zell- 
fáden entstandene unverzweigte Zellbánder (Schizogonium Ktz.) oder mehr weniger reichlich ver- 
zweigte, mit Wurzelhaaren versehene Zellfáden, deren Endverzweigungen meist in farblose Haare 
auslaufen. Zellen einkernig. Zoogonidien meist zu 2 bis 16 in einer der vegetativen Zellen gleichenden, 
Mutterzelle entstehend. Chromatophoren einzeln, band- oder ringfórmig, wandstándie, ofters an 
Rándern mannigfaltig gelappt. 

XIV. Familie. Cladophoraceae. 

Einfache unverzweigte, oder wiederholt verzweigte Zellfáden ohne farblose Haare, deren 
Zellen mehrkernig, seltener zwei- oder einkernig (Conferva), sind.  Zoogonidien zahlreich, wenig- 
stens zu 32, in einer, den vegetativen Zellen gleich entwickelten Mutterzelle enstehend. Zellen 
meist mit robuster Zellhaut, ofters mit einer Specialmembran versehen, welche am deutlichsten an 
den Scheidewánden von der gemeinsamen cetrennt ist und die bei der Zelltheilung in H.-fórmiče 
Stůcke zerreisst. Chromatophoren scheibenfórmig, wandstándig, einzeln oder durch fortgesetzte 
Theilung der álteren, vielfach durchbrochenen, Chromatophoren zahlreich. 

XV. Familie. Trentepohliaceae. 

Subdichotomisch oder seitlich verzweiste, gecliederte Zellfáden ohne farblose Haare 
und Rhizoiden. Vegetative Zellen mit homogener Zellhaut, einkernig, mit scheibenfórmigen, wand- 
stándigen Chlorophoren, welche ofters vollstándig von rothen Schleimkugeln (Haematochrom) des 
Zellinhaltes verdeckt sind. Zoogonidien zahlreich, zu 20 bis 60 und mehr in einer, von den vege- 
tativen Zellen mehr oder weniger in Form und Grósse differirenden Mutterzelle entstehend. 


IX. Familie. Coleochaetaceae. 


Der Thallus der Coleochaetaceen ist polsterfórmig oder scheibenfórmig, aus meist 
dichotomisch verzweigten Zellreihen aufeebaut. Zellen an den frei wachsenden Fáden 
lánslich oder fast birnfórmig, an den zu mehr oder weniger regelmássicen, kreisrunden, 
an einer Unterlage festsitzenden, zu kleinen Scheiben verwachsenen Fáden in der Fláchen- 
ansicht meist viereckig, dicht gedránst; einzelne Zellen mit, in engen Scheiden steckenden 
farblosen Borstěnhaaren versehén, welchen die ganze Familie ihrén Namen verdankt. Die 
Chromatophoren sind in Form grůner, wandstándiger, Platten in den Zellen ausgebildet. 

Ungeschlechtliche Vermehrung erfolet durch zwei-, selténer vierwimperige Zo0g0- 
gonidien, welche in allen vegetativen Zellen entstehen kónnen, und zwar erzčust jede 
Zelle blos eine Zoogonidie, die nachher durch eine Offnung in der Membran ausschlůpft. 
Aus diesen Zoogonidien, welche den Spermatozoiden im Ganzen áhnlich, aber bedcutend 
grósser sind, wachsen, nachdem sie zur Ruhe gekommen sind, neue Fáden aus, die ent- 
weder bůschelfórmie verzweist zu Polstern vereinigt sind oder zu flachen Scheiben unter 
einander verwachsen. 


38 


An. Geschlechtsorgane tragenden Pflanzen entstehen in Oogonien ruhende 00s- 
pháren, in den Antheridien schwármende Spermatozoiden. Nach der Befruchtung der 
Eizelle durch die Samenkůrperchen wáchst aus den untér dem Oogonium liegenden Zellen 
eine Berindung um dasselbe hervor, welche spáter das ganze oder den unteren Theil des 
Oogoniums fest umschliesst, und an deren Bildung bisweilen auch Aeste anderer Thallus- 
fáden sich betheiligen. © Der Inhalt der úberwinternden Zygoten theilt sich im náchsten 
Frůhling unter Volumenzunahme mehrfach und verwandelt sich in einen, aus wenigen 
Zellen  bestehenden, parenchymatischen Gewebekórper. In jeder Zelle dieses Gewebe- 
kórpers wird spáter eine Zoogonidie gebildet, welche sowohl in ihrem Ausseren, als auch 
in ihrer weiteren Entwickelung věllig den ungeschlechtlich erzeusten Zoogonidien oleicht, 
Aus den Schwármzellen, welche im Frůhjahre beim Beginnen der Vegetation aus den Zellen 
der vorjáhricen Zygote hervortreten, entwickeln sich blos ungeschlechtliche Pflanzen, also 
blos solche, welche nur durch neutrale Schwármzellen sich vermehren, erst nach einer 
deihe solcher ungeschlechtlicher Generationen entsteht eine geschléchtliche, Oogonien und 
Antheridien bildende Generation, die entweder moněcisch oder diócisch sein kann. 


10. Gattung. (Coleochaete Bréb. 


Der Thallus ist etwa 1 bis 2 mm, seltener bis 3 mm im Durchmesser cross 
und besteht aus činer Anzahl radial gestéllter, oft seitlich mit éinander verwachsener und 
dann eine Scheibe bildender Zellreihen oder aus locker zu grůnen punktfórmigen Polstern 
verbundenén bůschelie verzweigten Zelfáden. Die Zellen dieser Algen enthalten děr Zell- 
oberseite angelagerte, plattenfórmige Chromatophoren (Chlorophoren) und verměgen auch 
im Alter eigenthůmliche Borsten zu erzeugen. Die Coleochaete-Borsten sind an ihrer 
Basis von einer Šcheide umgeben, welché wahrscheinlich aus den gesprensten usseren 
Lamellen der Zellhaut besteht, wáhrend die innéren Partien derselben sich zu einem 
důnnen, aber soliden Borstenhaar gestréckt haben. 


Die Oogonien entstehen béi éinigen C.-Arten aus den Scheitelzellen der auf- 
steigenden Fáden, die entweder in einem oder in mehreren concentrischen Kreisen auf 
dem Thallus angeordnet sind.  Diejenigen Zellen, welche zu Oogonien werden sollen, 
schwellen bauchig an und verlángern sich bei einigen Arten am oberen Ende in einen 
an der Spitze sich dffnenden, dem Trichogyn der Florideen áhnlichen, fadénfórmigen Fort- 
satz (sogen. Hals). Die, je ein Spermatozoid erzečugenden, Antheridien treten entweder 
in der Nachbarschaft der Oogonien (moněcische Arten) oder an anderen Plánzchen (dió- 
cische Arten) auf. Durch zweifache Zweitheilung theilen sich einzelne altere vegetative 
Zellen in vier Zellen, von denen jede ein Spermatozoid erzeugt (so bei C. scutata). Bei 
anderen Ú.-Arten treten die Antheridien als kleine flaschenfórmige Zellen auf, welche zu 
zwei oder drei aus einzelnen vegetativen Zellen, in Form kurzer Seitenáste entstehen. 
Jede dieser Zellen entlásst ihren Inhalt als ein einziges fast farbloses, kugeliges oder 
ovales Spermatozoid, das an seineém vorderen Ende zwei lange Cilién trást. Durch den 
gedffneten Hals des Oogoniums dringen die Spermatozoiden bis zu der Eizelle vor und 
befruchten diese, worauf sie sich zur Zygote (Oospore) ausbildet, welche den Bauchtheil 
des Oogoniums vollstůndie ausfůllt. 

Nach der Befruchtune wird bei den scheibenfórmigen Arten um das Oogonium 
nur auf der Oberseite eine Berindung gebildet, bei C. orbicularis und C. irregularis bleibt 
sie auch auf dieser Seite rudimentár oder sie entwickelt sich gar nicht. Die reifen, von 
dem Oogonium und dessen Berinduneschicht eingeschlossenen Oosporen úberwintern. Erst 
im náchsten Frůhjahr theilt sich der Inhalt dieser Zygoten in mehrere Partien, von denen 
jede nachher als Schwármzelle die Rindenschicht verlůsst und eine neue, ungeschlechtliche 
Pílanze hervor bringen kann. 

1. Sect. Eucoleochaete (De Bréb.) nob. Lager polsterartig erhaben. Zweige auf- 
strebend. © Moněcische Arten. 


17. C. pulvinata A. Br. Jahrb. f. w. Bot. 1860 IT. T. 2. Bildét etwa 1 bis 2 mm 
hohe, erhabene kreisrunde grůnliche Polster (nie flache Scheiben), welche aus radial ge- 


Coleochaete. 39 


stellten, mehr oder minder aufrecht abstehenden, Zweigen 
bestehen, die von einem aus zwei neben einander liegenden 
Zellen gebildeten Centrum ausgehen. © Vegetative Zellén 
meist 20 bis 43 u dick, kaum 2mal so lang.  Oogonien 
ursprůnelich flaschenfórmic, spáter vollstándig berindet und 
kugelrund. Berindetes Carpogon bis 150 u dick; reife Frucht 
ohne Rinde bis 110 u dick. Antheridien in der Náhe der | 
: i i ; 
a ae. o u dick, 2'/„mal so lang. Sperma- Fig. 13. Coleochaete pulvinata 
i : A. Br. aus den Teichen bei 

var. B) minor Pringsh. Lager niedrig, fast scheiben- © Krobitz náchst Franzensbad. 
fórmig, mit nur wenig ausgebildeten Aesten versehen. Grós- © Theil eines | fructificirenden 
senverháltnisse sind meist viel geringer, als bei der typischen © Stockes;links miteinem jungen 
Form; doch kommen auch Exemplare vor, die in der Grósse BE AVT GTEM NENSN O OBHO 
: ? s" A deten Oogonium; etwa 100mal 
ihrer Zellen und Oogonien jener Form seleich kommen. vergr. 

An untergetauchten Bláttern und Stengeln verschie- 
dener Wasserpflanzen in Teichen, Seen, Tůmpeln, auch in torfigen Gewássern; in Bóhmen 
zerstreut, stellenweise aber massenhaft (6—9). 

In stehenden Gewássern in der Umgebung von Prac z. B. in den Tůmpeln an 


der Kaiserwiese und bei Hlubočep, frůher 1872——75 auch in den Siůmpfen bei Vysočan 


nicht selten (!), in den Tůmpeln an der Elbe bei Kolín, in den Waldteichen bei Střezmiř 
náchst Stupčic! in den Teichen bei Lomnic náchst Wittingau; in den Teichen bei Krobitz 
náchst Franzensbad und im grossen Arber-See im Bohmerwalde sehr reichlich!; im Fisch- 
hofer Teich bei Hohenfurth! 


18. C. divergens Pringsh. Jahrb. f. wis. Bot. 1860 II. T. 2. Wittr. et Nordst. 
Ale. exs. Nr. 1! Polster unregelmássig ausgebreitet, mit minder zahlreichen emporstei- 
genden Fáden. Wachsthum nicht concentrisch, ohne zweizelliges morphologisches Centrum. 
Veget. Zellen etwa 25 u dick, 1 bis 3mal so lang (meist 50 bis 92 u lang). Durch- 
messer der berindeten Oogonien bis 136 u, der reifen Oosporen bis 94 u. 

var. B) minor nob. Veget. Zellen meist nur 12 bis 18 u dick, 1 bis 2'/,mal 
so lang, berindete Oogonien etwa 60 bis 80 u dick, reife Oosporen 54 bis 70 im 
Durchmesser. 

Wie vor. čfters auch im schleimigen Lager von Batrachospermum (Wittr. et 
Nordst. Alg. exs. Nr. 1!), Schizochlamys u. a. Algen (6—9). 

So in den Elbetůmpeln bei Houška náchst Brandeis im schleimigen Lager von 
Schizochlamys var. B)! 

2. Sect. Phyllactidium (Ktz. ex p.) nob. Lager scheibenartig, niederliegend mit der 
ganzen Unterfáche dem Substrate aufoewachsen. Zweige kriechend. Moněcische und dič- 
cische Arten. 


19. C. orbicularis Pringsh. Jahrb. f. w. Bot. 1860. II. T. 1. Kleine, flache 
kreisrunde Scheiben, bei denen die radialen Zweige seitlich zu einer flachen, parenchy- 
matischen Zellschicht verwachsen sind.  Veget. Zellen 8 bis 12 u dick, etwa 2mal so 
lang. Carpogonien eifórmie, ohne Halsfortsatz, auf der Unterseite immer nackt, auf der 
Oberseite meist nur unvollstándig berindet oder ganz nackt, reif etwa 50 bis 66 u breit, 
60 bis 86 u lang, meist in concentrischen Kreisen, Antheridien unbekannt. 

An Wasserpflanzen meist an der Unterseite der auf der Wasseroberfláche schwim- 
menden Blátter verschiedener Hydrophyten, insbesondere Nuphar, Nymphaea u. á., ebenso 
an der Unterseite der Lemna-Stengel, auch an untercetauchten Stengeln der Typha, Phrag- 
mites, Sparganium etc., auch an untergetauchtem Holz u. a. Gegenstinden (5—10). 

Bei Prag, z. B. in den Schanzgráben hinter dem gew. Kornthor, in den Tůmpeln 
auf der Kaiserwiese, bei Hlubočep und bei Radotín; in den Sůmpfen bei Běchovic und 
Oužitz náchst Kralup; in den Elbetůmpeln bei Kostélec a. E., bei Raudnitz, Lobositz; 
bei Čížkovitz, in den Tůmpeln an der Eger bei Laun; ebenso n den TŤůmpeln an der 
Iser bei Jang-Bunzlau und bei Bakov! in den Elbetimpeln bei Kolín, Pardubic, in dén 


- Sůmpfen bei Rosic und Kóniggrátz. In den Teichen bei Libňoves an der Cidlina- bei Habstein, 


40 Coleocháete — Herposteiron. 


Hirschberg, Weisswasser, Brůx, Dux, Franzensbad, Tabor unter dem kleinen Wasserfalle 
bei der stádt. Wasserleitung in sehr grossen Exemplaren, bei Frauenbere, bei Budweis, in 
den Teichen bei Hohenfurth, bei Veselí, Sobieslau, Olbramovic und Podolí náchst Votic; 
in den Teichen an der Bahn bei Střezmiř náchst Stupčic, 


20. C. seutata De Bréb. Jahrb. f. w. Bot. 1860. 
II. T. 1.  Diócische, flache kreisrunde, zahlreiche Borsten 
tragende Scheiben, die wie bei der vorigen Art aus einer 
parenchymatisch zusammenhángenden einschichtigen Zelllace 
gebildet sind.  Vegetative Zellen sind bis 25—46 u dick, 
1 bis 3mal so lang (nach Pringsh.). Oogonien eifórmig ohne 
Halsfortsatz, auf der Oberseite vollstándie berindet, auf der 
Unterseite nackt. Antheridien auf besonderen mánnlichen 
Exemplaren, zu je vier aus einer vegetativen Zelle durch 
n Theilune entstehend. Die Oosporen sind etwa 140 bis 160 u 
p Páněsu Stůck einer fuč: Pe “ oo i 
ifeireidení TMallus- Scheibe. Wie vor., doch seltener verbreitet (6—9). So in 

Vergr. 250fach. den Teichen bei Brůx und Franzensbad! in den Teichen 
-bei Chlomek náchst Turnau, nicht fructificirend! 

21. (. irregularis Pringsh. Jahrb. f. w. Bot. 1860 II. T. 1 u. 6. Lager von 
unregelmássiger Gestalt, aus niederliegenden, zusammenhángenden, untereinander zu einer 
fast lůckenlosen  einschichtigen Zelllage verwachsenen Fáden  bestehend. © Vegetative 
Zellen etwa 25 u dick, fast eben so lang oder etwas lánger als dick. Oogonien eifórmig, 
ohne Halsfortsatz, auf der Unterseite ganz nackt, auf der Oberseite meist nur sehr un- 
vollstándig berindet, oder ganz nackt ohne bestimmte Ordnung zwischen den Fáden ver- 
theilt, etwa 64 bis 120 u lang. Antheridien unbekannt. 

Wie vor. (6—9). So in den Teichen bei Franzensbad nicht fructificirend ! *) 


11. Gattung. Herposteiron Nás. (Aphanochaete A. Br.). 


Thallus aus unregelmássig verzweigten Zellfáden bestehend. Verzweigungen ein- 
ander oleichgestaltet, alle oder nur die primáren niederliegend und ofters zu einer un- 
regelmássigen Scheibe verwachsen. | Einzelne Zellen auf dem Růcken oder an der Spitze 
eine ziemlich lange, scheidenlose, an der Basis dfters mássie angeschwollene Borste tragend. 
Ungeschlechtliche Fortpfianzung durch Zoogonidien und Dauerzellen (Hypnosporen). Ge- 
: schlechtliche Fortpflianzung unbekannt. (Habituell ist diese 
Gattung der vorhergenden áhnlich.) 


22. H. repens (A. Br.) Wittr.?) (Aphanochaete 
repens A. Br.) Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 406! Brit. 
fresh. ale. T. 80. Alle Verzweigungen gleichgestaltet, der 

| | Unterlage angewachsen; vegetative Zellen 5 bis 10 u dick, 
Fig. 15. Ierposteiron repens 1 bis 2mal so lang, leicht angeschwollen, auf dem Růcken 
(A. Br.) Wittr. Auf Lemna- : A ; 
Wurzel aus den Schanzgráben ofters eine důnne, hyaline Borste tragend. 
bei Prag. Vergr. ca. 200mal. In stehenden Gewássern, Teichen, Sůmpfen, Gráben, 
auf der Aussenfláche der Zellmembran verschiedener hóherer 
Algen oder an Bláttern und Wurzeln verschiedener Wasserpflanzen (Lemna minor, tri- 
sulca u. .) festsitzend; zerstreut, meist in der Ebene verbreitet (4—9). 

So in der Umgebung von Prag z. B. in den Schanzeráben hinter dem gew. 
Kornthor, in einem Tůmpel an der Moldau bei Troja an Cladophora fracta, ebenso in 
den Tůmpeln náchst Branik, in den Tůmpeln an der Beraun bei Radotín, in den Sůmpf- 


») Auch Chaetopeltis orbicularis Berthold, Phycopeltis epiphylla Millard., Chromopeltis 
irregularis und Ch. radians Reinsch, welche habituell den scheibenfórmigen Coleochaete-Arten 
áhnlich sind, werden wahrscheinlich in Bohmen noch entdeckt werden. 

2) Hoffentlich wird in Bóhmen auch JZ. confervicola A. Br. und JZ. (Aphanochaete) glo- 
bosa Nordst., von welchen die letztere H.-Art nach Fr. Wolle (Freshwater algae IV. p. 48) der 
Coieochaete soluta Pringh áhnlich sein soll, in Bóhmen noch entdeckt werden. 


Oedogonium. 41 


chen bei Oužic náchst Kralup, in den Elbetůmpeln bei Neratovic, Lobositz und Kolín a. E., 
in den Teichen bei Dymokur, bei Libňoves an der Cidlina; in den Teichen bei Hirsch- 
berg, Dux, Brůx; in den Sůmpfen bei Saidschitz náchst Bilín an Cladophora fracta; bei 
Laun. In Sůdbohmen bei Podolí náchst Votic, bei Tabor, Písek (auf Lemna-Wurzeln), 
bei Lomnic, Wittingau, im Fischhofer Teiche bei Hohenfurth, im grossen Arber-See im 
Bohmerwalde! 


X. Familie.  Oedogonieae.') 


Fadenfórmige verzweigte oder unverzweigte, im Wasser lebende Algen, deren 
Glieder durch intercalares Wachsthum sich vermehren, mit Endzellen, welche ofters in 
hyaline Borsten auslaufen, wáhrend die Basalzellen (Fusszellen) mit einer lappigen Haft- 
scheibe an der Unterlage festsitzen. In Folge einer eigenthůmlichen Zelltheilung tragen 
einzelne Zellen an ihrer Spitze kurze, in einander geschachtelte Zellhautkappen, nach 
welchen die Oedogonieen auch im sterilen Zustande leicht erkannt werden kónnen. 

Ungeschlechtliche Vermehrung theils durch Schwármzellen, welche einzeln aus 
dem ganzen Inhalte der vegetativen Zellen entstehen und rings um eine hyaline Spitze 
einen Kranz von Geisseln tragen, theils durch Dauerzellen (Akineten, Hypnosporen), die 
unter gewissen Umstánden, gewóhnlich am Ende der Vegetationsperiode aus den vege- 
tativen Zellen entstehen, deren protoplasmatischer Inhalt dichter wird und deren Mem- 
branen sich verdicken.  Solche Dauerzellen sind im Stande am Grunde der Gewásser, 
wo die Oedogonieen vegetiren, zu úberwintern oder im Sommer nach einer Austrocknung 
des Wassers bis zu der náchsten Vegetationsperiode keimungsfáhig sich zu erhalten. 

Geschlechtliche Vermehrune durch unbewegliche Zygoten (Oosporen). Die Anthe- 
ridien und Oogonien tragenden Geschlechtspflanzen sind entweder moněcisch oder didcisch. 
Bei vielen Arten bildet die weibliche Pflanze besondere Schwármzellen (Androsporen), aus 
welchen kleine mánnliche Pflánzchen sogen. Zwergmánnchen hervorgehen. Die Oogonien 
eutstehen an den Fáden aus vegetativen Zellen, indem diese gleich nach der Theilung 
kugelig oder eifórmig anschwellen und sich stárker als die úbrigen Zellen mit Inhalts- 
stoffen anfůllen. Nach der Befruchtune des zu einer Oosphaere ausgebildeten Oogonium- 
Inhaltes durch frei bewegliche Spermatozoiden, wird aus der Oosphaere je eine Zygote 
(Oospore) gebildet, deren Inhalt (ofters auch die Zellhaut) braun, gelbbraun, rothgelb oder 
roth sich fárbt. Nachdem das Oogonium von den Nachbarzellen des Fadens sich abge- 
trennt hat und zum Boden gesunken ist, kann die in der Haut des Oogoniums einge- 
schlossene Zygote úberwintern. © Aus dem Inhalte der Zygoten, welche ihre Ruheperiode 
úberdauert haben, entstehen wieder mehrere Schwármzellen, welche ungeschlechtliche, d. h. 
blos durch Schwármzellen sich vermehrende Pflanzen erzeugen, aus diesen gehen abermals 
solche hervor, bis die Reihe der cgeschlechtslosen Pflanzen durch eine geschlechtliche 
Generation geschlossen wird; aber auch von dieser Generation werden neben den Zygoten 
mitunter auch ungeschlechtliche Zoogonidien (Schwármsporen) erzeugt, die einzeln in 
vegetativen Zellen aus deren ganzem Inhalte sich bilden und rings um eine hyaline Stelle 
herum mit Cilien versehen sind. 


12. Gattune. Oedogonium Link. 


Der Thallus besteht aus einer unverzweigten Zellreihe. Vecet. Zellen cylindrisch 


- mit gerade verlaufenden, seltener wellig eingeschnůrten Lángswánden, dfters an ihrer Spitze 


kurze, in einander eingeschachtelte Zellhautkappen tragend. Antheridien werden entweder 
an denselben Fáden angelest, welche auch Oogonien tragen (monocische Arten) oder sie 
entstehen in besonderen mánnlichen Pflánzchen (didcische Arten). Im letzteren Falle 


1) Die folgende Eintheilune der Oedogonieen ist auf Grundlace der Wittrock'schen 
Monographie „Prodromus monographiae Oedogonicarum“, 1874 sowie Wittrock's Abhandlungen 
„Oedogoniaceae novae in Suecia lectae,“ 1872, „Oedogonieae americanae hucusgue cognitae,“ 1878, 
Wittrock's und Nordstedts „Desmideae et Oedogonieae in Italia et Tyrolia collectae“, 1876 und 
ihrer „Algae aguae dulcis exsiccatae“, 1877—85 durchcefůhrt worden. 


49 Oedogonium. 


bilden die mánnlichen Oedogonien-Fáden entweder kurze ein- bis weniozellige Zwerg- 
mánnchen, die in der Náhe der Oogonien sitzen oder sie bilden unterbrochen von vege- 
tativen Zellen Fáden, welche den weiblichen gleichgestaltet sind. Die Zwergmánnchen 
entstehen aus mánnlichen Schwármzellen (Androsporen), welche entweder an weiblichen 
Fáden (gynandrospore Arten) oder auf besonderen, unfruchtbaren Fáden (idiandrospore 
Arten) in kurzen, den Antheridien áhnlichen, Zellen (Androsporangien) gebildet werden. 
Die unterste vegetative Zelle mehrzelliger Zwergmánnchen (Fusszelle) ist steril, die úbrigen 
stellen Antheridien dar, in welchen Spermatozoiden entstehen. Letztere befruchten die 
Oosphaere, indem sie mit derselben zusammenfliessen, nachdem sich das Oogonium durch 
einen aufklappenden Deckel oder durch ein rundes Loch vedffnet hat. Die unter dem 
Oogonium befindliche Zelle (Stůtzzelle) ist oftérs stark angeschwollen und grósser als 
andere vegetative Zellen. Die áussere Haut der Oospore (Episporium) ist glatt, mit Lángs- 
rippen versehen oder seltener stachelig, 


1. Sect. LHuoedogontum (Wood) nob.“)  Moněcische Arten. Oogonien kugelig, 
ohne Vorsprůnge in der mittleren Region (glatt).“) 


23. Oe. minus Wittr. Wittr. et Nordst. Ale. exs. Nr. 22, 23! Veget. Zellen 
9 bis 13 u dick, 3 bis 6mal so lang, ihre Membran sowie die der Oogonien mit spiral- 
fórmig gereihten Punkten besetzt. Oogonien einzeln, niedergedrůckt-kugelig, in der 
Mitte mit einem engen Spalt, in welchem sie sich mit einem Loche offnen, 34 bis 46 u 
dick, 28 bis 42 u lang.  Oosporen niedergedrůckt-kugelig, die Oogonien fast ganz aus- 
fůllend, 30 bis 42 u dick, 26 bis 36 u lang. Spermogonien 1 bis 10zellig, úber oder 
unter den Oogonien oder seltener zerstreut, 9 bis 12 u dick, 3 bis 5 u lang. Sperma- 
tozoiden einzeln. 

In Teichen, Sůmpfen, Wassergriben, ziemlich selten. Fructif, 7—8. So in den 
alten Teichen náchst der Zuckerfabrik bei Dymokur, in den Teichen bei Lomnitz náchst 
Wittingau! 


24. 0e. crispum (Hass.) Wittr. [Pringsh. Jahrb. 1858 I. T. 5 als Oe. rostel- 
latum] Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 209, 508! Vegetative Zellen 12 bis 18 u dick, 
2 bis 4"/,mal so lang.  Oogonien eifórmig-kugelfórmig, einzeln, mit einem Deckel sich 
offnend, 37 bis 49 u dick, 42 bis 54 u lang von der fast kugeligen Oospore nicht ganz 
erfůllt. Oosporen 33 bis 46 u dick, 34 bis 46 u lang. Antheridien 2 bis 5 zellig, 
úber oder unter dem Oogonium, 9 bis 14 u dick, 7 bis 12 u lang. Endzelle stumpí. 

var. B) gracilescens Wittr. Wittr. et Nordst. Alg. exs, Nr. 509! Zellen 10 bis 13 u 
dick, 3 bis mal so lang, Oogonien 33 bis 39 u dick, 42 bis 47 u lang, eifórmig- 
kugelfórmig, oder fast kugelie, einzeln, selten zu zwei hinter einander; Oosporen die 
Oogonien fast ganz ausfůllend 32 bis 36 u dick, 34 bis 42 u lang, mit gekórntem 
Epispor; Antheridien úber den Oogonien, 9 bis 10 u dick, 7 bis 75 u lanc. 

In stehenden Gewássern, 'Teichen, Sůmpfen u. a. in Bóhmen in der Ebene und 
auch noch im Vorgebirge verbreitet.  Fructif. 6—8. In der náchsten Umgebung von 
Prag mehrfach, so z. B. in den Tůmpeln an der Moldau, in den Teichen bei Kunratic, 
in den Sůmpfen bei Vysočan, Podmoráň, Karlstein náchst Beraun, Elbe-Kostelec, Houška 
náchst Brandeis a. E., Raudnitz, Lobositz, bei Bakov, Hirschbere, Trautenau; in den 
Teichen bei Olbramovic náchst Wotic, bei Tabor, Veselí, Wittingau auch B., Lomnitz, 
Hohenfurth, Krummau; in den Teichen bei Tschausch náchst Brůx, bei Dux, Franzensbad! 


25. 0e. cymatosporum Wittr. et Nordst. Vecet. Zellen 8 bis 10 u dick, 4 bis 
Tmal so lang.  Oogonien einzeln, selten zu zwei hinter einander, niedergedrůckt-kucelig, 
mit einem Loche in der Mitte oder etwas hůher sich offnend, 24 bis 34 u dick, 27 bis 
96 u lang, Oosporen niedergedrůckt-kugelig, 22 bis 31 u dick, 19 bis 27 u lang. Die 


9 In seinem Werke „A contribution to the history of the fresh-water algae of North 
America, 1872, p. 195 u. £“ hat Wood die Gattung Oedogonium Link. in drei Gattungen: Oedo- 
gonium, Pringsheimia, Androgynia, die wir oben als Sectionen anfůhren, zersplittert. 

7) Oe,-Arten, deren Oogonien mit wirtelig gestellten Vorsprůngen in der mittleren Zone 
verschen sind, wurden bisher in Bohmen nicht entdeckt. 


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Oedogonium. 43 


Oogonien fast ausfůllend mit runzeligem, im optischen Durchschnitt wellig ausgerandetem 
(fast gekerbtem) Epispor, Ausrandungen zahlreich und ziemlich tief.  Antheridién 1 bis 


© 4zellig, úber oder unter den Oogonien, oder zerstreut, 8 bis 9 u dick, 9 bis 15 u lang. 


In Sůmpfen, Wassergráben wie vor., selten; fructifť. 6—8. So in den Sůmpfen 
an der Bahn bei Ouval mit Oe. sexangulare Clev. 


26. Oe. Vaucherii (Le Cl.) A. Br. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 14, 605! 
Veget. Zellen 20 bis 30 u dick, 1", bis 4mal so lang. Oogonien einzeln eifórmig- 
kugelfórmig oder fast kugelig 40 bis 55 u dick, 45 bis 65 u lang, mit einem Loche 
oben sich offnend, von der etwa 35 bis 50 u dicken, 35 bis 52 u langen Oospore fast 
ganz erfůllt; Antheridien 17 bis 24 u dick, 6 bis 11 u hoch, 2 bis 4zellig, úber oder 
unter dem Oogonium. 

In stehenden Wássern, Tůmpeln, Teichen, Gráben u. á. wie vor. verbreitet, 
Fructif. 6—8. In der Umgebung von Prag z. B. in den Tůmpeln an der Moldau, in den 
Teichen bei Kunratic, Hloupětín, in den Tůmpeln bei Podmoráň, Elbe-Kostelec, Brandeis 
a. E., Leitmeritz, Lobositz, Kónigerátz; bei Tabor, Veselí, in den Tůmpeln an der Moldau 
bei Krummau! 


2. Sect. Androgynta (Wood.) nob. Dičcische Arten. Die Spermatozoiden ent- 
stehen in einzelligen, zwei- oder mehrzelligen Zwergmánnchen. «) Zwergmánnchen ein- 
zellig. «) Vegetative Zellen wellig eingeschnůrt (Cymatonema Ktz.). 


27. Oe. undulatum (Bréb.) A. Br. [Cymatonema confervaceum Ktz. Tab. phycol. 
III. T. 47.] Veget. Zellen 15 bis 17 u dick, 3 bis mal so lang. Oogonien einzeln 
oder zu zweien elliptisch-kugelformig oder fast kugelig, 51 bis 56 u dick, 57 bis 75 u 
lang, von der 46 bis 50 u dicken, 48 bis 60 u langen, elliptisch-kugeligen oder fast 
kugelrunden Oospore gróssten Theils ausgefůllt. Zwergmánnchen einzellig, 9 bis 10 u dick, 
65 bis 70 u lang, lánolich kugelfórmig, auf den Stůtzzellen sitzend.  Endzellen, welche 
úfters zu Oogonien sich entwickeln, stumpf. Vegetative Zellen viermal wellig eingeschnůrt, 
Einschnůrungen olatt; 


var. B) %netsum nob. Einschnůrungcen der veget. Zellen an der Wólbung alle 
(aussenommen die mittlere) leicht eimal ausgerandet. 


In Teichen, Sůmpfen, Wassereráben, meist unter anderen Algen zerstreut, in 
Bóhmen in der Ebene und im Vorgebirge ziemlich verbreitet.  Fructif, (7—10). In dem 
Můhlteiche bei Kunratic náchst Prag 1883 !, in den Sůmpfen bei Pardubic, Libňoves an 
der Cidlina, Kónigerátz mehrfach, in den Teichen bei Tschausch náchst Brůx, auch var. B), 
bei Dux, in den Teichen bei Kaltenbrunn náchst Hohenfurth, in den Tůmpeln an der 
Moldau bei Ebenau náchst Krummau, bei Lomnitz, Wittingau, Sobieslau, Veselí; in den 
Sůmpfen bei Střezmiř náchst Stupčic! ) 

B) Vegetative Zellen cylindrisch, nicht eingeschnůrt. 


28. 0e. cyathigerum Wittr. Dispos. Oed, suec. T. 1. Idiandrospor. Veget. Zellen 
24 bis 30 u dick, 2 bis mal so lang, Stůtzzellen stark angeschwollen, 44 bis 48 u 
dick, 2mal so lang. Oogonien zu zweien oder einzeln, eifórmig oder fast viereckig- 
elliptisch, mit einem Loche oben sich offnend 57 bis 66 u dick, 70 bis 90 u lang, von 
der fast elliptischen 51 bis 60 u dicken, 60 bis 75 u langen Oospore ausgefůllt. End- 


r) Eine interessante Oedogonium-Form, welche der von P. Reinsch in seinem Werke 
„Contributiones ad algologiam et fungologiam“, 1875, p. 77 als Cymatopleura sp. kurz beschrie- 
benen, unter dem Namen Cymatonema sp. nach einem Bruchstůck abgebildeten [I. c. Tab. VI. 
Chlorophyllophyceae] Oedogonium-Art — deren lánglich sechseckige Zellen etwa 13 u dick, 29'6 u 
lang sind — in der Form der Zellen áhnlich ist, habe ich in Bohmen einigemal, meist aber nur 
vereinzelt unter anderen Algen, in grósserer Menge bisher blos bei Lomnic náchst Wittingau 
angetroffen. Die veget. Zellen dieser Alge sind meist lánglich sechseckig 6 bis 8 u dick, etwa 
15 u lang; seltener kommen an den meist kurzen Fáden dieser Oe.-Form unter den sechseckigen 
auch einzelne lánelich cylindrische etwa 4 w dicke, 3 bis 4mal so lange Zellen vor. Fructificirende 
Fáden sind noch unbekannt. Dieses sterile Oedogonium kommt auch in Schweden vor [Wittr. et 
Nordst. Alg. exs. Nr. 4!]. 


44 Oedogonium. 


zelle, welche čfters zu einem Oogonium wird stumpf; Androsporangien vielzellig, 23 bis 
80 u dick, 12 bis 30 u lang. Zwergmánnchen einzellig, becherfórmig, leicht gekrůmmt, 
auf den Stůtzzellen sitzend 12 bis 15 w dick, 50 bis 54 u lang. 

In stehenden Gewássern, Teichen u. a. selten. Fructif, 7—8. Bisher blos in den 
Teichen bei Brůx! 


b) Zwergmánnchen zwei- oder mehrzellig; «) Oosporen glatt, nicht stachelig, 


29. 0e. Borisianum (Le Cl.) Wittr. Tab. phycol. VII. T. 35. Wittr. et Nordst. 
Alg. exs. Nr. 11! Gynandrospor (oder idioandrospor?). Veget. Zellen 15 bis 21 u dick, 
3 bis bmal so lang, Stůtzzellen angeschwollen, 31 bis 33 u dick, 2mal so lang. End- 
zellen stumpf. Oogonien einzeln oder zu zweien mit einem Loche oben sich offnend, 
45 bis 50 u dick, 60 bis 75 u lang von der fast eifórmigen 40 bis 44 u dicken, 51 
bis 54 u langen, glatten, elliptischen Oospore fast ausgefůllt. Androsporangien 2- (oder 
mehr-?) zellig, 17 bis 18 u dick, 15 bis 20 u lang. Zwergmánnchen ein wenig gekrůmmt, 
auf den Stůtzzellen sitzend, mit etwa 18 u dickem, 45 bis 57 u langem Fuss. Anthe- 
ridien einzellig 10 u dick, 21 u lang. 

In Teichen, Tůmpeln wie vor., ziemlich selten. Fructif. 7—8. So in den Teichen 
bei Kaltenbrunn náchst Hohenfurth, bei Eisenstein und in den Tůmpeln an der Adler 
náchst Kónigerátz! 


30. 0e. acrosporum D. By. Úber Oedog. u. Bulb. T. 3. Idiandrospor.  Veget. 
Zellen 10 bis 14 u dick, 2 bis 7mal so lang, Endzelle stumpf. Stůtzzellen 15 bis 18 u 
dick, 2 bis 3mal so lang. Oogonium an der Spitze des Fadens, mit einem sehr kleinen, 
bald verschwindenden Deckel sich offnend, 30 bis 35 u dick, 45 bis 51 u lang, von der 
Oospore ganz auscefůllt. Die Membran der letzteren an der Innenseite lángsstreifig. 
Zwergmánnchen gekrůmmt, auf den Stůtzzellen sitzend, mit meist zweizellisem Fuss, die 
obere dieser Zellen sehr (55 bis 65 u) lang, 6 bis 8 u dick, die untere 9 bis 12 u 
dick, 24 bis 32 u lang. Antheridien 1 bis 2zellig, 6 bis 8 u dick, 14 bis 15 u lang. 


var. B) connectens Wittr. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 401! Gynandrospor (und 
idiandrospor?), veget. Zellen 12 bis 19 u dick, 9 bis 6mal so lang, Stůtzzellen 16 bis 
23 u dick, 2'/, bis 3"/,mal so lang. Oogonien 33 bis 48 u dick, 50 bis 72 u lang, 
Epispor mit etwa 25 Lángsstreifen, mit dicker Membran, Androsporangien 1 bis 2zellic, 
unter den Oogonien, 18 bis 22 u dick, 12 bis 15 u lang, die untere Zelle am Zwerg- 
mánnchen 8 bis 12 u dick, 29 bis 38 u lang, die obere 5 -bis 6 u dick, 66 bis 70 u 
lang, Antheridien 6 bis 75 u dick, 16 u lang. 

In Teichen wie vor., selten. Fructif. 6—8. So in den Teichen bei Brůx spárlich ! 


31. 0e. sexangulare Clev. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 12! Gynandrospor. 
Veget. Zellen 9 bis 16 u dick, 3', bis mal so lang. Oogonien einzeln (selten zu 
zweien), sechseckig-ellipsoidisch, mit einem etwas ber der Mitte liegenden Loche sich 
offnend, 29 bis 32 u dick, 33 bis 38 u lang, von der 27 bis 30 u dicken, 31 bis 36 u 
langen, glatten, fast elliptischen Oospore ausgefůllt.  Androsporangien 2 bis 3zellig, 13 
bis 14 u dick, 10 bis 14 u lang. Zwergmánnchen leicht gekrůmmt, mit einem 7 bis 
9 u dicken, 21 bis 27 u langen Fusse, auf den Stůtzzellen sitzend.  Antheridium ein- 
zellig, 6 bis 7 u dick, 9 bis 12 u lang. 

In Sůmpfen, Wassergráben wie vor. selten. Fructif, 6—8. So in den Sůmpfen 
an der Bahn bei Ouwal im J. 1882 reichlich ! 


32. 0e. crispulum Wittr. et Nordst. Veget. Zellen 4 bis 7 u dick, 2"/, bis 
4mal so lang. Oogonien einzeln oder zu zweien, eifórmig, mit einem Deckel sich offnend, 
mit einem breiten Spalt versehen, 17 bis 18 u dick, 24 bis 27 u lang. Oosporen ku- 
kelig-elliptisch, den unteren Theil der Oogonien ausfůllend, mit leicht crenulirter Membran. 
Zwergmánnchen auf den Oogonien sitzend, mit einem 5 bis 6 u dicken, 12 bis 15 u 
langen Fusse.  Antheridien einzellig, 4 bis 4'/, u dick, 5 bis 5'/, u lang. 

var. B) minutum nob. Veget. Zellen 3 bis 6 (selten 7) u dick, 3 bis 6mal so 
lang.  Oogonien elliptisch, 14 bis 18 u dick, 18 bis 24 u- lang, seltener fast kugelrund 


Oedogonium. 45 


-15 bis 18 u dick, das untere meist etwas kleiner als das obere.  Oosporen 9 bis 12 u 
- dick, 12 bis 15 u lang von brauner Farbe, mit fast glatter Membran; sonst wie die 
typische Form. 

k. In torfigen Gewássern, Torfsůmpfen u. a. selten. Fructifť. 8—9. So in den Teichen 
bei Kaltenbrunn náchst Hohenfurth; in Torfsůmpfen náchst Veselí unter Conferva floccosa 
(Vauch.) Ag.(?), Zygogonium ericetorum (Ktz.) D. By. in grosser Menge (var. 68!). 

P) Oosporen stachelig. | 


33. Oe. echinospermum A. Br. Tab. phycol. III. T. 36. Wittr. et Nordst. Alg. 
exs. Nr. 12, 506! Gynandrospor oder idioandrospor. Veget. Zellen 18 bis 30 u dick, 
2 bis 4"/„mal so lang. Oogonien einzeln, elliptisch-kugelig oder fast kugelrund, in der 


-Mitte mit einem Loche versehen, 40 bis 50 u dick, 42 bis 57 u lang von den kuge- 


ligen, stacheligen 38 bis 47 u dicken, 38 bis 49 u langen (mit den etwa 3 u langen, 
pfriemen-fórmigen Stacheln). Androsporangien 2 bis šzellig, 21 bis 25 u dick, 9 bis 15 u 
lang.  Zwerománnchen leicht gekrůmmt, auf den Stůtzzellen sitzend, mit einem 12 bis 
15 u dicken, 30 bis 35 wu langen Fusse.  Antheridien einzellig 10 bis 12 u dick, 12 
bis 15 u lang. 

Meist in torfigen Gewássern, seltener auch anderen stehenden Wássern, Tůmpeln 
u. a. ziemlich selten. Fructif. 7——9. So in den Moldautůmpeln bei Hodkowička náchst 
Prag!, in den Torfsůmpfen bei Lichtenau an der Adler! bei Hóflitz (Schauta) und bei 
Schluckenau (Karl) nach Rbh. Flora eur. alg. III. p. 349 in Mus. als Oe. tumidulum 
von Karl bestimmt! 


3. Sect. Pringshečmia (Wood) nob. Diócische Arten. Die Spermatozoiden ent- 
stehen in besonderen mánnlichen Fáden. 


34. 0e. capillare (L.) Ktz. Conferva capillaris L. Ktz. Phyc. gener. Tab. 12. 
Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 106!  Veget. Zellen 35 bis 55 u dick, 1 bis 2mal so 
lang.  Oogonien einzeln, nicht angeschwollen, cylindrisch, oben mit einem Loche sich 
ofinend 35 bis 55 u dick, 1 bis 1'/„mal so lang. Oosporen kugelig oder cylindrisch- 
kugelig, das Oogonium nicht ausfůllend, 30 bis 52 u dick, 39 bis 63 u lang. Mánnliche 
Fáden fast eben so dick, wie die weiblichen. Antheridien 1 bis 4zellig, mit vegetativen 
Zellen abwechselnd, 38 bis 48 u dick, 5 bis 6 u lang; Spermatozoiden je zwei in einer 
Zelle entstehend. 

In Flůssen, Báchen, Teichen meist auf Wehren, Wasserschleussen ete. in der 
Ebene und im Vorgebirge durch ganz Bóhmen verbreitet.  Fructiť. 8—10. So in der 
Umgebung von Prag an der Smichower Schwimmschule, am Wehre bei der Kaisermůhle 
náchst Baumgarten, bei Hrdlořez, Kunratic.  Bei Rovné náchst Raudnitz, Lobositz, Leit- 
meritz, bei Kolín, Chlumec an der Cidlina, Kóniegrátz; bei Hirschberg, Weisswasser, 
Parschnitz, Semil, Eisenbrod, Tannwald, Alt-Paka, Nachod! bei Fugau (Karl Mus.!); bei 
Jung-Bunzlau, Bakov, bei Můnchengrátz (leg. Dr. Píč!), bei Saaz, Carlsbad! Im Teiche 
Wavřinak bei Wawřinec náchst Zasmuk im J. 1881 massenhaft! Bei Poddubí, Sazawa, 
Doubrawic, Kocerad an der Sazawa, bei Beneschau, Bystřic, Hořovic, Tabor, Písek, Pro- 
tiwin, Sobieslau, Veselí, Lomnitz, Wittingau, Horažďovic, Krummau, Rosenberg, Hohen- 
furth, Kaplitz; bei Mies, Klattau! 


35. 0e. grande Ktz. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 503! Veget. Zellen 27 bis 
34 u dick, 2"/, bis 7mal so lang, Stůtzzellen von derselben Form wie die vegetativen 
Zellen.  Oogonien eifórmig, wenig angeschwollen, einzeln oder zu zwei hinter einander, 
mit einem Loche oben sich offnend, 45 bis 60 u dick, 90 bis 110 u lang, von den 
fast eifórmigen 45 bis 54 u dicken, 80 bis 93 u langen Oosporen fast aus- gefůllt. 
Mánnliche Fáden unbekannt. 

var. B) majus nob.*) veget. Zellen meist 34 bis 45 (selten etwa 30) u dick, 
2"/, bis 6mal so lang. Oogonien einzeln, 54 bis 66 u dick, 78 bis 90 u lang. Mánn- 


!) Diese Oe.-Form, welche dem Oe. mexicanum Wittr. (Oedos. amer. in Botan. Notiser 
1878 p. 138) der Grósse der veget. Zellen nach am náchsten steht, unterscheidet sich von diesem 
hauptsáchlich durch lángere Zellen sowie durch die Zahl und Grósse der Antheridien. 


Oedogonium. 


46 


liche Fáden fast eben so dick wie die weiblichen (33 bis 42 u dick). Antheridien 2 bis 
bis 8zellig, 50 bis 86 u dick, 9 bis 15 u hoch, mit vegetativen Zellen abwechselnd ; 
sonst wie die typische Form. 


In stagnierenden Gewássern ziemlich selten. Fructif. 8—10. So in alten Teichen 


bei Wittingau; in den Sůmpfen an der Bahn bei Žiželic náchst Chlumec an der Cid- 
lina und in den Teichen bei Brůx fB! 


36. 0e. Pringsheimii Cram. Wittr. Oedog. nov. Tab. 1 als Oe. Nordstedtii, 
Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 215!  Veget. Zellen 10 bis 20 u dick, 2 bis 4mal so 
lang. Oogonien einzeln oder zu 2 bis 6, mit einem Deckel sich čffnend, mit einem sehr 
engen und wenig deutlichen Spalte, 30 bis 43 u dick, 36 
> bis 45 u lang von den fast kugeligen 28 bis 35 u dicken, 
28 bis 94 u langen Oosporen nicht ganz ausgefůllt. Mánn- 
liche Fáden etwas důnner als die weiblichen, mit 11 bis 
16 u dicken, 2 bis 4mal so langen veget. Zellen.  Anthe- 
ridien 2 bis 10Ozellig, am oberen Fadenende mit veget. 
Zellen abwechselnd, 10 bis 15 u dick, 6 bis 9 u lang. 
Endzellen stumpf, selten kurz zugespitzt. 

In stehenden Gewássern, Teichen u. a. wie vor. 
ziemlich verbreitet.  Fructif. 7-—8. So in den Teichen bei 
Schwarz-Buda náchst Řičan, in den Teichen bei Hirschberg, 
bei Brůx, Franzensbad; ebenso bei Veselí, in den Teichen 
bei Lomnitz náchst Wittingau und bei Kaltenbrunn náchst 
Hohenfurth! 

37. Oe. inversum Wittr. ófvers. k. vetensk. akad. 
Fórhand. 1876. T. 13. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 105! 
Veget. Zellen 12 bis 14 u dick, 2 bis 6mal so lang. 
Oogonien einzeln, kugelig, ohne hutartigem Ansatz, mit tief 
unten liegendem Loche sich offnend und mit ziemlich deut- 
lichem Spalte, 33 bis 35 u dick, 30 bis 33 u lang. 00- 
sporen kugelig oder niedergedrůckt-kugelig, die Oogonien 
fast ausfůllend, 30 bis 31 u dick, 27 bis 28 u lang. Mánn- 
liche Fáden weniger dick, mit 7 bis 10 u dicken, 2 bis 
Gmal so langen veget. Zellen.  Spermocgonien 2 bis 3zellig, 


Fig. 16. Oedogonium Prings- 
heimii Cram. Rechts ein mánn- 
licher, links ein weiblicher 
Faden. An ersterem sind me- 


hrere Antheridien, in welchen 
Spermatozoiden entstehen, an 
letzteren sind zwei Oogonien, 
welche sich mit einem Deckel 
úffnen. Das obere Oogonium 
ist von der Oospore nicht ganz 
ansgefůllt. Verer. 300mal. 


10 bis 12 u lang. Spermatozoiden einzeln. Die Fáden dieser 
Oe.-Art sind čfters von Ca CO, incrustirt, die Fusszelle 
ist niedergedrůckt-kugelformig, 16 bis 20 u dick, 11 bis 
12 u lang. 

In Wassergriben, Tůmpeln wie vor., selten. Fructif. 
6—8. So in Wasseroráben an der Bahn bei Trautenau 


reichlich 1885! 


38. 0e. crenulato-costatum Wittr. Oedog. Amer. 1878. Vecet. Zellen 12 bis 
18 u dick, 2"/, bis 4mal so lang, Stůtzzellen den veget. oleich, Endzellen, manchmal in 
Oogonium verwandelt, abgestumpft. Oogonien einzeln, selten zu zwei, verkehrt eifórmig, 
oben mit einem Loche sich offnend, 32 bis 33 u dick, 48 bis 58 u lang, Oosporen die 
Oogonien fast ganz ausfůllend, 29 bis 30 u dick, 42 bis 47 u lang, mit lánglich gekerbt- 
geripptem Epispor. Veget. Zellen der mánnlichen Fáden 9 bis 13 u dick, 3"/, bis 4", u 
lang, Antheridien im oberen Theile der Fáden mit den veget. Zellen abwechselnd, 2 bis 
Gzellig, 9 bis 12 u dick, 9 bis 14 u lang. 

var. B) longearticulatum nob. Veget. Zellen 12 bis 15 u dick, 5 bis Gmal so lang. 
Oogonien einzeln, lánglich verkehrt-eifórmig, 27 bis 30 u dick, 51 bis 54 u lang ohne 
den etwa 6 u hohen hutartigen Ansatz, Oosporen 24 bis 27 u dick, bis 48 u lang, 
verkehrt-eifórmig oder fast elliptisch mit gekerbt-geripptem Epispor. 

In Teichen wie vor., selten. Fructif. 7—8. 90 in den Teichenbei Wittingau B! 


39. 0e. Boscii (Le Cl.) Wittr.  Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 7, 401! Veget. 


o odd 


Oedogonium. 47 


3 Zellen 14 bis 20 u dick, 4 bis 6mal so lang, Endzelle fast hyalin; Oogonien einzeln, 


selten zu zwei, lánglich-elliptisch, mit einem Loche oben sich offnend, 40 bis 45 u dick, 
80 bis 100 u lang (nicht selten auch kůrzer), Oosporen elliptisch, die Oogonien nicht 
ausfůllend, 36 bis 40 w dick, 60 bis 65 u lang, mit am unteren Ende lánselich geripptem 
Epispor. Mánnliche Fáden fast eben so dick wie die weiblichen, Antheridien 3 bis 6zellig, 
13 bis 14 u dick, 6 bis 9 u lang. 

In Teichen wie vor. Fructif. 6—8. So in den Teichen bei Wittingau! 

40. 0e. cryptoporum Wittr. var. B) vulgare Wittr. Wittr. et Nordst. Alg. exs. 
Nr. 607!*) Veget. Zellen 5 bis 8 u dick, 3 bis 5mal so lang. Oogonien 2 bis 5 hinter 
einander oder einzeln niedergedrůckt-kugelig, mit einem Loche in der mittleren Region sich 
offnend, 18 bis 25 u dick, 18 bis 26 u lang. Oosporen nicdergedrůckt-kugelig 16 bis 
bis 22 u dick, 13 bis 18 u lang, die, Oogonien fast ausfůllend. Antheridien 1 bis 4zellig, 
5 bis 7 u dick, 9 bis 12 u lang, an besonderen mánnlichen Fáden.*“) 

In stehenden Gewássern, 'Teichen, Gráben u. á. ziemlich selten. Fructif. 6—8. 
In den Sůmpfen an der Bahn bei Neratowic, in den Teichen bei Brůx und Franzensbad, 
in Sůmpfen bei Wichstadtl an der Adler, in den Teichen bei Lomnitz náchst Wittingau in 
grósserer Mence! 

4. Sect.  Unvollstándig bekannte Arten. 

41. Oe. fonticola A. Br.*) Veget. Zellen 16 bis 26 u dick, 1 bis 2, seltener 
bis 3mal so lang, im oberen Fadentheile lánger als im untern. Oogonien einzeln, selten 
zu zweien, kugelig-eifórmig; 36 bis 40 u dick, 44 bis 55 u lang mit einem Loche oben 
sich offnend. 

In Báchen, Auellen, Brunnen, Fontánen u. á. in Bóhmen in der Ebene und in 
Gebirosgegenden verbreitet.  Fructif. 8—9. In der Umgebung von Prag mehrfach z. B. 
in Brunnen am Hradčín, am Žižkabere, oberhalb Podol, in der Šárka, bei Roztok und 
bei Brnky, im Radotiner-Thale, bei Chwal; bei Doubravic und Ondřejov an der Sazawa. 
Bei Kóniggrátz, Hořic, Wichstadtl an der Adler, auch in schnell fiessenden Báchen nicht 
selten; bei Jičin, Eisenbrod, Tannwald, Nachod; bei Alt-Paka, Hohenelbe; bei Hirschberg, 
Weisswasser, Herrnskretschen; bei Saaz, Dux, Eichwald náchst Teplitz, Franzensbad, 
Carlsbad, Mies; bei Tabor, Příbram, Písek, Lomnic, Wittingau, Gutwasser náchst Budweis, 
Krummau, Kaplitz, Veselí, Olbramovic, Střezmiř náchst Stupčic, Sulowic, Lobositz, Rovné 
náchst Raudnitz, bei Elbe-Kostelec! 

42. 0e. giganteum Ktz. Tab. phycol. IIT. T. 37. Alg. exs. Nr. 503, 24! Veget, 
Zellen 30 bis 42 u dick, 2 bis 4'"/„mal so lang. Stůtzzellen etwas angeschwollen, 54 
bis 65 u dick, 1 bis 2mal so lang. Oogonien einzeln, wenig angeschwollen, 56 bis 69 u 
dick, 78 bis 106 u lang, meist cylindrisch-verkehrt eifórmig, mit einem Loche oben sich 
offnend. © Oosporen cylindrisch-ellipsoidisch, 54 bis 65 u dick, 75 bis 104 u lang, die 
Oogonien fast ausfůllend, seltener flaschenfórmie eingeschnůrt, kurzhalsig und die Oogonien 
ganz ausfůllend; ihr Epispor mit feinen Grůbchen versehen. 

In stehenden Gewássern, Teichen, Tůmpeln u. a. in Bóhmen ziemlich verbreitet. 
Fructif. 7—9. In der Umgebung von Prag mehrfach, so z. B. in den Schanzgráben 


2) In seinem „Prodromus monogr. Oedogoniearum, 1874“ hat Wittrock dieses Oedogonium 
zu den moněcischen Oe.-Arten zugezáhlt; in seinem und Nordstedt's Alo. exs. Nr. 607 schreibt 
er aber in Anmerkunc: est, guantum videre potuerimus dioicum, macrandrium.“ 

2) Leider hat Wittrock so viel uns bekannt, diese Fáden nicht náher beschrieben; das 
was oben úber die Antheridien angefůhrt ist, bezieht sich auf die von Wittrock als monócisch 
beschriebene Form des Oe. cryptoporum var. B. vulgare Wittr. Da schon Wittrock, wie mir 
Dr. Nordstedt gůtigst miteetheilt hat, die beiden Formen «. und B. seines Oe. cryptoporum als zwei 
verschiedene Arten aufstellen wollte und die letztere Form mit Oe. tenellum Ktz. in Rbh. Alc. 
Sachs. exs. Nr. 612! mir identisch zu sein scheint, so wáre es vielleicht am besten sie unter diesem 
Namen als Art von jener zu trennen. 

S) Ich habe diese Oe.-Art nach den von H. Dr. O. Nordstedt in Venedig, von J. Nave 
in Brůnn gesammelten, mir von Dr. Nordstedt gůtigst zugesandten Oe. Fonticola-Exemplaren 
bestimmt. Das von J. Nave am Franzensbere in Brůnn gesammelte und in seinen „Algae mora- 
vicae“ vertheilte Oe. fonticola Ktz. ist von Rabenhorst in seinen Algen v. Sachsen Nr. 528! als 
Oe. intermedium Ktz. mitgetheilt worden. Kůtzine hat diese Oedogonium-Art unter dem Namen 
Ulothrix compacta Ktz. Alg. Dec. Nr. 48! auscetheilt. 


48 Oedogonium. 


hinter dem. gew. Kornthore, in dem Teiche bei Kunratic, in den Tůmpeln bei Radotín 
u. a., bei Kóniggrátz, Weisswasser, Saaz, Mies, Tabor, Lomnic, Wittingau, Rovné bei 
Raudnitz, Lobositz, Šulovic! 


43. Oe. crassum (Hass.) Wittr. Goth. sótv. Ala. T. 1. Wittr. et Nordst. Alg. 
exs. Nr. 603! Veget. Zellen 33 bis 55 u dick, 2 bis mal so lang. Oogonien einzeln, 
selten zu zwei, verkehrt eifórmig-ellipsoidisch, etwas angeschwollen, mit einem Loche oben 
sich offnend, 65 bis 70 u dick, 100 bis 125 u lang, von den elliptischen, 60 bis 66 u 
dicken, 80 bis 110 u langen Oosporen nicht ganz ausgefůllt. 

In stehenden Gewássern, Teichen u. a. selten. Fructif. 8—9.  Bisher blos bei 
Hohenfurth! 


44. 0e. Magnusii Wittr.  Wittr. et Nordst. Alg. exs. 109 b.! Vegetat. Zellen 
7 bis 9 u dick, 1'/, bis 4mal so lang. Oogonien einzeln oder zu 2 bis 3, niedergedrůckt- 
kugelig 24 bis 27 u dick, 21 bis 26 u lang, mit einem Loche in der Mitte sich offnend, 
von der etwa 22 bis 25 u dicken, 18 bis 22 u langen Oospore ausgefůllt. Membran der 
letzteren wellig gerunzelt. Antheridien 8 bis 9 u dick, 5 bis 8 u lang, aus 3 bis 8 
Zellen bestehend. 

In stehenden Gewássern wie vor. ziemlich selten. Fructif. 6-—7. So bei Jung- 
Bunzlau leg. Dr. Píč! in den Teichen, bei Wittingau und bei Hohenfurth, in den Gráben 
an der Eisenbahn bei Neratovic! 


45. 0e. hexagonum Ktz. Tab. III. T. 35. Fáden gelblich grůn, ofters gebleicht, 
Veget. Zellen 11 bis 15 u dick, 2 bis 4 (seltener 6) mal so lang, aufwárts deutlich 
erweitert.  Endzellen in eine Borste auslaufend.  Oosporen kugelrund oder kugelrund- 
kantig, rothbraun, etwa 23 u dick, die Oogonien ganz ausfůllend. 

In Siůmpfen, Gráben wie vor. stellenweise. Bei Tetschen (Rbh. Kryptfl. p. 259). 


46. Oe. fasciatum Ktz. Tab. III. T. 34. Fáden schmutzigerůn.  Veget. Zellen 
10 bis 21 u dick, 2 bis 4mal so lang.  Endzellen stumpf abgerundet.  Oosporen genau 
kugelrund, das gleichgestaltete Oogonium fast erfůllend, reif rothbraun. 

In Sůmpfen, Auellen u. á Bei Teplitz (Karl Rbh. Kryptfl. p. 258). 


47. 0e. Gandollei (Le Cl.) Bréb. Tab. phycol. ITI. Tab. 33. Bildet grůnliche, 
weiche Flocken. Veget. Zellen nach Rbh. FI. eur. ale. p. 355, bis 11'5 u, nach dessen 
Kryptfl. v. Sachsen p. 258 bis 15 u dick; 4 bis 6mal so lang. Oogonien stark angeschwollen, 
kugelfórmig von der kugeligen, reif braun gefárbten Oospore nicht ganz ausgefůllt, 

In Gráben, Waldsůmpfen verbreitet. Bei Schluckenau (Karl? nach Rbh. Kryptfl. 
v. Sachsen p. 258). 


48. Oe. intermedium Ktz. Veget. Zellen 17 bis 25 u dick, fast ebenso lang 
(seltener etwas lánger oder kůrzer), Oosporen kugelrund, das wenig gedunsene Oogonium 
fast ganz ausfůllend, 

Wie vor. Bei Reichenberg und Teplitz (Sieomund in Rbh. Krypt. v. Sachsen 
pas. 259), ') 


13. Gatt. Bulbochaete Ac. 


Der Thallus besteht aus verástelten Zellreihen, deren Endzellen auch an den 
Seitenásten, eine lange, důnne, farblose, am Grunde zwiebelfórmig angeschwollene Borste 
tragen. | Die Oogonien sind niemals die ersten Zellen eines Astes, da sich diese zu einer 


1) Ausser den oben angefůhrten Oedogonium-Arten, welche nach vollkommen entwickelten, 
fructificirenden Exemplaren bestimmt worden sind, hat der Verfasser an verschiedenen Orten 
>Ohmens eine gróssere Anzahl nicht fructificirender Oe.-Arten gesammelt, die er richtig zu be- 
stimmen nicht im Stande war. Dasselbe gilt auch von einigen Arten der folgenden Gattung Bul- 
bochaete. Es ist also sicher zu erwarten, dass durch spátere algologische Forschungen in Bóohmen 
noch viele Oedogonieen-Arten entdeckt werden. 


Bulboochaete. 49 


r — u EE == — E 


© Borste ausbilden. Vermehrung, Gestalt und Vertheilung der Geschlechtsorgane, Befruchtung 


und Zygoten- (Oosporen) Bildung wie bei der Gattung Oedogonium. Bei allen Arten 
offnen sich die Oogonien mit einem Loche in der oberen Halfte. Alle in Bóhmen ver- 
breiteten B.-Arten sind mit Ausnahme der B. nana Wittr. und B. mirabilis Wittr. diócisch, 
mit Zwergmánnchen versehen und gynandrospor. 


1. Sect. Hubulbochaete nob. Oogonien kugelig oder fast kugelig; Oosporen von 
derselben Gestalt, die Oogonien fast ganz ausfůllend. In der das Oogonium tragenden 
Zelle (Stůtzzelle) steht eine Scheidewand meist wenig úber oder unter der Mitte. Zwerg- 
mánnchen zweizellig. * 

«) Fuss der Zwergmánnchen kůrzer als das Antheridium. 


49. B. setigera (Roth) Ag. Pringsh. Jahrb. f. w. Bot. 1858 I. T. 6. Veget. 
Zellen 25 bis 28 u dick, 2 bis 5mal so lang.  Oogonien und Oosporen niedergedrůckt- 
(fast 4eckig) kugelfórmig unter der Endborste oder den Androsporangien, mit nach der 
Befruchtung verdickter Membran, 75 bis 80 u dick, 60 bis 65 u lang. Scheidewand 
etwas úber oder in der Mitte der Stůtzzelle.  Epispor mit sehr kleinen, punktfórmigen 
Warzen besetzt.  Androsporangien zerstreut oder úber den Oogonien, zweizellie, 18 bis 
20 u dick, 14 bis 18 u lang. Zwergmánnchen 12 bis 14 u dick, 34 bis 36 u lang 
auf den Oogonien oder in ihrer Náhe sitzend, mit geradem Fuss. 

In alten Teichen, Wassergráben in sumpfigen und torfigen Gewássern, in der 
Ebene und im Gebirge ziemlich verbreitet. Fructif. 8— 10. So in einigen Tůmpeln an 
der Elbe bei Kostelec a. E., in den Teichen bei Dymokur, in den Sůmpfen an der Bahn 
bei Žiželic náchst Chlumec an der Cidlina, in den Torfsimpfen bei Březhrad něchst 
Kóniggrátz, in den Teichen bei Chlomek náchst Turnau!, im Reichenberger Gebiete 
(Menzel „Beitráge“), in den alten Teichen bei Krobitz náchst Franzensbad, in Waldsůmpfen 
bei Střezmiř náchst Stupčic!, im grossen Teiche bei Pilsen (Hora, Flora v. Pilsen p. 12), 
in den Teichen bei Sobieslau, Wittingau, Hohenfurth (mehrfach), bei Ebenau náchst 
Krummau, im Arber-See im Bohmerwalde massenhaft! 


50. B. crenulata Pringsh. Jahrb. f. w. Bot. 1858 I. T. 6.  Veget. Zellen 16 
bis 19 u dick, 2 bis 3"/„mal so lang. Oogonien niedergedrůckt-kugelfórmig, unter der 
Endborste, seltener unter Androsporangien oder vegetativen Zellen, 45 bis 48 u dick, 
35 bis 38 u lang. Scheidewand in der Mitte der Stůtzzelle oder etwas darunter. Epispor 


» mit deutlichen, schrág verlaufenden Leistchen versehen. Androsporangien zerstreut, 12 u 


dick, 10 u lang. Zwergmánnchen auf den Oogonien oder in ihrer Náhe, mit geradem 
Fuss, 9 u dick, 26 u lang. 

Wie vor., doch selten verbreitet. Fructiť. 7—9. Bisher blos in den Teichen bei 
Tschausch náchst Brůx! 


51. B. intermedia De By. Úber Oedog. u. Bolb. T. 4. Wittr. et Nordst. Alg. 
exs. Nr. 509! Veget. Zellen 17 bis 19 u dick, 1"/, bis 3mal so lang. Oogonien unter 
den Androsporangien, 40 bis 48 u dick, 31 bis 40 u lang. Scheidewand ungefáhr in 
der Mitte der Stůtzzelle.  Epispor mit sehr feinen Leistehen besetzt.  Androsporangien 
13 u dick, 10 u lang, 1 bis 2zellig, úber dem Oogonium, seltener zerstreut. Zwerg- 
mánnchen auf den Oogonien sitzend, mit etwas gekrůmmtem Fuss 9 bis 10 u dick, 24 
bis 26 u lang. 


var. B) depressa Wittr. Prodrom. monog. Oedogon. Tab. 1. Veget. Zellen 14 
bis 18 u dick, 2 bis 4'/„mal so lang. Oogonien niedergedrůckt-kugelfórmig, 42 bis 46 u 
dick, 30 bis 34 u lang. Scheidewand etwas úber der Mitte der Stůtzzelle. Epispor olatt, 
ziemlich dick.  Androsporangien úber den Oogonien. Zwergmánnchen 9 bis 11 u dick, 
22 bis 25 u lang. 

In Sůmpfen, Teichen, torfigen Gewássern wie vor., ziemlich selten. Fructif. 8—9. 
So in den Teichen bei Lomnic náchst Wittingau, bei Kaltenbrunn náchst Hohenfurth und 
in torfigen Wassergráben bei Wichstadtl und Lichtenau an der Adler var. $B.! 

B) Fuss der Zwergmánnchen lánger als das Antheridium. 

4 


50 Bulbochatea. 


52. B. elatior Pringsh. Jahrb. f. wis. Bot. 1858 I. T. 6. Veget. Zellen 13 bis 
18 u dick, 2 bis 3'"/„mal so lang. Oogonien unter den Androsporangien, niedergedrůckt, 
verkehrt herzfórmig-kugelig, 34 bis 44 u dick, 31 bis 38 u lang. Scheidewand tief unten 
in der Stůtzzelle. Membran des Oogoniums nach der Befruchtung verdickt. Epispor glatt. 
Androsporangien úber den Oogonien, selten zerstreut, 2zellig, 10 bis 13 u dick, 8 bis 
11 u lang. Zwergmánnchen etwas kůrzer als das Oogonium, in der Regel auf den Stůtz- 
zellen, seltener auch auf vegetativen Zellen sitzend, ihr Fuss 8 bis 10 u dick, 18 bis 24 u 
lang, gerade, kaum doppelt so lang als das 6 bis 8 u dicke, 10 bis 11 u lange Antheridium. 

In Teichen, sumpfigen Gewássern, wie vor., selten. Fructif. 8—9. Bisher blos 
in den Teichen bei Krobitz náchst Franzensbad! 


53. B. crassa Pringsh. Jahrb. f. w. Bot. 1858, I. T. 6. Veget. Zellen 22 bis 
25, u dick, 2 bis 2"/„mal so lang. Oogonien niedergedrůckt-kugelfórmig, unter der 
Endborste (sehr selten unter veget. Zellen), 52 bis 60 u dick, 42 bis 51 u lang. Scheide- 
wand in der Mitte oder etwas hóher in der Stůtzzelle.  Epispor ohne deutliche Warzen. 
Androsporangien zerstreut, mehrzellie 16 u dick, 13 bis 16 u lang. Zwergmánnchen auf 
den Oogonien sitzend, etwas lánger als diese, ihr Fuss gekrůmmt, 10 u dick, 44 u lang, 
doppelt so lang als das 8 wu dicke, 21 u lange Antheridium. 

In Teichen, Sůmpfen wie vor., ziemlich selten. Fructif. 7—8. So in den Teichen 
bei Franzensbad, bei Wotic und bei Lomnitz náchst Wittingau! 

2. Sect. Hllépsospora nob. Oogonien und Oosporen ellipsoidisch oder fast ellip- 
soidisch, letztere mit lings geripptem Epispor. Scheidewand hoch oben in der Stůtzzelle, 
oder gar nicht vorhanden. 

©) Moněcisch. 


54. B. nana Wittr. Oedos«. nov. T. 1.  Veget. Zellen 12 bis 15 u dick, 1 bis 
1'/;mal so lang. Oogonien ellipsoidisch sitzend, unter den Antheridien, den Endborsten 
oder unter den vegetativen Zellen, 20 bis 24 u dick, 32 bis 36 u lang. Scheidewand 
hoch oben in der Stůtzzelle.  Oosporen die Oogonien fast ausfůllend mit leicht crenu- 
lirtem und undeutlich lings-geripptem Epispor. Antheridien 1 bis 2zellig, 8 bis 9 u dick, 
6 bis 9 u lang, aufrecht, úber den Oogonien oder zerstreut an besonderen Aesten unter 
den Endborsten. : : 

In alten Teichen, Sůmpfen wie vor. selten. Fructif. 7—8. In den Teichen bei 
der Zuckerfabrik náchst Dymokur meist auf B. setigera fest sitzend!?') 


55. B. mirabilis Wittr. Dispos. Oedog. Suec. Tab. 1.  Wittr. et Nordst. Alg. 
exs. Nr. 602! Veget. Zellen 16 bis 20 u dick, 1'/, bis 1"/„mal so lang, čfters sich 
horizontal zweitheilend, Oogonien elliptisch 27 bis 35 u dick, 46 bis 56 u lang, ab- 
stehend seltener aufrecht unter den Endborsten oder unter veget. Zellen. © Antheridien 
2 bis 4zellig, aufrecht, selten abstehend 10 bis 12 u dick, 7 bis 9 u lang unter den 
Oogonien oder zerstreut. 

B) vmmersa Wittr.  Veget. Zellen 13"/, bis 15 u dick, 1"/, bis 2mal so lang. 
Oogonien unter veget. Zellen selten unter den Endborsten, ofters in den unteren mehr- 
zelligen Aesten, 25 bis 33 u dick, 40 bis 48 u lang. Antheridien 1 bis 2zellig, aufrecht 
oder abstehend 7'/, bis 9 u dick, 6"/, bis 8 u lang. 

In Sůmpfen, unter Katarakten in Flůssen, selten. Fructiť. 8—9. So in den 
Sůmpfen bei Franzensbad! 


B) Diódcisch. Zwerománnchen gerade, mit einem Fuss versehen. Antheridien 2 
bis 5zellig. 


96. B. pygmaea Pringsh. em. Wittr. Jahrb. f. w. Bot. 1858 I. T. 6. B. pygmaea 
b. minor Pringsh. exel. a. major Pringsh. Wittr. et Nordst. Alo. exs. Nr. 4! Hauptfáden 
kurz und gekrůmmt. Veget. Zellen 12 bis 15 u dick, %, bis Imal so lang. Oogonien 


") Da ich an der bei Dymokur gesammelten B. nana? dic Antheridien neben der und 
nicht unter der Endborste an besonderen, Oogonienlosen Zweigen beobachtet habe, so bin ich von 
der Identitát dieser beiden, sonst úbereinstimmenden Bulbochaete-Formen nicht vóllig úberzeugt. 


jd 


Bulbochaete. bl 


abstehend, unter der Endborste oder unter vegetativen Zellen 23 bis 25 u dick, 34 bis 
40 u lang. Androsporangien zerstreut, Zwergmánnchen in der Náhe der Oogonien sitzend, 
ihr Fuss 11 bis 12 u dick, 15 bis 18 u lang. Antheridien 7 bis 75 u dick, ebenso lang. 

In Tůmpeln, Teichen, Wassergráben wie vor., in der Ebene und im Vorgebirge 
ziemlich verbreitet.  Fructifť. 7—9. So in den Elbetůmpeln bei Sadska, in den Teichen 
bei Habstein náchst Hirschberg, in den Sůmpfen an der Bahn bei Žiželic náchst Chlumec 
an der Cidlina, in den Teichen bei Brůx, Franzensbad, Hohenfurth! bei Schluckenau 
[Karl, Rbh. Flora eur. alg. III. p. 360]. 


57. B. subsimplex Wittr. Jahr. f. w. Bot. 1858 I. T. 6. B. pygmaea a. major 
Pringsh. Hautfáden aufrecht mit sehr wenig entwickelten Verzweigungen.  Veget. Zellen 
15 bis 16 u dick, 1 bis 1'/„mal so lang, Oogonien abstehend, unter den Androspor- 
angien, oder unter der Endborste, 26 bis 28 u dick, 39 bis 42 u lang. Androsporangien 
auf dem Oogonium 11 bis 12 u dick, 12 bis 16 u lang. Zwergmánnchen auf den Oogonien 
oder in deren Náhe, ihr Fuss 105 u dick, 15 u lang, Antheridien 7:5 u dick, 7 u lang. 

In Gráben, Teichen wie vor., selten. Fructif. 8—9. Bisher nur in den Teichen 
bei Brůx und bei Franzensbad! 


58. B. minor A. Br. Jahr. f. w. Bot. 1858 I. T. 6. Wittr. et Nordst. Alg. exs. 
Nr. 401! Veget. Zellen 20 bis 25 u dick, 1"/, bis 2mal so lang. Oogonien lánglich- 
ellipsoidisch, aufrecht unter der Endborste, den Androsporangien oder vegetativen Zellen 
33 bis 42 u dick, 60 bis 69 u lang, Androsporangien 15 bis 16 w dick, 17 bis 21 u 
lang auf den Oogonien oder zerstreut. Zwergmánnchen in der Náhe der Oogonien sitzend, 
ihr Fuss 13 u dick, 22 u lang. Antheridien 6 w dick, 7 u lang. 

In Teichen, Sůmpfen wie vor., ziemlich selten, Fruct. 
7—9. So in den Simpfen an der Bahn bei Kóniggrátz, bei 
Eisenstein im Bohmerwalde! 


59. B. rectangularis Wittr. Prodrom. Oedog. T. 1. 
Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 3, 152! Hauptfáden lang, 
spárlich verzweigt. Veget. Zellen im Lángsdurchschnitte fast 
rectangulár. Veget. Zellen 19 bis 23 u dick, 1'/, bis 2mal 
so lang. Oogonien elliptisch, abstehend, seltener aufrecht, 
unter den Endborsten oder Androsporangien, seltener unter 
vegetativen Zellen,") 33 bis 39 u dick, 48 bis 55 u lang. 
Androsporangien zerstreut oder auf den Oogonien 15 bis 
16"/, u dick, 16 bis 27 u lang. Zwergmánnchen auf den 
Oogonien oder in ihrer Náhe sitzend; ihr Fuss 15 bis 18 u 
dick, 22 bis 27 u lang. Antheridien 8 bis 9'/; u dick, 
5"/, bis 6"/, u lang. 


Bulbochaete rectan- 


Fig. 17. 


var. 6) norvegica Wittr. Veget. Zellen 15 bis 17 u 
dick, 1"/, bis 2mal so lang. Oogonien 26 bis 27 u dick, 
43 bis 45 u lang. Androsporangien 13 bis 14 u dick, 16 
bis 20 u lang. Fuss des Zwergmánnchens 14 u dick, 24 u 
lang. Antheridien 9 u dick. 

In alten Teichen, Sůmpfen auch in torfigen Ge- 
wássern, ziemlich verbreitet. Fructif. 6—9. So in den Teichen 
bei Krobitz náchst Franzensbad var. B., bei Tschausch náchst 
Brůx; bei Veselí, Wittingau und bei Kaltenbrunn náchst 
Hohenfurth ! *) 


gularis Wittr. Stůck eines Fa- 
dens mit einem noch nicht be- 


fruchtetem, und einem €ine 

entleerte Oospore mit lángs 

geripptem Epispor enthalten- 

den Oogonium, sowie mit einem 

Zwergmánnchen unter d. letz- 

teren Oogonium. Vergr. etwa 
800mal. 


1) Ich fand án einem Exemplare dieser B.-Art 3 vegetative Zellen oberhalb des Oogo- 
niums, an einem anderen trug ein in der Mitte des Zweiges befindliches Oogonium an oberem Ende 
zwei vegetative Zellen, an welchen seitlich je ein Oogonium mit reifer Oospore entwickelt war, 


am unteren Ende waren oogonienlose vegetative Zellen. 


2) Die in Sturm's Deutsch. Flora II. Abthl. angefůhrten, von Corda als neue Arten kurz 
beschriebenen und mangelhaft abgebildeten B.-Formen [B. purpurea Corda aus dem Teiche hinter 


Aa* 


592 Sphaeroplea. 


XI. Familie. Sphaeropleaceae. 


Fadenfórmige, im Wasser und am Lande lebende, unverástelte, wurzellose, viel- 
kernige Algen von confervenartigem Aussehen in deren vegetativen Zellen das Chlorophyll 
meist in eleich weit von einander entfernten Plasmaringen enthalten ist. An den zur 
Fructificirung sich anschickenden Fáden entstehen aus vegetativen Zellen ohne vorherige 
Gestaltsveránderung dieser Antheridien und Oogonien. Nach Befruchtune der Oosphaeren 
durch Spermatozoiden verwandeln sich jene in Zygoten, welche sich successive mit drei 
festen Membranen umgeben und deren zuerst grůn gefárbter Inhalt, spáter in einen roth, 
seltener auch braunroth gefárbten sich verwandelt. 

Die Zygoten kcimen erst nach lángerer Zeit, indem aus ihrem Inhalt 2 bis 8 
zweiwimperige Zoogonidien entstehen, welche nachdem sie zur Ruhe gekommen sind, keimen 
und zu neuen Fáden sich entwickeln kónnen. 


14. Gatt. Sphaeroplea Ag. 


Thallus fadenfórmig.  Fáden aus langen, cylindrischen Zellen bestehend, die im 
vegetativen Zustande einen protoplasmatischen, in ringfórmigen Zonen durch Chlorophyll 
grůn gefárbten Inhalt zeigen, welcher durch grosse in axiler Reihe angeordnete Vacuolen 
wie durch falsche Scheidewánde gefáchert ist. Durch diese charakteristische Anordnung 
des Chlorophylls zu ringfórmigen, mit den Vacuolen alternirenden Zonen unterscheidet 
sich Sphaeroplea von allen anderen chlorophyllgrůnen Fadenalcen. 

Geschlechtliche Vermehrung durch Oosporen, welche nach erfoleter Befruchtung 
der Oosphaeren durch Spermatozoiden aus den ersteren entstehen. Kráftige Exemplare sind 
monůcisch, schwache diócisch. Alle vegetativen Zellen kónnen zu Geschlechtsorganen 
sich umbilden. Die zu vielen in einer Oosporen-Mutterzelle liecenden Oosphaeren kónnen 
warhscheinlich auch, wenn die Befruchtung unterbleibt, sich parthenogenetisch weiter ent- 
wickeln.“) Spermatozoiden entstehen in sehr grosser Anzahl aus dem Iphalte der als 
Antheridien fungirenden vegetativen Zellen, deren Inhalt in gelblich gefárbte kleine Por- 
tionen zerfállt, aus welchen die ebenfalls gelblichen stabfórmigen, mit einem dickeren 
hinteren, einem schnabelfórmigen, farblosen vorderen Ende, das zwei Cilien trágt, ver- 
sehenen Spermatozoiden sich entwickeln, welche durch Lócher, die in grosser Zahl in 
der Wand des Antheridiums entstehen ausschlůpfen und durch hnliche Lócher in die 
Oogonien zu den Oosphaeren bis an ihren Empfingnissfleck gelangen, welche sie befruchten. 
Nach der Befruchtung verwandeln sich die Eizellen in Zygoten, welche successive drei 
Membranen um sich bilden, von welchen die ussere abgeworfen wird, das Epispor lángs 
oder unregelmássig gefaltet ist, das Endospor dem roth gefárbten plasmatischen Inhalte 
eng anliegt. 

Nach einer lángeren Ruheperiode [meist nach einer Úberwinterung] gehen aus 
den Zygoten zwei bis acht zweiwimperige, rothe oder orůngefárbte Zoogonidien von 
kugeliger oder birnfórmiger Gestalt hervor, welche schwimmend keimen und unter fort- 
gesetzter Zelltheilung zu neuen, an beiden Enden gleichwerthig entwickelten Zellfáden 
heranwachsen, indem gleichzeitie die rothe Fárbung der Zoogonidien der normalen Chloro- 
phylfárbung Platz macht. 


60. S. annulina (Roth) Ag. (Conferva annulina Roth) Wittr. et Nordst. Alg. 
exs. Nr. 27, 403! Páden dieser einzigen Art, welche in zahlreichen Varietáten vorkommt, 
die sich meist durch Lánge der Zellen und Anordnune der Oosporen unterscheiden, 
laufen an beiden Enden in haarfórmie verdůnte Zellen aus; die úbrigen vegetativen Zellen 


dem Schloss bei Niemes (auf abgestorbenem Rohre) und B. globifera Corda]| kónnen hier — da 
die Orig.-Exemplare Corda's nicht mehr vorhanden sind — nicht náher berůcksichtigt werden. 

») Mehr darůber sowie úber die Bildung von Spermatozoiden ete. siehe in Rauwenhoff's 
Abhandlung úber Sphaeroplea im Bot. Centralblatte 1883, III. p. 339 und in Heinricher's Aufsatz 
„Zur Kenntniss der Algengattung Sphaeroplea“ Ber. d. Deutsch. botan. Gesell. 1884, I. p. 433—450, 
ln welchem auch eine neue Varietát (v. crassisepta) der S. annulina beschrieben ist. 


Sphaeroplea. — Prasiola. 53 


sind 36 bis 72 u dick, 8 bis 20mal so lang.  Oosporen 17 bis 36 u im Durchmesser, 
meist roth, seltener braun gefárbt in einer, zwei oder drei Lángsreihen angeordnet oder 
ordnungslos in den Zellen liegend. 

var. «) Trevirant (Ktz.) Krch. (S. Trevirani Ktz. Tab. 
phycol. III. T. 31). Zellen etwa 36 bis 50 u dick, meist 8mal 
so lang; Oosporen etwa 20 u im Durchmesser in zwei Reihen. 

var. 8) Leibleinit (Ktz.) Krch. (S. Leibleinii Ktz. Tab. 
phycol. III. 31). Oosporen in einer Reihe, etwa 26 u im Durch- 
messer; sonst wie var. «). 

var. y) Soleřroliiů (Mont.) Krch. (S. Soleirolii Mont. Tab. 
phycol. III. 31). Zellen bis 72 u dick, meist 10 bis 16mal so 
lang; Oosporen in zwei Reihen meist 38 u (seltener blos 26 u) 
im Durchmesser, roth gefárbt. 

var. ©) Braunit (Ktz.) Krch. (S. Braunii Ktz. Tab. 
phycol. III. 31). Zellen meist 16 bis 20mal so lang als dick, | <), 
Oosporen in 2 oder 3 Reihen oder ordnungslos 20 bis 38 u im vBÝ 
Durchmesser, meist braun gefárbt. Fig. 18. Sphaeroplea an- 

nulina (Roth) Ag. An 

In Tůmpeln, Wassergráben, im Wasser und an ůúber- © einander grenzende Stů- 
schwemmtem Boden einen rostrothen Filz bildend (6—7). Nach cke einer vegetat. und 
Opiz (Deutsch. Krypt. Gewáchse p. 162) soll diese Alge, welche eny Oosporen enthal- 
i i : : : i enden  Zelle. Veregr. 
in Schlesien und in anderen Lándern Deutschlands, verbreitet ist éra 300imal. 
auch in Bóhmen vorkommen.") 


PAA) 


g 


9.0 
(© 20 


XII. Familie. Ulvaceae. 


Der Thallus der in Bůóhmen verbreiteten Ulvaceen ist im entwickelten Zustande 
meist aus einer einfachen Lage parenchymatischer Zellen gebildet, háutig, blattartig-eben 
oder kraus (Prasiola), seltener ist er róhrig, mehr weniger eingeweidefórmig stielrund 
oder zusammengedrůckt (Eutermorpha) oder er bildet einen einfachen drehrunden Faden, 
welcher unten verdůnnt und aus einer einfachen Zellreihe, oberwárts verdickt und aus 
mehreren Zellschichten besteht.  Zellen einkernig, meist mit ziemlich dicker, fters ge- 
schichteter Membran.  Geschlechtliche Fortpflanzung durch Zoogonidien, welche sich aus 
dem Inhalte der Zellen entwickeln und mit einander copulirend Zygoten erzeugen.  Aus 
den Zygoten entstehen zunáchst fadenfórmige Ulothrix-artige Entwickelungsformen. Un- 


- geschlechtliche Vermehrung durch neutrale, nicht mit einander copulirende Zoogonidien 


und durch unbewegliche Zellen, welche in Folge unregelmássiger Theilungen einzelner Zellen 
entstehen, durch Aufguellen und Auseinanderweichen der Zellwánde aus dem sganzen 
Algenkórper frei werden und unter Umstánden auch gróssere Protococcus-, Palmella- 
ete. artige Zellkolonien bilden. 


15. Gattung. Prasiola Ag.*) 


Der Thallus besteht im entwickelten Zustande aus einer mehr oder weniger aus- 
gebreiteten, blattartigen, krausen, einschichtigen Zellfláche, welche aus einem verworrenen 


1) Es scheint, dass diese Alge, welche ófters an einem und dem selben Standorte in 
grosser Menge erscheint, um wieder spurlos zu verschwinden, zu denjenigen Sůsswasseralgen gehůrt, 
welche nicht úberall auf der Erdoberfláche, wo ihr die zu ihrer Entwickelung nothigen Bedingungen 
geboten werden, verbreitet ist, d. h. es scheint, dass ihre Verbreitune nicht nur von chemischen 
und physikalischen Eigenschaften ihres Mediums in (oder ihres Substrates an) dem sie vegetirt, 
bedinst ist, sondern auch noch von anderen, noch umbekannten Umstánden. 

2) Die von Kůtzing (Spec. alg. p.471) unter den Protodermaceen, von Rabenhorst (Flora 
europ. alg. III. p. 307) unter den Ulvaceen beschriebene Gattung Protoderma Ktz. deren Lager 
háutig-krustenfórmig, von unregelmássiger Form, aus mehreren Zellschichten zugesammengesetzt, 
dem Substrat fest anhaftend, aus dicht gedrángten, sich berůhrenden Zellen gebildet ist, gehórt 
nicht zu den echten Ulvaceen. Die einzige von Kůtzing beschriebene Protoderma-Art P. výride Ktz. 


54. Prasiola. — Enteromorpha. 


Geflecht von einfachen Ulothrix-artigen Fáden empor wáchst und aus parenchymatisch 
mit einander verwachsenen Zellreihen besteht. Zellen meist zu 4, [die aus einer Muterzelle 
entstandenen Tochterzellen| dicht neben einander in Lángsreihen oder strahlie zu grósseren 
carréartigen Feldern angeordnet. Fortpflanzung durch Zoogonidien noch nicht nachgewiesen. 


61. P. crispa (Lightf.) Menegh. (incl. P. Rothii Ktz., P. Flotowii Ktz. et P. 
orbicularis Ktz.) Tab. phycol. V. T. 39, 40. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 147, 436, 
639! Bildet faltige oder krause, dunkelsrůne, 2 bis 
6 cm lange und oeleich breite důnne Háutchen von un- 
regelmássiger Form. Zellen 4 bis 6 m dick, fast vier- 
eckig oder etwas lánger (vor der Theilung fast 2mal 
so lang) als breit, meist zu vier genáhert und in 
Lánesreihen angeordnet, zwischen welchen ziemlich 
deutliche, mehr oder weniger breite Streifen der ge- 
meinsamen hyalinen Zellmenbran verlaufen. 


Fig. 19. Prasiola crispa (Lightf.) Me- var. G) sudetica nob. Lager winzig klein, gelblich 
negh. B) sudetica nob. Dass jede von | grůn, 1 bis 2 mm breite, ebenso oder bis zweimal so 
den a jh in © lange, sehr důnne Háutchen bildend. Zellen vor der 
ol A KR k, o Theilung 2 bis 3 u, nach der Theilung 1 bis 1'/ m 
schen Růcksichten nicht mehr ange- dick ebenso lang oder etwas lánger, dicht an einan- 
deutet werden. Vergr. 500mal. der gedrángt. Zellmembranen usserst důnn, zwischen 
den Zellreihen keine hyalinen Streifen bildend. © Erst 
nachdem die durch Theilung einzelner, etwa 4 bis 6 u dicker Mutterzellen entstandenen 
16, seltener blos 4 Tochterzellen durch Druck aus der sie umgebenden, sehr důnnen 
Mutterzellmembran entfernt werden, wird diese sichtbar. 


Auf feuchter Erde an schattigen, unreinen Orten besonders in Dórfern am Grunde 
von Mauern, unter Dachtraufen, in Gossen, Schmutzwinkeln u. a. meist gróssere mehrere 
(I dm grosse Fláchen rasenartig bedeckend, in der Ebene im Vor- und Hochcebirge 
verbreitet; in feuchten regenreichen Jahren háufiger (7—10). In der Umgebung voů 
Pras bisher blos am Rande des Teiches bei Chuchelbad mit U. parietina a) genuina und 
c) Boryana (Schizogonium Boryanum Ktz.) spárlich 1884!  Ebenso bei Hořowic auch in 
der Stadt, bei Přibram ; Půllna náchst Brůx, bei Eichwald náchst Teplitz, bei Franzensbad, 
Carlsbad (in der Náhe des Freundschaftshalleparkes); bei Písek, Lomnic náchst Wittingau, 
bei Rosenberg, Hohenfurth, Kaplitz! Bei Fugau (Karl Mus!) im Reichenberger Gebiete 
(Menzel „Beitráge“ "); im Riesengebirge (Čeněk Mus!); in der Spindelmůhle! am Hotel 
in dea Siebengrůnden mit Ulothrix parietina reichlich! 6) bisher blos bei den Krause- 
bauden im Riesengebirge mit Ulothrix radicans und U. parietina spárlich! 


16. Gatt. Enteromorpha Link. 


Der Thallus ist schlauch- oder róhrenfórmig, bisweilen durch seitliche Auswůchse 
verzweist, im Innern hohl anfangs mittelst einer kleinen Wurzelscheibe festsitzend, spáter 
auch freischwimmend, aus einer Zellschichte bestehend. Zellen in der Fláchenansicht in 
mehr oder weniger deutlichen Zellreihen angeordnet oder ordnuneslos liegend, rundlich 


Linnaea 1833 Tab. I. Tab. phycol. VI. Tab. 11., deren rundlich-eckige Zellen etwa 6 u dick sind 
und die auf Steinen und Hólzern in Guellen und Báchen zartháutige, schlůpferige, hellgrůne Uber- 
zůge, insbesondere im Frůhling und im Sommer bildet, ist ein einzelliger Entwickelungszustand 
anderer chlorophyllorůner Algen, was auch aus Kůtzinos Anmerkung in Phycol. gener. p. 295 
„dass diese Alge vielleicht mit Agardh's Urschleim identisch sei“ zu ersehen ist. Ich beobachtete 
diese Algen-Form an verschiedenen Orten in Bóhmen, in der Prager Umgebung z. B. bei Gross- 
Chuchle, im Radotiner Thale u. a. | 

v) Menzel fůhrt in seinen Beitrágen zur Flora des Iser- und Jeschkengebirges in der 
Schrift „der Curort von Liebwerda v. Plumert“ aus diesem Gebiete auch die viel kleinere Prasiola 
furfuracea (Mert.) Menegh. an. Die von Corda in Sturm's Deutsch. Flora II. Abth. beschriebene, 
im Sárkathale bei Prag gesammelte Ulva rivnlaris Corda ist wahrscheinlich Tetraspora ulvacea Ktz. 


— 0 


Sohizomeris. 55 


oder rundlich-eckig, die basalen ofters nach innen verlángert. Fort- 
planzung durch Schwármzellen (Zoogonidien). 


62. E. intestinalis (L.) Link (Conferva intestinalis Roth) 
Tab. phycol. VI. T. 30. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 327! Lager 
schlauchfoórmig, grasgrůn 2 cm bis mehr als 3 dem lang, 1 mm bis 
o cm breit, bauchig aufgetrieben, gelappt róhrig oder eingeweide- 
PT Zellen 12 bis 21 u im Durchmesser. 

var. 6) erispa Ktz.non Le Jol. (E. intestinalis (L) Link 
*0) bullosa Rbh. Flora europ. alg. III. p. 313 Wittr. et Nordst. Alg. 
exs. Nr. 329!  Lager kraus, aufgeblasen, 
bis fingerdick und darůber, etwa 2 ďdm lang. 

var. 9) tubulosa Ktz. Lager róhren- 
oder schlauchfórmig, glatt (nicht kraus), 
ofters verzweigt, bis 3 dm lang. 

In Gráben, Báchen, Flůssen im 
Fig. 20. Enteromor- © Sůssen und salzigen Wasser (6—8). Bisher 
pha intestinalis (L.) nur bei Franzensbad [Franzensbrunn Pohl Fig. 21. Enteromorpha in- 


Link var. crispa Ktz. Mus. var 2) und -bei E É . testinalis (L.) Link. Auer- 
Soho : : Fy s ger nach Opiz 
Poam moe am met „Běhm, planer. u. krypt.“ p. 1343 mach  šohuié mad Fldokorených 
Grósse. Opiz „Seznam“ p. 18 ist auch var. 7) in Etwa 250mal vergr. 


Bóhmen gefunden worden. 


17. Gattung. Schizomeris Ktz.') 


Der Thallus ist fadenfórmig, haar- bis borstendick mit einer Fusszelle versehen 
und festcewachsen. Zellen, am unteren Theile der Fáden einreihig, am oberen mehrreihig 
und mehrschichtie. Durch fortschreitende, in verschiedenen Rich- 
tungen des Raumes erfolgende Z odunkon der Zellen, deren 
Tochterzellen in Gruppen von 2, 4 und mehreren vereinigt bleiben, 
entsteht aus dem zuerst einreihigen Ulothrix-artigen Faden der aus 
mehreren Zell-Reihen und Zellschichten zusammengesetzte drehrunde, 
gegliederte gerade oder wurmartig gekrůmmte Schizomeris-Faden, 
dessen Durchmesser um das Vielfache den des einfachen Ulothrix- 
artigen Mutterfadens úbertrift. 

Vermehrung durch Zoogonidien, welche am vorderen hya- 
linen Ende mit 2 contractilen Vacuolen, einem parietalen rothen Pig- 
mentfleck und mit vier Cilien versehen sind. 


63. S. Leibleinii Ktz. Tab. phycol. III. T. 31.  Gelblich 
oder satterůne, ziemlich steife und etwas krause Zellfáden, welche 
an der Basis etwa 24 u, in der Mitte etwa 60 bis 80 u, am oberen 
Ende čfters bis 110—120 u dick und durch mehr oder weniger 
tiefe Einschnůrungen wellig-gekerbt sind. Veget. Zellen am unteren 
Theile 24 bis 30 u dick, '/,„ bis 1'/,mal so lang in der Mitte und 
am oberen Ende blos 12 bis 15 w im Durchmesser, rundlich oder + 
rundlich-eckig. Zellhaut ziemlich (bis 6 mw) dick, meist nicht deutlich © Fig. 22. Schizomeris 


geschichtet. Leibleinii Ktz. Un- 
: n : Ň “ : terer'Theil eines etwa 
In Teichen, Tůmpeln, Sůmpfen u. á. an Hólzern, Steinen 100mal vergrósser- 


etc. festsitzend (6—8). So in einem kleinen Teiche „V sádkách“ noHallens 
bei Sobieslau in grosser Menge an Holzbalken festgewachsen! *) 


r) Uber das Verháltniss von Schizomeris-Formen zu Ulothrix-Hormospora etc. Formen 
verol. Cienkowski's „Zur Morphologie der Ulotricheen“ 1876. 

2) Als ich diese Alge, welche ich in práchtig entwickelten Exemplaren Ende September 
1884 in grosser Menge an diesem Standort angetroffen und gesammelt habe nach 14 Tagen daselbst 
nochmals sammeln wollte, war sie spurlos verschwunden. 


56 Ulothrix. 


XIII. Familie. Chaetophoraceae.) 


Der Thallus der Chaetophoraceen besteht aus einfachen, hóchstens mit rhizoid- 
artigen, kurzen Seitenzweigchen versehenen oder seitlich zu zwei oder mehreren ver- 
wachsenen Zellreihen oder aus mehr weniger reichlich verzweigten und Wurzelhaare 
tragenden Zellfáden, deren Endverzweigungen meist in farblose Haare auslaufen. Vege- 
tative Zellen einkernig. Zoogonidien meist zu 2 bis 16, seltener mehr, in einer, den 
vegetativen Zellen gleichenden Mutterzelle entstehend. Chromatophoren band- oder ring- 
fórmig, wandstándig, ofters an den Rándern gelappt. Ungeschlechtliche Vermehrung durch 
Microzoogonidien und durch ungeschlechtlich entstandene Dauerzellen; geschlechtliche 
Fortpflanzung durch Microzoogonidien, welche copulirend Zygoten (Zygosporen) erzeugen. 


1. Subfamilie. Ulotricheae.*) 


Der Thallus besteht aus unverástelten, fadenfórmigen, einfachen, seltener zu zwei 
oder mehreren seitlich verwachsenen Zellreihen, welche meist mit einer rhizoidartigen 
Verlángerune der basalen Zelle dem Substrat anhaften und an welchen dfters auch hie 
und da kurze, meist ungegliederte, seltener gegliederte (aus wenigen Zellen zusammen- 
gesetzte) Wurzelástchen entstehen. © Endzellen haarlos. 

Fortpflanzung durch copulirende oder neutrale Zoogonidien von zweierlei Art: 
1. Macrozoogonidien, welche einzeln oder zu 2 bis 4, seltener zu 8 in einer Mutterzelle 
entstehen und mit 4 Cilien, versehen sind; 2. Microzoogonidien, welche zu 8 bis 16 
(selten bis 32 und mehr) in einer Mutterzelle gebildet werden, mit 2 Cilien versehen 
sind und meěist zu zwei copulirend Zygoten erzeugen oder bei unterbleibender Copulation 
sich vegetativ weiter entwickeln kónnen,  Aus copulirten Microzoogonidien entstandene 
Zygoten wachsen langsam, ohne in einen Ruhezustand zu úbergehen zu neuen Pflánzchen 
heran, welche zuerst wieder eine Anzahl von Microzoogonidien entwickeln oder es nehmen 
erst nach einer kůrzerer oder lángeren Ruheperiode die Zygoten an Volumen langsam zu, 
ihr Inhalt theilt sich simultan in 2, 4 bis 16 Zellen, aus welchen in derselben Weise wie 
aus den Microzoogonidien, wenn sie die Copulation verfehlt haben, sich geschlechtslose 
Individuen entwickeln. Nicht selten findet auch eine Unterdrůckung des Schwármzustandes 
statt, so dass die aus einzelnen vegetativen Zellen entstandenen, ungeschlechtlichen Fort- 
pflanzungszellen schon inerhalb der Mutterzelle keimen, 


18. Gattung. Ulothrix Ktz. ampl. [incl. Schizogonium Ktz.]*) 


Der Thallus ist aus einfachen, selten aus mehreren [Schizogonium Ktz.] Zell- 
reihen, zusammencesetzt. Die im Wasser lebenden Arten bestehen entweder aus einfachen 
Fáden, deren FWusszellen ofters in ein Rhizoid auslaufen, mit welchem die Fáden an ihrer 
Unterlage angewachsen sind oder die Fáden bilden freischwimmende Flocken und Bůschel. 
An den Fáden der nicht festsitzenden, in Wasser und an der Luft lebenden, aus einer 
einzigen Zellreihe bestehenden Ulothrix-Arten entstehen auch ofters, hie und da kurze 
rhizoid-artige Seitenzweigchen. © Blos bei einigen an der Luft lebenden Arten verwachsen 


!) Schon Borzi „Studi algologici“ I. p. 25 hat die Ulotricheen mit den Chaetophoreen 
zu einer Wamilie (Ulotrichiaceae) vereinist. 

2) Kůtzing hat in seinen Species algarum p. 345 zu der Gruppe der Ulotricheen auch 
die mit Ulothrix nahe verwandte Gattung Hormospora Bréb. gezáhlt, welche spáter Nágeli (Ein- 
zellige Algen p. 77), Rabenhorst u. a. zu den einzelligen Chlorophyceen (Palmellaceen) zugetheilt 
haben (siehe Palmellaceae). 

*) Uber den genetischen Zusammenhang einiger Ulothrix- (Hormidium und Schizogonium) 
Arten mit Prasiola, anderer U.-Arten mit anderen hóher entwickelten Chlorophyceen vergleiche Hicks 
„Ihe diamorphosis of Lyngbya (Ulothrix)“ 1861, Meyen's Aufsatz „Uber die Priestley'sche grůne 
Materie ete.“ Linnaea 1827, Kůtzines „Umwandlung niederer Algenformen in hóhere“ 1841, 
Phycologia generalis 1843 und Phycologia germanica 1845, Wollěs „Freshwater algae V“, meine 
Abhandlung „Uber den Polymorphismus der Algen“ 1885 u. a. 


F 


Ulothrix. 57 


ofters einzelne Fáden zu zweien und mehreren parallel (seitlich) mit einander und bilden 
dann mehr oder minder breite (meist nur aus 2 bis 4 parallelen Zellreihen zusammen- 
gesetzte) Bůnder. 

Vermehrung durch Macro- und Microzoogonidien, welche frei werden, indem die 
Wand der Mutterzelle aufguillt und unregelmássieg zerrissen wird; wenn die Zoogonidien 
noch in einen zarten Schleimsack eingeschlossen sind, so durchbrechen sie auch diesen 
und eilen erst dann davon. Die Dauer und Lebhaftigkeit des Schwármens der Zoogonidien 
ist bei Macro- und Microzoogonidien und selbst bei den letzteren nicht gleich. © Durch 
Copulation des Microzoogonidien entstehen bei einigen Arten (z. B. bei U. zonata) Zy- 
goten, aus welchen meist erst nach einer lángeren Ruheperiode 2, 4 bis mehrere Zo0g0- 
nidien entstehen, welche keimend die ungeschlechtlich erzeuste Generation, námlich die 
Ulothrix-Fáden erzeugen, Diese durch Macrozoogonidien, welche mit 4 Cilien ausgestattet 
sind, sich vermehrende Generation tritt meist in der rauhen Jahreszeit (im Herbst, Winter) 
auf. Die geschlechtliche durch Microzoogonidien, welche mit zwei Cilien versehen sind 
sich vermehrende Generation ist wieder meist das Product des Frůhjahres und Sommers. 

Durch unregelmássige Theilungen der Zellen, Aufguellen und Auseinanderweichen 
der Zellwánde entstehen unter gewissen Umstánden, insbesondere im Spátherbst und im 
Frůhjahre Protococeus-Palmella- ete. artige Entwickelungs- 
zustánde. — 


1. Sect. Hormiscia Aresch. Zellhaut meist ziemlich 
dick. Wasserbewohner. Fáden 12 bis 75 wu dick. 


64. U. zonata (Web et Mohr) Ktz. ampl. (Hormiscia 
zonata Aresch ampl.) Dodel Port „U. zonata“ Tab. 31—38. 
Lager dunkel- oder gelblichgrůn, schleimig, */,„ bis 3 dm 
lang, fluthend. Fáden meist verworren oder bůschelfórmig 
geháuft, am unteren Ende meist verschmálert sonst auch am 
oberen Ende gleichmássig dick.  Veget. Zellen 12 bis 40, 
seltener bis 75 u dick, '/„ bis 4, selten 1',„mal so lang, 
an den Scheidewánden nicht oder mehr weniger eingeschnůrt, 
mit ziemlich dicker, oft geschichteter Zellhaut. © Macrozoo- 
gonidien 12 bis 19 w lang, 10 bis 13 u dick, Microzoo0g80- 
nidien 5 bis 11 u lang, 4 bis 75 u dick.) 

a) genuina (Ktz.) nob. (U. zonata Ktz.) Tab. phy- 
col. II. T. 90, Brit. freshwater ale. T. 69. Fáden dunkel- 
oder gelblichgrůn, gleichmássig dick. © Zellen meist 20 bis 
30, seltener bis 38 u dick, *'/„ bis Imal so lang, an den 
Scheidewánden leicht eingeschnůrt, mit ziemlich dicker Zell- 
haut (insbesondere an álteren Exemplaren). 


var. P) attenuata (Ktz.) Rbh. (U. attenuata Ktz.) 
Tab. phycol. II. T. 92. Fáden fiuthende gelblichogrůne Bůschel 
und Rasen bildend, an der fast hyalinen Basis nach und 
nach verschmálert. Zellen daselbst bis 2mal so lang als jh : 
dick, in der Mitte '/, bis 1mal so lang als dick, am oberen, OSV KU Frasme Aěze 
etwa 40 u dicken Ende meist 2mal kůrzer; sonst wie a). © mittleren o děhetůblkes št 

var. 7) pectinalis (Ktz.) Rbh. (U. pectinalis Ktz. © Macrozoogonidien, welche ein- 
Tab. phycol. II. T. 90. Lebhaft oder gelblichgrůn, schlůp- © zeln in einer Zelle entstehen; 
ferig. Zellen cylindrisch 16 bis 30 u dick, '/, bis 1mal jez saje Koiš POR KV 
so lang, die fruchtbaren kugelig und leicht angeschwollen. ZANE la ZBO OV ST 
Zellhaut weniger dick. 


!) Mehr úber die geschlechtlichte und ungeschlechtliche Fortpflanzung, den Polymor- 
phismus ete. dieser Alge, welche auch in Protococcusartige Formen ůbergehen kann, siehe in 
Dodel-Port's Abhandlung „Uber Ulothrix zonita“ 1876. Uber den sehr zweifelhaften Werth der 
Kůtzing'schen 40 Ulothrix-Arten vergl. Nágeli „Neuere Algensysteme“ p. 137 Anmerk. 4., Kirchner 
„Algen v. Schlesien“ p. 76, Dodel-Port I. c. p. 425, Reinsch „D1e Algenflora von Franken“ p. 230. 


58 Ulothrix. 


var. 0) inaegualis (Ktz.) Rbh. (U. inaegualis Ktz.) Tab. phycol. II. T. 91. Fáden 
lebhaft grůn, unregelmássig meist abwechselnd verdickt und verschmálert. Zellen 18 bis 
36 u dick, 3 bis 1imal so lang. Zellhaut dick, ofters deutlich geschichtet. 

var. e) vartans (Ktz.) Rbh. (U. varians Ktz.) Tab. phycol, II. T. 92. Wittr. et 
Nordst. Alg. exs. Nr. 128!  Fáden grůn oder gelblichgrůn.  Veget. Zellen 23 bis 38 u 
dick, "/, bis 1mal so lang; an den Scheidewánden sehr leicht eingesehnůrt. Zellhaut 
ziemlich důnn, schlůpferic. 


var. Č) rigiďula (Ktz.) nob. [U. rigidula Ktz. Tab. phycol. II. T. 91 incl. U. 
muscicola Ktz. Tab. phycol. II. T. 92] Lebhaft grůn. Veget. Zellen 24 bis 38 u dick, 
"/„ bis 1mal so lang, an den Scheidewánden leicht eingeschmůrt, mit dicker, ofters deutlich 
geschichteter Zellhaut. 


b) valida (Nág.) Rbh. (U. valida Nág.) Tab. phycol. II. T. 94. Wittr. et Nordst. 
Alg. exs. Nr. 128!  Fáden gelblich- oder schmutzigerůn, meist schlůpferig und bis 
1—2 dm lang. Zellen 45 bis 75 m dick, '/„—"/,, seltener bis mal so lang, an den 
Scheidewánden nicht oder leicht eingeschnůrt.  Zellhaut sehr dick, geschichtet. 

In langsam und schnell fliessendem [seltener auch in stehendem| Wasser in 
Flůssen, Báchen,. Auellen, Wasserleitungsrinnen, an und in Wasserbeháltern, Tůmpeln, 
an und in Springbrunnenbecken, Bassins ete., auf feuchten Steinen, Hólzern u. a. fest- 
sitzend (auch zwischen Moos) in Bóhmen in der Ebene und im Vorcebirge ziemlich ver- 
breitet und zeitweise massenhaft auftretend (3-—10); nach Dodel Port kommt diese Alge 
auch in Eiszapfen vor, welche am Tage aufthauen, in der Nacht sich von neuem wieder 
bilden, ohne dass sie dabei irgend wie Schaden leiden wůrde, weder in vegetativer 
noch in reproductiver Hinsicht. 


a) In der Umgebung von Prag blos unter anderen Algen zerstreut mehrfach 
von mir beobachtet, in grósserer Menge bisher nur am sog. Libuša-Bade náchst Pankrac 
(1884 vor dessen Renovirung); bei Vysočan; bei Strezmiř náchst Stupčic, Bystřic náchst 
Beneschau, bei Weisswasser! im grossen Teiche im Riesengebirge (Krch. Ale. p. 77). 


var. 6) An den Fluss-Ufern an Steinen, untergetauchten Pflanzentheilen, Holz- 
balken u. á. festsitzend, meist in langsam fliessendem Wasser, seltener auch in Tůmpeln. 
So in und an der Moldau bei Prag von Smichow bis Zavist, Roztok und Kralup von mir 
meist im Frůhjahre stellenweise massenhaft beobachtet; ebenso in der Elbe bei Nera- 
towic, Raudnitz, Lobositz; in der Beraun, zwischen Beraun und Budňan; 

var. y) im Kunraticer Bache náchst Prag; | 

var e)—Č) meist in Gebirgsgegenden in Báchen, Auellen, Katarakten u. 4. So in 
Sůdbohmen bei Krummau, Hohenfurth, Kaplitz! 

b) In der Umgebung von Prag selten, z. B. an der Moldau náchst Dvorce; in 
der Wotawa bei Písek! 


65. U. tenuis Ktz.") Spec. ale. p. 347 non U. tenuis Ktz. Spec. alg. p. 346.. 
Tab. phycol. II. T. 89.  Satterůne bis 4 und mehr cm lange, fluthende Rasen bildend. 
Zellen meist 16 bis 22 gu, seltener bis 28 u dick, "/, bis 1mal, seltener '/„mal so lang © 
als dick, mit ziemlich důnner, hyaliner homogener Membran. 

In Báchen, Brunnen, Wassergráben an Steinen etc. festsitzend, meist in Gebirgs- 
regionen; selten (6—8). Bisher blos in einem Felsenbrunnen bei Turkowitz náchst 
Krummau und bei Kaplitz in Sůdbohmen! 


66. U. aegualis Ktz. (Hormiscia aegualis (Ktz.) Rbh.) Tab. phycol. II. T. 89. 
Gelblichgrůn. Zellen 12 bis 16 u dick, ebenso lang oder etwas kůrzer oder lánger, am 
den Scheidewánden nicht oder undeutlich eingeschnůrt. Zellhaut mehr oder weniger dick, 
oft geschichtet. 


var. P) catentformis (Ktz.) Rbh. (U. cateniformis Ktz.) Tab. phycol. M. T. 89. 


Hellgrůn. Zellen 16 bis 18 u dick, an den Scheidewánden deutlicher eingeschnůrt; Zellhaut 
dick; sonst wie die typische Form. 


") Gehórt wahrscheinlich noch zu dem Formenkreis der U. zonata. 


Ulothrix. 59 


In Wassergráben, Báchen, Katarakten an Wasserpflanzen (auch au Moos) fest- 
sitzend; selten (6—8). So im Riesengebirge bei der Spindelmůhle ! 


67. U. moniliformis Ktz. (Hormiscia moniliformis (Ktz.) Rbh.) Tab. phycol. II. 
Blasserůn. © Zellen 11 bis 14 u dick, ebenso lang oder etwas kůrzer, an den Scheide- 
wánden leicht eingeschnůrt. Zellhaut dick, farblos, ofters deutlich geschichtet. Der Chloro- 
phyll enthaltende Zellinhalt meist stark reducirt, von kugeliger oder elliptischer (nicht 
guadratischer) Form. 

var. 6) Braumit (Ktz.) Rbh. (U. Braunii Ktz.) Tab. phycol. II. T. 87.  Zellen 
9 bis 12 u dick, sonst wie die typische Form. 

In Sůmpfen, torfigen Gewássern meist unter anderen Algen; selten (6—8). 80. 
in torfigen Sůmpfen im Riesengebirge oberhalb Spindelmůhle und bei Spitzbereg im Bóhmer- 
walde auch var. 6! auch in den Schanzeráben hinter dem gew. Kornthor bei Prag unter 
nicht fructif. Oodogonien und Bulbochaeten im Frůhjahre 1883 spárlich ! 


2. Sect. Autulothrie nob. Zellhaut meist důnn und zart. Wasserbewohner. Fáden 
5 bis 10, seltener bis 12 u dick. 


68. U. subtilis Ktz. ampl. Lebhaft oder gelblich grůne, freischwimmende Flocken 
bildend. Zellen 4 bis 12 w dick, */„ bis 2 (seltener bis 4) mal so lang. Die wand- 
stándigen, bandfórmicen Chromatophoren das ganze Zelllumen ausfůllend. 

a) genuina (Ktz.) Krch. (U. subtilis Ktz.) Tab. phycol. II. T. 85. Zellen 5 bis 
6 m dick, meist ebehso lang, seltener bis 1'/„mal so lang als dick. 

b) subtilissíma Rbh. (U. subtilissima Rbh. in Alg. exs. Nr. 656!) Gelbgrůn. 
Zellen 4:4 bis 5 u dick, 1 bis 2mal, seltener 2 bis Smal so lang als dick; 

var. 6) macromeres nob. Zellen meist 2 bis 3mal, seltener bis 4mal so lang als dick. 

c) thermarum (Wart.) Rbh. (U. thermarum Wartm. in Rbh. Alg. exs. Nr. 655!) 
Hellgrůn.  Zellen 5 bis 6 u dick, 1 bis 2mal seltener bis 3mal so lang als dick; 

var. 6) crasstor nob. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 419! Zellen 6 bis 9 u 
dick, */, bis 1mal so lang als dick. 

d) variabilis (Ktz.) Krch. (U. variabilis Ktz.) Rbh. Alg. exs. Nr. 144! (Tab. 
phycol. II. T. 85?) Blass grůn. Zellen 5 bis 7 u dick, meist ebenso, seltener bis fast 
2mal so lang als dick.  Chromatophoren vor der Theilung meist genau guadratisch. 

e) stagnorum (Ktz.) Krch. (U. tenerrima P) stagnorum Ktz.) Tab. phycol. II. 
T. 87 a—c non ď. Schmutzig gelblichorůn, weiche dicht verworrene Flocken bildend. 
Zellen 7 bis 9 u meist ebenso, seltener bis fast 2mal so lang als dick, Zellhaut an jungen 
Fáden ausserordentlich důnn; 

var. P) raďicans nob. Einzelne Zellen kurze, meist einzellige Seitenzweigchen 
hervortreibend. 

£f) compacta (Roth) nob. (Conferva compacta Roth, U. compacta Ktz.) Tab. 
phycol. II. T. 85. Gelblichorůn, schleimie; Zellen 6 bis 8 m dick, meist nur "/„mal so lang. 

9) tenerrima (Ktz.) Krch. (U. tenerrima Ktz.") Tab. phycol. II. T. 87. Fáden 
gelblich- oder bleichgrůn, schlůpferig.  Zellen 7 bis 10 m dick, meist ebenso lang oder 
etwas kůrzer oder lánger als dick. Chromatophoren lebhaft gelbgrůn, guadratisch. 

h) albicans (Ktz.) nob. (U. albicans Ktz. Spee. alg. p. 346) Tab. phycol. II, 
T. 86. Blass gelbgrůn.  Zellen 8 bis 12 u dick, meist */,„ bis Imal so lang als dick. 
Zelhaut an šlteren Fáden verdickt. 


In stehenden, seltener auch in fliessenden, kalten, seltener [blos c)] auch in lau- 
warmen Gewássern, in Wassergráben, Sůmpfen, Tůmpeln, Brunnen, Bassins, seltener auch 
in Báchen, Guellen, Abzugsgráben, an Wassermůhlen etc. In Bóhmen in der Ebene und 
im Vorgebirge verbreitet (5—10). a) In der Umgebung von Prag stellenweise háufig, so 


v) Rabenhorst hat in seiner Flora europ. algarum III. p. 366 mit U. tenerrima Ktz. fol- 
gende zwei Arten : U. pallescens Ktz. Spec. ale. p. 346 Tab. phycol. II. T. 85 und U. pallide virens 
Ktz. 1. c. p. 346 1. c. T. 86, vereinist. 


60 Ulothrix. 


an Holzbalken an der Smichower Schwimmschule, in einem Brunnen an der Nordseite 
des Žižkabercges, bei Podol u. a.; bei Srbsko náchst Karlstein; bei St. Iwan, Beraun, 
bei Mukařov náchst Řičan, Střezmiř náchst Stupčic, Doubrawic und Poddubí an der Sa- 
zawa; bei Přibram, Tabor, Sobieslau, Podhrad náchst Budweis; bei Ebenau, Turkowitz 
náchst Krummau, Hohenfurth, Spitzberg, Eisenstein; bei Půrglitz, Laun, Dux, Brůx, 
Teplitz, Eichwald, Franzensbad, Carlsbad; bei Melnik, Leitmeritz, Lobositz, bei Dymokur, 
Weisswasser, Arnau, Wostroměř, Eisenbrod, Tannwald; im Riesengebirge noch bei der 
Spindelmůhle! 6) bei Georgswalde in Nordbohmen (Karl Rbh. Kryptfl. p. 263 und Rbh. 
Ale. exs. Nr. 656!) var. 9. in den Sůmpfen bei Oužic náchst Kralup noch Ende No- 
vember 1885 reichlich *) c) bisher blos an den Abflůssen der warmen Guellen bei Carlsbad 
unter der Sprudelbrůcke mit Stigeoclonium uniforme nicht háufie 1884! d) in stehendem 
und langsam fliessendem Wasser in der Umgebung von Prag, meist nur zerstreut unter 
anderen Fadenalgen, in grósserer Menge in den Sůmpfen bei Vysočan, Hloubětín, bei 
Chuchelbad, Zawist, bei Zwol náchst Wran an der Moldau, in den Sůmpfen bei Ouwal, 
bei Kónieggrátz, Wichstadl, Lichtenau, Bárnwald, Kronstadt an der Adler auch noch am 
Kamme des Adlergebirges oberhalb Friedrichswalde! im Sůdbohmen z. B. bei Písek, und 
Frauenberg náchst Budweis! e) bei Prag selten, so im sog. Libuša-Bade am Pankrac 
unter anderen Algen, bei Zawist und bei Roztok an der Moldau, bei Hrdlořez, Kunratic 
auch var. 9.; bei Chrbyně am Lodenicer Bache náchst Unhoscht; bei Buda náchst Řičan, 
bei Sazawa, Střezmiř náchst Stupčic, bei Přibram, Písek, Lomnitz, Wittingau, Sobieslau, 
Krummau, Hohenfurth, Klattau, Eisenstein; bei Kralup an der Moldau, Rosic náchst 
Pardubic, bei Kóniggrátz, Bakov, Habstein, Eisenbrod, Turnau, Tannwald, Alt-Paka; Bárn- 
wald, Kronstadt, Friedrichswalde! bei Fugau [Karl Mus! unter Oedogonien|; bei Fran- 
zensbad! f) bei Lomnitz náchst Wittingau, Písek und Geiersberg; 
9) in der Umgebung von Prag meist in offenen Brunnen und im 
Ouellwasser, so z. B. bei Chuchelbad, in der sog. Jeneralka, bei 
Krč, bei St. Prokop bis gegen Jinonic mehrfach, bei Klecanky 
náchst Roztok; bei Sazawa, Mies, Frauenberg náchst Budweis, 
Kaplitz; im Riesengebirge noch in der Spindelmůhle! Ž4) in tor- 
figen Gewássern so im Riesengebirge oberhalb Spindelmůhle! 

69. U. mirabilis (Ktz?) nob. [U. radicans Ktz. 7) agua- 
tica Ktz?] Spec. alg. p. 349. Tab. phycol. II. T. 95. III. r—w? 
Lebhaft grůn. Zellen 7 bis 10 w dick, meist ebenso lang, seltener 
etwas kůrzer oder lánger als dick, mit sehr důnner hyalinen 
Membran. An den Fáden hie und da, stellenweise ziemlich nahe 
aneinander kurze meist einzellige, seltener mehrzellige, oft paa- 
rige, gleich entwickelte, gegen einander wachsende, an der Spitze 
oft sich berůhrende und mit einander verwachsene ůfters auch 
mehr oder weniger stark gebogene, wurzelartige Seitenástchen. 

In Báchen, auf Steinen und Moosen bisher blos im hů- 
heren Gebirge (7—8). So im Riesengebirge mehrfach. Bei Ober- 
Figo 24. Ulodhriď AniFa: Hohenelbe, bei den Krausenbauden, in der Spindelmůhle, bei der 


bilis (Ktz?) nob. Stůck | Petersbaude. 

eines lángeren Fadens 3. Sect. Hormidium Ktz. ampl. (incl. Schizogonium Ktz.) 

an; Kano n a, Zellhaut meist důnn. An der Luft (auf feuchter Erde und an inun- 

Sehendscdhéní Heron dirten Orten) lebende Algen. Fáden 3 bis 24 u dick, einzeln, 
mal vergr. seltener zu zwei und mehreren seitlich zusammengewachsen [Schi- 


zogonium Ktz.]. 
70. U. Aaccida Ktz. ampl.*) Gelborůn. Fáden zu einem mehr oder minder aus- 


!) Wird in der Flora austro-hungarica exsic. des H. Prof. Dr. Kerner's von diesem 
Standorte vertheilt werden. 

: *) Uber das Verháltniss dieser an der Luft lebenden U.-Art zu der im Wasser lebenden 
U. subtilis Ktz. siehe meine Abhandlung „Úber den Polymorphismus der Algen“ p. 35 in An- 
merkung; daselbst wird auch ůber die einzelligen Entwicklungszustánde dieser Alge ausfůhr- 
licher gehandelt. 


jd 


Ulothrix. 61 


gebreiteten, důnnháutigen, weichen Lager dicht, bis gewebeartig verflochten. Zellen 3 bis 
10 w dick, 1 bis 3mal so lang als dick, důnnháutig, die chlorophyllgrůnen Chromatophoren 
wandstándig, meist blos die eine Hálfte der Zellwand bedeckend [resp. einseitig der 
Wandung anliegend.| 


a) genuina (Ktz.) nob. [U. flaccida Ktz.] Tab. phycol. II. T. 95. Zellen meist 
6 bis 10 (seltener blos 5) w dick, vor der Theilung 1 bis 2mal, nach erfolgter Theilung 
1 bis "/„mal so lang als dick. Fáden nass grůngelb bis dunkelchlorophyllgrůn, trocken 
gelbgrůn, matt, glanzlos und nicht schlůpferig. 

var. 9) mětens (Menegh.) nob. (U. == Hormidium nitens Menegh.) Tab. phycol. II. 
T. 95; Fáden meist parallel neben einander verlaufend zu einem hautartigen, schwach 
seidenartig olánzenden Lager verflochten. 

var. y) caldaria (Ktz.) nob. (Gloeotila caldaria Ktz.) Tab. phycol. III. T. 32. 
Lager weich und schlůpferig. Fáden durch lángere Einwirkunce von Feuchtigkeit uad Wirme 
an ihrer Oberfláche mehr oder minder verschleimt. 

var. ©) antliaria (Ktz.) nob. (Conferva antliaria Ktz.) Ktz. Alg. exs. Nr. 52!, 
Psichohormium antliarium Ktz. Tab. phycol. III. T. 48. Fáden an ihrer Oberfláche theil- 
weise verschleimt und čfters stellenweise von adhárirenden Kalk- oder Erde-Partikeln 
leicht incrustirt. 


b) minor nob. Fáden meist 3 bis 5 (seltener bis 6) oder blos 2:5 bis 3 u 
dick, vor der Theilung 1 bis 3mal, nach der Theilung "/,„ bis 1'/„mal so lang als dick, 
zu gelblichgrůnem, sehr důnnháutigem, ofters mehr oder minder schlůpferigem Lager ver- 
einigt; sonst wie «). 

Am Grunde alter Báume, feuchter Mauern, Felsen, an feuchten Brettern, Záunen, 
Gartenmauern, an Pumpenróhren, an den Wůánden der Wasserbehálter, auf feuchtem 
schattigem Boden, insbesondere unter Dachtraufen, seltener auch auf Strohdáchern ete. in 
der Ebene und im Gebirge ůúberall durch ganz Bóhmen ziemlich verbreitet (4—11) in 
der freien Natur; (1—12) in den Warmháusern. In der náchsten Umgebung von Prag von 
mir ofters beobachtet und gesammelt, z. B. in Prag am Hofe einiger Privatháuser und in 
Privatgárten, im Heine'schen-, Canal'schen-, Kinsky'schen-, Vereins-Garten, auf der Kaiser- 
wiese bei Smichow, an Mauern in und ausserhalb Prag, am Vyšehrad, Žižkaberge, bei 
Slichow, Košíř, Liboc, Kunratic, Hlubočep, Práč, Měcholup, Hostiwař, Ouřiněwes, Žalov, 
Podmoráň, Roztok, Podbaba [bei der Piette'schen Maschinen- Papierfabrik auch auf nasser 
Erde, welche vom warmen Wasser aus der Fabrik befeuchtet wird]; bei Radotín, im 
Choteč-Thale, bei Cernošic, Karlstein, St. Iwan, Beraun, Kůnicshof, Půrglitz, Stadtl, Ra- 
konitz; Schlan, Peruc, Chlumčan, bei Laun, Saaz, Teplitz, Eichwald, Bilin, Dux, Brůx, 
Franzensbad, Carlsbad, Mies, Pilsen, Klattau, Eisenstein; bei Písek, Horaždowic, Budvweis, 
Zamost, Frauenberg, Wittingau, Lomnic, Veselí, Krummau, Turkowic, Ebenau, Rosenberg, 
Ruckendorf, Hohenfurth, Zartlesdorf; bei Kaplitz; Protivin, Sobieslau, Tabor, Stupčic, 
Wottic, Olbramowie, Bystřic, Beneschau, bei Stránčic, Mnichowic, Ondřejov, Sazawa, Ko- 
cerad, Čerčan, Řičan, Mukařov; bei Chwal, Kolín, Pardubic, Smiřic, Kónigerátz, Dou- 
brawic, Chlumec an der Cidlina, Hořic, Jičín, Wostroměř, Starkoč, Nachod, Parschnitz, 
Arnau, Tannwald, Eisenbrod, Turnau, Semil, Bakov, Jung-Bunzlau, Elbe-Kostelec, Brandeis, 
Lysa, Sadska, Weisswasser, B. Eicha, Hirschberg, Alt-Paka, Trautenau, Johannisbad; im 
Riesengebirge: bei Ober-Hohénelbe, bei den Krausebauden, Spindelmůhle, Elbfallbaude; 
bei Kralup, Neratowic, Melnik, Raudnitz, Rovné, Leitmeritz, Calositz, Lobositz, Cížkowitz! 


71. U. radicans Ktz. (Lyngbya muralis Ag., Oscillaria muralis Lyngb. Hormi- 
dium murale Ktz.) Tab. phycol. II. T. 95. Rbh. Alg. exs. Nr. 817!  Fáden hellgrůn, zu 
einem důnnháutigen, weichen meist gelblichorůnen Lager dicht, bis gewebeartig verflochten, 
einfach, ziemlich starr, hie und da kurze, meist farblose, wurzelnde Seitenzweigchen treibend. 
Zellen 7 bis 10 w dick, */„ bis Imal so lang; Chromatophoren meist die ganze Zell- 
wand bedeckend. 

var. 5) se/izogontoides Ktz. Rbh. Aig. exs. Nr. 875! f. papyracea Stiz. —— Schi- 
zogonium papyraceum. Fáden oft zu zwei parallel der Lángej nach verwachsen (sel- 
tener einzeln), 


62 Ulothrix. 


Auf feuchter, schattiger Erde am Fusse alter Baumstámme, seltener auch an 
Mauern, ziemlich verbreitet, vorzugsweise im Hůgellande (6—10). In der Umgebung von 
Prag schon von Corda als Oscillaria muralis Ag. mit U. parietina Mus! von Benesch als 
Conferva muralis L. (auch an feuchten Ziegelmauern) gesammelt; bei Žalov, Rovné něchst 
Raudnitz auch var. 6., Lobositz, Laun; Jung-Bunzlau, Bakov, Turnau, Arnau; bei Ho- 
řowic, Hohenfurth, Rosenberg, Kaplitz, am Spitzbere im Bóhmerwalde! bei Eichwald im 
Erzgebirge! in Nordbohmen bei Fugau? [Karl als Schizogonium murale Mus'| 


72. U. parietina (Vauch.) Ktz. ampl. Fáden einzeln oder seltener zu zweien und 
mehreren seitlich verwachsen oder durch Lánostheilungen einzelner Zellen aus zwei oder 
mehr Reihen von Zellen zusammencesetzt, satt- oder gelblichgrůn, verworren, kraus, 
ziemlich starr, důnne, ofters (trocken) schwach seidenartig glánzende, mehr oder weniger 
weit ausgebreitete Uberzůge bildend, mit důnner (selten etwas verdickter), glatter, selten 
etwas runzeliger Membran. Zellen 9 bis 24 w dick, '/„ bis 1lmal so lang. 


a) genuna (Ktz.) nob, U. parietina (Vauch.) Ktz., Oscillatoria parietina Vauch., 
Hormidium parietinum Ktz.) Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 636! Fáden einzeln. Zellen 
9 bis 16 u dick, "/, bis 1mal so lang, meist mit důnner Zellhaut, an den Scheidewánden 
nicht eingeschnůtt; 


var. b) delicatula (Ktz.) nob. [U. delicatula Ktz., Hormidium delicatulum Ktz. 
Tab. phycol. II. T. 96 Rbh. Alg. exs. Nr. 163!| Fáden einzeln, Zellen 9 bis 12 u dick, 
'/, bis "/„mal so lang; 

var. 7) major nob. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 636, a, d, d! Zellen meist 
16 bis 18 u dick, '/, bis '/„mal so lang. 

var. 0) crassa (Ktz.) nob. [U, crassa Ktz., Hormidium crassum Ktz. U. cras- 
siuscula Ktz. Tab. phycol. II. T. 96. Rbh. Alg. exs. 357 et 700! Zellen 16 bis 24 u 
dick, '/„ bis "/;mal so lang. Zellhaut důnn. 


b) velutina (Ktz.) nob.*) [Bangia velutina Ktz. non Ag., Schizogonium murale Ktz. 
Tab. phycol. II. T. 98.] Fáden meist zu zweien oder mehreren seitlich zusammengewachsen 
(seltener einzeln), mit ziemlich dicker, | 
farbloser Membran. Zellen an einzelnen 
Fáden 10 bis 13, seltener 15 bis 18 u 
dick, "/, bis "/„mal so lang, an den Schei- 
dewánden ofters leicht wellig eingeschnůrt. 

c) Boryana (Ktz.) nob. [Schizo- 
gonium Boryanum Ktz.| Tab. phycol. II. 
T.. 98.. Zellen- 12- bis 15 w dick, Pádeu 
durch stellenweise auftretende Lángsthei- E! 
lungen der Zellen aus mehreren Zellreihen i a Topaddlíla (Vanek 
bestehend, úfters zu zweien und mehreren Kto 20 Bara (Kiz);n0kí 
zu krausen bis gekróseartigen, einschich- © Bruchtheil eines unten aus 
tigen, mehr oder weniger breiten, meist aber einer, oben aus mehreren 
nur aus 2 bis 4 Zellreihen zusammenge-  Zellreihen bestehenden Fa- 
setzten Zelbándern mit einander verwachsen. SS 


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Auf feuchter, schattiger Erde, am Grunde von Mauern unter 
Fig. 25. U. parietina © Dachtraufen, am Fusse von alten Báumen, an Brettern, u. á. meist 
(Vauch.) Ktz. d) ve- an unreinen Orten, insbesondere in Dórfern; in der Ebene und im 
lutina (IKtz.) nob. © Vorgebirge fast wie U. flaccida verbreitet (3—12). a) In der nách- 
Bruchtheil. zweier sala 

seitlichverwachsener Sten Umgebung von Prag mehrfach: von Corda als Oscillaria mu- 
Fáden. Verg. 300mal. | ralis Mus! im Canal'schen Garten, am Belvedere, bei Krč, Kunratic, 


bei Dvorce, Podmoráň! bei Kostelec a. E., Rovné náchst Raudnitz, 


») Dass U.parietina Ktz. in Schizogonium murale Ktz. úbergehen kann, hat neben an- 
deren auch Rabenhorst (Flora europ. ale. III. p. 367 bei U. parietina) bemerkt. 


F 


Ulothrix. 63 


Leitmeritz, Lobositz; bei Jung-Bunzlau; Bakov, Turnau, Eisenbrod, Semil, Tannwald, 
Arnau, Parschnitz, Starkoč, Nachod, Wostroměř, Hořic, Smiřic, Kónigerátz, Wichstadtl, 
Bárnwald; bei Jičin, Hirschbere, Weisswasser, Alt-Paka, Johannisbad, Ober-Hohenelbe; 
im Riesengebirge bei den Bauden nicht selten so bei Krausebauden auch var. y), Spin- 
delmůhle, unter dem Pantschefall (an der kleinen Baude), Elbfallbaude, Petersbaude, 
Spindlerbaude, am Hotel in den Siebengrůnden auch var. y! bei Reichenberg (Langer 
Mus!), bei Schluckenau (Karl Mus!); bei Herrnskretschen, Půllna náchst Brůx, Fran- 
zensbad, Klattau, Horažďowic, Wittingau auch var. 6, Lomnic, Sobieslau, Veselí, Krummau, 
Rosenberg, Ruckendorf, Hohenfurth, am Spitzbere; bei Tabor, Stupčic, Wotic, Přibram, 
Hořowic. Bystřic, Beneschau; bei Beraun, Půrglitz, Rakonitz, Laun; bei Stránčic, On- 
dřejov, Sázawa, Kocerad! var. ©) von Karl bei Schluckenau (auf feuchten Basaltfelsen 
am Pirschkenberge?) entdeckt; Rbh. Al. exs. Nr. 357 unter U. parietina Ktz.! d) In der 
Umgebung von Prag z. B. bei Chuchelbad, St. Prokop, Kunratic; bei Beraun, Půrelitz, Ra- 
konitz; bei Sazawa, Bystřic, Beneschau, Tabor, Sobieslau, Veselí; Hořowic, Příbram, 
Protivín, Krummau, Rosenberg, Hohenfurth, Kaplitz; bei Písek, Lomnic, Wittingau, 
Klattau; bei dem Stationsgebáude Spitzberg im Bohmerwalde und beim Hótel Prokop 
daselbst! bei Jung-Bunzlau, Eisenbrod, Hirschbere, Kónigorátz, bei Wichstadtl, Pastvín, 
Lichtenau an der Adler, bei Alt-Paka, Ober-Hohenelbe; im Riesengebirge ziemlich ver- 
breitet, so bei den Krausebauden, in der Spindelmůhle, bei Elbfallbaude, Petersbaude, 
Spindlerbaude, am Hótel in den Siebengrůnden! bei Lobositz, Dux, Eichwald náchst 
Teplitz! bei Kolín a. E. (Welwitsch als Bangia velutina Mus!), bei Reichenberg (Langer 
als Oscillaria muralis Mus!), bei Fugau unter Prasiola crispa (Karl Mus!). 

c) bisher blos am Rande des Teiches náchst Chuchelbad, bei Hořowic, Rosen- 
bere und in Wittingau mit Prasiola crispa und Ulothrix parietina Ktz. a). 


73. U. varia Ktz. (Hormidium varium Ktz.) Tab. phycol. II. T. 96. Bildet 
gelblichorůne, weiche Úberzůge oder dicht verworrene důnne Ráschen. Fáden mit sehr 
důnner, farbloser Membran, Zellen 6:5 bis 13 w dick, meist ebenso lang oder etwas 
lánger, seltener auch etwas kůrzer, hie und da kurze wurzelartige Seitenzweigchen her- 
vortreibend. An den Scheidewánden nicht eingeschnůrt. 

An Strohdáchen, auf feuchter schattiger Erde meist zwischen Moosen (auch auf 
Waldboden) wie vor. verbreitet (3—10). In der Umgebung von Prag, z. B. auf Stroh- 
dáchern bei Gross-Chuchle, Radotín, Liboc, Ober-Roztok, Žalov, Podmoráň; bei Řičan, 
Mukařov; bei Černošic, Beraun, Karlstein, St. Iwan, Srbsko, Hořowic; bei Bystřic, Čerčan, 
Kocerad, Sazawa, Ondřejow, Stránčic; bei Wotic, Podolí, Olbramowic, Tabor, Střezmiř 
náchst Stupčic, Sobieslau, Veselí, Zámost, Lomnic, Wittingau, Horaždowic, Protivín, 
Budweis, Písek, Klattau, bei Krummau, Turkowitz, Hohenfurth, Ruckendorf, Rosenberg; 
bei Chwal, Elbe-Kostelec, Melnik, Hořín, Raudnitz, Rovné, Lobositz, Calositz, am Radobyl, 
bei Lichowic, Laun, Chrabřic, Schlan, Půrglitz, Rakonitz; bei Kralup, Lobkowic, Nera- 
towic, Dymokur, Jung-Bunzlau, Bakov, Turnau, Semil, Eisenbrod, Tannwald, Parschnitz, 
Starkoč, Jičín, Smiřic, Kónigerátz, Doubrawic, Pardubic, Chlumec an der Cidlina; bei 
Náchod, Bělowes, Alt-Paka, Hirschbere, Weisswasser; bei Neu-Štraschic, Hoch-Vetseh 
náchst Bilín, Brůx, Dux, Franzensbad, Carlsbad, Teplitz, Eichwald! auf Waldboden z B. 
bei Sarka, Krč, Chuchelbad náchst Prag! bei Neratowic an der Elbe u. a.! 


74. U. crenulata Ktz. ampl. Bildet blass- oder schmutzig-grůne, důnnháutige, 
ofters etwas schleimige Ráschen. Fáden einzeln oder seltener zu zweien und mehreren 
seitlich verwachsen, meist starr und kraus; Zellen mit dicker, oft geschichteter Membran, 
12 bis 18 u dick, "/„ bis Imal so lang (seltener etwas lánger oder kůrzer), an den 
Scheidewánden meist deutlich eingeschnůrt. 

a) genučna (Ktz.) nob. (U. crenulata Ktz., Hormidium crenulatum Ktz.) Tab. 
phycol. II. T. 97. Fáden einzeln. Zellen 13 bis 17 u dick, '/, bis imal so lang, an 
den Scheidewánden leicht wellieg eingeschnůrt, Zellhaut dick, farblos, leicht verschleimend ; 

var. 6) corticola Rbh. et West. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 637! Rbh. Alg. 
exs. Nr. 615!  Zellen meist 12 bis 15 u dick, ebenso oder */„mal so lang, Zellhaut 
bis 3 u dick. 


64 Stigeoclonium. 


b) Neesit (Ktz.) nob. (Schizogonium Neesii Ktz., S. murale b) Neesii (Ktz.) 
Krch.) Tab. phycol. II. T. 98. Rbh. Alg. exs. Nr. 558! Lager bleich olivengrůn, Fáden 
meist zu zweien oder mehreren seitlich verwachsen, seltener einzeln, sehr starr, kraus; 
Zellen 13 bis 18 u dick, */, bis Imal, so lang an den Scheidewánden leicht eingeschnůrt; 
Zellhaut dick, meist undeutlich geschichtet.  Einzelne Zellen kónnen auch durch Lángs- 
theilung in zwei Tochterzellen zerfallen. 


An feuchten Mauern, auf nasser Erde, an Baumstámmen spárlich verbreitet; in der 
freien Natur (7—9), in den Warmháusern (1—12). «) An einer feuchten Wand im 
Vermehrungshause des botan. Gartens am Smichow spárlich! var. 9) bei Reichenberg auf 
Baumrinde von alten Nadelholzern als Chroolepus pini Auersw. von Siegmund (Mus!) ge- 
sammelt. b) bei Veselí auf feuchter, etwas sandiger Erde in grósserer Menge! bei Cibulka 
náchst Prag von Opiz als Chroolepus saxicola Opiz (Mus!) gesammelt. 


2. Subfamilie. Chaetophoreae. 


Der kugelige, unregelmássig lappige, oder bůschelfórmige, meist sehr schlůpferige 
Thallus der Chaetophoreen besteht entweder aus wenig verzweigten Gliederfáden, an 
welchen ofters hin und wieder kurze, meist ungegliederte Wurzelástchen entspringen oder 
aus reich verzweigten, von einer Schleimhůlle umgebenen, mit Rhizoiden versehenen Zell- 
fiden. © Die Zellen der Chaetophoreen sind einkernig und enthalten je einen wandstán- 
digen, bandfórmigen, oft nur einen mehr oder weniger schmalen Gůrtel in der Mitte der 
Zellen bildenden Chlorophylltráger (Chromatophor), der meist eine zusammenhángende, 
zu einem vollstándigen Ringe goschlossene Scheibe bildet, seltener citterfórmie durch- 
brochen und am Rande unregelmássig gelappt oder blos der einen Seitenwand angelagert 
ist. In jedem Chlorophylltráger (Chlorophor) sind ein oder mehrere Pyrenoide von ver- 
schiedener Grósse enthalten. Die Zellwánde der vegetativen Zellen sind meist zart und 
sehr schlůpferie.  Bei Chaetophora nimmt die Gallertbildune der Zellmembran solche 
Dimmensionen an, dass sie Polster von schleimiger bis knorpeliger Consistenz und festen 
Umrissen bildet, in welchen die Thallusfáden eingebettet liegen. Die Endzellen der Ver- 
zweigungen sind zugespitzt oder laufen in lange, čfters gecliederte hyaline Haare aus. 

Fortpflanzung durch Zoogonidien, welche meist zu 2 bis 16, in einer von den 
vegetativen Zellen nicht verschiedenen Mutterzelle (Gonidangium, Sporangium) entstehen 
und mit zwei oder vier Cilien versehen sind.  Copulationsprocess dieser Zoogouidien, 
welche durch Zerreissen oder Aufguellen der Membran der Mutterzelle frei werden sowie 
Zygoten sind erst bei einigen Chaetophoreen beobachtet worden. © Ungeschlechtlich ent- 
standene Dauerzellen vorhanden; sie entstehen in den noch lebhaft vegetirenden Zellen, 
vorzugsweise der Astspitzen, einzeln oder zu zweien bis vieren und bleiben entweder in 
der Mutterzelle ruhig liegen, indem eine Ablósung der Ouerwánde des Fadens stattíindet 
[Stigeoclonium, Chaetophora], oder ste werden [bei Draparnaldia| als Schwármzellen aus- 
gestossen, welche sich aber blos kurze Zeit und energielos bewegen und alsbald zu ru- 
henden Dauerzellen werden; [seltener bleibt auch bei Draparnaldia die Dauerzelle in der 
Mutterzelle ruhig liegen, ohne dass eine Ablósung der Ouerwánde des Fadens stattfindet|. 


19. Gattung. Stigeoclonium Ktz. (incl. Endoclonium Szyman.) 


Der Thallus bildet schlůpferige důnne Ráschen, oder polsterfórmige, zusammen- 
hingende, důnne filzartige Úberzůge an Wasserpflanzen, Steinen ete. Der Hauptstamm 
ist meist einfach verzweigt, die Aeste zerstreut, nicht zu deutlichen Astbůscheln zusam- 
mengedránst, mit kurz pfriemenfórmiger oder in eine lángere Haarspitze auslaufender 
Endzelle.  Fůden meist aufrecht, blos an der Basis dem Substrat angewachsen, mit ab- 
stehenden, sejtlichen Verzweigungen, seltener auch epiphytisch mit allen Theilen des 
Thallus dem Substrate fest angedrůckt, mit niederliegenden, zu kleineren oder grósseren, 
scheiben- oder schildfórmigen parenchymatischen Zellfláchen verwachsenen Aesten auch 


| : 


Stigeoolonium. 65 


endophytisch (Endoclonium Szym.) in den Intercellulargángen und Luftráumen unter der 
Oberfláche verschiedener meist abgestorbener Wasserpflanzen lebend. 

Geschlechtliche Fortpflanzune durch Zygoten, welche durch Copulation von Micro- 
zoogonidien (Gameten) entstehen. Ungeschlechtliche Vermehrung durch vierwimperige 
Macrozoogonidien und Dauerzellen, die meist aus der Umbildung der Zellen der letzten 
Verzweigungen hervorgehen. 


1. Sect.  Hustigeoclontum (Ktz.) nob. Frei wachsende, bůschelfórmig ver- 
zweigte Formen. ; 


75. 8. variabile Nág.') Tab. phycol. III. T. 2 male excus.?) Lager důnn, lebhaft 
grůn, Hauptfáden 6 bis 6'5 u dick. Spárlich verzweigt, Aestchen kurz, abstehend. Zellen 
meist ebenso, seltener bis 2mal so lang wie dick, důnn- 
háutig, an den Scheidewánden nicht eingeschnůrt. 


var. 6) minus nob. Fáden spárlich verzweist, kurz. 
Zellen der Hauptfáden 4:5 bis 6 w dick, 1 bis 2mal so 
lang, seltener auch etwas kůrzer, an den Auerwánden leicht 
eingeschnůrt. 

In Brunnen, Aguarien (7—8). So in einem Teiche 
bei Písek (var. B) und in einem Brunnen bei Kaplitz mit 
Chantransia chalybea und Ulothrix subtilis! 


76. S. falklandicum Ktz. Lager hell- oder gelb- 
lichgrůn, schlůpferig, futhende Flocken oder Ráschen bildend. 
Fáden am unteren Theilé mit langen von einander ziemlich 
entfernten Zweigen, am oberen Ende reichlich verzweigt, 
Zellen der Hauptfáden 6 bis 10 u dick, 2 bis 4mal (a). 
oder 4 bis 6, seltener bis 12mal (d) so lang, die Zellen 
der spitz auslaufenden Aestchen letzter Ordnung, 4 bis 
6 u dick, an den Scheidewánden nicht eingeschnůrt, sehr 
důnnwandig. 

a) genuinum (Ktz.) nob. [S. falklandicum Ktz. Tab. 
phycol. III. T. 2. S. subspinosum (6. falklandicum Ktz. Spec. 
alg. p. 353. S. pusillum Rbh. Alg. exs, Nr. 716! | Gelb- 
lichgrůn. Zellen der Hauptfáden 6 bis 10 w dick, meist 2- 
9, seltener 4mal so lang, an den Scheidewánden nicht oder 
sehr leicht eingeschnůrt, an den am Ende peitschenfórmig M 
verdůnnten Aesten důnner, 2 bis 3mal so lang. Fig.27. Stigeoclonium falklan- 

b) longearticulatum nob.*) [S. falklandicum Ktz. © dicum Ktz. 5) longearticulatum 
in Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 110'] Zellen der Haupt- ob. Mittlerer Theil eines ver- 
fáden 6 bis 10 u dick, meist 4 bis 6, seltener bis 12mal p pro eat od dl 

PE ) ) n etwa 300mal. 
so lang als dick, an den Scheidewánden nicht eingeschnůrt, 
mit einem blos den mittleren Theil der Zellen ausfůllenden Chlorophylltráger.  Zweige 
am unteren Theile des Stammes spárlich, langgeliederig, am oberen zahlreicher, aus kůr- 
zeren, Zoogonidien bildenden Zellen zusammengesetzt. 

Im Torfsůmpfen («); in Brunnen, Auellen, an Brunnentrógen meist in Gebirgs- 
gegenden (b) (7—8). So bei Hirschberg, Eisenbrod, Tannwald, bei Johannisbad, bei 
Lobositz auch auf den Schiffmůhlen an der Elbe b)! 


!) Steht dem ebenfalls sehr spárlich verástelten S. subsecundum Ktz. B. tenuius Nordst. 
Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 815! und dem (nach Reinsch) unverzweigten S. simplicissimum 
Reinsch Contrib. ad algolog. et fungolog. p. 78 Tab. 8 Chlorophyllophyceae am náchsten. Siehe 
auch Berthold's „Untersuchungen úber die Verzweigung einiger Sůsswasseralgen“ 1878. 

2) Dass diese Abbildung der Ulothrix radicans mehr als einem Stigeoclonium áhnlich sei, 
gibt Kůtzing selbst in den Bemerkungen zu seinen Tab. phycol. III. p. 1 zu. 

S) Steht dem S. subsecundum Ktz. Tab. phycol. III. T. 1. Ktz. Alg. exs. Nr. 146 !, von 
welchem es sich durch die Lánge der Zellen sowie durch die Anordnung des Chlorophylls we- 
sentlich unterscheidet, nahe, 


5 


66 Stigeoclonium. 


77. 9. tenue Ktz.") ampl. (Draparnaldia tenuis Ag.) Lager lebhaft grůn, 4 bis 
40 mm lang, schlůpferig. © Hauptfáden unten spárlich, oben reichlicher verzweist, aus 9 
bis 15 u dicken, 1 bis 3mal so langen, an den Scheidewánden leicht éingeschnůrten, 
schmale wandstándige Chromatophoren enthaltenden Zellen zusammencesetzt. Aestchen kurz, 
mit meist pfriemenfórmig zugespitzten, seltener in eine kurze farblose Haarspitze aus- 
laufenden Endzellen. 


a) genuinum (Ktz.) Krch. (S. tenue Ktz.) Tab. phycol. III. T. 3. Lager meist 
1 bis 3 em lang, seltener lánger.  Fáden einfach verzwéigt. Zweigchen auf dem Gipfel- 
theile der Hauptfáden wenig zahlreich, kurz, zugespitzt, fast aufrecht abstehend, pfriemen- 
fórmig, nicht in farblose Haare auslaufend. 


b) lubricum (Ktz.) Rbh. (S. lubricum Ktz.) Tab. phycol. III. T. 6. Rbh. Alg. 
exs. Nr. 217! Hauptfáden reichlicher verzweigt, dicker als die weiteren Verzweigungen. 
Zweigchen letzter Ordnung, zahlreich, kurz, einander bůschelfórmie genáhert, an der Spitze 
borstenfórmig verlángert. 


c) uniforme (Ag.) Ktz.*) Spec. alg. p. 353 [Draparnaldia uniformis Ag., S. uni- 
forme Rbh.| Tab. phycol. III. T. 3. Lager 4 bis 15 mm lang. Hauptfáden bis 15 u 
dick, von den hóheren Verzweigungen wenig verschieden, mit breiten Chlorophylltrágern. 
Zweigchen letzter Ordnung locker angeordnet, ofters sehr verlángert, schlank, mit sehr 
leicht an den Scheidewánden eingeschnůrten Zellen. Endzellen pfriemenfórmig, nicht in 
farblose Haare auslaufend.  Zellen der Hauptfáden 2 bis mal so lang als dick, mit 
mássig verdickter, ofters vom Kalksinter leicht incrustirter bráunlicher Membran, die der 
Endverzweigungen meist eben so lang wie dick. 


var. 6) irregulare nob. Fáden durch Lánostheilungen der Zellen stellenweise aus 
zwei Reihen von Zellen gebildet; durch Keimune einzelner Zellen entstehen hie und da 
an solchen band- und flichenartig erweiterten Fadentheilen bruchsackartige Auswůchse.*) 


d) gracile Ktz. Spec. alg. p. 353. [S. gracile Ktz. Tab. phycol. III. T. 4.] non 
S. gracile Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 514!  Zellen der Hauptfáden meist nur 11'5 
bis 13 u dick, die der verlángerten Seitenzweige 5 bis 6 u dick; Endzellen der Aestchen 
meist pfriemenfórmig, seltener in kurze hyaline Haarspitze auslaufend. 


e) iregulare (Ktz.) Rbh. (S. irregulare Ktz. incl. S. stellare Ktz.] Tab. phycol. 
IIT. T. 4. Fáden durch Lángs- und Guertheilungen der Zellen ofters aus doppelter 
Reihe von Zellen zusammengesetzt, Endzellen der Verzweigungen in lángere, farblose 
Haare auslaufend. 


£) epiphyticum nob. Hauptáste und Verzweigungen niederliegend, ihrem Sub- 
strate fest angedrůckt, zu kleineren oder grósseren, Ofters weit ausgebreiteten schei- 
benfórmigen, parenchymatischen Zellfláchen verwachsen, mit fadenfórmig ausgezogenen 
Rándern.*) | 

Bildet hellgrůne, in Aguarien auch blass oder gelblichgrůne, schlůpferige Flocken 
und Ráschen, die an Steinen, Wasserpflanzen, Pflanzenůberresten u. á. im Wasser lie- 


1) Uber die Protococcus- und Palmella-artigen Gebilde dieser und hnlicher S.-Arten 
siehe mehr in Famintzin's „Die anorganischen Salze etc.“ 1872 und Cienkowski's „Uber Palmellen- 
Zustand bei Stigeoclonium“, „Uber d. Palmellenzustand der Algen“ 1876. 

2) S. thermale A. Br. Tab. phycol. III. T. 2. Rbh. Alg. exs. Nr. 1664! dessen Lager bis 
2 em lang, dessen Hauptfáden 8 bis 11 u dick, die Zellen der Hauptfáden 1 bis 2mal so lang als 
dick, mit důnnen Zellwánden, die der Endverzweigungen čfters 3 bis 5mal lánger als dick sind, 
unterscheidet sich wesentlich von dem oben angefůhrten, ebenfalls an Abflůssen von warmen Guellen 
vorkommenden S. tenue var. uniforme. 

S) Morphologisch entspricht diese Chlorophyceen-Form einigermassen der Stigonema- 
(Fischera) Form der Cyanophyceen (Phycochromaceen). 

+) Die von P. Reinsch in seinem Werke „Contributiones ad algologiam et fungologiam“ 
1875 p. 76 und 77 kurz beschriebenen und auf Tab. 4. (Chlorophyllophyceae) abgebildeten ver- 
schiedenen Formen einer neuen Ulvaceen-Gattung [Nov. gen. Ulvacearum] sind wahrscheinlich 
áhnliche Stigeoclonium-Formen. Úber die sogen. Stigeoclonium-Sohle, welche eine Art von Vorkeim 
bei diesen Algen bildet, siehe Reinhardts „Die Copulation der Zoosporen bei Chlamydomonas 
pulvisculus Ehrb. und Stigeoclonium sp.“ 1876. 


Stigeoolonium. 67 


genden Gegenstůánden festsitzen; in Bóhmen in der Ebene und im Vorcebirge háuflo ver- 
breitet (5—10). 

a) In Prag an Wasserbeháltern auch in Privatháusern; in der Umgebung von 
Prag bei der Kaisermůhle náchst Baumgarten, auf Steinen in Brunnen bei Hlubočep, 
St. Prokop, bei Krč, bei der Můhle im Kunraticer Walde, bei Brnky, Roztok, Chwal, 
im Choteč-Thal, bei Schwarz-Buda náchst Mukařov, bei Beraun, Kůnigshof, im Sucho- 
master Thal; in einem Báchlein bei Lissa und Oužic; in Brunnen bei Kralup, Klomín, 
Lobkovic an der Elbe; bei Melnik, Rovné und CČtinowes náchst Raudnitz, in Leitmeritz, 
Lobositz, bei Sulowic, Cížkowic, Laun, Chrabčic, Peruc, Schlan; bei Lysa, Kostelec a. E., 
Kolín; Dymokur, Jičín, Hořic, Smiřic, Kdniggrátz; bei Weisswasser, Hirschberg, Hab- 
stein; Jung-Bunzlau mehrfach, Bakov, Turnau, Semil, Eisenbrod, Svarov, Tannwald, Trau- 
tenau, Arnau, Parschnitz, Nachod; bei Saidschitz, Franzensbad, Carlsbad, Mies; bei Be- 
neschau, Ondřejov, Sazawa, Bystřic, Wotic, Střezmiř bei Stupčic, Tabor, Sobieslau, Podhrad, 
Budweis, Lomnic, Wittingau; bei Půrslitz, Stadtl, Rakonitz, Přibram, Protivín, PN 
Rosenberg, Hohenfurth mehrfach! b) In der Umgebung von Prag mehrfach ZA o 
Teiche am sog. Libuša-Bade náchst Pankrac, auf Steinen im Bache bei Všenor mit ae 
gángen in e), im Teiche „v Mičích“ bei Stadtl, bei Schlan, Chrabčic náchst Laun; bei 
Hirschberg, Alt-Paka, Písek; c) In den Abflůssen der warmen Guellen in Carlsbad von 
C. A. Agardh im J. 1827 im 259 R. warmen Wasser entdeckt [Alm. d. Carls. 1834 
p. 59] Mus! im Bette der Tepl unter der Sprudelcolonnade an Steinen, welche von 
warmen Wasser bespůlt werden, mit Calothrix thermalis im lauwarmen Wasser auch var. 6! 
und in kálterem Wasser, daselbst 1883! an Steinen im Abfluss des Springers, im Abfluss 
der kleinen warmen Auelle am Fusse des St. Bernharďs-Felsen [Schwabe, Linnaea 1837|; 
in Rothenhaus bei Teplitz [Rbh. Krypt. FI. v. Sachsen]; im Abflusse der Johannisbader 
warmen Guelle mit Chantransia chalybea v. thermalis reichlich 1885! frůher schon von 
(Kirchner [Krch. Algenfl. p. 68] daselbst beobachtet; d) in den Tůmpeln an der Moldau 
bei Slichow, Branik, Hodkowička, Troja; in den Elbetimpeln bei Neratowic, Lobositz; 
e) bei Písek auch als var. stellare Ktz. (S. stellare Ktz.! bei Seegrund náchst Eichwald ; 
Úbergangsstadien -der Form «) in e) fand ich auch auf Steinen in einem Brunnen bei 
der Můhble in Kunratic, ebenso bei Hrdlořez und bei Mies; /) entwicklt sich háufig in 
den Culturen aus der typischen Form, auch an den Wánden der Gláser, in welchen 
diese Algen lángere Zeit im Zimmer cultivirt wurden [jedoch seltener als var. e)]|; so in 
Prag in meinen Algenculturen, in einem Teiche bei Písek an untergetauchten Acorus- 
bláttern in grossen Exemplaren u. a.! 


78. S. subspinosum Ktz. [S. protensum (Dillw.) Ktz. db) subspinosum (Ktz.) 
zy90 Tab. phycol. II. T. 2. Rbh. Alg. exs. Nr. 296! Lager lebhaft grůn, schlůpferig bis 
1'/, em lang. Zellen der spárlich verzweigten Hauptfáden etwa 10 m dick, meist 1, sel- 
tener bis 3mal so lang als dick, Aestchen zerstreut, selten gegenstándig, ho Hndžellen 
lang pfriemenfórmig, nicht mit on lingeren hyalinen Haarspitze endigend. 
In Auellen, Brunnen (6—8). So in einem Brunnen bei Brnky gegenůber Roztok 
und am Grunde einer inundirten Pumpenróhre in Beraun! 


79. S. longipilum Ktz.") Tab. phycol. III. T. 7. Ktz. Alg. exs. Nr. 104! Lager 
lebhaft grůn, schlůpferig, polsterfórmig, meist 2, seltener bis 10 mm lang.  Hauptfáden 
und Aeste erster Ordnune strahlie angeordnet, nach oben zu bůschelig verzweigt, aus 11 
bis 14 u dicken, ebenso oder bis zweimal so langen Zellen zusammengesetzt. Zellen an 
den Scheidewánden deutlich eingeschnůrt, mit breiten Chlorophylltrágern. © Endzellen der 
Aestchen alle oder die meisten in ein langes, farbloses Haar verlángert. 

In Tůmpeln, Wassergráben an untergetauchten Wasserpflanzen u. i. (6—9). So 
in den Tůmpeln án der Moldau bei Prag, in den Teichen bei Brůx, bei Písek! 


80. 8. pusillum (Lyngb.) Ktz. Tab. phycol. III. T. 9. Lebhaft grůne, futhende, 
2 bis 6 mm lange, schlůpferige Flocken bildend. Hauptfáden etwa 15 u dick, mit zahl- 


1) Bildet nach Kirchner [Algen v. Schlesien p. 68] vielfach Úbergánge zu Chaetophora. 
B* 


68 Stigeoolonium. 


reichen, oft gegenstindigen, bis auf 6 u verdůnnten Zweigen. Zellen meist eben so lang 
als dick, seltener etwas lánger, an den Scheidewánden deutlich eingeschnůrt; Endzellen 
der Zweigchen in ein langes farbloses Haar auslaufend. 

In Teichen, Wassergráben an untergetauchten Wassérpflanzen u. á. festsitzend 
(6—38). In Bóhmen nach Rbh. Flor. europ. alg. II. p. 380. 


81. S. Aagelliferum Ktz. ampl. Tab. phycol. III. T. 10. Bildet 4 bis 10 mm 
Jange, seltener noch lángere, schlůpférige, gelbgrůne Flocken oder Ráschen. Aeste sehr 
verlángert, peitschenfórmig, die unteren zu 2 bis 5 genáhert, seltener zerstreut, die 
oberen einzeln oder zu zweien, die der letzten Ordnung mit pfriemenfórmiger oder in 
eine farblose gegliederte Haarspitze auslaufender Endzelle. Zellen der Hauptfáden 14 bis 
20 u dick, 4 bis 8mal so lang, cylindrisch, háufg nur wenig Chlorophyll in Form von 
engen bandfórmigen Chromatophoren enthaltend, mit ziemlich dicker Zellhaut, die der 
unteren Aeste 9 bis 12 « dick, 4 bis 6 mal so lang. 


var. B) erasstusculum (Ktz.) Rbh. (S. crassiusculum Ktz.) Tab. phycol. III. T, 10. 
Lager bis 2 em lang, Zellen der spárlicher verzweigten Hauptfáden meist 20 u dick, 3 
bis 6mal so lang, die der Aestchen kůrzer. 

In stehenden oder langsam fliessenden Gewássern, in Teichen, Tůmpeln, an Fluss- 
ufern, auch in Torfsůmpfen, an Wasserpflanzen, untergetauchten Hólzern u. á. festsitzend 
(6—9). So in der Umgebung von Prag an den Ufern und in den Tůmpeln der Moldau 
auf Steinen, Holzbalken, Wasserpflanzen u. á., meist 
mit Draparnaldia plumosa und Ulothrix zonata ver- 
breitet; in dem Můhlteich bei Kunratic! ebenso an 
den Ufern und in den Tůmpeln der Elbe bei Hořín 
náchst Melnik, Kostelec a. E., Kolín, Lobositz; bei 
Koniggrátz; in den Teichen bei Chlomek náchst 
Turnau; bei Hirschbere, Dux, Brůx, Franzénsbad ; 
in den Teichen bei Wotic, Lomnic, Wittingau! 9) in 
den Moldautůmpeln, bei Prag, in den Teichen bei 
Brůx und bei Lomnitz náchst Wittingau! 


82. 8. nudiusculum Ktz.") (Draparnaldia nu- 
diuscula Ktz.) Tab. phycol. III. T. 15 u. 16. Hellerůn, 
1"/, em lange, schlůpferige Flocken oder weiche pol- 
sterartige Úberzůge bildend. Hauptfáden armástig, unten 
mit einzelnen mehr abstehendén Zwéigen, oben mit 
bůschelfórmig geháuften, aufrechten, den Hauptfáden 
eng anliegenden, kurzen Aestchen; Zellen der Haupt- 
fáden 30 bis 47 u dick, 1 bis 3mal so lang, cylin- 
drisch, oder fast tonnenfórmig, an den Scheidewándén 
leicht eingeschnůrt, wenig Chlorophyll enthaltend, die 
Aestehen letzter Ordnung fast um die Hálfte důnner, 
(ofters nur 9 u dick, 1 bis 2 mal so lang), breitere 
Chromatophoren enthaltend. Zellháute namentlich an 
: den Hauptfáden dick und robust. Endzellen in lange, 
Fig. 28. Stigeoclonium pygmaeum nob. © farblose gegliederte Haare auslaufend. 

Theil eines am Substrat epiphytisch Tach T% Spaní Blitter 
wachsenden Astes mit drei aufrechten ký: 6m“ A Mmpokn DE A 
einfach verástelten Zweigen. Veror. Stengeln verschiedener Wasserpflanzen (6—8). So am 
600mal, Ufer der Moldau, in den Tůmpeln bei Hlubočep und 
Branik náchst Prag mit Draparnaldia plumosa! 

2. Sect. | Endoclontum (Szyman. ampl. nob.) Epiphytische und endophytische 

Formen, welche im entwickelten Zustande kleinere oder gróssere, niederliegende Scheiben 


') Da die Verzweigungen dieser Stigeoclonium-Art ofters zu deutlichen Astbůscheln zu- 
sammengedrángt sind, wurde diese Alge von Kůtzing zuerst zur Gattung Draparnaldia gestellt, 
zu der sie auch in der That den Úbergang bildet. 


„A 


Chaetophora. 69 


mit fadenfórmig ausgezogenen Rándern und einzelnen aufrecht wachsenden, wie bei Eusti- 
geoclonium bůschelfórmig verzweigten Fáden bilden. 


83. S. pygmaeum nob.“) Bildet důnne, hellgrůne von kohlensaurem Kalk stark 
incrustirte Ráschen. © Aufrecht wachsende Fáden 120 bis 150—200 u lang, meist 
schon nahe an der Basis verástelt, aus 4 bis 5 w dicken, meist ebenso langen oder etwas 
kůrzeren oder lángeren Zellen zusammengesetzt.  Aestchen čfters leicht gekrůmmt, mit 
zugespitzten oder in lange farblose Haare auslaufenden Endzellen, aus etwa 3 bis 4 u 
dicken, fast ebenso langen Zellen bestehend.  Niederliegende, dem Substrat fest ange- 
drůckte Aeste zu Coleochaete- áhnlichen, unregelmássigen Scheiben verwachsen, meist aus 
zweimal so grossen Zellen als die der aufrecht wachsenden Zweige gebildet. 

Wáchst epiphytisch an (seltener auch endophytisch in) Lemna minor und ver- 
schiedenen Wasserpflanzen in Gesellschaft von Trentepohlia Willeana u. einiger Schizo- 
phyten, an der Epidermis dieser Pflanzen eine důnne, blass grůne Sinterkruste bildend. 
(7—8.) Bisher blos in einem Teiche bei der Chlumčaner Zuckerfabrik náchst Laun 
reichlich (1884)! 


20. Gattung. Chaetophora Schrank. 


Thallus gallertig, nicht schlůpferig und zerfliessend, elastisch, seltener fast leder- 
artig, rundlich-polsterfórmig oder unregelmássig lappig. Hauptfáden und Nebenverzwei- 
gungen gleichformig gestaltet, strahlig angeordnet, von einer farblosen Gallerthůlle umgeben, 
Zellen der Hauptfáden und der Aeste erster Ordnung gleich dick, schmale Chlorophyll- 
bánder enthaltend, ofters fast hyalin; die der Zweigchen letzter Ordnung důnner, mit 
breiteren, wandstándigen Chlorophylltrágern, Endzellen kurz pfriemenfórmig oder in lange 
farblose Haare auslaufend, 

Vermehrung durch vier- oder zweiwimperige Zoogonidien und durch Dauerzellen. 
Diese letzteren, welche zu je einer aus einer vegetativen Zelle der letzten Verzweigungen 
der Astbůschel entstehen, sind zu Ketten gereiht, roth oder rothbraun gefárbt, mit einem 
braunen Exospor, einem farblosen Endospor und mit einem olartig glánzenden, Hámato- 
chrom enthaltenden Zellinhalte versehen. 

Nach einer Ruheperiode (meist nach einer Úberwinterung) keimen diese Dauer- 
zellen, indem ihr Exospor zerreist, der ergrůnende Zellinhalt in Form eines Keim- 
schlauches hervortritt, welcher sich bald durch Ouerwánde theilt und seitliche Verzwei- 
gungen erzeust. Die oberste Zelle des Keimlings entwickelt sich frůher oder spáter 
zu einem langen farblosen Haare.*) 


a) Lager kugelig oder hóckerig-kugelfórmic, 


84. Ch. pisiformis (Roth.) Ag.*) Tab. phycol. III. T. 18. Wittr. et Nordst. Alg. 
exs. Nr. 33! Lager meist bis erbsen- seltener bis kirschengross (var. 6) pruniformis Ktz.) 


1) Steht dem Endoclonium chroolepiforme Szyman. und Endoclonium polymorphum Franke 
am náchsten. Ersteres hat Szymanski [Uber einige parasitische Algen 1878] in allen Theilen 
abgestorbener Lemnen (L. minor, trisulca, polyrrhiza), blos endophytisch lebend beobachtet, letz- 
teres hat Franke Cohn's („Beitráge zur Biol. d. Planzen“, 1883) an der Oberfláche der Lemna 
gibba epiphytisch und in derselben auch endophytisch wachsend angetroffen. Das oben beschrie- 
bene S. pygmaeum, welches ich sowohl an der Oberfláche von Lemna minor und anderen Wasser- 
pianzen als auch [seltener] in den Intercellularráumen des Parenchyms unter der Epidermis dieser 
Planzen endophytisch wachsend in verschiedenen Entwickelungsstadien beobachtet habe und 
welches in der oben beschriebenen, niedrige bůschelformige verzweigte Ráschen bildenden Form 
von den beiden vorher genannten Endoclonium-Formen sich leicht unterscheidet, úbergeht auch 
wie die erstere von diesen beiden Formen in Palmellen- und Protococcusartige Zustánde und 
bildet auch nicht selten, meist 6 bis 15 u dicke, kugelige oder eifórmice, fast mennigroth gefárbte, 
Haematochrom enthaltende, Akineten mit ziemlich důnner, farbloser Membran. Mehr úber die 
Entwickelung dieser S.-Form wird spáter an anderem Orte mitgetheilt werden. 

2) Mehr ůúber die Entwickelungsgeschichte einiger Chaetophoreen in Kirchner's diesbe- 
zůglichem Bericht im Tagebl. d. 54 Vers. deutsch. Naturf. 

5) Nach Rabenhorst (Flora europ. alg. III. p. 384 ist Chaetophora radians Ktz. wahr- 
scheinlich eine jingere Form der Ch. pisiformis (Roth) Ag. 


70 Chaetophora. 


glatt, lebhaft oder wásseriggrůn, matt glánzend, weich. Aeste stark verzweigt, regelmássig 
(strahlig) angeordnet. Zweigchen letzter Ordnung zahlreich, bůschelig, zusammengedrángt, 
gerade, ihre Endzellen pfriemlich, nie oder nur selten ein Haar tragend. Zellen der 
Hauptáste meist 9, seltener bis 15 u dick, 2 bis 5mal so lang, die der ofters bogen- 
fórmig gekrůmmten Zweigchen meist 6 w dick, 1" bis 3mal so lang, an den Scheide- 
wánden unmerklich eingeschnůrt. 

Ia Brunnen, Auellen, Báchen, Teichen, Wassergráben, Tůmpeln u. á. an Steinen, 
untergetauchtem Holz oder an Wasserpflanzen festsitzend, seltener freischwimmend; meist 
in der Ebene und im Hůgellande verbreitet (5—9). In der Umgebung von Prag mehrfach ; 
so in einem Brunnen in der Jeneralka náchst Podbaba, im sog. Libuša-Bade náchst 
Pankrac; in einem Waldbrunnen unter der Bráuerei bei Klecan, ebenso bei der Můhle 
im Kunraticer Walde; in einigen Brnnnen und in kleinen Báchen in der Umgebung von 
Karlstein, im Suchomaster Thale bei Kónigshof; in den Tůmpeln 
und in Wassergráben bei Ouwal, bei Kostelec a. E., Alt-Bunzlau, 
Sadska, Neratowic, Lobkowitz; bei Kolín, Chlumec und Libňoves 
an der Cidlina, bei Kóniggrátz mehrfach; bei Ctinowes und Rovné 
náchst Raudnitz, bei Leitmeritz, Lobositz; bei Laun, Neu-Straschitz ; 
Jung-Bunzlau, Bakov, Turnau, Eisenbrod, Parschnitz, Arnau; bei 
Hirschbere auch in den Teichen, bei Weisswasser; bei Tschausch 
náchst Brůx, Dux, Franzensbad, Mies, Lomnic náchst Wittingau, 
Krummau, Hohenfurth, Písek, Tabor, Olbramowic náchst Stupčic! 


85. Ch. elegans (Roth.) Ag. Lager bis erbsen- selten 
bis kirschengross, wásserig grůn, glatt, weich oder ziemlich fest. 
Fáden regelmássie subdichotomisch , seltener trichotomisch ver- 
zwěigt,") Astbůschel locker, Zweigchen letzter Ordnung gérade oder 
erst oben leicht gekrůmmt, mit cylindrischen sehr wenig einge- 
schnůrten, 7 bis 10 u dicken, 1 bis 1"/„mal langen Zellen; Zellen 


Fig. 29.  Chaetophora 
elegans a)genuina (Roth) 
nob. Stůck eines Haupt- 
astes mit ziemlich ge- 
dránsten Gipfelzweigen. 
Vergr. 300mal. 


M nes n der Hauptáste 9 bis 12 u dick, 1"/, bis 3mal so lang. 
2nRh poshal: a) genwna (Roth.) nob. Ch. elegans (Roth) Ag. in Tab. 
úd obě 5 phycol. III. T.20. Lager mohnkorn bis erbsengross, seltener grósser, 
U KDN ziemlich weich, Endzellen der mehr oder minder gedránsten Gipfel- 
Nj: n ý zweige pfriemenfóormig, selten in farblose, gegliederte Haarspitze 
© 19 auslaufend ; 
P var. 6) cervicornis (Ktz.) Rbh. (Ch. cervicornis Ktz. 


Tab. phycol. III. T. 19. Gipfelzweigchen sparrig abstehend. 


b) longipila (Ktz.) nob. (Ch. longipila Ktz. Tab. phycol. 
III. T. 17. Lager meist mohn-, seltener bis hanfkorngross, ziemlich 
resistent, Endzellen der Zweigchen in lange, farblose, gecliederte 
Haare auslaufend. 

In Tůmpeln, Teichen, Wassergráben wie vor. an Wasser- 
pflanzen u. a. fest sitzend, meist in der Ebene, seltener auch im 
Hůgellande verbreitet (5—9). a) In der Umgebung von Prag in 
dem Můhlteiche bei Kunratic; in Wassergráben bei Chrbyně am 
Lodenitzer Bache náchst Unhoscht; in den Teichen bei Podolí 
náchst Wotic, béi Stupčic, Sobieslau, Zamost náchst Budweis; in 
den Tůmpeln an der Moldau bei Ebenau náchst Krummau, in den 
Teichen bei Hohenfurth mehrfach; in den Tůmpeln bei Pardubic, 
Rosic, Kdnigerátz! d) In der Umgebung von Prag mehrfach; so 
in den Tůmpeln an der Moldau an der Kaiserwiese, bei Branik, 
Hodkowička, Troja u. a.; in den Elbetůmpeln sehr verbreitet, so 
bei Kostelec a. E., Brandeis, Lysa, Nératowic, Lobkowie, Kolín, Pardubic, Kůniggrátz, 
Smiřic; bei Raudnitz, Lobositz, bei Čížkowic, Laun; bei Libňowes an der Cidlina; in 


5.. 


Fig. 30.  Chaetophora 
tuberculosa (Roth) Ag. 
Stůck eines Hauptastes 
mit zwei Astbůscheln. 
Vergr. 300mal. 


') Vergl. Berthold's „Untersuch. úber die Verzweigung einiger Sůsswasseralgen“ 1878. 


© Chaetophora. 71 


den Teichen bei Franzensbad; in den Tůmpeln an der Moldau bei Budweis, in den 
Teichen bei Lomnic, Wittingau, Fraunbere, Sobieslau, Wotic! 


86. Ch. tuberculosa (Roth) Ag. Tab. phycol. III. T. 19. Wittr. et Nordst. Alg. 
exs. Nr. 610! Lager uneben, hóckerig, kleinknollenfórmic, bis kirschengross, von schmutzig- 
hell- oder bleichgrůner, seltener bráunlichgelbgrůner Farbe, elastisch, ziemlich resistent, 
oft geháuft. Zweigchen gedránst, bůschelie, leicht gekrůmmt; Zellen der Hauptáste 9 bis 
12 w dick, 1 bis 2mal so lang, die der Zweigchen 8 bis 10 m dick, '/, bis 1'/„mal so 
lang, an den Scheidewánden leicht eingeschnůrt; Endzellen nie oder selten ein Haar tragend. 

In Teichen, Wassergráben, Sůmpfen an Wasserpflanzen, Holz und Steinen fest- 
sitzend oder an der Wasseroberfláche frei schwimmend; wie vor., aber seltener verbreitet 
(4—10). So in dem Teiche bei Běchowic, in den Sůmpfen an der Bahn bei Klomín 
náchst Neratowic Ende April 1883 massenhaft, auch var. pumila Wittr. Wittr. et Nordst. 
Ale. exs. 211! und var. incrustata Wittr. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 405! in den 
Teichen bei Střezmiř náchst Stupčic! bei Teplitz und Asch [Rbh. Krypt. Flora p. 273). 

b) Lager unregelmássig gelappt oder geweiheartig verzweigt, flach oder fast 
stielrund. 

87. Ch. cornu damae (Roth) Ag. ampl. (incl. Ch. endiviaefolia (Roth.) Ag.) Wittr. 
et Nordst. Alg. exs. Nr. 31, 609, 404! Lager von lebhaft, seltener schmutzig oder 
bráunlichgrůner Farbe, 1 bis 8 cm lang, flach, lappig oder ástig, 
ofters dichotomisch verzweist, geweiheartig.  Zweigchen in losen 
Bůscheln; oben gekrůmmt. Zellen der Hauptáste langcylindrisch 
oder fast elliptisch, gleichmássie dick oder in der Mitte gedunsen, 
10 bis 15 u dick, 2 bis 5mal so lang, die der Zweigchen 8 bis 
11 u dick, 1 bis 1'"/„mal so lang, an den Scheidewánden leicht 
eingeschnůrt; einzelne Endzellen in ein sehr langes, gegliedertes 
Haar auslaufend. 


var. ©) ltnearis Ktz. Tab. phycol. III. T. 21. Lager Fig. 31. Chaetophora 


linearisch, dichotomisch verzweigt, bis 4 cm lang, lebhaft grůn. | cOrnu damae (Roth) Ag. 
6: : at ©. linearis Ktz. Normal- 
var. P) endiviaefol'a (Roth) nob. [Ch. endiviaefolia (Roth) © form in natůrl. Grósse. 


Ag. Tab. phycol. III. T. 21|. Lager flach, lappig, langgestreckt, 
Láppchen am Rande mehr oder minder tief eingeschnitten. 

var. 7) polyclados Ktz. Tab. phycol. III. T. 21. [var. ramosissima Rbh.? Flora 
europ. alg. p. 385|. Lager unten dichotomisch verzweigt, oben fláchenfórmig ausgebreitet, 
wiederholt fiederspaltie getheilt, bis 5 cm lang, mit zahlreihen kurzen Láppchen am Rande. 

var. ©) crystallophora Ktz. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 210! Lager ge- 
weiheartig verzweigt, mit fast stielrunden Láppchen, von incrustirtem Kalk rauh, ziemlich 
fest, schmutziggrůn. 

var. e) tnerustans Rbh. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 404! Lager flach, 
buchtig eingeschnitten, am Rande kurze Láppchen bildend, vom Kalke mehr oder we- 
niger incrustirt. 

In Teichen, Tůmpeln, Wassergráben wie vor. an Šteinen, Wasserpflanzen u. á. 
untergetauchten Gegenstánden festsitzend; in Bóhmen meist nur in der Ebene verbreitet 
(5—10). In der Umgebung von Prag selten; so in den Moldautůmpeln bei Hodkowička 
1883 zahlreich mit Ch. longipila var. «) und P), meist an halbabgestorbenen Sparganium- 
Bláttern festsitzend; in dem Teiche und den Sůmpfen bei Běchowic var. 9) und 7) an 
verschiedenen Pflanzentheilen reichlich! in den Teichen bei Hirschberg im grossen Teiche 
auch var. O) und ©) an Sandsteinen; in den Elbetůmpeln bei Kostelec a. E., bei k: 
orátz! bei Pardubic [Čeněk Mus!], im Reichenberger Gebiete [Menzel „Beitrůge“]; 
Gráben bei Křimic náchst Pilsen [Hora „Flora v. Pilsen“ p. 12]; bei Chudenic im otené 
Teichel auf Geháusen von Lymnaeus (Čelakovský). 


21. Gattung. Draparnaldia Ac. 


Der Thallus ist aus formlosen, leicht zerfliessenden, schleimigen, schnurfórmigen 
Massen gebildet, in welchen verháltnissmássig dicke, reich verzweiste Hauptfáden ein- 


79 Draparnaldia. 


gebettet liegen. Diese letzteren sind aus grossen cylindrischen oder tonnenfórmigen, nur 
schmale Chlorophoren enthaltenden, ofters fast farblosen Zellen gebildet, welche hie und 
da meist gegenstindige reichlich verzweigte Aeste (Astbůschel) tragen. An den Hauptásten 
des Thallus sind meist in drei oder viergeliederigen Wirteln die Nebenáste inserirt. Aus 
den Basalzellen der lteren Wirteláste entwickeln sich die langgegliederten, farblosen, 
hyphenartigen Fáden, welche háufig, indem sie dem Stamm festanliegen, und an den 
Stammzellen eine Strecke weit herunterlaufen, die theilweise Berindung der Draparnaldia- 
Stimme zur Folge haben.') Die Zellen der Ástchen im Astbůschel sind viel kleiner und 
enthalten mehr Chlorophyll als die der Hauptfáden; die Endzellen sind steril, hyalin, 
mehr oder minder borstenfórmig verlángert oder in farblose Haare auslaufend. 

Vermehrung 1)'durch Zoogonidien, welche nachdem sie sich mit dem vorderen hya- 
linen Ende angehaftet haben, keimen und sehr rasch zu einem langen aufrechten Zell- 
faden auswachsen, an dem nachher die ersten Zweige hervorsprossen, 2) durch Dauer- 
zellen, in welche sich alle Zellen einzelner Astbůschel verwandeln kónnen. © Diese 
Draparnaldia-Dauerzellen entstehen in den noch lebhaft vegetirenden Zellen der Astspitzen 
zu zweien bis vieren oder einzeln. Wenn nur eine Dauerzelle in je einer vegetativen 
Zelle gebildet wird, so bleibt sie entweder in der Mutterzelle ruhig liegen oder sie wird 
als Schwármzelle vom Bau der Macrozoogonidien ausgestossen. Nachdem diese Schwárm- 
zellen nach kurzer Zeit ihre wenig energischen Bewegungen eingestellt haben, verwandeln 
sie sich wieder in ruhende Zellen (Dauerzellen). 


88. D. glomerata (Vauch.) Ag. Bildet sehr schlůpferige, lebhaft oder blassgrůne 
1 bis 10 cm lang, meist freischwimmende Bůschel. Zellen des Hauptstammes 30 bis 70 u 
dick, 1 bis 5mal so lang, meist deutlich tonnenfórmie angeschwollen. 
Astbůschel einander genáhert, am oberen Stammende úfters ge- 
drángt, horizontal abstehend, im Umfang eifórmig. Zellen der 
Aestchen 9 bis 12 u dick, Endzellen lang, pfriemenfórmig mit 
aufgesetzter Haarspitze, 


a) genuma (Vauch.) Krch. Tab. phycol. III. T. 12. Wittr. 
et Nordst. Alg. exs. Nr. 28! Zellen der Hauptfáden ungefáhr 
35 m dick, fast ebenso lang. Astbůschel genáhert, aus dicht ge- 
dráneten Zweigchen bestehend, 


b) acuta Ag. (D. acuta Ktz. Tab. phycol. III. T. 18. 

: Rbh. Alg. exs. Nr. 199! Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 314 f. 
Fie. 32. Draparnaldia ©Ol1' Zellen der Hauptfáden bis 70 m dick, 1 bis 2mal so lang. 
olomerata c) distansKtz. © Die mittleren Zweige der Astbůschel lánger als die seitlichen, 


Drei Zellen eines Haupt- © daher der ganze Bůschel am Ende zugespitzt. 
fadens mit einem Ast- ; 3 
bůschel. Verer. 300mal. c) distans Ktz. [D. distans Ktz. Tab. phycol III. T. 14, 


D. glomera db) remota Rbh.| Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 512! 
Astbůschel am Hauptfaden von einander entfernt, wenig verzweigt, abstehend. 
d) gracillima Ag. [D. spinosa Ktz. Tab. phycol. III. T. 13. Wittr. et Nordst. 
Alg. exs. Nr. 313 £.!| | Astbůschel mit spárlichen, fast sparrig abstehenden Zweigchen, 
deren Endzellen in eine lange farblose Haarspitze auslaufen. 
e) biformis Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 513! Astbůschel kurz, abstehend, 
mit Aestchen, welche theils in eine farblose Haarspitze auslaufen, theils stumpf endigen. 


In stehenden und langsam fliessenden Gewássern, Wald- und Wiesengráben, 
Sůmpfen, Guellen, Báchen, an Steinen oder Wasserpflanzen u. á. festsitzend oder auf 
der Wasseroberfláche frei schwimmend; meist in der Ebene und im Vorgebirge verbreitet 
(6—9). In der Umgebung von Prag blos im Bache im Kunraticer Walde an Steinen 
festsitzend und frei schwimmend 5), ebenso bei Běchowic zwischen Wasserpflanzen! bei 
Hořowic, in Wassergráben an der Bahn bei Kůniggrátz a) und d), bei Leitomyschl in 


") Mehr darůber in Berthold's „Untersuch. úber die Verzweigung einiger Sůsswasser- 
algen“ 1878. 


» ui aan“ oné 


Draparnaldia. 73 


den Nedošiner Auellen (Klapalek !), bei Weisswasser, Lomnic 
náchst Wittingau, in Wiesengráben bei Hohenfurth! bei Fran- 
zensbad! bei Asch d) (Rbh. Kryptíl. v. Sachsen p. 269), 
im grossen Teich im Riesengebirge c) als v. remota (Krch. 
Alg. p. 67). 


| 
Ň 
89. D. plumosa (Vauch.) Ag. Schlůpferige, blass- | 


k ků 
oder gelblichorůne 1-bis 5 cm lange Flocken, Bůschel und V Ů k3 M 
Ráschen bildend. Astbůschel oft sehr verlángert, im Um- A i BB © 
fange lanzettlich aufrecht dem Hauptstamm anliegend. Zellen č ení BY, | 
der Hauptfáden cylindrisch, nicht oder undeutlich ange- S sl ES 8 
schwollen, 45 bis 50 w dick, "/,„ bis 1'/,„mal so lang, die n | 
der unteren Zweigchen 10 bis 12 u dick, 1 bis 2mal so jaa Uh m 
lang, die der oberen Aestchen 7 bis 9 u dick, 2 bis VY jš 8] 
bmal so lang. : SJ 
a) genuina (Vauch.) Rbh. Tab. phycol. III. T. 14. : SK 
Astbůschel aus zahlreichen dicht gedránsten Zweigchen. 4 


b) pulchella (Ktz.) Rbh. (D. pulchella Ktz. Tab. 
phycol. III. T. 15) Astbůschel kleiner, aus wenigen Aestchen 
zusammengesetzt. 


In Báchen, Flůssen, Tůmpeln, Sůmpfen ete. an | Fig.33. Draparnaldia plumosa 
Steinen, Wasserpflanzen (Grásern, Moosen, Wurzeln) und hn- © ») pulchella (Ktz.) Rabh. Stůck 
lichen im Wasser befindlichen Gegenstánden, wie vor. ver- uj] zed MER on E 
breitet (7—9). So am Ufer der Moldau bei Prag mehrfach, ono Soma 7 ý 
z. B. an Holzbalken an der Smichower Schwimmschule, auf 
der Kaiserwiese, bei Slichow, Hlubočep, Chuchelbad, Hodkowička, bei Roztok, Klecan! 


im Reichenberger Gebiete (Menzel „Beitráge“). 


XIV. Familie. Cladophoraceae.') 


Der Thallus der Cladophoraceen besteht aus einfachen, ofters mit kurzen seit- 
lichen Wurzelástehen (Rhizoiden) versehenen Zellfáden oder aus mehr weniger, meist 
wiederholt verástelten, frei im Wasser lebenden oder mit einer zu farblosem Rhizoide 
umgebildeten Fusszelle festsitzenden Fáden. Vegetative Zellen meist vielkernig, seltener 
blos zwei- bis einkernig (Conferva). (Chromatophoren, welche mehrere bis zahlreiche 
Pyrenoide enthalten, entweder als eine einzelne, nicht selten vielfach durchbrochene, 
wandstándige Platte entwickelt oder durch weitere Zerklůftung dieser Platte in Form von 
zahlreichen kleinen rundlich-eckigen, wandstándigen Scheibchen von verschiedener Grósse 
und Gestalt vorhanden, die aber in ihrer Anordnung noch den einzelnen, vielfach durch- 
brochenen Platten entsprechen. Zellwánde meist robust und nicht selten deutlich geschichtet. 


Vermehrung durch Zoogonidien, welche in grosser Anzahl (wenigstens zu 32) 
in einer Mutterzelle durch simultane Theilung des Zellinhaltes gebildet, werden und durch 
ein Loch in der Zellwand des von den vegetativen Zellen in Form und Grósse nicht 
differirenden Gonidangiums entschlůpfen und meist ohne zu copuliren (parthenogenetisch) 
keimen. Ungeschlechtliche Vermehrung auch durch Dauerzellen (Aplanosporen und Akineten), 
welche gewóhnlich im Herbste aus einzelnen vegetativen Zellen, die inhaltsreicher werden 
und von einer dicken Membran sich umgeben, entstehen und ůúberwintern kónnen. Im 
Frůhjahre oder nach lángerer Ruheperiode werden aus solchen Dauerzellen wahrscheinlich 
direct wieder neue Individuen (Zellfáden) hervorgebracht. 


1) Úber den genetischen Zusammenhane einiger Cladophora-, Rhizoclonium- und Con- 
ferva-Arten siehe mehr in Borzi's „Studi algolocici“ I, 1883. 


74 Conferva. 


23. Gattung. Conferva L. em. Wille.") 


Der Thallus aus unverzweigten, rhizoidenlosen Fáden bestehend, welche von den 
ebenfalls einfachen Ulothrix-Fáden, durch Form und Grósse der Chromatophoren, sowie 
durch ihren mehr kórnigen Zellinhalt, ihre robustere Zellwánde, welche aus H.-fórmigen, 
schachtelartie in einander greifenden Stůcken zusammengesetzt sind etc. sich wesentlich 
unterscheiden. Die durch einfache Zweitheilung der vegetativen ein- oder zweikernigen *) 
Zellen entstandenen beiden Tochterzellen sind zuerst durch die Mutterzellmembran umgeben, 
welche spáter, nachdem diese Zellen sich vergróssert haben, in zwei H.-fórmige Stůcke 
zerreisst.*) 

Ungeschlechtliche Vermehrung durch Dauerzellen (Akineten und Aplanosporen) 
und durch zweiwimperige Microzoogonidien, welche in einzelnen, den vegetativen Zellen 
oleichgestalteten Mutterzellen (Gonidangien) in grosser Anzahl entstehen und durch ein 
eigenthůmliches Anseinanderweichen der Mutterzellwand in zwei H.-fórmige Stůcke frei 
werden.  Copulation dieser Gonidien noch unbekannt. Die Dauerzellen (Dauersporen) 
entstehen bei Conferva aus den vegetativen Zellen entweder durch Verjůngune und Bildung 
einer neuen Membran um den contrahirten Inhalt oder durch Verdickung der Membran 
der Mutterzelle oder durch Abgrenzung eines 'Theiles des Zellinhaltes in einem ange- 
schwollenen Theil der Mutterzelle und Verdickung der Membran dieses Theiles. Die 
Dauerzellen werden in der Regel dadurch frei, dass die Zellhaut jeder Zelle durch einen 
transversalen ringfórmicen Mittelriss aufreisst, wobei die Sporen herausfallen; bisweilen 
werden die Sporen auch durch das Verschleimen der Zellwánde frei. Bei der Keimung, 
meist ohne lingeres Ruhestadium, nimmt die Grósse der Dauerzellen allmálich zu, bis 
ihre áussere Membran, welche ebenso gebildet ist wie die der vegetativen Zellen, gesprengt 
wird. Nachdem durch das Wachsthum des Sporeninhaltes das kleinere Stůck der Aussen- 
membran, welches von dem grósseren wie eine Schachtel von ihrem Deckel umfasst wird, 
gesprengt worden ist, wáchst dieser schlauchfórmig aus der so entstandenen Óffnung 
heraus. Ob aus den Dauerzellen auch Zoogonidien entstehen kónnen, ist nicht bekannt. 
An einigen Conferva-Fáden wurden auch Zelltheilungen nach verschiedenen Richtungen 
des Raumes und ein Ubergang zu dem sog. Palmella-Protococcus ete. Stadium beobachtet. 


1. Sect. Huconferva nob. Vegetative Zellen 3 bis 18 m dick, důnnháutig [mit 
1 bis 2 u dicker Zellhaut|. 


a) Zellen cylindrisch, an den Ouerwánden nicht oder undeutlich eingeschnůrt. 


90. C. hyalina Ktz. (Gloeotila hyalina Ktz.) Tab. phycol. III. T. 32. Ktz. Alg. 
exs. Nr. 53! Blass- oder gelblichgrůn, schleimig. Zellen 3 bis 5 u dick, 1"/, bis 3mal 
so lang, an den Scheidewánden nicht eingeschnůrt, důnnháutig. 

In Sůmpfen, Tůmpeln u. á. (5-—9). So in den Tůmpeln an der Moldau bei Prag: 


91. C. tenerrima Ktz.*) Tab. phycol. III. T. 42. Rbh. Alg. exs. Nr. 17! Fáden 
blassgrůn, oder durch Eisenocker rostgelb gefárbt, zu mehr oder weniger grossen Flocken 
vereinigt. Zellen 3 bis 5 u dick, vor der Theilung 1 bis 3mal so lang; Zellhaut důnn. 


var. B) rhypophila (Ktz.) nob. (C. rhypophila Ktz.) Tab. phycol. III. T. 42. Rbh. 


!) Siehe Wille's „Om Hvileceller hos Conferva (L.) Wille“, 1881. 


2) Vergl. Schmitz „Uber die Zellkerne der Thallophyten“ 1879. 

S) Uber die eigenthůmlichen Zelltheilungen bei Conferva siehe mehr in Wille's „Algolo- 
giske Bidrag“ 1880. 

+) Bei der Petersbaude im Riesengebirge habe ich eine Conferva-Art beobachtet, welche 
durch ihre 45 bis 6:5 w dicke, 3 bis 6mal so lange Zellen sowie dadurch, dass sie im Wasser 
nebelartige Flocken bildete an C. nubecula Ktz. Tab. phycol. II. T. 42 erinnerte. Die von Corda 
In Sturm's Deutsch. Flora II. Abth. beschriebenen zwei C.-Arten : Conferva albida Corda, in Pfůtzen 
auf dem Riesengebirge gesammelt und C. brunnea Corda, an den Wurzeln der Wasserlinse im Šárka- 
Ihale náchst Prag von Corda angetroffen, kónnen hier wegen ihrer allzu mangelhaften Beschreibung 
und Abbildung (die Orig.-Exemplare sind nicht mehr vorhanden) leider nicht berůcksichtiot werden. 
Conferva usneoides Opiz Mus! ist eine Vaucheria. 


Conferva. T5 


Alg. exs. Nr. 317! Zellen 4 bis 6 w dick, vor der Theilung 3 bis 4, seltener bis 6mal 
so lang; sonst wie die typische Form. 

In stehenden und langsam fliessenden Gewássern, in Wassergráben, Brunnen, 
Teichen u. á. in der Ebene und im Vorgebirce háufig in beiden Formen verbreitet 
(3—10). In der Umgebung von Prag mehrfach, so an der Smichower Schwimmschule, in 
den Tůmpeln an der Moldau auf der Kaiserwiese, bei Dvorce, Hlubočep, Branik, Hod- 
kowička, im sog. Libuša-Bade bei Pankrac, in den Sůmpfen bei Vysočan, Hrdlořez, in 
Wassergráben in der Jeneralka bei Podbaba, bei Košíř, St. Prokop; in den Sůmpfen bei 
Ouwal, Dobřichowic, Hořowic, Přibram; bei Kralup, Lobositz, Oužic, Kostelec a. E., 
Jung-Bunzlau, Eisenbrod, Turnau, Arnau, Johannisbad; bei Chlumec an der Cidlina, 
Parschnitz, Kóniggrátz, Pardubic, Hirschbere, Weisswasser (auch im grossen Teiche) bei 
Wichstadtl und Lichtenau an der Adler bei Beneschau, Stránčic, Wotic, Olbramovwic, 
Sazawa, Lomnic, Wittingau, Sobieslau, Krummau, Ebenau, Hohenfurth, Kaplitz, bei Eisen- 
stein im Bohmerwalde; bei Laun, Dux, Brůx, Saidschitz, Teplitz, Eichwald, Carlsbad auch 
im lauwarmen Wasser im Bette der Tepl am Ende der Sprudelcolonnade, bei Franzensbad! 


92. C. floccosa (Vauch.) Ag.?  (Microspora floccosa Vauch.)  Wille om Conf. 
Tab. 2. Wittr. et Nordst. Alo. exs. Nr. 423! Bildet bleich- bis gelblichgrůne, flockige 
Watten. Zellen 6 bis 9 m dick, vor der Theilung meist 1'/, bis 2mal so lang. Zell- 
haut důnn. 


var. 6) major nob. Zellen 9 bis 15 mw dick, 1 bis 1"/„mal so lang, Zellhaut 
dicker; sonst wie die typische Form. 

In stehenden Gewássern, Teichen, Wassergráben, Brunnen, Báchen u. á. nicht 
selten (4—10). In der Umgebung von Prag mehrfach, z. B. in den Schanzgráben hinter 
dem gew. Kornthor, in den Tůmpeln an der Moldau. Bei Kralup, in Wassergráben an 
der Eisenbahn bei Kónigerátz, bei Johannisbad; bei Střezmiř náchst Stupčic, Hořowic, 
Olbramowic náchst Wotic, bei Písek, Veselí, Lomnitz náchst Wittingau, auch var. f), 
Turkowitz náchst Krummau, Hohenfurth, Klattau, auch var. 9), Mies! bei Schlackenwerth 
(Opiz als Conferva sordida Dillw. Mus.!). 


93. C abbreviata (Rbh.) Wille Om Conf. Tab. 2. Wittr. et Nordst. Alg. exs. 
Nr. 424! Lebhaft grůne oder durch Eisenocker rostgelb sefárbte, flockige, fluthende 
Ráschen bildend. Zellen meist 5 bis 6 « dick, vor der Theilung 1"/, bis 9mal so lang, 
mit etwas verdickter Zellhaut. 

In Auellen, Wassergráben wie vor. (5—8). So bei Dobřichowic, Šazawa, Ho- 
řowic, Kaplitz! 


94. C. stagnorum Ktz. [Conferva tenerrima 6) stagnorum Ktz., Ulothrix tener- 
rima 6) stagnorum Ktz. Ulothrix stagnorum Ktz.| Tab. phycol. II. T. 87 fig. 2 (d non 
a—c) Wille Om Conf. T. 2. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 425 a!  Bildet gelbgrůne, 
spáter verbliechene Watten. Zellen 5 bis 9 « dick, 1 bis 2, seltener 3 bis 4mal so 
lang (nach Wille), mit verháltnissmássig sehr dicker, farbloser Zellhaut. © Dauerzellen 
elliptisch oder fast kucgelig, die Mutterzelle ganz oder fast ganz ausfůllend. 

In stehenden Gewássern, Sůmpfen, Teichen u. á. (6—8). So bei Wittingau und 
am Spitzberg im Bóhmerwalde! 


95. C. ochracea (Ktz.) Wille Om Conf. Tab. 2.  Wittr. et Nordst. Alg. exs. 
Nr. 426! [incl. C. Funkii Ktz. C. occosa (Vauch.) Ag. var. Novae Semliae Wille, Micro- 
spora Farlowii Wille]. Hell- oder gelblichgrůn, spáter verbleichend, trocken matt seiden- 
artig glánzend. Zellen 6 bis 10 u dick, vor der Theilung 2 bis 3'/,mal so lang, mit 
leicht verdickter farbloser Zellhaut. 


In Wassergráben wie vor. (3—8). So in den Schanzgráben von Prag und in 
Gráben an der Bahn bei Konigorátz! 


96. C. rufescens Ktz. Alg. exs. Nr. 149! [C. verrucosa Ag., Psichohormium 
verrucosum Ktz.]. Fáden hie und da von Eisenocker berindet, rostgelb. Zellen 12 bis 
15 « dick, 1 bis 2'/„mal so lang, mit etwas verdickter Membran. 


76 Conferva. 


In Eisenguellen, Wasser- und Strassengráben, ziemlich selten (7—8). So bei 
Kóniggrátz! : 

97. C. fuscescens (Ktz.) Rbh. (Psichohormium fuscescens Ktz.) Fáden schmutzig- 
grůn, gelbbráunlich, weich. Zellen 12 bis 16 u dick, "/, bis 2, seltener 3mal so lang, 
dfters von Eisenocker incrustirt. 

In Strassengráben, eisenháltigen sumpfigen Gewássern u. á. (7— 8). So bei Fugau 
[Karl Rbh. Kryptfi. p. 247]. 


b) Zellen fast cylindrisch oder lánglich elliptisch, an den Auerwánden deutlich 
eingeschnůrt. 


98. C. bombycina (Ag.) Wille. Bildet satt-, gelblich- oder schmutziggrůne, schlůp- 
ferige, trocken matt seidenartig glánzende Watten. Fáden von sehr ungleicher Dicke, mit 
5 bis 15 u dicken, 2 bis 12mal so langen, an den Scheidewánden leicht eingeschnůrten 
Zellen. Die sporenbildenden Zellen strecken sich und schwellen an einem Ende an, welches 
sich mit Protoplasma reichlich erfůllt und durch eine Wand abgrenzt; spáter trennt sich 
die angeschwollene Zelle vom ůbrigen Theile des Fadens ab. 


a) genwmna Wille Om Conf. Tab. 1, 2. Wittr. et Nordst. 
Alg. exs. Nr. 428! Fáden gelblich- seltener hellgrůn. Zellen 6 
bis 10 u dick, vor der Theilung 2 bis 4mal so lang. 


var. 9) pallida Ktz. Spec. alg. p. 372. Tab. phycol. III. 
T. 44. Zellen 6 bis 12 w dick, 2 bis 6mal so lang, Fáden blass- 
oder gelblichgrůn. 


var. y) sordida Ktz. Tab. phycol. III. T. 44. Satt- oder 
schmutziggrůn.  Zellen 12 bis 15 u dick, 1"/, bis Smal so lang. 


b) elongata Rbh. Fáden blassgrůn.  Zellen bis 12'5 u 
dick, 6 bis 12mal so lang. 


c) měnor Wille Om Conf. Tab. 1, 2. Wittr. et Nordst. 
Ale. exs. Nr. 427! Fáden blass- oder gelblichgrůn. Zellen 5 bis 
7 u dick, 1"/, bis 4mal so lang, an den Scheidewánden weniger 
eingeschnůrt. 
bá In stehenden Gewássern, Sůmpfen, Wassergráben, Tům- 
Fig. 34. Conferva bom- © peln, Teichen, Bassin's, Wasserbeháltern u. á., durch ganz Bohmen 
bycina Ag. a) genuina bis ins Hochcebirge verbreitet und ziemlich gemein (3—11). 
Wille. Stůck eines Fa- a) In der Umgebung von Prag háufig, so in den Schanzgráben 
dens mit einer noch nicht : sta ee i 
věllie entwickelten Dau- Vom Prag, im Hirschgraben am Hradčín, an Wasserbeháltern auch 
erzelle. Vergr.480mal. in Privatháusern, in den Sůmpfen bei Vysočan, Hrdlořez, im Sarka- 
thale, bei Radotín, St. Prokop, Chuchelbad, Branik, bei Zawist, 
in den Teichen bei Kunratic, in Wassergráben bei Roztok, Brnky, Žalov, Chwal, bei Do- 
břichowic, Cernošic, Karlstein, St. Ivan, Beraun, Kónigshof, im Suchomaster Thale; bei 
Smečno, im Sternberger Thiergarten; bei Půrglitz, Stadtl, Rakonitz, Schlan, Peruc, Laun, 
Libochowic, Sulowic, Lobositz, Leitmeritz, Raudnitz, Rowné, Kralup, Melnik, Elbe-Kostelec, 
Neratowic, Lysa, Kolín, Pardubic, Libňowes, Chlumec an der Cidlina, Kóniggrátz, Smiřic, 
Hořic, Wostroměř, Jičín, Arnau, Parschnitz, Turnau, Svárov, Tannwald, Eisenbrod, Semil, 
Bakov, Jung-Bunzlau, Dymokur, Starkoč, Náchod, Wichstadtl, Lichtenau, Kronstadt; bei 
Hirschberg, Habstein, Weisswasser, Alt-Paka, Johannisbad, Hohenelbe; im Riesengebirge 
noch bei den Krausebauden, in der Spindelmůhle, bei der Elbfallbaude, in den Sieben- 
grůnden; bei Bilín, Brůx, Dux, Teplitz, Eichwald, Bodenbach, Saaz, Carlsbad, Franzens- 
bad, Mies, Pilsen, Klattau, Písek, Budweis, Frauenberg, Zámost, Lomnic auch S und 79., 
Wittingau, Sobieslau, Veselí, Tabor, Wotic, Olbramowic, Stupčic, Bystřic, Beneschau, 
Stránčic, Kocerad, Sazawa, Poddubí, Přestawlk, Čerčan, Řičan; bei Hořowic, Přibram, 
Jinec, Protivín, Horažďowic, Kaplitz, Krummau, Ebenau, Rosenberg, Ruckendorf, Hohen- 
furth, Eisenstein! bei Fugau [Karl Mus!|; d) mehr in Gebirgsregionen, so bei Wichstadtl, 
Lichtenau, Bárnwald, Kronstadt an der Adler, bei Johannisbad! c) bei Beneschau, Ko- 


Conferva. T 


stelec a. E., Kralup, Olbramowic, Ruckendorf, Turkowitz náchst Krummau; bei Fran- 
zensbad, Johannisbad, Můncbengrátz, nicht selten mit «a)! 


99. C. utriculosa Ktz. Wille Om Conf. Tab. phycol. ITI. T. 44. Wittr. et Nordst. 
Ales. exs. Nr. 429! Fáden hell- oder gelblichogrůn, weich. Zellen 15 bis 18 u dick, 2 
bis 4, seltener bis 6mal so lang, an den Scheidewánden deutlich eingeschnůrt, mit ziemlich 
důnner, hyaliner Zellhaut. 

In stehenden Gewássern, Brunnen, Abzugsgráben ete. (6—9). So bei Mies, 
Klattau und Johannisbad! 


2. Sect. Pseudoconferva nob. (Microspora Thr. ex p.) Veget. Zellen 15 bis 60 u 
dick, dickháutig [mit 2 und mehr wu dicker Zellhaut|. 


100. C. fontinalis Berk. Tab. phycol. III. T. 45. Lebhaft srůn, meist ange- 
wachsen. Zellen 15 bis 18 u dick, 4 bis 6mal, seltener 6 bis 10mal so lang mit důnner 
Zellhaut, an den Scheidewánden mássig eingeschnůrt, mit mehreren, grossen, in der Mitte 
der Zellen in einer Reihe liegenden Amylumheerden. 

In Auellen, Báchen, Gráben u. á. (6—10). So in Prag in einigen Privatháusern 
an Wasserbeháltern, an einer Auelle im Hirschgraben am Hradčín, bei St. Iwan, Lobositz, 
Sulowic meist mit Rhizoclonium fontinale Ktz.! 


101. C. globulifera Ktz. Spec. alg. p. 372. [C. fontinalis Besk. 9) globulifera 
Rbh.] Tab. phycol. III. 45. non Conferva globulifera Ktz. Rbh. Flora europ. alg. III. 
p. 324, Psichohormium globuliferum Ktz. Tab. physol. III. T. 48.*) Bildet blass- oder 
schmutzig gelbgrůne, frei schwimmende Watten. Fáden ziemlich straff, seltener schlaff 
und schleimig [var. P. facca Ktz. Physol. germ. p. 203]; Zellen 15 bis 20 u dick, 4 bis 
8mal so lang, cylindrisch, mit zahlreichen Amylumheerden upd ziemlich dicker Zellhaut. 

In Sůmpfen, Wassergráben, Tůmpeln, alten Teichen (6—11). So bei Prag in 
den Schanzgráben und in den Moldautůmpeln; in den Tůmpeln an der Adler bei Kónig- 
grátz meist mit Cladophora fracta! 


102. C. salina (Ktz.) Rbh. (Psichohormium salinum Ktz.) Tab. phycol. III. T. 49. 
Fáden gelblich- oder sehmutzigerůne, seltener bis rostfarbige Watten bildend. Zellen meist 
cylindrisch, 19 bis 25 u dick, 3 bis 5mal so lang, mit ziemlich dicker, ofters incru- 
stirter Zellhaut, an den Scheidewánden nicht oder undeutlich eingeschnůrt; var. P) sub- 
constricta nob. Zellen 15 bis 25 w dick, 3 bis 8mal so lang, hie und da an den Scheide- 
wánden tief eingeschnůrt und nicht selten an einem Ende gelenkartie verdickt. 

In salzigen Wássern, Sůmpfen, Wassergráben (4—11). So in den Salzwasser- 
sůmpfen bei Oužic náchst Kralup, im J. 1882—84 massenhaft, meist var. 6), im J. 1885, 
wo die Sůmpfe im Juli-August ausgetrocknet waren, verschwunden; *) in den salzigen 
Sůmpfen und in Wiesengráben bei Čížkowic und Sulowic náchst Lobositz spárlich; meist 
mit Rhizoclonium riparium! 


103. C. amoena Ktz. Wille om Conf. Tab. 2. Wittr. et Nordst. Alg. exs, Nr. 218! 
(Microspora amoena Rbh.) Fáden lebhaft grůn, rigid; Žellen cylindrisch, 20 bis 25 u 
dick, 1 bis 2mal so lang, mit dicker, farbloser Zellhaut, an den Scheidewánden nicht 
eingeschnůrt. 

In Báchen, Brunnen, Wassergráben, seltener auch in Sůmpfen, meist im Vor- 
gebirge und im hóheren Gebirge verbreitet (5—10). In der Umgebung von Prag spárlich, 
blos vereinzelt unter anderen Algen; ebenso bei Řičan, Kůnigerátz, Libňowes, Chlumec 
an der Cidlina, bei Weisswasser und Hirschbere; háufiger in Báchen bei Eisenbrod, 
Tannwald, Arnau, Alt-Paka, Johannisbad; im Riesengebirge bei Hohenelbe, bei Krause- 
bauden, Spindelmůhle, Petersbaude, Spindlerbaude, in den Siebengrůnden; nicht selten 
bei Wichstadtl, Lichtenau, Pastwin, Bárnwald und Kronstadt an der wilden Adler, auch 
am Kamme des Adlergebirges oberhalb Friedrichswalde! bei Reichenberg [Siegmund unter 


!) Vergl. auch Hanstein „Úber eine mit Eisenoxydhydrat umkleidete Conferva“ 1878. 
2) Wird in Wittrock's und Nordstedt's Alg. exs. von diesem Standort mitgetheilt werden- 


78 Rhizoolonium. 


Vaucheria caespitosa Ag. Mus.!] bei Georgswalde von Karl als Gloeotila compacta Rbh. 
Mus.! gesammelt; bei Herrnskretschen, HEichwald, náchst Teplitz, Carlsbad, Mies; bei 
Frauenbere und Zamost náchst Budweis, Kaplitz, Eisenstein, Spitzberg, Hohenfurth, Ro- 
senberg und Krummau, ofters mit Rhizoclonium fiuitans! 


104. C. subsetacea Ktz.? Tab. phycol. III. T. 47. Fáden schmutzie- bis bráunlich- 
orůn, sehr rigid, ein wenig kraus; Zellen 30 bis 45, seltener bis 60 u dick, 1 bis1'/,, 
seltener bis 2mal so lang, mit sehr (5 bis 8 w) dicker, ofters von Incrustationen verunrei- 
nigter Zellhaut. 

In Báchen wie vor., selten (7—9). So in einem Bache bei Rosenberg in Sůd- 
bóhmen reichlich! *) 


24. Gattung. Rhizoclonium Ktz. 


Thallus aus einfachen, kriechenden, seltener auch frei schwimmenden Glieder- 
fáden wie bei Conferva bestehend, aber „stellenweise mit kurzen, meist ungegliederten, 
seltener mehrzelligen, seitlichen, rhizoidenartigen Aestchen versehen; Zellen meist zwei- 
oder vierkernig, seltener ein- oder mehrkernig, mit ziemlich dicker, nicht verschleimender 
Membran versehen; sonstige Merkmale wie bei Conferva. *) 


105. R. hieroglyphicum (Ag.) Ktz. ampl. (Conferva hieroglyphica Ag.) Bildet 
lebhaft oder schmutzig gelblich-grůne verworrene Rasen. Fáden hie und da mit kurzen, 
seitlichen Rhizoiden versehen. Zellen 12 bis 25 m dick, 1'/, bis 10mal so lang, an den 
Scheidewánden nicht oder leicht eingeschnůrt. 


a) genutnum (Ag.) Rbh. [incl. R. aponinum Ktz., et R. calidum Ktz.] Wille Om 
Conf. Tab. 2. Tab. phycol. III, T. 70. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 629! Bildet meist 
lebhaft grůne, wenig verworrene Rasen; Zellen 19 bis 25 u dick, vor der Theilung 2 bis 
omal so lang; an den Scheidewánden nicht eingeschnůrt. Im kalten, seltener auch in 
warmem Wasser; 

var. 6) crispum (Ktz.) Rbh. (R. crispum Ktz. Tab. phycol. III. T. 71.) Ver- 
worren, kraus, gelblich grůn. Zellen meist 1"/, bis 2mal so lang. An von kaltem [seltener 
auch von warmem] Wasser befeuchteten Orten, auch in Warmháusern; 

var. 7) subterrestre (Menech.) Rbh. (R. subterrestre Menegh.) Zellen 12 bis 
16 u dick, 3 bis 6mal so lang. Am Ufer von kalten Gewássern, seltener auch am Rande 
warmer Auellen. 


D) macromeres Wittr. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 630. Gelblich grůn. Zellen 
19 bis 24 u dick, 2'/, bis 10, seltener 5 bis 6mal so lang, an den Scheidewánden leicht 
eingeschnůrt. In kaltem Wasser. 

In Báchen, auf feuchten Felswánden, Wehren, Ufern, in kaltem Wasser, und an 
warmen (uellen (6—9) auch in Warmháusern (1—12). So auf feuchten Wánden, nasser 


Erde in dem Vermehrungshause des Prager Vereinseartens, ebenso im botan. Garten, im © 


Ananashause des gráfl. Kinsky'schen Gartens am Smichow, meist var. 6); in den Schanz- 
gráben hinter dem gew. Kornthor «), in den Sůmpfen bei Vysočan, bei Půrglitz und 
Sulowic náchst Lobositz b)! — In Carlsbad an den warmen GAuellen und in der Tepl 
von Agardh 1827 entdeckt «); von mir daselbst auch an den Felsen hinter dem Cur- 
hause und am Marktbrunnen (1883) in grosser Menge beobachtet! [Wittr. et Nordst. 
Alg. exs. Nr. 629 b!] bei Teplitz [Karl Rbh. Kryptfl. p. 248 var. 6], an Wehren in 
der Eger, bei Laun und Saatz a)! 


106. R. riparium (Roth) Harv. [incl. R. salinum Ktz. Tab. phycol. III. T. 68]. 
Gelblich bis schmutzig dunkelgrůne, verworrene, trocken ofters matt seidenartig glánzende 


!) Steht der Conferva Ansonii (Poll) Ktz. Wille Om Conf. T. 2 am náchsten. Nach 
H. Dr. Wille, welcher diese Alce cgůtigst revidirt hat, gehěrt sie, wegen ihrer besondern Membran- 
struktur, zu den zweiglosen Rhizoclonien. 

“) Mehr úber die Organisation, Entwickelungsgeschichte einiger Rhizoclonien und ihren 
genetischen Zusammenhang mit Conferva- u. Cladophora siehe in Borzi's „Studi algologici“ I, 1883, 


Rhizoclonium. 79 


Watten und Rasen bildend. Fáden schlaff, mit spárlichen, kurzen, ungegliederten [sel- 
tener gegliederten| Wurzelástehen versehen. Zellen 15 bis 26 w dick, '/„ bis ómal so 
lang, mit ziemlich dicker, farbloser Zellhaut. 


a) genuinum (Roth) Wittr. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 623 cum synonym.! 
Zellen 19 bis 28 u dick, 1 bis Smal so lang; 


var. 8) tenuius Wittr. Alg. exs. Nr. 625! Zellen 15 bis 22 mw dick, 1, bis 
omal so lang. 


b) validum Foslie Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 624! Zellen 26 bis 36 u 
dick, */, bis 2'/„mal so lang. 

In salzigem Wasser, auf feuchtem Salzboden am 
Rande von Salzwassersůmpfen meist mit Conferva salina 
(6—10). So am Rande der Salzwassersůmpfe bei Oužic náchst 
Kralup in verschiedenen Formen, 1882—84 reichlich! in 
sumpfigen Gráben bei Saidschitz und Půllna; im Abzugs- 
graben der Bitterwasserguelle bei Čížkowic náchst Lobositz, 
pal Sulowic; am Ufer des Žehuňer Teiches bei Libňowes an 
der Cidlina auf Plánerkalk ! 


107. R. fontinale Ktz. [incl. R. fontanum Ktz. 
Tab. phycol. II. T. 74] Fáden lebhaft- oder dunkelgrůn, 
verworren, mit spárlichen, ofters gegliederten 2 bis 3zel- 
ligen Wurzelástchen. Zellen 13 bis 17 u dick, 2 bis 4mal 
so lang, mit důnner Zellhaut. 


In GAuellen, Báchen, Wasserleitungsrinnen, měist 
mit Conferva fontinalis, zwischen Moosen, auf Steinen ete. | Fig. 35. Rhizoclonium fonti- 
(6—10). So an einem Brunnen im Hirschgraben am Hradčín: © nale Ktz.  Mittelstůck eines 
bei St. Iwan náchst Beraun, bei Sulowitz und Lobositz, bei" en Tbsor. o odonýy 
Laun; in der Umgebung von Wichstadtl an der Adler! o : 


108. R. fluitans Ktz. Tab. phycol. IIT. T. 72 Rbh. Alg. exs. Nr. 230! Fáden 
lebhaft oder schmutziegrůn, kraus, ziemlich rigid. Zellen 18 bis 22 w dick, 1 bis 2mal 
so lang, mit ziemlich dicker Zellhaut. Wurzelástchen kurz, ein- oder zweizellig, spárlich. 

In Báchen, Wassergráben meist mit Conferva amoena (6—9). So in einigen 
Báchen bei Eisenbrod (insbesondere im Bache Nohavice)! 


25. Gattung. Cladophora Ktz.") 


Thallus aus freien oder angewachsenen, im Wasser oder an inundirten Orten 
lebenden, meist"vielfach verástelten Zellreihen bestehend, welche durch Spitzenwachsthum 
unter wiederholiér Ouertheilung der Endzelle sich verlángern. Die ersten Zweige ent- 
stehen an den primáren Gliederfáden acropetal, sie sind nach allen Seiten gerichtet und 
um so grósser, je álter sie sind; spáter treten auch interponirte Zweige auf. Die secun- 
dáren Aeste sind bedeutend důnner als die primáren. Zellen walzenfórmie mit scheiben- 
fórmigen wandstándigen Chlorophoren, welche entweder eine einzelne, vielfach durchbro- 
chene Chlorophyllscheibe bilden oder aus zahlreichen, kleinen, rundlich eckigen Scheibchen, 
von wechselnder Grósse und unregelmássiger Gestalt bestehen, die in ihrer Anordnung 
ete. durchaus der einzelnen, vielfach durchbrochenen Chlorophyllplatte entsprechen. In 


1) Wie bekannt hat Schmitz Cladophora zu der Familie der Siphonocladiaceen gestellt, 
zu welcher er auch Botrydium Wallr. gezogen hat. Auf Grund der Schmitz'schen Untersuchungen 
hat nachher Borzi die Confervoideae isogamae in zwoi ruppon gesondert: 1) vielkernige [«) ein- 
zellige (Siphonaceae), £) mehrzellige (Siphonocladiaceae); 2) einkernige (Ulvaceae, Ulotrichiaceae, 
Chroolepidaceae). Da der Verfasser dieses Werkes weder Cladophora von den verwandten Gat- 
tungen Rhizoclonium und Conferva trennen, noch auch Botrydium zu den Confervoiden stellen 
wollte, so ist er bei seiner Eintheilung der Chlorophyceen von dem Schmitz'schen und Borzi's 
Systeme in einigen Punkten abgewichen. 


80 Cladophora. 


jeder Zelle sind in den gitterfórmig durchbrochenen Chromatophoren zahlreiche Amylum- 
heerde (Pyrenoide) enthalten; auf der Innenseite der Chromatophoren sind zahlreiche 
Zellkerne vertheilt. Die untersten Zellen der Fáden laufen in mehr oder minder lange 
Rhizoide aus. 


Vermehrung durch zweiwimperige, kleinere und vierwimperige, gróssere Zoogo- 
nidien, welche in sehr grosser Anzahl durch simultane Theilung des Inhaltes einzelner 
vegetativen Zellen entstehen, durch ein Loch in der Membran der Mutterzelle ausschlůpfen 
und obne zu copuliren, *) nachdem sie zur Ruhe gekommen sind, keimen. Bei einigen 
C.-Arten kommen auch nicht selten Dáuerzustánde vegetativer Zellen vor. Die Membran 
solcher Zellen verdickt sich, ihr Inhalt wird dichter und grobkůrnig. Nach einer Ruhe- 
periode [Úberwinterung] entstehen beim Eintritt erneuerten, lebhaften Wachsthums in der 
Mitte solcher Dauerzellen im grobkórnigen Inhalte Vacuolen und die Zellkerne, welche 
in diesen Zellen mehr in der Mitte sich befanden, kehren wieder in ihre normale wand- 
stándige Lage zurůck. *) 


1. Sect. Kucladophora (Ktz.) Hauck. Thallus rasen- oder wattenartig, von un- 
regelmássicer Form, nie polsterfórmige Rasen oder rundliche Ballen bildend. 


a) Fiden leicht unter einander verflochten, blos in der Jugend festsitzend, spáter 
zu frei schwimmenden Watten vereinict. 


109. C1. fracta (Vahl.) Ktz. ampl. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 37, 622! 
Fáden regellos verzweigt, dichte gelb- oder dunkelerůne Rasen oder Watten bildend. 
Zellen der Hauptáste 54 bis 120 u dick, 1 bis 3mal so lang, die der Zweigchen 15 bis 
40 u dick, 3 bis 6mal so lang, meist tonnenfórmig oder keulie angeschwollen, seltener 
cylindrisch, mit ziemlich dicker, glatter Membran und einem scheinbar eleichmássigen 
Wandbeleg von Chlorophyll, welcher bald nur aus einer einzigen Chlorophyllplatte, bald 
aus zahlreichen kleinen Chlorophyllscheibchen besteht. Schwármzellen entstehen in Zellen, 
welche nicht an der Spitze der Zweigchen liegen. 


a) genwna (Ktz.) Krch. Tab. phycol. IV. T. 50. Fáden můssig verzweigt, Ver- 
zweigungen auseinander gespreitzt, Zellen der Hauptáste, meist bauchig angeschwollen, 
seltener cylindrisch, 3 bis 6mal so lang als dick; 


var. B) substmplex Ktz. Tab. phycol. IV. T. 51 (non C. subsimplex Ktz. Spec. 
alg. p. 411 Tab. phycol. IV. T. 54). Fáden armástie, fast einfach. Zellen meist bauchig 
gedunsen, wodurch der ganze Faden fast perlschnurfórmie erscheint; 


var. ») horrida Ktz. Tab. phycol. IV. T. 51. Mit zahlreichen, einseitig ge- 
stellten, kurzen, 2- bis 3zelligen, fast pfriemenfórmigen Endverzweigungen; Zellen der 
mehr oder weniger gebogenen Hauptáste, wenig oder gar nicht angeschwollen:; 


var. ©) gracilis Ktz. Tab. phycol. IV. T. 50. Verzweigungen zweiter Ordnung 
kurz, die der 3. Ordnune sehr verlingert, wenig oder gar nicht verzweigt; Zellen cylin- 
drisch, blos hin und wieder an den Fáden einzelne Zellen leicht angeschwollen.  Zellen 
der Hauptáste 1 bis 2mal, die der Zweigchen bis 3mal so lang als dick. 


b) gossypína (Ktz.) Rbh. (C. gossypina Ktz. Tab. phycol. IV. T. 51.)  Wittr. 
et Nordst, Alg. exs. Nr. 126! Fáden ziemlich starr, zerstreut ástie, leicht verworren, 
schmutzie- oder gelblich- bis bráunlicherůne, spáter meist verblichene Watten bildend ; 
Aeste verlángert; Zellen der Hauptfáden 2 bis 6mal so lang als dick, meist walzen- 
fórmig, selten gedunsen; 


var. 6) nerustata nob. Fáden stellenweise von dicker Kruste von Ca CO, be- 
deckt, im Wasser und an der Luft lebend, daselbst an inundirten Kalkfelsen čofters 
weit ausgebreitete wattenartige Uberzůge bildend; sonst wie die typische Form. 


1) Geschlechtlich differenzirte Schwármer (Gameten) sind bisher blos an marinen Č.- 
Formen beobachtet worden. 

2) Mehr úber die Structur der Cladophora-Zellen ete. siehe in Schmitz'schen „Beobach- 
tungen úber die vielkernigen Zellen der Siphonocladiaceen“ 1879. 


Cladophora. 81 


c) rigidula (Ktz.) Rbh. (C. rigidula Ktz. Tab. phycol. IV. T. 48. Fáden rigid, 
mássig verzweigt; zu bráunlichen (var. fuscescens Rbh. Alg. exs. Nr. 193!) oder gelb- 
lichen (var. lutescens Rbh. Alg. exs. Nr. 338!) Watten verflochten.  Zellen cylindrisch, 
2 bis 5mal so lang als dick.  Zellmembran čfters goldgelb gefárbt. 


d) sudetica (Ktz.) Wittr. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 125!  Reichlich ver- 
zweigt, ziemlich rigid; Zellen der primáren Aeste 30 bis 40 u dick, 2 bis 6mal so lang, 
Seitenzweige zahlreich, abstehend, 20 bis 24 mw dick, mit 3 bis 4mal so langen als 
dicken Zellen. 


e) viadrina (Ktz.) Rbh. (C. viadrina Ktz. Tab. phycol. IV. T. 45.) Fáden reichlich 
verzweigt, zu grossen Watten dicht verworren; ') Aestchen verlángert, Zellen cylindrisch, 
3 bis 6mal so lang als dick, mit důnner Zellhaut. 


In stehenden Gewássern, Teichen, Tůmpeln, Wassergráben, Sůmpfen, auch in 
torfigen Gewássern in der Ebene und im Hůgellande durch ganz Bóhmen verbreitet und 
háufig (5—11). «) In der náheren und weiteren Umgebung von Prag nicht selten, so 
z. B. in den Schanzgráben, in den Tůmpeln an der Moldau bei Branik, Hlubočep, Troja, 
im Teiche bei Kunratic; in den Tůmpeln an der Elbe bei Brandeis a. E., Raudnitz, 
Lobositz, Sulowic, Leitmeritz, Kostelec a. E., Kolín, Lissa, Sadska, Kónigerátz; bei 
Libňowes an der Cidlina, Hirschberg! bei Leitomyschl (Klapálek !), bei Karlsbad, Laun, 
Neu-Straschitz, Schlan, Půrsglitz, Rakonitz, Přibram, Podhrad, Protiwin, Veselí, Sobieslau, 
Wotic, Střezmiř náchst Stupčic, Bystřic bei Beneschau! var. 7) bei Březhrad náchst 
Kóniggrátz; var. ©) bei Nusle náchst Prag, bei Neratowic a. E. b) In der Prager Um- 
gebuno“mehrfach so im k. k. botan. Garten am Smichow, auf der Insel Gross-Venedig, gegen- 
úber der Kaisermůhle, bei Záběhlic, Kunratic, im Chotečthal, bei Radotín, Zawist, Hloubětín, 
Roztok, Žalow, Podmoráň, Běchowic; bei Karlstein „v Pánvích“ auch var. 9) reichlich, 
bei Mukařow, Řičan, Piskočel, Klomín; bei Neratowic, Brandeis a. E. Elbekostelec, Kolín, 
Pardubic, Smiřic, Koniggrátz, Chlumec an der Cidlina, Hořic, Arnau, Jičín, Dymokur, 
Jung-Bunzlau, Bakov, Turnau, Eisenbrod, Tannwald, Parschnitz; bei Weisswasser, Hirsch- 
berg, Nachod; bei Teplitz, Bilín, Saidschitz, Dux, Brůx, Půllna, Franzensbad, Mies, 
Carlsbad, Laun, Tabor, Budweis! c) Im Teiche in dem grál. Kinsky'schen Garten am 
Smichow, im Můhlteiche bei Kunratic, bei Neratowic; in den Teichen bei Žehuň náchst 
Chlumec a. C., in den Sůmpfen bei Saidschitz; im Jordan-Teiche bei Tabor! d) In den 
Sudeten? e) Bisher blos am Rande der Elbetůmpeln bei Leitmeritz und Lobositz und in 
halb ausgetrockneten Teichen bei Čížkowitz náchst Lobositz 1884 reichlich ! 


110. C. putealis Ktz. Tab. phycol. IV. T. 53. Fáden blass grůn, reichlich 
verzweigt. Zellen der Hauptáste 84 bis 120 w dick, die der sehr verlángerten, wenig 
verzweigten © Nebenáste 36 bis 44 u dick, 2 bis 10mal so lang, hie und da leicht 
angeschwollen. 

In Wasserbeháltern, Brunnen, Aguarien u. i. (6—10). So in einem Brunnen- 
kasten am Hradčín in Prag, in Hohenfurth und Rosenberg in Sůdbohmen! 


111. C. oligoclona Ktz. ampl. lincl. C, Flotowiana Ktz. nach Krch. Alg. p. 73]. 


a) genuina (Ktz.) nob. (C. oligoclona Ktz. Tab. phycol. IV. T. 54.) Rbh. Alg. 
exs. Nr. 112! Fáden reichlich verzweigt, etwa 60 w dick, blass- oder schmutziggrůne 
Ráschen bildend, die primáren Verzweigungen fast dichotom, meist einfach und stark 
verlángert, aus etwa 40 bis 48 u dicken, 1"/, bis 3mal so langen Zellen zusammengesetzt ; 


var. P) gossypina Grun. Fáden weniger dick, zu dichten tuchartigen Massen 
vereinist. 


b) Flotowiana (Ktz.) Krch. Tab. phycol. IV. T. 54. Fáden entfernt sub- 


1) Diese Varietát der C. fracta bildet am háufigsten unter allen oben angefůhrten Formen 
dieser sehr veránderlichen C.-Art wattenartig verwebte Lager, welche durch rasches Austrocknen des 
Wassers und der Algenwatten bleiche, papier- bis tuchartige Massen (sog. Flusswatten, Wiesen- 
tuch, Meteorpapier) bilden, die man meist im Hochsommer auf dem Boden ausgetrockneter Teiche, 
Wassergráben u. á. findet. 


6 


82 Cladophora. 


dichotom verzweigt mit sehr kurzen, fast papillenartigen einzelligen Seitenzweigchen:; 
Zellen der Hauptáste cylindrisch, 40 bis 56 m dick, 2 bis 6mal, die der Zweigchen 28 
bis 42 u dick, 4 bis 10mal so lang als dick. 

a) In Sůmpfen, Tůmpeln, Wassergráben wie vor. ziemlich selten (6—10). So in 
den Elbetůmpeln bei Kolín! bei Kónigswalde und Teplitz (Karl Rbh. Kryptfl. p. 251); 
b) In Gebirgsbáchen, so im Riesengebirge nach Rbh. Flora eur. alg. III. p. 336 und 
Krch.Als: ps78. 


112. C. crispata (Roth) Ktz. ampl. Bildet hell- oder bleichgrůne Rasen und 
Watten.  Fáden anfangs spárlich, nach oben reichlicher verzweigt. Zellen der Hauptáste 
und primáren Seitenzweige 43 bis 110 u dick, der Endverzweigungen 24 bis 27 m dick, 
8 bis 16 (seltener noch mehr) mal so lang. 


a) genumna (Ktz.) Rbh. Hell- oder blassgrůnn, meist entfernt subdichotomisch 
verzweist, mit kurzen einseitsstándigen Seitenástchen ; 


var. 6) vřrescens Ktz. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 124! Grůne Zellen der 
Aestchen 48 bis 80 u dick, die der Endverzweigungen etwa 26 u dick, 3 bis 10mal so lang; 


var. 9) drachyclados Ktz. (C. brachyclados Ktz. Tab. phycol. IV. T. 40). Bleich- 
grůn, Fáden 48 bis 70 u dick, Endverzweigungen 26 bis 40 u dick, 3 bis 6mal so lang, 
meist einzellic. 


b) vitrea (Ktz.) Rbh. (C. vitrea Ktz., C. crispata Ktz. in Tab. phycol. IV. T. 40.) 
Bleichgrůn, bis weisslich, trocken, matt seidenartig glánzend, unregelmássig verzweigt. 
Zellen mit hyaliner Zellhaut, 8 bis 16 und mehrmal so lang als dick. 

In stehenden Gewássern, Sůmpfen, Teichen, Wassergráben, in sůssem und salzigem 
Wasser (6—11). So in den Salzwassersůmpfen bei Oužic und Klomín náchst Kralup, bei 
Neratowic; in den salzigen Sůmpfen bei Saidschitz, Půllna und bei Cížkowitz náchst 
Lobositz, meist var. y! 


113. C. insignis (Ag.) Ktz. ampl. Rasen satt- oder dunkelgrůn. Fáden zerstreut 
ástig, © Zellen der Aestchen erster Ordnung 76 bis 120 w dick, die der letzten Ordnung 
etwa 30 bis 45 u dick, 4 bis 6, seltener bis 10mal so lang. 


a) genučna (Ktz.) Rbh. (C. insignis Ktz. Tab. phycol. IV. T. 38). Fáden 
dunkelerůn, sehr verlángert, 4 bis 8 dm lang, spárlich verzweigt; 

var. P) rěvularis (Vauch.) Rbh. (Prolifera rivularis Vauch; C. insignis Ktz. 
var. x) uviatilis Ktz. Spec. alg. p. 407. Tab. phycol. IV. T. 38, Wittr. et Nordst. 
Alg. exs. Nr. 127!)  Dunkel-, seltener bis schwárzlichgrůn. Zellen etwa 60 m dick, 
o bis 10mal so lang.  Zellhaut ziemlich dick. 


b) linoides -(Ktz.) Grun. [C. linoides Ktz. Tab. phycol. IV. T. 39.) Rasen 
schmutzie- bis schwárzlichorůn 4 bis mehr ďm lang. Fáden am oberen Ende reichlicher 
verzweigt. Zellen der Hauptáste etwa 90 m dick, die der Aestchen 42 bis 48 u dick, 
2 bis Gmal so lang, Zweigchen letzter Ordnung meist einzellig, dem sie tragenden 
Faden angedrůckt. 


c) crispata Grun. Rbh. Alg. exs. Nr. 276 8!  Fáden blassgrůn, rigid, čfters 
incrustirt, Zellen der Hauptfáden 94 bis 150 u dick, die der Nebenáste 38 u dick, 6 
bis 8, seltener bis 16mal so lang. 

In stehendem und fliessendem Wasser, in Báchen, Flůssen, Sůmpfen, Teichen, 
Wasserbeháltern ziemlich verbreitet (6—10). In der náheren und weiteren Umgebung 
von Prag mehrfach, so in den Schanzoráben von Prag «) und c), in der wilden Šárka, 
im Bache bei Zawist, St. Prokop, Zwol náchst Wran a) var. 8; in dem Teiche bei 
Iloubětín, bei Kunratic; bei Klomín náchst Neratowic, Lobositz c/ in Báchen bei Peček, 
Kouřim, bei Karlstein, Beraun, im Suchomaster-Thale, bei Kónigshof, bei Půrglitz, Ra- 
konitz, Příbram, Hořowie, bei Bystřic, Tabor, Sobieslau, Veselí, Podhrad, Kaplitz; bei 
Mies; bei Saaz, Saidschitz, Laun; bei Dymokur, Jičín, Habstein, Weisswasser, Wostroměř, 
Parschnitz, Hořic, Arnau, Nachod, Johannisbad «) var. 8 spárlich! bd) bei Tetschen und 
Teplitz [Karl Rbh. Kryptfi. p. 252]. 


Cladophora. 83 


b) Fáden auch im Alter festgewachsen, futhende, bůschelig verzweigte, ein bis 
mehrere dm lange Rasen bildend. 


113. C. glomerata (L.) Ktz. Fáden bůschelig geháuft, an den Enden pinsel- 
fórmig verzweigt. Zellen der Hauptáste 60 bis 100 u dick, 8 bis 8mal so lang, die der 
Zweigchen 30 bis 50 u dick, meist 2 bis 6mal so lang; 
die Bildung der Schwármzellen beginnt immer zuerst in den 
Zellen an der Spitze der Zweigchen und schreitet gegen 
deren Basis fort. 


a) genuima (L.) Rbh. (C. glomerata Ktz. Tab. 
phycol IV. T. 33). Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 128, 
214 in var. © vertens! Lebhaft grůn, reichlich verzweiste, 
meist 1 bis 2 dm lange, fluthende Rasen bildend. Zweigchen 
letzter Ordnung bůschelig geháuft. Zellen der Aestchen cy- 
lindrisch, mit dicker Membran, die der Hauptáste bis 7mal, 
die der Zweigchen bis 6mal so lang als dick; 


var. G) mucosa Ktz. Intensiv grůn, weich, etwas 
schleimig, Zellwánde weniger dick ; 


var. 7) rivularis Rbh. Alg. exs. Nr. 147! Nicht 
schleimig, 6 bis 10 cm lang, zerstreut ástig, mit entfernten, 
pinselfórmig geháuften Zweigbůscheln ; 


var. 8) stmplictor Ktz. Sattgrůn, spárlich verzweigt, 
Zweigbůschel klein, aus wenigen, kammartig gestellten Zweig- 
chen bestehend ; 


var. e) longisstma Wittr. | Wittr. et Nordst. Alg. 
exs. Nr. 215! Fáden 4 bis 8 ďm lang, rigid, Zweigbůschel 
meist fehlend ; 


var. č) Karleana Rbh. Alg. exs. Nr. 1155. Ráschen 
klein, 6 bis 8 em lang, Astbůschel endstándig, locker, etwas 
niedergebogen, Zweige sehr verlángert, meist aus sehr langen 
[10 bis 20mal so langen als dicken], seltener verkůrzten 


und gedunsenen Zellen bestehend und dann der C. decli- | Fig.36. Cladophora glomerata 
nata áhnlich (L.) Ktz. Stůck eines verzweig- 
: : ; i ten Fadens mit drei Zellen, 

b) fasciculata (Ktz.) Rbh. (C. fasciculata Ktz. Tab. © deren Inhalt in zahlreiche Zoo- 
phycol. IV. T. 33 u. 34.) Schmutzie grůn, meist 1 bis 2 dm. | gonidien zerfállt. Die zwei- 
lang, seltener lánger; endstándige Astbůschel grósser, Zellen S a 
der Fáden meist kůrzer als bei a), an den Aestchen 2 bis — zpojum durch ace vor 


bis mal so lang als dick, seltener lánger; Vergr. etwa 70mal. 


var. 6) elongata Rbh. Zellen am unteren Ende der 
Fáden 5 bis 10 mal so lang als dick. 


In Báchen, Flůssen, Brunnen, an steinernen Wasserbeháltern, Steinen, Hólzern, 
Flóssen, Wehren, Schleussen u. á. festsitzend, im Hůgellande und in unteren Gebirgs- 
regionen ziemlich verbreitet, stellenweise háufig (6—11). In der Umgebung von Prag háufig, 
so in der Moldau an Holzbalken in der Smichower Schwimmschule, im Hirschgraben am 
Hradčín, in Báchen in der wilden Šárka, bei Roztok, Klecánky, Žalov, Podmoráň, Gross- 
Chuchel, bei St. Prokop, Hlubočep, Radotín auch «) var. 6) und d), Černožic, im Choteč- 
thale; bei Karlstein, St. Iwan, Beraun, im Suchomaster Thale bei Kónigshof, bei Hořowic, 
Přibram; Řičan, Sazawa; Půrelitz, Rakonitz; bei Kralup, Raudnitz, Leitmeritz, Lobositz, 
Libochowitz, Saidschitz, Laun; bei Kostelec a. E., Neratowic, Melnik, Jičín, Smiřic, 
Kóniggrátz auch 9), Chlumec an der Cidlina, Hořic, Starkoč, Parschnitz, Arnau, Alt- 
Paka, Hohenelbe, Nachod, bei Weisswasser, Tannwald, Eisenbrod, Swarov, Turnau, Semil, 
Bakov, Jung-Bunzlau; bei Pilsen, Veselí, Krummau! «a) var. Č) bei Teplitz [Karl. Rbh. 
Flora europ. ale. III. p. 341]. 


6* 


84 Cladophora. 


114. C. callicoma Ktz. Tab. phycol. IV. T. 37. (C. glomerata c) glomerata, 
forma III. callicoma Rbh.) Fáden bůschelig verzweigt, 8 bis 16 cm lange, stark ver- 
zweigte Bůschel von grůner oder gelblicher Farbe bildend. Zellen cylindrisch, an den 
Hauptásten 50 bis 94 u dick, 6 bis 10mal so lang, an den Zweigchen 22 bis 25 u 


dick, 6 bis 16mal so lang, Aeon důnnwandig; die a erzeugenden Zellen 
halb so lang; sonst wie Ú. glomerata. 


In Fliůssen und Báchen an Šteinen angewachsen, seltener als vor. (6—10). So 
am Ufer der Moldau bei Chuchelbad, und Branik reichlich 1883——85, im Bache bei 
Gross-Chuchel spárlich, in der Beraun bei der Stadt Beraun und bei Mies! 


115. C. declinata Ktz. ampl. [incl. C. fluitans Ktz.| 


a) genwna (Ktz.) Krch. Tab. phycol. IV. T. 45. (C. glomerata a) fasticulata 
forma IT. declinata Rbh.) Gelblich- oder bleichgrůn, 3 bis 6 cm lange, meist nieder- 
lieoende Bůschel bildend; Fáden ziemlich starr, unten wenig 
verástelt, -an den Enden mit kammartigen, trugdolden- 
ahnlichen, zurůckgebogenen Zweigbůscheln besetzt; Zellen 
der Hauptáste 86 bis 100 u dick, 3 bis 6mal so lang, die 
der Zweigchen 50 bis 60 u dick, 1", bis 3mal so lang, 
meist etwas angeschwollen ; 


var. P) pumila Bail. Bůschel 1 bis 2 cm lang, auf- 
recht. Zellwánde sehr dick, geschichtet, ofters bláulichgrůn.“) 


b) fimtans (Ktz.) nob. (C. fluitans Ktz. Tab. phycol. 
IV. T. 39. C. glomerata d) fiuitans Rbh. Flora europ. alg. 
III. p. 340). Fáden spárlich verzweigt, 3 bis 6 dm lange, 
dunkelgrůne Rasen bildend. Zweige mit kurzen, 2 bis 6- 
zelligen, aufrecht angedrůckten Zweigchen besetzt. Zellen 
cylindrisch, an den Hauptásten 120 bis 135 u dick, 1"/, 
bis 2mal so lang, an den Zweigen 43 bis 86 u dick, 3 bis 
12mal so lang, mit dicker Membran. 

In Báchen, Flůssen, in langsam und schnell flies- 
sendem Wasser, auf Steinen festsitzend und ofters den 
Grund auf weite Streckén bedeckend ; blos in Gebirgsregionen 
verbreitet (6—10). So in einigen Báchen bei Kóniggrátz, 
bei Eisenbrod, a) und var. P) massenhaft im Bache No- 
havice 1885; bei Semil, Alt-Paka auch auf Dyassandsteinen 
im Bache unter dem Bahnhofe, bei Tannwald und bei 
Hohen-Elbe! a) bei Zinnwald Rbh. Kryptfl. p. 253, var. f. 


Fig.37. Cladophora muscoides | bei B.-Kamnitz [Rbh. Flora europ. alg. III. p. 340). 
Menegh. Stůck eines verzweig- 


ten Fadens, etwa 50mal vergr. 116. C. sudetica Ktz. Tab. phycol. IV. T. 44. (C. 

crispata d) virescens forma VII. sudetica Rbh.) Fáden sehr 
reichlich verzweiot, gelblichgrůne niedrige 1 bis 2 cm hohe, weiche Ráschen bildend. 
Zellen der Hauptáste 22 bis 40 u dick, 4 bis 6mal so lang, die der Zweige 16 bis 22 
u dick, 3 bis 8mal so lang, Zweigchen letzter Ordnune kurz, 1 bis 4zellig, steif ab- 
stehend. Zellen an den Scheidewánden sehr leicht eingeschnůrt. 


An vom Wasser berieselten Steinen, Felswánden, in Báchen, seltener als vor. 
(5 $—10). So in einer feuchten Felsenschlucht náchst Žalov bei Roztok 1885 reichlich ; ?) 
im Riesengebirge [Rbh. Flora europ. alg. III. p. 338). 


!) Die bláulichgrůne Farbe der Fáden ist meiner Meinung nach stets von der Gegenwart 
von kleinen Phycochromaceen bedinst; so beobachtete ich an den bláulichgrůnen Fáden dieser 
C.-Form von Hisenbrod Chamaesiphon incrustans in sehr grosser Menge. 

2) Wird von diesem Standorte in den náchsten Fascikeln der Wittrock's und Nordstedt's 
Algae exsiccatae mitgetheilt werden. Da ich diese C.-Art bisher blos an Steinen festsitzend ge- 
sammelt habe, so habe ich sie nicht zu der ersten Gruppe der spáter frei schwimmenden Č.-Arten, 


— o vod s ed 


Cladophora. — Trentepohlia. 85 


2. Sect. Aegagropila Ktz. Thallus ballen- oder kugelfórmig. Fáden blos in der 
Jugend festgewachsen, spáter zu freischwimmenden, schwammigen, mehr oder minder 
grossen Polstern dicht verflochten. 


117. C. muscoides Menech. [C. aegagropila var. muscoides Menegh. Tab. phycol. 
IV. T. 59 Rbh. Ale. exs. Nr. 523! sub. nom. „Aegagropila holsatica“ Sprée rectif. Rbh. 
in Flora europ. ale. III. p. 344). Bildet dunkelgrůne, niedrige (1 bis 2 cm hohe) 
schwammice, fast kugelige oder polsterfórmige Rasen, welche aus radial gestellten, reichlich 
verzweigten, dicht an einander liegenden, ziemlich steifen Fáden bestehen. Zellen der 
Hauptfáden 60 bis 80 w dick, die der Aestchen 36 bis 44 u dick, meist 4 bis 8mal, 
seltener mehrmal so lang; Endzellen lanzettfórmic. 

In Seen, Wasserbeháltern selten (6—9). Bisher blos bei Kaplitz in Sůdbohmen 
in grósserer Menge von mir im J. 1885 entdeckt! 


XV. Familie. Trentepohliaceae. 


Der Thallus der Trentepohliaceen besteht aus seitlich oder wiederholt subdicho- 
tomisch oder unregelmássig verzweigten Zellfáden, welche weder Rhizoiden noch farblose 
Haare an den Endzellen der Aeste tragen. Zellen mit homogener Zellmembran, blos mit 
einem Zellkerne, mit wandstándigen platten- oder scheibenfórmicen Chromatophoren (Chloro- 
phoren), welche bei den an der Luft lebenden Trentepohliaceen theilweise oder vollstándig 
von rothen Schleimkugeln (Haematochrom) verdeckt werden, so dass der Zellinhalt scheinbar 
oleichmássig orange- bis rosenroth, rothbraun oder gelbroth gefárbt ist. 

Fortpflanzung durch zweigeisselige Zoogonidien, welche zahlreich zu 20 bis 60 
und mehr in einer von der vegetativen durch Grósse und Gestalt mehr oder weniger 
differirenden (selten z. B. bei Trentepohlia umbrina, Leptosira mediciana) mit diesen fast 
gleich grossen Mutterzelle (Gonid- oder Gametangium) entstehen und entweder nach voll- 
zogener Copulation oder parthenogenetisch keimen.  Ungeschlechtliche Vermehrung auch 
durch Dauerzellen (Akineten), welche aus den vegetativen Zellen sich ohne besonderen Zell- 
bildungsact ausbilden und entweder unmittelbar oder erst nach einer kůrzeren oder lángeren 
Ruheperiode keimfáhig sind. Nicht selten zerfallen die Fáden in wenie- oder einzellige 
Stůcke oder es trennen sich einzelne vegetative Zellen durch Verschleimune der Mittell- 
amelle oder dadurch von einander, dass die unteren Zellen durch ihr Wachsthum die oberen 
Zellen aus der usseren Membranschicht des Fadens, welche wie eine Scheide zurůckbleibt, 
hinauspressen, um sofort, ohne vorher in ein Ruhestadium zu ůúbersehen, auszukeimen.“) 


26. Gattung. Trentepohlia Mart. (Chroolepus Ag.)*) 


Thallus aus unregelmássig, seitlich verzweigten, oft dicht verfilzten Fáden bestehend, 
welche entweder an. der Luft leben, mehr oder weniger nach Veilchen riechen und einen 
rothbraunen, gold- oder orangegelben, bisweilen in grůn ůbergehenden *) Zellinhalt zeigen 
"oder im Wasser vegetiren, chlorophyllgrůn sind und nicht duften. Secundáre Verzweigungen 
eben so dick wie die Haupáste. Endzellen der Aeste nicht zugespitzt. 

Vermehrung durch Zoogonidien, welche zu besonderen, an verschiedenen Theilen 
der Fáden liegenden, endstándigen oder seitlichen, durch ihre Grósse und Form von den 


wie es z. B. Rabenhorst und Kirchner cethan haben, zugereiht, sondern stellte sie zu der zweiten 
[der auch im Alter festgewachsenen C.-Arten]. ň 

v) Mehr úber die Dauerzellen einiger Trentepohliaceen siehe in Wille's „Uber Akineten 
und Aplanosporen bei den Algen“ 1883. 

2) Wie Mycoidea (Cunningham „On Mycoidea parasitica“ 1877, Schmitz „Chromatophoren 
der Algen“ 1883 p. 7) so steht auch Bulbotrichia albida Wood (Fresh-water algae of North Ame- 
rica 1872 p. 205 Tab. 16) der Gattung Trentepohlia nahe; die zuletzt genannte Alge, welche am 
Grunde alter Báume zwischen Moosen, weissliche, krustenfórmige Uberzůce bildet, kónnte in Bohmen 
noch entdeckt werden. 

5) Verol. Gobi's „Algologische Studien úber Chroolepus Ag.“ 1871 p. 127 und Schmitz 
„Die Chromatophoren der Algen“ 1882 p. 7, 11. 


86 Trentepohlia. 


vegetativen Zellen meist sehr differirenden Gonidangien zu 25 bis 32 und mehr entstehen, 
mit 2 Cilien versehen und am hinteren Ende rothbraun oder chlorophyllgrůn, am vor- 
deren farblos sind. Nachdem die Schwármzellen aus den Gonidangien herausgetreten 
sind, schwimmen sie im Wasser eine Zeit lang umher, copuliren und keimen zur Ruhe 
ocekommen; wenn sie wáhrend des Schwármens nicht copulirt haben, gehen sie oft zu 
Grunde.') Die Entwickelung der Fáden aus keimenden Zygoten ist noch nicht ver- 
folet worden. *) 


1. Sect. Chroolepus (Ag.) nob. An der Luft lebende Arten.*) Die im Zellinhalte 
der vegetativen Zellen vorhandenen Chlorophoren von rothen Schleimkugeln (Haemato- 
chrom) theilweise oder vollstándig verdeckt, daher der Zellinhalt mehr oder minder bis 
vollstándie gold- oder orangegelb bis rothbraun gefárbt. 


a) Fáden orange- bis mennigroth, gold- bis fast schwefelgelb, seltener gelblich- 
olivengrůn (Trentepohlia lagenifera), trocken gelb- oder schmutziggraugrůn, mehr oder 
weniger nach Veilchen duftend. 


118. T. aurea (L.) Mart. (Chroolepus aureum Ktz. Tab. phycol. IV. I. 93.) 
Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nro. 40! Bildet orangerothe,*) trocken grůnlich- bis aschgraue 
oder gelbliche, filzige Ráschen oder Úberzůge. Fáden reichlich verástelt, Verzweigungen 
meist dicht verflochten. Veget. Zellen 10 bis 20 u dick, 1'/, bis 3mal so lang. 

a) genwumna (Rbh.) nob. [Chr. aureum «) caespitosum Rbh.| Ráschen klein, 
anfangs von einander entfernt, spáter zusammenfliessend, frisch orangeroth, trocken grau. 

D) tomentosa Ktz. Laser polsterfórmig, dicht verfilzt, 4 bis 6 mm dick, meist 
ziemlich ausgebreitet, trocken gelblich bis schwefelcelb ; 

var. 6) Zanosa Ktz. (incl. pulvinata Ktz.) Fáden kraus, leicht unter einander 
verflochten, mit zahlreichen, ein wenig verdůnnten, einander genáherten Zweigen. 

Auf feuchten, schattigen Felsen, Mauern, alten Bretterwánden, Wasserrinnen, 
Holzstámmen im Hůcellande und in Gebirgsgegenden durch das ganze Jahr verbreitet 
(1—12). In der Umgebung von Prag nicht selten, so an den Stadtmauern zwischen 
Sand- und Strahower-Thor, von Bracht als Byssus aurea Mus! gesammelt, auf feuchten 
Sandsteinfelsen am Laurenziberg schon von Opiz [Mus!) gesammelt, meist d) auch var. 6) 
[Rbh. Flora europ. alg. III. p. 372, Ktz. Spec. alg. p. 426]. a) und d) an feuchten silu- 
rischen Kalksteinfelsen bei Chuchelbad hinter dem Badhause spárlich, bei St. Prokop, im 
Choteč-Thale, bei Karlstein, St. Ivan, an den Felsén an der Westbahn zwischen Budňan 
bis Beraun, im Suchomaster Thale bei Koónigshof mehrfach; an bemoosten Sandstein- 
felsen bei Liboc, an feuchten Mauern des Thiergartens „Stern“, an einer Brůckenmauer 
auf der Strasse zwischen Mukařow und Řičan; an Sandsteinen bei Jung-Bunzlau, Bakov, 
Turnau, Podolí náchst Weisswasser mehrfach; bei Eisenbrod an Sandsteinmauern an der 
Bahn, am Urkalk in der Náhe der Kalkbrůche; an Dyassandsteinen bei Alt-Paka, Arnau, 
Trautenau, Nachod; auf Urgebiressteinarten bei Johannisbad, am Ufer der Elbe in Hohen- 
elbe, in der Spindelmůhle! in der grossen Schneegrube [Krch. Algen, p. 75]; d) bei 
B. Aicha an einer Wasserrinne [Benesch Mus!]; bei Kolin [Veselský Mus!]; auf der 
Rinde von alten feuchten Baumstámmen bei Eichwald und Zinnwald im Erzgebirge, 
ebenso am Schwarzen-See im Bóohmerwald; bei Hohenfurth an Felsen und an Stifts- und 
Dommauern, bei Rosenberg, in Krummau an einer alten Gartenmauer in den fůrstlichen 
Parkanlacen! 


119. T. abietina (Flot.) Wille (Chroolepus abietinum Flot. Tab. phycol. IV. 
T. 91 Rbh. Alg. exs. Nro. 658!) Bildet důnne, róthliche oder fast goldgelbe, matt 


1) Vergl. Wille's „Uber die Zoogonidien bei Trentepohlia und ihre Copulation“ 1878 und 
Lagerheim's „Bidrag till sveriges aleflora“ 1883 p. 74. 

2) Verel. áuch Gobi's „Algologische Studien úber Chroolepus Ag.“ 1871 p. 135 u. £. © 
4 S) Uber den relativen Werth der Kůtzino'schen Chroolepus-Arten siehe mehr in Gobi 

Gps 120108: 

+) Den rothen Farbstoff, welcher bei dieser und vielen anderen Alsen (in Sporen, Aki- 
neten ete.) vorkommt, hat Rostafinski (Bot. Zeitung, 1881, p. 465), Cohn's Haematochrom (1867) 
úbersehend Chlororufin (1881) benannt. 


Trentepohlia. 87 


glánzende, trocken graugelbliche Ráschen. Fáden verzweigt, mit gekrůmmten Aesten. Veget. 
Zellen 6 bis 9 u dick, 1 bis 3mal so lang, cylindrisch oder in der Mitte bauchig ange- 
schwollen. Gonidangien fast kugelig end- oder seitenstándig, bis 30 u dick. 

Auf der Rinde von Nadelholzern, insbesondere an Abies pectinata wie vor., meist 
in hóheren Gebirgsregionen verbreitet (1—12). So bei Neuhof von Peyl als Chroolepus 
odoratum Ag. Mus! bei Kolin gesammelt, v. Veselský mit Chroolepus aureum Mus! in 
Wáldern bei Lichtenau, Wichstadtl und Bárnwald an der Adler! in Ronower Wáldern 
(Peyl Mus!) bei Herrnskretschen in der běhm. Schweiz! bei Chotěboř (E. Bayer!), bei 
Hradek náchst Moldautein (Mus!). 


120. T. odorata (Lyngb.) Wittr. (Chroolepus odoratum Ktz., Chr. betulinum Rbh.) 
Tab. phycol. IV. T. 94. Bildet důnne, filzige, róthlichgelbe, mennigrothe, seltener orange- 
farbige [var. P) aurantiacum Ktz Tab. phycol. IV. T. 94|, trocken gelbliche oder schmutzig 
graugrůne Ráschen. Fáden ziemlich knorrig, brůchig, verzweigt mit niederliegenden oder 
parallel aufsteigenden Aesten.  Veget. Zellen 10 bis 16 u dick, 1 bis 2mal so lang, an 
den Scheidewánden leicht eingeschnůrt, mit ziemlich dicker Membran; im Zellinhalte ofters 
kleine Tropfen von Ól [var. 7) oleiferum (Ktz.) Rbh. (Chroolepus oleiferum Ktz.)]. 

An der Rinde von Laubbáumen, an Birken, Pappeln, Buchen u. a., seltener auch 
an Nadelholzern wie vor. (3—11). So an der Rinde von Populus nigra an der Moldau 
bei Klecanky náchst Roztok, bei Zawist, náchst Choteč im Radotiner Thale, bei Jung- 
Bunzlau, im Stadtpark ia Klattau; var. 9) auch am Spitzberg im Bóhmerwalde, in den 
Siebengrůnden im Riesengebirce! 


121. T. lagenifera (Hild.) Wille (Chroolepus lageniferum, Hild.) Botan. Zeitung 
1861 T. 3 Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 410! Bildet oliven- oder gelblichgrůne, gold- 
bis orangegelbe nicht oder schwach duftende zarte, Ráschen oder Úberzůce. Fáden unrecel- 
mássig verzweigt, brůchig. Veget. Zellen meist 3 bis 6 u dick, 3 bis 4mal so lang. 
Endzellen oft zu birn- oder fast kugelfórmigen Gonidangien mmecpidel. 

An feuchten Mauern, nasser Erde, Baumrinde, Brettern, auf Blattoberfláche ver- 
schiedener Warmhauspflanzen, bisher blos in Warmháusern angetroffen (1—12). So in 
dem Prager Vereinsgarten auf Bláttern von Anthurium, Pilbergia u. a. důnne goldgelbe 
Úberzůce bildend, im gráfl. Fůrstenbergischen Garten auf der Kleinseite, im Baumgarten 
auch auf der Rinde einer Pandanus-Art, in einigen Privat- Warmháusern auf der Neustadt, 
im k. k. Botan. Garten am Smichow mehrfach. im grátl. Kinsky'schen Garten, auch auf 
feuchter Erde im Ananashause mit Aphanocapsa (Porphyridium) Wittrockii (Rich.) nob. 
und im Clam-Gallas'schen Garten am Smichow ! 


b) Fáden meist dunkelrothbraun gefárbt; selten wechselt die Fárbung vom Roth- 
braun bis zum Goldgelb und Gelblichgrůn (T. uncinata), trocken schmutziggraugrůn, nicht 
oder stark (T. iolithus) nach Veilchen duftend. 


122. T. umbrina (Ktz.) Bor. (Chroolepus umbrinum Ktz., incl. Chr. irregulare 
Ktz., Protococcus umbrinus Ktz., Prot. crustaceus Ktz. Tab. phycol. IV. T. 92.) Wittr. 
et Nordst. Alo. exs. Nr. 42! Bildet ziemlich kráftige, rothbraune nicht duftende Anflůge. 
Váden kurz, niederliegend, zerbrechlich. Verzweigungen wenig entwickelt, unregelmássic. 
Veget. Zellen oft vereinzelt, ohne Ordnung zusammengeháuft, 14 bis 22 u dick, 1 bis 
2mal so lang, lánglich elliptisch oder fast kugelrund, an den Scheidewánden eingeschnůrt, 
Gametangien von den veget. Zellen kaum zu unterscheiden ; 

var. P) guercina (Ktz.) Rbh. (Chroolepus guercinum Ktz.) bildet důnne, rothe 
Úberzůge, Zellen bis 16 u dick. 

An der Rinde von Laubbáumen, an Brettern, Záunen, Holz- und Steinpfosten 
meist auf der Westseite, insbesondere in feuchten Wáldern, am Ufer von Báchen, Flůssen 
ete., seltener auch an Felsen durch ganz Bůhmen bis in das Hochgebirce verbreitet, in 
feuchteren Gebieten háufig, stellenweise (in trockenen Lagen) aber nur zerstreut; var. 5) 
auf der Rinde alter Eichen, in Wáldern u. a., seltener. In der náchsten Umgebung von 
Prag mehrfach, so an alten Weiden am Ufer des Botičbaches náchst Folimanka, am 
Ufer der Moldau, auf den Moldauinseln, bei Podol, am Laurenziberg, im Baumgarten, 


88 Trentepohlia. 


Vysočan, in der Šárka, bei Liboc, Rusín, Hlubočep, St. Prokop, Jinonice, Chuchelbad 
auch var. 9); bei Roztok, Klecan; bei Chwal, Hrdlořez, Práč, Měcholup, Auřiněwes; 
bei Stránčic, Mnichowic, Ondřejow, Sazawa, Kocerad, Přestawlk, Čerčan; bei Krč, Kun- 
ratic, Běchowic, Ouwal auch var. 6); bei Radotín, Choteč, Karlstein (auch an Felsen 
unter der Burg), St. Iwan, Beraun, Kónigshof, Půrglitz, Stadtl, Rakonitz, Schlan, Peruc, 
Laun, Chlumčan, bei Libochowic, Čížkowic, Sulowic, Lobositz, Čalositz, Leitmeritz, 
Raudnitz, Westec, Kralup; bei Elbe-Kostelec, Neratowic auch (6), Lysa, Kolín! bei 
Neuhof (Veselsky als Úhr. crustaceum Mus!) bei Kačín [Peyl als Chroolepus crustaceum 
Mus'!], Voškovrch, Chlumec, Ziželic, Pardubice, Doubravic, Smiřic, Hořic, Wostroměř, 
Starkoč, Nachod, Kóniggrátz, Jičín, Dymokur, Křinec, Rožďalowic, Jung-Bunzlau, Bakow, 
Semil, Turnau, Eisenbrod, Svárow, Tannwald, Parschnitz, Trautenau, Alt-Paka, Johannisbad, 
Hohenelbe; im Riesengebirge bei den Krausebauden, bei Spindelmůhle, in den Sieben- 
grůnden (spárlich); bei Habstein, Hirschbere, Weisswasser, B. Aicha, Bodenbach, Herrns- 
kretschen, Teplitz, Eichwald, Zinnwald (spárlich); bei Bilin, Sauerbrunn, Brůx, Půllna, 
Saaz, Neu-Straschitz, Carlsbad (spárlich); bei Franzensbad, Mies, Pilsen, Klattau, Horaž- 
ďowic, Písek, Budweis, Frauenberg, Lomnic, Wittinsau, Tabor, Wotic, Olbramowic, Stupčic, 
Sobieslau, Veselí, Protivín, Přibram, Jinec, Hořowic; bei Beneschau, Bystřic, Podolí, 
Kaplitz, Zartlesdorf, Hohenfurth, Rosenbere, Ruckendorf, Ebenau, Krummau! 


123. T. Bleischii (Rbh.) Wille (Ch. Bleischii Rbh., Ch. umbrinum, v. elongata 
Bleisch.) Bildet filzige, róthliche oder rothlichbraune, nicht duftende kleine Ráschen, 
mit knorrigen, ziemlich kurzen und meist niederliegenden spárlichen Verzweigungen. 
Veget. Zellen 22 bis 31 u dick, 1'/, bis 2mal so lana, Gametangien bedeutend grósser 
als die veget. Zellen ; 

var. P) piceae Wille Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 221! Chroolepus odoratum 
(Lyngb.) Ag. var. G) Rbh. Alg. exs. Nr. 616! Fáden kurz, aus wenigen Zellen bestehend, 
Verzweigungen spárlich, gekrůmmt. Veget. Zellen 15 bis 30 u dick, 1 bis 2mal so lang, 
mit 2 bis 5 u dicker Membran, Gametangien 27 bis 37 u dick. 

An der Rinde von alten Laubbáumen und Nadelhělzern [var. P)], meist in 
Wáldern in Gebirgsgegenden, selten (1-——12). So im Riesengebirge mehrfach, bei Ober- 
Hohenelbe, Spindelmůhle, in den Siebengrůnden; im Erzgebirge bei Zinnwald; im Bohmer- 
walde am Spitzberg var. P! 

124. T. uncinata (Gobi) nob. [Chroolepus uncinatus Gobi, Bul. akad. scient. de 
St. Petersbourg 1872 Tab. 17.)  Bildet bráunlich- oder róthlichgelbe bis gelblichgrůne, 
nicht duftende, důnne Ráschen. Fáden zu kleineren oder grósseren 
Háufchen oder Bůscheln vereinigt, seltener zerstreut, meěist ver- 
zweist (blos kurze Fáden sind unverzweigt), von verschiedener 
Lánge. Veget. Zellen der Hauptfáden 15 bis 27 u dick, 1 bis 
1'/„mal so lang, die der Zweige 12 bis 20 u dick, 1 bis 2mal 
so lang, an den Scheidewánden leicht eingeschnůrt. An den End- 
zellen der Fáden 1 bis 3 hakenfórmig gekrůmmte Subsporangial- 
zellen, an deren oberem, schmalem, halsartigem Ende je ein Z00- 
sporangium (Gonid- oder Gametangium) sitzt. Zoosporangien fast 
kugelrund oder elliptisch, fast zweimal so dick als die veget. 
Zellen, mit einer farblosen Papille, welché zur Zeit der Reife 


Fig. 38.  Trentepohlia 
uncinata (Gobi) nob. 
Stůck eines verzweigten 
Fadens mit einem Zwei- 
ge, welcher am oberen 
Ende auf der flaschen- 
fórmigen Subsporancia- 
zelle ein fast kugelfór- 
miges © Zoosporangium 
trágt. Verg.etwa 100mal. 


Ag. Tab. phycol. IV 


„ T. 95.|. WittrSet "Nordst-"Aleoxss NE 


der Schwármzellen platzt, sich offnend. Nach der Entleerung der 
Sporangien fallen diese meist von den sie tragenden Fáden ab. 


An der Rinde von Laubbáumen (Ahorn, Espe, Linde u. a.) 
und an Nadelhělzern meist am Grunde alter Baumstimme [etwa 1 
bis 4 dm ůúber dem Boden] wie vor. selten (1—12). Bisher blos 
im Riesengebirge bei der Spindelmůhle und in den Siebengrůnden 
in grósserer Mence! 


125. T. iolithus (L.) Wittr. [Chroolepus iolithus (L.) 


Bildet rothbraune, 


trocken schmutzigoraue oder graugelbe, důnne Ráschen und filzige, stark nach Veilchen 


Trentepohlia. 89 


duftende') Úberzůge.  Verzweigungen verworren, dfters auch unter einander verwachsen. 
Veget. Zellen 14 bis 24 u dick, 1 bis 2 (die áussersten bis 6)mal so lang, in der Mitte 
angeschwollen, mit dicker Membran; 


var. 6) bovinum (Flot.) Rbh. (Chroolepus bovinum Flot. incl. Chr. rupestre Ktz. 
et Chr. hercynicum Ktz. Tab. phycol IV. T. 92, 95.) Sehr důnne, rothbraune, pulverige 
Anflůge bildend, welche auch trocken ihre ursprůngliche Farbe wenig verándern. 

Auf Šteinen, Felsen blos im Hochgebirge (1—12). Im Riesengebirge in hóheren 
Lagen úberall verbreitet, am háufigsten an feuchteren Standorten, insbesondere in der 
Náhe der Elbe, auch an Šteinblócken in derselben, so von Ober-Hohenelbe zu den Krause- 
bauden stellenweise, bei der Spindelmůhle, unter dem Elbfall, ebenso am Wege von den 
Siebengrůnden nach Spindelmůhle, auf der Schneekoppe, im Riesengrund mehrfach! bei 
den Dessewasserfállen náchst Tannwald var. 6) reichlich; auf 
Steinen am St. Annaberg bei Bárnwald var. $) spárlich! In 
den Sudeten [Karl (wo?) Mus!]| Im Erzgebirge am Wege von 
Eichwald nach Zinnwald! auf dem Grauenstein (Hoffmann Mus!) 
Im Boóhmerwalde am Spitzberg, an den Ausflůssen des Schwarzen- 
und Teufels-Sees reichlich, am Arber-See, auch noch in Eisenstein 
an Felsblócken hie und da nicht selten! bei Hohenfurth am 
Hammerleiterbach var. 9) spárlich! am Kubany (Prof. L. Čelakovsky). 


126. T. velutina (Ktz.) nob. [Chroolepus velutinum Ktz. 
Tab. phycol. IV. T. 91.) Bildet rothbraune, důnne, dicht ver- 
verfilzte Ráschen oder Úberzůge. Hauptfáden und Zweige ver- 
lángert, gekrůmmt, an der Spitze aus etwas důnneren Zellen 
zusammengesetzt. Verzweigungen der Fáden, mit einander im 
Zusammenhange bleibend. Veget. Zellen 7 bis 9 u dick, 2 bis 
4mal so lang, cylindrisch. 

An feuchten Felsen, hólzernen Wasserleitungsrinnen u. á. 
wie vor., selten (3—11). Im Erzgebirge (nach Rbh.).*) 


2. Sect. Leptostra Borzi ampl. Im Wasser lebende Arten. 
Die im Zellinhalte der vegetativen Zellen befindlichen Chloro- 
phoren frei, von rothen Schleimkugeln (Haematochrom) nicht 
verdeckt (dieses ist blos in den Dauerzellen (Akineten) vorhanden.) 


Fig. 39. Trentepohlia 
Willeana nob. Stůck 


127. T. Willeana nob.*) Bildet stark von kohlensaurem 
Kalke incrustirte, niedrige Ráschen von hellgrůner Farbe. Fáden 
reichlich verzweigt, Zweige gedrángt, so dick wie die Hauptfáden, 
úfters leicht gekrůmmt, meist aber dem Hauptstamme eng anliegend. 
Veget. Zellen 3 bis 5 m dick, 1 bis 1'/, selten bis 2mal so lang, 
an den Scheidewánden leicht eingeschnůrt, mit důnner farbloser 
Zelhaut und breiten wandstándigen Chlorophoren.“)  Dauerzellen 


eines verzweigten Fa- 
dens, an welchem die 
untersten Zellen zu Dau- 
erzellen (Akineten) sich 
schon umzuwandeln be- 
ginnen, ihr Zellinhalt ist 
rosenroth gefárbt und 
lartig glánzend gewor- 
den. Vere. 600mal. 


") Bekannt unter dem Namen „Veilchenmoos“ oder „Veilchenstein“, 
?) Was ich bisher in Exsiccaten unter dem Namen Chroolepus velutinum Ktz. gesehen 


habe, waren rothbraun gefárbte Fáden verschiedener Moosvorkeime. Dasselbe gilt auch von Gon- 
grosira ericetorum Ktz., welche z. B. Veselsky bei Neuhof náchst Kolín gesammelt hat Mus! Dass 
Gongrosira ericetorum Ktz. keine Alge, sondern Moosprotonema sei, ist auch von Wille nach- 
gewiesen worden. Wie die soeben genannte Gongrosira, so sind in neuerer Zeit auch alle anderen 
von Kůtzing, Rabenhorst, P. Reinsch, Grunow, Zeller, Schaarschmidt beschriebenen Gongrosira- 
Arten theils zu der Gattung Trentepohlia zugetheilt worden, theils als gewisse Entwickelungs- 
zustánde anderer chlorophyllgrůner Algen, Moose ete. aus dem Algensysteme eliminirt worden. 
Siehe mehr darůber in Wille's „Om slaegten Gongrosira Ktz.“ 1883, in Borzi's „Studi algologici“ 
I, 1883, in Schaarschmidt's „Adatok a Gongrosirak“, 1883 etc. 

S) Steht der Leptosira mediciana Bzi „Studi algologici“ I, 1883 und dem Chroolepus sp. 
P. Reinsch „Contributiones ad algolos. et fungolog.“ 1875 p. 72. Tab. 6. Chlorophyllophyceae 
am náchsten. 

*) Ich beobachtete auch Fáden, welche endophytisch zwischen den Epidermis-Zellen ihres 
Substrates vegetirten, deren Chromatophoren fast tarblos oder blass gelblichgrůn gefárbt waren. 


90 Chlorotylium. 


(Akineten) je eine aus einer veget. Zellen entstehend, meist 6 bis 
9 u dick, kugelig, eifórmig oder von unregelmássiger Form, mit 
blass mennig- oder rosenrothem (Haematochrom enthaltendem) ol- 
artig glánzendem, dichter gekórntem Inhalte. 


In Teichen an verschiedenen Wasserpflanzen festsitzend 
und an ihrer Oberfláche eine důnne blassgrůnliche Sinterkruste 
bildend (6— 8). Bisher blos in einem Teiche bei Chlumčan náchst 


Fig. 40. Stůck eines Tgun in orósserer Menge 1884!') 
reichlich verzweigten 
Fadens derselben Alge, 

etwa 100mal vergr. 


27. Gattung. Chlorotylium Ktz. 


Thallus aus stark verzweigten Fáden gebildet, welche concentrisch zu einem 
halbkugeligen seidig weichen oder (gewóhnlich) von kohlensaurem Kalk stark incrustirten, 
polsterfórmicgen, festsitzenden Lager vereinigt und die mit ihrem mit einem farblosen 
Rhizoide endigenden, etwas verdůnnten Basalende zu einem filzigen Geflecht verflochten 
sind.  Verzweigungen zahlreich, dicht gedrángt, ebenso dick wie die Haupfáden.  Veget. 
Zellen bandfórmice, breite Chlorophoren enthaltend; seltener (Ch. cataractarum Ktz.) 
wéchseln kůrzere grůne Zellen mit viel lángeren, fast farblosen, nur wenig Chlorophyll 
enthaltenden Zellen ab. 

Vermehrung theils (im Frůhjahre) durch zweiwimperige Zoogonidien, welche 
zahlreich aus dem Inhalte des Gonidangiums entstehen und ohne zu copuliren keimen, 
theils durch kugelige Dauerzellen (Akine- 
ten), die durch Umwandlung aus den vec. 
Zellen entstehen, indem diese sich ein 
wenig vergróssern, abrunden, eine rothe 
Fárbung annehmen und sich von einander 
trennen, Die weitere Entwickelung dieser 
Akineten ist noch unbekannt.*) 

Nach Erzeugung mehrerer Gene- 
rationen vergallerten die Fáden im Sommer : 
ofters wie bei Stigeoclonium u. á., und es VE) 
cataractarum Ktz. a) ge- © ©ntsteht aus ihnen, indem die veget. Zellen Fis. 42. Chlorotylium 
nuinum. Endtheil eines in diesem Zustande sich durch gekreuzte Ako SBE) a eine 
einzelnen verásteltenFa- © Theilungsebenen zu theilen beginnen, eine ost oltan Haase 
bd 3 vergr. © Gloeocystis-Form. © Auch in den Zellen 250fach veror. 

Aaa san dieser Gloeocystis-Form, deren Zellen bei 
der Theilune die úussere, resistentere Schicht der Hůlle, nachdem diese gesprengt wurde, in 
úhnlicher Weise abwerfen wie Schizochlamys, bilden sich zu gewisser Zeit 4 bis 16 Zoogo- 
nidien aus, welche vier Wimpern besitzen und aus welchem direct die ursprůngliche 
Fadengeneration des Chlorotylium hervorgehen kann. 


Fig. 41. Chlorotylium 


128. Ch. cataractarum Ktz. ampl. [incl. Ch. incrustans Reinsch|. 


a) genučnum (Ktz.) nob. Tab. phycol. V. T. 37. Lager lebhaft- oder blassgrůn, 
trocken graugrůn, selten róthlichbraun [var. 6) fuscescens Ktz.|, von kohlensaurem Kalk 
stark incrustirt, hart, im Inneren ofters geschichtet, polsterfórmig. © Polsterchen anfangs 
halbkugelig, fast mohnkorn-, spáter bis hanfkorngross, gedránet und zusammenfliessend. 


!) Andere im Wasser lebende Trentepohlia-Arten (T. viridis [Ktz.] Wille [Stereococcus 
viridis Ktz., Gongrosira sclerococcus Ktz. ex p.) und T. de Baryana (Rbh.) Wille (Gongrosira de 
Baryana Rbh.)] sind fůr Bohmen noch zweifelhaft. Die bisher in Bohmen unter dem Namen Gon- 
grosira selerococcus Ktz. gesammelte Alge ist Chlorotylium incrustans.  Chroolepus pini Auersw. 
von Siegmund bei Reichenberg und Chroolepus saxicola Opiz bei Cibulka náchst Prag gesammelt 
gehóren nicht zu Trentepohlia. 

*) Nach Reinke [Botan. Zeitung, 1879 p. 479 in Anmerk.] wáre es nicht unměglich, dass 
aus diesen Zellen geschlechtliche Fortpflanzunoszellen entstehen. 


žák m — 6 vz 


Miorothamnion. 91 


Fáden seitig [scheinbar dichotomisch| verzweigt, meist parallel verlaufend, dicht gedrángt 
mit verlángerten, mehrzelligen Zweigen.  Veget. Zellen 6 bis 12 w dick, zweierlei, die 
lebhaft grůnen */, bis 1'/„mal, die mehr oder weniger farblosen, mit den grůnen, dfters 
reihenweise abwechselnden, 2 bis 6mal so lang, mit důnner Membran. Dauerzellen durch 
Haematochrom blass mennig- oder orangeroth, blos aus den kůrzeren Zellen entstehend, 
9 bis 15 w dick, kugelrund oder lánglich-elliptisch. 


b) incrustans (Reinsch) nob. [Ch. incrustans Reinsch „Contributiones“ Tab. 1. 
Chlorophyllophyceae| Zweige kurz, einzellig oder aus wenigen Zellen zusammengesetzt. 
Veget. Zellen 6 bis 12 u dick, meist 1mal, seltener 2 bis 3mal so lang, „alle gleich- 
mássig grůn gefárbt; erst nach Entléerung der Zoogonidien aus den einzelligen Seiten- 
zweigchen werden einzelne Zellen hyalin; sonst wie a). 

Auf Steinen, Felsen, Hólzern, Pflanzen in schnell fliessenden Báchen, unter Ka- 
tarakten, bei Můhlgángen, unter Wehren u. á. krustenartige Uberzůge bildend (4—11). 
In der Umgebung von Prag mehrfach, so im Bache bei Hlubočep, bei St. Prokop bis 
gegen Nová Ves, in der Generalka noch im J. 1883 reichlich mit Akineten; im Choteč- 
Thale; im Bache bei Karlstein, „v Pánvích“ náchst Srbsko, bei St. Iwan, im Suchomaster- 
Thale bei Kónigshof; in Báchen bei Roztok, Klecánky meist a) und d); bei Melnik, 
Sulowitz náchst Lobositz (mit Akineten); bei Kožow náchst Laun, Saidschitz, bei Bilín 
(mit Akineten), bei Jung-Bunzlau, Eisenbrod a)! 


28. Gattung. Microthamnion Nág. 


Der Thallus bildet kleine, mehr oder weniger stark verzweigte, an Wasser- 
pianzen ete. festsitzende blassgrůne Bůschel. Verzweigungen seitlich, fast so dick wie 
die Hauptfáden, alle einander gleich gestaltet. Seitenástchen entstehen, indem die untere 
von zwei Zellen seitlich unter der darůber stehenden hervorwáchst 
und eine Auerwand nicht an der Ausbuchtungstelle, sondern erst 
ein Stůck darůber bildet. Veget. Zellen stets lánger als dick, 
důnnwandig, mit blass grůnen Chlorophoren. Endzellen der Zweig- 
chen důnner als die úbrigen Zellen, stumpf, haarlos. 

Vermehrung durch Zoogonidien. Gonidangien endstándig, 
von den veget. Zellen durch ihre Form und Grósse wesentlich 
verschieden. Dauerzellen unbekannt. 


129. M. Kůtzingianum Nšáo. ampl. 

a) genuinum (Nág.) nob. (M. Kůtzingianum Nág. Tab. phy- 
col. HT. T. 1. non exact.) Bildet kleine, hellgrůne Bůschel. Hauptfáden 
zuerst fast trichotom, hoher subdichotom verzweigt. Verzweigungen 
ausgebreitet. Einzelne Aeste einfach oder mit kurzen leicht gebo- 
genen, nicht steif aufrechten Zweigchen. Veget. Zellen cylindrisch, 
9 bis 5 u dick, 3 bis 6mal so lang, von einander durch schmale hya- 
line Zonen getrennt; die unterste Zelle mit stumpfem, farblosem 
Ende an der Unterlage festsitzend, die am Fusse der Verzwěi- 
gungen stehenden Zellen kniefórmig gebogen. 


b) strtetisstmum (Rbh.) nob. [M. strictissimum Rbh. AlS. 
exs. Nr. 829! Bulnheim's Orig. Exemp. in Mus'!| Bildet gróssere, 
blass gelblichgrůne, schleimige Bůschel. Hauptfáden dicht besen- © A ý 
fórmig verzweigt. Aestchen straff, gerade, aufrecht zusammen- eh S 
gezogen. Veget. Zellen 3 bis 4 u dick, 3 bis 8mal so lang; mlinaný Cipietioje 2 
sonst wie a). nes stárker verzweigten 

In stehenden Gewássern, Brunnen (a), Wassergráben, © Hauptastes etwa 450mal 
Sůmpfen, Teichen auch in torfigen Wissern (%) an verschiedenen Pořay 
Fadenalgen, Wasserpflanzen, an untergetauchten Bláttern, Stengeln etc. festsitzend, in der 
Ebene und im Vorgebirge verbreitet (3—10). In der Umgebung von Prag mehrfach, so 


92 Microthamnion. 


in den Schanzgráben hinter dem gew. Kornthore, in den Sůmpfen bei Vysočan, im Frůh- 
jahre 1882 sehr zahlreich, in den Tůmpeln an der Moldau, in einem Felsenbrunnen an 
der Nordseite des Zižkaberges a), in den Sůmpfen bei Běchowic und Záwist d). In einem 
Brunnen bei Schlan, bei Kostelec a. E., Turnau, Semil, Eisenbrod, Tannwald, Kůnig- 
grátz; bei Wichstadtl und Bárnwald an der wilden Adler auch am Gipfel des Annaberges 
in einem torfigen Graben; bei Hirschberg, Seegrund náchst Eichwald, bei Franzensbad, 
in einem Brunnen im Stadtpark im Carlsbad; bei Mies, in den Teichen bei Wotic, 
Lomnitz náchst Wittingau d), bei Frauenberg, Budweis und Písek! ") 


V. Ordnung. ŠSiphoneae (Siphophyceae Rbh.). 


Der Thallus der Siphoneen besteht aus einer einzigen schlauch- oder blasenfór- 
migen, mehrfach verzweigten, verháltnissmássig sehr grossen, vielkernigen Zelle, deren 
oberer Theil an der Luft oder im Wasser wachsend Chlorophyll in Form von zahlreichen, 
in einer wandstándigen Schicht liegenden, scheibenfórmigen  Chromatophoren (Chloro- 
phoren) enthált, wáhrend der untere Theil zu einem chlorophyllosen, oft reich verzweigten 
Haftorgane (Rhizoide) sich ausbildet. 

Geschlechtliche Fortpflanzung entweder durch Oosporen, die einzeln in Folge der 
Befruchtung der in Oogonien eingeschlossenen, stets unbeweglichen Eizellen durch in 
Antheridien erzéugte schwármende Spermatozoiden entstehen und noch in demselben 
Jahre, in welchem sie entstanden sind, keimen, oder (Botrydium), durch Isosporen, die nach 
der Copulation zweier gleich gestalteter Schwármzellen (Isogameten) entstehen und bei 
ihrer Keimung sofort eine vegetative Pflanze hervorbringen. Ungeschlechtliche Vermehrung 
durch neutrale Zoogonidien, durch Zelltheilune und mancherlei unbewegliche Brutzellen 
(Dauerzellen ete.). 


Úbersicht der Familien der Siphoneen, 


XVL Familie. Vaucheriaceae. 

Oogame, mit Oogonien und Antheridien versehene, schlauchfórmige, mehrere mm lange, 
meist dichotomisch verzweigte, dichte Rasen bildende, einzellige Algen, welche sich durch unge- 
schlechtliche, bewegliche, an ihrer ganzen Oberfláche bewimperte oder durch bewegungslose Go- 
nidien und durch geschlechtlich entstandene Zygoten (Oosporen) vermehren. 


XV. Familie. Botrydiaceae. 

Isogame, Oogonien und Antheridien entbehrende, kleine (etwa 1 bis 3mm grosse) blasen- 
fórmige einzellige Algen, mit einem chlorophyllhaltigen, in die Luft ragenden stark aufgeblasenen 
Ende und einem unterirdischen, hyalinen, vielfach verástelten rhizoidartigen Theile. Geschlechtliche 
Fortpflanzung durch Isosporen. Ungeschlechtliche Vermehrung durch einwimperige Gonidien. 


XVI. Familie. Vaucheriaceae. 


Der Thallus dieser fadenformigen, einzelligen, im Wasser und auf feuchter Erde 
lebenden, chlorophyllgrůnen Algen besteht aus einem einzigen, lang gezogenen Schlauche, 
welcher durch Aussackungen háufig falsch dichotom verástelt ist; ofters werden auch 
farblose Aestchen (Rhizoiden) in den Boden eingesenkt. Geschlechtsorgane (Antheridien 
und Oogonien) meist an einer und derselben Pflanze vorhanden. Die nach der Befruchtung 
der Oospháren durch Spermatozoiden entstandenen Oosporen (Zygoten) sind mit meh- 
reren Háuten umgeben und wachsen nach einer Ruheperiode zu einem neuen vegetativen 
Vaucheria-Schlauche aus. Ungeschlechtliche Vermehrung 1. durch bewegliche oder unbe- 
wegliche Gonidien, welche sich einzeln in keulig anschwellenden, sich abgliedernden 
Enden der Zweige entwickeln, 2. durch Brutzellen, d. h. durch Endglieder der Zweige, 


sb ») Microthamnion vexator Cooke (Grevillea XI. p. 75) u. a. M.-Arten werden vielleicht 
in Bohmen noch entdeckt werden. 


Vaucheria. 93 


welche von dičsen abfallen und bald keimen kónnen; 3. durch besondere Dauerzellen 
(Aplanosporen, Ruhecysten).“) Die beweglichen Zoogonidien verhalten sich in Bezug auf 
ihre Entstehung und weitere Entwickelung den unbeweglichen Gonidien vóllig gleich. Bei 
der Keimung kann der eine von den beiden důnnen Keimschláuchen zu einem reichver- 
zweigten hyalinen Haftorgan auswachsen, welches den Thallus im Boden befestigt. 


29. Gattung. Vaucheria D. C. 


Der Thallus ist aus einer fadenfórmigen verzweigten Zelle gebildet, welche in 


"ihrem wandstándigen Protoplasma in einer ununterbrochenem Schichte zahlreiche Chro- 


matophoren (Chlorophoren) enthált, die von der Zellwand durch eine důnne Lage 
farblosen Plasmas getrennt sind. Zwischen den kleinen Chromatophoren liegen ebenfalls 
sehr kleine (betráchtlich kleinere als die Chlorophoren) kugelige Zellkerne in ziemlich 
regelmássiger Anordnung und gleichmássiger Vertheilung, ausser diesen auch noch zahl- 
reiche Oeltropfcken. 


Die Oogonien sind fast kugelige Gebilde, welche an den mehr oder weniger 
verzweigten Thallusfáden hervorsprossen, durch eine Scheidewand von dem vegetativen 
Schlauche sich abgliedern und zur Geschlechtsreife an der Spitze sich offnen. Die meěist 
an demselben Faden mit den Oogonien vereinigten Antheridien sind seitliche oder ter- 
minale, farblose, verschieden gestaltete, ofters hornartig gekrůmmte Zellen, welche sich 
gleichfalls von dem sie tragenden Thallusfaden abgliedern oder von demselben durch 
eine leere, nicht chlorophyllhaltige Zelle getrennt sind und aus ihrem gesammten Inhalt 
eine grosse Anzahl kleiner Spermatozoiden bilden. Die Zahl und Anordnune der Ge- 
schlechtsorgane am Thallus ist mannigfaltig. Entweder sitzen Antheridien und Oogonien 
einzeln oder reihenweise dem Thallusfaden direkt auf oder sie stehen auf kurzen und 
důnnen Seitenástchen. Der Inhalt der kuceligen oder birnfórmigen, seitlichen oder ter- 
minalen Oogonien wird bei verschiedénen Species verschieden zur Eibildung verwendet; 
entweder wird das gesammte Plasma zur Bildung einer Oosphaere verwendet oder es 
wird ein Theil dieses durch eine Einschnůrung von der Hauptmasse abgegrenzt und als 
Plasmatropfen von dem spáter sich offnenden Oogonium ausgestossen, dabei wird die 
Membran des Oogoniums am Schnabelende nicht durchlóchert, vielmehr guillt sie gallert- 
artig auf und der austretende hyaline Plasmatropfen wird durch die Gallerte gepresst. 
Der zurůckgebliebene Inhalt des Oogoniums rundet sich ab, sein fast loser Scheitel ist 
der Empfángnissfleck. Zu der Zeit, wo aus dem Oogonium der hyaline Piasmatropfen 
ausgestossen wird, offnet sich auch das Antheridium und entleert seinen schleimigen 
Inhalt, aus welchem die in ihm enthaltenen sehr kleinen, lánglichen, mit zwei Cilien ver- 
sehenen, lebhaft beweelichen Spermatozoiden im Wasser bald zum Scheitel des Oogoniums 
gelangen und mit dem farblosen Empfángnissfleck verschmelzen. Die so entstandenen 
Zygoten sind dicht mit Oeltropfen erfůllt und besitzen eine derbe, meist geschichtete Haut. 


Ungeschlechtliche Zoogonidien entstehen an Aesten, deren oberes Ende keulen- 
fórmig anschwillt, dicht gekórntes, dunkelgrůn gefárbtes Protoplasma enthált und sich 
durch eine Scheidewand abgrenzt. Durch einen Riss an der Spitze tritt der ganze Inhalt 
als eine grosse lángliche oder rundliche Zoogonidie heraus, die auf ihrer ganzen Ober- 
fláche mit kurzen Cilien bedeckt ist. Die Zoogonidie enthált einen mit Zellsaft erfůllten 
Hohlraum, an ihrer Aussenfláche wird die chlorophyllfůhrende Plasmaschicht von einer 
ziemlich breiten farblosen Plasmaschicht umegeben, an welcher zahlreiche Zellkerne in 
regelmássiger Anordnung enthalten sind. Jedem Zellkern entspricht ein Paar Cilien, die 
von der Oberfláche der farblosen Plasmaschicht entspringen und paarweise einem klei- 
neren, dichteren Knětchen derselben angeheftet sind. Wenn die Schwármzelle zur Ruhé 
kommt, wandern die Zellkerne wieder durch die Chlorophyllschicht hindurch an die 
innere Begrenzung derselben. Seltener sind die Gonidien cilienlos und bleiben nach ihrer 


1) Mehr úber diese sog. Ruhecysten siehe in Stahls Abhandlung „Úber die Ruhezustánde 
der Vaucheria geminata“ 1879. 


94 Vaucheria. 


Ausstossung wie die ebenfalls unbeweglichen Zygoten lángere Zeit unbeweglich liegen, 
bevor sie keimen und sich weiter entwickeln. Bei Vaucheria geminata keimen die unbe- 
weglichen Gonidien ofters noch innerhalb ihres Gonidangiums. 

Bei dieser und bei einigen anderen Vaucheria-Arten úbergehen unter Umstánden 
die einzelligen Schláuche durch Bildung von Auerscheidewánden in eine Gongrosira-Form, 
welche wieder durch Zerfallen der einzelnen Plasmaportionen dieser Form Protococcus- 
artige Gebilde liefert."“) Sowohl aus der Gongrosira-Form wie auch aus deren Derivaten 
kónnen wieder neue normale Vaucheria-Schláuche auskeimen; háufiger als dieses tritt 
das Zerfallen des Plasmas in eine, je nach der Grósse des Ganzen wechselnde Anzahl 
von Portionen ein, aus welchen, wenn sie durch eine seitliche Óffnung der Gliederzelle» 
ins Wasser gelangen, nach kůrzerer oder lángerer Frist amoboide Plasmakórper meist in 
grósserer Anzahl [nach Stahl bis 40 und mehr aus dem Plasma einer Gliederzelle]| ent- 
stehen. Nachdem diese Vaucheria-Amóben eine Zeit lang sich bewest haben, gehen sie in 
einen Ruhczustand úber; ihr Plasma nimmt Kugelgestalt an und umgibt sich mit einer 
Membran, ihr Chlorophyll und die úbrigen Inhaltsbestandtheile růcken an die Peripherie 
der sich allmáhlich vergróssernden Kugel. Unter gůnstigen Umstánden wachsen dann die 
aus den V.-Amóben hervorgegangenen grůnen Kugeln zu neuen, feinea Vaucheriaschláuchen 
aus. An trockenen Standorten gehen sie aber in einen Ruhezustand úber. Die Mehrzahl 
dieser Ruhezellen oder sog. Cysten ist von kugeliger seltener von unregelmássiger, bohnen- 
fórmiger ete. Form, ihre Membran wird dicker und es treten in derselben eigenthůmliche 
locale braune, linsenfórmige Verdickungen auf.  Auch diese Ruhezellen oder Cysten sind 
einer Vermehrung durch Theilung fáhig und aus ihrem Inhalte wachsen bei der Keimung 
neue feine Vaucheriafáden aus.*) 


A. Corniculatae. Antheridien horn- oder hakenfórmig gekrůmmt, am Ende kurzer 
Seitenástehen des Thallus. 


a) Sessiles. Oogonien neben den Antheridien sitzend oder sehr kurz gestielt. 


130. V. sessilis (Vauch.) De C. [incl. V. repens Hass.| 


a) genuina (Vauch.) Rbh. Tab. phycol. VI. T. 59. Wittr. et Nordst. Alg. exs. 
Nr. 456! Lager rasen- oder polsterfórmig, schmutzig oder blassgelbgrůn, etwas schlůp- 


Fig. 44. Vaucheria sessilis (Vauch.) De C. Zwei durch Keimung 
einer ungeschlechtlichen Zoogonidie entstandene kurze Schláuche 
mit einem wurzeláhnlichen Haftorgan. Vergr. etwa 30mal. 


ferig, weich. © Fáden spárlich verzweigt, 120 bisweilen aber auch nur 50 u dick. 
Oogonien auf den Hauptfáden sitzend, schief eifórmig und kurz geschnábelt, einzeln zu 
2 bis 3 genáhert, ofters nur 60 u dick, 105 m“ lang. Antheridien am Ende eines horn- 
bis hakenfórmig gekrimmten oder schneckenfórmig eingerollten Astes, nicht selten in 
der Mitte zwischen zwei Oogonien. Membran der Oosporen dreischichtig. © Zoogonidien 
ringsum mit Cilien bedeckt, in keulenfórmis-eifórmigen Gonidangien entstehend (V. cla- 
vata Auct.). Im Wasser lebend. 


") Vergl. Stahl „Uber die Ruhezustánde von Vaucheria geminata“ 1879. 
*) Mehr úber diese Ruhezellen in Stahls Abhandlung L. c. p. 134 u. f. 


+6 


Vaucheria. 95 


b) repens (Hass.) Rbh. (V. repens Hass.) Tab. phycol. VI. T. 18. Auf feuchter 
Erde. Lager důnne, filzige, grůne bis gelblichorůne Uberzůge bildend. Fáden leicht ver- 
flochten; důnner. Oogonien meist einzeln, 72 bis 84 u lang; sonst wie a). 

Diese vielfach in Bezug auf Fárbung der Fáden, Zahl, Form und Štellung der 
Geschlechtsorgane variirende Vaucherie ist sowohl in stehenden und fliessenden Wássern 
wie auch auf feuchter schattiger Erde (d), in der Ebene und im Vorgebirge sehr ver- 
breitet (3—11). a) In Sůmpfen, Wassergráben, Tůmpeln, Báchen; b) auf nasser Garten- 
erde, an Wiesen, auf Waldboden ete. In der náchsten Umgebung von Prag nicht selten; 
so auf feuchter Erde im Heine'schen-, gráfl. Kinsky'schen Garten, in Gárten und an den 
Hóťen in einigen Privatháusern, auf der Kaiserwiese, im Baumgarten, bei Troja, Podbaba, 
Roztok, Žalov, Podmoráň, bei Hlubočep, Chuchelbad, Branik, St. Prokop, Radotín, Čer- 
nošic; bei Krč, Kunratic, Hrdlořez, Strašnic, bei Karlstein, St. Iwan, Beraun, Půrglitz, 
Stadtl, Rakonitz, Schlan; bei Chlumčan, Neu-Straschitz, Peruc, Libochowic, CČížkowic, 
Sulowic, Lobositz, Leitmeritz, Raudnitz, Kralup, Hořín bei Melnik; bei Kolín, Dymokur, 
Jičín, Wostroměř, Žehuň, Chlumec an der Cidlina, Pardubice, Smiřic, Kónigerátz, Hořic, 
Weisswasser, Hirschberg, Arnau, Starkoč, Parschnitz, Alt-Paka, Hohenelbe, in der Spin- 
delmůhle im Riesengebirge; bei Nachod; bei Tannwald, 
Eisenbrod, Turnau, Semil, Bakov, Jung-Bunzlau, Kostelec 
a. E., Neratowic; bei Reichenberg (Siegmund als V. caespi- 
tosa Ag. nicht fructif. mit Conferva amoena u. a. Mus!), 
Fugau? [Karlgals V. clavata nicht fructif. Mus!], bei Herrns- 
kretschen, Bilín, Dux, Brůx, Eichwald náchst Zinnwald, 
bei Carlsbad, Franzensbad; bei Řičan, Stránčic, Sazawa, © ků 
Kocerad; bei Beneschau, Bystřic, Olbramowie, Wotic, Stupčic, FS. 45.. Vaucheria  sessilis 
Střezmiř, Sobieslau, Veselí, Zamost, Kaplitz, Wittingau Ete Katoce les Der 

) ) ) ) ) >. derlei Geschlechtsorgane tra- 
Lomnic, Krummau, Rosenberg, Hohenfurth; bei Mies, Klattau, © genden Schlauches. Vere. etwa 
Písek, Horažďowic, Protivín, Pilsen, Přibram, Jinec, Hořowic! T0fach. 


b) Racemosae.  Oogonien auf besonderen Fruchtzweigen, auf deren Spitze die 
Antheridien sich befinden; «) Oogonien aufrecht, 


131. V. geminata (Vauch.) Walz.") (incl. V. caespitosa Vauch. Ag. Rbh. FI. europ. 
alg. III. p. 276, nach Nordstedt's Algolog. smasaker II, 1879, p. 186) und Gongrosira 
dichotoma Ktz. Tab. phycol. IV. T. 98 nach Stahls „Úber die Ruhezust. d. V. ge- 
minata“. Tab. phycol. VI. T. 63. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr, 455! Bildet schmutzig 
grůne Rasen. Fáden dicht verworren, robust, fast dichotom verzweist, etwa 30 bis 90 u 
dick. Oogonien und Antheridien auf důnnen Zweigchen der Art stehend, dass das Anthe- 
ridium die Spitze einnimmt. Oogonien aufrecht, auf keiner Seite concav, meěist zu zweien 
rechts und links, seltener einzeln oder 3 bis 5 und mehrere [var. S) racemosa Walz. 
Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 230!'] unterhalb des kornfórmig gekrůmmten Antheridiums. 
Oosporen 115 bis 225 u dick, 180 bis 190 u lang von der dreischichtigen, nicht ver- 
schleimenden Oogonium Membran umgeben [die mittlere Membranschicht ist ziemlich 
důnn|, abfallend. Ungeschlechtliche Fortpflanzung durch unbewegliche aus dem Gonidan- 
gium nicht ausschlůpfende Gonidien und Aplanosporen, welche an der frůher als Gon- 
grosira dichotoma (Ktz.) beschriebenen Form entstehen. 

Im Wasser und auf feuchter Erde meist am Rande stagnierender oder langsam 
fliessender Gewásser, ofters in der Náhe von Botrydium granulatum (6-—9). In der Um- 
gebung von Prag bei Hrdlořez und Radotín, bei Oužic náchst Kralup, bei Lobositz am 
Ufer der Elbe! bei Lochotín náchst Pilsen auf feuchter Erde [Hora, Flora v. Pilsen p. 12]. 


132. V. hamata (Vauch.) Walz. Wittr. et Nordst. Alg. exs. Nr. 229! | Bildet 
schmutzig- oder gelblichgrůne Rasen und filzige Úberzůge. Fáden ziemlich starr, unre- 
gelmássig verzweigt, etwa 45 bis 70 u dick. Oogonien meist einzeln eifórmig oder 
eifórmig-elliptisch, auf einer Seite concav, etwa 60 bis 80 u dick, 75 bis 90 w lang, 


1) V. de Baryana Wor. (Bot. Zeitung 1880 T. 7), welche der V. geminata nahesteht, wird 
wahrscheinlich in Bohmen noch entdeckt werden. 


96 Vaucheria. 


einzeln auf kurzen Fruchtzweigen sitzend, auf welchen auch Antheridien auf der Spitze 
verlángerter, gekrůmmter Seitenzweigchen sich befinden. Reife Oosporen mit dicker, 4 oder — 
mehrschichtiger Sporenhaut umgeben, deren mittlere Schicht dicker als bei der vor. Un- © 
geschlechtliche Vermehrung durch unbewegliche Gonidien, welche sofort keimen, wie sie 
ihr Gonidangium verlassen haben. 

Auf feuchter Erde und im Wasser in Gráben, Teichen an Flussufern u. á. (6—9). 
So am Ufer der Wotawa bei Písek! 


6) Oogonien abwárts geneigt. 


133. V. uncinata Ktz. Tab. phycol. VI. T. 60. Bildet dichte, schmutziggrůne, 
spáter verblichene Rasen. Fáden spárlich verzweigt. Fruchtzweige 2 oder Szinkig; die 
beiden seitlichen, hakenfórmig gekrůmmten Zinken tragen je ein oder zwei eifórmige 
oder rundliche 95 bis 106 u dicke, abwárts geneiste Oogonien. Oosporen locker in der 
aus drei Schichten gebildeten Oogonium-Membran. 

In Sůmpfen, am Rande stehender Gewásser (7—9). So bei Teplitz [Karl Rbh. 
Flor. europ. alg. II. p. 271.| 


B. Tubuligerae. © Antheridien lánglich cylindrisch oder lanzettlich, nicht oder 
nur wenig gekrůmmt, mit einer apicalen Offnung wie die rundlichen Oogonien fast ungestielt. 


134. V. dichotoma (L.) Ag. Tab. phycol. VI. T. 56. Wittr. et Nordst. Alg. 
exs. Nr. 337, 338! Dičcisch.") Bildet schmutziggrůne bis bráunliche, dicke, bis úber 
2 dm lange Rasen. Fáden bis 200 m dick, entfernt dichotom verástelt. Oogonien 
rundlich, uvgestielt, wagerecht abstehend, bis 110 u dick einzeln oder zu 2 bis 6 ge- 
náhert.  Antheridien klein, oval oder lánglichcylindrisch an dem Scheitel zugespitzt, auf 
besonderen Fáden.  Oosporen mit dreischichtiger Membran, deren áussere Schicht důnn 
und braun, die mittlere dicker, die innere důnn.*) 

In Tůmpeln, Gráben, Teichen wie vor. (8—10). Bei Reichenberg [von Siegmund 
als V. dichotoma nicht fructif. gesammelt Mus?|. 


XVII. Familie. Botrydiaceae. 


Einzellige, auf feuchter Erde lebende Algen, deren Thallus aus einem oberir- 
dischen chlorophyllgrůn gefárbten Bláschen und einem hyalinen, unterirdischen, vielfach 
verzweigten, wurzelartigen Fortsatz besteht, selten entstehen auch am oberen Thailus- 
theile Andeutungen kurzer Verzweigungen. 

Geschlechtliche Fortpflanzune durch Copulation von Isogameten, wodurch eine 
Zygote (Isospore) gebildet wird, aus welcher bei ihrer Keimune sofort eine neue vege- 
tative Pflanze hervorgeht. Der Inhalt dieser letzteren bildet sich Ófters in eine unbe- 
stimmte Zahl von ruhenden Zellen (Sporen) um, deren Inhalt bei der Keimung in eine 
Anzahl geschlechtlicher, copulirender und Zygosporen bildender Microzoogonidien sich um- 
wandelt. Ungeschlechtliche Vermehrung 1) durch neutrale Macrozoogonidien, 2) durch 
vegetative Theilung des ganzen Thallus, dessen oberirdischer Theil einen kurzen, kuge- 
ligen Seitenspross hervortreibt, welcher nachdem er einen eigenen Wurzelfaden in die 
Erde eingesenkt hat, sich durch eine Scheidewand von der Mutterpflanze isolirt, 3) durch 
sog. Wurzelzellen. 


30. Gattung. Botrydium Wallr. 


| Der oberirdische chlorophyllgrůne Theil des Thallus ist blasenfórmig, von der 
Grósse eines Stečknadelkopfes, am Scheitel abgerundět, an der Basis zu einem zarten 
vielverzweigten, farblosen umnterirdischen Rhizoide umgewandelt. Die oberirdische Blase 
!) Vergl. Nordstedt „Algolog. smasaker“ II, 1879 p. 187. 


ř Nach Kirchner (Algen v. Schlosien p- 82) ist es zweifelhaft, ob diese Fortpflanzungs- 
zellen wahre Oosporen oder ungeschlechtliche Gonifien sind. 


APR 23 1938 
UNIVERSITY OF ILLINOIS 


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asketa 0 BK o s AO no stání i E 1 tk 


M vy E ELE EC B.A ND. 
Erster Theil. 
(L Die Arbeiten der topographischen Abtheilung (Terrain- und Hóhenverháltnisse). 


Dieselbe enthált: 


a) Das Terrain und die Hóhenverháltnisse des Iser- und des Riegen- 
gebirges und seiner sůdlichen und ostlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl 
Kořistka. 128 Seiten Text, 2 chromolith. Ansicht., 1 Profiltafel und 10 Holzschnitte. 

b) Zweite Serie gemessener Hohenpunkte in Bohmen (Sect.-Blatt III.) von Prof. 
Dr. Kořistka. 84 Seiten Text. 

-c) Hóhenschichtenkarte, Section III., von Prof. Dr. Kořistka. (Diese Karte 
© enthált die in dem vorstehenden Text angegebene Situation im Massstabe von 1 : 200.000). 
d) Hohenschichten des Riesengebirges von Prof. Dr. Kořistka im Maasstabe 

MOM: L00.000 re diesen ADtheilime 7.1.1% V Ska Mě aa fl. 450 


II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthált: 


a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Bohmens mit 4 Tafeln. 
db) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken bei Klein-Přílep, Lísek, Stílec, 
Holoubkow, Mireschau und Letkow mit 9 Holzschnitten. 
c) Jos. Vála und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend 
von Prag und Beraun mit 6 Tafeln, 9 Holzschnitten und 1 Karte. 
d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend 
zwischen Beneschau und der Sázava, mit 1 Tafel und 1 Karte. 
Dieser Theil enthált 448 Seiten Text, 11 Paléln 18 Holzschnitte und 2 geol. Karten. 
Es en P p o p A a S -den B es oa EP 00 M EE Ar 


II. Theil enthált: 


WWe-Bim. Boťřický: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen ej E 
Hao Debenkext db koteln APrelS —, "z © 2:65 008 Vu avdoveé 00 6 E i 8 x 


2 WV EIT'"E E EC BAND. 
Zweiter Theil. 
III. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthált: 


Prodromus der Flora von Bohmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský (II. Theil) 
OSE OKUMA Ke atol LCS 3 -c 02m ep ak am 6 vle 0 0 alik 066 66 i. 2:60 


IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthált: 
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Die Wirbelthiere Bohmens. 


B) 8 4 8 Die Flussfischerei in Bohmen. 
12) K SME k 3 Die Krustenthiere Bohmens. 
Mit 1 Tafel, 100 Holzschnitten, 272 Beiten Text. Preis... .<.....2.« PB o adí P: 


V. Chemische Abtheilung. 


Prof. Dr. Em. Bořický: Úber die Verbreitung des Kali und der Phosphorsáure 
m.deni6 ceteulen Bohmens. 58 Seiten Text. Preis... © <. < + < « dle 60 kr. 
Preis der ganzen zweiten Hálfte des zweiten Bandes (III., IV. u. V. Abth. zusammen) geb. A. 5— 


EDUEG EEE EEC ESA ND. 


I. Topographische Abtheilung. 


Verzeichniss der in den J. 1877—1879 vom k. k. mil.-geogr. Institut trigonometrisch 
bestimmten Hóhen von Bohmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Kořistka und 
Mob i- Damblebsky von Pternteckimit 1 Karte z = <. S'e we * deda fl. 1:80 


i II. Heft. Peknaskanbi eno“ 54 dl iřěnadí den AoloohyPioá 11. 
: Prof. Dr. Em. Bořický mit 2 chromolith. Tafeln. 88 Seiten ' 
i III. Heft. Die Geologie -dés běhmischen „Brzgebirges ( Theil) 
Gustav Laube mit mehreren O und einer r Profiltafel. 1 


6 Preis. P . . .* ce . . . .) 40 a žes . . ja s 0 DM > č » s 
AL- K581- Fy bd cavk  Psezistě zdi JŘ jek k DDiac skoč 


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III. Botanische Abtheiluns: ka 


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Prodromus der Flora von Bohmen von 1 PLGP Dur Ladisláv Čelakovšk 
Schluss.) 320 Seiten Text. Preis K ABO B 090 


s. p 4 


IV. Zoologische Abtheilung: 


I = n Myriopoden Bohmens von F. V. Bosiský: mit 24 Holzschnitten m Seten © 
i z TOK: Prels (si ke A696 re, Kpt! voj Cl al KE p ROTT AS (60 kr. 
ou Heft. Die Cladoceren Bóohmens von Bohuslav Hellich mit 70 Holzschnitten 
182 *Seitení TExt ss LY E81. 006 A VTT 1108 MR A 0.08 Che Ia0 M0 M0 Ed Sh) MA 160 "A 


V. Chemisch-petrologische Abtheilung 


*mente einer neuenchemisch-mikroskopischen Mineral-und Gesteinsanalyse © 


4 


„ 


VIEEUEER BAND. 


tudien im Gebiete der bohmischen dý ené Die po 


sond" "ud kdy RU dar = k ny p o Pr a MĚ pěn — 


4 Beiten Text. Preiš <- © PRA BE čo já 


av. Theil.) Nachtráge bis 1880. o emotiise und Renistečí k 
74. Petrologische Studien. an den Porphyrgesteinen E roh von Prof. z 
0 BOLVOKY 070 en bona ke A3 ao 0 Ponce Dké 
No. 5. Flora des Plussgobictos der Čfálina und Mrdlina von Prof. Ed. Pospíchal 3 
1. 1 

No. 6. Der Hangendflótzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Carl 
Feistmantel. PARA, Ako o ye: 


FUNFTEMR BAND. 


No. 1. Erláuterungen zur melilěoisčhonKa?ke des idomhiscck (Železné hory ke 
und der angrenzenden: PSO im čstlichen Bohmen von J. Krejčí nu9m 
sA Welmhackér" s, Zp dale. a 2 S11 Seské LpR4  E 

(Die Kate atší erscheint spáter.) aaa k: M 
No. 2. Studien im Gebiete der bohmischen Kreideformation. MM Die Iser- v 
schichten. Von Dr. Anton Frič. Mit 182 Textfiguren. . <.. <. +. ++ ++ L8— 
No. 3. Die mittelbohmische Steinkohlenablasgerung von Carl Foistuinkél.. Mit © 
20 Holzschnittem "s +7 5m Eodkpac 358: B02 aáie V k 2o4k18 MožAJ 1ak le dd „120 
No. 4. Die Lebermoose (Hepaticae) BOUtens, von Prof. Jos. Dědeček. ; (Doutooší c 
noch nicht erschienen.) o La 

No. 5. Orographisch-geotektonische Úbersicht des silurischen Gebietes imo 
mittleren Bohmen. Von Johann Krejčí und Karl Feistmantel, 
Karte und vielen Holzschnitten . . . . 6 2 bos by M k 
No. 6. Prodromus der Algenflora von bodl ně Rřstér Theil enthaltend die n : 
phyceen, Phaeophyceen und einen Theil der Chlorophycen. Von Dr. Anton Hansgirg 


Druck von Dr. Ed. Grégr in Prag 1886. — Selbstverlag. 


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